Bücher mit dem Tag "niederländische literatur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "niederländische literatur" gekennzeichnet haben.

121 Bücher

  1. Cover des Buches Die Eismacher (ISBN: 9783442717453)
    Ernest van der Kwast

    Die Eismacher

     (114)
    Aktuelle Rezension von: VanCa

    Worum geht es?
    Das Buch erzählt von einer Familie die sich seit Generationen der Eisherstellung widmet. Es geht um das Familienleben, um die Übernahme des Betriebs und den Sohn der dies verweigert um seiner Berufung zu folgen. Der andere Sohn bleibt allein zurück um die Tradition fortzuführen und hegt über Jahre einen Groll gegen seinen älteren Bruder, bis dieser ihm plötzlich helfen soll.

    Persönliche Meinung:
    Der Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen.
    Die Herstellung des Eis ist detailreich beschrieben und durchweg im ganzen Buch ein Thema. Der Fokus der Familiengeschichte liegt auf dieser Tradition und das wird konsequent im Vordergrund gehalten. Das hat mir wirklich gut gefallen.
    Die Personen hingegen fand ich weniger ausgereift. Giovanni erzählt aus der Ich-Perspektive. Jedoch konnte ich nicht einmal ihn richtig greifen. Die Personen haben teilweise auch einen unsympathischen Charakter, sodass ich von ihnen eigentlich gar nicht mehr lesen wollte.
    Die Familie von Giovanni hat eine interessante Beziehung. Der Umgang der Familie untereinander war ein großes Thema und meiner Meinung nach wurde diesem Thema mehr Aufmerksamkeit gewidmet als der Abmachung der beiden Brüder. Ich hatte mich vom Klappentext her eher auf eine Haupthandlung mit den beiden Brüdern eingestellt. In gewisser Weise war dies auch ein Thema aber das eigentlich Angekündigte (Klappentext: Bis eines Tages sein Bruder Luca ein höchst ungewöhnliches Anliegen hat …) kam erst relativ spät, für mich persönlich zu spät. Ich hätte gern mehr über diesen Teil der Story erfahren. Daher gibt es von mir 3 Sterne.

  2. Cover des Buches Das Büro (ISBN: 9783406637339)
    J.J. Voskuil

    Das Büro

     (18)
    Aktuelle Rezension von: ralf_boldt
    Das Büro ist der erste Band von insgesamt sieben rund um jenes holländische Büro. Der Autor J.J. Voskuil schrieb die Bücher mit einem Gesamtumfang von rund 5000 Seiten in den Jahren 1996 bis 2000. Nun liegt der erste Band in der deutschen Übersetzung von Gerd Busse im C.H. Beck Verlag vor.

    Die Handlung ist eigentlich schnell erzählt. Maarten Koning nimmt 1957 eine Stelle in einem volkskundlichen Büro an. Er ist sogenannter „wissenschaftlicher Beamter“ und soll als erste Aufgabe Karten mit Darstellungen von Volksaberglauben mit Kommentaren versehen, aber die über Irrlichter nicht berücksichtigen. Es soll ein Atlas für Volkskultur herausgegeben werden.
    Im Büro gibt es aber auch andere Mitarbeiter, die z.B. niederländische Volksnamen untersuchen.

    Auf mehr als 800 Seiten beinahe nichts zu erzählen und auch eigentlich keinen wirklichen Plot zu haben oder auch nur irgendeinen Spannungsbogen erkennen zu lassen, ist eine Kunst für sich. Dies aus dem Holländischen zu übersetzen sicher noch schwerer.

    Dem Autor geht es sicher nicht darum, eine spannende Geschichte zu schreiben; und Spannung im Sinne von „Was kommt jetzt?“ oder „Wie geht es weiter?“ findet sich an keiner Stelle des voluminösen Buches. Der Autor erzählt. Er beginnt vorne und berichtet dann linear weiter. Im Fernsehen der heutigen Zeit wäre so etwas eine Doku-Soap, würde der erste Band nicht im Jahre 1957 spielen…
    Es werden Menschen gezeigt, die etwas Alltägliches ja nahezu sinnfreies tun und dies immer wieder. Dabei wird aber nicht kommentiert oder bewertet. Ob die Geschichte oder die Menschen real sind oder fiktiv, spielt keine Rolle. Wen interessiert das auch schon? Den Autor scheinbar nicht. Er berichtet nur und scheint kein irgendwie geartetes Verhältnis zu den Charakteren zu haben. Er bevorzugt keinen und niemanden und bewertet Handlungsweisen oder Marotten der Figuren nicht. Er scheint auch die Zukunft nicht zu kennen. Der Roman – so er denn einer ist und keine Dokumentation realer Vorgänge - der Autor hat in so einem Büro selbst gearbeitet – ist völlig unaufgeregt, laut oder reißerisch. Die Handlung und damit die beschriebenen Tage fließen wie ein ruhiger Fluss in eine bestimmt nicht aufregende Zukunft. Ein Tag vergeht wie der andere und eigentlich weiß jeder Person schon heute, was geschehen wird. Nämlich nichts!

    Dem Leser beginnen die Personen schon fast Leid zu tun in ihrer täglichen Sinnlosigkeit, wo schon der alltägliche Bürokaffee den Gipfel der Spannung darstellt. Nur nicht auffallen, nur nicht anecken, nicht seine Kompetenzen überschreiten und immer gut auskommen mit dem jeweiligen Vorgesetzten ist die Devise.

    Das Buch ist mit seiner Geschichte schon etwas Besonderes. Ecken und Kanten scheinen der Handlung zu fehlen und damit muss man sich erst einmal in die Geschehnisse einlesen und sich auch sie einlassen.

    Die Dialoge sind stellenweise wirklich köstlich. Zwei Personen unterhalten sich, reden aber gar nicht miteinander. Die Themen sind stellenweise absurd. Einige Gespräche sind bisweilen absolut nichtssagend und die Sätze meist lakonisch kurz. Doch beim Lesen kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, weil die Situationen einen subtilen Humor nicht verbergen können.

    Was der Roman aber immer in Gänze auszeichnet, ist seine innere Glaubwürdigkeit. Die Themen passen, die Charaktere sind stimmig und es gibt keine Brüche im Handlungsfaden. Der Roman baut damit eine eigene kleine und damit überschaubare Welt auf. Dieser Mikrokosmos eines funktionierenden Kleinstbiotops ist wohl auch das Geheimnis des Erfolges der Bücher in den Niederlanden. Ob der Roman (und vielleicht die noch nachfolgenden sechs weiteren Bände) auch in der Übersetzung bei der Leserschaft in Deutschland erfolgreich sein wird, kann ich leider mangels eine funktionierenden Glaskugel nicht voraussehen.

