Bücher mit dem Tag "pädagogik"
71 Bücher
- Hermann Hesse
Unterm Rad
(847)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Sein Vater, seine Lehrer, der Pfarrer und überhaupt fast alle in seinem Heimatdorf sind sich einig, dass der junge Hans Giebenrath außergewöhnlich begabt ist und Großes von ihm zu erwarten ist. Mit viel Engagement, Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit bereitet sich Hans auf das Landexamen vor, denn wer dieses besteht zählt zu den wenigen Privilegierten, die das Seminar in der Klosterschule in Maulbronn besuchen dürfen und vor denen eine glänze Zukunft liegt. Zunächst verläuft alles nach Plan, aber nach und nach beginnt Hans unfreiwillig von diesem streng vorgezeichneten Weg abzukommen und alles verändert sich für ihn schleichend und unaufhaltsam zum Schlechteren hin…
„Über Hans Giebenraths Begabung gab es keinen Zweifel. […] Damit war seine Zukunft bestimmt und festgelegt.“ (S. 9)
Meine Meinung:
Da ich „Siddhartha“ und vor allem „Narziss und Goldmund“ sehr gemocht habe („Demian“ war leider weniger mein Fall) wollte ich nun auch „Unterm Rad“ eine Chance geben.
„Unterm Rad“ ist ein sehr berührendes und nachdenklich stimmendes Buch, das einem in Erinnerung bleibt. Diese relativ kurze, geradlinig und unaufgeregt erzählte Geschichte besitzt dafür umso größere emotionale Wucht. Das Buch macht auf ein wichtiges Thema aufmerksam, das auch in der heutigen Zeit noch aktuell ist: Psychische Erkrankungen und die Schattenseiten der Leistungsgesellschaft. Es ist bemerkenswert, dass Hermann Hesse dieses Buch schon 1905 veröffentlicht hat, denn damals waren psychische Erkrankungen noch weit weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit und man hatte weniger Verständnis dafür als heutzutage.
Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Man kann sich sehr gut in Hans hineinversetzen, weil Hermann Hesse bei der Schilderung von dessen Gefühlen und Gedanken viel Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Sensibilität beweist. Hans ist ein gutmütiger, sensibler, zurückhaltender, höflicher, intelligenter und fleißiger Junge, den man schnell ins Herz schließt. Hans ist jemand, der es jedem recht machen möchte und der seine eigenen Bedürfnisse hintenanstellt. Er will die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und übernimmt die Pläne, die die Erwachsenen mit ihm haben als seine eigenen und verinnerlicht sie. Hans nimmt es klaglos hin als sein Vater und seine Lehrer ihm immer mehr Lernstoff aufbürden. Schon bald hat Hans fast gar keine Freizeit mehr in der er seinen Hobbys nachgehen kann.
Bereits zu Beginn der Geschichte (als für Hans noch alles sehr gut läuft) bereiten einem gewisse Dinge ein wenig Unbehagen und man hat zuweilen ein ungutes Gefühl. Man hat nämlich den Eindruck, dass die Personen in Hans‘ Umfeld viel zu sehr auf seine Leistungen schauen und dazu neigen den Menschen dahinter vergessen. Hans scheint vorwiegend geschätzt zu werden, weil er „der Stolz der Stadt“ ist. Ihm wird dadurch der Eindruck vermittelt, dass man ihn nicht seiner Persönlichkeit wegen mag und beachtet, sondern aufgrund seiner herausragenden schulischen Leistungen. Nicht einmal Hans‘ Vater ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Außerdem wird von allen Seiten sehr großer Druck auf Hans ausgeübt und jeder will ihn zu Höchstleistungen antreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass zugleich auch nicht auf Hans‘ Sorgen und Ängste eingegangen wird und diese sogar als unbedeutend abgetan werden:
„Du weißt, dass wir alle Hoffnungen auf dich setzen. Im Latein erwarte ich eine besondere Leistung von dir.“ – „Wenn ich aber durchfalle“, meinte Hans schüchtern. „Durchfallen?!“ Der Geistliche blieb ganz erschrocken stehen. „Durchfallen ist einfach unmöglich. Einfach unmöglich! Sind das Gedanken!“ (S. 15)
Als Hans in die Klosterschule kommt hofft man sehr, dass das Internatleben guttut. Tatsächlich findet Hans in dem eher unangepassten, leicht rebellischen und impulsiven Hermann auch endlich einen Freund. Obwohl die beiden charakterlich sehr unterschiedlich sind verstehen sie sich prächtig und werden schon bald unzertrennlich. Leider gibt es aber schon bald Probleme: Hermann fällt bei den Lehrern in Ungnade woraufhin diese es allen Schülern für unbestimmte Zeit untersagen mit Hermann auch nur zu sprechen. Hans sieht sich somit gezwungen seinem Freund den Rücken zu kehren. Gewissenskonflikte und Schuldgefühle sind damit natürlich vorprogrammiert. Wie die Lehrer hier einen Schüler zum Aussätzigen erklärt haben und ihn völlig von den anderen isoliert haben hat mich fassungslos und wütend gemacht. Es handelt sich immerhin um minderjährige Schüler, die weit von Zuhause entfernt leben und die daher vor Ort außer ihren Mitschülern keinerlei Bezugspersonen haben. Auch sonst sind die pädagogischen Methoden zur damaligen Zeit aus heutiger Sicht sehr erschreckend. So droht den Schülern beispielsweise bei regelwidrigem Verhalten der Karzer.
Es ist bedrückend und traurig mitanzusehen wie es Hans dann im Laufe der Geschichte zunehmend schlechter geht. Der große Druck unter dem er steht und die Angst vor dem Scheitern machen ihm immer mehr zu schaffen. Es plagen ihn Albträume, er hat ständig Kopfschmerzen und er fühlt sich gestresst, ruhelos, gehetzt, antriebslos und niedergeschlagen. Als Leser ist man aber leider die einzige Person, der das frühzeitig bzw. der das überhaupt auffällt. Niemand bemerkt wie sehr Hans im Stillen zu leiden beginnt:
Keiner […] sah hinter dem hilflosen Lächeln des schmalen Knabengesichts eine untergehende Seele leiden und im Ertrinken angstvoll und verzweifelnd um sich blicken. (S. 111)
Erst als sich Hans‘ schulische Leistungen verschlechtern fällt ihnen auf, das etwas nicht stimmt. Es werden dann jedoch nur halbherzige bzw. gar keine Versuche unternommen um die Situation für ihn zu verbessern und ihm aus seinem Elend herauszuhelfen. Stattdessen ist man schlicht enttäuscht von ihm, grenzt ihn aus und wendet sich von ihm ab, weil er es nicht länger wert ist, dass man ihm viel Aufmerksamkeit schenkt:
Er war kein Gefäß mehr, in das man allerlei hineinstopfen konnte, kein Acker für vielerlei Samen mehr; es lohnte sich nimmer, Zeit und Sorgfalt an ihn zu wenden. (S. 116)
Hans hat mir furchtbar leidgetan und ich habe mir große Sorgen um ihn gemacht. Man wünscht es sich in vielen Momenten richtiggehend ihm eine Hand auf die Schulter legen zu können, ihm Mut zuzusprechen und ihn zu trösten. Sein Scheitern ist für Hans eine große Enttäuschung und eine demütigende Erfahrung. Manche Leute verspotten ihn auch noch deswegen. Außerdem kehren ihm viele den Rücken, weil er für sie nun nicht länger interessant ist.
Diese Geschichte ist eine ohne Happy End und das macht sie umso eindrücklicher und bewegender. Diejenigen, die zu Hans‘ Unglück beigetragen haben haben leider rein gar nichts aus dem Geschehenen gelernt und hinterfragen ihr eigenes Verhalten Hans gegenüber in keiner Weise. Nicht einmal Hans‘ Vater ist da keine Ausnahme. Einzig der Schumacher Flaig (ein weitgehend unbeteiligter Beobachter der Geschehnisse) macht sich in dieser Hinsicht Gedanken. Man hat daher den Eindruck, dass sich eine Geschichte wie die von Hans jederzeit wiederholen könnte und das hat mich ziemlich niedergeschlagen und traurig zurückgelassen. Es gab keinen Hoffnungsschimmer.
Fazit:
Dieses Buch sollte man auf keinen Fall lesen, wenn man ohnehin schon etwas traurig ist. Es ist nämlich eine Geschichte, die sehr bedrückend, dramatisch und hoffnungslos ist. Man muss hilflos mitansehen wie Hans im Stillen leidet, ihm keiner hilft und schließlich alles sehr traurig endet. Es ist eine sehr berührende Geschichte über ein ernstes Thema, die einem nicht so schnell loslässt und die einem nachdenklich stimmt. Hermann Hesses Schreibstiel ist auch in diesem Buch wunderschön.
