Bücher mit dem Tag "norwegische autorin"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "norwegische autorin" gekennzeichnet haben.

9 Bücher

  1. Cover des Buches Die Geschichte der Bienen (ISBN: 9783442717415)
    Maja Lunde

    Die Geschichte der Bienen

    (1.080)
    Aktuelle Rezension von: ratherbehappythandignified

    Endlich habe ich mich an dieses so hochgelobte Buch herangetraut und hatte anfangs wirklich meine Schwierigkeiten damit. 

    "Die Geschichte der Bienen" wird in drei Erzählebenen näher gebracht. Wir erfahren von William, der in der Vergangenheit versucht, ein neuartiges Forschungsprojekt zu entwickeln. 

    In der Gegenwart folgen wir George bei seiner Imker-Tätigkeit. Dessen Sohn hat leider nicht den Ansporn, den Hof irgendwann zu übernehmen. 

    In der Zukunft treffen wir auf tao, die als Arbeiterin die Blüten von Hand bestäubt, denn Bienen gibt es schon lange nicht mehr. 

    Ich hatte keine Probleme in die Geschichte einzutauchen, doch ich hatte Probleme damit, mein Interesse aufrecht zu halten. Glücklicherweise hatte ich eine lange Zugfahrt vor mir, sodass ich einen Großteil der Geschichte in der Bahn lesen konnte. Ich wüsste nicht, wie sich mein Interesse ohne diese Rahmenbedingungen hinentwickelt hätte. Den Schreibstil fand ich super, das war es also nicht, aber die Geschichten waren nicht ergreifend genug und doch lag eine Schwere in den Seiten. Das Bienensterben allein ist schon tragisch, aber auch die menschlichen Geschichten hatten nie einen positiven Beigeschmack. Alles war dunkel, ohne dass es mich richtig bewegt hätte und das sollte es allerdings durchaus tun. Denn das Thema ist sehr wichtig. 

    Das Positive am Buch war, dass es mein Interesse an den Bienen geweckt hat. Ich vermute, dass geht Vielen beim Lesen so. Ich habe nebenher ein paar Dokus angesehen und werde mit Sicherheit mich noch mehr freuen, wenn ich nächsten Frühling/Sommer ein paar Bienen zu Gesicht bekomme. 

    Außerdem fand ich das Ende schön. Wie sich alle drei Geschichten und somit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verflochten haben. Nur war es bis dahin sehr zäh.

    Ich weiß nicht, ob ich das Buch wirklich empfehlen könnte. Vielleicht gibt es bessere Romane über Bienen, geschadet hat es mir aber auch nicht. Nur hat mich das Buch nicht wirklich mitgerissen und meine Lesefreude hielt sich in Grenzen. 

  2. Cover des Buches Die Letzten ihrer Art (ISBN: 9783442770403)
    Maja Lunde

    Die Letzten ihrer Art

    (185)
    Aktuelle Rezension von: ArtVandaley

    Im dritten Teil ihres Klimaquartetts widmet sich Maja Lunde den Wildpferden und zieht in drei Erzählsträngen einen weiten Bogen über die Entdeckung und den Fang bis zu einer Zeit in der Zukunft im Jahr 2064 in der es um die Natur - man kann es erahnen - schlecht bestellt ist. Das gilt auch für die Pferde.

    "Die Letzten ihrer Art" ist mit über 600 Seiten der längste Teil ihres Quartetts. Das gibt uns Gelegenheit, tief in die Charaktere einzutauchen, mit ihnen zu fiebern oder vor allem zu leiden. Dadurch das auch menschliche Schicksale dargestellt werden, wird deutlich, das auch Mensch und Tier sich am Ende doch ähnlicher sind, als mancher wahrhaben will. Das ist ein weiterer neben vielen anderen Gründen, die Natur zu respektieren und zu schützen.

