Bücher mit dem Tag "protestanten"
17 Bücher
- Ken Follett
Das Fundament der Ewigkeit
(248)Aktuelle Rezension von: mesuAuch in diesem Buch beweist der großartige Ken Follet sein Gespür für historische Geschichten. Es ist eine vielschichtige, spannende und monumentale Zeitreise, in deren Zentrum immer die Kathedrale von Kingsbridge steht. Sie trotzt dem ewigen Kampf der Menschen in jeder Epoche und ist ein standhaftes Wahrzeichen für alle Generationen. Eine wunderbare historische Buchreihe, die man unbedingt lesen sollte!
- Rebecca Gablé
Der dunkle Thron
(465)Aktuelle Rezension von: ReisefreundinDer dunkle Thron spielt von 1529 bis 1553 und damit hauptsächlich in der Regierungszeit von Heinrich VIII. Die Hauptperson ist Nicholas of Waringham der Urenkel von Julian of Waringham. Somit gibt es keine nahe familiäre oder geschichtliche Bindung mehr an die Vorgänger-Bücher.
Die Geschichte startet neu mit Nicolas of Waringham, der zum Beschützer der späteren Königin Mary wird, dem Kind aus der ersten Ehe des berüchtigten Heinrich VIII mit Katharina von Aragon. Durch die Augen von Nick wird dieses Kapitel englischer Geschichte beleuchtet, welches mit der Thronbesteigung durch Mary I. endet.
Wer den Fernsehmehrteiler "Die Tudors" mit Jonathan Rhys-Meyers als König Heinrich VIII und dem späteren "Superman" Henry Cavill als Charles Brandon (Duke of Suffolk, Günstling Heinrichs VIII.) mochte, der wird auch dieses Buch mögen.
Der Roman ist geeignet für alle, die nicht die gesamte Waringham-Saga lesen wollen (solche Menschen soll es ja geben), denn er ist in sich abgeschlossen.
- Rebecca Gablé
Der Palast der Meere
(233)Aktuelle Rezension von: ReisefreundinDer Palast der Meere spielt von 1560 bis 1588 zur Zeit von Elisabeth I. Die Hauptpersonen sind Nicholas’ Kinder Isaac und Eleanor.
Dieser Roman spielt nicht nur in England, sondern auch in Spanien, Afrika und den amerikanischen Kolonien. Da in den Vorgänger-Büchern häufig betont wurde, dass so gut wie alle Waringham seekrank werden, erschien es mir arg konstruiert, dass Isaac sich als blinder Passagier auf ein Schiff schleicht. Die Geschichte wird zweigeteilt: ein Teil folgt Isaac, der sich meist irgendwo in der Weltgeschichte herumtreibt. Der andere Teil folgt Eleanor, die in England bleibt, nah bei Königin Elizabeth I.
Der Roman wirkt für mich unentschlossen und schwankt zwischen den beiden Geschwistern Eleanor und Isaac sowie zwischen England und anderen Ländern hin und her. Insgesamt für mich der bisher schwächste Teil der Waringham-Saga.
- C.J. Sansom
Die Schrift des Todes
(38)Aktuelle Rezension von: Blackfairy71Sommer, 1546. Die Ära König Henrys VIII neigt sich ihrem Ende zu. Unerbittlich bekämpfen sich Katholiken und Protestanten, die Jagd auf Ketzer wird immer gnadenloser. In dieser aufgeheizten Stimmung wird Matthew Shardlake in den Palast der Königin gerufen. Er soll ein brisantes Buch wiederfinden, das sie verfasst hat und das aus ihren Gemächern gestohlen wurde. Der Inhalt dieses Werks könnte sie aufs Schafott bringen. Doch bevor Shardlake und sein Gehilfe Jack Barak die Suche aufnehmen, wird in London ein Drucker tot aufgefunden. Bei ihm findet sich eine Seite des Manuskripts der Königin…
Es ist das letzte Regierungsjahr von König Henry VIII. Er ist krank und aufgrund der großen Gewichtszunahme kaum noch in der Lage, sich zu selbst zu bewegen. Heute deutet vieles darauf hin, dass er Diabetes hatte. Da diese Krankheit aber damals völlig unbekannt war, wurde sie nicht behandelt und so starb er an den Folgen.
C. J. Sansom gelingt es in „Die Schrift des Todes“ mal wieder, die Tudorzeit lebendig werden zu lassen. Hervorragend recherchiert führt er den Leser durch das damalige London. Wie immer begleiten wir den Ich-Erzähler Matthew Shardlake zum einen bei seiner Arbeit als Anwalt und dann bei seinem Auftrag, das verschwundene Manuskript „Die Klage einer Sünderin“ von Königin Catherine Parr zu finden. Trotz seines festen Vorsatzes, sich nie wieder in Politik oder die Angelegenheiten des Hofes verwickeln zu lassen, kann er der verzweifelten Königin den Wunsch nicht abschlagen, ihr zu helfen. Denn bei der Wankelmütigkeit des Königs in Glaubensfragen, würde eine Veröffentlichung des Manuskriptes eine große Gefahr und sehr wahrscheinlich die Hinrichtung Catherines bedeuten.
Überhaupt ist Religion ein wichtiges Thema, die Nation ist gespalten, wer nicht den „richtigen“ Glauben hat, landet auf dem Scheiterhaufen. Öffentliche Äußerungen zu diesem Thema sind gefährlich und so versucht Shardlake, sich möglichst neutral zu verhalten. Seine Zeit im Tower vor einem Jahr hängt ihm immer noch nach. Das ist es auch, was ihn sympathisch macht. Durch einen verwachsenen Rücken nennen ihn viele den „Buckligen“. Er ist kein Held und hat vor vielen Dingen Angst, am meisten vor dem König. Aber er hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und das Herz am rechten Fleck. Was ihn allerdings auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt.