Ich hätte mir gewünscht, dass es am Ende zumindest einen kleinen Funken Hoffnung gibt und einige der handelnden Personen ihr Verhalten Hans gegenüber überdenken. Daher nur vergebe ich nur 4 statt 5 Bewertungssterne. Vielleicht ist es aber auch etwas unfair bloß deswegen einen Stern abzuziehen.
- Hetty van de Rijt
Oje, ich wachse!
(96)Aktuelle Rezension von: DerKleinesz'Oje, ich wachse' wurde uns von unserer Hebamme empfohlen, vorher kannten wir dieses Buch gar nicht. Vorab kann ich schon mal sagen, dass wir froh sind, ihrer Empfehlung nachgekommen zu sein.
Nach einer kurzen Einleitung werden in mehreren Kapiteln auf die geistigen Sprünge eines Babys eingegangen. Dabei wird beschrieben, welche Schwierigkeiten und Merkmale der Sprung mit sich bringt und wann der Sprung zu erwarten ist. Auch an praktischen Tipps mangelt es nicht.
Am besten hat mir gefallen, dass in jedem Kapitel eine Checkliste verfügbar ist, welche zu welchen Aktionen das Baby nach dem Sprung imstande sein könnte. Anhand dieser Liste konnten wir genau beobachten, dass unser Baby tatsächlich nach einer schwierigen Phase die eine oder andere Fähigkeit neu erworben hat.
Das Buch gab uns mehr Selbstsicherheit, in den schwierigen Phasen mit dem Baby gut zurechtzukommen. Dies war so wertvoll für uns, dass wir es nicht bereut haben, das Buch gekauft zu haben, auch wenn das Buch in meinen Augen einige Schwächen hat.
Eine der Schwächen des Buches sind die Wiederholungen der Eigenschaften der schwierigen Phase. Denn um Grunde besteht sie darin, dass im Gehirn des Babys umstrukturiert wird, die Welt des Babys auf den Kopf gestellt wird und es deshalb mehr zu Mama und Papa will, wo es geborgen ist. Dies wird meines Erachtens zu oft wiederholt.
Des Weiteren erweckt die Checkliste zu hohe Erwartungen, was das Kind nach jedem Sprung können sollte, auch wenn im Buch betont wird, dass es auch in OK ist, dass das Baby die betroffenen Aktionen erst später ausführen kann.
Insgesamt ist es ein gutes Sachbuch, welches über das Verhalten eines Babys in den ersten Monate aufklärt.
- Jean Liedloff
Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
(46)Aktuelle Rezension von: Natascha_WDas Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" erzählt die Lebensweise der Yequana-Indianer, welche eine komplett andere Herangehensweise ans Leben haben als die meisten Menschen in der heutigen Zeit. Vor allem der Unterschied bei der Kindsaufzucht wird deutlich klar.
Es ist empfehlenswert das Buch vor dem ersten Kind zu lesen, da man ansonsten mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen haben wird. Denn das Buch erklärt u.A. wieso wir unseren Kindern mit guter Absicht dennoch ihr Leben schwer machen und die Erziehung zu lebenslangen Problemen führen kann. Ich bin überzeugt davon, dass die Ansätze des Buches der Wahrheit entsprechen und wir dringendst unser System verändern müssen!
Auch wenn das Buch recht altmodisch geschrieben und manchmal schwer zu verstehen ist, kann ich es nur jedem empfehlen zu lesen. Vor allem aber spätestens dann, wenn Nachwuchs ansteht.
Meine liebsten Textstellen:
- Babys sind in der Tat zu einer Art Feind geworden, den die Mutter besiegen muss. Weinen muss ignoriert werden, um dem Baby zu zeigen, wer der Herr ist.
- Damit will ich nicht sagen, dass der "Wilde" von Geburt an intelligenter ist als wir, jedoch glaube ich wirklich, dass das natürliche Potential unserer Geisteskräfte durch den von einer Verzerrung der Persönlichkeit ausgehenden Druck beschädigt werden kann.
- Eine still dasitzende Mutter wird ihr Baby durch Gewohnheit dazu bringen, das Leben als langweilig und langsam zu betrachten.
- Harry Harlow machte aufsehenerregende Experimente, die die Wichtigkeit enger Umarmung durch die Mütter für die psychologische Entwicklung von Affenkindern bewiesen.
- Ein ängstlicher Blick, ein Wort darüber, was die Mutter denkt: "Lass das nicht fallen!", oder ein Versprechen: "Pass auf, du fällst gleich!" können das Mädchen - obwohl dies seinem Selbsterhaltungstrieb und seinem Nachahmungsbestreben entgegenwirkt - schließlich zum Gehorchen veranlassen, so dass es den Teller fallen lässt und / oder vom Stuhl stürzt.
- Ein Beispiel dafür ist das "Casanova-Syndrom", das einen Mann zu dem Versuch treibt, sich seine Liebenswertheit durch zahlreiche Eroberungen zu beweisen.
- Die Erwartung, ihre Suche nach Liebe müsse durch ihren eigenen liebesbedürftigen Säugling endlich belohnt werden, ist die Tragik vieler Frauen.
- Selbsthass, der sich daraus ergibt, dass einem in der Frühkindheit nicht das Gefühl eigener Richtigkeit vermittelt wurde, ist eine der Hauptgrundlagen für irrationalen Hass. - Nicola Schmidt
artgerecht - Das andere Kleinkinderbuch
(23)Aktuelle Rezension von: Tinkerbelle„Artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch“ von Nicola Schmidt knüpft nahtlos an den Vorgänger an, der mich bereits durch die Babyzeit begleitet hat. Umso gespannter war ich auf diesen Band für die Kleinkindjahre – und ich wurde nicht enttäuscht.
Die Autorin verbindet fundiertes Wissen mit viel Einfühlungsvermögen und Alltagstauglichkeit. Sie erklärt verständlich, was in Körper und Gehirn von 1- bis 6-Jährigen passiert, und hilft dabei, typische Herausforderungen wie Schlafen, Essen, Wutanfälle oder Sauberwerden besser einzuordnen. Besonders wertvoll finde ich, dass sie nicht belehrt, sondern stärkt. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Verständnis und Beziehung.
Viele Beispiele aus dem echten Familienleben machen das Buch greifbar. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl: „Das kenne ich“ – und gleichzeitig bekam ich neue Perspektiven und Impulse. Auch wenn man nicht alles eins zu eins umsetzt, bleibt viel hängen und wirkt im Alltag nach.
Wie schon der Vorgänger ist auch dieses Buch für mich ein Nachschlagewerk, zu dem ich immer wieder greifen werde. Es gibt Sicherheit, ordnet Gedanken und erinnert daran, dass Entwicklung ein Prozess ist – für Kinder und Eltern gleichermaßen.
Von mir klare 5 Sterne und eine herzliche Empfehlung für alle Eltern, die ihre Kinder liebevoll und bedürfnisorientiert begleiten möchten. 🤍
- Elaine N. Aron
Das hochsensible Kind
(11)Aktuelle Rezension von: buchfeemelanie
Der Schreibstil ist gut und auch für den Laien leicht erständlich.
Die Kapitel sind sinnvoll gestaltet. Die einzelnen Abschnitte sind nicht zu lange. Was mir gut gefallen hat waren die verschiedenen Auflistungen von Möglichkeiten sowie "Arbeitsanweisungen" an die Eltern, das Verhalten ihres Kindes in bestimmten Situationen vorauszusagen. So setzen sie sich noch mal intensiv und bewusst mit ihrem Kind und den bekannten oder unbekannten Alltag bzw. das Leben auseinander.
Dazu gibt es noch einige Praxisbeispielen bzw. Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben.
Der Leser erfährt viele Informationen und wertvolle Tipps. So können sie sich nicht nur den aktuellen Stand des Kindes informieren sondern sich auch weitergehend auf die Zukunft vorbereiten.
Ich als Erzieherin habe einiges dazu gelernt. Da man sich nicht alles merken kann ist es ein griffbereites Nachschlagewerk.
Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch nicht nur für Eltern, sondern auch für Erzieher - Laura Baldini
Lehrerin einer neuen Zeit
(153)Aktuelle Rezension von: Books_of_sanMaria Montessori war eine beeindruckende Frau. Ihr und den Frauen ihrer Zeit haben wir viel zu verdanken. Sie haben einen Kampf gekämpft, der uns unsere heutige Lebensweise und Unabhängigkeit erst ermöglicht hat.