    Dem C.H. Beck-Verlag ist aber auf alle Fälle ein großes Kompliment für das Buch zu machen. Es ist ein schöner Halbleineneinband mit hohlem Rücken und liebevoll gesetzt und ausgestattet. In Farben rot und weiß mit einem roten Gummiband, mit dem das Buch geschlossen werden kann, hat es eine sehr schöne Anmutung.

    Erwähnenswert und äußerst hilfreich ist das Nachwort des Übersetzers, der weitere Einblicke in die Welt des Büros gibt und damit zur allgemeinen Verständlichkeit des Romans beiträgt.


    Zum Autor:
    J.J. (Han) Voskuil, 1926 - 2008, war von 1957 bis 1987 als Beamter an einem volkskundlichen Institut in Amsterdam beschäftigt.

    Er debütierte 1963 mit einem Roman, doch seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte er erst mit dem Mega-Roman „Het Bureau“, der in den Jahren 1996 bis 2000 in sieben Bänden (mit zusammen rund 5.000 Seiten) erschien. Weitere Romane folgten.

    Am 1. Mai 2008, dem Tag der Arbeit, schied J.J. Voskuil nach schwerer Krankheit freiwillig aus dem Leben. 
  3. Cover des Buches Malibu (ISBN: 9783257234343)
    Leon de Winter

    Malibu

     (76)
    Aktuelle Rezension von: Petra54

    Für
    diese Geschichte braucht der Leser nicht nur gute Nerven, sondern
    muss vor allem in der Lage sein, zwischen den Zeilen zu lesen. Zuerst
    einmal sollte man die ersten dreißig Seiten überblättern, die von
    verschiedenen Umständen berichten, die allerdings kaum etwas mit der
    Geschichte zu tun haben.




    Gleich
    zu Anfang trifft sich die Hauptperson Joop mit seinem ehemaligen
    Schulfreund Philip in einem Motel in Los Angeles. Beide Männer sind
    holländische Juden. Joop reagiert entsetzt über Philips „Bitte“,
    für den israelischen Geheimdienst einen Mann auszuspionieren. Es ist
    alles vorbereitet: eine passende Arbeitsstelle samt Vertrag (den Joop
    nie im Leben erhalten hätte), ein abhörfähiges Handy und natürlich
    Geld.


    Genau
    in diesem Moment erfährt Joop, dass seine Tochter verunglückte.
    Danach ereignen sich immer mehr erschreckende „Zufälle“, die
    mich die ganze Nacht nicht schlafen ließen.


    Joop
    versteht das Ausmaß der Manipulation und das grausame Verbrechen
    erst, als der Leser auf der letzten Seite ist, schiebt aber seine
    Erkenntnis weit von sich.


    Der
    Roman ist wegen der Verkettung der unterschiedlichsten Umstände und
    Begegnungen durchweg spannend. Der Schluss machte mich sehr
    betroffen, wütend und fassungslos. Ich fühlte mich nicht in der
    Lage, das Nachwort zu lesen und weiß demnach nicht, ob diese
    schlimme Geschichte auf Tatsachen beruht.

  4. Cover des Buches Die Entdeckung des Himmels (ISBN: 9783499247521)
    Harry Mulisch

    Die Entdeckung des Himmels

     (275)
    Aktuelle Rezension von: Ferrum
    Was macht der Himmel, wenn er mit den Menschen unzufrieden ist? Richtig, er will seine 10 Gebote zurückholen und somit die Verbindung zur Erde auflösen. Und darum gehts, beginnend vor der Zeugung der Akteure bis hin zum großen FInale in Jerusalem. 

    Kaum eines der großen gesellschaftspolitischen Themen wird dabei ausgelassen, und dennoch hat man nie das Gefühl, dem hocherhobenen, moralinsaurem Zeigefinger ausgesetzt zu sein. Hat einen ewigen Ehrenplatz in meiner Bibliothek.
  5. Cover des Buches Sturmflut (ISBN: 9783423086363)
    Margriet de Moor

    Sturmflut

     (58)
    Aktuelle Rezension von: JoKeplin
    Armanda ist neidisch auf ihre Schwester Lidy - diese hat alles, was sie selbst begehrt. Dann stirbt Lidy bei der Sturmflut 1953 und Armanda übernimmt tatsächlich das Leben ihrer Schwester: Sie heiratet ihren Schwager und lässt sich von ihrer Nichte "Mama" nennen. 
    Das Buch verfolgt die Schicksale der Schwestern parallel verschoben -  während Lidy noch um ihr Überleben kämpft, ist Armanda schon seit drei Jahren mit ihrem Schwager verheiratet. Ein kleiner Extra-Coups der Autorin: Lidy ist anstelle ihrer Schwester nach Zeeland gefahren, weil Armanda lieber an ihres Schwagers Seite auf eine Party möchte. 
    Lidys letzte Tage während der Flut sind natürlich sehr spannend und im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend; Armandas Leben hingegen ist langweilig...wer das Leben einer anderen Person lebt, ist einfach langweilig. 
  6. Cover des Buches Die Tochter (ISBN: 9783257233513)
    Jessica Durlacher

    Die Tochter

     (26)
    Aktuelle Rezension von: awogfli

    Die niederländische Autorin Jessica Durlacher habe ich letztes Jahr bei meiner EU-Autorinnenchallenge entdecken dürfen. Ihr Roman der Sohn hat mir damals sehr gut gefallen, wenn er auch für meine Begriffe einen zu gemächlichen Plotaufbau aufwies – die Geschichte kommt einfach viel zu lange nicht in die Puschen, im Hintergrund wabert zu seitengreifend ein diffuses Ungemach, das viel zu stark hinausgezögert wird -was mich veranlasste, einen Stern abzuziehen. Diese kleinere dramaturgische Schwäche zieht sich auch bei dieser Geschichte durch, sie eskaliert sogar derart, dass ich mehrmals genervt meine Augen verdrehen musste, da die Protagonistin ewig und partout nicht mit ihrem Geheimnis herausrücken wollte und damit viel zu viel Tempo aus der Erzählung herausgenommen wird. Das Grundsetting und das Finale beider Romane ist jedoch grandios, in der Mitte hätte nur ein bisschen gestrafft und gekürzt werden müssen.

