Bücher mit dem Tag "parabel"
55 Bücher
- Yann Martel
Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger 3D, 1 Blu-ray
(1.039)Aktuelle Rezension von: Fiona_CamarsEines der schönsten und ungewöhnlichen Bücher, die ich je gelesen habe. Das Setting ist merkwürdig, mit einem indischen Zoobesitzer Sohn. Die Geschichte mäandern erst hier hin und dorthin, bis plötzlich der (im Deutschen) namensgebende Schiffbruch passiert, bei dem sich der Junge auf einem kleinen Rettungsboot mit einer Handvoll bedauernswerten Tieren wiederfindet. Ungewohntes Ende. Tolle Geschichte!
- Paul Auster
4 3 2 1
(126)Aktuelle Rezension von: Steve914 3 2 1 wurde 2017 auf deutsch veröffentlicht und ist Paul Austers Opus magnum. In diesem über 1200 Seiten langen Roman stellt Auster vier verschiedenen ablaufende Leben ein und derselben Person vor, nämlich die Leben des Archie Ferguson.
Die einzelnen Versionen von Archies Leben werden dabei in zeitliche Abschnitte unterteilt, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter, also circa bis zum Ende des Studiums.
Es sind nicht nur die Entscheidungen Archies sondern auch die Entscheidungen seiner Mitmenschen und deren Handlungen, die Zufälle und Schicksale, die deren Leben bestimmen, die die jeweils andere Version von Archies Leben entstehen lassen und vorantreiben.
Es gibt einige zentrale Figuren, wie natürlich seine Eltern, Freunde und Verwandte, die sich in allen Varianten von Archies Leben wiederfinden. Aber auch hier ändert sich, je nach Vergangenheit und Ereignissen, der Umgang miteinander. Diesen Entwicklungen zu folgen ist dabei nicht immer einfach, 4 3 2 1 ist kein Werk, das man zwischendurch liest. Wer aber durchhält, und dazu kann ich nur jedem raten, wird mit einer bzw. vier Geschichten belohnt, die sich intensiv mit der Frage nach Schicksal, nach Zufall und der Selbstbestimmtheit unseres Lebens auseinandersetzen.
Austers Sprachgewalt ist dabei beeindruckend. Manche Sätze gehen über mehrere Seiten, sind dabei aber nicht langatmig und treiben die umfangreiche Handlung weiter voran. Die Dialoge sind pointiert und genau, jede Figur wird auf ihre Weise durch ihre Tätigkeiten und ihre Sprache unverwechselbar.
Neben den zentralen Fragen des Romans, Schicksal und Zufall und die Konsequenzen unserer Entscheidungen, findet sich hier auch ein Ritt durch die amerikanische Nachkriegsgeschichte, vor allem durch die Veränderungen der Gesellschaft der USA in den 1960er Jahren. Eine Auseinandersetzung mit den Studentenprotesten, mit dem Vietnam Krieg, mit Baseball und Basketball, mit Literatur, nicht zuletzt mit der Sexualität.
Austers Werk hat mich tief beeindruckt. Seine Sprachgewalt, seine Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen des Schicksals und des Zufalls sowie die umfangreiche Darstellung so vieler Themen - Geschichte, Politik, Sport, Literatur und viele mehr - machen 4 3 2 1 für mich zu einem Roman, den Liebhaber anspruchsvoller Literatur gelesen haben müssen. - Friedrich Dürrenmatt
Der Besuch der alten Dame
(1.875)Aktuelle Rezension von: buecherwuermchen_lauNachdem alle anderen Schullektüren mir überhaupt nicht zugesagt haben und ich mich "durch quälen" musste, bin ich in dieses Buch mit der selben Einstellung gestiegen. Dabei kann ich jetzt im Nachhinein sagen, dass es diesmal gar nicht schlimm war und mir das Buch auf der einen Seite sogar etwas gefallen hat.
Das Buch ist als ein Drehbuch aufgebaut und in drei Akte unterteilt. Da es dadurch weniger Text gibt, hab ich überhaupt nicht lange gebraucht, um das Buch zu beenden. (Es waren nur knappe Zwei Stunden). Was ich definitiv erwähnen kann ist, dass mich dieses Buch nicht allzu sehr gelangweilt hat, wie die ganzen anderen Schullektüren, die wir davor gelesen haben. Alles im einem finde ich, dass das Buch eine unterhaltsame Lektüre für zwischendurch ist und das man sich nicht vom Titel und Cover abschrecken lassen sollte.
- George Orwell
Farm der Tiere
(980)Aktuelle Rezension von: Donnie_DarkoFür mich persönlich ein Meisterwerk und Must-Read.