  3. Cover des Buches Die Geschichte des Wassers (ISBN: 9783442718313)
    Maja Lunde

    Die Geschichte des Wassers

    (398)
    Aktuelle Rezension von: MayaB

    Ich habe das Buch jetzt in zwei Tagen verschlungen, und einerseits fand ich es unglaublich spannend und bewegend und richtig gut, andererseits auch sehr deprimierend und hoffnungslos, und ich weiß gar nicht so recht, wohin mit diesen ganzen Gefühlen. Ich habe mit nichts anderem gerechnet, weil ich meine, dass Die Geschichte der Biene auch eher niederschmetternd ist (das habe ich nie in den Händen gehalten, aber Leute haben davon erzählt) und nach den ersten zwei Kapiteln habe ich erst recht nicht mehr mit einer "schönen" Geschichte gerechnet, aber das ganze hat mich noch mal viel mehr runtergezogen als so viele andere Bücher, und ich kann es gar nicht so richtig verstehen.
    Aber vermutlich, weil die Geschichte so realistisch ist (nicht zwingend auf eine "das wird auf jeden Fall so eintreffen"-Art, sondern eher, dass es auf jeden Fall so kommen könnte). Es liest sich nicht wie eine fantasievolle Geschichte, oder irgendein Thriller, es liest sich nicht mal wie Blackout, das ja auch eher realistisch war, wo immer dieser kleine Hoffnungsschimmer war, dass am Ende alles noch gut werden kann. Es liest sich einfach nur sehr endgültig, und als wäre von Anfang an klar, dass es egal ist, was passiert, weil die Lage so aussichtslos ist, dass es dann doch keinen Unterschied macht.
    Und das ganze mit in meinen Augen durchaus realistischen Figuren. Nicht zwingend Allerwelts-Leute, von denen es überall unglaublich viele gibt, aber eben solche, die es auch gibt, und so normalen Menschen dabei zuzusehen, wie sie in dieser Welt leben/zu überleben versuchen, war schon irgendwie ziemlich ... tragisch?
    Was nicht heißt, dass das Buch komplett grauenhaft endet, oder dass alles nur immer schlechter wird, ich würde sogar behaupten, dass gewisse Hoffnungsschimmer auf jeden Fall vorhanden sind, nur für mich persönlich ist die Situation am Ende irgendwie doch nur die gleiche wie am Anfang, und ich habe einfach nicht das Gefühl, dass irgendwas einen Unterschied machen würde. Zumindest nicht 2041.
    Fand ich die Figuren sympathisch? Nicht wirklich. Aber kamen sie mir mit ihren Fehlern und Ansichten und ihrem Handeln menschlich vor? Zu 100%. Und ich glaube, genau das trägt auch dazu bei, wie sehr mich das alles mitgenommen hat, einfach weil ich denke, das tatsächlich alle so gut gehandelt haben, wie sie konnten, und könnte ich es besser? Nein. Und würde es einen Unterschied machen? Auch nein.
    Es gab im Buch auf jeden Fall einige Handlungsstränge oder Dinge, die ich persönlich nicht gebraucht hätte, und ich fand auch auf jeden Fall nicht alles super, was den Stil oder die Geschichte anging, aber die Geschichte im großen und ganzen, und wie laut sie auf ein Wasser-Problem aufmerksam macht, und wie egal es Menschen ist, was um sie herum in der Welt passiert: das hat mich wirklich sehr bewegt, und (vermutlich auch weil ich nicht so viel besser bin, auch wenn ich mir Gedanken mache) mitgenommen.
    Entsprechend ein in meinen Augen ziemlich fantastisches Buch, aber trotzdem nicht die beste Lese-Erfahrung, egal wie sehr ich's mochte, weil ich glaube, für meine Psyche hätte ich es vermutlich nicht alles an zwei Tagen verschlingen sollen, das war doch sehr viel deprimierendes auf einmal.

