Bücher mit dem Tag "polnische literatur"

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41 Bücher

  1. Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783518461310)
    Stanislaw Lem

    Solaris

     (296)
    Aktuelle Rezension von: Goldilocks

    Dieses Buch ist, wie der Titel der Rezension es auch sagt, etwas ganz anderes als ich normalerweise lese. Ich habe es in irgendeinem altem, verstaubtem Regal meiner Verwandten ausgegraben und wäre wahrscheinlich auch gar nicht neugierig geworden wenn es nicht vom Weltraum handeln würde. Denn Exoplaneten und Raumfahrten mag ich einfach sehr gerne. Dieses Buch sollte also einer meiner ersten Sci-Fi Romane werden (wenn man von Star Wars Fan-Fiction absieht).

    Tatsächlich ist dieses Buch 1961 erschienen, was man auch an der Sprache des Autors merkt. Die Idee für die Geschichte war mir selbst in ähnlicher Form, davor noch nie untergekommen. Es handelt von einem Planeten namens Solaris auf dem physikalische Gesetze anders funktionieren als man gewohnt ist. Die Menschen versuchen schon seit über einem Jahrhundert den Ozean der den ganzen Planeten bedeckt zu erforschen. Als der Wissenschaftler Kelvin auf der Raumstation eintrifft ist er noch nicht bereit für all das, was ihm wieder fahren wird.

    Am Anfang und auch während der Geschichte hatte ich keine Ahnung wie sie enden würde. Alles war möglich. Genauso wie auf Solaris alles möglich ist. Aber ich muss sagen, dass Ende hat mir gefallen. Ich fand es sehr passend und ein guter Abschluss.

    Insgesamt weiß ich nicht wirklich was ich von dem Buch halten soll. Es war verstörend, ein Bisschen spannend aber nicht direkt fesselnd. Insgesamt weiß ich nicht wirklich was ich von dem Buch halten soll. Es war verstörend, ein Bisschen spannend aber nicht direkt fesselnd. Man musste es nicht sofort weiterlesen aber Abschnitt für Abschnitt wollte man es dann doch beenden. Es passieren merkwürdige Dinge im Lauf der Geschichte und irgendwie hat es mich auch ein Bisschen an Schulliteratur erinnert. Teilweise war es auch anstrengend zu lesen da viel sehr genau beschrieben oder spekuliert wurde ohne die Handlung wirklich voran zu treiben. Ganz komische Mischung.

    Es war definitiv nicht schlecht. Nur irgendwie ist es sehr schwer zu beschreiben. Die Charaktere waren gut, manchmal gruselig, man wusste nicht was sie tuen werden, zum Teil nicht mal was sie empfinden. Mit der Solaris hat Stanislaw Lem wirklich eine Bühne geschaffen auf der alles möglich war. Auf einem fremden Planeten gibt es keine Gesetze und Regeln und das hat er ausgenutzt.

    Allem in allem gebe ich dem Buch vier von fünf Sternen. Das Buch steht ein Bisschen für sich, es gibt keinen Vergleich, deshalb fällt es mir schwer zu sagen wie viele Sterne es verdient hat. Drei oder fünf würden meiner Meinung nach genauso gut passen. Es nimmt einen mit auf eine ein Bisschen verstörende Reise die einen zum nachdenken bewegt.

  2. Cover des Buches Quo vadis? (ISBN: 9783423145329)
    Henryk Sienkiewicz

    Quo vadis?

     (105)
    Aktuelle Rezension von: Tobias_Damaschke
    Heute mal hoffentlich wirklich eine kürzere Rezension, wenn auch zu einem echten Klassiker der Weltliteratur.

    Quo Vadis spielt im 1. Jhd. nach Chr. zur Zeit des römischen Kaisers Nero und thematisiert die Christenverfolgung jener Zeit, hauptsächlich aus dem Blickwinkel des Liebespaares Marcus Vinicius (ein Patrizier) und Lygia (eine Christin) sowie dem Kanzler Petronius. Welche Konflikte in der Handlung auftreten könnten, sollte bereits erkenntlich sein :D

    Dieser Roman entstand 1895 und ist damit ... sehr sehr alt. Das muss nichts schlechtes sein, man merkt es dem Buch stellenweise aber an. Viele Szenenbeschreibungen und Charakterinteraktionen sind ... zäh, manchmal etwas übertrieben dargestellt, auch wenn es mich persönlich nie wirklich genervt hat. Die Figuren an sich sind nicht besonders tiefgründig, erfüllen aber ihren Zweck. Zudem schreitet die Handlung in einem angenehmen Maß voran, wirklich langweilige Stellen gab es für mich nicht.

