Bücher mit dem Tag "patriotismus"
18 Bücher
- Martin Walker
Bruno Chef de police
(276)Aktuelle Rezension von: Sanne54Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.
Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.
Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.
Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.
- Sam Bourne
Der Präsident
(107)Aktuelle Rezension von: JourneyGirlDer Name wird zwar nicht erwähnt und der Präsident im Buch heißt auch anders, aber irgendwie erinnert der im Buch beschriebene Präsident einem ehemaligen Präsidenten der USA, vom Charakter und auch vom Verhalten her... Und schon auf den ersten Seiten wird einem Angst und Bange! Zum Glück ist das nur ein Buch und wir haben den echten Präsidenten 4 Jahre lang überlebt! Sehr spannend ist, dass eine Mitarbeiterin im Weißen Haus mitbekommt, dass ein Anschlag auf den Präsidenten geplant ist. Und bei diesem Präsidenten steht sie nun vor dem Dilemma : Soll sie das Attentat verhindern und die Welt einem Tyrannen überlassen oder lässt sie den Mord geschehen... Megaspannend und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen! Geniale Idee für einen Thriller!
- Bill Clinton
The President Is Missing
(83)Aktuelle Rezension von: wanderer-of-wordsManchmal erweist sich ein zufälliger Flohmarktfund als Volltreffer! Bei zwei so prominenten Namen wie Beststellerautor James Patterson und Ex US-Präsident Bill Clinton war ich erstmal skeptisch, doch hier hat die Zusammenarbeit überraschend gut funktioniert.
Erzählt ist die Geschichte – natürlich – aus der Sicht des US-Präsidenten. Eine Cyber-Attacke könnte das ganze Land lahmlegen, ein Verräter im Kabinett erschwert das Abwenden der drohenden nationalen Krise. Die Heldeninszenierung ist typisch klischeehaft amerikanisch: der Präsident ist als Einzelkämpfer unterwegs und legt sich mit den Terroristen an um sein Land zu retten. Am Ende gibt es noch eine ellenlange Rede an die Nation – das hätte es für mich nicht gebraucht und habe ich nach wenigen Sätzen überblättert. Das war es dann aber schon mit den negativen Aspekten.
Klischeehaft? Definitiv. Realistisch? Nicht immer. Trotzdem überwiegt der positive Gesamteindruck. Rasante Szenen, politische Intrigen und überraschende Wendungen sorgen für gute Unterhaltung. Der Spannungsbogen sitzt, der Stil ist flüssig, man liest automatisch Kapitel für Kapitel. Trotz der politischen Elemente bliebt die Geschichte verständlich und überfordert nicht mit Fachjargon oder komplexen politischen Hintergrundinfos.
Fazit
Ein spannende und unterhaltsamer Politthriller, weder zu anspruchsvoll, noch zu banal. Mir hat es sehr gut gefallen! - Markus Thielemann
Von Norden rollt ein Donner
(90)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannKeine Frage, die Geschichte ist in sich schlüssig konstruiert und mit einer Aura umgeben, der man sich kaum entziehen kann – auch wenn so manches Detail ein wenig aus der Spur geraten erscheint, ein wenig zu sehr der Sprache, der Ausdrucksweise die Zügel gelassen werden. Doch die Verknüpfung von Landschaftsgeschichte, historischem Hintergrund und dem aktuellen Geschehen, verbunden mit der persönlichen Auseinandersetzung des neunzehnjährigen Hirten Jannes mit der Familiengeschichte (die auch eine Krankengeschichte umfasst) und seinem Leben mit den Schafen, bildet ein Kompositum, das darauf schließen lässt, dass hier das vollständige Potential des Autors noch nicht gehoben wurde.
Hier hätte allerdings ein sorgfältigeres Lektorat, eine stilsichere redaktionelle Begleitung, die eine oder andere Unwucht aus diesem Werk heraushalten können. So lesen wir dann von „gurrenden Kranichen“ (Tauben gurren, Kranich trompeten) oder von in Pension gehenden Greisen (so schnell wird man auch nicht zum Greis …) und einwachsenden toten Gräsern (ein totes Gras ist tot und wächst weder ein noch auf). Auch wenn man einigen Ausdrücken die metaphorische Fabulierkunst des Autors zugutehalten kann, so sind doch „rumpelnde Geschosse“, „kreischende Maschinengewehrsalven“ (man spürt die räumliche Nähe zur Bundeswehr bzw. zum Rüstungskonzern Rheinmetall, die hier dem möglichst professionellen Töten auf der Spur sind …) oder „knisternde Asche“ zu häufig als Stilmittel gebraucht, irgendwann abgenutzt.
