Bücher mit dem Tag "palästinenser"
20 Bücher
- Susan Abulhawa
Während die Welt schlief
(261)Aktuelle Rezension von: MunimausWowww, mich lässt selten ein Buch so sprachlos zurück. Auch wenn es fiktive Charaktere sind, steckt in der erzählten Geschichte so viel, was tausende Menschen erleben mussten. Abdulhawa erzählt sehr einfühlsam die Geschichte von Amal über drei Generationen und den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, die Vertreibung, aber auch die Hoffnung der Palästinenser auf die Rückkehr in ihre Heimat. Das Buch hat mich sehr bewegt, an vielen Stellen echt zum Schweigen und Weinen gebracht. Mir hat es das Herz rausgerissen, als die Brüder getrennt und wieder aufeinander gestoßen sind. Ich finde das Buch sollte man echt lesen, es stellt nicht den typischen Nahostkonflikt aus den Nachrichten dar, sondern geht tief in die Haut. Es zeigt, dass wir alle Menschen sind und was die Politik mit einem macht. Ich hatte das bereits vor Monaten gelesen und muss hin und wieder an die Geschichten denken und bekomme jedesmal Gänsehaut. Es ist ein Meisterwerk und ich werde es definitiv bald wieder re-readen.
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- Colum McCann
Apeirogon
(64)Aktuelle Rezension von: itwt69Ein außergewöhnlicher Roman um zwei Männer, die nicht unterschiedlicher sein könnten, jedoch das gleiche Schicksal teilen: beide haben eine Tochter durch Gewalttätigkeiten der "anderen" Seite verloren. Und diese Personen gibt es tatsächlich, sie schließen sich zusammen, um gegen den Hass und Terror auf beiden Seiten zu kämpfen. Leider eine ganz große Ausnahme im "heiligen" Land, sonst würde es heutzutage anders aussehen. Die Kernaussage ist: Stoppt die Besatzung. Kein "normaler" Roman über den Palästinakonflikt, das zeigen schon die 1001!!! Kapitel, die ersten 500 aufsteigend, die zweiten 500 absteigend.
- Dorit Rabinyan
Wir sehen uns am Meer
(114)Aktuelle Rezension von: evaczykEs ist für beide eine ganz große Liebe - aber eine Liebe mit Verfallsdatum und ohne Perspektiven: Die israelische Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Liat ist mit einem Stipendium ein halbes Jahr in New York. Hier lernt sie über einen gemeinsamen Bekannten den Maler Chilmi kennen, der schon seit ein paar Jahren in der Stadt lebt.
Die beiden verlieben sich Hals über Kopf und voller Leidenschaft. Dabei wissen sie, ihre Beziehung ist auf den Zeitrahmen von Liats Visum beschränkt. Denn Chilmi ist Palästinenser aus Ramallah. Angesichts der politischen Verhältnisse in der Heimat des Paares, angesichts Besatzun, Siedlungsbau und Intifada hat die Beziehung keine Chance, in Israel zu überleben, auch wenn Chilmi, etwas romantischer und vielleicht auch realitätsferner als Liat, diese Möglichkeit in Gesprächen manchmal in den Raum stellt. Der Besuch von Chilmis in Berlin lebendem Bruder öffnet aber auch ihm die Augen über den Widerstand, auf den die Beziehung selbst in der eigenen Familie stößt.
Dorit Rabinyans Roman "Wir sehen uns am Meer" ist bereits 2016 erschienen und aktueller denn je. Denn Menschen verlieben sich, wenn sie die Chance haben, einander ohne den Ballast von Geschichte und Politik zu begegnen, auch über Grenzen hinweg, die sie zu einem modernen Romeo und Julia-Paar werden lässt. Und heute wäre diese israelisch-palästinensische Liebesgeschichte angesichts der Kluft, die der Hamas-Angriff vom 7. Oktober und der Gaza-Krieg weiter aufgerissen haben, vermutlich noch viel, viel schwieriger.
Rabinyan erzählt vor allem aus der Sicht Liats, die zwischen Herz und Verstand hin- und hergerissen ist, die darunter leidet, ihre Gefühle vor der eigenen Familie, vor jüdischen Freunden in New York, geheimhalten zu müssen und stets in der Angst vor einem Ende des Versteckspiels lebt. Israel ist schließlich klein, und zahlreiche Israelis haben Freunde oder Angehörige in der jüdischen Diaspora in New York. Da ist die Gefahr, einem Bekannten über den Weg zu laufen, auch in einer Millionenstadt nicht unerheblich.
Die Politik spielt in den Gesprächen des Paares nur eine Nebenrolle - unterschiedliche Erfahrungen sind zwar durchaus ein Thema, aber Liat und Chilmi suchen das Verbindende. Ein emotionales Buch, das seinen Protagonisten mit Wärme und Sensibilität folgt, Probleme nicht verschweigt, aber dennoch Ausdruck einer Hoffnung ist, dass eine Liebe wie die von Liat und Chilmi eines Tages nicht von vornherein chancenlos ist.
