Bücher mit dem Tag "nobelpreis"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "nobelpreis" gekennzeichnet haben.

483 Bücher

  1. Cover des Buches Der alte Mann und das Meer (ISBN: 9783499267673)
    Ernest Hemingway

    Der alte Mann und das Meer

     (961)
    Aktuelle Rezension von: AndreaKiesling

    Puh, eines der wenigen Bücher für die ich, obwohl es ziemlich dünn war, mehrere Wochen Lesezeit brauchte. Es wurde mir als „muss“ empfohlen. Würde es jedoch nicht noch einmal lesen.

  2. Cover des Buches Der Zauberberg (ISBN: 9783596904167)
    Thomas Mann

    Der Zauberberg

     (522)
    Aktuelle Rezension von: ThomasMajhen
    Die genaue Ausgabe, die ich von Thomas Manns "Zauberberg" gelesen habe, konnte ich hier nicht finden, deshalb habe ich einfach die erste in der Liste ausgewählt. 

    Wer mit dem Buch beginnt, hat es unter Umständen zunächst nicht leicht. Die langen und verschachtelten Sätze des Autors sind schon gewöhnungsbedürftig, zumal heutzutage niemand mehr so schreibt. Ich habe Bekannte, die nach wenigen Seiten entnervt aufgegeben oder aber sich bis zum Ende durchgequält haben und anschließend froh waren, dieses Buch nie wieder lesen zu müssen. Mir fiel es nicht ganz so schwer, denn schon nach kurzer Zeit hatte ich mich an Manns Stil gewöhnt. 

    Den "Zauberberg"  liest man nicht einfach mal so zwischendurch weg wie einen Harry Potter-Roman, er erfordert Konzentration und Ruhe. Aber wer sich die Mühe macht, wird mit einem Juwel der deutschen Sprache belohnt, das man nie wieder vergisst. Irritiert hat mich lediglich eine Passage im Buch, die auf Französisch verfasst ist. Das fand ich schon sehr merkwürdig, doch entdeckte ich schließlich bald, dass am Ende der Ausgabe die entsprechende deutsche Übersetzung angeheftet war. Einen Hinweis darauf habe ich allerdings vermisst, meine Entdeckung war reiner Zufall.

    Ebenfalls nicht gerade einfach zu begreifen sind die zahlreichen philosophischen Auseinandersetzungen zwischen den Figuren Naphta und Settembrini, es sei denn man hat sich eingehender mit Philosophie beschäftigt. Hier kann der Lesefluss schon mal holpriger werden.

    Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen und es wird sicherlich der Tag kommen, an dem ich es mir ein zweites Mal vorknöpfen werde.
  3. Cover des Buches Möge die Stunde kommen (ISBN: 9783453421677)
    Jeffrey Archer

    Möge die Stunde kommen

     (113)
    Aktuelle Rezension von: Bibi1999

    Für die Cliftons und Barringtons kommen schwere Stunden. Giles setzt für seine gefährliche Liebe seine Karriere als Politiker aufs Spiel, während Emma eine schwere Entscheidung treffen muss, welche für Harry alles verändern kann. Doch dann folgt ein Schicksalsschlag, den keiner erwartet hat.

    Das Buch umfasst 592 Seiten und ist bei Heyne erschienen. Es handelt sich um den sechsten Band der Reihe. Es ist empfehlenswert die vorherigen Bände zu lesen, um gewisse Hintergrundinformationen zu besitzen. 

    Der Klappentext verrät über die Geschichte nicht allzu viel, vermutlich hätte jede weitere Ausführung schon zu viel über den Inhalt und die Geschichte selbst verraten. 

    Wie bereits aus den ersten fünf Bänden bekannt, wechseln die Perspektiven regelmäßig zwischen den verschiedenen Charakteren. Dadurch sind die Charaktere tiefgründig geschildert. Besonders Sebastian entwickelt sich in diesem Teil weiter, da er einiges miterlebt. Doch auch die anderen Familienmitglieder erleiden immer wieder Schicksalsschläge. Diese machen ein Teil der Spannung des Buches aus.

    Das Buch beginnt an diesem Punkt, wo Teil fünf aufgehört hat, mit dem Verleumdungsprozess. Dieser Band spielt zwischen 1970 und 1978 in England. Der Schreibstil war wieder sehr angenehm. Die Spannung in diesem Teil ist vorhanden. Durch die verschiedenen Perspektivenwechsel erfährt der Leser so einiges über die Vorhaben der anderen Charaktere, gleichzeitig bleibt aber auch einiges im Dunkeln, sodass man nie weiß, wie die Sache ausgeht. 

    Auch dieser Teil endet, wie die anderen zuvor, mit einem Cliffhänger. Ich bin sehr gespannt, was der Autor im letzten Teil noch bereithält. Ich kann die Reihe an alle, die gerne Familiensagen lesen, absolut empfehlen.

  4. Cover des Buches Im Café der verlorenen Jugend (ISBN: 9783423142748)
    Patrick Modiano

    Im Café der verlorenen Jugend

     (132)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Speziell, auf so mancher Ebene. Schöne Atmosphäre. Dennoch wären mir weniger Straßennamen und mehr Beschreibungen hilfreich gewesen, dann und wann. Recht frei und unvollendet fühlte es sich immer wieder an, als ob ich was verpasst oder überlesen hätte - was die Thematik der Geschichte wohl ganz gut ergänzt/spiegelt. Definitiv interessant zu lesen, für ein weiteres Buch des Autors (sppntan unterstellend, daß sein Schreibstil immer so ist) reicht es bei mir nicht. Es braucht, denke ich, auf jeden Fall eine gewisse Offenheit und Bereitschaft.

  5. Cover des Buches Das Geisterhaus (ISBN: 9783518463857)
    Isabel Allende

    Das Geisterhaus

     (788)
    Aktuelle Rezension von: sommerlese

    Das Geisterhaus von Isabel Allende erscheint im Suhrkamp Verlag.


