Bücher mit dem Tag "ostberlin"
23 Bücher
- Helga Schubert
Luft zum Leben
(111)Aktuelle Rezension von: mimitati_555Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was eben so zusammenkommt in dem unglaublichen Zeitraum zwischen 1960 und 2025. Als Helga Schubert mit dem Schreiben anfing, war ich also noch nicht einmal geboren, man stelle sich das nur vor!
»Mit meinen Erzählungen wollte ich mich meiner Welt vergewissern.« (Seite 9)
Das Buch von Helga Schubert mit dem Titel »Der heutige Tag: Ein Stundenbuch der Liebe« hat mich vor ein paar Jahren begeistert und sehr berührt. Ich mochte ihre Art zu schreiben, die schöne Sprache und ihre Gedankengänge gefielen mir, sodass ich sehr gespannt war auf diese Sammlung ihrer Texte. Nicht alle konnten mich überzeugen, was bei einer solchen Fülle jedoch ganz natürlich ist, aber sprachlich ist auch dieser Band einfach toll. Meine unangefochtenen Favoriten waren das Gedicht »Lebenstopf« sowie ein Text mit dem Titel »Ein Opfer der Literatur«, weniger gefallen haben mir Texte, die so persönlich sind, dass diese für mich nicht ganz verständlich waren, weil mir da der Bezug fehlte und ein Zusammenhang sich nicht erschloss. Insgesamt aber ein schöner und lesenswerter Band. Vielen Dank.
- Jenny Erpenbeck
Kairos
(87)Aktuelle Rezension von: Edgar_BernardiMit Kairos („günstiger Zeitpunkt“) beginnt die Geschichte nach dem Prolog, in dem sich die 18-jährige Katharina und der 34 Jahre ältere Hans 1986 zufällig in Ostberlin begegnen. Was folgt, ist zunächst eine Liebesgeschichte mit sprachlich einfühlsam beschriebenen Gefühlen, in denen man sich wiederfindet und an seine eigene erste wirkliche Liebe zurückversetzt fühlt und die es selbst bei dem Altersunterschied so romantisch geben kann. Hans mit Nazivergangenheit und Übergang in das geteilte Ostdeutschland und Katharina, in der DDR geboren. Lange Lesestrecken mag man den Vaterersatz vermuten, den Katharina in Hans sucht. Aber auch die Bewunderung von Hans' Intellekt als Schriftsteller scheint neben der körperlichen Liebe der Anziehungspunkt zu sein. Bis sich die schöne Liebe in die erste Sado-Maso-Szene mit Gürtelschlägen steigert, was mich befremdet hat. Auch, dass man sich hier an die ersten Tagen nach Mauerfall zurückversetzt fühlt, an dem die Ostberliner die Westberliner Beate-Uhse-Shops stürmten und der Westen hier wohl auf ein obszönes Niveau abgestuft wird. Es folgen unzählige zügellose Liebesszenen, welche die Geschichte langatmig machen und weitere abstossende Szenen. Durchsetzt bzw. unterbrochen wird der Text in Perspektivwechsel durch literarische oder Musikzitate und allseits bekannte Szenen aus der DDR-Zeit (Biermann-Ausbürgerung, Sturm der Zionskirche, etc.), die wohl in keiner DDR-Geschichte fehlen dürfen. Ebenso die Würdigung der unzähligen Jahrestage, an denen sich das Liebespaar stets in einer Bar oder einem Restaurant feiert, erinnert an die unzähligen Jubiläumsfeiern des DDR-Regimes. Erst mit dem "Fremdgehen" von Katharina mit Vadim beginnt klar zu werden, dass Hans das sozialistische System verkörpert, das junge Menschen wie Katharina manipuliert, die ihm in höriger Liebe folgen oder zu folgen haben. Hans generiert in Katharina ein Schuldbewusstsein und ihre eigene Überzeugung, dass ausgerechnet sie gelogen und betrogen hat. Die Methoden, die Vorwürfe mit besprochenen Kassetten und Aufzeichnungen festzuhalten, erinnert an Stasimethoden und tatsächlich wird am Schluss klar, dass Hans als IM Galilei aktiv war. Von dort an wird die Geschichte wieder spannend, während ich zwischendurch das Lesen nach der x-ten Liebes- und Sado-Szene abbrechen wollte. Die Moskaureise der Beiden trieft ein wenig von heroischer Darstellung der Errungenschaften des Sozialismus, immer wieder unterbrochen von zügellosen Liebesszenen, als würde darüber der Glaube an den real-existierenden Sozialismus eingeimpft.
Zusammengenommen ein kluger Plot, die Geschichte der DDR und des real existierenden Sozialismus in der Symbolik dieser Liebesgeschichte zu erzählen. Die Umsetzug allerdings für den Leser anstrengend, teilweise langatmig und auch abstossend. Lesenswert nur, wer seine gelesene Sammlung an DDR-Literatur, in dem Fall nach der Wende erschienen, vervollständigen will.
Der richtige Augenblick, die Gelegenheit beim Schopf packen (Kairos) - ein toller Start - dann doch eher Chronos, verlaufende Zeit! - Lutz Wilhelm Kellerhoff
Die Tote im Wannsee (Wolf Heller ermittelt 1)
(88)Aktuelle Rezension von: Caro_LesemausDie politischen Umstände in Berlin 1968 insbesondere mit wechselseitiger Spionage, Protesten und Auflehnung werden gut dargestellt. Auch das Privatleben des Ermittlers gewährt hier gute Einblicke in den Alltag vieler Menschen. Im Zuge der Ermittlungen erfährt man mehr über verschiedenste gesellschaftliche Gruppen. Insgesamt konnte ich mich dadurch sehr gut in die damalige Atmosphäre einfühlen. Den Fall an sich fand ich allerdings eher mäßig spannend. So richtig gepackt hatte es mich nicht, aber insgesamt ist es als Kriminalroman dennoch lesenswert, was vor allem am Schreibstil liegt. Bei drei Autoren kann man hinsichtlich einer kongruenten ja skeptisch sein, aber es passte wunderbar und las sich sehr gut.
