Bücher mit dem Tag "neuzeit"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "neuzeit" gekennzeichnet haben.

27 Bücher

  1. Cover des Buches Er ist wieder da (ISBN: 9783847905998)
    Timur Vermes

    Er ist wieder da

    (3.405)
    Aktuelle Rezension von: deidree

    Das Buch lag schon lange auf meinem Regal und jetzt weiß ich auch warum ich es von mir geschoben habe. Ich finde einfach keinen Zugang zu dieser Art von Humor, falls da irgendwo einer versteckt sein sollte. 

    „Er ist wieder da“ löst bei mir eher Bauchweh aus. Die Vorstellung jederzeit könnte sich ein ähnliches Szenario wiederholen ist weder witzig noch wünschenswert. Leider ist die Möglichkeit nicht völlig auszuschließen. 

    In meinen Augen hat Timur Vermes wohl eine Satire erschaffen wollen. Bei mir kam diese Bemühung nicht an. Zu lesen fand ich die Geschichte einfach, aber emotional hat sich bei mir alles auf Abwehr gestellt. 

    Zugutehalten möchte ich den Versuch aufzuzeigen, dass eben jederzeit wieder ein Mensch mit gefährlicher Ideologie auftauchen könnte und wir aufgerufen sind, gut hinzusehen. Auch ist der Schreibstil flüssig und flott zu lesen. 

  2. Cover des Buches Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle. (ISBN: 9783596705580)
    Arno Strobel

    Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.

    (1.140)
    Aktuelle Rezension von: Stefy87

    Eine Auszeit gefällig? Ohne Internet, ohne technische Geräte, genau das erleben einige Menschen gemeinsam. Eine junge Gruppe wagt dieses Experiment und verlässt ihre Komfortzone und ihr Zuhause, um einige Tage in einem Bergsteigerhotel auf über 2000 Metern Höhe zu verbringen.

    Doch schon am zweiten Tag wird die Auszeit zum absoluten Horror: Einer aus der Gruppe verschwindet und wird später misshandelt aufgefunden. Von diesem Moment an wächst das Misstrauen untereinander, denn plötzlich könnte jeder der Täter sein. Jeder wird verdächtigt.

    Ich fand die Geschichte mega spannend, sie hat mich bereits auf der ersten Seite abgeholt. Durch die kurzen Kapitel fliegt man nur so durch die Seiten. Auch wenn sich einige Stellen zwischendurch etwas in die Länge gezogen haben, war der Schreibstil insgesamt sehr flüssig und modern.

    Es gab mehrere unerwartete Wendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Die Protagonisten fand ich ebenfalls sehr interessant. Allerdings war es am Anfang etwas schwierig, den Überblick zu behalten, da gleich zu Beginn der Reise alle Charaktere vorgestellt werden. Dadurch fiel es mir zunächst schwer, sie voneinander zu unterscheiden. Im Laufe der Geschichte wurde das jedoch deutlich einfacher.

    Das Ende kam für mich komplett unerwartet, bis zuletzt war ich mir nicht sicher, worauf alles hinauslaufen würde.

    Ganz klare Leseempfehlung!

  3. Cover des Buches Die Puppenspieler: Roman (ISBN: B0916787JD)
    Tanja Kinkel

    Die Puppenspieler: Roman

    (446)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Süddeutschland, 1484: Richard ist zwölf, als er aufgrund einer erlogenen Hexerei-Anklage seine Mutter an die Inquisition verliert. Ihre Hinrichtung traumatisiert den Jungen für immer, öffnet ihm aber auch auf eine groteske Weise das Tor zu einer nie geahnten Welt: Seine junge Tante Sybille Artzt nimmt ihn in ihrem Haushalt auf - und in dem ihres Ehemannes, des Kaufmannes und kaiserlichen Bankiers Jakob Fugger. 

    An Jakobs Seite wird Richard zum Kaufmann und Spion ausgebildet - eine Tätigkeit, die ihn nach Florenz führt, in das Zentrum der Kultur der Renaissance, wo er zu Jakobs Informanten wird, und schließlich in das Rom des Jahres 1492, wo die Familien der Borgia, Della Rovere, Sforza, Colonna und Orsini um den Papsttrohn ringen. 

    Im Zentrum der Macht angelangt, beschließt Richard, sich zu rächen an jenen Kirchenmännern, die seine Mutter getötet haben. Doch auf ihn lauern mehr Feinde als geahnt - und die Tatsache, dass seine Geliebte eine übersinnlich veranlagte Zigeunerin ist, macht ihn umso verwundbarer ... 


    Dieses Buch ist sicher kein stümperhaftes Actionwerk. Kein rohes Schlachtenabenteuer. Dafür ist es ein subtiles Panorama des späten 15. Jahrhunderts in der Zeit von 1484 bis 1493, das angenehm langsam Spannung aufbaut und extrem gut eine Atmossphäre der Zeit erschafft, wie ich es sonst nur aus Gablé-Romanen kenne. Und mit Gablé kann sich Tanja Kinkel durchaus messen. Solange es noch solche Autoren gibt, bin ich auf die Bernard Cornwells und Iny Lorentz's dieser Welt nicht angewiesen, um unterhaltsame Bücher zu finden.

    Ein historischer Roman, der mich als Leser weder mit massenweise Infos, noch mit schwülstigen Liebesschwüren und zum Glück auch nicht mit Schlachtengedröhne erschlägt, sondern Zeit lässt, in das Buch herein zu finden. 

    Absolut zu empfehlen!

  4. Cover des Buches Das Europa der Könige (ISBN: 9783499629136)
    Leonhard Horowski

    Das Europa der Könige

    (10)
    Aktuelle Rezension von: jackdeck

    Leonhard Horowski, Historiker und Anglist, schenkt den an Geschichte interessierten Lesern viele Stunden Lesegenuss. Vielleicht erschrecken einige über den Umfang des Werkes, das mit 1.120 Seiten und knapp 1,5 kg nicht unbedingt zu den Leichtgewichten zählt.