    Isabell Allende erzählt die Geschichte der Truebas, einer Großgrundbesitzerfamilie aus Chile, über vier Generationen hinweg. Es ist eine spannende Familiensaga, die alle Themen in sich vereint. So gibt es Liebesgeschichten, politisches Geschehen und Alltagsleben, aber auch eine übersinnliche Geistergeschichte.    

    Schon gleich vorab mein Kritikpunkt, das Geisterhaus liest sich durch den Wechsel der Erzählperspektive, mal ist es die  auktoriale Perspektive, dann wieder die Ich-Perspektive, etwas kompliziert. Dadurch hatte ich immer wieder Probleme, mich von dem Erzählten richtig fesseln zu können. 

     

    Diese Familiensaga  besitzt autobiografische Züge der Autorin, sie beschreibt die Geschichte Chiles im 20. Jahrhundert. Die verschiedenen Protagonisten werden vorgestellt, sie alle haben auch als Nebenrollen eigene Handlungsstränge und alle werden mit politischen Stimmungen und familiärem Hintergrundwissen zu einer komplexen Geschichte verbunden. Der Leser ist bei diesem Buch wirklich gefordert und muss sich den vielen Figuren und ihren Lebenswegen stellen. Doch das lohnt sich, denn die einzigartige Sprache, die spürbare Fantasie und das Zeitgeschehen bringen den Leser in eine besondere Story voller Liebe, Gewalt und auch Hass. Dieses Buch zeigt uns das Leben in Südamerika

    Interessant ist, dass Allende nicht nur politisch gesehen Machtmissbrauch aufzeigt, sondern auch die Macht eines Familienoberhauptes über seine Familie. Die Familie funktioniert wie ein Staat im kleinen, der durch den Spiritismus der Ehefrau allerdings beeinflusst wird. 


    Diese vielschichtige und fantasievolle Familiensaga illustriert die Geschichte Chiles und lässt uns die Autobiografie Isabell Allende nachspüren.  

     

  6. Cover des Buches Der Alchimist (ISBN: 9783257261165)
    Paulo Coelho

    Der Alchimist

     (1.485)
    Aktuelle Rezension von: thepassionsofalice

    "Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert."

    "Denn Mut ist die wichtigste Gabe für denjenigen, der die Sprache der Welt sucht."

     

     

    Diese kleine, feine Literatur hat mich eine lange Zeit begleitet. Unterwegs mit einem Bleistift lag sie, wie ein wertvoller Schatz, in meinen Taschen. 

    Sie wurde gezeichnet. 

    Voller Granitstriche, 

    voller Gedanken, 

    voller Eselsohren, 

    voller Leserillen. 

    Schiefgelesen.

    Umgekippte Kaffeeflecken. 

    Ich bin dankbar dafür, dass ich diesen Roman nicht in einem Zug verschlungen habe, sondern er ein längerer Begleiter war und mich hat viel und oft über den Inhalt nachdenken lassen. Über mein eigenes Leben, über meine eigenen Visionen. 

    Eine Lektüre voller Gebrauchsspuren, voller Leben. 

    Wortwörtlich eine Lektüre fürs Leben. 

     

    Eine 'klassische Rezension' wird und kann es für dieses Meisterwerk von meiner Seite aus nicht geben. Ich glaube, dass Vielen, die diese Geschichte kennen, bewusst ist, welch wertvollen Schlüssel für ein erfülltes Leben dieser Roman darstellt. Ich glaube, ich habe noch nie solch eine große qualitative Menge an Zitaten aus einem Buch herausgeschrieben, wie aus diesem. Wenn man sich darauf einlässt, ist es eine riesige Sammlung an Lebenstipps und Weisheiten, die man sich wirklich zu Herzen nehmen kann. Eingebettet in eine magische und wunder-volle Geschichte, die einen an Wunschträume glauben lässt. Um diese meisterlich aneinandergereihten Wörter zu würdigen, die eine wundersame Geschichte erzählen, an der wir uns alle ein Beispiel nehmen sollten, wird es hier in der kommenden Zeit immer wieder Postings mit den bereichernden Zitaten aus dem Alchimisten geben. 

    Zitaten, die mich umdenken ließen. 

    Zitaten, die meinen Blickwinkel auf die Welt veränderten. 

    Zitaten, die mich angestoßen haben, an meine Wunschträume ganz fest zu glauben. 

     

     

    "Das Leben ist wirklich sehr großzügig mit dem, der seinem persönlichen Lebensweg folgt."

     

     

    #seitenstaub #bookstagram #bibliophile #booklove #bookworm #bookstagramgermany #bookobsessed #bookphotography #literature #books #reader #bookblogger #bookish #plant #thealchemist #paulocoelho  #quotes #bookforlife #deralchimist @diogenesverlag

  7. Cover des Buches Die verlorene Ehre der Katharina Blum (ISBN: 9783462031454)
    Heinrich Böll

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

     (825)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Ich schreibe wahrscheinlich nichts neues, wenn ich über die verlorene Ehre der Katharina Blum berichte, es ist schließlich Heinrich Bölls bekanntestes Werk.

    Der Einstieg in die Lektüre fiel mir nicht leicht. Man wird direkt mit reichlich Namen bombardiert in einem literarischen Szenario, das an Prozessakten erinnert. Abschnittweise wird die Vernehmung der Katharina Blum nacherzählt, die einem flüchtigen Verbrecher Hilfe geleistet hat dem Zugriff der Polizei zu entkommen. Den Mann lernte sie auf einer Feier kennen, nahm ihn mit nach Hause und verliebte sich Hals über Kopf nach einer gemeinsamen Nacht in ihn. Die Loyalität zu ihm zu halten ungeachtet des Verbrechens, das er begangen haben mag, wird ihr zum Verhängnis, als ein sensationsheischendes Tageblatt (im Buch nur die „ZEITUNG“ genannt) ihren Anteil an der Flucht nicht nur veröffentlicht, sondern ihr Privatleben auf eine pervers tatsachenverdrehende Weise ausschlachtet. Aus einer unbescholtenen, unscheinbaren Bürgerin wird dann eine Täterin, als ihr Hass auf den Verantwortlichen der verdrehten Berichterstattung sie dazu treibt den Journalisten der ZEITUNG zu töten.

