Bücher mit dem Tag "österreicher"
50 Bücher
- Tommy Jaud
Hummeldumm
(1.490)Aktuelle Rezension von: ChiarraEine organisierte Gruppenreise durch Namibia sowie eine gemeinsame Eigentumswohnung soll die Liebe zweier jungen Menschen in ihrem verflixten siebten Jahr krönen. Dies hat Potenzial für eine wahrhaft humorvoll geschriebene Geschichte von Tommy Jaud.
Doch leider wurde ich enttäuscht: Mag sein, dass ich Glück hatte. Aber auf derart klischeehaft beschriebene Mitreisende bin ich noch auf keiner Reise in geballter Form gestoßen. Dazu war eine Vielzahl an pubertären Verhaltensweisen sowie dem „Dauerschleifenproblem“ mit dem Telefon und Ladekabel fast schon nervtötend. Daher konnte mich das Erzählte nicht wirklich zum Lachen, höchsten einmal hier und da zum Schmunzeln bringen.
Für mich sind die Bücher von Tommy Jaud entweder Top oder ein Flop. „Der Löwe büllt“ zum Beispiel ist mein unvergessliches Top-Buch des Autors. Bei diesem Buch tendiere ich leider zum Flop. Lediglich das Ende der Geschichte hat mir weitestgehend gefallen, wofür ich den dritten Stern vergebe.
- Stefan Zweig
Schachnovelle
(1.507)Aktuelle Rezension von: BernaIn dem Roman „die Schachnovelle“ von Stefan Zweig aus dem Jahre 1942 geht es um Dr. B., einen Vermögensberater, der von der Gestapo in Isolationshaft dauerhaft verhört wird. Dieser beginnt aus Not Schach zu spielen, um der Situation in Isolation zu entfliehen.
Schach ist kein Spiel, das man alleine spielt, denn erst die Unkenntnis des nächsten Zuges des Gegners macht das Spiel interessant.
Was ist aber, wenn man keine andere Möglichkeit hat?
Was macht es mit einem, wenn eine Person Schach in der Rolle als „Ich-Weiß“ und „Ich-Schwarz“ zugleich spielt?Eins ist klar, wenn man keine andere Möglichkeit hat, sich abzulenken, spielt man es alleine. Nun so macht es der Protagonist.
Wenn Sie mehr über die Folgen wissen wollen, dann lesen Sie das Werk. Sie werden es nicht bereuen. 🙂
- Robert Menasse
Die Hauptstadt
(169)Aktuelle Rezension von: Eva_ReichmannVorweg: ich lese gern Menasse. Aber dieses Buch ist angenehm anders als die Menasse-Romane davor.
Eine Kommission der EU benötigt ein besseres Image - und natürlich geht es um die EU. Aber es geht noch um so Vieles mehr (Geschichte aus Europa - um es abzukürzen). Das wirklich großartige an dem Buch aber ist, dass es weder um politische Thesen noch Geschichtsbelehrung geht - sondern um die Geschichten der beteiligten Personen (die halt wegen Beruf oder persönlicher Beziehungen mit der EU-Kommission zu tun haben).
Gut gefallen hat mir die Idee, eine europäische Hauptstadt in Auschwitz einzurichten.
Als Menasse das Buch 2017 veröffentlichte, war es noch möglich von der "Langeweile des Friedens" als Glück und Segen zu sprechen - hätten mehr Politiker das Buch gelesen und ernst genommen, hätten wir diesen zustand heute noch.
- Robert Seethaler
Ein ganzes Leben
(474)Aktuelle Rezension von: winniccxxDas Buch "Ein ganzes Leben" des österreichischen Authors Robert Seethaler handelt von Andreas Egger und erzählt dessen gesamte Lebensgeschichte. Dabei werden die verschiedenen Etappen aus dem Leben des Protagonisten anschaulich beschrieben. Besonders hat mir die ruhige, sehr angenehme Erzählweise gefallen, die auch in stressigernen Situationen im Roman sehr gut gewirkt hat. Ein zentrales Thema war für mich der Fortschritt und die Erschließung des Alpenraums, mit dem Egger stetig umgehen zu lernen musste. Diese rasante Entwicklung des mittleren 20. Jahrhunderts hat natürlich in seinem Leben Spuren hinterlassen, nichtsdestotrotz hat er sich nicht unterkriegen lassen. Für mich waren diese Schilderungen dennoch spannend zu lesen.
Das Buch ist ein angenehm zu lesendes Buch für zwischendurch, am Ende des Tages war es jedoch auch nichts extrem außergewöhnliches für mich. Der nette Erzählstil half dabei, sehr gut mit dem Protagonisten mitfühlen zu können, trotz dessen teilweise eigenwilligen Charakters. Ein Bonus-Punkt war die schön geschilderte Alpenlandschaft, die in dem Buch auch eine besondere Rolle spielt, und mir noch einmal mehr Spaß beim Lesen verschafft hat. Insgesamt gibt es so von mir 4 von 5 Sterne.
- Eva Menasse
Quasikristalle
(113)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeEinblicke in das Leben eines Menschen, erzählt zumeist aus dem Blickwinkel Anderer. Dreizehn Kurzgeschichten, die ein Leben porträtieren, vom Beginn als Schülerin, bis hin zum Ende, als zweifache Großmutter. Die Protagonistin Xane Molin lernt der Leser in ihren verschiedensten Rollen im Lauf ihres Lebens kennen.