  4. Cover des Buches Einer von uns (ISBN: 9783036957401)
    Asne Seierstad

    Einer von uns

    (42)
    Aktuelle Rezension von: Ellekens

    Ich habe dieses Buch nach Erscheinung vor fast 10 Jahren gelesen und noch immer schwirrt es in meinem Kopf. Habt ihr auch so ein Buch gelesen, dass euch für immer irgendwie begleitet?

    In diesem Fall geht es um den Massenmörder Anders Behring Breivik, der 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen (meist Jugendliche) tötete. Die meisten von euch werden sich sicherlich daran erinnern.
    Die Journalistin Åsne Seierstad konnte mit den Bekannten und sogar mit Familienmitgliedern sprechen, um für dieses Buch zu recherchieren. Sie beschreibt schonungslos die Tat selbst (harter Tobak!!), aber zeigt auch auf, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Ich war damals beim Lesen fassungslos, wie Breivik minutiös die Tat vorbereiten konnte, ohne aufzufliegen. Und wie viele fehlerhaften Aneinanderreihungen seitens der Behörden dazu führten, dass es solche Ausmaße nehmen konnte. Hierbei geht sie überhaupt nicht anschuldigend vor und sucht auch nicht "nur das Böse".
    "Einer von uns ist auch ein Buch über Zugehörigkeit und Gemeinschaft" heißt es in Ihrem Nachwort. So habe ich es auch empfunden.
    Habt ihr es schon gelesen? Wenn ja, wie empfindet ihr es? Wenn nein, empfehle ich es denjenigen, die Interesse an wahren Begebenheiten haben und der Frage nach dem Wie und dem Warum nachgehen wollen.

  5. Cover des Buches Die Unruhigen (ISBN: 9783442718948)
    Linn Ullmann

    Die Unruhigen

    (61)
    Aktuelle Rezension von: Morgenschnecke
    In „Die Unruhigen“ von Linn Ullman schreibt eine Prominente Schriftstellerin, über ihren berühmten Vater, Ingmar Bergmann.
    Vorweg muss ich sagen, dass ich vorher nicht wusste, dass es in dem Buch um Ingmar Bergmann geht. Die Autorin kannte ich nicht. Das Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen, und ich lasse mich gerne auf Bücher ein, ohne den Klappentext und die Geschichten dahinter zu kennen.
    So an dieses Buch ranzugehen, war wohl ein Fehler. Auch wenn die Autorin in Interviews sagt, dass sie die Personen fiktionalisiert, ohne den berühmten Vater wäre es ein anderes Buch.
    In sechs Kapiteln schreibt sie über ihre Kindheit, ihre Familie, ihre Ehe, über das Alter. Das Buch ist kein typischer Roman, der Wechsel zwischen den Erzählarten machte es für mich sehr schwierig, das Werk als Ganzes zu verstehen. Mal bestehen die Kapitel aus einer Erzählung, mal sind es Transkriptionen von Gesprächen mit ihrem Vater. Mal spricht sie von sich in der dritten Person, eine unpersönliche Erzählung über ein Mädchen und ihre Familie.
    Im Ganzen ist es eine fiktive Familiengeschichte, die auf Tatsachen beruht. Was Fiktion und was Wahrheit ist, erkennt man als Leser nicht.
    Ingmar Bergmann wurde als der beste Regisseur aller Zeiten ausgezeichnet. Hier ist er ein alter Mann, der, zuweilen etwas verwirrt über das Alter erzählt, bei den Interviews mit seiner Tochter oft den Faden verliert.
    Auch, wenn der Roman als ein Kunstwerk für sich gesehen werden kann, konnte ich mich nicht dafür begeistern. Das Ganze ist mir zu wirr. Wenn ich mich für die Familie Bergmann interessieren würde, könnte ich mir vorstellen dran zu bleiben. So ist es eine nichtssagende Geschichte, die mehr darstellen will, als für mich dahintersteckt.
  6. Cover des Buches Honigzungen (ISBN: 9783453580015)
  7. Cover des Buches Die Lügnerin (ISBN: 9783442746385)
    Linn Ullmann

