Bücher mit dem Tag "polen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "polen" gekennzeichnet haben.

268 Bücher

  1. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

    (491)
    Aktuelle Rezension von: Kyra112

    Die nächste Generation steht vor den Herausforderungen der Nachkriegszeiten und stolpert damit mitten in den Kalten Krieg. Während George in den USA gegen die Unterdrückung der Schwarzen kämpft, muss sich Rebecca mit dem System in der DDR auseinandersetzen, ebenso wie ihr Bruder Walli und auch in Großbritannien gibts die ein oder andere Herausforderung.

    „Kinder der Freiheit“ von Ken Follett ist der Abschlussroman der Jahrhunderttrilogie.

    Ich habe dieses Buch wirklich mehrere Jahre vor mir hergeschoben. Nicht, weil mich der Roman abschreckt, sondern die Dicke des Buches.
    Ken Follett schreibt wirklich sehr realistisch und auch absolut mitreißend. Es gab viele Abschnitte, bei denen ich einfach ganz schnell weiterlesen wollte, weil’s wirklich spannend war. Auch hat mich das Buch animiert, einzelne historische Ereignisse oder Personen noch einmal nachzuschlagen und mich fundierter zu informieren. 

    Hin und wieder bin ich bei den Figuren durcheinander gekommen. Es sind ja doch einige Personen und damit Handlungsstränge, die hier behandelt werden und manchmal waren mir die Sprünge zu abrupt, sodass ich erstmal kurze Zeit zum Überlegen brauchte, um zu realisieren, über welche Figur ich nun lese.

    Nervig waren die vielen Beziehungen oder nicht-Beziehungen. Da war ja wirklich bei der neuen keine Beziehung dabei, die wirklich funktioniert hat. Irgendwie hat jeder es geschafft, das Ganze in den Sand zu setzen.

    Mich hat der Teil um die Kennedys etwas gelangweilt. Das war mir alles zu viel, während man zum Schluss das Gefühl hatte, Ken Follett rennt durch die Geschichte, also gerade, was die 70er/80er Jahre betrifft.

    Es war ein interessantes Buch, aber es war mir doch etwas zu viel des Guten. Wer gerne solche dicken Wälzer liest, ist hier richtig, aber für jene, die es eher kompakter lieben, ist der Roman gar nichts.

  2. Cover des Buches Alles ist erleuchtet (ISBN: B005C37GUW)
    Jonathan Safran Foer

    Alles ist erleuchtet

    (529)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Ich habe zuerst den Film gesehen, zu dem das Buch als Vorlage diente; und dieser hat mir ausgesprochen gut gefallen. Normalerweise ist man von der filmischen Umsetzung eines literarischen Werkes enttäuscht, im vorliegenden Fall war es gerade umgekehrt.

    Die Geschichte eines jungen jüdischen Amerikaners (Jonathan Safran Foer), der in die Ukraine fährt und sich dort mit Hilfe eines radebrechenden, machohaften Reiseführers und dessen "blinden" Opa als Fahrer, nebst "Blindenhund" auf die Suche nach der Vergangenheit seines eigenen Großvaters macht, ist im Buch als eine der vier Handlungsstränge enthalten.

    Daneben geht es um die Geschichte von "Brod", die dem gleichnamigen Fluss "entspringt", als ihre Eltern im Jahre 1791 dort mit Fuhrwerk in den Fluten versinken; des weiteren um die Geschichte der Heirat von Jonathans Großvater vor Zerstörung des Schtetls um 1940 und um die Kommentare von Alex, dem ukrainischen Reisebegleiter von Jonathan, der scheinbar diese Geschichten Korrektur ließt.

    Ganz schön verwirrend und so kam es mir beim Lesen auch durchgehend vor. Hätte ich zuvor den Film nicht gesehen, hätte ich bezüglich Orientierung wohl auch gewiss einige Probleme gehabt. Nun, das mag "innovativ" sein, aber meinem Lesevergnügen zumindest nicht zuträglich.

    Natürlich sind alle Geschichten miteinander verwoben und auch Alexs Großvater ist involviert. Ein bisschen dick aufgetragen, wie ich finde.

    Negativ aufgestoßen ist mir auch die unnötig obszöne Sprache, die in manchen Passagen benutzt wird.

    Fazit: Insgesamt kein wirklich schlechtes Buch. Aber es kommt halt wie ein besonders bemühtes Erstlingswerk eines noch nicht ganz ausgereiften Schreiberling rüber.

  3. Cover des Buches 28 Tage lang (ISBN: 9783499211768)
    David Safier

    28 Tage lang

    (574)
    Aktuelle Rezension von: yana27

    1943, Mira  lebt im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel in das Ghetto, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah durchzubringen. Ihr Bruder ist bei der verhassten Judenpolizei und ihre Mutter vegetiert seit dem Tod des Vaters vor sich hin. Die ganze Verantwortung der Familie liegt auf den zarten Schultern von der 16 jährigen Mira. Trotz der desolaten Lage wächst eine zarte Liebe zwischen Mira und Daniel, einem Waisenkind. 

    Es sind die letzten Tage des Warschauer Ghettos, da die Deutschen die Räumung und letztendlich die Tötung der Ghettobewohner beschlossen haben. Mira schließt sich dem Widerstand an, die von dem charismatischen Amos angeführt wird. 28 Tage lang haben die Juden- trotz bescheidenen Mitteln- Widerstand gegen die Nazis geleistet. Die Totgeweihten haben gezeigt, dass sie nicht kampflos ihrem Schicksal fügen werden. 