- Daniel Speck
Jaffa Road
(131)Aktuelle Rezension von: Ramgardia„Die Abwesenden haben oft mehr Macht als die Anwesenden“
Moritz schwängert seine Verlobte, bevor er in den zweiten Weltkrieg zieht. Sein Einsatzort ist Tunesien und hier lauscht er gerne Viktor bei seinem Klavierspiel in der Bar. Was er nicht ahnt, ist, dass Viktor Jude ist. Er lebt mit seiner Familie in „Piccola Sicilia“ einem bunten Stadtteil von Tunis und seine Familie versteckt Moritz nach seiner Desertation. Als Maurice emigriert er zusammen mit Viktors Schwester und ihrer kleinen Tochter nach Israel. Ihr Lebensmittelpunkt dort ist die Jaffa Road in Haifa.
Nachdem die Engländer sich zurückziehen, nehmen die Israeli das Land ein und zerstören damit die gewachsenen Strukturen in Palästina. Viele Araber der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen müssen ihr Land und ihr Heim verlassen. Sie werden zu „Abwesenden“, die ihre Ansprüche verloren haben.
Moritz Enkelin, seine jüdische Tochter und sein arabischer Sohn, Kinder aus drei Leben werden nach seinem Tode ins sein in Palermo eingeladen. Es gibt viele Rätsel, viele Fragen und wenig Vertrauen unter diesen Erben.
Es dauert sehr lange bis alle Stränge einen Sinn ergeben. Es gibt viele Sprünge durch die Zeit von Beginn des Krieges bis zur Jahrtausendwende. Zum gibt einen die Hoffnung der Zionisten endlich im eigenen Land leben zu können zum anderen die Vertreibung der Palästinenser, die dort viele Jahre friedlich mit Andersgläubigen zusammengelebt haben. Gerade im Hinblick auf die jetzigen Situation fand ich es sehr spannend und informativ zu erfahren, wie der geschichtliche Hintergrund ist. Leider schwindet mit diesem Wissen meine Hoffnung auf eine Lösung, denn zwei Staaten werden von der Welt nicht als Lösung erwogen. Ein Buch, dass mit seiner verschachtelten Erzählweise viele Emotionen in mir geweckt hat. Die Frage der Palästinenserin Amal „Gibt das Unrecht, das ihr Deutschen den Juden angetan habt, ihnen das Recht uns Unrecht anzutun?“ möchte ich spontan verneinen, sie zeigt aber wieviel Zündstoff in diesem Buch steckt.
- Claire Hajaj
Der Duft von bitteren Orangen
(93)Aktuelle Rezension von: Petra54Ein wunderschöner Einband mit malerischem Titelbild, ein guter Titel und ein interessanter Klappentext, der auf eine spannende Geschichte neugierig macht, garantiert keinen guten Roman. Leider. Der Text ist derart schlecht und konfus erzählt oder übersetzt, dass ich ihn als unlesbar empfand und auf Seite 51 genervt abbrach. Ich bevorzuge klare Aussagen und habe überdies keine Freude an poetischen Umschreibungen.
Da ich in meinem Bücherregal keine optischen Schönheiten, sondern für meinen Geschmack gut geschriebene Texte sammle, werde ich „Ismaels Orangen“ entsorgen.
- Muriel Asseburg
Der Nahostkonflikt
(10)Aktuelle Rezension von: pardenISRAEL VS. PALÄSTINA...
Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sowie seinen arabischen Nachbarn hält seit Jahrzehnten die Welt in Atem. Seit Oktober 2023 ist er mit dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen in zuvor unvorstellbarer Weise eskaliert. Die Autoren zeichnen die Geschichte des Konflikts nach, beschreiben die wichtigsten Streitpunkte – von Jerusalem über den Zugang zu Wasser bis zum Grenzverlauf – und erklären, warum Frieden und Sicherheit für alle Seiten in so weite Ferne gerückt sind. (Verlagsbeschreibung)
Dieses Buch aus der Reihe C.H.Beck-Wissen setzt sich zum Ziel, den komplexen Nahostkonflikt in seinen Grundzügen möglichst neutral verständlich zu machen. Die Analyse der Gegebenheiten stützt sich allerdings auf Informationen und Entwicklungen vor dem Terrorangriff der Hamas am 07. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gazakrieg. Die aktuellen Ereignisse sind sozusagen die traurige Folge der hier dargelegten Streitpunkte.
Was ich zuvor nicht wusste: Der Nahostkonflikt begann bereits vor der Gründung Israels im Jahr 1948. Die Anfänge liegen im späten 19. Jahrhundert, als jüdische Einwanderer aufgrund von zunehmendem Antisemitismus und Pogromen in Europa begannen, sich im damaligen Palästina niederzulassen - mit der Idee der Errichtung einer modernen jüdischen Gesellschaft, die Geburtsstunde des Zionismus. Die Spannungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung verschärften sich im Laufe der Zeit zunehmend, auch als nach dem Ersten Weltkrieg Großbritannien mit der Verwaltung Palästinas betraut wurde. Während des Zweiten Weltkrieges flohen rund 80.000 Juden vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Palästina., was zu einem weiteren Anstieg der Konflikte führte.
Ein UN-Ausschuss sprach sich 1947 schließlich für die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat aus. Der jüdische Staat sollte 56 Prozent und der arabische Staat 43 Prozent des Gebiets umfassen. Die arabischen Nachbarn lehnten diesen Teilungsplan jedoch ab und griffen den neuen Staat Israel nach der Ausrufung seiner Unabhängigkeit am 14. Mai 1948 gemeinsam an. Für Israel war dies der "Unabhängigkeitskrieg", der bewirkte, dass die Vereinbarungen hinsichtlich der ursprünglich vorgesehenen Grenzen hinfällig wurden und Israel weitere Gebiete eroberte, woraufhin 700.000 Palästinenser flohen. Für diese war dies kein Unabhängigkeitskrieg, sondern "Nakba" – Katastrophe.
