Bücher mit dem Tag "poststrukturalismus"

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5 Bücher

  1. Cover des Buches Wenn ein Reisender in einer Winternacht (ISBN: 9783446288256)
    Italo Calvino

    Wenn ein Reisender in einer Winternacht

    (178)
    Aktuelle Rezension von: walli007

    Ein Leser möchte den neuen Roman von Italo Calvino kaufen. Im Buchladen umschifft er alle Hindernisse, nämlich die anderen Bücher, die sein Interesse wecken. Endlich hält er das ersehnte Werk mit dem Titel „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ in den Händen. Schon nach kurzer, fesselnder Lektüre muss er feststellen, dass der Roman falsch gebunden ist und nach einigen Seiten wieder von vorne beginnt. Der Leser macht sich auf in die Buchhandlung und stellt fest, er ist nicht der einzige, der so ein fehlerhaftes Exemplar erhalten hat. Die reizende Ludmilla möchte ebenfalls weiterlesen. Der Leser erhält ein weiteres Buch, von dem sich allerdings herausstellt, dass es sich um einen völlig anderen Roman handelt. 


    Auf der Jagd nach der Fortsetzung dieses packenden Romans kommen dem Leser immer neue Romananfänge unter. Und die aparte Ludmilla. Von dem Roman möchte er mehr wissen, aber auch von der jungen Dame. Mit jedem weitern Romanfragment scheint sich eine weitere Spur aufzutun. Wer sind die Menschen, die als Autoren genannt werden? Welches Spiel spielen die möglichen Übersetzer? Gibt es etwa eine heimliche Fehde? Und welche Rolle spielt Ludmilla, die fleißige Leserin? Sie liest in Ruhe um des Lesens willen. Das jedenfalls meint der andere Leser. 


    Ein Roman für einen Leser oder eine Leserin, in dem es um einen Roman geht und noch einen und noch einen. Der Leser wird charakterisiert und bei manchen der Schilderungen sieht man sich selbst lesen oder durch die Buchhandlung wandern auf der Suche nach neuem Stoff. Das hat der Autor wirklich getroffen. Auch der Wunsch nach dem Wissen wie es weitergeht. Ja, das kennt man gut. Eingerahmt werden die Anfänge vom Kennenlernen des Lesers und Ludmilla, zwischen ihnen entspinnt sich eine Geschichte, wie man sie erwarten könnte oder auch nicht. Der Autor versteht es bestens, Überraschungen zu bereiten. Der Schluss kommt dann etwas plötzlich. Und manchmal fragt man sich, ob man jedem Anfang folgen kann, aber anderseits strotzt der Roman nur so von Ideen und treffenden Beschreibungen über das Lesen und das Schreiben. 

  2. Cover des Buches Die siebte Sprachfunktion (ISBN: 9783499272219)
    Laurent Binet

    Die siebte Sprachfunktion

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Achtung: könnte einen Spoiler enthalten

    Roland Barthes, gefeierter Linguist (Semiotiker), wird überfahren. Der scheinbare Unfall ruft schnell die Polizei aufs Parkett. Kommissar Bayard wird mit dem Fall betraut und holt sich Simon Herzog, Doktorand, selber Linguist und beschäftigt mit der Bedeutung von Zeichen, zur Hilfe. Dieser dient ihm als Landkarte, um sich im Dschungel der intellektuellen Elite der poststrukturalistischen 80er in Frankreich zu Recht zu finden. Es stellt sich heraus: Roland Barthes muss im Besitz einer Schrift seines Lehrers, Roman Jakobson, gewesen sein, welche Auskunft über eine siebte Sprachfunktion gibt. Eine Theorie des performativen Gebrauchs von Sprache. Der Heilige Gral für Linguisten. Und für jeden, der Reden zu gewinnen hat. Denn mit ihr sei es möglich, jede Diskussion für sich zu entscheiden und damit die Massen zu gewinnen. Natürlich haben alle möglichen Parteien ein Interesse daran, sich diese Schrift anzueignen. Die Recherchen des ungleichen Paares (konservativer Polizist und linker Doktorand), den Verbleib der Schrift ausfindig zu machen, führt sie vom intellektuellen Moloch in Paris über Bologna (ein Besuch bei Umberto Eco), nach Ithaca in den USA (Besuch eines Podiums, bei dem analytische Philosophie und Kontinentalphilosophie aufeinandertreffen), nach Venedig zum großen Finale. Zudem geraten sie in die Hände einer Gesellschaft, dem „Logos-Club“, eine Art Geheimbund für Rhetoren, bei dem Verlieren die Finger abgehackt werden. Natürlich ist ein jeder potentieller Interessent. Jeder will diese siebte Sprachfunktion. Es gibt eine Liebesgeschichte. Es gibt Action. Es gibt Drama. Es gibt ein Happy End. Was fehlt?

    Im Verlauf des Romans werden unheimlich viele Handlungstüren aufgemacht. Teilweise seicht, sich anbahnend, teilweise abrupt aufgestoßen. Zwar gelingt es dadurch die Paranoia der Zeit, in der sich das Absterben der kommunistischen Idee immer mehr anzudeuten scheint, das verblassen der 68er-Ideale deutlich wird, einzufangen und somit das Lebensgefühl darzustellen, allerdings stellen sich diese ganzen Türen, die Verwirrung stiften im Nachhinein häufig als völlig irrelevant und unsinnig heraus. Doch das ist nicht das Problem mit diesem Roman / Krimi.

    Das eigentliche Problem mit diesem Buch ist, dass die ganze Zeit über einer Idee nachgejagt wird. Was an sich nicht schlimm und durch die wilden Pop-Elemente abgegolten wäre (der Mythos der Pop-Philosophen, die sich mit LSD wegdröhnen und wilde Orgien feiern, Judith (als Judith Butler), die Lesbe, befriedigt Bayard mit einem Dildo anal, während er eine andere Frau penertiert) Aber da diese Idee ein Konstrukt, ein Phantasma ist, und dies im Buch auch bleibt, um den Konflikt von fiktivem Gehalt und Fakten aufrechtzuerhalten, ist die Tatsache, dass sich das Konstrukt, die siebte Sprachfunktion als leere Idee herausstellt, eine Enttäuschung. Der erwartete Höhepunkt, auf den in 450 Seiten zugesteuert wird, verkommt dadurch zur bloßen Formel der Demaskierung. Es war nur ein Bild. Die ganze Story ist nur ein gewaltiger Irrtum. Eben so wie die Auffassung, dass es diese Sprachfunktion tatsächlich gäbe, Genial. Auf der Metaebene. Aber zugleich unendlich enttäuschend. Ja. Vorherbestimmt zu enttäuschen auf der unterhaltenden Ebene. Ganz im Sinne der Poststrukturalisten: die Widersprüche der Kategorien (Fiktion und Realität) werden aufgezeigt, sie kommen ins Wanken und reißen die gesamte Kategorie gleich mit sich. Alles ist nur noch abhängig von subjektiver Anschauung. Das ist alternativlos. Aber konsequent. Der Roman ist zum Scheitern verurteilt und muss notwendigerweise als gescheitert enden. Das ist seine Genialität.

    Moment. Das ist alternativlos? So wäre es ausgegangen. Wäre da nicht das eigentliche Ende. Die letzten 50 oder 60 Seiten schaffen es, die Verve, den intellektuellen Witz der 450 Seiten des Zusteuerns auf diese Enttäuschung in die Jauchegrube zu werfen. Schöne scheiße. Tatsächlich gelang die originale Version der Sprachfunktion in die Hände von Mitterrand. Damit war ihm der Präsidentenplatz sicher. Er brilliert im TV-Duell gegen Giscard d’Estaing. Alles zu Nichte. Auch die Auflösung des mäandernden Autors, der immer wieder, am Ende fast gar nicht mehr, zu Wort kommen kann, das letzte Zucken, das die scheinbare Dichotomie von Fiktion und Roman poststrukturalistisch aufbrechen könnte, verkommt zum schwachen Twist in einem noch schwächeren Ende. Ein viel zu triviales Ende. Es offenbart: die karikierte Welt der Intellektuellen um Derrida, Searle, Lévi-Strauss, Althusser, Kristeva, Sartre, Foucault und und und, die ganzen genialen Anspielungen und die Hoffnungen der Semiotik, die sich im „Logos-Club“ manifestiert, sind allesamt nichts weiter als intellektuelle Selbstbefriedigung. Das alles verkommt durch dieses Ende zu einem rein fiktiven Krimi… Der nicht einmal so konsequent ist, in sich konsistent zu sein… Sicher. Er ist gut. Aber nicht das, was er vorgibt zu sein.
  3. Cover des Buches Welt, Struktur, Denken: Philosophische Untersuchungen zu Claude Lévi Strauss (Epistemata - Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Philosophie) (ISBN: 9783826040184)
  4. Cover des Buches Postmoderne – globale Differenz (ISBN: 9783518285169)
  5. Cover des Buches Marx' Gespenster (ISBN: 9783518292594)

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