    Der historische Kontext darf hier allerdings nicht übersehen werden, und das auf zwei Ebenen: Zum einen ist die Darstellung Roms und besonders Neros hier natürlich sehr 19.Jhd-lastig, also eine Zeit, in der die Geschichtswissenschaft in einem erheblichen Maße politisiert wurde. Daher ist die Handlung trotz realer Vorbilder definitv nicht als wirklichkeitsgetreue Abbildung von Neros Rom zu sehen, sondern eher als eine fiktive Geschichte innerhalb eines gut recherchierten geschichtlichen Kontextes und als solche funktioniert sie gut.

    Zum anderen steht das Thema der Verfolgung und Unterdrückung im Fokus und diese Betonung hat (wahrscheinlich!) auch mit dem polnischen Autor zu tun, denn Polen gab es 1895 nicht. Es lassen sich sehr viele Parallelen von dem Roman zu den Bestrebungen der polnischen Unabhängigkeitsbewegungen ziehen. Dies sollte ebenso bedacht werden wie die prochristliche Ausrichtung des Buches, die besonders gegen Ende offensichtlich wird.

    Wer diese politischen Elemente des Buchs ausklammern kann oder sie nicht für störend hält, der kann hier in eine spannende (teilweise grausame) Geschichte von Verfolgung und Liebe abtauchen. Der etwas angestaubte Stil und eben jene politischen Elemente kann manche vielleicht aber auch stören.
    Versuchen sollte es meiner Meinung nach aber jeder Mal, denn einfach nur als ein spannendes Buch mit historischem Kontext hat es sehr gut für mich funktioniert.
  3. Cover des Buches Fiasko (ISBN: 9783518743164)
    Stanisław Lem

    Fiasko

     (26)
    Aktuelle Rezension von: Loki
    Beim Transport von Ersatzteilen verunglückt ein Pilot in einer Wüste gefrorenen Ammoniaks mit seinem Großschreiter. Als ein eben gelandeter Raumschiffkommandant erfährt, daß bei der Suche nach dem Vermißten sein Idol Pilot PIRX ebenfalls verschollen ist, hält ihn nichts mehr .... Viel später: eine Raumexpedition soll sich auf den Weg in eine entfernte Galaxie machen, um Kontakt mit einer fernen Zivilisation aufzunehmen. Unterwegs werden 3 leblose Körper gefunden und aufgenommen ....
  4. Cover des Buches Unrast (ISBN: 9783442741342)
    Olga Tokarczuk

    Unrast

     (18)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    Unrast. Nicht jeder fühlt es beständig, mancher nie. Olga Tokarczuk beleuchtet die Unrast, das stetige Bedürfnis sich zu regen und zu bewegen, ganz unterschiedlicher Protagonisten und weiß mit ihrer poetischen, feinfühligen und sehr tiefsinnigen Erzählweise ganz besonders zu berühren. 

    Wann entwickeltest du ein Bewusstsein für das eigene Dasein und wann entstand in dir zum ersten Mal das Bedürfnis dich fortzubewegen? Nicht das Gehen von einem Punkt A zu einem Punkt B, koordiniert von Mama oder Papa, mit zwei starken, Sicherheit ausströmenden Händen im Hintergrund. Eher das freie, selbstbestimmte und losgelöste sich auf den Weg machen. Vielleicht ist es die Schaukel auf dem Spielplatz, die es dir angetan hat oder die Pfütze, in die du nicht hüpfen solltest, aber jetzt ist der Moment gekommen und du traust dich, dich dahin zu bewegen. Aber es sind nicht immer nur die Reisen, auch die Begegnungen, die Menschen und Erfahrungen, die wir auf unserem Lebensweg machen. 

    Wissenschaftler streben danach die Reise eines Körpers durch den Kosmos Leben zu analysieren oder gar zu plastinieren, andere schreiben Reisetagebücher. Wir schöpfen aus Erfahrungsschätzen, verspüren Sehnsuchtsmomente und zehren an schönen Erinnerungen und manchmal gelingt es uns etwas davon zu einer anderen Person weiterzutragen. Olga Tokarczuk ist das mit ihrem Roman Unrast ganz vortrefflich gelungen.