Dennoch ist es gerade die Sprache, die dem Denken und Streben von Jannis eine Welt ermöglicht, die nicht nur real daherkommt, sondern auch Verbindungen entdeckt, die so manch anderem nicht möglich sind, seien diese nun der besonderen Sensibilität eines Hirten für seine Tiere entsprungen oder aber doch eher einem Krankheitsbild, dass sich gelegentlich mit einer gewissen Brutalität Bahn bricht. Eingebunden in die Kontinuität einer ortsfesten Familiengeschichte, die auf engem Raum andere Fragen zulässt als zum Beispiel eine Metropole, in der das Leben ganz anders pulst: „Diese Landschaft hat ihm Stricke um die Glieder gelegt, mit neunzehn.“
Die Geschichte spielt in den Jahren 2014/2015, Deutschland wird Fußballweltmeister, allerdings ist dieser Event so weit weg von dem Geschehen auf dem Heidehof, dass dieses Ereignis eher zu einer Randbemerkung verkümmert. Aber der Wolf. Der Wolf hat es in sich und es den Menschen angetan. Einige wollen ihn einfach nur weghaben, andere ihn schützen – je nach Betroffenheit. „Schüsse sorgen für Ordnung“, so die besondere Haltung des Opas Wilhelm. Der Vater steht irgendwie dazwischen, sorgt mit Schutzzaun, Hirtenhund und einem Feuer zumindest für eine wenig Nachdenklichkeit – auch beim Leser. In Jannis Person verbinden sich die verschiedenen Haltungen zum Wolf mit seinen „Wahnvorstellungen“, die allerdings zur Realität eine starke Verbindung haben. So bleibt für den geneigten Leser recht viel Spielraum, seinen eigenen Vorstellungen, seiner eigenen Haltung neue Nahrung zu geben.
- Linus Geschke
Und am Morgen waren sie tot (Jan-Römer-Krimi 2)
(104)Aktuelle Rezension von: ZahirahDer ColdCase, den Jan Römer mit Mütze in diesem zweiten Serienfall ausgräbt, scheint am Anfang sehr undursichtig. Aber je weiter die Ermittlungen der beiden vorangeschritten waren, wurde mir klar, wer der Täter sein mußte. Aber das war aus meiner Sicht kein Manko, hat der Krimi doch seine ganz eigene, teils gruselige, Atmosphäre.
Der Schreib- und Erzählstil ist einfach und schnörkelos, so dass der Krimi leider zu schnell ausgelesen war. Alles in allem hat mir auch dieser neue Fall mit dem cleveren Ermittlerduo wieder gut gefallen, so dass ich das Buch auch gern weiterempfehlen möchte und meine Bewertung sind 4 von 5 Sterne.
- David Baldacci
Escape
(32)Aktuelle Rezension von: danubeAn dem Buch fand ich absolut gar nichts spannend. Die Story was ein wenig zu kompliziert und für meinen Geschmack viel zu amerikanisch patriotisch. Keine intriganten Verstrickungen, kein Sex, kein Tekkie Zeugs, einfach nur hide and seek und selbst das nicht so richtig.
- Stephan Orth
Couchsurfing in Russland
(58)Aktuelle Rezension von: HoldenNach der Besetzung der ukrainischen Krim durch Rußland, aber bevor dem aktuellen großen Angriffskrieg gegen die Ukraine reiste Stephan Orth via Couchsurfing durch Rußland, von West bis Ost. Schwierig, unter diesen Bedingungen neutral über Russen und Rußland zu schreiben, auf jeden Fall sind wird auf die porträtierten jungen Russen angewiesen, wenn wieder eine Annäherung an Rußland erfolgen soll. Interessant, wie unterschiedlich die Russen über Deutschland, Europa und Putin urteilten, für mich als Brillenträger wichtig, daß einem im russischen Winter bei -40 Grad Celsius die Brille im Gesicht festfrieren kann. Leider fehlt ein Foto der bildhübschen Nestea-Trinkerin. Gowno!
