Bücher mit dem Tag "patriarchat"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "patriarchat" gekennzeichnet haben.

111 Bücher

  1. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596712731)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

    (2.424)
    Aktuelle Rezension von: HarryPlotter

    Die Buddenbrooks ist kein optimistischer Roman. Im Mittelpunkt stehen Johann Buddenbrook und später seine Kinder Thomas und Tony; am Ende bleibt nur noch Hanno. Man erlebt, wie die Familie nicht nur an gesellschaftlichem Ansehen verliert, sondern allmählich zerfällt.

    Schon zu Beginn wird deutlich, dass alles auf einen Niedergang hinausläuft. Während sich gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen verändern, versuchen Thomas und Tony, den Namen und die Würde der Familie zu bewahren – doch die neuen Zeiten sind unerbittlich. Viele Nebenfiguren verstärken dieses Bild einer Welt, die zunehmend überholt wirkt.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn einige Passagen – besonders um Hanno – etwas schwerfällig waren. 

  2. Cover des Buches Der Report der Magd (ISBN: 9783492303279)
    Margaret Atwood

    Der Report der Magd

    (869)
    Aktuelle Rezension von: FranGoldsmith

    Klappentext:
     Die provozierende Vision eines totalitären Staats: Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Die Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Auch die Magd Desfred wird Opfer dieses entwürdigenden Programms. Doch sie besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ...

    Meine Einschätzung:
     Das Buch wirkt wie ein Tagebuch bzw. die Aufzeichnung einer jungen Frau die in diesem fiktiven Staat als Magd in ein Haus kommt, um dem Kommandanten Nachwuchs zu gebären. Immer wieder bekommt man durch Rückblicke Einblicke wie es zur aktuellen Situation in der Disfred sich befindet, kommen konnte. Trotzdem bleibt einiges unklar und auch das Ende lässt viele Fragen offen.

    Auf der einen Seite fand ich das Buch wirklich fesselnd und besorgniserregend, aber auf der anderen Seite bleiben leider sehr viele Fragezeichen übrig, die man gerne noch erfahren hätte. Das macht dieses Buch aber auch aus, da es wirklich den Eindruck erweckt man lese ein Manuskript eines Zeitzeugen.

    4,5/5 Sterne von mir.

  3. Cover des Buches Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe) (ISBN: 9783492076005)
    Bonnie Garmus

    Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe)

    (753)
    Aktuelle Rezension von: Lucie

    Ein außergewöhnliches Buch, welches Humor, Gesellschaftskritik und eine berührende Lebensgeschichte auf beeindruckende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Protagonistin, die sich in einer Zeit behaupten muss, in der Frauen oft unterschätzt und in feste Rollen gedrängt wurden.

    Mich hat das Buch vor allem so überzeugt, da es zwar um schwierige Themen geht und bisweilen wirklich heftig ist, es aber trotzdem auch immer wieder Szenen gibt, bei denen man herzhaft lachen kann. Ich kann nur empfehlen sich durch den zähen Anfang durchzulesen, es lohnt sich!!!

  4. Cover des Buches Tausend strahlende Sonnen (ISBN: 9783596520701)
    Khaled Hosseini

    Tausend strahlende Sonnen

    (1.273)
    Aktuelle Rezension von: Minijane

    Nachdem ich „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini vor längerer Zeit gelesen und geliebt habe, wollte ich natürlich unbedingt auch das nachfolgende Buch „ Tausend strahlende Sonnen“ des Autor‘s lesen.


    Wie erwartet, ist das Buch keine leichte Kost. Deshalb stand es wahrscheinlich auch so lange Zeit ungelesen im Regal.

    Es geht um 2 starke Frauen, die in ihrem Leben so unendlich viel Furchtbares erleben müssen und trotzdem immer weiter machen. Da ist zunächst einmal Mariam, die als uneheliches Kind schon einen schweren Start ins Leben hat. Sie wird zwangsverheiratet mit Raschid, einem 30 Jahre älteren Schuster. Alleine schon diese furchtbare Ehe und die Machtlosigkeit der afghanischen Frauen in dieser patriarchalischen Gesellschaft machen wütend und traurig. 

    Laila wächst dagegen in Kabul bei einer liebevollen Familie auf, doch Krieg und Bombardierungen erschüttern auch ihr Leben. Die Wege der beiden Frauen kreuzen sich, als Leila mit 14 Jahren ihre Eltern durch einen Bombenanschlag verliert. Nachbar Raschid nimmt Laila zwar auf, aber das hat einen Preis. Mariam muss sie als Zweitfrau ertragen und macht Laila das Leben zunächst zusätzlich schwer. Nach anfänglicher Feindschaft raufen sich die beiden Frauen dann aber zusammen und entwickeln  eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft. 

    Während ein Regime zum Nächsten wechselt,  wird die Situation für die Frauen in  Afghanistan immer schlimmer. Wir verfolgen etwa 30 Jahre der geschichtlichen Entwicklung des Landes, beginnend in den 80er Jahren bis zu den Anschlägen vom 11.September mit der anschließenden Intervention der USA in Afghanistan. Es ist unfassbar, was die Menschen haben aushalten müssen, insbesondere über das Schicksal der Frauen zu lesen, war manchmal kaum auszuhalten.

    Khaled Hosseini ist ein hervorragender Geschichtenerzähler, dem es gelingt die afghanische Geschichte aus Sicht zweier Frauen in einer frauenfeindlichen Welt zu erzählen, die aber nie aufgeben und ihr Schicksal irgendwann in die eigene Hand nehmen.

    Großartig!

  5. Cover des Buches Vox (ISBN: 9783596704514)
    Christina Dalcher

    Vox

    (427)
    Aktuelle Rezension von: BuchstabenZauber

    "Vox" von Christina Dalcher wollte ich eigentlich schon vor einigen Jahren lesen, doch irgendwie sind dann doch immer wieder andere Bücher in den Fokus gerutscht.

    Mittlerweile gibt es schon zahlreiche Rezensionen und Bewertungen zu dem Buch, in denen die Geschichte nur durchschnittlich abschneidet und hinter den Erwartungen vieler Leser zurückbleibt.

    Ich bin also voller Neugier in die Welt eingetaucht, in denen Frauen um ihre Worte beschnitten werden.

     

    "Ihr könnt uns die Wörter nehmen, aber zum Schweigen bringen könnt ihr uns nicht!"

    Zitat Klappentext

     

    Insgesamt war das Buch gut zu lesen. Oft empfand ich gerade zum Ende hin die Story als zu schnell abgehandelt und oberflächlich. Einige Szenen und Situationen ergaben nicht wirklich Sinn, bzw. hätte ich mir hier eine tiefere Ausarbeitung gewünscht.

    Da ich vor kurzem erst die Serie "The Handmaid´s Tale" nach der Romanvorlage von Margaret Atwood gesehen habe, hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, eine Kopie dessen zu lesen.

    Zwar ist die Geschichte der Wissenschaftlerin Jean McClellan eine Andere, doch tauchen in meinen Augen zu viele Parallelen zu der umfeierten TV-Serie auf. Sei es nun die Gründung eines neuen Amerikas aufgrund religiöser Fanatiker, die Unterdrückung und Beschneidung der Frauen, pastellfarbene Twinsets oder eine Rebellin, die durch ihren Liebhaber Unterstützung findet, um das System zu stürzen.