Fazit:
Mich hielten hier vor allem das Privatleben des Ermittlers und die gut beschriebenen Einblicke in den damaligen gesellschaftlichen Alltag bei Laune. Der Fall selbst war eher nur mäßig spannend. Ich runde 3,5 Sterne auf, weil mir außerdem der Schreibstil gut gefallen hat.
- Brigitte Riebe
Die Schwestern vom Ku'damm: Wunderbare Zeiten
(143)Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider1952, Deutschland baut sich wieder auf und so auch die Familie Thalheim. Ihr Warenhaus steht wieder und besondere Mode und tolle Stoffe, sind für die Kundinnen etwas ganz besonderes. Rike treibt das Ganze voran und hat immer neue Ideen. Silvie ist mit ihrer Stimme berühmt geworden und moderiert die super erfolgreiche Sendung Stimmen, auf dem Sender Rias. Als ihr Zwillingsbruder Oskar auftaucht ändert sich mal wieder alles und nicht nur wegen ihm, schlägt Silvies Herz schneller. Flori ist rebellisch und will ihren eigenen Weg gehen und macht der Familie Thalheim große Sorgen. Die Zeit birgt aber viele Überraschungen und nicht alles läuft glatt und das geteilte Deutschland ist für viele immer noch ein fremdes Universum. Auch im zweiten Band packt Brigitte Riebe ihre LeserInnen und entfaltet ein farbenprächtiges Familienbild und lässt die Deutsche Geschichte gekonnt ein fließen. Die Schwestern sind unterschiedlich und jeder bekommt ihren Raum. Ganz toll und spannend geschrieben.
- Irmtraud Morgner
Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura
(7)Aktuelle Rezension von: Nora_ESDie Trobadora Beatriz de Dia ist ihrer Zeit voraus. Sie ist eine kunstbegabte, äußerst intelligente Frau, die weiß, was sie will und was nicht. Sie passt nicht ins vorherrschende Frauenbildnis des Hochmittelalters und will sich auch nicht mit der für die Frau vorgesehenen Rolle abfinden. Also lässt sie sich von dem Zauberwesen Melusine – der bekannten Sagengestalt der französischen Literatur des Mittelalters – in einen Dornröschenschlaf versetzen, Dornenhecke inklusive, und erwacht 800 Jahre in der Zukunft. Von Frankreich aus reist sie in die DDR, die ihr als Land des Feminismus angepriesen wurde, und lernt dort Laura Salman kennen.
Beatriz erlebt den politischen Feminismus der 1970er Jahre. Es geht um die Gleichberechtigung der Frau im Berufsleben, die Entlastung der berufstätigen Frau in Bezug auf Kinderbetreuung, um ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben für Frauen. Doch Beatriz erkennt bald, dass die Realität anders aussieht.
Irmtraud Morgner verarbeitet fantastische, märchenhafte Elemente und stellt sie der entzauberten Wirklichkeit der DDR entgegen. Sie porträtiert auf humoristische Weise den Alltag, hebt Wahrheiten hervor, die an Aktualität nicht verloren haben.
Ich denke nur, dass ihr Schreibstil es vielen Lesern erschwert, einen Einstieg ins Werk zu finden. Nach dem Umschlagtext erwartet man einen flüssig geschriebenen Roman, doch Morgner hat einen komplexen Bauplan für ihren Roman ersonnen. Die Sätze sind häufig ungeschliffene, kurze Satzbrocken und manchmal fällt es schwer, dem roten Faden zu folgen.
Die Abenteuer der Trobadora Beatriz ist der 1. Band einer Trilogie, die von der Autorin leider nicht mehr beendet werden konnte. Band 2 Amanda. Ein Hexenroman ist im btb Verlag erschienen. Vom dritten Band existieren nur Fragmente.
- Flix
Spirou und Fantasio Spezial: Spirou in Berlin
(10)Aktuelle Rezension von: Fernweh_nach_ZamonienInhalt:
Der Erfinder und Wissenschaftler Graf Rummelsdorf schlägt eine Einladung zu einem Pilzkongress in Ostberlin aus und verschwindet kurz darauf spurlos ...
Die Freunde Spirou und Fantasio setzen alles daran, ihn zu retten ... selbst wenn - im Spätsommer 1989 - diese Mission sich als Himmelfahrtskommando entpuppen und im Gefängnis enden könnte.
Mysteriöse Ereignisse, neue Freunde und alte Bekannte warten hinter dem eisernen Vorhang ...
Text und Zeichnungen von Flix.
Farben von Marvin Clifford mit Ralf Marczinczik.
Mein Eindruck:
Als erster deutscher Zeichner adaptiert Flix den frankobelgischen Comicklassiker und versetzt die Figuren in das Ostberlin kurz vor dem Mauerfall.
Die politische Situation ist auf dem Siedepunkt, Spitzel und Misstrauen überall. Alleine die Grundstimmung sorgt von Beginn an für Tempo und Nervenkitzel und wird durch entsprechende Farbgebung unterstützt.
Das Abenteuer in Ostdeutschland wird rasant und - trotz aller Brisanz - mit viel Humor erzählt.
Plötzlich ist der ehemalige Hotelpage Spirou auf sich allein gestellt und muss nach der Entführung des rasenden Reporters Fantasio gleich zwei Freunde retten.
Das Bilderbuchidyll (in fröhlichen Farben) täuscht und die Schattenseiten (tatsächlich in dunkleren, tristen Farbtönen) werden immer deutlicher.
Durchgehend die Frage "Wem kann man trauen?" im Hinterkopf, gefällt es mir sehr, dass bei all den männlichen Charakteren auch eine weibliche Hauptfigur hinzukommt.
