Bücher mit dem Tag "nigeria"
82 Bücher
- Tomi Adeyemi
Children of Blood and Bone
(499)Aktuelle Rezension von: AnnieHallZélies Welt war einst voller Magie – bis zu der Nacht, in der der machthungrige König von Orïsha alle Magier töten ließ. Diese Blutnacht nahm Zélie ihre Mutter und raubte einem ganzen Volk die Hoffnung. Doch Jahre später bekommt sie die Chance, die Magie nach Orïsha zurückzubringen. Dafür begibt sie sich auf eine gefährliche Mission und muss ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein – besonders dem Kronprinzen, der alles daran setzt, die Rückkehr der Magie zu verhindern.
Children of Blood and Bone entführt die Leserinnen und Leser in eine faszinierende Welt, die stark von westafrikanischer Mythologie inspiriert ist. Früher konnten Flammentänzer das Feuer beherrschen, Geistwandler Träume erschaffen und Seelenfänger über Leben und Tod wachen. Diese kulturellen Einflüsse verleihen der Geschichte eine besondere Atmosphäre und heben sie von vielen klassischen Fantasywelten ab.
Im Mittelpunkt steht die junge Zélie, deren Mutter während der Blutnacht ermordet wurde. Ihre Wut, Trauer und Hoffnung sind spürbar und machen sie zu einer starken und glaubwürdigen Hauptfigur. Seit jener Nacht leben Menschen mit magischem Potenzial unterdrückt und in ständiger Angst, doch als sich für Zélie die Möglichkeit ergibt, die verlorene Magie zurückzubringen, beginnt eine gefährliche Reise durch Wüsten, Städte und spirituelle Welten. Besonders spannend sind dabei die verschiedenen Arten von Magie, die Götter und Rituale, die der Geschichte eine große Tiefe verleihen.
Neben dem spannenden Abenteuer greift das Buch auch ernste Themen wie Unterdrückung, Diskriminierung und Machtmissbrauch auf. Dadurch wirkt vor allem der Konflikt zwischen Magiern und Nichtmagiern emotional und teilweise erschreckend real.
Mitunter ist die Geschichte allerdings etwas überladen und schreitet sehr schnell voran. Viele Ereignisse passieren in kurzer Zeit, wodurch einige Entwicklungen oder Beziehungen etwas überstürzt erscheinen. Auch manche Nebenfiguren bleiben weniger ausgearbeitet, als es die komplexe Welt eigentlich verdient hätte.
Trotzdem ist Children of Blood and Bone ein spannender und emotionaler Auftakt einer Fantasytrilogie mit einer starken Heldin und einer außergewöhnlichen Welt. Für LeserInnen von Jugendfantasy sowie Geschichten über Rebellion, Identität und Hoffnung ist das Buch eine klare Empfehlung.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Americanah
(224)Aktuelle Rezension von: anni_055Das Buch erzählt die Geschichte einer jungen nigerianischen Frau und eines jungen nigerianischen Mannes. Beim lesen begleitet man sie durch verschiedene Lebensphasen und kriegt sowohl spannende Einblicke in das Leben der Mittelschicht (damals) in Nigeria wie auch in das Leben als Westafrikaner in den USA und Großbritannien. Es ist sehr gut geschrieben und die Charaktere sind sehr authentisch. Insgesamt konnte ich mich während des Lesens immer wieder gut in sie hineinversetzen und habe mit ihren Erfolgen und Niederlagen sehr mitgefühlt. Die Autorin befasst sich auf eine sehr ehrliche und erfrischende Art mit Themen wie Liebe, Gesellschaftliche Strukturen und Heimat. Dabei fand ich es sehr spannend Einblicke in eine nigerianische Perspektive auf die USA und Großbritannien, aber auch auf Themen wie Rassismus, soziale Unterschiede und Migration zu bekommen. Insgesamt fand ich das Buch sehr gut und würde es vielleicht sogar zu den besten zählen, die ich bisher gelesen habe. Ich würde es jeder Person weiterempfehlen, die gerne spannende Bücher über das echte Leben liest, inklusive den allgegenwärtigen Themen wie Liebe, Freundschaft und Zukunftsängsten, aber auch mit gesellschaftlich relevanten Themen, wie Korruption, Machtstrukturen, Reichtum, Rassismus und Sexismus.
- Chris Cleave
Little Bee
(252)Aktuelle Rezension von: SchimmerBruchstückhaft erfährt der Leser über die Geschichte eines nigerianischen Mädchens, das in ihrer Heimat Grausames erleben musste, es aber aus eigener Kraft schafft, nach Großbritannien zu flüchten , sich in dort im Lager an die britisch Mentalität anzupassen versteht, frei kommt und ihren Weg sucht.
Die Schilderungen sind aufwühlend, keine leichte Kost.
Das Schicksal des Mädchens ist verwoben mit der Ehegeschichte eines britischen Journalisten Paars.
Die erste Begegnung mit dem Ehepaar noch in Nigeria endet brutal und schockiert. Beim Wiedersehen in London wird es dann leider etwas unglaubwürdig, trotz ziemlicher Spannung bis zuletzt.
Die Erzählweise des Mädchens ist sehr blumig, ausschweifend und nicht immer verständlich, was ihrer afrikanischen Mentalität zuzuschreiben ist.
Die Journalistin berichtet dagegen präziser, nach unserem europäischen Verständnis.
Beide Frauen geraten nach meinem Geschmack zu heldenhaft.
- Martina Hefter
Hey guten Morgen, wie geht es dir?