    In 20 Kapiteln, die unterschiedlich lang sind, stellt Horowski mit leichter Feder eine längst versunkene Welt, die allerdings Auswirkung auf das Heute hat, dar. Er erzählt über adelige Machtkonstellationen, die sich im Absolutismus im „Alleinherrschertum von Gottes Gnaden“ manifestieren. Zuvor ist die Königswürde mitunter ein labiles Gebilde aus mehr oder weniger einflussreichen Adelsgeschlechtern.

    Der Hof des Königs zieht die Adeligen an, wie das sprichwörtliche Licht die Motten. Es wird gemauschelt und gemordet. Man gibt keinen Vorteil auf, weiß über die Hofetikette genauestens Bescheid und kämpft erbittert, sollte einer gegen dieselbe verstoßen.

    Manchmal hat man das Gefühlt einen Roman und kein Sachbuch zu lesen, so farbenprächtig und leicht lässt sich das kolossale Werk lesen.

  5. Cover des Buches Die Perlenfrauen (ISBN: 9783453420298)
    Katie Agnew

    Die Perlenfrauen

    (94)
    Aktuelle Rezension von: karin66

    Das Cover und der Titel haben sofort mein Interesse an dem Buch geweckt. Lässt es doch auf einen tollen Roman hoffen. Die Autorin habe ich bis jetzt noch nicht gekannt.

    Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, so dass die Seiten nur so dahinflogen und ich am Ende überrascht war, als das Buch zu Ende war.

    Die einzelnen Personen sind vortrefflich gewählt. Meine Sympathie galt sofort Sophia.

    Das Buch wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Zum einen gibt es da Sophia, die noch nichts wirklich in ihrem Leben auf die Reihe gebracht hat. Sie bekommt von ihrer sterbenskranken Großmutter den Auftrag, nach einer verschwundenen Perlenkette zu suchen.

    Die andere Handlung bestreiten Ammas, das sind Perlentaucherinnen. Da wird auch wieder ein Mutter-Tochter Verhältnis aufgezählt, und es geht hauptsächlich um bestimmte Perlen, die am Ende eine Verbindung zu allem darstellen.

    Selten hat mich ein Roman so gut unterhalten, wie dieser. Er beinhaltet alles, was man sich so wünschen kann, Romantik, Tragik, Lügen, Intrigen, Liebe und Verzeihen. Ein wunderschönes Buch, das ich nur weiterempfehlen kann. Es hat mir ein großes Lesevergnügen bereitet.

     

  6. Cover des Buches Die Verwandlung der Welt (ISBN: 9783406827426)
    Jürgen Osterhammel

    Die Verwandlung der Welt

    (10)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Das Buch ist vorzüglich, das überlegene Wissen des Autors über jeden Zweifel erhaben, allerdings bleibt der Zweck des Ganzen etwas unklar. Wollte Osterhammel beweisen, dass es möglich ist, eine Globalgeschichte zu schreiben? So ganz ist das nicht gelungen.

    Ich werde nur einige unsystematische und völlig subjektive Kommentare geben.

    Das Buch ist eine reine Strukturgeschichte, es beleuchtet die Hintergründe, vor denen die menschlichen Handlungen sich abspielen, Die sind dann aber nicht mehr das Thema. 

    Ich war schon fast fertig, als ich merkte, dass das Buch eher ein Nachschlagewerk ist und nicht dazu gedacht, am Stück gelesen zu werden. Wer also schnell eine Info zu Statistik, Eisenbahn, Hygiene oder fast jedem anderen Thema sucht, wird dank der guten Gliederung sicher schnell fündig und wird dank der globalen Ausrichtung neues erfahren.

    Osterhammel verwirft über weite Strecken den Gegensatz zwischen Kolonien und Metropolen, Ausbeutern und Ausgebeuteten,  weil die Verhältnisse eben komplizierter sind. Die Organisation einer Stadt konnte zum Beispiel gut oder schlecht sein, dass lag nicht daran, wo sich diese Stadt befand. So fördert er den Gedanken, dass die Menschen eng verbunden sind, mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert und eine ganze Bandbreite von Lösungen gefunden haben, die nicht unbedingt abhängig von Staaten und Kulturen sind. Im Kapitel über Handel und Goldstandard kommt das Thema Ausbeutung dann aber doch.

    Um die Stoffmenge zu bewältigen, musste Osterhammel abstrakte Oberbegriffe finden, merkt aber, dass dies den komplizierten Verhältnissen nicht gerecht wird. So muss er ständig relativieren und die wenigen Ausnahmen nennen. So kommt es, dass quasi andauernd von Meji-Japan die Rede ist, von dem man aber (siehe oben, keine Ereignisse) wenig erfährt.

    Das Kapitel über Migration fand ich am interessantesten. Hier wurde für mich die Verflechtung der Welt am deutlichsten, wenn sich in Amerika asiatische und europäische Migranten treffen und ganz unterschiedliche Beiträge beim Aufbau der neuen Welt leisten.

    Ein Fazit kann ich eigentlich nicht ziehen, weil ich nicht verstanden habe, worauf Osterhammel hinaus wollte. Vielleicht so: Das Buch ist beeindruckend, aber nicht lesenswert.

    P.S. (11 Tage später) Jetzt habe ich irgendwo den entschiedenen Halbsatz gelesen. Osterhammel will zeigen, wie die Welt im 19. Jhd. zusammenwuchs. 





  7. Cover des Buches Alexander der Große (ISBN: 9783406815386)
    Alexander Demandt

    Alexander der Große

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Admiral
    Bevor ich mit Euch, werten Lesern, über dieses Buch plaudere, solltet Ihr evtl. wissen, dass ich das Buch nicht vollständig gelesen habe. Das hat 2 Gründe. Erstens hat dieses Buch von Alexander (!) Demandt "Alexander der Grosse. Leben und Legende" (2009) satte 483 Seiten Fließtext, mit Anmerkungen, Zeittafel, Karten, Stammbäumen, sonstigen Verzeichnissen, Bibliographie und Register sogar 655 Seiten. Zweitens wollte ich von vorneherein lediglich über Rezeption und Quellenlage Alexanders lesen, da ich für die Person Alexanders des Großen bereits andere Bücher gelesen habe. Doch eines will ich Euch, werten Lesern, von vorneherein sagen. Dieses Buch hier ist mit bisher das sympathischste.