- Ken Follett
Mitternachtsfalken
(239)Aktuelle Rezension von: MalinoisbaendigerDer Roman erlebt die Widerstandsbewegung einiger engagierten jungen Engländer zusammen mit jungen Dänen, welche der Besetzung Dänemarks durch Deutschland ausgeliefert wurden und Hitlers Vormarsch auf Russland stoppen wollen.
In Mitternachtsfalken gelang es Ken Folett, mich die ganze Zeit in eine enorme Spannung zu versetzen. Vom Anfang bis zum Ende lies es sich flüssig lesen. Die Protagonisten wurden klar dargestellt, sodass man mit den einzelnen Namen nicht durcheinander kam. Es wurde auch eine zarte Liebesgeschichte mit in die Handlung eingebracht, die für mich ebenfalls sehr angenehm zu lesen war, dennoch aber nicht dominand in den Fordergrund gerückt ist und so den Rest des Buches ins Abseits geschoben hat. Daher von mir eine klare Leseempfehlung mit 5 Sternen.
- Ben Fountain
Die irre Heldentour des Billy Lynn
(10)Aktuelle Rezension von: smayrhoferBei einem gefährlichen Einsatz im Irak-Krieg wird das Team Bravo von einem eingebetteten Kamerateam begleitet. Das Video macht in der Heimat Furore und die beteiligten Soldaten zu Helden. Was liegt also näher, diese zu Propagandazwecken zu einer „Victory Tour“ durch die Heimat zu kutschieren? Am letzten Tag dieser Tour – kurz vor der unvermeidlichen Rückkehr in den Irak und den Krieg – sind die „Bravos“ am Thanksgiving Day Ehrengäste bei einem Footballspiel der Dallas Cowboys und erleben allerhand groteske Begegnungen, inklusive Romanze mit einer hübschen Cheerleaderin und Beteiligung an einer merkwürdigen Halbzeitshow…
„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ handelt zwar indirekt vom Irak-Krieg, ist aber weder ein Kriegs- noch ein Antikriegs-Buch, er legt im vorliegenden Buch vielmehr den Finger in eine andere Wunde, nämlich der des Kampfes an der Heimatfront. Die Handlung des vorliegenden Buches beschränkt sich vorwiegend auf den letzten Tag der Victory Tour, andere Ereignisse wie die eigentlichen Kriegserlebnisse oder Billys Besuch bei seiner Familie werden in kurzen Rückblenden angeschnitten. Hier erleben die Bravos noch einmal in komprimierter Form die ganze Absurdität besagter Heimatfront. Es zeigt sich, dass die in den Krieg geschickten Soldaten trotz aller Beteuerungen oftmals alleine gelassen werden – von Politikern, die sich in der Vergangenheit selbst vor dem Krieg gedrückt haben; von Wirtschaftsleuten, die auch hier nur auf Profit aus sind; aber auch vom Durchschnittsamerikaner, der zwar „stolz“ auf seine Soldaten ist, aber zu mehr als ein paar Schulterklopfern nicht bereit ist. Auch die Begegnung mit den Profi-Footballern der Dallas Cowboys zeigt, dass letztere überhaupt keine Vorstellung davon haben, was im Krieg passiert oder welche Probleme und Gefühle die Soldaten umtreibt. Letztendlich sind die Bravos also nur willkommene Staffage in einem gut geölten Mechanismus und sind sozusagen zuständig für die Komponente „Menschlichkeit“, auch wenn sie selbst kaum welche erfahren. Und so schafft es der Autor, dass die Bravos dem Leser irgendwie ans Herz wachsen - trotz ihrer teilweise rüden Ausdrucksweise, ihres Benehmens und ihrer Taten.
Sprachlich beginnt die Geschichte etwas holprig, steigert sich aber im Verlauf des Buches zu einer bitterbösen Satire mit unverhohlener, deutlicher Kritik an der amerikanischen Gesellschaft. Der Roman ist aber trotz (oder wegen?) dieses kritischen Untertons äußerst kurzweilig, obwohl sich die Handlung – abgesehen von ein paar Rückblenden – hauptsächlich auf die Ereignisse im Stadion beschränkt. Das Ende ist dann in zwar wie ein „Anti-Klimax“, auf der anderen Seite aber auch logisch und folgerichtig. Mich hat das Buch mit seinem Spagat zwischen unterhaltsamen Gegenwartsroman und kritischer Satire berührt und fasziniert, deswegen gibt’s von mir die volle Punktzahl. - Celeste Ng
Unsre verschwundenen Herzen
(191)Aktuelle Rezension von: GruenenteBird ist 12 Jahre alt uns lebt ein einsames, trauriges Leben gemeinsam mit seinem Vater Ethan. Birds Mutter Margaret ist verschwunden. Denn sie wird wegen „Aufwiegelung“ polizeilich gesucht.