Der Schreibstil ist flüssig und die Lore einfach fantastisch. Schade das ich dieses Buch nicht früher entdeckt hatte und ich verstehe nicht warum es keine Schullektüre ist. Ich würde es jeden weiter empfehlen, da die Handlung immer aktuell ist. Jedenfalls hat es Lust auf mehr gemacht und ich werde als Nächstes 1984 lesen.
- Ernest Hemingway
Der alte Mann und das Meer
(1.068)Aktuelle Rezension von: Moelli116Der Titel beschreibt den Inhalt des Buches schon sehr gut. Es geht nicht um eine spannende Erzählung. Vielmehr wird die Gedankenwelt eines Fischers offenbart, der von den Fischen lebt, sich aber ihrer Schönheit bewusst ist. Wenn man mit dieser Einstellung an das Lesen herangeht, erscheint es einem auch nicht langweilig.
- Frances Hodgson Burnett
Der geheime Garten
(543)Aktuelle Rezension von: MonikaDie Geschichte von zwei ungeliebten Kindern beginnt dramatisch in Indien.
Ein kleines Mädchen kommt nach dem Tod ihrer Eltern zu einem Onkel nach England, der keine Verbindung zu ihr möchte.Selbst früh verwitwet lehnt er auch den eigenen Sohn ab.
Durch den Einfluß einer jungen Zofe beginnt das Mädchen sich für Natur und Tiere zu interessieren.Zufällig lernt sie ihren Cousin kennen und durch diese und weitere Freundschaften entsteht die vorsichtige Entwicklung eines " Happy- End"
Schöne Schilderung von Natur und Tieren, gelegentlich überzeichnet, und doch stimmig , begleiten durch die Geschichte,. Freundlichkeit. Güte und Hilfsbereitschaft so wie hre Gegensätze werden kindgerecht und behutsam erziehend veranschaulicht, im Stil der Zeit, in der das Buch geschrieben wurde.
Allerdings wird die Geschichte, die durch Vorstellungskraft und Fantasie lebt. in der heutigen, sehr technisierten Prägung, wohl nicht mehr viele Leser in den jüngeren Generationen finden
- William Golding
Herr der Fliegen
(896)Aktuelle Rezension von: Adrian_SchmelzenbartKinder und Jugendliche, gestrandet auf einer menschenleeren Insel, völlig außerhalb des Einflussbereichs moralischer Vorgaben und Richtlinien der Erwachsenenwelt. Was wird passieren?
Hier die zivilisierte Vernunft, verkörpert durch den Jungen Ralph - dort die wilde zügellose Barbarei, verkörpert durch den Jungen Jack, der sich selbst als Jäger bezeichnet.
Sind Kinder im eigentlichen Wesen "unschuldig", oder, ganz im Gegenteil, zu schlimmsten Grausamkeiten fähig, wenn man ihnen keinen moralischen Kompass mit auf den Weg gibt?
"Herr der Fliegen" ist eine zeitlos aktuelle Parabel zu diesem Thema.
- Roger Hermes
Die Erzählungen
(134)Aktuelle Rezension von: ErinnyeDass Buch ist zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Texten von Kafka. Dies reicht von kurzen, einseitigen Erzählungen bis hin zu mehrseitigen Geschichten. Dabei gelingt es Kafka thematisch zwar immer innerhalb eines gewissen Stils zu bleiben, jedoch wiederholt er sich nicht. Jede seiner Schriften hat für sich gesehen eine individuelle Daseinsberechtigung und sagt etwas Anderes aus. Diese Aussage zu verstehen ist bei Kafka natürlich immer so eine Sache. Es bleibt ein Rätsel, ob man die Erzählung so versteht, wie der Autor sie gedacht hatte - jedoch macht dies auch den Spaß an seinem Schreibstil aus. Vielfach interpretierbar, aber auch einfach nur genußvoll lesen und die Prosa bestaunen.. dies alles ist möglich bei diesem Autor. Die Geschichte, die mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist die, die von einem neurotischen Maulwurf erzählt, der um seinen Bau fürchtet, gleichzeitig aber auch davor zurückschreckt ihn wieder zu betreten, wenn er zwecks Vorratsbeschaffung nach draußen muss. Kafka gelingt es, über mehrere Seiten hinweg kein einziges Mal das Wort "Maulwurf" zu benutzen und lässt somit offen, ob es nicht doch eine Wühlmaus oder ein Hamster ist, das ist auch egal, stellt es doch eine hervorragende Metapher dafür dar, dass es bei Kafka nicht um festgesetzte Personen geht, sondern lediglich um die Aussage, die er mit seinem Text tätigen will. Natürlich waren auch so berühmte Geschichten wie "Die Verwandlung" und viele Andere vertreten. Um Kafka zu lesen sollte man eine gewisse Konzentration mitbringen, es ist aber auch dann sicher nicht etwas für jedermann. Man muss den kafkaesken Stil einfach mögen. Tut man dies, dann erscheint einem diese Sammlung von Erzählungen einfach als ein einmaliges Stück Literatur und seine poetischen Texte als wahre Kunst für sich. Immer wieder lesen, immer wieder neu interpretieren, immer wieder neu erleben. - Friedrich Dürrenmatt
Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker
(3.857)Aktuelle Rezension von: sophiereadsDie Physiker von Friedrich Dürrenmatt erzählt von drei vermeintlich verrückten Physikern, die gemeinsam in einer Nervenklinik leben.