    Interessant ist wie wenig sich an manchen Methoden seit 1974 geändert hat, als Böll das Buch veröffentlichte. Sein in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ verarbeitetes Thema ist in einer Zeit, in welcher der Begriff „Fake News“ entstanden ist, aktueller denn je.
    Ein wirklich gutes Buch trotz des gewöhnungsbedürftigen Anfangs!

  8. Cover des Buches Der Ekel (ISBN: 9783499105814)
    Jean-Paul Sartre

    Der Ekel

     (272)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly
    Die Lektüre E. M. Ciorans "Vom Nachteil, geboren zu sein" hat mich auf die grandiose Idee gebracht wieder einmal Jean-Paul Sartres "Der Ekel" aus dem Regal zu nehmen. Fasziniert habe ich nach wenigen Sätzen festgestellt, dass dieser philosophische Roman über den Historiker Antoine Roquentin für mich nichts an Intensität verloren hat. Antoines Tagebucheinträge sind auch nach zwanzig Jahren, so lange ist es her, seit ich "Der Ekel" zuletzt gelesen habe, fesselnd und erstaunlich frisch. Sartre hat seine Philosophie des Existenzialismus in eine unkomplizierte Sprache verpackt..."es war einmal ein armer Kerl, der hatte sich in der Welt geirrt. Er existierte, wie die anderen Leute, in der Welt der Parks, der Kneipen, der Handelsstädte, und er wollte sich einreden, er lebe woanders, hinter der Leinwand der Gemälde, mit den Dogen Tintorettos, mit den ernsten Florentinern Gozzolis, hinter den Seiten der Bücher, mit Fabrice del Dongo und Julien Sorel, hinter den Grammophonplatten, mit den langen, spröden, klagenden Jazzmelodien. Und dann, nachdem er lange genug den Idioten gemacht hat, hat er verstanden, hat er die Augen geöffnet, hat er gemerkt, daß es da ein Versehen gab: er saß in einer Kneipe, ausgerechnet, vor einem Glas lauwarmem Bier..." für mich immer noch eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Absolut empfehlenswert.
  9. Cover des Buches Madame Curie und die Kraft zu träumen (ISBN: 9783548063867)
    Susanna Leonard

    Madame Curie und die Kraft zu träumen

     (117)
    Aktuelle Rezension von: sleepwalker1303

    Der Name Marie Curie ist sicher fast jedem geläufig, auch wenn man sich weder in Physik noch in Chemie übermäßig gut auskennt. Wer sich aber genauer hinter dem Namen verbirgt und welche Geschichte mit dem Namen verknüpft ist, wissen vermutlich nur wenige. Diese Wissenslücke will Susanna Leonard mit dem biografischen Roman „Madame Curie und die Kraft zu träumen“ füllen. Und das gelingt ihr meiner Meinung nach ganz hervorragend.

    Eingeteilt in drei große Zeitebenen, nimmt die 59-jährige Marie Curie im „Jetzt“ 1926, kurz vor der Hochzeit ihrer Tochter Irène, ihre Zuhörer:innen (Bekannte, Bewunderer und ihre beiden Töchter) durch Erzählungen mit auf eine Reise durch ihr Leben. Diese Erzählungen handeln von ihrer Kindheit und Jugend in Polen und ihrer Studien- und Forschungszeit in Paris. 

    Geboren als Maria Salomea Skłodowska im russisch besetzten Polen, kämpfte sie schon früh gegen Vorurteile und Benachteiligungen. Einerseits hatte sie als Polin schlechtere Chancen in der Gesellschaft, und als Mädchen gleich gar. Trotzdem schaffte sie es, ihre Schulzeit mit Bestnoten zu beenden, sich privat mithilfe der „Fliegenden Universität“ weiterzubilden und mit dem Geld, das sie als Hauslehrerin verdiente, ihrer Schwester Bronia ein Studium an der Pariser Sorbonne zu ermöglichen. Sich selbst erfüllte sie den Traum vom Studium (in vielen Ländern durften Frauen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nicht studieren, oft nicht einmal Abitur machen) erst ab 1891, nachdem sich auch die Heirat mit dem Sohn ihrer Arbeitgeber zerschlagen hatte. In Paris zeigte sich, wie ehrgeizig, wissbegierig, neugierig und schlicht begabt Sklodowska war. Sie lernte den Lehrer und Physiker Pierre Curie kennen und lieben – der Rest ist vermutlich hinlänglich bekannt. Gemeinsam  gewannen sie 1903 zusammen mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik, sie bekam 1911 den Nobelpreis für Chemie und widmete ihn ihrem 1905 an den Folgen eines Verkehrsunfalls verstorbenen Mann. 

    Marie Curie war ihrer Zeit in vielem voraus: sie studierte, als noch wenige Frauen studierten; sie forschte als eine der ersten (auf sehr hohem wissenschaftlichen Niveau); sie gewann als erste Frau den Nobelpreis und als einzige zweimal, noch dazu in zwei verschiedenen Fächern. Eine zu ihrer Zeit eher unbesungene Heldin und Vorreiterin, Wegbereiterin, Koryphäe und ein großes Vorbild vor allem für Studentinnen. Heute sieht das anders aus: sie ist bekannt, berühmt und eventuell auch berüchtigt. Im Buch wird sie als ehrgeizige Forscherin dargestellt, der die Wissenschaft über alles geht. Sie weiß schon früh, wie gefährlich die radioaktive Strahlung der von ihr und ihrem Mann entdeckten Elemente Radium und Polonium ist (den Begriff Radioaktivität verwendeten die beiden als erste), nimmt aber die Risiken in Kauf. Sie selbst stirbt an den Folgen der Strahlung, was aus den Mitarbeitern wird, die sich dem Risiko ebenso ausgesetzt haben, wird nicht erwähnt. Aber Marie Curie hatte wohl noch eine andere, eine herzliche und menschliche Seite, ein solides Gegengewicht zu ihrem Ehrgeiz und ihrem Forschungsdrang. Die große Liebe zu ihrem Mann und ihren Töchtern und die enge Verbundenheit mit ihrem Vater und den Geschwistern, gingen mir beim Lesen ans Herz. 

