Bücher mit dem Tag "österreich"
1.053 Bücher
- Ken Follett
Sturz der Titanen
(1.310)Aktuelle Rezension von: JapanophilieZu Beginn des 20. Jahrhunderts scheint die Welt noch von festen gesellschaftlichen Ordnungen geprägt zu sein. Doch politische Spannungen, soziale Gegensätze und nationale Interessen führen Europa immer näher an einen Krieg heran. Ken Follett begleitet mehrere Familien aus Großbritannien, Deutschland, Russland und den USA, deren Lebenswege sich kreuzen und durch den Ersten Weltkrieg entscheidend verändert werden.
Die Grundidee von „Sturz der Titanen“ hat mich von Anfang an begeistert. Ken Follett erzählt den Ersten Weltkrieg nicht nur anhand großer politischer Entscheidungen, sondern verbindet die historischen Ereignisse mit den persönlichen Schicksalen mehrerer Familien aus unterschiedlichen Ländern. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild dieser Zeit.
Gerade der Erste Weltkrieg interessiert mich politisch sehr. Umso bedauerlicher finde ich es, dass er während meiner Schulzeit kaum behandelt wurde. Der Roman bot mir deshalb die Möglichkeit, mich auf unterhaltsame Weise mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Epoche auseinanderzusetzen.
Trotz des großen Umfangs ließ sich die Handlung für mich gut verfolgen. Die wichtigsten Figuren waren sorgfältig ausgearbeitet und besaßen unterschiedliche Hintergründe, Überzeugungen und Interessen. Besonders gelungen fand ich, wie ihre persönlichen Entscheidungen mit den historischen Ereignissen verknüpft wurden. Dabei zeigt der Roman, dass Geschichte nicht nur von Staatsoberhäuptern und Militärs geprägt wird, sondern auch das Leben gewöhnlicher Menschen grundlegend verändert.
Ken Folletts Schreibstil ist flüssig und anschaulich. Er vermittelt historische Zusammenhänge verständlich, ohne dass sich der Roman wie ein Geschichtsbuch liest. Zwar sind manche Begegnungen zwischen den Figuren etwas konstruiert, doch das störte meinen insgesamt sehr positiven Eindruck kaum.
„Sturz der Titanen“ ist für mich ein überzeugender Auftakt der Jahrhundert-Trilogie. Der Roman verbindet Weltgeschichte, Politik und persönliche Schicksale zu einer umfangreichen, aber dennoch packenden Erzählung.
Für Leserinnen und Leser, die historische Romane, große Familiensagas und politische Zusammenhänge mögen. Besonders empfehlenswert für alle, die sich für den Ersten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Menschen verschiedener Länder interessieren.
4 von 5 Sternen
- Irvin D. Yalom
Und Nietzsche weinte
(418)Aktuelle Rezension von: irmakvakifliEs gibt Bücher, die man liest – und solche, die einen lesen. Und Nietzsche weinte gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Werk, das mir einst in einem kleinen Antiquariat empfohlen wurde, hat sich seither mühelos in mein Gedächtnis eingebrannt – und das seit Jahrzehnten.
Irvin D. Yalom, selbst renommierter Psychiater, entwirft eine fiktive Begegnung zwischen Dr. Josef Breuer, einem der Väter der modernen Psychotherapie, und dem großen Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Bühne: Wien, Ende des 19. Jahrhunderts – jener Zeitpunkt, an dem Psychiatrie noch geboren wird und Philosophie noch das Leben erklären will. Und genau dort treffen sich zwei Geister, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eine tiefe Verbindung eingehen.
Yalom gelingt es meisterhaft, komplexe Ideen über Seele, Wille, Freiheit, Leid und Heilung in einen erzählerischen Fluss zu bringen, der sowohl anspruchsvoll als auch zugänglich bleibt. Die Dialoge sind scharf, dicht, aber nie prätentiös. Wer Freude an tiefgründigen Gesprächen, existenziellen Fragen und menschlicher Komplexität hat, wird in diesem Buch einen wahren Schatz finden.
Es ist ein Roman über das Ringen mit sich selbst – über die Angst vor Nähe, die Lust an der Kontrolle, die Notwendigkeit der Veränderung. Breuer und Nietzsche therapieren sich gegenseitig – manchmal wissend, manchmal unbewusst. Diese Spiegelung ist nicht nur psychologisch brillant, sondern auch literarisch hoch elegant umgesetzt.
Die Atmosphäre des alten Wiens, die Schatten Freuds, die Entstehung eines neuen Verständnisses vom Menschen – all das verleiht dem Buch Tiefe und geschichtliche Verankerung, ohne dass es je trocken oder akademisch wird.
Für mich persönlich: ein Fünf-Sterne-Buch. Nicht nur wegen der klugen Konstruktion, sondern vor allem, weil es etwas tut, was nur wenige Romane können – es verändert den Leser. Nicht laut, nicht belehrend – sondern leise, nachhaltig und auf eine zutiefst menschliche Weise.