(254)Aktuelle Rezension von: Sven_LangnerJuno pflegt ihren schwer kranken Mann und fühlt sich einsam. Dabei schreibt sie nebenbei Love Scammer an, damit sie sich aus der Schlaflosigkeit ablenkt. Der Roman behandelt wichtige Themen, eine Story entwickelt sich leider gar nicht so wirklich. Es werden Hintergründe über die Love Scammer beschrieben, oder wie es ist anstatt Ehefrau gefühlt mehr eine Pflegekraft zu sein. Did Message hat man früh verstanden. Hier wurde Potential verschenkt
- Chimamanda Ngozi Adichie
Dream Count
(77)Aktuelle Rezension von: GingerteabooksDas Buch handelt von vier afrikanischen Frauen und ihren Lebenserfahrungen. Chia ist auf der Suche nach der großen Liebe, aber sie gerät immer an die falschen Männer und bleibt dann zu lange. Zikora misst sich an anderen und deren Erwartungen, während sie alleinerziehende Mutter wird. Kadi durchläuft die Hürden und Grausamkeiten der amerikanischen Einwanderung und wird dann vergewaltigt und von der Presse gejagt. Omelogor muss sich damit einschlagen, dass alle ihr sagen, sie solle Mutter und Ehefrau werden, auch wenn sie das nicht will. Das Buch ist feministisch, echt und zeigt Rassismus ohne Scheu. Teilweise ist es grausam, weshalb ich jedem empfehlen kann, erstmal Triggerwarnungen dazu zu googlen. Diese Grausamkeit hat mich aber auch bewegt. Nichts wird durch Metaphern verschönt oder durch Zeitsprünge verkürzt. Man liest das gesamte Ausmaß, mit dem diese vier schwarzen Frauen leben müssen. An vielen Stellen war mir das Buch aber zu langsam. Es hat an Stellen verweilt, die ich mir kürzer gewünscht hätte.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Blauer Hibiskus
(81)Aktuelle Rezension von: izzy_booksDer Roman erzählt von der jungen Kambili, die zwischen strenger religiöser Erziehung und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit aufwächst. Familiendramen, Unterdrückung und Konflikte werden kunstvoll mit der politischen Realität Nigerias verwoben. Eine eindringliche Geschichte über Selbstfindung, Widerstand und das Ringen um Identität in einer komplexen, oft restriktiven Welt.
- Oyinkan Braithwaite
Meine Schwester, die Serienmörderin
(248)Aktuelle Rezension von: AischaOyinkan Braithwaites "Meine Schwester, die Serienmörderin" ist ein außergewöhnliches Debüt, das mich mit seiner Mischung aus schwarzem Humor, psychologischer Spannung und gesellschaftlicher Beobachtung überzeugt hat. Die in Lagos geborene Autorin wuchs in London und Nigeria auf und studierte kreatives Schreiben. Mit ihrem ersten Roman beweist sie ein bemerkenswertes Gespür für präzise Sprache, pointierte Charaktere und eine Geschichte, die weit über einen klassischen Kriminalroman hinausgeht.
Auf den ersten Blick erzählt der nur gut 200 Seiten umfassende Roman von einem makabren Geheimnis: Die introvertierte und sensible Krankenschwester Korede muss immer wieder die Spuren beseitigen, die ihre bildschöne jüngere Schwester Ayoola nach ihren Morden hinterlässt. Ayoola hat die Angewohnheit, die Männer zu töten, mit denen sie sich verabredet – und Korede wird dadurch unfreiwillig zu ihrer Helferin und Mitwisserin.
Doch der Roman ist nicht einfach eine Geschichte über Mord. Braithwaite nutzt diese ungewöhnliche Ausgangslage, um über familiäre Verpflichtungen, die Folgen von Traumata, die Privilegien durch Schönheit und die Frage nachzudenken, wie weit wir bereit sind, moralische Grenzen für die Menschen zu verschieben, die wir lieben. Die Beziehung der beiden Schwestern ist dabei ebenso verstörend wie faszinierend: geprägt von Loyalität, Abhängigkeit und einer schwesterlichen Hingabe, die mich gleichermaßen gefesselt wie beunruhigt hat.
Besonders beeindruckt hat mich die Figur der Korede. Ihre trockene, bissig-humorvolle Erzählstimme macht sie zu einer vielschichtigen Hauptfigur, deren innere Konflikte unmittelbar spürbar werden. Während sie als Krankenschwester fürsorglich für andere Menschen da ist, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihr eigenes Leben. Ihr Vertrauen zu dem im Koma liegenden Patienten Muhtar eröffnet zudem eine weitere, stille Ebene der Geschichte und zeigt Koredes Bedürfnis, endlich mit jemandem über ihre belastende Situation sprechen zu können.
Braithwaite erzählt mit großer Prägnanz: Trotz der Kürze des Romans gelingt es ihr, eine eindringliche Geschichte mit facettenreichen Charakteren zu entwickeln. Die Figuren sind teilweise satirisch überzeichnet und driften ins Groteske ab, bleiben aber gerade dadurch besonders einprägsam. Der klare, direkte Schreibstil und die sehr kurzen Kapitel verleihen dem Roman ein hohes Tempo und erzeugen eine spürbare Dringlichkeit – passend zu Koredes verzweifelten Versuchen, die mörderischen Neigungen ihrer Schwester unter Kontrolle zu halten.
Besonders gelungen ist auch die sprachliche und kulturelle Einbettung der Geschichte. Braithwaite verwendet zahlreiche Begriffe und Ausdrücke aus dem Yoruba, die vielen deutschen Leserinnen vermutlich nicht vertraut sein dürften. Diese sprachliche Vielfalt verleiht dem Roman Authentizität und Tiefe. Ich selbst konnte dabei auf die Unterstützung meines nigerianischen Mannes als Übersetzer zurückgreifen, für viele andere Leser*innen wäre ein kleines Glossar jedoch eine wertvolle Ergänzung gewesen, um die kulturellen Nuancen noch besser zu verstehen.
Vor der pulsierenden Kulisse von Lagos verbindet Braithwaite einen spannenden Kriminalplot mit scharfer Gesellschaftskritik und einer ungewöhnlichen Familiengeschichte. Meine Schwester, die Serienmörderin ist kein typischer Krimi, sondern eine dicht gewebte Erzählung über Schuld, Loyalität und die komplizierten Grenzen zwischen Liebe und moralischem Versagen. Ein kluger, schwarzhumoriger und fesselnder Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.
- Chigozie Obioma
Der dunkle Fluss
(50)Aktuelle Rezension von: GaydoensAus der Perspektive eines Jungen wird die Geschichte einer nigerianischen Familie erzählt: Der Vater will nur das Beste für die Kinder, nimmt viel Arbeit auf sich, lässt dabei aber die Mutter allein mit sechs Kindern. Hinzu kommt eine Weissagung eines „Verrückten", dessen Worte es schaffen, einen Keil in alles zu treiben. So führt eins zum nächsten.
Mir gefiel sehr, wie der Autor das Gefühlsleben mit Hilfe von den Eigenschaften verschiedener Tiere beschreibt, und so die Unausweichlichkeit der Handlungen darstellt. Eigentlich kann es kein Happy End geben, doch es gelingt am Ende, der Familie einen Hoffnungsschimmer zu geben.
Lesenswert.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Mehr Feminismus!