Zusammen mit Jack Barak und seinem jungen Kanzleimitarbeiter Nicholas begibt er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Manuskript. Die Spur führt bis in höchste Kreise und es wird klar, dass jemand sehr Mächtiges im Hintergrund die Fäden ziehen muss. Durch Überraschungen und Wendungen wird die Spannung auf den rund 730 Seiten durchweg aufrecht erhalten.
Wie immer gelingt es dem Autor, historische Fakten und Fiktion authentisch zu verknüpfen. Das gilt auch für historische Personen, die er geschickt in die Geschichte einbaut, wie z. B. Richard Rich, Bischof Cranmer und Kardinal Gardiner und natürlich den König und die Königin.
C. J. Sansom ist im April letzten Jahres leider verstorben, er wurde 71 Jahre alt. Das bedeutet natürlich, dass die historische Kriminalromanreihe um Anwalt Matthew Shardlake nicht fortgeführt wird. Mir bleibt somit nur noch der letzte Teil zu lesen: „Die Gräber der Verdammten“.
- Adrian McKinty
Der katholische Bulle
(98)Aktuelle Rezension von: Pascal_MaessAdrian McKinty entführt uns mit Der katholische Bulle ins Belfast der 1980er-Jahre – eine Stadt im Ausnahmezustand, geprägt von Unruhen, konfessionellen Spannungen und Gewalt. Hauptfigur Sean Duffy, katholischer Polizist in einer protestantisch dominierten Einheit, steht zwischen allen Fronten. Was auf dem Papier nach großem Stoff klingt, entfaltet sich in der Umsetzung jedoch mit Licht und Schatten.
Atmosphäre: Stark, aber nicht überragend
McKinty gelingt es, die nasskalte, spannungsgeladene Stimmung Belfasts gut einzufangen. Besonders in Momenten wie Duffys Rückzug in seine spärlich eingerichtete Wohnung, sein Gefühl der Fremdheit in der Straße oder das Unbehagen bei Patrouillen wird die politische und soziale Lage greifbar. Man sieht die Trümmer, man spürt den Regen.
Allerdings wird dieses Bild oft zu sehr durch das Vorwissen des Lesers getragen – McKinty verlässt sich darauf, dass wir die historischen Konflikte (IRA, MI5, protestantisch vs. katholisch) bereits einordnen können. Das erfordert Recherche oder Vorkenntnisse und erschwert den Zugang zur Geschichte. Vieles wird nur angerissen, selten erklärt oder vertieft.
Stil: Zwischen starker Metapher und emotionaler Dürre
Ein zentraler Kritikpunkt ist der Stil. Während McKinty auf den ersten Seiten mit gelungenen Bildern überrascht („Purpurne Leuchtmunition in mystischen Parabeln“, „Scheinwerfer, die sich wie Liebende im Jenseits begegnen“), verliert sich sein Ton bald in Kürze und Oberflächlichkeit. Dialoge bleiben blass, Gefühle werden oft nur behauptet, nicht gezeigt.
Im letzten Drittel ändert sich das etwas: Der Stil wird ruhiger, klarer – fast so, als wüsste McKinty nun endlich, was er mit seiner Geschichte anfangen will. Leider kommt dieser Wandel zu spät und zu abrupt. Vorher wirkt vieles sprunghaft und gehetzt. Einzelne philosophische Sätze („Ich traf, der Tod öffnete ihnen die Augen…“) deuten an, was möglich gewesen wäre – bleiben aber Ausnahme.
Figurenzeichnung: Viel Potenzial – wenig Substanz
Sean Duffy bleibt eine schwer greifbare Figur. Anfangs noch sympathisch, aber klischeehaft cool (Doc Martens, Lederjacke, Zigarette), entfaltet er im Mittelteil verschiedene Persönlichkeitsfacetten – mal Macho, mal verletzlich, mal philosophisch, mal plötzlich sexuell ambivalent. Leider werden diese Seiten nicht entwickelt, sondern wirken wie beiläufige Experimente.
Duffy scheint alles sein zu wollen – und ist dadurch nichts richtig. Erst nachdem ihm der Fall entzogen wird, bekommt er erstmals Tiefe: Er säuft, hadert, wird zerrissen. In diesen Momenten blitzt echter Noir auf. Doch McKinty verliert diesen Ansatz genauso schnell wieder, wie er ihn aufgebaut hat. Duffy bleibt Spielball statt Figur mit innerem Kompass – besonders als er sich am Ende bereitwillig vom MI5 instrumentalisieren lässt.
Auch die Nebenfiguren bleiben über weite Strecken flach. Die Beziehung zu Crabby und Matty ist eine der wenigen positiv gezeichneten Konstellationen, mit respektvoller Reibung, Humor und Menschlichkeit. Leider baut McKinty auch das nicht richtig aus – verschenktes Potenzial.
Handlung: Stimmig, aber ungleich gewichtet
Die Krimihandlung selbst ist solide konstruiert. Der Weg zur Auflösung, insbesondere die Verbindung zu Savanni, ergibt Sinn – wird aber teilweise zu zufällig oder zu schnell erzählt. Manche Dialoge wirken wie Füllmaterial, andere relevante Wendungen (z. B. die Konfrontation mit Adams) bleiben oberflächlich. Ein Großteil der ersten 200 Seiten hätte kürzer oder tiefer erzählt werden können – das eigentliche erzählerische Gewicht liegt auf den letzten 50 Seiten.