    Denn mal abgesehen davon, dass die Darstellung der Quellenlage ("Die Quellen", S. 1-32) gut strukturiert und die Erforschung der Alexanderrezeption ("Alexander im Spiegel der Nachwelt", S. 405-455) sehr nachvollziehbar dargelegt ist, schimmert der Autor Alexander Demandt mit einer sehr positiven und einnehmenden Art durch. Damit schafft der Autor die schwierige Brücke zwischen seriöser Wissenschaftlichkeit und gut lesbarerer Literatur.

    Beide Kapitel, die ich gelesen habe, sind international angelegt, bearbeiten also intensiv Quellen und Perspektiven, die den lateinischen Westen hinaus gehen.
    Da mir das Wenige so gut gefiel, habe ich noch das Fazit des Buches ("Alexander der Große?", S. 457-483) gelesen, in dem Demandt scheinbar alle bisherigen Themen und Einzelaspekte zusammenfasst und Alexander somit unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet und bewertet (?). Dazu gehören Alexanders Politik, Alexanders Entdeckungen, Alexanders Persönlichkeit als Mensch und mehr.

    Besonders positiv an dieser Biographie ist mir die alte römische Verhaltensorientierung der "variatio" aufgefallen, nach der römische Literaten nicht einfach ihr Thema abarbeiten sollten. Stattdessen sollten sie mit Exkursen (zB Geographie, Ethnologie, Anekdoten, etc.) Freude auf seiten des Lesers hervorrufen. Ähnliches macht Demandt auch, wenn er zB am Ende des Buches die Aporie des Historikers thematisiert, einerseits einen Mörder und (nach heutigen Maßstäben) Verbrecher als "Groß" zu bezeichnen und andererseits doch etwas Achtung vor dieser Person zu haben, da Gewalttaten in allen Zeiten durchaus üblich gewesen waren (und zT noch sind !), was jedem Historiker mehr als bewusst ist.



    Das Thema "Alexander der Große" hatte mich bisher noch nie wirklich interessiert, obwohl Euch das etwas paradox anmuten könnte, wenn Ihr mal in meine Bücherlisten reinschaut (viel mit Antike und so). Doch ganz besonders dieses Buch hat es mir angetan und sollte sich nochmal die Zeit und Gelegenheit bieten, werde ich es nachholen, es in seiner Gesamtheit zu lesen. Denn in einem Punkt zweifle ich nicht: dass es sich lohnen würde.



    Bisher ist mir Alexander Demandt schonmal positiv aufgefallen. Evtl. habt Ihr das Buch in meiner Liste schon gesehen: "Das Attentat in der Geschichte" (hg. von A. Demandt). Auf diesen Namen werde ich in Zukunft auch vermehrt achten. :)
  8. Cover des Buches Der Fährmann (ISBN: 9783426566282)
    Regina Denk

    Der Fährmann

    (96)
    Aktuelle Rezension von: rockchickdeluxe

    Hannes ist der Fährmann. Aber dies ist nicht die Geschichte des Fährmanns. Sicher, er ist es, der jeden Tag die Menschen über die Salzach bringt, der Österreich und Deutschland miteinander verbindet, der zwischen Weltanschauungen und den scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen des unerbittlichen 20. Jahrhunderts die Brücken schlägt.


    Der Brauch will, dass er selbst keine Familie haben darf. Und so rückt seine liebe Elisabeth in weite Ferne. Sie muss die arrangierte Ehe mit dem gewalttätigen Jungbauern Josef eingehen, dem Erben des größten Hofes an der Salzach. Hoffnungen auf eine Ehe mit ihm hatte sich ihre beste Freundin gemacht: Annemie. 


    Regina Denk schreibt keine Saga über den Fährmann. Es ist eine aufwühlende, markerschütternde Geschichte über zwei Frauen, die in den tyrannischen Strudeln der patriarchalen ländlichen Gesellschaft gefangen sind, die aufbegehren wollen, schier verzweifeln an der Ungerechtigkeit und der Einsicht, dass ein Ertragen besser ist, wenn es ums blanke Überleben als Frau geht. 


    Es ist eine Geschichte über einen Abwärtsstrudel aus Gewalt, dem Versuch der Selbstbestimmung, tiefer Loyalität und Schuld. Der Krieg bricht aus, die Welt ändert sich, aber was muss geschehen, damit zwei Frauen und ihr Freund Hannes endlich die Macht über das eigene Schicksal erlangen? 


    Regina Denk ist ein Meisterwerk gelungen. Ganz nah an den Figuren entspinnt sie ein intensives Drama, das die Figuren zum Greifen real werden lässt. Düster und bedrückend ist die Atmosphäre, so wahrhaftig, dass es in Teilen schwer zu ertragen ist. Wie die Frauen behandelt werden. Mit welchem Recht verdorbene Traditionen als ungeschriebene Gesetze akzeptiert sind. Wie diejenigen wegschauen, die aus Angst lieber schweigen. 


    Genau hier packt uns die Autorin, rüttelt an den Grundfesten der Geschichte und der Gegenwart. Es bedarf Anstand, Loyalität, Mut und Stärke, sich der Engstirnigkeit zu widersetzen. Der Ton ist einzigartig, die Kulisse berauschend. 


    Fortwährend tost die Salzach, erzählt von Liebe und Leid, vom Vergessen und der Ewigkeit. Der Fährmann hat sich eingeschrieben in meine literarische Welt, ein herausragender Roman. 

  9. Cover des Buches Misogynie. Die Geschichte des Frauenhasses (ISBN: 9783963181085)
    Jack Holland

    Misogynie. Die Geschichte des Frauenhasses

    (9)
    Aktuelle Rezension von: MeaKiai

    In diesem Werk des verstorbenen Autors Jack Holland, wird die Misogynie von der Antike bis zur Gegenwart beleuchtet.