Das Buch spielt in den USA, in einer nicht näher spezifizierten Zukunft, oder einer parallelen Gegenwart. Wir befinden uns in einem dystopischen Roman, in einer amerikanischen Gesellschaft, die von PACT (Preserving American Culture and Traditions) reguliert wurde, einem Gesetzespaket, das unamerikanische Einflüsse stoppen soll. Ode genauer gesagt, das asiatische Einflüsse unterbinden soll. Denn Das Land hat eine sehr schwere Wirtschaftskrise durchgemacht. Die Gründe wurden nicht im eigenen Land gesucht, sondern China wurde als Verursacher angeprangert. So entstand ein unglaublicher Rassismus gegen alle asiatisch-stämmigen Mitbürger.
Alle Menschen, die gegen PACT protestierten, wurden direkt eingesperrt oder, sie wurden unter Druck gesetzt, indem man ihnen die Kinder nahm. Diese Kinder wurden dann weit entfernt in Pflegefamilien oder Heime gesteckt und ganz der eigenen Identität beraubt.
Nachdem eine Zeile aus einem Gedicht, das Birds Mutter veröffentlicht hat, als Leitspruch für eine Anti-PACT-Bewegung, hergenommen wurde galt Margaret automatisch auch als Aufständische. So verschwand sie. So konnte Ethan zumindest seinen Vater behalten.
Unzählige Kinder wurden unter dem Deckmantel von PACT aus ihrem Zuhause gerissen. Eine wahre Hexenjagd zog sich durchs Land. Passte der Nachbar nicht, wurde er anonym angezeigt, das Kind wurde mitgenommen. Entsetzlich.
Das Buch handelt größtenteils von Bird, seinem Leben mit seinem Vater. Da auch Bird asiatisches Blut in den Adern hat, wurde er in der Schule gemobbt, hatte keine Freunde, war total vereinsamt.
Als Bird eine Nachricht seiner Mutter findet macht er sich auf die Suche nach ihr. Dabei erfährt er ihre Geschichte. So werden die Beweggründe für ihre Flucht und die Motivation für ihre Gedichte und Taten erst richtig klar.
Das Buch gefällt mir sehr gut, poetisch, spannend, bestürzend, lehrreich. Einfach klasse!
- Thea Dorn
deutsch, nicht dumpf
(5)Aktuelle Rezension von: leserattebremenWir müssen uns aktuell vielen Fragen stellen: Wie gehen wir mit den Migrationsbewegungen weltweit um, wie mit dem Erstarken einer neuen rechten Partei, die es sogar in den Bundestag geschafft hat? Wie nehmen wir Menschen mit, die sich abgehängt fühlen und geht es uns nicht eigentlich viel zu gut, um auf Deutschland zu schimpfen? Thea Dorn hat mit „Deutsch, nicht dumpf“ ein sehr vielschichtiges und komplexes Buch über die deutsche Geschichte, das Problem der Deutschen mit dem Patriotismus und die wichtige Unterscheidung von blindem Nationalismus und aufgeklärtem Patriotismus geschrieben.