Mir hat sehr gut gefallen, dass in dem Buch viele Missstände der damaligen Zeit aufgezeigt wurden. Gezeigt wurden nicht nur die Schwierigkeiten des damaligen Studiums und die Arbeit mit den Kindern, sondern auch die Entschlossenheit der damaligen Frauen nicht nur für ihre eigenen Rechte zu kämpfen, sondern für die der Frauen auf der ganzen Welt und vor allem auch der Frauen, die ihnen Generationen später folgen würden.
Leider fand ich den letzten Teil des Buches etwas langatmig, da sich die Geschichte plötzlich hauptsächlich um private Belange drehte. Im Nachwort wurde der weitere Lebenslauf Maria Montessoris abgerissen. Dort wurden einige Themen aufgegriffen, über die ich stattdessen gerne noch etwas gelesen hätte.
- Danielle Graf
Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Das Geschwisterbuch
(15)Aktuelle Rezension von: paevalillVorab: Dies war das erste Buch aus der Reihe "Das gewünschteste Wunschkind". Mein Eindruck beruhigt einzig auf dem vorliegenden Geschwisterbuch, das auch mir mit der Geburt meines zweiten Kindes fast schon aufgedrängt hat. Und auch wenn mein Eindruck ein ambivalenter ist, würde ich keineswegs von diesem Ratgeber abraten.
Wahrscheinlich bin ich nicht die richtige Zielgruppe für dieses Buch. Zwar bin ich auch Mutter von zwei Kindern, aber auch in einem pädagogischen Beruf, weshalb allgemeine Ratgeber für mich nicht immer einen Mehrwert geben.
Mein größter Kritikpunkt ist vermutlich die fehlende scharfe Trennung von Wissenschaft und Meinung/Erfahrung. Für einige Punkte hat die Autorin wirklich sehr umfangreich recherchiert und für den ein oder anderen "Aha"-Moment bei mir sorgen können. An anderen fand selbst ich es schwierig, zu erkennen, wann Behauptungen einen wissenschaftlichen Hintergrund haben und wann schlicht auf Meinung und Weltsicht beruhen. Das größte Manko dabei war für mich der starke Fokus auf das aktive Zuhören. Ja, es ist wichtig und positiv, seinem Kind genau zuzuhören. Aber es als alleinige Methode herauszukramen, um einem Kind ein Gefühl von Selbstbestimmung zu geben, fand ich dann doch befremdlich. Die beispielhaften Dialoge klangen dabei für mich arg nach Wunschdenken und ich kann garantieren, dass nicht jedes Kind auf diese Wiederholungen auf diese Art reagieren wird. Auch Kinder sind komplexer und bei mir lösen solche stumpfen Abläufe bereits Reaktanz aus. Für mich persönlich hätte ich es als gewinnbringender empfunden, weitere Gesprächsmethoden vorzustellen statt beispielsweise das simple Nachfragen als Nachbohren und "Wir sind keine Psychologen" abzutun.
Trotzdem soll meine Abhandlung gar nicht so negativ klingen. Das Buch bietet gerade im ersten Viertel viele Möglichkeiten an, das Verhalten der älteren Geschwisterkinder besser einzuordnen und interpretieren zu können, was mir persönlich schon geholfen hat. Auch werden viele Ideen eingebracht wie das Familienleben harmonischer verlaufen kann, geschmückt mit einigen Anekdoten.
Wer sich einen Ratgeber erhofft, der einen gezielt anleitet, ist hier eigentlich gar nicht so verkehrt. Vorausgesetzt, die eigenen Kinder reagieren tatsächlich wie hier vermutet. Wer aber ausdrücklich faktenbasierte Handlungsvorschläge erhofft, wird wie ich eher mit einem ambivalenten Gefühl zurückbleiben.
- Karin Ernst
Überflieger
(24)Aktuelle Rezension von: AHaEin Buch das zum Nachdenken anregt und definitiv nachwirkt.
- Udo Baer
Die Weisheit der Kinder
(16)Aktuelle Rezension von: Nadine_Imgrund„Die Weisheit der Kinder – Wie sie fühlen, denken und sich mitteilen“ von Udo Baer
Klappentext
„Kinder wollen verstanden werden.
Warum spielen Kinder Verstecken? Warum lassen die Kleinen so oft den Löffel fallen? Und was bedeutet es, wenn Kinder lügen oder aggressiv reagieren? Der erfahrene Pädagoge Udo Baer entschlüsselt die alltäglichen sowie die problematische Verhaltensweisen und Äußerungsformen von Kindern aller Altersstufen und zeigt den dahinter liegenden Sinn. Mit seinem reichen Schatz an Beispielen, aber auch mit einer Quintessenz an Empfehlungen für Eltern und Erzieher leistet das Buch einen wertvollen Beitrag zu gelingenden Beziehungen in Familie, Kindergarten und Schule.
Udo Baer, Dr. phil., Diplom-Pädagoge, ist Mitbegründer des Pädagogischen Instituts Berlin, Seminarleiter, Leiter von Forschungsprojekte, Mitbegründer der Zukunftswerkstatt „therapie kreativ“, Vorsitzender der Stiftung „Würde“ sowie erfolgreicher Buchautor zu Themen der Kinderpsychologie und Päadgogik.“
Fazit
Das Cover des Buches ist lustig und farbenfroh. Der Schreibstil von Udo Baer ist angenehm und unkompliziert.
Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Länge der einzelnen Kapitel ist angenehm kurz. Der immer gleiche Aufbau der Kapitel in „Teil A: Kinder verstehen“ mit den Beispielen und den Erklärungen ist schön übersichtlich.
Vom Inhalt her bin ich sehr angetan. Es sind so viele Kleinigkeiten, die man einfach übersieht oder immer wieder in der "Hitze des Gefechts" vergisst. Schön, dass dieses Buch genau darauf den Finger legt und liebevolle Hinweise gibt, wie es besser gehen kann. Man kann hier sehr viel mitnehmen für den Umgang und das gemeinsame Miteinander.
Die „Empfehlungen für Eltern“ und das Kapitel über Geschenke am Ende des Buches runden alles sehr schön ab und fassen das zuvor Gelesene noch einmal sehr übersichtlich zusammen.
Klare Leseempfehlung für alle, die Kinder erziehen oder betreuen.
Vielen Dank, dass ich dieses Buch im Rahmen der Leserunde bei LovelyBooks kennenlernen durfte!
- Lauren Wolk
Eine Insel zwischen Himmel und Meer
(92)Aktuelle Rezension von: -Tine-Osh und Crow leben Anfang des 20. Jahrhunderts auf einer der Elisabeth-Inseln vor der Küste Massachusetts. Als kleines Baby wurde Crow in einem Boot an den Strand von Oshs Insel gespült, woraufhin er sie bei sich aufnahm. Mittlerweile ist Crow 12 Jahre alt und möchte erfahren, woher sie kommt. Doch Osh hat Angst, was sie herausfinden könnten und wie sich dies auf Crows und sein Leben auswirken wird. Dabei spielt auch die Nachbarinsel Penikese und deren Vergangenheit eine wichtige Rolle. Im Nachwort erwähnt die Autorin noch viel mehr, wozu die Insel früher genutzt wurde.
Der Satzbau ist eher kurz und prägnant gehalten, was mich im Lesefluss etwas gestört hat, da ich solche abgehakten Schreibstile eher weniger mag. Für die 12-jährige Crow und ihre Gedanken ist diese Ausdrucksweise aber vollkommen passend. Man merkt ihr ihr junges Alter und das behütete Aufwachsen bei Osh an, sodass der Schreibstil sehr gut geeignet für die junge Zielgruppe des Buches ist.
„Du kannst von anderen Menschen lernen, oder du kannst lernen, indem du deine Augen offen hältst. Aber du kannst auch von dir selbst lernen. Von dem, was deine innere Stimme dir sagt. Wenn du nur darauf achtest.“, Osh, S. 90
Während Crow sich auf die Suche nach ihren Wurzeln begibt, bekommt man sehr viel von dem Alltag der beiden Inselbewohner mit. Sie fangen Hummer auf dem Meer und kümmern sich um ihren kleinen Gemüsegarten. Miss Maggie von der Nachbarinsel unterstützt Osh bei der Erziehung von Crow und kocht leckere Suppe, wenn einer der beiden krank ist. Dafür hilft Crow Miss Maggie ebenfalls, zum Beispiel beim Zusammentreiben ihrer Schafe oder sie bringen ihr frischen Hummer. Dabei kommen auch die Beschreibung des Meeres und die Beobachtungen auf den anderen Inseln nicht zu kurz.