    Das Buch ist sehr umfassend und gut recherchiert, allerdings fehlt mir in den einzelnen Kapiteln etwas die Struktur. Vielmehr werden Ereignisse scheinbar lose aneinandergereiht aufgezählt und der Autor kommt schnell von einem zum anderen. Das macht es oft etwas schwierig dem Thema zu folgen. Trotz allem erfährt man viel über die Geschichte der Misogynie und ich habe für mich einige neue Erkenntnisse herausziehen können, gerade was den Ursprung der gegenwärtigen Misogynie angeht.

    Auch wenn das Buch ein sogenannter „harter Brocken“ ist, lohnt es sich sich die Mühe zu machen, das Buch von Anfang bis Ende zu lesen.

  10. Cover des Buches Die Nachhut (ISBN: 9783746625584)
    Hans Waal

    Die Nachhut

    (103)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Vier, als junge Männer zu der Waffen SS eingezogene, Soldaten haben das Ende des zweiten Weltkrieges in einer großen unterirdischen Bunkeranlage nicht mit bekommen. Sie sind weiterhin der Meinung, es herrsche immer noch Krieg. Verstärkt wird ihre Annahme dadurch, dass über der Bunkeranlage ein Bombenabwurfplatz der UDSSR entstanden ist.
    Erst als der letzte Dosenöffner abbricht, entschließen sie sich die Anlage zu verlassen.
    Da sich in den letzten 70 Jahren natürlich sehr viel geändert hat, müssen die vier alten Herren mit den jetzigen Gegebenheiten zurecht kommen. Immer noch behaftet mit dem Gedankengut des dritten Reiches.
    Der Autor hat das Buch aus drei verschiedenen Sichtweisen geschrieben. Immer als Tagebuch. Aus Sicht des einen Soldaten, der Ermittlerin und eines Journalisten.
    Das Buch ist lustig, witzig aber auch traurig zu lesen.
    Witzig wegen der Situationen in die die vier alten Herren geraten (z.B. ein Zusammentreffen mit Neo-Nazis) traurig aber auch, da man wieder einmal sehen kann, was eine obskure Weltanschauung anrichtet.
    Allerdings sollte man wissen, dass man es mit "Er ist wieder da", das ja ein ähnliches Thema behandelt, nicht vergleichen kann. Das sind zwei verschiedene Dinge.


    Das Buch ist wirklich gut zu lesen und auch der Schluß fand meine Zustimmung.

  11. Cover des Buches Das europäische Jahrhundert (ISBN: 9783570554241)
    Richard J. Evans

    Das europäische Jahrhundert

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Dieses Buch mit dem Untertitel „Ein Kontinent im Umbruch 1815-1914“ ist die Geschichte Europas zwischen dem Ende der Napoleonischen Ära und dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Es ist das dritte in der Penguin-Reihe „Die Geschichte Europas“ und schließt an das Buch „Das Streben nach Ruhm“, das die Zeit zwischen 1648 und 1815 behandelt, an. 

    Richard J. Evans setzt sich nach einem langen Vorwort in folgenden acht Kapiteln mit dem Europa nach dem Wiener Kongress auseinander. Er tut dies aus verschiedenen Blickwinkeln: 

    • Das Erbe der Revolution
    • Die Widersprüche der Freiheit
    • Der europäische Frühling
    • Die soziale Revolution
    • Die Eroberung der Natur
    • Das Zeitalter des Gefühls
    • Aufstieg der Demokratie
    • Die Auswirkungen des Imperialismus 

    Dabei stützt er sich unter anderem auf Augenzeugenberichte, wie die Lebenserinnerungen des Ellwangener Steinmetzes Jakob Walter (1788-1864), der den Russlandfeldzug im Heer Napoleons mitgemacht und überlebt hat. 

    Evand beschreibt den Fortschritt durch die industrielle Revolution, die Europas Vormachtstellung erst möglich macht. Die Folgen sind die Verwandlung der Gesellschaft, die aus bäuerlichen Leibeigenen geknechtete Fabriksarbeiter macht, soziale Spannungen und Revolutionen 1830 bzw. 1848 inklusive. Das Bürgertum emanzipiert sich und läuft den Adeligen (fast) den Rang ab. 

    Das Bestreben Nationalstaaten (Italien, Deutschland) zu bilden und die bisherigen Legitimationen der Herrscher zu hinterfragen wird letztlich in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs führen. 

    Meine Meinung: 

    Trotz der 1.024 Seiten lässt sich das Buch sehr gut lesen. Das Werk enthält ein ausführliches Personen- und Ortsregister sowie acht Seiten weiterführende Literatur, die in unterschiedliche Themenkreise wie Biografien, Nationalgeschichte der Länder vom Balkan bis zur Schweiz, Politik, Wissenschaft und Forschung sowie Geschlechterbeziehungen und Religion gegliedert ist. Da lässt sich das eine oder andere Buch vertiefend zur Hand nehmen. Neben zahlreichen Abbildungen befinden sich auch  20 Karten, die die Veränderungen Europas von 1815 bis 1914 darstellen. 

    In jedem Kapitel sind die Kernthemen anhand einer konkreten Person - wie eben Jakob Walter - herausgegriffen und akkurat dargestellt. Damit werden die Leser direkt in die Epoche, das Land und die entsprechende Gesellschaft zurückversetzt und erhalten einen Einblick in das damalige Leben.  

    Der Schreibstil ist anregend, sachlich fundiert und lässt sich auch von historischen Laien gut lesen. Allerdings ist einiges Durchhaltevermögen erforderlich, denn so für zwischendurch ist dieses umfassende Werk der Geschichte des Kontinents im Umbruch 1815-1914 nicht.   

    Fazit:

    Wer gerne ein gut geschriebenes Werk über Europa zwischen 1815 und 1914 lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

     

  12. Cover des Buches Alice im Neuland (ISBN: 9783948576004)
    Paul Andersson

    Alice im Neuland

    (15)
    Aktuelle Rezension von: Waldwiesel

    Der Titel "Alice im Neuland" lässt eine Neufassung des Klassikers "Alice im Wunderland" vermuten. Weit gefehlt. Denn auch wenn sich Autor Paul Andersson in groben (sehr groben) Zügen durchaus an "Alice im Wunderland" orientiert, geht er mit diesem Buch ganz neue Wege. 