(27)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisAlso ehrlich, von diesem Buch habe ich mir deutlich mehr erwartet als die Zusammenfassung einer Rede der Autorin bei der jährlich stattfindenden Konferenz TEDxEuston im Jahr 2012, die Afrika als Thema hatte, und vier Geschichten aus ihrem Umfeld.
Dass Feminismus für jede (und jeden) eine unterschiedliche Bedeutung hat, kommt hier sehr gut heraus. Das zeigt z. B. das Beispiel ihrer Tante, einer toughen Ärztin, die in ihrem Beruf und nach außen hin, emanzipiert wirkt und lange Jahre ihr Vorbild ist. Bis die Autorin dahinter kommt, dass die Tante, trotz allem, ihrem Mann die sprichwörtlichen Pantoffel bringt, den Haushalt und die Kinder schupft - nach ihrer Erwerbsarbeit natürlich und freundlich lächelt, wenn er einen saublöden und sexistischen Witz auf ihre Kosten macht, noch lächelt. Das Vorbild schrumpft dann ein wenig. Chimamanda Ngozi Adichie sagt „Die Persönlichkeit der Tante hatte keine Ecken und Kanten mehr. Sie ein uferloser Ozean von Nettigkeit.“
Die nigerianische Autorin wird als tolle Literatin gefeiert. Ich persönlich kann mich dem nicht anschließen. Ihre Aussagen zu Feminismus stellen für mich keine neuen Erkenntnisse dar. Daher gibt es nur 1 Stern.
- Cilla Börjlind
Schlaflied
(159)Aktuelle Rezension von: ReadingWitchRezension „Schlaflied“
„Schlaflied“ ist der 4. Band einer Reihe um Olivia Rönning und Tom Stilton von Cilla und Rolf Börjlind. Dieses Autoren-Duo liefert regelmäßig spannende Krimis aus Schweden. Auch hier stürzen sie sich auf ein aktuelles gesellschaftliches und politisches Thema. Schweden wird vom Flüchtlingsstrom erreicht und in Stockholm wird die Erstversorgung, an der sich unsere Romanheldin Olivia beteiligt, organisiert. Sie ist eine junge Polizistin, die in die Fußstapfen ihres Vaters tritt und in den vergangenen Bänden zusammen mit dem ehemaligen Kommissar Tom Stilton ermittelte.
Wie alle anderen Bücher dieser Reihe beginnt auch dieses mit einem rätselhaften Prolog, der eine Szene beschreibt, die mit dem Geschähen zunächst nichts zu tun hat. Danach kommt der Direkte Einstieg in die Geschichte. Wir befinden uns in Stockholm am Bahnhof. Die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten strömen in großer Zahl in die Stadt, sodass die Situation die Helfer zu überfordern droht. Es herrscht das Chaos, das Kriminelle für ihre Pläne ausnutzen. Besonders junge Asylsuchende stehen im Focus skrupelloser Machenschaften. Mit Hilfe von Versprechungen auf ein Zuhause und Geborgenheit werden Jugendliche aus dem Flüchtlingslager weggelockt und für kriminelle Zwecke ausgenutzt. Als dann auch in den Wäldern Smalands die misshandelte Leiche eines Jungen gefunden wird, ist schnell klar, dass das Buch keine leichte Kost wird.
Olivia, Tom und Mette mit ihrem Team beginnen mit den Ermittlungsarbeiten und zunächst deutet alles auf einen Pädophilenring. Doch als weitere Leichen auftauchen, stellen sie fest, dass die Motive hinter diesen Verbrechen noch viel schlimmer sind.
Bei einem weiteren Handlungsstrang spielt Stiltons alte Bekannte Muriel die Hauptrolle. Sie ist eine drogenabhängige Obdachlose, die zufällig einem Flüchtlingsmädchen begegnet. Sie dieses bei sich auf und versucht für sie ein besserer Mensch zu werden.
Auch andere bekannte Figuren aus den vorhergehenden Bänden tauchen auf und spielen kleiner oder größere Rollen bei der Aufklärung der Verbrechen.
Das alles verpacken die Börjlind in einen mitreißenden und anschaulichen Schreibstill. Sie erzeugen eine düstere Atmosphäre, die perfekt zum Thema passt. Die Beschreibungen der einzelnen Szenen sind bildlich, aber durch die nüchterne Ausdrucksweise nicht überladen. Das bietet dem Leser etwas Raum, um dieses schwierige Thema auch zu verarbeiten. An einigen Stellen musste ich das Buch auch weglegen, weil mir das Schicksal dieser Kinder sehr nah ging. Mir ist bewusst, dass das ein fiktiver Roman ist, aber der gewählte Inhalt ist trotzdem sehr nah an der Realität.
Insgesamt gibt es von Mir für diesen spannenden Roman eine absolute Leseempfehlung. Skandinavische Krimis im Allgemeinen und diese Reihen um Olivia und Tom im Besonderen lese ich mit vergnügen und wurde bisher auch nicht enttäuscht.
https://www.readingwitch.com/post/schlaflied
- Abi Daré
Das Mädchen mit der lauternen Stimme
(41)Aktuelle Rezension von: sandra_liest123Abi Daré zeichnet in ihrem Roman den beschwerlichen, aber immer hoffnungsvollen Weg vom „Mädchen mit der lauternen Stimme“ nach. Die vierzehnjährige Adunni wird in Nigeria in eine Welt hinein geboren, in der allein die Männer das Sagen haben: Frauen haben sich unterzuordnen und haben keinen eigenen Wert, sie haben ihren Vätern und Ehemännern als Arbeitskraft und Gebärmaschinen zu dienen.
So ist auch die junge Protagonistin der Willkür ihres alkoholkranken Vaters vollkommen ausgeliefert, der sie nach dem Tod der Mutter (entgegen seinem Versprechen an diese) an einen alten Mann verschachert, der schon zwei Frauen hat und das Mädchen rücksichtslos für seine sexuelle Befriedigung missbraucht und von ihr erwartet, ihm einen Sohn zu gebären.
Adunni jedoch hat einen großen Lebenswunsch in sich, der wie ein Feuer brennt und ihr Kraft und Antrieb gibt, sich aus ihrer trostlosen Lage zu befreien: Sie möchte ihren Kopf mit Wissen füllen und Lehrerin werden. Für sie ist Bildung der einzige Ausweg aus ihrer Sackgasse, es ist ihr Schlüssel zur Selbstentfaltung und Selbstbefreiung.