    Die schöne und moderne Liebesgeschichte zwischen zwei niederländischen Juden, die das alte Thema um die Jahrhundertwende (z.B. von Schnitzler) wieder aufgreift - assimilierter Jude, der nichts mit dem Glauben und dem Holocaust zu tun haben will, trifft auf Mitarbeiterin im Anne Frank Haus, die das Erbe ihrer Eltern lebt - ist der Startpunkt der modernen Auseinandersetzung der Autorin mit dem Holocaust. Sie thematisiert sehr spannend oft meist nicht direkt die Kriegsgeneration, sondern die Auswirkungen, die die Väter und Großväter auf die folgenden Generationen verursachen. Das ist immer ein sehr interessanter Aspekt, wie die Kinder mit dem Erbe der Vergangenheit umgehen.

    Sabine und Max intensivieren ihre Beziehung, ziehen zusammen und lernen gegenseitig ihre Familien kennen. Beide Väter waren im KZ, wobei der Vater von Max so traumatisiert ist, dass er nicht darüber, aber auch nicht über das Judentum sprechen will, im Gegensatz zu Sabines Vater, der seiner Tochter sehr viel über jüdische Identität beigebracht hat und sich alles von der Seele redet. Plötzlich trennt sich Sabine ohne Grund von einem Tag – was sage ich von einer Stunde auf die andere - von Max und ist wie vom Erdboden verschluckt. Sie lässt über ihre Mutter ausrichten, dass sie keinen Kontakt mehr zu Max haben möchte. Im Hintergrund wabert, wie bei Jessica Durlacher üblich, ein dunkles Geheimnis, das Ungemach für die Protagonisten nach sich zieht.

    In Teil zwei hat Max seine erste große Liebesenttäuschung nie verwinden können, irgendwie ist er dadurch ein bisschen beziehungsunfähig geworden. Unvermittelt trifft er Sabine nach Jahren auf der Frankfurter Buchmesse wieder. Im Laufe der Jahre ist Max nun ein bekannter holländischer Verleger geworden, obwohl er eigentlich schreiben wollte, Sabine arbeitet in Hollywood erfolgreich als Fotografin und stellt auf der Buchmesse einen Fotoband vor. Spontan, seinen nicht aufgearbeiteten Gefühlen folgend, reist er ihr nach Los Angeles nach, um dort fortzusetzen und anzuknüpfen, wo die beiden vor Jahren aufgehört haben. Warum Sabine ihn so Knall auf Fall vor Jahren verlassen hat, weiß man noch immer nicht, mittlerweile nervt es ziemlich, dass sie trotz Fragen und Druck nicht mit dem Grund herausrückt. Die neu aufflammende Liebesbeziehung zwischen den beiden wird irgendwie durch Sabines väterlichen Freund oder Ex-Geliebten Sam Zaidenweber – man weiß es nicht, aber spekuliert stark - ein bisschen irritiert, was Max dadurch kompensiert, dass er sich mit Sam anfreundet. Er ist der Typ jüdischer Edelmann aus der Elterngeneration und hat den Holocaust auch in Europa überlebt. Max soll Sams Lebensgeschichte auf dem holländischen Markt herausbringen, was eine Überraschung für Sabine sein soll, die sich immer brennend für Sams Vergangenheit interessiert hat.

    Erst als Sams Lebensgeschichte in Form eines Romans erscheint – nach ewiger Herauszögerung des Finales – serviert uns die Autorin einen atemberaubenden Plot Twist, der total abgedreht und trotzdem glaubwürdig konzipiert wurde und uns auch noch alle undurchsichtigen Handlungen und Motive von Sabine in der Vergangenheit mit einem Schlag völlig schlüssig erklärt. Was das Geheimnis ist, möchte ich nicht spoilern, aber darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Eines möchte ich aber dennoch verraten, so schließt die Autorin wieder den Kreis ihrer Fokussierung der meisten Romane: Wie sich die Traumata und die Schuld der Holocaust-Elterngeneration auf die Kinder und Enkel auswirken.

    Fazit: Eine prinzipiell sehr grandioser Roman, den ich bitte gerne um etwa hundert Seiten kürzer und stringenter gestrafft gehabt hätte, deshalb ziehe ich einen Stern ab. Auf jeden Fall aber eine Wahnsinns-Geschichte, die es wert ist, zu lesen.

  7. Cover des Buches Die Gesetze (ISBN: 9783257227864)
    Connie Palmen

    Die Gesetze

     (46)
    Aktuelle Rezension von: bookish_autumn

    Sieben Jahre, sieben Männer – Marie Deniet versucht die Gesetze nach denen ihr Leben verläuft zu ergründen, um ihren Platz in der Welt zu finden.

    Das Buch wurde 2019 für die Aktion „Eine STADT. Ein BUCH“ ausgewählt. Dies ist eine einmalige Gelegenheit um auf AutorInnen aufmerksam zu werden, zu deren Werke man normalerweise nicht greifen würde. „Die Gesetze“ hat mir wesentlich besser als „Letzte Nacht“ von Stewart O'Nan (2017) und „Katzentisch“ von Michael Ondaatje (2016) gefallen. Dies liegt vor allem an Connie Palmens Schreibstil, der sehr angenehm zu lesen ist. Inhaltlich konnte mich die Geschichte in keinerlei Hinsicht überzeugen. Auch die Charaktere blieben die ganze Zeit über blass, weswegen ich keinen Bezug zu ihnen aufbauen konnte.

    Eine Geschichte ohne jeden Sinn, die nur so dahinplätschert.