    Wieder einmal eine Leseempfehlung.


  5. Cover des Buches Hinter der Blechwand (ISBN: 9783518422540)
    Andrzej Stasiuk

    Hinter der Blechwand

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Wolkenatlas
    Melancholisch gefärbter Roman einer harten Welt "Hinter der Blechwand" ist ein sehr eigensinniger, origineller, hochliterarischer Roman, der sich eines Sujets oder einer Kulisse bedient, die man anhand der feinen Prosa Andrzej Stasiuks zuerst gar nicht erwarten würde. Wladek und Pawel sind zwei zufällig aneinander geratene Männer, die sich aus verschiedenen Gründen brauchen und ergänzen. Sie klappern in Pawels altem Fiat Ducato die diversen Schwarzmärkte und Basare in Südosteuropa ab, hauptsächlich in der Region Slowakei, Polen, Ukraine und Ungarn. Dort verkaufen sie die billige gefälschte oder auch gebrauchte Ware. "Im Herbst sieht man, dass die Stadt stirbt. Diejenigen, die fliehen wollen, sind schon lange geflohen. In der Abenddämmerung hängt der Gestank brennender Blätter. Der Rauch vermischt sich mit Nebel und verhüllt die Außenbezirke. Die Lichter werden gelblich und fahl ..." Wunderbar melancholisch gefärbte Sätze, präzise und perfekt komponierte Prosa lassen immer wieder vergessen, dass dieser Roman eine Übersetzung ist. Ein Riesenlob an die Übersetzerin Renate Schmidgall an dieser Stelle. Während sich die Handlung des Romans immer wieder abschweifend um ein paar zentrale Momente dreht, entwickelt sich aus der ewigen Suche nach dem Geschäft eine Liebesgeschichte, die, wenngleich auch massiv versteckt und als einzige Tiefstapelei getarnt, immer wichtiger für den weiteren Verlauf wird. Für diese Liebe geht man eine Abmachung mit Menschenschmugglern ein. So werden die beiden Jäger des goldenen Geschäfts bald selbst zu Gejagten. "Hinter der Blechwand" ist ein poetischer Blick auf die Globalisierung in Osteuropa, über die Auswirkungen der Veränderung im Osten. Wunderbar zarte Momente wechseln mit Momenten grausamster Härte, stilistisch durch die beeindruckende Prosa Andrzej Stasiuks zusammengehalten. Meisterhaft gekonnt zieht der Autor seine Leser tief in seinen Roman hinein, lässt sie hautnah am Geschehen teilhaben, so nah, dass man meint, die Gerüche der nebeligen Nacht auf einer einsamen Bergstraße zu riechen, oder auch den Schweiß der üblen Schläger am Markt. Selbst in den härtesten Momenten dieses Romans steht die bewusste Wortwahl, die Präzision der Prosa im Vordergrund. "Ich achtete auf das Reifengeräusch. Da hörte ich von rechts ein Zischen. Wladek duckte sich blitzschnell, und die Skorpion traf die hintere Wand des Fahrerhauses. Dann fuchtelte der andere noch mal herum, und wieder dieses automatische Ausweichen und der blecherne Schlag." Herrliche Figurenzeichnung, die nie gewollt oder wertend wirkt, die sich immer aus der Erzählung selbst ergibt, eindringliche Schilderungen und scharfe psychologische Betrachtungen erlauben es dem Autor Andrzej Stasiuk, aus einer vordergründig betrachtet unliterarischen Thematik ein poetisch literarisches Werk zu schaffen, das jegliche Ansprüche an die Literatur mehr als übertrifft. Häufige Tempoänderungen der Prosa, die von innigster Abgeschiedenheit bis hin zu hektischer Aufgeregtheit variieren, ergänzen das Bild dieses perfekt komponierten Romans. Ein sehr berührender Roman, der noch lange nach der Lektüre der letzten Seiten nachklingt. Absolute Empfehlung. (Roland Freisitzer; 10/2011)
  6. Cover des Buches Taghaus, Nachthaus (ISBN: 9783311100201)
    Olga Tokarczuk