    Die Lügnerin

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    "Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; unglücklich ist jede Familie auf ihre eigene Art."
    (Leo Tolstoi)

    An dieses Zitat fühlte ich mich beim Lesen öfters erinnert, denn die Familie Blom ist ohne jeden Zweifel sowohl unglücklich als auch eine bunte Ansammlung starker und widersprüchlicher Persönlichkeiten. Ob das jetzt die stets zornige, genüsslich verbiesterte Tante Selma ist, die unwiderstehlich schöne Mutter/Schauspielerin Anni, die traurige Schwester Julie – oder eben Karin: die Ich-Erzählerin, die Lügnerin.

    Diese hat als Kind schon den Unterschied gelernt zwischen Lügen, die sich lohnen, und solchen, die ihr nur Ärger einbringen, und seitdem lügt sie. Aus Langeweile, aus Geltungssucht, um etwas zu bekommen oder einfach aus Prinzip, jedenfalls unverfroren und ohne mit der Wimper zu zucken. Als Leser schwant einem schnell, dass man auch dem nicht bedingungslos Glauben schenken kann, was sie über ihre Familie erzählt.

    Der Übergang zwischen Lüge und Fantasie ist dabei oft fließend. So beginnt Karin auf einer Hochzeit ein Gespräch mit dem Priester, das zunehmend unwahrscheinlicher klingt, bis man sich verunsichert fragt, ob Karin selber glaubt, was sie da erzählt. Vielleicht überreizt sie die Glaubwürdigkeit auch ganz bewusst, mit diebischer Freude, wie ein kleines Kind, dass die Grenzen austestet?

    Im Verlaufe des Buches werden ihre Geschichten immer absurder – bis hin zu einer Episode mit einer Makrele, die an Kafkas "Die Verwandlung" erinnert, aber meines Erachtens nicht an dessen rohe Wucht heranreicht.

    Karin wirkte auf mich wie eine unreife Person, die ein tiefes und unerklärliches Unglück mit sich trägt. In krassem Kontrast zu ihrer beinahe kindlichen Unreife steht, wie obsessiv und plakativ sie ihre Sexualität auslebt: sie sucht sich wahllos Männer, die sie aggressiv verführt, zum Teil in vollkommen unangemessenen Situationen. Oder sind auch das nur Fantasien? 

    Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass Karin mehr und mehr den Halt und jede familiäre Identität verliert, während ihre Fantasien die durchaus interessante Familiengeschichte immer wieder bis ins Unrealistische verzerren.

    Je bunter ihre Lügen werden, desto blasser erschienen mir indes die anderen Charaktere: degradiert zu bloßen Statisten.

    Die Geschichte ist zweifellos originell, aber sie springt hin und her, mäandert über lange Strecken ohne roten Faden vor sich hin. Zwar ist das wahrscheinlich unvermeidlich bei einer Hauptfigur wie Karin, und normalerweise liebe ich unzuverlässige Erzählstimmen in der Literatur –  hier konnte es mich jedoch zu meinem größten Bedauern nicht vollends überzeugen. 

    Die Spannung ging mir dadurch verloren, viele Passagen fand ich ermüdend langatmig und unbeholfen. Frustriert versuchte ich, dem Tiefgang nachzuspüren, der immer wieder anklingt: zwar kann man erahnen, was sich hinter diesem oder jenem Bild verbirgt, aber es bleibt bei der Ahnung. 

    Schall und Rauch? Oder doch bewusstes Spiel mit dem Leser?

    "Pseudo-intellektuell" nennt das ein Leser auf Amazon. "Langweilig", "schwache Leistung" oder "vertane (Lese-)zeit" urteilen andere. Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, haben stolze 37% (!!) der Bewertungen nur 1 Stern vergeben. 

