Bücher mit dem Tag "okkultismus"
57 Bücher
- Robin Jarvis
Dancing Jax – Auftakt
(334)Aktuelle Rezension von: funnyshinydayIch habe das Buch in einem offenen Bücherschrank entdeckt. Der Klappentext und die Aufmachung haben mich neugierig gemacht. Mir war zu Beginn auch gar nicht klar, dass es ein Jugendbuch ist. Ich habe dann begonnen zu lesen und die Grundidee ist super, es ist flüssig und anschaulich geschrieben. Ich war aber mehrmals davor es abzubrechen, weil gerade die Teile die in der Parallelwelt spielem, für mich etwas stereotype und hölzern zu lesen waren. Ich bin dann aber doch drangeblieben und das Ende hat mich dann so neugierig gemacht, dass ich mir gleich Band 2 und 3 gekauft habe 😁
- Umberto Eco
Das Foucaultsche Pendel
(360)Aktuelle Rezension von: rtogewie man ein 830 Seiten Buch schreiben kann, bei dem ein Hauch von Handlung erst ab ca. Seite 600 einsetzt.
Hinzu kommt, dass man beim Lesen dieses Buches auch immer ein Wörterbuch dabei haben muss, da recht häufig Fachtermini verwendet werden.
Des Weiteren begegnet man auch immer mal wieder Sätzen auf Französisch und Latein die den Lesefluss weiter stören.
Ich habe "Der Name der Rose" schon als sehr 'mid' empfunden, aber "Das Foucaultsche Pendel" war noch eine ganze Spur langweiliger.
Ich werde auf jeden Fall keine weiteren Werke von Eco lesen. Zweimal Langeweile reicht dann auch. - Libba Bray
Diviners – Aller Anfang ist böse
(363)Aktuelle Rezension von: Buch_VersumIch habe mich sehr auf das Buch gefreut, besonders das Setting hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht. New York 1926 strahlt und zieht in seinen Bann.
Besonders Evie sticht sofort heraus. Sie hat sich zu Hause fehl am Platz gefühlt. Bei ihrem Onkel kann sie endlich ihr Talent nutzen. Wobei dadurch natürlich die Gefahr immer näher rückt.
Nicht zu vergessen: Sam, der Gelegenheitsdieb, der ihr viel zu nahekommt, hat mich in dieser Konstellation sehr fasziniert.
Was soll ich sagen, sie sind gemeinsam eine tolle Einheit.
Wo die Magie, das Konstrukt alles steigert, wird Jagd nach dem Täter spannungsgeladen.
Sprich: die perfekte Mischung für (m)ein einnehmendes Lesevergnügen.
Wo auch Humor und schlagfertige Austausche nicht fehlen dürfen.
Ich kann euch sagen, ihr werdet verstrickt sein, es nicht aus der Hand legen und euch nach mehr sehnen.
Das Buch verspricht ein spannungsgeladenes, fantasievolles Werk zu sein, bietet beeindruckende Charaktere, die sich einem sehr schnell ins Herz schleichen.
Ich bleibe daher gut unterhalten und von der Stärke der Protas beflügelt zurück.
Ein toller Einstieg in die Reihe, die viele Persönlichkeiten geboten hat, die hoffentlich bald ihr eigenes Werk erhalten.
- Markus Heitz
Die Schwarze Königin I
(246)Aktuelle Rezension von: ElOlorDeUnLibroLen verbringt eine Busreise in Prag und lernt die Geschichte der ungarischen Königin Barbara kennen, die als "schwarze Königin' bezeichnet wurde und die als Vampirin in die Geschichte einging - dich schnell stellt sich heraus, dass auch Len und seine Vorfahren nicht die sind, die sie zu sein scheinen. Und auch die Mythen über die Blutsauger scheinen alle wahr zu sein...
Meine Meinung:
Hmmm, also ich fand dje Grundidee durchaus spannend, aber die Umsetzung hat für mich leider nicht funktioniert und das aus mehreren Gründen.
Erstens: Die Zeitsprünge habe ich ehrlich gesagt im Hörbuch nicht kapiert bis ich aufs Buch umgestiegen bin und auch das Glossar war für mich elementar wichtig, um die Geschichte zu verstehen - so war das Hörbuch schonmal für mich ungeeignet und ich konnte damit die Geschichte nicht verfolgen.
Zweitens: Da ich aber nun mit dem Hörbuch gestartet bin und die ersten 20% gehört habe, habe ich offensichtlich viele Infos zu Beginn nicht kapiert und wollte das Buch dann aber auch nicht nochmal von vorn beginnen - heißt, auch der Umstieg aufs Buch fiel mir schwer.
Drittens: Ich komme mit diesem gewollt altertümlichen Schreibstil nicht klar. Ja, ein Großteil der Handlung spielt im 15. Jahrhundert, aber das heißt nicht, dass ich die Sprache von damals dann auch so lesen will - machen historische Romanautoren wie zb Ken Follet ja auch nicht, dass es dann außerhalb der wörtlichen Rede immer noch altertümlich klingt.
Viertens: Mir waren es zu viele Charaktere - aber das lag vorrangig an der Problematik von erstens und zweitens...
Fazit: Ich konnte mich nicht in die Geschichte fallen lassen und wirklich abtauchen. Man merkt, es ist toll recherchiert und Heitz stellt in seiner Fiktion durchaus Bezüge zu realen historischen Ereignissen her - tolle Grundidee. Aber mich konnte leider die Umsetzung nicht überzeugen. Schade.
- Markus Heitz
Die Villa
(204)Aktuelle Rezension von: AgnesMEine Villa für einen Schnäppchenpreis? Klingt erstmal nach einem Glücksgriff … oder vielleicht doch nicht?
Doreen und ihre Tochter Marina haben es bisher nicht gerade leicht im Leben. Als sie bei einer Zwangsversteigerung jedoch überraschend den Zuschlag für eine alte Villa in Leipzig bekommen, scheint sich ihr Leben endlich zum Guten zu wenden. Doch der Weg in ihr neues Zuhause ist alles andere als unkompliziert und schon bald merkt man, dass mit der Villa etwas nicht stimmt.
Erzählt wird in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen, die nach und nach miteinander verbunden werden. Genau das hat mir richtig gut gefallen. Besonders spannend fand ich es, die verschiedenen Protagonisten zu begleiten, ihre Handlungen zu verfolgen und herauszufinden, was sie mit der Villa verbindet und was es eigentlich mit dieser Villa auf sich hat, denn die Villa ist definitiv mehr als nur ein altes Haus. Dort passieren Dinge, die teilweise für ordentlich Gänsehaut sorgen. Manche Szenen sind heftig, andere wiederum ziemlich überspitzt, aber gerade diese Mischung hat für mich den Reiz der Geschichte ausgemacht. Die Villa hat ihren ganz eigenen Einfluss auf die Menschen und was genau dahintersteckt, möchte ich natürlich nicht verraten.
Ich muss allerdings sagen, dass ich zu Doreen und ihrer Tochter Marina nicht den ganz großen persönlichen Zugang gefunden habe. Das hat mich aber überhaupt nicht gestört, weil mich das Geschehen rund um die Villa dafür umso mehr gepackt hat. Besonders die düstere Atmosphäre, das Setting und die Ereignisse innerhalb der Villa haben mir richtig gut gefallen.
Der Schreibstil von Markus Heitz ist flüssig und angenehm zu lesen. Ich mochte die Überraschungsmomente, die Entwicklung der Geschichte und vor allem die Atmosphäre. Ein kleines bisschen mehr Tiefe bei den Figuren hätte für mich zwar nicht geschadet, aber „Die Villa“ ist nun einmal ein Horrorroman und lebt für mich vor allem von Grusel, Brutalität, Schockmomenten und einer guten Portion Fantasy und Gothic Horror. Und genau das hat für mich ziemlich gut funktioniert.