Dass McKinty auf einmal mitten im Buch mit Zeitstempeln arbeitet (z. B. „4:30 Uhr Ballyclare“), wirkt stilistisch unharmonisch und wie ein nachträglich eingestreutes Mittel zur Dramatiksteigerung – viel zu spät eingeführt, um noch stimmig zu sein.
Positiv: Der Cliffhanger
So viel Kritik – aber McKinty gelingt zum Schluss doch noch ein Kunstgriff: Der Cliffhanger sitzt.
Obwohl vieles auf dem Weg dahin enttäuscht, schafft es McKinty, das Interesse an der Fortsetzung zu wecken. Es ist kein „Ich-muss-sofort-weiterlesen“-Moment, aber ein „Ich behalte die Reihe im Blick“-Gefühl. Und das ist mehr, als viele Autoren nach 300 Seiten schaffen.Fazit
Der katholische Bulle ist kein schlechter Krimi – aber auch kein guter Noir.
McKinty hat große Ideen, einen spannenden Schauplatz und eine Figur mit Potenzial. Aber er entscheidet sich nicht, wie er sie erzählen will. Sein Stil wirkt oft gehetzt, seine Figuren unausgereift.
Was bleibt, ist ein atmosphärisch dichter Kriminalfall mit großem erzählerischem Versprechen – und einer Umsetzung, die mehr Fragen als Tiefe hinterlässt.Empfohlen für Leser:innen,
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die das Belfast der 80er atmosphärisch erleben wollen,
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denen ein schneller Stil mehr liegt als psychologische Tiefe,
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oder die einfach einen Einstieg in die Sean-Duffy-Reihe suchen – mit der Option, dass sich stilistisch noch etwas entwickelt.
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- Gilbert Morris
Das Schwert der Wahrheit
(17)Aktuelle Rezension von: BuchbloggerinIch möchte euch heute einen historischen Roman vorstellen, der sehr empfehlenswert ist! Mir war nicht klar, dass mich Das Schwert der Wahrheit von Gilbert Morris so sehr umhauen würde, denn ich muss zugeben, es hat etwas gedauert, bis die Geschichte mich für sich eingenommen hat. Die zweite Hälfte hatte es dann aber wirklich in sich.
Autor: Gilbert Morris, Verlag: SCM Hänssler, Seitenzahl: 458, Ausgabe: gebunden, erschienen am: 16.05.2019, Neupreis: 19,99 €, Originaltitel: The Sword of Truth
Der erste Band der Wakefield-Saga! England im 16. Jahrhundert. Durch tragische Umstände lernt Myles, unehelicher Sohn einer Magd, seinen adeligen Vater kennen: Sir Robert Wakefield. Plötzlich findet Myles sich im schillernden Hofleben voller verwirrender Liebesaffären und Machtkämpfe wieder. Als er in die Auseinandersetzungen um William Tyndale gerät, der die Bibel ins Englische übersetzt, muss er sich entscheiden zwischen der Frau, die er liebt, und dem Glauben, dem er seinen Lebenssinn verdankt.
Wie bereits erwähnt, verlief die erste Hälfte des Romans eher unspektakulär. Es war nicht langweilig, aber die Erzählweise war ruhig und im Vergleich zum späteren Verlauf der Handlung war es einfach noch nicht so „spannend“. Nach und nach lernt man all die Charaktere kennen, und auch wenn es viele waren, hat der Autor es geschafft, diese so in die Handlung einzubinden, dass es mir nicht schwer fiel, die Personen zuzuordnen und mir zu merken, wer wer war.
Ich habe bisher noch keinen Roman gelesen, in dem einem die Historie (hier: die Geschichte Englands) nebenbei, aber doch interessant und prägnant nahegebracht wird wie in Das Schwert der Wahrheit. Mir sind viel mehr Einzelheiten über die Zeit des Heinrich VIII. in Erinnerung geblieben, als früher im Geschichtsunterricht zu Schulzeiten. Nachdem ich den Roman beendet hatte, habe ich mir den Wikipediaeintrag zu Heinricht VIII. durchgelesen und musste feststellen, dass der Roman sehr nah an der Wahrheit steht (außer was die fiktiven Personen angeht :)).
Wer also auf „spielerische“ Weise etwas Geschichte lernen möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen.Doch nicht nur, dass man vieles daraus lernen konnte, hat mir gefallen. Der Autor hat kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, unschöne, teils schreckliche Szenen zu beschreiben. Es werden Folterungen, Stierkämpfe (aber auch Kämpfe unter anderen Tieren) beschrieben usw., Szenen, die wirklich unter die Haut gehen. Und wenn dann noch reale Schauplätze erwähnt werden, z. B. der Tower of London, fühlt man sich beim Lesen schon ganz anders – oder?
Das, was ich besonders spannend fand, war, dass in diesem Roman eine sehr berühmte Persönlichkeit auftaucht: William Tyndale. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Bibel zu übersetzen, und er war der erste, der für die mehrere Länder umfassende Verbreitung der Bibel gesorgt hat. In diesem Roman war Myles, der Protagonist, Teil dieser geheimen und sehr gefährlichen Aktion. Einige Jahre hatte er mit Tyndale zusammengearbeitet und die Bibeln aus Deutschland nach England geschmuggelt. Wenn man bedenkt, dass jeder heutzutage (jedenfalls bei uns in Europa) so viele Bibeln haben kann, wie er nur möchte, ist es wirklich krass, was früher alles dafür getan wurde, dass man eine Bibel zumindest einmal in der Hand halten konnte.
