Bücher mit dem Tag "österreichische literatur"

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24 Bücher

  1. Cover des Buches Echtzeitalter (ISBN: 9783499010118)
    Tonio Schachinger

    Echtzeitalter

    (146)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77


    Ich bin immer wieder verblüfft, dass Bücher, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Medien keinen unserer Sinne direkt stimulieren, in der Lage sind, eine ganze Welt, ein Erleben wieder gegenwärtig/erfahrbar zu machen – und auch das Empfinden, das damit einherging (und -geht).

    Ich habe Tonio Schachingers zweiten Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen – und würde dennoch behaupten, dass es ein Buch ist, auf das man sich einlassen muss. Das klingt wie ein Widerspruch und ist vielleicht auch einer; aber dann einer, der für mich unterstreicht, wie gut das Buch ist.

    Es erzählt die Geschichte eines Schülers (Till) an einem alteingesessenen Wiener Gymnasium und sein Erwachsenwerden im Kontext von Schikane, Verlieben, Ängsten, Wünschen, etc. (Pubertät, könnte man sagen) und Age of Empires 2. Aber es ist mehr als das. Nicht nur eine Coming-of-Age-Story, sondern auch eine gekonnt inszenierte education sentimentale.

    Das zeigt sich schon im Stil, im Satzbau. Der wechselt zwischen einem gewöhnlichen Erzählduktus und einer differenzierten Ausformulierung, die auch schon mal zu verschachtelten, längeren Satzgebilden tendiert.

    Das klingt mühsam, ist es aber nicht, weil diese unterschiedlichen Tempi und Intensitäten sehr gut die Gedanken- und Gefühlswelt von Till einfangen, sie in die jeweiligen Situationen und Zustände einbetten. So wird sie nahbar, eindrücklich, ruft vergleichbare Erinnerungen wach.

    Man liest die Geschichte von Till und liest zugleich über Gefühle und Erlebnisse, die den Rahmen der Geschichte sprengen, so prägend ist das ihnen Zugrundeliegende. So grundlegend ist das Erleben, bevor es Erinnerung wird und doch wieder Erleben sein will.

    "Echtzeitalter" ist beides, ein Buch der Gegenwart und ein Buch der Wehmut. Es erzählt von einer Zeit, von der man wenig begreift, während man sie durchlebt. Und die gerade deswegen etwas Echtes hat. Wenn es denn etwas Echtes gibt, ein wahres Leben im falschen. Ein Glück, das nicht nur eine Pause-Taste ist, sondern gespielt wird, wenn man Play drückt.

  2. Cover des Buches Das Floß der Medusa (ISBN: 9783442717194)
    Franzobel

    Das Floß der Medusa

    (98)
    Aktuelle Rezension von: Eva_Reichmann

    Ich hatte einen "historischen Roman" befürchtet - aber das war es nicht: bekommen habe ich etwas, das ich sprachliches Kunstwerk nennen möchte, und zwar deshalb, weil es Franzobel durch seine Art der Beschreibung gelingt, dass ich den Hafen von Rochefort (und das ländliche Frankreich) und die Kombüse und die engen Quartiere au dem Schiff förmlich riechen kann. Das gelingt ihm, obwohl der Erzählton durchaus etwas Ironisches hat.

    Riechen und Spüren konnte ich auch die letzten Tage auf dem Floss - mit allen Schrecklichkeiten. Ja, das Buch ist grauslich - genauso wie die reale Situation, um die es geht. Die Vorgeschichte, wie es dazu kam (ein Versagen vieler Menschen auf vielen Ebenen) ist grotesk und ebenso brilliant erzählt.

    Ein Buch, dass ich mit Sicherheit irgendwann wieder lesen werde!

  3. Cover des Buches Bösland (ISBN: 9783442719211)
    Bernhard Aichner

    Bösland

    (296)
    Aktuelle Rezension von: SonGoku

    Bösland fand ich nicht besonders gut.

     Es geht darum das der  Hauptprotagonist wegen eines Mordes beschuldigt wird der geschehen ist. Da er schwer traumatisiert ist und sich an nichts erinnern kann will er seinen Freund zu reden stellen der wohl dabei war, dann wendet sich das Blatt.

    Nichts besonders neues.

    Ich fand die Eigendynamik die sich mit seinem Freund entwickelt, der reich ist, ist recht Amüsant. Das Buch habe ich nur fertig gelesen um zu erfahren wie dieses Machtspiel von beiden ausgeht. Da sich beide wirklich ein Kopf an Kopf rennen liefern.

    Wer den Mord begangen hat und warum ist nicht besonders überraschend.

    Ich fand es zu kurzweilig geschrieben. Ich mag seichte Literatur aber aus der Story hätte man mit der richtigen Schreibweise, Atmosphäre und Innovation eindeutig mehr rausholen können.

    Schade

  4. Cover des Buches Das Feld (ISBN: 9783446283268)
    Robert Seethaler

    Das Feld

    (141)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Allgemein wird er nur ‚das Feld‘ genannt, der älteste Teil des Paulstädter Friedhofs. Die Grabsteine liegen zerstreut inmitten einer Wiese, auf der schon lange keine Beerdigung mehr stattfand. Beinahe täglich kommt ein alter Mann und setzt sich dort auf die Bank unter der Birke, um der Verstorbenen zu gedenken. Er kannte sie beinahe alle. Nun lässt er sich von ihnen erzählen, über ihr Leben, ihre Krankheiten, ihr Sterben … 

    Robert Seethaler, geb. 1966 in Wien, ist ein österreichisch-deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler. Für seine Romane erhielt er eine Reihe von Preisen und Stipendien. Seethaler, der an einem angeborenen Augenfehler leidet (minus 17 Dioptrien), ist Vater eines 2009 geborenen Sohnes und lebt in Berlin und Wien. „Das Feld“ (2018), erschienen bei Hanser Berlin/München, ist der sechste Roman des Autors. 