    Von David Safier haben ich lustige Bücher wie "mieses Karma" oder " Jesus liebt mich" gelesen- allesamt sehr lustig und amüsant.

    Ich hatte Zweifel, ob David Safier so ein sensibles Thema wie Judenverfolgung und Warschauer Ghetto ohne Klamauk handhaben kann.

    Und hat Safier mich überzeugen können?   Und ob!! 

    Die beengten und chaotischen Verhältnisse im Warschauer Ghetto wurden sehr gut dargestellt, die starke Figur Mira mit ihrer hoffnungslosem Schicksal war beeindruckend.

    Viele zeitgenössischen Figuren wie Janusz Korczak und deren Schicksale wurden dargelegt. Die Szene, wo eine Frau Mira wortlos ihr eigenes Baby in die Hand drückt, hat mir das  Herz gebrochen. 

    Ich bin angenehm überrascht, wie David Safier sensibel und ernst dieses Thema angegangen ist. 

    Fazit: Unbedingt lesen!


  4. Cover des Buches Mein Leben (ISBN: 9783641135508)
    Marcel Reich-Ranicki

    Mein Leben

    (251)
    Aktuelle Rezension von: ugadenne

    Eigentlich steht es mir sicher nicht an, einen derart großartigen Kritiker zu rezensieren. Ich probiere es trotzdem.

    Dieses autobiographische Werk schildert das ganze Leben von Marcel Reich-Ranicki. Der Autor schreibt in einem nüchternen, sachlichen Ton, trotzdem kann man die Gemütsbewegungen während des Lesens spüren

    Es beginnt bei der Kindheit und Jugend in Berlin, wo er sich schon der Literatur verschrieben hat. Dann folgt die Deportation nach Polen und anschließend das Leben im Warschauer Getto. Dieser Teil hat mich total erschüttert. Es ist erstaunlich was Menschen anderen Menschen antun können. Und es ist noch erstaunlicher, dass Menschen das alles überlebt haben. Und trotz allem, ist die Liebe zu Literatur und Musik erhalten geblieben. Oder haben diese beiden ihm geholfen, das alles zu überstehen? Es muss grausam sein, alle seine Verwandten und Freunde zu verlieren. Trotzdem schafft er es, diesen Teil ziemlich nüchtern zu beschreiben. Trotzdem steht so vieles zwischen den Zeilen. 

    Es folgt die Blitzheirat mit Tosia, damit sie bei ihm im Getto bleiben darf. Später die Flucht und das Leben im Untergrund. Dieses Buch sollte eine Warnung für alle sein, die nach rechts driften! 

    Die Beschreibung seiner kurzen diplomatischen Karriere und die diversen Begegnungen und Freundschaften mit zeitgenössischen Autoren runden das Bild ab. Die Enttäuschung über viele seiner zeitweisen Freunde und Wegbegleiter kann er nicht verbergen. Ebenso haben die Ressentiments gegen Juden ihn sein Leben lang begleitet. Glücklich war er, dass sich sein Jugendtraum, Kritiker zu werden, erfüllt hat. 

    Marcel Reich-Ranicki war sicher nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, woraus er auch gar keinen Hehl macht. Aber dieses Buch hat mich sehr ergriffen und fasziniert. Teil vier und fünf waren meines Erachtens teilweise zu langatmig, ja fast langweilig und ich hatte Mühe bis zum Ende durchzuhalten. 

    Trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung von mir. 

  5. Cover des Buches Der Winterpalast (ISBN: 9783518467176)
    Eva Stachniak

    Der Winterpalast

    (286)
    Aktuelle Rezension von: Egata

    Das Dienstmädchen Varvara kommt an den russischen Zarenhof. Sie lernt alle wichtigen Leute kennen, vor allem auch die spätere Katharina die Große, mit der sie sich anfreundet. Die Geschichte erzählt, wie aus der vierzehnjährigen deutschen Prinzessin die russische Kaiserin wird. Dabei erfahren wir viel über die Intrigen und das Leben am Hof, den Neid und den Streit zwischen den vielen Günstlingen, stilistisch sicher, spannend und interessant erzählt. Lesenswert!

  6. Cover des Buches Die Verlorene (ISBN: 9783596710546)
    Miriam Georg

    Die Verlorene

    (247)
    Aktuelle Rezension von: Simone_081

    Abbruch nach 210 Seiten

    Dieses Buch hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich deutsche Bücher häufig nicht mag.
    Das Problem ist, dass die Geschichten sich irgendwie alle gleich anhören, vor allem historische Romane. Es geht eigentlich immer (oder meistens) um den Zweiten Weltkrieg. Immer gibt es - sehr klischeehaft - von einer modernen Person mit eigenen Problemen (Mutterschaft - ja oder nein) irgendein Familiengeheimnis aufzudecken, über das - oh Wunder - vorher noch nie jemand etwas gesagt hat oder irgendetwas wusste. Als wenn das glaubwürdig wäre... Wenn das so wäre, dann hätten sehr viele Deutsche Leichen im Keller ihrer Vorfahren zu entdecken.

    Ich fand die Geschichte fad und klischeehaft. Die Figuren haben mir nichts gegeben, die Handlung war für mich sehr bruchstückhaft (natürlich zwei Handlungsebenen, aber auch die historische Ebene wurde noch einmal aufgeteilt in mehrere Episoden, Anekdoten, POVs und Ereignisse) und deskriptiv (viele Landschaftsbeschreibungen und Beschreibungen von Tätigkeiten auf einem Hof in Schlesien). Warum kann ein Buch nicht mehr linear erzählt werden?! Mittlerweile ist das ja fast schon eine Besonderheit.

