Bücher mit dem Tag "portugiesische literatur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "portugiesische literatur" gekennzeichnet haben.

20 Bücher

  1. Cover des Buches Die Stadt der Blinden (ISBN: 9783442745296)
    José Saramago

    Die Stadt der Blinden

     (544)
    Aktuelle Rezension von: Leonore324

    Der Schreibstil ist zunächst ein wenig schwer zu lesen, da es ein bisschen dauert, bis man herausfindet, wer was sagt. Mit der Zeit habe ich mich aber dran gewöhnt und konnte ohne große Probleme fortfahren. Zudem finde ich es klasse, dass in diesem Buch den Charakteren keine Namen gegeben werden.

    Den Inhalt des Buches empfand ich als sehr spannend, aber oftmals auch sehr schrecklich und eventuell nichts für schwache Nerven. Ein Teil des Buches hat mir besonders zu schaffen gemacht, die Beschreibungen waren wirklich sehr detailreich und trugen dazu zu dem Horror bei, den man eh schon beim Lesen verspürt hatte. 

    Alles in allem ist das Buch sehr gesellschaftskritisch mit einigen philosophischen Weisheiten und es lohnt sich meiner Meinung nach wirklich, es zu lesen!

  2. Cover des Buches Nachtzug nach Lissabon (ISBN: 9783442746248)
    Pascal Mercier

    Nachtzug nach Lissabon

     (1.359)
    Aktuelle Rezension von: Clarissa03

    Raimund Gregorius (genannt Mundo) verlässt nach einer besonderen Situation das Gymnasium in Bern in dem er als Lateinlehrer arbeitet. Er fährt mit dem Nachtzug nach Lissabon und ist auf der Suche nach dem Arzt Amadeu de Prado, von dem er zuhause im Antiquariat ein Buch entdeckt hat, das ihn fasziniert. Schon im Zug lernt er einen Mann kennen, der ihm bei der Suche hilft.

    Er lernt auf seinem Aufenthalt verschiedene Leute kennen, die jahrelang mit Amadeu de Prado zusammen gelebt haben oder befreundet waren. Auch erhält er einen tiefen Einblick in das Leben des Arztes, der nur nahestehenden Personen vorbehalten ist. Raimund Gregorius fährt verschiedene Orte an und erfährt immer mehr über die schillernde und auch einsame Persönlichkeit Amadeu de Prados.

    Pascal Mercier hat wieder mal einen einsamen und introvertierten Gelehrten beschrieben, den es auch schon in seinem früheren Buch Perlmanns Schweigen gab. Raimund Gregorius ist auch ein akribischer Übersetzer der alten Schriften, er hat unter anderem Griechisch, Hebräisch studiert,  in seiner Jugend die Liebe für das Morgenland entdeckt und Persisch gelernt. Nun als er Hals über Kopf nach Portugal abreist, lernt er in kürzester Zeit die portugiesische Sprache, um das Buch Prados zu lesen und in Lissabon die Menschen verstehen zu können und sich selbst verständlich zu machen.

    Diese unberechenbare Flucht passt so gar nicht zu Mundo, der immer so zuverlässig ist und sich keine Disziplinlosigkeit leistet. Sein Tag verläuft wie ein Schweizer Uhrwerk und er bedauert, dass er in seiner Jugend die falsche Berufswahl gewählt hat. Auch erinnert er sich an eine Begebenheit in jungen Jahren, die seinen ehrlichen Charakter zeigt. Er ist kein charmanter und exzentrischer Typ auf den die Frauen stehen, aber es gibt Begegnungen auf seiner Reise durch Portugal mit Frauen, die diesen unbeholfenen Mann berühren. Und nicht nur Frauen sind es, mit denen er intensive Begegnungen hat. Auch lernt er einige Wegbegleiter Amadeus kennen und kann zeigen, wie versiert er im Schachspielen ist. 

    Bei Amadeo de Prado und Raimund Gregorius gibt es einige Parallelen. Zum einen die gemeinsame Liebe zum geschrieben Wort, die Angst vor einer Krankheit und ihre Empfindsamkeit anderen gegenüber.

    Raimund Gregorius macht keine halben Sachen. Wenn er sich zu etwas entschlossen hat, zieht er es bis zum Ende durch, aber er ist ein einsamer altmodischer Zeitgenosse, der auf andere wohl verschroben wirkt.