    Taghaus, Nachthaus

     (9)
    Aktuelle Rezension von: variety

    Ich gebe es ja zu, dass ich den Roman nur knapp bis zur Hälfte gelesen habe. Warum gebe ich dann 3*+? Weil die Autorin sehr gut schreiben und formulieren kann und es wahrscheinlich an mir liegt, dass ich den Mix aus Fantasie, Historie und Erinnerungen schlicht langweilig fand. Sie erzählt eigentlich viele verschiedene kleine Geschichten, die zwar lose zusammenzuhängen scheinen, jedoch ohne roten Faden daherkommen. Diesen habe ich total vermisst, weshalb ich die Lektüre abbrechen musste. An die Lesung mit ihr gehe ich trotzdem, weil sie mich als Mensch fasziniert.

  7. Cover des Buches Der Zauberer von Lublin (ISBN: 9783499234439)
    Isaac Bashevis Singer

    Der Zauberer von Lublin

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Lakatnik
    Einmal Singerliebhaber, für immer Singerliebhaber
  8. Cover des Buches Ur und andere Zeiten (ISBN: 9783311100188)
    Olga Tokarczuk

    Ur und andere Zeiten

     (18)
    Aktuelle Rezension von: alma
    Jetzt kommts dicke! Danke Ilma Rakusa Olga Tokarczuk verzaubert mit ihrem Roman «Ur» So beginnen Märchen. «Ur ist ein Ort mitten im Weltall. Um Ur zügig von Norden nach Süden zu durchqueren, würde man eine Stunde brauchen. Von Osten nach Westen ebenso. Wenn man gemächlich um ganz Ur herumgehen und sich dabei alles genau und bedachtsam ansehen wollte, würde man einen ganzen Tag dafür brauchen. Vom Morgen bis zum Abend.» Ur wird in jeder Himmelsrichtung von einem Erzengel bewacht. In Ur vereinen sich die «Schwarze» und die «Weisse». Ur ist ein Flecken in Südpolen. Durch dieses Dorf zieht die Geschichte, vom Ersten Weltkrieg bis in die achtziger Jahre, mit Soldaten des Zaren und SS-Schergen, mit sowjetischen Iwans und kommunistischen Bürokratenhengsten. Ein Reigen von Kampf und Zerstörung, grausam und so schicksalhaft unabänderlich, wie Mythen es sind. Olga Tokarczuk, mit achtunddreissig Jahren eine der angesehensten polnischen Autorinnen, erzählt aus der Perspektive der Engel. Diese betrachten gelassen den Wechsel von Jahreszeiten und Generationen, das Stirb und Werde von Mensch und Natur. Sie richten nicht, sie erlösen aber auch nicht. Ihrem Blick entgeht kein Detail, und doch ist jede Einzelheit in ihrer höheren Teilnahmslosigkeit aufgehoben. Da sie sich um Sinn nicht scheren, erscheinen Psychologie und das ganze menschliche Gerangel um Kausalitäten ausser Kraft gesetzt. Mit biblischer Wucht ereignet sich, was sich ereignen muss. Mit andern Worten: Wo die zeitgenössische Literatur gemeinhin in triviales Plappern oder in (postmodernen) Reflexionsfuror verfällt, riskiert Tokarczuk den zeitlosen Märchenton. «Gott sieht. Die Zeit flieht. Der Tod jagt. Die Ewigkeit harrt.» Archetypisch wirkt auch das Personal des Romans. Da ist die Mühlenbesitzerin Genowefa, die – während ihr Mann Michal für die Russen kämpft – die Tochter Misia zur Welt bringt, sich im Warten verzehrt und den jüdischen Jungen Eli begehrt, der Jahre später von den Kugeln der SS niedergemäht wird. Da ist die barfüssige Waldfrau Ähre, Dorfhure und Zauberin, die mit einem Engelwurzstrauch Tochter Ruta zeugt. Da ist der böse Mann, der einem wilden Tier gleicht, und Freiherr Popielski, der sich dem Wahn eines kabbalistischen Spiels verschreibt. Da ist die verrückte Florentynka, die, umgeben von Hunde- und Katzenscharen, den Mond beschimpft, und der kränkliche Izydor, der von Ruta träumt. In kreisenden Bewegungen, vorangetrieben von der Vokabel «und», verfolgt der Roman die Schicksale dieser Personen, über Jahrzehnte hinweg. Denn nichts bleibt, wie es ist, es sei denn die Kaffeemühle – «Angelpunkt der Wirklichkeit» –, die Generationen überdauert. Misia wird Pawel Boski heiraten und mehrere Kinder bekommen; Ruta wird nach Brasilien auswandern; Genowefa verdämmert im Rollstuhl, nachdem sie Zeugin der Erschiessung ihres geliebten Eli wurde; Izydor