Momo ist tough und mutig, bereit für Veränderungen zu kämpfen und Opfer in Kauf zu nehmen.
"Wenn Clowns regieren, muss man mit Zirkus rechnen."
(vgl. S. 34)Immer mittendrin ist auch das putzige Eichhörnchen Pips. Ein verfressenes, quirliges Kerlchen, das jedem die Show stiehlt. Unterstützung bekommt es von einer Horde Affen ... verrückter geht's kaum.
Bei all dem Trubel und der intensiven Bilder gerät die eigentliche Storyline manchmal ein wenig in den Hintergrund. Keine Zeit für eine Verschnaufpause.
Klischees und Sozialkritik, Running Gags sowie Anspielungen und kleine Easter Eggs (hier muss man oft zweimal hinsehen) sorgen für ein abwechslungsreiches Lesevergnügen sowohl in Bildern als auch sprachlich.
Die Szenerie wird auch durch die besondere Anordnung der Panels zum Hingucker. Noch nie war das Schließen von Aufzugtüren derart spannend. Das Timing ist hier perfekt. Gleiches gilt für die Mimik.
Flix verleiht den bekannten Figuren einen eigenen Schliff. Typische Merkmale bleiben dabei erhalten und sind klar erkennbar.
Zum Fortgang der Rettungsmission sei nur so viel verraten: Es wird actionreich und gefährlich. Wem man Vertrauen schenkt, sollte gut bedacht werden.
Fazit:
Eine riskante und rasante Rettungsaktion!
Spannend gestaltet und trotz hohem Tempo ausgestattet mit Easter Eggs und Running Gags.
...
Rezensiertes Buch: "Spirou in Berlin" aus dem Jahr 2018
- Thomas Brussig
Am kürzeren Ende der Sonnenallee
(11)Aktuelle Rezension von: Ana80Micha Kuppisch wächst am kürzeren Ende der Sonnenallee auf. Der Straße, die durch die Berliner Mauer geteilt ist. Das kürzere Ende ist Teil der Deutschen Demokratischen Republik. Hier schaffen sich Micha und seine Freunde ihre eigene Welt. Rebellieren im kleinen gegen die Macht und Kontrolle der DDR und sind einfach irgendwie „ganz normale Jugendliche“, wie man sie überall auf der Welt findet, denn eigentlich sind ihre wichtigsten Themen sie selbst, Musik und natürlich Mädchen…
Ich habe mich mal wieder an einem Hörbuch versucht, obwohl das eigentlich gar nicht so meins ist und was soll ich sagen… ich bin begeistert. Dieses Buch ist eine unglaublich humorvolle und geistreiche Darstellung der Jugend in der DDR bzw. In Ostberlin. Ein Buch was aus Erinnerungen an eine besondere Zeit besteht und gefüllt ist mit vielen Charakteren zum Liebhaben. Stefan Kaminski ist ein fantastischer Leser, der dieses Hörbuch für mich zu einem Highlight gemacht hat und das will etwas heißen!
Ich kann diese Version des Buchs auf ganzer Linie weiterempfehlen. Ich war von Anfang bis Ende grandios unterhalten. Ganz klare fünf Sterne 🌟🌟🌟🌟🌟 - Mathias Christiansen
Das Haus der Heimlichkeiten
(6)Aktuelle Rezension von: XPaulineX"Das Haus der Heimlichkeiten" von Mathias Christiansen handelt von einem Mehrfamilienhaus, in welchem Nachts ein Brand ausbricht. Alle Bewohner kommen gemeinsam in einem Hotel unter und lernen sich dort so langsam kennen und erkennen, dass sie unter einem Dach gelebt haben und sich gar nicht kennen oder einen völlig falschen Eindruck voneinander haben.
Das Buch beschreibt den Tag jedes Einzelnen bevor das Feuer ausgebrochen ist. Jeder Person hat seine eigene Lebensgeschichte und jeden verändert diese Tragödie auf seine Art und Weise.
Die Hauptfigur im Buch ist Herr Pfarrer Martin Schenk. Er fängt durch diese Geschichte an, an Gott zu zweifeln und versucht zu seinem Glauben zurückzufinden. Er führt hierbei mit den Personen aus dem Haus Gespräche über sich und deren Leben.
Das Buch ist sehr schön geschrieben und liest sich flüssig und ist sehr kurzweilig. Es regt zum Nachdenken an, da man in der heutigen Zeit doch eher anonym und für sich lebt. Es zeigt auf, welche Vorurteile wir gegenüber anderen Menschen haben, ohne sie wirklich zu kennen.
Mir selber hat es auch gezeigt wie schnell man jemanden vorverurteilt, auf Grund seiner Erscheinung bzw. Beschreibung ohne ihn zu kennen, ohne jetzt zu viel zu verraten.
Ich kann dieses Buch definitiv weiterempfehlen.
- Sacha Szabo
Rummel im Plänterwald
(9)Aktuelle Rezension von: Booky-72Ein Eintauchen in die Vergangenheit. Der angesagte Vergnügungspark in der ehemaligen DDR, der Plänterwald wird hier in seinem Aufbau und bis ganz tief in alle Hintergründe beleuchtet, von der Errichtung bis zum leider schrecklichen Verfall.
Beeindruckende Geschichte von den vielen Akteuren, die teilweise über viele Jahre hinweg, die Besucher des Parks unterhalten haben.
Leider war ich selbst nie da, wir hatten kein Auto und die Anreise war nicht so einfach, wenn man nicht grade in der Nähe wohnte. Das bedaure ich natürlich sehr. Mit diesem Buch habe ich ein super schönes Nachschlagewerk, ein wundervolles Erinnerungsalbum über diese großartige Anlage.
