Bücher mit dem Tag "prosa"

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254 Bücher

  1. Cover des Buches Erhebung (ISBN: 9783453272026)
    Stephen King

    Erhebung

     (174)
    Aktuelle Rezension von: Doreen_Klaus

    Scott ist nicht gerade ein Spargeltarzan und so könnte er erstmal erfreut sein, als bei ihm die Pfunde purzeln, allerdings ist da irgendwas komisch. Scott verliert zwar stetig an Gewicht, seine körperliche Statur ändert sich dabei aber kein Stück. Gesundheitlich ist nichts auffälliges zu finden und Scott fühlt sich so gut und fit wie noch nie. 

    In den Grundzügen erinnert das nur etwas über 100 Seiten umfassende Buch ein wenig an "Thinner -Der Fluch", das King noch unter dem Pseudonym Richard Bachmann geschrieben hat. Der Tenor der Geschichte ist hier allerdings ein vollkommen anderer. Scott, beflügelt durch sein neues Lebensgefühl und mit der Möglichkeit konfrontiert, irgenwann mit seinem Gewicht bei null angekommen zu sein bekommt plötzlich eine ganz andere Sicht auf alltägliche Dinge, die in seinem Umfeld passieren.

    Das Buch ist natürlich kein typischer King im Sinne von Grusel - Horror  Schreckmomenten. Die Story ist eher sanft, nachdenklich, fast melancholisch mit einem tieferen Sinn. King nimmt wiedereinmal den Mikrokosmos seiner fiktiven Gemeinde Castle Rock und zeigt wie tief hier, stellvertretend für viele andere Orte auch, Vorurteile verwurzelt sind, und wie wichtig es ist Stellung zu beziehen um etwas zu bewirken. Er wählt hier ein Thema, das in der heutigen Zeit eigentlich keines mehr sein sollte Homophobie gepaart mit Sexismus. 

    Mit dieser berührenden, aussergewöhnlichen Novelle spannt King für mich den Bogen zu seinen literarischen Anfängen als Autor von Kurzgeschichten. Das Buch fällt etwas aus dem Rahmen, hat aber trotzdem auch seine mysteriösen, phantastischen Momente. Wenn man sich auf diese surreale Geschichte einlässt wird man eine angenehme Lesezeit haben. 

    Ein Muss für Fans, obwohl ich auch verstehen könnte, wenn diese vielleicht etwas enttäuscht wären. Ich für meinen Teil habe das Buch zelebriert und jeden Abend ein Kapitel vor dem Einschlafen gelesen.

  2. Cover des Buches Wir können alles sein, Baby (ISBN: 9783442484089)
    Julia Engelmann

    Wir können alles sein, Baby

     (205)
    Aktuelle Rezension von: Eggi1972

    Gedichte und ich, passt das? Es war mal wieder Zeit, was Neues zu probieren. Eigentlich versuche ich, um Gedichte oder ähnliches einen großen Bogen zu machen.

    Ich hatte zuerst das Hörbuch, welches von der Autorin eingesprochen wurde. Es war zwar gut, aber zu der damaligen Zeit hatte ich einfach zu viel Stress. Es konnte, auch wenn es gut vorgetragen wird (ein Kompliment von mir), nicht die Wirkung bei mir erzielen, die ich mir gewünscht habe. Dies bedeutete dann, dass ich das Buch dann doch noch ein paar Wochen nach hinten gereicht habe. Also zu einem Zeitpunkt, wo ich es einfach genießen konnte. Oder es einfach auf mich wirken konnte. 

    Es gab einige Texte, die dann wo ich endlich ein wenig zur Ruhe gekommen bin, auf mich gewirkt haben. 

    Manchmal habe ich mir auch die Texte zwei oder mehrmals zu Gemüte geführt. Und das komische war, dass ich jedes Mal zu einem anderen Entschluss oder Fazit gekommen bin. Es war dann aber auch egal, ob ich die CD gehört habe, oder ob es das Buch war, das Ergebnis war immer wieder anders. 

    Aber immer wieder war es für mich eine Aufforderung, etwas zu verändern oder sich selbst zu verändern und in Bewegung zu bleiben. 

    Mein eigenes Fazit zu diesem Buch ist einfach, dass es sich gelohnt hat das Buch einfach noch einmal in die Hand zu nehmen, wo der Stress langsam von mir abgefallen ist. 

    Wer Hörbücher mag, ist sicherlich auch mit dem Hörbuch sehr gut beraten, aber ich bleibe lieber bei dem gedruckten Buch, da es auch schön ist, die kleinen Zeichnungen von Frau Engelmann zu sehen, die einfach gehalten sind, aber dennoch ihre Wirkung nicht verfehlen. 

    Dafür ist bei dem Hörbuch die angenehme Stimme von Frau Engelmann sehr präsent. Alles hat wie immer Vor- und Nachteile und jeder sollte das Medium seiner Wahl aussuchen.  Aber es sollte auch so sein, dass man vielleicht, wenn es die Möglichkeit, gibt einfach einmal reinlesen oder reinhören und dann vielleicht seine eigene Entscheidung treffen und vielleicht so wie ich einmal etwas neues ausprobiert. Es kann nie schaden, einfach mal etwas zu probieren und zu wagen.

    Literaturlounge

  3. Cover des Buches Der Schrecksenmeister (ISBN: 9783492253772)
    Walter Moers

    Der Schrecksenmeister

     (1.162)
    Aktuelle Rezension von: pmg

    In Sledwaya, der ungesundesten Stadt des Kontinentes Zamonien lebt Echo, das kleine Krätzchen. Krätzchen unterscheiden sich von Katzen nur dadurch, dass sie alle Sprachen aller Lebewesen sprechen können, zwei Lebern und ein nahezu perfektes Gedächtnis haben. Echo genoss ein bequemes Hauskrätzchen-Leben, bis seine Besitzerin starb. Ungefüttert und hungernd zieht Echo durch Sledwaya, auf der Suche nach jemanden der es füttert.,

    Schliesslich findet sie den gefürchteten Schreksenmeister Succubius Eißpin, der im geheimen über die Stadt herrscht und geht mit ihm in seiner Not einen Vertrag ein: Eißpin fütter Echo bis zum nächsten Vollmond mit den erlesensten und leckersten Speisen, dafür darf er das Krätzchen töten, um aus ihm das unsterblich machende Krätzchenfett zu gewinnen. Ausserdem weiht Eißpin das Krätzchen in sämtliche Geheimnisse seiner Kunst ein, denn durch das Auskochen von Echo's Fett enthält dieses auch das gesamte Wissen des Krätzchens.