    Mir fehlt bei deutschen Autoren (und Verlagen) einfach ein bisschen Mut, mal was Neues zu wagen und Geschichten anders zu erzählen, andere Thematiken zu auszuprobieren, anstatt immer wieder dieselben ausgetreteten Wege zu gehen.
    Wer gerne Mainstream liest und eine weitere Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg verortet ist, mag, wird hier fündig.

  7. Cover des Buches Mutters Lüge (ISBN: 9783033092617)
    Monika Hürlimann

    Mutters Lüge

    (192)
    Aktuelle Rezension von: Babsi123

    Mein Fazit:  

    Das Cover ist wunderschön gestaltet und gefällt mir sehr gut. Es strahlt so viel Melancholie aus..... 

    Für mich ist"Mutters Lüge" eine Reise in die Vergangenheit, denn meine Mutter stammt aus Breslau und sie musste mit ihrer Mutter und 7 Geschwistern aus Breslau fliehen, wobei ein Bruder mit 7 Monaten an Lungenentzündung starb....  


    Die Hauptprotagonistin Marta und ihr Bruder Tomek sind noch klein, als sie mit ihrer Mutter aus Breslau nach Deutschland fliehen. Was sind die Gründe für diese gefährliche Reise in ein fremdes Land und welches Geheimnis umgibt die Mutter? Ihre Kindheit verläuft eigentlich schön , nur dass sie häufig sich selbst überlassen sind. So wie viele andere Kinder in dieser Zeit...... Marta ist ein ganz toller Charakter. Trotz der fehlenden Liebe und Gefühlskälte ihrer Mutter entwickelt sich Marta sehr gut in Deutschland. Sie möchte Ärztin werden und ihre Erfolge muss sie sich hart erkämpfen.  Ihr Bruder Tomek dagegen wird von der Mutter vergöttert. Trotz alledem liebt Marta ihren Bruder über alles. Ihr harter Lebensweg hat mich emotional sehr berührt und tief beeindruckt.  Was für eine starke Frau mit solch einem Lebenswillen ...


    Die Autorin beschreibt sehr authentisch, wie Martha die entbehrungsreiche Zeit in Breslau als Kind erlebt und die Zeit in" ihrer neuen Welt" in Hamburg genießt. Die erste Banane isst, die Zeit in der Schule erlebt, die Freundlichkeit der Menschen, wie schön es ist, Freunde zu haben, aber auch die Trennung von ihrer geliebten Hündin Joka. Freud und Leid liegen oft dicht beieinander.... Wird sich Martas Traum erfüllen, dass sie Medizin studieren kann? Was hat die Mutter so hart werden lassen, dass sie Marta nicht lieben kann? Es bleibt spannend bis zur letzten Seite...


    Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig, modern, mitreißend, sie spielt mit den Emotionen, schreibt sehr gefühlvoll, mit viel Herzblut geschrieben und sie kann mit Worten wunderbar Gefühle ausdrücken. Es flossen einige Tränchen, besonders als das Geheimnis der Mutter ans Licht kam. Was mich am meisten betroffen gemacht hat, war die Kälte der Mutter gegenüber Marta. Man spürt förmlich die Eiseskälte, die die Mutter umgibt und wie gefühllos sie mit Martha umgeht. Kein liebes Wort zu bekommen, kenne ich von meiner Mutter. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich emotional so fasziniert, aber total berührt hat. Ein wunderbares Lesevergnügen!

  8. Cover des Buches Deutsches Haus (ISBN: 9783548061177)
    Annette Hess

    Deutsches Haus

    (240)
    Aktuelle Rezension von: Pepale

    Frankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.

    Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.

    Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.

    Die Autorin hat gut recherchiert.

    Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.

    Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.



  9. Cover des Buches Teufelsgold (ISBN: 9783404177271)
    Andreas Eschbach

    Teufelsgold

    (144)
    Aktuelle Rezension von: MeryGrape

    Am Anfang fand ich es noch ganz interessant, auch die Einblicke in die frühere Zeit. Etwa ab der Hälfte begann mich die Geschichte zu langweilen. Der Protagonist wurde immer unsympathischer, ich dachte, mehr geht gar nicht. Irgendwie hat mir was gefehlt und das kam einfach nicht. Für mich das schlechteste Buch von Eschbach. 

  10. Cover des Buches Heimat ist ein Sehnsuchtsort (ISBN: 9783492317054)
    Hanni Münzer

    Heimat ist ein Sehnsuchtsort

    (108)
    Aktuelle Rezension von: KleinerVampir

    Buchinhalt: 

    Schlesien, 1928: Nach dem Tod des Vaters muss der Komponist Laurenz den elterlichen Hof übernehmen. Mit seiner Frau Annemarie und den beiden Töchtern Kathi und Franzi findet Laurenz auch als Bauer sein Glück und die beiden Kinder wachsen auf dem elterlichen Hof auf. Während Kathi mathematisch hochbegabt ist, leidet Franzi an einer seltenen Krankheit und kann nicht sprechen. Als die Nationalsozialisten im Deutschen Reich die Macht übernehmen, scheint auch die dörfliche Idylle, in der die schlesische Familie lebt, zusehends betroffen. Denn Kathi gerät in den Fokus der Behörden, als sie einen Mathematikwettbewerb gewinnt und auch Annemarie hütet ein großes Geheimnis....


