Bücher mit dem Tag "nrw"
90 Bücher
- Arno Strobel
Mörderfinder – Die Spur der Mädchen
(359)Aktuelle Rezension von: Chelsea89-spoilerfrei-
Arno Strobel hat diesem Reihenauftakt einfach alles mitgegeben, was ein hervorragender Thriller braucht: Ein sympathisches Ermittlerteam mit Ecken und Kanten nebst spannender Vorgeschichte, mehrere Verdächtige, die den Detektiv im Leser wecken und einen bis zum Schluss mitfiebern lassen, sowie einen überraschenden Plottwist und einen gelungenen Spannungsbogen, der in einem actionreichen Showdown gipfelt.
Vom sprachlichen und logischen Aufbau gibt es hier nichts zu bemängeln. Der Lesefluss ist fantastisch und es macht einfach riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen.
Einzig die Aufklärung ganz am Ende hätte für mich etwas anschaulicher aufbereitet sein können. Das wahre Grauen hinter dem Plot hat mich dadurch zum Schluss nicht ganz so tief erschüttert, wie es das Potenzial hergegeben hätte.
Eine absolute Leseempfehlung für Thriller-Fans – mit einer deutlichen Triggerwarnung bezüglich Kindesmissbrauch. Ich freue mich schon sehr auf weitere Fälle für Max Benthoff!
- Mithu Sanyal
Identitti
(162)Aktuelle Rezension von: GeschichtenfinderNiveditas Professorin Saraswati ist die Inspiration ihres Lebens. Sie zeigte ihr, dass man als PoC, als Frau, trotz aller Widerstände, das Leben leben kann, dass man verdient, dass man gesehen wird, dass Nivedita nicht mehr alleine ist, mit ihren Erfahrungen, ihren Zweifeln und ihrer Angst, nie irgendwo dazuzugehören. Saraswati beeinflusst den identitären Diskurs an ihrer Uni, ihrer Stadt, beeinflusst Niveditas Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein der Schwarzen Community. Umso schockierender, als sich herausstellt, dass Saraswati gar kein PoC ist, sondern Weiß. Und auf einmal sind wieder all die Fragen wieder da und Nivedita und ihre Freunde müssen sich wieder die nach Identität, "Race", "Whiteness" und Saraswati selbst stellen.
Mithu Sanyal ist bereits als Journalistin mit den Themenpunkten Feminismus, Rassismus, Popkultur und Postkolonialismus sehr bekannt, bevor sie ihren Roman "Identitti", angelehnt an den Medienskandal um Rachel Dolezal, veröffentlicht.
Niveditas Konflikt wird gut beleuchtet, sodass man ihr Dilemma versteht, auch wenn man mit diesem Konflikt sonst eher weniger Kontaktpunkte hat. Sanyal nimmt sich die Zeit alle Sichtweisen zu Wort kommen zu lassen, wodurch man sich gut selbst in diesem aktuellen Konflikt eine eigene Sichtweise bauen kann.
Da es sich hier um ein gesellschaftspolitisches Thema handelt, würde ich den Roman erst ab 12, bzw. 14 empfehlen.
- Deniz Ohde
Streulicht
(83)Aktuelle Rezension von: RadagastDieser Roman hatte mich von Anfang an voll abgeholt. Abgesehen von den Protagonisten, der Handlung und dem Schreibstil ging mir dieses Buch an mein Herz. Liegt daran das es Themen aufgreift die wenig spektakulär sind. Momente beschrieben werden die zwar auf den ersten Blick nicht relevant für die Handlung sind, aber im Gesamten alles abrundet.
Ein Vater der in seiner Blase gefangen ist. Sicherheit darin findet diese Blase nicht zu zerstören. Seine Verzweiflung trinkt er sich weg und auch um sozialen Abstand zu wahren. Die Mutter mit einer schwierigen Vergangenheit versucht mit ihren Möglichkeiten ein annehmbares Leben zu leben. Die Tochter selbst introvertiert und durchaus schlau sucht in ihrer Jugendzeit den Weg ins Leben zu finden.
Dieser Weg ist für die Tochter steinig. Lehrer, Nachbarn und Freunde werten sie teilweise ab. Vor allem ihren Schuljahre sind harte Jahre. Sie verlässt die Schule und kommt wieder zurück zur Abendschule. Von der Abendschule ins Gymnasium um das Abitur zu machen. Damit sie endlich etwas wert ist.
Der soziale Spießrutenlauf zeigt auf wie es ist anders zu sein. Anders zu sein dass man normal wirkt und doch nicht dazu gehört, weil man für andere gefühlt nichts tut. Dieses unsichtbar sein und doch mit schwimmen wollen auf eigene Art, lässt sie durch das gesellschaftliche Raster fallen.