- Florian Illies
1913
(306)Aktuelle Rezension von: AntoniosDas Buch war eine Empfehlung meines Deutschlehrers, weil er weiß, dass ich gerne lese und mich für Geschichte interessiere. Ich finde, dieses Buch ist schon was besonderes. Es steckt sehr viel Recherchearbeit drin, interessante Fakten, unglaubliche Verbindungen die man nie so jemals gedacht hätte, dass sie existieren könnten, da fragt man sich ob Zufall nicht wirklich nur eine Illusion ist. Ironie und Wortspiele gibt es genug da um den Leser nicht zu langweilen, aber letztendlich ist es einfach ein Dokument über die Zeit damals. Der Schwerpunkt liegt vor allem an der Kunst und Literatur, denn damals haben viele bekannte und wichtige Personen eben in Kunst und Literatur gelebt, nicht nur Picasso oder Franz Kafka. Schade, dass auf der anderen Seite, der politischen, nicht so viel erzählt wird, obwohl jeder weiß was im Jahr danach passiert ist. Diede Zeit war eben die Ruhe vor dem Sturm, und dass der Autor sich an Einzelheiten klammert die eigentlich unnützes Wissen ist, macht das ganze doch interessanter. Trotzdem ist dieses Buch nicht für jeden empfehlenswert, man braucht schon ein Vorwissen damit man die Verbindungen erkennen und verstehen kann (wer diese Leute wirklich waren), aber es ist so gut konstruiert, dass jeder der bisschen Interesse daran hat, es locker lesen kann. Man sollte sich aber klar machen, dass das kein richtiger Roman ist der irgendwie eine schöne Geschichte erzählt, sondern fast eine Biographie gleicht, die Biographie des 1913, genug gepackt mit Ironie und versteckten Humor.
- Jessica Koch
Dem Horizont so nah
(777)Aktuelle Rezension von: AukjeDurch Zufall lernt Jessica auf einem Jahrmarkt den deutsch-amerikaner Danny kennen. Sie ist ziemlich schnell von ihm fasziniert aber er hält sie zunächst auf Abstand. Doch nach und nach werden die beiden ein Paar. Allerdings gibt es während ihrer Beziehung immer mal wieder Momente an denen Jessica an ihm zweifelt, da er ihr körperlich einfach nicht näher kommen möchte. Jessica gelingt es aber nach und nach zu ihm durch zu dringen und erfährt sein Geheimnis. Mit etwa elf Jahren begann sein Vater ihn sexuell zu missbrauchen und hat ihn auch während dessen mit dem HIV-Virus angesteckt. Doch zunächst verheimlicht er ihr das, bis es dann irgendwann auffliegt und er sich seiner Diagnose ihr gegenüber stellen muss. Nach einem anfänglichen Schock bleibt sie aber bei ihm, und möchte sich auch auf eine körperliche Beziehung mit ihm einlassen, die er zubeginn strikt ablehnt. Doch die beiden bleiben dennoch ein starkes Team und lassen sich immer mehr aufeinander ein, auch wenn es Danny körperlich zunächst schwer fällt auf Grund des Missbrauches. Jessica lernt auch Danny's Mitbewohnerin Tina kennen, für die Danny eine sehr wichtige Bezugsperson ist, da sie auch von ihrem Vater sexuell Missbraucht wurde und sich für Drogen prostituiert hat. Auch wenn ihre Beziehung sehr innig und intensiv ist, ist sie rein platonisch und die drei werden so etwas wie eine Familie. Eines Tages erhält Tina die Nachricht das ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen wird und sie bekommt einen Rückfall und verstirbt an einer Überdosis. Ihr Tod versetzt beide erst einmal in einen Schockzustand, doch bei Danny beginnen, vermutlich hervorgerufen durch Tina's Tod, sich die ersten körperlichen Zeichen des HIV-Virus zu zeigen. Er beginnt nach und nach immer mehr abzubauen und nimmt Jessica das Versprechen ab, zu akzeptieren das er selber entscheiden möchte wann er stirbt. Als die Symptome immer schlimmer werden verschwindet Danny plötzlich und hinterlässt Jessica einen Abschiedsbrief und sie erfährt etwas später das er sich in den USA selber umgebracht hat.
Als ich begonnen habe das Buch zu lesen, war ich mir zunächst nicht im klaren das das Buch autobiografisch ist, was die die Story noch dramatischer macht. Zum Ende hin des Buches wurde die Story so traurig und tragisch, das mir die Tränen kamen.
- Marlen Haushofer
Die Wand (Marlen Haushofer: Die gesammelten Romane und Erzählungen 3)
(971)Aktuelle Rezension von: buch_leselustWir haben es als Leserunde als Gruppe gelesen und dafür eignet sich dieses Buch perfekt.
Wir waren uns einig, dass wir das Buch sehr gerne mochten. Haushofer schafft es durch ihre besondere Sprache die wichtigen Fragen zu stellen: Was macht uns als Menschen aus? Was ist wirklich wichtig im Leben? Was möchte ich hinterlassen? Wie gehe ich mit existenzbedrohenden Situationen um?
Und wir waren uns einig, dass dieses Buch trotz des Alters noch hoch aktuell ist und auch eine sehr gute Schullektüre sein könnte. Gerade im Hinblick darauf, dass auch weibliche Autorinnen mehr vertreten sein sollten.
- Wolf Haas
Wackelkontakt
(350)Aktuelle Rezension von: FrieDer etwas nerdige Franz Escher sitzt in seiner Wohnung und wartet auf den Elektriker; eine Steckdose in seiner Küche hat einen Wackelkontakt. Die Zeit vertreibt er sich mit einem Roman aus dem Mafiaumfeld – solche liest er am liebsten. Darin geht es um Elio, der in ein Zeugenschutzprogramm kommt und fortan Marko Steiner heißt. Dieser hat einen Großteil seiner Familie der Justiz ausgeliefert und bangt zu Recht um sein Leben. Nachts, wenn Elio vor Angst nicht schlafen kann, liest er eine Geschichte über einen Escher, der auf den Elektriker wartet …
Diese beiden Geschichten greifen ständig ineinander, sodass man irgendwann nicht mehr sicher weiß, auf welcher Erzählebene man sich gerade befindet. Das ist richtig gut gemacht.