    Für mich war das Buch eine Bereicherung und eine Freude, es zu lesen. Leider enthält es mehrere Fehler, sowohl orthografische, als auch logische. Dennoch finde ich, dass die Autorin eine gute Möglichkeit gefunden hat, ihrem Publikum den Menschen Marie Curie näherzubringen. Das Buch ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Die wissenschaftlichen Aspekte überwiegen nie, sie sind gerade so wenig vertreten, wie der Lesefluss verträgt, aber so viel, dass der interessierte Leser Anregung zur weiteren Recherche erhält. Für mich eine runde Sache, ein Stern Abzug wegen der zahlreichen Fehler, daher vergebe ich 4 Sterne.

  10. Cover des Buches Die Stadt der Blinden (ISBN: 9783442745296)
    José Saramago

    Die Stadt der Blinden

     (537)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    Ein Mann wartet mit seinem Auto an einer roten Ampel. Als die Ampel auf grün umschaltet, fährt er nicht los: Er ist plötzlich erblindet.

    Er wird von einem Mann nach Hause gebracht, der sich erst freundlich zeigt, doch dann sein Auto stiehlt, und die Frau des Blinden begleitet ihn in eine Augenarztpraxis, um dieser sonderbaren Blindheit auf die Schliche zu kommen.

    Innerhalb weniger Stunden erblinden nicht nur der Autodieb und die Frau des ersten Blinden, sondern auch der Augenarzt und seine Patienten. Nur die Frau des Augenarztes bleibt verschont.

    Alle Blinden werden in eine leerstehende Irrenanstalt gebracht, wo sie (und die nachfolgenden Blinden) vom Rest der Menschheit isoliert werden. Um bei ihrem Mann zu bleiben, gibt sich die Frau des Augenarztes als Blinde aus, und schafft es so, den Isolierten beizustehen und ihnen Unterstützung zu bieten.

    Ich habe ‚Die Stadt der Blinden‘ vor vielen Jahren zum ersten Mal gelesen und war damals sehr begeistert von dem Roman. Er ist trotzdem der einzige Roman geblieben, den ich von José Saramago gelesen habe, und nun habe ich zur Auffrischung des Hörbuch gehört.

    Im Roman werden weder Personen noch Orte benannt, und auch wann die Geschichte spielt, erfährt der Leser nicht. Stattdessen werden die Personen nach bestimmten Eigenschaften unterschieden, z.B. ‚die Frau mit der dunklen Brille‘ oder ‚der erste Blinde‘, was nicht nur zur Anonymität der Personen führt, sondern auch zu einer gewissen Universalität und Austauschbarkeit beiträgt.

    Saramagos Roman ist anspruchsvoll und von Anfang bis Ende fesselnd, ohne dass der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1998 ausschweifend, kompliziert oder blumig schreibt. Die Stimmung im Buch ist dabei unheilvoll und düster, wobei der Roman im Verlauf immer gespenstischer und bedrückender wird.

    Saramagos Beschreibungen von Unterdrückung, Entrechtung, Entmenschlichung und Kompromisslosigkeit liegen bisweilen schwer im Magen, was auch daran liegt, dass die Schilderungen durchweg authentisch wirken und man sich gut vorstellen kann, dass eine solche Ausnahmesituation auf die von Saramago wiedergegebene Weise entgleist.

    Ich kann den Roman voll und ganz empfehlen und lese irgendwann sicherlich weitere Romane des Autors, z.B. ‚Die Stadt der Sehenden‘.

  11. Cover des Buches Die Blechtrommel (ISBN: 9783423138192)
    Günter Grass

    Die Blechtrommel

     (542)
    Aktuelle Rezension von: Lorenz1984

    Danke Herr Grass für diesen längeren Ausflug in die Welt von Oskar Matzerath. 

    Dieses Buch kann ich definitiv mit nichts vergleichen was ich bisher gelesen habe... 

    Jedem zu empfehlen der Lust auf etwas unkonventionelles hat! 

  12. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (258)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Eindringlich, wortgewaltig und unprätentiös schildert Herta Müller die Geschichte eines Rumäniendeutschen und dessen Schicksal in einem russischen Gefangenenlager nach dem zweiten Weltkrieg. Die Erzählung lehnt sich an die eigenen Erfahrungen von Oskar Pastior, einem Lyriker und Übersetzter aus Siebenbürgen.


    Der Alltag in den Arbeitslagern ist von Mangel, Entbehrung und Grausamkeit durchsetzt. Trotzdem findet die Autorin eine Sprache, die weder anklagend noch schuldzuweisend ist, sondern sachlich und mit grosser Intensität das Los und die ganze Hoffnungslosigkeit dieser Menschen beschreibt. Dieses verdaut man als Leser nur stückweise und die unmenschlichen Zustände lassen einem sprachlos zurück.


    Eine beklemmende Lektüre einer grossen Schriftstellerin. Herta Müller wurde 2009 der Literaturnobelpreis verliehen.

  13. Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783596522149)
    William Golding

    Herr der Fliegen

     (821)
    Aktuelle Rezension von: Krimifee86

    Ich habe den Film zum Buch mal vor etwa 20 Jahren in der Schule gesehen. Manche Szenen waren mir noch bekannt und die ganze Prämisse natürlich auch, aber die Gesamtgeschichte eben nicht mehr. 

     

    In Herr der Fliegen stürzt ein Flugzeug ab und nur eine handvoll britischer Schuljungen im Alter von 6-14 Jahren überlebt. Dies ist insofern kein Problem, als dass es auf der Insel genug zu essen und frisches Wasser gibt. Eigentlich also nur irgendwie überleben, zusammenhalten, Hütten bauen und auf Rettung warten. Sollte man meinen. Doch dann packt einige Jungs das Jagdfieber, Rivalitäten brechen aus und plötzlich werden nicht mehr nur Schweine gejagt.