Wer Lust auf eine düstere Geschichte mit einer geheimnisvollen Villa, Gänsehautmomenten und einigen überraschenden Wendungen hat, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
- Marisha Pessl
Die amerikanische Nacht
(175)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Romane sind tiefe Blüten, in denen ein Kelch in die Sinne der Wirklichkeit führt."
Jean Améry
Die meisten Romane beginnen schlicht und behutsam, wie ein neuer Tag oder ein Regenschauer; unspektakulär breiten sie ihr Umfeld aus und führen in die Figuren und Ebenen der Handlung ein. Doch schon der Anfang, der Prolog, von Marisha Pessls "Die amerikanische Nacht" ist wie die erste Einstellung eines mit Sog angereicherten Films - ein stummer, tiefer Paukenschlag – eine Reise quer durch Worte, Schatten und Nacht.
"Was auch immer Sie von Cordoba halten, egal wie besessen Sie von seinem Werk sind oder wie gleichgültig es Ihnen ist - man muss sich gegen ihn zur Wehr setzen. Er ist ein Abgrund, ein schwarzes Loch, eine unbestimmte Gefahr, der erbarmungslose Ausbruch des Unbekannten in unserer überbelichteten Welt."
Darin: der erste Funken des Themas: Cordoba, die vielleicht gewagteste und gelungenste Erfindung diese Romanjahres, perfekt zwischen Fiktion und Realität angesiedelt, in Szene gesetzt durch ins Buch eingefügte Artikel, Blogeinträge, Anekdoten - und den Sog der Geschichte selbst. Eine Geschichte über Selbstmord, Fiktionen, Lügen, Hexerei, eine Geschichte auf der Suche, der Spur nach der Wahrheit und im Bann einer hypnotischen Idee von Leben als einem wandelbaren Blick auf die Wirklichkeit...
Wer ist Cordoba? Ein Regisseur der Nacht und der menschlichen Abgründe, ein zurückgezogen lebendes Genie, das in seinem Werk über die Dunkelheit in uns allen meditiert; über diese Spule der Finsternis, die in uns abläuft und -läuft, die in uns ist, wie eine mit unheimlichen Melodien gefüllte CD in einem lange vergessenen Discman, den man sich eines Tages aufsetzt und von der Musik wie von einer berauschenden Erhebung, einem Schwimmen in traumtiefen Gewässern getroffen wird. Und bei der man sich fragt, ob sie eine reale Macht hat, auch, wenn man die Kopfhörer wieder abnimmt. (Wie) Verändert alles, was wir erleben, unser (Er)Leben?
"Denn jeder von uns hat eine Kiste, eine dunkle Kammer, in der er das verwahrt, was sein Herz durchbohrt. Sie enthält das, wofür wir alles tun würden, das, nachdem wir trachten, für das wir alles um uns herum verletzen würden. Und wenn wir sie öffnen könnte, würde uns das befreien?. Nein. Denn das wirklich ausbruchsichere Gefängnis mit dem nicht zu öffnenden Schloss ist unser eigener Kopf."
So weit zum düsteren Umhang dieses Romans, der geschickt subtile Spannung mit Ästhetik, vielen Ideen und einem ständigen Neubewerten der Perspektiven verbindet. Es ist eine Geschichte wie ein Abenteuer und doch ist auch eine lange, sich herauskristallisierende Botschaft über die Realität der Träume und die Träume der Realität, und das, was dahinter ist, wartet, unerreichbar, weil die Träume der Weg dahin, dieses Ding aber nicht das Ziel ist.
Ich habe mich, nach einer atemberaubenden Lektüre der 790 Seiten, schwer damit getan, das Buch aus den Händen zu legen. Das liegt zum einen an der wirklichen brillanten Erfindung, die Pessl ins Zentrum ihres Romans gestellt hat: dieses Symbol eines Künstler, in dessen Widerschein all die Fragen nach authentischer und vollendeter Kunst, in Verknüpfung mit Leben, Ethik und Wirklichkeitssinn, mit Sein und Darstellung, zu Tage treten und in der sich die allgemeine Verzerrung des Wirklichen durch Fiktion, Internet, Meinungen und Mythos so anschaulich zeigt, wie es nur selten umfassend gelingt, wenn man es nicht durch das vielschichtige Erleben einer gut erzählten Geschichte aufbereitet.
Wirklich gut erzählt, denn Marisha Pessl ist zugleich eine wunderbare Stilistin, die Spannung, Ruhe und Nähe, aber auch ein Aufleuchten vollendeter Bildschönheit im Vergleich, erreichen kann. Eine kleine Kostprobe:
"Der Morgen schien den Himmel müde mit einem Schwamm abzuwaschen, er tauchte die Straßenschilder und Frontscheiben in ein trübes Badewasserlicht, während der Rhythmus des Highways unter den Reifen pochte."
Immer wieder hat sie einen impressionistischen Blick für die Umgebung, die Stimmung, und man fühlt sich im ganzen Buch jederzeit wie in einer gelungenen Kulisse, in der nie zu wenige und nie zu viele Details anwesend sind, in der die Lesevorstellung eine Anregung, einen Rahmen, aber keinen Käfig hat; manchmal erzählt sie ganz unverfänglich dahin - und dann ist es wieder so, als würde das Buch plötzlich unserem Herzschlag lauschen und ihn Stück für Stück mit neuen Impulsen füttern. Man würde nicht von einem hochgestochenen oder kunstvollen Werk reden, aber von einem sehr sprachbewussten Roman, der in jeder Szene genau weiß, was er will und was er kann, was er sagt und was besser ausdeutbar bleibt; wo also wir selbst entscheiden müssen welches Erleben der Augenblick in uns nachvollzieht.
Pessl hat ihren Roman und auch ihre Hauptfiguren etwas zwischen die Stühle gestellt. Bolano, Auster, Kafka - ein paar Namen fallen einem am Rande als Verwandtschaft zu diesem und jenem Augenblick, dieser oder jener Struktur ein, wenn man ihr Buch durchwandert. In seiner Konsequenz und seinen vielen Ebenen ist das Buch jedoch eine sehr eigenständige Schöpfung, auf gewisse Weise einfach und doch sehr innovativ in der Wirkung. Das Gespinst aus Figuren, Ansichten und Entdeckungen, hat dabei immer etwas von einer Balance aus Schein und Suggestion, in welchem sich sehr selten ein Moment ergibt, den man ganz real nennen kann, was wohl auch daran liegen mag, das der Roman aus einer Ich-Erzähler-Perspektive erzählt wird und alle anderen, auch die beiden anderen Hauptfiguren, nie ganz die Fülle eines durchschaubaren Charakters erreichen. Über das ganze Buch ist diese Stimmung der Nacht und ihrer fließenden Grenzen gelegt, als hätten wir den eindringlichen, somatischen Prolog, mit seinem fesselnden Eindruck, nie verlassen.
Bei all dem ist das Buch keine letzte Konsequenz, auch wenn man es atemlos liest und für die paar Stunden, in denen man dieses Buch liest, existiert auch wenig anderes. Aber es ist mehr wie ein guter, düstrer, eindringlicher Film, als ein Roman, der vorhat, sich am Ende selbst zu erfassen. Er bleibt ein ausdeutbares Spiel mit vielen, vielen Möglichkeiten - und es ist dieses Spiel der Möglichkeiten, das ihn so großartig macht und ihn uns immer wieder neu betrachten, einschätzen lässt. Man ist gefangen in der Lektüre (beinahe im wahrsten Sinne des Wortes) wie einem Labyrinth - doch es geht nicht darum, den Ausgang zu finden, sondern zu erkennen, das manche Phänomene, vielleicht sogar das Leben selbst, eben ein Labyrinth sind.
Das Leben hält uns immer wieder einen ganz anderen Herzschlag hin. Wir gehen durch Zeiten, Stimmungen und Tage und wir verändern uns und die Welt verändert sich. Immer wieder können wir Erfahrungen machen, außergewöhnliche Erfahrungen. Zu diesen gehört Marisha Pessels Roman "Die amerikanische Nacht". Für mich ist es das Buch des Jahres.