Dieses Buch ist mein Highlight 2025. Dieser Roman hat mich berührt und an Stellen meiner Seele wo ich dachte: "Das hast du im Griff". - Christoph Kramer
Das Leben fing im Sommer an
(298)Aktuelle Rezension von: steffi.liestAm Anfang hat mich die Geschichte ehrlich gesagt nicht so richtig gepackt und es hat eine Weile gedauert, bis sie mich wirklich fesseln konnte. Dafür hat mich dann die zweite Hälfte umso mehr überzeugt. Da kam für mich dieses Gefühl von Jugend, Freiheit und Unbeschwertheit ganz besonders gut rüber und man fühlt sich selbst ein bisschen zurückversetzt in diese Zeit des ersten Verliebtseins, aber auch des ersten Herzschmerzes. Auch die Selbstzweifel und Unsicherheiten, die wir wahrscheinlich alle in der Pubertät irgendwie durchmachen, werden sehr greifbar vermittelt.
Christoph Kramers Schreibstil empfand ich als sehr angenehm und nahbar. Er schreibt auf eine authentische Art, wodurch man sich sehr gut mit dem Protagonisten identifizieren kann.
Das Ende fand ich nochmal richtig toll, vor allem auch durch den Bezug zur WM 2014. Dadurch bekommt die Geschichte eine ganz persönliche Note und man hat den Eindruck, noch ein kleines bisschen mehr von Christoph Kramer selbst und seinen Erlebnissen zu erfahren. Es handelt sich bei dem Buch nämlich um einen autofiktionalen Coming-of-Age-Roman.
Ich bin froh, dass ich drangeblieben bin, denn schlussendlich hat mir das Buch wirklich gut gefallen und mir am Ende nochmal eine ordentliche Gänsehaut beschert. Und neben all den anderen Themen zeigt die Geschichte auch, wie wichtig gute Freunde in dieser besonderen Zeit des Erwachsenwerdens sind.
- Jutta Profijt
Kühlfach betreten verboten
(82)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Der vierteil Teil der Reihe schließt sich inhaltlich an die Vorgängerbände an. Der treue Reihenleser kennt daher die Haupt-Protagonisten ja bereits sehr gut und hat diese ins Herz geschlossen. Neue Figuren sind diesmal auch wieder hinzu gekommen. Insbesondere die vier Kinder--Geisterchen, die die Protagonisten ordentlich auf Trab halten.
Dazu kommt auch noch ein Kriminalfall, den es zu klären gilt. Also ist jede Menge Action angesagt. Die Geschichte ist wieder sehr gut aufgebaut und kann den Leser in seinen Bann ziehen. Die herrlich schrägen Dialoge und komischen Verwicklungen tragen das Ihre dazu bei, aus dem Buch ein tolles Leseerlebnis zu machen.Endlich mal ein Buch (und eine Reihe) die sich positiv vom üblichen Krimi-Einerlei abhebt.
Ich freue mich schon sehr auf den fünften - und damit abschließenden - Band...!
- Jutta Profijt
Kühlfach 4
(246)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf die Handlung ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Es ist schon ein skurriler Plot den sich die Autorin da ausgedacht hat. Der Geist eines Kleinganoven ermittelt zusammen mit dem Pathologen, der ihn obduziert hat, in dem eigenen Mordfall. Außergewöhnlich- und wie schon in der Überschrift gesagt - endlich mal was Neues.
Zu dieser rabenschwarzen Krimi Komödie passt der Schreibstil der Autorin wie die Faust auf‘s Auge.Ihr manchmal sarkastischer dann wieder echt schnoddriger Schreibstil überzeugt. Dazu kommen eine Reihe köstlicher Dialoge, die den Lesespass unterstützen. Ein gutes Buch und ich freue mich schon auf den nächsten Band der Reihe.
- Horst Eckert
Schwarzlicht
(90)Aktuelle Rezension von: Seehase1977Der Ministerpräsident von NRW, Walter Castorp, ist tot. Seine Leiche wird sechs Tage vor der Wahl im Schwimmbad eines stadtbekannten Baumagnaten entdeckt. Zuerst gehen die ermittelnden Beamten von einem Unfall aus. Doch Vincent Veih, der kurz vor einer Beförderung und dadurch unter großem Druck steht, erkennt zusammen mit seinem Team diverse Ungereimtheiten im Leben des Politikers…
Meine Meinung:
„Schwarzlicht“ ist der Auftakt einer Reihe rund um Kommissar Vincent Veih und auch für mich ist es eine Prämiere, denn der Thriller ist mein erstes Buch von Autor Horst Eckert. Facettenreich, komplex und anspruchsvoll erzählt Eckert eine Story voller Korruption und politischer Skandale und lässt einen charismatischen und tiefgründigen Kommissar ermitteln.
Definitiv kein Buch für zwischendurch, man muss dranbleiben und konzentriert lesen, um den komplexen und temporeichen Plot mit seinen Verstrickungen und zahlreichen Wendungen zu verstehen. Das gefällt mir, weil sich der Polit-Thriller genau aus diesem Grund von den üblichen Schema-F-Storys abhebt.
Was mir nicht ganz so behagt ist die Tatsache, dass das Privatleben von dem sehr sympathischen Kommissar Vincent Veih sehr viel Raum einnimmt. Sicherlich, sein Lebenslauf ist speziell, als Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin und Enkel eines Nationalsozialisten ist man gespannt, mit wem man es zu tun hat, das ist interessant und macht neugierig. Mir wars eine Schippe zu viel, zu umfangreich und in Teilen einfach unnötig.