Auch wohin das Ganze führen wird, bleibt lange völlig offen und sorgt für Spannung. Die Dialoge sind kurzweilig und witzig; mit Sprache, Handlung und den Erwartungen des Lesers wird immer wieder gespielt.
Das ist ein ungewöhnlicher Roman, und ich kann verstehen, dass die Feuilletons sich darüber gefreut haben: Ein Standardplot ist das ganz sicher nicht.
Ein paar Details rund um Eschers Depot sind allerdings nicht schlüssig. Dass er von dessen Wert völlig überrascht wird, ist angesichts der regelmäßigen Depotinformationen wenig plausibel. Mit einem Depot bei einer anderen Bank und einer nach dem Umzug nicht aktualisierten Adresse hätte sich das problemlos erklären lassen. Gerade weil der Autor das mit etwas Recherche leicht hätte vermeiden können, finde ich es unnötig.
So sind es am Ende knappe fünf Sterne. - Andreas Gruber
Todesfrist
(1.009)Aktuelle Rezension von: Karandi
Dies ist der Auftakt der Todesreihe von Andreas Gruber. Ich habe tatsächlich alle acht Bände geschenkt bekommen und sie lange Zeit vor mir hergeschoben, aber nun den ersten Schritt gewagt – und ich muss sagen, ich bin zufrieden. Mir liegen diese Art von Thrillern etwas mehr, denn sie erzählen eine deutlich tiefgründigere Geschichte.
Es geht nicht einfach nur um einen Serienmörder, der wahllos Menschen abschlachtet, sondern letztendlich um einen Menschen, der schwer misshandelt wurde und bei dem weggeschaut wurde. Einem Menschen, dem hätte geholfen werden können, dem aber nicht geholfen wurde. Man kann sich nur schwer in die Gefühle anderer Menschen hineinversetzen. Mord scheint niemals eine Lösung zu sein, aber solange man nicht selbst Opfer ist, weiß man nie, wie sehr einen eine Straftat – vor allem im Kindesalter – belasten kann.
Ich sehe den Täter hier nicht als einen wahllos mordenden, kranken Psychopathen, der eine Gefahr für seine Umwelt darstellt, sondern vielmehr als ein Opfer, für das seine Umwelt die eigentliche Gefahr war und das letztendlich versucht, diese Welt auf seine Weise davon zu „bereinigen“. Vielleicht ist das eine kontroverse Meinung, dennoch denke ich, dass es unglaublich wichtig ist, genauer hinzusehen, bevor man den Täter einfach verteufelt.
Ich bin gespannt darauf, wie sich die Charaktere Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder in den nächsten sieben Bänden entwickeln werden. Ihre Charaktere stellt Andreas Gruber unglaublich gut dar. Ich werde die Bücher der Reihe zwar nicht direkt hintereinander lesen, aber der Auftakt ist gemacht, und ich bin jetzt schon fast überzeugt davon, dass mir die anderen Teile ebenfalls gefallen werden – vorausgesetzt, sie sind mit derselben Qualität geschrieben wie der erste Band.
Man sollte Autoren eigentlich nicht miteinander vergleichen, da jeder individuell ist. Trotzdem muss ich sagen, dass Andreas Gruber für mich eher in die Richtung von Andreas Winkelmann geht als in die von Sebastian Fitzek. Für Thrillerfans auf jeden Fall eine absolute Empfehlung.
- Daniel Glattauer
Gut gegen Nordwind
(5.626)Aktuelle Rezension von: PatriciaVellardBrillant ist zu kurz gegriffen. Glattauer beginnt seinen Roman mit einem ganz alltäglichen Schreibfehler. Jedem kann das passieren. Aber wer dieses Buch gelesen hat wünscht sich, dass sich einem bei einem lapidaren Fehler auch so eine Romanze auftut. Und noch mehr: zwei Charaktere, die unterschiedlich sind und doch zusammenpassen. Man fiebert mit, zögert, geht forsch voran....und dann haut einen das Ende einfach um.
- Ursula Poznanski
Fünf
(1.266)Aktuelle Rezension von: Nadine21Eine Frau wird tot auf einer Kuhweide gefunden. Auf ihren Fußsohlen sind Koordinaten. Dort angekommen, finden die Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger die eingeschweißte Hand eines Menschen. Kurze Zeit später wird erneut eine Leiche gefunden. Wie hängen Menschen, die sich scheinbar nicht gekannt haben, zusammen? Und können die Ermittler den "Owner" stoppen ehe es weitere Tote gibt? Beatrice Kaspary gerät selbst in das Visier des Täters, woher kennt er ihre Vorgeschichte?
Der Auftakt der Reihe ist vielversprechend mit ein wenig Luft nach oben. Es war mir teilweise ein wenig zu viel abseits der Morde los. Die Ermittlerin hat auch als geschiedene Mutter einige Baustellen zu meistern. Doch das hat teilweise etwas von den Fällen abgelenkt. Lange habe ich auch gerätselt, wer der Täter sein kann und was sein Motiv ist. Die Komponente "Geocaching" mit all den geläufigen Abkürzungen und Erklärungen war für mich sehr gut eingebaut und macht direkt Lust es selbst noch einmal auszuprobieren.