Wichtig ist bei diesem Buch vor allem der Untertitel: „Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“, denn genau das versucht die Autorin- meiner Meinung nach äußerst erfolgreich – zu leisten. Sie arbeitet sich ab am Kultur- und Zivilisationsbegriff, der Debatte der Leitkultur, die politischen und historischen Elemente der deutschen Vergangenheit, den ruhmreichen ebenso wie der dunklen Zeit von Krieg und Vernichtung. Dabei lässt sie die Leser auf sehr klare und übersichtliche Art an ihren Gedanken teilhaben und zeigt Möglichkeiten und Probleme auf, mit denen wir uns unweigerlich auseinandersetzen müssen. Dabei verfällt sie glücklicherweise nicht der Gefahr, einfach auf der AfD rumzuhacken und den Grund für alle Probleme in der gefühlten Benachteiligung bestimmter Personengruppen zu suchen. Zwar macht sie sehr klar, dass sie die AfD und ihr verbundene Bewegungen für eine große Gefahr hält und deren Argumente für schwach und fadenscheinig, doch dies stets differenziert und fundiert. Man kann noch viel lernen aus der Lektüre von „Deutsch, nicht dumpf“ und sollte sich viele Gedanken, wenn schon nicht zu eigen machen, dann doch wenigstens mitnehmen in die täglichen Debatten und in Hinterkopf haben bei der täglichen Zeitungslektüre. Wir laufen Gefahr, den platten Nationalismus und der Abneigung gegen alles Fremde zu verfallen, wenn wir uns nicht einen aufgeklärten, wachen Patriotismus zu Eigen machen, der um seine Gefahren weiß und dennoch positiv daherkommt.
Thea Dorn hat mich mit ihrem Buch „Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“ mitgenommen auf eine spannende Reise durch deutsche Geschichte, Philosophie und Kultur, zu Problemen und Risiken ebenso wie zu Leistungen, auf die man ohne Zweifel auch heute noch stolz sein kann. Wem die Lektüre zu anstrengend erscheint, dem sei ein Satz der Autorin ans Herz gelegt: „Der Weg von „Fast News“ zu „Fake News“ ist verdammt kurz.“ (S.330). Darum ist es wichtig, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen. - George Saunders
Die kurze und schreckliche Regentschaft von Phil
(8)Aktuelle Rezension von: PaperboatInnen-Horner ist ein so winziges Land, dass nur eine einzige Person darin Platz findet. Gegenwärtig ist Elmer dessen Bewohner. Wenn es Zeit ist zu tauschen, darf aus der Kurzzeitaufenthaltszone von Außen-Horner jemand den Platz einnehmen. Doch dazu kommt es nicht, denn eines Tages wird die Ordnung durcheinandergebracht, als eine Erschütterung die Grenzen von Innen-Horner verschiebt und sich Elmer zu ¾ im Außen-Horner befindet, wo er einen Invasionsalarm auslöst. Die Kurzzeitaufenthaltszone wird zum Kampfplatz zwischen Grenzen und Stacheldraht, in der immer mehr der nicht menschlichen, nicht pflanzlichen, nicht maschinellen, aber von-allem-etwas Bewohner:innen diskriminiert und kriminalisiert werden - während der kurzen und schrecklichen Regentschaft von Phil.
George Saunders surreale Gestalten sind Täter und Opfer einer Machtübernahme mit anschließender kurzer Diktatur, die auf knapp 120 Seiten erzählt ist und um ein hochinteressantes Nachwort ergänzt wird. Aktueller könnte ein fiktives Werk gerade in der jetzigen (welt-)politischen Lage nicht sein.
Auf die Geschichte, die Saunders beschreibt, muss man sich mit einer gewissen Offenheit einlassen können ohne den Anspruch zu haben, das Land und seine Bewohner vollkommen verstehen zu wollen. Der Doppelzehner €uro ist in dieses Buch ist eine Investition, die sich absolut lohnt. - Jonathan Coe
Bournville
(30)Aktuelle Rezension von: AcEastendIch gestehe! Dadurch, dass meine Oma nach dem Krieg, mit 2,- DM in der Tasche eines geliehenen Mantels, nach England ging und dort auf meinen Opa traf, der aus Schlesien stammte, hat mich diese Geschichte noch mehr gepackt. Denn dort trafen sie anfangs auf viel Hass. Nur eine Familie öffnete die Türen für meine Großeltern, die mittlerweile meine Tante und meine Mutter hatten. Eine enge Freundschaft entstand, die über die Generationen bestehen blieb und hoffentlich noch lange bleibt. So spielte Cadbury Schokolade und PG Tips Tee schon immer eine Rolle für mich und schmeckte nach süßer Freundschaft und warmer Vertrautheit.