Woher Crow stammt, wollte ich auch unbedingt erfahren, aber anfangs war dann einiges so offensichtlich, dass man nur langsam mitverfolgen konnte, wie Crow Schritt für Schritt einiges über ihre Herkunft herausfindet. Doch der anfängliche Schein trügt, denn damit verbunden kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht. Außerdem kommt auch von außen einiges auf die Inselgruppe, was dem Buch viel Spannung und Abenteuer verleiht. Insgesamt erzählt die Geschichte wie Crow langsam ihre Wurzeln findet und welche Gefühlsachterbahn sie dabei erlebt.
Fazit:
Auf „Einer Insel zwischen Himmel und Meer“ leben Osh und seine Tochter Crow, die herausfinden möchte, woher sie stammt. Der Schreibstil ist mir persönlich zu abgehakt, aber dessen Einfachheit ist gut für die eigentliche Zielgruppe des Buches zu lesen. Neben dem einfachen Leben der beiden und den Beschreibungen des Meeres wird die Geschichte zunehmend spannend und abenteuerlich.
- Friedrich Torberg
Der Schüler Gerber
(89)Aktuelle Rezension von: Susanne_J._BeisteinerHeute nehme ich den Roman "Der Schüler Gerber" von Friedrich Torberg unter meine Leselupe. Das Buch ist 1973 mit 290 Seiten im dtv-Verlag erschienen und wurde ursprünglich im Jahre 1930 unter dem Titel "Der Schüler Gerber hat absolviert" veröffentlicht.
(Rezension auf Youtube)
Anfang des 20. Jahrhunderts befindet sich der Schüler Kurt Gerber im letzten Schuljahr vor der Reifeprüfung, also der Matura. Als selbständig denkender junger Mensch empfindet er die Übermacht der Lehrer erdrückend und den verzweifelten Wunsch der Schüler, den Erwartungen zu entsprechen, als demütigend. Weil er sehr gescheit ist, hatte er bisher keine großen Probleme mit den Lehrern, einige schätzen ihn auch wegen seines freien Geistes. Doch in diesem Jahr wird seiner Klasse der Professor Kupfer als Klassenvorstand zugeteilt, der meistgefürchtetste Lehrer der Schule, der es darauf abgesehen hat, Kurt kleinzukriegen, ihn unterwürfig zu machen.Eine unerfüllte Liebe und die Last der Erwartungen seines kranken Vaters auf seinen Schultern, lassen dieses letzte Jahr für Kurt zum Albtraum werden.
Der Roman wird aus dritter Person erzählt. Der Erzähler begleitet dabei die meiste Zeit hindurch Kurt Gerber, gewährt uns aber auch Einblick in die Sichtweisen und innersten Gedanken anderer wichtiger Personen wie Arthur Kupfer oder Lisa Berwald, deren Verhalten eine dramatische Auswirkung auf Kurts Gefühlsleben haben.
Friedrich Torberg hat diesen Roman in Jahr 1930 im Alter von 22 Jahren veröffentlicht. Es ist sein erstes und zugleich berühmtestes Werk. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Schüler wenig Rechte hatten und autoritärer Willkür mancher Lehrer wesentlich ungeschützter ausgesetzt waren, als heutzutage. Torberg hat seine eigene, schwierige Schulzeit damals eben erst hinter sich gebracht und verarbeitet in diesem Buch viele seiner Erfahrungen. Dadurch wirken das Verhalten der Schüler, Lehrer und Eltern sehr authentisch.Torberg hat das Buch mit der Absicht geschrieben, dadurch eine Reform des Schulwesens herbeizuführen und etwas gegen die Subjektivität bei der Notengebung zu unternehmen, was ihm damals, trotz der starken Gut-Böse Polarisierung um Aufmerksamkeit zu erreichen, leider nicht gelungen ist.Sein Werk wurde während der Zeit des Nationalsozialismus - wenig überraschend - auf die Liste der verbotenen Schriften gesetzt. Er selbst konnte der Verfolgung knapp entkommen und kehrte 1951 nach Wien zurück.Schon in diesem ersten Werk befasst er sich mit der Frage, die ihn sein Leben lang beschäftigen sollte:Wie kann das Individuum seiner inneren Moral folgen, wenn alle um ihn herum sich gegen die Moral entschieden haben, und sich aus Angst oder gar Vorteilen daraus, dem Diktat anpassen? Es geht Torberg stark um die Auflehnung gegen Macht und diktatorische oder totalitäre Systeme.Diese Macht hält in Kurt Gerbers Fall der Lehrkörper in der Hand. Obwohl sich in Kurts Gymnasium bereits einige liberaler denkende Professoren finden, dominieren immer noch jene, die unbedingten Gehorsam fordern und sich an ihrer Macht über die Schüler ergötzen.
In extremer Ausformung begegnen wir einen derartigen Lehrer in Arthur Kupfer, von den Schülern wegen seiner Selbstherrlichkeit treffend "Gott Kupfer" genannt.Den ersten Schultag erlebt der Leser zunächst aus Kurts Sicht, anschließend führt uns Friedrich Torberg hinein in die Abgründe der Gefühls- und Gedankenwelt Kupfers.Dabei entpuppt sich dieser als in seinem Privatleben gescheiterte Person, die sich ausschließlich über seinen Erfolg als Lehrer definiert, denn als Lehrer genießt er Ansehen. Dieser Erfolg ist für ihn jedoch nicht darin begründet, seinen Schülern etwas beizubringen. Vielmehr definiert er sich dadurch, dass er die Schüler beherrscht. Dabei genießt er es nicht so sehr die fachlich schwächsten Schüler mit seinen sadistischen Methoden scheitern zu sehen, sondern die Aufmüpfigen die den Gehorsam verweigern zu zermürben.Er verlangt die totale Akzeptanz seiner Autorität.Dadurch entwickelt sich unter den Schülern eine interessante Gruppendynamik. Mangelnde Courage, Heucheleien und Verrat stehen an der Tagesordnung, jeder wird dadurch sich selbst der Nächste und freut sich sogar, wenn es einen anderen Mitschüler trifft.Kurt erkennt diesen Mechanismus und leidet darunter, kann es aufgrund seiner moralischen Werte nicht akzeptieren und wird dadurch zur perfekten Zielscheibe.
Schon jetzt wird dem Leser Kurts Dilemma bewusst: Er soll die Matura schaffen, um seinem herzkranken Vater einen vielleicht tödlichen Herzinfarkt zu ersparen, gleichzeitig ist er aber nicht dazu bereit, vor Kupfer zu buckeln, denn seine Selbstachtung ist für Kurt von enormer Wichtigkeit. Diese könnte er nicht aufrecht halten, wenn er seine moralischen Vorstellungen über Bord werfen würde, nur um von diesem Lehrer in Ruhe gelassen zu werden.
Doch dies ist noch nicht Kurts größtes Problem. Am dramatischsten im Leben des Teenagers ist natürlich die Liebe.Seit einem Jahr schon liebt er die ausgetretene Schülerin Lisa Berwald. Mit großer Sorgfalt bezeichnet er seine Gefühle für sie immer als Liebe, niemals als Verliebtsein. Dabei kennt er sie kaum, aber er liebt das idealistische Bild, das er sich von ihr hat. Leider entspricht sie diesem Bild ganz und gar nicht. Kurts Versuche, ihr näher zu kommen, werden immer drängender, und immer noch verdrängt er das Offensichtliche: Dass Lisa nicht die Art von Mädchen ist, für die er sie hält. Mit einer romantischen, aufopfernden Liebe, wie Kurt sie ihr schenken möchte, kann sie nichts anfangen.
Bei dem kurzen Exkurs, den der Erzähler mit uns Lesern in Lisas Gefühlswelt macht, wird schnell klar, dass sie gänzlich andere Ideale verfolgt. Um es genauer zu sagen, verfolgt sie gar keine Ideale. Torberg beschreibt sie als praktisch veranlagte Person, die nichts Nutzloses tut, gleichzeitig aber auch nicht berechnend ist. Sie lebt in den Tag hinein, sieht in der Liebe keinen Sinn und versucht einfach, ihr Leben mit so wenig Aufwand wie möglich angenehm zu gestalten ohne an die Zukunft zu denken. Lisa spürt zwar deutlich das Besondere an Kurts Zuneigung, die ganz anders ist als bei all den anderen Männern, mit denen sie sich bisher eingelassen hat, doch sie versteht ihn nicht. Einerseits mag sie Kurt, sie fühlt sich aber durch seine Gefühle in die Enge getrieben. Darum bleibt sie auf Distanz, was Kurt verzweifeln lässt.