Ihr seht also, dieser Roman ist spannend und informativ. Ich wünsche mir, dass jeder dieses Buch lesen würde, denn darin erfährt man nicht einfach nur viel über die Geschichte Englands, sondern auch einen Teil der christlichen Geschichte. Und Morris hat es geschafft, dies auf eine so spannende Art zu erzählen, dass man das Buch irgendwann nicht mehr weglegen möchte. Eigentlich ist es ein 5-Sterne-Buch, doch ich vergebe 4 von 5 Sterne, denn ich gehe davon aus, dass die folgenden Bände mindestens genau so gut sind (hoffentlich)!
Also: eine mega Leseempfehlung!! - Sabine Weiß
Krone der Welt
(76)Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkondThematisch setzt sich der Roman mit dem Anbruch des Goldenen Zeitalters der Niederlange auseinander und auch der Achtzigjährige Krieg spielt eine dauerhaft tragende Rolle. Von den drei Geschwistern Vincent, Ruben und Betje will erster Architekt werden. Ruben hingegen will die Weltmeere umsegeln während Betje vollends in der Küche aufblüht.
Die Niederlande im Goldenen Zeitalter sind ein für mich persönlich sehr ansprechendes Setting und so war das Buch schon länger auf meiner wunschliste. Vor allem, weil man immer wieder sehr lobende Worte über die Autorin gehört hat. Kurzum, ich hatte mir einen Banger erwartet, der beispielsweise mit Rebecca Gablé vergleich bar wäre. Leider musste ich dann doch recht schnell merken, dass ich unter meinen Erwartungen bleiben würde. Sprachlich zwar nicht unbedingt schlecht, aber mitgerissen wurde ich leider auch nicht. Vor allem aber fand ich den Inhalt zu langatmig. Oft werden leider ganze Passagen mit nichtigkeiten gefüllt wohingegen die wirklich spannenden Momente nur sehr unzureichend ausgeschöpft werden. Gerade der Handlungsstrang rund um Ruben hätte sehr viel mehr Potential gehabt. Man bekommt nur am Rande ein wenig mit, wie es ihm auf seinen Reisen ergangen sei und welche Abenteuer erlebt hatte, die Autorin hätte meiner Meinung nach sich selbst aber einen sehr großen gefallen getan, wenn sie sich diesem Teil des Buches mehr gewidmet hätte. Zwar finde ich die Geschichte rund um Vincent durchaus interessant, trotzdem finde ich es recht komisch, dass am Klappentext groß drei Hauptcharaktere angepriesen werden, von denen dann halt nur einer eine wirklich wichtige Rolle spielt.
Umgekehrt fehlten mir gerade gegen Ende an mehreren Stellen nötige Erklärungen, die fpr mich nötig gewesen wären, gewisse Nebenhandlungen besser nachvollziehbar bzw. weniger unauthentisch zu machen. Wo die Autorin auf den ersten 200 Seiten noch zu viel Detail und Erklärung hineingesteckt hatte, wirkten die letzten 150 Seiten zu abgehetzt und unvollständig. Und so fühlt sich das Ende für mich auch absolut nicht rund an. Man hat davor noch Aktion, die ein wenig aus dem Kontext gerissen wirkt und nach Antworten geschriehen hätte, doch schon ist das Buch aus. Vor allem beginnt das Buch mit einer Einleitung, die einen Blick auf das Ende der Geschichte wirft. Das hätte es für mich persönlich jetzt auch nicht gebraucht.
Darüber hinaus unternehmen wir in der Geschichte immer wieder einen Ausflug an den spanischen oder den englischen Königshof, bzw, in andere Gegeneden Westeuropas, die für die Handlung aber absolut irrelevant sind und nie mehr aufgegriffen werden bzw. an Bedeutung für die Handlung erhalten.
Dennoch muss ich sagen, dass mir gerade die Beschreibungen des Amsterdamer Alltages und die beschrieben Stadterweiterung sehr gut gefallen haben. Insgesamt ist beim Lesen dieser Abschnitte ein sehr wohliges und gleichzeitig eiliges Gefühl der Bewegung aufgekommen. Da war der Vibe, den ich mir für das ganze Buch erhofft hatte.
Leider ist es aber so, dass die Autorin insgesamt zu viel wollte und sich dabei ein bisschen übernommen hat und nicht alles so ausgearbeitet hat, wie es verdient gewesen wäre.
- Eoin McNamee
Blau ist die Nacht
(7)Aktuelle Rezension von: HarIequinEin Wort um „Blau ist die Nacht“ zu beschreiben: Verwirrung. Pure Verwirrung.
Zugegeben ist es wohl zum Teil auch mein Fehler, da der Roman der 3. Teil der „The Blue Trilogy“ ist und ich die beiden Vorgänger noch nicht gelesen habe.
Die Reihe behandelt reale Mordfälle aus Irland, die entweder ungelöst blieben oder bei denen es juristische Fehler gab. Was zur Verwirrung beiträgt ist die Tatsache, dass es reale Fälle sind und sie somit nicht unbedingt logisch erscheinen, wie es beispielsweise bei fiktiven Thrillern der Fall wäre. Das Buch basiert zwar auf wahren Ereignissen, liest sich aber wie ein Roman oder ein Krimi.
Hier geht es konkret um die Familie Curran und ihre Verwicklung in 2 Mordfälle. Der erste Mord geschah an der Katholikin Mary McGowan, die von Robert Taylor erstochen wurde. Obwohl sie ihn vor ihrem Tod noch identifizierte und es eindeutige Beweise gegen ihn gab, wurde er nie verurteilt. Richter bei diesem Prozess ist Lance Curran, der mit seiner Strafforderung an der Jury scheitert. Einige Jahre später wird seine Tochter Patricia Curran tot aufgefunden und ein Unschuldiger dafür verurteilt. Durch das Buch führt Ferguson, der Assistent von Lance Curran.