- Claire Winter
Kinder ihrer Zeit
(156)Aktuelle Rezension von: Bianca_CimiottiDie Geschichte ist so unfassbar spannend geschrieben von der ersten bis zur letzten Seite, so dass ich es in zwei Tagen durch hatte, dank Winterferien.
Mein Gott hat mich das Buch nerven gekostet. Aber es war auch wirklich so gut geschrieben. Ich bin ja in der DDR groß geworden und als Kind hat man ja auch schon einiges mitbekommen. Es war nicht immer einfach. Auf jeden Fall für die Erwachsenen. Wir Kinder hatten eigentlich eine schöne Zeit.
Hier geht es um die Zwillinge Emma und Alice. Auf der Flucht aus Ostpreußen mit ihrer Mutter verlieren sie sich. Alice wird von einem russischen Offizier gerettet. Durch einen Verrat muss Alice in ein Kinderheim. Sergej, der Offizier, kann allerdings weiterhin seine schützende Hand über sie halten. Emma und ihre Mutter schaffen es bis nach West-Berlin. Als Emma 16 Jahre wird, wird sie sie auf der Straße auf Russisch in Ost-Berlin angesprochen. Erst ist sie verwirrt, doch dann kommt ihr der Verdacht, dass sie mit ihrer Zwillingsschwester Alice verwechselt wurde. Und genauso ist es. Alice ist in Ost-Berlin aufgewachsen. Emma in West-Berlin. Es dauert noch einmal bis sie sich dann wirklich gegenüber stehen. Anfangs Verhalten, finden beide Schwestern wieder zueinander. Bis es zu einem Krach kommt. Doch Alice kann nicht anders. Sie arbeitet als Spionin und kann ihre Schwester und deren Freunde nicht weiter ausspionieren. Doch Alice wird unter Druck gesetzt und erpresst. Man droht Alice die Tochter weg zu nehmen. KGB und Stasi machen ihr und Julius das Leben schwer.
Zum Schluss kam es für mich einen Nervenkrimi gleich.
- Sven Marquardt
Die Nacht ist Leben
(7)Aktuelle Rezension von: AkkordeonistinNachdem das Buch ausgiebig in Szenemagazinen und über die Social Media beworben wurde, habe ich schnell beschlossen, das Buch zu lesen.
Viele Leute, die den nun als ehemalige "DDR-Boheme" bezeichneten Szenen (Betonung im Plural) angehört haben, haben sich im letzten Jahrzehnt dazu entschlossen, eine Biografie/ein biographisches Werk zu veröffentlichen. Musiker wie André Greiner-Pol, Feeling B (jetzt Rammstein) verschriftlichten bereits besondere Momente ihres Lebens. Auch Bücher zur Betrachtung des subkulturellen Berlins vor und direkt nach der Wende ("Durchgangszimmer Prenzlauer Berg", "Die ersten Tage von Berlin",...) erscheinen gerade en masse.
Auch der Fotograf Sven Marquardt ist da keine Ausnahme. Bereits der Titel kann als Motto des nun folgenden und auch des Lebens Marquardts gewertet werden. Ehrlich und unverschnörkelt zeigt er dem Leser einige ausgewählte Abschnitte seines Lebens, die ihrer Form so in einigen Biographien von Bluesern, Punkern, Prenzlauer Berg Literaten und schaffenden Künstlern zu finden sind: Drogen, Psychotische Episoden, Stasi-Begegnungen... Gezeigt wird ein vielseitiges Leben in Mitten der scheinbar einzigen Stadt, die eben eine solche Biographie zulässt. Auch die Zeit schreibt eindeutig an solchen Lebensgeschichten mit.
Die Stasi sei in diesen Kreisen zwar (all)gegenwärtig gewesen, habe aber nie sein Leben und seine Entscheidungen bestimmt. Mit dieser Ansicht steht Marquardt den Vielen entgegen, die in ihren Biographien Frust ablassen und eben das Gegenteil für ihr Leben gesehen haben. Dementsprechend nimmt dieser Aspekt auch fast erstmals in solch einer Biografie einen weit untergeordneten Stellenwert ein. Vielmehr wird von Liebe und Leben, eben im Sinn von ICH LEBE!, erzählt, erfrischend nach all dem Frust!
Das Buch lädt kurzweilig zum Staunen und für Einige zum Zurückerinnern ein. Vielleicht kein Werk von monumentaler Bedeutung für die Aufarbeitung der Soziologie der Wende, aber dennoch interessant zu lesen. - Benjamin Carter Hett
Otto John: Patriot oder Verräter: Eine deutsche Biographie
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Wolf-Dieter Storl
Mein amerikanischer Kulturschock
(2)Aktuelle Rezension von: KinderbuchkisteEine Biografie mit viel amerikanischer Zeitgeschichte
Wolf -Dieter Storl lässt uns an seinem Leben als Einwanderer, Zuwanderer in Amerika teilnehmen weil er den Eindruck hat, dass wir ein falsches Bild von diesem Land haben.
1954 mit seinen Eltern von Deutschland nach Amerika zu gehen war für ihn ein Kulturschock, der sich in ähnlicher Form wiederholte als er zum Studium in die Großstadt ging.
Ob wir uns, trotz seiner wirklich intensiven Beschreibungen, vorstellen, nachempfinden können wie sich Wolf-Dieter Storl als Auswanderer Kind in einer amerikanischen Kleinstadt gefühlt hat? Jeder, der in irgendeiner Form Neuanfang kennt weiß wie schwer es ist. Ungleich schwerer nochmal in einem fremden Land.
Für seine Mitschüler war er anders, ein Alien und dennoch oder vielleicht gerade deshalb suchte er sich seinen eigenen Weg in diesem Land Fuß zu fassen, anzukommen. Naturverbunden wie er ohnehin schon war zog es ihn nach draußen, wo er Pflanzen, Tiere, Wind und Wetter intensiv erlebte. Immer wieder zog es ihn raus. Tagelang. Seine Eltern vertrauten ihm, hatten sie doch selbst genug mit sich selbst zu tun, mussten auch sie sich erst einmal einleben.