     

    Tja. Ich schwanke irgendwie sehr. Ich möchte schreiben, dass das Buch fernab jeglicher Realitäten ist, weil ich einfach nicht will, dass so grausames Verhalten möglich ist. Aber die Wahrheit ist wahrscheinlich, dass es sehr wohl möglich ist und dass so soziale Muster und Strukturen eben funktionieren. Das ist wahnsinnig erschreckend und traurig. 

    Leider hat der Autor die ganze Thematik für mich doch eher abstrakt rüber gebracht oder sagen wir es anders: Dadurch dass das Buch schon älter ist, ist es eben nicht so modern und dadurch wirkt vieles absonderlich und auf mich nicht mehr ganz so glaubwürdig. Ich gebe eine mittlere Punktzahl, empfehle das Buch aber nichtsdestotrotz gerne weiter. 

     

     

    Mehr von mir zu den Themen Bücher, Bullet Journal, Essen, Reisen, Fotos, Disney, Harry Potter und noch vieles mehr gibt es unter: https://www.facebook.com/TaesschenTee/

  14. Cover des Buches Die Klavierspielerin (ISBN: 9783499158124)
    Elfriede Jelinek

    Die Klavierspielerin

     (223)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Die mittdreißigjährige Klavierlehrerin Erika Kohut sollte eigentlich ein anderes Leben haben: Akribisch hatte ihre Mutter das Leben ihrer Tochter bis zur gefeierten Konzertpianistin vorgeplant. Nun erhofft sie sich, mithilfe des Einkommens ihrer Tochter bald die erwünschte gemeinsame Eigentumswohnung zu kaufen. Ihre Tochter Erika hält sie von allen Einflüssen fern, die schädlich sein könnten, seien es Männer, Freundschaften, auch nur irgendeine Situation, in der sich Erika selbstständig machen könnte. Denn die Mutter wacht eifersüchtig über ihren Besitz, der ihr nun zu entgleiten droht. Erika, die durch diese schädliche Beziehung - sie und ihre Mutter schlafen noch gemeinsam in einem Bett - nie eine eigene Form der Sexualität oder Selbstbestimmung entwickeln konnte, vertreibt sich die Zeit mit Voyeurismus, belauscht heimlich Paare beim Sex im Wiener Stadtpark und ist völlig überfordert, als ihr jüngerer Schüler versucht, sie zu verführen. Sie findet bei der Annäherung zu ihm das Maß nicht, ist entweder bösartig und abweisend oder verlangt von ihm, sie stundenlang zu quälen - freilich nur in der Fantasie und nicht in der Realität, denn dort erhofft sie sich umfassende Liebesgeständnisse, die er wiederum nicht bereit ist zu geben.

    Man merkt dem Buch und seiner Sprache das Alter an. Ich hatte es einmal weggelegt und jetzt, nach ein paar Monaten Pause, zu Ende gelesen. Mich erschlägt die teilweise schwer verständliche Sprache trotz ihrer Kunstfertigkeit und gerade die sehr verallgemeinernden bis rassistischen Beschreibungen sogenannter Gastarbeiter empfand ich als problematisch. Ich verstehe, dass es zur Zeit seines Erscheinens - insbesondere wegen der expliziten Schilderungen sadomasochistischer Sexualität, noch dazu durch eine weibliche Autorin - ein wichtiges Werk war und in diesem historischen Kontext immer noch ist. Gerade die Darstellung sadomasochistischer Neigungen ist aber aus heutiger Sicht aufgrund der vorgenommenen Pathologisierung sehr schwierig. Es gibt zwar viele Menschen, die BDSM aufgrund individueller Erlebnisse als Mechanismus nutzen, das ist aber keine zwingende Kausalität. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist mitunter schwer zu verdauen und führte bei mir zu Fremdscham bis Abscheu. Vermutlich sollte man dieses Buch gelesen haben, weil es trotz der Kritikpunkte sehr eindrücklich eine toxische Mutter-Kind-Beziehung schildert und diesem mit scharfem Blick begleitet, und weil die Sprache tatsächlich sehr bildhaft und außergewöhnlich ist. Mich hat aber beides in diesem Fall teilweise abgestoßen.

  15. Cover des Buches Lautlos (ISBN: 9783442459223)
    Frank Schätzing

    Lautlos

     (499)
    Aktuelle Rezension von: Bookreader34

    Lautlos von Frank Schätzing ist ein Thriller über ein geplantes Attentat auf ein Staatsoberhaupt während des G8-Gipfels im Juni 1999 in Köln nach dem Kosovo-Konflikt. 

    Das Buch ist in ein Vorwort über westliche Medien und ihre Konsumenten, einen in vier größere, Phasen genannte Abschnitte unterteilten Hauptteil, einen Epilog und einen Anhang geteilt. In letzterem sind genauere Informationen zu ein paar im Buch angesprochenen Themen wie dem Kosovo-Konflikt und Whisk(e)y enthalten.

    Die Hauptpersonen sind der irische Physiker und Autor Liam O'Connor, der eine Vorliebe für Whiskey hat, seine Presseagentin Kirsten-Katharina "Kika" Wagner, sein Lektor Franz Maria Kuhn und die Terroristen Mirko und Jana. 

    O'Connor will eigentlich nur sein neuestes Buch vorstellen, trifft aber auf einen alten Studienfreund. Das bringt ihn dazu, Nachforschungen anzustellen, durch die er, seine Presseagentin und sein Lektor ins Visier der Terroristen geraten.

    Eingeflochten in die Handlung erhält der Leser einige Informationen unter anderem über Köln und die damalige politische und gesellschaftliche Situation, verbunden mit Kritik daran. Vor allem bis etwa zum Ende von Phase 1 fand ich das teilweise aber übertrieben viel. 

    Dadurch und weil in diesem Teil des Buches noch nicht viel außer der Planung des Attentats und der Schilderung von O'Connors vorgesehenen Terminen in Köln passiert, fand ich die Handlung bis zum Ende von Phase 1 eher langweilig. Ab dem Beginn von Phase 2 wird sie aber immer spannender.