Die Gründung der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation ) im Jahr 1964 führte mit Ägyptens Blockade des Zugangs Isreals zum Roten Meer zum "Sechs-Tage-Krieg" (ein Überraschungsangriff der Israelis mit schnellem Sieg) - oder "Naksa" - Rückschlag aus Sicht der Palästinenser. In der Folge begann Israel mit der Besetzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens, der Golanhöhen und Ost-Jerusalems. Syrien und Ägypten versuchten im Jom-Kippur-Krieg 1973, die eroberten Gebiete zurück zu gewinnen - vergeblich.
1987 kam es zu einem Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung. Dies führte letztlich zur Gründung der Hamas, die den bewaffneten Kampf gegen Israel sucht. Es gab in der Folge verschiedene Friedensbemühungen und Abkommen, die letztlich jedoch alle erfolglos verliefen. Im Gegenteil: die Gewaltspirale drehte sich immer schneller. Unter dem US Präsidenten Donald Trump verschärfte sich die Lage noch einmal gravierend. Jerusalem wurde von den USA als Hauptstadt Israels anerkannt, Israel ermutigt, die Annexion von Teilen des Westjordanlands voranzutreiben. Eine eindeutige Unterstützung für Israels Position. Israel intensivierte daraufhin seine Besatzungs- und Siedlungspolitik, was wiederum zu heftigen Protesten führte.
In dem Nahostkonflikt geht es um mehrere Streitpunkte und Kernprobleme. Dazu zählen der Grenzverlauf, der Status jüdischer Siedlungen, die Kontrolle über Jerusalem, die palästinensische Flüchtlingsproblematik sowie die Aufteilung von Ressourcen wie Wasser. Besonders umstritten ist dabei die israelische Siedlungspolitik - über 130 Siedlungen gibt es inzwischen, die nach dem Völkerrecht als illegal gelten. Diese Siedlungspolitik verhindert letztlich auch Lösungsansätze wie die Idee einer Zweistaatenregelung - die Kosten und politischen Hürden für eine Räumung der besetzten Gebiete wären immens. Außerdem wendet sich die seit 2022 amtierende rechts-religiöse Regierung unter Netanjahu explizit von der Zweistaatenregelung ab und strebt die dauerhafte Kontrolle über das Westjordanland an. Damit wird eine Zweistaatenregelung immer unwahrscheinlicher. Auch andere Lösungsansätze sind derzeit nicht konsensfähig, die Situation ist mehr als verfahren.
Ein sehr informativer Einblick in die historische Entwicklung des Nahostkonflikts bis heute. Wichtiges Hintergrundwissen zu einer bedrückenden Lage...
© Parden
- Kirsten Heisig
Das Ende der Geduld
(83)Aktuelle Rezension von: HoldenJugendrichterin Heisigs Aufklärungsbuch über Jugendgewalt. Erfreulicherweise wird nicht so getan, als sei die Gewalt vom Himmel gefallen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen immanent. Unter den äußerst negativen Lebensbedingungen, unter denen manche der Kinder aufwachsen mußten, wäre es schwer gewesen, die "Kurve zu kriegen". Daß Heisig schreibt, daß bei Heranwachsenden häufig Erwachsenenstrafrecht angewandt werde, kann ich so nicht stehen lassen. Meinem Kenntnisstand wird nur bei Trunkenheitsfahrten das allgemeine Strafrecht angewendet, weil Trunkenheitsfahrten in jedem Alter vorkämen, ansonsten wird immer Jugendstrafrecht angewandt. Im übrigen erstaunlich, in was für Bereichen sich ein Jugendrichter auskennen muß, abseits der reinen Paragraphenarbeit in StGB und JGG. Und manche der Themen, die Heisig nur kurz anreißt, sind inzwischen in den Mittelpunkt der Diskussion getreten, zB Cybermobbing, Social Media und die sog. "Ehrenmorde".
- Leon de Winter
Das Recht auf Rückkehr
(54)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannUnd in manchen Passagen sogar prophetisch. Das Buch ist 2008 in den Niederlanden erschienen und ist das Resultat einer langjährigen Entwicklung. Denn so heißt es in der Danksagung unter anderem: „Robbert Ammerlaan […] verlor nie das Vertrauen in diesen Roman und wartete jahrelang mit Engelsgeduld auf seine Fertigstellung.“ Und die intensive Recherche hat Früchte getragen. Die Romanhandlung umfasst zwanzig Jahre und spielt in den Jahren 2004 bis 2024 (Januar 2025, um genau zu sein). Die fiktionalen Handlungen des Jahres 2024 unterscheiden sich allerdings elementar von der realen Situation des Jahres 2024, auch wenn die Situation der Israelis hier wir dort ähnlichen Mechanismen gehorcht. Selbst Putin hat es – fiktiv und real – bis ins Jahr 2024 geschafft – und wird vermutlich noch ein wenig bleiben …
Das neuerliche Lesen dieses Buches erfolgt insofern mit einer gewissen Erwartungshaltung bezüglich der Nähe stattgefundener Entwicklungen. Zwar ist Israel in dem Roman auf ein Kernland geschrumpft, aber die Mechanismen der Grenzsicherung bewegen sich durchaus in der geschilderten Richtung und die hier geschilderten mentalen Grundhaltungen kommen einem nur zu bekannt vor, wie in dem folgenden Dialog deutlich wird.