  8. Cover des Buches Der Umweg (ISBN: 9783518464359)
    Gerbrand Bakker

    Der Umweg

     (38)
    Aktuelle Rezension von: Gruenente
    Eine Frau, Niederländerin, noch nicht alt (hat noch Kinderwunsch). Sie läßt alles hinter sich: Arbeit, Dissertation, Mann, Eltern. Keiner weiss warum sie weggeht und wohin.
    Sie bricht aus und mietet ein hübsches Cottage in Wales. Dort beginnt sie den Garten zu bearbeiten.
    Sie wohnt dort mit einer sich laufend dezimierenden Gänseschar allein und nimmt zaghafte Kontakte zu Einheimischen auf.
    Bis ein junger Mann mit Hund über ihren Zaun hüpft und bei ihr einzieht. Er hilft ihr im Garten, kocht und macht sich auch sonst nützlich.
    Im Laufe der Zeit wird klar: die Frau hat eine unheilbare Krankheit und will in Wales ihr Leben abschliessen.
    Zu Hause in Rotterdam wird sie von ihrem Mann gesucht. Er bespricht mit den Schwiegereltern und einem Polizisten was er tun soll.
    Mittlerweile geht es der Frau immer schlechter, sie hat kaum noch Kraft. Da wird ihr der Mietvertrag gekündigt.
    Alles niederländische bleibt bis kurz vor Schluss seltsam anonym. Der wahre Name der Frau bleibt im dunkeln. Ihr Ehemann heisst immer nur "der Mann" der mit "dem Schwiegervater", der "Schwiegermutter", "dem Polizisten" spricht.
    Benamst werden erst mal nur die Engländer. Dadurch wird eine Distanz gezeigt, die die Frau wohl  auch herstellen wollte. Über ihre Gefühle zu Mann und Eltern wird geschwiegen. Auch sonst hat sie weint sie zwar, geschrieben wird aber nur über die zunehmenden Schmerzen.
    Die abgebrochenen Dissertation hat Emily Dickinson zum Thema. Aber weniger ihre Großartigkeit, sondern der Versuch das Augenmerk auf die schlechten Gedichte zu ziehen.
    Tiere haben auch eine besondere Bedeutung. Der Dachs der nur ihr und das auch noch tagsüber erscheint. Die Gänse, die sich nicht retten assen wollen, der Hund des Jungen.
    Das Buch ist sehr vielschichtig und macht betroffen ohne rührselig zu sein. Es zeigt den letzten Weg einer Frau, die selbst über ihr Leben bestimmt.
    Wir haben schon einige Bakkers im Regal stehen, jetzt werde ich sie auch lesen! Und mal nach Wales fahren. Vielleicht mal über Weihnachten?
  9. Cover des Buches Oben ist es still (ISBN: 9783518467930)
    Gerbrand Bakker

    Oben ist es still

     (99)
    Aktuelle Rezension von: SigrunKunert
    Dieses Buch ist eine Geschichte über die Psychologie der Zwillinge Henk und Helmer. Henk, der als Bauer von seinem Vater hofiert wird ist der ungewollte Rivale seines Bruders Helmer, der in Amsterdam Literaturwissenschaft studieren will. Nachdem Henk mit seiner Freundin verunglückt und dabei ums Leben gekommen ist, versagt ihm sein Vater das Studium und verlangt, dass er den Hof weiter führt.
    Helmer, der unverheiratet bleibt, lässt sich jahrelang von seinem Vater beherrschen, auch nachdem die Mutter starb. Nun ist der Vater bettlägerig und auf die Hilfe seines Sohnes angewiesen, der jetzt endlich die Chance hat, seine eigenen Ideen zu entwickeln. Dazu verbringt er den Vater in ein Zimmer in der oberen Etage und richtet sich seine kleine Wohnung im Erdgeschoss ein. Das klingt zunächst herzlos, aber wir werden im Laufe der Handlung immer tiefer in die Vergangenheit durch Rückblenden geführt und erfahren mehr von der stillen Konkurrenz der Zwillinge, in der Helmer seine eigenen Lebensideen nicht verwirklichen durfte. Gleichzeitig erfahren wir von seinem Kampf mit sich selbst, den sicher alle Zwillinge führen, wenn einer der beiden nicht mehr da ist. Das ist wesentlich enger als normale altersunterschiedliche Geschwister. Der Autor führt uns das in vielen inneren Dialogen von Helmer vor Augen. Das Ganze bekommt einen weiteren Drive, als die ehemalige Freundin seines Bruders ihren Sohn auf den Hof bringt, damit er dort arbeiten soll. Die Kontakte gestalten sich schwierig, da Riet am Unfall beteiligt war und vom Hof verwiesen worden ist. Weitere Kindheitserinnerungen und Erlebnisse sollten dann dazu beitragen, dass Helmer zu guter Letzt aus seinem Trott ausbricht, als sich die Gelegenheit ergibt. Der offene Schluss lässt den Leser ein wenig ratlos zurück, aber das ist so gewollt, hier ist jetzt unsere Fantasie gefragt.
    Dieses leise Buch ist ausgezeichnet worden, zu Recht- es ist ein Zeugnis der Lebensweise vieler Menschen, die an Brüchen nicht scheitern, sondern irgendwann wachsen. Es ist dafür nie zu spät. Das Buch ist auch in einer sehr ansprechenden Pocketausgabe erhältlich, etwas Hübsches für den Bücherschrank.
  10. Cover des Buches Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe (ISBN: 9783518460153)
    Carl-Johan Vallgren

    Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe

     (38)
    Aktuelle Rezension von: buchjunkie

    In einer Winternacht im Jahr 1813 werden ein Junge und ein Mädchen in einem Königsberger Bordell geboren.
    Hercule werden kaum Überlebenschancen eingeräumt, denn er ist kleinwüchsig, mißgestaltet und taubstumm. Doch er trotzt allen Widrigkeiten und wächst zusammen mit Henriette , dem zum gleichen Zeitpunkt geborenen Mädchen, im Bordell auf. 
    Die beiden verbindet eine innige Freundschaft, doch das Schicksal schlägt zu und sie werden getrennt. Hercule kommt in ein Irrenhaus, wo er gequält und gedemütigt wird. Bis zu dem Tag, an dem ein Mönch auf ihn aufmerksam wird und ihn von dort ins Kloster bringt.
    Hercules Fähigkeit, mit den Füßen grandios Orgel zu spielen beeindruckt zuerst die Mönche, doch seine Gabe, die Gedanken anderer zu lesen und zu beeinflussen, bringt ihn in Schwierigkeiten.
    Manch einer denkt sogar, in ihm würde ein Dämon stecken.
    Hercule muss fliehen und,seine Odysee führt ihn nach Italien, wo er als Jahrmarktsattraktion auftritt, nach Schweden, wo er einer Gräfin beim Kartenspielen unterstützt. Und immer ist er auf der Suche nach Henriette, seiner Jugendliebe , die er nie vergessen hat.




    Was für ein großartiger und gewaltiger Roman!
    Dieses Buch hat mich schon nach ein paar Seiten in seinen Bann gezogen!
    Darin gibt es Liebe und Hass, Böses und Gutes, Lustiges und Trauriges!  Es ist aussergewöhnlich und phantastisch gut! Es ist spannend und überwältigend! Es ist auch gefühlvoll und brutal!


    Mit Hercule erleben wir auch das gesellschaftliche Leben an verschiedenen Orten zu der damaligen Zeit. 