    Anderssons Geschichte spielt im Neuland. Dieses Neuland ist überall, zwischen Küchentisch und Datenstrom, Kinderzimmer und Autobahn. Der Autor verbindet Märchen und Sachbuch, Phantasie und Realität. Wer selbst nicht genau weiß was dieses "Internet" eigentlich ist, wo es herkam und wie es wurde, was s nunmal ist - nämlich unumgänglich - dem kann mit diesem Buch geholfen sein. Die rasante, abenteuerliche und phantasievolle Geschichte ist zugleich informatives Sachbuch mit einer Fülle an Informationen rund um das Thema Internet. Unterstützt durch interessante und ansprechende Illustrationen/Zeichnungen von Annemaria Papp-Ionescu und informative Grafiken kann "Alice im Neuland" sowohl Bilderbuch, als auch Lexikon darstellen.

    Dieses Buch ist ganz sicher etwas für thematisch Interessierte. Für Laien des Themas ist es jedoch zeitweise mühsam und schwer fassbar. Dennoch eine klare Leseempfehlung für Eltern von Kindern ab etwa 10 Jahren. Kinder verstehen ein solches Thema und eine derart moderne Umsetzung wie in "Alice im Neuland" meist wesentlich besser als ihre Eltern und können sich sicher gut mit der rasanten und impulsiven Erzählweise des Autors "vernetzen".

  13. Cover des Buches Glanz und Größe (ISBN: 9783421048608)
    Tim Blanning

    Glanz und Größe

    (2)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Klappentext:

    Tim Blannings Geschichte Europas erstreckt sich vom Ende des Dreißigjährigen Kriegs bis zum Wiener Kongress und zeichnet detailliert, höchst unterhaltsam und mit großer erzählerischer Kraft das Bild eines Zeitalters in tiefgreifendem Wandel – wirtschaftshistorisch, machtpolitisch, kulturell, militärisch. Neben großen Persönlichkeiten wie Louis XIV., Friedrich II., Napoleon, Voltaire oder Newton und den Eliten an Europas Höfen kommen immer wieder auch die Alltagssorgen und Nöte der niederen Stände in den Blick, die sich schließlich in der Französischen Revolution Bahn brechen sollten. Die Leichtigkeit, mit der Blanning die Perspektive zwischen den Kulturen wechselt, und die Fülle der verarbeiteten Fakten weisen den Autor als Meister seines Fachs und einen der bedeutendsten Historiker unserer Zeit aus. 

    Der Autor breitet sein immenses Wissen und die ungeheure Fülle der Fakten auf anregende, ja sogar unterhaltsame Weise aus. 

    Ein grandioses Buch mit einer unglaublichen "Fülle an Information"

  14. Cover des Buches Die Spur des Silbers (ISBN: 9783570105436)
    Tillmann Bendikowski

    Die Spur des Silbers

    (5)
    Aktuelle Rezension von: KleinerVampir

    Buchinhalt: 

    Reichtum und Wohlstand, aber auch Leid und Ausbeutung stehen kaum irgendwo so nahe beieinander wie beim Silber. Das Edelmetall verändert bis heute die Welt in allen Teilen, wird als Wertanlage aber auch Kunstgegenstand und Rohstoff geschätzt und verwendet. Das Buch zeigt in einer Zeit zwischen Mittelalter und Gegenwart anschaulich auf, wie dieses Edelmetall, das reichlichere Vorkommen als das wertvollere Gold hat, die Welt verändert und prägt. 


    Persönlicher Eindruck: 

    Eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art erwartet den Leser in diesem interessanten Sachbuch. Es geht über viele Epochen, vom Mittelalter bis heute und hat das Silber als zentralen gemeinsamen Nenner. Die Jagd auf das Edelmetall hat die Wellt seit jeher geprägt, Kriege und Sklaverei wären ohne es schier unmöglich bzw. förderte das Silbe diese noch zusätzlich.

    Angenehm fällt beim Lesen auf, dass der Autor sich einer verständlichen Sprache bedient und die Fachsprache anderer Geschichtsbücher außer Acht lässt. Gute Recherche und zahlreiche Quellen- und Literaturangaben machen das Werk auch zum unverzichtbaren Mittel der Wahl in Studium und Schulunterricht. Mit zahlreichen Farbseiten lockert er den Text informativ auf und man hat nie das Gefühl dass es trocken und verstaubt werden könnte. 

    Es geht um die ersten Silberminen in Amerika, spanische Konquistadoren, Piraten, Sklaven und letztendlich um den Normalbürger von heute mit dem geerbten Familiensilber, um NS-Raubsilber und Silber als Münzgeld. Nie wurde ein Edelmetall, abgesehen vom selteneren Gold, so vielseitig eingesetzt und somit erzählt das Silber ein Stück weit auch die Geschichte der Menschen dahinter.

    Was ich kritisiere, ist der relativ kurze Zeitabschnitt zwischen Mittelalter und Gegenwart. Die Antike wurde komplett ausgeklammert, obwohl es gerade zu griechischer und römischer Zeit genug Beispiele für die Verwendung von Silber als Kunstgegenstand, Tempelsilber und nicht zuletzt in Form von Münzen gab. Der Schwerpunkt liegt nahezu vollständig auf Europa und klammert weite Teile der übrigen Welt einfach aus – wobei ich es dahingehend verstehen kann, dass eine allumfassende Betrachtung den Rahmen eines Buches einfach sprengen würde.

    Sei's drum. Für mich war der Einblick in die abenteuerliche Geschichte des Silbers eine spannende Geschichtsstunde, die ich gerne weiter empfehle.

  15. Cover des Buches Der Augsburger Täufer (ISBN: 9783746614250)
    Georg Brun

    Der Augsburger Täufer

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Erwin-Reader

    Der Autor lässt einen mit vielen gelungenen Bildern eintauchen in das Schicksalsjahr 1527. Den Rahmen stecken die weltumspannenden Geschäfte des Hauses Fugger und ein zwielichtiger Buchhalter. Die Sinne spricht eine wunderbare Malerin an, die ihren Weg in dieser Männerdomäne machen will. Der Plot ist wendungsreich und immer spannend. Den Figuren folgt man gerne in die Wirrungen der Reformationszeit.