Das Buch folgt in Form von 13 mehr oder weniger Kurzgeschichten in chronologischer Form dem Leben von Xane Molin. Man erfährt etwas über sie, als Tochter, Freundin, Ehefrau und Stiefmutter, als Unternehmerin und Großmutter. Der Leser erlebt ihr Ängste und Sorgen, Freuden, Beziehungen, Wünsche und Nöte. Und doch wird Xane Molin dabei des Öfteren nur am Rande erwähnt, in einem Kapitel überhaupt nicht. Immer erlebt der Leser alles durch einen Dritten. Das Ende des Buches besteht gar aus Briefen und eMails, die Amos an seine Mutter Xane schreibt. Nur in einem Kapitel kommt Xane tatsächlich selbst zu Wort. Und so ist es nicht ganz verwunderlich, dass die Protagonistin irgendwie blass bleibt, jederzeit auch jemand Anderes sein könnte, so dass sich der Leser irgendwann fragt worauf die Autorin abzielt.
Mein Fazit: Auch wenn die einzelnen Geschichten gut zu lesen sind, teils wirklich schön und interessant geschrieben, so blieb das Buch im Gesamten für mich blass und wird schnell dem Vergessen anheim fallen, einfach weil ich für mich nie so richtig erschlossen habe, worauf die Autorin hinaus möchte. Ich denke dies ist eines dieser Bücher, die schwer zu empfehlen oder eben nicht, sind. Hier muss wohl jeder für sich selbst herausfinden, wie er zu dem Buch steht.
- Sabine Ebert
1813 - Kriegsfeuer
(115)Aktuelle Rezension von: AMCLiestDie ca 800 Seiten dieses Buches haben mich am Anfang etwas abgeschreckt, diesen Roman von Sabine Ebert zu lesen, der schon so lange bei mir auf dem Bücherregal steht.
Es hat auch etwas gedauert, mit der Geschichte um die Völkerschlacht von Leipzig warm zu werden, denn zu viele Menschen und deren Schicksale tummeln sich auf den ersten Seiten, sodass es mühsam wird, einen roten Faden zu finden, obwohl ich ziemlich schnell auf bekannte historische Persönlichkeiten gestossen bin: Napoleon, Jean Baptiste Bernadotte, Kronprinz von Schweden , Zar Alexander, Blücher, der sächsische König Friedrich August I.. Auch das Städtchen Freiberg habe ich schon kennen gelernt:
Hier wohnt der Buchdrucker Friedrich Gerlach mit seiner Frau Johanna und versucht trotz des Krieges sein Geschäft weiter zu führen. Als seine Nichte Henriette mit ihrem Bruder zu ihm stößt, nimmt er sie auf. Die französische Besatzung wird auf ihn und das hübsche Mädchen aufmerksam, und so entspinnt sich neben den Geschichten um die Schlachten der Generäle ein getreues Bild der Bevölkerung und seiner Sorgen. Die männliche Jugend möchte in den Krieg ziehen und die Mütter vermissen ihre Söhne. Dem Schicksal dieser einfachen Menschen und die Entscheidungen der großen Persönlichkeiten, die zu Leben und Tod in den Schlachten führen, wird großes Augenmerk geschenkt. Über allem aber thront die Sehnsucht nach Frieden, die von Henriette verkörpert wird. Sie ist hin und her gerissen von ihren Gefühlen zu einem französischen Leutnant namens Etienne und dem preussischen Premierleutnant Maximilian, hat mehrere Verehrer und ein Geheimnis, das sie dazu bringt, im Lazarett Dienst zu leisten. Anfangs ist sie etwas blaß, gewinnt aber bald zwischen den vielen historische Personen an Kontur.
Sabine Ebert hat die historischen Fakten der Völkerschlacht von Leipzig akribisch recherchiert, jede Schlacht, jede Entscheidung der Generäle und der Herrscher wird mehr oder weniger detailgetreu dargestellt. Damit ist es nicht nur ein historischer Roman, sondern fast ein Sachbuch geworden, der fesselt und dabei ein fast vollkommenes Bild auf die historischen Persönlichkeiten schafft. Sie bleibt dabei sachlich und verknüpft geschickt die einzelnen Handelsstränge, sodass eine höchst interessanter Abriss der Geschichte entstanden ist.
- Vea Kaiser
Makarionissi oder Die Insel der Seligen
(110)Aktuelle Rezension von: BrigitteevansEin Dorf im Gebirge, in dem eine Großmutter alles macht, damit sich in der Familie alles so entwickelt, wie sie es für gut befindet. (Natürlich ohne die anderen zu fragen, ob sie das auch so wollen).
Doch so sehr sie sich bemüht, sie kann nicht mit allen Menschen machen, was sie will. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und wir erfahren die Geschichte der Familie in 4 Generationen, die stark mit den politischen Verhältnissen zusammenhängt. Aber was hängt in Griechenland nicht mit Politik zusammen?
Über vieles musste ich schmunzeln, weil es mich an meine Zeit in Griechenland erinnert hat. Die Autorin spannt sprachgewandt die Fäden der Erzählung über Kontinente und Generationen, zeitweise in schnellem Tempo, um dann wieder Einzelheiten herauszuholen und genauer zu beschreiben. Vielleicht sind manche Figuren zu sehr auf ein Temperament festgelegt – auf der anderen Seite ist es gerade die Sturheit oder Fixiertheit von Menschen, die Dramen erst ermöglichen.
Eine Leseempfehlung für Leser_innen, die Griechenland und unterhaltsame, berührende Erzählungen mögen und einen kleinen Einblick in die Geschichte des Landes erhalten wollen.
- Angela Lehner
Vater unser
(116)Aktuelle Rezension von: Agnes_AutorinAls Eva in Wien von der Polizei in die Psychiatrie gebracht wird, behauptet sie, eine ganze Kindergartenklasse mit einer Pistole erschossen zu haben. Ihr Vater habe sich umgebracht und ihre Mutter sei sowieso tot. Nur Bernhard, ihr magersüchtiger Bruder, der ebenfalls in der Klinik – nur auf einer anderen Station untergebracht ist – scheint Eva lieb und teuer. Sie will Kontakt zu Bernhard, er offenbar nicht. Eva erzählt aus der Ich-Perspektive in der Gegenwart, wie sie sich „einlebt“, in der Klinik, ihrem Zimmer und vor allem an die Gespräche mit Doktor Korb „gewöhnt“. Zwischendurch springt sie in die Vergangenheit, in ihre und Bernhards Kindheit, in der sie oft viel zu viel Verantwortung für den Bruder übernehmen musste. Sie erinnert sich an den Vater, der stets rauchend hinter verschlossenen Türen lebte, und an die Mutter, die arbeitend und das Geld verdienend, oft ganz abwesend war.