Das Ende war für mich traurig und absolut schlüssig. Ich freue mich auf die weiteren Bände der Reihe (Blinde Vögel habe ich vor einiger Zeit schon einmal gelesen)
- Robert Seethaler
Der Trafikant
(535)Aktuelle Rezension von: Nicolas_Jean_Marie_POIRIER(Offres de financement, Poiriernicolasjeanmarie@gmail.com) Soutenez vos projets avec un financement sur mesure.
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- Daniel Glattauer
Alle sieben Wellen
(2.252)Aktuelle Rezension von: AukjeNachdem Leo ihr Date hat platzen lassen, da er nicht aufgetaucht ist, haben er und Emmi keinen Kontakt mehr miteinander. Doch Emmi beginnt ihm wieder E-Mails zu schicken, doch anscheinend ist seine E-Mail-Adresse nicht mehr aktiv. Dennoch schreibt sie weiter und als er plötzlich antwortet, beginnen die beiden sich wieder regelmäßig zu schreiben und sofort entsteht wieder ihre Verbundenheit. Sie schaffen es sogar sich endlich persönlich zu treffen und finden sich seitdem noch sympathischer, da sie ja nun ein Gesicht vor Augen haben. Obwohl beide offensichtlich Gefühle für einander haben, schaffen sie es aber nicht sich ihrer Gefühle für einander einzugestehen und verpassen immer wieder den Moment um es zu tun.
Mir persönlich gefiel dieses Buch sogar besser als der Vorgänger 'Gut gegen Nordwind'. Es lässt sich angenehm lesen und man ist sofort in der Story drin. Da man die Charaktere kennt, macht es einfach Spaß mehr von Emmi und Leo zu erfahren.
- Stefan Zweig
Schachnovelle
(1.519)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich fand die Geschichte von dem Schachspieler auf dem Schiff, der auf einen Großmeister trifft und dadurch wieder in einen Zustand gerät, aus dem er zuvor versucht hatte zu entfliehen, durchaus gut geschrieben. Ich war gespannt, wie es auf den nächsten Seiten weitergeht.
Trotzdem muss ich persönlich sagen, dass der Hype um dieses Buch – oder besser gesagt diese Novelle – für meinen Geschmack etwas übertrieben ist. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Vielleicht sehe ich auch zu wenige der Aspekte, die das Werk bietet.
Es gibt sicherlich eine psychologische Ebene, die beachtet werden sollte, doch solche finde ich auch in vielen anderen Novellen, Kurzgeschichten oder kurzen Romanen.
Von daher kann man das Buch auf jeden Fall lesen – schon allein, um sagen zu können, dass man einen Klassiker gelesen hat. Im Großen und Ganzen würde ich ihm jedoch keinen größeren Stellenwert beimessen als zum Beispiel den Novellen von Gogol.
- Andreas Gruber
Todesurteil
(671)Aktuelle Rezension von: Karandi
Das ist das zweite Buch aus der Reihe um Marten S. Sneijder und Sabine Nemez, und ich muss sagen: Ich bin positiv überrascht.
Am Anfang hatte ich tatsächlich leichte Schwierigkeiten, weil ich die Zusammensetzung der Geschichte nicht ganz verstanden habe. Der Einstieg beginnt mit der Entführung, und man begleitet Martin und Sabine die ganze Zeit durch eine Nebenhandlung – oder man denkt zumindest, es wäre eine. Andreas Gruber schafft es aber auf wirklich clevere Weise, die Stränge miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ist ein großartiger Plot-Twist.
Hut ab dafür.
Anfangs fand ich das Buch etwas langatmig, und auch später gibt es Passagen, die sich so anfühlen. Gruber hat für mich keinen reißerischen, spannungsgeladenen Schreibstil, sondern eher einen ruhigen, ergebnisorientierten. Aber das Dranbleiben wurde belohnt. Der Einfallsreichtum ist wirklich beeindruckend – mal abgesehen von der erschreckenden Anzahl der Opfer.
Allerdings muss man berücksichtigen, dass es sich um einen Serienmörder handelt, der kein Serienmörder im herkömmlichen Sinne ist. Er ist ein Meister der Manipulation, der andere als Täter nutzt, um seine perfiden Gedanken auszuleben. Dabei sieht er sich selbst als eine Art Vollstrecker der Gerechtigkeit. Ohne Schuldeingeständnis natürlich – aber so ist es meistens, besser gesagt immer, bei Psychopathen. Sie leben in ihrer eigenen Welt, und dieses Buch bringt das sehr gut zur Geltung.
Ich werde langsam warm mit Andreas Gruber und habe noch sechs Bände aus der Reihe vor mir. Wenn sie genauso clevere Elemente enthalten wie Todesurteil oder eine tiefere Botschaft wie Todesfrist, bin ich wahrscheinlich dankbarer dafür, die Reihe geschenkt bekommen zu haben, als ich anfangs dachte.
Wie in den meisten meiner Rezensionen vermeide ich bewusst Spoiler dazu, wer der Täter war.
Für mich ist es ein Vier-Sterne-Buch. Da Thriller eigentlich nicht mein Genre sind – zumindest nicht diese Art von Thriller – würde ein Fan der Reihe es wahrscheinlich mit fünf Sternen bewerten. Eine klare Empfehlung.
- Robert Musil
Der Mann ohne Eigenschaften
(114)Aktuelle Rezension von: sarahsdepartmentMusil verliert sich immer wieder in endlose Innere Monologe seines Hauptcharakters. Insgesamt passiert wirklich wenig und trotzdem ist es schwer zu folgen. Ich musste abbrechen. Habe es bis zur Mitte des dritten Teils geschafft. Die Beziehung zur Schwester ist äußerst fragwürdig und es gibt keine sympathischen Charaktere. Dieser 1400 Wörter Wälzer erfordert viel Durchhaltevermögen. Kann ich trotz des Stempels "Weltliteratur" leider nicht empfehlen.