    Auch dieses Buch von Pascal Mercier wurde bis auf einige Begegnungen spannend geschrieben. Pater Bartolomeu hat Amadeu de Prado sehr detailiert und gefühlvoll beschrieben, aber die Unterhaltung zwischen Jorge und Prado war mir zu philosophisch und verworren. Am Ende habe ich gedacht, Raimund Grigorius würde eine andere Richtung einschlagen.  

     

  3. Cover des Buches Die Reise des Elefanten (ISBN: 9783442742875)
    José Saramago

    Die Reise des Elefanten

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Basierend auf einer wahren Geschichte wird im 16. Jahrhundert ein Elefant von Lissabon zu Fuß nach Wien gebracht, um Großherzog Maximilian von Wien als Geschenk zu dienen. Es ist eine beschwerliche Reise, aber der Elefant Salomon, der zunächst nahezu vergessen ward in der heutigen portugiesischen Hauptstadt, erheitert immer wieder aufs Neue die Gemüter der großen Prozession. So ein Elefant frisst doch recht viel, sodass selbstverständlich extra Karren mit Heuballen den Tross begleiten. Zwischendurch verabschieden sich einige Mitgereiste, aber der Star ist und bleibt der Elefant.

    Dadurch, dass es diese Geschichte wirklich gab, macht es den Verlauf noch faszinierender. Ich kann mir kaum vorstellen, wie ein indischer Elefant, ein wärmeliebendes Tier durch die Berge stapft und halb eingeschneit wird. Wenn man genauer darüber nachdenkt, kommt auch das Thema Tierquälerei in den Sinn, doch das ist natürlich nicht Thema dieser kleinen Geschichte.

    Es war mein erster Saramago und obwohl es keine wörtliche Rede gibt, konnte man den Gesprächen doch ziemlich gut folgen. Bemerkenswert ist auch Saramagos Sprache, die immer einen gewissen Witz versprüht, so dass man wiederholt schmunzelt. In der Geschichte gibt es eine Art Chronisten, der die Geschichte erzählt. Teilweise schweift dieser ab und landet in wilden Spekulationen, Hypothesen und vor allem im Konjuktiv. Trotz meiner anfänglichen Bedenken war die Geschichte wirklich ganz nett gemacht und unterhaltsam und ich werde noch mehr von dem Nobelpreisträger lesen, um mir ein besseres Bild zu machen.

  4. Cover des Buches Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (ISBN: 9783596903092)
    Fernando Pessoa

    Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Edith_Hornauer
    Pessoa, ein Verwandlungskünstler. Drei gleich er! Doch seine Sprache ist immer atemberaubend - fünf Sterne unbedingt auch für dieses Buch!
  5. Cover des Buches Das Zentrum (ISBN: 9783499233302)
    José Saramago

    Das Zentrum

     (32)
    Aktuelle Rezension von: dominona
    Der Inhalt ist poetisch und philosophisch und die Protagonisten sind lebendig. Das Thema ist die Lebensaufgabe des Menschen exemplarisch dargestellt anhand der Töpferei und der Entwicklung einer Familie, die sich der Zeit anpassen muss.
    Ich war leider zeitweise vom Stil genervt und es ist hinderlich, dass die wörtliche Rede nicht durch Absätze und Anführungszeichen gekennzeichnet ist, aber wer sich davon nicht stören lässt, kann zugreifen.
  6. Cover des Buches Das Evangelium nach Jesus Christus (ISBN: 9783499223068)
    José Saramago