Positiv durch die Geschichte getragen und beeindruckt hat mich die lebensfrohe Natur der Protagonistin, die sich trotz aller Qualen nicht unterkriegen lässt.
Die Autorin schildert das harte Leben der jungen Adunni schonungslos: Mit einer einfachen und dabei sehr authentischen Sprache und einem sympathischen Tonfall, der frei von Selbstmitleid ist, komme ich als Leserin der Protagonistin nahe, fühle mit ihr und teile ihre Hoffnung, sich aus der Unterdrückung befreien zu können.
Der Roman hat mir viele Einsichten in die Welt eines Mädchens in Nigeria eröffnet und auch meinen Blick auf mein eigenes Leben erweitert (im Vergleich zu den abscheulichen Verhältnissen in Nigeria lebe ich in Deutschland vorzüglich) – wobei es hier um Rechte für Mädchen geht, nicht um Privilegien. Jedes Mädchen überall auf der Welt sollte das Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper haben und das Recht auf Bildung und gesellschaftliche wie politische Teilhabe und Mitbestimmung. Leider ist das in vielen Ländern dieser Welt noch ein weiter Weg. Umso wichtiger ist es, dass es solche Bücher gibt, die uns in unserer europäischen Wohlstandsblase daran erinnern.
Das Cover des Buches mit den starken Farben spricht mich an und passt zu den Kontrasten der Geschichte.
- Nicole Walter
Das Glück umarmen
(17)Aktuelle Rezension von: Universum_der_WoerterBei diesem Buch hatte ich leichte Start Schwierigkeiten.
Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, wusste ich das wird ein interessantes Buch, da es unter anderem um Achtsamkeit geht. Dies sollte, so habe ich es aufgefasst, das zentrale Thema sein.
Doch es war nicht das einzige Thema was behandelt wurde. Nein es kamen noch zwei interessante und wichtige Themen dazu. Ich fühlte mich ein wenig erschlagen, denn ich bekam den Eindruck, dass hier zu viel auf einmal gewollt wurde.
Denn einmal soll es um das Thema Achtsamkeit gehen, meiner Meinung nach kam das Thema etwas zu kurz, dann gibt es da Kio ein Flüchtling aus Afrika der schreckliches erlebt hat - ich finde er hätte seine eigene Geschichte verdient, und da gibt es Marceline die unter Demenz leidet.
Und dann gibt es auch noch Leon der vor irgendwas davon zu laufen scheint und sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Doch Johanna zeigt ihm wie alles leichter im Leben sein kann.
Was dieses Buch betrifft, bin ich ein wenig hin und her gerissen. Zum einen finde ich zwar die Themen gut aber hier wurde nur an der Oberfläche gekratzt weil zu viele Themen vorhanden waren die ihre eigenen Geschichten verdient haben.
Das Ende fand ich auch eher unbefriedigend.
Im großen und ganzen war es ein Buch was man für zwischendurch lesen kann und man vielleicht über das eine oder andere nachdenkt. Aber richtig abgeholt hat mich die Geschichte nicht. Meine Erwartungen waren wohl zu hoch.
- Oyinkan Braithwaite
Das Baby ist meins
(69)Aktuelle Rezension von: cozyreadingdaysNachdem mir „Meine Schwester, die Serienmörderin“ so gut gefallen hatte, war ich natürlich neugierig auf „Das Baby ist meins“.
Das Buch ist sehr kurz und lässt sich problemlos in einem Rutsch durchlesen. Die Geschichte dreht sich um eine Frau, die davon überzeugt ist, dass ein Baby ihr gehört, obwohl die Realität etwas anderes zu sagen scheint. Daraus entwickelt sich eine ziemlich ungewöhnliche und stellenweise auch recht absurde Geschichte.
Insgesamt fand ich das Buch durchaus unterhaltsam. Die Handlung ist stellenweise ziemlich abgefahren und ich wollte natürlich wissen, wie sich alles entwickelt. Gleichzeitig hat mich die Geschichte aber nicht so sehr gepackt, wie ich es mir erhofft hatte.
Vielleicht lag es auch daran, dass mir „Meine Schwester, die Serienmörderin“ einfach deutlich besser gefallen hat. Daran musste sich dieses Buch zwangsläufig messen lassen. Trotzdem habe ich die Geschichte gerne gelesen und bereue die Lesezeit keineswegs.
Für mich war „Das Baby ist meins“ ein interessantes, ungewöhnliches Buch für zwischendurch, das mich gut unterhalten hat, mich aber nicht komplett begeistern konnte.
- Ayelet Gundar-Goshen
Ungebetene Gäste
(62)Aktuelle Rezension von: Aenna612In letzter Zeit habe ich einige Bücher gelesen, die sich mit Israel, Palästina und den damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Spannungen beschäftigen. Ich finde es unglaublich spannend, auf diesem Weg tiefer in die Geschichte einzutauchen und besser zu verstehen, wie tief Vorurteile, Ängste und gegenseitige Ablehnung in Menschen verwurzelt sein können. Umso mehr berühren mich dabei immer wieder die Momente, in denen die vermeintliche „Gegenseite“ plötzlich nicht mehr als solche erscheint, sondern einfach als Mensch mit ganz alltäglichen Sorgen, Wünschen und Bedürfnissen.
Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Ayelet Gundar-Goshens „Ungebetene Gäste“. Im Mittelpunkt stehen Naomi, ihr Mann Juval und ihr kleiner Sohn Uri. Als ein arabischer Arbeiter etwas an ihrem Balkon repariert, fühlt Naomi sich in seiner Gegenwart unwohl – ihre Vorurteile und ihr Misstrauen sitzen tief. Während der Arbeiter kurz auf der Toilette ist, stößt Uri unbeobachtet einen Hammer vom Balkon, der einen Passanten auf der Straße tödlich trifft.
Was danach passiert, fand ich gleichermaßen erschreckend und faszinierend: Statt sofort die Wahrheit zu sagen, lässt Naomi zunächst zu, dass der Arbeiter unter Terrorverdacht gerät und verhaftet wird. Zwar gesteht sie später, was tatsächlich geschehen ist, doch damit lässt sich längst nicht mehr alles rückgängig machen. Die Folgen ihrer Entscheidung ziehen immer weitere Kreise und begleiten die Familie schließlich sogar bis nach Lagos in Nigeria, wohin sie später zieht.