    Hier hatte ich tatsächlich häufig den Eindruck eine Fanfiction zu lesen.

    Im Ganzen nett zu lesen, aber die Geschichte begleitet leider einen faden Beigeschmack, wenn man die preisgekrönte Dramaserie um die Protagonistin June Osborne kennt.

  6. Cover des Buches Witches, Bitches, It-Girls (ISBN: 9783498007409)
    Rebekka Endler

    Witches, Bitches, It-Girls

    (40)
    Aktuelle Rezension von: Anderswelten

    Das Buch ist ein wirklich aufschlussreiches Werk zu den Themen Feminismus, Rassismus und generelle Unterdrückung - nicht nur von Minderheiten. Es ist vollgepackt mit Referenzen, Einzel- und Massenschicksalen, mit Berichten über Erfolg und Misserfolg im Wandel und Fortschritt. Was alles schon erreicht wurde und was dafür geopfert werden musste. Es werden Zusammenhänge erläutert und warum wir so ticken wie wir ticken. Aber die wohl wichtigste Aussage des Buches ist jene, dass wir uns weder auf den Erfolgen ausruhen können, noch dass wir diese als gesichert verstehen dürfen, sondern auch viel Kraft in deren Verteidigung stecken müssen.

    Die Autorin Rebekka Endler bemüht sich sehr, eine objektive Sichtweise an den Tag zu legen und dabei nicht anklagend von oben herab zu belehren. Sie ist sich nicht zu schade, auch über eigene falsche Narrative etc. zu sprechen. Das macht sie sehr menschlich und die ganze Thematik nahbarer - und das ist sehr wichtig. Das Buch soll nicht radikalisieren. Es leistet einen umfassenden Aufklärungsjob und lässt dabei offen, was die Leser:innen mit ihrem neu gewonnenen Wissen machen.

    Allein weil die Thematiken so unglaublich wichtig sind und essenziell für unseren gesellschafltichen Fortschritt, ist dieses Buch, ein Must-Read. Ich habe das Buch nach dem Beenden direkt wieder auf meinen SuB gelegt, damit ich es nochmal lesen werde, weitere Anmerkungen und Annotations mache und alles erneut aufarbeitet, mich weiter informiere. Und allem voran: mich weiter themenübergreifend sensibilisiere.

    Mein Review ist an und für sich hier bereits zu Ende. Im folgenden möchte ich tatsächlich meine ganz persönlichen Ansichten und Erlebnisse beim Lesen dieses Buches teilen.

    Ich erachtete mich als weitestgehend aufgeklärt, respektvoll und offen für (fast) alle Ideologien - und ich wurde auch anscheinend von vielen Narrativen verschont, da ich mein ganzes Leben schon quasi keine Unterhaltung (Filme, Serien, etc.) konsumiere und seit Jahren absichtlich wenige Medien verfolge (nennt es meinetwegen „Diät“ vom Klickbait, Sensationsgeilheit und gefährlichem Halbwissen). Mein Fokus liegt schon lange darauf, meine Meinung nur dann kund zu tun, wenn ich mich mit dem Thema ausreichend auskenne, d.h. Ich mache mich mit Themen im Eigenstudium bekannt, um mir objektiv eine Meinung bilden zu können. Ich vertrete den Standpunkt, dass Aussagen und Meinungen aus dem Bauch heraus getroffen, gefährlich sein können. Wie auch immer, durch meine Abwesenheit in der medialen Blase habe ich natürlich auch alles andere verpasst und nicht nur die Sensationsmedien und den 5-minute-fame.

    Normalerweise kann ich damit ganz gut leben, aber Dank „Witches, Bitches, It-Girls“ wird mir schmerzhaft bewusst, wovor ich unwissentlich, aber dennoch absichtlich, die Augen verschlossen habe. Ganz besonders schockte es mich, wie stark die Patriachatpropaganda immer noch in der Wissenschaft vertreten ist - und damit meine ich vor allem in unseren „emanzipierten Ländern“, was ich in diesem Ausmaß nicht erwartet habe. Nicht falsch verstehen, ich bin (hoffentlich) nicht naiv. Allein, dass den meisten innerhalb von 2 Sekunden/spontan nur Marie Curie einfällt, wenn (bedeutende) Wissenschaftlerinnen genannt werden sollen, spricht schon Bände.

    Ich glaube, das schockierendste Beispiel ist die griechische Mythologie - bei der ich dachte, mich recht gut auszukennen. Die Misogynie ist offensichtlich, aber Beschönigungen und Verharmlosungen in den Übersetzungen haben mich unerwartet überrascht. Z.B. dass von „unfreien Menschen“ anstatt von „Sklaven“ gesprochen wird. Ersteres lässt sich auch als „Diener“ interpretieren, was natürlich eine ganz andere Ausstrahlung als „Sklave“ hat. Oder dass der griechischen Sagenfigur Medea Gräueltaten angedichtet wurden, die im Original keine Erwähnung finden. Irgendwie ging ich davon aus, dass mehr oder weniger regelmäßig die Übersetzungen überprüft und in moderne Worte umgesetzt werden - und damit meine ich, dass wirklich das Original neu übersetzt wird und nicht eine bereits vorhandene Übersetzung nur überarbeitet. Wieder was gelernt.

    Auch spannend fand ich den Abschnitt mit den Homo Sapiens und Neandertalern - insbesondere die stark verbreiteten, aber wissenschaftlich völlig falschen Bilder bei den Rollenverteilungen: Das Jagen sei den Männern vorbehalten gewesen, etc. Es ist der Wahnsinn wie doch die Rollenvorstellungen der damaligen Forscher ihre Ergebnisse beeinflusst haben (gut, das Konzept und die Problematik von Projektionen sind per se in der Forschung nicht neu) und was es eigentlich für ein Kraftakt ist, einen bereits vorhandenen „Schaden“ wieder zu beheben, weil Richtigstellungen sich selten wirtschaftlich vermarkten lassen…

    Außerdem war mir nicht der anscheinende Zusammenhang zwischen dem Rechtsruck/der allgemeinen rechten Radikalisierung, den/die wir national und international derzeit erleben, und dem Bedienen der Bestrebung bzw. dem Wunsch nach „Normalität“ und „Sicherheit“. Also, vielleicht habe ich das schon im Ansatz vorher erkannt, aber das Ausmaß ließ mich dann doch schlucken.