    Anfänglich ist Echo froh, dem Hungertod entronnen zu sein. Als aber der Vollmond immer näher rückt, wächst seine Angst und er sucht nach einem Ausweg (den es denn auch findet, aber mehr soll hier nicht verraten werden.)

    Der Schreksenmeister ist der fünfte Band der Zamonien-Reihe, allerdings wiederum eine in sich geschlossene Geschichte, die unabhängig von den anderen Gelesen werden kann. Es ist angelehnt an Gottfried Keller's Spiegel das Kätzchen (das ich allerdings noch nicht gelesen habe).

    Das Buch hat mich fasziniert. Es liest sich leicht und flüssig. Witzig sind auch die vielen Illustrationen, die die verschiedenen Kreaturen, die im Buch vorkommen, veranschaulichen.

  4. Cover des Buches Auf Erden sind wir kurz grandios (ISBN: 9783446263895)
    Ocean Vuong

    Auf Erden sind wir kurz grandios

     (100)
    Aktuelle Rezension von: BjoernAndBooks

    Es geht um das Aufwachsen. Das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nicht die eigene ist. Aber welche wäre die eigene?

    Als Sohn einer vietnamesischen Einwanderin lässt uns der Ich-Erzähler an seiner Kindheit, Jugend und dem jungen Erwachsensein teilhaben. In Briefform richtet er sich an seine Mutter, die als Analphabetin dieses fiktionalisierte Schreiben wohl nie selbst lesen wird, und arbeitet sich an seiner Vergangenheit ab. Im Zentrum seines jungen Lebens stehen stets starke Frauenfiguren: Die Großmutter, die von schizophrenen Schüben und den traumatischen Erfahrungen des Vietnam-Kriegs gebeutelt ist; die Mutter, quasi alleinerziehend, da der Vater sich hinter Gittern befindet, mit der Situation, ohne eigene Sprache in fremder Kultur zu sein, sichtlich überfordert. Und dann die erste Liebe zu einem jungen Amerikaner, der Kampf des Ich-Erzählers um sexuelle Identität, flankiert von rassistischen Erfahrungen als „gelber“ Mensch in einer „weißen“ Welt.  


    „Sein oder nicht sein. Das ist hier die Frage. Eine Frage, stimmt, aber keine Wahl“. (S. 77)


    Ocean Vuongs autofiktionaler Debütroman ist vor allem eins: ein sprachliches Feuerwerk. Die Sprache ist gewaltig, poetisch, reich an Bildern, Metaphern und interkulturellen Symboliken. Mit hoher Professionalität und Wucht verbindet Vuong geschickt die unterschiedlichen Rassismen und Diskriminierungen, die er erfährt, mit seinen Fragen und Unsicherheiten zu den Komplexen Identität, Herkunft, Familie und Sexualität. Immer wieder schimmert die Verletzlichkeit des Ich-Erzählers durch, sein Wunsch des Ankommens, des Akzeptiertwerdens.


    Der Drang des Ichs nach Akkulturation steht im Spannungsfeld mit dem Bewahren von Tradition. Dieser vermeintliche Widerspruch, der ständige Struggle wird sprachlich hervorragend herausgearbeitet. Dieses verbale Feuerwerk, das mich voller Begeisterung mitgenommen hat, vermochte mich auf der narrativen Ebene allerdings leider nicht in dieser Vehemenz zu überzeugen. Immer wieder glitt meine Aufmerksamkeit ab, konzentrierte sich auf die Brillanz einzelner Sprachbilder und driftete von der Handlungsebene weg. Einzelne Vignetten, wie beispielsweise die Szene, in der Ichs Mutter eine Pediküre-Behandlung an einer Beinamputierten vornimmt, sind auch erzählerisch glänzend. Die Fragmentarisierungen der Erzählung vermittelten jedoch trotz der harten Thematiken und Schicksalsschläge des Ich-Erzählers und dessen Familie bei mir nur wenig emotionale Involviertheit. Für mich gingen Sprache und Narration in Vuongs Roman keinen gemeinsamen Weg, sondern lieferten sich einen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Leser*innen. Gewonnen hat dabei die Sprache und ließ die Erzählung etwas stiefmütterlich am Wegesrand zurück.

    So blieb es für mich ein leicht zwiespältiges Leseerlebnis mit Liebe und Ernüchterung gleichermaßen. Stark, und dennoch schade... 

  5. Cover des Buches Farm der Tiere (ISBN: 9783257057140)
    George Orwell

    Farm der Tiere

     (738)
    Aktuelle Rezension von: Krauti1998

    Schön geschriebenes Märchen, das viel Parallelen zur damaligen Sowjetunion aufweist.

  6. Cover des Buches Tyll (ISBN: 9783499268083)
    Daniel Kehlmann

    Tyll

     (259)
    Aktuelle Rezension von: glasratz

    In diesem Buch wird das Leben von Till Eulenspiegel aus dem 15. in das 17. Jahrhundert versetzt. Während er als Schelm durch das von Dreißigjährigen Krieg verheerte Land zieht, begleitet er verschiedene fiktive und historische Personen ein Stück weit auf ihren eigenen Lebenswegen.

    Kehlmann schafft es dabei sehr geschickt in kurzen Schlaglichtern wichtige politische und soziale Aspekte der Zeit aufzuzeigen. Quasi als fiktiv-historischen Abriss erfährt man welche Umstände zum Krieg geführt haben, wie wenig Loyalität und welches Morden es gegeben hat. Korrekt und gut recherchiert wird die Bedeutung des Hexenwahns und ein ganzer Prozessablauf detailliert beschrieben.

    Tills Leben ist dabei tatsächlich meist von geringerer Bedeutung als das der Personen, die seinen Weg kreuzen. Diese, von Athanasius Kircher bis Friedrich V. von der Pfalz, sind die wahren Protagonisten und werden sehr lebendig gezeichnet. Till dagegen ist mehr Mittel zum Zweck.

    Es ist ein geschickter Kniff, dass Kehlmann die Geschichten nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt. Die Kapitel sind aus dem gesamten Zeitraum des Krieges entnommen. So wird die Spannung und Erwartungshaltung gesteigert.

    Vielleicht hätte es allerdings insgesamt ein etwas runderes Bild werden können. Über manche Personen erfährt man zu wenig, wie etwa über Till selbst, während andere fast zu oft auftauchen. Vieles wird angerissen, aber nie vollendet. Es gibt zwar keine tatschlichen losen Fäden, denn die Geschichte gibt das Offene gut her, aber es ist doch teilweise etwas unbefriedigend.

    Einen üblen Schnitzer gibt es auch: Wie kann ein Schriftsteller, der so gut recherchiert hat, mehrmals von "Stahlkugeln" sprechen, die von den damaligen Schusswaffen verschossen worden sein sollen? Selbst heute bestehen Kugeln zumeist aus Blei und seltener aus ähnlich schweren Ersatzmetallen, denn Stahl ist höchstens für Schrot geeignet - setzt aber sogar in dieser Form modernen Gewehrläufen schwer zu. Wie man während der Nachforschungen für ein Buch nicht darauf kommen kann, dass Soldaten ihre Kugeln am Feuer selbst gossen (mit Stahl aufgrund des hohen Schmelzpunktes unmöglich) und Kirchenfenster wegen der Bleiruten geplündert wurden, ist mir absolut schleierhaft.

    Insgesamt ist der Roman sicher kein Meisterwerk, aber eine sehr kurzweilige Einführung in ein historisches Thema.


  7. Cover des Buches Emilia Galotti (ISBN: 9783518188446)
    Gotthold Ephraim Lessing

    Emilia Galotti

     (876)
    Aktuelle Rezension von: Bionoema

    Lessing gilt als einer der Autoren der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Eines seiner bekanntesten Werke und z.T. Mitglied des schulischen Lesekanons ist das Drama Emilia Galotti. Ich mag seinen Schreibstiel sehr gerne, auch die Themen, die er anprangert. Leider ist das Einfühlungsvermögen und die Empathie gegenüber der Figuren recht eingeschränkt, das unsere heutige Gesellschaft über diesen Punkt in der Beziehungsebene seit langem herausgewachsen ist; woran Herr Lessing vielleicht nicht ganz unschuldig ist. Daher war es für mich nicht wirklich unterhaltsam, bereichernd oder nachhallend. Dennoch ein Stück Literaturgeschichte, dass uns mal wieder vor Augen führt, wie weit wir innerhalb der letzten 250 Jahren vorangeschritten sind!

  8. Cover des Buches Drüberleben (ISBN: 9783442157167)
    Kathrin Weßling

    Drüberleben

     (138)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieses Buch berührt mich sehr. Katrin Weßling ist in der Lage, Situationen und diese komplexen, schweren und überfordernden Gefühle in poetischen Worten zu fassen, die sie ganz genau beschreiben. Ich lese dieses Buch und habe so viele Momente, in denen ich denke "Jaaaa, genau so ist es!!! So wollte ich das auch die ganze Zeit sagen! Warum ist mir das nicht eingefallen? So fühlt es sich an!" Das Buch liest sich leider viel zu schnell.

    Ich weiß ja nicht, wer von euch Kathrin Weßling vielleicht sogar schon kennt, wer ihren Blog verfolgt hat und wer ihren Schreibstil so liebt, wie ich es tue. Sie ist großartig. Ihr Schreibstil ist großartig. Ihr Leben ist manchmal traurig. Und nun hat sie ein Buch geschrieben - das musste ich haben, denn wie schon beschrieben, ihr Schreibstil ist großartig und ihre Persönlichkeit ist die, eines mutigen Menschen, eine die darüber spricht, wofür andere nur schweigen übrig haben..

    Die Autorin schreibt, ohne viel auszuschmücken, was nicht ausgeschmückt werden muss. So ist es, das Leben. Es hat Ecken und Kanten und gar nicht wenige davon. Manche stoßen sich immer wieder, andere Leben ganz gut mit den Beulen. Vielleicht kann man so, einige Menschen besser verstehen? Vielleicht kann man es so wenigstens versuchen.

    „Ich bin hier, weil ich Depressionen und Panikattacken habe. Da du als Nächstes sagen wirst, dass das doch jeder hier hat, werde ich also schon vorab erklären, dass ich nur ein Mädchen bin, das sein Leben nicht auf die Reihe kriegt und deshalb immer wieder in Kliniken landet, in denen alle ein wenig ratlos sind. Ich bin nicht vergewaltigt worden, ich habe keinen Menschen umgebracht, ich bin nicht mit achtzehn schwanger geworden, und meine Eltern leben auch beide noch. Ich bin nur über ein paar Dinge nicht hinweggekommen, aber wr schafft das schon immer? Und wer braucht schon wirklich ausschlaggebende Gründe, um hier zu landen? Die meisten haben unschöne, manchmal sogar grausame Dinge erlebt, aber das haben tausend andere auch. Und die sind trotzdem nicht in der Psychiatrie. Es muss also so sein, dass einige Menschen eben krank werden und andere unter den gleichen Bedingunge nicht. Und ich gehöre wohl zu den Ersteren.“

    Viel zu schnell, habe ich die Seiten gelesen, manchmal las ich die Seiten auch zwei- oder dreimal, nicht, weil es so schwer zu lesen oder verstehen war, sondern weil mich diese starken Worte einfach faszinierten. Diese Bilder. Kathrin versteht es, unglaubliche Bilder zu schaffen, die einem jeden trotz allem furchtbar, im wahrsten Sinne des Wortes, vertraut vorkommen. Drüberleben. Irgendwie überleben.

    Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt:
    1. Fallen
    2. Liegen
    3. Steigen
    Und genau das erlebt man als Leser mit Ida: man fällt, man liegt, man steigt – nicht wie Phönix aus der Asche. Aber wie ein Mensch. Ein Mensch, der sich mit realen Problemen und seiner Krankheit beschäftigen muss. Und der jeden Tag versucht, das Beste zu geben.

    Die Wortwahl ist stark, nachhaltig und einprägsam. Fremdwörter und Anglizismen werden nahezu vollständig vermieden. Der Satzbau ist geschickt und eindringlich. Spannung, Emotion und Ironie werden genüsslich verfasst und landen treffsicher dort, wo sie hingehören. Bandwurmsätze sucht man vergeblich. Für die Thematik Depression nicht unbedingt selbstverständlich und zeugt von dem Talent der Autorin.

    Kathrin Weßling ist eine außergewöhnliche, prägnante, frische neue Stimme in der deutschen Literatur. Ich habe sehr viele Sätze markiert, das Buch quillt vor lauter kleiner gelber Post-Its förmlich über. Der Roman ist nicht nur sprachlich auf einem sehr hohen, literarischen Niveau, sondern es handelt sich daneben auch um eine intensive und authentische Auseinandersetzung mit dem Thema Depressionen.
  9. Cover des Buches Die Entdeckung der Langsamkeit (ISBN: 9783492259750)
    Sten Nadolny

    Die Entdeckung der Langsamkeit

     (433)
    Aktuelle Rezension von: suse9

    Ich kann kein Buch lesen, das „Die Entdeckung der Langsamkeit“ heißt. Für mich zählen Bewegung, Tatendrang, Emotionalität. Gefühle kann ich nie zurückhalten. Sie sprudeln aus mir heraus, meine Reaktionen sind immer unmittelbar. Deshalb ist der Roman von Sten Nadolny nichts für mich, wenn da nicht, ja wenn nicht dieses Cover mit dem tollen Bild von Turner gewesen wäre und wenn man mir das Buch nicht ans Herz gelegt hätte.   

     

    Im Mittelpunkt steht Entdecker John Franklin und sein Kampf gegen die Schnelligkeit. Der Roman beschreibt sein Leben und wie er es schafft, sich mit seiner Langsamkeit in einer ungeduldigen Welt zu behaupten. Mir hat er unglaublich gut gefallen. Die Worte Nadolnys haben mich komplett verzaubert. Einige Formulierungen versetzten mich in Erstaunen. Oft blätterte ich zurück und wiederholte ein paar Seiten, nur um noch einmal den Gedanken folgen zu können.

     

    Johns Traum ist die Seefahrt und nach einigen Anstrengungen erfüllt er ihn sich. Anfangs muss er mit der Kriegsmarine vorlieb nehmen und erlebt dort den Schrecken von Seeschlachten. Ich habe schon einige gute Bücher aus dieser Zeit gelesen, die das Leben auf einem Schiff und die Gefechte zum Thema hatten. Nadolny lässt uns an der Seite John Franklins einen vollkommen anderen Blickwinkel einnehmen, der fasziniert. Auf jegliche Effekthascherei wird verzichtet und lässt dadurch Grausamkeiten noch mehr zu Tage treten.

     

    Der Leser folgt dem Polarforscher durch alle Bereiche seines Lebens, die Forschungsreisen, privaten Gedanken und Gefühle sowie verschiedene Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten. Viel habe ich während des Lesens nachgeschlagen, interessante Dinge erfahren. Dabei kam niemals Langeweile auf, obwohl mich die Wissenschaft nicht vordergründig bewegt. Am Ende des Romans erhielt ich allerdings den Eindruck, dass Sten Nadolny selbst die Langsamkeit ein bisschen verlor. Die letzte Etappe im Leben John Franklins wirkte auf mich nur angerissen, fast schon gehetzt. Das mildert meine Begeisterung für den Roman aber nicht.

  10. Cover des Buches Die Verwandlung (ISBN: 9783899196412)
    Franz Kafka

    Die Verwandlung

     (1.714)
    Aktuelle Rezension von: Sandrica89

    ich hab schon von einigen gehört, dass Franz Kafka eher verwirrende und etwas groteske Geschichten schreibt. Da ich noch nicht viele Klassiker gelesen habe, war ich umso gespannter, was mich hier erwarten wird. Immerhin ist dieses Werk eines seiner bekanntesten.

    Gregor Samsa wacht eines morgens auf und bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Als er auf seinen Körper schaut, ist es kein menschliches mehr, sondern das eines Käfers. Er ist eigentlich der Alleinverdiener seiner Familie und kann sich eigentlich nicht leisten, nicht arbeiten zu gehen. Doch sogleich wird er mit dieser Situation konfrontiert und er bleibt in seinem Zimmer eingesperrt. Was wird jetzt nun aus ihm und seiner Familie?

    Ich muss sagen, ich fand es leicht grotesk. Plötzlich wacht man als Ungeziefer auf und muss nun fortan damit leben. Doch warum wurde er zum Ungeziefer? Dies wurde leider nicht erläutert. Hauptsächlich geht es um Gregor, wie er nun als Käfer leben muss. Er ist auch der einzige, zu dem man eine Art Verbindung aufbauen konnte. Seine Familie hingegen, Vater, Mutter und Schwester, blieben eher kühl und distanziert. So verhielten sie sich auch ihm gegenüber. Gregor hat es sich sicherlich nicht ausgesucht so zu werden, weswegen ich etwas geschockt war, dass sie ihn so auf Distanz hielten. Ok, zu Beginn hab ich es noch verstanden, immerhin passiert das nicht jeden Tag. Aber nachdem sich der Schock gelegt hatte, hätten sie anders mit ihm umgehen können. Es stimmte mich eher traurig, dass Gregor dies erfahren und über sich ergehen lassen musste. Das Ende fand ich traurig und war auch etwas wütend auf seine Familie. Franz Kafka hat wirklich eine blühende Fantasie. Sein Schreibstil ist zwar angenehm, aber auch etwas kühl. Was ihn wohl auch ausmacht. Für mich ein Klassiker, den man gelesen haben sollte.

  11. Cover des Buches Loney (ISBN: 9783548289878)
    Andrew Michael Hurley

    Loney

     (89)
    Aktuelle Rezension von: Jukebook_juliet

    Klappentext:

    »Die Einheimischen nannten es The Loney. Niemand, der auch nur das Geringste über diesen Ort wusste, näherte sich je dem Wasser. Zumindest abgesehen von uns. Doch wahrscheinlich hatte ich stets geahnt, dass das, was dort geschehen war, nicht für immer verborgen bleiben würde, so sehr ich es mir auch wünschte.«


    Zwei Brüder geraten an einem gottverlassenen Küstenort immer tiefer in eine rätselhafte, unheimliche Geschichte, in der sie selbst einander der einzige Halt sind. Ein berührender, packender Roman über die Suche nach Erlösung und die Abgründe, in die sie führen kann.


    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch aufgrund des schönen Covers und des interessant klingenden Klappentextes mitgenommen. 

    Niemals hätte ich erwartet, dass es in dieser Geschichte hauptsächlich um die Osterpilgerreise einer tief gläubigen Familie und ihresgleichen gehen würde. Das Thema Religion spielt in meinem Leben keine übergeordnete Rolle, weshalb ich mich mit den Ansichten und Taten der Protagonisten schwer tat. 

    Einzig und allein der Schreibstil von Andrew Michael Hurley und die bedrückende Atmosphäre des Buches ließen mich am Ball bleiben, sodass ich bis zum Ende durchhielt. Was mich da erwartete, passte zwar zur Thematik und der Autor blieb seinem Stil absolut treu, jedoch setze es für mich dem ganzen Wahnsinn die Krone auf. 

    Ich bin ja auch der Meinung ‚Glaube versetzt Berge‘, aber hier war alles einfach too much. 


    Fazit:

    Ein von Kritikern viel zu hoch gelobtes Buch mit der Thematik ‚die Macht des Glaubens‘. 


    Meine Bewertung:

    2,5/5 Sterne

  12. Cover des Buches Heute wegen Glück geschlossen (ISBN: 9783404169221)
    Patrice Leconte

    Heute wegen Glück geschlossen

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Eva_G
    Thomas, 27 Jahre alt, arbeitet als Verkäufer in einer Papeterie in Paris. Da er sich gerne Ziele setzt und auch nicht mehr alleine sein möchte, will er bis er 30 Jahre alt ist seine Frau fürs Leben finden und sie heiraten. Doch die Jahre vergehen und er verliebt sich unglücklich, findet Frauen, die er nur mag, aber nicht liebt und geht sogar zu einer Wahrsagerin.
    Sein Freund André stellt ihm dann die entscheidende Frage: Findet man die große Liebe, wenn man nach ihr sucht oder begegnet sie ihm einfach und er muss sie nur entdecken?

    Der Autor Patrice Leconte hat hier mit seinem Romandebut ein wunderbares Buch geschaffen. Es bezaubert durch seinen einfachen aber nicht langweiligen oder übertriebenen Schreibstil. Er beschreibt die Lage von Thomas so anschaulich und nachvollziehbar, dass sich der Leser ab der ersten Seite in ihn hineinversetzen kann.

    Der Roman hat mir sehr gut gefallen und ich gebe ihm eine klare Leseempfehlung!
  13. Cover des Buches Vom Dazwischen (ISBN: 9783981862133)
    Victoria Hohmann

    Vom Dazwischen

     (15)
    Aktuelle Rezension von: kingofmusic

    Tretet ein, liebe Leserinnen und Leser. Tretet ein, macht´s euch gemütlich, nehmt euch von den kostenlosen Getränken und Knabbereien. Gleich beginnt die Vorstellung.

    (Vorhang geht auf)

    Hallo und Herzlich Willkommen in der Rezension zu „Vom Dazwischen“ von Victoria Hohmann.


    „Dazwischen“ – ein kleines Wort mit so vielen Variations- und (Be-)Deutungsmöglichkeiten, wie es Sand am Meer gibt. Man sitzt „zwischen“ den Stühlen, liest „zwischen“ den Zeilen, steht „zwischen“ zwei Menschen – die Liste ließe sich endlos fortführen.


    Da das auch Victoria Hohmann klar war, hat sie sich auf 12 Geschichten „Vom Dazwischen“ konzentriert und in ihrem eigenen kleinen, aber feinen Verlag veröffentlicht. Das vorliegende Buch ist nach „Von Verwandlungen“ ihr zweites mit Kurzgeschichten, Kurzprosa und Erzählungen und zählt für mich wie bereits der Vorgänger zu den Highlights im jeweiligen Lesejahr.


    Victoria Hohmann gibt der Sprache eine ganz eigene Sprache. In manch einer ihrer Geschichten kümmert sie sich nicht um „gängige“ Sätze, sie setzt Satzzeichen dort, wo die Leserinnen und Leser sie niemals gesetzt hätten, jongliert innerhalb bzw. nach den Einwortsätzen mit den zuvor benutzten Worten, stellt sie um, stellt sie vor, stellt sie nach – mancher Wechsel ist rasant, zu schnell für das langsame Gehirn des Normallesers, um zu registrieren, was da gerade passiert ist. Von daher muss ich an dieser Stelle eine (ernst-, aber nicht zu ernstgemeinte) Warnung aussprechen: lest die (meisten) Texte niemals, hört ihr, niemals, wenn ihr müde, abgespannt, genervt oder krank seid. Sie erfordern eure ganze Aufmerksamkeit und sind beleidigt, wenn sie die nicht kriegen (ja, auch Texte haben eine Seele und reagieren sensibel, wenn man nicht angemessen auf sie eingeht – ich durfte es am eigenen Leib erfahren!). Ein Autor, auf den das ebenfalls zutrifft ist Franz Kafka!


    Apropos Kafka: Victoria Hohmann´s Texte sind an der ein oder anderen Stelle genauso kafkaesk wie die vom Meister selbst und deshalb für mich auch so faszinierend (wenn ich mich denn auf sie einlassen kann *g*). Wie bereits angemerkt, spielt die Autorin gerne mit Worten wie mit Jonglage-Bällen, schenkt den Leserinnen und Lesern (reinen) Wortwein ein („Fado – eine vollmundige Trunkenheit“ sei hier als bestes Beispiel genannt), so dass selbige verwirrt und „besoffen“ zurückbleiben und zunächst den Kopf schütteln ob der Wirren in den Windungen ihres Kopfes.


    Die Geschichten in „Vom Dazwischen“ sind so vielfältig wie das Leben, sie lassen einen lachen, sie lassen einen weinen, man denkt hier einmal nach, liest dort ein zweites (drittes, drölfzigstes Mal), denkt noch mal nach und kommt schlussendlich zu dem Schluss, dass einem die nicht alltäglichen Alltagsgeschichten doch verdammt bekannt vorkommen.


    Wer also nach nicht alltäglicher und vor allem lange nachhallender Literatur sucht, keine Angst vor Wortspielereien hat und eine indirekte „Nachfolgerin“ von Franz Kafka kennenlernen will, sollte sich „Vom Dazwischen“ zulegen.


    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!


    (Vorhang schließt sich)

  14. Cover des Buches Das Bildnis des Dorian Gray (ISBN: 9783962816490)
    Oscar Wilde

    Das Bildnis des Dorian Gray

     (1.860)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Meine Erwartungen für das Buch waren enorm. Ein Klassiker mit einer Idee, die von vielen Autoren beneidet wird. Es ist eines der Bücher, die man einmal im Leben gelesen haben muss, das in meiner Liste ganz oben stand, doppeltgestrichen und mit sechszehn Rufzeichen. Ich wurde enttäuscht. Nicht nur das, es kam mir so vor, als würde der Autor seine großartige Idee und einen tollen Anfang vergeuden.

    Stellenweise ist das Buch langatmig. Die Dialoge ziehen sich dahin, mittendrinn erzählt der Autor über das Sammler-Hobby von Dorian Gray, schildert von all seinen Errungenschaften, deren Schönheit zwar in der Beschreibung liegt, aber deutlich schnell ihre Faszination verliert. Meistens spielt die Geschichte bei einer Teeparty ab, in der die Figuren herumschwaffeln.

    Der Anfang war wirklich gut. Das war alles so interessant, die Dialoge funktionierten, Dorians Liebe für die Schauspielerin hat mich begeistert. Ich war verliebt in die Figuren, verliebt in jede einzelne davon. Dann kam dieser Zeitsprung, der die Geschichte vorangetrieben hat, damit die anderen alle älter werden und Dorian selbst so frisch und jung blieb, wie in den ersten Zeilen. Ab da verlor das Buch für mich seinen Reiz. Die liebevollen Schilderungen eines naiven Kindes wurden mit dem Alltag ersetz, das bloß aus Geheimnissen zu bestehen schien und natürlich mit endlosen Dialogen, die die Handlung so weit in den Hintergrund drückten, dass ich die Figuren aus den Augen verlor.

    Das Ende war vorhersehbar. Ich habe mir da so viel mehr gehofft, dass sich die Idee richtig entfaltet und Dorians Geheimnis über die anderen Figuren sich ergoss, um auch sie in den Abgrund zu treiben. Das kam nur bei einer Figur vor, während alle anderen verschont blieben. Für mich fühlte es sich so an, als würde dadurch der Autor seine großartige Idee vergeuden.

    Es sind schöne Sätze drinnen. Dorians Liebe für die Schauspielerin besaß eine starke Ästhetik, dass ich die kleine Dame vor Augen hatte, wie sie in die unterschiedlichen Rollen schlüpfte und jedes Mal als eine liebreizende Frau wieder heraustrat. Ich fand das wunderbar. Doch ansonsten hat mich das Buch leider enttäuscht.

  15. Cover des Buches Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär (ISBN: 9783328107682)
    Walter Moers

    Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär

     (2.137)
    Aktuelle Rezension von: SonjaMarschke

    Dieses Buch ist so vieles auf einmal: Komödie, Abenteuerroman, Liebesgeschichte, ... vor allem aber eines: großartige Unterhaltung!

  16. Cover des Buches Der Sommer ohne Männer (ISBN: 9783499255861)
    Siri Hustvedt

    Der Sommer ohne Männer

     (148)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Durch die stetigen intellektuellen Abschweifungen wirkt die eigentliche Geschichte sehr abgehackt und gespalten und das Vergnügen an der Geschichte geht mit fortschreitendem Lesen etwas verloren.

    Mia, von ihrem Ehemann Boris verlassen, um eine „Pause“ in der über dreissigjährige Ehe einzuschalten, unterrichtet pubertierende Mädchen in lyrischen Texten und verbringt einen Sommer in der Nähe des Altersheims ihrer Mutter mit den „Schwänen“, wie sie die Altersgenossinnen derselben nennt. Ihre einzige Tochter, enttäuscht von ihrem Vater und in Sorge um die Mutter, will als Detektivin die wahren Gründe für dessen Auszeit erfahren. Die ganze Story wirkt streckenweise konstruiert und ist dann mühsam zu lesen. Gegen Ende des Buches verdichten sich die Gedankengänge wieder zu einer stringenten Handlung.

    Nach dem sehr gelungenen Roman „Die unsichtbare Frau“ war diese Erzählung eher etwas enttäuschend, wenn auch nicht total uninteressant für mich. Ein Roman, den man jedoch schnell wieder vergisst.

  17. Cover des Buches Wort für Wort - oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben (ISBN: 9783442416646)
    Elizabeth George

    Wort für Wort - oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben

     (37)
    Aktuelle Rezension von: FabAusten
    Es gibt wohl zwei Typen von Schriftstellern. Diejenigen, die drauflos schreiben und sich von ihrer eigenen Kreation überraschen lassen. Und die anderen, die Geschichte, Plot und Figuren akribisch planen und dann erst mit dem Schreiben beginnen. Während Stephen King zur ersten Gruppe gezählt werden kann, vertritt Elizabeth George die zweite.

    Wort für Wort gibt die Krimiautorin einen Überblick über die Bestandteile eines Romans, den Aufbau des Plots, das Handwerk der Schriftstellerei sowie Einblicke in ihre eigenen Arbeitsmethoden und ihren Werdegang. Die theoretischen Erklärungen werden anhand literarischer Beispiele verdeutlicht.

    Zum einen erfährt der geneigte Leser und angehende Schriftsteller viel über die Grundlagen des Schreibens. Andererseits, und das trifft auf alle Schreibratgeber zu, ist für bereits informierte Leser wenig Neues dabei. Nichtsdestotrotz wird vorhandenes Wissen vertieft. Dazu dienen auch die Auszüge aus Georges Romanen oder denen anderer Verfasser. Allerdings sind die Passagen überaus zahlreich vorhanden und fallen darüber hinaus häufig recht umfangreich aus. Um etwas zu verdeutlichen, bedarf es nicht eines Beispiels, dass sich über mehrere Seiten erstreckt. Hierdurch entstehen immer wieder Längen. Schade auch, dass George soviel von ihren eigenen Werken preisgibt (u.a. wer der Mörder in einem davon ist).

    Obwohl die meisten Tipps für Romane aller Genres gelten, steht doch das Verfassen von Krimis ein wenig im Mittelpunkt. Da es sich um die Kernkompetenz der Autorin handelt und Wort für Wort auf ihren persönlichen Erfahrungen und Arbeitsweisen beruht (was auch immer wieder betont wird), ist dies wenig überraschend. Auch in Puncto „Recherche“ spiegelt sich die persönliche Herangehensweise sowie die privilegierte Situation der Autorin wider. Es ist wohl nicht jedem Schriftsteller (finanziell) möglich, die realen Schauplätze seiner Werke zu besuchen. Oder wie im Falle von Elizabeth George mit Regierungsbeamten, ehemaligen US-Präsidenten oder anderen Experten zu sprechen. Sollte er deswegen auf seine Idee bzw. Thema verzichten? Besonders heutzutage können doch Wissenslücken auf diverse Weisen gefüllt werden.

    Es wird gezeigt, dass ein guter Roman nicht mal eben so geschrieben werden kann, sondern durchaus viel Arbeit und Schweiß erfordert. Es ist eben eine Kunst. Mitunter entsteht aber auch der Eindruck, Elizabeth George wolle eher vom Schreiben abraten als zu motivieren. Letzteres gelingt Stephen King mit Das Leben und das Schreiben zumindest weitaus besser.

    Elizabeth George informiert umfangreich und eloquent über das Schreiben und gibt interessante Einblicke in ihre Arbeit. Inwieweit beides hilfreich und relevant für die eigene Herangehensweise ans Schreiben ist, muss jeder Jungautor für sich ausloten.
  18. Cover des Buches Der Prozeß (ISBN: 9783899195880)
    Franz Kafka

    Der Prozeß

     (995)
    Aktuelle Rezension von: lilr

    Ich habe selten ein Buch gelesen, was mich derart in den Bann gerissen hat, wie dieser Klassiker von Franz Kafka! Ab dem ersten Kapitel wird man in die Gefühlswelt des Protagonisten Josef K. gerissen und fühlt am eigenen Leib die Verzweiflung, die Angst und das Elend die von dem Prozess ausgehen. Zeitweise musste ich das Buch beiseitelegen weil mich das Schicksal und die Wirrungen derart mitgenommen haben. Aber genau das ist die Meisterleistung Kafkas! Jeder neue Handlungsstrang überrascht mit neuen grotesken Elementen, die das Buch absolut "kafkaesk" machen. Ich empfehle einen Lektüreschlüssel für alle diejenigen, die das Buch ganz erschließen möchten, denn sowohl philosophisch, politisch, religionskritisch als auch autobiografisch überließ Kafka nichts dem Zufall. Ein Muss für alle Literaturfans! 

  19. Cover des Buches Die Stadt der Träumenden Bücher (ISBN: 9783328107514)
    Walter Moers

    Die Stadt der Träumenden Bücher

     (3.335)
    Aktuelle Rezension von: Jumijajo

    Mein Lieblingsbuch für immer und ewig. Mit 15 habe ich dieses Buch bei meinem Praktikum in einer Buchhandlung zum ersten Mal in der Hand gehabt und seither bestimmt 1x im Jahr wieder gelesen. Und das Hörbuch gehört - Dirk Bach macht das unfassbar großartig (RIP).

    Walter Moers hat damals mit seinen "13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär" einen neuen Kontinent erschaffen, Zamonien. Hier, in der Stadt Buchhaim - der Stadt der träumenden Bücher, spielt dieser Roman. Genauer gesagt nur zu Beginn, der Großteil von Hildegunsts Abenteuer spielt unterhalb der Stadt. In den Katakomben von Buchhaim, wohin ein eigenartiges Manuskript unseren Helden verschlägt. 

    Hier können Bücher nicht nur gelesen werden, sondern auch vergiften, verletzen, ja sogar töten. Und noch so viel mehr. Aber nehmt euch in acht! Eine Reise ist es auf die wir uns begeben, eine gefährliche Reise und vielleicht kommen nicht alle von uns wieder zurück... 

  20. Cover des Buches Elf Minuten (ISBN: 9783257261318)
    Paulo Coelho

    Elf Minuten

     (1.082)
    Aktuelle Rezension von: Buecherkopfkino

    Das es mich enttäuscht hat, kann ich jetzt wirklich nicht behaupten, aber im Vergleich zu "Der Alchemist" und "Veronika beschließt zu sterben" ist es einfach nicht so gut. Dennoch habe ich mir einige Textstellen markiert und mir auch einiges raus geschrieben.


    Mehr als 4/5 🦉 kann ich dann aber doch nicht vergeben, wenn ich es im Vergleich zu den anderen Büchern von Paulo Coelho sehe. Ich weiß auch gar nicht, was genau mich gestört hat. Die Geschichte hat mich wohl einfach nicht so bewegt. Es war trotzdem sehr gut und ich kann eine #leseempfehlung aussprechen. 

  21. Cover des Buches Unterm Rad (ISBN: 9783518463529)
    Hermann Hesse

    Unterm Rad

     (785)
    Aktuelle Rezension von: Raven

    Das Buch "Unterm Rad von Hermann Hesse ist 176 Seiten lang und über unterschiedliche Verlage gedruckt. 

    Das Werk gibt es in einer Hardcoverausgabe, Softcoverausgabe, als Ebook und Hörbuch.

    Hermann Hesse schrieb dieses Werk 1906. Es entstand ua dadurch das sein Bruder sich das Leben nahm, woran auch Schulprobleme ihren Anteil hatten. 

    Diese Geschichte handelt von Hans der an den Anforderungen an sich selbst und des Umfeldes scheitert. 

    Leistungsdruck und Leidensdruck. Heute ist diese Geschichte sicherlich immer noch ganz aktuell, wenn nicht aktueller denn je. Viele kennen die enormen Anforderungen und den Druck des Umfeldes, die eingeredeten Tugenden und das nur Erfolg und eine gute, studiere Arbeit das Leben erleichtert und glücklich macht. So geht es auch dem überbegabten Protagonisten der es sich selbst und seinem Umfeld zeigen möchte, aber dann doch scheitert. Dies ist ein zutiefst melancholisches und tragisches Werk, welches mich sehr berührt hat und zum Nachdenken anregte. Fand ich mich bisweilen selbst in Hans wider. Die Geschichte schmerzt und brennt noch lange in der Seele. Ach hätte ich sie nur schon viel früher entdeckt, so wäre mir sicherlich Einiges erspart geblieben. 