Ich fand den Roman sowohl inhaltlich als auch sprachlich richtig stark. Die Geschichte lässt sich hervorragend lesen und entwickelt trotz ihres eher gesellschaftlichen und psychologischen Fokus beinahe die Spannung eines Thrillers. Vor allem die Frage, welche Konsequenzen eine einzige falsche Entscheidung nach sich ziehen kann.
Mit den Figuren selbst hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Insbesondere Naomi fand ich über weite Strecken extrem unsympathisch, Juval beinahe genauso. Dass Figuren unangenehm und widersprüchlich sein dürfen, passt natürlich hervorragend zu dieser Geschichte. Trotzdem hätte ich mir angesichts dessen, was ihnen widerfährt und womit sie konfrontiert werden, mehr Entwicklung gewünscht. Gerade bei Naomi hatte ich gehofft, dass sich ihr Blick auf andere Menschen stärker verändert.
Das schmälert meinen positiven Gesamteindruck aber nur wenig. „Ungebetene Gäste“ ist für mich ein kluger Roman über Vorurteile, Schuld und die weitreichenden Folgen unserer Entscheidungen und darüber, wie schwer es sein kann, tief verwurzelte Denkmuster tatsächlich zu überwinden.
- Nnedi Okorafor
Akata Witch (The Nsibidi Scripts 1)
(5)Aktuelle Rezension von: LAZinskiDie zwölfjährige Sunny findet heraus, dass sie magische Kräfte hat, lernt dadurch eine neue Welt kennen, findet Freunde und wird in Magie ausgebildet. Klingt wie eine Variante der Harry Potter-Idee. Ist es auch, aber gleichzeitig völlig anders. Die westafrikanische Mythologie und Kultur bringen neue Aspekte und eine andere Mentalität der Charaktere mit sich - zumindest für jemanden wie mich, der kaum Kontakt zu dieser Kultur hat. Diese Maskeraden haben mich zu Beginn echt verwirrt. Auf jeden Fall hat das Buch Spaß gemacht und ich habe mir danach ein nigerianisches Kochbuch gekauft.
- Tomi Obaro
Freundin bleibst du immer
(128)Aktuelle Rezension von: jskDas Cover ist wunderschön und hochwertig. Das Buch liegt gut in der Hand. Und der Inhalt hat mich geflasht. Ich bin positiv überrascht. Die Drei Hauptpersonen, alles Frauen, sind sehr individuell genauso wie ihrer Geschichten. Die Geschichte verflechtet so viele Aspekte miteinander. Es schärft den Blick auf Dinge, die man so nicht gesehen hätte. Man sieht alles differenzierter und distanziert sich vom Schwarz-Weiß-Denken. Durch die Zeitsprünge und spannende Wendungen wird einem nicht Langweilig. Es ist einfach ein tolles Buch. Alles in allem bin ich mehr als zufrieden und würde es jedem empfehlen, es ist EIN Roman von dem man viel viel lernen kann. Ich glaube es hat mich so gut beeindruckt, dass ich mir weitere Bücher der Autorin holen werde. Ihr Schreibstil ist einfach wunderschön und beruhigend währenddessen man vor Spannung gefesselt wird. Wunderschön.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Americanah
(31)Aktuelle Rezension von: Catastrophia"Americanah" besteht aus mehreren Handlungssträngen, die zusammen mehrere Jahrzehnte und Kontinente abdecken. Im Fokus steht Ifemelu, die durch ein Stipendium aus Nigeria in die USA kommt und dort etwa 15 Jahre lebt. Dadurch wird sie zur Americanah, einer Nigerianerin, die nicht mehr ganz Nigerianerin ist, aber auch keine Amerikanerin. Ihr Freund Obinze möchte ihr eigentlich folgen, durch den 11. September ändern sich aber in den USA die Einreisebedingungen, er bleibt zurück und die beiden verlieren einander aus den Augen. Über mehrere Jahre wird Ifemelus Leben in den USA geschildert. Über ihre Blogbeiträge werden auch die Leser*innen in Themen wie Rassismus, Klassismus, Weißsein und Diskriminierung miteinbezogen. Besonders eindrücklich sind die Liebesbeziehungen der Protagonistin, in denen Themen wie Exotisierung, Rassifizierung und Klassismus benannt werden.
Trotzdem ist es kein trockenes Sachbuch, die Sprache ist sehr atmosphärisch und schafft es, Ifemelu real werden zu lassen. Ich bin tief im Buch versunken und habe mit Ifemelu mitgehofft und mich mit geärgert- und mich gerade bezüglich unterschwelliger Rassismen auch mit meinen eigenen Vorurteilen und blind spots auseinandergesetzt. Angenehm fand ich es, dass die Liebesgeschichte zwar den großen Rahmen ausmacht, aber das Buch nicht dominiert hat und eher das Leben in den USA und die Rückkehr nach Nigeria, Gefühle des Andersseins, Ausgrenzungserfahrungen und Identitätssuche zwischen der neuen Heimat USA und Nigeria im Mittelpunkt stehen. Das Buch eignet sich für alle, die durch die Brille einer nicht in den USA geborenen Schwarzen Frau einen Zugang zu Alltagsrassismus und den Anpassungsschwierigkeiten in einem fremden Land finden möchten, sich dabei aber trotzdem einen lebendigen, spannenden und mitreißenden Plot wünschen. - Chimamanda Ngozi Adichie
Heimsuchungen
(8)Aktuelle Rezension von: textwerkbremenWährend Nkems Eltern noch auf einer vertrockneten Farm Nigerias schufteten, lebt sie nun samt Hausmädchen in Philadelphia. Die Erzählung IMITATION beschreibt, wie sich Nkem dennoch im falschen Leben fühlt. Studentin Chika ist stolz auf ihre in London gekaufte Burberry Handtasche. Als sie mit dieser Tasche und in Begleitung ihrer Schwester durch Kanos Hauptstraße im Norden Nigerias schlendert, kommt es zu ethnischen Gewaltaufständen. Die Zeit der Militärdiktatur Abachas wird für Chika EIN PRIVATES ERLEBNIS, sie, die Christin, versteckt sich mit einer muslimischen Hausa Marktfrau in einem verlassenen Laden und beide verbindet die Angst um ihre Angehörigen.