  7. Cover des Buches Beklaute Frauen (ISBN: 9783328112945)
    Leonie Schöler

    Beklaute Frauen

    (129)
    Aktuelle Rezension von: Ms_Violin

    Muse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Leonie Schöler stellt in ihrem Bestseller unser Bild der vergangenen 200 Jahre grundlegend infrage und spürt den Machthierarchien und institutionellen Strukturen nach, die Frauen in der Wissenschaft, Kunst, Literatur, Politik und in vielen anderen Bereichen unsichtbar machten und machen. Sie zeichnet eine Vielzahl von Biografien nach und erweitert so unser Bewusstsein für die komplexen Identitäten und Erfahrungen von Frauen, die bisher gar nicht oder kaum in öffentlicher Erinnerung geblieben sind. Schöler würdigt das Schaffen und Wirken dieser vergessenen Heldinnen und macht sie so (wieder) für uns als Handelnde in der Geschichte wahrnehmbar. Beklaute Frauen liefert ein wichtiges Gegenstück zum noch immer dominanten Narrativ der »großen weißen Männer« und zeigt die Gefahren auf, die die Reproduktion von antifeministischen Sichtweisen und fehlende Repräsentation auch heute noch mit sich bringen. Vor allem aber ist es als eine augenöffnende Ermutigung zu verstehen, die unzählige starke Vorgängerinnen und Identifikationsfiguren bereithält, die jede und jeder von uns sich zum Vorbild nehmen sollte.


    Dieses Buch hat mich wirklich von der ersten Seiten an absolut gefesselt. Der leicht verständliche und mitreißende Schreibstil und die unglaublich tolle Recherche haben mich hier wirklich nur so durch die Seiten fliegen lassen.
    Allerdings wurde ich auch von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel und mit jedem neuen Namen wütender.
    Wer weiß, wie viele Frauen komplett aus der Geschichte gelöscht wurden?

    Selbst die Geschichten, die mir schon mehr oder weniger bekannt waren (wie die von Rosalind Franklin oder über die Hintergründe der Werke bekannter Männer wie Brecht oder über den - freundlich ausgedrückt - Unsympathen Picasso), haben nur dazu beigetragen, dass mein Unmut und vor allem meine Wut angewachsen sind.
    Wut auf einzelne Personen, die sich hier ganz klar an verschiedensten Frauen bereichert haben, sie übergangen oder ganz absichtlich sie und ihre (Mit-)Arbeit klein gehalten haben - auch innerhalb historischer Einordnungen -, aber eben auch Wut auf dieses System und die Strukturen, die all das zugelassen und begünstigt haben und woran sich immer noch viel zu wenig geändert hat - mal ganz abgesehen davon, dass es aktuell ja auch so einige Bemühungen gibt, die bisherigen Errungenschaften rund um alle Diversitäts- und Gleichstellungsbemühungen wieder zurückzufahren. 

    Ein Kapitel hat mich allerdings ganz besonders getroffen, nämlich Kapitel 5: „Widerstand“.
    Dort werden kämpfende Frauen (z.B. im zweiten Weltkrieg) vorgestellt und die Art und Weise wie mit diesen Frauen umgegangen wurde, ist nicht gerade leichte Kost. Umso wichtiger also, dass auch diese Geschichten erzählt werden!


    Fazit: Absolut lesenswert! Klar, verständlich, eindringlich und wunderbar recherchiert. Aber Vorsicht: Es macht richtig wütend!
    Aber vielleicht sind wir alle auch noch nicht wütend genug.

  8. Cover des Buches Das italienische Mädchen (ISBN: 9783442494828)
    Lucinda Riley

    Das italienische Mädchen

    (482)
    Aktuelle Rezension von: angeltearz

    Ich liebe die Bücher der Autorin sehr. Weil ich einfach ihren Schreibstil und den besonderen Aufbau ihrer Geschichten einfach großartig finde. Sie erzählt die Geschichten von Frauen, die praktisch ihr Schicksal finden. Im positiven Sinne. Ich liebs sehr!

    Gefühlt habe ich auch schon die meisten ihrer Bücher gelesen. Aber es gibt noch einige ältere Bücher von ihr, die ich unbedingt lesen möchte.
    Dieses gehörte auf jeden Fall dazu.

    Ich muss allerdings ehrlich gestehen, dass ich hier und da überlegt habe abzubrechen. Roberto ist so ein ekelhafter Charakter, dass ich das kaum ertragen konnte. Wie er mit Rosanna umging. Richtig ekelhaft. Und die arme Rosanna, die ich gerne schütteln wollen würde.

    Aber ich habe es beendet und ohne zu spoilern kann ich sagen, dass am Ende alles gut wurde. Typisch der Autorin. Man wird einfach nicht enttäuscht.
    Ich habe mich dennoch unfassbar wohl in der Geschichte gefühlt. Auch die Nebengeschichten waren richtig toll und rund. Ich mag es sehr, dass die Autorin sich nicht nur auf die Protas fokussiert, sondern auch den Nebencharakteren ihre Geschichte gibt.

  9. Cover des Buches Unterwerfung (ISBN: 9783832163594)
    Michel Houellebecq

    Unterwerfung

    (309)
    Aktuelle Rezension von: Jule6243

    Zum Inhalt:

    Der Roman ist aus der Sicht des Literaturprofessors Francois geschrieben, der in Paris an der Sorbonne lehrt und mit seinen Worten im besten Alter ist. Sein ganzes Leben hat er sich mit den Gedanken eines anderen Mannes beschäftigt, dem Schriftsteller Huysmans. Ehe und Kinder lehnte er ab, ganz im Gegensatz zu wesentlich jüngeren Studentinnen. Ab und an trifft er sich mit Mirijam. Zu Beginn des Romans wird in Frankreich gewählt. Dabei kommt der Politiker Mohammed Ben Abbas an die Macht, führt eine Theokratie, die Scharia und die Polygamie ein. In Paris gibt es daraufhin Unruhen und Francois verlässt die Stadt für einige Zeit. Mirijam hat bereits das Land verlassen, die und ihre Familie sind Juden und sehen keine sichere Zukunft mehr in Frankreich. Nach einer Zeit der Untätigkeit kehrt Francois nach Paris zurück. Er stellt fest, dass er Pensionsgehalt bekommt, also nicht mehr an der Universität unterrichten soll. Im Hinblick auf seinen Alkoholismus stellt er fest, dass er ohne sinnvolle Arbeit nicht mehr lange leben wird. Kurz darauf verbringt er einige Zeit in einem Schweigekloster und kehrt dann nach Paris zurück. Um wieder an der Universität arbeiten zu dürfen, muss er zum Islam konvertieren. Einige Kollegen haben es schon getan und empfehlen diesen Schritt. Der letze Abschnitt ist im Konjunktiv geschrieben, sodass offen bleibt, ob Francois wirklich konvertiert.


    In paar Gedanken dazu:

    Der Roman greift zwei große Gedanken der aktuellen französischen Politik auf: Einerseits das Erstarken extremer Rechter, andererseits die Islamisierung Europas. Den Roman als Europäer mit christlichem Glauben zu lesen, kann sehr spannend sein. Hier wird den Figuren der Islam, bzw. einige herausgepickte Werte, Normen und Regeln dieser Religion übergestülpt, wie über Jahrhunderte hinweg Christen ihren Glauben anderen Gruppen aufgezwungen haben. Manche mögen meinen: Ausgleichende Gerechtigkeit. Andere sehen den Spiegel, der vorgehalten wird.