Der erste Mordfall scheint sehr klar, der zweite ist allerdings sehr verworren:
„Taylor hatte er nie mit dem Mord in Verbindung gebracht. Nie war ihm in den Sinn gekommen, dass Taylor oder ein anderer Mann, den er nicht kannte, irgendein Feind von Curran, sich zwischen den Bäumen versteckt und Patricia aufgelauert haben könnte. Jetzt schien es so wahrscheinlich wie alles andere auch. Taylor. Doris. Cutbush. Curran.“ (S. 264)
Viele Tatverdächtige, viele Motive und doch kein Ergebnis. Sowohl die Familie Curran (v.a. Mutter Doris) wird verdächtigt, zum anderen wird einem auf den letzten Seiten nochmal ein neuer Tatverdächtiger präsentiert. Zwischendurch wird übrigens auch noch „Jack the Ripper“ hineingeworfen, um die Verwirrung komplett zu machen.
Alles in allem sind beide Mordfälle einfach unbefriedigend, da sie zu keiner Auflösung kommen. Da sie real sind, kann ich dies natürlich nicht negativ bewerten, man sollte sich auf ein sehr frustrierendes Lese-Gefühl einstellen. Auch war mir nicht immer klar, was Fiktion des Autors ist und was der Realität entspricht.
Das einzige Manko für mich war der teilweise anstrengende Schreibstil und die ständigen Zeitsprünge (manchmal nicht einmal mit Jahreszahl gekennzeichnet). Zudem gibt es sehr viele Personen auf wenig Seiten, dass ich schnell durcheinanderkam (aber wie angemerkt: ich kenne die Vorgänger nicht). Sprachlich hält der Autor sich eher nüchtern und sachlich.
Alles in allem hat mich „Blau ist die Nacht“ doch schnell in seinen Bann gezogen und ich habe vermutlich noch länger daran zu nagen. Auβerdem schafft McNamee es, eine ganze Bandbreite von Emotionen zu wecken (wenn auch eher negative). Man bleibt mit einem Gefühl von Unzufriedenheit zurück und das ist auch schon der Geniestreich: die Authentizität und Realität der realen Ermittler und aller Beteiligten. Die beiden Vorgänger werde ich mir schnellstmöglich besorgen, denn McNamee hat mich wirklich gepackt.
- Ian Rankin
Mortal Causes: An Inspector Rebus Novel
(1)Aktuelle Rezension von: KeksisbabyEin Toter in den Katakomben von Edinburgh gibt Kommissar Rebus Rätsel auf. Er vermutet die Paramilitärs hinter dem Mord, denn der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten wird nicht nur in Irland blutig ausgetragen. Seine Vorgesetzten sind davon aber noch nicht gänzlich überzeugt. Aufgrund seiner Vermutung wird er nach Glasgow versetzt, jedoch lediglich der Chef der Einheit ist darüber begeistert. Zeitgleich soll er sich im Problemviertel Gar-B mal einen Jugendclub anschauen. Eigentlich sollte dieser Begegnungsstätte und Anlaufpunkt sozial schwacher Jugendlicher sein, egal welcher Konfession, doch es scheint, als hätten Jugendbanden das Zepter übernommen. Es dauert ein wenig, aber bald dämmert Rebus, dass es da einen Zusammenhang mit seinem Mordopfer und dem Bandenchef gibt.
Mein jährliches Rebus-Lesevergnügen. Obwohl ich gestehen muss, dass „Mortal Causes“ oder „Blutschuld“ meinen Nerv jetzt nicht so getroffen haben. Vielleicht wäre das vor fast 30 Jahren - in der Zeit als das Buch spielt - anders gewesen, als der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken gerade besonders in Irland eskalierte. Nicht das ich behaupten möchte, dass nun in diesen Tagen eitel Sonnenschein zwischen diesen Parteien herrscht. Vielleicht war es auch nicht ganz meine Thematik, mit Waffenschiebereien, rivalisierende Banden, Jugendkriminalität und Religionskonflikt. Spannend war für mich an diesem Teil die Beziehung von Rebus zu seinem Erzrivalen Gafferty. Es handelt sich ja immerhin um seinen Sohn, in dessen Mordfall der Inspektor ermittelt. Die beiden sind sich sehr ähnlich in ihrer Persönlichkeit, aber denn noch gegensätzlich in der Seite des Gesetzes die sie gewählt haben. Als Gafferty aus dem Gefängnis ausbricht, bekommt es der sonst so taffe Inspektor schon ein bisschen mit der Angst zu tun, zumal er noch nicht den Durchbruch in seinen Ermittlungen verzeichnen konnte. Neben John Rebus trifft man auch andere alte Bekannte wieder, aber ebenso neue skurrile Arbeitskollegen, wie zum Beispiel Smily, der nur selten lustig ist. Wie schon im letzten Band hat Rebus so seine liebe Not mit den Frauen und seine Beziehung zu der Ärztin kriselte ja schon im vorherigen Band.
Auch wenn der religiöse/terroristische Hintergrund mir nicht lag, war es trotzdem wieder schön, mit dem unangepassten, unbequemen Rebus durch Edinburgh zu streifen und den ein oder anderen Whiskey zu trinken.
- A.K. Amherst
Belfast Central
(29)Aktuelle Rezension von: Annabeth_BookInhalt
Eigentlich wollte Ryan nur helfen und gerät dann selbst in die Schusslinie. Weil er es aber nicht auf sich beruhen lassen kann, rutscht er immer tiefer rein und erfährt Dinge, die man lieber nicht wissen wollte.