Doch Eva ist kein Kind von Traurigkeit, kein Opfer, im Gegenteil. Aktiv geht sie auf die Pflegekräfte und Ärzte zu, versucht ihren Bruder mit unlauteren Methoden davon zu überzeugen, dass sie zusammengehören, dass sie für ihn sorgen kann und wird und – dass sie gemeinsam den Vater töten müssen.
Moment!? An der Stelle blättert man zurück. Hatte sie Doktor Korb gegenüber nicht behauptet, ihr Vater habe sich umgebracht? Ja, was denn nun? Spätestens hier wird einem bewusst, dass die Ich-Erzählerin nicht nur das Krankenhaus-Personal an der Nase herumführt, sondern auch mich als Leserin. Doch wann tut sie dies bewusst und wann unbewusst? Ihren Bruder irgendwann im Schlepptau erinnert das Buch, das aus drei Teilen besteht (der Vater, der Sohn, der Heilige Geist), an den Roadtrip à la Herrndorfs „Tschick“. Vollkommen angetan von Evas Persönlichkeit, ihrer vulgären Sprache und ihrem unsicheren, zerbrechlichen Kern folgt man ihr erst neugierig, was sie als nächstes anstellen und wird und begibt sich dann mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit, die erst ganz am Ende steht.
Nicht zuletzt durch ihren Humor, der die Schwere der Tatsachen zu übertünchen versucht (mit Erfolg!) erinnert mich Evas Geschichte an die meiner Protagonistin Josy in „Unberührt“. Auch der Sprung zwischen den Zeitebenen, ganze Redewendungen wie „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“, der Besuch der Protagonistin im Ziegengehege sowie der Umgang mit einem kleinen Tier, das in den eigenen Händen aufhört zu atmen – hat mich immer wieder aufhorchen lassen. Und, es ist Angela Lehners Debüt gewesen! Ganz, ganz stark!
Ich werde Angela Lehner, die 1987 in Klagenfurt geboren wurde und jetzt in Berlin lebt, eine Nachricht schreiben, dass ich mich mit ihr verbunden fühle. Dass ich ihr Buch wunderbar finde, dass ich gelacht und geweint habe, dass ich es weiterempfehlen und Eva und Bernhard noch eine ganze Weile mit mir tragen werde. Absolute Empfehlung!
„Vater unser“ von Angela Lehner, dtv, 2021
Passend zum Roman las ich vorher ein Kapitel aus „Wahnsinns Frauen“ (hrsg. von Sybille Duda und Luise F. Pusch) – und zwar über Johanna die Wahnsinnige (1479-1555) von Swantje Koch-Kanz und Luise F. Pusch. Viel ist Spekulation über Johanna nach so langer Zeit, aber noch viel mehr spricht für das, was das Vorwort hervorragend zusammenfasst – die Rolle der Frau war und ist noch immer keine leichte in unserer Gesellschaft.
- Eva Menasse
Dunkelblum
(98)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannBereits häufiger wurde der Frage nachgegangen, ob Literatur (oder Kunst allgemein) in der Lage sei, positiv auf Menschen, und damit auf die Gesellschaft insgesamt, einwirken, die Welt zumindest ein kleines Bisschen besser machen könne. Mit Büchern wie dieses von Eva Menasse stünden die Chancen jedenfalls nicht schlecht.
„Dunkelblum“ ist ein fiktiver Ort, eine Kleinstadt in Österreich unmittelbar an der Grenze zu Ungarn. Die Geschichte spielt kurz vor dem „Fall der Mauer“ 1989, erschöpft sich allerdings nicht in dieser Zeit, sondern greift zurück in die dunkle Geschichte der Nazi-Vergangenheit des Ortes und seiner Bewohner. Markiert dabei die Gegensätze zwischen denjenigen die „Mitmachen“ (oder nur „Zuschauen“) und denen die „aussortiert“ werden. Und danach unterscheidet der „Eiserne Vorhang“ in „Hüben“ und „Drüben“ – auch in den Köpfen der „Hiesigen“, wahlweise der „Unsrigen“. Konsequenterweise steht man auf der „richtigen Seite“ und qualifiziert die „von Drüben“, die „Drüberen“, die „Drüberisch“ sprechen, bereits wortwählerisch ab. Insofern wird die geographische Lage zu einem Brennglas menschlicher „Möglichkeitsräume“.
Dabei hätte man genug zu tun mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, bräuchte kein solches Ventil, wenn es denn nicht so schmerzhaft wäre, und im Umkehrschluss so einfach, sich eines Sündenbocks zu bedienen, der einem diese Last abnimmt. Oder ganz einfach sich seine Wahrheit zurechtbastelt, so wie hier beschrieben: „Dem Gedächtnis Einzelner ist nur in begrenztem Ausmaß zu trauen, die meisten erinnern sich lediglich an das, was ihnen selbst in den Kram passt, ihre eigene Rolle in ein besseres Licht rückt oder ihre Gefühle schont.“ Es funktioniert, solange es eben geht. Und in diesem Fall sind es gleich mehrere Ereignisse, die dafür sorgen, dass die Ereignisse aus der Vergangenheit (zum Beispiel die Hinrichtungen in den letzten Tagen des Nazi-Regimes) ans Licht drängen.