    Ich habe von Houellebecq bereits Ausweitung der Kampfzone gelesen. Dass Frauen in seinen Büchern nicht besonders gut wegkommen war mir bereits klar. Doch muss man sich immer vor Augen halten, dass er hier aus der Sicht eines alten weißen privilegierten Mannes schreibt. Ein Mann der sich sein Leben lang nur mit den Texten eines anderen alten weißen Mannes beschäftigt hat. Der Frauen nur durch die Brille sexueller Lust wahrnimmt. Dass von diesem Protagonisten tiefere Gedanken für das andere Geschlecht übrig sind, wäre eine Überraschung.

    Doch bleiben wir bei den Frauen. Francois nimmt die politischen Veränderung vor allem an den Frauen wahr. Er bemerkt andere Kleidung, sieht, dass ein ehemaliger Kollege von ihm nun plötzlich eine zweite Frau hat, ein fünfzehnjähriges Mädchen, obwohl er sein langem schon mit seiner vierzigjährigen Frau verheiratet ist. 

    Ganz bewusst wird nicht näher auf die Situation der Frauen eingegangen. Nicht weil es nicht wichtig wäre oder weil Houellebecq keine Relevanz darin sähe. Es geht um die Sicht Francois, für ihn ist es nicht relevant, Für ihn hat eine Islamische Herrschaft im Land völlig andere Auswirkungen, als auf Frauen. Bevor er dem Islam beitreten will, bekommt er ein Buch ausgeliehen, das die Grundzüge des Glaubens erklärt. Natürlich interessiert er sich besonders für die Polygamie. So ganz kann er der pseudointellektuellen Erklärung nicht folgen und er fragt bei der ersten Gelegenheit bei seinem Kollegen nach. Was er hört, könnte auch aus einem Alphamale-Video transkribiert worden sein. Phrasendreschen vom maskulinen Mann. Ein wildes umher schmeißen von angeblichen biologischen Fakten. Gekrönt mit der, in Incelforen gängigen Meinung, dass manche Männer, gerade gebildete einen Anspruch auf eine oder mehr Frauen haben, er dürfe sich eine aussuchen. Sie sollen glücklich sein, mit einem alten Uniprofessor vermählt zu werden.

    Wenn die männlichen Figuren um Francois jemals Werte hatten, die die Trennung von Religion und Staat beinhalten oder die Eigenständigkeit der Frauen beinhalten (die dürfen ab den Hälfte des Buches größtenteils nicht mehr arbeiten), dann wurden diese schnellstens über den Haufen geworfen. Opportunismus in seiner reinsten Form und natürlich leicht, denn für diese Männer wird es noch angenehmer im leben.

    Der Titel verweist auf das Wort Islam, das übersetzt Hingabe heißt. Hingabe hat etwas sanftes, etwas, was tief aus dem Herzen kommt, wohl überlegt, mit Leidenschaft vorgebracht. Unterwerfung ist mit Widerwillen verbunden. Hier folgt das massenhafte Konvertieren nicht auf eine Hingabe, sondern die Unterwerfung. Von viel Widerwille kann aber nicht die Rede sein, wenn man die Figuren betrachtet, die Uniprofessoren im besten alter sind. Hier verschwimmen die Begriffe.

    Es ist erschreckend zu lesen, dass sich männliche Figuren sofort eine zweite Ehefrau zulegen, obwohl sie mit dem Islam nie etwas am Hut hatten und seit 20 Jahren verheiratet sind. Er darf, also sollte er, also muss er? Der Religion wegen? Er hat die zweite Frau doch verdient, der Maskuline Mann. Sie ist Ware. 

    Die Geschichte steht im Kontrast mit den Personen, die auf Demos am lautesten schreien, sie würden "ihr" Abendland vor einer Islamisierung schütze. Die privilegierten schreien, die Männer, die sich nicht fürchten müssen. Genau die, welche davon in diesem fiktiven Roman profitieren würden. (Meine Meinung: Niemand muss sich vor einer Islamisierung des Abendlandes fürchten, das ist Quatsch)

    Alles in Allem ist der Roman sehr gelungen. Er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich halte die Herangehensweise für originell und mutig. Es wird sich nicht hinter hohlen Phrasen versteckt, denn der Inhalt muss nicht hinter der Sprache versteckt werden. Trotzdem kam mir der Protagonist ausgewaschen und völlig von Emotion befreit vor. Ihn gern zu haben kam gar nicht in Fragen, doch dann hätte ich ihn gerne leidenschaftlicher gehasst.


  10. Cover des Buches Miroloi (ISBN: 9783446261716)
    Karen Köhler

    Miroloi

    (193)
    Aktuelle Rezension von: Ellekens

    „Die tollste Inselgeschichte seit Robinson Cruso“ sagte Denis Scheck – und ich gebe ihm absolut Recht!

    Die Geschichte spielt auf einer Insel, nicht näher benannt, die ein Volk beheimatet, das nach den strengen Vorschriften der Khorabel (Mischung aus Khoran, Thora und Bibel) lebt. Die Vorschriften sind archarisch und unterdrücken die Frauen, die z. B. nicht Lesen und Schreiben lernen dürfen. Ein Verlassen der Insel ist verboten und wird streng bestraft.

    In dieses Dorf wird die namenlose Protagonistin als Neugeborenes in einer Bananenkiste in Zeitungen des letzten Sommers gewickelt vor die Tür des Bethaus-Vaters abgestellt. Dieser nimmt sich ihrer an, doch sie wird nie eine Teil der Gemeinschaft. Im Gegenteil: Sie schuftet, wird geächtet und beschimpft, erfährt physische und sexuelle Gewalt. Da sie kein „Stammbaum“ hat, darf sie nie einen Namen erhalten, nie heiraten und auch keine Familie gründen.
    Doch sie lernt Lesen und Schreiben, verliebt sich und lehnt sich auf!

    Miroloi bedeutet übersetzt „Rede über das Schicksal“ und ist ein von Frauen gedichtetes und gesungenes Totenlied (aus Wikipedia). Dieser Roman ist in Strophen aufgeteilt, das das Lebenslied der Protagonistin wiedergibt, das sie selbst singt, da es sonst keiner für sie tut.

    Was ein besonderes Buch! Die traurige Geschichte besticht durch ihre Form, das Setting und die besondere Sprache. Ich empfand es als absolute Bereicherung in meiner „Lese-Bubble“ und empfehle es jedem!

  11. Cover des Buches Die Vegetarierin (ISBN: 9783351042608)
    Han Kang

    Die Vegetarierin

    (623)
    Aktuelle Rezension von: Helena_Kawaii

    Dieses Buch hat mich nach dem Lesen noch lange weiter beschäftigt.  

    Zuerst möchte ich den besonderen Schreibstil hervorheben. Er ist kühl, präzise aber gleichzeitig trieft er nur von Symbolik und poetischer Sprache. Dieser nüchterne Schreibstil und die fehlende Emotionalität machen die Ereignisse der Geschichte umso eindringlicher und verstörender. Die Entscheidung der Hauptperson „Yong-Hye“ zum Veganismus (der Titel passt eigentlich nicht, da sie auf alle tierischen Produkte verzichtet), darf hierbei nicht als einfache Ernährungsumstellung gesehen werden, sondern agiert vielmehr als radialer Akt der Selbstbestimmung in einem unglaublich starren Patriarchat. Das Buch bzw. viel mehr die Denkweise und das Verhalten der Außenstehenden bzw. vorrangig der Familie von Yong-Hye  haben mich verstört und sehr wütend gemacht. Das Buch verstört also, aber zwingt gleichzeitig dazu, seine eigenen Denkweisen zu hinterfragen. Hans Buch übt gnadenlose Gesellschaftskritik und behandelt dabei Themen wie Machtverhältnisse, Kontrolle, Patriarchat und in gewisser Weise auch Veganismus. Wobei letzteres eher symbolisch zu sehen ist. 