Er steckt ja schon wegen der Schule mitten in einer Lebenskrise.Die Matura zu machen bedeutet für ihn nur, den Maßstäben anderer zu entsprechen, er möchte die Schule nur beenden, um seinen kranken Vater nicht zu enttäuschen und es endlich hinter sich zu haben.Obwohl er es sich nicht eingestehen möchte, zermürben ihn die erniedrigenden Quälereien von Gott Kupfer langsam, aber beständig. Streckenweise war es für mich während des Lesens richtiggehend schmerzhaft, mitzuerleben, wie selbstzerstörerisch Kurt teilweise agiert, um seine Selbstachtung nicht gänzlich zu verlieren. In seiner inneren Zerrissenheit kommt Kurt bis zum Ende des Schuljahres zu der Überzeugung, dass ihn auch nach der Schule nichts weiter als Fremdbestimmung und Ungerechtigkeiten erwarten werden.Wie an einen Strohhalm klammert er sich an das einzig Gute in seinem Leben fest: Die besondere, reinen Art der Liebe, wie er sie für Lisa empfindet. Aber schließlich muss er sich eingestehen, dass er gar nicht Lisa als Person, sondern vielmehr seine bedingungslose Zuneigung zu ihr liebt.
Wir erleben in Kurt Gerber einen jungen Menschen voller Tatendrang und Idealismus, voller Wünsche und Hoffnungen. Dabei will er sich nicht auf Kompromisse einlassen, die halbe Wahrheit oder ein bisschen Liebe, das hat für Kurt keinen Wert. Und sein tief verankertes Gerechtigkeitsgefühl möchte gegen alle Missstände aufbegehren. Am härtesten geht er mit sich selbst zu Gericht, wenn er doch einmal zu feige war, um einem Mitschüler in Bedrängnis zur Seite zu stehen, oder wenn er gar von der Not eines anderen profitiert hat.Mit dieser besonderen Gesinnung stößt er allerdings in seiner Umgebung, vor allem in der Schule auf taube Ohren. Und so sehr wir als Leser Kurts Bedürfnis nach Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Selbstverwirklichung und Liebe auch nachempfinden können, umso schmerzhafter wird für uns offensichtlich, dass er gegen die Härte und Kälte seiner Umwelt nicht ankommen kann und an ihr zerbrechen könnte.
Das Buch liest sich leicht und flüssig, trotz der Sprache aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Durch die bildlichen Beschreibungen Torbergs war es sehr einfach für mich, mich in die Zeit zurück zu versetzen, in der dieses Werk entstanden ist. Mit manchen alten Ausdrücken und Bezeichnungen hatte ich zwar so meine Schwierigkeiten, aber durch den Zusammenhang ergab sich dann doch der Sinn dahinter.Die Geschichte von Kurt Gerber ist unglaublich mitreißend geschrieben, der Schreibstil Torbergs lässt den Leser tief eintauchen in Kurts Erlebniswelt, fast so, als würde man in Kurts Kopf oder Herz sitzen und seine Eindrücke teilen.
Das Buch wurde 1981 verfilmt, es wurden auch zahlreiche Theaterstücke dazu inszeniert.Ich rate euch trotzdem, euch mit dem geschriebenen Werk zu beschäftigen. In dieser Geschichte geht es um verwirrende Liebesgefühle, verzweifelte Versuche, moralisch zu leben und um das Erleben von Unterdrückung aus allen Perspektiven der daran beteiligten. Ihr werdet das alles durch kein Medium derart tiefgründig verstehen können, wie durch diese 290 Seiten Papier.
Mein Fazit:
Torberg beschreibt in diesem Roman auf eindrucksvolle Weise, wie sehr die Menschen dazu bereit sind, sich aus Angst oder um weiterzukommen zu verbiegen und anzupassen, ihre Moral über Bord zu werfen und sich einer Tyrannei unterzuordnen.Der Schüler Gerber sollte öfter gelesen werden, um sich der Engstirnigkeit und Kaltherzigkeit in unserer Gesellschaft bewusst zu sein und rechtzeitig dagegen zu wirken.Es ist ein schönes Gefühl, dass dieses Buch bis heute zur Standardlektüre in deutschsprachigen Schulen gehört.
Viel Spaß beim Selberlesen!
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#Buchrezension #Klassiker - Michaeleen Doucleff
Die Erziehungsgeheimnisse indigener Gemeinschaften
(39)Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_book"Kindern mehr zutrauen - Erziehungsgeheimnisse indigener Kulturen. Stressfrei - gelassen - liebevoll"
Was für ein wundervoller Titel. Er suggeriert, dass Kinder etwas wert sind. Dass man Kindern auf Augenhöhe begleiten sollte. Dass Kinder keine kleinen Tyrannen sind, sondern Menschen, die man liebt.
Das Buch fing auch richtig gut an. Die Autorin sprach mir aus dem Herzen. Sie lud dazu ein, eingeschränkte Sichtweisen, die wir durch unsere eigene Erziehung haben, zu weiten.
Ihre Definition von Beziehung klang herzerwärmend:
- Kooperation, statt Konflikt
- Vertrauen, statt Angst
- persönlich abgestimmte Anforderungen, statt standardisierte EntwicklungsmeilensteineDoch dann wird der Inhalt teilweise furchtbar. Ich bin vereinzelt sogar richtig schockiert!
Das Hörbuch ist mit seinen 12 Stunden schon keines, welches man mal eben nebenbei hört. Da muss man Ausdauer mitbringen. Bei einem Sachbuch über Kindererziehung? In meinen Augen nicht ganz so gelungen. Denn wer sich solch ein Sachbuch zu Rate zieht, möchte nicht viel drumherum reden, sondern knackige, alltagstaugliche Anregungen bekommen.
Michaeleen Doucleff verliert sich jedoch in stundenlangen Schilderungen bzw. holt mächtig weit aus, geht also weit in die Vergangenheit und bleibt dann dort stecken. Das hätte man alles viel mehr zusammenfassen können. Beim Printexemplar hätte ich es höchstwahrscheinlich sogar übersprungen.
Doch das ist nur einer von vielen Kritikpunkten, die ich habe.
Frau Doucleff hat - genau wie ich - nur 1 Kind. Nichts Verwerfliches. Auch mit 1 Kind hat man Stress, Konflikte, Meinungsverschiedenheiten. Ihre Erfahrungen indessen, die sie außerhalb der USA sammelt, geschehen alle in kinderreichen Großfamilien mit vielen Freunden und Bekannten. Und mit Familien, die - so habe ich das herausgehört - das Familienmodell leben, dass der Mann arbeitet und die Mutter sich um Haushalt und Kinder kümmert.
Schon dieser Vergleich hinkt. Sie sagt, man sollte sich Hilfe holen. Andere Kinder. Andere Erwachsene. Jugendliche. Ältere Menschen. Aus jeder Generation etwas. Auch das ist nachvollziehbar und dem stimme ich absolut zu.
Doch bei den indigenen Völkern existiert dieses sprichwörtliche Dorf, was man benötigt, um Kinder groß zu ziehen. Das heißt, das eigene Kind geht zu anderen Kindern oder Erwachsenen, kann jedoch jederzeit zur Mutter (der Vater findet keine einzige Erwähnung im Hörbuch) zurückkehren, um den inneren Bindungstank aufzuladen. Größere Geschwister sind häufig dazu da, um auf kleinere aufzupassen. Und um allgemein zu helfen. Die Haustüren sind quasi immer und überall geöffnet.
Woraus besteht das "Dorf", welches wir kennen? Vielleicht gibt es zufällig Großeltern in der Nähe. Vielleicht gibt es auch Freunde, zu denen das Kind alleine gehen kann. (Schon mit 3? Das bezweifle ich ...) Auf alle Fälle geht ein Großteil der Kinder in den Kindergarten oder sogar schon in die Kindergrippe.
Doch das ist für mich nicht das Gleiche. Das Kind hat nicht jeder Zeit die Möglichkeit, zur Mutter zurückzukehren. Es entscheidet auch nicht selbst, ob es in den Kindergarten möchte. Das entscheiden die Eltern. Die zudem nicht selten genug arbeiten gehen.
Bei einem 1-Kind-Haushalt kann sich das Kind nun mal nichts von den größeren Geschwistern abgucken. Da bleibt vieles an den Eltern hängen.