    Das Evangelium nach Jesus Christus

     (17)
    Aktuelle Rezension von: HeikeG
    War Jesus wirklich göttlich? . "Das Evangelium nach Jesus Christus" ist das wohl umstrittenste Buch des Portugiesen Samarago, das ihm den Unmut vieler Landsleute und der Kirche einbrachte. Das Buch war für den europäischen Literaturpreis nominiert, wurde dann aber vom Kulturministerium zurückgezogen: WARUM??? . Es ist ein Buch, das den Himmel auf die Erde holt. Jesus erscheint als Suchender und sündiger Mensch - als "Mensch unter Menschen" - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. Er trägt die Schuld seines Vaters Josef mit sich, der, um seinen Sohn zu retten, die Einwohner Bethlehems nicht vor der bevorstehenden Ermordung ihrer Kinder gewarnt hat. Der Menschensohn ist nur eine Figur in Gottes großem Spiel. Saramago stellte in seinem 1991 erschienenen Roman das Evangelium in einen religions-kritischen Zusammenhang, der aktueller denn je ist . José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage. . Es ist jedoch keine leichte Lektüre, liest sich mal nicht ebenso leicht weg. Lange Sätze ohne Punkt und Komma sowie die fehlenden Anführungszeichen innerhalb gesprochener Sequenzen tun ein Übriges und erfordern ein höchstes Maß an Konzentration, die sich jedoch lohnt. Die Zeitschrift Latras schrieb: "Das Evangelium nach Jesus Christus" hat alles, was man von einem großen Roman erwartet: eine in höchstem Maße spannende Handlung, packende Dialoge, Ironie, Tiefe, Subtilität. Saramago wagt sich auf heikles Terrain, und dabei ist sein Jesus Christus menschlicher und christlicher, als er jemals zuvor dargestellt wurde.". Ich kann dem nur zustimmen - dieses Buch hat mich berührt! Einziger Kritikpunkt: das Ende (der Anfang) von Jesus ist meines Erachtens etwas schnell "weg geschrieben". Aber vielleicht wollte Samarago gerade darauf nicht eingehen...
  7. Cover des Buches Die Rückkehr der Karavellen (ISBN: 9783596148431)
    António Lobo Antunes

    Die Rückkehr der Karavellen

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Dass der portugiesischen Nation allerhand Legendäres und Mystisches nachgesagt wird, wie die Schwermut, das Eroberergen und das Entdeckertum, schuf auch viele überbewertete Missverständnisse. Antunes lässt in seinem Roman die großen historischen Personen in die Gegenwart zurückkehren, in Lissabon stranden und sich mit dem Wert ihrer Taten in diesem Kontext der Moderne auseinandersetzen. Das Ergebnis ist ein überbordender Roman mit viel versteckter Ironie, so manchem Seitenhieb auf all die Legenden und eine Abrechnung mit den legendären Mythen Portugals. Seine Sprache ist ein Tsunami aus Bildern, teilweise absurd wirkend, aber immer mit der Meisterschaft hinreißender Phantasie. Er verlangt einiges vom Leser, seine Sätze sind lang und erfordern Konzentration, doch dann wird man durch großartige Wortakrobatik belohnt, die nicht viele Autoren unserer Zeit so gut beherrschen.
  8. Cover des Buches Alberto Caeiro (ISBN: 9783104033884)
    Fernando Cabral Martins

    Alberto Caeiro

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    "Über den inneren Sinn der Dinge grübeln ist so müßig wie an die Gesundheit denken oder ein Glas zum Quellwasser tragen". Das ist einer der Grundgedanken in der Dichtung Alberto Caeiros, ein weiteres wichtiges Heteronym des portugiesischen Nationaldichters Fernando Pessoa. Caeiro hebt sich von seinen Mitstreitern ab, denn er ist ein Verfechter der logischen Schlichtheit. Für ihn ist die Existenz nur fassbar durch Sehen und Erleben von Dingen. Das Leben kann man nicht durch Denken erfassen, Denken heißt Nicht-Leben. Es ist die Konzentration auf die einfache und unverstellbare Wahrnehmung ohne Fragen. Das bezieht sich auch auf die religiösen Aspekte, denn er verlässt die ganze Gaubensgeschichte für eine Vermenschlichung des Gotthaften und tut dies mit einem deutlichen Seitenhieb auf die katholische Kirche. "Meine Mystik besteht aus Nichtwissen wollen. Sie heißt: Leben und nicht daran denken". Das Glücksgefühl durch eine ungedeutete Gegenwart.
    Die Texte lesen sich auch dadurch leicht, da sie inhaltlich nicht überfrachtet werden müssen. Fast schon wie ein Mantra zieht sich der Grundgedanke der nicht hinterfragbaren Existenz durch Caeiros Werk.
    Ergänzt durch ein "Interview" und interessanten sieben Bemerkungen zum Nichtwissen von Georg Kohler ist die eher minimale Ausbeute des kurzen Schaffens von Caeiro ein zentrales Werk im Repertoire Pessoas. Auch hier wird das portugiesische Original mitgeliefert und erscheint in der gewohnt sorgfältigen und ausfühlichen Bearbeitung des Pessoa-Teams, das sich durch die Werke dieses unglaublichen Literaten gearbeitet hat. Ein leichter, lebensbejahender Pessoa, ganz sicher ein zentraler Teil seiner Arbeit.
  9. Cover des Buches Drittes Buch der Chroniken (ISBN: 9783630621678)
    António Lobo Antunes

    Drittes Buch der Chroniken

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Antunes, den man zu Recht als einen der bedeutendsten Gegenwartsliteraten Portugals bezeichnet, hat neben seinen zahlreichen Romanen auch immer kleine Chroniken geschrieben und diese veröffentlicht. Diese Chroniken waren nicht nur kleine Wegesrandgeschichten sondern auch immer Reflexionen seines Lebens. Die hat er mit sensiblem Gespür für die Feinheiten verfasst, die ihnen diese Einmaligkeit verleiht. Es sind nicht nur die Belege seiner großen Kunst mit dem Wort umzugehen, sondern teilweise tiefgehende Einsichten und Wahrheiten, die sich aus dem großen Erfahrungsschatz des Menschen Antunes speisen.
    Aus diesem Fundus ist die "Chroniken"-Reihe entstanden, eine Sammlung aller für eine Tageszeitung verfassten Beiträge. Der hier vorliegende dritte Band zeugt von Antunes gewachsener Reife, mit den alltäglichen Dingen und Erinnerungen so umzugehen, dass sie sich für ihn im Alter als Gewinn erweisen. Und vielleicht könnte man es so formulieren, obwohl sich der Kitsch darin förmlich aufdrängt, aber es ist auch immer ein Stück Wahrheit in diesem Begriff: Altersweisheit ist das, was man mit ihm bei der Lektüre dieses Bandes teilen kann und das ist wirklich ein Mehrwert, den nicht viele Bücher vermitteln.
    Man kann, ohne etwas von Antunes gelesen zu haben, auch mit den Chroniken beginnen und diesen Schriftsteller kennenlernen. Vielleicht sogar der beste Weg, ihm näher zu kommen. Enttäuscht wird man von keinem seiner Bücher, ein so wortgewandter und begnadeter Schreiber ist in diesen Zeiten selten geworden. Nur Mut, liebe Leser, gönnen Sie sich eine Neuentdeckung.
  10. Cover des Buches Algebra der Geheimnisse (ISBN: 9783250010579)
    Fernando Pessoa

    Algebra der Geheimnisse

     (1)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly
    Algebra der Geheimnisse, ein Lesebuch, welches sich mit dem portugiesischen Dichter Fernando Pessoa als Person und seinen Werken auseinandersetzt. Pessoa wurde im deutschen Sprachraum durch sein "Buch der Unruhe" populär, in Portugal zählt er zu den bedeutendsten Dichtern. Als Schriftsteller hat er seine Person in mehrere Heteronyme aufgespalten. Das mag skurril erscheinen, mich hat das jedoch immer fasziniert. Auf diese Weise konnte Pessoa meiner Ansicht nach die verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit ausleben ohne dafür als unstet kritisiert zu werden. Seine Haupt-Heteronyme, Ricardo Reis, Álvaro de Campos und Alberto Caeiro wurden mit eigener Historie "erschaffen" und durften durch Pessoa ihre völlig unabhängige Kreativität entwickeln. Nicht zu sprechen von Bernardo Soares, dem Protagonisten des Buches der Unruhe! Im Lesebuch enthalten sind verschiedene Beiträge, wie der Essay von Georg Rudolf Lind unter dem Titel "Fernando Pessoa - der vervielfachte Dichter", mit zahlreichen Abbildungen versehen sowie eine Anthologie aus dem Werk von Pessoa, Octavio Paz' Essay "Fernando Pessoa - Der sich selbst Unbekannte, Peter Hamm's Vergleich zwischen Pessoa und Robert Walser und Georges Günterts Analyse des Gedichts "Tabacaria - Tabakladen". Sämtliche Beiträge habe ich mit großem Interesse gelesen und finde es sehr aufschlußreich den Dichter einmal nicht durch meine Augen zu sehen. Absolut empfehlenswert!
  11. Cover des Buches Baron von Teive (ISBN: 9783104032122)
    Fernando Pessoa

    Baron von Teive

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    "Die Erziehung zum Stoiker" wird als Ergänzung zum "Buch der Unruhe" gesehen und möglicherweise ist das so, darüber werden sich wohl die Pessoaisten noch lange streiten. Es ist das kleinste Oevre der Pessoa-Heteronyme, ein schmales Bändchen, das alle Texte des Barons enthält. Der unterscheidet sich vom Träumer Soares in erster Linie dadurch, dass sein Schreibstil ein klarerer und gradliniger ist, denn Baron von Teive hat uns nur einge Regeln und Prinzipien seines Lebens mitzuteilen und ist sich dessen bewusst (und natürlich auch betrübt), dass es nicht zu einem ganz großen Werk reichen wird. Geprägt sind seine Ausführungen von Stolz und Entsagung und das empfindet er gleichzeitig als eine Unfähigkeit zum Leben und diese führt wiederum in den einzigen, und in der Konsequenz logischen Ausweg, den Selbstmord. Dennoch unternimmt er den Versuch, diesem Selbstmord einen logischen Sinn zu geben, eine Logik, die sich ihm aufdrängt, denn zu sehr ist er gefangen von statusbedingten Prämissen, denen er trotz Abneigung, zu folgen bereit ist. Zudem kann er nicht gegen die Ungleichheit im Verhältnis von Empfinden und Verstand ankämpfen. Auch im Verständnis von Philosophen macht er unüberbrückbare Hindnernisse aus und so sind zwar die Versuche der Rechtfertigung des Freitodes immer entschuldigend, aber nie wankelmütig. Die Auseinandersetzung des Hilfsbuchhalters Soares mit seinem zweigeteilten Leben, die ihn nie in eine reale Gefahr bringt, ist bei Baron von Teive die Konfrontation mit der kalkulierten Niederlage.
    Ungewohnte Eindimensionalität bei Pessoas Heteronymen, vielleicht erklärt auch das den eher mageren Nachlass des Barons.
    Mit einem interessanten Essay vom Herausgeber Richard Zenith und einem nicht ganz so gelungenen, und hier vielleicht sogar überflüssigen Nachwort von Georg Kohler, der darin Position bezieht, deren Inhalt an dieser Stelle keine Gegenposition findet und deswegen fehl am Platze ist, denn gerade seine Bemerkungen muss man nicht teilen.
  12. Cover des Buches Raquels Töchter (ISBN: 9783894702175)
    Helena Marques

    Raquels Töchter

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches An den Flüssen, die strömen (ISBN: 9783442745968)
    António Lobo Antunes

    An den Flüssen, die strömen

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Clari
    Angst und Fieberträume ...... Wer von diesem Buch, das während einer schweren Krebserkrankung entstanden ist, Aufschluss über Leid und Tod im herkömmlichen Sinne erwartet, der wird zunächst verwundert sein. Antonio Lobo Antunes, der hoch gerühmte portugiesische Dichter, hat seine Visionen, die er im Ausnahmezustand einer schweren Darmkrebserkrankung erlebt hat, aufgeschrieben. Sie entführen uns in eine Welt, die nicht mehr die unsere ist. Langen poetischen Ausflügen gleich erreichen uns Satzfetzen, mit denen wir zunächst nichts anzufangen wissen. Sie sind wirr und ungeordnet. So also fühlt es sich an, wenn man sich im Fieberwahn befindet! Wenngleich die Gedanken keine Zusammenhänge aufweisen, kann man doch die Ängste und das Unbehagen spüren, in einer fremden Welt zu sein. Da tanzen Bilder vor dem inneren Auge des Erzählers, die an frühe Kindheit, Mutter, Vater und Großeltern erinnern. Unterbrochen von tiefen und zuweilen fast komatösen Schlafzuständen reißen die Erinnerungen immer wieder sehr plötzlich ab. Medizinische Handreichungen, Gespräche über den Kopf des Patienten hinweg, der vermeintlich gar nicht hört, worum es geht, schrecken ihn auf. Verschwommen wahrgenommene Glückwünsche, die Hoffnung auf Genesung versprechen, unterbrechen den Gedankenfluss. Vieles ist dem Erzähler unheimlich, und er weiß nicht, was mit ihm geschieht. In der Summe der Sätze steckt seine ganze Vergangenheitsgeschichte. Doch abgerissen und vom Schlaf unterbrochen stehen die Sätze im Raum, die den Leser animieren, sich selber aus den Gedankenfetzen einen Reim zu machen: „ ...und er stieg nicht mit den Flüssen herunter, kleine Blätter taten es, ein Weidenzweig tat es kreiselnd, wir steigen nicht hinunter, Vater, Senhor Hélio und der Großvater auf der Veranda, und er glaubte nicht, dass die Großmutter den Großvater aus Angst akzeptiert hatte....“ Dieses Beispiel zeigt, wie wenig zusammenhängend die Erzählung verläuft. Der biographische Roman ist jedoch von einer ungeheuren Sprachgewalt und filigranen poetischen Ausdruckskraft. Man kann mitten im Buch, zu Beginn oder am Ende anfangen: der Klang der Sprache bestimmt den Text und lässt uns staunen.
  14. Cover des Buches Handbuch der Malerei und Kalligraphie (ISBN: 9783499223044)
    José Saramago

    Handbuch der Malerei und Kalligraphie

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Kyrill
    Ein Perspektiven verschiebender Subjektiver Gedankenrausch. Ein Wunder von einem Buch. Saramago nutzt die Literatur und dessen Stärken zur fülle aus und schenkt uns auf 300 Seiten mit eines der besten Bücher die ich je Lesen durfte. "Geheimnisse?" - "Nein. Blätter. Geschriebenes."
  15. Cover des Buches Das Memorial (ISBN: 9783455005028)
    José Saramago

    Das Memorial

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Schwere Kost, toller Background über portug. Geschichte
  16. Cover des Buches Mein Name ist Legion (ISBN: 9783442744138)
    António Lobo Antunes

    Mein Name ist Legion

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Wolkenatlas
    "Fado sobre Bairro" (Bairro-Fado) Ich meine mich zu erinnern, einmal die Aussage gelesen zu haben, António Lobo Antunes würde eigentlich nur an einem Buch schreiben. Das würde bedeuten, jeder neue Roman des Autors wäre eine neue Facette bzw. eine Neubeleuchtung eines Moments aus einem anderen Roman von Antunes. Das große Thema von António Lobo Antunes ist immer Portugal. Ob in Form einer Elegie über Angola oder die Auswirkungen Angolas auf Portugal, oder in Form einer Auseinandersetzung mit der Diktatur Salazars bzw. deren Auswirkungen auf das Leben in Portugal für die Portugiesen. "Mein Name ist Legion" ist der deutschsprachige Titel des im Original schon im Jahr 2007 erschienenen Romans. "Die Verdächtigen, 8 (acht) an der Zahl und im Alter zwischen 12 (zwölf) und 19 (neunzehn) Jahren, verließen um 22:00 (zweiundzwanzig Uhr und null Minuten) den im Nordosten der Hauptstadt liegenden und leider wegen seiner heruntergekommenen Bausubstanz und den damit verbundenen sozialen Problemen bekannten Stadtteil Barrio 1° de Maio in Richtung Amadora, wo sie angenommenermaßen gegen 22:30 (zweiundzwanzig Uhr und dreißig Minuten), was allerdings noch der Bestätigung durch die Verhöre, sei es der Verdächtigen, sei es möglicher, bisher noch nicht festgestellter Zeugen bedarf, mit einer Hauptschlüssel genannten Methode ..." Dieser erste Absatz, an dieser Stelle durch den ersten Einwurf unterbrochen, ist schon die Keimzelle dieses in sich kreisenden Romans. Ein kurz vor der Pensionierung stehender Polizist verfasst einen trockenen Tatsachenbericht über eine besonders brutale Nacht einer aus dem Elendsviertel Barrio stammenden Jugendgang, in der unter Anderem Mord, Vergewaltigung und sonstige Brutalität vorkommen. Immer wieder unterbrechen Erinnerungen an seine Kindheit, an eine physisch und psychisch weit entfernt lebende Tochter aus einer gescheiterten Ehe den Verlauf. Und so treten immer mehr Stimmen in Erscheinung; Prostituierte, Gangmitglieder, Verwandte, Schwarze, Weiße, Mischlinge; Menschen, die im Schatten der Wohlstandsgesellschaft leben, für die Gewalt eine übliche Begleiterscheinung des Lebens darstellt. Beeindruckend ist, wie António Lobo Antunes innerhalb dieses hochvirtuosen polyphonen Stimmengewirrs Raum für individuelle Farben schafft. Auch wenn es höchste Konzentration erfordert, dieses wunderbare großangelegte Werk zu lesen, ist doch immer sehr rasch klar, wer gerade die Rolle des Erzählers, des Nörglers, des Leidenden, des Enttäuschten und des Erniedrigten übernommen hat. Die von Antunes hier gezeichnete Welt ist hart, kalt und in aller Konsequenz aussichtslos. Er legt seinen "Sezierstift" dort an, wo es am meisten weh tut. "... und ich wartete auf meinen Vater, war mir dennoch sicher, dass ich den Weg aus dem Bairro finden würde, nicht bei den wilden Feigen und den Kakteen, sondern oben, bei dem Eukalyptushain und dem Steinbruch, aber wer garantiert mir, dass die Polizei nicht im Steinbruch, auf dem Campingplatz am Ausgang von Amadora oder auf der Autobahn ist, wo Mädchen, die nach Beendigung des Krieges aus Afrika gekommen waren, an den Kilometersteinen stehen und uns zuwinken (falls die magere Rothaarige - Kuckuck umarme ich sie dann?) die Krücke fiel am Ende hin, die Vögel blieben ohne Füße und Schwänze, und kein Neger stellte sie fertig, manchmal frage ich mich, ob es mir nicht doch etwas ausmacht, inmitten von Mischlingen zu leben, die nicht mit mir zusammenleben, sie sind im Bairro mit einem Land unterwegs, das sehr viel größer ist als dieses hier ..." Längst hat sich der trockene Bericht in einen poetischen Albtraum verwandelt, eine Symphonie der Stimmen, ein traurig-schauriges literarisches Plädoyer für einen angemessenen Umgang miteinander, ein Manifest gegen Rassismus, der doch viel stärker vorhanden ist, als man es wahrhaben möchte. "Wo ich gerade von Mündern rede, ich habe einen Stein vom Bürgersteig genommen und damit auf den Mund und die Nase des großen Schülers gehauen. Mit Kraft, aber nicht mit viel Kraft, um den Zahnapparat nicht kaputtzumachen. Die Bücher seiner Freundin verteilten sich auf dem Boden. Ich habe ihnen einen Fußtritt verpasst. Weil sie hübsch war? Auf sie habe ich nicht geachtet. Weiß nicht. Hab ich doch. Sie hatte ein grünes Kleid an. Ich hatte keine Lust, sie anzufassen. Ich mag nicht, wenn Leute mich anfassen. Als ich klein war, hat mich eine Alte aus dem Bairro manchmal auf den Schoß genommen. Junge, sagte sie. Junge. Dann ist sie gestorben, und das geschah ihr recht ..." "Mein Name ist Legion" ist ein großer, reifer und gewichtiger Roman eines Autors, der die totgeschwiegenen sozialen Probleme unserer Zeit vorführt und den willigen Leser rau und beklemmend wachrüttelt. Prosa, die nur dann belohnt, wenn man bereit ist, sich auf die Weite, die Größe und Mehrdimensionalität dieses Romans ohne Wenn und Aber einzulassen. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 11/2010)
  17. Cover des Buches Sonette : eine Ausw. (ISBN: B002HUULOG)
    Luiz de Camões

    Sonette : eine Ausw.

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Das Todesjahr des Ricardo Reis (ISBN: 9783455650174)
    José Saramago