    Besonders beeindruckend finde ich, dass „Die Vegetarierin“ bereits 2007, also vor fast 20 Jahren erschienen ist, aber heute aktueller denn je wirkt. Auch heutzutage hat sich an Themen wie Rollen im Patriarchat, gesellschaftlichem Anpassungsdruck und Selbstentfaltung  in der Gesellschaft kaum was geändert, sodass das Buch sich fast schon wie ein Kommentar zur Gegenwart liest. 

    Hans Werk ist definitiv kein leichtes Werk, aber umso wichtiger. Es verstört, regt aber zum nachdenken an und beeindruckt mit symbolischer Gesellschaftskritik. 

    Bewertung: 5 von 5 Sternen 


  12. Cover des Buches Die Zeuginnen (ISBN: 9783492316651)
    Margaret Atwood

    Die Zeuginnen

    (223)
    Aktuelle Rezension von: MelB2508

    Der Report der Magd ist ein Buch, das mich absolut beeindruckt hat. Ich habe es sowohl auf deutsch als auch auf englisch gelesen. Das Buch endet mit einer Art offenem Ende. Wir wissen nicht mit Sicherheit, was mit "Desfred" und ihren Kindern geschehen ist, wie Gilead gestürzt wurde und was davor geschehen ist. 

    Die Zeuginnen nun nimmt diese losen Fäden auf und gibt uns den Abschluss der Geschichte(n). 

    Es gibt 3 verschiedene "Berichte" - einen aus dem Haus Ardua von der mit Abstand mächtigsten Gründer Tante Lydia und je einen Zeugenbericht von 2 jungen Mädchen, eine davon in Gilead aufgewachsen, die andere im freien Kanada. 

    Die Berichte - und damit Erzählstränge - beginnen langsam und ich brauchte etwas, um richtig herein zu finden. Dann, mit zunehmend schnellerem Wechsel der Perspektiven und schließlich dem Zusammentreffen der 3 Personen und Stränge, war es aber ein echter Pageturner und ich habe atemlos verfolgt, wie die Geschichte weiterging. 

    Stilistisch hervorragend geschrieben - alle Personen haben eine sehr unterschiedliche und eigene Stimme - ist das Buch für mich tatsächlich etwas lesbarer als der Klassiker-Vorgänger. Das Grauenhafte im Report der Magd lag (auch) daran, dass "Desfred" so wenig wusste und so machtlos war. In "Die Zeuginnen" ist eine der 3 Zeuginnen eine absolut mächtige Figur, die alles weiß und hart und grausam handeln musste, um an den Punkt zu gelangen, an dem sie jetzt ist. Als eine der ersten Tanten und Gründerin so vieler furchtbarer Rituale, die Desfred als "normal" erleben soll, hatte sie vorher ein "normales" Leben und war gebildet und angesehen. Ihre Wandlung in eine übertrieben fromme Tante und das scheinbare Anpassen ihres Lebens an die neuen Rollenvorstellungen, die in Gilead herrschten, ist auf eine andere Art und Weise erschreckend als Desfreds Report. 

    Und die beiden jungen Mädchen sind ebenfalls Stimmen, die mich beim Lesen absolut gefangen genommen haben und mit denen ich sehr mit fühlen konnte. 

    Ein absolutes Meisterwerk und Must-Read für alle, die den ersten Band kennen und lieben! 

  13. Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783442770205)
    Deborah Feldman

    Unorthodox

    (289)
    Aktuelle Rezension von: reading_josephine

    Zugegeben, auf dieses Buch wäre ich wahrscheinlich (auch wegen seines unspektakulären Covers) nicht selbst gekommen. But never judge a book by its cover! Und zum Glück gibt es die Bookstagram Gemeinde, die immer wieder solche Perlen ausgräbt 😊.

    Autobiographien sind ja oft so eine Sache, aber der Autorin gelingt es von Anfang an, die Lesenden mit auf ihren Lebensweg zu nehmen. Tatsächlich war mir nicht bewusst, dass in Williamsburg eine solch große Gemeinde der ultra-orthodoxen Juden lebt, ja dies quasi deren eigener Stadtteil ist, obwohl ich New York mittlerweile ganz gut kenne. In der Stadt habe ich sie immer mal wieder gesehen, ohne jedoch viel über ihre Lebensweise und die extreme Auslebung ihres Glaubens zu wissen. Umso interessanter und teilweise wirklich bedrückend fand ich deshalb die Schilderung von Deborah Feldman über ihre strenge Erziehung und die Regeln, denen sie sich über 20 Jahre lang in ihrer jüdischen Gemeinde unterwerfen musste. Es liegt mir fern, diese Religion zu verurteilen, es kann doch jeder selbst entscheiden, wie und was er oder sie glauben möchte. Sobald es aber in Zwänge und vor allem in Unterdrückung der Frau und ihren Rechten endet, darf aus meiner Sicht auch Kritik an patriarchalisch geprägten Glaubensrichtungen erlaubt sein. Vor allem die Praktiken zur Säuberung der "unreinen" Frau haben mich mehr als schockiert zurückgelassen.

    Umso erstaunlicher ist es, dass Feldman sich ihren starken Charakter nie hat zerstören lassen und es ihr letztendlich quasi alleine gelang, aus dieser Welt auszubrechen und ihren eigenen Weg zu gehen.

    Ein bisschen schade fand ich, dass man nichts mehr über ihr Leben direkt nach der Flucht und ihren weiteren Weg in die Freiheit erfährt.
    Diesen Erzählstrang hat die 2020 erschienene, gleichnamige Netflix-Serie aufgegriffen, deren Handlung allerdings frei erfunden wurde. Trotzdem werde ich sie mir jetzt im Anschluss an das Buch anschauen. Und wenn man mehr über das echte Leben der Autorin erfahren will, kann man ihr bei Insta folgen 😉.

  14. Cover des Buches Die schönste Version (ISBN: 9783499014383)
    Ruth-Maria Thomas

    Die schönste Version

    (247)
    Aktuelle Rezension von: alisareads

    So. Ich hab‘s endlich gelesen um mitreden zu können, ich will ja wissen wieso so viele sagen, der Roman hätte eigentlich den Deutschen Buchpreis letztes Jahr gewinnen müssen. 


    Jella wird beinahe von ihrem Partner Yannick ermordet und flieht nach Hause zu ihrem Vater. Dort erinnert sie sich an ihre Jugend, wie sie aufgewachsen ist in den 00er Jahren, ihr Verhältnis zu sich, ihrem Körper, Frausein, Männern, Sex. Es wird ein Bild gezeichnet, das versucht zu erklären, wie man als Frau in einer solchen Situation landen kann, wie man schon in der Jugend als junges Mädchen nicht über Warnsignale aufgeklärt wird, wie früh man mental mit dem Patriarchat verknotet wird.  Eine noble und wichtige Aufgabe, die sich der Roman vornimmt, nur leider scheitert er völlig dabei.