Das Buch lässt sich super lesen, ist schön kurz und hat trotzdem total viel Inhalt. Ich mochte vor allem diesen Mix aus Humor und Ernsthaftigkeit. Es ist humorvoll geschrieben, aber gleichzeitig steckt so viel zum Nachdenken drin. Über Verantwortung, Wissenschaft und irgendwie auch die Menschheit an sich. Man liest es schnell weg, aber es bleibt trotzdem im Kopf.
Ich hatte einfach eine gute Zeit beim Lesen.
- Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
(1.364)Aktuelle Rezension von: kira_murasakiIch habe das Buch in der Schule gelesen und hatte - entgegen der allgemeinen Meinung - weniger Probleme mit der Ausdrucksweise als mit der scheinbaren Erhabenheit aller Charaktere. Wirklich ALLE Personen in dem Buch sind auf ihre Art freundlich und höflich und das erschien mir als Jugendlicher nicht nur unauthentisch, sondern grade heraus verlogen. So ist niemand und wenn jemand doch so ist, dass ist er sicher eine große Ausnahme bzw. einer von 100ten; so empfand ich es damals. (Zum Vergleich: Der gute Mensch von Sezuan ist frustrierend, las sich mich aber viel mehr als Abbild der Realität).
Heute sehe ich diesen Punkt etwas anders: Ich glaube, dass Lessing sehr wohl wusste, dass nicht alle Menschen gut sind, aber vllt wollte er durch eine durch und durch gute und freundliche Personenkonstellation zeigen, wie die Welt aussehen könnte, wenn wir uns wieder klar machen: Freundlichkeit ist eine Entscheidung.
Die Figuren könnten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ethnien und / oder gesellschaftlichen Stände (arm, reich ect.) einander mit Hass begegnen, aber sie tun es nicht. Zwar werden die Unterschiede zwischen ihnen (z.B. Aussehen, Religion, Reichtum) besprochen, doch werden diese Themen nie ein Grund sich gegenseitig aufzureiben. Dieser Umstand ist es, weswegen ich finde, dieses Buch hat bedingt durch die heutigen gesellschaftlichen Umstände - um nicht zu sagen Missstände - an Relevanz noch hinzugewonnen.
Im Zentrum der Botschaft, die Lessing vermitteln will, steht die viel besprochene Ringparabel; über die auch ich damals eine Erörterung schreiben musste, die für mich aber an Kraft in ihrer Aussage seit meiner Schulzeit an nichts eingebüßt hat.
Neu hinzugekommen ist für mich, dass ich den Kreuzritter (zu denen ich schon damals keine nennenswert gute Meinung hatte) plötzlich als Menschen verstand. Nicht hinsichtlich seiner missionarischen Ambition!; aber sein häufig schlecht gelauntes, getriebenes und mürrisches (eigentlich möchte ich sagen frustriertes) Wesen sind mir als Erwachsener nicht ganz unbekannt. - Gerne habe ich als Leser mitverfolgt, wie er (quasi gezwungen durch das freundliche Wesen Nathans, dem er zuerst mit Verachtung begegnet) im Laufe der Geschichte seine Haltung den Personen in seinem Umfeld ändert und sehr viel aufgeschlossener wird. Hier gibt Lessing das Beispiel das wir offenbar zu allen Zeit gebraucht haben: Es geht!
- Laline Paull
Die Bienen
(107)Aktuelle Rezension von: Henk_SimonEigentlich wollte ich das Buch zur Seite legen - mehrmals, ABER irgendwie hat Frau Paull es dennoch geschafft, dass ich weiterlese. Lag vermutlich daran, dass ich mich so sehr für Bienen interessiere und auf einer guten Geschichte mit und über sie war und deshalb das Buch geschenkt bekommen habe. Ich habe es jedoch mehr oder weniger bereut, denn mich konnte die Story nicht überzeugen - ich fand sie an vielen Stellen zu langatmig oder zu seltsam und muss dem "Gerechtigkeits-Thema" hier widersprechen.