In diesem vielstimmigen Konzert der Stimmen, im Wechselspiel von Beharren und Aufklären, passieren außergewöhnliche Dinge, die diesem Roman zusätzlich eine gewisse Spannung verleihen. Es braucht allerdings einige Zeit, bis man diese Stimmen im Kopf sortiert bekommt. Zum Glück gibt es im Anhang ein „Figurenverzeichnis“ (mit Kurzbeschreibungen). Und für die Nicht-Österreicher ein „Glossar der Austriazismen“. So geholfen kann man sich ganz auf das Geschehen einlassen, Dinge hinterfragen und letztlich seine eigene Haltung überprüfen.
(15.8.2023)
- Dirk Stermann
Sechs Österreicher unter den ersten fünf
(75)Aktuelle Rezension von: NiWaDirk Stermann hat sich mittlerweile in den österreichischen Medien einen Namen gemacht. Wie der aus Deutschland stammende Entertainer den Kulturschock und das Einleben ins hiesige Gebaren erlebte, schildert er anhand kurzweiliger Alltagsepisoden, die bis dahin für den Wahl-Wiener alles andere als alltäglich waren.
Der Autor ist eine prominente Stimme genauso wie ein bekanntes Gesicht, das längst jahrzehntelang in der Sendung „Willkommen Österreich“ über den Bildschirm flimmert. Obwohl sich der rheinische Wahl-Wiener mittlerweile gut im Umgang mit dem hiesigen Charme hält, zeigt er in diesem Buch, dass Deutsche und Österreicher mehr als nur die Sprache voneinander trennt. Es ist seine Geschichte der Integration, die er mit Herz, Humor und einer ordentlichen Portion Schmäh erzählt.
"Wenn man dann irgendwann draufkommt, dass man Deutscher ist, ist das eine mittlere Katastrophe." (S. 10, eBook)
Dieses Buch ist mir schon früher aufgefallen, weil ich den trockenen Humor von Dirk Stermann mag und auf seine Sicht der österreichischen Kultur neugierig war. Allerdings hatte ich es aus den Augen verloren, bis sich mir die Frage stellte, wie es ein Deutscher empfindet, wenn er sich in Österreich niederlässt.
Stermann erzählt großteils chronologisch wie ihn einst das Studium an die Wiener Universität trieb. Es folgen berufliche und private Stationen, die sich episodenhaft aneinanderreihen und seinen Eindruck der österreichischen Kultur betonen. Herzstück ist eine bissig-charmante Analyse des Österreichisch-Seins sowie eine Liebeserklärung an Land und Leute, die auf Außenstehende teilweise eine skurrile Wirkung haben könnte.
"Nachdem ich also gerade versucht hatte, Deutschland hinter mir zu lassen, wurde ich in Wien zum täglichen Deutschsein verurteilt." (S. 10 - 11, eBook)
Zuerst einmal ist es ein witziges Buch, weil Stermann mit trockenem Humor von seinem Leben in Wien erzählt und viele Szenen, die tatsächlich realistisch und eindeutig dem Alltag entnommen sind, schon merkwürdig und vielleicht sogar lächerlich wirken, wenn man die hiesige Kultur nicht kennt.
Erzählt wird, dass es Herr und Frau Österreicher grundsätzlich äußerst bescheiden geht und die schlechte Laune ohnehin das höchste der Gefühle ist.
Geschildert werden außerdem Sprachbarrieren, die nicht nur von unterschiedlicher Aussprache und alteingesessenem Dialekt herrühren, sondern aufgrund eigentümlicher Wortverwendungen entstehen, die für Nicht-Österreicher zum Stolperstein werden. Hinzu kommt die Betonung, welche dem regionalen Ohr sagt, wie eine Aussage oder Frage zu bewerten ist. Ungeübte stehen oftmals vor einem Rätsel, das sich als unlösbar erweist.
"Dort grüßte mich täglich der Oachkatzlschwoaf." (S. 11, eBook)
Besonders präsent sind Themen wie die damalige Politik - das Werk ist 2012 erschienen - sowie die Bedeutung von Cordoba, was für Außenstehende wohl nur eine Stadt in Spanien ist, aber für Österreich einen fußballerischer Triumph über den großen deutschen Bruder bedeutet.
"Das ist vielleicht das Grundproblem österreichischen Fußballs (...)" (S. 111, eBook)
Stermann schreibt witzig, spritzig und man merkt, er hat sich in seine Wahlheimat und die österreichische Seele verliebt. Mir als Österreicherin hat er damit „schön getan“ und eventuell hilft es dem oder der deutschen Leser:in dabei, mehr über dieses kleine Land mit Alpen, Wiener Walzer und seinen Schmäh zu erfahren. - Milena Michiko Flašar
Herr Katō spielt Familie
(65)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaDie Autorin kann schreiben, das habe ich deutlich gemerkt, aber sie zieht die Handlung in die Länge und überhäuft einen mit so vielen Details, dass ich das auf die Dauer nicht ausgehalten habe. Wären doch die Details irgendwie interessant, würde ich weiterlesen, aber es ist stinknormaler Alltag, sogar noch schlimmer als normaler. Es ist verdammt langweiliger Alltag.
Sobald die Frau auftaucht und dem Protagonisten von ihrer Arbeit erzählt, löst sich die Starre der Handlung und plötzlich war das so interessant, spannend, voller Leidenschaft. Als sie ihm ihre Visitenkarte gab und vorschlug, er solle doch bei ihnen mitarbeiten, da habe ich fast ein Ja gebrüllt. Mach es, tu es, verschwinde aus diesem schrecklichen Alltag und lebe ein Leben, was du dir nicht einmal erträumt hättest.
Aber dann verschwindet die Frau, der Alltag geht weiter, die Starre kehrt zurück und das mit einer Heftigkeit, dass es mir die Augenlider festzugeschlagen hat. Er erzählt von seinem Haus, von den letzten Jahren, der Arbeit, der Gedanken, der simplen Wünsche, die Pensionierung, und ich wollte sofort einschlafen, damit das Buch aus meinen Händen fällt und irgendwo verschwindet.