    Die Sprache ist wunderbar. Die Wortwahl ist der Zeit des Romanes angemessen, die Sätze sind anspruchsvoll ohne zu überfordern.
    Keinen Moment habe ich mich gelangweilt, jeder Satz ist lesenswert!
    Der Schreibstil erinnert ein wenig an “Das Parfüm“.

    Meiner Meinung hat dieser Roman aus Schweden das Zeug zu einem  meisterhaften literarischen Werk!
    Es gehört nun in die Riege der besten Bücher für mich! 
    Und ich denke, mit meinen Worten kann ich diesem besonderen und großartigen Roman nicht gerecht werden!

    “Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe“ ist ein überaus empfehlenswerter Roman!!!
  11. Cover des Buches Aus dem Licht (ISBN: 9783446261761)
    Marente de Moor

    Aus dem Licht

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Giselle74
    Dieses Lesehalbjahr gestaltet sich seltsam. Das ist nun schon das dritte Buch in Folge, neben "Babel" und "Winterbergs letzte Reise", das ich zwar für sprachlich brilliant halte, aber auch unfassbar anstrengend zu lesen. Vielleicht sollte ich meine Auswahlkriterien überarbeiten. Andererseits kann/soll/muss Literatur ja durchaus fordernd sein und eigene Grenzen verschieben...
    Marente de Moor erzählt die Geschichte des Mannes, der den ersten Film der Welt drehte, genauer, sie erzählt eine Geschichte, wie sie hätte sein können, eine Geschichte, die in ihrem Kern wahr ist. Der Roman besteht aus mehreren Teilen, hat verschiedene Erzählstimmen, spielt mit Vor- und Rückblenden und verwischten Übergängen zwischen Realität und Traum. Da muss man als Autor schon ein klares Bild vor Augen haben, damit daraus kein explosives Gemisch wird. De Moor scheint sehr genau gewußt zu haben, was sie wie erzählen möchte. Sie schreibt elegant, dem Ton der Zeit um die Jahrhundertwende angepasst und trotzdem modern. Die Sprache ist etwas, das mich an diesem Roman wirklich sehr beeindruckt hat. Sie ist nicht so selbstverliebt wie in "Babel", nicht so nervenzerrend wie in "Winterbergs letzte Reise", sondern klar, wohlüberlegt und selbstbewußt.
    Der Erfinder Barre ist um 1890 im Zug unterwegs durch Frankreich. Seine Reise soll ihn nach Amerika führen, wo er ein Patent anmelden möchte auf die erste Filmkamera. Von Verfolgungswahn und anderen Ängsten geplagt, ändert er aber kurzfristig seine Pläne und gilt seither als verschollen.
    Sein Sohn begibt sich Jahre später auf Spurensuche und kommt zu dem Schluß, Thomas Alva Edison, der berühmteste Erfinder seiner Zeit, habe seinen Vater seiner Ideen beraubt. Er versucht einen Kontakt zu Mina aufzubauen, Edisons Frau. Die wiederum schwankt zwischen Loyalität und Abenteuerlust.
    Der Zeitraum, in dem der Roman spielt, ist einer der spannendsten in der neueren Geschichte. Die Welt ist im Aufbruch, Erfinder zu sein nahezu ein Volkssport. Die Elektrizität, das Telefon, der Film sind Bereiche, an denen viele schlaue Köpfe herumbasteln und experimentieren. Und Edison wird tatsächlich nachgesagt, seine Entdeckungen nicht immer selbst gemacht zu haben. Verbessert ja, weiterentwickelt auch, aber eben nicht erfunden. Unzählige Patente werden eingereicht, überprüft und abgelehnt, wer da ein ein offenes Ohr hat und schnell reagiert, der kann durchaus von der Arbeit anderer profitieren.
    Was nun den Roman für mich so schwierig gemacht hat? Im Grunde hauptsächlich der Teil über Barre, dessen Ängste und wahnhafte Gedanken zu verfolgen mich schlicht überanstrengt hat. Dann die Mischung aus Realismus und (Alp-)Traumwelt mit spukenden Exfrauen, Gedankenlesern und anderen Exoten. Es ist eben kein historischer Roman, der simpel eine Geschichte aus der Vergangenheit wiedergeben möchte. De Moor versucht, Lebensgefühl und Denken der Zeit einzufangen und nutzt den historischen Hintergrund für eigene Wege. Und daher ist das, was den Roman so großartig macht, auch zugleich das, was ihn so anspruchsvoll werden liess.
  12. Cover des Buches Hundert Stunden Nacht (ISBN: 9783551318039)
    Anna Woltz

    Hundert Stunden Nacht

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Boozean

    Anna Woltz

    Hundert Stunden Nacht

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    Inhalt:

     

    Emilia hält es einfach nicht mehr aus. Ihr Vater war Schuldirektor und hatte eine Affähre mit dem schlimmsten Mädchen der Schule, und ihre Mutter, eine sehr erfolgreiche Künstlerin, liegt in ihrem Atelier auf dem Boden - was tun? Natürlich wegziehen. Wohin - natürlich nach New York! Also buchte Emilia einen Flug, und eine Ferienwohnung. Mit Paps Kreditkarte.  Angekommen, merkt Emilia dass ihr vermeindliches Hotel die Wohnung eines Jungen ist und genau zu diesem Zeitpunkt der Orkan Sandy direkt auf New York zusteuert.

     

    Gemeinsam mit ihren neu gefundenen Freunden "kämpft" Emilia sich durch die dunkle Zeit.


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    Fazit:

     

    Das Buch bindet einen in seinen eigenen Bann. Freundschaft wird geschlossen, und ums überleben gekämpft. So was sind 100 Stunden Nacht. Die atemberaubende Schreibweise verleiht dem Buch Humor, wie auch trauer. Einfach nur zu Empfehlen!

     

     

    ACHTUNG:
    Buch kann leicht perverse Wörter beinhalten!