- Max Frisch
Andorra
(1.029)Aktuelle Rezension von: teilzeitbaeuerinEin Theaterstück über die Gefahren von Gerüchten und Vorurteilen. Andri gilt im Dorf als Findling des Lehrers, der in als Außenseiter klar deklariert hat. Solange er noch ein Kind ist, ist alles in Ordnung. Als er jedoch älter wird und ebenfalls seinen Platz in der Gesellschaft fordert, wird er mit seiner Herkunft konfrontiert und gelangt ständig an seine Grenzen. Auch wenn der Lehrer nun versucht, die Wahrheit zu sagen, hat sich in den Köpfen der Dorfbewohner bereits ein vorgefertigtes Bild manifestiert. Bis es zu spät ist.
- Stefan aus dem Siepen
Das Seil
(96)Aktuelle Rezension von: Schmuck_GuggerinIn einem einsamen von Wäldern umschlossenen Dorf, leben zufriedene Menschen. Als eines Abends ein Dorfbewohner auf einer Wiese ein Seil entdeckt, ist dies der Zeitpunkt, an dem das Leben eine Wendung nimmt.
Einige Männer des Dorfes wollen unbedingt das Ende des Seiles finden. Sie bleiben erfolglos, verändern aber durch ihre Suche das gesamte Konzept des bisherigen Dorflebens.
Der Autor stellt einzelne Männer in den Fokus, lässt die zurückgebliebenen Frauen aus der Not Aufgaben übernehmen, die es zu bewältigen gilt, um zu überleben.
Die Existenz des Dorfes steht auf dem Spiel und Opfer müssen gebracht werden.
Der Autor erzählt in einer ruhigen Sprache und lässt uns Lesende mit unseren eigenen Gedanken zu diesem Roman, der eine Parabel ist, zurück.
- Max Frisch
Herr Biedermann und die Brandstifter. Rip van Winkle
(316)Aktuelle Rezension von: RianMcMillanImmer wieder brennt in der Stadt ein anderes Haus. Die Gründe sind bekannt: Die Bewohner lassen Brandstifter auf dem Dachboden wohnen, die dann die Häuser anzünden.
So auch Herr Biedermann. Er kennt die Gefahr. Die Brandstifter haben oft genug Hinweise gegeben, daß sie das Haus anzünden werden. Außerdem hat er zugesehen, wie sie fässerweise Benzin auf den Dachboden geschleppt haben. Er gibt ihnen sogar Streichhölzer, weil er sein Vertrauen ausdrücken will. Er hofft, daß sie ihn verschohnen, wenn er freundlich zu ihnen ist. Doch selbst die Einladung zum Essen schützt ihn nicht.
Dieses Buch zeigt, was passiert, wenn Zivilcourage fehlt. Was passiert, wenn Menschen wegschauen, anstatt zu handeln. Und wie schon Frisch im Buch schreibt: "Jedermann Biedermann!"
Ich habe es an einem Stück gelesen und kann es nur jedem empfehlen.
- Richard Adams
Watership Down
(46)Aktuelle Rezension von: FornikaEine unbekannte Gefahr droht den Kaninchen von Sandleford. So zumindest die Überzeugung des jungen Fiver, der über einen siebten Sinn zu verfügen scheint. Doch warum sollte man das traute Heim verlassen? Nur aufgrund der „Ahnung“ eines einzigen Hopplers? Nur Hazel glaubt seinem Bruder, und macht sich gemeinsam mit ihm und einem kleinen Trupp Gleichgesinnter auf den gefährlichen Weg ins Ungewisse.
Diese Geschichte darf sich inzwischen zu Recht als Klassiker bezeichnen und begeistert große und kleine Leser. Für die kleinsten Leser ist sie jedoch nicht geeignet, denn die Story ist z.T. doch etwas grausam geraten, nicht immer gehen die Abenteuer der Karnickelbande gut aus. Doch auch das zeigt, wie realistisch Adams schreibt; die Natur ist eben manchmal grausam. Überhaupt hat Richard Adams ein großes Talent für detailreiche Erzählungen. Er beschreibt die Natur, die Pflanzen, die Gerüche so plastisch und realistisch, dass man sich selbst auf der grünen Sommerwiese wähnt. Auch die verschiedenen Charaktere zeichnet er sehr ausgiebig, sodass man sie alle sehr gut kennenlernen kann. Egal ob es der gewitzte Hazel oder der tapfere Bigwig ist, sie alle werden von verschiedensten Seiten beleuchtet und nicht nur auf eine einzige Eigenschaft reduziert. Adams schafft den Spagat zwischen „normalem“ Kaninchenverhalten und fiktiver Ausgestaltung sehr gut; er erzählt mit viel Liebe und Witz. Nicht ganz so gut gefallen haben mir die Geschichten, die sich die Kaninchen erzählen. Die märchenhaften Erzählungen, z.T. mit religiösem Touch haben bei mir nicht immer ins Schwarze getroffen.