Im Werk wird viel vom kindzentrierten bzw. erwachsenenzentrierten Umgang gesprochen. Es wird gesagt, dass sich Eltern in indigenen Völkern nicht den Kindern unterordnen, sondern sich die Kinder den Eltern anpassen sollen.
Konkret auf ihre Situation bezogen, heißt das zum Beispiel, dass sich die Verfasserin nicht mit Eltern trifft, die sie nicht mag - auch wenn ihr Kind die Kinder mag. Und wenn das nun die beste Freundin / der beste Freund ist? Sie bestimmt im Alltag also, mit welchen Kindern ihr Kind Umgang haben darf. Wie traurig!
Sie geht sogar soweit zu sagen, dass alle kindzentrierten Aktivitäten abschafft werden sollen. Dazu zählt sie unter anderem Zoobesuche, Geburtstage, Spieleverabredungen. Aber nur die Geburtstage der Kinder! Auf die Geburtstage und zu Verabredungen ihrer Mutter muss das Kind natürlich mitgehen.
Auch hat sie zwar Lust, auf den Spielplatz zu gehen. Dort möchte sie aber einfach nur sitzen, die Vögel beobachten oder ein Buch lesen. Keinesfalls spielen! Und wenn nun kein anderes Kind zum Spielen dort ist? Muss sich ihr Kind ganz alleine die ganze Zeit beschäftigen. Genauso traurig!
Zu Hause hat sie natürlich auch keine Lust aufs Spielen. Man solle doch das Spielzeug reduzieren. Ein paar Stifte, eine Box mit Lego und ein paar wenige Bücher (man bräuchte keine 100 Stück) würden ausreichen. Ansonsten könne es ja im Haushalt helfen. Wo bleibt da die Individualität des Kindes?
Außerdem wird mit dem Wegwurf des Spielzeuges gedroht und auch gemacht, wenn es nicht sofort aufgeräumt wird.
Einer der "Tipps" mit dem meisten Kopfschüttelpotenzial ist der, dass Frau Doucleff meint, man solle das Kind, wenn möglich, mit zu seinem Arbeitsplatz, auf Geschäftsreise oder zum Geschäftsessen mitnehmen. Man muss das Kind ja am Erwachsenenleben teilhaben lassen. Doch das Kind muss dabei ganz still sein, denn schließlich arbeitet man ja.
Echt jetzt? Sie sagt ihrem 3-jährigem Kind, dass es sich über Stunden (!!!) ruhig verhalten soll? Und das klappt? Unvorstellbar für mich! Vor allem, wenn es überhaupt keine Möglichkeit zwischendurch hat, den Bindungstank irgendwie aufzuladen. Ich mein, ich sehe es bei uns zu Hause, wenn mein Mann im Home-Office ist und mein Kind zu Hause. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Aber keinesfalls so viele Stunden am Stück - auch wenn ich da bin, um mich um unser Kind zu kümmern.
Meine Kritikpunkteliste geht noch weiter:
Kinder, die nicht teilen oder andere Kinder / Geschwister ärgern, werden als "Babys" beschimpft. Nicht-teilen wird mit nicht-mögen gleichgesetzt. Doucleff droht ihrer 3-Jährigen ständig, dass die Freundin / der Freund beim nächsten Mal nicht mehr zu Besuch kommt, wenn sie nicht teilt. Auch die Schnullerentwöhnung wird damit angegangen. Schließlich wollen Kinder keine Babys sein, sondern 'schon groß'. Die Autorin fragt ihre Tochter: "Was hätte ein großes Mädchen getan?"
Laut ihr soll gewünschtes Handeln mit Reife und ungewünschtes mit Unreife verbunden werden.
Merkt die Frau überhaupt, was sie ihrem Kind damit antut? Es wird gedemütigt! Das ist psychische Gewalt! Sie erpresst das Kind, zu teilen. Sie droht dem Kind, das Spielzeug wegzuwerfen. Die Liste ist noch länger ...
Ein weiteres, negatives Beispiel aus dem Hörbuch? Gerne:
"Kinder vorübergehend zu ignorieren, ist ein ausgesprochen wirkungsvolles Werkzeug zur Disziplinierung." (das wird genau so im Hörbuch gesagt) Die Wutanfälle vom Kind sollen einfach ignoriert werden. Laut Autorin wirkt sich Weggehen statt reden positiv aus. Es wird ein Kommunikationskanal geöffnet. Und welcher genau?
Klar hat sie recht, wenn sie schreibt, dass wütend werden nicht das Problem löst, sondern lediglich die Kommunikation zwischen Kind und Mutter beendet. Aber wenn ich weggehe, dann beende ich ebenfalls die Kommunikation. Da wird nichts geöffnet.
Und wie sie ja selbst schreibt: Sie möchte disziplinieren. Das hat für mich besonders in einer Kindheit nichts zu suchen.
Sie führt hier ein eigenes Beispiel an:
Ihre Tochter (3) ist völlig übermüdet, setzt sich auf die Straße und quengelt. Die Autorin ignoriert sie. Das Kind weint und schreit. Es kommt eine andere Person und lenkt sie ab, indem sie ihr irgendetwas Wundervolles in der Natur zeigt. Dadurch soll die Wut des Kindes in Ehrfurcht umgewandelt werden.
Meine Erkenntnis: Die Wut ist unerwünscht. Dem Kind werden also auch seine Gefühle abgesprochen!
Kinder werden auch raus geschickt, wenn das Verhalten für ihr / sein Alter oder dem Grad der Reife nicht akzeptabel ist. Es soll sich Gedanken über seine / ihre soziale Verantwortung machen.
An einer Stelle wird sogar beschrieben, dass eine indigene Mutter, bei der die Autorin zu Besuch war, ihr Kind, nachdem es gehauen hatte (oder dergleichen), auf den Schoß nahm und ihm leicht auf den Po klopfte und sagte, dass Hauen weh tut. Bringe ich durch Gewalt meinem Kind wirklich bei, dass es keine Gewalt anwenden darf?
Als ein 3-Jähriger getragen werden möchte, fragt der Vater: "Was bin ich? Dein Esel?" Damit soll der Impuls gegeben werden, über das Verhalten und die daraus resultierenden Konsequenzen nachzudenken.
Kleine Kinder dürfen nicht um etwas bitten, ohne zu helfen. Und falls sie quengeln, werden sie abgelenkt.
Ein Kind wird als respektlos beschimpft, weil es "nein" zur Sonnencreme sagt. Als die Mutter das sagt, schaut sie das Kind nicht mal dabei an. Es wird überhaupt nicht auf das Kind eingegangen.
Kindern werden angsteinflößende Geschichten erzählt. Sie werden angeblich von Zappelphilipp- und Teilenmonstern geholt, wenn man zum Beispiel nicht ruhig sitzen kann oder nicht teilen mag.
Ein Kind weigert sich, Spargel zu essen. Die Mutter erzählt, dass sie als Kind bei der Oma, die der Boss war, auch Spargel essen musste und schon isst das Kind ebenfalls Spargel.
Eine super Methode, um Essstörungen zu fördern!
Ein Abschnitt des Buches heißt "Verhalten formen". Und genau das ist es, was Michaeleen Doucleff mit ihrer kleinen, 3-jährigen Tochter machen möchte: Einen kleinen funktionierenden Erwachsenen formen, damit sie selbst ein bequemes Leben hat. Man erwartet, dass das Kind teilt, hilft und freundlich ist. Man erwartet, dass es der Gruppe etwas zurückgibt, wann immer möglich.
Mein Fazit?
Michaeleen Doucleff ist eine reiche weiße Dame, die in die Häuser von POC geht, um in ein paar Monaten ein paar Eindrücke zu sammeln, die sie dann wild um sich werfen kann. Sie ist weder Anthropologin, noch hat sie irgendeine andere professionelle Ausbildung, die sie dazu befähigt, Schlüsse über das soziale Leben anderer Völker zu ziehen.
Sie sollte sich erstmal mit sich selbst beschäftigen. Sie sollte aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Sie sollte wissen, was sie selber möchte und dies klar kommunizieren. (sie widerspricht sich nämlich ständig selbst) Sie sollte begreifen, dass es nicht nur schwarz-weiß gibt.
Und sie sollte vor allem aufhören, einen kleinen Soldaten auszubilden. Ihre Tochter ist ein kleiner Mensch, kein kleiner Erwachsener.
©2022 a_different_look_at_the_book
- Corinna Stremme
Töffel und Bruno trauern auf ihre Art
(5)Aktuelle Rezension von: Mario_SchumacherTrauer ist ein schweres Thema – besonders für Kinder. Wie geht man damit um, wenn ein geliebter Mensch krank wird oder stirbt? "Töffel & Bruno trauern auf ihre Art" ist mehr als nur eine Erzählung – es ist ein behutsames, liebevolles und Mut machendes Kinder-Fachbuch, das Familien und Fachkräfte unterstützt.