Die Autorin überhäuft mich mit Details, die ich selbst erlebt habe, die ich selbst erzählen könnte, vielleicht sogar aufregender, wahrscheinlich auch lebhafter. Und dann weigert sie sich, Absätze zu machen, füllt die Seiten ohne Zeilenumbrüche auf, bis ich den Verstand fast verloren habe und mich weigerte, eine weitere Zeile zu lesen.
Das Buch ist eine Schlaftablette. Es hat so eine interessante Idee und doch wird es von der Handlung verdrängt, die zäh ist und dafür sorgt, dass das eigene Leben viel, viel, viel aufregender wirkt. Ich habe mir das nicht lang antun können.
- Doris Knecht
Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
(198)Aktuelle Rezension von: HaerzlechDie Kinder ziehen aus, und die Protagonistin muss ihren Wohnraum verkleinern. Dabei erinnert sie sich an ihr bisheriges Leben, mistet die Wohnung aus und reflektiert was bisher so geschah.
Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, es war meist kurzweilig, ruhig und teilweise auch ganz witzig. Leider konnte ich mich allerdings nur bedingt für die Protagonistin erwärmen, die sich für mich teilweise etwas zu sehr in ihrem Selbstmitleid suhlt und einen für mich zu hohen Lebensstandard als selbstverständlich sieht. Daher habe ich sie für die Veränderung ihrer Lebensumstände teilweise nur bedingt bemitleiden können: Während ich zunächst viel Verständnis für den Fakt hatte, dass sie die geräumige Wohnung, in der die Kinder aufwuchsen und in der sie schon fast 20 Jahre lang ein zuhause hatte, aufgeben muss, hat sich dann herausgestellt, dass sie auch noch eine kleine Einzimmerwohnung UND ein Haus auf dem Land besitzt. Ersteres war zunächst ein Atelier für sie als Autorin, später dann vermietet. Das Haus steht meist leer, da unsere Protagonistin nicht in einem kleinen Dorf leben möchte, zur Naherholung aber gleich ein ganzes Haus besitzen möchte. Da war es dann vorbei mit dem Mitleid und auch mit dem richtigen Interesse am Buch. Diese selbstmitleidigen Kapitel waren auch die, die sich für mich in die Länge gezogen haben (obwohl textmässig alle Kapitel relativ kurz gehalten sind) und die ich teilweise auch nur überflogen habe.
Zugegeben: Als Studentin Mitte 20 sind mir die finanziellen und räumlichen Sorgen von Hausbesitzerinnen natürlich ohnehin fremd, dennoch kann ich über Menschen, die darüber jammern, kein Geld zu haben, die dann aber für den Sohn eine schöne Wohnung für seine 2er-WG mieten und eine Umzugsfirma engagieren um die paar Möbel herumzutragen, nur den Kopf schütteln.
- Robert Schneider
Schlafes Bruder
(696)Aktuelle Rezension von: ava_95Ich hatte gehofft, dass Schlafes Bruder mich berührt oder zumindest fesselt, aber leider war das nicht der Fall. Der Schreibstil ist zwar schön und besonders, aber die Geschichte war mir zu traurig, zu dunkel und einfach zu bedrückend. Ich konnte mit den Figuren nicht so richtig mitfühlen und musste mich eher durchkämpfen, als dass ich gerne weitergelesen habe. Vielleicht liegt’s auch daran, dass das Buch einfach nicht mein Geschmack ist. Für andere kann es sicher tiefgründig und bewegend sein, aber mich hat es eher runtergezogen.
- Beatrix Kramlovsky
Frau in den Wellen
(25)Aktuelle Rezension von: buecherundschokoladeFrau in den Wellen von Beatrix Kramlovsky ist ein Roman, dem ein richtiger Höhepunkt fehlt, ohne dass es mich als Leserin gestört hätte.
Tatsächlich fließt der Roman - manchmal plätschert er auch - wie ein Fluss auf verschiedenen Zeitebenen durch das Leben der Dr. Joni Lanka.
Von der Provinzkindheit mit Hippieeltern - die im Geld schwammen & ihre nach Joni Mitchell benannte Tochter oft zugunsten von (Drogen-)Ausflügen - bei der biederen & liebenswerten Tante „Federspiel“ zurückließen - über ihre Zeit als sehr junge Diplomatengattin in Ost-Berlin zur Zeit des Mauerfalls hin zur Jetztzeit, in der sie eine sehr erfolgreiche Wissenschaftlerin & Beraterin ist, erstreckt sich der Erzählbogen.
In gewisser Weise ist das Buch ein Emanzipationsroman, wobei dieser Aspekt trotz allem nur am Rande vorkommt. Mehr noch ist es eine literarische Erkundung der Frage, was Familie bedeutet. Joni ist in ihrer Zeit - & auch heute noch - eine eher untypische Mutter. Sie macht rasant Karriere & ist dafür in das Aufwachsen ihrer Kinder weniger involviert. Sie hat verschiedene Männer, an verschiedenen Orten (ihr Ex-Mann nennt diese scherzhaft „ihre Paladine“) & jettet um die Welt. Aber ihr Familienleben funktioniert, Liebe & gemeinsame Zeit sind da. Eigentlich wird das Patchwork-Arrangement nur von Außenstehenden und/oder der buckligen Verwandschaft negativ kommentiert.
Allgemein dringt in diesem Roman das Unheil von außen ein. So auch im Schlussteil, der das - nicht nur in Österreich - virulente Thema der Beleidigung & Bedrohung von Frauen im Internet thematisiert.
Insgesamt hat mich das Buch durch seinen ruhigen & klaren Erzählstil eingenommen. Nachdem wir die Autorin bei der Buch Wien live erleben durften & noch mehr über die Hinter- & Beweggründe des Buches erfahren konnten, gilt dies umso mehr. Der letzte Teil des Buches war maßgeblich durch die Geschehnisse um Sigi Maurer inspiriert.