Spannend und traurig, ruhig und aufregend, witzig und ernst. Insgesamt hat mich Watership Down mitgerissen und ich bin der Kaninchenbande mit Begeisterung über die grünen Wiesen gefolgt.
- Michael Köhlmeier
Das Mädchen mit dem Fingerhut
(96)Aktuelle Rezension von: GreedyreaderMichael Köhlmeiers Roman „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ erinnert vom Titel her an Andersens berühmtes Märchen, ist aber keins. Der Roman erzählt von einem 6jährigen Mädchen, das sich Yiza nennt, aber seine Identität nicht wirklich kennt. Das Kind ist offensichtlich unbegleitet in einer namenlosen Stadt in einem europäischen Land angekommen und wird von einem „Onkel“ betreut, der nicht wirklich sein Onkel ist. Er bringt Yiza mit genauen Verhaltensmaßregeln täglich auf einen Markt, wo sie stumm sitzen und lediglich laut und anhaltend kreischen soll, wenn jemand das Wort Polizei ausspricht. Irgendwann kommt der Onkel nicht mehr wieder, und das Mädchen ist auf sich allein gestellt. Yiza versteht die Menschen nicht und hat bisher lediglich überlebt, weil sie niedlich aussieht und die Passanten und Geschäftsleute ihr gern helfen. Eines Tages wird sie in ein Heim gebracht, wo sie zwei Jungen in derselben Situation kennenlernt: Arian und den 14jährigen Schamhan, der die Sprache des Mädchens versteht und für Arian dolmetscht. Die drei bilden zeitweise eine Kleinfamilie, geben einander Schutz und Wärme, bis sie nach einem Einbruch gefasst werden. Arian und Yiza können entkommen und in einem eiskalten leer stehenden Gewächshaus kurze Zeit überleben. Dann erkrankt Yiza schwer. Die Besitzerin des Grundstücks pflegt sie im Haus gesund, sperrt das Mädchen jedoch ein und will es für sich behalten. Bei Arians Versuch, seine Gefährtin zu befreien, kommt es zur Katastrophe.
Köhlmeier erzählt in nüchterner Sprache ohne jede Sentimentalität von einem Schicksal, wie es heutzutage überall in Europa vorkommen kann. Obwohl der Autor es nicht darauf anlegt, empfindet der Leser angesichts der ungeheuren Härte einer solchen Kampfes um das nackte Überleben Empathie und kommt ins Grübeln. Ein Einzelschicksal ist allemal beeindruckender als Zahlen und Statistiken. Köhlmeiers Roman ist keine herzerwärmende schöne Geschichte, sondern ein wichtiges und gut geschriebenes Buch. - Barbara Robinson
Hilfe, die Herdmanns kommen 1
(115)Aktuelle Rezension von: Pegasus1989Ich muss gestehen, dass ich das Buch zu oft erzwungenermaßen lesen musste. Damals habe ich es in meiner Konfi-Zeit als Theaterstück mit anderen Konfirmanten aufführen müssen an Weihnachten. Ich habe damals den Erzähler gespielt und musste jede Zeile mitverfolgen. Seit diesem Vorschlag unseres Pastors hasse ich dieses Werk. Der Schreibstil ist wirklich schön und man kann sich gut in die Lage hinein versetzen. Allerdings mag ich die Herdmanns mit ihrem asozialen Verhalten absolut nicht. Ich finde sie zu wild, zu frech, zu ungebildet und zu vorlaut. Bessere Weihnachtsstücke wären hier die Krippenaufführung oder "Guck mal, Madita, es schneit!" oder irgendwas anderes, aber bitte nicht nochmal die Herdmanns! Eine bessere Erziehung durch ein Kinderheim oder Adoptiveltern hätte den Kindern definitiv nicht geschadet. Am schlimmsten finde ich jedoch, wie sie mit ihren Mitmenschen umgegangen sind und wie sie das Krippenspiel verhunzt haben. Es mag für andere lustig sein, für mich jedoch war es nach dem zigsten Mal Theaterprobe einfach nur noch nervig und ich war froh, als es endlich vorbei war. Seitdem habe ich das Buch nie wieder gelesen und habe auch nicht vor, es nochmal zu tun.