    Ich zögere, das Buch so harsch zu beurteilen. Zwar sehe ich durchaus verschenktes Potential, aber nach dem Lesen hat mich die Frage nach der Bedeutung des Ganzen noch tagelang beschäftigt: was steckt wirklich hinter den frappantesten von Karins Lügen? Was bedeutet die Makrele? Was, dass die Mutter im wahrsten Sinn des Wortes das Gesicht verliert? 

    Die Geschichte hat einen Nachhall, den nur eine Geschichte mit Bedeutung haben kann. Dennoch: empfehlen würde ich das Buch eher nicht.

    Ein paar abschließende Worte zum Schreibstil: er ist oft sehr schlicht und einfach, mit zahlreichen Wiederholungen, die jedoch sehr bewusst eingesetzt werden, mit einem beinahe lyrischen Klang. Viele der Metaphern und Bildern sind unglaublich stark, auch wenn sich ihr Sinn nicht immer erschließt.

    Ich habe ein paar Seiten im norwegischen Original gelesen, und dort ergibt sich daraus ein sehr starker Sprachrhythmus, der sich nicht gänzlich ins Deutsche übertragen lässt (obwohl die Übersetzung sicher sehr gut ist).

    "Anni liebte ihre Kinder. Ich liebe meine Kinder, sagte sie immer. So war sie erzogen: eine Mutter liebt ihre Kinder. Sie sagte es immer laut, oft ganz unmotiviert, zu allen, die es hören mochten: ich liebe meine Kinder. Großmutter liebte ihre Kinder auch, sie liebte ihre Tochter Anni, und sie liebte ihre Tochter Else, die in Wisconsin lebt. Ich bin sicher, dass Großmutters Mutter Großmutter liebte, so wie Großmutter Mutter liebte und wie unsere Mutter uns liebt. Wir waren eine liebevolle Familie."

    | FAZIT | 

    Karins Familie ist liebevoll, ihre Mutter unwiderstehlich, ein Mann verwandelt sich in eine Makrele, und möglicherweise ist mehr als eines davon eine Lüge.

    "Die Lügnerin" ist eine verschachtelte Familiengeschichte voller (zunächst) überlebensgroßer Charaktere, aber für mich verlor sich der Reiz der Geschichte zunehmend. Durch Karins Lügen bleibt sie selber ungreifbar, und je mehr sie sich in ihren Lügen in den Mittelpunkt stellt, desto schwächer wirkte auf mich der Rest der Charaktere.

    Geschichte und Schreibstil haben großartige Momente, trotzdem konnten sie in meinen Augen ihr Potential nicht vollständig entfalten.
  8. Cover des Buches Das Verschwiegene (ISBN: 9783442748310)
    Linn Ullmann

    Das Verschwiegene

    (26)
    Aktuelle Rezension von: gagiju

    Ich habe das Buch gelesen, weil Linn Ullmann sehr gelobt wird, weil ich den Klappentext interessant fand und weil mich das Cover angesprochen hat, diese Wiesen-Graslandschaft in hellem Gelb und Grün, über der ein bedrohlich schwarzer Himmel hängt.

    Die Geschichte IST hochinteressant, eine Familienstory voller Individuen, die jedes auf seine / ihre Weise abgründig und düster sind. Es gibt Geheimnisse hinter jeder Ecke, Lügen und Halbwahrheiten und nicht eingestandene Sehnsüchte.

    Das Verschwinden eines Kindermädchens wird in Rückblicken aufgeklärt und ein Stück weit aufgearbeitet, wobei so ganz klar nicht einmal bis zum Schluss ist, WAS ganz genau passiert ist und wer eventuelle eine Schuld oder Teilschuld trägt.

    Aber Ich fand das Buch, trotz der interessanten und vielschichtigen Sprache, etwas mühsam zu lesen, man hätte die ganze Geschichte in etwas weniger Text packen können, viele Passagen, Überlegungen, Gedanken wieder holen sich oder sind m.E. ZU breit ausgearbeitet.