    Positiv ist die ziemlich ausführliche Charakterisierung von O'Connor und Jana, durch die ihre Handlungen gut nachvollziehbar sind. Ich hätte sogar fast ein bisschen Mitgefühl und Sympathie für die Terroristin empfunden, wenn sie nicht skrupellos den Tod von jedem in Kauf nehmen würde, der das Gelingen des Plans gefährdet.

    Insgesamt hat mir Lautlos recht gut gefallen. Ich weiß aber nicht, ob ich es noch einmal lesen werde.

  16. Cover des Buches Tschernobyl (ISBN: 9783492306256)
    Swetlana Alexijewitsch

    Tschernobyl

     (42)
    Aktuelle Rezension von: TheCoon

    Swetlana Alexijewitsch hat Überlebende interviewt, die die Tragödie in und um Tschernobyl hautnah miterlebt haben. Dabei handelt es sich um Rückkehrer, Geflohene und Helfer im Katastrophengebiet. Ihre Schicksale sind so unterschiedlich wie die Menschen dahinter aber allesamt gleich berührend und verstörend. Die Hintergründe, etwa wie es zu dem Reaktorunglück kam, werden hier nicht beleuchtet, sondern ausschließlich das Schicksal der Menschen.

    Es handelt sich hier definitiv um keine leichte Kost, weder was das Erzählte noch was den Schreibstil betrifft. Es ist unglaublich, was die Menschen dort ertragen musste und wie lange ihr Leid durch die Verstrahlung noch anhält.
    Die Texte stammen aus Interviews mit den betreffenden Personen und werden „Monolog über...“ genannt. Genauso lesen sie sich auch, als Monologe. Einige der Passagen waren dadurch sehr mühsam zu lesen, da die Sätze teilweise lose enden oder unzusammenhängend sind. Ich habe deswegen auch manchmal Abschnitte übersprungen, da ich nicht wusste worum es überhaupt geht.

    Trotzdem ist es ein sehr wichtiges Werk, das Menschen meiner und späterer Generationen (die also erst nach dem Unglück geboren wurden) näherbringt, was für ein Ausmaß die Katastrophe wirklich hatte und wie Menschen immer noch unter den Folgen leiden müssen.

  17. Cover des Buches Hundert Jahre Einsamkeit (ISBN: 9783462050219)
    Gabriel García Márquez

    Hundert Jahre Einsamkeit

     (532)
    Aktuelle Rezension von: jackdeck
    Umgeben von fiebrigen Sümpfen, wucherndem Urwald und steiniger Sierra versteckt sich das Dorf Macondo vor dem Rest der Welt. Die Menschen bestellen ihre Felder und züchten ihr Vieh, leben im Einklang mit der Natur und im Glauben an die Beständigkeit der von Generation zu Generation überlieferten Legenden. Die Verheißungen der großen Welt scheinen die kleine Siedlung zu verschonen. Doch selbst hierher verirren sich heimatlose Zigeuner: Mit ihnen kommen der Geist des Fortschritts und das Sehnen nach Ferne. Wie ein Virus ergreifen sie die Menschen, machen sie unstet und nervös, treiben sie an und treiben sie um. Und wie der Welt im Großen ergeht es den Menschen hier im Kleinen... Man braucht Zeit für dieses Epos und es ist gewöhnungsbedürftig und zeitweise anstrengend, die vielen Personen mit fast identischen Namen auseinander zu halten. Aber die Sprache ist so bildreich und die Erzählung so phantastisch und phantasiereich, dass man sich mit der Zeit beim Lesen immer mehr in die Geschichte und die Gefühle der Protagonisten hineinliest. Dies ist kein Thriller, den man so leicht vor dem Schlafengehen lesen kann, für mich persönlich brauchte dies eine grosse Angewöhnung. Aber die Lektüre lohnt sich und gibt einen guten Einblick in die Südamerikanische Kultur. Leider ist die Deutsche Übersetzung teilweise holprig, so dass ich das Buch parallel passagenweise auch in Spanisch lese, was das Gefühl dafür vertieft.
  18. Cover des Buches Der Tod greift nicht daneben (ISBN: 9783596031443)
    Jörg Maurer

    Der Tod greift nicht daneben

     (89)
    Aktuelle Rezension von: Sato

    Gar grausames passiert im Kurort mit dem Doppelnamen und Kommissar Jennerwein muss einige Rätsel lösen bevor er selbiges mit dem Fall tun kann.

    Spannend, schwarzer Humor und überraschende Wendungen....

  19. Cover des Buches Jenseits von Eden (ISBN: 9783423108102)
    John Steinbeck

    Jenseits von Eden

     (127)
    Aktuelle Rezension von: Sonnenschein12

    „Jenseits von Eden“ war mein erstes Buch von John Steinbeck, eigentlich eher aus einem gewissen Pflichtgefühl heraus, ein Buch dieses amerikanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers kennenlernen zu müssen. Auch den Film-Klassiker mit James Dean (der übrigens nur das letzte Viertel des Buches behandelt) habe ich noch nicht gesehen.

    Aber welch eine Entdeckung! Wortgewaltig, philosophisch, bewegend, abstoßend, liebenswert, witzig, berührend, nachdenklich führt uns Mr. Steinbeck durch ca. 70 Jahre (ca. 1870 – 1918) in das Salinas-Tal in der Nähe von Monterey/Kalifornien.

    Eben dieses Salinas-Tal einschl. Flora und Fauna wird im 1. Kapitel mit so wunderbaren Worten beschrieben, dass ich darüber erst sehr spät gemerkt habe, dass der Lebensmittelpunkt der Familie Trask in den ersten Jahren gar nicht das Salinas-Tal war, sondern in Connecticut lag. Aber Samuel Hamilton hatte sich gemeinsam mit seiner Frau Liza ca. 1870 aus dem Norden Irlands kommend in diesem Tal angesiedelt. Später lässt Adam Trask sich mit seiner schwangeren Frau Cathy ebenfalls dort nieder. Adam plant, für seine Frau einen „Garten Eden“ zu schaffen. Das Ehepaar bekommt Zwillinge: Caleb, genannt Cal und Aaron, genannt Aron. Nun kreuzen sich die Wege der Familien häufiger und die Geschichte nimmt an Tempo und Dramatik zu.