"My films are just stories. But that's all we have. The stories we tell others and the stories we tell ourselves. When you talk to the elderly, men and women at the end of their lives, yous see that's what's left behind as the body disintegrates. Our Stories. Our Children will decide whether or not to keep telling them." - Libba Bray
Diviners – Die dunklen Schatten der Träume
(64)Aktuelle Rezension von: Jo_CobaltDie Diviners in New York werden in eine mysteriöse Situation hineingezogen und wir lernen neue Diviners kennen und unsere bisherigen Charaktere noch besser. Ich freu mich dass die Autorin so gut im Ecken und Kanten schreiben ist. Leute wie Evie sind kompliziert und nicht einfach in eine Schublade zu stecken. Mein Dream team aus Henry und Theta hatte es wahrlich nicht leicht in diesem Teil, es wird sehr feinfühlig und wenig voyeuristisch über Gewalt, Rassismus und Menschenhass gesprochen, ihne ins Plakative oder Belehrende zu kippen. Die Story ist wirklich spannend und die ganze Zeit fragt man sich, wo und wie das alles mit dem Großen Ganzen zu tun hat, dem Mann mit dem Zylinder, Jake Marlowe, Will…? Die Nebencharaktere sind oft echt sus, zB Addie und Blind Bill, auch das macht es nochmal wirklich spannend. Außerdem sind die anbändelnden Pärchen authentisch, zart und realistisch durch Unsicherheiten… freue mich sehr auf Band 3!
- Adam Nevill
Apartment 16
(31)Aktuelle Rezension von: Sjard_SeligerMit "Apartment 16" vom Briten Adam Nevill rezensiere ich hier eines der kuriosesten Bücher, die ich je gelesen habe. Das ist mitnichten negativ gemeint, sondern eher positiv in diesem Fall. Denn normalerweise bin ich als Leser eher ein Fan von straighten, gradlinigen Thrillern oder Spannungsromanen, und allzu große Abweichungen von dieser Grundlage gefallen mir meist nicht sonderlich. Hier war es anders. Dieser Roman lässt sich kaum in ein einziges Genre einordnen. Viel mehr scheint das Buch bzw. der Autor ab spätestens der Hälfte selbst nicht mehr gewusst zu haben, was er für ein Buch er eigentlich schreiben möchte, salopp gesagt wohin die literarische Reise gehen soll. So entstand ein kurioser Genre-Mix bestehend aus 50% Thriller, 30% Horror und 20% Drama, welche sicherlich nicht jedermann's Sache ist und zuweilen auch für mich als Leser eine zähe Angelegenheit darstellte. Aber wiederum gab es auch äußerst gelungene, spannende und weirde Passagen, die mich fesseln konnten.
Die Location der Geschichte ist in London, genauer gesagt im Bereich des real existierenden Lowndes Square in Stadtteil Knightsbridge nahe des Hyde Park, in einer ziemlich reichen und vornehmen Gegend mit historischen, exklusiven Apartment-Komplexen. Zudem spielen wenige Teile in dessen unmittelbarer Umgebung und auch im Stadtteil Camden und Hackney. Dies fand und finde ich als Leser immer besonders toll - wenn eine Geschichte an realen Schauplätzen stattfindet. An besagtem Lowndes Square befindet sich das altehrwürdige, berühmte (wenn auch fiktive) Barrington House mit 9 Stockwerken und teuren Apartments. Dort spielt der Hauptstrang der Geschichte.
Die Story ist in zwei Erzählperspektiven unterteilt, einerseits in die der jungen Amerikanerin Apryl Beckford, welche sich um das Erbe in der Wohnung ihrer kurz zuvor verstorbenen Großtante kümmern muss, welche Jahrzehnte lang im Barrington House wohnte und scheinbar dort langsam verrückt würde, und andererseits um die des 31-jährigen Nachtportiers Seth, der in dem großen Apartmentgebäude die Nachtwache schiebt und von allerlei schlimmen Dingen geplagt ist. Apryl möchte neben dem materiellen Erbe einigen seltsamen Dingen in der Wohnung ihrer Großtante nachgehen, allen voran ihren Tagebüchern, die eine zunehmende wahnhafte Obsession mit einem Künstler namens Felix Hessen offenbaren, der dem Okkulten sehr nahe stand und früher ebenfalls lange im Barrington House lebte - und dort die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt hat. Zudem erscheinen ihr zunehmend paranormale Phänomene wie Schatten und Schemen, die scheinbar in Zusammenhang mit den Gemälden des verrückten Künstlers stehen. Seth hingegen sucht, geplagt von allerhand Selbstzweifeln und Psychosen, den Sinn seiner Existenz als eigentlicher Kunststudent, der nun dort im Haus sein tristes Dasein als Nachtwächter fristen muss, und stößt dabei auf jene Gemälde von Felix Hessen, die den labilen Kerl völlig in seinen Bann ziehen... und somit auch eine Reihe von bösen Kräften freisetzen, die schon seit Jahren in diesem Haus wüten, beschworen von Mr. Hessen, und die Apryl und den Hausbewohner noch sehr gefährlich werden...
Charaktere - Die Geschichte lebt eindeutig sehr von ihren zwei sehr unterschiedlichen Hauptprotagonisten Apryl und Seth. Während Apryl eine extrovertierte, neugierige und dynamische Amerikanerin ist, ist Seth dagegen ein introvertierter, unsicherer und kauziger Mann, der zudem von heftigsten Psychosen und psychischen Problemen geplagt ist, und obendrein noch unter Schlafmangel und schlechter Ernährung leidet. Ganz besonders Seth und seine Visionen können einem schön gruselig werden. Dieser Mann lebt wirklich am Abgrund seiner Selbst und seiner Existenz und könnte zu vielem fähig sein, man weiß ihn nie genau einzuschätzen. Man schwankt hin und her zwischen Mitleid, Neugier und Irritierung über seine Handlungen und Gedanken.
Der Aufbau verstärkt den andersartigen Eindruck der Geschichte nochmal mehr. Wie detailreich, ausführlich und krass Autor Adam Nevill z.B. die Horrorvisionen und Halluzinationen von Seth ausformuliert ist schon absolut bemerkenswert. Hier wird der Horror-Einfluss des Autors sehr deutlich und tritt in den Vordergrund. Leider tauchen gerade hier einige Längen auf, der Autor verliert sich oft fast in seinen langen und bizarren Beschreibungen der verrückten, alptraumhaften Visionen, die Seth heimsuchen und die ihn häufig lenken in seinem Handeln. Apryl hingegen kommt dabei fast ein wenig zu kurz. Ihr Anteil an der Geschichte hätte wesentlich mehr betragen können, zumal sie auf dem Einbandtext als Hauptfigur genannt wird, Seth hingegen überhaupt nicht. Jedoch ist der Verlauf der Geschichte gut nachzuvollziehen, ziemlich geradeaus und besitzt keine Rückblenden, jedoch auch nur wenig Twists. Die Spannung entsteht eher durch die vielen seltsamen Ereignisse im Haus und die Enthüllungen aus Apryls Nachforschungen und bleibt die Geschichte über konstant.
Am merkwürdigsten allerdings fand ich den Schreibstil des Autors. Selten habe ich Zeilen gelesen, die so intensiv und einfach nur crazy klangen und dabei so detailreich, ausführlich und aufwendig ausformuliert waren wie in diesem Buch. Ich fühlte mich häufig wie in gesellschafts-dystopische Psycho-Horrordramen-Filme wie z.B. "Requiem for A Dream" von Darren Aronofsky oder "Fear and Loathing Las Vegas" versetzt. Die Atmosphäre ist so ziemlich die gleiche, nur die Story ist anders. Hier plagen Seth diese kranken Visionen, die zuweilen an grauenvolle, schlechte Drogentrips erinnern, aber jedoch seinen schweren psychischen Störungen zugrunde liegen. Hut ab, wie authentisch man solch schlimme Spiele des Gehirns in packende Worte fassen kann! Adam Nevill kennt sein Fach. Lediglich das Finale und das Ende sind meiner Meinung nach viel zu kurz geraten und wirken zu schnell abgehandelt, zudem gibt es zum Ende hin auch ein paar plot holes. Außerdem ließ mich die Auflösung irgendwie unzufrieden zurück.