Wolf-Dieter wusste was er wollte und verfolgte sein Ziel ehrgeizig und konsequent ging zum Studium an die Universität, erlebte einen neuen Kulturschock. Naturverbunden und freiheitsliebend wie er war kann man sich kaum vorstellen, dass er es in einem Studentenzimmer mit zwei weiteren Mitbewohner aushalten konnte. Konnte er auch nicht, schlief wann immer es ging draußen, biss sich durch. Studierte, erkannte das es nicht das Studium war was er sich vorgestellt hatte. Wollte er doch die Pflanzen, Kräuter und das Wunder der Natur kennenlernen stellte sich das Studium der Botanik als etwas anders heraus. Er lebte ein intensives Leben, lernte im Laufe der Zeit alle Schichten der Bevölkerung kennen. Menschen am Abgrund, Psychopathen, Künstler, intensive Christen, Obdachlose, Bildungsbürger, Professoren. Lernte Leben und Lieben. Trampte durch viele Länder Amerikas von Nord nach Süd und Ost nach West, ein Ziel vor Augen, sei es um einer Freundin zu sagen, dass er eine andere Freundin hatte oder um einen Freund zu besuchen. Beim Trampen lernt man Leute kennen aber auch sich selbst. Grenzerfahrungen scheinen im Laufe der Jahre zum Leben dazu zu gehören. Aber man hat das Gefühl er ist sich selbst und denen die er liebte immer treu geblieben, immer ehrlich und offen.
Ein intensives Leben während der Kulturrevolution der 60er Jahre, ein Leben als Student der Botanik, später der Geologie und Anthropologie, als Mensch und Künstler. Hier lernte er das wahre Amerika kennen auch mit seinen Abgründen, den Schattenseiten des american way of life.
Ein spannendes Leben als Schüler, Student, junger Mann aber auch später als Dozent an der Uni.
Wer Wolf-Dier Storls bisherigen Bücher gelesen hat, Interviews mit ihm verfolgte, hat kaum etwas von der Intensität dieser doch sehr prägenden Zeit erfahren. Hier lernen wir ihn einmal ganz anders kennen aber dann doch nicht so anders.
Wer bislang dachte er sein ein "Spinner" erlebt ihn hier neu.
480 Seiten Leben in allen Facetten, spannend, persönlich und dennoch so viel mehr. Zeitgeschichte aus einem Land, von dem wir im Grunde nicht viel wissen und es nach diesen Schilderungen ein ganzes Stück anders sehen werden.
Es ist ein Buch, dass so wunderbar geschrieben ist, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Es fesselt einen, zieht einen in eine Zeitreise und entlässt einen mit so viel mehr als nur neuem Wissen.
*
Ein Buch mit sehr viel Seele. - Mark Scheppert
Der Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens
(12)Aktuelle Rezension von: Nadine_Imgrund„Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens: 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR“ von Mark Scheppert
Klappentext
„Als Mark Scheppert diese Geschichten 2008 zu schreiben begann, hatte er sich vorgenommen, stellvertretend für seine Generation etwas Neues und Einzigartiges über die DDR zu schreiben. Denn seltsam: In keinem der angeblich so „typischen“ literarischen Denkmälern für dieses verschwundene Land fand er sich wieder. Er gehörte auch nicht zu der Generation von „Zonenkindern“ und wohnte in keiner „Sonnenallee“ und in keinem „Turm“. Seine Jugend, seine Auseinandersetzung mit diesem seltsamen Ort namens DDR, seine Erfahrungen und seine Kämpfe, kamen nirgendwo vor. Und erst recht nicht das Gefühl, das er mit dieser Zeit verband. Komisch. War er so ein Sonderfall?
„Die Geschichten von Mark Scheppert sind temporeich und witzig geschrieben und dabei schonungslos ehrlich. Ein unterhaltsamer und radikal persönlicher Blick auf den Alltag in der DDR, der gerade deshalb für alle in diesem neuen Deutschland von Bedeutung sein sollte. Scheppert erzählt mit eigener Stimme von einer anderen DDR als der, die wir so oft verabreicht kriegen.“
Hannes Klug, Journalist und Drehbuchautor“
Fazit
Das Cover des Buches finde ich persönlich etwas zu düster, auch wenn das Bild mit der Mauer in Berlin und dem kämpferischen und spitzbübischen Grinsen des Autors durchaus einen gewissen Charme hat.
Der Schreibstil von Mark Scheppert ist angenehm und gut verständlich.
Die Länge der 30 Kurzgeschichten ist genau richtig für zwischendurch und die Fahrten zu Arbeit.
Die Zielgruppe des Buches sind wohl ehemalige DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die sich in den heiteren Alltagsgeschichten wiederfinden. Für Nicht-DDR-Kundige dürfte das Buch zu viele Eigennamen und DDR-typische Wörter enthalten, die leider nicht immer erklärt werden.
Inhaltlich haben mir die meisten der 30 Geschichten gut gefallen. Es werden jede Menge Alltagsthemen und Sorgen und Nöte der Bevölkerung aufgegriffen und aus der Sicht eines DDR-Jugendlichen auf charmante Art und Weise erzählt.
Das Taschenbuch hat 225 Seiten und kostet 14,90 Euro.
Leseempfehlung für alle DDR-Kinder, die gerne in Erinnerungen schwelgen.
Das Buch bekommt von mir 4 Sterne, da ich es zwar unterhaltsam fand, mir aber irgendwie das „gewisse Etwas“ gefehlt hat.
Vielen Dank, dass ich dieses Buch im Rahmen der Buchverlosung bei LovelyBooks kennenlernen durfte!
- Robert Gold
Flieg ich durch die Welt
(10)Aktuelle Rezension von: pardenWENDEZEIT...