    Persönlicher Eindruck:

    Hanni Münzer erzählt im ersten Band ihrer Heimat-Dilogie vom Leben einer schlesischen Bauersfamilie. Das Leben auf dem Land, das Aufwachsen der beiden Kinder und die politischen Gegebenheiten, die Ende der 1920er Jahre zweifelsohne einen Umbruch in der Geschichte des Deutschen Reiches bringen, sind allesamt Thema dieses spannenden und mitreißenden Romans.

    Im Mittelpunkt stehen letztendlich die beiden Töchter der Sadlers, Kathi und Franzi. Kathi ist schon seit früher Kindheit ein Wunderkind – sie interessiert sich für komplexe Zusammenhänge, liebt Mathematik und Physik. Ihre kleine Schwester Franz hingehen leidet an einer seltenen Krankheit, weshalb sie auch nie sprechen lernt und sich mit Kathi lediglich durch Summen verständigt. Zudem scheint Kathi auch geistig etwas zurückgeblieben, wird aber dennoch von allen geliebt und wächst scheinbar glücklich und unbeschwert auf dem elterlichen Hof auf. 

    Die Erzählung ist eingängig, der Schreibstil sehr mitreißend und man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Die Figuren sind mit Tiefe und Profil angelegt und man kann sich ein gutes Bild machen von diesem Stück Deutschland, das so sehr mit Polen verbunden war.

    Gut gefallen hat mir Dorota, die polnische Haushälterin der Sadlers. Sie ist ein mütterlicher Charakter für de Familie und für die beiden Kinder der Mittelpunkt ihrer Kindheit. 

    Im Laufe der Handlung schwingt der Roman ein bisschen ins Übersinnliche um, denn Dorota hat das „zweite Gesicht“ und öfter Visionen, die ihr die Zukunft verschiedener Personen voraussagen. Wenn ich ehrlich bin fand ich diese „Zufälle“ etwas zu sehr konstruiert. Ebenso die Tatsache, dass die Nationalsozialisten – nach allem, was man inzwischen über sie weiß – sich so rein gar nicht für die behinderte Franzi interessieren und eine kurze Rückmeldung an den Bürgermeister genügt, um sie aus dem Fadenkreuz zu bringen. Auch die Kommunikation von Franzi mttels Summen halte ich für unrealistisch - vor allem, dass dann auch nur Kathi diese Art der "Verständigung" verstehen soll und "übersetzen" muss. In meinen Augen schon sehr an den Haaren herbeigezogen, mit Verlaub. Ein bisschen zu viel Fantasy und Hokuspokus.....

    Die über allem stehende Antagonistin der Familie ist die Frau eben dieses Bürgermeisters, eine überzeugte Nationalsozialistin und ein Biest wie es im Buche steht. Gerade deshalb wundert mich umso mehr, dass die Familie ihre jüngere Tochter bei sich behalten darf.

    Kindheit und Jugend der beiden Mädchen sind sehr gut und unterhaltend geschildert, kleine und große Tragödien wechseln ab mit glücklichen Sommern, der Freundschaft zu anderen Kindern und auch zu Tieren, so hier der Hofhund oder ein zahmer Rehbock, den Kathi mit der Flasche aufzieht.

    Gegen Ende des Romans kommt dann Annemaries Geheimnis aus ihrer Vergangenheit zum Tragen und die beiden Mädchen geraten in den Fokus der Roten Armee, was letztendlich in einem Cliffhanger zum zweiten Band überleitet. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht und kann hier trotz einiger Kritikpunkte eine Leseempfehlung aussprechen für alle, die historische Romane aus der Zeit der Weltkriege mögen und mehr über Schlesien uund seine Bewohner erfahren möchten.


  11. Cover des Buches Der Engel von Warschau (ISBN: 9783492062152)
    Lea Kampe

    Der Engel von Warschau

    (64)
    Aktuelle Rezension von: Nadine21

    In dem Buch wird die wahre Geschichte von Irene Sendler erzählt, Zu Zeiten, als díe Juden in Warschau in ein Ghetto eingesperrt wurden, gelingt es Irene mit Hilfe ihrer Freunde vor allem viele Kinder zu retten. Dabei zittert Irene nicht nur um das Leben der Kinder, sondern auch um ihr Leben und um das ihrer großen Liebe. Adam ein Jude, der ebenfalls im Warschauer Ghetto lebt. 

    Eine wirklich beeindruckende Lebensgeschichte mit vielen reellen Namen und ganz viel Fassungslosigkeit. Die Geschichte von Irene Sendler zeigt, was mit Nächstenliebe und Hinschauen möglich ist. 

    Dabei wird ab und zu auch die Sicht der Nazis, die für den Bau des Ghettos verantwortlich sind und die Sichtweise eines Juden, der gezwungen wird, dabei mitzuwirken, beschrieben. 

    Für mich, trotz kleiner Schönheitsfehler, wie einem sehr schnellen Ende, volle 5 Punkte. Und eine klare Leseempfehlung. 

  12. Cover des Buches Der Apfelbaum (ISBN: 9783548060866)
    Christian Berkel

    Der Apfelbaum

    (183)
    Aktuelle Rezension von: Marw

    In diesem Buch reist Christian Berkel, deutscher Schauspieler, weit in die Zeit zurück,ca 100Jahre und erzählt die Lebensgeschichten und Abschnitte seiner Familie.
    Zusammen mit seiner dementkranken Mutter versucht er die Geschichte aufzuschreiben und zusammenzufügen.