    Sexuelle Gewalt und Übergriffe werden voyeuristisch, vulgär und ohne intellektuelle Auseinandersetzung zur Schau gestellt. Was ein Aufklärungsroman hätte sein müssen, ist lediglich eine Mischung aus beinahe fetischisierter sexueller Nötigung und eine unterkommunizierte, unterkomplexe Behandlung internalisierter Misogynie der Protagonistin. Die Gelegenheit, die Weichen des Patriarchats die schon früh, im Kindesalter, gestellt werden, aufzuzeigen wird völlig versäumt. Dabei hätte sich die Handlung des Buches perfekt dazu geeignet gerade jungen Frauen aufzuzeigen, wo übergriffiges Verhalten anfängt, wie wir von Anfang an dazu sozialisiert werden, zu Opfern ohne Selbstbestimmung zu werden - und wie man da wieder rauskommen kann.


    Für mich als erwachsene Frau sind die Red Flags im Roman eindeutig, aber für eine 14 Jährige nicht - und die braucht Aufklärung dringender als ich, würde von einem intelligenten, aufzeigenden Roman mehr profitieren. Und an diesem Ziel fährt der Roman geradewegs vorbei und gegen die Wand. Da die eigene sexuelle Objektifizierung einer sich dem Patriarchat unterwerfenden Protagonistin komplett im Vordergrund steht, gibt es keinerlei Raum, das Thema häusliche Gewalt oder gar Femizid ernsthaft zu behandeln.


    Was ich fast noch schlimmer finde, ist die aus jeder Seite heraussickernde  Unoriginalität, der verzweifelte Versuch, eine Mischung aus Stefanie de Velascos Tigermilch und Megan Nolans Verzweiflungstaten zu sein. Besonders Verzweiflungstaten dient da als Vorlage, von der sich Ruth-Maria Thomas hemmungslos bedient. Ich sehe das Buch überall im Plot, in den Charakteren, in der Erzählweise, im Selbsthass und Selbstmitleid der Protagonistin. Und genauso wie Verzweiflungstaten ist Die schönste Version gleichermaßen gedankenarm und unbedeutsam, eine einzige literarische Enttäuschung die absolut NICHTS für den modernen Feminismus tut.

  15. Cover des Buches "Wir sind doch alle längst gleichberechtigt!" (ISBN: 9783548065335)
    Alexandra Zykunov

    "Wir sind doch alle längst gleichberechtigt!"

    (41)
    Aktuelle Rezension von: Svenjas_BookChallenges

    Eigentlich sind wir doch alle längst gleichberechtigt – oder? Nein, definitiv nicht. Es gibt in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Deutschland noch viel zu tun – wie viel, das macht Alexandra Zykunov in ihrem Buch sehr deutlich. In einem bissigen, oft humorvollen und sarkastischen und dabei auch wütenden Ton nimmt sie 25 Bullshitsätze auseinander, die Frauen sich heutzutage immer noch anhören müssen. Von „Vermisst du deine Kinder denn nicht, wenn du alleine wegfährst?“ bis hin zu „Frauen wollen doch gar keine Karriere machen“. Ich bin mir sicher, jede von uns hat den ein oder anderen Satz in ihrem Leben schon einmal zu hören bekommen – Alexandra Zykunov erklärt, was hinter solchen Aussagen steckt und vor allem, wie giftig und kontraproduktiv sie in Bezug auf Gleichstellung sind.

    Die Hörbuchfassung liest die Autorin dabei selbst und legt in ihre Lesung jede Menge Wut – manchmal hat frau das Gefühl, sie redet sich regelrecht in Rage, was zwar zum Thema passt, beim Hören aber auch ein wenig herausfordernd sein kann. Grundsätzlich aber hat Alexandra Zykunov mich absolut mitgerissen, mich wütend gemacht und hochgepusht – und bei dem Thema ist das absolut angemessen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass sie sich bei den 25 Aussagen nicht ausschließlich auf Mütter konzentriert – ich konnte mich zwar trotzdem mit vielem identifizieren, hätte mir aber an einigen Stellen doch einen weiteren Blick gewünscht. Aber auch so: „Wir sind doch alle längst gleichberechtigt“ ist ein herrlich wütendes feministisches Sachbuch, das Spaß und wütend macht – eine wunderbare Kombination!

  16. Cover des Buches The Handmaid's Tale (ISBN: 9780099563143)
    Margaret Atwood

    The Handmaid's Tale

    (171)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    I’ve read the book while they decided to prohibit abortions in some of the United States. So it felt kinda surreal to read about a dystopian story like this, while women rights can be so easily dismissed.

  17. Cover des Buches FRAUEN LITERATUR (ISBN: 9783462006650)
    Nicole Seifert

    FRAUEN LITERATUR

    (70)
    Aktuelle Rezension von: Lissy0612

    Nicole Seifert deckt in diesem Buch alle Probleme auf, die Autorinnen in der Literaturwelt haben. Von Anfang an wird Schriftstellerinnen abgesprochen, dass sie auf dem gleichen Niveau schreiben können, wie ihre männlichen Kollegen. Dadurch entsteht der Mythos, die „wahren“ Autor*innen seien männlich.
    Nicole Seifert stellt dar, dass bereits in Zeitungs-, Fernseh-und Radioredaktionen (sogar im Deutschunterricht) eine Vorauswahl getroffen wird. So wird es uns schwer gemacht, überhaupt ein Blick auf die Bücher von weiblichen Verfassern zu werfen.
    „Wir verpassen das Beste, wenn wir in unseren Bücherregalen nicht endlich eine Frauenquote einführen.“
    Mit ihrem inspirierendem und anschaulichem Schreibstil schafft es Seifert, dass man weiterlesen und mehr erfahren möchte, über dieses spannende und wichtige Thema.
    Ein sehr wichtiges Buch, nicht nur für Menschen die „lieber männliche Autoren lesen“ und denken, dass Frauen weniger talentiert im Schreiben sind, sondern auch für alle, die mehr über das Thema Unterdrückung der Frau in der Literatur erfahren wollen.

  18. Cover des Buches Die verlorene Ehre der Katharina Blum (ISBN: 9783423146050)
    Heinrich Böll

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

    (871)
    Aktuelle Rezension von: caro_lin

    Ich fand die Bericht-Form in der es geschrieben ist irgendwie ziemlich zäh, und die verschiedenen Nebencharaktere zu verwirrend, um bis zum Schluss durchzublicken. Vielleicht hätte ich es zügiger durchlesen müssen, aber wie man sieht hat es mich dafür nicht genug gepackt.
    Die Story ist ganz nett, mal was anderes, da man das Ende schon kennt, aber irgendwie auch einfach frustrierend.