Mein Fazit:
Ein detailreicher spannender und realistisch in Szene gesetzter Polit-Thriller. Absolut lesenswert.
- Saskia Louis
Mordsmäßig unverblümt
(127)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeIch habe das Hörbuch gehört, und das hat mir sehr gut gefallen! Die Geschichte ist eine Mischung aus Krimi und Romanze und sollte wohl nicht zu ernst genommen werden. Es ist oft überzogen, dadurch aber auch humorvoll. Ideale Geschichte zum Abschalten. Man muss sich nicht sehr konzentrieren, um der Handlung folgen zu können, wird aber trotzdem sehr gut unterhalten. Es ist zudem der erste Band einer Reihe, die ich gerne weiterlesen oder -hören werde.
01.11.2025
- Saskia Louis
Mordsmäßig gerädert
(82)Aktuelle Rezension von: dussyy„Mordsmäßig gerädert“ ist bereits der siebte Fall für Louisa – aber auch ohne Vorkenntnisse kommt man gut rein. Der Schreibstil ist gewohnt locker und bildhaft, die Geschichte bringt Spannung und Humor in genau der richtigen Mischung.
Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten, aber auch frische Gesichter sorgen für neue Dynamik. Die Leiche im Garten sorgt schnell für Aufregung, und Lous unbeirrbarer Ermittlerinstinkt bringt sie mal wieder mitten ins Chaos.
Wer die Reihe kennt, wird sich über diesen Teil freuen – und wer neu einsteigt, findet hier einen charmanten Cosy-Crime mit Witz, Spannung und liebenswerten Figuren. Und wie immer war das Buch viel zu schnell ausgelesen – ich hoffe auf Nachschub!
- Saskia Louis
Mordsmäßig durchgebrannt
(40)Aktuelle Rezension von: dussyyEndlich ist es so weit: Louisa und Rispo wollen heiraten! Doch wer die beiden kennt, weiß – ganz ohne Chaos geht’s bei ihnen einfach nicht. Und tatsächlich: Ausgerechnet kurz vor dem großen Tag taucht eine Leiche auf… und nicht irgendeine, sondern jemand, den Rispo sogar persönlich kennt.
Ob sie es trotzdem schaffen, den Fall rechtzeitig zu lösen und pünktlich vor den Traualtar zu treten? Oder wird am Ende doch noch alles anders kommen als geplant?
Ich kann nur sagen: Auch dieser letzte Teil hat mich voll mitgenommen. Wie gewohnt witzig, spannend und mit ganz viel Herz. Beim Lesen der letzten Seiten musste ich wirklich ein paar Tränchen verdrücken – Abschiednehmen fällt schwer, wenn einem die Figuren so ans Herz gewachsen sind.
Ein wunderschönes Finale für eine Reihe, die mich durch viele Lesestunden begleitet hat. Von Herzen danke an die Autorin für diese besondere Geschichte
- Saskia Louis
Mordsmäßig angefressen
(88)Aktuelle Rezension von: walli007Louisa Manu hat sich fest vorgenommen, nicht wieder in irgendwelche Mordermittlungen zu stolpern. Mit ihrem Kommissar Rispo läuft es gerade so gut, da will sie nichts riskieren. Als jedoch Emmi, ihre Schwester, sie völlig aufgelöst anruft, muss sie natürlich helfen. Emmi und Finn, der inzwischen im Zoo arbeitet, haben zufällig gefilmt wie ein schweres Teil durch den Zoo geschleppt wird. Da könnte doch eine Leiche drin sein. Nein, da muss eine Leiche drin sein. Louisa sieht das zunächst etwas entspannter. Sie verspricht Emmi allerdings mal durch den Zoo zu schlendern und zu schauen, ob es was zu schauen gibt.
Diesmal will Louisa Manu wirklich nicht ermitteln. Ein Versprechen, dass sie sich selbst gegeben hat und dann gibt es doch einen vierten Fall. Tatsächlich werden die sterblichen Überreste eines der Zoomitarbeiters gefunden und es gibt doch einen vierten Fall. Wär hätte den Tierpfleger Hennig umbringen wollen? Angeblich sind sich die Zoomitarbeiter untereinander sympathisch und hatten nichts gegeneinander. Hm, da muss Louisa doch etwas nachbohren. Nur Rispo ist nicht begeistert über Louisas erneute Einmischung. Privat dagegen geht es zwischen den Beiden voran, gewissermaßen. Sie sind bei den jeweiligen Familien zur Vorstellung und gemeinsamen Essen eingeladen. Ganz einfach läuft es dennoch nicht. Möglich, dass in einem Moment sogar die Beziehung auf der Kippe steht.
Wie immer bei Louisa Manu etwas zum Schmunzeln. Die neue Mitarbeiterin Rebecca löst Misstrauen aus, die ehemalige Mitarbeiterin Trudi geht auf Partnersuche, Emmi und Finn nutzen nicht nur die Handykamera, sondern auch ihr Mundwerk. Und auch Louisa und Rispo liefern sich ihre Wortgefechte. Der Fall fordert einiges. Irgendwie scheint es im Zoo allzu friedlich zugegangen zu sein. Dennoch schafft es Louisa einige Geheimnisse der Zoomitarbeiter aufzudecken. Die Auflösung ist dann überraschend. Für Louisa und Rispo bleibt zu hoffen, dass sie irgendwann endgültig die Kurve bekommen. Insgesamt ist dieser Band der Reihe vielleicht nicht herausragend, aber doch sehr unterhaltsam.