    Gerne lese ich Geschichten und Geschehnisse aus dem 2ten Weltkrieg, auch in diesem kleinen Epos wurde ich zeitweise in die Geschichte gesogen,wurde dann aber wieder rausgerissen,wenn ich zurück in die Gegenwart musste.
    Auch die Wortwahl,war für meinen Lesefluß nicht optimal,aber das ist ja Gott sei dank ansichtssache.Viele Metaphern führten mich aufs Glatteis und ich musste den Absatz wiederholt lesen.

    Vielleicht war nicht der richtige Zeitpunkt und manchmal passen Autor und Leser nicht zusammen,trotzdem gab es in diesem Buch Zeiträume, in denen ich mitgefiebert habe oder mich tief in Gedanken befunden habe.

    Kein Buch für mal eben zwischendurch.

  13. Cover des Buches Chuzpe (ISBN: 9783518468166)
    Lily Brett

    Chuzpe

    (148)
    Aktuelle Rezension von: engineerwife

    Hier war ich wirklich zwiegespalten, am Schluss fand ich dann aber doch, dass es die Note 2 verdient. Mir ging die durchweg negative Haltung von Ruthie manchmal etwas auf die Nerven aber der Charme, Elan und Witz von Edek hat vieles wieder gut gemacht. Hat mir dann doch gut gefallen!  Lily Brett, ein Name, den man sich merken muss. 

     

  14. Cover des Buches Maus (ISBN: 9783103975352)
    Art Spiegelman

    Maus

    (239)
    Aktuelle Rezension von: jacky_liest

    Maus von Art Spiegelman ist mittlerweile ein Klassiker der Comickultur und hat diesen Status zurecht. Spiegelman öffnet Perspektiven auf den Holocaust und das Überleben dessen, die es zuvor nur selten gab. Die Besonderheit des Comics ist dabei das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie die Vater-Sohn-Beziehung. Bezeichnet ist, dass Spiegelman seinen Vater weder glorifiziert noch durchweg positiv als Helden stilisiert. Im Gegenteil: der Vater wird als manischer Zwangsneurotiker gezeichnet, dessen Verhaltensweisen sowohl die Figur Art(ie) als auch die Rezipient:innen fragend zurücklassen. Der Comic handelt von unbehandelten Trauma des Erlebten und dessen Übertragung auf die sogenannte zweite Generation. Verhandelt werden hier nicht nur geschichtliche Ereignisse, sondern auch deren Auswirkungen: ein lebenslanges und transgenerationales Trauma. 

    Besonders die Tiermetaphorik ist bezeichnend für den Stil des Zeichners und für die Handlung: nicht nur mit der Zeichnung der Figuren wird diese Metaphorik wiederholt aufgenommen, sondern auch innerhalb des Comics reflektiert und wiederholt in Szene gesetzt. Die Tiermetaphorik versteckt nicht, sie macht deutlich. Sie zeigt das, was sich unserer Vorstellungskraft entzieht. 

    Ein weiterer besonderer Aspekt des Comics ist dessen Selbstreflexion: der zeichnerische Prozess und vor allem die Umsetzung werden hier aufgezeigt und reflektiert. Besonders der zweite Band bringt dies auf den Punkt. Wie zeichnet man eine Geschichte, die man selbst nicht erlebt hat, aber dessen Auswirkungen einen geprägt und traumatisiert haben? Wie bringt man einen Diskurs zu Papier, über den so wenig gesprochen wird? Und genau setzt Spiegelman an und macht sich das Medium des Comic zunutze: er fabriziert hier eine neue Erzählung über den Holocaust, die zum Nachdenken anregt und nicht vergessen werden kann. 

    Maus ist ein herausragender Comic, eine emotionale Achterbahn und ein Medium gegen das Vergessen. 

  15. Cover des Buches Der Zweite Weltkrieg (ISBN: 9783596161133)
    Sir Winston Churchill

    Der Zweite Weltkrieg

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Tobias_Damaschke
    Dieses Buch verbindet zwei meiner absoluten Lieblingshobbys: Lesen und Geschichte.
    Der Zweite Weltkrieg ist der Urknall der modernen Weltordnung, der folgenschwerste Konflikt des 20. Jahrhunderts, dessen Folgen bis heute überall zu spüren sind. Es gibt wohl kaum ein geschichtliches Thema, das so oft in Filmen, dem Fernsehen oder Büchern verwendet wird. Doch kaum ein Werk reicht an das von dem Mann heran, der 1940 durch seine unerschütterliche Unbeugsamkeit vielleicht das zivilisierte Europa vor den Nazis rettete.

    Winston Churchill ist eine absolut faszinierende Persönlichkeit. Sicherlich kann man ewige Diskussionen über ihn führen, viele sehen ihn kritisch und dieser Text hier soll jetzt bestimmt nicht ins geschichtswissenschafftliche abdriften. Hier gehts nämlich um eine Fähigkeit dieses Briten, die man ihm nicht absprechen kann: Er konnte verdammt gut schreiben.

    Dieses Buch ist mehr als eine bloße Zusammenfassung des Krieges aus britischer Sicht. Teilweise liest es sich wie eine Autobiographie oder Churchills Memoiren. Es gibt tiefe Einblicke in das britische Regierungs- und Parteiensystem, Einzelschicksale werden eörtert, große Borgen gespannt und Details ans Licht gebracht, die zumindest mich beim ersten Mal Lesen sehr überraschen konnten. Zudem, bedingt durch den Autoren und die Zeit, aus der das Buch stammt, ist dies hier auch ein Zeugnis des Denkens eines Menschen aus der Zeit des Imperialismus. Sobald Churchill von der "britischen Rasse" spricht, sollte man nicht den Fehler machen, aus rein modernen Augen auf das Buch zu schauen - wie jeder Mensch war Churchill ein Kind seiner Zeit und da damals andere Ansichten vorgeherrscht hatten, sollte dieser Sprachgebrauch niemanden verwundern.