    Ein großes, bewegendes Thema, das der Autor hier aufgegriffen hat. Wie in allen seinen Romanen ist auch hier Seethalers Schreibstil sehr flüssig und lebendig und vermittelt einen tiefen Einblick in das Seelenleben und Schicksal der Verstorbenen zu ihren Lebzeiten. Es geht um Leben, Altwerden und in Würde zu Sterben. Sie kannten sich beinahe alle, standen teils in Beziehung zueinander und ihre Schicksale kreuzten sich sogar manchmal. Die Stärke dieses Buches liegt zweifellos in der Fähigkeit des Autors, seine philosophischen Gedanken mit seiner sprachlichen Ausdrucksweise bestens zu vereinen. 

    Fazit: Ein ruhiger, beschaulicher Roman, einfach und unsentimental, den ich gerne gelesen habe und wärmstens weiter empfehle! 

  5. Cover des Buches Ein Trottel kommt selten allein (ISBN: 9783990500668)
    Michael Niavarani

    Ein Trottel kommt selten allein

    (12)
    Aktuelle Rezension von: martina400

    „Und in mir wuchs die Hoffnung, mein Buch würde werden wie das Leben: A tale, told by an idiot. Eine Geschichte, erzählt von einem Trottel gänzlich bedeutungslos.“. S. 447

    Inhalt:
    Michael Niavarani kann nachts nicht schlafen. Ebensowenig sein Badehüttennachbar und so sinnieren die beiden über das Leben und Michaels neues Buch. Dabei erzählt der Komiker von seinen Geschichten oder Dramen oder Komödien. Und immer wieder stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich der Trottel? Autor, Nachbar, Leser, Protagonisten?

    Cover:
    Das Cover mit dem Narren darauf lässt schon auf etwas Lustiges schließen und ist auch mal was anderes. Erwähnenswert ist allerdings der Einband mit dem matten, festeren Papier. Das passt wunderbar zu dem Jahrhunderte alten Bild, das abgebildet ist.

    Meine persönliche Meinung:
    Ich muss sagen, ich hatte große Schwierigkeiten mit diesem Buch. Es begann wunderbar und ich konnte viel lachen und mich über die beiden Nachbarn und auch die Geschichten erfreuen. Doch schon ab der Hälfte schlich sich gähnende Langatmigkeit ein. Ich legte es zur Seite und versuchte nach ein paar Tagen wieder weiter zu lesen und schaffte immer wieder mal ein paar Seiten. Doch es blieb: mit der Zeit wurde es nicht besser und ich war froh die letzten Seiten hinter mich gebracht zu haben. Ich denke, das liegt vielleicht an der Tatsache, dass Niavarani ein Komiker ist und seinen Charme und Witz auf der Bühne versprüht. Vielleicht wäre das Buch auf der Bühne zum Schreien komisch. Es hat Höhen und Tiefen und nehme deshalb in meiner Bewertung die goldene Mitte. Auf der Bühne fand ich Niavarani nämlich super!

    Fazit:
    Komische Kurzgeschichten, die zum Schmunzeln einladen, live erzählt aber sicher besser sind als am Papier.

  6. Cover des Buches Unter der Drachenwand (ISBN: 9783446258129)
    Arno Geiger

    Unter der Drachenwand

    (114)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Niemand braucht einen Krieg. Erst recht nicht, wenn man am Anfang eines Lebens steht. Wenn man voller Energie und Pläne ist. Und der Liebeszauber über allem schwebt. Aber gerade in diesem Lebensabschnitt ist man besonders verführbar. Auch heute noch – nach all den furchtbaren Kriegen, die schon die Welt durchtost haben. Gibt es dennoch Hoffnung, dass sich dies ändern könnte? Wenn man die aktuellen Nachrichten verfolgt, möchte man resignieren, wenn man allerdings Bücher wie dieses zu lesen bekommt, möchte man sein ganzes eigenes „Gewicht“ in die Waagschale werfen, damit sich derartiges nicht wiederholt.

    In diesem Ausnahmebuch von Arno Geiger bilden konkrete Kriegsereignisse allerdings nur die Hintergrundgeräusche, auch wenn sich dessen Folgen bei dem Protagonisten und Ich-Erzähler in Form einer sogenannte Posttraumatischen Belastungsstörung (kurz: PTBS; zu jener Zeit als „Kriegszitterer“ bezeichnet) manifestiert haben („Warum diese Nervenanfälle […]? Bis jetzt hatte ich doch alles überstanden, hatte in allem entsprochen, als Sohn, als Schüler, als Soldat.“).

    Im Vordergrund steht der trotz intensiver Kriegserfahrungen (vier Feldzüge in mehr als vier Jahren) und schweren Verwundungen ungebrochene Leben- besser Überlebenswille des Veit Kolbe. Die aufflammende Liebe zur (verheirateten) „Darmstädterin“ schützt ihn weitgehend vor dem Schmerz der Erinnerungen, der Angst vor der Zukunft und auch vor der Resignation, die besten Jahre seines Lebens für seinen „Dienstgeber“, den „F.“ (damit sowohl galant als auch distanzschaffend, in der Manier eines Helmut Schmidt, der den F. als „Adolf-Nazi“ zu bezeichnen pflegte, den elendigen Namen vermeidend) – verschwendet zu haben – und es ist ja längst noch nicht vorbei. Der Krieg dauert an, wird auch manifest in den Briefen, die in diesem Roman eingestreut sind und verschieden Erfahrungen und Lebensperspektiven teilweise äußerst dramatisch wiedergeben. Man wird durch diese sehr persönliche Darstellungsform förmlich hineingezogen in die jeweiligen Lebensumstände mit ihren Ängsten und Hoffnungen.

     Es ist diese sanfte Sprachgewalt (!) die diesen Roman unvergleichlich macht. Es sind Sätze dabei, die man aufschreiben sollte, die nachhallen sollten, damit man sich in entscheidenden Situationen daran erinnern kann. Sätze wie: „Es ist leichter, Menschen zu Hass anzustacheln, als sie zu Liebe und Achtung zu bringen.“ Dieses Buch ist ein Gegenmittel gegen Hass und Lieblosigkeit.