    Einzige Schwäche ist der abrupte und wenig glaubhafte Schluss.

    Dennoch ein empfehlenswertes Lesevergnügen.

  16. Cover des Buches Die Ritter von Crongton (ISBN: 9783956142550)
    Alex Wheatle

    Die Ritter von Crongton

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Roswitha_Boehm

    Dieser Band dreht sich um McKay. Einen Jungen, dem der Tod seiner Mutter noch immer schwer zu schaffen macht. Die Schulden der Familie und ein Bruder, der ein Magnet für Ärger zu sein scheint, helfen nicht gerade dabei, ein angenehmes Umfeld in Crongton zu schaffen. 

    Doch nun scheint MxKay‘s Chance gekommen zu sein, auch einmal ein Held zu sein: Er zieht los um einer Freundin zu helfen. Dabei trifft er auf einen durchgeknallten Exfreund, einen rachsüchtigen Gangster und sogar auf eine Gruppe Kid‘s, welche offenbar wahnsinnig geworden sind. Und schnell muss er feststellen, dass auch Helden nicht ganz alleine die Welt retten können. Eine schöne – moderne – Geschichte, die zeigt wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt sind.

    Anmerkung: Wichtig für das Verständnis zum Roman ist es zwar nicht den Vorgänger („Liccle Bit“) zu kennen, es erleichtert jedoch einiges, da es zwischenzeitlich Anspielungen auf vorangegangene Ereignisse gibt.

  17. Cover des Buches Die Barke des Re - Die Strafe des Seth - (ISBN: 9783744830614)
    Anke Dietrich

    Die Barke des Re - Die Strafe des Seth -

    (1)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Sie taten vornehm und ehrbar, doch für Gold und das Versprechen auf ein höheres Amt waren die meisten bereit, selbst ihren König zu hintergehen...“


    Der Tempel für den Pharao ist fertig. Aus Dankbarkeit schenkt Ramses Amunhotep und Meritusir je einen Sarkophag aus Granit. Während der Pharao mit Amunhotep und Meritusir in den Krieg zieht, plant Sethi ein neues Attentat. Er verstrickt sich immer mehr in seine Gedankenwelt. Er kennt nur ein Ziel. Meritusir soll seine Frau werden.

    Auch der letzte Teil der Trilogie lässt an Spannung nichts vermissen. Er schließt zeitnah an den zweiten an.

    Der Schriftstil ist ausgefeilt. Das zeigt schon das obige Zitat. Es fällt in einem der wenigen Augenblicke, in denen Sethi sein Tun hinterfragt. Plötzlich geht ihm auf, dass es ihm eines Tages genauso gehen könnte, wie er es selbst plant. Auch er wird sich nicht auf alle seine Beamten verlassen können.

    Exakt wird der Kriegsverlauf beschrieben. Den entscheidenden Hinweis bekommt Meritusir in einem Traum. Das Leben des Pharaos aber kann auch sie nicht retten. Trotz des gewonnenen Krieges brechen für Ägypten harte Zeiten an. Der neue Pharao wendet sich von den Gesetzen der Maat ab. Meritusir ahnt die Gefahren und sorgt vor. Davon wissen nur wenige Vertraute.

    Sehr gut wird herausgearbeitet, wie tief gespalten die Priesterschaft ist. Da sind zum einen die Speichellecker des neuen Pharaos, die auf die Belohnung für ihren Verrat warten. Zum anderen gibt es die Priester, die die Gebote der Maat ernst nehmen.

    Zu den sprachlich hervorstechenden Szenen gehört der Besuch von Senbi, dem neuen Wesir, im Osiris-Tempel. Da er keinerlei Ahnung von den geistlichen Gepflogenheiten hat, lassen ihn die Priester geschickt auflaufen.

    Deutlich wird, wie Sethi nach und nach immer mehr moralische Werte über Bord wirft. In einer Art geistiger Umnachtung entgleitet ihm der Blick für die Realität. Er glaubt, selbst die Götter bestechen zu können. Er umgibt sich mit Leuten, die sein Vorgänger rechtmäßig verurteilt hat.

    Währenddessen denken zwei der Prinzen über die Zukunft nach. Bei diesem Gespräch wird klar, wie groß der Unterschied zwischen ihnen und dem herrschenden Pharao ist. Moralische Integrität steht einem rasanten Verfall gegenüber.

    Das Ende der Geschichte spielt wieder in der Gegenwart. Dort wird erneut der Bogen zum Prolog, aber auch in die Vergangenheit geschlagen.

    Auch der letzte Teil hat mir sehr gut gefallen.

  18. Cover des Buches Die Welt aus den Angeln (ISBN: 9783423349406)
    Philipp Blom

    Die Welt aus den Angeln

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    In diesem Buch untersucht Philipp Blom die Auswirkungen der kleinen Eiszeit zwischen 1570 und 1700 auf die Vegetation bzw. auf Mensch und Vieh. Blom erzählt von zugefrorenen Flüssen, Missernten, Staatskrisen und Hexenverbrennungen und springt zeitlich und geografisch häufig hin- und her. Hauptaugenmerk liegt auf den Niederlanden, da dort die Maler das bunte treiben auf zugefrorenen Grachten dargestellt haben. Auch von London gibt es Gemälde von Eisläufern auf der Themse. Die Abbildungen hierzu lockern das Buch recht gut auf. Die anderen Abbildungen von diversen Philosophen, Herrschern und Geistlichen sind leider beim Drucken nicht so toll gelungen.

     

    Die Verquickungen Religion und Alltag brechen langsam durch die Naturwissenschaftler auf. Nicht jedes Naturereignis ist die Strafe Gottes, auch wenn das nach wie vor von hauptsächlich katholischen Geistlichen behauptet wird. Je mehr Bildung die Menschen erfahren, desto weniger geraten sie an Quacksalber, Heilsverkünder oder sonstige Scharlatane. Interessant herausgearbeitet ist, dass es das Bürgertum ist, dass langsam aber sicher durch den Handel und das Gewerbe zu Vermögen kommt und sich von der Masse der verarmten, ungebildeten Bauern und Tagelöhnern abhebt. Doch auch der Adel ist häufig bar jeder Bildung.