- Mareike Fallwickl
Dunkelgrün fast schwarz
(352)Aktuelle Rezension von: zwischenkapitelnundkaffeeDunkelgrün fast schwarz ist ein spannender Roman, der Freundschaft, Familie und Verrat thematisiert. Im Mittelpunkt stehen Moritz und Raffael, zwei Jugendfreunde, deren Beziehung mit der Zeit brüchig wird. Als Raffael nach Jahren unerwartet in Moritz Leben zurückkehrt, wird es heftig.
Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch, man fühlt mit ihnen. Die Handlung ist packend, ohne überladen zu wirken.
Das Buch ist in verschiedenen Zeitebenen verfasst, wodurch man sich langsam immer mehr Teile der Geschichte zusammensetzen kann. Dadurch kann man die Dynamik der Freundschaft quasi miterleben und nachvollziehen, wie es zu was gekommen ist.
Das Buch fesselt mit einer packenden Mischung aus Spannung und emotionaler Tiefe.
- Tonio Schachinger
Echtzeitalter
(146)Aktuelle Rezension von: Trishen77
Ich bin immer wieder verblüfft, dass Bücher, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Medien keinen unserer Sinne direkt stimulieren, in der Lage sind, eine ganze Welt, ein Erleben wieder gegenwärtig/erfahrbar zu machen – und auch das Empfinden, das damit einherging (und -geht).
Ich habe Tonio Schachingers zweiten Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen – und würde dennoch behaupten, dass es ein Buch ist, auf das man sich einlassen muss. Das klingt wie ein Widerspruch und ist vielleicht auch einer; aber dann einer, der für mich unterstreicht, wie gut das Buch ist.
Es erzählt die Geschichte eines Schülers (Till) an einem alteingesessenen Wiener Gymnasium und sein Erwachsenwerden im Kontext von Schikane, Verlieben, Ängsten, Wünschen, etc. (Pubertät, könnte man sagen) und Age of Empires 2. Aber es ist mehr als das. Nicht nur eine Coming-of-Age-Story, sondern auch eine gekonnt inszenierte education sentimentale.
Das zeigt sich schon im Stil, im Satzbau. Der wechselt zwischen einem gewöhnlichen Erzählduktus und einer differenzierten Ausformulierung, die auch schon mal zu verschachtelten, längeren Satzgebilden tendiert.
Das klingt mühsam, ist es aber nicht, weil diese unterschiedlichen Tempi und Intensitäten sehr gut die Gedanken- und Gefühlswelt von Till einfangen, sie in die jeweiligen Situationen und Zustände einbetten. So wird sie nahbar, eindrücklich, ruft vergleichbare Erinnerungen wach.
Man liest die Geschichte von Till und liest zugleich über Gefühle und Erlebnisse, die den Rahmen der Geschichte sprengen, so prägend ist das ihnen Zugrundeliegende. So grundlegend ist das Erleben, bevor es Erinnerung wird und doch wieder Erleben sein will.
"Echtzeitalter" ist beides, ein Buch der Gegenwart und ein Buch der Wehmut. Es erzählt von einer Zeit, von der man wenig begreift, während man sie durchlebt. Und die gerade deswegen etwas Echtes hat. Wenn es denn etwas Echtes gibt, ein wahres Leben im falschen. Ein Glück, das nicht nur eine Pause-Taste ist, sondern gespielt wird, wenn man Play drückt. - Stefan Zweig
Die Welt von Gestern
(117)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Andreas Gruber
Rachesommer
(518)Aktuelle Rezension von: Holla_Die_WaldfeeWas für ein temporeicher Start! Man ist von den ersten Seiten an mitten im Geschehen und wird direkt in eine düstere und beklemmende Geschichte hineingezogen.
Im Mittelpunkt stehen zunächst zwei scheinbar völlig unabhängige Handlungsstränge: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyers stößt bei ihren Nachforschungen auf eine Reihe mysteriöser Todesfälle, während der Leipziger Kommissar Walter Pulaski den vermeintlichen Selbstmord eines Jugendlichen in einer psychiatrischen Klinik untersucht. Beide Fälle scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben, doch nach und nach zeigen sich immer mehr Verbindungen.
Besonders die Geschehnisse in der Vergangenheit sind teilweise wirklich grausam und erschütternd. Zum Glück schildert Gruber diese nicht unnötig detailliert, sodass die Geschichte zwar ihre beklemmende Wirkung entfaltet, aber nicht in kaum Ertragbares abrutscht.
Der Aufbau hat mir sehr gut gefallen. Gruber legt immer wieder neue Fährten und lässt einen lange darüber rätseln, wie die verschiedenen Ereignisse zusammenhängen. Dadurch bleibt die Spannung konstant hoch. Besonders gelungen fand ich, wie die beiden zunächst getrennten Erzählstränge mit der Zeit immer enger miteinander verknüpft werden und am Ende schließlich alles zusammenläuft. Die Auflösung ist geschickt konstruiert und bringt die verschiedenen Puzzleteile überzeugend zusammen.
Auch die beiden Ermittler haben mir richtig gut gefallen. Walter Pulaski und Evelyn Meyers sind nicht einfach nur Figuren, die einen Fall lösen sollen. Durch Einblicke in ihre Vergangenheit und ihr Gefühlsleben bekommen beide eine tolle Tiefe und werden dadurch sehr greifbar und sympathisch. Gerade ihre persönlichen Geschichten machen neugierig darauf, wie es mit ihnen in den folgenden Bänden weitergeht.