    (5.8.2018)

  7. Cover des Buches Liebe unter Fischen (ISBN: 9783442479948)
    René Freund

    Liebe unter Fischen

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Lesebegeisterte

    Fred ist Lyriker mit einer riesigen Fangemeinde, hat aber leider eine Schreibblockade. Seine Verlegerin Susanne schickt ihn deshalb nach Österreich auf eine Holzhütte. Eine Auszeit muss her um die Schreibblockade zu beenden. Kein Strom und kein Handyempfang, auf der Hütte kann man ja sonst e nicht auf andere Gedanken kommen oder? 

    Aber Fred ist nicht alleine, auch  ein Förster und eine junge Biologin aus der Slowakei sind da.  Fürs Verlieben hat Fred ja eigentlich keine Zeit, er soll doch einen neuen Roman schreiben und den Verlag dadurch retten. Doch wie das Leben nun einmal so spiel, kommt alles ganz anders wie geplant.

     

    Habe dieses Buch verschlungen. Es ist total witzig, leicht lesbar, kurzweilig. Das Cover finde ich auf genial, passt super zur Story. Ein herrlicher Roman von einem meiner Lieblingsautoren. Für Fans von z.B. Daniel Glattauer.

  8. Cover des Buches Rückwärtswalzer (ISBN: 9783462000320)
    Vea Kaiser

    Rückwärtswalzer

    (179)
    Aktuelle Rezension von: KlausEffing

    Rückwärtswalzer“ von Vea Kaiser

    Manchmal sind es genau die Romane, die sich Zeit lassen, die am Ende am meisten geben. Rückwärtswalzer ist so einer.

    Auf gut 400 Seiten entfaltet Vea Kaiser das Porträt einer österreichischen Familie, deren Zentrum drei Schwestern bilden – jede für sich eigenwillig, widersprüchlich, lebendig. Die Figuren sind nicht nur sorgfältig gezeichnet, sondern bewusst überzeichnet, fast schon mit einem Augenzwinkern – und gerade dadurch so eindrücklich.

    Was zunächst wie eine klassische Familiengeschichte beginnt, gewinnt im Verlauf spürbar an Dynamik und Tiefe. Besonders im zweiten Teil entwickelt der Roman eine überraschende Wucht: Ein ebenso skurriles wie berührendes Roadmovie führt fünf Figuren gemeinsam nach Montenegro – eine Reise, die nicht nur geografisch, sondern auch emotional einiges in Bewegung setzt.

    Und dann ist da noch dieses Geheimnis, das über allem schwebt. Lange nur angedeutet, wird es erst ganz zum Schluss aufgelöst – und verleiht der gesamten Geschichte rückblickend eine neue Dimension.

    Unser Buchclub war sich beim heutigen Treffen einig: ein klug komponierter, sprachlich überzeugender Roman, der mit jeder Seite gewinnt. Kein lautes Buch – aber eines, das nachhallt.

    Für alle, die Familiengeschichten mit Tiefe, Humor und erzählerischem Atem schätzen.

  9. Cover des Buches Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman (ISBN: 9783218010795)
    Petra Piuk

    Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman

    (29)
    Aktuelle Rezension von: Literatur_Famulus

    Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter.

    Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde!

    Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich glaube, „Toni und Moni – Oder: Eine Anleitung zum Heimatroman“ hätten sie mir auch verboten.

    Im zweiten Teil die Schluckbeschwerden: Tief in der Kehle und zu spüren über die Ohren, bis hinab in die Zehen habe ich sie wahrgenommen und sie regen mich immer noch an.

    Wie die Schriftstellerin, wie Petra Piuk, wie Toni und Moni und auch ein wenig wie die Lektorin, bemühe ich auch einen alten Hadern: „Ich sprenge alle Ketten“ grölten sie alle und ließen nicht ein Kettenglied eingehängt in diesem Mysterien- ups, Literaturspiel. Vielleicht habe ich noch nie ein Buch gelesen, in dem die Fußnoten, das Personenverzeichnis (beinahe alle Alphabet Buchstaben), die Perspektivenwechsel, ein Dorf und meine Erinnerungen als Leser so treffend eingesetzt, beziehungsweise angestoßen wurden.

    Herzliche Gratulation Petra, Frau Schriftstellerin und Tanja

  10. Cover des Buches bleiben (ISBN: 9783426304792)
    Judith W. Taschler

    bleiben

    (68)
    Aktuelle Rezension von: _liesmich_

    Welch wunderbares Buch meiner anscheinender Lieblingsautorin! So eine berührende Geschichte, die unter die Haut geht. Vier Anfang 20er lernen sich in einem Nachtzug nach Rom kennen. Danach gehen sie wieder getrennte Wege (nicht alle!) Ihre unterschiedlichen Leben führen sie 20 Jahre später durch einen Zufall (Gemälde der Chello Spielerin) zusammen. Nach und nach erfährt der Leser als Ansprechpartner der Hauptfiguren Details über jeden Einzelnen. Lesen!

  11. Cover des Buches Weltgift (ISBN: 9783902711595)
    Peter Rosegger

    Weltgift

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Nespavanje

    Peter Rosegger ist für den Österreicher ein Name, den man kennt und der polarisiert. Oft zu Unrecht wird ihm. Auch wenn man noch kein Buch oder Gedicht von ihm gelesen hat. Im Jahr 2018 jährte sich zum hundertsten Mal sein Todestag und rechtzeitig davor wurde sein eher der breiten Masse nicht bekannter Roman „Weltgift“ im neuem Gewand, also mit einem neuen Cover, herausgebracht. Dabei hält sich der Septime Verlag an der Orthografie des Originaltextes aus dem Jahr 1903. Und das allein ist schon eine Wonne, wo doch im Neuherausgeben und Übersetzungswahn oft die ursprünglichen Texte dem heutigen Standard angeglichen werden. Ein Für und Wider erhitzt die Gemüter und die Argumente beider Seiten ist Rechnung zu tragen. Das eine oder andere Wort wird man wahrscheinlich nachzuschlagen haben, aber im Großen und Ganzen ist der Text gut lesbar.