Sicher ist diese Heftigkeit und Intensität in Kombination mit der Länge dieses Buches nicht jedermann's Geschmack und auch nicht sonderlich massenkompatibel, aber sie ist durchaus unterhaltsam und oft spannend, wenn man sich darauf einlässt. Das Buch startet relativ straight und normal-gängig, wird aber im weiter Verlauf immer merkwürdiger, weirder und wirrer, ähnlich wie die Figur von Seth. Wer selbst mental vorbelastet ist, dem erscheint der Erzählstrang von Seth vermutlich dadurch um einiges greifbarer und verständlicher, als unvorbelasteten Menschen. Diese werden wohl eher Apryl sympathisch finden.
Es ist ein schwieriges, eigenartiges Buch. Man muss sich darauf einlassen, oder es eben bleiben lassen. Aber wenn man es tut, wird man es kaum bereuen, selbst wenn es ab und zu etwas zäh in der Ausführung wirkt. Daher gebe ich 3,5 von Sternen, aufgerundet auf 4.
- Andreas Winkelmann
Hänschen klein
(261)Aktuelle Rezension von: Vreni_liestDer junge Anwalt Sebastian Schneider erhält eines Tages einen rätselhaften Brief: die erste Strophe des Liedes Hänschen klein und das innige Versprechen einer Frau, dass sie und ihr Hans bald wieder vereint sein werden. Zunächst hält Sebastian alles für einen Irrtum. Doch schon bald wird klar, dass dieser Brief der Auftakt zu einem Albtraum ist, der sein Leben für immer verändern wird.
Andreas Winkelmann erschafft mit seinem fesselnden Schreibstil eine Geschichte, die spannend und außergewöhnlich ist. Immer wieder gibt es Szenen, die so intensiv beschrieben sind, dass einem das Herz bis zum Hals schlägt.
Dennoch konnte mich das Buch nicht vollständig überzeugen. Zum einen nimmt die Thematik rund um hexenartige Rituale vielPlatz ein und ich war beim Lesen gelegentlich eher verwirrt. Zudem weist die Handlung zwischendurch einige Längen auf, die den Lesefluss etwas bremsen.
Das Ende hat mich zwar überrascht, entsprach jedoch nicht ganz meinen persönlichen Erwartungen.
Insgesamt ist Hänschen klein dennoch ein empfehlenswerter Thriller für alle, die außergewöhnliche und dichte Spannung mit einem Hauch des Übernatürlichen mögen.
- Sharon Bolton
Der Schatten des Bösen
(33)Aktuelle Rezension von: Read-and-CreateDie Handlung war zwar interessant, gerade die Passagen mit/über die Hexen, aber in Summe war es mir zu unrund.
Was mir ist beim lesen positiv aufgefallen ist, ist, dass das Buch ausführlich auf den damals vorherrschenden Chauvinismus und Sexismus aufmerksam macht. Die Autorin schreckt nicht davor zurück, diese Themen anzusprechen und zu thematisieren, was ich sehr wichtig finde. Es hat mir gefallen, wie sie ihre Protagonisten mit diesen gesellschaftlichen Problemen konfrontiert und ihre Reaktionen darauf dargestellt hat. Das hat dem Buch eine gewisse Tiefe und Aktualität verliehen.
Der Schreibstil hat mir wieder wirklich gut gefallen. Er war flüssig und hat es geschafft, mich direkt in die Welt der Geschichte hineinzuziehen. Ich konnte mich gut in die Protagonisten hineinversetzen und habe mit ihnen mit gefiebert. - Valerian Çaithoque
Amizaras Diarium 1893 AD
(10)Aktuelle Rezension von: eskimo81Harry Houdini, eine weibliche Samurai Nakana Takeko und ein Schwarzmagier Aleister Crowley - was haben Sie gemeinsam? Sie werden in ein Schicksal geführt durch einen Fund im entlegensten Winkel des Himalaya ...
Amizaras Vorgeschichte, wie lange habe ich darauf gewartet... Die Bücher von der Amizaras Edition sind alle eine Augenweide. So muss eine Bibliothek ausgestattet sein. Wundervolle Hardcover mit Zeichnungen, magisch und einfach nur wundervoll zum ansehen. Zum lesen, gut, manchmal etwas schwierig weil auch die Seiten recht dunkel sind, aber alles in allem einfach ein wundervoll schönes Buch das in jede Bibliothek gehört. Noch viel mehr gehört es zu jedem Fantasy Fan, denn die Bücher sind nicht nur traumhaft gestaltet, der Inhalt ist auch fesselnd, packend und einfach nur hervorragend geschrieben, so, dass man einmal begonnen gar nicht mehr aufhören kann.
Fazit: Ein traumhaftes Buch, dass jeder Fantasy-Leser kennen und verschlingen muss. Suchtgefahr garantiert
- Louis Bayard
Der denkwürdige Fall des Mr Poe
(32)Aktuelle Rezension von: june_london**Triggerwarnung: Suizid und Vergewaltigung werden angedeutet**
Inhalt: Augustus Landor - pensionierter Polizeidetektiv aus New York - hat sich für seinen Ruhestand in die Highlands zurück gezogen. Als es zu einem Todesfall in der nahe gelegenen Militärakademie West Point kommt, wird er als privater Ermittler hinzu gezogen. Da er als Zivilist nur begrenzten Zugang zum Kern der Akademie hat, engagiert er einen Kadetten als seinen geheimen Spion und Asisstenten: den extravaganten Edgar Allen Poe.
Eindruck: Ich hatte eine Weile Schwierigkeiten, mich an den gemächlichen historischen Erzählstil zu gewöhnen. Schnell voran gehende Krimis, die mich von Anfang an mitziehen und fesseln, liegen mir mehr. Zudem dauerte es recht lange, bis die Figur Poe, weswegen ich das Buch überhaupt in die Hand genommen hatte, in der Handlung auftauchte.
Aber als Poe und Landor zusammen gefunden hatten, wurde die Geschichte für mich sehr interessant. Der trockene, abgeklärte und nicht mehr leicht zu beeindruckende Landor und der junge energetische, prahlerische Poe waren ein unterhaltsames Duo. Im Verlauf wusste ich auch die ausschmückenden Beschreibungen der Umgebung und Menschen besser zu schätzen, da ich so viele Eindrücke von dem Handlungsort bekommen habe. Es machte die Abläufe und Hintergründe einer Militärakademie für mich als Laien nachvollziehbar.
Auch wenn die Lösung des Falls bzw. der Fälle in Minischritten voran ging - wobei das wohl der Realität insbesondere zu den damals noch begrenzten Mehtoden entspricht - wurde ich gut unterhalten und konnte als Leser selbst viele Theorien aufstellen. Dem Autor ist es gelungen, trotz des langsamen Erzähltempos Spannung und ein immer währendes Gefühl der Bedrohung im Hintergurnd aufecht zu erhalten.
So unspektakulär die Handlung zwischenzeitlich wirkte, das Ende ist spannend, brutal und erschütternd. Der Plottwist am Ende kam für mich überraschend und rückt im nachhinein die gesamte Geschichte in ein anderes Licht.
Fazit: Lesenwert, wenn man genug Geduld aufbringt, sich dem gemächlichen Erzählstil anzupassen. :)
- Eva-Isabel Schmid
Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele
(41)Aktuelle Rezension von: 65_buchliebhaberParacelsus studiert in Basel, gemeinsam mit seinem Freund Caspar. Beide geraten ins Visier der Inquisition, als ein neuer Bischof ihnen das Sezieren von Leichen verbietet und sie versuchen, dieses Verbot zu umgehen. Paracelsus rutscht in den Okkultismus, um die Suche nach der menschlichen Seele weiter zu verfolgen. Caspar konzentriert sich auf sein Medizinstudium. Politische Unruhen, die sich gegen den neuen Bischof richten, machen ihnen das Leben zudem schwer. Der erste Band um den bekannten Arzt konzentriert sich auf seine Studienzeit.