    Das Todesjahr des Ricardo Reis

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Die Geschichte von Ricardo Reis ist eine Hommage an den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa. Reis , ein Heteronym von Pessoa, ist Arzt und kehrt 1935, als er von Pessoas Tod hört, aus Brasilien nach Lissabon zurück. Dort bezieht er ein kleines Hotelzimmer und lässt sich treiben, beginnt eine erotische Affäre mit einem Zimmermädchen und eine platonische mit der Tochter eines Hotelgastes. Der tote Pessoa, dem nach seinem Tod noch "neun Monate" zugestanden wurden, um bei den Lebenden zu verweilen, trifft den Arzt. Ihre Diskussionen führen immer mehr zur Auflösung des Ricardo Reis, zumal ihm auch seine Affären keinerlei Halt bieten können.
    Nobelpreisträger Saramago hat ein ironisches Verwirrspiel aus der dunklen Zeit Portugals geschaffen, brillant umgesetzt und mit politischem Scharfsinn angereichert, doch Vorsicht: Dieser Schriftsteller ist nur mit Konzentration richtig erfassbar. Saramagos Stil ist anstrengend, weil er durch lange Sätze und kaum abgesetzte Dialogen geprägt ist. Zudem wäre es sinnvoll, sich ein wenig mit Portugal auszukennen, damit man nicht alles nachschlagen muss. Man sollte ein wenig die Geschichte des Landes kennen, die koloniale Ausrichtung und die politischen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts. Und natürlich sollte man wissen, wer Fernando Pessoa ist. Dann hat man ein zwar sehr intensives, aber auch großartiges Leseerlebnis vor sich.
  19. Cover des Buches António Mora (ISBN: 9783596182558)
    Fernando Pessoa

    António Mora

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Alberto Caeiro - Dichtungen, Ricardo Reis - Oden (ISBN: B002FOMKRK)
    Fernando Pessoa

    Alberto Caeiro - Dichtungen, Ricardo Reis - Oden

     (1)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly
    Zweisprachige Ausgabe der Dichtungen des Alberto Caeiro, eines der drei Hauptheteronyme des bedeutenden portugiesischen Dichters Fernando Pessoa (1888 - 1935) sowie Ricardo Reis, dem Odendichter unter den Heteronymen. Alberto Caeiros Dichtungen sind geprägt durch seine ungewöhnliche Betrachtungsweise der Dinge. Er selbst beschreibt dies im ersten Teil "Der Hüter der Herden" so: Auf die eine oder andere Weise, wie es gelingt oder nicht gelingt, schreibe ich meine Verse. Manchmal glückt mir zu sagen, was ich denke, ein andermal sag' ich es schlecht und verworren, so schreibe ich absichtslos meine Verse, als ob das Schreiben nicht aus Gebärden bestünde, als ob das Schreiben mir zustieße wie das Sonnenlicht auf mich fällt. Ich versuche zu sagen, was ich fühle, ohne an das Gefühl zu denken. Ich suche die Worte an die Idee anzuschmiegen und keinen Korridor vom Gedanken zum Wort zu benötigen. Nicht immer gelingt es mir, das zu fühlen, was ich eigentlich fühlen müßte. Mein Denken durchschwimmt den Strom nur langsam, von dem Anzug behindert, den die Menschen ihm angezogen. Ich versuche, was ich gelernt habe, abzulegen, suche die Art der Erinnerns, die man mir beigebracht, zu vergessen und den Farbstoff, mit dem man mir meine Sinne bemalte, abzuschaben, meine wahren Gefühle auszupacken, mich auszuwickeln und ganz ich zu sein, nicht Alberto Caeiro, sondern ein Menschentier, das die Natur hervorgebracht hat. Und so schreibe ich, da ich nur die Natur fühlen will, nicht einmal wie ein Mensch, sondern wie einer, der die Natur fühlt, und weiter nichts. Und so schreibe ich einmal gut, einmal schlecht, bald treffe ich, was ich sagen will, bald verfehle ich's falle hier hin und stehe dort wieder auf, und schreite gleichwohl weiter auf meinem Wege wie ein beharrlicher Blinder. Auch so bin ich nicht zu verachten. Ich bin der Entdecker der Natur. Ich bin der Argonaute der echten Empfindungen, ich bringe dem Weltall ein neues Weltall, weil ich dem Weltall das Weltall selber bringe. Dies fühle ich und dies schreibe ich völlig bewußt und vergesse dabei nicht, dass es fünf Uhr in der Frühe ist und die Sonne, die ihr Haupt noch nicht über die Mauer des Horizontes erhoben hat, dennoch die Fingerspitzen zeigt und den Gipfel der niedrigsten Berge an der Mauer des Horizontes anfaßt." Wo Caeiro durch seine moderne Dichtung zu begeistern weiß, mahnt Ricardo Reis eher vor dieser modernen Kunst. Seine Oden spiegeln dagegen den Klassizismus wider. Reis ermuntert den Leser in seine Oden zur Selbstverwirklichung und verweist auf die Vergänglichkeit. Meine Wertung mit fünf Sternen spricht für sich. Pessoa forever!
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