    Am Ende ist dieses Buch einfach nur hochinteressant und - obwohl man ja natürlich weiß, wie alles ausgeht - stellenweise sehr spannend. Ich lege dieses Buch jedem ans Herzen, der sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert und auch mal einen Blick hinter die Kulissen der britischen/allierten Seite wagen will. es lohnt sich - den Nobelpreis für Literatur hat das Buch schließlich nicht aus purem Zufall gewonnen.
  16. Cover des Buches Luzies Erbe (ISBN: 9783458681113)
    Helga Bürster

    Luzies Erbe

    (70)
    Aktuelle Rezension von: Jayjay94

    Das Cover ist Recht ansprechend und auch der Klappentext ist spannend geschrieben.

    In dem Buch geht es um Luzie Krusenbusch, die stirbt. Ihre ganze Familie kommt zusammen, um die Beerdigung vorzubereiten. Johannes, die Enkelin, öffnet Luzies "heiligen Koffer" und geht der Geschichte ihrer Großmutter auf den Grund. Was ist damals im Zweiten Weltkrieg geschehen?

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas enttäuscht bin. Der Klappentext verspricht so viel und leider habe ich da mehr erwartet.

    Erst zum Mittelteil wird es wirklich spannend. 

    Am Anfang fiel es mir auch schwer in die Geschichte hineinzufinden. Mit den Personen bin ich auch durcheinander gekommen. Meiner Meinung nach würden die Protagonisten nicht wirklich vorgestellt.

    Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart war schwierig. Beim Lesen muss man selber überlegen, welche Zeit jetzt gemeint ist. Die überschriebenen Kapitel nützen da wenig. Vielleicht hätte man da das Jahr vermerken können.

    Die Geschichte hat mir zum Schluss hin dann besser gefallen. Der Krieg spielt eine große Rolle. Interessant finde ich es auch, dass die Autorin aus dem echten Leben erzählt. Es ist vieles wirklich so passiert!

    Mit den Protagonisten bin ich nicht wirklich warm geworden. Da wurde nicht viel auf die Charaktere eingegangen, bis auf Luzie's Leben.

    Die Geschichte hat mir wie gesagt aber der Mitte dann besser gefallen. Einige Sätze sind tiefgründig und es werden wichtige Themen aufgegriffen.

    Trotzdem war es nicht ganz so dass, was ich erwartet hatte.

    Daher leider nur 3 von 5 Sterne.

  17. Cover des Buches Gold und Stein (ISBN: 9783426509210)
    Heidi Rehn

    Gold und Stein

    (23)
    Aktuelle Rezension von: andreakendl
    Das Städtchen Wehlau in Preußen im Jahre 1452. Hier leben die 15Jährige Agnes und ihre Mutter Gunda als angesehene wohlhabende Bierbrauerin. Doch so tatenkräftig Gunda nach außen scheint, so deutlich spürt ihre Tochter, dass mit ihr etwas nicht stimmt, dass sie ein düsteres Geheimnis hütet. Als 1454 die Truppen der Deutschordensritter Wehlau belagern, fliehen Mutter und Tochter nach Königsberg. Hier begegnet Agnes dem gleichaltrigen Casper. Auf seltsame weise fühlen sich die beiden jungen Leute zueinander hingezogen. Agnes ist dadurch zutiefst verunsichert -- schließlich gehört ihr Herz doch einem anderen. Ihre Verwirrung wächst, als sie an Caspers Nacken dasselbe Feuermahl entdeckt, mit dem auch sie selbst auf die Welt gekommen ist...    
  18. Cover des Buches Blutbuche (ISBN: 9783453439726)
    Ule Hansen

    Blutbuche

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    Ich habe Neuntöter (Band eins) geliebt. Noch heute habe ich noch immer Szenen im Kopf, von diesem Buch. 

    Jetzt in diesem Teil haben wir unsere Protagonistin Emma Carrow, die Fallanalyastin. Ein neuer Fall und auch sie selbst arbeitet mit ihren eigenen Dämonen. 

    Sehr bildhaft und fesselnd wird auch der Teil erzählt. Und kann wirklich diese Reihe nur empfehlen. Ein bisschen traurig, dass ich nur noch ein Buch hab und dann ist es vorbei mit Emma Carrow.

    Buch ist prinzipiell alleine lesbar, aber Spoilert auf Band eins und daher lest von vorne. Lohnt sich aus meiner Sicht!

  19. Cover des Buches Madame Curie und die Kraft zu träumen (Ikonen ihrer Zeit 1) (ISBN: 9783548063867)
    Susanna Leonard

    Madame Curie und die Kraft zu träumen (Ikonen ihrer Zeit 1)

    (140)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Der Schreibstil ist sehr angenehm, sodass man schnell ins Buch findet und die Geschichte mitverfolgen kann. Außerdem werden die Gefühle und Gedanken der Personen gut beschrieben und ich konnte gut mitfühlen und mich in die Situationen hineinversetzten. Allerdings war die Handlung etwas viel auf zu wenig Seiten, was dazu führt, dass vieles schnell und oberflächig abgehandelt und erzählt wurde. Dabei legt das Buch einen Schwerpunkt auf die Kindheit und die Liebesbeziehung, was ich schade finde. So wird das eigentlich spannende, nämlich die Forschung und der Kampf als Frau in der Männerwelt, eher kürzer erzählt und geht leicht unter. Besonders am Ende wird daher einfach ihr restliches Leben runtergerattert. Dennoch fand ich das Buch sehr unterhaltsam und fand es auch toll mehr über das Leben dieser bemerkenswerten Frau zu erfahren.

