Bücher mit dem Tag "preuße"
5 Bücher
- Uta Seeburg
Der falsche Preuße
(104)Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecherDer Preuße Wilhelm kommt als Sondermittler der bayerischen Polizei Ende des 19. Jahrhunderts nach München. Er fühlt sich mit seiner Familie sehr wohl in der Stadt und nach einem Jahr hat er einen spektakulären Fall. Ein bekannter Bierbeschauer wird in einem Federumfang tot gefunden. Mit Hilfe der damaligen kriminalistischen Methoden und viel Menschenverstand versucht Wilhelm den Fall zu lösen, auch wenn er dadurch in Konflikt mit seiner Heimat gerät.
Es war schön mal wieder ein Buch zu lesen das in München spielt. Wenn man in der Stadt wohnt, konnte man sehr viel mit den einzelnen Örtlichkeiten anfangen, hilfreich sind aber auch die Karten im Buch. Ich habe mich oft an Romane wie zB Mord im Orient-Express oder Moulin Rouge erinnert. Normalerweise sind historische Romane nicht wirklich was für mich, aber die Autorin hat es geschafft, dass ich bei der Geschichte geblieben bin und das Buch wirklich gut fande. - Heinrich Heine
Deutschland. Ein Wintermärchen
(10)Aktuelle Rezension von: RebekkaTHeinrich Heine, ein Dichter und Denker, erzählt in "Ein
Wintermärchen" von seiner Reise aus dem Exil in Frankreich nach
Deutschland. Wie er die Grenzwärter in seinem Kopf zurechtweist, dass
sie nach verbotenen Schriften und Büchern suchen und dabei seinen Kopf
vergessen, in dem er alles gespeichert hat. Er freut sich, dass
Deutschland deutsch ist und eben nicht römisch, er erzählt von seiner
Sicht auf Deutschland; jede von ihm genannte Stadt bekommt ihr Fett weg.
Da ich aus Hannover komme und die Geschichte um König Ernst August
einigermaßen kenne, fand ich seine Ansicht zur damaligen Situation
interessant. Auch Köln und die katholische Kirche werden rund gemacht.
Heine spricht klar aus, was wohl viele Deutsche damals dachten und sich
nicht trauten zu sagen, wie heute eigentlich auch. Wo bleibt hier und
jetzt der Aufschrei? Soll sich die Geschichte wiederholen? Hat schonmal
jemand an unsere Generation gedacht?
Das Cover zeigt einen jungen Heinrich Heine, was nicht ganz zu seiner
Geschichte passt, da er 1844 immerhin schon 47 Jahre alt war. Er
bezieht sich mit der Feder auf Frankreich, sein Exil und mit der Kutsche
auf die Reise nach Deutschland.
Katharina Thalbach spricht nicht zu schnell, sie spricht deutlich und
die Stimme bleibt im Ohr. Ich sehe sie fast vor mir, lächelnd, der Text
liegt ihr. Ich schwanke zwischen 4 und 5 Sternen und würde am liebsten
4,5 geben. Frau Thalbach spricht großartig trotz des oft schwierigen
Textes, einzig an den Text musste ich mich gewöhnen. Ich habe ihn drei
Mal hören müssen, um zu verstehen, was Herr Heine sagen will: schön ja,
bildlich auch, beeindruckend, weil er die Zukunft nicht kannte, aber
eben auch weit weg, aus einem anderen Jahrhundert. - Ruta Sepetys
Salz für die See
(75)Aktuelle Rezension von: Chianti_ClassicoJanuar 1945, die letzten Kriegstage brechen an, als sich die Wege von vier Jugendlichen mit völlig unterschiedlichen Wurzeln und Hintergründen kreuzen.
Gemeinsam machen sie sich auf nach Westen auf der Flucht vor der Roten Armee.
"Salz für die See" ist ein Einzelband von Ruta Sepetys, der aus den wechselnden Ich-Perspektiven von Joana Vilkas, Florian Beck, Emilia Stożek und Alfred Frick erzählt wird.
Florian ist Preuße, der auf einer geheimen Mission unterwegs ist. Er ist schweigsam und gebildet, zeigt aber auch eine Lässigkeit, die man in den letzten Kriegstagen selten sieht. Er will nach Westen, um dort nach seiner Schwester Anni zu suchen.
Joana ist einundzwanzig und hat ihr Heimatland Litauen vor vier Jahren verlassen. Sie hat Glück, dass sie deutsche Vorfahren hat, denn so darf sie legal nach Deutschland reisen. Sie ist eine hingebungsvolle Krankenschwester, der das Wohl ihrer Mitmenschen sehr am Herzen liegt.
Die fünfzehn Jahre alte Polin Emilia wird von Florian aus einer schlimmen Situation gerettet und ist ihm danach völlig ergeben, eine Verbindung, die ich sehr spannend fand! Wie sie alle, musste auch Emilia in Kriegszeiten Schreckliches erleiden und doch hat die ihren Mut nicht verloren. Sie ist eine richtige Kämpferin!
Alfred ist siebzehn Jahre alt und Matrose in Gotenhafen. In Gedanken schreibt er heldenhafte Briefe an seine Jugendliebe Hannelore, doch die Realität ist eine ganz andere.
Während ich Florian, Joana und Emilia sehr mochte, kam ich mit Alfreds Art überhaupt nicht klar. Er ist sehr egoistisch und fanatisch, dem Reich und Hitler absolut zugetan. Er ist kein Sympathieträger, aber auch seine Sicht hat einen interessanten Einblick in die Geschehnisse gegeben!
Die vier Protagonisten haben mir insgesamt richtig gut gefallen! Sie stehen auf unterschiedlichen Seiten und haben völlig verschiedene Wurzeln und doch kreuzen sich ihre Wege und sie helfen sich gegenseitig. Besonders ihre Geschichten fand ich sehr spannend, denn der Krieg hat sie nicht verschont und ihre Familien auseinandergerissen.
Es gibt auch eine zarte Liebesgeschichte, die sich nicht in den Fokus gedrängt hat und die mit sehr gut gefallen hat! Ein kleines Licht in diesen dunklen Tagen!
Dank der kurzen Kapitel, die oft nur ein bis zwei Seiten lang waren, ließ sich das Buch sehr gut lesen! Allerdings fand ich es anfangs doch etwas schwierig eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, da die Perspektive zu schnell und zu oft gewechselt hat.
So gut sich das Buch auch lesen ließ, die Handlug war keine leichte Kost.
Die letzten Kriegstage im Jahr 1945 zeigen Menschen, die alles verloren und nur noch wenig Hoffnung haben. Eine Hoffnung ist, dass sie mit einem Schiff über die Ostsee nach Deutschland fliehen können, doch für viele Menschen endet diese Hoffnung im eiskalten Meer. Ruta Septeys beschönigt nichts, sondern zeigt sehr realistisch, wie schlimm die Situation der Menschen damals war.
Ich war vom Zweiten Weltkrieg schon immer fasziniert und habe viele Fakten förmlich inhaliert. Vom Untergang der Wilhelm Gustloff hatte ich trotzdem noch nie etwas gehört. Dabei ist es eine der größten Katastrophen der Seefahrt, von der bis heute nur wenige wissen! Allein das zeigt schon, wie wichtig "Salz für die See" ist. Man muss sich erinnern, um zu verhindern, dass solche Gräueltaten noch einmal passieren!
Ruta Sepetys mischt gut recherchierte Fakten mit vielfältigen Charakteren und lässt auch noch andere sehr spannende historische Tatsachen einfließen, eine sehr gelungene Mischung!
Fazit:
"Salz für die See" von Ruta Sepetys ist ein sehr wichtiges Buch, das über den Untergang der Wilhelm Gustloff erzählt.
