Bücher mit dem Tag "opferschutz"
6 Bücher
- Karin Slaughter
Die Vergessene
(212)Aktuelle Rezension von: Hella_RDas Buch wird als zweiter Teil einer Reihe geführt, jedoch ist die deutsche Übersetzung des ersten Teils nirgendwo verfügbar. Dies könnte Leser frustrieren, die sich eine vollständige Einführung in die Welt von US-Marshal Andrea Oliver wünschen. Glücklicherweise ist das Buch so aufgebaut, dass sich die fehlende Vorgeschichte nicht unmittelbar als große Lücke bemerkbar macht. Andreas Hintergrund und ihre Verwicklung in das Zeugenschutzprogramm werden ausreichend erklärt, sodass auch neue Leser der Handlung folgen können. Dennoch bleibt das Gefühl, dass man mehr aus der Reihe hätte ziehen können, wenn man mit dem Vorgänger vertraut wäre.
Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit wird die schwangere Emily Vaughn 1982 brutal ermordet – eine Tat, die den kleinen Ort Longbill Beach bis heute überschattet. In der Gegenwart nimmt Andrea ihren ersten Auftrag als US-Marshal an: Sie soll eine Richterin schützen, die Morddrohungen erhalten hat. Parallel verfolgt sie eine persönliche Mission, da Emilys ungelöster Mordfall möglicherweise mit ihrer eigenen Vergangenheit und ihrem Vater zusammenhängt.
Die Rückblicke in Emilys Leben sind die stärksten und atmosphärischsten Teile des Buches. Sie beleuchten die düstere Kleinstadtmentalität und das soziale Stigma, das Emily als schwangere Teenagerin erleidet. Im Vergleich dazu fällt Andreas Geschichte etwas blass aus. Obwohl ihr persönlicher Bezug zum Fall viel Potenzial bietet, bleibt sie emotional distanziert, und ihre Reaktionen wirken manchmal zu nüchtern.
Der Krimi bietet zwar viele Verstrickungen und undurchsichtige Motive, jedoch fehlt es an packendem Nervenkitzel, um wirklich als Thriller hervorzustechen. Einige Nebenstränge, wie die übertriebene Fürsorge von Andreas Mutter oder die angedeutete Beziehungsgeschichte zu einem Kontaktmann, wirken überflüssig und hätten zugunsten einer intensiveren Spannung reduziert werden können.
Insgesamt ist es ein solides Buch für zwischendurch, das mit seiner düsteren Atmosphäre und den Rückblicken in Emilys Leben punktet. Der fehlende Zugang zum ersten Band der Reihe und das Fehlen einer emotional packenden Hauptfigur mindern jedoch den Gesamteindruck. Für Fans von Karin Slaughter, die komplexe Geschichten mit persönlichen Verbindungen mögen, ist es dennoch eine lohnenswerte Lektüre.
- Carlos Benede
Kommissar mit Herz
(10)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66»Als ich Alex zum ersten Mal begegnete, war er ein schmächtiger Knirps von elf Jahren. Ich war bereits seit einigen Stunden im Dienst, der Vormittag war ruhig verlaufen, keine besonderen Vorkommnisse. Bis die Leiterin unseres Kommissariats zur Tür hereinkam und mir und meiner Kollegin mitteilte, dass in der Nacht vom ersten auf den zweiten Mai ein Mord geschehen war, bei dem ein Kind „übrig geblieben“ sei. Wir sollten uns darum kümmern.«
Carlos Benede, selbst im Heim aufgewachsen, hatte schon immer einen besonders guten Draht zu Kindern und Jugendlichen. Beim Kommissariat für „Prävention und Opferschutz“ hat er täglich mit furchtbaren Schicksalen zu tun.
»Es vergeht kein Tag, an dem nicht wenigstens ein drastischer Fall von Gewalt gegen Schutzbefohlene gemeldet wird.«An diesem besonderen Tag war es jedoch die Mutter des elfjährigen Alex, die von dessen Vater ermordet wurde. In der heimischen Wohnung, in Gegenwart des Jungen. Carlos Benede kümmert sich um Alex, zunächst rein beruflich, doch nach und nach wird das Vertrauensverhältnis zwischen beiden immer größer und intensiver. Als sich Alex irgendwann wünscht, dass Carlos sein Vater wird, geht er auch diesen Schritt mit und adoptiert den Jungen. Ein paar Jahre später wiederholt sich das Drama, diesmal ist es ein kleiner Junge, der „übrigbleibt“, nachdem sein Vater seine Mutter ermordete…
Meine Güte, was habe ich diesen Mann bewundert. Seinen Mut, sein unglaubliches Engagement, seine tiefe Herzlichkeit. Er selbst macht am Liebsten überhaupt kein Aufheben um sein Handeln, ihm ist einfach nur wichtig, nicht wegzuschauen und auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Dieses Buch erzählt seine Geschichte, in einfachen, aber berührenden Worten.
Von seiner „Familie“ im Heim, den Nonnen, die ihm und seinen Heimgeschwistern viel Liebe gaben. Von der Suche nach seinem beruflichen Weg, der ihn erst relativ spät zur Polizei brachte. Wie er dort am normalen Job fast verzweifelte, bevor er dann im Kommissariat für „Prävention und Opferschutz“ seinen Platz fand. Den er vor einigen Jahren wieder aufgab, um sich ganz der Gründung einer Jugendhilfeeinrichtung zu verschreiben, die sich speziell der „Problemkids“ annimmt, die kein anderes Heim mehr will.
Und natürlich geht es immer wieder um seine beiden Jungs, um ihre Geschichte, ihr Trauma und den Weg zurück ins Leben. Alex kommt dabei häufig zu Wort und berichtet selbst über seine Gefühle. Das war so berührend, ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen.
Fazit: Ein sehr berührender Blick auf einen großartigen Mann, der eigentlich immer „nur“ auf sein Herz und seinen Bauch hört.
»Ich bin sicher kein Held. Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich habe zwei wunderbare Söhne, ich bin Vater von vielen.«
- Kästner & Kästner
Tatort Hafen - Tod an den Landungsbrücken
(84)Aktuelle Rezension von: metalmelIch mag Hamburg, für mich ist es die schönste Stadt in Deutschland (und ich komme aus Bayern). Darum hat mich das Interview mit den beiden Autoren in STERN CRIME dazu veranlasst, das Buch zu lesen. Ich fand, es klang spannend.
Der Hafen und die Stadt werden wirklich sehr genau beschrieben und es gibt auch einen kleinen Plan im Buch. Mir ist es manchmal zu detailliert. Viele Infos sind für den Fall nicht relevant.Die Handlung fand ich nur mittelmäßig spannend, die Auflösung - nun ja... Bisschen arg konstruiert. Weniger gut gefallen haben mir auch einige der Figuren im Buch. Da gibt es die nach ihrer Scheidung vereinsamte Kripo Polizistin, für die nur die Arbeit zählt, die toxische Chefin der Mordkommission, die Dreck am Stecken hat, den gutaussehenden Mann von der Wasserpolizei, der aber eine depressive Frau zuhause hat, die unbedingt Kinder will (aber es klappt nicht), den fröhlichen und toughen Holländer als Assistent und die misshandelte Frau, die sich jetzt im Opferschutz betätigt. An diesen Figuren lässt sich schon der Beruf der Autorin ablesen (Psychotherapeutin) und das ist für meinen Geschmack einfach zu viel Psychologie. Ebenso nehmen die Probleme und Sorgen der Figuren sehr viel Platz ein, so dass die Krimihandlung etwas an den Rand gedrängt wird.
Die zwei Hauptermittler Jonna und Tom kommen noch ganz symapthisch rüber, Charlotte, die misshandelte Frau aus dem Opferschutz empfand ich persönlich als sehr nervig.
Für mich einfach zu wenig spannender Krimi.
- Malin Persson Giolito
Mit zitternden Händen
(38)Aktuelle Rezension von: MiiaInhalt:
Billy und Dogge sind seit Kindesbeinen eng befreundet. Dass sie aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern kommen, hat sie nie gestört. Während Dogge meist von seinen wohlhabenden Eltern allein gelassen wurde, ist Billy, aus einer Einwandererfamilie stammend, umgeben von einer Bastion der Liebe aufgewachsen. Als kriminelle Banden Billys Wohnviertel mehr und mehr beherrschen, werden sowohl Dogge als auch Billy rekrutiert. Allzu gerne schließen sich die beiden an - angelockt durch schnelles Geld und leichten Zugang zu Drogen. Doch dann will Billy mit Hilfe seiner Mutter aussteigen ...
Meine Meinung:
"Mit zitternden Händen" ist das zweite Werk der Autorin. Es geht um Billy und Dogge, die zusammen in ganz unterschiedlichen Verhältnissen aufwachsen und auf die schiefe Bahn geraten. Einerseits befinden wir uns in der Gegenwart in der der Mord von Billy aufgeklärt wird, andererseits erfährt man aber auch ,wie die Jungen sich kennengelernt haben und wie sie langsam aber sicher abgerutscht sind. Die Idee der Geschichte ist dabei wirklich gelungen und auch der Stil der Geschichte gefällt mir sehr gut.
Parallel habe ich herausgefunden, dass das erste Werk der Autorin als Netflix-Serie publiziert wurde. Ich habe daher die Serie parallel geschaut und obwohl die Geschichte thematisch eine ganz andere ist, hat man den Stil der Autorin wiedererkannt. Leider haben mir aber sowohl die Serie als auch ihr zweites Werk "Mit zitternden Händen" gar nicht gefallen. Das liegt daran, dass die Autorin zwar beide Male eine echt gute Idee hat und wirklich spannende Charaktere aufbaut, aber die Geschichten dann sehr einfallslos und unspannend enden. Man bekommt das Gefühl, dass die Autorin zwar eine gute Grundidee hat und es gelingt ihr auch Spannung aufzubauen und zu halten, aber sie hat eigentlich gar keine Idee für das Ende oder für eine spannende Wendung. Damit schleichen die Geschichten aus, sind sehr vorhersehbar und wenig überraschend. Ich habe hier irgendwie mehr erwartet und mir auch mehr vom Verlauf erhofft.
Fazit:
Obwohl die Grundidee eine wirklich gute ist, hat man das Gefühl, dass die Autorin gar keine Idee für das Ende der Geschichte hatte. Dadurch wirkt das ganze sehr einfallslos und wird der Idee nicht gerecht. Mehr als 2 Sterne kann ich leider nicht geben.
- Martin Conrath
Der Schattenreiter
(2)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66»Das Tor öffnete sich automatisch, wenn er einen bestimmten Punkt passierte. Starke Motoren zogen es in drei Sekunden nach oben. Sobald er die Garage verlassen hatte, schloss es sich ebenso schnell und automatisch. Sein Jeep und die Garage kommunizierten miteinander. Darüber staunte er immer wieder. Tote Dinge, die miteinander sprachen. So wie sein Navi und die Satelliten. Hat nicht jeder, der kommuniziert, eine Seele? Und kann man Seelen nicht töten? Natürlich. Er konnte Seelen töten, er konnte Wesen töten und Maschinen. Sogar das Tote konnte er töten.«
Im Saarland treibt ein Pferderipper sein Unwesen, schon zahlreiche Tiere fielen ihm zum Opfer. Eigentlich aber kein Fall für Kriminalhauptkommissar Martin Bremer, in dessen Aufgabenbereich die Aufklärung von Morden gehört. Doch dann wird auf eine Rechtsanwältin zu Pferd ein Anschlag verübt und plötzlich scheint es Verbindungen zu dem Ripper zu geben. Seine Ermittlungen führen Bremer auf einen nahgelegenen Reiterhof, was nicht unproblematisch ist, da er panische Angst vor Pferden hat…
Dieses Buch lässt mich ein wenig zwiespältig zurück. Lange Zeit habe ich mich gut unterhalten gefühlt, die Thematik mit dem Pferderipper ist ungewöhnlich, weshalb ich sie als reizvoll empfand. Obwohl mein tierliebes Herz an einigen Stellen laut aufschrie, speziell Pferdefreunde sollten sich gut überlegen, ob sie sich das hier antun wollen!
Daneben stehen natürlich noch weitere Themen im Fokus, allen voran der Mordanschlag auf die äußerst engagierte Rechtsanwältin. Als aktives Mitglied des Weißen Rings schlägt ihr Herz für den Opferschutz, kämpft sie dafür mit viel Einsatz und sammelt entsprechend reichlich Feinde. Viel Ermittlungsarbeit für Bremer und sein Team. Das hat mir alles sehr gut gefallen und die Art, wie Bremer sich seiner Angst stellt, fand ich klasse und spannend.
Jetzt kommt das „Aber“. Bei der Auflösung habe ich kopfschüttelnd in mein Buch gestarrt und mich gefragt, was das jetzt soll. Es gibt Motive, die erschließen sich mir einfach nicht, die empfinde ich nicht als logisch nachvollziehbar. Dieses hier gehört dazu. Andere Leser mögen das anders empfinden, mich hat der Schluss des ansonsten unterhaltsamen Krimis geärgert.
Fazit: Gute Idee, interessante Thematik und über weite Teile spannend. Die Auflösung hinkt aber für mein Empfinden.
- Rainer Wendt
Deutschland in Gefahr
(10)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
""Wir schaffen das" reicht nicht mehr. Die Menschen in unserem Land mitzunehmen, ihren Willen nicht zu ignorieren, die Schutzpflicht des Staates zu erfüllen und diejenigen zu stärken, die dem Gemeinwohl täglich dienen. Damit können wir eine Menge schaffen."
Die Schluss sollte wohl jedem Politiker an die Bürotür genagelt werden. Unser Land ist in Gefahr.
Und Rainer Wendt, der Vorsitzende der DPolG, hat es erkannt. Die Lücken die unser Rechtsstaat jedem Kriminellen, ganz gleich gegen welches geltende Recht verstoßen wird, darlegt ist schon fast lächerlich. Und die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands haben dies auch erkannt. Nur scheint es bei den Politikern einfach nicht anzukommen.
Dieses Buch ist von 2016. Und noch immer ist es aktueller den je. Die Misstände werden nicht besser oder beseitigt, sie werden großteils immernoch ignoriert. Nur wenn ein Amt oder ein Vorfall in den Medien für Aufsehen , scheint sich in den Köpfen der Politiker etwas zu drehen. Ein Zahnrad? Man kann nur hoffen, dass unser Staat wieder stark wird und an uns Bürgerinnen und Bürger denkt. Es geht um uns alle!