„‘Ach, die Presse macht mich wahnsinnig‘, sagte Ikki.
‚Ich lese keine Zeitungen mehr. Ich habe keinen Bock mehr, immer nur zu lesen, dass wir mit den Palästinensern reden müssen.‘
‚Wir müssen aber weiterhin mit ihnen reden, wir können ja wohl kaum allen den Schädel einschlagen‘, sagte Bram.“
Die Handlungen bewegen sich zwischen der Frage, ob zufällige (oder auch von außen initiierte) Ereignisse einen schuldig werden lassen und wie ggf. mit diesen Schuldgefühlen umgegangen werden kann. Hier zerstören sie nicht nur eine funktionierende Ehe, sondern gleich den ganzen Menschen. Wo also hört Zufall auf und fängt Schuld an? Und wie passt dazu der Ausdruck Schicksal? Aber ist nicht alles Leben Zufall und Risiko zugleich. Leben bedeutet immer auch versagen können (weil man nicht aufgepasst hat, weil man eine Situation falsch eingeschätzt hat, weil man …). Hier wird in einem besonders drastischen Fall in einem hoch sensiblen Umfeld dieser Frage nachgegangen. Und oft genug wird es schmerzhaft, aber immer mit der Möglichkeit seine eigene Haltung in diesen Phasen zu überprüfen. Es zeichnet diesen Roman aus, dass man nicht nur mit dem Protagonisten mitfühlen kann, sondern dass man tief in naturwissenschaftliche wie religiöse Fragen hineingezogen wird. Und das Judentum ist wahrlich eine äußerst diffizile Angelegenheit, auch wenn man hier mit einigen grundlegenden Informationen versorgt wird. Diese Informationen geben allerdings Raum für ein gewisses Verständnis, was die eigene Haltung schärfen wird/kann. Und das alles in Romanform verpackt gehört zur hohen Kunst guter Literatur.
(28.4.2024)
- Tom Robbins
Salomes siebter Schleier
(25)Aktuelle Rezension von: PetronioHey, wie charmant kann eine Lektüre rüberkommen! Dieser Tom Robbins kann so munter, so ideenreich und unbekümmert drauflos erzählen. Und das Thema dieses Buches ist eigentlich so gar nicht lustig: der Nahostkonflikt und überhaupt die Religionskriege. Aber der Autor schafft es, gute Gedanken mit einer guten Geschichte und vielen kleinen Überraschungen zu einem dichten, humorvollen Ganzen zusammen zu brauen. Toll gemacht. Ich jedenafalls habe jetzt Lust nach mehr von diesem Autor. - Eline Rosenhart
Mein Land, mein Leben
(10)Aktuelle Rezension von: Renate1964Eline Rosenhardt beschreibt den Alltag dreier junger Menschen im Israeĺ 2015 bis 2017. Wael, Yahar und Nienke gehören je einer der großen Religionen an. Sehr intensiv setzt sich die Autorin mit der Gewalterfahrung, der Suche nach Gott und dem richtigen Leben auseinander. Nichts ist oberflächlich, es gibt auch kein billiges Happyend.
Allerdings weißt das Buch einige Längen auf. Insgesamt aber hervorragend und aktuell
- Dorit Rabinyan
Wir sehen uns am Meer (DAISY Edition)
(8)Aktuelle Rezension von: EmmaZeckaGestaltung
Im Argon Verlag legt man bei der Hörbuchgestaltung sehr viel Wert auf Barrierefreiheit. Woran das liegt?
Zum einen werden Produktionen im Daisy Format produziert. Keine Sorge, ihr könnt das Hörbuch auch auf normalen MP3 Playern hören, allerdings können dann die speziellen Funktionen nicht genutzt werden. Dank dem Daisy Format kann man nämlich nicht nur von Kapitel zu Kapitel springen, sondern auch von Satz zu Satz oder - wenn man das Hörbuch mit einem Gerät hört, dass das Daisy Format unterstützt - können auch Notizen zum Hörbuch hinzugefügt werden.
Zum anderen befinden sich die Daisy Hörbücher in Hüllen, die mit Blindenschrift beschriftet sind. Das finde ich unheimlich praktisch, weil man, wenn man blind ist, problemlos das passende Hörbuch aus dem Bücherregal holen kann.
Allerdings gibt es da nur einen Nachteil: Die Daisy Hörbücher befinden sich nicht in normalen CD Hüllen, sondern haben das Format einer DVD Hülle. Das fand ich persönlich etwas schade, weil ich das Hörbuch so nicht in meinem CD Regal unterbringen konnte, weil es einfach zu groß war. Dabei lassen sich Punktschriftbeschriftungen auch auf kleineren Hüllen anbringen.