Mir haben die vielfältigen Charaktere mit ihren völlig unterschiedlichen Wurzeln richtig gut gefallen, auch wenn ich Schwierigkeiten hatte, eine richtige Bindung zu ihnen aufzubauen, was auch an den sehr kurzen Kapiteln lag.
Ruta Sepetys hat für ihren Roman sehr gut recherchiert und erzählt eine spannende Geschichte, die mich wirklich mitreißen konnte!
Ich vergebe sehr gute vier Kleeblätter! - Adam Zamoyski
1815
(8)Aktuelle Rezension von: kurti66Nach '1812', das ich quasi in einem Stück gelesen habe, nahm ich mir vor einiger Zeit Zamoyskis Ausführungen zum Wiener Kongress vor. Das Buch heißt in der deutschen Übersetzung schlicht '1815' - wohl in Anlehnung an Zamoyskis Bestseller '1812'. In der englischen Originalausgabe kommt diese Jahreszahl im Titel gar nicht vor. Zu Recht, denn der Wiener Kongress begann schon in der zweiten Jahreshälfte von 1814 und seine Ergebnisse und Beschlüsse waren eigentlich zu Beginn des Jahres 1815 schon gefasst. Das kleine Intermezzo von Napoleons Hundert-Tage-Herrschaft und dessen endgültiger Niederlage bei Waterloo im Juni 1815 änderten nur wenig am Gesamtpaket.
Wie schon in '1812' ist Zamoyskis Erzählstil lebendig und er vermag den an Geschichte interessierten Leser mitzunehmen in die ereignisreiche Epoche vor 200 Jahren, als Europa nach den Zerstörungen und Umwälzungen der Napoleonischen Kriege neu geordnet werden musste. Drahtzieher und Mastermind hinter diesen Bemühungen war Österreichs leitender Minister, Fürst Metternich, der Europas führende Politiker und Herrscher nach Wien zu einem Kongress einlud.
Aber was in '1812' noch Spannung erzeugt, nämlich der streng chronologische Aufbau des Buches, wirkt in '1815' ermüdend und lässt die Handlung in viele tausend Facetten und Klein-Klein zerspringen. Der Autor hetzt durch offizielle Sitzungen, private Begegnungen, opulente Bälle und Ausflüge und umfangreiche Korrespondenzen, verliert dabei aber den roten Faden und lässt den geneigten Leser oft mehr verwirrt als informiert zurück. Man erfährt viel, eigentlich zu viel: über fein gesponnene Intrigen, Liebeleien, Frauen, die ihren Körper für politische Zwecke einsetzen, eitle und Testosteron gesteuerte Herrscher, Rachegelüste und wenige Stimmen der Vernunft. Die ganze Zeit über steht Metternichs großes Projekt auf der Kippe, Krieg zwischen den Teilnehmern kann jederzeit ausbrechen. Zu unterschiedlich sind Vorstellungen, Wünsche und gesellschaftliche Strukturen in den Siegermächten und jenen Staaten, die von Napoleon profitiert haben und keine ihrer Erwerbungen wieder rausrücken wollen. Es grenzt an ein Wunder, dass es nach monatelangen Verhandlungen doch zu einer Übereinkunft kommt. Napoleons Rückkehr an die Macht schweißt die Protagonisten dann noch einmal zusammen, aber nach Waterloo brechen die alten Grabenkämpfe wieder neu aus.
Zamoyskis Fazit nach über 600 Seiten: der Wiener Kongress war nicht der große Wurf, als der er in der neueren Geschichtsschreibung dargestellt wurde. Frieden herrschte danach nur wenige Jahre, wenn auch der ganz große Konflikt erst 100 Jahre später ausbrach und Europas alte Ordnung zerstörte.
Auch Zamoyskis Werk ist nicht der große Wurf. Am Ende ist man trotz der enormen Faktenhuberei enttäuscht und fragt sich, ob der Autor mit weniger Seiten nicht effektiver gewesen wäre.