3,5 Sterne
- Robin Alexander
Machtverfall
(3)Aktuelle Rezension von: Zsadista„Machtverfall – HB“ ist ein Report aus der Feder des Autors Robin Alexander.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, es wurde vom Autor selbst vorgelesen.
Ich verlange von solchen Büchern, dass sie neutral, realistisch, linear und fundiert geschrieben werden. Vor allen Dingen sollten sie neutral gegenüber den Personen in dem Buch sein.
Von meinen Erwartungen wurde hier nichts, aber absolut nichts eingehalten. Es kam mir eher vor, wie ein schlechter möchte-gern Roman.
Am Anfang wurde der Punkt „linear“ schon über den Haufen geworfen. Da ging es von mitten in der Corona Pandemie, zu den Anfängen der Flüchtlingskriese, über die Wirtschaftskriese zu den Anfängen der Corona Pandemie und wieder zurück. Zeitweise wusste ich nicht, in welchem Jahr ich mich gerade befand. Für ein Hörbuch ganz schwer mitzukommen.
Den Punkt „realistisch“ kann man hier auch absolut abhaken. Oder hat der Autor Robin Alexander vielleicht eine Glaskugel, die ihm sagt, was zum Beispiel, zwischen Frau Merkel und Frau Kramp-Karrenbauer bei einem Vier-Augen-Gespräch gesagt wurde. Das Buch sprüht nur so von Gesprächen, Gedanken und Überlegungen, die wohl jeder Politiker gerne einem Autor auf die Nase binden würde ( Ironie off ). Es kam mir einfach nur hineininterpretiert und ausgedacht vor. Bis hin zu dem Brief, der im Kanzleramt rund ging, von dem die kleinen Beamten und vor allen Dingen die Bürger nichts wissen sollten. Aha, da wurde es interessant. Mich interessierte dann, was darin stand und wie der Autor an den Inhalt des Briefes gekommen sein könnte. Nein, der Autor tat das dann ab, dass auch der Autor nicht weiß, was darin stand. Boah, mega! Er weiß nicht, was darin stand? Hat die Glaskugel ihren Dienst versagt? Und warum muss man das dann erwähnen? Es gibt mit Sicherheit hunderte verschlossener Briefe, die nur für den Adressaten bestimmt sind und nicht für andere. Man bedenke seine eigene Post, ist ja auch nicht für den Nachbarn. Also, warum muss man das extra erwähnen?
Den Punkt „neutral“ gibt es erst gar nicht. Das Hörbuch geht 13 Stunden und 15 Minuten. Nach einer Stunde war mir schon klar, aus welchem politischen Lager der Autor kommen muss. Wenn man aus dem politischen Gegenlager kommt, kann man einfach keinen neutralen Report schreiben. So zeigt es sich auch hier, das kann man als neutraler Leser nicht von der Hand weisen. Ich muss dann auch sagen, als die Lobhuddelei auf eine gewisse Partei angefangen hat, habe ich das Hörbuch abgebrochen.
Zusammen mit den angeblichen Gesprächen und Gedanken wirkt das Buch einfach wie ein schlechter Roman, in dem man das Ur-Böse und seine Machenschaften darstellen will. Es wird ohne Hintergründe zu erwähnen drauf gehauen, was die Tasten hergeben. Das Printbuch müsste eigentlich doppelt so viele Seiten, wie der Text haben, um die ganzen Quellenangaben anzugeben, wo der Herr Autor das alles herhat was er zu Buche bringt.
So hat er es zum Beispiel nicht einmal nötig, einer Ärztin, die angeblich etwas sehr wichtiges herausgefunden hat, einen Namen zu geben, damit der geneigte Leser dies einmal nachprüfen könnte. Nein, die Dame bleibt anonym. Könnte man also auch einfach mal so erwähnt haben, weil es super in den Text passte. Ob es stimmt? Entweder blind glauben oder sich durch hunderte Seiten im Internet suchen.
Beispiel seiner Effekthascherei in dem Buch sind folgende Punkte. Er schiebt alles was schlecht an der Pandemie Regelung war, Frau Merkel, Frau Kramp-Karrenbauer, Herrn Laschet und/oder Herrn Söder in die Schuhe. Alles Schlechte ist auf ihrem Mist gewachsen. Wenn ich allerdings zurück denke, wurden die meisten Entscheidungen von allen Länderchefs getroffen. Und nicht nur von seinen drei liebsten Bösewichten. Frau Kramp-Karrenbauer spielt in seinem Buch ja keine große Rolle, daher nehme ich sie da mal raus. Dazu genommen, wenn man den Ausführungen des Autors einmal genau zugehört hat, sind eigentlich alle negativen Entscheidungen vom RKI und der WHO getroffen worden. Die Politiker haben sich auf ihre Berater verlassen und deren Entscheidungen weiter getragen. Was eigentlich auch ganz klar ist. Wenn mir ein Chef des Robert Koch Institutes und jemand aus der Welt Gesundheits-Organisation etwas sagt, dann halte ich mich daran und treffe keine eigenen Entscheidungen. Da ich mit der Materie wenig Ahnung habe, höre ich auf Experten. Warum also, tritt der Autor ständig auf den Entscheidungen der Politiker herum?