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    Boozean Bewertung:

    🌟🌟🌟🌟🌟

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    Hier auch auf Boozean´s Website zu finden: https://boozean.jimdo.com/b%C3%BCcher/hundert-stunden-nacht/


  13. Cover des Buches Hingabe (ISBN: 9783442742516)
    Esther Verhoef

    Hingabe

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Alexa_Koser

    Zum Buch: Margot Heijne hat gerade eine schlimme Trennung hinter sich. Ihr langjähriger Freund hat sie mit ihrer besten Freundin betrogen. Als sie sich wieder einigermaßen gefangen hat, beschließt sie, mit ihrer Kollegin einen Wochenendtrip nach London zu unternehmen. Doch die Kollegin sagt ab und Margot fliegt allein nach London. Was anfänglich ein Horrortrip zu sein scheint, ändert sich schlagartig, als sie sich mit dem Mann, der ihr im Flugzeug seine Telefonnummer gab, trifft. Leon ist Kunstfotograf und seine Welt ist so ganz anders als die von Margot. Und er weckt Gefühle in ihr, die sie bis dahin nicht kannte…

    Meine Meinung: Der Titel ist hier Programm! Margot findet mit Leon jemanden, der ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstliebe wieder entfacht. Aber er ist auch sehr besitzergreifend und manipulativ. Und schneller, als Margot sich versieht, lässt sie ihr altes Leben hinter sich. Die Gefühle sind hier ambivalent. Einerseits merkt der Leser, dass sich Margot immer weiter von ihrem alten Leben, aber auch ihren Freunden und ihrer Familie entfernt. Andererseits gibt Leon ihr auch die Kraft und das Selbstvertrauen, das sie benötigt, um beruflich weiterzukommen. Sie entdeckt sich quasi gerade neu. 

    Die Probleme fangen an, als ihr Ex-Freund John sich wieder in ihr Leben drängt. Da Leon sehr eifersüchtig ist, geht das natürlich nicht ohne Konsequenzen. Aber dann stirbt jemand und alles ist durcheinander. Margot wird der Boden unter den Füßen weggezogen und sie beginnt sich zu fragen, wie gut sie Leon wirklich kennt…

    Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, man kann sich gut mit den Protagonisten identifizieren. Auf der einen Seite die bodenständige, „normale“ Welt von Margot und auf der anderen Seite die „Business-Welt“ von Leon, die glitzert, aber auch sehr oberflächlich ist. Manche Passagen sind aus Tätersicht geschrieben und hinterlassen wirklich eine Gänsehaut! Das Ende ist sehr unerwartet und das macht für mich wirklich einen guten Thriller aus! 

    Mein Fazit: Wahnsinnig spannend zu lesen, wie hier zwei Welten aufeinanderprallen! Die Ereignisse überschlagen sich ab einem gewissen Punkt und dann kommt ein toller Plot Twist! Ich kann diesen Thriller wirklich gut empfehlen! 

  14. Cover des Buches Phantomschmerz (ISBN: 9783257234725)
    Arnon Grünberg

    Phantomschmerz

     (41)
    Aktuelle Rezension von: MareikeMenne
    Skurriler, melancholischer, manchmal etwas ranziger Roman. Nichts zum Reinlegen, für Leseunerfahrene, für die Badewanne oder nach Identifikation suchende Leser, dennoch anregende Lektüre.
  15. Cover des Buches Das Wüten der ganzen Welt (ISBN: 9783492272766)
    Maarten 't Hart

    Das Wüten der ganzen Welt

     (139)
    Aktuelle Rezension von: Henri3tt3
    Dies ist meiner Meinung nach das beste Buch von Maarten 't Hart.
    Es hat mich sehr berührt und gefesselt.
  16. Cover des Buches Ganz der Ihre (ISBN: 9783257234763)
    Connie Palmen

    Ganz der Ihre

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Connie Palmen ist zu Recht eine sehr erfolgreiche niederländische Autorin. In ihren Büchern ist das große Thema das Verstehen des Menschen als Individuum, wie auch als funktionierendes Kollektiv. Palmen versteht es wahrscheinlich wie kein anderer Gegenwartsliterat, dieses ohnehin schwer fassbare Thema von allen Seiten anzugehen. Dazu gehört große Verständnisbereitschaft für das menschliche Naturell, sowie Kenntnis in vielen philosophischen Grunddisziplinen. Die Autorin schafft es, auf 400 Seiten mehr Schlüssiges aus den Bereichen der Psychologie, Religion, Philosophie und Literatur darzustellen und mit frischen Ideen zu durchmischen, als eine Bibliothek voller schwammiger Kommentare. Aus der Sicht von fünf Frauen wird die Beziehung zu Salomon Schwartz, einem Starkolumnisten, beleuchtet. Dieser charismatische Mann wurde zum großen Verführer, dessen Anziehungskraft zu erforschen, einen Teil dieses Romans ausmacht, der andere Teil schildert die Wechselseitigkeit, das Geben und Nehmen in den jeweiligen Beziehungen. Dokumentiert wird alles von einer Biografin (Charlie), die versucht, das Geflecht der Abhängigkeiten transparent zu machen und dessen Funktionieren zu erklären. Ein gelungenes Porträt eines Mannes, der eigentlich gar nicht im Mittelpunkt steht und trotzdem größten Einfluss auf seine Umgebung und die Menschen hat. Eine großartig aufgebaute Geschichte mit jeder Menge Denkanstößen, trotzdem leicht und komplikationslos zu lesen.
  17. Cover des Buches Juni (ISBN: 9783518421390)
    Gerbrand Bakker