  9. Cover des Buches Zwei Schwestern (ISBN: 9783036957746)
    Asne Seierstad

    Zwei Schwestern

    (7)
    Aktuelle Rezension von: jamal_tuschick
    Die Radikalisierung der Schwestern vollzieht sich weder unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch in schleichenden Prozessen. Ihre Verwandlungen von (nach westlichen Maßstäben) normal krass Pubertierenden in Dschihadistinnen flankieren Ayan und Leila mit offensiven Statusmeldungen. Sie machen sich so auffällig, dass sie ins Visier eines Geheimdienstes geraten. Da melden sich zwei ab von der Gesellschaft, in der sie als Flüchtlingskinder Aufnahme fanden, um in Syrien den Tod zu suchen. Sie kehren in den Krieg zurück, als sei dies ihr Schicksal. Zugleich wähnen sich die Schwestern auf einem Gipfel der Selbstbestimmung.
    „Nach Syrien geht man, um dort zu sterben“
    Asne Seierstad, die in „Einer von uns“ Anders Breivik aufschloss, dokumentiert in „Zwei Schwestern“ die Lebensläufe von Ayan und Leila Juma. Vater Sadiq schaufelte den Weg von Somalia zu einem besseren Leben in Norwegen frei. Mutter Sara existiert in einem Kokon der Unselbständigkeit. Ihr Heimweh lässt kein Angebot des Gastlandes gelten. Sadiq dolmetscht nach allen Richtungen. Die Ansichten des liberalen Moslems stoßen in der somalischen Gemeinde von Bærum auf Kritik. Die Töchter ignorieren die moderate religiöse Praxis im Elternhaus. Für sie bedeutet Islam Identität ohne Zusatzstoffe. Er erfüllt ihre Sehnsucht nach Reinheit. Er liefert dem Wunsch nach Abgrenzung Argumente. Der Islam löst Differenzerfahrungen in universellen Erklärungen auf. Ayan und Leila erleben ihn gleichermaßen als Jugendkultur und Exklusivitätsformat. Sie erschaffen sich neu in Gegenbildern zum skandinavischen Standard. Sie verschleiern sich exzessiv und provozieren so. Sie suchen die Konfrontation. Sie setzen islamische Vorschriften als Brechmittel gegen die Floskelwälle der norwegischen Mediationsgesellschaft ein. Sie fahren ab auf Facebook Präsentationen von Horror und Terror. Sie verlieben sich in kriegerische Prediger, die oft in Jugendbanden sozialisiert wurden und im Extremismus eine globale Heimat gefunden haben.
    Seierstad folgt den Ausstiegen in triste Winkel. Sie beleuchtet ein weltweit vernetztes Milieu mit mittelalterlichen Rechtsbegriffen. Für die Sorge der Eltern um ihre ab Oktober 2013 abgängigen Töchter gibt es in Norwegen keinen Rahmen. Nach dem Sittlichkeitsverständnis der diasporischen Umma haben die Eltern versagt. Der Staat zuckt mit den Achseln.
    Sadiq erkundet das türkisch-syrische Grenzland auf der Suche nach den Töchtern. Alles hat seinen Preis in den Lagern der Milizen und Schmuggler. Der Vater will Ayan und Leila zurückkaufen.
    Seierstad schildert wie Sadiq in die Mühlen des Islamischen Staates gerät und in einer Todeszelle knapp überlebt. Sie erzählt die Geschichte einer Gewaltherrschaft, die nicht zuletzt von ehemaligen Geheimdienstoffizieren des Saddam Hussein Regimes garantiert wird.
    Die Schwestern landen in einer Stadt, die seit Jahren Schlagzeilen macht. In ar-Raqqa spielt der Islamische Staat nun keine kraftvolle Rolle mehr. Eine Allianz unter dem Kommando der Kurdin Rojda Felat hat den Kampf mit amerikanischer Luftunterstützung für sich entschieden. Ayan und Leila könnten sich immer noch in der Stadt aufhalten.
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