- Yann Martel
Ein Hemd des 20. Jahrhunderts
(20)Aktuelle Rezension von: rallusEs gibt viele Bücher über den Holocaust, doch keines was annähernd so heimtückisch daher kommt, wie das hier vorliegende Buch von Yann Martel. Heimtückisch ist es, weil es den Leser erst auf die falsche Fährte führt, ihn irreleitet und plötzlich brutal auf das Naheliegende stösst. Das Buch ist voller Symbolik und Andeutungen, so wie das Grauen auch voller Schatten und indirekten Bedrohungen ist.
Jeder mag sich an den Symbolen versuchen, ein Esel und ein Affe, die in einem Theaterstück vorkommen, aber auch in der Taxidermie Okapie ausgestelt sind, ein Autor der an dem Holocaust Thema scheitert, aber letztendlich doch findet, der Besitzer der Taxidermie, der wie der Auto heißt und noch vieles mehr. Erst die letzten 13 'Spiele' offenbaren das subtile Gräuel zu dem Menschen nicht nur im Holocaust imstande waren.
Die falschen Fährten werden früh gelegt. Henry ist ein frustrierter Autor dessen Buch über den Holocaust von den Verlegern abgelehnt wird. Er zieht mit seiner Frau in eine neue Stadt und lebt ganz gut von den Tantiemen des letzten erfolgreichen Buches. Er fängt an Musikunterricht zu nehmen und Theater zu spielen. Immer noch erreichen ihn Leserbriefe zu seinem letzten Roman. Einer ist dabei der seine Aufmerksamkeit fesselt und ihn zu der besagten Taxidermie (Tierpräparation von Wirbeltieren) führt. Als er den Urheber in seinem Geschäft besucht, liest dieser ihm, immer wieder auf seinen darauffolgenden Besuchen, ein Theaterstück vor, welches stark an 'Warten auf Godot' erinnert.
Das Hemd des 20.Jahrhunderts ist ein sehr stark symbolbehaftetes Buch, welches ich mir gut und gerne im Deutschunterricht vorstellen kann. Auf die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten möchte ich gar nicht näher eingehen, derer sind zu viele.
Ein teils verstörendes, dann wieder irritierendes Buch welches in einem nachhallt, zumal die eindeutigen Elemente, die 13 Spiele ganz am Ende den Leser komplett einschüchtern und die menschlichen Variationen der Grausamkeit darstellen.
Ein Buch welches mich anfangs auf den falschen Weg gebracht und mich letztendlich kalt erwischt hat. Ein subtiles Buch über das alltägliche Grauen, nicht nur auf den Holocaust beschränkend.
- José Eduardo Agualusa
Eine allgemeine Theorie des Vergessens
(83)Aktuelle Rezension von: Julietta89Der Einstieg gelingt schnell – man ist sofort mitten im Geschehen, auch wenn anfangs unklar bleibt, wohin die Geschichte führt. Gerade die Protagonistin, die sich in ihrer Wohnung eingeschlossen hat, fand ich bemerkenswert. Auch der kleine Sabulu war ein Highlight.
Was mich beeindruckt hat, war, wie viel man über die Geschichte Angolas mitbekommt. Gleichzeitig war es nicht immer einfach, der Handlung zu folgen. Viele Stränge, Zeitsprünge und Figuren haben es stellenweise verwirrend gemacht, wer gerade eigentlich im Mittelpunkt steht.
Die Figuren wirkten glaubwürdig, auch wenn manches ein wenig überzogen war. Besonders hängen bleibt das Wissen um die portugiesische Kolonialzeit und den schwierigen Bürgerkrieg in Angola – ein Hintergrund, der dem Buch viel Tiefe gibt.
- Nagib Machfus
Die Kinder unseres Viertels
(17)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerEine Parabel über biblische Geschichten, verpackt in wunderbare Märchen. Das Buch hat mich an vielen Stellen an Rafik Schami erinnert - lesenwert! - Andreas Arnold
Fionrirs Reise
(15)Aktuelle Rezension von: WortbibliothekarMeinung:
Ich muss zugeben, dass ich das Buch förmlich verschlungen habe. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgeschrieben, aber es funktioniert in seiner Art auch wunderbar als eine kleine Leselektüre für Zwischendurch für jeden junggebliebenen Erwachsenen.