Kommen wir aber nun zur Sprecherin: Wir sehen uns am Meer wird von Luise Helm gelesen. Kaum hatte ich mit dem Hörbuch begonnen, stellte ich irritiert fest, dass ich die Sprecherin kaum wiedererkannt hätte. Erst im März hatte ich Ein ganzes halbes Jahr gehört und dachte eigentlich, sie hätte den Großteil der Geschichte gesprochen. Dort kam mir ihre Stimmfarbe etwas heller vor. In Wir sehen uns am Meer, klingt ihre Stimmfarbe dunkler. Und ich hätte nicht gedacht, dass sich eine Stimmfarbe ja nach Produktion so unterscheiden kann.
Luise Helm stellt unsere Hauptcharaktere wunderbar dar und greift zudem die schwierige Situation auf, in der sich die beiden befinden. Einerseits erleben wir in Wir sehen uns am Meer eine junge Liebe, die aber auch von einer Schwere geprägt ist. Eine Last, die unsere Protagonisten nicht abschütteln können. Und das konnte Luise Helm glaubhaft darstellen.
Inhalt / Spannung
Liat und Chilmi lernen sich durch einen Zufall in New York kennen und verlieben sich beinahe auf den ersten Blick ineinander. Doch da gibt es ein großes Problem: Liat ist Israelin und Chilmi Palästinenser. Obwohl beide in Israel aufgewachsen sind, sind sie unterschiedlich sozialisiert worden und wissen genau, dass ihre Liebe in der Heimat nicht bestehen könnte. Was ihnen bleibt, sind drei gemeinsame Monate, die sie so gut wie eben möglich nutzen möchten.
Hier begegnet uns eine Art moderne Version von Romeo und Julia. Allerdings wird Wir sehen uns am Meer nicht etwa von einem Familienkonflikt bestimmt. Liat und Chilmi wurden so sozialisiert, dass sie das Volk des jeweils anderen als Feind ansehen müssten. Und genau das sorgt immer wieder für Konflikte in ihrer Beziehung.
Mir gefiel es sehr gut, dass neben der Liebesgeschichte auch noch ein gesellschaftlicher Konflikt in die Handlung eingebaut wurde. Ein Konflikt, der in unserer westlichen Kultur vor ein paar Jahrhunderten ebenfalls noch sehr präsent war. Katholiken und Protestanten in einer Beziehung wurde auch bei uns lange Zeit nicht gerne gesehen.
Der Inhalt stimmte mich stellenweise sehr nachdenklich, weil hier sehr eindrücklich geschildert wird, was passiert, wenn Menschen unterschiedlich sozialisiert werden und es Konflikte gibt, die über Generationen weitergegeben werden. Dabei suchen beide Gruppen nach Frieden und dennoch ist es so schwer, eine gemeinsame Lösung für die Konflikte zu finden.
Doch zwischen Liat und Chilmi steht nicht nur der gesellschaftliche Konflikt. Die beiden Protagonisten sind auch sehr gegensätzlich.
Liat sucht nach Ordnung und Struktur. Ihr ist es wichtig, was Freunde und Familie über sie denken und so macht es sie unglaublich nervös, als sie ihre Beziehung zu Chilmi verheimlichen muss. Eine Beziehung, die sie nicht kontrollieren kann.
Chilmi ist verträumt und sehr gefühlvoll. Während Liat ihr Leben organisiert, lässt sich Chilmi überraschen, was das Leben so für ihn bereit hält.
Schreibstil
Dorit Rabinyan erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Liat. Wir lernen also nicht nur Liats Gedanken kennen, sondern erfahren auch, wie sie Chilmi wahrnimmt. Und das sagt wiederum unbewusst viel über seinen Charakter aus.
Immer wieder baut die Autorin Bedeutungen für hebräische oder arabische Wörter ein. Das fand ich persönlich sehr spannend, weil mir so fremde Kulturen und Sprachen ein bisschen näher gebracht wurden, ohne, dass es aufdringlich wirkte.
Gesamteindruck
Hinter Wir sehen uns am Meer verbirgt sich eine sehr tiefgründige Liebesgeschichte, die von der Frage geprägt ist, ob diese Liebe die gesellschaftlichen Konflikte überstehen kann und es doch noch ein Happy End für Liat und Chilmi gibt. Wer sich also für Liebesgeschichten interessiert, in denen nicht nur die Paarbeziehung im Vordergrund steht, sondern auch noch andere Konflikte thematisiert werden, sollte sich die Geschichte mal genauer anschauen. - Joana Osman
Wo die Geister tanzen
(12)Aktuelle Rezension von: luisa_loves_literatureZum Nahostkonflikt ist schon viel geschrieben und gesagt worden, vielfach auch oder vielleicht gerade von Menschen, die aus der Distanz auf das Leid blicken und es auf die eine oder andere Weise auf ihrer Agenda platzieren. Joana Osman hingegen ist zwar nicht unmittelbar, aber persönlich betroffen und hat mit "Wo die Geister tanzen" einen der wohl derzeit besten, begeisterndsten und lesenswertesten Beiträge zu dem Thema verfasst.