    Peter Rosegger hat ein gutes Auge für soziale Ungerechtigkeiten und entführt den Leser in eine vergangen und verloren geglaubte Welt. Er beschreibt mit seinem Roman „Weltgift“ die Umstände der damaligen dörflichen Bevölkerung und dem Gesinde, dass oft von den Bauern zu den Fabriken gewechselt ist. Er ist dabei nicht reaktionär, wie ihm wohl oft vorgeworfen worden ist und wird. Und zu seinem Unglück wurde er in der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ideologisiert.

    Aber noch etwas anderes schwingt zwischen den Zeilen und in den Details wieder: Die zarte Liebe zwischen Hadrian Hausler und dem Saberl dem Stallknecht. Das Begehren wird nicht klar formuliert. Wenn man aber weiß nach was man Ausschau halten soll und liest es im Kontext der Zeit, wo man solches Begehren wohl niemals direkt zeigen konnte, erkennt man es schon die Andeutungen. Hier ein Beispiel:

    „Da sagte Hadrian nichts mehr, ging hinaus und nahm später sein Nachtmahl für sich allein.  >>Die Pferde zieht er vor. Ich bin ihm weniger als ein Tier. Der einzige Mensch den ich lieb habe auf der Welt. Und darfs ihm nicht sagen(...).“

    Wer sich nun dem schwul-literarischen Romanen rund um die vorletzte Jahrhundertwende widmen möchte, dem kann ich auch die Erzählung „Tim“ von Howard O. Sturgis empfehlen.

  12. Cover des Buches Junger Mann (ISBN: 9783455021004)
    Wolf Haas

    Junger Mann

    (68)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Junger Mann“, das kann man direkt vorweg sagen, ist eine Wehmutsgeschichte, eine Geschichte über die Jugend, die erste Liebe. Es ist keine schlechte Geschichte, aber wer den wilden Wolf Haas kennt, den Haas von „Das Wetter vor 15 Jahren“ oder „Ausgebremst“ oder „Die Verteidigung der Missionarsstellung“, den Haas der schiefen Komik, dem wird dieses schöne Buch, trotz gewisser Schnörkel und dem ein oder anderen eigenwilligen Witz, doch allzu brav erscheinen.

    Aber eins nach dem anderen, zunächst zum Inhalt: Haas junger Mann lebt Anfang der 70er Jahre in der Nähe des Deutschen Ecks in Österreich und jobbt bereits mit zwölf Jahren an einer Tankstelle. Oft frequentiert wird diese Tankstelle von Tscho, einem Lastwagenfahrer, der oft die Strecke bis hinunter nach Griechenland fährt und in seiner Freizeit an Autos herumschraubt, Totalschäden wieder auf Vordermann bringt. Tscho ignoriert den jungen Mann, den viele wegen seiner blonden Locken und seiner fülligen Figur nur „junges Fräulein“ nennen. Als der junge Mann aber zum ersten Mal Tschos neue Freundin Elsa erblickt, ist es um ihn geschehen – er will abnehmen und er will vor allem: Elsa …

    Der in vielen anderen Büchern so originelle Haas gibt sich kaum Mühe, diesem schon oft gestrickten Plot einen eigenen Stempel aufzudrücken. All die üblichen Zutaten finden sich: leicht skurrile Figuren, Scham und Neugier des jungen Mannes, Anekdoten und Anekdötchen, schließlich eine Heldenreise, auf der sich das Erwachsenwerden einzustellen beginnt, ein dunkles Geheimnis, viel Hoffnung, viel Jugend.

    Natürlich hat jeder Autor (und jede Autorin) das Recht auch so ein Buch zu schreiben, ein leichtes, aber nicht allzu leichtes Buch, einen harmlosen, aber berührenden Entwicklungsroman light. Weder wird die Fettleibigkeit des jungen Mannes über Gebühr thematisiert, noch gibt es sonst irgendwelche größeren Konflikte. Wäre mit diesem Wort nicht auch Verachtung verbunden, die dieses Buch nicht verdient hätte, könnte man es ganz einfach mit einem Adjektiv beschreiben: seicht.

    Seicht nicht im Sinne von belanglos. Aber schon in dem Sinne: ohne Beißen und Stechen, ohne eine Spur wirklicher Tragik. Es ist eine heile Welt, die Haas da serviert, so sehr sie auch von kleinen Erschütterungen durchzogen ist. Diese Erschütterungen halten zwar den Plot in Bewegung, dringen aber nicht bis zu den Lesenden vor, die sich einfach in der schönen Spannung der Liebesgeschichte und der Abenteuergeschichte sonnen können. Warmherzig hat jemand darüber geschrieben – ja, das stimmt. Wem danach ist, wer ein solches Buch lesen will: Voila.

  13. Cover des Buches Komm, süßer Tod (ISBN: 9783499228148)
    Wolf Haas

    Komm, süßer Tod

    (212)
    Aktuelle Rezension von: martina400

    „Komm, süßer Tod“, hat der Brenner sie korrigiert.“ S. 158

    Inhalt:
    Vor dem Krankenhaus sinken zwei Liebende im Kuss zu Boden; aber nicht aus Leidenschaft, sondern wegen einem Kopfschuss. Obwohl der Brenner kein Detektiv mehr ist, beauftragt ihn sein Chef bei den Kreuzrettern zu schnüffeln und einen Mord aufzuklären. Außerdem ist die Konkurrenz bei den Rettungsbündlern im gegenwärtig.

    Cover:
    Am gezeichneten Cover erkennt man schon, dass wohl eine Prise Humor dabei ist. Außerdem ist es sehr detailreich und im Nachhinein erkennt man sehr vieles, was zur Geschichte passt.