endet im Altersheim. Durch Ur ziehen Deutsche und Russen, Häuser werden niedergebrannt und aufgebaut, in stillen Dachkammern grübelt der eine über Gott, der andere über Vierheiten, und der Wassermann Pluszcz hascht nach den Seelen der toten Soldaten. Olga Tokarczuk verbindet aufs Kühnste Naturmystizismus mit Ursprungsfragen, Engelslogik mit sinnlicher Beschreibung. In prägnanten parataktischen Sätzen entrollt sie Bilderbogen, die Einzel- und Kollektivschicksale erschreckend plastisch fassen. Mit gnadenloser Lakonie heisst es etwa: «Da Gott Kurts Gedanken lesen konnte wie eine Landkarte und sich daran gewöhnt hatte, ihm seine Wünsche zu erfüllen, erlaubte er ihm, für immer in Ur zu bleiben. Er bestimmte ihm eine dieser vereinzelten verirrten Kugeln, von denen es heisst, Gott habe ihren Lauf gelenkt. – Bevor die Bewohner von Ur den Mut aufbrachten, die Leichen zu begraben, die die Januaroffensive hinterlassen hatte, war es schon Frühling, und deshalb erkannte niemand in dem verwesenden Leichnam eines deutschen Soldaten Kurt. Er wurde in dem Erlenwäldchen gleich neben den Pfarrerswiesen begraben, und dort liegt er bis heute.» Sentimentalität hat in diesem Universum keinen Platz. Dennoch – oder gerade darum – gelingen Tokarczuk zutiefst anrührende Szenen: Momentaufnahmen aus dem Kriegsalltag, Abbreviaturen des Grauens «sub specie aeternitatis». Die erbarmungslosen Fakten erzählen von der Relativität allen Seins, aber sie haben ein unverwechselbares Gesicht; sie heissen Kurt, Eli oder Ivan Mukta. Der Russe Ivan zeigt dem Kind Izydor «alle wichtigen Dinge»: Zuerst zeigt er ihm «die Welt ohne Gott», dann «ging er mit ihm in den Wald, wo die Partisanen begraben waren, die die Deutschen erschossen hatten», dann macht er ihm vor, wie man es mit einer Ziege treibt. Wenig später ist er tot. Izydor wird ihn nie vergessen können. Wer ist hier Akteur, der Mensch oder das Fatum, das dumpfe Individuum oder die Geschichte? Wie im Traum bewegen sich Tokarczuks metaphysisch-animalische Gestalten durch die Fährnisse des Lebens, schuldig-unschuldig zugleich. Sie schuften und sinnieren, sie dulden und malträtieren. Auf den absurden Bahnen des Erdenkarussells folgen sie ihrer naturgegebenen Bestimmung. Da läuft selbstredend manches schief, und die Autorin spart nicht an Ironie, um das Mischwesen Mensch als zwiespältiges zu entlarven. Tiere haben es einfacher. Und am einfachsten hat es die stumme Welt der Pflanzen und Gewässer. Ihre Magie wird von Tokarczuk besonders eindringlich beschworen. Hier ist eine Kraft am Werk, die keiner Hinterfragung bedarf. Selbst der Schöpfergott bleibt aussen vor. Poetische Verdichtung gehört nicht zum geringsten Verdienst von Tokarczuks grandioser Parabel, die ein bisschen Dorfgeschichte, ein bisschen historisches Epos und vor allem ein märchenhafter Erzählreigen ist. Mitteleuropäisches Malaise liegt darin eingeschlossen wie das Insekt im Bernstein. Und in mythisch-urwüchsiger Form die gebündelte Vision des vergangenen Jahrhunderts. Ilma Rakusa
  9. Cover des Buches Der weiße Rabe (ISBN: 9783518462164)
    Andrzej Stasiuk

    Der weiße Rabe

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Fünf Freunde Anfang dreißig sind desillusioniert von ihrem Leben als Familienväter und dem Zusammenbruch des Kommunismus in Polen. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft und beschließen ein Abenteuer, zwei Wochen fernab der Zivilisation zu wagen. Sie fahren im Winter in die Grenzregion zwischen Polen und der Slowakei und wollen durch die verschneite Landschaft gehen und sich selbst finden. Als dann einer aus der Gruppe einen Grenzbeamten erschlägt und der Winter mit Schnee und Kälte immer stärker wird, kippt das Abenteuer und wird zu einem Überlebenskampf. Sie müssen gegen die Naturgewalten kämpfen und überschreiten ihre Grenzen bis hin zum Tod und Überlebenskampf für alle, den diese zum Teil verlieren.