Erster Satz:
Unsere Patientin Misses Weaver ist ganz aus dem Häuschen, dass sie nach Hause darf.
Meine Meinung:
Als mich die Autorin gefragt hat, ob ich Buch lesen möchte, habe ich natürlich nicht nein gesagt, weil ich natürlich auch neugierig darauf war, was mich erwarten wird und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.
Das Cover finde ich zwar etwas nichts sagen und für einen Thriller etwas 0815 gestaltet, aber ich will auch nicht wirklich daran rummeckern, weil ich selbst keine Idee habe wie man das Cover hätte anders gestalten können.
Der Schreibstil der Autorin, ist sehr flüssig zu lesen und er fesselt einen zunehmen, irgendwann konnte und wollte ich das Buch nicht mehr weglegen, weil ich unbedingt wissen wollte was Ryan sonst noch so alles aufdeckt.
Ryan, ist unser Protagonist, ein sehr sympathischer, junger Mann, der anderen Menschen helfen will und deshalb Sanitäter geworden ist und gerade dieser Beruf wird im eines Nachts bei einem Einsatz zum Verhängnis.
Während sein Kollege sein Leben lassen muss, wird Ryan von einem fremden Mann gerettet und er fragt sich warum und beginnt mit der Suche nach dem Mann und ab diesem Zeitpunkt rutscht er immer tiefer in Sache rein.
Der fremde Mann der ihm geholfen hat ist Adam, als Leser erfahren wir auch von der Vergangenheit von Adam, diese wurde wiederum sehr gut in dem Buch gekennzeichnet, sodass man als Leser auch weiß wo man sich befindet.
Natürlich gibt es auch die üblichen Randcharakteren, wie die Familie von Ryan und seine Freunde, aber die waren für mich diesmal wirklich außen vor, da ich auch toll fand was die Autorin sich hier für eine Hintergrundgeschichte ausgesucht hat und es ist ein Thema, wo man sich als Leser auch erstmal auseinandersetzen muss, weil es einem eigentlich nie bewusst war.
Alles in einem kann ich an dem Buch wirklich nicht meckern, weil die Autorin es geschafft hat mich zu fesseln und mich gleichzeitig für ein neues Thema zu begeistern und ich hoffe das ich sehr bald wieder etwas von ihr lesen darf.
- Barbara Bierach
Lügenmauer
(102)Aktuelle Rezension von: Kolibri_liestMich hat vor allem der Handlungsort und die Religionskritik dazu bewegt das Buch zu beginnen und das zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Erzählung. Es gibt viel Gewalt und Schmerz, aber mir fehlte die Tiefe. Auch die Charaktere waren nicht ganz rund. Nach der Hälfte sind die Täter klar und dann wartet man eigentlich nur noch auf die moralische Bewertung der Protagonistin.
- Gilbert Morris
Zwischen Liebe und Hass
(12)Aktuelle Rezension von: SeelensplitterMeine Meinung zum Roman:
Wakefield Saga 2
Zwischen Liebe und Hass
Inhalt in meinen Worten:
Wakefield Saga geht um eine Familie, die Wakefields, die Teilweise wirklich eine Menge für den Glauben erleben und durchmachen aber auch wie Sie zum Glauben kamen ist immer wieder spannend zu lesen. Dieses Mal geht es um den Enkeln, Robin. Er verlor seine Mama recht früh, und den Vater noch vor der Geburt, doch weswegen, würde euch zu sehr spoilern.
In diesem Buch geht es vor allem um das Leben von Robin. Einerseits wie er Erwachsen wird, durch doofe Zustände in das Gefängnis kommt, und zwar nicht in England sondern in Spanien, und genau darum geht es auch hauptsächlich, wie kann ein Mann der einfach nur den Hass in sich spürt dennoch seinen Weg gehen. Die wichtigste Bitte die ihm zugetragen wurde ist, Hasse nicht, sondern Segne.
Was daraus entsteht und warum es manchmal lohnenswert ist, zu warten, das berichtet euch Robin und all die anderen Menschen in diesem Buch.
Wie ich das Gelesene empfinde:
Obwohl ich das Buch hin und wieder von der Schreibweise schwer empfand, und nicht locker und leicht, ein Grund warum ich nicht so schnell daran lesen konnte, wie gewöhnlich, ist es ein sehr schönes Buch. Es behandelt den Glauben realistisch und angenehm, zeigt aber auch auf, was Glauben in den letzten Jahrhunderten doch für Wandlungen mitmachen durfte. Sei es weil Katholische Menschen den evangelischen bzw den biblischen Glauben für sich entdecken oder auch weil manche Menschen merken, da gibt es noch viel mehr, als man auf den ersten Blick erkennen kann und mag. Das finde ich spannend erzählt und auch wertvoll wiedergegeben.
Geschichte:
Robin wuchs mir recht schnell an mein Herz. Vor allem als er das Liebste in seinem Herzen zu verloren glaubt, und doch merken darf, wie Gott ihn versorgt. Denn einerseits ist er ein Günstling von der Königin andererseits schlägt sein Herz aber für das Meer und darauf zu fahren. Wie gut, das er einen ganz besonderen Auftrag bekommt. So kann er das Verloren geglaubte nämlich wieder sehen und merken, Vergebung ist viel mehr wert als der Hass der in einem Herzen schlummern kann.
Interessant fand ich auch den Überblick der Geschichte von England zwischen 1553 und 1588. Zudem fand ich den Zahlstrahl von Robin seiner Familie hilfreich, weil ich sonst manchmal dezent durcheinander geraten wäre.