Der Schreibstil von Andreas Gruber ist, wie ich es von ihm gewohnt bin, angenehm, flüssig und sehr spannend. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven sorgen zusätzlich für ordentlich Tempo. Gleichzeitig gelingt es ihm, sowohl eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen als auch immer wieder humorvolle Momente einzubauen.
Fazit: Ein richtig guter Thriller und ein toller Auftakt der Reihe um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Spannend, clever konstruiert, mit interessanten und sympathischen Charakteren und einer gelungenen Auflösung. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die spannende Thriller mögen, oder wie ich einfach ein Fan von Andreas Gruber ist.
- Andreas Gruber
Todesmärchen
(605)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen: Nachdem ich nun den dritten Teil der Todes-Reihe gelesen habe, erkenne ich langsam ein Muster bei Andreas Gruber. Ich weiß natürlich nicht, wie es sich in den anderen fünf Bänden verhält, aber hier bin ich der Sache relativ schnell auf die Schliche gekommen.
Natürlich tauchen wir wieder tief in die Psychologie des Menschen ein. Wie schon im vorherigen Werk ist der eigentliche Kopf hinter den Morden nicht derjenige, der sich selbst die Hände schmutzig macht, sondern jemand, der seine Lakaien und Anhänger für sich arbeiten lässt. Andreas Gruber zeigt dabei unglaublich gut, wie leicht Menschen zum Bösen verführt werden können. Das Erschreckende an solchen Ideen ist für mich immer, wie nah sie an der Realität sind.
Was die Geschichte selbst angeht, ist sie durchaus originell aufgebaut. Die Morde werden so inszeniert, dass sie auf der Vergangenheit von Maarten S. Sneijder aufbauen, der in diesem Buch gewissermaßen den Stoff für die Verbrechen liefert. Er und der eigentliche Täter haben eine gemeinsame Vorgeschichte, die den Fall maßgeblich prägt.
Auch hier lesen wir wieder zwei parallele Handlungsstränge, die am Ende zu einem Ganzen verschmelzen. Dieses Muster konnte ich bereits in Todesurteil erkennen, weshalb ich gespannt bin, ob es sich auch in den übrigen Büchern der Reihe fortsetzt. Gerade aufgrund dieser Erzählstruktur bin ich dem Kern der Geschichte allerdings recht früh auf die Spur gekommen.
Man muss allerdings sagen, dass es bei Andreas Gruber – zumindest meinem Empfinden nach – nicht immer diese klassische Auflösung gibt, bei der am Ende der Mörder gefasst wird und alles wieder in Ordnung ist. Stattdessen beschäftigt er sich mit deutlich tiefergehenden Aspekten, und genau das schätze ich an ihm als Thrillerautor. Hier geht es nicht einfach nur darum, dass jemand Menschen ermordet und anschließend verhaftet wird. Vielmehr geht es um die menschlichen Abgründe, um die Frage, was Menschen antreibt, welche Einflüsse sie prägen und wie ihr Umfeld sie beeinflusst.
Auch die Figur Hannah spielt dabei eine interessante Rolle. Obwohl mich Gruber in Bezug auf sie zeitweise etwas auf Glatteis geführt hat, erscheint vieles im Nachhinein doch recht offensichtlich.
Das ist allerdings wirklich nur als konstruktive Kritik gemeint – nicht, dass mir jetzt noch eingefleischte Andreas-Gruber-Fans aufs Dach steigen.
Alles in allem ist Todesmärchen für mich ein gelungenes Buch. Immer wieder hört man, wie wichtig es sei, die Reihe in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, da spätere Bände Ereignisse aus den vorherigen aufgreifen und man sich sonst ungewollt spoilern könnte.
Das fand ich besonders amüsant, weil ich mir tatsächlich das letzte Buch der Reihe bereits selbst gekauft hatte. Als ich davon einem Kollegen erzählte, hat er mich regelrecht ermahnt, die Reihe von Anfang an zu lesen – und tatsächlich so tief in die Tasche gegriffen, dass er mir die sieben vorherigen Bände geschenkt hat. An dieser Stelle also noch einmal vielen Dank, auch wenn er auf dieser Plattform leider nicht vertreten ist.
Daher empfehle ich das Buch durchaus weiter. Allerdings sollte man meiner Meinung nach den vollen Lesegenuss mitnehmen und wirklich beim ersten Band beginnen.
Von mir gibt es vier Sterne. Für Fans dieses Genres entspricht das vermutlich eher einer Bewertung von fünf Sternen, da Thriller normalerweise nicht zu meinen bevorzugten Genres gehören.
- Bernhard Aichner
Totenfrau
(466)Aktuelle Rezension von: knuddelbackeDer Klappentext war interessant zu lesen. Eine Frau deren Mann ums Leben kommt. Ein Unfall wie es scheint, doch tatsächlich steckt mehr dahinter. Ein Vergleich mit Lisbeth Salander wird geführt.
Woher dieser kommt, entzieht sich mir nach Lesen des Buches jeglicher Kenntnis. Der Thriller ist in großen Teilen doch recht interessant gewesen. Ich mochte die Kombination der Protagonistin Blum aus Mutter, Ehefrau und Bestatterin. Durchaus eine toughe Frau, aber kein Vergleich mit der erwähnten Lisbeth Salander.