Zum Abitur schenken sich die Freunde Angelo und Pascal eine Reise. Sie wollen raus aus Ostberlin und planen, gemeinsam mit dem Abenteurer Wolle im Sommer ’89 ans Schwarze Meer zu trampen. Bevor ihr Leben richtig beginnt, wollen sie die kleine große Welt des Ostblocks sehen, losgelöst von Konventionen und elterlichen Ratschlägen, eine Idee von Freiheit im Kopf. Zehn Jahre später zeigt sich, wohin die politischen Umwälzungen, spontane Entschlüsse und amouröse Erlebnisse die jungen Männer gebracht haben. Während Pascal mit einer Werbeagentur erfolgreich ist und Wolle einen Underground-Schuppen eröffnet, bleibt Angelo in den Karpaten verschollen. Ihre Jugend ist vorbei, doch erwachsen sind sie nicht, stattdessen auf dem Weg in eine Zukunft, die vieles verspricht und nur weniges halten kann. Ein aufwühlender Roman, der in die spannende Zeit des Umbruchs entführt.
Pascal und Angelo haben das Abitur in der Tasche und Träume für die Zukunft im Kopf. Und sie stecken voller Abenteuerlust. Mit ihrem Freund Wolle machen sie sich auf den Weg in die rumänischen Karpaten - auf der Suche nach Freiheit, Unabhängigkeit und sich selbst. Nur in Richtung Osten kann es für die drei Berliner Jungs gehen. Als sie durch Ungarn trampen, im Sommer 89, ist auf einmal die Grenze zum Westen durchlässig. Sie treffen Entscheidungen, die ihr Leben aus den vorgezeichneten Bahnen werfen und ihre Jugend jäh enden lassen. Ihre Wege trennen sich. Während Wolle in Amerika sein Glück versucht und sich Angelos Spur zu verlieren scheint, kehrt Pascal zurück. Das alte Leben gibt es nicht mehr, doch auf das aufregende, erstehnte neue fallen die Schatten der Vergangenheit.
Ein Wenderoman, eine Coming-of-Age-Erzählung - mein Zwei-Jahres-Projekt. Vor ungefähr zehn Monaten gehörte ich zu den Gewinnern der Verlosung dieses Buches. Selbst im Westen aufgewachsen, interessiert mir doch die Zeit vor und während der Wende in der ehemaligen DDR, einfach auch weil sie Teil der jüngeren deutschen Geschichte ist. Dies war der Grund, weshalb ich mich bei der Verlosung beworben hatte. Der Autor, geboren 1970 in Ostberlin, lässt hier offenkundig seine eigenen Erlebnisse der 80er und 90er Jahre sowie die seines Freundeskreises in die Erzählung einfließen, was in meinen Augen für Authentizität bürgt.
Die Idee hinter dem Buch fand ich wirklich interessant, und auch den Aufbau der Erzählung empfand ich als positiv. Erzählt wird hier aus wechselnden Perspektiven - meist aus denen von Wolle, Pascal und anfangs auch von Angelo, gelegentlich aber auch aus der Perspektive einer Nebenfigur, was verdeutlicht, wie die Hauptfiguren von außen wahrgenommen werden. So schält sich allmählich ein Bild der zu Beginn Jugendlichen, später der jungen Erwachsenen heraus und lässt den Leser teilhaben an deren Entwicklung.
Die Wahl der doch sehr verschiedenen Charaktere ermöglicht dem Leser nachzuvollziehen, auf welch unterschiedliche Arten seinerzeit mit den politischen Beschränkungen in der ehemaligen DDR umgegangen werden konnte, aber auch wie verschieden die neu gewonnene Freiheit nach der Wende genutzt wurde. Die Verwendung typischer Begriffe im damaligen Ostdeutschland (z.B. 'schauestes Mädchen', 'Kraxe' oder 'urst') verstärken hier noch das Gefühl der Authentizität des Geschilderten.
Leider konnte die Geschichte der drei befreundeten Teenager, die justament zum Mauerfall ins Erwachsenenleben starten, mich dann letztlich aber nicht wirklich überzeugen. Die Möglichkeiten der zahlreichen Perspektivwechsel bergen auf der anderen Seite auch Gefahren, denen der Autor leider aufgesessen ist. So hat er sich oftmals in Details und Nebenhandlungen verloren, und die gesamte Erzählung weist so teilweise unglaubliche Längen auf, die den Lesefluss wirklich erschweren. Dies ist auch der Grund, weshalb ich das Buch immer wieder einmal weggelegt und 'vertagt' habe, wodurch sich die Lesedauer auf 10 Monate hinauszog. Kein übliches Vorgehen bei mir.
Die Schilderung der Charaktere ist neben der Langatmigkeit des Romans mein Hauptkritikpunkt. Obwohl sich durch die langsame Erzählweise allmählich ein deutliches Bild der drei Hauptfiguren herausschälte, fehlte mir persönlich hier der Zugang zu den Personen. Die Gefühle derjenigen, aus deren Perspektive jeweils erzählt wird, bleiben hier weitestgehend außen vor, so dass mir die Möglichkeit genommen wurde, empathisch zu sein. Manchen Leser mag diese eher nüchterne Erzählweise ansprechen - ich gehöre jedoch nicht unbedingt dazu.
Insgesamt halten sich hier für mich die Stärken des Romans und seine Schwachpunkte in etwa die Waage, so dass ich mich für eine Bewertung im mittleren Bereich entschieden habe. Einen interessanten Einblick in das Leben vor, während und nach der Wende in der ehemaligen DDR habe ich durchaus erhalten, doch hatte ich oftmals Mühe, mein Interesse an dem Roman noch wachzuhalten. Das Gefühl der Authentizität der Erzählung ging jedoch zu keinem Zeitpunkt verloren.