Jetzt könnte man dagegen stellen, das Buch geht ja auch nur um die drei/vier Personen und ihre schlechten Entscheidungen, sowie der Streit in der Partei. Aber warum also kommt dann gegen Ende dieser Lobgesang auf die Partei der Grünen und ihre Vorsitzenden? Neutral geht wirklich anders.
Kurz und gut, ich finde das Buch einfach unmöglich. Viel zu viel aus der Nase des Autors heraus gezogen, zu sehr auf die eigene politische Meinung geschrieben, durcheinander, stümperhaft, effektheischend und bösartig in eine Richtung. Wie schon erwähnt, ich mag solche Bücher, jedoch müssen sie neutral und fundiert geschrieben sein. Wenn es ginge, würde ich hier noch Punkte abziehen, was leider nicht geht und ich auch noch einen Stern vergeben muss.
- Annabel Rose
A Delicious Submission
(13)Aktuelle Rezension von: Butterfly6Nach langer Leseflaute kam ich endlich wieder dazu ein Buch auch zu beenden bzw. überhaupt anzufangen zu lesen.
Die Autorin hat einen tollen Schreibstil, der einen mitten ins Geschehen wirft und dann nicht mehr loslässt. Sie beschreibt so detailliert und emotional, dass man das Gefühl hat mittendrin in der Geschichte zu sein, was bei einigen Szenen für Tränen, Ekel und Wut sorgte. Aber auch das Gegenteil war der Fall, ich musste ordentlich lachen bei einigen Stellen im Buch, habe Tränen vor Rührung in den Augen gehabt, meine Lippe hat vom draufrumbeißen etwas gelitten und das Buch bringt dich ebenfalls ordentlich zum Schwitzen ;)
Ich hatte ein paar schöne Lesestunden und freue mich auf weiteres Lesevergnügen - Christine Westermann
Manchmal ist es federleicht
(15)Aktuelle Rezension von: Maimouna19In „Manchmal ist es federleicht“ teilt Christine Westermann ihre Gedanken zum Thema Abschiede auf eine ehrliche und berührende Weise, manchmal wehmütig, doch auch immer mit einer Prise Humor, angereichert mit Beispielen aus ihrem Leben.
Loslassen fällt oft schwer und es gibt sie natürlich, die schweren Abschiede, wie z.B. der Tod eines geliebten Menschen, die einen ein Leben lang begleiten und auch mit Zeit nicht leichter werden. Und es gibt die Abschiede, die das Alter mit sich bringt: mit 70 fallen einem viele Sachen halt nicht mehr so leicht wie mit 20, 30, 40. Aber muss man sich deshalb das Leben schwer machen? Und dann gibt es natürlich auch die leichten Abschiede, die man selbst plant und von denen man hofft, dass sie das Leben positiv verändern.
Doch für alle Abschiede, egal ob „federleicht“ oder unendlich schwer, gilt: sie öffnen neue Wege, bieten neue Chancen.
In diesem Buch kann sich jeder wiederfinden, ich habe es gern gelesen, es hat mich zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken gebracht. Ein Buch, das noch lange nachhallen wird.
- Jörg Hartmann
Der Lärm des Lebens
(85)Aktuelle Rezension von: SusziEhrlich gesagt hatte ich mir von diesem Buch mehr versprochen. Der Ich-Erzähler schildert letztendlich seinen Werdegang, verknüpft mit geschichtlichen sowie persönlichen Ereignissen. Dabei kommen interessante Themen zur Sprache wie der Mauerfall, die Schikane der gehörlosen Großeltern im NS-Regime, die Demenz des Vaters oder aktuellere Ereignisse wie die Corona-Pandemie
In meinen Augen fehlt jedoch allen Schilderungen die Tiefe, zumal der Klappentext auf die Geschichte des Autors, der Eltern und Großeltern fokussiert. Relativ nebensächliche Erlebnisse werden stattdessen sehr ausführlich erzählt; dies kann auch der zum Teil sehr witzige Ruhrpott-Dialekt nicht ausgleichen. Bis zum Ende des Buches habe ich immer noch auf den "Aha" - Moment gewartet, der leider nicht kam. Ein Buch was mich leider überhaupt nicht angesprochen hat.
- Frank Goosen
Weil Samstag ist
(52)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Ein Fußballspiel zu besuchen, an dem die eigene Mannschaft nicht teilnimmt, ist ein bisschen wie Ehebruch. Na gut, der Vergleich hinkt. Beim Ehebruch soll ja bisweilen eine Menge Leidenschaft mit im Spiel sein, was man beim fußballerischen Fremdgehen oft nicht behaupten kann."