Hinsichtlich der Sprache fiel mir auf, dass vor allem kurze, prägnante Sätze genutzt wurden. Nicht selten kam einem die Sprache abgehakt und ja, irgendwie kühl vor. Die Dialoge sind auch kurz und knapp gehalten. Wie in einem Drehbuch. Irgendwie passen sie damit aber auch zu der durchaus kalten, rücksichtslosen Figur der Blum.
Die Handlung ist nichts für schwache Nerven, nicht nur auf Grund des Bestattungshintergrundes. Es wird gefoltert, zerstückelt und gesägt…. Ohne allzu viel verraten zu wollen, es wird blutig. Manchmal war die Handlung so absurd, dass man glatt lachen wollte. Alles in allem fehlte mir aber die Tiefe und die Glaubwürdigkeit. Die Geschichte ist ziemlich bizarr und teilweise wirkt sie wie an den Haaren herbeigezogen. Auch fehlte mir die Originalität im Vergleich mit anderen Thrillern, und leider ist der Ausgang dann doch relativ vorhersehbar und nicht überraschend gewesen.
Schade. Die Serie werde ich mir sicher anschauen, einen weiteren Teil lesen? Eher nein.
- Andreas Gruber
Todesmal
(392)Aktuelle Rezension von: Karandi
Das Buch hat meiner Meinung nach zwar den typischen Andreas-Gruber-Charme, und für seinen Ideenreichtum vergebe ich gerne vier Sterne. Dennoch muss ich zugeben, dass der Aufbau seiner Geschichten häufig einer ähnlichen Struktur folgt – oder besser gesagt, zwei wiederkehrenden Mustern.
Zum einen begegnen wir Tätern, die ihre Morde selbst begehen, deren Taten aber in einer persönlichen Vorgeschichte begründet sind. Sie sind nicht einfach nur Täter, sondern waren zuvor selbst Opfer ihrer späteren Opfer. Zum anderen gibt es die psychopathischen Gegenspieler, die so geschickt agieren, dass sie ihre Verbrechen nie selbst ausführen, sondern andere für sich handeln lassen.
Im fünften Band der Reihe wird dieses Schema zumindest ein wenig aufgebrochen. Die Nonne, die ankündigt, innerhalb von sieben Tagen sieben Morde zu begehen, wirkt weder krankhaft psychopathisch noch skrupellos. Im Gegenteil: Die Morde führen die Ermittler zu noch größeren Verbrechen, und erneut zeigt sich, dass die Opfer der Taten selbst eine dunkle Vergangenheit haben. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen immer mehr. Als Leser stellt man sich zwangsläufig die Frage: Wer darf in solchen Fällen Richter spielen? Und ab wann ist es gerechtfertigt, Gesetze zu brechen, um womöglich noch größere Verbrechen zu verhindern oder aufzuklären?
Das Buch ist spannend geschrieben. Besonders gefallen hat mir die Entwicklung von Sabine Nemez, die inzwischen selbst angehende Kriminalbeamte ausbildet und deutlich gereifter wirkt. Natürlich kehrt auch Maarten S. Sneijder zurück, wenn auch erst nach einigem Zureden und nachdem er selbst einige Zugeständnisse machen muss. Auch seine Persönlichkeit entwickelt sich weiter. Er wird zunehmend emotionaler und öffnet sich seinem Team gegenüber.
Mir fehlen noch drei Bücher dieser Reihe, und ich muss leider zugeben, dass meine Erwartungshaltung inzwischen nicht mehr besonders hoch ist. Ich befürchte, dass die nächsten Bände einem ähnlichen Muster folgen werden, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
Ich möchte das Buch auf keinen Fall schlechtreden. Im Gegenteil: Die Geschichte ist originell konzipiert. Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Thriller, in dem lediglich ein Täter gefasst werden muss. Andreas Gruber hat in allen bisherigen Bänden bewiesen, dass er tiefer in die Materie eintaucht und seine Leser zum Nachdenken anregt. Das empfinde ich als große Stärke seiner Romane.
Trotzdem komme ich langsam an einen Punkt, an dem ich die Bücher eher aus Pflichtbewusstsein lese, um die Reihe angemessen zu Ende zu bringen. Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, warum gerade Thrillerfans dieses Buch häufig mit fünf Sternen bewerten. Wer das Genre liebt und nicht genug von komplexen Kriminalfällen und moralischen Grauzonen bekommen kann, findet bei Andreas Gruber reichlich Lesestoff, der über weite Strecken bestens zu unterhalten weiß.
Von mir gibt es daher gut gemeinte vier Sterne.
- Robert Musil
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
(288)Aktuelle Rezension von: hufflepup_kafka„Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von Rubert Musil aus dem Anaconda Verlag zeichnet sich durch eine düstere und intellektuell anspruchsvolle Atmosphäre aus. Törleß erkundet moralische und militärische Themen im Kontext einer Eliteschule und behandelt die dunklen Seiten der menschlichen Psyche. Musils Erstlingswerk könnte man demnach dem Dark Academia Genre zuordnen und es handelt sich hierbei um einen klassischen Entwicklungsroman aus dem Jahre 1906.
Törleß, zunächst motiviert und voller Tatendrang, wird mit der Zeit von Heimweh und Einsamkeit geplagt. Trost sucht er in den Briefen an und von seinen Eltern, doch dieser Trost weicht einer Depression aus Leere und Langeweile sozusagen, die er mit seinen neuen „Freunden“ Reiting und Beineberg zu kompensieren versucht. Als die drei Jungen ihren Mitschüler Basini als Dieb entlarven, der aus Geldnot seine Klassenkamerad*innen bestiehlt, sehen sie von einer Anzeige bei der Schulleitung ab und sehen stattdessen in ihm ein Ventil für ein Machtspiel aus Gewalt, Selbstjustiz und Bestrafung.