© Parden
Der Titel des Buches ist übrigens angelehnt an den Titel eines Songs der Gruppe 'City', die 1972 in Ost-Berlin gegründet wurde:
- Dieter Krause
Kollwitz 66
(1)Aktuelle Rezension von: walliWelch ein Feuerwerk an Erinnerungen. Ich bin zwar erst 58 geboren und auf der anderen Seite Berlins- in Neukölln- aber so unsäglich vieles, schon allein die vielen Musiktitel sind mir in guter Erinnerung. Ein Buch, das vieles ohne viel Pathos aufgreift:Der 17. Juni, der Tod Kennedys, der Mauerbau, das Ende der Ulbricht-Ära. Ich werde gern einzelne Passagen nochmals lesen.
- Theresia Graw
Die Heimkehr der Störche (Die Gutsherrin-Saga 2)
(122)Aktuelle Rezension von: LinisBooksDas Buch "Die Heimkehr der Störche", geschrieben von Theresia Graw, ist ein sehr interessanter Roman.
Schon nach dem ersten Kapitel wusste ich, dass ich dieses Buch gerne lesen werden. Und so kam es, dass ich es verschlungen habe. Durch die angenehme Ausdrucksweise der Autorin konnte ich die Kapitel leicht und schnell lesen.
Dora ist eine Frau, welche nach dem zweiten Weltkrieg lebt. Daher spielt der Roman in der Zeit von 1952-1954. Dora musste sich nicht nur beweisen, um ihre Freiheit kämpfen, sondern auch ihre verschollene Liebe wieder finden.
Ich kann jeder Leserin und jedem Leser, welcher begeistert ist von Romanen, welche in der Vergangenheit, in diesem Fall in der Nachkriegszeit spielen, dieses Buch wärmstens empfehlen. Wie schon erwähnt, liest sich dad Buch sehr leicht und schnell, daher auch gut nach einem anstrengendem Tag.
- Wladimir Kaminer
Ich bin kein Berliner
(100)Aktuelle Rezension von: HoldenWladi berichtet uns nunmehr von seiner neuen Heimatstadt ("Rodina"), bei der er gar nicht so genau weiß, warum er mit Olga eigentlich dort klebengeblieben ist. Sein heimlicher Leitspruch "Wurst und Theater" für Berlin trifft es schon ganz gut, um die Seele der Stadt zu beschreiben, wie er sie sieht. Kaminer porträtiert ein gelassenes, weltoffenes Berlin, manche Sätze erschließen sich in ihrem Hintersinn erst beim zweiten oder dritten Mal lesen, und man möchte mit Wladimir gern mal einen Pfefferwodka auf der nächsten Grünen Woche süffeln. Daß die Auswahl der Berlintips von ihm natürlich nicht jeden begeistern kann (Wo ist das Ramones-Museum? Das Sparkassenpferd mit "Meppen" am Hintern?), liegt ja in der Natur der Sache. "Völker der Welt, schaut auf diese Stadt." hihi. - Claudia Rusch
Meine freie deutsche Jugend
(39)Aktuelle Rezension von: Holden"für Irmgard, ganz herzlich, Weimar 16.10.03" lautet die Widmung, dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen, nur das hier die Lebensgeschichte eines Vorbilds an Zivilcourage anschaulich präsentiert wird. Wäre man selbst so tapfer gewesen, man weiß es nicht, aber durch die Erziehung zum Querdenken durch ihre Mutter und deren Freunde wurden die Energien der kleinen Claudia in die richtigen Bahnen gelenkt. Das DDR-Unrecht wird drastisch angeklagt, so daß kein Platz mehr für Ostalgie und Verklärung bleibt, erst mit der "Wende" wurden die Oppostitionellen zu "echten" DDR-Bürgern, aber aufhalten ließ sich der hier schreibende Wirbelwind nicht. Auch ein Vorbild an Lebensenergie und der Beweis dafür, was man als Individuum erleben kann.
- Anja Baumheier
Kranichland
(20)Aktuelle Rezension von: SchnuppeJohannes Groben ist auf der Flucht in Rostock gestrandet, dort lernt er seine zukünftige Frau Elisabeth kennen. Die Beiden gründen eine Familie und Johannes wird von seinem väterlichen Freund Kolja zur Staatsicherheit geholt. Er folgt ihm lange Zeit aus Dankbarkeit und der Überzeugung vom richtigen System blind. Darüber verliert er seine Frau und die beiden unterschiedlichen Töchter Charlotte und Marlene aus den Augen. Während die ältere Charlotte systemtreu ist eckt Marlene mit ihrem Wesen, ihrer Einstellung und ihrer Liebe zu dem Pfarrerssohn überall an.Die Geschichte wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt, dadurch wird der Spannungsbogen hoch gehalten, Beate Rysopp liest Schönes und Dramatisches gewohnt gekonnt ein. Das Zuhören macht Spaß.Das Drama nimmt seinen Lauf, als Marlene und ihr Freund aus der DDR fliehen wollen und dabei verhaftet werden. Man erfährt, was diese Tragödie mit den einzelnen Beteiligten gemacht hat: wie es sie verändert und wozu es sie schließlich getrieben hat. Da Marlene schwanger war und das Kind nicht behalten durfte sind auch die nächsten Generationen betroffen. Eine Lebenslüge entsteht und kann nicht ohne weiteres aufgedeckt werden.Die beiden Zeitebenen rücken im Verlauf des Buches aufeinander zu bis sich das Ganze verbindet und die Wahrheit ans Licht kommt. Das ist gut gemacht, aber ich ziehe doch einen Punkt ab, da Kollege Zufall mir etwas zu oft im Spiel war.Sehr gut zu hören, die Geschichte und die Charaktere wirken authentisch, die DDR Geschichte wird gut dargestellt, auch die Erklärung zum Titel war sehr schön. - Mark Scheppert
Leninplatz
(21)Aktuelle Rezension von: lollo75Der Autor beschreibt in einzelnen Kapiteln, wie und was er in seiner Jugend mit seinen Freunden, Klassenkameraden und der Famile erlebt hat. Er erzählt humorvoll und lebendig von seinen Treffen mit Freunden im "Alfclub", von den "Mitbringseln" aus dem Kaufhaus, von seinen ersten sexuellen Erlebnissen und vielem mehr. Gespickt mit der Umgangssprache der 80er Jahre fühlt man sich in diese Zeit zurück versetzt. Da ich zu denen gehöre, die keine eigenen Erfahrungen mit der damaligen Zeit im Osten Deutschlands hat, hat es mir wenigstens einen Einblick in den Alltag der Jugendlichen ermöglicht und dieser scheint nicht langweilig gewesen zu sein!