Eine herzerwärmende Geschichte mit Tiefgang
Die Autorin Corinna Stremme erzählt mit viel Feingefühl die Geschichte von Bruno, der sich mit der schweren Krankheit seiner Schwester Emma auseinandersetzen muss. Während seine Eltern in ihrer eigenen Trauer versinken, fragt sich Bruno, ob es noch erlaubt ist, glücklich zu sein. "Vergiss im Traurig-Sein dein Glück bloß nicht!" – dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ein wertvoller Appell.
Begleitet wird Bruno von seiner Hamster-Freundin Töffel und Abraham Uhu, die ihm helfen, seine Gefühle zu verstehen. Die Erzählung schafft es, kindliche Emotionen authentisch einzufangen und zeigt, dass Trauer nicht bedeutet, auf Freude verzichten zu müssen.
Mehr als eine Geschichte – Ein Fachbuch für Familien und Fachkräfte
Das Buch geht über die Erzählung hinaus: Es enthält hilfreiche Strategien für Eltern, Gefühlskarten für den Einsatz in Kita, Schule oder Therapie und wertvolle Tipps von Experten, darunter die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Mirja Rößner. Besonders wichtig ist der Perspektivwechsel: Kinder trauern anders als Erwachsene, und genau das macht die Geschichte so wertvoll.
Die liebevollen Illustrationen von Britta Bolle verleihen der Erzählung eine ganz besondere Wärme. Ihre Bilder fangen Emotionen ein, ohne bedrückend zu wirken – ein wichtiger Aspekt, um Kinder in diesem sensiblen Thema zu begleiten.
Fazit
"Töffel & Bruno trauern auf ihre Art" ist eine einfühlsame, kindgerechte und wunderschön illustrierte Geschichte, die weit über eine bloße Erzählung hinausgeht. Sie bietet nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen eine neue Perspektive auf Trauer und zeigt, wie wichtig es ist, über Gefühle zu sprechen. Ein Buch, das unter die Haut geht – und Mut macht.
- Beate Maly
Elsas Glück
(41)Aktuelle Rezension von: VeronikaHAuch der zweite Teil der kurzen Reihe über die Familie Sonnstein war toll zu lesen. Ich liebe es, dass Beate Maly es so gut schafft, historische Fakten mit einer fiktionalen Geschichte zu vermischen, sodass ein wirklich toller Roman daraus wird. Die Hauptcharaktere sind so gut beschrieben, dass man sich problemlos in sie hineinführen kann und alle Emotionen miterleben kann, vor allem in Elsa Sonnstein. Wenn man sich für die politische Entwicklung zwischen 1. und 2. Weltkrieg interessiert, dann ist dieses Buch auch genau das richtige für einen. Trotzdem schafft es die Autorin, das Buch nicht zu schwer werden zu lassen. Das für mich Beste am Buch war, dass die Autorin die Liebe zum Schnee und zu den Bergen wieder so toll hervorgebracht hat, dass jede*r von dieser Liebe angesteckt wird. Obwohl die Themen des Buchs sehr schwer klingen, ist das Buch leicht und schnell zu lesen - einfach toll, wie man in das alte Wien eintauchen kann.
- Thomas Martin Buck
Das Mittelalter zwischen Vorstellung und Wirklichkeit
(1)Aktuelle Rezension von: quatsprechePassend zum Thema meiner Masterarbeit sendete mir der Waxmann Verlag dieses schöne Buch zu. Da ich mich durch die ehrenamtlichen Arbeit im Museumsdorf Düppel viel und eingehend mit der Thematik der Problematik von Darstellung, sowie Didaktik und Museumspädagogik auseinander setze, will ich allen Interessierten dieses Buch ans Herz legen.
Es ist in den letzten Jahrzehnten eine große Kluft zwischen der mittelalterlichen Forschung und dem Populärwissen entstanden. Im Rahmenplan von Oberschulen wird das Mittelalter, das immerhin tausend Jahre umfässt, in nicht mal einem halben Jahr behandelt. Nur wenig bleibt von dem Unterrichtsstoff hängen und so wird diese Epoche als sehr unwichtig wahrgenommen. Im Gegensatz dazu tauchen die Mediävisten an Hochschulen und Universitäten in immer detailliertere Forschung ein und können ein immer klareres Bild der mittelalterlichen Welt erstellen.
Um zwischen den Disziplinen und den Einrichtungen zu vermitteln und Diskussionen anzuregen, wurde 2009 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg ein Symposium abgehalten. Die Aufsätze dazu sind in diesem Buch zusammen gestellt und tragen die Titel wie „Das Mittelalter der Populärkultur“ von Simon Maria Hassemer, „Von Mönchen, Rittern und einer Päpstin: Das Mittelalter im aktuellen Spielfilm. Das Kino als Lernort für Geschicht“ von Christian Kuchler oder “ ‚Verordnete Finsternis‘ Mittelalter nach Lehrplan“ von Arnold Bühler.
Alle am Symposium Mitwirkende stellten erkenntnisorientierte Methoden und Ansätze in den Vordergrund. Es muss unbedingt einen Weg gefunden werden das Museum und die Epoche Mittelalter für die ‚breite Masse‘ zugänglich zu machen ohne gravierende Abstriche machen zu müssen.
Die Artikel in dem Buch bauen auf Umfragen mit hohem Praxisbezug auf. Die Autoren der Beiträge haben eine ausführliche Arbeit geleistet und gezeigt, dass es möglich ist auch mit modernen Methoden das Mittelalter greifbar und begrifflich zu machen. Doch noch ist die ganze Arbeit nicht getan. Es soll eher einen Anstoß darstellen. Einen Anstoß zum Umdenken, zum Suchen neuer Methoden und zum Umdenken um Umstrukturieren der alten.
Da ich die Thematik und die Ansätze spannend und richtig finde, kann ich das ganze Projekt nur unterstützen.
Zum Originalbeitrag: Das Mittelalter zwischen Vorstellung und Wirklichkeit - Béa Beste
Gemeinsam schlau statt über Schule meckern
(25)Aktuelle Rezension von: TanzmausDas Buch ist eine Mischung aus Fachbuch, Lehrbuch, Nachschlagewerk und Mitmachbuch. Es gliedert sich in drei große Teile:
Teil 1: Gemeinsam schlau: Eltern, Lehrende & Kinder
Teil 2: Gemeinsam machen
Teil 3: Anhang
Während es im ersten Teil vor allem um Selbstreflektion, Schaubilder und Analysen geht, geht es im zweiten Teil zur Sache mit Denkanstößen, Aufgaben und Spielen.
Doch zunächst wird theoretisch das Zusammenspiel zwischen Lehrern Eltern und Kinder betrachtet. Hierzu gibt es neben dem themensortierten Vorgehen, in rosa unterlegten Kästchen kleine Anekdoten der Autorinnen. In blau unterlegten findet sich u.a. Kommentare der Community. Auch rosa unterlegt, jedoch ganzseitig sind Checklisten zu finden. Hinzu kommen viele Schaubilder und ganzseitige, manchmal auch Doppelseitige Zeichnungen, die man ergänzen soll, wie z.B. Wer bin ich und welche Rolle habe ich?, Meine größten Fehler.
Theoretisch kann man diese Bilder im Buch bearbeiten und ausfüllen. Es ist dafür genug Platz da und auch die Seiten sind dick genug. Man kann diese Seiten allerdings auch kopieren und immer wieder verwenden oder man skizziert sie sich einfach auf ein Blatt Papier ab.
Im Vordergrund steht zunächst die Eltern-Kind-Beziehung. Man sollte sich als Eltern Gedanken machen, was kann und will mein Kind eigentlich, wo liegen seine Stärken und Schwächen und, was ich ganz interessant finde, wie war es bei mir als Elternteil und was übertrage ich (bewusst oder unbewusst) auf mein Kind (Erfahrung, eigene Erziehung, etc.).
Danach geht es weiter zur Kind-Lehrende-Beziehung und auch hier sind die Eltern wieder gefragt, schließlich müssen auch die Eltern mit der Schule und dem Lehrkörper kommunizieren.
Im zweiten Teil finden sich Aufgaben und Spiele, die in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt sind. Gut finde ich, dass hier immer angegeben wird: der Schwierigkeitsgrad, wer mitwirken muss, wie viele Personen benötigt werden.