  19. Cover des Buches Und alle so still (ISBN: 9783499009235)
    Mareike Fallwickl

    Und alle so still

    (207)
    Aktuelle Rezension von: TanaNel

    Dieses Buch hat mich leider komplett kalt gelassen. Ich fand es überraschend flach, fast schon leblos. Trotz des großen Themas ist bei mir nichts angekommen. Keine emotionale Tiefe, kein inneres Beben, kein Moment, der hängen bleibt.

    Statt Wucht oder Erkenntnis hatte ich das Gefühl, einer Botschaft zuzusehen, die mir permanent erklärt werden will. Viel Aussage, wenig Substanz. Die Figuren blieben für mich blass, eher Träger einer Idee als echte Menschen. Ich habe keinen Sinn entdeckt, der über ein plakatives „Schaut her!“ hinausgeht.

    Was mich am meisten gestört hat: dieses Buch wollte wichtig sein, aber es war es für mich nicht. Es hat nichts in mir bewegt, nichts geöffnet, nichts hinterfragt. Und das ist bei einem Stoff, der eigentlich unter die Haut gehen müsste, fast schon das größte Versäumnis.

    Kurz gesagt: viel Anspruch, wenig Wirkung.

  20. Cover des Buches Lügen über meine Mutter (ISBN: 9783462006575)
    Daniela Dröscher

    Lügen über meine Mutter

    (267)
    Aktuelle Rezension von: Buchfreundin55

    Ja, genau so war es, dachte ich, als ich mit dem Lesen begann. Die Spießigkeit in dieser Zeit, in der fast immer Männer bestimmten, wo es lang geht. Der Roman ist aus der Sicht der Tochter geschrieben. Die Mutter ist nach Meinung des Vaters angeblich zu dick und das Thema wird zum alles bestimmenden Thema in der Familie. Sie soll abnehmen, Diäten machen, wird zum regelmäßigen Gang auf die Waage gezwungen. Mit der Zeit verliert die lebensfrohe und intelligente Mutter an Selbstwertgefühl und wird in eine Sackgasse als schwache Frau getrieben. Das als Kind mitzuerleben, ist schmerzhaft. Selbst als die Mutter eine Erbschaft macht, reißt der Vater es an sich. Der Vater ist beruflich nur mäßig erfolgreich. Das liegt angeblich an seiner zu dicken Frau, die er in seinem Berufsumfeld niemanden vorstellen kann, weil peinlich.

    "Lügen über meine Mutter" von Daniela Dröscher ist eine eindrucksvolle Milieu- und Familiengeschichte, die sich in den 1980er-Jahren in Deutschland im ländlichen Raum wirklich so ereignet hat. Dröscher erzählt sensibel und doch kraftvoll von Beziehungen zwischen Männern und Frauen, der Ursprungsfamilie, Vorurteilen und Geheimnissen in einer Zeit, die geprägt war von fehlender Mitbestimmung und Würdigkeit der Frauen.

    Was den Roman besonders auszeichnet, ist die authentische Figurenzeichnung. Die Autorinwirkt wie eine leise, aber unübersehbare Stimme aus dem Alltag, die sich ihren Raum im familiären Gefüge sucht. Die Mutterfigur – vielschichtig, verletzlich, manchmal widersprüchlich – wird nicht auf eine einfache Rolle reduziert. Die Lügen, die sich um die Mutter ranken, dienen nicht bloß als literarisches Mittel, sondern spiegeln die komplexe Dynamik einer Familie wider, in der Dominanz, Nähe und Distanz, Macht und Ungerechtigkeiten dicht beieinanderliegen.

    Der Roman gelingt es, eine stimmige Atmosphäre der 1980er Jahre zu erzeugen. Die Detailfülle – Alltagsgegenstände, Kleidung, Gespräche, Radiosendungen – lässt mich unmittelbar in diese Zeit eintauchen. 

  21. Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462007541)
    Cho Nam-Joo

    Kim Jiyoung, geboren 1982

    (489)
    Aktuelle Rezension von: Sunflower550

    Wenn ich kurz beschreiben müsste, worum es geht: Um Sexismus und.. nun ja, Sexismus eben. Obwohl misogyne Strukturen in Korea zweifellos von großer Relevanz sind, empfand ich die stetige thematische  Wiederholung und den sehr nüchternen Schreibstil irgendwann als ermüdend und sehr vorhersehbar. Die einzelnen Situationen, die der Protagonistin widerfahren sind, mögen interessant sein., doch wirklich viel Raum für Wendungen oder Spannung bleibt da nicht. Ja, das Buch hat definitiv Passagen, die tief unter die Haut gehen. Es zeigt, wie Frauen unter patriarchalen Strukturen leiden und ich bin mir sicher, dass sich viele Frauen in vielen Teilen der Erde auch heute noch in diesem Leid wiederfinden. Auch stelle ich mir auch vor, wie sich Männer der Lektüre annehmen und Einblicke in einen Alltag als Frau erhalten können und Empathie empfinden können. Leider wurde der Schreibstil durch seine Monotonie dann doch zunehmend anstrengend und der Umstand, dass es sich inhaltlich ständig wiederholt, macht es nicht besser. Trotz des überschaubaren Umfangs musste ich mich regelrecht durchbeißen. Wie hier viele geschrieben haben, ist es eher wie ein Sachbuch geschrieben. Ich hatte  angenommen, es würde nahbarer oder aus einer Innen- Perspektive geschrieben und mich daher abholen, doch stattdessen verursachte dieser Schreibstil  eine gewisse Distanz. Schade. Ich habe den Eindruck, das Buch weiß nicht so recht, ob es ein Roman oder ein Sachbuch sein möchte. War leider nicht so fesselnd, wie ich mir gewünscht hätte.

  22. Cover des Buches Das Tagebuch der Menschheit (ISBN: 9783499631337)
    Carel van Schaik

    Das Tagebuch der Menschheit

    (9)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Evolution und Bibel? - Diese Kombination assoziieren wir mit Streitgesprächen. An vorderster Front sehen wir den Evolutionsbiologen Richard Dawkins,  der sich ‚militanter Atheist’ nennt und erklärt, der Gott des Alten Testaments sei „ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker, ein rachesüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer: ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, grössenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“ 

    Deshalb war ich einigermassen überrascht, als im anthropologischen Museum Zürich eine Zeitung der reformierten Kirche auflag. Noch einmal überrascht war ich, in dieser Zeitung ein Interview mit dem Direktor des anthropologischen Museums Zürich, Carel van Schaik, zu lesen. Thema des Interviews: Der Bestseller ‚Das Tagebuch der Menschheit – Was die Bibel über unsere Evolution verrät’, den van Schaik zusammen mit dem Historiker und Wissenschaftsjournalist Kai Michel schrieb, der in den Zeitungen ‚Die Zeit’,  ‚FACTS’ und ‚Die Weltwoche’ zu Themen Archäologie, Religion und Evolution bearbeitete.

    Tatsächlich zeigen uns van Schaik und Michel Schätze der Bibel, die auch Atheisten begeistern dürften. Sie erreichen dies, indem sie eine eigentlich naheliegende Perspektive einnehmen: Sie lesen die Bibel als ‚Buch der Bücher’, als weltweit reichste Sammlung historischer Zeugnisse, als Tagebuch der Menschheit, in dem über mehr als tausend Jahre verschiedene Menschen ihre Gedanken, Fragen und Ideen festhielten. Diese Berichte vergleichen sie mit den Erkenntnissen der Archäologie und erreichen dadurch ein wesentlich lebendigeres Bild der Antike, aber auch der Frühgeschichte.