Lesenswertes Stück Zeitgeschichte, macht beim Lesen Spaß....
- Torsten Schulz
Skandinavisches Viertel
(22)Aktuelle Rezension von: NilOstberlin, eine Kindheit im Prenzlauer Berg und heute immer noch da als alter Nostalgiker und wie es so schön auf dem Klappentext heißt: Anti-Gentrifizierer.
So könnte man diesen Roman über einen Mann, der unbedarft, nicht sehr wahrheitsliebend durchs Leben geht und doch immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird, zusammenfassen. Wir begleiten Matthias Weber in seinem Makler-Alltag sowie in Rückblenden in seine Kindheit und Jugend. Aber das würde diesem Buch nicht gerecht werden. Torsten Schulz schreibt hier nicht zitatreif, aber angenehm niveauvoll. Er schafft es die Kinder- und Jugendjahre so absolut skurril und auch komisch darzustellen, obwohl es im Roman in der Summe 5 Beerdigungen gibt! Das muss man erst mal schreiben können.
Ein Buch, dass mir Augenringe bescherte, da es mir schwer fiel es aus der Hand zulegen und das nicht der Spannung wegen sondern weil die Prosa so klangvoll ist. Der Autor, Torsten Schulz, vorrangig Drehbuchschreiber gibt das Geschehen eher narrativ wieder als mittels wörtlicher Rede. Unerwartet, aber gelungen.
Der Aufhänger des Romans „Das skandinavische Viertel“ ist Matthias Hirngespinst, das sich als roter Faden durch den Roman zieht. Er benennt als Kind für sich einfach ein paar Straßenzüge gedanklich im Prenzlauer Berg um, wie eine Flucht im Kleinen aus dem einengenden DDR-Leben.
Die Rückblenden in diese DDR-Zeiten haben mich in der Tat an den Buchpreisträger 2011 Eugen Ruge mit seinem Werk ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ erinnert und auch an ‚Sonnenallee‘ von Thomas Brussig. Gefühlt spielt der Roman aber mehr in der Gegenwart als in der Vergangenheit, wobei natürlich die Vergangenheit die Gegenwart bedingt.
Fazit: Wer gerne den Eugen Ruge ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ gelesen hat, könnte auch an diesem Werk Gefallen finden. Es ist eine Melange aus Coming-Of-Age & Midlife Crisis und großer Bewältigungsaufgabe des einsamen Protagonisten.
- Ulrike Gerold
Allee unserer Träume
(105)Aktuelle Rezension von: Dirk1974Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Autoren haben sich aber das Recht der künstlerischen Freiheit genommen. Die Geschichte steht daher unter dem Motto: "Ich will gar nicht wissen, was wirklich passiert ist. Manchmal sind erfundene Geschichten einfach schöner."
Ilse Schellhaas ist die Tochter eines Architekten. Ihr Großvater hat eine Baufirma in Mühlhausen. Daher ist es für Ilse ganz normal, mit den Dingen auf einer Baustelle umzugehen. Später wird sie selbst Architektin. Als die Führung der noch jungen DDR einen Aufruf für die Planung der ersten sozialistischen Prachtstraße macht, reicht Ilse im Namen ihres Vaters ihre eigene Entwürfe ein. Zu ihrer Überraschung werden nicht nur die großen Berliner Architekturbüros eingeladen, sondern auch das Büro ihres Vaters. Die anderen Architekten sind nicht sonderlich begeistert eine Frau in ihrer Mitte zu sehen, doch unter ihnen ist auch der Mann von Ilses verstorbener Schwester....
Anhand des Klappentextes hatte ich erwartet, dass das Buch nur in den Anfangsjahren der DDR spielt. Das Buch ist in einen Prolog und zwei Teilbücher aufgeteilt. Das erste Buch spielt in der Zeit von 1940 bis 1950. Wir erfahren zunächst wie die Protagonisten zueinander stehen und wie sie die Kriegsjahre erlebt haben. Daher war ich zunächst sehr enttäuscht, da es nicht das war, was ich erwartet hatte.
Ab Seite 279 beginnt dann das zweite Buch mit der Zeit von 1951-1953. Nun beginnt endlich die erwartete Geschichte. Ilse, die inzwischen Marga heißt, ist mit den anderen Architekten dabei die Stalinallee zu planen. Später bringt sie sich auch als Bauleiterin ein.
Zum Abschluss gibt es noch einen Epilog aus dem Jahre 1989.
Die beiden Autoren erzählen in ihrem Buch über die Stalinallee und spätere Karl-Marx-Allee eine interessante und abwechslungsreiche Geschichte. Es ist die Geschichte einer mutigen Frau, die ihren Weg in einer von Männern dominierten Welt geht. Dabei ist sie auf Grund ihrer Vergangenheit erpressbar.
Der Schreibstil gefällt mir gut. Das Buch liest sich flüssig und man gerät nicht ins stocken. Obwohl ich zunächst enttäuscht war, muss ich nun nach dem Ende des Buches sagen, dass mir die Geschichte insgesamt gut gefallen hat. Ich vergebe daher 4 Sterne.
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