    Hesse in Höchstform in sehr düsterem Ton, wie man ihn kennt und mit bedrückender Atmosphäre. Eine unerwartete Wendung und eine krasse Message.

    Fazit: Ein sehr düsterer Hesse wie man ihn kennt. Melancholisch und tragisch, unheimlich berührend und nachdenklich stimmend. Unbedingt lesen!

  22. Cover des Buches Kameraübung (ISBN: 9783218010245)
    Synke Köhler

    Kameraübung

     (11)
    Aktuelle Rezension von: lesebiene27

    Klappentext:

    "Erzählungen über die Besonderheiten des Alltags, über kritische Momente zwischen zwei Menschen, die so leise sind, dass sie beinahe unbemerkt bleiben."

    Meine Meinung:

    Die neun kurzen Erzählungen in diesem Buch berichten von unterschiedlichen Situationen und Momenten im Alltag. Da ist ein Mann, der plötzlich in einem Garten sitzt und weder spricht, noch weggehen will. Oder eine Frau, die mit ihrer Familie wandern ist und die plötzlich unterschiedliche Wege mit unterschiedlichen Ergebnissen gehen. Auch die Suche zweier jungen Frauen nach einem besonderen Moment im Alltag wird beschrieben.

    Das besondere an diesen Kurzgeschichten ist, dass sie trotz weniger Seiten klar geschrieben sind, sodass man als Leser die Situation schnell erfassen kann. Auch gelingt es der Autorin Synke Köhler mit ihrem Debüt Emotionen wie Verblüffung, Bedrückung und Mitgefühl auszulösen, obwohl man beim Lesen nur einen kurzen Einblick in das Leben der Personen erhaschen kann.

    Darüberhinaus finde ich es bemerkenswert, dass die Handlung in diesem kleinen Büchlein keine Rolle spielt, sondern der Gedanke, den die Personen haben, und die Beschreibung des Momentes.

    Der Sprachstil hat mir überwiegend gefallen, weil er sehr ruhig und beschreibend ist - fast so, als ob die Autorin selbst den Moment beobachten würde. Auch die meisten Geschichten haben mich angesprochen. Lediglich drei der neun Geschichten waren nicht mein Fall.

    Fazit:

    "Kamerübung" enthält sanfte Erzählungen, die mit einer ruhigen Sprache geschrieben werden. Nichtsdestotrotz hallen sie nach und lassen den Leser über die Begebenheiten nachdenken. Von mir gibt es für das Buch 4 von 5 Lesesternen.
  23. Cover des Buches Stiller (ISBN: 9783518462348)
    Max Frisch

    Stiller

     (357)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Als er in die Schweiz einreist, wird der auktoriale Erzähler, der sich selbst James White nennt, festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, in Wirklichkeit Anatol Stiller zu sein und sich zudem der Spionage schuldig gemacht zu haben. im Gefängnis schreibt er mehrere Hefte voll, in denen er sein Leben schildert, seine Reisen, seine Begegnungen mit Menschen, die den früheren Anatol Stiller kannten und alle davon überzeugt sind, ihm nun gegenüberzusitzen. Er dagegen streitet es vehement ab.


    Wer entscheidet über die Identität einer Person? Was macht eine Person zu der, die sie ist, wie glaubwürdig sind Erinnerungen? Diese Fragen stellt man sich beim lesen unweigerlich, und da White (oder Stiller?) gleichzeitig der Erzähler ist, durch den wir die Geschichte lesen, setzen wir uns auch immer wieder mit ihm auseinander. Ist er verlässlich, glaubt er selbst, Stiller nicht zu sein, ist er Stiller? Lenkt er aus guten Gründen von seiner Identität ab oder läuft er vor ihr davon, oder täuschen sich einfach alle anderen?

    In diesem Sinne ist der Roman eine spannende philosophische Auseinandersetzung nicht nur mit der Frage nach Identität, sondern auch der Frage, ob und wie man über sich selbst erzählen kann. Gewürzt wird alles mit einer ordentlichrn Portion Gesellschaftskritik. Auch, wenn es teilweise etwas langatmig ist - die Sprache und das Thema machen das Buch definitiv sehr lesenswert und zu Recht zu einem Klassiker.



  24. Cover des Buches Die Liebe einer Frau (ISBN: 9783596510535)
    Alice Munro

    Die Liebe einer Frau

     (44)
    Aktuelle Rezension von: kirara
    Nachdem mich die Seite gerade unerwartet hinausgeworfen hat, als ich die Rezi speichern wollte (das passiert übrigens öfters, langsam etwas nervig), hier nur noch eine abgespeckte Version:

    Ich hatte mich darauf gefreut die erste Kurzgeschichtennobelpreisträgerin zu lesen, aber schon während der ersten Geschichte die Enttäuschung.
    Ein detail- und schachtelsatzverliebter Sprachstil, der leider mehr auf Umgebungsbeschreibungen als auf Handlungsstärke Wert legt. Die meisten Figuren leben leider auch nicht durch das was sie tun, sondern über Beschreibungen und irgendwelche Erinnerungen. Mir kam es eher wie eine etwas eintönige Stadtführung vor.
    Einen verhältnismäßig großen Teil nahm auch Sex ein, dadurch dass dieser für die Geschichten gar nicht relevant war. Völlig unerwartet und teilweise auch ohne Zusammenhang gibt es eine sexuelle Berührung (oder eine die als so beschrieben wird) oder einen sexuellen Traum oder die erregende Vorstellung sich einer Kommune anzuschließen, die nach festem Zeitplan ihre Partner tauscht. Manchmal ist der Schreibstil entsprechend vulgär geworden.
    Vielleicht waren diese Darstellungen für Munro wichtig und ich bin einfach nur aus einer Generation, die sich davon eher nicht schocken lässt sondern fragt wozu das jetzt in der Geschichte auftaucht.

    Ich bin also eher enttäuscht und möchte kein weiteres Buch von ihr lesen. Ich empfand diese knapp 220 Seiten schon als anstrengend.

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