     

    Mit einer außergewöhnlichen Sprache gelingt dem Autor eine Beschreibung eines besonderen Lebensgefühls mit einer extremen Grenzerfahrung. Das Leben mit all seine Facetten und die Naturgewalten, die dieses bedrohen werden exzellent beschrieben. Ebenso das Scheitern und die Endlichkeit des menschlichen Daseins. Ein exzellentes, aber auch betrübendes Buch, das aber dennoch eine Leseempfehlung ist.

  10. Cover des Buches Pornographie (ISBN: 9783596164363)
    Rolf Fieguth

    Pornographie

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Castorp (ISBN: 9783423135832)
    Pawel Huelle

    Castorp

     (1)
    Aktuelle Rezension von: PaulTemple
    Im Jahr 1924 lässt Thomas Mann seinen Protagonisten Hans Castorp den "Zauberberg" bereisen und erschafft damit ein Werk, was mich nach wie vor tief beeindruckt und fasziniert. In einem Nebensatz erfährt der Leser, dass Castorp vier Semester in Danzig studiert hat. Genau diese Randbemerkung nimmt Pawel Huelle 2004 zum Anlass, einen Roman über diese zwei Jahre im Leben des Studenten zu verfassen. So begleitet der Leser den jungen und anfangs sehr disziplinierten Hans Castorp an das Polytechnikum zu Danzig, wo er 1904 mit dem Studium des Schiffbaus beginnt. Durch einen Zufall begegnet er einer aufreizenden Fremden, die sein Gefühlsleben und seine innere Ordnung ordentlich durcheinanderbringt und schließlich zu psychologischen Behandlungen, einem Privatdetektiv und gar einem Mord führt.
    Auch Huelle verschreibt sich dem Bildungsroman und imitiert auf herrliche Art und Weise den Sprachstil Thomas Manns, nicht ohne eine gewisse Portion Ironie hinzuzufügen und mehrere Parallelen zum späteren "Zauberberg" aufzuzeigen.
    Ich habe "Castorp" SEHR genossen: Definitive Leseempfehlung!
  12. Cover des Buches Das letzte Abendmahl (ISBN: 9783406582431)
    Pawel Huelle

    Das letzte Abendmahl

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Bacacay (ISBN: 9783596164318)
    Rolf Fieguth

    Bacacay

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Ferdydurke (ISBN: 9780300181678)
    Rolf Fieguth

    Ferdydurke

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Welt ohne Erbarmen (ISBN: 9783446199347)
    Gustaw Herling

    Welt ohne Erbarmen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Reisefieber (ISBN: 9783421042873)
    Mikolaj Lozinski

    Reisefieber

     (3)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    Kostbare Zeit ohne Leben Ein überraschend reifer Debütroman eines jungen polnischen Autors Von einem komplizierten Mutter-Sohn-Verhältnis erzählt Mikołaj Łoziński in "Reisefieber". Dessen Held macht sich auf den Weg von New York nach Paris, um die verlorene Zeit seines kindlichen Vertrauens zu suchen. Männern fällt es im Allgemeinen nicht leicht, Gefühle zu zeigen, geschweige denn, über sie zu reden. Die amerikanische Neuropsychologin Louann Brizendine verglich in ihrem Buch "Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer" die emotionale Ebene der Geschlechter treffend mit Verkehrswegen. "Frauen haben einen achtspurigen Highway um ihre Gefühle auszudrücken, Männer nur eine Landstraße.", ist ihre Auffassung. Ein holpriger Feldweg scheint der des Ich-Erzählers Daniel zu sein. Zudem kommt bei dem bisher erfolglosen Schriftsteller schwedischer Nationalität, der in New York lebt und in Paris aufgewachsen ist, noch eine ausgeprägte zwischenmenschliche Unsensibilität hinzu. Zu Beginn des Romans erreicht Daniel die Nachricht vom Tod seiner Mutter Astrid. "Er konnte doch so viele Sprachen, Millionen von Wörtern. Wieso kam er jetzt nicht auf ein einziges? Wie fühlt sich ein Mensch, der die Mutter verloren hat? Wie fühle ich mich?, grübelte er. Ich fühle mich wie ein Mensch, der die Mutter verloren hat. Sinnlos. Anders kann ich es nicht sagen." Seit Jahren distanziert er sich von ihr und hat den Kontakt vollständig abgebrochen. Um die letzten Angelegenheiten zu regeln, fliegt er nach Paris. Tiefenpsychologische Therapie Die Stadt seiner Kindheit und Jugend offenbart noch viele Spuren Astrids, die Daniel nach und nach entdeckt und verfolgt, um den "Code für all das abzulesen, was in den achtunddreißig Jahren mit ihm geschehen war." Er besucht Menschen, die im Leben der Mutter zuletzt eine Rolle gespielt haben. Und so lassen die Gespräche mit dem Liebhaber, der Psychotherapeutin oder der Halbschwester seiner Mutter sowie dem Arzt der letzten Stunden zum ersten Mal echtes Interesse an Astrids Person entstehen. Sein Aufenthalt gleicht mehr und mehr einer tiefenpsychologischen Therapie für sein gestörtes Emotionsempfinden. Er holt die Räume seiner Vergangenheit in die Gegenwart und versucht, sein Leben zu rekonstruieren und zu analysieren. "Bruchstücke von Erinnerungen tauchen vor seinen Augen auf, er nahm vergessen geglaubte Gerüche wahr, hörte Musik von einer kratzenden Schallplatte, dann war ihm, als zöge es ihm den Boden unter den Füßen weg und als würde er gleich salziges Meerwasser schmecken." Immer wieder treten schemenhafte, bedrohliche Bezüge eines Griechenlandurlaubs zu Tage und führen ihn letztendlich zu einem schrecklichen Familiengeheimnis. Der Leser erfährt schon am Anfang des Romans eine suggestive Reizübertragung, die der polnische Autor nahezu perfekt beherrscht. So wird er bereits während des Fluges mit den idiosynkratischen Eigenarten des jungen Mannes konfrontiert. Daniel hat einen geradezu manischen Zwang, sich in exakt getimten Abständen die Fingernägel zu schneiden. Während der gesamten Romanhandlung wird sich sein innerer Zustand nahezu perfekt an ihrem Längengrad abmessen lassen. Gleichzeitig sind sie sein Zeitmesser. Fesselnde Spurensuche Das stetig wiederkehrende Motiv der zu langen Nägel ist charakteristisch für Łozińskis Gespür für Kleinigkeiten, aus denen er seine Erzählung zusammensetzt. Gekonnt verwebt er ein scheinbar chaotisches Sammelsurium von Bruchstücken zu einer ausgewogenen Melange aus Gedanken, Erinnerungsfetzen und Wunschvorstellungen. Dabei flicht der Autor kontrapunktorisch eine zweite und dritte, ausnahmslos im Präsens angesiedelte Erzählebene ein, in der er Daniels Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Anna beleuchtet und vor allem Astrid selbst zu Wort kommen lässt. Alle Begebenheiten stehen in einem engen Kontext symbiotischer Abhängigkeiten. Kleine Andeutungen, vage Hinweise und plötzliches Abschwenken halten zudem durchweg die Spannung. Das Debüt des 26-jährigen Polen ist in einer angenehm klaren, leicht und flüssig zu lesenden Sprache gehalten, geprägt von einem sanften, melancholisch-hypnotischen Sprachrhythmus. Nichts Ungestümes, Drängendes oder gar Konstruiertes offenbaren die Zeilen. So erweist sich "Reisefieber", im Gegensatz zum Leben seiner Protagonisten, keineswegs als "Scherbenhaufen" oder "abstraktes Müll-Museum", sondern als ein harmonisch-unauffällig strukturierter Roman, der ein nahezu fachmännisches, dezent-psychologisches Profil seiner Protagonisten entwirft und sich durch eine großartige Visualisierung auszeichnet, die sich keineswegs nur auf Schwarz und Weiß beschränkt, sondern über vielfältige Farbnuancen verfügt. Die Übersetzerin Roswitha Matwin-Buschmann hat diese sorgfältig aufgenommen und wunderbar ins Deutsche übertragen. Fazit: Dieses stille, unprätentiöse Buch einer fesselnden Spurensuche nach eigener Identität und verlorener Zeit, mit vielfältigen Reflexionen über Verantwortung, Liebe, Tod, Einsamkeit und der Möglichkeit einer "Lebenskorrektur", hinterlässt einen wundervollen Nachhall. Es zeugt von einer ungewöhnlichen Reife seines jungen Autors.
  17. Cover des Buches Das Tal der Issa (ISBN: 9783518399262)
    Czeslaw Milosz