Frank Goosen, die kabarettistische Stimme des Ruhrpotts und der Mittvierziger, er hat immer wieder bewiesen, dass er auch ein hervorragender Schriftsteller ist, vor allem mit den Romanen Liegen lernen und So viel Zeit , die mir beide in ihrer Konzeption, vor allem aber in ihrer Authentizität, gut gefallen haben. Auch "Weil Samstag ist" hat mich positiv überrascht.
Das beste Buch über Fußball wurde schon geschrieben: Fever Pitch von Nick Hornby, und es nicht Frank Goosens Schuld, dass wahrscheinlich nie ein Buch an dieses heranreichen wird, also sollte man auch aufhören alle Neuerscheinungen ins Sachen Fußballliteratur mit Hornbys Werk zu vergleichen (Memo an mich selbst!). Aber wenn es um Deutschland geht, dann hält man mit "Weil Samstag ist" wahrscheinlich das beste Buch in Sachen Fußball in der Hand, das besteingefangene Portrait dieses Sports, seiner Anhänger, seiner Emotionen und seiner Höhenflüge und seiner Abgründe - wobei es ja eigentlich wahre Abgründe für Fußballfans nicht gibt; das ist dann einfach das Leben insgesamt, das irgendwie schiefläuft ;=)
Das Buch ist eingeteilt in 6 Kapitel. Zwei der Kapitel sind Blogs, also praktisch Tagebücher, der WM 2006 und der EM 2008. Die anderen 4 Kapitel enthalten dagegen Fußballgeschichten aus der Historie, Goosens Jugend (so vollzieht er sämtliche WMs und großen Turniere anhand seiner Biographie nach - nach dem Motto: Wo war ich als...), von eigenen Kindern und natürlich viel und hauptsächlich aus dem Stadion des Vfl Bochum. Jedoch: Wer Fussball mit Haut und Haaren, Bier und Schweiß erlebt hat, muss kein Anhänger dieses Vereins sein, um das Buch gerne und mit Lachen und Freude zu lesen.
Denn allem voran, ist dieses Buch ein ehrliches Buch, schnörkellos und gekonnt, pointiert und doch stets greifbar. Goosen mag sich der humoresken Übertreibung bedienen, hier und da, aber zum Thema Fußball passt diese, manchmal schlichte, manchmal geniale, Stimmungsmache ganz gut. Und letztlich ist dies Buch, dieser Querschnitt durch den Fußball, etwas, dass mehr zum Nachempfinden ist, als zum kennenlernen. Unter diesem Gesichtspunkt: Fußballfans Deutschlands - vereinigt euch. Euer Manifest steht auf 160 Seiten! - Jutta Profijt
Knast oder Kühlfach
(43)Aktuelle Rezension von: JaniDas Buch ist nicht schlecht, aber es fehlt einfach die Spannung. Die Geischte ansich ist gut gemacht. Leider war der Geist in meinem Kopf am Anfang weiblich, was aber nicht an dem war. Das hat mich Total irritiert als der Geist einen Männlichen Name hat. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich die anderen Teile auch lesen werde.
- Saskia Louis
Mordsmäßig verkatert
(100)Aktuelle Rezension von: walli007Damit war nie zu rechnen, aber jetzt wollen Emily und Finn heiraten bevor Louisa Manu und ihr Polizist soweit sind. Davor muss es natürlich einen Junggesellinnen-Abschied geben. Niemand kann etwas dafür, dass dieser mit einem Filmriss endet. Irgendjemand kann aber schon etwas dafür, dass Louisa am nächsten Morgen eine Leiche mit einem Messer in der Brust auf ihrem Sofa findet. Louisa nicht, das ist klar. Aber ihre Wohnung, ihr Sofa, ihr Messer, ihre Leiche. Kein Wunder, dass Louisa unter Verdacht steht. Und Rispo ist befangen. Warum können Louisa, Emily und Trudi sich an nichts erinnern. Natürlich muss Louisa ihre Unschuld beweisen.
Der Beginn des fünften Bandes der Reihe um die Blumenladenbesitzerin Louisa Manu und Kommissar Rispo beginnt ein wenig makaber (sehr makaber) aber doch lustig. Man sollte sich nur nicht das eigene Sofa vorstellen. Wie man es von Lou, Rispo, Emily und Trudi gewohnt ist, geht es recht chaotisch los. Problematisch ist das Gedächtnis, das sich benimmt wie gelöscht. Dennoch schafft es Louisa den Verlauf des Abends einigermaßen nachzuvollziehen. Kann sein, dass sie da von einer Ohnmacht in die nächste fällt, aber sie wird wenigstens etwas schlauer. Auch in Bezug auf die Geschwindigkeit, mit der Rispo manche Prinzipien fallen lässt.
Ganz so lustig und chaotisch wie zu Beginn geht es nicht während der gesamten Handlung weiter. Mitunter geht es zur Sache wie bei einem Thriller. Das kann für so eine gemütliche Lektüre fast schon etwas zu viel sein. Bei kleinen Nebenschauplätzen muss man selbst entscheiden, ob sie nerven oder doch eher die Schärfe nehmen und erheitern. Trotz kleiner Kritik ist der Fall spannend und die Lösung überraschen, so wie es bei einem Krimi sein soll. Und am Schluss gibt es ein paar weitere erhellende Passagen, mit denen teilweise zu rechnen war teilweise aber überhaupt nicht. Diese Reihe ist unterhaltsam und wartet mit unerwarteten Ideen auf.