In ihrem autofiktionalen Roman arbeitet sie ganz behutsam und auf literarisch überaus gelungene Weise die Geschichte des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis am Beispiel der Flucht ihrer Familie auf, beginnend im Jahr 1921 in Jaffa, als dieses noch der britischen Mandatsregierung unterstand. Mit Osmans Großeltern und deren immer größer werdenden und dann wieder durch tragische Weise schrumpfenden Familie begibt sich der Leser auf eine Odyssee durch die Türkei und den Libanon - ein Weg, der für Joana Osmans Vater durch einen überraschenden Zufall in Deutschland endet. Egal, ob in Mersin oder in Beirut, die Osman-Familie ist überall nur ein geduldeter Außenseiter, sie sind zu viele, um bei einem anderen Zweig der Familie aufgenommen zu werden, und sie sind als Palästinenser den Türken und den Libanesen zu fremd, als dass man sie gesellschaftlich integrieren wollte und so werden sie nie heimisch.
"Wo die Geister tanzen" ist ein aufklärendes Buch - ein Großteil der Zusammenhänge über den historischen Verlauf wie auch sehr viele Details des Nahostkonflikts und vor allem seine Auswirkungen auf den Einzelnen (von der Staatenlosigkeit über die separaten, von der UNO betriebenen Schulen bis hin zu der Tatsache, dass die berüchtigten palästinensischen Flüchtlingslager mittlerweile zu Stadtteilen von Beirut angewachsen sind) werden in den Text und die Geschichte der Familie integriert. Dabei gelingt es Osman durchgängig einen leichten, sprachlich sehr ansprechenden Erzählton aufrechtzuerhalten - es ist ein Buch entstanden, das man einfach sehr, sehr gerne, mit viel Interesse und Begeisterung liest. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang, dass die Autorin immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin- und herwechselt. Mich haben ihre sehr persönlichen Einlassungen und Ausblicke auf die Geschichte ihrer Familie ebenso beeindruckt, wie ihre außergewöhnlich selbstreflektierende Art auf ihre eigene Arbeit als Vermittlerin zwischen den Fronten einzugehen.
Ich kann, will und muss diesen tollen Roman einfach jedem empfehlen, denn er beleuchtet eine ganze Gefühlspalette zwischen Trauer, Verlust, Humor, Freude, Frieden, Lebenslust und Hoffnung. Er nähert sich dem Nahostkonflikt auf einer ganz besonderen Ebene an und berichtet zutiefst menschlich von der Tragik, ohne aber auch nur an einer einzigen Stelle zu werten, zu verurteilen oder zu fordern. "Wo die Geister tanzen" ist ein wunderbar friedliches Buch über die Folgen von schwelendem Hass, über den zu viele Menschen immer noch zu wenig wissen.
- Peter Berg
NOAMI - Eine Reise nach Jerusalem
(25)Aktuelle Rezension von: Katja_PeschelDas Buchcover finde ich sehr ansprechend. Die Handlung laut Klappentext war für mich auch sehr interessant und macht das Buch spannend.
Der Schreibstil des Autors ist wirklich sehr schön, flüssig, detailreich und gut verständlich. Natürlich handelte dieses Buch viel von Politik, schliesslich studiert Joachim dieses Fach auch und interessiert sich sehr dafür. Mir hat im Buch sehr gefallen wie wunderbar bildlich die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten beschrieben wurden, so dass man das Gefühl hatte mittendrin zu sein und einen wunderbaren Reiseführer vor sich hat. Die spannende Geschichte um Noami und Joachim fand ich ebenfalls sehr gut, immer wieder gab es Wendungen in dem Fall. Was ich etwas merkwürdig empfand war die Vielzahl der weiblichen Bekanntschaften von Joachim, aber gut, jede hatte ihre Aufgabe.
Für mich persönlich waren die ganzen politischen Erklärungen und Hintergründe sehr anstrengend zu lesen, aber nichtsdestrotz sind sie für die Geschichte natürlich wichtig.
Alles in allem ein sehr gutes informatives und spannendes Buch und ich bin gespannt auf den 2ten Teil. Von meiner Seite her auf jeden Fall eine Empfehlung!
- Tass Saada
Das Prinzip des Terrors
(10)Aktuelle Rezension von: strickleserlDer Autor dieses Buchs, Tass Saada, wurde 1951 im Gazastreifen geboren. Er wuchs in Saudi-Arabien und in Katar auf, wo sein Vater arbeitete. Als Jugendlicher schloss er sich Arafat an und wurde Scharfschütze. Viel später, als er in Amerika lebte, kam er zum Glauben an Jesus Christus. Wegen dieser Entscheidung brach seine Herkunftsfamilie den Kontakt zu ihm ab.
Als Araber, der 2001 bei den Terroranschlägen in Amerika lebte, spürte er die Ablehnung des Westens. In den letzten Jahren nehmen Terroranschläge aus religiösen Gründen weiter zu. In diesem Buch fragt Tass Saada warum Menschen den Terror wählen, wie versucht wird den Terror aufzuhalten, um schließlich eine neue Lösung auf das Problem des Terrors aufzuzeigen.
Der erste Teil des Buchs erklärt dem Leser, warum viele Menschen als letzten Ausweg nur den Terror sehen. Der Leser versteht anschließend das muslimische Denken besser, und erkennt, dass sehr viele Muslime den islamischen Extremismus ablehnen.
In einem zweiten Teil untersucht Saada Lösungen unserer heutigen Zeit. Angst und Sorge, eine Entgegnung mit Gewalt, und eine Aufteilung von Israel und Palästina gehören zu den Wegen, die heute eingeschlagen werden. Saada zeigt, warum diese Lösungen zum Scheitern verurteilt sind.