- Angela Lehner
2001
(50)Aktuelle Rezension von: Julia92Inhalt: Es ist das Jahr 2001 und im Tal ist alles wie immer. Die Berge sind schroff, die Touristen unersättlich, die Jugendlichen auf der Suche nach Alkohol und Abenteuern und die Eltern abwesend. Eine Zukunft hat hier keiner, am allerwenigsten Julia, die in der Hauptschule zum sogenannten Restmüll gehört, was ihr egal ist -, denn für sie zählt nur eins: Hip-Hop und der Zusammenhalt ihrer Crew. Bis ihr Geschichtslehrer eines Tages die ganze Klasse zwingt, an einem politischen Experiment teilzunehmen, und damit eine Lawine an folgenschweren Ereignissen lostritt.
Meinung: Ich kam gut in die Geschichte rein, da mich Lehners Schreibstils von Beginn an sehr unterhalten hat. Man lernt Julia und ihre Crew kennen, sowie ihren Bruder und Klassenkameraden. Der österreichische Schmäh und die Ansicht der Jugendlichen auf Touristen sind besonders gelungen und haben mich mehrere Male zum Schmunzeln gebracht. Leider konnte ich zu keinem der Charaktere einen Bezug aufbauen, was vermutlich von der Autorin beabsichtigt ist, aber für mich ist es etwas zu viel von dieser Hoffnungslosigkeit, die sich durch das ganze Buch zieht. Die Jugendlichen haben (zumindest der Großteil) keine Perspektive, keinen Antrieb, keinen Ansporn, der sie dazu bewegt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Anfangs taten mir Julia & Co leid, mit der Zeit machte sich Fassungslosigkeit breit. Auf die Rolle der Eltern gehe ich hier nicht näher ein (eventuell Spoilergefahr). Gegen Ende bekommt man Brocken vorgeworfen, die auf eine Veränderung, auf eine Lösung hindeuten, doch ich wurde schließlich enttäuscht. Viele Fragen sind offen geblieben. Vermutlich will die Autorin die Leserschaft dazu animieren, sich alternative Möglichkeiten der weiteren Entwicklung auszudenken, doch mich konnte der Schluss nicht überzeugen. Im Gegenteil. Ich hatte gehofft, dass gewisse angeschnittene Themen noch aufgelöst werden. Ich kann das Buch weder empfehlen noch davon abraten. Man muss sich auf die Message einlassen, um sich eine Meinung bilden zu können.
Aufgrund des tollen Schreibstils und der interessanten Grundidee vergebe ich 3 von 5 Sternen.
- Verena Roßbacher
Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
(25)Aktuelle Rezension von: KatMaIm 1. Teil des Buches war ich noch etwas verwirrt und habe mich gefragt, ob das das schlechteste Buch wird, das ich je gelesen habe aber dann ist mir Charly Benz immer mehr ans Herz gewachsen und am Ende wollte ich gar nicht, dass die Geschichte endet. Mit Sicherheit ist das eines der schrägsten Bücher, die ich je gelesen habe und ich liebte es!
- Milena Michiko Flašar
Oben Erde, unten Himmel
(87)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterKodokushi ist ein japanischer Begriff für den „einsamen Tod“ oder das „allein sterben“, der das Versterben von sozial isolierten Menschen beschreibt, deren Leichen oft erst nach langer Zeit entdeckt werden und die niemanden vermisst hat. Oft ist die Einsamkeit selbst gewählt. In diesem Buch hat Milena Michiko Flašar diesen Menschen ein Denkmal gesetzt und ist ihn mit großem Respekt begegnet.
Suzu hat es nicht leicht. Die alleinstehende Frau hat ihren Job verloren und verliert sich in träger Lethargie. Selbst ihr Hamster scheint sie nicht mehr zu mögen. Am liebsten würde sie nie mehr vor die Tür gehen. Doch das Geld wird knapp und so landet sie als Reinigungskraft bei Herrn Sakai. Dies ist aber nicht kein gewöhnlicher Putzjob! In erster Linie besuchen Sie Wohnungen, in denen Menschen vereinsamt verstarben, un im Anschluss die Wohnung von den physischen und materiellen Resten der Toten zu befreien. Suzu ist oft verhalten und irritiert, über die Umstände, in denen die Menschen gelebt haben. Doch ihr Arbeitgeber hat die Gabe ihr einerseits große Achtung vor dem Leben zu vermitteln und sie andererseits nachdrücklich dazu zu motivieren, aus sich heraus zu gehen. Langsam, aber sicher verändert sich Suzu.
Wir erfahren viel über das Leben der verschiedenen Klienten und lernen, wie viele Formen der Einsamkeit es gibt. Begleitet von leisen Tönen, die aber eine unglaubliche Kraft ausstrahlen, reisen wir durch eine Wandlung in der Suzu von einer linkischen und wenig zugänglichen Persönlichkeit zu einem gefestigten Menschen, wird, der in einem ungewöhnlichen Beruf seine Erfüllung findet. Herr Sakai ist mit seiner gradlinigen aber zugewandten Ausstrahlung der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte.
Flašar scheint die Gabe zu besitzen, schweren Themen Leichtigkeit einzuhauchen. Eine feine Prise Humor würzt das Ganze ohne ihm den Ernst zu nehmen. Wenn über den Aggregatzustand der Toten oder deren Überreste gesprochen wird, so wirkt das nie sensationsheischend oder gar lächerlich. Die Würde der Verstorbenen wird jederzeit gewahrt. Ich habe mich sofort in die Sprache der Autorin verliebt. sie ist leicht, verständlich, poetisch und viele Sätze streicheln einen quasi durch das Papier.
Ich empfehle das Buch allen, die einen Zugang zur japanischen Kultur über das Leben und den Tod haben möchten, die die feinen, sanften Bücher lieben, die es schaffen, schweren Themen die Bürde des Unaussprechlichen zu nehmen.
- Alfred Komarek
Schräge Vögel, Faszinierende Lebensentwürfe
(18)Aktuelle Rezension von: BlausternIn „Schräge Vögel“ stellt der Autor Alfred Komareks 14 verschiedene Vögel unterschiedlicher Gattungen vor. Sie alle haben eines gemeinsam, sie sind etwas Besonderes oder besser gesagt, sie machen etwas Besonderes aus ihrem Leben. Sie trauen sich, ihren Traum zu leben, ohne sich um das Gerede ihrer Mitmenschen zu kümmern. Sie sind zum Beispiel Puppenspieler, Dampfschiffbetreiber, Holzhandwerker oder auch Instrumentenbauer und Musiker, eben Künstler. Dabei finde ich die wenigsten von ihnen schräg, sie haben halt ein besonderes Talent und nutzen es. Ein kurzer Abschnitt ihres Lebenslaufes wird dargestellt mit etlichen Bildern dazu, die eine Menge über den jeweiligen Menschen mit seiner Begeisterung aussagen, was wirklich sehr interessant ist. Trotzdem ich fast keinen dieser „schrägen Vögel“ kannte, bin ich nun voll und ganz im Bilde. Der Schreibstil reicht von poetisch bis kurios und hat mir gut gefallen. - Amelie Fried
Schuhhaus Pallas
(41)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAmelie Fried hat die Geschichte ihrer Familie nieder geschrieben. Anhand von Zeitdokumenten und begleitet von Bildern wird es besonders deutlich. Ein wichtiges SAchbuch zum Thema Juden im dritten Reich von der Bestsellerautorin Amelie Fried. Ganz nah bei uns ums Eck in Ulm, das macht das Buch noch wichtiger
- Cornelia Travnicek
Parablüh
(6)Aktuelle Rezension von: Estrelas"Parablüh" heißt Cornelia Travniceks Gedichtsammlung, die aus jedem Gedicht aus Sylvia Plaths "Der Koloss" ein neues macht. Als Teilnehmer der Leserunde ließen wir uns auf das Experiment ein, 50 Gedichte in 50 Tagen zu erarbeiten. Und wenn man es genau nimmt, gab es von jedem Gedicht sogar drei Versionen, denn die zugrundeliegende Sammlung Plaths ist zweisprachig zuzüglich der Adaptation. Ich war neugierig und habe die Herausforderung angenommen, weil ich von beiden Autorinnen schon viel gehört, aber noch nichts gelesen hatte und weil ich es mal wieder mit Lyrik versuchen wollte. Ich bewundere Travnicek für ihre Mission, sich solch ein viel besprochenes Werk vorzunehmen, aus jedem Stück eine Essenz zu ziehen, Elemente des Originals zu spiegeln oder neu zu interpretieren. Aber ich gebe auch zu, dass ich mich schwertat. Weder habe ich es in 50 Tagen geschafft noch habe ich tolle Analysen geliefert, weil es mir einfach schwerfiel, alle Anspielungen zu verstehen. Die Gedichte sind oft mythisch und düster, gar bedrückend (was sicher der Vorlage geschuldet ist). Und ich kann das Werk aus diesem Grund vielleicht nicht genügend würdigen; eine wertvolle Erfahrung war es dennoch. Und an manchen Stellen hat mich die Autorin auch überrascht und zum Lächeln gebracht. - Georg Renöckl
Paris abseits der Pfade (Jumboband)
(12)Aktuelle Rezension von: Petra_AdlerMir gefällt der besondere Reiseführer "Paris - Abseits der Pfade" sehr gut. Hier werden verschieden Streifzüge durch einzelne Arrondissements mit interessanten Geheimtipps gespickt und nebenher noch einige interessante Hintergründe geliefert, sei es historisch, gesellschaftlich oder wie es z.B. zu bestimmten Namen kam, etc.
Ich habe hier viele interessante Tipps bekommen, die ich mir für meine nächsten Parisbesuche auf meine Wunsch-Anschauliste geschrieben habe. Sehr beeindruckend, wie Georg Renöckl sein Hintergrundwissen mit den einzelnen "Sehenswürdigkeiten" vereint hat - ich empfand seinen Schreibstil als sehr angenehm.
Ein Manko für mich waren aber die zu kleinen Karten (kaum Straßen zu lesen etc.) zu den jeweiligen Streifzügen durch die einzelnen Arrondissements und dass im Text keinerlei Hinweis (z.B. A) auf die einzelnen Stationen des Rundgangs angegeben wurden.
Die Idee hinter jedem Kapital eine Liste von Orten zum Verweilen und zum Vertiefen mit Adressen, Telefonnummern, teilweise mit Websites und auch Informationen anzufügen, finde ich klasse. Toll wäre es, wenn hier auch noch Öffnungszeiten und (Eintritts-)Preise etc. angeben wären...
Ich kann dieses Buch nur jedem Parisliebhaber und die, die es werden wollen empfehlen.
- Margit Mössmer
Das Geheimnis meines Erfolgs
(14)Aktuelle Rezension von: holzmair_evaDer Roman setzt mit einer verwirrenden Szene ein: Ein Kind, das einsehen musste, dass es „kein Bandit war“, schwingt sich an einem Februarmorgen nackt aus dem Fenster, kann sich festhalten, aber nicht mehr lange, und ruft nach einer Nina, die gerade noch rechtzeitig aus der Küche hochkommt und das Kind ins Zimmer zieht. Diese Szene wird erst am Ende des Buchs aufgelöst.
Dazwischen die Entwicklung des Mädchens Alex(andra) von der Geburt bis zu der soeben geschilderten Szene. Und dieses Dazwischen hat es in sich, denn Alex ist ein spezielles (autistisches?) Kind. Es versteht die Welt nicht, schreit andauernd, isst kaum und bringt die alleinerziehende Mutter Nina zur Verzweiflung. Erst langsam stellt sich so etwas wie Alltagsbewältigung für Kind und Mutter ein, zu der auch Patrick beiträgt, Ninas Bruder, denn er schleppt DVDs an, die Alex, ohne zu schreien, anschaut und bald sämtliche Filme auswendig kann. Nicht alle sind jugendfrei, aber Patrick nimmt es nicht so genau, und für Alex ist Arielle oder Findet Nemo genauso spannend wie 2 Fast 2 Furious oder Spiel mir das Lied vom Tod. Zitate und Mimik aus den Filmen helfen ihr, mit anderen Kindern zumindest ansatzweise in Kontakt zu kommen, selbst wenn Alex auf diesen Kontakt keinen Wert legt, bloß begreift, dass sie damit ihrer Mutter Freude bereitet.
Der Schuleintritt ist eine besondere Herausforderung, denn Alex ist eben nicht wie die anderen, verträgt keine Nähe und schon gar nicht eine Berührung, was im Gewusel eines Klassenzimmers unvermeidbar ist. So wird als Lösung das Klavierzimmer gefunden, in dem Alex gemeinsam mit einem krebskranken Mädchen, das aufgrund seiner Immunschwäche das Klassenzimmer meiden muss, den Schultag verbringt. Dieses Arrangement findet Alex gut, doch es hält nicht allzu lang.
Was Alex sonst noch gut findet und was nicht, erfahren wir im Laufe des Romans, denn er bietet einzig die Sicht dieses Kindes auf dessen Umfeld. Erst das Auftauchen einer Nachtigall, die Alex hilft, sich „richtig“ zu verhalten, lässt Alex etwas entspannter interagieren und Strömungen, die nicht „angenehm kühl“, sondern „gefährlich heiß“ sind, aushalten. Doch dauernd kann Alex nicht auf einen Vogel hören. Oder? Nina, diese beherzte Mutter, die für Alex ein „kühler, großer, weicher Felsenpinguin“ ist und für die das Herz des Kindes vor Liebe platzt, weiß auch dafür Rat. Man kann diese Nina nur bewundern, aber auch in die Welt der kleinen Alex eintauchen und um einige Erkenntnise reicher wieder auftauchen. Das bringt Margit Mössmer mit ihrer konsequent durchgehaltenen Kindesperspektive und einer angenehm schnörkellosen Sprache zustande.
- Mara Ferr
Die Herzen des Monsieur Lefort
(16)Aktuelle Rezension von: foxydevilDas ist das mittlerweile 4. Buch welches ich von der Autorin Mara Ferr gelesen habe, und ich war im Vorfeld sehr gespannt.
Und diesen besonderen Krimis geht immer einer Gemeinsamkeit voraus.
Sie spielen in Paris und kommen als gutes Buch ohne extremes blutmäßiges Gemetzel aus.
Das fasziniert mich immer an Büchern der Autorin.
Dieses Cover ist außergewöhnlich und im Gegensatz zu den bisherigen Büchern ist es das bisher am passendsten zum Buchthema.
Aus dem Inhalt:
Der Protagonist Jerome Lefort ist ein Commandant im Ruhestand.
Er ist verheiratet doch diese Ehe obwohl gut situiert ist nicht mehr das was sie sein sollte.
Kurzum es fehlt an Herz…auf einen Auslöser entwickelt sich eine Liebe zu Herzen und steigert sich in eine immer steigende Obsession.
Mehr möchte ich gar nicht verraten, das sollte man erlesen.
Wie schon erwähnt sind Krimis von Mara Ferr etwas Besonderes.
Kein Gemetzel und trotzdem sehr gute Unterhaltung.
Dem ist die Autorin in diesem Buch wieder gerecht geworden.
Der Spannungsbogen ist vorhanden und man möchte das Buch nimmer aus der Hand legen.
Die Auflösung ist schlüssig, hat mir persönlich sehr gut gefallen und die eigene Sprache etwas anspruchsvoller und keine Plattitüde.
Trotzdem liest es sich zügig und flüssig.
Die Charaktere sind gut gezeichnet und polarisieren.Fazit:
Ein absolut lesenwertes Buch, für Freunde des Besonderen, da hier Klassen- statt Massenware - Bettina Wagner
Der große Santini (Kurzgeschichte, Humor) (Die 'booksnacks' Kurzgeschichten Reihe)
(15)Aktuelle Rezension von: pardenDER GROSSE TRICK...
Der alte Zauberkünstler Santini hat seine besten Tage hinter sich. In einem heruntergekommenen Varieté fristet er ein armseliges Dasein. Als er die Chance bekommt, eine wichtige Rolle in einem Banküberfall zu spielen, scheint sich das Blatt für ihn zu wenden. Doch seine Assistentin hat andere Pläne…
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Persektive der Assistentin des Zauberkünstlers. Der alte Mann tut ihr leid, denn seine Zaubertricks sind nicht mehr zeitgemäß, das Publikum nur mäßig begeistert, und Santini fristet sein Dasein in einem heruntergekommenen, feuchten Verschlag, getröstet nur durch seine tägliche Portion Gin.
Als die Assistentin Wind davon bekommt, dass Santini auf der Bühne dafür sorgen soll, dass die Beute aus einem Banküberfall verschwindet, reift in ihr ein eigensüchtiger Plan. Sie wird selbst zu einem Trick greifen...
Kurz und knackig skizziert Bettina Wagner hier ein atmosphärische Situationen, die Rollen scheinen klar vergeben, bis zur überraschenden Wendung. Das hat mir gut gefallen, weshalb ich diesen Booksnack für gelungen halte...
© Parden