3,5 Sterne
- Gerhard Voogt
Die Nacht, die Deutschland veränderte
(3)Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick
Das vorliegende Buch über die Silvesternacht 2015 in Köln, die in Deutschland einen regelrechten Schock ausgelöst hat und mannigfaltige Strategien der Verdrängung des Geschehenen und seiner Ursachen und Folgen an den Tag brachte, war wohl gerade im Druck oder in der Auslieferung, als am 31.12.2016 in Köln nur durch ein so vorher noch nicht erlebtes massives Aufgebot an Polizei eine Wiederholung verhinderte. Große Gruppen von nordafrikanischen jungen Männer kamen gezielt in die Domstadt um zu provozieren. Doch die Art und Weise, wie insbesondere die Vorsitzende der Grünen, Peter, den Polizeieinsatz als „racial profling“ denunzierte, erinnert sehr stark an die Verharmlosungen zu Beginn des Jahres 2016, als von vielen Grünen, Linken und Feministinnen die sexuellen Übergriffe mit Hinweisen auf das Oktoberfest relativiert wurden und die Opfer (Frauen!!) damit erneut verhöhnt wurden.
Vieles, was in dieser Nacht geschah, eine „Nacht die Deutschland veränderte“ kam erst nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit. Die Angst vieler Verantwortlicher und Medien, es könnte das Ende der Willkommenskultur einläuten und Wasser auf die Mühlen der AfD sein, war groß. Tatsächlich aber haben der Umgang und die laschen und verharmlosenden Reaktionen auf das Geschehen den rechten Populisten erst recht Auftrieb gegeben.
In diesem Buch haben Christian Wiermer und Gerhard Voogt detailliert aufgelistet und beschrieben, was man heute ein Jahr danach über die damaligen Vorgänge weiß. So kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden.
Sie legen genau dar, wie groß das Versagen des Staats tatsächlich gewesen ist und welche Folgen das hatte: für die Opfer, die Täter, für ein ganzes Land.
- Annette Heusch-Altenstein
Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Theresia Graw
Don't kiss Tommy. Eine Liebe in der Stunde Null
(97)Aktuelle Rezension von: Monika58097Ein bewegender Roman über Hoffnung und Neuanfang in der Stunde Null
Theresia Graw gelingt mit "Don't kiss Tommy – Eine Liebe in der Stunde Null" ein eindrucksvolles literarisches Zeitbild der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Roman spielt in Bad Oeynhausen, einer Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter britischer Besatzung steht. Im Mittelpunkt steht Anne, die alles daran setzt, das traditionsreiche Hotel ihrer Familie wieder zu eröffnen – doch das Gebäude liegt im Sperrbezirk und muss für die Besatzungsmacht geräumt werden. Anne und ihre Familie landen in einer Baracke – ein Schicksal, das sie mit vielen anderen teilt.
Inmitten von Entbehrung, Trümmern und Umbruch begegnet Anne ihrer alten Freundin Rosalie wieder, die inzwischen für die Briten arbeitet. Auch Anne findet dort Arbeit – als Übersetzerin. Es ist eine Zeit voller Spannungen, Misstrauen, aber auch zaghaften Annäherungen. Besonders die Begegnungen zwischen den deutschen Frauen und den britischen Soldaten zeichnen sich durch emotionale Tiefe und Ambivalenz aus.
Der Roman ist ein echtes Lesehighlight. Theresia Graw verwebt historische Fakten und persönliche Schicksale zu einer Geschichte, die bewegt und berührt. Die Figuren wirken lebendig und authentisch, ihre Ängste, Hoffnungen und kleinen Glücksmomente sind eindringlich geschildert. Man spürt, wie sorgfältig die Autorin recherchiert hat – ohne den Text jemals trocken wirken zu lassen. Im Gegenteil: Die Geschichte entfaltet sich wie ein innerer Film beim Lesen.
Fazit: Ein wichtiger, klug erzählter und emotional mitreißender Roman über den schwierigen Neubeginn nach dem Krieg. Lesenswert, berührend und historisch aufschlussreich – eine absolute Empfehlung!
- Christina Gruber
111 Drehorte berühmter Filme & Serien in Nordrhein-Westfalen
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Saskia Louis
Mordsmäßig verstrickt
(100)Aktuelle Rezension von: Anke6472Ein wirklich lustiges spannendes Buch. Die liebevolle Blumenladenbesitzerin kann leider nicht anders als um einen begangenen Mord mit zu ermitteln da der verdächtigte der Sohn ihrer Mitarbeiterin ist.
Leider kommt sie der Polizei bei den Ermittlungen in die Quere und sie kommt in großen Schwierigkeiten.
- Necati Öziri
Vatermal
(8)Aktuelle Rezension von: pardenGRANDIOSES DEBÜT...