Im dritten Teil schlägt Tass Saada einen anderen Weg vor. Ausgehend von den beiden Brüdern, Isaak und Ismael, zeigt er, dass Gott sich auch um Ismael kümmert und ihn segnet. Der Weg dem Terror Einhalt zu gebieten liegt in der liebevollen Annahme des Anderen. Auch wenn der Leser selbst keinen Terroristen kennt, können seine liebevolle Taten Auswirkungen haben, die schließlich das Zentrum des Terrorismus erreichen. Und das ist gerade heute besonders einfach, da so viele arabische Flüchtlinge zu Nachbarn geworden sind.
Im vierten Teil stellt der Autor einige Projekte vor, in denen diese Werte gelebt werden. In Israel und Palästina wurden Kindergärten gegründet, in denen Kinder aus verfeindeten Völkern miteinander spielen und lernen. Das berührt auch die Eltern, und die ganze Umgebung erkennt, dass „die Anderen“ wertvolle Menschen sind. Durch Projekte wie diese wachsen Menschen auf, die lieben, und nicht kämpfen.
Dieses Buch ist sehr hilfreich, um Moslems besser zu verstehen. Es spornt an sie zu lieben, und ihnen so Jesus näherzubringen. Titel und Untertitel sind ein bisschen irreführend, da es in diesem Buch weniger um Terror geht, sondern vielmehr um ein friedliches Miteinander. Tass Saada verweist oft auf sein erstes Buch, in dem er näher erklärt, wie er als Terrorist gelebt hat und schließlich Jesus kennengelernt hat. Schöner wäre es, wenn dieses Buch für sich stehen würde.
Sehr schön sind die vielen praktischen Beispiele, die das Gesagte veranschaulichen. Der Weg des Friedens nimmt viel Raum ein in diesem Buch, was gut ist. Die vorgestellten Gedanken öffnen Augen für Muslime in unserer Umgebung, und zeigen ganz konkret wie eine Beziehung aufgebaut werden kann.
Fazit: Ein hilfreiches Buch, um den Islam und Moslems besser zu verstehen. Ein Buch, das herausfordert Muslime zu lieben und so den Terror zu bekämpfen. Sehr zu empfehlen!
- Assaf Zeevi
Wie denn sonst, wenn nicht gemeinsam?
(9)Aktuelle Rezension von: Andrea_Varga1Assaf Zeevi weiß wovon er spricht. Der Autor ist selbst Israeli und aufgrund seines Berufs als Reiseleiter in Israel immer auf dem neuesten Stand. Aber sein Wissen über die geschichtlichen Entwicklungen zum Nahostkonflikt sind ausgezeichnet erklärt. Wer endlich mal verstehen will was da drüben eigentlich los ist und ob es Hoffnung auf Frieden gibt, wird in diesem Buch fündig. Gut zu lesen!
Danke Assaf Zevi für dieses Buch.
- Eric Ambler
Der Levantiner
(8)Aktuelle Rezension von: GulanInzwischen machte er mir Angst. Ich gebe das zu. Er würde mir immer Angst machen. Ich wußte schon, daß die einzige Möglichkeit, mit ihm fertig werden, für mich darin bestand, ihn umzubringen. Ich rechnete jedoch nicht damit, jemals die Chance zu bekommen, das zu tun; und für ebenso ausgeschlossen hielt ich es, daß der Geschäftsmann Howell ernsthaft erwägen könnte, eine solche Chance, gesetzt, sie böte sich ihm, auch zu nutzen. Ich bin nun einmal kein Freund von Gewalttätigkeiten. (Auszug Seite 151)
Michael Howell ist ein umtriebiger Geschäftsmann und Reeder mit mehreren Geschäftsfeldern an der Levanteküste. Unter anderem besitzt er auch Fabriken in Syrien. Doch die Ereignisse im Nahostkonflikt machen die Geschäfte komplizierter, das syrische Regime beschränkt privatwirtschaftliche Aktivitäten und friert Gelder von Howell ein. Mit einem Deal mit einem hohen Beamten glaubt Howell, seine Geschäfte halbwegs retten zu können, doch dafür muss er sich auch planwirtschaftlich betätigen. Einer dieser Planfirmen ist eine unrentable Batteriefabrik, die Howell widerwillig betreibt. Als er feststellt, dass ein leitender Mitarbeiter merkwürdige Materiallieferungen bestellt, begibt er sich eines Abends mit seiner Assistentin und Geliebten Teresa Malandra in die Fabrik, um dem nachzugehen. Dort sieht er sich plötzlich einer palästinensischen Untergrundgruppe gegenüber.
Chef des Palästinensischen Aktionskommandos ist Salah Ghaled. Seine Gruppe ist innerhalb der Palästinenser in Ungnade gefallen, daher drängt er auf einen spektakulären Coup, einen groß angelegten Terrorangriff auf Israel. Dafür benötigt er Howells Fabrik und möglicherweise auch noch dessen ingenieurtechnisches Knowhow. Daher bedroht Ghaled Howell und zwingt ihn, ein falsches Geständnis zu unterschreiben. Howell hat keine andere Wahl, als mitzumachen, weiß er doch, dass Ghaled im Hintergrund doch noch Gönner im syrischen Regime haben muss. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ghaled und Howell, der nach Auswegen sucht, um den Terrorangriff zum Scheitern zu bringen und selbst mit heiler Haut davonzukommen.