Der Schreibstil ist sehr bildlich, aber einfach gehalten, weshalb es sich hervorragend für Kinder eignet und auch als Selbstleser für Kinder wunderbar funktionieren kann. Dennoch hat man viele Beschreibungen und Wortgefüge, die man einem Kind durchaus erklären muss.
Und gerade das Erklären und die Interaktion zwischen Kind und Erwachsenem ist bei dem Buch auf jeden Fall gefragt. Es spielt mit einer großen Moralstruktur und vielen kritischen Themen, die mit einem Kind auf jeden Fall kommuniziert werden müssen, damit es die richtigen Schlüsse zieht. Daher funktioniert das Kinderbuch aus meiner Sicht wirklich gut: man muss sich miteinander beschäftigen. Generell greift das Buch viele der heutigen Probleme der Gesellschaft auf und verpackt sie niedlich aber eben auch mit dem nötigen Ernst in einer lustigen und erzählerisch prima umgesetzten Geschichte. Auch die Zeichnungen fügen sich gut in das verspielt-ernste ein.
Die Charaktere fand ich alle sehr schön gezeichnet, jeder bekommt eine gewisse Persönlichkeit und Stärke und die Figuren harmonieren wunderbar untereinander.
Fazit:Für mich ist Band 1 von „Fionrirs Reise“ ein super Kinderbuch mit einer gut gewählten Altersempfehlung, gerade, was hier das erste Selbstlesen betrifft. Kommunikation zwischen den Eltern und Kindern ist für das Buch sehr wichtig, da es mit seinen bunten, witzigen und kuriosen Figuren viele Themen aufgreift und moralisch etwas präsentieren und lehren will, was man durchaus erklären muss. Aber gerade das macht für mich den Reiz aus.
Der Schreibstil ist super flüssig und lässt sich auch für Kinder in den Leseanfängen sicher einfach lesen, aber auch für Erwachsene empfinde ich das Buch als eine Leseempfehlung für Zwischendurch. Mein Neffe hatte auf jeden Fall seine Freude daran!
Das Buch und die Handlung haben mir super gefallen und auch die szenischen Zeichnungen fand ich an den richtigen Stellen positioniert. Tatsächlich müsste ich mir etwas aus den Fingern saugen, um etwas Negatives über das Buch zu sagen.
- Patrick Ness
Und der Ozean war unser Himmel
(32)Aktuelle Rezension von: Buecherseele79Menschen und Wale führen Krieg. Und hier erzählt der Wal Bathseba ihre Geschichte. Eine Geschichte über Krieg von Menschen und Walen. Von Ehre, Blut, Jagd, unabdingbare Loyalität und blinden Gehorsam.
"Wer den Teufel bekämpft, wird selbst zum Teufel." "Vielleicht kann ja aber nur ein Teufel einen Teufel bekämpfen", sagte ich. (Seite 99)
"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist eines meiner Lieblingsbücher. Und auch dieses Buch reiht sich ein. Das Buch ist mit tollen Illustrationen, allerdings ist dieses Buch düster, kalt, blutig und brutal, so auch die Illustrationen.
Zu Beginn fiel es mir etwas schwer mit dem besonderen Erzählstil zu Recht zu kommen. Zum Glück legt sich das schnell und die Geschichte nimmt ihre düstere Fahrt auf.
Menschen und Wale führen Krieg. Beide bekämpfen sich gegenseitig in dem sie Schiffe zerstören, Crew und sich gegenseitig auslöschen ohne Gefangene zu machen. Die Welt steht im wahrsten Sinne Kopf. Der Himmel ist der Abgrund während der Ozean der Himmel ist. Damit musste ich erstmal klar kommen, das Hirn kann das gar nicht umsetzen. Mit der Zeit tritt das aber eher in den Hintergrund.
Das Buch drückt nieder, denn es geht um Krieg, um Hass, um Recht haben, um Loyalität und blinden Gehorsam. Und was diese Kombination für falsche Schritte mit sich ziehen kann, was man für eigene oder neue Teufel erschafft.
Bathseba ist Dritter Lehrling und folgt ihrer Kapitänin blind. Ebenso der Erste und Zweite Lehrling - Gegenfrage oder Zweifel sind nicht erlaubt, blinder Gehorsam an der Tagesordnung.
Die Story und die Suche nach dem einen Teufel vor dem Menschen und Wale gleichermaßen Angst haben ist Toby Wick. Und hier ist klar die Anlehnung an Moby Dick. Aber genial umgesetzt und eine spannende Suche nach dem einen Teufel.