Arda weiß nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Er liegt mit Organversagen im Krankenhaus seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet; an seinem Bett sitzen abwechselnd seine Mutter Ümran und seine Schwester Aylin. Seit zehn Jahren haben die beiden kein Wort miteinander gesprochen. Zum Abschied wendet er sich an seinen Vater, den er nie kennengelernt hat. Arda erzählt dem Unbekannten von Geburtstagen im Ausländeramt und vom letzten Sommer auf dem Bahnhofsplatz, bevor alle seine Freunde verschwinden: Bojan wird abgeschoben. Danny wird zu früh Vater. Savaș geht zurück in die Türkei, nachdem er seine Mutter verliert. Aber Arda erzählt auch von Schwester und Mutter: von Aylin, die von zuhause wegrennt. Und von Ümran, die sich ihr Leben ganz sicher anders vorgestellt hat. Necati Öziri schreibt eine Familiengeschichte über einen Sohn, eine Mutter und eine Schwester, deren Leben und Körper gezeichnet sind von sozialen und politischen Umständen. Ein Roman von radikaler Wahrheit, Wut, Kraft, Liebe und Sehnsucht – und das dringlichste Debüt des Jahres. (Verlagsbeschreibung)
Ich möchte dir für immer die Möglichkeit nehmen, nicht zu wissen, wer ich war. Du sollst erfahren, wie es deiner Familie in Deutschland ging, wie der letzte Sommer meiner Jugend war, bevor fast alle meine Freunde verschwunden sind. Du sollst wissen, wie es war, als deine alten Freunde mir auf die Schulter klopften und sagten, ich würde irgendwann werden wie du: Held einer gescheiterten Revolution. Ich werde diese Geschichten aufschreiben.
Der Student Arda liegt im Krankenhaus, die Lage ist ernst. Wenn die Therapie nicht anschlägt, wird er sterben, niemand weiß, wie lange ihm noch bleibt. In dieser Phase der Ungewissheit denkt Arda nach über sein Leben, seine Geschichte, die Geschichte seiner Familie und seiner Freunde. Und über seinen Vater, den er nie kennengelernt hat, weil dieser vor seiner Geburt zurückging in die Türkei. Arda wächst bei seiner Mutter und seiner älteren Schwester im Ruhrgebiet auf, passlos bis zu seinem 18. Lebensjahr. Arda beschließt, im Krankenhaus einen Brief an seinen Vater zu schreiben, nicht wissend, ob dieser ihn jemals lesen wird, aber notwendig, um mit sich ins Reine zu kommen.
Der Ich-Erzähler Arda beleuchtet viele Aspekte - sein eigenes Aufwachsen im grauen Ruhrgebiet, sein enges Verhältnis zu seiner Schwester, die jedoch, als der Streit mit ihrer Mutter eskalierte, eines Tages einfach ging und nicht wiederkehrte. Die Geschichte seiner Großeltern, seiner Eltern, seiner Freunde. Die Zeit als Jugendlicher, wo sowieso alles unsicher ist, wo vielleicht die Freunde den Halt bieten, den man braucht, Gewalterfahrungen, verstörende Erlebnisse, Vorurteile, Verluste, fehlende Perspektiven. Arda reiht Erinnerungen aneinander - die eigenen ebenso wie die Versatzstücke, die ihm seine Mutter und seine Schwester erzählen, die ihn nun regelmäßig im Krankenhaus besuchen.
Aber wenn es eine Sache gibt, die ich (...) begriffen habe, dann, dass wir alle auf dieser Welt nur beschissene Gastarbeiter sind. Und das Einzige, was du tun kannst, ist aufstehen und das Leben suchen, solange du noch kannst.
Die Aneinanderreihung von Erinnerungen wirkt dabei nicht konstruiert oder störend, sondern stimmig, auch wenn es immer wieder Themensprünge gibt und wechselnde Perspektiven. Ein Roman, der deutschtürkische Realitäten abbildet, ohne dass sie das zentrale Thema wären, vermeintlich leicht in der Sprache, dabei meist eher nüchtern und distanziert und trotzdem gefühlvoll und ja, auch berührend, dann wieder urkomisch.
Eray von Egilmez liest die ungekürzte Hörbuchfassung (6 Stunden und 24 Minuten) dem Schreibstil entsprechend unaufgeregt und lässt dem Erzählfluss den notwendigen Raum. Mich hat die Lesung überzeugt.
Ein Roman über Fremdsein und Identitätssuche, über die Geschichte einer Familie, über Ereignisse und Entscheidungen, die generationenübergreifende Folgen nach sich ziehen, über Sinnsuche und Freundschaft, über Männlichkeit und Rollenerwartungen. Am Ende - ein offenes Ende, alles andere wäre unpassend - dann das Gefühl, dass Arda mit sich selbst im Reinen ist. Komme, was da wolle...
Ob der Roman den diesjährigen Deutschen Buchpreis gewinnt? Vermutlich nicht, er lässt sich zu gefällig lesen, ist wohl nicht überspannt genug. Aber die Herzen der Leser:innen kann er offenbar erobern. Meines auf jeden Fall...
© Parden