    Juni

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Die Buchprüferin
    Lieber Gerbrand, jetzt habe ich schon das zweite Buch von Dir gelesen und bin, obwohl auch dieses nicht ganz einfach zu schlucken ist, wieder sehr begeistert. Darum schreibe ich Dir heute mal ganz naiv einen Brief, denn auch Dein Buch handelt ja von ganz einfachen Dingen, und ich denke, dann passt das schon. Gleich am Anfang kommt die Königin zu Besuch in dem kleinen holländischen Dorf, denn wir haben Juni 1969. Aber das haben wir nur ganz kurz; schon bald springt die Handlung ins Jetzt, ohne dass wir erfahren, was damals vorgefallen ist. Aber es ist etwas vorgefallen, etwas Schlimmes, das Du im Jetzt ganz langsam aus dem Alltag Deiner Figuren herausarbeitest, so langsam, als müsstest Du es mühsam aus ihnen herauskratzen. Und tatsächlich ist es auch so, oder? Wenn uns etwas zugestoßen ist, wird es über die Jahre zu einem Teil von uns, der uns derart vertraut ist, dass wir ihn nicht extra erwähnen müssen. Im Gegenteil haben wir das Gefühl, er hätte schon immer zu uns gehört, vor allem, wenn er sich nicht nur in unserer eigenen Person festgesetzt hat, sondern auch in den Menschen um uns herum, wenn er sie durch die Wucht seines Einschlags massiv verändert hat und vielleicht sogar etwas so Manifestes hinterlassen hat wie ein Grab. An ausgeprägten Eigenheiten haben ja schon die Figuren aus Deinem Erstling "Oben ist es still" keinen Mangel gelitten; und auch, wenn Du Dein Personal hier deutlich erweitert und um die anrührende Gegenwart von Kindern ergänzt hast, ist es hier genauso. Ich denke da nur an Anna Kaan, die zur Zeit des Königin-Besuchs eine junge Mutter war und die heute oben auf der Tenne im Stroh sitzt, fernab von ihren längst erwachsenen Kindern, die gelegentlich versuchen, sie von da oben herunterzuholen, auch wenn sie dieses skurrile Verhalten schon ab und zu erlebt haben. Interessant fand ich übrigens, dass Du hier quasi durch die Hintertür wieder jemanden eingeführt hast, der still "oben" liegt und damit abgeschieden ist vom Rest der Welt. Nur dass Anna ihr Exil freiwillig gewählt hat im Gegensatz zum Vater in Deinem Debütroman. Wenn manche LeserInnen Dein Buch zäh und unzugänglich finden, kann ich das übrigens verstehen, Du vielleicht auch. Schließlich passiert nicht viel an diesem einen gegenwärtigen Tag, es sind ja fast nur die Echos des längst vergangenen Ereignisses, der längst vergangenen Tage damals, die den Motor für Deine Erzählung bilden. Du hältst den Ball flach, die Emotionen gedämpft von der Hitze des Tages; das Drama überlässt Du dem Kopf Deiner Leserin. Mir allerdings gefällt das sehr, denn tausendmal mehr als fürs Plakative habe ich für einen Stil wie Deinen übrig, wo meine eigene Gefühlsmaschine nur zart angestupst wird, wo nur hier und da eine leise, aber umso eindringlichere Berührung erfolgt, die dann auch umso größere Erschütterungen auslöst. Darum, glaube ich, kann ich Deinen stillen Roman all denen empfehlen, die ein aufmerksames Auge für sich fast lautlos entfaltende Geschichten haben, Geschichten, die dennoch beachtliche Entwicklungen in sich tragen und ein großes Potenzial für ihre Figuren bereithalten. Ich hoffe jedenfalls sehr, bald wieder etwas von Dir zu lesen, und grüße herzlich nach Holland! Die Buchprüferin
  18. Cover des Buches Die Verletzung (ISBN: 9783641159962)
    Anna Enquist

    Die Verletzung

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Emoticon (ISBN: 9783257236576)
    Jessica Durlacher

    Emoticon

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Monsignore
    Ich habe zwei Anläufe genommen und es lagen Jahre dazwischen - aber über Seite 50 kam ich nicht hinaus. Wirre Struktur, Personen ohne Leben, ein Durcheinander von Dialogen, Begegnungen, Orten. Wenn auf Seite 50 nicht klar ist, wohin die Romanreise gehen soll, hat es keinen Sinn mehr. Andere Bücher von Jessica Durlacher habe ich mit Begeisterung gelesen, aber dieses erscheint mir von einer anderen Person geschrieben. Eindeutig nicht empfehlenswert.
  20. Cover des Buches Nachts kommen die Füchse (ISBN: 9783518461945)
    Cees Nooteboom

    Nachts kommen die Füchse

     (5)
    Aktuelle Rezension von: giulianna
    dieser band versammelt erzählungen von cees nooteboom. über allen schwebt ein bißchen der tod, etwas, das von uns geht, von dieser welt. für mein emfpinden steigern sich die erzählungen mit zunehmender seitenzahl und kulminieren im wunderbaren, mystischen "paula II"; einer erzählung, die mich auf seltsame weise gefangen hält. eine stimme aus dem jenseits, die mit der diesseitigen welt abschließt. eine faszinierende sprache. am liebsten möchte ich diese seiten immer und immer wieder lesen, sie absorbieren, die fremden worte zu meinen eigenen machen. "du wolltest einmal am tag nicht mehr leben, ich bin jetzt deinen ganzen tag lang tot, und du lebst." "während ich für euch innerhalb einer sekunde zu einer anderen geworden war, blieb ich dieselbe." lesen, unbedingt!
  21. Cover des Buches Statisten (ISBN: 9783257235784)
    Arnon Grünberg

    Statisten

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Ja, es tut mir immer ein wenig leid, wenn ich zu einem Roman keinen Kontakt finde. Und wenn er dann noch von jemanden ist, der ja eigentlich schreiben kann. Also schaue ich auf den Buchdeckel mit den jubelnden Werbetexten, doch leider finde ich hier nicht die "herzzerreißend komische" Geschichte und auch die Melancholie will sich nicht so recht einstellen. Die Geschichte dreier Niederländer auf dem naiven Weg nach Hollywood könnte eigentlich etwas schönes sein, leider beschreibt Grünberg aber nur die Episoden dreier Jugendlicher, die sich irgendwie als Lose gerieren. Und weil man das ja so eigentlich nicht glauben will, hofft man, dass noch was passiert, obwohl man das Buch spätestens nach 100 Seiten das erste Mal aus der Hand legen wollte.. Es passiert aber zuwenig und das ist ärgerlich, denn der eigentlich schöne leichte Schreibstil des Autors verliert sich in einer zähen Suppe aus Langeweile. Schade.
  22. Cover des Buches Die Prozedur (ISBN: 9783499227103)
    Harry Mulisch

    Die Prozedur

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Dornroeschen

    Harry Mulischs Roman "Die Prozedur" handelt von der Erschaffung von Leben. Dabei wird im ersten Teil Erschaffung von Leben im biblischen Sinne durch das Wort und Gott beschrieben, danach im alten Prag der Juden durch Golems und im Hauptteil des Buches geht es erst um die Entstehung und dann das Leben eines preisgekrönten Genforscher Victor Werker, der aus anorganischem organisches entwickeln kann, jedoch sein eigenes totgeborenes Kind nicht zu retten vermochte. Ein äußerst kluger und gewitzter Mann, dessen Gedanken man in Form von Briefen an sein Kind erhält. 

    Harry Mulisch berichtet als allwissender Erzähler, das Buch ist äußert geistreich, witzig, philosophisch und voller Verwicklungen, Anspielungen und Exkursionen in viele Bereiche wie Religion, Kunst, Archäologie, Philosophie, Biologie ... bespickt voller Zitate und Gedanken großer Menschen. 