Man könnte mir nun unterstellen, dass ich das Buch nur mochte, da es von einer Familie aus einer Wohnsiedlung der Firma Cadbury handelt und mir vor Augen führte, wie besonders wertvoll diese tiefe Freundschaft zu meiner gefühlten Verwandtschaft, aus den Midlands, ist. Aber auch mein Buchhändler stellte es mit Nachdruck und Inbrunst vor und war völlig begeistert von den politischen Kontroversen und Lebensstilen innerhalb einer Familie, in deren Konstrukt wir von der Nachkriegszeit bis Corona einen tiefen Einblick bekommen, uns an historische Ereignisse erinnern, die wir selbst alle verfolgt haben und dabei auch noch etwas über Schokolade lernen. Auch ohne eine Tafel Cadbury ein wahrer Genuss! Mit natürlich ein doppelter!😉 And very British! 🇬🇧🍫👍🏼👍🏼👍🏼
- Terry Pratchett
Fliegende Fetzen
(5)Aktuelle Rezension von: JorokaEin Eiland taucht mitten aus der tiefen See auf und zwei Reiche beanspruchen es für sich. Das riecht nach Ärger. Klatsch und Ankh-Morpork rüsten sich für einen Krieg. Doch nicht jeder ist bereit, diesen Wahnsinn mitzumachen ..
Eine Geschichte von der Scheibenwelt mit Samuel Mumm und seiner Truppe im Zentrum. Es geht um Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und die Irrationalitäten eines Krieges. Pratchett versteht es einmal mehr, daraus einen haarsträubenden Handlungsverlauf zu kreieren, und mit viel Augenzwinkern, den Großen dieser Welt einen enthüllenden Spiegel vorzuhalten.
Das Hörbuch wird von Volker Niederfahrenhorst gelesen. Das alleine ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, denn jede Figur erhält durch seine Kunst nochmals einen ganz individuellen Charakter.
Fazit: genial
- Pieter M. Judson
Habsburg
(7)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
Als Mensch, der Joseph Roth zu sienen Lieblingsautoren zählt, habe ich irgendwie dessen ambivalente Haltung zurm ausgehenden Habsburgerreich übernommen, auch wenn ich, historisch gesehen, ein westfälischer Preuße gewesen wäre. Einerseits trauert Roth um dieses untergegangene Gebielde, das er als sein einziges Vaterland bezeichnet hat, andererseits sieht er durchaus dessen anachronistische Züge, die es dem Untergang geweiht erscheinen ließen.
Pieter M. Judson hat mit seiner Studie "Habsburg. Geschichte eines Imperiums 1740 -1918" den Versuch unternommen, zu überprüfen, ob dieser Untergang tatsächlich vermeidbar gewesen wäre. Und siehe da, er stellt einige Thesen auf, die durchaus bedenkenswert sind. Das Haus Habsburg hatte die vielleicht undankbare Aufgabe, dieses üblicherweise als Vielvölkerstaat bezeichnete Gebilde zusammenzuhalten, und das gelang aus der Retrospektive betrachtet, eigentlich überraschend gut, wie allein schon die Dauer des beschriebenen Zeitraums, der ja längst nicht die gesamte Geschichte des Hauses Habsburg umfasst, zeigt.
Was war der Kitt, der diese Vielzahl unterschiedlicher Völker zusammenhielt? Judson belegt mehrfach, dass es die Loyalität gerade der unteren Schichten war, die sich vom durch das Herrscherhaus repräsentierten Staat Unterstützung in der Auseinandersetzung mit den adligen Grundherren, später auch den bürgerlichen Kapitalisten erhofften. Und tatsächlich, zahlreiche Reformen im Laufe des beschriebenen Zeitraums verschafften ihnen zunächst rechtliche Gleichheit, sukzessive auch Wahlrecht, bis dann 1907 im cisleithanischen Bereich sogar das allgemeine (Männer-)Wahlrecht eingeführt wurde. Doch damit wurde gleichzeitig eine Art Gegenentwicklung eingeläutet, denn nationalistische Parteien, von denen es ja nun weiß Gott genug im Vielvölkerstaat gab, brauchten und missbrauchten den Druck der Massen, um ihre immer radikaler werdenden Forderungen durchzusetzen. Doch Judson vertritt die These, dass die Loyalität der Bevölkerung gegenüber dem Haus Habsburg bis zum Kriegsbeginn letztendlich höher war als das Zugehörigkeitsgefühl zu irgendeiner ethisch definierten Nation. Erst das Versagen des Staates bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und