    Natürlich bemerken auch die Autoren die Brutalität des alttestamentlichen Gottes. Sie untersuchen aber, wie denn aus der von Dämonen und Geistern erfüllten Welt der Jäger und Sammler ein einziger, allmächtiger, aber grausamer Gott wachsen konnte. Fast könnte man sagen, sie unterziehen den grausamen Gott einer Psychoanalyse und ergründen in dessen ‚frühester Kindheit’, worin denn die Grausamkeit gründet.

    Die originelle und überzeugend belegte These: Durch die Sesshaftwerdung traten ungekannte Naturkatastrophen von geradezu apokalyptischen Ausmassen auf, Katastrophen, welche die Macht von Dämonen oder lokalen Göttern bei weitem überstiegen. Wenn ein Erdbeben eine ganze Stadt zertrümmerte, wenn Hunderte von Menschen in einem Tsunami ertranken oder von einem Vulkan verschüttet wurden, dann musste eine gewaltige Macht dahinter stehen.

    Anschaulich schildern die Autoren, wie sich in den ungeschickt gebauten ersten Städten Seuchen ausbreiten, oft durch Haustiere eingeschleppt, welche in Jägerkulturen noch kaum bekannt waren. Nachvollziehbar ist auch das moralische Dilemma, als die ersten Bauern ihre Felder schützen wollten. In Jahrmillionen langer Evolution hat sich das Naturgesetz in unsere Gene eingegraben, alles, was die Erde hergibt, gehöre allen. Früchte, die noch am Baum hängen, die man aber doch nicht essen darf, waren undenkbar. Ein Bauer, der seine Ernte verteidigt, der wie Kain seinen eigenen Bruder erschlägt, nachdem er ihn heimtückisch mit reifen Feldfrüchten angelockt hat, so etwas gab es unter Jägern nicht.

    Van Schaik und Michel anerkennen die kulturelle Meisterleistung, die intuitive, angeborene Jägerethik zu überwinden und dem Bauern zu seinem überlebensnotwendigen Recht zu verhelfen. Sie machen aber auch klar, welche Kraftanstrengung nötig war, der Jägernatur eine zweite oder gar eine dritte Natur anzuerziehen.

    So führen uns die Autoren durch die Abschnitte der Bibel von der Schöpfungsgeschichte über Moses, die Könige über Jesus bis zu den Evangelisten. Sie berücksichtigen dabei, wann und in welchem Zusammenhang eine Textstelle zum ersten Mal auftaucht und ziehen auch Texte anderer Kulturen hinzu oder hebräische Texte, die es nicht in den offiziellen Kanon der Bibel geschafft haben. Sie zeigen, wie sich parallel zur kulturellen Evolution des Menschen auch der Gott Jahwe entwickelt hat.

    In diesem Punkt unterscheiden sich Van Schaik/Michel am stärksten von Dawkins: Sie zeigen Hochachtung für die grandiose kulturelle Leistung, die angeborene Jäger- und Sammlermentalität zu überwinden und Gesellschaftsformen zu erfinden, die für Bauern, Händler und insbesondere für Städter tauglich waren. Sie honorieren, dass die Bibelautoren diese kulturelle Evolution über weite Strecken initiierten. Tragisch liest sich vor diesem Hintergrund der Satz in Kapitel 19: „Um das Jahr 400n. Chr. Jedoch wurde die Bibel durch die Kanonisierung ihrer Schriften schockgefroren.

    Tatsächlich wurde die Entwicklung des Christentums durch die Kanonisierung zumindest stark gebremst. Kühn scheint mir daher die These, durch das Christentum seien die Wissenschaften und die Demokratie gefördert worden. Wissenschaften seien in einer monotheistischen Religion entwickelt worden, weil es eher denkbar sei, die Gedanken und Pläne eines einzelnen Gottes zu ergründen, als die eines in sich zerstrittenen Pantheon. Natürlich waren bis vor kurzer Zeit praktisch alle westlichen Wissenschaftler Christen oder Juden, wohl aber vor allem mangels Alternativen.

    Spannend ist aber die Frage, die van Schaik und Michel zum Abschluss aufwerfen: Wie würde das Abendland heute aussehen, wenn die Kanonisierung nie stattgefunden hätte? Wie würde die Welt aussehen, wenn wir die Religion nicht eingefroren, sondern stetig weiter entwickelt hätten und heute vielleicht am 5. Testament schreiben würden?

    Das ‚Tagebuch der Menschheit’ ist eine unterhaltsam geschriebene, durchwegs gelungene und empfehlenswerte Hommage zweier Agnostiker an das Buch der Bücher, das wichtigste Buch des Abendlandes.


    Nachtrag vom 1. Oktober 2017
    Im Podcast der Skeptiker Schweiz habe ich ein Interview mit Carel van Schaik zu diesem Buch geführt.

  23. Cover des Buches Das Muschelessen (ISBN: 9783867891806)
    Birgit Vanderbeke

    Das Muschelessen

    (170)
    Aktuelle Rezension von: Lassmallesen_chris

    orab muss ich jeden warnen, der diese Erzählung lesen möchte. Sie lässt sich wirklich ganz schwer lesen. Die Tochter, die als Ich-Erzählerin fungiert, ist zwar (vermutlich) etwa 18 Jahre alt. Doch abgesehen vom Vokabular erzählt sie wie eine Fünfjährige. Fast ohne Punkt und Komma, in ewig-lang verschachtelten Sätzen und mit vielen Wiederholungen und ohne Absätze. Das war anstrengend und ich musste mich durch jede einzelne Seite kämpfen.

    Zugleich war das, was die Tochter berichtet, auf der einen Seite inhaltlich schockierend, aber zugleich so witzig geschrieben, dass ich ganz oft zumindest grinsen musste, etwa bei allem um das Thema „Umstellerei“.

    So wie die Tochter über ihren (abwesenden) Vater schreibt, bekommt man regelrecht Hass auf ihn: Gewalttätig, wenig liebevoll, besserwisserisch, überheblich, beleidigend. Alle leiden unter diesem Tyrannen, trauen sich aber nicht gegen ihn aufzubegehren. Vermutlich war ein solches Verhalten in den 1970er-Jahren – in dieser Zeit soll die Handlung angeblich spielen - gar nicht so ungewöhnlich. Aber auch heutzutage gibt es sicherlich noch Familien, in denen es so abläuft. Man kann jedem nur wünschen, nicht in einer solchen Familie aufzuwachsen.

    Den Schluss fand ich gut gewählt und regt zum Nachdenken an. Inhaltlich ein wirklich tolles Buch, das schwere Kost mit einer humorvollen Schreibe transportiert. Wäre doch nur nicht die Satzgestaltung…die hat einiges in der Bewertung gekostet.

  24. Cover des Buches Feminist Fight Club (ISBN: 9783404609758)
    Jessica Bennett

    Feminist Fight Club

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Jenny1804

    Humorvoll geschrieben, aber hilfreich

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