Geografisch pendeln die 12 Erzählungen Adichies zwischen Nigeria und Nordamerika, zeitlich springen sie durch Erinnerungsschleifen in die 1970er Jahre zurück oder beschreiben unmittelbare Geschehnisse Anfang der Jahrtausendwende. Alle erzählenden Figuren, die oft - wie die Autorin – nigerianische Igbo-Wurzeln haben, stammen aus einer gebildeten, wohlhabenden Mittelschicht. Entweder leben sie in Nigeria hinter hohen Toreinfahrten und auf dem bewachten Unicampus oder sie sind dem nigerianischen Alltag aus Militärdiktatur, Polizeikontrollpunkten, Bandenkriminalität oder sexualisierter Gewalt entkommen, haben das umkämpfte Land ihrer Ahnen verlassen, um in der westlichen Welt Sicherheit und Selbstverwirklichung zu finden. Doch auch dort müssen sie tagtäglich für Freiheit und Ansehen kämpfen.
Alle Erzählungen kreisen um intime Wendepunkte, an denen sich die Figuren in unterschiedlichen Lebenssituationen und auf den verschiedenen Kontinenten fragen, ob sie tatsächlich zu „diesem Land der Kuriositäten und Derbheiten“ (54) gehören. Ob in Lagos oder Abuja, ob in New Jersey oder Princeton, sie suchen Zugehörigkeit und wollen vor allem in ihrer Individualität gesehen werden. Besonders an Adichies Erzählhaltung ist die Beschreibung des wechselhaften und unberechenbaren Verhaltens ihrer Figuren, die Diskriminierung erfahren, aber anderen Menschen ebenso mit Vorbehalten als fremd begegnen. Sehr gerne gelesen!
#namethetranslator: Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
(unbezahlte Werbung, eigenes Exemplar)
- Chimamanda Ngozi Adichie
Half of a Yellow Sun
(21)Aktuelle Rezension von: KarinEger„Ein ungeheuer aufrüttelnder Roman über Versprechungen, Hoffnungen und die Enttäuschungen des Krieges“, steht auf der Rückseite meiner Englischen Ausgabe. Ein Jahr lang stand dieser Roman in meinem Regal, bevor ich mich hin traute. Ich hatte einige Essays der Autorin gelesen und Videos ihrer Reden angeschaut. Warum Chimamanda Ngozi Adichie keinen Satz schreiben kann, der nicht faszinierend elegant ist, wird klar, wenn man ihr zuhört und zusieht. Sie strahlt diese natürliche Souveränität und Tiefe aus, vereint Scharfsinn mit Wärme und ist für mich eine echte Hoffnungsgeberin. Ich wollte mich schon lange mal an ein größeres Werk von ihr wagen. Außerdem hoffte ich auf eine Antwort auf die Fragen, die mich angesichts des vor Kurzem ausgebrochenen Krieges in der Ukraine quälten: Warum nur muss es diese Brutalität geben? Müssen wir wirklich in einer Welt leben, in der das Morden und Zerstören unausweichlich ist? Die Antwort kommt in „Half of a Yellow Sun“ auf leisen Sohlen und in Camouflage daher.
Die Universitätsstadt Nnsuka in Nigeria in den frühen sechziger Jahren. Ein ungebildeter Dorfjunge kommt in den Haushalt eines Professors, um von nun an Ordnung zu halten und Essen zu kochen. Er liebt seinen „Master“ und lässt sich nicht austreiben, ihn „Sah“ zu nennen und damit seine Unterlegenheit auszudrücken. Der Lesestrom gleitet übergangslos vom Häuslichen ins Politische. Täglich kommt ein bunter, meinungsstarker Freundeskreis beim Professor vorbei. Sie essen, trinken und diskutieren über Kolonialherrschaft und den Rassismus, der ihr zugrunde liegt. Die Europäer sind ihre größten Feinde. Der Professor weigert sich, eine Identität anzunehmen, die von Weißen erfunden wurde: Schwarzer, Nigerianer, „Sah“. Diese Schubladen sieht er als Kulturdiktatur.
Als zweite Protagonistin kommt die Freundin des Professors ins Spiel, eine bildschöne, kluge Frau, die keinerlei Identitätsprobleme zu haben scheint. Sie liebt den Professor und findet seine revolutionäre Ader sexy, aber sie teilt seine gespaltene Weltanschauung nicht. Sie sieht sich als Teil eines Ganzen und glaubt nicht an Fronten. Das ist umso erstaunlicher, weil sich Fronten durch ihr ganzes Leben ziehen. Sie verlaufen kreuz und quer durch ihre Ursprungsfamilie und auch ihre neue Familie, in der sie von der Schwiegermutter gedemütigt wird, und das obwohl sie zum selben Stamm gehört. Selbst zwischen ihr und ihrer geliebten Zwillingsschwester bricht ein Abgrund auf, der unüberwindbar scheint.
Jene Zwillingsschwester ist mit einem Engländer zusammen, der die dritte Perspektive einbringt. Er ist fasziniert von der Igbo-Kultur und macht es sich zur Aufgabe, der westlichen Welt deren reiche Historie näherzubringen. Als er im intellektuellen Kreis des Professors seine Absichten äußert, wird er kritisiert. Warum muss man überhaupt betonen, dass ein Afrikanisches Volk eine hochentwickelte Kultur hat? Der Brite lernt, dass die Anerkennung von Stammeskultur von weißer Seite arrogant rüberkommt, und dass sie nur von deren Angehörigen transportiert werden darf. Egal in welchem Umfeld der Brite auftaucht, er bleibt ein ewiger Eindringling.
Während man als Leser/in noch dabei ist, diese nörgelnde, sich gegenseitig anzickende Gesellschaft liebzugewinnen, bricht der Genozid an den Igbo herein, ein Religions- und Vernichtungskrieg folgt, und es wird so grausam, dass man nur noch raus will aus der Nummer. Aber man kommt nicht mehr los und nimmt den Überlebenskampf mit auf. Das neu formierte Biafra gibt Leuten wie dem Professor endlich eine Identität, doch diese ist nicht im Sinne der restlichen Welt. Während die Europäer Öl ins Feuer gießen und dann die Schlachten um Biafra als Gemetzel unter Barbaren abtun, zittert und hungert man mit seinen Bürgern und trauert um massenhaft sterbende Kinder. Man lässt sich von der korrupten Regierung in immer neue Selbstmordkommandos schicken, weil man an die Kraft in diesen Menschen glauben will, obwohl man hautnah erlebt hat, dass es in ihnen ebenso wenig Frieden gibt wie in ihren Feinden.