     

    Philipp Blom ist als detaillierter Sachbuchautor bekannt. Seine Recherchen sind penibel und haben Hand und Fuß. Doch diesmal ist er in der Mitte des vorliegenden Buches für meinen Geschmack zu sehr in das Philosophische abgedriftet. Nicht, dass die Ideen, Theorien und Ansichten nicht interessant sind, nur zum Thema passen sie nicht ganz.

    Der philosophischen Betrachtungen wird recht viel Platz eingeräumt. So werden mehr oder weniger bekannte Philosophen wie z. B. Voltaire, Descartes, Gassende, Giordano Bruno, oder Mersenne übermäßig zitiert, die Erfindung des Buchdrucks, ein Isaac Newton, Johannes Kepler, Galileo Galilei und ähnliche Zeitgenossen, finden nur kurze oder gar keine Erwähnung. Dabei haben die technischen Erfindungen einen hohen Anteil an der Weiterentwicklung von Stadt und Land.

    Die Einführung in den Merkantilismus ist zwar recht nett, hat aber auch nur bedingt mit der kleinen Eiszeit zu tun. Der Stehsatz, „mehr exportieren denn importieren um einen Handelsbilanzüberschuss zu erzeugen“ ist unabhängig von einer Klimaverschiebung.

     

    Die Episode rund um die Vernichtung der Spanischen Armada nicht nur durch die Englische Flotte hat mir gut gefallen. Solche Bespiele hätte ich mehr gelesen.

     

    Der Bezug zur Gegenwart ist für mich nicht so ganz gelungen. Die Bemerkungen "Alles wird anders. Die Migrationsbewegungen, Verteilungskämpfe, Kriege und Konfrontationen der kommenden Jahrzehnte werden unsere Gesellschaften erschüttern und transformieren" (S.261) klingen ein wenig nach aktuellem Zeitgeist und Plattitüden.

     

    Fazit:

     

    Entspricht leider nicht ganz meinen Erwartungen, daher nur 3 Sterne.

  19. Cover des Buches Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten (ISBN: 9783423717854)
    Kevin Sands

    Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten

    (161)
    Aktuelle Rezension von: Mirjam_Sdun

    Eigentlich bin ich beim Durchstöbern unseres örtlichen Bücherschrankes nur zufällig auf den Blackthorn Code gestoßen. Da ich mich sehr sehr gern auch mal in die fantastischen Welten der Jugendliteratur begebe, mich das Cover ansprach und ich auch das Thema „Alchemie“ sehr spannend finde… konnte ich also nicht widerstehen. 


    Zunächst viel es mir etwas schwer mich in die Londoner Welt der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einzulesen, doch legte sich dies sehr schnell, da die Protagonisten Christopher Rowe, Tom und natürlich auch Meister Blackthorn von Anfang an sehr sympathisch rüberkamen und ich schnell einen Draht zu ihnen fand. 


    Ein spannendes Jugenbuch - voller Geheimnisse und Codes - in dem es um Alchemie, eine Apothekergilde, einen Angst verbreitenden Erzengel Kult, aber auch um wahre Freundschaft & Loyalität geht.


    Absolut lesenswert und unterhaltsam - der nächste Band der Reihe ist schon bestellt!

  20. Cover des Buches Opa Mammut (ISBN: 9783946593072)
    Dieter Böge

    Opa Mammut

    (2)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Ich bin ein großer Fan von Kindersachbüchern. Besonders liebe ich, wenn die künstlerische Gestaltung ebenso gelungen ist wie der Inhalt. Und ich finde toll, dass mein Sohn solche Bücher kennenlernen darf, denn in meiner Kindheit gab es doch eher wenig solche wundervollen Kindersachbücher. 

    Bei „Opa Mammut“ hat mir der Titel gleich ebenso gut gefallen wie das Cover und die Idee: Der 992-Ur-Opa erzählt seinen Enkeln von der Familie. Mein Sohn hat auch gleich die Urs, die zu Anfang wirklich alle 992 auf einer Seite abgedruckt sind, gezählt.

    Bis hierher so gut. 

    Danach hat mich das Buch dann allerdings immer weniger begeistert. Das hat für mich zwei Hauptgründe:

    Der eine ist, dass für mich wird hier die Balance zwischen historischer Darstellung und Fiktion nicht ausgeglichen ist. Es ist völlig legitim, dass in Kindersachbüchern auch Fiktionalisierung stattfinden (Geschichtsschreibung kommt laut Hayden White eh nie ohne narrative Strategien aus). Hier wirkte es auf mich aber gewollt und nicht gekonnt. Viele der Geschichtchen kommen mir aber beliebig und sehr bemüht vor. An vielen Stellen ist für mich auch nicht nachvollziehbar, warum die Autoren nun genau jene Zeit auswählen. 1600, also noch vor dem 30jährigen Krieg, ist mit Schulbesuch noch nicht so wirklich viel zu erzählen. Erst recht nicht für Mädchen. Aber genau dieses Jahr wurde für den Abschied Schule ausgewählt.

    Der zweite Grund: Einige Sachen bekamen in der Verkürzung auf eine Seite pro Jahreszahl mit groß gesetztem Text einen sehr merkwürdigen Dreh. Es ist schon eine ganze Weile wissenschaftlicher Konsens, dass in der Frühgeschichte der Menschheit mitnichten ausschließlich die Männer Jäger waren und die Frauen ausschließlich Sammlerinnen. Das ist u.a. auf Interpretationen von Hobby-Archäologen im 19. und 20. Jahrhundert zurückzuführen. Hier wird aber erneut der Eindruck vermittelt. Okay, zum Glück habe ich mit meinem 9jährigen Sohn gelesen und konnte das gerade rücken.