  20. Cover des Buches Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete (ISBN: 9783458682264)
    Sharon Cameron

    Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete

    (104)
    Aktuelle Rezension von: kunterbunt79

    Es ist ein gebundenes Buch und im ersten Moment scheint es, als hätte es einen Umschlag. Dem ist aber nicht so, das Cover ist direkt darauf gedruckt und das finde ich gut so. Buchumschläge lege ich eh immer zur Seite.

    Du wie soll ich euch nun das Buch beschreiben? Als ein echt gutes Buch? Darf man diese Worte bei einer so erschreckenden und wahren Geschichte eigentlich verwenden? Ich habe noch sehr stark meine Schulzeit in Erinnerung, als ich dieses Thema Krieg, Judenverfolgung etc. in der Schule behandelte und mit diesem Buch fühle ich mich wieder dort hin versetzt. Als ich es nur mit Schrecken an mich ran lassen konnte und nicht verstehen konnte, wie es zu so etwas kommen konnte. Dann in diesem Buch das Schicksal von Stefi und ihrer jüdischen sowie eigenen Familie lesen zu dürfen, jagt mir immer noch eine Gänsehaut über den Rücken.Es ist sehr, sehr nahe geschrieben, so dass man sich sofort in dieses Leid und diese Schicksalsschläge hinein versetzen mag. Die Protagonisten sind so nahe beschrieben, dass man mit ihnen fühlt. Ein Buch, welches erschrecken und zugleich faszinierend ist, denn was dies Stefi, Max und alle anderen mitgemacht haben und dem entgegen gestrotzt haben birgt nicht nur Mut und Überlebenswillen, sondern hat meinen größten Respekt.

    Es ist einfach unvorstellbar, welchen Lebenswillen man hier aufbringen musste und welchen Zusammenhalt es untereinander immer noch hier und da gab.Das Buch ist lebensnahe geschrieben, so dass es einen trotz der Unmenschlichkeit sofort in den Bann zieht und von tiefstem Herzen mitfühlen kann, welch Ungerechtigkeit und Schmerz ihnen wiederfahren ist. Ein Buch, das viele lesen sollten

  21. Cover des Buches Die Jakobsbücher (ISBN: 9783311100140)
    Olga Tokarczuk

    Die Jakobsbücher

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Eva_Reichmann

    Olga Tokarczuk gelingt in diesem Roman (und leider nur in diesem - die anderen Bücher der Autorin sind nicht vergleichbar) das Kunststück, auf gut 1200 Seiten mit bildhafter Sprache einen solchen Sog entstehen zu lassen, dass ich mich als Leserin dem nicht entziehen konnte. Ich hab den ersten Absatz gelesen und konnte es nicht mehr an die Seite legen. Es entwickelt sich ein Panoptikum einer versunkenen und historisch-fantastischen Welt, das zwar komplex ist, mich als Leserin aber nie überfordert hat, da die Autorin es versteht, immer Wiedererkennungsmomente einzubauen.

    Nun bin ich eine Liebhaberin "dicker Bücher" (unter 300 Seiten ist für mich eigentlich indiskutabel, schließlich will ich in eine Geschichte eintauchen) war aber trotzdem nicht sicher, ob das nicht etwas zu dick ist (weil: am berühmtesten dicken Buch der Literatur, Proust Suche nach der verlorenen Zeit, bin ich gescheitert - weil weder Sprache noch Figuren noch nicht-vorhandene Handlung mich irgendwie gefesselt haben).

    Hier ist es anders - was auch an der Übersetzung liegt: zu recht haben die Übersetzer einen Preis bekommen.

    Hab das Buch in nur 3 Wochen gelesen - und freue mich, es irgendwann in meinem Leben wieder zu lesen (was nur bei wenigen Büchern der Fall ist - die meisten sind "Einmallektüre).

  22. Cover des Buches Drach (ISBN: 9783499271748)
    Szczepan Twardoch

    Drach

    (5)
    Aktuelle Rezension von: Ulf_Borkowski

    „Drach“ von Szczepan Twardoch ist ein außergewöhnliches Werk, das die Geschichte einer schlesischen Familie nicht nur erzählt, sondern in ein viel größeres, mythisches Kontinuum einbettet. Der Roman ist ein ästhetisches Meisterstück, weil er die Grenzen zwischen Zeit, Erinnerung und Identität auflöst und Schlesien selbst zur erzählenden Instanz erhebt.

    Der titelgebende "Drach" ist nicht einfach ein Symbol, sondern die allwissende Perspektive und Erzähler des Romans: die Erde, der Boden, Schlesien selbst, ein uraltes, unerschütterliches Bewusstsein, das alles gesehen hat und alles erinnert. Diese Stimme, die zugleich distanziert und zutiefst verbunden ist, verleiht dem Roman eine einzigartige Tiefe. Sie macht deutlich, dass Menschen kommen und gehen, dass Generationen aufeinander folgen, doch der Boden, auf dem sie leben, bleibt. Er beobachtet, er speichert, er erzählt.