Im Anhang findet man das Register, was ein schnelles Finden von bestimmten Themen erleichtert.
Das Buch ist übersichtlich und gut verständlich geschrieben. Anekdoten, Beispiel oder kleine Geschichten und Kommentare lockern den Text nicht nur auf, sondern stellen auch einen Bezug zur praktischen Seite her.
Fazit:
Das Buch ist für Eltern wie Lehrende gleichermaßen interessant, auch wenn ich es mehr bei der Elternseite angesiedelt sehe. Natürlich ist Zusammenarbeit gefragt, aber alleine die Passagen der Selbstreflektion findet auf Elternseite statt und birgt gewiss so manche Überraschung.
- Sixtina von Proff-Kesseler
Will ich aber nicht!: Ein pädagogisches Arbeitsbuch für Eltern und Kinder
(8)Aktuelle Rezension von: Library_of_MandyDas Buch "Will ich aber nicht!" von Sixtina von Proff-Kesseler ist ein Arbeitsbuch für Eltern und Kinder.
In dem Buch geht es um verschiedene Elterntypen und ihre Art, mit ihren Kindern umzugehen. Dabei wird aufgezeigt, wie sich die Kinder dabei fühlen und wie die Situationen vermutlich ausgehen werden.
Dabei wird schnell deutlich, dass es sich um ein Arbeitsbuch handelt:
Es gibt viele Fragen, Listen und Kästchen zum Ausfüllen und Nachdenken.
Viele Situationen werden auch gar nicht zuende beschrieben, da soll man sich selber Gedanken machen. Und die macht man sich auch.
Es werden auch keine Wertungen abgegeben. Man kann selber entscheiden, ob man den geschilderten Weg jetzt sinnvoll findet oder ob es den eigenen Anforderungen nicht entspricht.
Dennoch werden häufig ein paar Alternativen angeboten. Wie kann man eine Strafe umgehen? Wie kann man die Sätze formulieren, dass man dem Kind nicht sofort einen Vorwurf macht?
In dem Buch lernt man viel über sich selbst und findet, wenn man sich drauf einlässt, schnell heraus, welche Werte einem in der Erziehung wichtig sind und was man sich wünscht. Sobald man das herausgefunden hat, kann man daran arbeiten und sich verbessern. Daher ist dies auch kein Ratgeber, sondern ein Arbeitsbuch.
Insgesamt finde ich das Buch richtig toll!
Es lässt einen drüber nachdenken, was man tut und was dies für Folgen hat. Und es lässt einen feststellen, was einem wirklich wichtig ist und gibt Tipps, wie man das auch erreichen kann.
Eine klare Leseempfehlung an alle Eltern! - Aladin El-Mafaalani
Mythos Bildung
(10)Aktuelle Rezension von: Pappbecher- Buchtitel: Mythos Bildung - Die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft
- Autor: Aladin El-Mafaalani
- Verlag: Kiepenheuer & Witsch
- ISBN: 9783462053685
- Ausgabe: E-Book
- Erscheinungsdatum: 13.02.2020
Inhalt:
"In einer ungerechten Gesellschaft kann das Bildungssystem nicht gerecht sein.
In diesem grundlegenden Buch analysiert Aladin El-Mafaalani aus unterschiedlichen Perspektiven die Probleme und paradoxen Effekte des Bildungssystems, seine Dynamik und seine Trägheit. Eine umfassende Diagnose, ein Plädoyer dafür, soziale Ungleichheit im Bildungswesen endlich in den Fokus der Bildungspolitik und -praxis zu rücken, und zugleich eine Absage an Visionen und Revolutionen: Es geht darum, was jetzt wichtig und realistisch ist. »Mit Bildung löst man kein einziges der großen gesellschaftlichen Probleme, etwa die vielen offenen Fragen der Digitalisierung, den fortschreitenden Klimawandel oder den Umgang mit globaler Migration. Selbst die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung oder die Konzentration von Problemlagen in bestimmten Stadtteilen wird sich durch eine Ausweitung und Aufwertung von Bildungsinstitutionen nicht abschwächen. Es geht um eine Verringerung von Chancenungleichheit, um die Erweiterung von Erfahrungshorizonten und Zukunftsperspektiven für alle Kinder und um die Vorbereitung der nächsten Generationen auf die unbekannten Herausforderungen einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft. Nur darum geht es. Nicht mehr und nicht weniger.« Aladin El-Mafaalani "
Meinung:
Zuallererst möchte ich mich bei NetGalley, dem Verlag und beim Autor für dieses Rezensionsexemplar bedanken!Ich möchte auch direkt schon mit dem Inhalt loslegen. Dieser hat mich aufgrund meines eigenem Studiums sehr interessiert. Generell bin ich ja selbst der Meinung, dass des Bildungssystem noch häufiger im Mittelpunkt stehen könnte, als es das tut. Denn gerade dabei sollte nach den letzten Jahren aktiv nach Lösungen gesucht werden. In letzter Zeit wurde nämlich immer wieder bewiesen, dass einige Bildungssysteme eine Reform bitter nötig hätten. Genau das bringt auch der Autor zur Sprache. Dazu wird dem Leser die recht komplexe Lage mit kleineren Portionen näher gebracht: Vom Bildungsbegriff, über Chancengleichheit und dem Thema Leistungsabfall, bis hin zur Thematik Armut. Was ich besonders spannend finde, ist das Ende des Buches, in dem der Autor auch ein wenig die mögliche Zukunft im Bildungssystem beleuchtet.
Der Schreibstil ist überaus flüssig und vor allem das erwähnte Aufteilen des doch komplexen Inhaltes macht das Lesen sehr angenehm.
Fazit:Alles in allem ist es ein richtig gutes Sachbuch zum Thema Bildung und Bilduntssystem, welches ich an jeden weiterempfehlen würde, der sich für die Thematik interessiert oder in diesem Bereich arbeitet!
- Alexandra Rak
Wie kleine Kinder Bücher lesen
(3)Aktuelle Rezension von: EmmyLWie kleine Kinder Bücher lesen. Wegweiser für literarische Frühförderung richtet sich an Eltern, pädagogische Fachkräfte und weitere Bezugspersonen, die sich fundiert mit frühkindlicher Leseförderung auseinandersetzen möchten. Das vom Autor*innenteam des Senter Kreises verfasste Sachbuch bündelt aktuelle Erkenntnisse aus Sprachentwicklungsforschung, Lesesozialisation und pädagogischer Praxis und bereitet diese in gut strukturierter, zugänglicher Form auf.
Ausgangspunkt des Buches ist die heute gut belegte Annahme, dass frühe Begegnungen mit Büchern und vorgelesener Sprache einen positiven Einfluss auf spätere Lese- und Sprachkompetenzen haben. Dabei wird Lesen nicht ausschließlich als Schriftkompetenz verstanden, sondern als ganzheitlicher Prozess, der bereits im frühen Kindesalter über das Betrachten, Deuten und „Lesen“ von Bildern beginnt. Der chronologische Aufbau orientiert sich an den Entwicklungsphasen von Kindern bis etwa zum vierten Lebensjahr und bietet eine übersichtliche Zeitleiste zur Sprachentwicklung. Mögliche Auffälligkeiten werden benannt und durch praxisnahe Erfahrungsberichte ergänzt.
Besonders hervorzuheben ist die klare Struktur des Bandes: Kurze wissenschaftliche Erläuterungen, Interviews mit Fachpersonen sowie praxisorientierte Hinweise wechseln sich ab. Die am Kapitelende zusammengefassten, grafisch hervorgehobenen Kernaussagen erleichtern die Rezeption und machen das Buch auch als Nachschlagewerk nutzbar. Ergänzend werden Themen wie Mehrsprachigkeit, Dialekte, digitale Medien und die Gestaltung geeigneter Vorlesesituationen aufgegriffen. Auch weniger beachtete Aspekte, etwa mögliche Schadstoffe in Kinderbüchern und entsprechende Prüfsiegel, finden Berücksichtigung.
Insgesamt bietet der Band keine grundlegend neuen Erkenntnisse, überzeugt jedoch durch seine kompakte, verständliche Zusammenführung bestehender Forschung und Praxis. Damit stellt er einen informativen und anschaulich gestalteten Leitfaden für Fachpersonal und interessierte Eltern dar, der zur reflektierten Auseinandersetzung mit frühkindlicher Leseförderung anregt.
- Birgit Ebbert
Das große Aktions- und Vorlesebuch für Vorschulkinder (PraxisIdeen für Kindergarten und Kita)
(0)Noch keine Rezension vorhanden