Der Brite in der Gruppe schreibt über den gesamten Zeitraum an einem Buch. Er will der weißen Welt vor Augen zu führen, wie überheblich sie ist. Doch die „Enttäuschungen des Krieges“ (eine ungeheure Untertreibung) machen ihm klar, dass er dafür als Europäer der Falsche ist. Am Ende schreibt ein anderer dieses Buch und bringt die Geschichte damit an einen Punkt, an dem man als Leser/in doch noch spürt, dass etwas gewonnen wurde. Die neue Ordnung, die aus Tod, Niederlage und Chaos hervorgeht, verteilt auch die Chancen neu.
Es bleibt eine große Erschütterung nach dieser Lektüre zurück, aber auch eine tiefe Bewunderung für die Seele der Menschen, die das Unüberwindware überwinden kann. Hat mir der Roman geholfen, mit der Realität des Krieges in Europa umzugehen? Sicherlich nicht. Aber ich habe eine Ahnung bekommen, wieviel Kriegspotential in unser aller Herzen schlummert. Das ist entsetzlich, aber im Umreißen dieser Wahrheit liegt ein Quäntchen Zukunft. Die Autorin, die mich bis ins Mark durchgerüttelt hat, und die ich mehr bewundere denn je, bleibt für mich eine Hoffnungsgeberin.
- Chris Cleave
Little Bee
(21)Aktuelle Rezension von: JorokaSarah und Andrew machen Urlaub in Nigeria, um ihre Beziehung zu retten. Ausgerechnet Nigeria.
Am Strand stoßen sie auf zwei Mädchen, die von Bewaffneten verfolgt werden, die ihr Dorf niedergebrannt haben und nun auch sie töten wollen. Doch halt, die Geschichte setzt eigentlich erst viel später ein, nachdem einem der Mädchen, Little Bee, die Flucht aus Nigeria gelungen war und sie 2 Jahre in England in Abschiebehaft gesessen hatte, bevor sie durch ungefragte Hilfe einer Mitinsassin von dort mit heraus geschmuggelt wurde. Zu Fuß macht sie sich auf den langen Weg zu Sarah und Andrew, den einzigen beiden Menschen, die sie in diesem fremden Land kennt. Doch sie trifft am Tage der Beerdigung von Andrew ein. Sarah bewegt sich wie in Trance und ihr Sohn Charlie weigert sich dauerhaft sein Batman-Kostüm wieder auszuziehen. Sarah nimmt Little Bee jedoch bereitwillig auf, als Art späte Sühneleistung.....
Das Schrecken aus der Ferne wird meist erst greifbar, wenn es ein Gesicht bekommt. Hier ist es das Einzelschicksal von Little Bee, welches uns bewegen könnte, ja, wenn die Geschichte nicht über viele Ecke zu konstruiert klänge. Natürlich ist dies kein Tatsachenbericht, natürlich könnte sich so ähnlich die Handlung zugetragen haben, doch mir persönlich ging aus irgendeinem Grund die ganze Sache nicht sonderlich ans Herz. Es waren immer wieder kurze Momente, in denen ich dachte: Ein bisschen dick aufgetragen.
Insgesamt eine Mischung aus Thriller, Asylproblematik, Beziehungsdrama und Lebensgeschichte.
Sarah Britta Steffenhagen als Sarah und Sarah Alles als Little Bee lesen abwechselt in der Ich-Form. Die beiden machen das so gut, dass ich dafür den 3. Stern vergebe.
Es handelt sich um eine gekürzte Lesung auf 5 CDs.
- Akwaeke Emezi
Süßwasser
(7)Aktuelle Rezension von: AnirahIch habe dieses Buch verschlungen, weil es so aussergewöhnlich ist. Es handelt sich um die Geschichte eines Mädchen, das mehrere Persönlichkeiten besitzt. Sie wächst in Afrika auf und studiert später in der USA. Sehr bemerkenswert ist, dass man alles durch die verschiedenen Erzählstimmen erfährt, die sich aber alle nur in ihrem Bewusstsein befinden. Interessant finde ich beispielweise auch, welche Ereignisse die Entstehung einer weiteren Persönlichkeit verursachten. Alle Emotionen und Gedankengänge auch die Auseinandersetzungen der verschiedenen Persönlichkeiten untereinander werden mit einem Tiefgang und detailreich geschildert. Die Spannung nimmt über die Erzählung hinweg immer weiter zu und es bleibt bis zum Schluss spannend, ob sie gerettet werden kann oder dem totalen Wahnsinn erliegt.
Ich kann dieses Buch jedem sehr gerne weiterempfehlen. Da es der Debütroman der Autorin ist, freue ich mich auf weitere spannende und so aussergewöhnliche Bücher von ihr.
- Dipo Faloyin
Africa Is Not A Country
(1)Aktuelle Rezension von: Aischa"Africa Is Not a Country" is a powerful and necessary corrective to the persistent stereotypes that shape Western perceptions of the African continent. With sharp wit, well-researched arguments, and an engaging narrative, Dipo Faloyin dismantles the simplistic and often patronizing images of Africa as a monolithic entity of suffering, war, and poverty. Instead, he presents a vibrant, complex, and diverse continent that defies the outdated tropes perpetuated in media and popular culture.
The book’s opening chapters, which focus on the brutal legacy of European colonialism, may not offer entirely new insights for readers already familiar with the subject. However, Faloyin’s retelling is compelling and essential, as these historical injustices continue to shape present-day realities. His ability to connect past atrocities to modern-day racial narratives and global power structures is one of the book’s greatest strengths. The lingering influence of colonial-era myths, particularly the glorification of the so-called “White Men in Khaki,” is expertly exposed and critiqued.
While "Africa Is Not a Country" is a work of non-fiction, Faloyin’s prose is at times strikingly literary, occasionally bordering on the overly florid for a factual text. Yet his lively writing style, coupled with a sharp sense of humor, makes even the weightiest topics accessible. His wit provides a necessary counterbalance to the book’s heavy subject matter, ensuring that readers remain engaged rather than overwhelmed.
One of the book’s most thought-provoking aspects is Faloyin’s optimistic vision for Africa’s future. While his hopeful outlook is inspiring, I found myself more skeptical about the speed and scale of the change he envisions. Nonetheless, his arguments for a more nuanced and respectful engagement with Africa—one that moves beyond condescension and outdated stereotypes—are both urgent and convincing.