Der Schreibstil ist teilweise schwer zu lesen, denn in einigen Bereichen zieht sich das Geschehen doch sehr und die Autorin verzettelt sich in den Geschehnissen. Der Anteil der okkulten Suche war mir zu ausgeprägt und düster beschrieben. Leider konnte mich das Buch nicht so ganz überzeugen; ich werde aber trotzdem auch den zweiten Band lesen, um mitzuerleben, wie Paracelsus sich nach dem Studium weiter entwickelt.
- Agatha Christie
Das Geheimnis von Sittaford
(67)Aktuelle Rezension von: Walli_Gabs„Das Geheimnis von Sittaford“ ist kein ganz typischer Agatha-Christie-Krimi. Es ermitteln weder Miss Marple noch Hercule Poirot, ein übersinnliches Phänomen gibt Rätsel auf und eine scharfsinnige junge Frau will ihren Verlobten aus dem Gefängnis retten.
Am Anfang steht wie so oft ein Mord: Captain Trevelyan, ein geiziger, alternder Junggeselle, wird tot aufgefunden. Die erbenden Verwandten scheinen allesamt ein Motiv zu haben – und fast alle zudem ein Alibi. Und dann ist da noch der merkwürdige Umstand, dass der Captain sein Herrenhaus im abgeschiedenen Sittaford während des Winters an eine Witwe und ihre Tochter vermietet und sich für kleines Geld in der nächstgelegenen Kleinstadt einquartiert hat.
Inspektor Narracott versucht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Parallel ziehen Emily Trefusis, Verlobte des Hauptverdächtigen, und Charles Enderby, ein ambitionierter Journalist, Erkundigungen ein. Da die Anzahl von Dorfbewohnern und Familienmitgliedern nicht ganz klein ist, lässt sich dabei nur schwer miträtseln – ich hatte permanent den Eindruck, mindestens ein Drittel der Nebenfiguren nicht wirklich auf dem Schirm zu haben.
Als solide Krimiunterhaltung geht „Das Geheimnis von Sittaford“ schon durch, aber ganz zufrieden war ich mit dem Leseerlebnis dennoch nicht. Freundschaftliche Beziehungen schildert Christie routiniert, aber ihre Liebespaare wirken meist etwas hölzern (was natürlich auch der Zeit geschuldet sein kann – dieser Krimi ist zum Beispiel von 1931). Oft treten sie erst zum Finale in Erscheinung, hier ist die verliebte Emily jedoch Hauptfigur. Doch so oft sie auch über ihren Verlobten spricht – was sie an ihm findet, bleibt ihr Geheimnis.
Die Auflösung war mal wieder unvorhersehbar, aber in sich logisch. Die große Anzahl von Nebenschauplätzen und falschen Fährten war mir allerdings etwas viel und ich vermisste die üblichen Ermittler. „Das Geheimnis von Sittaford“ ist kein schlechter Krimi, aber von der Queen of Crime gibt es doch viele bessere. - Oliver Pötzsch
Der Totengräber und der Mord in der Krypta (Die Totengräber-Serie 3)
(160)Aktuelle Rezension von: IgnatiaDieses Buch ist der dritte Band der Totengräber-Reihe. Der Fall ist zwar in sich abgeschlossen, dennoch würde ich empfehlen, mit Band 1 zu beginnen, um die Hintergründe und Entwicklungen der Charaktere besser nachvollziehen zu können.In Band 1 ging es um Vampire und Untote, Band 2 beschäftigte sich mit Mumien und Flüchen – dieser Teil widmet sich nun dem Thema Spiritualität. Vielleicht war genau das der Grund, warum ich diesmal nicht ganz so gut in die Geschichte hineingefunden habe. Mit diesem Thema habe ich persönlich wenig Berührungspunkte, und manches konnte ich für mich nicht vollständig nachvollziehen.Trotzdem habe ich mich gefreut, die bekannten Figuren wieder zutreffen und ihre Weiterentwicklung zu verfolgen. Die Charaktere sind nach wie vor das große Plus der Reihe und tragen die Geschichte. Auch wenn mich dieser Band bislang am wenigsten überzeugen konnte, bleibt das grundsätzliche Interesse an ihrem weiteren Weg bestehen.Gerade deshalb überlege ich, die Reihe trotz allem weiterzulesen – einfach, weil ich wissen möchte, wie es mit ihnen weitergeht.
Ein solider dritter Band mit interessantem Ansatz, der mich thematisch jedoch weniger abgeholt hat als seine Vorgänger.
- Voosen | Danielsson
Erzengel
(36)Aktuelle Rezension von: JochenBenderNach mittlerweile 7 gelesenen Bänden wird mir die Ähnlichkeit zwischen den einzelnen Büchern zu groß. Immer spielt ein Jahrzehnte zurückliegender Fall die entscheidende Rolle, immer finden die Ermittler trotzdem erstaunlich detaillierte Spuren, die ihre Vorgänger übersehen haben. Solide aber nicht mehr prickelnd. Schade, ich wünschte mir etwas mehr Mut vom Autoren-Duo.
- W. Somerset Maugham
Der Magier
(65)Aktuelle Rezension von: YolandeWilliam Somerset Maugham wurde am 25. Januar 1874 als Sohn eines englischen Anwalts in Paris geboren. Seine Eltern starben früh und er verbrachte seine Jugend in Internaten und bei einem frömmlerischen Onkel. Er studierte in Heidelberg Deutsch, Literatur und Philosophie, später in London Medizin. Das Medizinstudium beendete er 1898 erfolgreich. Seine Leidenschaft war aber die Literatur. 1907 gelang ihm mit dem Theaterstück "Lady Frederick" der erste große öffentliche Erfolg.Während des 1. Weltkrieges arbeitete Maugham für den britischen Geheimdienst MI6 in Italien, der Schweiz, den USA und in Russland. Über diese Erfahrungen schrieb er ein Buch (Ashenden: Or, the British Agent, 1928), das zum Vorbild vieler Schriftsteller wie Graham Greene oder Ian Fleming wurde. Sein wohl bekanntester Roman "Der Menschen Hörigkeit" erschien 1915.Maugham heiratete 1917 seine Geliebte Syrie Bernardo, später bekannte er sich aber öffentlich zu seiner Homosexualität.William Somerset Maugham starb am 16. Dezember 1965 an Tuberkulose in seinem Haus in St. Jean-Cap-Ferrat in Südfrankreich.(Quelle: Wikipedia)
Inhalt (Klappentext):In einem von Malern, Bohémiens und anderen unbürgerlichen Existenzen besuchten Restaurant begegnen die schöne Margaret und ihr Verlobter, der Arzt Arthur Burdon, dem "Magier" Oliver Haddo, hinter dessen abstoßendem Äußeren sich ein undurchsichtiger, schillernder Charakter verbirgt. Margaret verfällt dem verhängnisvollen Einfluss dieses Mannes, der sie als Werkzeug für seine okkultistisch-alchimistischen Experimente zu gewinnen trachtet. In zäher Entschlossenheit nimmt Arthur den Kampf mit dem ungleichen Gegner auf.
Ich hatte dieses Buch 2012 schon einmal gelesen, konnte mich aber nur noch vage an den Inhalt erinnern. Da es aber weiterhin in meinem Bücherregal stand, ging ich davon aus, dass es mir damals so gut gefiel, dass ich es noch einmal lesen mochte.Zu Beginn des Romans begann ich allerdings an meiner damaligen Entscheidung zu zweifeln.Das Buch startet sehr behäbig, der Autor ergeht sich in ausschweifenden Erklärungen über okkulte und pseudowissenschaftliche Experimente. Die handelnden Personen blieben entweder blass oder waren äußerst unsympathisch und abstoßend dargestellt. Ab etwa der Mitte nimmt der Roman allerdings richtig Fahrt auf, es wird immer spannender und gruseliger, bis hin zu einem intensiven Finale.Es ist eine abenteuerliche und phantastische Geschichte über schwarze Magie, der Untertitel des Buches lautet zu Recht: Ein parapsychologischer Roman.Es handelt sich um ein ungewöhnliches Buch, das aber sehr angenehm zu lesen und nach den erwähnten Startschwierigkeiten äußerst fesselnd ist.
- Agatha Christie
Das fahle Pferd
(51)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeDer Journalist und Autor Mark Easterbrook schlittert auf der Suche nach neuen Inspirationen in einen mysteriösen Fall: ein ehrbarer Pfarrer wurde umgebracht, nachdem ihm eine Frau auf dem Sterbebett ein Geheimnis beichtete. Bei sich trug der Pfarrer eine Liste mit Namen. Nach einiger Recherche findet der junge Schriftsteller heraus, dass alle Personen auf dieser Liste tot sind, gestorben an den unterschiedlichsten Erkrankungen. Er beginnt sich immer mehr für die Sache zu interessieren und stößt auf drei Dorfhexen in einem ehemaligen Gasthaus, dem „Fahlen Pferd“. Sollte es wirklich Hexerei oder Magie sein, die hier die für die Todesfälle verantwortlich ist?
Die Autorin läuft in diesem Buch zu Höchstformen auf, viele bekannte Gesichter und noch mehr Zufälle und kleine Nebenereignisse lässt sie ihrem Protagonisten vor die Nase laufen und füttern so gleichzeitig auch den Leser mit kleinen Hinweisen und Bausteinen, die alle auf Zauberei hindeuten. So gut plausibilisiert die Autorin die okkulten Geschehnisse, dass sie den Leser gekonnt in die Falle lockt und für „ungläubigen Glauben“ sorgt.Mein Fazit: Für mich eines der spannendsten Bücher, die ich bisher von Agatha Christie gelesen habe. Mit gewohnt beschwingter Erzählweise und einer Note feinsten Humors fesselte sie mich so ans Buch, dass ich es an einem Abende durchlesen musste.
- Sam Feuerbach
Der Totengräbersohn: Buch 3
(19)Aktuelle Rezension von: Danni152Ich habe das Buch seid es erschienen ist auf meinem Reader und lese es erst jetzt, da Teil 4 im November heraus kam😍 damit ich beide nacheinander lesen kann🤩Ich habe mich wieder fix ins Geschehen gelesen und lauschte den Abenteuern von Farin und seinen Freunden 🤩 die Geschichte riss mich mit und der Schreibstil ließ keine Wünsche offen😉 ich fieberte wieder reichlich mit. Im Wechsel mit Aross und Farin 😂Zitat: "Wurm , wenn du ausgeschlafen bist und für Mühe gibst, lernst du schnell, "Ich freue mich auf Teil 4😉🤩😉🤩 wie es mit Aross weiter geht.... - Ulla Lenze
Das Wohlbefinden
(73)Aktuelle Rezension von: RadagastDie Lebensgeschichten der Hauptfiguren in Ulla Lenze Buch beginnt vielversprechend. Der Spannungsbogen hält sich bis etwas zur Hälfte des Buches. Danach fällt das Gerüst an Erzählungen aus einander. Es wird nicht verwirrend, aber die jeweiligen Situationen wo die verschiedenen Figuren in dieser Geschichte enden, lässt mich etwas unzufrieden zurück. Ich kann es durchaus ab wenn Geschichten kein Ende haben, da ist dann Platz für mein eigenes erfundene Ende.
Dieser Roman hätte durchaus Potenzial echt gut zu sein, aber das schwammigen Ende der jeweiligen Darsteller gefällt mir nicht. Stellenweise war die Erzählung sehr detailverliebt. Da hat man sich gut in die jeweilige Situation hineinversetzen können und daraus wurde man her raus gerissen und in die nächste Situation geworfen. War nicht schlecht, da der rote Faden erhalten blieb. Es hat den Eindruck erweckt als hätte die Autorin einen dringenden Termin gehabt und muss das Buch abrupt beenden. - Mark J. Sedgwick
Gegen die moderne Welt: Die geheime Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Mariana Enriquez
Unser Teil der Nacht
(59)Aktuelle Rezension von: Lilith_McCoyWo der übernatürliche Horror auf den realen trifft 🌑
📖 Titel: Unser Teil der Nacht
🖋️ Autorin: Mariana Enríquez
📚 Gelesen als: Buch
⭐⭐⭐⭐⭐ AWorum geht es?
Argentinien während der Militärdiktatur. Juan fährt mit seinem Sohn Gaspar quer durchs Land. Eigentlich ist es eine Flucht. Juan ist Medium eines mächtigen Geheimbundes, des Ordens, der durch grausame Rituale Kontakt mit einer übernatürlichen Dunkelheit aufnimmt und nach Unsterblichkeit strebt. Nun fürchtet Juan, dass Gaspar seine Fähigkeiten geerbt hat und ebenfalls vom Orden benutzt werden soll.
Von dieser Vater-Sohn-Geschichte aus entfaltet Mariana Enríquez eine Familiensaga über rund vier Jahrzehnte argentinischer Geschichte.
Meine Meinung
Was für ein Brett. Über 800 Seiten, verschiedene Zeitebenen und Perspektiven, Familiengeschichte, Okkultismus, Body Horror, politische Gewalt und eine Vater-Sohn-Beziehung, die gleichzeitig voller Liebe und erschreckender Brutalität steckt.
Und hier funktioniert diese Fülle für mich. Denn der übernatürliche Horror steht nicht einfach neben der argentinischen Geschichte. Beides greift ineinander. Verschwundene Menschen, Macht, Folter und eine reiche Elite, die andere buchstäblich für ihre Zwecke benutzt: Der Orden wird zum grausigen Spiegel realer Machtstrukturen.
Besonders stark finde ich Juan. Er will Gaspar um jeden Preis schützen und richtet dabei selbst Schaden an. Diese Widersprüchlichkeit macht ihn ungeheuer interessant.
Das ist kein gemütlicher Schmöker und auch kein Horrorroman für zwischendurch. Enríquez verlangt Aufmerksamkeit. Aber sie belohnt sie mit einer düsteren, verstörenden und sprachlich starken Welt, die nach dem Zuklappen nicht einfach verschwindet.
Fazit
Familiensaga, politischer Roman und Horror in einem. Gewaltig, unbequem und verdammt gut.
⭐⭐⭐⭐⭐ A
- Kai Meyer
Das Haus der Bücher und Schatten
(143)Aktuelle Rezension von: Goldie-hafiWieder ein tolles Buch von Kai Meyer über Bücher, die alte Zeit und das Graphische Viertel. Dieses Mal sind wir 1933 und 1913, die Verknüpfung der beiden Zeitlinien ist wie immer gelungen. Ich liebe diese Bücher sehr, da die Figuren so tiefgründig aufgebaut sind, dass ich sie sehr lebendig vor mir sehen kann. Auch die historische Einordnung ist jedes Mal wieder sehr gut recherchiert und ebenso bildhaft und detailreich beschrieben. Schön ist auch, dass ich nicht sofort weiß, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Das lässt mir Spielraum für eigene Ideen, mit denen ich mal richtig und mal daneben liege, was die Geschichte sehr spannend macht. Der Schreibstil ist flüssig und zieht mich sofort in die Geschichte, die mich nicht mehr loslässt. Es ist der dritte Band über das Graphische Viertel in Leipzig, ich habe die beiden anderen auch geradezu verschlungen. Man kann sie unabhängig von einander lesen und ich kann sie alle drei nur wärmstens empfehlen.
- Douglas Smith
Und die Erde wird zittern
(9)Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender"Dienstag. Ein kalter, windiger Tag. Ich war den ganzen Vormittag beschäftigt. Mittagessen mit Fürst Orlow und Resin. Ging spazieren. Um 4 Uhr fuhren wir nach Sergejewka. Tee mit Miliza und Stana. Wir lernten einen Mann Gottes kennen, Grigori aus dem Gouvernement Tobolsk."
Mit diesen lapidaren Worten hielt Zar Nikolaus II. am 1. November 1905 in seinem Tagebuch die erste Begegnung mit dem sibirischen Bauern Grigori Rasputin (1869-1916) fest. Wie sehr das Treffen ihr Leben prägen und verändern sollte, ahnten der Zar und seine Gemahlin Alexandra an jenem Tag nicht. Rasputin gehört zu den berühmtesten – oder wohl eher berüchtigtsten – Figuren der russischen Geschichte. Über Rasputin dürfte ähnlich viel geschrieben worden sein wie über Peter den Großen, Katharina die Große, Lenin und Stalin. Bis heute wird dem Mann aus Sibirien eine erhebliche Mitschuld am Niedergang der Romanow-Monarchie und am Zusammenbruch des Zarenreiches zugeschrieben. Kaum eine andere Gestalt hat im vorrevolutionären Russland derart viel Hass auf sich gezogen wie Rasputin. In den Augen seiner Zeitgenossen war der Sibirier ein religiöser Fanatiker und Sektierer; ein Hochstapler und Scharlatan, der sich als Wunderheiler ausgab; ein reaktionärer Einflüsterer, der die Politik des Zaren verhängnisvoll beeinflusste; ein unersättlicher Lustmolch und Frauenschänder; ein Landesverräter und Spion im Sold der Deutschen. Wie Douglas Smith in der Einleitung seines Buches hervorhebt, wurde über kaum eine andere Figur der russischen Geschichte so viel Unsinn verbreitet wie über Rasputin. Smith hat es sich zum Ziel gesetzt, den Wust von Gerüchten und Legenden beiseite zu schieben, der das Rasputin-Bild bis heute prägt.
Smith ist nicht der erste Autor, der das gängige Zerrbild von Rasputin durch ein realistisches Porträt ersetzen möchte. Alle anderen Versuche aus jüngerer Zeit, ein an überprüfbaren Fakten orientiertes Bild von Rasputin zu entwerfen, übertrifft Smith durch die ungeheure Breite und Tiefe seiner Darstellung. Mit seiner Biographie leistet er mehr, als nur Rasputins Lebensweg zu rekonstruieren, von den obskuren Anfängen in Sibirien bis zum gewaltsamen Tod im Dezember 1916. Smith bietet ein beeindruckendes Panorama der russischen Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkrieges und der Revolution. Rasputin lebte in einem Land, das aus den Fugen zu geraten drohte. Die Abneigung, die er auf sich zog, kaum dass er zum Vertrauten der Zarenfamilie aufgestiegen war, ist nur vor dem Hintergrund der Krise verständlich, in der sich das späte Zarenreich befand. Das Verhältnis zwischen der Krone und den gebildeten Ständen war nachhaltig gestört und von wechselseitigem Misstrauen geprägt. In der Presse regte sich immer wieder Kritik am Zaren und an der ominösen "Hofpartei", die angeblich den Gang der hohen Politik bestimmte. Im Regierungsapparat, aber auch in der Leitung der Orthodoxen Kirche waren Machtkämpfe und Intrigen an der Tagesordnung. Rasputin betrat ein Minenfeld, als er 1905 nach Petersburg kam. Ehe er sich versah, wurde er in die Konflikte und Spannungen hineingezogen, die das politische, gesellschaftliche und religiöse Leben Russlands bestimmten.
Konsequent gibt Smith jenen Quellen den Vorzug, die zu Rasputins Lebzeiten entstanden sind, nicht erst nach seinem Tod. Für die Biographie hat Smith umfangreiche Aktenbestände aus russischen, europäischen und amerikanischen Archiven ausgewertet. Skeptisch betrachtet er die Memoiren von Zeitgenossen, die erst nach Rasputins Tod verfasst wurden. Nach dem Ende der Romanow-Monarchie waren der Diffamierung und Dämonisierung des Sibiriers keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Viel zu lange, so Smith, haben fragwürdige und problematische Quellen, die aus der Zeit nach Rasputins Tod stammen, das Rasputin-Bild bestimmt. Für die Biographie hat Smith außerdem die zeitgenössische russische Presse und die Korrespondenzen zahlreicher Persönlichkeiten ausgewertet. Es liegt auf der Hand, dass sich eine Rasputin-Biographie nicht damit begnügen kann, die gesicherten Fakten über Rasputins Leben zusammenzufassen. Smith schildert das Leben seines Protagonisten, und zugleich analysiert er, welches Bild sich die russische Gesellschaft von dem Emporkömmling Rasputin zusammenphantasierte. Was hat Rasputin tatsächlich getan, und was wurde ihm von der Öffentlichkeit angedichtet und unterstellt? Smiths Bemühungen laufen auf die Demontage eines zählebigen Mythos hinaus, auf die Widerlegung oder zumindest Abschwächung vieler Legenden, die seit über hundert Jahren im Umlauf sind. Smith geht dabei allerdings nicht so weit wie manche russische Autoren der Gegenwart, die den negativen Rasputin-Mythos in sein Gegenteil verkehren und Rasputin zum Unschuldslamm und Märtyrer stilisieren.
Über Rasputins Leben bis zum Alter von etwa 30 Jahren ist so gut wie nichts bekannt. Rasputin erhielt keine Schulbildung; er lernte erst als Erwachsener Lesen und Schreiben. Kurz vor der Jahrhundertwende hatte er ein religiöses Erweckungserlebnis. Obgleich Ehemann und Vater, begann er ein neues Leben als Pilger und religiöser Wanderer (strannik). In seinem sibirischen Heimatdorf Pokrowskoje und später in Petersburg gewann er als spiritueller Mentor viele Anhänger und Verehrer. Anders als oft behauptet, trat Rasputin nicht als Wunderheiler und Hypnotiseur auf. Bald nach seiner Ankunft in Petersburg (1905) wurde er dem Zarenpaar vorgestellt. Auch Nikolaus und Alexandra lernten Rasputin als geistlichen Beistand schätzen, wie Tagebuchnotizen und Briefe belegen. Die Bluterkrankheit des Thronfolgers Alexej spielte eine geringere Rolle als traditionell angenommen. Die Begegnungen und Gespräche mit Rasputin hatten auf das Zarenpaar eine tröstende und aufbauende Wirkung. Besonders die Zarin konnte mit "Vater Grigori" ihre inbrünstige Religiosität ausleben. Sie war überzeugt, dass Rasputins Gebete segensreich für ihre Familie waren. Rasputin hatte kein Interesse an Theologie. Der christliche Glaube war für ihn eine Sache des Herzens, nicht des Verstandes. Mit dieser Haltung traf er den Nerv der Zarin und seiner mehrheitlich weiblichen Anhängerschaft. Rasputin zog Menschen an, die mit der in pompöser Routine erstarrten Amtskirche unzufrieden waren und sich nach emotional intensiven Glaubenserlebnissen sehnten. Smith zitiert aus Briefen, die Rasputin an die Zarenfamilie schrieb, und aus einigen Interviews, die er russischen Zeitungen gab. Diese Quellen zeigen Rasputin als Mann von schlichtem Gemüt. Seine Denk- und Ausdrucksweise war naiv und schwärmerisch.