    Beim Buchdruck wird – leider wie so oft – so getan, als hätte es vor Guttenberg überhaupt keinen Buchdruck gegeben und wären Texte vorher ausschließlich per Hand geschrieben worden, statt klarzustellen, dass er als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern gilt. Zudem wird damit zudem ignoriert, dass es in Asien bereits im 9. Jahrhundert gedruckt wurde und bewegliche Druckstempel gab es bereits zwei Jahrhunderte später. Es hat mich nicht überrascht am Endes des Buches zu lesen, dass beide Autoren keine Historiker sind, sondern Illustratoren. Die Schilderung über Weihnachten fand ich ebenfalls sehr misslungen. Ja, mensch kann Religion kritisch sehen, aber in dieser Verkürzung in einem Kinderbuch fühlte ich mich selbst als agnostischer Mensch unwohl.

    Mein Sohn und ich mochten die Bilder und auch ein paar der Geschichten, aber der Grundeindruck war recht mau.

    Fazit

    Die Grundidee fand ich klasse – die Umsetzung eher mau. Auch Nicht-Historiker*innen können tolle historische Sachbücher schreiben. Hier fehlte mir aber die fachliche Genauigkeit. 2,5 von 5 Sternen, die ich gerade so noch aufrunde, weil ich einige Geschichten ganz hübsch fand.

  21. Cover des Buches Die politische Theorie des Besitzindividualismus (ISBN: 9783518076415)
  22. Cover des Buches Mensch 4.0 (ISBN: 9783579086927)
    Alexandra Borchardt

    Mensch 4.0

    (8)
    Aktuelle Rezension von: MatthiasBreimann

    In ihrem Werk, Mensch 4.0, geht die Autorin der Frage der gegenwärtigen und zukünftigen Freiheit des menschlichen Individuums nach und wie sie uns augenscheinlich immer mehr durch die Technik, auf einer Seite immer mehr genommen wird.

    Denn durch die immer fortschrittlicheren Endgeräte wie Smartphones, Tablets, usw. sind wir ausschließlich nur noch auf die Onlinewelt fixiert und fast nicht mehr auf unser Gegenüber und die reale Offlinwelt. So zeigt sie auf, wie die “Sucht“ nach Likes, Status, Infos, News, uns immer mehr in die Abhängigkeit treibt. Aber auch, wie wir durch immer intelligentere und vernetztere Geräte, unsere Unabhängigkeit und Selbstständigkeit verlieren.

    Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei stets auf die immer besser programmierten Algorithmen, die uns einerseits das Leben so bequem und einfach machen, andereseits unserer menschlichen, individuellen Fähigkeiten berauben. Denn Algorithmen kennen keine “Zufälle“, keine “Fehler“, keine “Unfälle“, “Abkürzungen“, spontanen Entscheidungen, usw. nur einen immer geradlinigen Weg zum “Ziel“.

    Dies führt dazu, dass wir weniger spontan sind, weniger spontane Geistesblitze haben, uvm., sondern nur noch auf Effizienz und Perfektion getrimmt umherhirren. Und dies vor allem durch die großen fünf Konzerne, wie Google und Facebook, des Silicon Valley “gesteuert“.

    Dazu geht die Autorin auch auf sehr viele weitere Probleme ein. Manipulation, Autonomie, Fake News, Grundeinkommen, gläserner Bürger, usw. Auf diese Fragen und Probleme versucht sie mit philosophischen, psychologischen, ökonomischen Mitteln darauf einzugehen.

    Ein Buch das wichtige Fragen und Probleme aufzeigt und einem vor die Augen führt, was uns im schlimmsten Falle in der Zukunft erwartet. Erwähnen sollte man aber auch, dass wahrscheinlich manche Ansichten und Meinungen der Autorin, nicht bei allen Lesern Anklang finden werden.

  23. Cover des Buches Frauenkörper, Volkskörper (ISBN: 9783924550820)
  24. Cover des Buches Das Wissen des Abendlandes (ISBN: 9783491961593)
    Richard Tarnas

    Das Wissen des Abendlandes

    (2)
    Aktuelle Rezension von: lacrimosadiesilla
    In das "Wissen des Abendlandes" unternimmt Richard Tarnas nichts weniger als den Versuch, die Entwicklungslinien der Geistesgeschichte der westlichen Welt auf gerade einmal 560 Seiten nachzuzeichnen. Und das gelingt ihm auf eine souveräne Weise.

    Es ist kein einfach zu lesendes Buch und ohne Vorkenntnisse in der Philosophiegeschichte sollte man es nicht zur Hand nehmen. Den mit der Materie vertrauten Leser verschafft es jedoch beispielhaft präzise und einsichtige Darstellungen der wichtigsten Denker aus den letzten drei Jahrtausenden. Tarnas stellt die Entwicklung der westlichen Geistesgeschichte als eine Geschichte gegensätzlicher Strömungen dar, die sich aneinander reiben, sich aber auch gegenseitig befruchten können. 

    Hervorheben möchte ich insbesondere die Abschnitte, in denen Platon und Aristoteles einander gegenübergestellt werden. Ich habe bislang nirgendwo eine bessere und verständlichere Einführung in das aristotelische Denken gefunden als bei Tarnas. Ebenso großartig sind die Brüche dargestellt, die zu Paradigmenwechseln führten. 

    Das Ende, in dem der Autor sein Fazit zieht und einen Ausblick gibt, hat mich jedoch weniger überzeugt. Nachdem er dargelegt hat, dass jeder Wissenschaftler in seinem eigenen Paradigma gefangen ist, versucht er, die Geistesgeschichte aus seinem eigenen Paradigma, der Tiefenpsychologie, zu erklären. Dazu zieht er eine sehr gewagte psychoanalytische Theorie heran, was ich als überzogen und unpassend empfand. Das mag allerdings wiederum an meiner Abneigung gegenüber dem Paradigma der Psychoanalyse liegen, insofern bestätigte es vielleicht die Thesen, die Tarnas zu postmodernen Positionen aufstellt :-).

    Mein Fazit: Eine unbedingte Leseempfehlung, für alle, die nach der Lektüre einer Einführung in die Philosophie nach mehr verlangen.

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