Ultimately, "Africa Is Not a Country" is a vital and timely contribution to contemporary discourse on race, colonial history, and global inequality. Faloyin challenges both white and Black audiences to reconsider long-held assumptions and to foster genuine respect and understanding. This book deserves a wide readership, particularly among those who wish to move beyond superficial narratives and engage with Africa on its own terms.
- Tomi Adeyemi
Children of Virtue and Vengeance (Legacy of Orisha Book 1)
(23)Aktuelle Rezension von: nonostarZélie erinnert sich noch an die alte Zeit, als es in ihrer Heimat noch Magie gab. Doch die magisch Begabten, die Maji, wurden unterdrückt und getötet, aus Rache und Machtsucht, ihre Kinder als Maden verachtet und versklavt. Als Zélie auf die Prinzessin Amari trifft eröffnet sich ihr eine einzigartige Chance, die Magie zurück nach Orisha zu bringen.
Die Welt, die Tomi Adeyemi hier erschaffen hat, gefällt mir sehr gut. Ich konnte mir alles genau vorstellen. Das Magiesystem ist nicht ganz neu, es gibt mehrere Klassen, die alle eine andere Macht beherrschen: Wasser, Feuer, Erde, Wind, Zeit, Gedanken, Licht/Schatten, Leben und Tod. Das kennt man schon aus anderen Welten, wie z.B. dem Grisha-Universum, aber es ist hier sehr gut umgesetzt und passt gut zur Geschichte.
Den Schreibstil von Adeyemi mochte ich ebenfalls sehr gerne. Es war überwiegend sehr spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwischendurch gab es ein paar kleinere Längen und die Love-Hate-Verbandelungen der Protagonisten war manchmal etwas vorhersehbar und auch kein sonderlich unbekanntes Stilmittel. Dennoch hat es mich nicht allzu sehr gestört, da es zwar immer präsent war aber dennoch nicht den ganzen Raum eingenommen hat. Den afrikanischen Hintergrund der Figuren fand ich sehr interessant und man fühlt sich stark an viele reale historische und aktuelle Situationen erinnert, bei der Minderheiten und Andersartige unterdrückt und versklavt werden, bestraft nur für das, was sie sind.
Viele Leser waren enttäuscht von den Figuren und der Handlung und ich kann auch einige der Kritikpunkte verstehen. Sicherlich hätte es stärkere Protagonisten gegeben und ich bin auch niemand, der zwingend eine Liebesgeschichte braucht, noch dazu so eine komplizierte. Dennoch muss ich auch hier sagen, dass es mich nicht allzu sehr in meinem Lesevergnügen gestört hat, da ich das restliche Geschehen wirklich interessant und spannend fand.
Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass "Children of Blood and Bone" eine tolle Geschichte ist, die mich bis zum Schluss begeistern konnte und deren Welt und Magiesystem ich durchaus gelungen fand. Es ist keine High-Fantasy und sicherlich eher an jüngere Leser gerichtet, aber mit dieser Erwartung bin ich auch nicht an das Buch herangegangen. ich empfehle das Buch daher allen, die eine schöne Fantasy-Geschichte mögen und sich nicht an jugendlichen und etwas naiven Charakteren stören.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Die Hälfte der Sonne
(38)Aktuelle Rezension von: Sanne54Adichie beeindruckt mich nicht nur als Frau, sondern mit einem Erzählstil, der mir sehr liegt. Ihre Themen hingegen sind meist alles andere als einfach. Auch diesmal steht wieder ihre Heimat Nigeria und das Schicksal der Igbo bzw. des Versuchs eines unabhängigen eigenen Staates, Biafra, im Mittelpunkt. Der Roman liest sich dabei mehr wie eine Familiengeschichte, wobei erklärende Worte zur politischen Situation eingeschoben sind, was leider den Lesefluss bremst. Allerdings sind diese Erklärungen an sich für mich schon wichtig gewesen, da ich mit dem Konflikt bzw. dem Bürgerkrieg rund um diese kurze Geschichte Biafras nicht sonderlich vertraut war. Die Ereignisse spielen in den 1960ern und der Untergang Biafras wurde von einem der schlimmsten Bürgerkriege in der afrikanischen Geschichte begleitet. Der Titel des Buches spielt auf die Staatsflagge Biafras an, die eine halbe Sonne zeigte.
Die Ereignisse werden aus Sicht dreier Personen erzählt:
Ugwu ist ein ungebildeter Junge aus ärmlichen Verhältnissen, der als Houseboy bei einem Universitätsprofessor und dessen in England studierter Frau Olanna, einer gleichermaßen schönen und intelligenten Soziologin, angestellt ist. Dort wird ihm auch eine entsprechende schulische Bildung zu teil und er wird fast wie ein Sohn behandelt. Olanna stammt aus einer sehr wohlhabenden, aber korrupten Familie und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. An ihrem Mann fasziniert sie vor allem seine Persönlichkeit. Der dritte ist Richard, ein Engländer, der nach Nigeria kam, um ein Buch über nigerianische Kunst zu schreiben. Er lernt Olannas Zwillingsschwester kennen und beginnt eine Beziehung mit ihr. Als europäischer Beobachter erlebt er die grausamen Ereignisse aus einer anderen Sicht.
Ugwus heile bürgerliche Welt zerbricht schließlich (nicht nur) durch den Bürgerkrieg. Er wird Soldat statt die Universität zu besuchen. Erst später kann er sich wieder seiner Leidenschaft, den Büchern zuwenden und schreibt über diese Ereignisse.Ich war schon nach wenigen Zeilen in der Geschichte, allerdings habe ich dennoch sehr lange gebraucht, um ihn zu lesen.
Das liegt weder an den über 600 Seiten noch am Schreibstil der Autorin, sondern, dass ich ihn immer wieder zur Seite legen musste. Gerade die emotionale Spanne zwischen den überschäumenden Hoffnungen der Menschen auf einen eigenen Staat und die unfassbaren Grausamkeiten, die seiner Gründung vorangingen und die am Ende auch seinen Untergang begleiteten, machen aus dem Roman alles andere als eine leichte Lektüre. Mich hat es auch angeregt, weiter zu recherchieren. Dadurch dass Adichie den Roman als eine Art Familiendrama anlegt, führt sie die Leser sehr nah an die Menschen und ihr Schicksal. Am Ende geht es aber nicht um die Frage der Schuld, sondern um die Menschen und was der Krieg mit ihnen macht.