Während Beineberg und Reiting Basini vor allem körperlich wie sexuell misshandeln, beteiligt sich Törleß selbst am Machtspiel aber eigentlich nur wenig und ist viel mehr der in sich gekehrte Beobachter, in dem homoerotische Neigungen wach werden. Von dieser plötzlichen auftretenden sexuellen Begierde beschämt, flüchtet er sich zuerst in die Natur- und Geisteswissenschaften wie Mathematik, Philosophie und Psychologie, und als er darin keine Lösung findet, in das Spirituelle und Esoterische.
Bei diesem Übergang begibt sich Törleß zwischen Identitätssuche und Internatleben und verliert sich dabei in pseudo-poetischen Gedanken, die für mich als Leser einfach nur wirr und zäh waren. Einzig vom allgemein anspruchsvollen Schreibstil und zum Teil auch von den Dialogen war ich etwas angetan. Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass ich es hier mit pubertierenden Heranwachsenden zu tun habe, sondern mit Akademikern im ermüdenden, sich im Kreis drehenden und nimmer endenden Diskurs.
Alles in allem ist die Geschichte und die Figur um Törleß ein Konstrukt aus Egozentrik und Voyeurismus, mit dem ich einfach nicht warm wurde und von dem ich auch Klassiker liebenden und lesenden abrate. 2 von 5 Sternen. - Melanie Raabe
Der Schatten
(335)Aktuelle Rezension von: Special_KErst durch die Verfilmung auf das Buch aufmerksam geworden, habe ich es sofort gekauft und verschlungen. Daher empfehle ich es jedem Thriller-Fan sehr, und ich freue mich jetzt darauf, noch weitere Bücher von Melanie Raabe zu lesen! Wenn man zusätzlich auch noch Wien mag, führt wohl kein Weg an diesem Buch vorbei.
- Andreas Gruber
Todesreigen
(450)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich fand diesen Teil wirklich gut, auch wenn ich sagen muss, dass er dem ersten Band in einigen Punkten sehr ähnelt. Irgendwann scheinen die Möglichkeiten für völlig neue Ideen natürlich begrenzt zu sein. Das ist aber keineswegs negativ gemeint, sondern lediglich eine Beobachtung. Denn wie schon im ersten Teil haben wir es nicht mit einem klassischen Serienmörder zu tun, der wahllos Menschen tötet. Stattdessen erleben wir erneut einen Täter, der einst selbst Opfer war und sich zur Aufgabe gemacht hat, dort Gerechtigkeit walten zu lassen, wo der Rechtsstaat versagt hat – oder in diesem Fall sogar ein Organ des Rechtsstaats, nämlich das BKA, selbst Schuld auf sich geladen hat.
Wir erleben also einen großen Rachefeldzug, und hier zeigt Andreas Gruber einmal mehr seinen Einfallsreichtum. Besonders spannend fand ich die Art und Weise, wie die Morde inszeniert werden. Sie sehen wie Selbstmorde aus und sind so geschickt geplant, dass zunächst kaum Verdacht auf Fremdeinwirkung fällt. Erst die Verbindung der Opfer zueinander ruft unsere bekannten Ermittler auf den Plan.
Außerdem wurde mir in diesem Band immer deutlicher, wie sehr die einzelnen Teile der Reihe miteinander verknüpft sind. Den ersten Band kann man zur Not noch als eigenständigen Thriller lesen, spätestens beim vierten Teil merkt man aber, dass man die Reihenfolge einhalten sollte. Wir erleben einen suspendierten Maarten S. Sneijder, der sich zunächst aus den Ermittlungen heraushalten möchte, gleichzeitig aber deutlich mehr über die Hintergründe weiß, als er anfangs zugibt.
Ich muss sagen, dass Maarten für mich immer mehr zur eigentlichen Schlüsselfigur der Reihe wird, während Sabine Nemez für mich die Heldin der Geschichten bleibt. Besonders interessant fand ich, dass Sneijder auch in diesem Band wieder mehr über die Hintergründe weiß, als er zunächst preisgeben möchte. Dadurch wirkt er oft wie jemand, der den Ermittlungen mehrere Schritte voraus ist und die Handlung maßgeblich mitlenkt, auch wenn Sabine im Mittelpunkt der eigentlichen Ermittlungsarbeit steht.
Insgesamt bleibt zu sagen, dass es wieder ein starker Thriller geworden ist. Anders als bei den ersten drei Bänden empfand ich diesen als sehr zügig zu lesen. Die Handlung entwickelt sich schnell, und ich hatte das Gefühl, nur so durch die Kapitel zu fliegen. Ob diese tatsächlich kürzer waren oder es einfach am Erzähltempo lag, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen.
Besonders gefallen hat mir auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Maarten und Sabine. Ihr Zusammenspiel geht diesmal ein Stück über das übliche Geplänkel hinaus. Durch die Ereignisse, die Sabine widerfahren, entsteht eine emotionalere Ebene zwischen den beiden. Darauf möchte ich aber nicht näher eingehen, um nicht zu viel zu spoilern.
Meine Empfehlung ist daher ganz klar: Wer die ersten drei Bände gelesen hat, sollte auch hier zugreifen. Ich bin jetzt bei der Halbzeit der Reihe angekommen und bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.
Vier Sterne.