    Auf eine Inhaltsangabe des Familienepos über 728 Seiten verzichte ich hier und verweise auf die etlichen guten Zusammenfassungen dieses Werkes.

    Mit Samuel Hamilton, einer meiner Lieblingsfiguren, hat Steinbeck die Geschichte seines Großvaters mütterlicherseits in den Roman eingeflochten, auch seine Mutter Olive (geb. Hamilton) und eigene Kindheitserinnerungen des Autors finden sich. Diese Teile sind in der Ich-Form geschrieben, die anderen Teile aus der Perspektive der jeweiligen Hauptperson geschildert.

    Meine andere Lieblingsfigur war der Chinese Lee, eigentlich ein Angestellter von Adam Trask, aber uneigentlich Berater, Freund, Beichtvater, Finanzminister des Familienvermögens und last but not least maßgebliche Erziehungs- und Vertrauensperson von Cal und Aron, kurz: derjenige, der das Leben im Haushalt Trask organisierte und zusammenhielt (mehrmals im Buch spricht er davon, die Familie zu verlassen und seinen eigenen Buchladen in San Francisco zu eröffnen – jedes Mal stöhnte ich innerlich auf...).

    Die biblische Geschichte von Kain und Abel (der „Brudermord“) steht wiederholt im Mittelpunkt der Geschichte. In einem dieser Zusammenhänge erklärt Lee Adam und Samuel seine Interpretation des hebräischen Wortes „timschal“ (Du kannst, Du magst): „seiner Auslegung nach ist der Mensch durch Kains Brudermord nicht zur Sünde verdammt, sondern hat die Wahlfreiheit, gut oder schlecht zu handeln.“ (Wikipedia, Jenseits von Eden, Inhalt, 3. Teil) Durch diese Wahlfreiheit erscheinen einige Ereignisse des Buches in einem neuen / anderen Licht. Über diesen Gedankengang musste / muss ich lange nachdenken…

    Ich war immer wieder aufs Neue von diesem Buch fasziniert, da störte es mich meist nur kurz, dass Steinbeck manchmal zu „ausufernder Geschwätzigkeit“ neigt, wie ihm einige seiner Kritiker vorgeworfen haben, die von ihnen gewünschte Straffung hätte vermutlich nicht geschadet. Aber die Beeinträchtigung war erträglich, denn zwischendurch musste ich auch immer mal Schmunzeln: bei aller Dramatik hat Steinbeck es geschafft, skurrile Anekdoten und witzige Dialoge einzubauen.

    Für mich war „Jenseits von Eden“ eine sehr große und sehr positive literarische Überraschung und deshalb kann ich es bedingungslos weiterempfehlen!

  20. Cover des Buches Solar (ISBN: 9783257241747)
    Ian McEwan

    Solar

     (135)
    Aktuelle Rezension von: Perle

    Klappentext:

    IAN MCEWAN, geboren 1948 in Aldershot (Hampshiere), lebt in London. Sein Werk erhielt zahlreiche Auszeichnungen.


    Michael Beard ist Physiker - und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In Solar geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch kriminelle Energie.


    "Wieder einmal schreibt McEan über Eifersucht und Besessenheit - diesmal herzzerreißend komisch und ernst zugleich, strahlend und düster, moralisch engagiert und ironisch distanziert."

    (William Sutcliffe/Financial Times, London

    Auch als Diogenes Hörbuch erschienen,

    gelesen von Burghart Klaußner


    Eigene Meinung:

    Bewertung folgt nach dem Fertiglesen



  21. Cover des Buches Himmel und Hölle (ISBN: 9783596510252)
    Alice Munro

    Himmel und Hölle

     (97)
    Aktuelle Rezension von: rumble-bee
    Ich habe schon viel von Alice Munro gelesen. Immer - oder zumindest oft - geht es um ungewöhnliche Frauen und ihre Schicksale, um die Bedeutung von lebensverändernden Ereignissen, um die Verstrickungen innerhalb von Familie und Freundeskreis. Dieses Buch habe ich jedoch, aus welchem Grund auch immer, als "besonders" empfunden. Besonders düster in den Untertönen, besonders weitreichend in den Konsequenzen, die man gedanklich ziehen kann.

    Ungewöhnlich oft geht es in diesen neun Geschichten zum Beispiel um den Tod und das Lebensende. In "Trost" sucht zum Beispiel eine Frau nach dem Tod ihres schwer kranken Mannes verzweifelt nach einem Abschiedsbrief - und entdeckt dabei Unglaubliches. Vielleicht hat sie ihren eigenen Mann kaum wirklich gekannt...? In "Was in Erinnerung bleibt" begegnen sich ein Mann und eine Frau auf einer Beerdigung. Was nicht ohne Folgen bleibt.  In "Eine schwimmende Brücke" macht eine schwer krebskranke Frau eine charmante Spritztour mit einem jungen Mann. Und in "Der Bär klettert über den Berg" schließlich sieht sich ein alternder Universitätsdozent mit der schwierigen Situation konfrontiert, seine an Alzheimer erkrankte Frau in ein Heim geben zu müssen.

    Gerade letztere Geschichte hatte mich dazu bewogen, dieses Buch zu lesen. Denn sie ist vor einigen Jahren grandios verfilmt worden, mit Julie Christie in der Rolle der an Alzheimer erkrankten Frau. "An ihrer Seite" heißt der Film, soweit ich mich erinnere. Mich hat beeindruckt zu sehen, dass die Kurzgeschichte eigentlich mit einem Minimum an Worten und Szenen mindestens ebenso viel ausgedrückt hat wie der ganze Film! Das kann eine Alice Munro! Sie zieht einige Pinselstriche, porträtiert ihre Figuren gekonnt, und schon entstehen ganze Landschaften und Schicksale vor dem inneren Auge des Lesers. Auch die moralische Problematik fand ich hervorragend getroffen. Ist ein Mensch, der sich nicht mehr an mich erinnert, für mich überhaupt noch derselbe...? Ich hatte einen dicken Kloß im Hals.