    Meine persönliche Meinung:
    Ich hörte nur Tolles über Wolf Haas und wie genial seine Romane sind. Leider riss mich dieser Krimi nicht vom Hocker. Nostalgisch fand ich die alte Rechtschreibung und, dass alles noch in Schilling angegeben war, weil meine Ausgabe schon sooo lange im Regal stand. Auch ein Buch in österreichischer Ausdrucksweise zu lesen fand ich ganz amüsant. Gleichzeitig machte das den üblichen Lesefluss aber auch stockender. Ich kam dadurch nicht so richtig in die Geschichte rein. Durch viel belanglose und humorvolle Details lockert das den Krimi sehr auf und bringt einem trotz der Tragik zum Schmunzeln. Ich kann es gar nicht genau sagen, warum mich dieses Buch und der viel gelobte Wolf Haas nicht so mitreißen kann. Dennoch waren es nette Lesestunden und ich kann mir vorstellen, dass die Verfilmung ganz anders wirkt als das Buch.

    Fazit:
    Ein ungewöhnlicher Kriminalroman mit einer Mischung aus Humor, Betrug und Mord.

  14. Cover des Buches Wenn einer einen Mord begeht (ISBN: 9783709978436)
    Peter Wehle

    Wenn einer einen Mord begeht

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Autor Peter Wehle lässt Hofrat Ludwig „Luzi“ Halb nun schon zum dritten Mal ermitteln.

    Inhalt:

    Während sich Hofrat Halb für den Nikolo-Auftritt im Kindergarten seines Wahlenkels vorbereitet, wird die eine Tote gefunden. Das wäre an sich nichts Ungewöhnliches, wenn, ja wenn da nicht die auffällige Ähnlichkeiten mit einer nicht geklärten Mordserie an Prostituierten aus den Jahren 1990/1991 wären. Der, der Morde Verdächtige, ein Zuhälter mit dem Spitznamen „Spitzhuf-Johnny“ ist niemals gefasst worden.
    Das Team um Hofrat Halb beginnt die alten Fälle aus dem Archiv zu kramen, als weitere Frauen tot aufgefunden werden. Alle, wie seinerzeit, mit einer, mit einem besonderem Parfum gefüllten, Spritze. Ein aufgemaltes Zeichen, das Ähnlichkeiten mit einem Gaunerzinken hat, ist auf den aktuellen Toten zu finden, genauso wie ein Zettel mit einem Datum.

    Was will der Täter damit sagen? Sind diese Hinterlassenschaften Hinweise auf den damaligen Mörder?

    Während sich Halb und seine Mitarbeiter auf die Suche nach den Zusammenhängen machen, muss sich Ludwig noch zusätzlich mit der Organisation der Geburtstagsfeier seines pensionierten Vorgänger Gerolf Wolf, genannt Grolf, herumschlagen. Grolf, inzwischen achtzig Jahre alt und todkrank, war seinerzeit der leitende Ermittler und von „Spitzhuf-Johnnys“ Schuld überzeugt.

    Doch war der Zuhälter wirklich der Prostituiertenmörder?

    Erzählstil/Spannung:

    Peter Wehle ist ein Meister des schwarzen Humors. Immer wieder gibt er seinen Lesern Kostproben davon. Statt Tablet heißt es z.B. „Computerbrettl“.

    Er versteht es auch, Spuren zu legen, diese wieder zu verwerfen und eine andere Witterung aufzunehmen. Grolf nennt ihn deshalb auch „Trüffelschnecke“. Überhaupt sind Spitznamen ein Markenzeichen in dieser Krimi-Serie. Vielleicht ist der eine oder andere nur Österreichern geläufig.

    Liebevoll nimmt er die Titelsucht der Österreicher aufs Korn.

    Charaktere:

    Herausragend wie immer, Hofrat Ludwig „Luzi“ Halb, der nicht nur als Ermittler sondern auch als Eigentümer eines Zinshauses seinen Mann stehen muss. Er bedient sich immer wieder seiner zahlreichen Kontakte, die manchmal auch auf der anderen Seite des Gesetzes stehen.

    Johann Parcher, genannt „Spitzhuf-Johnny“ ist so etwas wie ein „ehrenhafter“ Zuhälter. Ja, ok, er hat seine Damen immer wieder eingeschüchtert, manchmal auch verprügelt, aber getötet, nein, umgebracht hat er sie nicht. Wer schlachtet das Huhn, das goldene Eier legt?

    Ein schrulliger Charakter ist Gerold Wolf, allen unter dem Spitznamen „Grolf“ bekannt. Ständig grantelnd und grollend, hat er sich während seiner Dienstzeit wenig Freunde gemacht. Sein Ausspruch „Leichengeile Schweine“ bei einer Pressekonferenz hat seinen Abgang in die Pension beschleunigt.

    Fazit:

    Ein humorvoller Wien-Krimi aus der satirischen Feder von Peter Wehle. Ich warte auf den nächsten Fall.
  15. Cover des Buches Walter muss weg (ISBN: 9783462054255)
    Thomas Raab

    Walter muss weg

    (110)
    Aktuelle Rezension von: sleepwalker1303

    Zu Thomas Raabs „Walter muss weg“ bin ich eher zufällig gekommen. Eigentlich habe ich es mir nur deshalb ausgesucht, weil mein Mann Walter heißt. Nicht, dass dieser wegmüsste, aber, naja. Bei dem Buch war ich mir auf jeden Fall lange nicht sicher, ob es nicht auch wegmuss. Selten bin ich so schlecht in ein Buch hineingekommen, wie in dieses. Dabei fand ich die Idee hinter der Geschichte wirklich gut.

    Aber von vorn.              

    Die 70jährige Hannelore Huber wohnt im (fiktiven) Ort Glaubenthal und hat nach 53 Ehejahren ihren Mann Walter verloren. Jetzt möchte sie ihn beerdigen, so wirklich traurig ist sie nicht über sein Dahinscheiden. Und dann die Überraschung: im Sarg liegt bei der Beisetzung nicht ihr Mann, sondern der Bestatter selbst. Und der Rest des Buchs handelt von der Suche nach der „richtigen“ Leiche und den Hintergründen.