    Szczepan Twardoch nutzt diese Perspektive, um die Geschichte der Familie Magnor über ein Jahrhundert hinweg zu entfalten – mit einer sprachlichen Präzision, die manchmal brutal, manchmal poetisch, aber immer eindringlich ist. Die Figuren wirken nie wie historische Konstrukte, sondern wie Menschen aus Fleisch und Blut, geprägt von den politischen Spannungen, den kulturellen Brüchen und den innerfamiliären Identitätskonflikten, die Schlesien seit jeher durchziehen.

    Besonders beeindruckend ist, wie der Roman zwischen Zeiten springt, ohne je den Faden zu verlieren. Vergangenheit und Gegenwart stehen nebeneinander, überlagern sich, kommentieren sich gegenseitig. Der Drach, als ewige Instanz, hält diese Ebenen mühelos zusammen. Dadurch entsteht ein erzählerischer Sog, der den Leser nicht nur durch die Handlung trägt, sondern ihn in die Landschaft, die Mentalität und die Geschichte Schlesiens hineinzieht.

    „Drach“ ist ein Roman, der fordert, aber reich belohnt. Er ist kunstvoll komponiert, emotional kraftvoll und intellektuell anregend. Wer sich auf ihn einlässt, erlebt nicht nur eine Familiengeschichte, sondern ein literarisches Panorama über Geschichte, Identität, Herkunft, Erinnerung und die unaufhaltsame Bewegung der Zeit.

    Ein Buch, das mehr über die schlesische Geschichte lehrt, als so manches polnische oder deutsche Sachbuch. Ein Buch, das bleibt, so wie der Boden, der es erzählt.

  23. Cover des Buches Hannah und ihre Brüder (ISBN: 9783746635095)
    Ronald H. Balson

    Hannah und ihre Brüder

    (132)
    Aktuelle Rezension von: HannaFeilitzsch

    Fesselnde Geschichte zweier Jungen, die als Brüder aufwachsen und sich durch den Holocaust als Feinde gegenüberstehen. Sechzig Jahre später begegnen sie sich in Chicago. Als Ben Solomon den angesehenen Rosenzweig mit der Waffe bedroht, wird sofort klar, dass etwas Großes hinter der Geschichte steckt. Eine Maschinerie wird in Gang gebracht, die am Ende die Wahrheit ans Licht bringt. Von der ersten Seite an hat mich dieses Buch gefesselt. Klare Leseempfehlung. 

  24. Cover des Buches Ich war Hitlerjunge Salomon (ISBN: 9783453606012)
    Sally Perel

    Ich war Hitlerjunge Salomon

    (110)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Diese Autobiografie ist die schier unglaubliche Geschichte des Salomon Perel, einem jüdische Jungen, der durch ein gehöriges Maß an Chuzpe sich als Hitlerjunge ausgegeben hat und dadurch der Shoa entgangen ist.  

    Das Buch liest sich wie „eine irrwitzige Komödie des Schreckens“.  

    Klappentext: 

    „Sally Perel ist sechzehn, als er 1941 von den Nazis gefangengenommen wird. Er ist Jude und schon seit Jahren auf der Flucht. Er weiß, dass er nur eine Chance hat: seine Papiere entsorgen und eine andere Identität annehmen. Der Mut der Verzweiflung macht aus ihm Jupp Perjell, das jüngste Mitglied der deutschen Wehrmacht. Ein Jahr lang lebt er mit den Soldaten an der Ostfront und unterstützt sie als Dolmetscher. Danach schickt man ihn nach Braunschweig, wo er bis Kriegsende inkognito in einem Internat der Hitlerjugend bleibt...“

    Mehrmals ist Sally kurz davor aufzufliegen, doch jedes Mal hat er Glück. Immer wieder denke er an die Worte seiner Mutter „Du sollst leben!“, die ihm Kraft zum Überleben geben. 

    "Ich habe nur vier Wochen gebraucht, um ein ordentlicher Hitlerjunge zu werden, aber ein ganzes Leben, um wieder ein achtbarer Jude zu sein.“

     Er beschreibt wie es ihm gelingt, im engen Zusammenleben der Soldaten seinen beschnittenen Penis zu verbergen. Der einzige, der das entdeckt, hat selbst ein Geheimnis, das ihn ins KZ bringen kann und hält dicht.  

    Was aber schier unglaublich scheint, ist die fixe Idee von Hauptmann von Münchow, ihn adoptieren zu wollen, ihn einen Juden.  

    „Die Tatsache, dass man sich an das Grauen gewöhnt, erscheint mir noch heute als die erschreckendste Reaktion, deren die Menschheit fähig ist.“ 

    Meine Meinung: 

    Spannend zu lesen ist, wie aus Sally Perel Jupp Perjell wird. Ein Jude, der sich der Indoktrination durch die Nazis kaum entziehen kann, der manchmal ihr Gedankengut einfach übernimmt (übernehmen muss). In ein und demselben Körper existieren zwei Seelen: der Hitlerjunge Jupp, und der Jude Salomon. Hier muss ich an Johann Wolfgang von Goethe und seinen Faust denken, der in einem Monolog sagt: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. 

    Das Buch, das erstmals 1992 erschienen ist, wurde auch verfilmt. 

    Fazit: 

    Welche psychologischen Schäden diese Dualität, neben den Kriegsgräueln, denen Sally Perel ausgesetzt war, in seiner Seele angerichtet haben, mag ich mir gar nicht ausmalen. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

     

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