    Ja, ich fand es diesmal nicht ganz leicht zu lesen, dieses Buch. Man musste schon nach jeder Geschichte pausieren. Manchmal auch mittendrin. Aber der Titel der Sammlung - zumindest der deutschen Fassung - ist ausgesprochen gelungen. (Das englische Buch wurde hingegen einfach nach der ersten Geschichte benannt. Nicht immer sind veränderte deutsche Buchtitel ein Fehler!) Denn wer definiert schon Himmel und Hölle? Immer ist auch ein Körnchen des einen im anderen enthalten. Das verdeutlicht diese Sammlung auf zutiefst berührende Weise.
  22. Cover des Buches Früchte des Zorns (ISBN: 9783552051911)
    John Steinbeck

    Früchte des Zorns

     (151)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    The American Dream wird nur für die Reichen wahr. Das ist heute so, aber ich dachte, früher wäre es anders gewesen. Das Buch hier hat mir die Augen für die wahre Geschichte geöffnet. Menschen waren schon immer gierige Arschlöcher, die für Profit die Würde anderer verkauften.

    Früchte des Zorns ist eine deprimierende Geschichte, in der eine Familie von Schicksalsschlägen förmlich zugedeckt und jede kleine Hoffnung zunichte gemacht wird. Man merkt schnell, dass die Menschen darin keinen Wert haben und wie Hunde behandelt werden, obwohl sie nichts anderes machen wollen, als zu arbeiten, Geld zu verdienen, zu leben.

    Der Autor kümmert sich um jede einzelne Figur, gibt ihr ein Gesicht, ihnen ein Leben, eine Seele, eine Geschichte, was dafür sorgt, dass man die Figuren schnell zu lieben lernt. Man sieht sie vor sich, man kennt sie alle und vor allem bedauert man jeden einzelnen.

    Doch das Buch ist lang, zäh, an manchen Stellen langweilig, manche Stellen sinnlos, manchmal habe ich begonnen, Passagen zu überspringen, weil ich mich nicht wieder mit irgendeinem langweiligen Detail beschäftigen wollte, doch der Spannungsbogen war da und ich habe gierig nach einem Happy-End gehofft.

    Das Ende ist weit offen. Es sind viele lose Enden, um die sich der Autor nicht kümmert, sondern trennt sie brutal von der Hauptgeschichte und sogar am Ende bricht der Autor förmlich das Buch ab, als hätte er es selbst satt zu schreiben gehabt. Ich hätte mir einen richtigen Schluss gewünscht, zumindest einen, der in eine gewisse Richtung für die Familie zeigt, stattdessen sagt das Ende nichts aus. Es endet enttäuschend.

  23. Cover des Buches Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen (ISBN: 9783878001355)
    Maria Regina Kaiser

    Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Sheyla

    Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf erhielt 1909 als erste Frau überhaupt den Nobelpreis für Literatur, sie setzte sich vehement für das Frauenwahlrecht ein, war Visionärin und Geschäftsfrau. Sie gehörte mit zu den ersten intellektuellen, in der Öffentlichkeit stehenden Frauen, die sich ihrer Homosexualität bewusst waren und sie konsequent auslebten. Etliche ihrer Bücher, darunter Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson, gehören heute zu den Klassikern europäischer Literatur.

    In ihrer Romanbiografie lässt Maria Regina Kaiser uns an den klugen Gedanken Selmas zu Religion, Politik und Literatur teilhaben. Mit ihrem sanften Schreibstil, der frei von überkandideltem Wortschmuck und dafür von angenehmer Klar- und Schönheit ist, führt sie uns durch Selmas Gedanken, Träume, Schmerzen und Überzeugungen. Dabei driftet sie niemals allzu weit ins Fiktionale ab: Alles was Maria Regina Kaiser schreibt, basiert auf fundierter Recherche, auf Briefwechseln und wohl dokumentierten Zeitzeugenberichten von den Menschen, die Selma Lagerlöf am nächsten standen.

    Wie umfangreich die Recherche der Autorin war und wie tief sie sich in Selma hineingefühlt hat, belegen das faktenbasierte Nachwort, ein umfangreicher Anhang und sorgfältig ausgesuchtes Bildmaterial. Für jede Aussage, die Maria Regina Kaiser über Selma Lagerlöfs Charakter trifft, kann sie eine Quelle anführen.

    Habe ich bereits erwähnt, wie zauberhaft ich das Design des Buches finde? Nein? Dann wird es höchste Zeit, das märchenhaft gestaltete Innenleben dieser Romanbiografie zu loben! Selma Lagerlöf - Die Liebe und der Traum vom Fliegen ist nicht nur was für Herz und Hirn, sondern auch noch ein Fest fürs Auge.

    Einen Stern ziehe ich dennoch ab, weil ich Selmas Beziehung zu der Schriftstellerin Sophie Elkan, die großen Einfluss sowohl auf ihr literarisches Schaffen als auch ihr Gefühlsleben nahm, gern detaillierter ausgearbeitet gesehen hätte. Auch treten weitere wichtige Wegbegleiter*innen Selmas, zum Beispiel Ida Bäckmann, im Romanteil für meinen Geschmack zu sehr in den Hintergrund und werden erst im Nachwort richtig lebendig.

  24. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596521487)
    Eckhard Heftrich

    Buddenbrooks

     (2.358)
    Aktuelle Rezension von: AnnikaKemmeter

    Ein großes Stück Weltliteratur. Die Erzählweise ist erstklassig. Die Charaktere nur im Außenblick stereotyp, entfalten ihre Facetten, sobald sich der Autor ihnen zuwendet. Leider hat es auch seine Längen, vielleicht besonders für den heutigen Leser. Aber die Botschaft kommt auf leisen Sohlen und unaufdringlich erst ganz am Ende. Warum geht diese Familie unter? Für mich führt der falschverstandene Stolz und der selbsterzeugte Druck zu den entscheidenden Fehlentscheidungen.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks