Bücher mit dem Tag "ostasiatische literatur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "ostasiatische literatur" gekennzeichnet haben.

94 Bücher

  1. Cover des Buches 1Q84 (Buch 1, 2) (ISBN: 9783442743629)
    Haruki Murakami

    1Q84 (Buch 1, 2)

     (713)
    Aktuelle Rezension von: Gwennilein

    In gewohnter Haruki Murakami-Manier wird sicher wieder sehr viel Zeit für die einzelnen Charaktere und deren Geschichten genommen. Wer gerne liest und sich von dicken Büchern nicht abschrecken lässt, kommt hier wieder voll auf seine Kosten. Es macht einfach einen Unterscheid, wenn man sich Zeit lässt für die Details und völlig unaufgeregt durchs Buch wandert. Auch wenn die Thematik einer Fiktion und unrealistischen Geschichte normalerweise nicht meinem Geschmack entspricht, feiere ich dieses Buch wieder hart! Wie Haruki Murakami den Leser in Geschichten zieht, ist einmalig. Da wurde ich auch hier wieder nicht enttäuscht, sodass ich im Anschluss direkt in die Fortsetzung gestartet bin.

  2. Cover des Buches Kafka am Strand (ISBN: 9783442740437)
    Haruki Murakami

    Kafka am Strand

     (1.064)
    Aktuelle Rezension von: Countofcount

    Für mich ist „Kafka am Strand“ sicherlich eines DER Bücher.

    Murakami breitet seine surreale und kafkaeske Welt so dicht und verwoben aus wie das allenfalls noch in „Die Aufziehvogel-Chroniken“ und „1Q84“ geschieht. 

    Mehrere Handlungsstänge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben (und jeweils für sich schon „verrückt“ genug sind), werden kunstvoll verwoben.

    Wie immer bei Murakami kann man das Ganze entnervt nach wenigen Seiten (oder einigen Kapiteln) in die Ecke pfeffern, oder aber man lässt sich drauf ein und erlebt ein (wie ich finde) sehr sensibel gezeichnetes Werk. Natürlich sind sprechende Katzen (oder gar Kühlschränke mit Katzenköpfen), regnende Meeresbewohner oder UFO-ähnliche Geschehnisse nicht jedermanns Sache, ist aber letztlich auch egal, weil Murakami das in der Summe total kunstvoll kombiniert und atmosphärisch verwebt. 

    Und so ist -wie eigentlich so oft bei Murakami- das Thema „Einsamkeit“ / „Suche“ / „Sehnsucht nach Ankommen“ vorherrschend. 

    Für mich persönlich -wie gesagt- eines DER Bücher. Möglicherweise sogar DAS Buch.

  3. Cover des Buches Naokos Lächeln (ISBN: 9783442744947)
    Haruki Murakami

    Naokos Lächeln

     (928)
    Aktuelle Rezension von: Nackt_und_Gluecklich

    Haruki Murakami beweist, dass man Liebesgeschichten schreiben kann, ohne dass es kitschig ist. ohne dass man sich als Leser vor all den Klischees gruseln muss. Absolute Leseempfehlung.

  4. Cover des Buches Sputnik Sweetheart (ISBN: 9783832161002)
    Haruki Murakami

    Sputnik Sweetheart

     (385)
    Aktuelle Rezension von: schokobook

    Das Buch war ok. Erzählen kann der Autor wirklich. Ich frage mich nur, wo die Realität aufhört. Das Ende ist quasi wie eine Traumfrequenz oder Wunschdenken aus Sehnsucht. Solcher Art Enden sind für mich immer etwas schwierig. Ich rätsel dann immer noch lange darüber nach. Was will der Autor damit bezwecken? Ich hab hier so meine Therorie, aber auf Grund des Spoilerns kann ich es hier natürlich nicht bennen. Fazit ist, man muss ich auf den Autor und seinen Stil einstellen können und die Gedanken mal fliegen lassen. Es ist so völlig anders und das finde ich interessant.


    Gelesen: 06.05.2021 bis 14.05.2021

  5. Cover des Buches Wilde Schafsjagd (ISBN: 9783832178994)
    Haruki Murakami

    Wilde Schafsjagd

     (404)
    Aktuelle Rezension von: Syakka

    Die Geschichte liest sich locker weg. 

    Mir ist aber nicht klar, was mir der Künstler nun sagen wollte. Gefallen hat mir das Atmosphärische, man bekommt einen gewissen Eindruck vom alltäglichen Japan (der 70er). Aber die Schafsjagd war nicht wild, eher lahm, zu viele „Zufälle“, die die Suche weiterbringen, das Ende auch irgendwie dämlich...

    Also nein.... 

  6. Cover des Buches Liebe am Papierrand (ISBN: 9783746631233)
    Yoko Ogawa

    Liebe am Papierrand

     (49)
    Aktuelle Rezension von: JacqueRoe

    Klapptentext: "Ein junge Frau, die ein rätselhaftes Ohrenleiden hat, lernt einen Stenographen kennen. Sie fühlt sich auf geheimnisvolle Weise zu ihm hingezogen und bittet ihn, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Dank seiner Aufzeichnungen beginnt sie die Rästel ihrer Vergangenheit zu verstehen. Doch schon bald muss sie erkennen, dass der Stenograph nur eine begrenzte Menge Papier zur Verfügung hat ..."

    Eine junge Frau muss sich fast ganz verlieren um sich wieder zu finden und neue entdecken zu können. Schwach und zerbrechlich, wie auch zerbrochen beginnt ihr Weg, aus dem sie am Ende gestärkt und sich ihrer selbst vielleicht zum ersten Mal bewusst hervorgeht und bereits ist, sich dem Leben zu stellen. Dabei wünscht man ihr, dass sie der Zauber ihrer Ohren und seiner Hände nie verlassen möge.

    In einem muss ich dem Klappentext widersprechen - erst sehr nah am Ende der Geschichte, also keineswegs "schon bald" wird die Endlichkeit des Papiermenge klar. Zuvor passiert vieles unbeschwert von dieser Erkenntnis.

    Magie und Realität sind in diesem Roman auf so feine, so zarte und so leise Art miteinander verbunden. Erst ganz langsam beginnt man im Laufe der Geschichte zu enträtseln, wo die eine beginnt und die andere aufhört. Doch es gelingt am Ende nicht wirklich zwischen Magie und Realität sauber zu trennen; die Realität bleibt magisch, die Magie scheint real zu sein. Das Geheimnis darf ein Geheimnis bleiben.

    Yoko Ogawa ist ganz sicher ein Name, den ich mir merken werde. Gerne will ich noch mehr solch wunderbare wundersame Geschichten lesen.

  7. Cover des Buches Südlich der Grenze, westlich der Sonne (ISBN: 9783832197070)
    Haruki Murakami

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne

     (1.053)
    Aktuelle Rezension von: Milaliebt

    Haruki Murakamis Durchbruchsroman, „Gefährliche Geliebte“ ist im Jahr 2002 erschienen. Die Erstübersetzung aus dem Englischen sorgte für reichlich Furore. Die saloppe Sprache, verdeutlicht etwa durch die explizite Darstellung der Sexualität, führte zum Meinungsstreit und anschließenden Auflösung des literarischen Quartetts. Sigrid Löffler bezeichnete dort den Roman wortwörtlich als literarisches Fast Food – eine Art primitives Druckerzeugnis zum Mitnehmen. Für Marcel Reich-Ranicki sei das Buch hingegen ein Meisterwerk erotischer Erzählkunst.

    Die Zweitübersetzung des Werkes ist unter dem Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ im Jahr 2013 herausgekommen. Dieses Mal hat Ursula Gräfe die tragische Liebesgeschickte direkt aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt.

    In dem Roman geht es um Hajime, welcher als Einzelkind inmitten von Familien mit mehreren Kindern in einem japanischen Vorort aufwächst. In seiner Kindheit freundet er sich mit Shimamoto an – genauso ein Einzelkind und zudem noch gehbeeinträchtigt. Beide fühlen sich als Außenseiter in ihrer Gesellschaft. Mit ihr hört er Schallplatten, hält Händchen und philosophiert über die Zukunft. Sie scheint sein Ausweg aus der Einsamkeit zu sein. Nachdem Hajime im Alter von zwölf Jahren umzieht, verlieren sich beide allmählich aus den Augen. Es folgen eine Vielzahl von Beziehungen. Mal sind die Beziehungen schüchtern-platonisch, ein anderes Mal exzessiv-sexuell. Immerzu denkt Hajime an Shimamoto. Mit Ende dreißig ist er beinahe glücklich verheiratet, hat zwei gutlaufende Jazz-Bars in Tokio und zwei kleine Töchter. Als seine Kindheitsgeliebte nach Jahrzehnten in seiner Jazz-Bar auftaucht, steht sein Leben Kopf. Seither erscheint sie immer wieder an regnerischen Abenden, woraufhin sie im nächsten Moment wieder geheimnisvoll und ungreifbar verschwindet. Für Shimamoto ist Hajime bereit sein bisheriges Leben aufzugeben und komplett neu anzufangen, doch gelingt es ihm?

    Der neue Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ ist ebenfalls direkt aus dem japanischen Original  übersetzt und erscheint passender als der Titel „Gefährliche Geliebte“ aus der Erstübersetzung. Ein Teil des Romantitels bezieht sich auf Nat King Cole´s Jazz-Lied „South of the Bourder“, wobei unklar ist, ob Nate King Cole dieses Lied je wirklich aufgenommen hat. 

    Der Schreibstil von Haruki Murakami ist schlicht und nüchtern gehalten. Im Gegensatz zur Erstübersetzung ist „Südlich der Grenze, westliche der Sonne“ sprachlich und stilistisch viel sorgfältiger, feinfühliger und zurückhaltender ausgearbeitet. Die Höflichkeitsrede „Shimamoto-san“ wird bei der Neuübersetzung komplett weggelassen, sodass das Verhältnis zwischen Hajime und Shimamoto weniger distanziert wirkt. Die vom literarischen Quartett kritisierte Darstellung der Sexualität an folgender Stelle: „Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln“ wird mit „[Wir] hatten so wilden Sex, dass uns das Hirn schmolz“ abgemildert. 

    [Die folgenden Absätze enthalten Spoiler!]

    Durch die Ich-Perspektive entsteht ein detailliertes Bild von Hajime und seinem Werdegang Diese Erzählart lässt Hajime aber nicht als sympathischen Charakter auftreten. Das muss er aber auch nicht sein. In seinen dreißiger Jahren verkörpert er einen archetypischen Großstädter, der mithilfe seines Schwiegervaters, einem reichen Bauunternehmer, zwei Jazz-Clubs eröffnet. Auf Drängen investiert er seine Einnahmen in die Börse und in Immobilien, wodurch er schnell an Geld kommt. Hajime passt sich immer mehr der Gesellschaft und dem dazugehörigen Nachkriegskapitalismus an, obwohl er eigentlich aus ihr herausbrechen möchte. Trotz Familiengründung und gewonnenem Reichtum bleibt Hajime unerfüllt. Er hat das Gefühl, dass ihm etwas fehlt und er keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Motive der Melancholie, Einsamkeit und Sehnsucht ziehen sich durch das gesamtes Werk. 

    Bis auf seine Kindheitsgeliebte bekommen Frauen aus seinem Leben wenig Raum eingeräumt. Sie scheinen wortwörtlich als Lückenfüller zu fungieren. Shimamoto wird dagegen von Hajime seit seinen Kindheitstagen idealisiert. Sie scheint für ihn der einzige Weg aus seiner Einsamkeit zu sein. Shimamoto wird zur autonomen Herrscherin über Hajimes Gefühle. Dabei weiß dieser nichts über die Hintergründe ihres späteren Lebens. Stattdessen hält er an den Erinnerungen seiner Kindheit fest. Ob das Auftauchen von Shimamoto der Wirklichkeit entspricht oder eine Illusion von Hajime verbleibt, wird bis zum Schluss nicht aufgelöst. Hierbei kommt Murakamis Hang zum Fantastischen durch. Genauso führen viele Nebenhandlungen ins Leere, was manchen wohl unbefriedigt zurücklässt. 

    Letztlich ist Murakamis Werk „Südlich der Grenze, westliche der Sonne“ eine tragische japanische Liebesgeschichte, die auf einer leisen und verträumten Art und Weise erzählt wird. Wer kein Problem damit hat, dass die Erzählung viel Interpretationsraum lässt, sollte unbedingt einen Blick ins Buch werfen.

  8. Cover des Buches Tanz mit dem Schafsmann (ISBN: 9783832155339)
    Haruki Murakami

    Tanz mit dem Schafsmann

     (284)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania
    Im zweiten Teil des Schafsmann-Reihe findet sich der Ich-Erzähler zu Hause wieder, hat sich aber verloren.
    Er träumt von Kiki. Sie ruft ihn und jemand weint um ihn. Nachdem Kiki spurlos verschwunden ist, macht sich
    der Erzähler nun doch auf den Weg sie zu suchen. Er fährt wieder in das Hotel Delfin, denn da begann auch damals
    alles. Nun freundet er sich mit einer Rezeptionistin an und erneuert den Kontakt zu einem alten Schulkameraden.
    Als er sich auch noch um ein 13-jähriges Mädchen kümmern soll, gerät alles aus den Fugen.
    Der erste Teil hat mir ein bisschen besser gefallen, da der surrealistische Anteil höher war, was ich besonders
    mag an Murakami. Dennoch wieder eine tolle Geschichte, die mich in Murakamis Welt geführt hat. Toll ausgearbeitete
    Figuren, ein Ich-Erzähler, der ganz typisch für Murakami mit dessen Vorlieben daherkommt. Ein sympathischer
    Charakter, mit dem man am liebsten selbst befreundet sein möchte.
    Besonders gut hat mir der Charakter von Yuki gefallen. Ein mysteriöses Mädchen, das der Geschichte einen
    zusätzlichen Glanz verliehen hat.
    Gott sei Dank habe ich noch ein paar Murakamis offen, ich liebe diesen Schriftsteller einfach!
  9. Cover des Buches Der Zorn der Wölfe (ISBN: 9783442473953)
    Jiang Rong

    Der Zorn der Wölfe

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Arun

    Möchte euch ein interessantes Buch vorstellen welches ich gerade beendet habe.

    Es handelt sich um einen autobiografischen Roman des Chinesen Lu Jiamin den er unter dem Pseudonym Jiang Rong im Jahr 2004 veröffentlichte.

    Dieser Roman wurde seitdem mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet.

    Die Handlung ist während der Kulturrevolution in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Gebiet der inneren Mongolei angesiedelt.

    Er behandelt das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien in diesem Gebiet, legt einen starken Fokus auf die Lebensweise der Mongolen und bringt uns die Flora und Fauna des Landes auf eine ausdrucksvolle Art und Weise näher!

    Mein Kurzkommentar: Ein Roman über die Politik des Riesenreiches China mit einem starken Bezug auf die Tierwelt, welches ein Lehrstück über die Zerstörung der Lebensbedingungen und der Umwelt bietet!

  10. Cover des Buches Das Museum der Stille (ISBN: 9783746630069)
    Yoko Ogawa

    Das Museum der Stille

     (37)
    Aktuelle Rezension von: efell

    Das war ein schönes Buch, diese Autorin schreibt wirklich wunderbar!
    Ein interessantes Thema  - was bleibt wirklich über, was war das Charakteristium deines Lebens, an was erinnert sich die Nachtwelt? Welche Geschichten werden erzählt? Solch ein Museum müsste sehr interessant sein.
    Aber auch andere Aspekte des Lebens wurden angerissen: brauchen wir so viel Sprache? Können wir uns auch anderes mitteilen? oder: jeder hat seinen Platz bei einem Projekt, jeder ist wichtig.
    Sehr lyrisch und schön geschrieben, eindrucksvolle Bilder entstehen beim Lesen, eingebunden die extremen Jahreszeiten  - ein großer Lesegenuss.
  11. Cover des Buches Die Chroniken des Aufziehvogels (ISBN: 9783832181420)
    Haruki Murakami

    Die Chroniken des Aufziehvogels

     (587)
    Aktuelle Rezension von: HansDurrer

    Diese Neuübersetzung aus dem Japanischen von Ursula Gräfe ist um 300 Seiten länger als die alte Übersetzung aus dem Englischen, lässt der Verlag wissen.

    Murakamis Schreiben hat etwas Leichtes und macht mich oft lachen. „Während ich den Garten betrachtete, blieb die Taube auf der Antenne sitzen und gurrte mit einer Zuverlässigkeit und Regelmässigkeit, die einem Finanzbeamten alle Ehre gemacht hätte.“

    Der Protagonist Toru Okada, ist 30 Jahre alt, hat Jura studiert, als Botenjunge in einer Anwaltskanzlei gearbeitet und dann seinen Job aufgegeben – eine Existenz als Anwalt konnte er sich nicht vorstellen. Sein Leben stagniert. Seine Frau Kumiko ist Redakteurin bei einer Zeitschrift für Natur- und Gesundheitskost. Der Kater der beiden ist davongelaufen. Malta Kano („Frau Kano war sehr schön. Zumindest sehr viel hübscher, als ich sie mir beim Klang ihrer Stimme am Telefon vorgestellt hatte.“), die über hellseherische Fähigkeiten verfügt, soll helfen, ihn wiederzufinden.

    Frau Kano hat eine jüngere Schwester, Kreta Kano, die von Kumikos Bruder Noboru Wataya, einem seelenlosen Typen par excellence, vergewaltigt wurde. Bei Toru Okadas Beschreibung seines Schwagers, fühlte ich mich an Donald Trump erinnert. „Er war ein zutiefst gemeiner Mensch und ein hohler Egoist. Aber ganz eindeutig tüchtiger als ich.“

    Bei der Suche nach dem Kater stösst Herr Aufziehvogel, wie Toru Okada genannt wird, auch auf die 16jährige, sehr gewitzte May Kasahara, die bei einem Perückenhersteller arbeitet. „In der Firma, in der ich arbeite, darf man niemals das Wort ‚Glatze‘ verwenden. Wir müssen immer von ‚Herren mit zurückweichendem Haaransatz‘ sprechen. ‚Glatze‘ ist nämlich diskriminierend. Einmal habe ich zum Spass ‚Menschen mit Haupthaarbehinderung‘ gesagt. Da ist der Chef sofort ausgerastet. Das sei überhaupt nicht witzig und völlig unpassend. Die nehmen ihren Beruf alle total ernst. Kennen Sie das? Die meisten Leute auf dieser Welt nehmen alles total ernst.“

    Halte ich mich in einer mir unbekannten Gegend auf, finde ich so recht eigentlich alles interessant und speziell das Alltägliche. Murakami beschreibt viel Alltägliches, wodurch dieses gleichzeitig spannend und seltsam wirkt. „Kaum tut man einen Schritt aus dem Haus, hören sich alle Telefone gleich an.“

    Von Herrn Honda, einem Mann mit übersinnlichen Kräften, lese ich. „Wie Herr Honda damals sagte, ist das Schicksal etwas, worauf man im Nachhinein zurückblickt, und nichts, das man im Voraus kennen sollte.“ Und von grausamen Mongolen und pflichtgetreuen Japanern erfahre ich.

    Eines Nachts dann kommt Kumiko nicht nach Hause, bleibt auch am andern Morgen verschwunden. Nach und nach stellt sich heraus, dass es da einen anderen Mann gibt und sie sich scheiden lassen will.

    Die Chroniken des Aufziehvogels zeichnet sich durch wunderbare, oft sehr witzige Dialoge aus, dann aber auch immer wieder durch Sätze, die mich nicht nur schmunzeln machen („Ich seufzte. Nicht dass Seufzen geholfen hätte, aber ich konnte nicht anders.“), sondern die ich auch wunderbar anregend finde. „Ich dachte kurz an irgendetwas und entliess es ins Leere.“ Murakami zu lesen, bedeutet immer auch, seine Aufmerksamkeit zu schulen. „Sagen wir mal, die Menschen würden ewig leben, nie älter werden und die ganze Zeit gesund bleiben. Meinen Sie, die würden überhaupt noch nachdenken, so wie wir? Wir machen uns doch Gedanken über mehr oder weniger alles. Philosophie, Psychologie, Logik, Religion, Literatur und so. Aber ohne den Tod käme doch kein Mensch auf so komplizierte Ideen.“

    Mit den Schwestern Kano und der jungen May Kasahara ist Herr Aufziehvogel auf eine sehr spezielle Art verbunden; alle drei scheinen an ihm Seiten wahrzunehmen, die ihm selber gar nicht bewusst sind, ihn jedoch wesentlich ausmachen.

    Eines Tages bemerkt er in seinem Gesicht ein Mal, hält sich drei Tage zum Nachdenken am Grund eines Brunnens auf, wo er von Kreta Kano besucht wird. Er macht sich kundig über die japanische Besetzung der Mandschurei. Und eines Nachts liegt plötzlich die nackte Kreta Karo neben ihm im Bett. Sehr unterschiedliche und teilweise höchst unwahrscheinliche Geschichten gehen nahtlos und ganz unaufgeregt ineinander über, ganz so als ob das Leben ein Traum und eigenartig unwirklich wäre – was es ja auch ist.

    Die Chroniken des Aufziehvogels ist ein sehr philosophisches Werk, mit dem Akzent auf Spüren („Daraufhin nahm sie meine Hand und legte sie auf die Narbe an ihrem Auge. Als ich über May Kasaharas Narbe strich, übertrugen sich die Wellen ihres Bewusstseins auf meine Fingerspitze. Es war ein leichtes, wie suchendes Zittern.“) und Wahrnehmen („Hingucken kann doch eigentlich jeder.“). Gleichzeitig ist es ein surreales Werk von einer wunderbaren Leichtigkeit, reich an subtilem Witz. Sie habe keine Ahnung wie sie aus dem Brunnen raus und zu ihm ins Bett gekommen sei, sagt Kreta Kano. „’Meine Erinnerung reisst mittendrin ab. Der Riss ist so breit.‘ Kreta Kano hob beide Zeigefinger und zeigte mir einen Abstand von etwa zwanzig Zentimetern. Mir war unklar, wie viel Zeit das bedeuten sollte.“

    Dann will sie mit ihm nach Kreta reisen, um ihn, wie sie ihm mitteilt, vor etwas sehr Schlimmem zu bewahren. Doch zuvor will sie ihren Namen ablegen und nicht mehr als Medium im Einsatz stehen. Sie fliegt hin, er bleibt zurück. Was dann geschieht, soll hier nicht verraten werden … Nur soviel: Toru Okada möchte das Nachbargrundstück erwerben, auf dem ein Fluch liegt …

  12. Cover des Buches Blinde Weide, schlafende Frau (ISBN: 9783442736881)
    Haruki Murakami

    Blinde Weide, schlafende Frau

     (118)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    In "Blinde Weide, schlafende Frau" wurden 24 Kurzgeschichten aus verschiedenen Murakami-Epochen zusammengefasst. Die 24 Kurzgeschichten ähneln den 24 Stunden eines Tagesverlaufs mit unterschiedlichstem Lichteinfall und stimmungsschwankender Ausprägung, mal ruhig und melancholisch, dann wieder beunruhigend, alptraumartig. Aus manchen, wie z.B. Glühwürmchen wurden Romane, in diesem Fall "Naokos Lächeln".
    Für mich zeigt Murakami auch mit seinen Kurzgeschichten, wie gekonnt er unsere Abgründe zu beleuchten vermag. Wie ein Herrscher über Unterbewusstsein und Vorstellungskraft erzählt er surreale Traumbilder ohne seine Protagonisten zu entblößen. Verletzlichkeit ist bei ihm nie Schwäche, Einsamkeit nie anstössig. Ich mag sein Begehren, seine Sehnsüchte, die Tiefe der Gefühle, Gefühle, die verweilen ohne sich rechtfertigen zu wollen.

  13. Cover des Buches Alles, was wir geben mussten (ISBN: 9783896676962)
    Kazuo Ishiguro

    Alles, was wir geben mussten

     (572)
    Aktuelle Rezension von: PatriciaJanzen

    Wie ernst das Thema, die Idee zu dem Roman und das Schicksal der drei Freunde in "Alles, was wir geben mussten" sind, habe ich erst während des Lesens so richtig begriffen. Anfangs empfand ich die Handlung noch als sehr unspektakulär - es werden Erlebnisse aus dem ganz normalen Leben eines Kindes erzählt, die eigentlich kaum Bedeutung zu haben scheinen. Doch immer wieder gibt es Momente, in denen man beim Lesen kurz stockt, misstrauisch wird. Ist das hier wirklich alles so unkompliziert, wie es scheint? Die Antwort: Nein, ist es nicht. Lasst euch nicht täuschen. Ab einem bestimmten Punkt in der Geschichte wird das Ausmaß der Grausamkeit seiner Welt überdeutlich. Ein Gedankenexperiment, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht - man könnte es vielleicht eine "Vergangenheitsdystopie" nennen, denn die Handlung trägt sich im späten 20. Jahrhundert zu. Was der Kern dieser Erzählung ist, möchte ich nicht verraten, denn am meisten Wirkung hat sie, denke ich, wenn man genau das nicht kommen sieht. Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass Kazuo Ishiguro hier wirklich meisterhaft gearbeitet hat. Eindringlich, erschreckend, herausfordernd. 4,5 🌟

  14. Cover des Buches Die Umarmung des Todes (ISBN: 9783442458523)
    Natsuo Kirino

    Die Umarmung des Todes

     (83)
    Aktuelle Rezension von: thesmallnoble
    Die in tristen Verhältnissen lebende Yayoi bringt im Affekt ihren nichtsnutzigen Gatten um. Ihre drei, ein ebenfalls tristes Dasein fristenden, Kolleginnen helfen bei der Zerstückelung der Leiche und deren Entsorgung per Müllabfuhr. Die Polizei findet Leichenteile und verdächtigt ein Yakuzamitglied. Dem ist zwar nichts nachzuweisen, aufgrund der Untersuchungshaft verliert er aber seinen Amüsierbetrieb und damit seine Geldquelle. Er sinnt auf Rache, während ein Teil des Frauenquartetts einen Leichenentsorgungsbetrieb aufzuziehen versucht...........

    Der Plot, der einen amerikanischen Autor vielleicht zur breiten Darstellung eines Gemetzels veranlasst hätte, einem Spanier möglicherweise zur Burleske geraten wäre, wird von der japanischen Autorin zu einem tiefgründigen, fesselnden Psychodrama von hoher Qualität komponiert.

    Die Charaktere aller Hauptpersonen werden durch eine ständig wechselnde Erzählperspektive kunstvoll nahe gebracht. Das von Kirino dargestellte Leben der Durchschnittsjapaner ist freudlos. Die handelnden Personen sind nicht gut oder böse - nicht Schwarz oder Weiss werden dargestellt, sondern Abstufungen von tristem Grau.

    In dieser Welt taugt jeder zum Verbrecher, das Verbrechen holt die Akteure kurzfristig aus dem immer gleichen Trott, bringt Emotion und Abwechslung.

    So ist das Buch manchmal makaber, manchmal verstörend, aber immer von hoher literarischer Qualität und nie langweilig
  15. Cover des Buches Rashomon (ISBN: 9783630620121)
    Ryunosuke Akutagawa

    Rashomon

     (36)
    Aktuelle Rezension von: dzaushang
    Nicht alle Erzählungen dieser Sammlung haben mir gefallen. Aber für die, welche mir sehr gut gefallen haben - Rashomon, Der Affe, Der Faden der Spinne, Kesa und Morito, Die Hölle, Der Drache ( um nur einige zu nennen) - gebe ich noch vier Sterne. Geschichten aus Japan, aus einer längst vergangenen Welt und Zeit, die uns heute immer noch etwas zu sagen haben. Lesenswert!
  16. Cover des Buches Stadt der Steine (ISBN: 9783442463305)
    Xiaolu Guo

    Stadt der Steine

     (19)
    Aktuelle Rezension von: sommerlese
    Dieser Roman lässt uns China und seine Menschen besser verstehen. Fesselnd, aufwühlend und sehr intensiv geschrieben.

    Der Roman "Stadt der Steine" der chinesischen Autorin Xiaolu Gu erschien bereits 2005. 2018 wird er im Knaus Verlag neu aufgelegt.


    Die junge Chinesin Coral Jiang lebt mit ihrem Freund Red in einem Wolkenkratzer mitten in der Millionenstadt Beijing. Eines Tages erhält sie ein Paket ohne Absender, darin befindet sie ein
    getrockneter Aal. Schon der Geruch erinnert sie an ihre Kindheit in der kleinen Fischersiedlung, die Stadt der Steine. Mit Macht kommen Gefühle, Erinnerungen und tief vergrabene Erlebnisse in ihr hoch, die sie damals dazu brachten, diesen Ort für immer zu verlassen.

    Die Stadt der Steine ist ein ursprüngliches Fischerdorf am ostchinesischen Meer in dem gewaltige Taifune für Verwüstungen sorgen, wo die Menschen wortkarg und mit wenig Schulwissen ihr karges, hartes Leben als Fischer fristen und die althergebrachten Traditionen gelebt werden. Wo nur die Geburten der Söhne etwas zählen und Zwangsheiraten und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind.

    Mit kurzen, prägnanten und sehr aufwühlenden Sätzen zeichnet die Autorin ein nachdenklich machendes Bild dieses Ortes, stellvertretend für die vielen anderen ländlichen Gebiete Chinas. Als Waise wächst Coral eher geduldet als geliebt bei ihren Großeltern auf. In einem Haus, indem statt Lachen und Leben, Einsamkeit, Wortlosigkeit und Gewalt regierte.

    Die Geschichte von Coral wird nicht immer vollständig beschrieben, manche Dinge muss sich der Leser aus dem Kontext heraus denken. Doch gerade das macht das Buch so dramatisch und eindringlich. Gewalt und scheinbar lieblose Familienbande haben ihre Spuren auch in Corals Leben hinterlassen. Sie hat es geschafft, die Schatten ihrer Vergangenheit aus ihrem Leben zu verbannen, doch der nach alter Tradition der Stadt, gesalzene, getrocknete Aal bringt alle Gefühle wieder zurück.


    Mit diesem Roman gewinnt man ungeahnte Einblicke in Chinas Traditionen, Lebensbedingungen und den Wandel zur Moderne. Mit dem Aal kommen auch bei Coral die Erinnerungen, die sie solange unterdrückt hat, zurück. Schlimme Erlebnisse, sexuelle Gewalt und große Armut.


    Man ist beim Lesen sehr betroffen und wird nachdenklich, denn dieser bildgewaltige Roman hinterlässt seine Spuren. Ein sehr zu empfehlender Roman über das traditionelle China und das Leben in den modernen Großstädten Chinas.

  17. Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783596178681)
    Yu Hua

    Brüder

     (25)
    Aktuelle Rezension von: PaulTemple
     Die epische Geschichte zweier Brüder spannt sich von den Tagen der Kulturrevolution bis in die 2000er Jahre, so dass die Protagonisten den Aufschwung Chinas zur Weltmacht miterleben und auch mitgestalten. Warum hat mir der Roman insgesamt nur mittelmäßig gefallen? Einerseits ist der Auf- bzw Abstieg der ungleichen Brüder mit sehr viel Humor erzählt, der leider nicht meinen Geschmack trifft und mir an vielen Stellen schlicht zu albern und über dreht ist. Zum anderen ist die Handlung vielerorts sehr in die Länge gezogen, was den Lesefluss etwas eintrübt und mich nicht immer zum Weiter lesen animiert hat. 
  18. Cover des Buches Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß (ISBN: 9783446263697)
    Hiromi Kawakami

    Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

     (153)
    Aktuelle Rezension von: culejule

    Der Kauf des Buches erfolgte aufgrund des doch für mich ansprechenden Covers und es erwartete mich auf 183 Seiten eine Liebesgeschichte zwischen der Ende 30-Jährigen Tsukiko und ihrem ehemaligem Japanischlehrer Sensei, der über 20 Jahre älter als Tsukiko ist.

    Aus den anfänglischen Begegnungen zwischen den beiden entsteht eine Liebe, deren Verlauf für mich als Leser eingebettet in zarten leisen Tönen und stark sprechenden Bildern ein Lesegenuss war. 

    Und trotzdem gibt es einen Stern Abzug, da mir irgendwie das Gefühl gefehlt hat und dieses Buch für mich letztendlich nur eine entschleunigende poetische Liebesgeschichte war. Ich empfehle dieses Buch jedem, der japanische Literatur mag und jedem, der noch für die anstehende Frühlingssaison ein kleines Lesevergnügen zum Abschalten sucht.

  19. Cover des Buches Ein Kirschbaum im Winter (ISBN: 9783423112970)
    Yasunari Kawabata

    Ein Kirschbaum im Winter

     (20)
    Aktuelle Rezension von: dzaushang
    Yasunari Kawabatas Roman Ein Kirschbaum im Winter erzählt von der Nachkriegszeit in Japan. Auch in Japan ist durch den großen Krieg vieles von den alten Traditionen und Moralvorstellungen durcheinander geraten und in Frage gestellt. Insbesondere die Stellung des Mannes in Gesellschaft und Familie ist, nach verlorenem Krieg, stark ins Wanken geraten. Shingo Ogata, sechzig Jahre alt, will sich eigentlich nur an den Früchte seines langen Lebens erfreuen. Doch nur allzu deutlich werden ihm jetzt seine Grenzen als Mann, als Oberhaupt der Familie leidvoll vor Augen geführt, überschlagen sich die Ereignisse in seiner Familie. Er flüchtet deshalb auch immer öfter in eine Traumwelt, in der das Alte noch Bestand hat, das Schöne und das Vergangene. Nichts scheint er mehr ausrichten zu können, das Schicksal seiner Familie gestalten zu können gelingt nicht mehr. Die Ehen seiner zwei Kinder sind gescheitert oder stehen auf der Kippe. Die Sorge um die Kinder, die sich nicht so verhalten wie er es erwartet, ja, die noch nicht einmal das Leben leben, das sie sich selbst erhoffen, lastet schwer auf ihm. Ob sein Leben ein Erfolg war oder nicht, hängt für ihn aber davon ab, ob das Eheleben der Kinder ein Erfolg ist oder ein Fehlschlag. In einer sich verändernden Welt sieht Ogata sich an seinem Lebensabend mit Themen wie Scheidung, Ehebruch, mit unehelichen Kindern, Abtreibung, Drogenabhängigkeit und Selbstmord konfrontiert. Es scheint keinen Ausweg zu geben, die Familie scheint an den Belastungen zu zerbrechen. Ein Kirschbaum im Winter ist ein wunderbarer, leiser und einfühlsamer Roman über das Schicksal von Menschen im gesellschaftlichen Umbruch. Das Alte ist noch nicht ganz vergangen, verliert aber mehr und mehr an Wirkkraft, das Neue zeigt sich in ersten Umrissen vermag aber dem Leben des Einzelnen in Familie und Gesellschaft noch keinen neuen Halt zu geben. Die Kunst liegt darin, in und an dieser Orientierungslosigkeit nicht zu zerbrechen.
  20. Cover des Buches Afterdark (ISBN: 9783832186036)
    Haruki Murakami

    Afterdark

     (336)
    Aktuelle Rezension von: Eliza08

    Mit einer großen Portion Mystik und Stille sowie leichten Staccato-Artigen Tempowechseln in Handlungen und Sprache ist dem Autor ein äußerst interessantes Werk gelungen. Das Cover ist bunt und dunkel gestaltet. Der Leser erkennt eine Restaurantszene in deren Vordergrund ein junges Paar an einem Tisch sitzt. Der Klappentext ist sehr kurz und weiß den Leser durch geschickte Passagen eine große Vorfreude auf das Buch zu geben. In der wesentlichen Handlung, welche zwischen Mitternacht und Morgen in Tokio spielt, geht es um die 19-jährige Marie welche ein Geheimnis mit sich trägt. Sie begegnet dem sehr undurchschaubaren Künstler Takahashi und lässt sich auf einen Streifzug durch das nächtliche Tokio ein. Dabei lernt sie so einiges über sich selbst aber auch über die Menschen, die ihr während der kurzen Reise begegnen. Die Hauptdarstellerin ist eine sehr zurückhaltende und eingeschüchterte Persönlichkeit, welche im ewigen Schatten ihrer Schwester Eri steht. Dabei gibt sie erst spät das wahre Geheimnis ihrer Schwester preis und lässt sich im Laufe der Erzählung immer mehr Geheimnisse entlocken. Sie ist die „stille Heldin“ der Geschichte. Die wesentlichen Nebendarsteller der Geschichte sind der Künstler Takahashi, der Büroangestellte Shirokama sowie Frau Kaouru sowie die Angestellte Grille. Am besten hat mir Takahashi gefallen, zeigt er doch mehr Tiefgang als Mensch als man am Anfang erwarten durfte.  Der Aufbau der Geschichte ist stringent und es sind keine Zeitsprünge vorhanden. Die Erzählung spielt in einer Nacht und ist durch die genaue Auflistung der jeweiligen Uhrzeit am Anfang eines Kapitels sehr gut zeitlich und örtlich einordbar. Die Spannung der Geschichte entwickelt sich sehr langsam und findet ein sehr sonderbares Ende. Der Schreibstil des Autors ist monumental, verspielt und mit einer fast schon blues-artigen Note versehen. Düster mit gleichzeitig erhellenden Monumenten der Freunde und Hoffnung werden im nächsten Kapitel mit einer großen Portion Pessimismus versehen. Der Leser wird aufgerichtet und anschließend wieder in die Dunkelheit zurückgelassen. Das Besondere an diesem Roman ist die Erzählperspektive. Der Leser taucht ein wie ein Beobachter der Situation um anschließend direkt am Handlungsgeschehen teilzuhaben. Mich persönlich hat diese Erzählweise sehr fasziniert. Das Fazit des Romans ist positiv. In einem Festspiel zwischen Erzählung, Roman, Krimi und Tragik finden sich sehr viele Facetten des schriftstellerischen Handelns in diesem Buch wieder. Auch das Ende ist sehr sonderbar fast, wie ein Traum, aus dem man wieder aufwacht und in dem man am liebsten wieder eintauchen würde oder es besser sofort ganz lassen sollte. Für alle Leser von speziellen Geschichten und einem kleinen Interesse an der sehr diffizilen, aber auch verletzlichen Kultur Japans könnte diese Erzählung genau das Richtige sein.

  21. Cover des Buches In der Misosuppe (ISBN: 9783462037333)
    Ryu Murakami

    In der Misosuppe

     (88)
    Aktuelle Rezension von: Rija21
    Am anfang sehr langweilig da muss man sich regelrecht durchbeißen beim lesen. Und es passieren auch nicht wirklich spannende dinge. 
  22. Cover des Buches Die merkwürdigen Fälle des Dr. Irabu (ISBN: 9783442740604)
    Hideo Okuda

    Die merkwürdigen Fälle des Dr. Irabu

     (16)
    Aktuelle Rezension von: gedankenchaotiin

    Natürlich musste auch der dritte Teil her, nachdem ich die ersten beiden Teile der Reihe schon verschlungen habe. Dr. Irabu ist und bleibt ein Psychiater, wie er wortwörtlich im Buche steht. Seine Methoden sind so unkonventionell, dass sie einen schon wieder zum Lachen bringen. Und das "Schlimme" daran ist.. sie haben Erfolg.


    Sei es, um dem Geschäftsführer einer großen Tageszeitung die Angst vor der Dunkelheit zu nehmen oder einem erfolgreichen Geschäftsmann dazuzubringen, wieder in den Kindergarten zu gehen. Die Schauspielerin, die Angst vor dem Alter hat, ist seinen Methoden ebenso wenig gewachsen, wie der Beamte, der plötzlich in die Abgeschiedenheit seines eigenen Landes versetzt wird.

    Alle suchen sie mehr oder weniger freiwillig Hilfe bei dem eigenwilligen Arzt, welcher sich ihrer ohne zu Zögern annimmt.

    Immer mit dabei seine Krankenschwester Mayumi, welche ebenso wenig alle Tassen im Schrank hat und doch einfach nur herrlich zu ihm passt.

    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich einem solchen Arzt und seiner Krankenschwester wirklich einmal begegnen will.

    Der Schreibstil des Autors schmeisst einen sofort mitten in die vier Geschichten und allein aufgrund seiner unkonventionellen Methoden kann man das Buch nicht eher aus der Hand legen, bis man weiss, ob er Erfolg hat, zumal die Methoden seiner Heilungsmassnahmen nicht nur dem Patienten helfen, sondern auch ihm selbst.




    5 von 5 Sonnenblumen "muss" ich auch hier wieder vergeben
  23. Cover des Buches Der zerbrochene Schmetterling (ISBN: 9783935890472)
    Yoko Ogawa

    Der zerbrochene Schmetterling

     (10)
    Aktuelle Rezension von: lesemaus

    Das Schwimmbad

    Also die ersten Seiten vermitteln dem Leser ein nettes, schütternes, verliebtes Mädchen. Sie schaut jeden Tag einem Jungen, in den sie verliebt ist, beim Wasserspringen zu. Die Beiden wohnen gemeinsam in einem Waisenhaus, wobei sie das Kind der Betreiber ist, und haben sehr wenig mit einander zu tun. Sie fühlt sich geborgen bei ihm, aber verabscheut die anderen Kinder. Sie quält eines der Kinder, ein Baby, welches wehrlos und sprachlos ist, indem sie dieses in dunkles, nasses Fass setzt und diesem beim Schreien und Weinen zuschaut. Grausam!! Noch schlimmer wird es als sie das Baby mit einem verfaulten Windbeutel vergiftet. Das Mädchen fühlt keine Schuld, merkt aber nicht, dass sie selber bei ihrem schrecklichen Handeln beobachtet wird. Am Schluss kommt es zur gerechten Strafe.

    Das vollkommene Krankenzimmer

    Der Bruder lässt sich in das Krankenhaus einliefern, indem auch seine Schwester arbeitet. Dort erfahren beide, dass er unheilbar krankist und bald stirbt. Da erkennt sie, dass sie ihren Bruder liebt. Dort lernt sie den Arzt ihres Bruders und dieser ist der Sohn von Eltern, die ein Waisenhaus betreiben und es kommt Wasser ins Spiel, als hätte die Erzählung eine Verbindung zu der vorherigen. Eine schlichte, ruhige Erzählung.

    Der zerbrochene Schmetterling

     Diese Erzählung beschreibt wie sich eine Frau, nachdem sie ihre senile Großmutter in einem Heim abgeben hat, verändert. Diese Veränderung beruht nicht nur darauf, dass die Großmutter weg ist und sie jetzt alleine in der Wohnung lebt, sondern auch, dass sie schwanger ist.

    Fazit: Ogawas Sprache ist an vielen Stellen ekelig und man möchte schnell diese Wörter überfliegen. Die Erzählungen sind leicht und schnell gelesen :)

  24. Cover des Buches Die Go-Spielerin (ISBN: 9783492272759)
    Shan Sa

    Die Go-Spielerin

     (54)
    Aktuelle Rezension von: sumsidie
    In kargen Worten erfahren wir wie ein japanischer Soldat in der Mandschurei in den Krieg zieht. Parallel dazu verfolgt der Leser die weibliche Hauptperson, eine Chinesin, die langsam vom Mädchen zur jungen Frau wird. Gegen Ende des Buches treffen sich die beiden Hauptpersonen auf einem Platz zum Go spielen, das hier als ein intensives Kennenlernen auf einer alternativen Kommunikationsebene geschildert wird. Obwohl die Geschichte sehr schön zum Lesen war, haben mich die Hauptpersonen nicht überzeugen können. Sie sind viel zu reflektiert und selbstkritisch, das wirkt an einigen Stellen leider gekünstelt.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks