Bücher mit dem Tag "osteuropa"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "osteuropa" gekennzeichnet haben.

68 Bücher

  1. Cover des Buches Der letzte Wunsch (ISBN: 9783423262644)
    Andrzej Sapkowski

    Der letzte Wunsch

    (855)
    Aktuelle Rezension von: hackenoh

    „Der letzte Wunsch“ ist kein klassischer Roman, sondern eine Sammlung miteinander verbundener Kurzgeschichten. Gerade das macht den Einstieg in die Witcher Welt so besonders. Stück für Stück lernt man Geralt von Riva kennen und bekommt einen Eindruck davon, wie diese Welt funktioniert.

    Düsterer Ton und moralische Grauzonen

    Was mir besonders gefallen hat, ist der Ton der Geschichten. Die Welt ist rau, oft brutal und selten eindeutig. Entscheidungen sind selten klar richtig oder falsch. Genau diese moralischen Grauzonen machen die Geschichten so interessant und unterscheiden sie deutlich von vielen anderen Fantasybüchern.

    Märchen neu erzählt

    Viele Geschichten greifen bekannte Märchen auf und drehen sie in eine deutlich düstere Richtung. Dadurch entstehen sehr originelle Episoden, die gleichzeitig vertraut und völlig neu wirken.

    Fazit

    „Der letzte Wunsch“ ist ein faszinierender Einstieg in die Witcher Reihe. Die Geschichten sind atmosphärisch, klug geschrieben und zeigen sofort, warum diese Welt so viele Leser begeistert. Ein sehr starker Beginn einer der bekanntesten modernen Fantasyreihen.

  2. Cover des Buches Das achte Leben (Für Brilka) (ISBN: 9783548289274)
    Nino Haratischwili

    Das achte Leben (Für Brilka)

    (274)
    Aktuelle Rezension von: Barbara_Nelting

    Ein Buch, was allein durch seinen Umfang schreckt und entsprechend lang bei mir lag, bevor ich mich herangewagt habe. Tja, was soll ich sagen: Ich habe nicht bereut, es gelesen zu haben und vermutlich werden mich die lebensnah geschilderten Protagonistinnen und ihre Schicksale sowie wie vor allem ihre Welt (Georgien als Teil der Sowjetunion über das 20. Jahrhundert hinweg) noch lange begleiten. Auch mochte ich den teils poetischen Schreibstil und, wie alles miteinander verwebt war.

    Mehr als 3 Sterne kann und mag ich dennoch nicht geben. Allzu sehr schimmerte durch die Geschichten aller beschriebenen Frauen ein Fatalismus, eine Tragik, eine Schicksalsergebenheit, die meines nicht ist und die ich der Autorin als Eigenschaft unterstelle. Ja, die Zeiten waren hart und schwierig. Ja, es gab Tod, Folter, Vergewaltigung, persönliches Unglück. Aber MUSS denn deshalb wirklich jede einzelne Person dieses Buches eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, gebrochen sein und fortan unfähig zu Glück, Selbstliebe, etc.? Ich finde: nein, und hätte mir in all dem Schatten mehr Licht gewünscht. Leider war es jedoch über all die mehr als 1200 stolzen Seiten des Romans so, dass, wenn man einmal glaubte, dass es jetzt endlich mal für eine der geschilderten Frauen ganz gut liefe, man sicher sein konnte, dass das Unglück nicht fern war, oft durch eigenes Zutun. Das ermüdet und nervt sogar mit der Zeit, und schmälert die unglaubliche Leistung der Autorin, über 100 Jahre georgischer und europäischer Geschichte mit berührenden, miteinander zusammenhängenden Einzelschicksalen zu verknüpfen, leider arg.

  3. Cover des Buches Alles ist erleuchtet (ISBN: B005C37GUW)
    Jonathan Safran Foer

    Alles ist erleuchtet

    (529)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Ich habe zuerst den Film gesehen, zu dem das Buch als Vorlage diente; und dieser hat mir ausgesprochen gut gefallen. Normalerweise ist man von der filmischen Umsetzung eines literarischen Werkes enttäuscht, im vorliegenden Fall war es gerade umgekehrt.

    Die Geschichte eines jungen jüdischen Amerikaners (Jonathan Safran Foer), der in die Ukraine fährt und sich dort mit Hilfe eines radebrechenden, machohaften Reiseführers und dessen "blinden" Opa als Fahrer, nebst "Blindenhund" auf die Suche nach der Vergangenheit seines eigenen Großvaters macht, ist im Buch als eine der vier Handlungsstränge enthalten.

    Daneben geht es um die Geschichte von "Brod", die dem gleichnamigen Fluss "entspringt", als ihre Eltern im Jahre 1791 dort mit Fuhrwerk in den Fluten versinken; des weiteren um die Geschichte der Heirat von Jonathans Großvater vor Zerstörung des Schtetls um 1940 und um die Kommentare von Alex, dem ukrainischen Reisebegleiter von Jonathan, der scheinbar diese Geschichten Korrektur ließt.

    Ganz schön verwirrend und so kam es mir beim Lesen auch durchgehend vor. Hätte ich zuvor den Film nicht gesehen, hätte ich bezüglich Orientierung wohl auch gewiss einige Probleme gehabt. Nun, das mag "innovativ" sein, aber meinem Lesevergnügen zumindest nicht zuträglich.

    Natürlich sind alle Geschichten miteinander verwoben und auch Alexs Großvater ist involviert. Ein bisschen dick aufgetragen, wie ich finde.

    Negativ aufgestoßen ist mir auch die unnötig obszöne Sprache, die in manchen Passagen benutzt wird.

    Fazit: Insgesamt kein wirklich schlechtes Buch. Aber es kommt halt wie ein besonders bemühtes Erstlingswerk eines noch nicht ganz ausgereiften Schreiberling rüber.

  4. Cover des Buches Die Entscheidung (ISBN: 9783734105227)
    Charlotte Link

    Die Entscheidung

    (314)
    Aktuelle Rezension von: til_tomasko9

    Handlung: 

    Simon wollte eigentlich sein Weihnachtsfest mit seinen Kindern in dem Ferienhaus an der Französischen Küste verringen, doch diese sagen ihm kurzfristig ab. Als er am Strand spazieren geht trifft er auf eine verwirrte Frau namens Nathalie, dass sie alles radikal verändern wird hat er wohl nicht gedacht.... 

    Die Autorin: 

    Ich liebe liebe den Schreibstil von Charlotte Link. Sie schreibt aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven. Sie ist für mich die einzige Autorin, die schleichende Spannung aufbauen kann ohne es langweilig zu machen. 

    Meine Meinung: 

    Ich fand das Buch wirklich sehr sehr gut und hat sich definitiv sie 5 Sterne verdient! Es ist unglaublich Spannung und das Buch ist nicht wegzulegen. Trotzdem ist das Thema sehr schwer ernst, also wenn euch Menschenhandel, Häusliche Gewalt und Sexueller Missbrauch betreffen ist das eher nicht ein Buch für euch, denn diese Themen kommen während des Buches immer wieder vor.. Aber ich fand dieses Buch so so toll.

  5. Cover des Buches Mit 50 Euro um die Welt. Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam (ISBN: 9783959673457)
    Christopher Schacht

    Mit 50 Euro um die Welt. Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam

    (126)
    Aktuelle Rezension von: Hopeandlive

    Christopher Schacht erfüllt sich nach seinem Abitur einen großen Traum, er will um die ganze Welt reisen. Nicht das ein solcher Traum für junge Menschen ungewöhnlich wäre, ich kenne kaum einen, den nach dem Abitur nicht das Reisefieber packt, doch Christopher reist auf eine ganz besondere Art und Weise, mit nur 50 Euro in der Tasche, seinem Rucksack und dem festen Willen, nicht mit dem Flugzeug zu fliegen, macht er sich auf den Weg. Da würden schon einmal einige junge Menschen den Rückzieher machen. Doch wer sich die gutgelaunte Frohnatur auf dem Cover anschaut, gewinnt schon vor dem Lesen den Eindruck, bei dem könnte es klappen, der lässt sich nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen.

    Christopher nimmt uns mit und schreibt während der ganzen Reise Tagebuch, frisch von der Leber weg, was ihn bewegt und berührt und das fast immer positiv und humorvoll. Dennoch ist es kein Easy-going, er macht sehr viele gute Erfahrungen auf seiner Reise, durchaus auch mal negative, die ihn jedoch keinesfalls dazu bewegen, die Reise abzubrechen. Es gelingt ihm diese Erfahrungen hinter sich zu lassen und einfach weiter zu gehen in dem festen Vertrauen, es wird sich ein Weg zu seinem nächsten Ziel öffnen. 

    Während der Reise lernt er auch immer mehr auf Gott zu vertrauen und das fließt in seine Tagebucheinträge mit ein und der Leser kann auch erkennen, dass Christopher in diesen vier Jahren, in denen er von seiner Familie getrennt war, zu einem erwachsenen Menschen gereift ist. Interessant war, dass er sich immer einen offenen und freundlichen Blick auf die Menschen, die ihm begegneten, bewahrt hat und vielfach auch wirklich Bewahrung erlebte. Er war sich auch nicht zu schade, alle möglichen Arbeiten zu erledigen um seine Reisekasse aufzubessern und hat in etliche Berufsgruppen hineingeschnuppert. So ist er mit dem Segelboot, zu Fuß, mit der Bahn, dem Bus (häufig völlig überfüllt und leicht marode), irgendwelchen Lastwagen etc. gereist.

    Auf dieser Reise hatte er auch schriftlichen Kontakt mit einer jungen Frau aufgenommen und sie haben sich auf diese Weise so gut kennengelernt und füreinander Gefühle entwickelt, dass sie sich schlussendlich trafen und beschlossen zusammen weiter durch das Leben zu reisen. Mir hat dieser Reisebericht sehr gut gefallen, oftmals habe ich es aus Sicht einer Mutter gelesen und dachte, oh, das musste jetzt auch noch sein;):), doch es lohnt auf jeden Fall auf Reisen zu gehen und wenn es wie bei mir oft literarisch ist.

  6. Cover des Buches Sterntagebücher (ISBN: 9783518471463)
    Stanisław Lem

    Sterntagebücher

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Read-and-Create

    Das Buch steht auf Platz 216 der Weltliteratur-Liste "Die großen Klassiker", denn 'Sterntagebücher' gilt als das weltberühmte Logbuch von Ijon Tichys abenteuerlichen Reisen. 🚀

    Hört sich super an, oder?

    Ja, dachte ich, aber nachdem ich nun über 1 Jahr versucht habe in diesem Buch vorwärts zu kommen, habe ich mich im Juni dazu entschlossen dieses Buch abzubrechen.

    Zu Beginn war ich sehr begeistert über diese komplexen Welten, die sich der Autor ausgedacht hatte. Stellenweiße ist mir etwas zu wirr und durchgeknallt, aber es gibt auch philosophische und soziologische Gedankengänge.

    Gelesen habe ich bis Seite 212 von 524 Seiten.

  7. Cover des Buches Lichtungen (ISBN: 9783608988918)
    Iris Wolff

    Lichtungen

    (261)
    Aktuelle Rezension von: Anderswelten

    Die wohl größte Hürde dieses Buches ist, dass es rückwärts geschrieben ist. Wir starten mit Kapitel neun und enden mit Kapitel eins. Sobald ich mich mit dieser Eigenart bzw. künstlerischen Freiheit arrangiert hatte - was schneller passiert, als zu Beginn vermutet -, ist das Buch ein wahrer Schatz. 

    Die Autorin schafft es, trotz des rückwärtigen Aufbaus nichts vorwegzunehmen, sondern spielt vielmehr damit, Neugierde zu wecken, was denn „vorher“ passiert ist und in „früheren“ Kapiteln das Wissen aus „späteren“ Kapiteln zu nutzen, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Es ist gut, dass das Buch „nur“ 256 Seiten umfasst, denn auch wenn der Aufbau sehr gut funktioniert, empfehle ich nicht, das Buch nur „mal eben nebenbei“ zu lesen. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leseerlebnis deutlich schmälern. 

    Sprachlich empfand ich das Buch als eine Wucht. Die Klugheit im Alltag ohne Altklugheit - ich könnte mir fast jeden Satz markieren. Die erzählte Geschichte selbst wirkte überraschenderweise nicht zerstückelt. Sie steht nie wirklich im Mittelpunkt, aber ist auch zu keinem Zeitpunkt wirklich zweitrangig - dieser Effekt wurde ebenfalls durch den Rückwärtsaufbau verursacht. 

    Auch wenn „Lichtungen“ kein Lieblingsbuch von mir wird, kann ich es bedenkenlos jedem empfehlen, der Spaß am Unkonventionellen hat, Spielereien mit Sprache liebt und seine Gedanken treiben lassen kann ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Ein wirklich souveräner Need-to-Read.

  8. Cover des Buches Die Unschärfe der Welt (ISBN: 9783608984866)
    Iris Wolff

    Die Unschärfe der Welt

    (175)
    Aktuelle Rezension von: querbeetgelesen

    "Die Unschärfe der Welt" beschreibt die Geschichte einer Familie. Angefangen bei Hannes, seiner Frau Florentine und der Mutter Florentine, beginnt der Leser in eine ganz andere Welt einzutauchen. Diese Welt liegt viele Jahre zuvor, um Ende 1960, in einem Dorf in Rumänien. Wir lernen die Familie kennen, die Probleme mit denen die Menschen früher umzugehen hatten. Im Verlauf der Geschichte kommen weitere Personen dazu, wie Samuel, dem Sohn von Hannes und Florentine und seine Liebe Stana. Die Geschichte verändert sich, bewegt sich. Das Ende Bildet Liv, die das Leben der Urgroßmutter reflektiert.

    Dieses Buch ist in einer wunderschönen Sprache niedergeschrieben und beinhaltet eine unglaubliche Tiefe, ganz ohne aufregende Handlungen, wörtliche Rede oder viele Wendungen. Die einzelnen Personen werden beschrieben, ohne ein zu genaues Bild von ihnen zu zeichnen. Auch die Umgebung ist ganr klar und trotzdem "unscharf". Insgesamt ist dieses Buch, trotz der "kürze" sehr anspruchsvoll zu lesen.
    Eine wundervolle Geschichte, wenn man sich darauf einlässt und nicht nach den ersten Kapiteln aufhört. 

  9. Cover des Buches Ein Coffee to go in Togo (ISBN: 9783958894822)
    Markus Weber

    Ein Coffee to go in Togo

    (35)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    ‚Ich zweifelte an meinem Verstand! Togo, Afrika. Mit dem Fahrrad! Aber inzwischen war es zu spät. Es gab kein Zurück.‘ (Seite 19)

    Markus Maria Weber sitzt im November 2011 auf dem Weg zur Arbeit im ICE, beobachtet kaffeetrinkende Mitreisende und denkt über Kaffee, to go und Togo nach. Und da beschließt er, dass er aus dem Hamsterrad aussteigen will, dass er mit dem Fahrrad nach Togo fahren möchte. Er spricht mit seinem Chef, nimmt sich ein Jahr Auszeit, und dann geht es los.

    Weber startet in Deutschland, fährt über die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, die Republik Moldau und die Ukraine in die Türkei, durch Griechenland, Vatikanstadt, Italien und Spanien. Auf dem afrikanischen Kontinent radelt er von Marokko nach Westsahara, Mauretanien, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Sierra Leone, Liberia, die Elfenbeinküste und Ghana bis nach Togo.

    Schon der erste Blick ins Inhaltsverzeichnis macht deutlich, dass man es hier mit einem ganz besonderen Abenteuer zu tun hat, dass man Weber bei einer unglaublichen Reise begleiten darf. Das hat mir sehr viel Lust aufs Buch gemacht, und Webers Reise ist nicht nur ein echtes Abenteuer, sondern sein Buch ist zudem richtig toll geschrieben und der Autor extrem sympathisch.

    Die besuchten Länder sind - vor allem in Afrika, aber auch teilweise in Europa - bisweilen ungewöhnlich und eher weniger bekannt, so dass ich hier sehr gerne mitgereist bin, viel Neues erfahren habe, Land und Leute kennenlernen durfte.

    Weber hat seine Reise vor 13 Jahren unternommen, und die Welt hat sich seither recht stark verändert: die Corona-Pandemie, die immer extremeren Auswirkungen des Klimawandels, der Krieg in der Ukraine, der immer ausgeprägtere Rechtsruck in unzähligen Ländern. Die Reise in die Vergangenheit empfand ich aber nicht als störend, sondern als spannend.

    Das Buch enthält ein paar Fotos, meist in s/w. Ich persönlich hätte mich sehr über mehr Fotos, vor allem in Farbe, gefreut, um diese ungewöhnliche Reise noch lebendiger erleben und noch besser begleiten zu können. Aber das ist nur eine kleine Anmerkung, auch ohne diese Fotos ist das Buch eines meiner Lieblingsbücher 2024.

  10. Cover des Buches Entlang den Gräben (ISBN: 9783406803451)
    Navid Kermani

    Entlang den Gräben

    (12)
    Aktuelle Rezension von: 101844

    Allein von der Aufmachung, kommt "Entlang den Gräben" sehr wertig und ansprechend daher. Die Landkarte mit verzeichneter Route stimmt schon vor dem Lesebeginn auf die Reise ein und heizt die Neugierde an. Strukturell ist das Buch in Tagen unterteilt. So bekommen die Lesenden einen Eindruck über die Dauer der Aufenthalte.

    Obwohl eine Reportage vorliegt, schafft es der Autor mittels der Ich-Erzählperspektive und seiner ganz eigenen Note, die sich aus forscher Direktheit, Humor und Empathie auszeichnet, eine angenehme und dichte Atmosphäre zu kreieren. Gleich zu Beginn lernen die Lesenden den Autor als einen intelligenten, aufgeschlossenen und mutigen Mann kennen. So setzt er sich zum Beispiel zum Kaffee und Kuchen in eine AFD-Versammlung. Solche Momente gibt es mehrere und sie lassen einen beim Lesen die Luft anhalten. Trotz klar formulierter Kritik bleibt Navid Kermani respektvoll, wertschätzend und verständnisvoll. In diesem Verhalten manifestiert sich der Begriff "Toleranz" in seiner authentischsten Bedeutung und ringt den Lesenden unweigerlich Anerkennung ab.

    Gemeinsam mit dem Autor, stellt man beim Lesen fast, wie fern doch der so nahe Osten eigentlich ist. In unzähligen Gesprächen mit den verschiedensten Personen, erschließen sich auf intensive Weise ganz neue Perspektiven auf die Vergangenheit, Gegenwart und etwaige Zukunft Europas. Gerade die persönlichen Schicksale und Erfahrungsberichte regen zum Nach- und Mitdenken an.

    Der Schreibstil ist so unmittelbar und ehrlich, dass zu keiner Zeit das Gefühl aufkommt, man wäre nicht eine*r der Mitreisenden. Vor allem tabuisierte Themen, kommen schonungslos zur Sprache.

    Die ausgiebigen politischen Sequenzen werden immer wieder durch persönliche Anekdoten, Eindrücke und Beobachtungen entzerrt. Vor allem letztere sind bemerkenswert. Der Autor hat einen Blick für Details und entwirft wortgewandt beeindruckende Landschaftsbilder.


    Vor allem die ersten Stationen der Reise stellen den Lesenden bekannte Schrecken aus der Vergangenheit noch einmal sehr deutlich vor Augen. Allein von Köln bis Litauen hätte der Buchtitel auch "Entlang den Gräbern" lauten können. Man verdrängt den Umfang der Gräueltaten der vergangenen Jahrzehnte bis hinein in die Gegenwart. Und dennoch vermag Navid Kermani es, die Stimmung nicht ins Bodenlose kippen zu lassen. Respektvoll verweilt er an den richtigen Stellen und treibt die Reise dann gekonnt schwungvoll wieder in höhere Stimmungslagen. Kein einfacher Spagat, der ihm hier gelungen ist. Besonders interessant, sind auch die Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten, die ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen möchte.


    Insgesamt löste "Entlang den Gräben" in mir die ganze Palette an Emotionen aus. Von sprachloser Betroffenheit bis hin zu spontanem Auflachen. Ein Lesegenuss der besonderen Art.

  11. Cover des Buches Hiob (ISBN: 9783520862013)
    Joseph Roth

    Hiob

    (211)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Moses Joseph Roth (* 2. September 1894 † 27. Mai 1939) stammte aus einem bürgerlichen Elternhaus galizischer Juden. Er galt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Roman „Hiob“, dessen Hauptfigur Mendel Singer heißt, spielt in der Zeit von 1894 bis 1919 und beschreibt den Leidensweg des jüdisch-orthodoxen Toralehrers. Diverse Schicksalsschläge erschüttern seine Frömmigkeit und stellen seinen Glauben an Gott auf eine harte Probe. 

    Hiob war mein erster Roman von Joseph Roth. Die für den heutigen Geschmack altmodische Sprache hat mich sofort für sich eingenommen. Gespannt verfolgte ich Mendels Entsetzen über den Verlauf seines Lebens. Vier Kinder hatte er, drei Söhne und eine Tochter. Der Jüngste hieß Menuchim und entwickelte sich nicht so, wie erhofft. Auf der Suche nach Hilfe schwand die Liebe zwischen den Eltern. Ein Rabbi versprach der Mutter, dass er eines Tages ganz groß heraus käme. Das erlebte sie aber nicht mehr.
    Die Familie wanderte nach Amerika aus und ließ das kranke Kind bei einem jungen Ehepaar, das dafür das Haus der Singers bekam. Das amerikanische Glück hielt nicht lange an, der eine Sohn wurde als verschollen gemeldet, der andere fiel im Krieg. Und die Tochter wurde verrückt. Allein Menuchim, der in Galizien geblieben war, erfüllte die Prophezeiung des Rabbis: Er mutierte zum musikalischen Wunderkind und brachte Mendel zum Glauben zurück. 

    Wie bereits der Titel andeutet, lehnt Roth seinen Roman an die Bibel an. Wie im Alten Testament nachzulesen ist, lässt Gott Hiob trotz seines Glaubens sehr leiden, ehe er für seine Treue belohnt wird. Gleichzeitig knüpft er an die Josephsgeschichte an. Die Geschwister beneiden Menuchim, der wegen seiner Krankheit von den Eltern die meiste Liebe bekommt. Doch schlussendlich ist er derjenige, der seinen Vater wieder aufbaut.  

    Meine anfängliche Begeisterung für den Roman wurde durch Mendels Verzweiflung etwas getrübt. Sein ständiges Jammern über das Nachlassen der ehelichen Freude und der Ablehnung seiner ehemals geliebten Frau gefielen mir gar nicht. Auch fand ich seine durchaus zu der Zeit übliche strenge Haltung gegenüber seinen Kinder aus heutiger Sicht übertrieben. Auf der anderen Seite wurde der jüdische Alltag deutlich, ich erfuhr so manches über jüdische Rituale. 


    Fazit: Ein lesenswerter Roman aus vergangenen Zeiten

  12. Cover des Buches Vendetta (ISBN: 9783257231748)
    Donna Leon

    Vendetta

    (252)
    Aktuelle Rezension von: Gute_Nacht

    Inhalt

    In diesem Fall wird Commissario Brunetti tief in die Unterwelt Venedigs geführt.

    Acht rumänische Frauen sollen nach Italien geschmuggelt werden, verunglücken dabei jedoch. Doch ohne dieses Unglück hätte wohl niemand erfahren, warum jemand von einer venezianischen Bar aus in die ganze Welt telefoniert oder warum einige der angewählten Nummern in den Adreßbüchern zweier Männer stehen, die binnen einer Woche sterben.

    Fazit 

    Ein weiterer spannender und fesselnder Krimi aus der Brunetti Reihe, der sich zu lesen lohnt.

  13. Cover des Buches Kukolka (ISBN: 9783746635392)
    Lana Lux

    Kukolka

    (182)
    Aktuelle Rezension von: izzy_books

    „Kukolka“ fesselt von der ersten Seite an. Die Geschichte der jungen Samira, geprägt von Armut, Ausbeutung und dem Kampf ums Überleben, wird schonungslos erzählt. Intensiv, unbequem und emotional aufwühlend, vermittelt der Roman die Härten des Lebens auf eindrucksvolle Weise. Ein kraftvolles, unbedingt lesenswertes Werk.


  14. Cover des Buches Ostwärts (ISBN: 9783957285706)
    Julia Finkernagel

    Ostwärts

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Alinchen

    Julia und ihr Kameramann Michael reisen durch verschiedene Länder in Osteuropa und Asien, wobei sie Land und Leute filmen und dies zu Serien im MDR machen. Dazu hat Julia eben dieses Buch geschrieben, wodurch so manche Situation eben auch schriftlich festgehalten wird. Dabei werden vor allem die Einheimischen in den Vordergrund gestellt. 

    Das Buch ist kurzweilig geschrieben und durch die kurzen Kapitel ist das Buch einfach zu lesen. Ich musste jedoch für mich feststellen, dass das Genre der Reiseberichterstattungen mir nicht so gut gefällt. Ich habe oft auf den "tieferen Sinn eines Romans" gewartet, der natürlich nicht kam. Es war nett zu lesen, aber für mich auch nicht mehr.

  15. Cover des Buches Mammon - Für deine Sünden sollst du büßen & Phoenix - Unsere Rache wird euch treffen (ISBN: 9783958242531)
    Matthias Jösch

    Mammon - Für deine Sünden sollst du büßen & Phoenix - Unsere Rache wird euch treffen

    (93)
    Aktuelle Rezension von: tigger0705

    Adrian von Zollern ist beratender Ermittler beim deutschen Geheimdienst, oder so etwas ähnliches. Seine Mitarbeit wird aber bestritten, falls er in Gefahr kommt. Ein bisschen so wie bei “Mission Impossible”.
    Ein ermordeter Banker mitten bei einer Opernaufführung weckt Adrian von Zollerns Interesse. Die Mordwaffe? Ein mittelalterlicher Dolch. Was ist das Geheimnis hinter dem Dolch und warum sterben viele Menschen mit solchen Waffen? Findet es heraus.

    Ich muss zugeben, das Buch war jetzt nicht so leicht zu lesen. Ich benötigte jetzt einen zweiten Anlauf. Die ersten 50 % lass ich vor Monaten innerhalb von Wochen, da mir schlicht und einfach die Zeit fehlte. Jetzt hatte ich einige Stunden am Stück Zeit und schwups waren die restlichen 50 % innerhalb von etwas mehr als 3 Stunden erledigt. Der Einstieg in das Buch, durch die verschiedenen Handlungsstränge, ist recht kompliziert, aber nach ca. 80 Seiten kann man den Thriller (vorausgesetzt man hat Zeit zwinker) nicht mehr aus der Hand legen. Es eignet sich nicht sehr gut für zwischendurch, da die Verzweigungen sehr umfangreich sind. Irgendwann hat es bei mir Klick gemacht, und ich verstand plötzlich was wo hingehört. Hinzukommt, dass das Buch sehr spannend ist und der Autor auch nicht davor zurückschreckt, lieb gewonnen Personen einfach umzubringen. Dadurch wird die Geschichte sehr unvorhersehbar, was einen guten Thriller auch ausmacht, finde ich. Das Buch kann ich jedem weiterempfehlen, nur sollte Zeit eingeplant werden.

  16. Cover des Buches Reiter der Steppe (Kupferblut-Saga 1) (ISBN: B08LQWD5Y2)
    Julia Lalena Stöcken

    Reiter der Steppe (Kupferblut-Saga 1)

    (40)
    Aktuelle Rezension von: Lena1

    Julia Lalena Stöckens "Kupferblut - Reiter der Steppe" entführt den Leser in die faszinierende Welt der Kupferzeit. Die Geschichte um Ljuba, die zwischen die Fronten rivalisierender Clans gerät und um das Überleben ihrer Schwester kämpfen muss, bietet durchaus interessante Ansätze.

    Die Kupferzeit als Schauplatz ist erfrischend und bietet viel Potenzial für spannende Geschichten. Der Autorin gelingt es, diese Epoche lebendig und anschaulich darzustellen. Auch die Handlung ist vielversprechend: Intrigen, Kämpfe, eine Prise Romantik und die Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur.

    Obwohl die Geschichte interessante Elemente enthält, fehlte es mir an der nötigen Spannung und Sogkraft, um mich wirklich zu fesseln. Die Handlung plätschert teilweise vor sich hin und die Charaktere bleiben blass.

    Allen Lesern, die eher ruhige historische Fantasy mit einem Hauch von Romantik mögen und kein Problem damit haben, wenn die Geschichte nicht durchgehend fesselt, sei "Kupferblut - Reiter der Steppe" empfohlen. Wer jedoch auf der Suche nach etwas Fesselndem ist, könnte enttäuscht werden.

  17. Cover des Buches Fiona: Den Toten verpflichtet (ISBN: 9783499291357)
    Harry Bingham

    Fiona: Den Toten verpflichtet

    (66)
    Aktuelle Rezension von: Yasmin_Hein

    Fi, ungewöhnliche Ermittlerin, die keine Regeln mag, psychische Probleme hat und eigentlich nur ein normaler Mensch sein will. 


    Grundsätzlich fand ich die Prämissen des Buches interessant, jedoch hat für mich die Lösung des Falls fast gar nicht stattgefunden. Trotz der Erzählung aus der Ich-Perspektive, bleiben viele Gedanken der Protagonistin im Dunkeln. Die psychische Verfassung von Fi spielt dafür eine sehr große Rolle und ist für mich mehr Thema als der zu lösende Fall. Was ja grundsätzlich nicht schlimm wäre, wenn das Buch nicht eigentlich ein Kriminalroman sein sollte. 


    Die Gedankenwelt von Fi betreffend ihre Krankheit ist sehr gut dargestellt, die anderen Charaktere bleiben allerdings sehr grau und oberflächlich. Der Schreibstil ist etwas abgehackt, was wohl einfach an Fis dargestellter Persönlichkeit liegt, hat aber auch verhinderte, dass ich so richtig in den Lesefluss gekommen bin. Mehrmals habe ich überlegt, das Buch abzubrechen, habe ich dann aber dazu entschieden diesen ersten Teil zu Ende zu lesen, die nachfolgenden Bände werden aber ungelesen wieder bei mir ausziehen, weil es mir einfach zu anstrengend

  18. Cover des Buches Couchsurfing in Russland (ISBN: 9783492314404)
    Stephan Orth

    Couchsurfing in Russland

    (58)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Nach der Besetzung der ukrainischen Krim durch Rußland, aber bevor dem aktuellen großen Angriffskrieg gegen die Ukraine reiste Stephan Orth via Couchsurfing durch Rußland, von West bis Ost. Schwierig, unter diesen Bedingungen neutral über Russen und Rußland zu schreiben, auf jeden Fall sind wird auf die porträtierten jungen Russen angewiesen, wenn wieder eine Annäherung an Rußland erfolgen soll. Interessant, wie unterschiedlich die Russen über Deutschland, Europa und Putin urteilten, für mich als Brillenträger wichtig, daß einem im russischen Winter bei -40 Grad Celsius die Brille im Gesicht festfrieren kann. Leider fehlt ein Foto der bildhübschen Nestea-Trinkerin. Gowno!


  19. Cover des Buches Der Überläufer (ISBN: 9783455021363)
    Siegfried Lenz

    Der Überläufer

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Izabelle_Jardin
    Ausgesprochen schwierig, diesem posthum veröffentlichten Lenz'schen Frühwerk gerecht zu werden! Ich oute mich als treuer Leser. Seien es die Kurzgeschichten, die ich mir immer mal wieder zwischendurch zum Vergnügen gönne, seien es die großen Romane ... stets begeistert mich vor allen Dingen: Die Sprache!
    Auch hier realisiert man, es ist ein typischer Lenz. Sprachlich ein Genuss. Wie immer. Es bleibt dem Leser schon die Spucke weg, was er, wie er schreibt, wenn beispielsweise ein Projektil in einen menschlichen Schädel dringt ...
    Aber ich muss ehrlich sein. Der Überläufer bleibt bei aller zweifellos vorhandenen Qualität, bei allen so typischen Feinheiten, welche Beobachtung nicht nur sichtbar, sondern spürbar macht, doch ein wenig zurück. Mag sein, dass es unfair ist, dieses Buch mit "nur" 4 Sternen zu bedenken, denn Lenz ist eben Lenz. Mag sein, es liegt daran, dass ich den "Überläufer" so sehr als "Männerbuch" empfunden habe, und bisweilen schmerzhaft den Kopf einzog, wenn die geschilderte Brutalität und Unausweichlichkeit allzu starke Schläge in die Magengrube versetzte.
    Es ist, wie es ist. Mein Favorit bleibt "Es waren Habichte in der Luft".
    Dennoch hätte ich es bereut, diesen letzten, obzwar eigentlich zweiten Lenz nicht gelesen zu haben.
  20. Cover des Buches Becks letzter Sommer (ISBN: B013X31B8A)
    Benedict Wells

    Becks letzter Sommer

    (23)
    Aktuelle Rezension von: biblioly

    Themen:

    Musik, Genie/Virtuose, Roadtrip, Lebenskrisen, Abhängigkeit

    Rezension:

    Ich kann das Hörbuch zu „Becks letzter Sommer“ absolut empfehlen. Ich kam mir vor wie im Film, Christian Ulmen betont grandios. Ich glaub, alleine dadurch war das Buch so unterhaltsam. 

    Aber auch so ist Benedict Wells ein Schreibvirtuose. Er kreiert Charaktere mit Tiefgang und sein Schreibstil zieht in einen Lesesog (in dem Fall Hörsog), aus dem ich gar nicht mehr auftauchen möchte. 

    „Becks letzter Sommer“ ist komisch mit abstrusen Handlungen, fragwürdigen Protagonisten mit einigen moralischen Verfehlungen und doch teilweise unerwartet melancholisch. Die Erzählperspektive ist genial gewählt. Obwohl der Plot absolut überzogen und an vielen Stellen unrealistisch ist, macht der Ich-Erzähler (Ben wie Benedict Wells), der über das Leben seines ehemaligen Lehrers Robert Beck schreibt, den Anschein als könnte die Geschichte doch tatsächlich so passiert sein. 

    Egal ob als physisches Buch oder Hörbuch, „Becks letzter Sommer“ ist in jedem Fall sehr unterhaltsam. 

  21. Cover des Buches Alltag in Moskau (ISBN: 9783430127844)
    Lois Fisher-Ruge

    Alltag in Moskau

    (8)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Der Abstieg des Westens (ISBN: 9783462052923)
    Joschka Fischer

    Der Abstieg des Westens

    (2)
    Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
    Mahnende Worte und scharfe Analyse des „Elder Statesman“

    „Sehr schwerwiegend werden die Folgen der Wahl von Donald Trump für den Westen selbst sein: Denn wenn die westliche Führungsmacht sich aus ihrer Rolle verabschiedet…dann wird dieser Westen sehr kurzfristig vor die Existenzfragen gestellt“.

    Eine Gefahr, die in jeder Weise noch offen über den Häuptern schwebt. Es rumort gewaltig in den „alten Bündnissen“ und es rumort zudem erkennbar auch in „neuen Bündnissen“, sieht man sich die Spannungen innerhalb der EU mit neuen, östlichen Partnern wie Polen und Ungarn an, sieht man sich die Spreizung zwischen dem Norden und Süden in der EU an, blickt man auf Griechenland, auf die wirtschaftlichen und fiskalischen Problematiken, die nur mit viel und, vor allem, billigem Geld notdürftig gekittet zu werden scheinen.

    Wobei sich Fischer nicht an Trump festbeißt, sondern einen Schritt tiefer in die Analyse durchaus vordringt. Indem er die Dynamik menschlichen Seins, vor allem die Dynamik politischer Veränderungen, so sie einmal Fahrt aufgenommen hat, in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückt. Mit dem Konstatieren einer sichtbaren „Verschiebung der Machtgewichte in einer (bis dato) etablierten Ordnung“.

    Und somit eine Verschiebung, die existenziell sich auswirken kann und schon wird. In der die
    Klassischen Werte der Aufklärung, in den westlichen Demokratien mehr oder weniger als Grundlage gesetzt, in Verbindung mit Toleranz und wirtschaftlicher wie persönlicher Freiheit mit genau diesem, ihrem ganzen, Modell, ins Wanken geraten und neue und alte „Big Player“ sich genau von diesem Wertesystem aus den verschiedensten Gründen abzuwenden scheinen.

    Russland wird zur latenten Bedrohung freiheitlicher Werte auch im Westen, die USA höhlen alte Schutzvereinbarungen mehr und mehr auf, China wird Weltmarkführer mit einer ganze andren politische Geschichte und Linie, in vielen alten Demokratien, die ehemals stark wirkten, tummeln sich rechtspopulistische, nationalistische Kräfte, die das liberale Gesellschaftsgefüge „zurückdrehen“, belasten, in Fragen stellen wollen. Und das durchaus mit Erfolg bei den Wählern europaweit.

    Was Fischer treffsicher kulminieren lässt als „die große Veränderung“, wenn er das Jahr 2016 mit der Entscheidung zum Brexit in England als eine Art „Zeitenwende“ klassifiziert.

    In einem Europa, dass ächzt, dass „brennt“, wie Fischer es nennt und, was ihn erkennbar aus der Fassung bringt, ist der kontraproduktive Umgang der politischen Elite Europas mit diesen offenkundigen und drängenden Problemen.

    Das ist für Fischer wohl der eigentliche „Abstieg des Westens“, dass die europäische Politik sich im Klein-Klein erschöpft und damit die großen, wichtigen Linien (zu denen auch das militärische Engagement gehört) zu wenig beachtet bis fast völlig außer Acht lässt.

    Was eine klare rote Linie ergibt, die Fischer überzeugend argumentiert vorlegt, wenn auch in Teilen etwas larmoyant formuliert wird und dass ein oder andere eher plakativ denn argumentiert im Raume verbleibt.

    Eine interessante und aufrüttelnde Lektüre, dass allemal. Und wichtig dazu.
  23. Cover des Buches Spycatcher - Krieg der Spione (ISBN: 9783442382989)
    Matthew Dunn

    Spycatcher - Krieg der Spione

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ein Agenten-Spionage-Thriller von der Stange: Die eindimensionalen Figuren werden mit einer Holzhammer-Psychologie dargestellt, der veränderliche Schneefall ist das Interessanteste an dem Ganzen, ständig steigt man aus SUVs und BMWs und hadert mit dem eigenen Leben. Gefühle der Handelnden werden einem unter die Nase gerieben, und natürlich geht es am Ende um die totale Vernichtung der Welt durch Atomwaffen in einem neuen Ost-West-Konflikt (darunter machen sie`s nicht), der vom gewieften Einzelkämpfer gerade noch abgewendet wird. Bitte weniger Bücher hiervon!

  24. Cover des Buches Briefe aus Sarajewo (ISBN: 9783453069541)
    Anna Cataldi

    Briefe aus Sarajewo

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden

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