    Es war mein erstes Buch von Thomas Raab, vermutlich aber auch mein letztes. Ich konnte mich weder mit seiner Sprache noch mit dem Aufbau des Textes so wirklich anfreunden. So tat ich mich mit Aufzählungen (durchnummeriert oder mit „Bullet-Points“) oder gar einer Tabelle zur Bildung des grammatikalischen Passivs in einem Roman/Krimi wirklich schwer. Und sowohl sein Satzbau als auch die Länge seiner Sätze machten mir die Lektüre nicht einfacher. Es gibt hauptsächlich entweder sehr lange verschachtelte Sätze oder hingeworfene Fragmente. Dieses Buch erfordert sehr viel Konzentration beim Lesen und ich war ein paar Mal kurz davor, die Lektüre abzubrechen.

    Die Charaktere waren zahlreich und schrullig, mir aber alles in allem zu blass und eindimensional.  Einige der beschriebenen Charaktere sind sehr gut gelungen, vor allem natürlich die Hauptfigur, aber auch der zehnjährige Kurti und die fünfjährige Amelie, letztere war mit ihrer altklugen Art ein Lichtblick für mich. Andere Figuren bleiben aber leider recht blass, da legt der Autor sehr viel Augenmerk auf Schrullen und insgesamt fiel es mir schwer, die vielen Personen auseinander zu halten. Vor allem der Dorfpolizist und der Bürgerdoktor waren für mich einfach nur nervig. Und wo Frau Huber wirklich „ermittelt“ kann ich auch nicht sagen, hauptsächlich unterhält sie sich mit unzähligen Leuten.

    Für einen Krimi fand ich das Buch auch sehr schwach auf der Brust. Wirkliche Spannung kam für mich nicht auf, eher Langeweile und Verwirrung, oft verlor ich den Faden, musste zurückblättern und nachlesen. Als Persiflage auf einen Krimi taugt das Buch für mich allerdings auch nicht, dafür ist es zu durcheinander, die Personen zu blass und die Handlung zu träge. Ich bin ein großer Freund schwarzen Humors, manchmal brachte mich das Buch auch zum Lachen, aber eher selten. Denn der Grat zwischen schwarzem Humor und Verbitterung ist sehr schmal und für mich hat der Autor den Ton allzu oft nicht getroffen und rutscht in einen eher schalen Witz ab.

    Alles in allem habe ich das Gefühl, der Autor hat einfach zu viel gewollt und das Buch hoffnungslos überladen. Schade. Denn die Idee ist wirklich toll und das Buch hätte das Potential zum echten Highlight gehabt. Einzig der Schluss konnte mich wirklich begeistern, was aber nach 58 Kapiteln meine Laune auch nicht mehr heben konnte. Von mir daher zwei Sterne und für den Rest der Serie kann die Huberin gerne ohne mich ermitteln.

     

  16. Cover des Buches Bevor wir verschwinden (ISBN: 9783709934333)
    David Fuchs

    Bevor wir verschwinden

    (42)
    Aktuelle Rezension von: LadySamira091062



    David Fuchs erzählt die Geschichte von Ambros,der an einem bereits weit fortgeschrittenem Krebs leidet und Benjamin , Student der Medizin und Ambros Ex-Freund.
    Beide haben sich seit ihrer Trennung in der Jugend nicht mehr gesehen . Benjamin ist sehr überrascht auf den sterbenden Freund zu treffen und seine Gefühle geraten gerade etwas ausser Kontrolle, denn es fällt ihm nicht leicht die berufliche Distanz zu wahren ,die er als behandelnder ,angehender Arzt eigentlich haben sollte.
    Benjamin versucht im rahmen seiner Möglichkeiten Ambros wieder näher zu kommen und ihm noch einige seiner Wünsche zu erfüllen.Seine kleinen Ausflüge mit Ambros scheinen keinerlei Konsequenzen zu haben ,was in der Realität eher nicht sein kann auch wenn Dr Pomp alle Augen zu drückt.

    Der Stil des Buches ist für Menschen ,die nicht im medizinischen Bereich arbeiten oft etwas makaber, denn Benjamin und Dr Pomp haben manchmal einen makaberen Humor ,den man sich in diesem Berufszweig oft zu eigen macht um nicht alles immer zu nah an sich ran zu lassen und was dazu führen kann ,das Außenstehende das falsch verstehen.Doch jeder der in der Onkologie bzw . dem Krankanhaus allgemein arbeitet legt sich im Laufe der Zeit einen Panzer zu ,der sich öfters in recht schwarzem Humor oder makaberen Geschichten ausdrückt um mit dem mannigfaltigen Sterben zu recht zu kommen .
    Was mir allerdings gefehlt hat waren Emotionen und tiefergehende Gefühle. Wenn man nicht erfahren hätte das beide eine Beziehung zu einander gehabt hatten,dann hätten das auch genau so gut die Taten einer mitfühlenden Pflegeperson gewesen sein können. Von daher bin ich doch enttäuscht über die eher beiläufige Schilderung der Geschichte von der ich mir mehr erwartet habe




  17. Cover des Buches Der Hammer (ISBN: 9783499274275)
    Dirk Stermann

    Der Hammer

    (6)
    Aktuelle Rezension von: literat

    Kurz und knapp - ich fands toll. Ich habe viel über Wien und die Habsburger gelernt. Einiges über die französiche Revolution udn die Reaktion darauf in Eurpoa und natürlich über Orientalistik. Der Hammer war mir auch immer sympathisch, trotz oder gerade wegen seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung und Arroganz. Manchmal fand ich einige Passagen etwas schwerfällig und lang (Wien stank :)

  18. Cover des Buches Der Ameisenhaufen (ISBN: 9783990500538)
    Vera Russwurm

    Der Ameisenhaufen

    (30)
    Aktuelle Rezension von: LeseratteAnna1986
    "Der Ameisenhaufen" ist eine neue TV-Show, doch vor dem Start der Dreharbeiten in Wien wird das hohe Preisgeld von 1 Millionen Euro gestohlen und nun sollen aus Kostengründen "freiweillige" Mitarbeiter der Produktionsfirma als Kandidaten antreten...
    Mit der Hauptperson Jonas identifiziert man sich recht schnell, er wird sehr sympathisch dargestellt und man fiebert gleich mit ihm mit.
    Die Story gibt den stressigen Alltag der Fernsehwelt gut wieder.
    Das Buch lässt sich gut lesen, weil es in kurze Kapitel aufgeteit ist. Die Autorin schreibt lebendig und führt ihre Leser mit interessanten Schilderungen in die Welt der Medien ein. Zusammenfassend fand ich das Buch nicht schlecht, aber wird mir jetzt wahrscheinlich  nicht weiter in Erinnerung bleiben und auch nicht zu meinen Lieblingsbüchers zählen.
  19. Cover des Buches Die Königin schweigt (ISBN: 9783442717057)
    Laura Freudenthaler

    Die Königin schweigt

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Das Leben verschwindet schon, bevor es endgültig geht. Immer weniger fällt auf fruchtbaren Grund und die vielen Erinnerungen wiegen sich in einem nachlassenden Wind. Über das Ende des Lebens und die lange Strecke der Erinnerungen hat Laura Freudenthaler ein berührendes Buch geschrieben:

    „Die Königin schweigt“, das Portrait einer alten Frau, die versucht sich in ihrem Alltag einen Rest an Gewohnheit zu bewahren, sich nicht von den nahenden Einschränkungen erdrücken zu lassen, während die Zeitebenen in ihr bereits verschwimmen und sie fast unfreiwillig immer wieder auf ihr Leben zurückblickt, sich in ihr einstiges Leben zurückträumt.

    Als Tochter eines Bauern wuchs sie in einer kleinen Gemeinde auf, zusammen mit einem älteren Bruder. Die Kindheit wird überschattet und geprägt von der dominanten Figur des Vaters. Sie lässt die Eltern und den Hof auch dann noch nicht ganz hinter sich, als sie den Dorfschullehrer heiratet, der auch in der Politik vor Ort mitmischt und sich bald als nicht ganz so glanzvolle Figur entpuppt …

    Schnörkellose Darstellung und doch einfühlsame Schilderung machen aus „Die Königin schweigt“ ein rundum nachvollziehbares literarisches Erlebnis der besonderen Art. Kaum je zuvor hatte ich das Gefühl, der Idee eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert so nah zu kommen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

  20. Cover des Buches Tot bist du mir lieber (ISBN: 9783709972564)
    Edith Kneifl

    Tot bist du mir lieber

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Edith Kneifl stellt uns in ihrem neuen Krimi ein (Privat)Ermittlerteam mit drei höchst unterschiedliche Frauen vor. Doch eines haben sie gemeinsam: sie wollen sich nicht mehr von Männern unterkriegen lassen. Jede hat so ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Gute, wie schlechte.

    Magdalena, ihres Zeichens angehende Privatdetektivin, nimmt den lukrativen Auftrag von Britta, einen Betrüger und Herzensbrecher, ausfindig zu machen an. Ein leichtes Spiel für unsere Damen? Mitnichten! Obwohl sie sich in allerlei Datingplattformen einloggen, scheint der Betrüger immer einen Schritt voraus.

    Als dann zwei frühere Opfer des Mannes tot aufgefunden werden, ist Schluss mit lustig.

    Werden sie den Mann vor der Polizei finden und unschädlich machen können?

    Edith Kneifl lässt ihre Damen in unmittelbarer Nähe zum Wiener Nachmarkt wohnen und recherchieren. Viel Lokalkolorit und die Beschreibung des bunten Markttreibens ergänzen die humorvolle Tätersuche.  Schön beschrieben ist das "Majolika-Haus", das eine Zierde des Wiener Jugendstil ist.

    Die Damen dürfen gerne neue Fälle übernehmen. 4 Sterne.

      

  21. Cover des Buches Wald (ISBN: 9783499267871)
    Doris Knecht

    Wald

    (60)
    Aktuelle Rezension von: AntjeDoehring

    ... hat nicht nur die in einem heruntergekommenen Haus am Rande von nirgendwo, irgendwo in Österreich. Es "passiert" nicht viel - die wahre Handlung spielt sich eher in den kleinen Vorkommnissen, verschränkt mit Rückblenden und Reflektionen ab. Das erzeugt Dichte.
    Doris Knecht erhebt ein paar interessante Fragen übers "Prostituieren" - sei es nun als alerte Businessfrau, als Angestellte ... oder Ehefrau / Geliebte? Schön unkonventionell wird auch die Annäherung der Protagonistin und ihrem lokalen "Gönner" beschrieben, die in keine übliche Schublade passt. 

  22. Cover des Buches Helden für immer (ISBN: 9783896562685)
    Markus Jäger

    Helden für immer

    (3)
    Aktuelle Rezension von: kupfis_buecherkiste

    Noch gar nicht so lange her, kam ich mit Markus Jäger auf einer sozialen Platform in Kontakt. Ich folgte ihm zwar schon länger sehr neugierig, aber wie das ja öfters so ist: ich hatte noch nichts von ihm gelesen. Als ich dann ein Rezensionsexemplar von ihm bekam, habe ich mich sehr darüber gefreut, und war sehr neugierig auf die Geschichte „Helden für immer“.

    Felix und Kilian lernen sich in einer Zeit kennen, die von sehr sehr konservativen Weltbildern bestimmt ist. Gleichgeschlechtliche Liebe ist verpönt und wird sogar strafrechtlich verfolgt. Und so müssen die beiden eine Beziehung im Geheimen führen: so entwickeln beide eine lebenslange Angst, dass ihre Liebe entdeckt werden könnte, und sie dadurch bestraft oder verfolgt werden könnten.