    Das Tal der Issa

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Madame (ISBN: 9783423129749)
    Antoni Libera

    Madame

     (6)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Tal der Issa (ISBN: B002CDX4HE)
    Czeslaw Milosz

    Tal der Issa

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Theaterstücke (ISBN: 9783596167593)
    Witold Gombrowicz

    Theaterstücke

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Kosmos (ISBN: 9783596164356)
    Rolf Fieguth

    Kosmos

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ferrante
    "Die Bessessenen" vom selben Autor gefiel mir sehr gut, aber dieses Buch hier musste ich bald wieder aus der Hand legen. Der psychisch sehr auffällige Erzähler lebt in den Ferien mit einem Kollegen bei einer Familie zur Untermiete und phantasiert die ganze Zeit nur brabbelnd über die erotischen Münder von bestimmten Frauen im Haus, die Hand eines Mannes und psychotische Vorstellungen von unerklärlichen Zeichen und Botschaften in seiner Umwelt. Eher eine Fallstudie als eine Erzählung.
  22. Cover des Buches Der futurologische Kongreß (ISBN: 9783518471456)
    Stanisław Lem

    Der futurologische Kongreß

     (84)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Eine fantastische Parabel auf unsere Wahrnehmung und ein Verwirrspiel um Wirklichkeiten, dass ich mehrfach gelesen habe und das mich immer wieder begeistert. Mit unfassbaren Tempo taucht man in immer tiefere Ebenen, die immer wieder wie Seifenblasen zerplatzen. Illusionen und Masken der Realität werden immer wieder aufs neue entlarvt. 
  23. Cover des Buches Sämtliche unfrisierte Gedanken (ISBN: 9783836300582)
    Karl Dedecius

    Sämtliche unfrisierte Gedanken

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Hallogen
    Aphorismen sollte man wirken lassen. Bei Lec neige ich aber dazu, sie zu verschlingen. Er ist ein ganz großer Autor dieses Genres, vielleicht sogar der beste Aphoristiker überhaupt (obwohl man mit solchen Urteilen vorsichtg sein sollte). Einfach grandios, was er da hintereinander abspult. Eigentlich müsste ich jetzt alle zitieren, die mir gefallen, aber das ist unmöglich. Trotzdem mal drei schöne Beispiele: "Viele, die ihrer Zeit vorausgeeilt waren, mussten auf sie in sehr unbequemen Unterkünften warten.", "Wenn die Angst blass ist, braucht sie Blut." und "Ohne die Kenntnis einer fremden Sprache wirst du niemals das Schweigen des Ausländers verstehen können." Lec kann aber auch sehr direkt sein: "Säge nicht am Ast, auf dem du sitzt, es sei denn, man wollte dich daran hängen." oder "Hört auf, geistige Dürre fruchtbar zu machen." Mein liebster ist noch immer: "Einst war die schmutzige Pfütze weißer Schnee: ich machte hochachtungsvoll einen Bogen um sie.", aber ich glaube hier findet jeder seinen eigenen Aphorismus, denn Lec deckt alle Bereiche des Lebens ab. Ich kann aber nur davor warnen, allzu viele hintereinander zu lesen: man fängt dann plötzlich selbst an, in Epigrammen zu denken ;-) Zum Abschluss noch einer, mit dem sicher jeder sein ganz persönliches Bild verbindet: "Guter Rat für Schriftsteller: Im gewissen Augenblick zu schreiben aufhören: Sogar, bevor man angefangen hat."
  24. Cover des Buches Das Salz der Erde (ISBN: 9783518396698)
    Józef Wittlin

    Das Salz der Erde

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden

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