Ich fand diese ganzen ja fast Gemeinsamkeiten sehr spannend. Denn die Wale töten die Menschen und nutzen sie komplett. Ihre Zähne als Tauschmittel, ihr Fleisch als Nahrung, die Knochen für andere Dinge. Wie eben die Walfänger dies mit den Walen getan haben und auch in diesem Buch tun.
Sie verteufeln sich gegenseitig sind aber auf keiner der beiden Seiten besser oder intelligenter. Was erzählt wird zählt und was nicht geändert wird.
Die Freundschaft zu einem Gefangenen bringen nicht nur Bathseba zum Nachdenken sondern auch den Leser. Ich möchte hier nicht zu viel verraten denn das wäre Spoiler.
Das Buch dreht sich um die erschaffenen Teufel. Und wer Teufel erschafft. Wie sie ihre Macht erhalten und behalten. Wie man Grenzen die festzusitzen scheinen durchbrechen kann.
Krieg oder Frieden. In einer interessanten Komponente die mich schlichtweg begeistert und zum nachdenken angeregt hat.
Ganz klare Empfehlung!
- Rüdiger Opelt
Das Glück der Kinder: Wie Erziehung gelingt
(1)Aktuelle Rezension von: R_OPELTBeim Lesen merkt man, dass der Autor seit langem Kinderpsychologe ist und Kinder gern hat. In dem Buch hat er jede Menge Tipps und Werkzeuge für Eltern zusammengestellt, wie sie schwierige Situationen mit den Kleinen, aber auch mit pubertierenden Jugendlichen in den Griff bekommen können. Das Buch ist übersichtlich nach Alter geordnet, d.h. es gibt keine generellen Ratschläge, sondern nur solche, die für das jeweilige Alter passen. Dieser entwicklungspsychologische Ansatz unterscheidet das Buch von den meisten Erziehungsratgebern, die meist sehr generell bleiben und für die Eltern dann schwer anzuwenden sind, denn was für ein dreijähriges Kind passt, kann für ein siebenjähriges schon wieder falsch sein.
- Julian Gough
Rotzhase & Schnarchnase - Ein schlimmer Bestimmer
(4)Aktuelle Rezension von: Mandys_BüchereckeInhalt
Hase und Bär sind entsetzt. Als ein fieser Eisbär in ihr Tal kommt, erklärt er sich selbst zum König und kommandiert alle andere Tiere herum. Die beiden sind hilflos, doch irgendwie muss man den Eisbären doch wieder los werden können, oder nicht? Doch dafür müssen sie sich zuerst ihren Ängsten stellen.
Meine Meinung
Mein Sohn hat die bisherigen Abenteuer von Bär und Hase geliebt und da er nun alt genug ist um die Bücher selber zu lesen, war seine Freude groß als die Fortsetzung bei uns ankam. Innerhalb kürzester Zeit hatte er das Buch beendet, denn die große Schrift, die kurzen Kapitel und die ansprechenden Bilder sorgten dafür, dass er motiviert am Ball blieb, was bei ihm noch nicht selbstverständlich ist, da er gerade erst in der zweiten Klasse ist. Doch auch zum Vorlesen ist das Buch bestens geeignet.
Bär und Hase kannte er ja schon aus den vorherigen Bänden und da sie ihm sehr ans Herz gewachsen sind, hat er mit ihnen mitgefiebert und war gespannt, ob sie ihre Ängst überwinden können um für das Eisbär-Problem eine Lösung zu finden. Es geht aber auch um Freundschaft und Zusammenhalt und auch, dass man hinter die Fassade blicken sollte. Hier wurden wichtige Themen in eine unterhaltsame Geschichte verpackt.
Zudem sind die Dialoge spritzig und der Plot ist spannend und voller Humor. Mein Sohn hatte beim Lesen wirklich viel Spaß und hat immer wieder erzählt, was denn so passiert und mir dann dazu die passenden Bilder gezeigt. Schon alleine deshalb kann ich das Buch empfehlen. Seine Begeisterung ist aber definitiv nachvollziehbar, denn als ich das Buch gelesen habe, war ich ebenso begeistert, zumal das Ende wirklich schön ist.
Fazit
Mein Sohn war von diesem Buch absolut begeistert und da er es selbstständig gelesen hat, kann ich es schon alleine deswegen empfehlen. Doch auch ich mochte das Buch sehr. Hier wurden wichtige Themen in eine unterhaltsame Geschichte verpackt und das wirklich auf eine gelungene Art. Das Buch eignet sich aber auch wunderbar zum Vorlesen. Von uns gibt es also eine komplette Leseempfehlung.