    Und doch, oder gerade deswegen trotzen sie aller Gefahren, die diese große Liebe mit sich bringt. Während von den Familien, von denen sie eh früh getrennt werden, kein Rückhalt zu erwarten ist, finden sie unerwartete Hilfe bei Freunden, die sie sehr lange begleiten werden. Doch diese Liebe ist auch geprägt von Angst und Flucht. Immer wieder müssen sie sogar überstürzt ihren aktuellen Wohnort verlassen, und so finden beide etwas Entspannung über den großen Teich. So entpuppt sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für die beiden als große Sicherheit, mit der sie erstmal lernen müssen zumzugehen. Der Wille, sich die Freiheit zu erkämpfen, wird von Erfolg gekrönt. Felix wird als erfolgreicher Autor gefeiert, und Kilian stärkt ihm den Rücken. Und ihre Umgebung geht sehr entspannt mit ihrer Liebe um. So können beide – trotz Höhen und Tiefen – eine Liebe bis zum Schluss leben.

    Während ich am Anfang etwas Startschwierigkeiten hatte, mich in Markus Jägers Schreibstil einzufuchsen, fesselte mich der Schreibstil später umso mehr. Teils abschweifend, wirkt es teilweise, dass die eigentliche Geschichte gar nicht so vorangetrieben wird. Und doch: die Umwege, die am Anfang gegangen werden, sind elementar für diese Liebesgeschichte. Und so erzählt Jäger nicht nur die reine Geschichte von Felix und Kilian, sondern auch die Geschichte eines Kampfes um die Freiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe über Grenzen hinaus, der auch heute ebenso wichtig ist trotz aller Erfolge. Mir persönlich hat dieser geschichtliche Streifzug sehr gefallen. Auch der Hinweis eines Protagonisten, dass ihn die Liebe Kilians und Felix‘ an die Liebe seiner Eltern erinnert hat, fand ich sehr treffend.

    Was genau macht die Liebe aus? Dass man sich auch in schlechten Zeiten liebt trotz aller Zweifel? Dass man an ihr arbeitet, und dem anderen auch seinen Erfolg gönnt? Die Liebe, die Markus Jäger beschreibt, hat mich ebenso an die Liebe meiner Eltern und Großeltern erinnert. So wurde gezofft, gestritten, die Meinung des anderen zerpflückt, und am Ende des Tages saßen beide doch wieder Händchen haltend zusammen, und haben sich vertragen. Und so wurde sich um den anderen bis zum letzten Atemzug gekümmert. Und dafür ist es schlicht und ergreifend schnurz egal, wer hier wen liebt.

    Markus Jägers Geschichte über Kilian und Felix kommt ohne Kitsch aus. Die Protagonisten hätten auch Ilse und Erna, oder Maximilian und Petra heißen können. Die Geschichte hätte nebenan geschehen können. Und das macht sie so glaubhaft und liebenswert. Egal welchen Weg ein Liebespaar geht, sie sind Helden ihres eigenen Alltags, der gemeinsam bestritten werden muss.

    Vielen Dank an den Autor und seinen Verlag quer Verlag für dieses zauberhafte Buch!

  23. Cover des Buches Wo das Licht herkommt (ISBN: 9783701182084)
    Clementine Skorpil

    Wo das Licht herkommt

    (71)
    Aktuelle Rezension von: Katja_Nadine

    Material
    Das Buch ist ein Hardcoverbuch und liegt super angenehm in der Hand, da es hochwertig verarbeitet ist, aber gleichzeitig nicht so dick ist, dann es schwer ist es mit einer Han dazu halten. In der Innenseite ist auch ein Papier verarbeitet, welches „Riffle“ hat und dadurch qualitativ nochmals hochwertiger wirkt.


    Cover und Kapitellänge
    In das Buchcover bin ich ja ein bisschen verliebt. So wunderschön schlicht und mit dezenten Farben. Dazu eine Blumenranke. Die Kapitel sind nicht super kurz, aber auch nicht lang. Also ideal um das Buch auch mal zwischendurch in die Hand zu nehmen.


    Inhalt
    Zuerst habe ich ein wenig gebraucht, um mich in das Buch einzufinden, aber dann habe ich es echt gerne gelesen. Der Schreibstil war zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann gut zu lesen. Auch die Schriftgröße war angenehm. Die circa 280 Seiten kann man gut an einem oder zwei Tagen durchlesen. Die Geschichte wird immer spannender, wenn es auch hin und wieder kurz einen kleinen Spannungshänger gab.


    Fazit
    Ein toller Roman, der auf seichte Art und Weise tiefgründige Themen hinterfragt. Man kann definitiv schlechtere Romane lesen.

  24. Cover des Buches Die Rückkehr (ISBN: 9783442717941)
    Ernst Lothar

    Die Rückkehr

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Wuschel

    Nachdem ich dieses Buch jetzt über ein Jahr lang von einer Hand in die andere genommen habe, habe ich mich entschlossen es nun wieder ins Regal zu stellen. Ich muss gestehen, dass mich die Geschichte gemäß Klappentext wirklich sehr interessiert, aber vom Stil her möchte ich es Felix gleich tun und flüchten. Nicht nur, dass ich sprachlich teilweise stolperte, damit könnte ich ja sogar noch leben, denn ich wusste ja auf was ich mich einlasse. Nein, es waren eher die Dialoge oder manche Gegebenheiten. 

    Bei den Dialogen fühlte es sich des Öfteren an wie eine Konversation mit meiner Kollegin. Ich erkläre ihr einen Sachverhalt und sie versteht irgendwas von Pfannkuchen woraufhin sie Rezepte aufzählt (überspitztes Beispiel), wo ich mir denke: Was zur....? Und das passierte leider mehr als einmal. Da ich im Alltag schon nicht mit solchen Situationen klar komme, fand ich es beim Lesen noch anstrengender. Bei den Gegebenheiten fällt mir ein Beispiel, recht am Anfang ein und somit fast frei von Spoiler. Hier kommen Dinge abhanden von verschiedenen Personen. Die Tante sorgt dafür, dass ihre zurück gebracht werden, aber der Neffe tangiert sie so gar nicht. Warum?! 

    Fazit:

    Wie gesagt, ich wollte das Buch wirklich mögen. Ihm eine Chance geben, mehrfach, aber leider sprang der Funke nicht über. Vielleicht werden wir irgendwann zueinander finden, ich hoffe es sehr.

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