Somit wisst ihr auch, wann die Geschichten spielen und was ungefähr zu der Zeit stattfand.
Spannung:
Die Spannung im Buch empfand ich recht hoch, zumindest immer wieder Mal, denn manche Szenen wurden sehr lang gedehnt. Gerade die zweite Hälfte des Buches hat es mir angetan und ich litt immer wieder mit den Figuren mit und war immer wieder erstaunt, wie sie aus manch schweren Lagen wieder entkamen.
Charaktere:
Vor allem geht es um Robin. Wer ist Robin und was macht ihn aus? Er ist der Sohn von Blanche Holly und William Wakefield und Enkel von Margred Morgan und Sir Robert Wakefield. Als junger Mann erlebt Robin so einige Hindernisse, doch dank seiner Großeltern merkt er das es von einer anderen Kraft gehalten wird.
Dann geht es aber auch um Allison, die ein ganz schön hartes Los gezogen hat, doch über Sie kann ich nicht so viel preisgeben, wenn ich euch nicht spoilern möchte.
Die Entwicklung der Charaktere und den verschiedenen Vor und Unlieben empfand ich toll, und auch das nicht jeder Charakter gleich klug handelt wie es ein anderer tut und das die Charaktere offenkundig zeigen, was ihnen der Glauben und auch die Kraft dahinter bedeuten.
Glaube:
Dieses Buch spielt mit dem christlichen Glauben, bzw bezieht diesen deutlich ein. Ohne diese Hinweise und vielen Impulse wäre das Buch nicht das was ich brauche, aber gerade durch diese vielen Charaktere, und durch diese Hinweise und Empfehlungen im Glauben, ist es eine kleine Kraftquelle, auch wenn die Sprache etwas schwerfälliger ist, so ist es gerade mit dem Gesamtpaket sehr liebreizend und definitiv Entdeckungswert!
Empfehlung:
Ich finde toll, dass das Buch nicht in der Einfachheit trumpft, sondern gerade weil ich mich reinfuchsen darf, mich bewusst damit beschäftigen darf, mich ganz bewusst in der Geschichte bewegen darf, deswegen vergebe ich auch gerne eine Empfehlung und gerade der christliche Glaube und an den Herrn Jesus finde ich sehr wertvoll und zugleich ein Geschenk dieser Geschichte. Deswegen ich will sofort mit Robin weiter lesen und gerne in den dritten Band einsteigen.
Deswegen ja klare Empfehlung. Aber eher für Historische Romanliebhaber, als für Fantasieliebhaber.
Bewertung:
Mich hat das Buch bewegt, manches Schicksal der Charaktere hat mich getroffen und ich kann sagen, ja ich vergebe fünf Sterne.
- Bernard MacLaverty
Cal
(9)Aktuelle Rezension von: Barbara62Bei einem Besuch in Londonderry und Belfast im Sommer 2018 war ich schockiert über die noch deutlich sichtbaren Spuren des Nordirlandkonflikts, nicht zuletzt über die Mauer in Belfast. Gleichzeitig hat mich der spürbare Wille der Menschen dort begeistert, den Frieden, der seit dem Karfreitagsabkommen vom April 1998 herrscht, zu bewahren. Nun ist die offene Grenze zwischen Irland und Nordirland im Zuge des Brexits erneut in Gefahr und der Mord an der Journalistin Lyra McKee durch die militante New IRA im April 2019 in Londonderry sowie zahlreiche neue Bombenattentate machen nicht nur vielen Iren und Nordiren Angst. Bernard MacLavertys Roman „Cal“ aus dem Jahr 1983 ist daher aktueller denn je und eine Warnung an alle, die leichtfertig zündeln.
Der 19-jährige Cal Mc Cluskey, arbeitslos wie viele seiner Altersgenossen, schlägt sich im tristen, vom Bürgerkrieg gebeutelten Nordirland der 1970/80er-Jahre mühsam durch. Zusammen mit seinem Vater Shamie, einem Schlachthausarbeiter, lebt er in einem protestantischen, loyalistisch geschmückten Viertel irgendwo in der Provinz Ulster. Als letzte Katholiken dort erhalten sie massive Drohungen, die dazu führen, dass der friedliche Shamie von militanten IRA-Anhängern einen Revolver zur Selbstverteidigung annimmt. Doch die IRA gibt nichts umsonst, fortan muss Cal als Fahrer bei Überfällen fungieren. Als dabei ein protestantischer Farmer und Reservepolizist vor den Augen seiner Familie erschossen wird, will Cal, der „nie richtig eingestiegen“ ist, die Gruppe verlassen. Sein Gewissen lässt ihn nicht mehr zur Ruhe kommen, doch mitten im Krieg duldet die IRA keine Aussteiger: „Nicht zu handeln – weißt du – heißt handeln... Dadurch daß du nichts tust, trägst du dazu bei, daß die Engländer hierbleiben.“
Ein Jahr nach dem Anschlag lernt Cal in der örtlichen Bibliothek Marcella Morton kennen, „ausgerechnet die eine Frau, die ihm verboten war“, und verliebt sich, doch „Von Liebe zu sprechen, das wußte er, erforderte Offenheit und Wahrhaftigkeit. Wegen dem, was er getan hatte, war er für sie eine einzige Lüge“.
Bernard Mac Laverty zeigt in "Cal" eindringlich, wie ausweglos die Situation für den Einzelnen in einem gewalttätigen Konflikt sein kann. Auch wenn der Roman keine ganz große Literatur ist und die ständig beschriebene exzessive Raucherei Cals mich zunehmend genervt hat, ist die Perspektive auf den nordirischen Alltag und die Frage nach Schuld, Verantwortung und Vergebung gut gelungen.
Der Roman wurde 1984 von Pat O’Connor mit John Lynch und Helen Mirren in den Hauptrollen verfilmt.
http://mit-büchern-um-die-welt.de/bernard-maclaverty-cal/ - Adrian McKinty
The Cold Cold Ground
(5)Aktuelle Rezension von: Ingrid_DavisIch bin erst kürzlich auf Adrian McKinty gestoßen, allerdings nicht die Einzige, denn schon fast egal, mit wem man über Krimi spricht, sagt momentan: "Kennst du eigentlich schon...", und jetzt weiß ich auch warum.
Die Krimis um Detective Sean Duffy spielen in den 80ger Jahren in während der 'Troubles' in Nordirland. Duffy, einer der wenigen Katholiken in einer weitgehend protestantischen Polizei, der einzige Katholik in einer protestantischen Nachbarschaft, erzählt in trockener, ironischer Weise von seinen Mordfällen, die immer in irgendeiner Weise mit den Verstrickungen des Bürgerkriegs in Nordirland verknüpft sind.
Als Krimi ist dieser erste Band gut und solide - was mich aber nicht losgelassen hat, war die Quasi-Geschichtsstunde. Es ist unglaublich faszinierend, wie McKinty die Geschichte mit der gesellschaftlichen Dynamik verknüpft, die entsteht, wenn alle im Krieg gegeneinander sind, sich der ursprüngliche religiöse Konflikt aber längst an vielen Stellen in kriminelle Machenschaften verwandelt hat. Er beschreibt es trocken, zynisch, und das Lachen bleibt einem so manches Mal im Halse stecken.
Absolut lesenswert. - Eugene McCabe
Tod und Nachtigallen
(9)Aktuelle Rezension von: ShannonEugene McCabe steht für großes irisches Drama - und das liefert er hier im historischen Kontext beeindruckend ab.
Zur Zeit Parnells lebt Beth mit ihrem Vater auf einem Landsitz im Norden der Insel - County Fermanagh. Der Hass zwischen Katholiken und Protestanten geschürt durch die katastrophale Kartoffelhungersnot ein paar Jahrzehnte zuvor schwelt stark in der dort lebenden Bevölkerung. Beth selbst steht schwer unter dem Eindruck der Misshandlung ihrer Mutter durch ihren vermeintlichen Vater Bill Winters. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Beths Mutter zur Zeit der Heirat mit ihm schwanger war und Beth somit "untergejubelt" hat. Bill reagierte mit Trunksucht und Gewalt. Die Mutter starb bei einem dramatischen Unfall ein paar Jahre zuvor.
Nun ist Beth 23 und just an diesem Geburtstag will sie das verhasste Zuhause verlassen - mit Hilfe von Liam Ward, ihrem Liebhaber, von dem sie schwanger ist. Der Plan ist, Bills Gold zu stehlen und gemeinsam ein neues Leben abseits der Heimat zu beginnen.
McCabes Buch schwankt zwischen zermürbenden Emotionen und traumhaft schönen Landschaftsbeschreibungen. Nichts gilt als sicher, keiner ist nur gut oder böse. Dies ist sicherlich eine Stärke des Werks. Nicht mal die Protagonistin schafft es ins Herzen des Lesers - und alles steuert dem vernichtenden Ende zu. Mit Leichtigkeit wird man ins Irland des ausgehenden 19. Jahrhunderts entführt mit all seiner Wut und Rohheit, dem Hass gegen die Besatzer und dem Willen eine bleibende Ordnung in die Dinge zu bringen. Ein großartiger Blick fürs historische Detail und den Zeitgeist aber auch für die Lebensumstände der damaligen Bevölkerung begleitet den Leser auf seiner Reise. Die Ambivalenz der Figuren verstört und begeistert zugleich. McCabe ist hier Großartiges gelungen. Eindeutige Leseempfehlung. - Christian Pantle
Der Dreißigjährige Krieg
(15)Aktuelle Rezension von: paulkretzschmarChristian Pantle, dem Journalist und Chefredakteur der Zeitschrift "Geschichte", gelingt es, mit seinem hochinformativen Sachbuch über den Dreissigjährigen Krieg, der mit dem berühmt- berüchtigten Fenstersturz zu Prag seinen tragischen Anfang nahm, einen umfassenden Einblick in diese dunkle Epoche deutscher Geschichte zu gewähren.
Die packenden Schilderungen der Grausamkeiten des Krieges werden ergänzt durch die tagebuchartigen Erlebnisse des Söldners Hagendorf sowie des Mönchs Friesenegger. Diese wahren Überlebenskünstler geben in ihrer schonungslos, nüchternen Sprache, dem Ganzen nochmals eine höchst lebendige, besondere Authentizität.
Der Autor bringt dem Leser anschaulich, verständlich und komplex die verhängnisvollen Zusammenhänge zwischen Religion, Politik und grenzenlosen Machtstreben auf eine sehr lesenswerten Art und Weise nahe.
Die Hintergründe und Zusammenhänge vom Leben und Sterben der einfachen Menschen, lassen deren Leid in einem vielfach ergreifenden Panorama eindrucksvoll auferstehen.
In all den Rauben, Morden, Vergewaltigen, Brandschatzen und Plündern gibt es nur selten Erbarmen und Menschlichkeit.
Diese spannende historische Erzählung ist für alle geschichtlich Interessierten eine ausgezeichnete Wissensquelle, die in Kurzform die gesamte Zeit dieses langjährigen Kriegsgeschehens zusammenfasst.
Ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und viele neue Erkenntnisse dazu gewonnen, die ich sehr gern weiterempfehlen möchte!
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