    Das Buch ist eine Freude zu lesen :)
  23. Cover des Buches Blauer Montag (ISBN: 9783257231281)
    Arnon Grünberg

    Blauer Montag

     (23)
    Aktuelle Rezension von: DaniB83
    Wo soll ich am besten beginnen, dieses Buch vorzustellen? Vielleicht ganz am Anfang. Bereits 1994, also 10 Jahre vor der neuerlichen Auflage bei Diogenes, erschien ‘Blauer Montag’ mit dem niederländischen Titel ‘Blauwe maandagen’, die deutsche Erstausgabe gab’s dann 1997. Die Kritiken in den diversen Foren und Online-Buchshops klaffen weit auseinander. Von supertoll über mittelmäßig bis hin zu schlecht findet man alle möglichen und teilweise sogar gut begründete Meinungen, sodass man sich echt nicht sicher sein kann, ob das Debüt von Arnon Grünberg tatsächlich gelesen werden soll. Ich hab’s gelesen und fand es streckenweise zu derb, dafür an anderen Stellen extrem witzig, da Grünberg einen echt trockenen, ironischen, manchmal sarkastischen Humor in seinen Roman einbaut. Etwas verwirrt hat mich die Tatsache, dass er über sich selbst schreibt – ich weiß bis jetzt nicht, wie viele Dinge davon wahr sind, aber eigentlich interessiert es mich auch nicht so sehr, denn es ist ein Roman und der Protagonist heißt nun mal so wie der Autor. Alles gut.

    Der Inhalt

    Gegliedert in fünf Kapitel, teilweise mit Unterkapiteln versehen, erstreckt sich das Werk über 368 Seiten und liest sich extrem schnell, da witzig und flüssig geschrieben. Eine echt lange Strecke handelt von Rosie, der ersten großen Liebe des Protagonisten. Ebenso viel, wenn nicht mehr, wird von den Mädchen berichtet, die Arnon (also die Figur) besucht hat, um seinem langweiligen Leben einen Sinn zu verpassen beziehungsweise mal nicht in einer Kneipe zu sitzen, um dort zu trinken.

    Ein weiterer Erzählstrang handelt von Grünbergs Eltern. Sein Vater starb früh und seine Mutter macht sich ständig sorgen um den missratenen Sohn, der sogar von der Schule fliegt, weil er nur Unfug im Kopf hat. Dabei wird viel auf die jüdischen Feiertage eingegangen, die für Arnon aber nicht so wichtig sind.

    Und am Ende möchte der eigentliche Verleger und Ex-Adressen-Büro-Mitarbeiter dann selbst unter die Call Boys gehen, damit er endlich mal zu Geld kommt. Ob er das tatsächlich macht, steht in den Sternen, denn das Buch endet, bevor er einen Auftrag bekommt.

    Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, wenn auch Abschnitte dabei waren, die mich nicht vollends gebannt haben.
  24. Cover des Buches Charakter (ISBN: 9783423139175)
    Ferdinand Bordewijk

    Charakter

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Angelsammy

    Wie gut kennt ihr euch mit niederländischer Literatur aus? Wieviele unserer schreibenden Nachbarn habt ihr schon gelesen und wißt sie zu schätzen? 

    Mulisch und Co. sowieso, aber auch solche wie Multatuli, Couperus und eben hier Bordewijk? Nee. Kennen viele nicht mehr oder gar nicht. Eine unterschätzte Perle der Literatur. Ein Klassiker, der wieder mehr gelesen werden sollte. 

    Dreverhaven hatte sich einst an seiner Bediensteten Jacoba Katadreuffe vergriffen. Infolgedessen kam der illegitime Sohn Jacob zur Welt. 

    Sie arbeitet nicht mehr für ihn und weigert sich beharrlich, seine monetäre Hilfe anzunehmen. 

    Er läßt sie, gekränkt dadurch, einfach fallen. Mehr schlecht als recht versorgt Jacoba ihr Kind während der schwierigen Zeit des Ersten Weltkriegs. 

    Die Mutter ist nicht gerade beredt, sehr knapp mit Worten also, was Jacob von ihr ( unbewußt? ) übernimmt. Er ist ebenso integer und stolz wie sie. 

    Sie hindert ihn daran, Pläne zu verwirklichen.

    Das ändert jedoch nichts daran, daß er ambitioniert dennoch ein großes Endziel verfolgt. Er möchte Jurist, genauer: Anwalt werden und ein wahres Unikat unter all den wandelnden Menschen dort draußen sein. 

    Er wendet sehr viel Energie und Ehrgeiz wie Elan sowie Zeit für seinen Traum auf, muß Schulden machen, um sein Vorhaben zu finanzieren. 

    Und da kommt sein biologischer Vater ins Spiel. Der ist nämlich Gerichtsvollzieher und macht ihm immerzu einen Strich durch die Rechnung, wenn er denkt, er habe endlich ein Plateau erreicht. 

    Dreverhaven ist ein inhumaner Tyrann, dem es sadistische Freude bereitet, Menschen in schwierigen Lebensumständen noch mehr fertigzumachen. 

    Jacob wird bald von dem immanenten Impuls angetrieben, es seinem Alten zu zeigen, nicht nur Rache zu nehmen für die Demütigungen, sondern weit weit mehr! 

    Der Autor, der von 1884 bis 1965 gelebt hatte, versteht es hier, mit kühlem Blick und Wort gnadenlos seine Protagonisten wie Befindlichkeiten zu sezieren. 

    Wie unter dem Elektronenmikroskop sehen wir ihrem desperaten Zappeln zu und erkennen durch mehrfaches Aufleuchten während der Lektüre, wie sehr diese ihre Eigenschaften nach außen hin zum Schutzpanzer geworden sind. 

    Denn man kann des öfteren hinter ihre harten Fassaden blicken und sehen, daß die Umstände sie derart geformt haben und komplett andere Bedingungen sie so anders hätten machen können. 

    Im Grunde genommen kann man mit allen dreien Mitleid sowie Mitgefühl haben, weil sie alle drei verpasste Gelegenheiten hinter sich haben und dazu noch ( unnötigerweise ) das Glück verfehlen. 

    Alle drei sind tief unglücklich und trauern um ihr eigentlich "verlorenes" Leben, ohne sich dessen gewahr zu sein. 

    Der Autor selbst war Rechtsanwalt und besaß einen sehr scharfen Blick für die Befindlichkeiten der Nächsten. Dieses Buch hier besitzt eine eigentümliche Abgründigkeit, die noch heute zu bannen versteht. 

    1998 gewann die Verfilmung als bester ausländischer Film den Oscar. Unbedingt lesen! Vertraut mir! Ich weiß, was ich tue! Das Buch hier entdeckte ich durch Zufall, worüber ich froh bin! 

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