Der Roman aus Amblers 2. Schaffensphase erschien 1972 und erhielt damals den Gold Dagger als bester englischsprachiger Kriminalroman. Der Roman spielt vor dem Hintergrund des Sechstagekriegs 1967 und des Schwarzen September 1970. Im Sechstagekrieg hatten die Israelis unter anderem das Westjordanland (damals jordanisches Staatsgebiet und bis heute Heimat vieler Palästinenser) besetzt. Die PLO und andere palästinensische Organisationen suchten daraufhin mehr und mehr die offene Konfrontation mit dem jordanischen Königshaus, bis hin zu einem Attentatsversuch im Juni 1970. König Hussein und das ihm ergebene Militär setzten daraufhin zu einem Gegenschlag im September 1970 an und vertrieb nach langen Kämpfen die palästinensischen Befreiungsorganisationen, die teilweise von syrischen Kräften unterstützt wurden, aus Jordanien. Es zeigte sich, dass es mit der Einigkeit der arabischen Staaten und innerhalb der Palästinenser nicht so weit her ist.
Dies ist auch die Situation von Salah Ghaled, der eine Splittergruppe anführt und die Unterstützung der mächtigen PLO um Yassir Arafat verloren hat. Den Respekt will er sich mit einem großangelegten Terrorakt zurückholen. Ghaled tritt als typischer terroristischer Anführer auf, der es versteht, mit Propaganda, gewissem Charme und unterschwelligen Drohungen bis hin zur Gewalt seine Gruppe zu leiten. Er muss zudem im syrischen Regime Unterstützer haben, die ihn zwar nicht offen unterstützen, aber ihre schützende Hand über ihm halten. Dies ist auch Michael Howell klar, der dadurch nur wenige Optionen hat. Ghaled bei den Syrern anschwärzen geht nicht und angesichts der terroristischen Verbindungen Ghaleds erscheint Howell auch die Flucht aus Syrien nicht ratsam, zumal er dann auch seine Geschäfte aufgeben müsste. Also spielt er erstmal das Spiel notgedrungen mit. Michael Howell ist zyprisch-libanesisch-armenischer Abstammung mit britischen Vorfahren und dementsprechend eine interessante Kombination aus distinguiertem, leicht arrogantem Briten und einem kaufmännisch-gewitzten Levantiner. Howell gesteht zwar seine Angst vor Ghaled ein. Diese hindert ihn jedoch nicht daran zu glauben, dass er den Palästinenser geschickt ausmanövrieren kann.
Die Maßstäbe heutigen Thrillererzählens darf man bei Eric Ambler nicht anlegen. Ambler setzt Spannungsmomente dosiert ein, erklärt viel drumherum, aber macht dies ungemein intelligent und literarisch versiert. Das Geschehen wird in Form einer Nacherzählung von Michael Howell erzählt, während er von dem Journalisten Lewis Prescott befragt wird. Der Großteil wird aus Howells Perspektive betrachtet, aber in einigen Abschnitten auch aus den Blickwinkeln von Prescott und Howells Assistentin Teresa, was nochmal die Figurenzeichnung erheblich unterstreicht. Vor allem die Ambivalenz in Howells Charakterzügen wird so erheblich verfeinert. So entwickelt Ambler einen ganz eigenen Stil in diesem Roman, wobei er sich mit Wertungen zurückhält und eher distanziert, wenngleich mit leichter Ironie, die Gegebenheiten beschreibt. Dabei erhält der Leser einen Einblick in die damaligen Verhältnisse in Nahost, aber auch in die schwierige, inhomogene Gesamtlage bei den Arabern/ Palästinensern, was bis heute anhält. Den Abschluss in einem veritablen Showdown erhält die Geschichte dann auf einem Schiff wenige Kilometer vor Tel Aviv.
Insgesamt war es für mich wieder eine angenehme Begegnung mit einem Autor, dessen Thriller vielleicht nicht die Rasanz anderer Kollegen haben, der dafür aber die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe seiner Themen umso feiner herausarbeitet.
- Marlene Shahwan
Wenn Gott den Pinsel schwingt
(15)Aktuelle Rezension von: PedMarlene Shahwan hat ein wirklich turbulentes Leben. Mit Johnny heiratet sie einen palästinensischen Christen und zieht mit ihm in seine Heimat in der Nähe von Bethlehem. Viele Unruhen und Kämpfe bekommt sie hautnah, quasi vor der eigenen Haustür, mit. Auch kulturell ist es nicht immer einfach.
Ich bin nicht wirklich ein großer Fan von Biografien. Aber diese ist leicht geschrieben und liest sich gut. Beeindruckt hat mich das Gottvertrauen, das Johnny und Marlene durchträgt und was sie mit Gottes Hilfe im Beit Al Liqa´ alles auf die Beine gestellt haben. Schön sind auch die Bilder im Mittelteil des Buches. Ein schönes Zitat: „Wer keinen Frieden im Herzen hat, der kann auch nicht in Frieden mit anderen Menschen leben." Etwas gestört hat mich, dass (für meinen persönlichen Eindruck) immer die Israelis als die bösen Besatzer dargestellt wurden, die auch in den Behörden willkürlich gegen alle Palästinenser handeln.
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