Wie Smith mehrfach betont, hielt sich Rasputin nie dauerhaft am Zarenhof auf. Erst 1914 nahm er sich eine eigene Wohnung in der Hauptstadt. Er kehrte immer wieder für längere Zeit in seine sibirische Heimat zurück. Oft vergingen mehrere Monate zwischen seinen Begegnungen mit Nikolaus und Alexandra. Und doch wurde die Öffentlichkeit schon bald nach Rasputins Ankunft in Petersburg argwöhnisch. Was hatte dieser ungehobelte und schmutzige Bauer im Palast zu suchen? Wie konnte es sein, dass er mit der Zarenfamilie auf vertrautem Fuße stand? Höflinge und Minister, Kirchenleute und Journalisten stellten die abenteuerlichsten Vermutungen über Rasputin und seine Rolle im Umfeld des Herrscherpaares an. Die Presse inszenierte im Lauf der Jahre mehrere Kampagnen gegen den Sibirier. Kleinere, an sich harmlose Skandale, an denen Rasputin beteiligt war, wurden von den Medien gezielt ausgeschlachtet und aufgebauscht, um Rasputin in Verruf zu bringen (Kap. 40 und 45). Auch das Parlament, die Duma, debattierte mehrfach erregt über die Frage: Wer ist dieser Rasputin, und was führt er im Schilde? Es gab etliche Gründe, warum die Spekulationen aus dem Ruder liefen und die Anfeindungen von Jahr zu Jahr bösartiger wurden. Die selbstgewählte Abschottung des Zarenpaares führte zwangsläufig zur Entstehung von Gerüchten. Mit ihrer hartnäckigen Weigerung, Rasputin fallenzulassen und wegzuschicken, fachten Nikolaus und Alexandra den Zorn all derer an, denen der Sibirier ein Dorn im Auge war. Allzu bereitwillig glaubte die Öffentlichkeit, der Thron werde von "dunklen Kräften" kontrolliert. Irgendjemand musste ja schuld daran sein, dass die Kluft zwischen Krone und Gesellschaft immer tiefer wurde. Im Ersten Weltkrieg führte die allgegenwärtige Spionage- und Verschwörungsmanie dazu, dass Rasputin und die Zarin verdächtigt wurden, im Auftrag der Deutschen die russischen Kriegsanstrengungen zu sabotieren. Auch das spannungs- und widerspruchsreiche kulturelle Klima des russischen Fin de siècle, der Zusammenprall von Aufklärung und Obskurantismus, wurde Rasputin zum Verhängnis. Scharlatane aller Art hatten um die Jahrhundertwende Hochkonjunktur in Russland, Wahrsager und Hypnotiseure, Gurus und selbsternannte Wunderheiler. In den Augen kritischer Zeitgenossen stand Rasputin stellvertretend für alle irrationalen und "mittelalterlichen" Kräfte, die Russland daran hinderten, endlich in der Moderne anzukommen (Kap. 11).
Doch damit nicht genug: Aus Sicht der russischen Gesellschaft verkörperte Rasputin den Archetyp des "bösen Ratgebers", der einen willensschwachen Herrscher nach Belieben manipuliert. Aber war der Mann aus Sibirien wirklich die Graue Eminenz hinter dem Thron? Wie Smith herausarbeitet, kann überhaupt keine Rede davon sein, dass Rasputin systematisch Einfluss auf die Staatsgeschäfte genommen hätte. Einem gänzlich ungebildeten Mann wie Rasputin fehlten alle Voraussetzungen für eine ernst zu nehmende politische Betätigung. Rasputin, zeitlebens auffallend unehrgeizig, besaß kein wie auch immer geartetes politisches Programm, und er war auch nicht das Haupt einer Gruppe oder Clique, die nach der Macht im Staate strebte. Seine Möglichkeiten, auf die Regierung und die Kirchenleitung einzuwirken, waren nicht zuletzt deshalb sehr begrenzt, weil seriöse Politiker und Kirchenführer von Anfang nichts mit ihm zu tun haben wollten. An mehreren Beispielen zeigt Smith, dass der Zar Rasputins gelegentliche Vorschläge in Sach- und Personalfragen ignorierte. Rasputin hob sich noch in anderer Hinsicht von fürstlichen Günstlingen früherer Jahrhunderte ab: Er strebte nicht nach Ämtern und Titeln, und er nutzte seine Stellung nicht, um ein riesiges Vermögen zusammenzuraffen. Geld interessierte ihn nicht. Die Besitztümer, die er seiner Familie hinterließ, hatten einen Wert von gerade einmal 23.500 Rubeln (Kap. 74). Rasputins angebliches Millionenvermögen existierte nur in der Phantasie seiner Feinde.
Was bleibt vom Rasputin-Mythos? Hatte Rasputin am Ende eine saubere Weste? Wurde ihm von seinen Kritikern durchweg Unrecht getan? Smith stellt klar, dass manche Vorwürfe berechtigt waren. Ähnlich wie die Zarin und andere konservativ gesinnte Personen bestärkte Rasputin Nikolaus II., an der Autokratie als Herrschaftsform festzuhalten und eine Parlamentarisierung des politischen Systems nicht zuzulassen. Das ist jedoch keine Überraschung. Denn warum hätte ausgerechnet ein sibirischer Bauer als Verfechter des Parlamentarismus auftreten sollen? Auch der Vorwurf sexueller Promiskuität lässt sich nur zum Teil entkräften. Rasputin, daran lässt Smith keinen Zweifel, war ein zwanghafter Fummler und Grabscher. Er konnte seine Hände nicht von den Frauen lassen, die in seinen Dunstkreis gerieten. Liebhaber der Zarin und Vater des Thronfolgers war er aber nicht. Im Krieg hatte Rasputin tatsächlich Anteil an etlichen fatalen Personalentscheidungen des Zaren. Dennoch gelangt Smith zu dem Schluss, dass nicht Rasputins Aktivitäten zu dem rapiden Ansehensverlust führten, den die Monarchie in den letzten Jahren ihres Bestehens erlitt. Ausschlaggebend war vielmehr die grotesk verzerrte Wahrnehmung Rasputins in der russischen Gesellschaft. Dem Sibirier wurden finstere Absichten unterstellt, die er nicht hatte, und ihm wurde ein Einfluss zugeschrieben, den er nicht besaß. Nach den militärischen Rückschlägen der Jahre 1915 und 1916 wurde Rasputin die Schuld an allem angelastet, was in Russland im Argen lag. Seine Mörder rechtfertigten ihre Tat damit, sie hätten die Monarchie und das Reich retten wollen. Doch kaum drei Monate nach Rasputins Tod brach das alte Russland wie ein Kartenhaus zusammen.
An Douglas Smiths Buch wird künftig niemand vorbeikommen, der sich mit dem Untergang der Romanow-Monarchie beschäftigt. Fachhistoriker und historisch interessierte Laien können die Biographie gleichermaßen mit großem Gewinn lesen. Warum nur vier Sterne? Das Buch zeigt anschaulich, wohin es führt, wenn ein Autor zu viel über sein Thema weiß und der Versuchung nachgibt, sein gesamtes Wissen vor dem Leser auszubreiten. Über weite Strecken ist die Fülle und Dichte der vermittelten Informationen schlichtweg erdrückend. Die Erzählung wird umso minutiöser und detailreicher, je mehr sich Smith auf Rasputins Ende zubewegt. Auf die Jahre 1914 bis 1916 entfällt die Hälfte der 74 Kapitel. Es kommen Hunderte und Aberhunderte von Personen vor. Selbst unwichtige Nebenfiguren werden von Smith mit vollem Namen eingeführt, etwa die Polizisten, die Rasputin im Auftrag des Innenministeriums überwachten, oder die Prostituierten, mit denen Rasputin in Petersburg Umgang hatte. In diesem Gewimmel der Personen und Namen geht rasch jeglicher Überblick verloren. Für Leser, die mit der Geschichte des späten Zarenreiches nicht oder nur flüchtig vertraut sind, ist die Lektüre kein Spaziergang. Ohnedies braucht man gutes Sitzfleisch und Durchhaltevermögen, um den 800-seitigen Text zu bewältigen. Es handelt sich um ein anspruchsvolles Buch, das sich nicht als Gelegenheits- oder Unterhaltungslektüre eignet.(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im Oktober 2017 bei Amazon gepostet)