das Misstrauen, das vor allem die Militärführung Minoritäten gegenüber hegte, die potentiell mit den Feindstaaten verbunden sein könnten (Italiener und Slawen), zerstörten diese Loyalität, sodass 1918 das Habsburgerreich in zahlreiche Nachfolgestaaten zerbrach, die, Ironie der Geschichte, oft selbst alles andere als ethnisch homogen waren und mit ihren jeweiligen Minderheiten so verfuhren, wie sie es der Habsburgermonarchie oft zu unrecht vorwarfen (In diesem Kontext sei auf die kongeniale Studie Walter Rauschers, Das Scheitern Mitteleuropas" verwiesen, die zeitlich an Judson anknüpft, verwiesen). Dort war immerhin der Unterricht in der jeweiligen Muttersprache die Regel, wenngleich Deutsch so etwas wie die Verwaltugssprache in den cisteithanischen, ungarisch in den transleithanischen Ländern war. Wie so oft ist und war es also das Gift des Nationalismus, dass Menschen, die zuvor in Frieden zusammenleben konnten, entzweite und bittere Konflikte bis hin zur Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg auslöste. Und in diesem Sinne wird auch deutlich, warum gerade Juden wie Joseph Roth dem untergegangenen Reich nachtrauerten, denn anders als ihre nichtjüdischen nachbarn konnten sie sich keiner Nation einordnen, da sie von allen als Fremdkörper ausgegrenzt wurden.
Eine kleine Enttäuschung, die der Autor allerdings nicht zu verantworten hat, sind einige überflüssige Rechtschreibfehler, die einem so renommierten Verlag wie dem Beck-Verlag nicht unterlaufen sollten. So wird auf S.493 darüber berichtet, dass Lehrer an die "Form" geschickt wurden, womit offensichtlich Front gemeint ist, und auf S.658 findet sich in einer Anmerkung das Wort unstritten, wobei sowohl die Lesart umstritten wie unstrittig denkbar ist. Schade.
- Navid Kermani
Vergesst Deutschland!
(3)Aktuelle Rezension von: BibliomaniaMan kann wohl eher nicht von einem Buch sprechen, wenn man Kermanis Streitschrift zum Thema Patriotismus und was Literatur dazu beiträgt bzw. beigetragen hat, liest. Erschreckend und erhellend ist es allemal!
In dieser Rede geht es zunächst einmal um Beate Zschäpe und wie Sie vor Gericht gelandet ist. Kermani spricht davon, was heutzutage unternommen oder nicht unternommen wird, um solche Fälle aufzuklären, wie damit in den Medien und wie Deutschland damit umgeht. Er zieht Kreise bis über Goethe und Lessing, um dann auch in der Gegenwartsliteratur bzw. im Sachbuch zu landen. Ich möchte gar nicht viel zum Inhalt sagen, da das Heft nicht sehr dick ist. Es lohnt sich auf jeden Fall und vielleicht denkt der ein oder andere dann auch doch noch einmal ganz anders über den Umgang und Terrorismus, Patriotismus und der mehr oder weniger kritischen Literatur dazu.
- Carola Schneider
Mein Russland
(14)Aktuelle Rezension von: kruemelmonster798Carola Scheider nimmt ihre Leser mit nach Russland und versucht anhand von elf unterschiedlichen Porträts das Land zu beschreiben.
Sie schreibt in ihrem Vorwort, dass ihr Buch weder eine repräsentative gesellschaftliche Studie noch eine wissenschaftliche Analyse ist, sondern eine zutiefst subjektive Auswahl von Menschen, die sie auch ebenso subjektiv beschreibt.
Anhand der Porträts, die völlig unterschiedliche Menschen, ihre Hoffnungen, ihre Erfahrungen, ihr Leben mit vielen Widrigkeiten zeigen, kann man Russland ein wenig kennenlernen.
Elf Porträts sind jetzt zwar nicht viel, aber ich fand die Auswahl der Interviewpartner/-innen in ihrer Unterschiedlichkeit hat schon einen Einblick ermöglicht, was Menschen in Russland umtreibt.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin die Menschen manchmal auch nach einiger Zeit wieder getroffen hat und berichtet, was nach dem Gespräch noch geschehen ist.Der Schwerpunkt liegt auf der politischen Situation und weniger auf dem Alltagsleben.
Mein Fazit: Leicht lesbarer und interessanter - sicherlich subjektiver - Einblick in ein großes, vielschichtiges Land.
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