Bücher mit dem Tag "psychoanalyse"

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56 Bücher

  1. Cover des Buches Und Nietzsche weinte (ISBN: 9783641157371)
    Irvin D. Yalom

    Und Nietzsche weinte

    (418)
    Aktuelle Rezension von: irmakvakifli

    Es gibt Bücher, die man liest – und solche, die einen lesen. Und Nietzsche weinte gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Werk, das mir einst in einem kleinen Antiquariat empfohlen wurde, hat sich seither mühelos in mein Gedächtnis eingebrannt – und das seit Jahrzehnten.

    Irvin D. Yalom, selbst renommierter Psychiater, entwirft eine fiktive Begegnung zwischen Dr. Josef Breuer, einem der Väter der modernen Psychotherapie, und dem großen Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Bühne: Wien, Ende des 19. Jahrhunderts – jener Zeitpunkt, an dem Psychiatrie noch geboren wird und Philosophie noch das Leben erklären will. Und genau dort treffen sich zwei Geister, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eine tiefe Verbindung eingehen.

    Yalom gelingt es meisterhaft, komplexe Ideen über Seele, Wille, Freiheit, Leid und Heilung in einen erzählerischen Fluss zu bringen, der sowohl anspruchsvoll als auch zugänglich bleibt. Die Dialoge sind scharf, dicht, aber nie prätentiös. Wer Freude an tiefgründigen Gesprächen, existenziellen Fragen und menschlicher Komplexität hat, wird in diesem Buch einen wahren Schatz finden.

    Es ist ein Roman über das Ringen mit sich selbst – über die Angst vor Nähe, die Lust an der Kontrolle, die Notwendigkeit der Veränderung. Breuer und Nietzsche therapieren sich gegenseitig – manchmal wissend, manchmal unbewusst. Diese Spiegelung ist nicht nur psychologisch brillant, sondern auch literarisch hoch elegant umgesetzt.

    Die Atmosphäre des alten Wiens, die Schatten Freuds, die Entstehung eines neuen Verständnisses vom Menschen – all das verleiht dem Buch Tiefe und geschichtliche Verankerung, ohne dass es je trocken oder akademisch wird.

    Für mich persönlich: ein Fünf-Sterne-Buch. Nicht nur wegen der klugen Konstruktion, sondern vor allem, weil es etwas tut, was nur wenige Romane können – es verändert den Leser. Nicht laut, nicht belehrend – sondern leise, nachhaltig und auf eine zutiefst menschliche Weise.

  2. Cover des Buches Die Kunst des Liebens (ISBN: 9783548069890)
    Erich Fromm

    Die Kunst des Liebens

    (267)
    Aktuelle Rezension von: SchampusfuerdieSeele

    Mit 20 begann ich zum ersten Mal dieses Buch zu genießen. Ein Startpunkt die Art wie Menschen lieben zu hinterfragen. Auch wenn ich selbst auf dem Weg in die Selbstliebe meinen Horizont erweitert habe, war es eine Basis in Liebesdingen und ist zu empfehlen. In meinem eigenen Buch habe ich das Thema auf tiefgehende Weise im Hinblick wie wir gesunde Beziehungen entwickeln vertieft. Auch poetisch liebe ich es Liebesweisen zu durchleuchten. Eine Einladung für alle die tiefer blicken wollen in ihre Seele und das eigene Herz erkunden. Bewusstsein ist stets ein Schlüssel sich zu entfalten, dahin wo Erfüllung wartet. Erich Fromm setzte einen psychologischen Startpunkt, der lesenswert ist.

  3. Cover des Buches Die rote Couch (ISBN: 9783641194826)
    Irvin D. Yalom

    Die rote Couch

    (142)
    Aktuelle Rezension von: dodo2025

    Das  Geld hätte ich mir sparen können, ich hatte das Gefühl, dass die Therapeuten alle über einen Kamm geschert werden, was natürlich Quatsch  ist. Ich habe es nur zur Hälfte gelesen, weil es mir zu  viele negative  Aspekte hatte. Anfangs fand  ich es noch interessant, in die Arbeit eines Therapeuten Einblick zu erhalten, aber das hat sich dann schnell verändert.

  4. Cover des Buches Die Tänzerin von Paris (ISBN: 9783746633169)
    Annabel Abbs

    Die Tänzerin von Paris

    (73)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Das Buch war sehr ansprechend, ich habe genossen es zu lesen. Lucia Joyce hatte ein schreckliches, anstrengendes Leben, man konnte sich gut in ihre Verzweiflung und auch die Liebe reinversetzten.

    Der Schreibstil der Autorin ist sehr schön, ich fand es sehr interessant wie die Zeitsprünge im Buch gestaltet wurden.

    Die Handlung war flüssig und bis zum Ende spannend gehalten. Das Buch bliebt im Gedächtnis, auch noch mehrere Wochen nach dem Lesen.
    Ich konnte mich gut in Lucias Lage reinversetzten und mit ihr mitleiden. Es war angenehm ein Buch aus der ‚Ich-Form‘ zu lesen.
    Es ist schön, wie die Autorin den Blick im Buch auf Lucia, nicht auf ihren Vater lenkt. 

    Fazit: Tolles Buch über eine Persönlichkeit, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

  5. Cover des Buches Das Ich und das Es (ISBN: 9783966377973)
  6. Cover des Buches Denn alles ist vergänglich (ISBN: 9783442717095)
    Irvin D. Yalom

    Denn alles ist vergänglich

    (21)
    Aktuelle Rezension von: alex_we

    unbedingt lesen, gibt nicht nur eine Einsicht in die Funktionsweise der Psychotherapie, sondern ein Verständnis für die menschliche Psyche und eine andere Zugangsweise zur Trauer. In der man sich sonst oft sehr einsam und hilflos fühlt.

  7. Cover des Buches Die Traumdeutung (ISBN: 9783755300069)
    Sigmund Freud

    Die Traumdeutung

    (63)
    Aktuelle Rezension von: butterflyinthesky
    Zusammenfassung:
    The Interpretation of Dreams 1st appeared in German in 11/1899 as Die Traumdeutung (publisher postdated 1900). Publication inaugurated the theory of Freudian dream analysis, which he described as "the royal road to the understanding of unconscious mental processes", promising to "demonstrate that there is a psychological technique which makes it possible to interpret dreams, & that on the application of this technique, every dream will reveal itself as a psychological structure, full of significance, & one which may be assigned to a specific place in the psychic activities of the waking state. Further, I shall endeavour to elucidate the processes which underlie the strangeness & obscurity of dreams, & to deduce from these processes the nature of the psychic forces whose conflict or cooperation is responsible for our dreams."
    The book introduces the ego & describes a theory of the unconscious as regards dream interpretation. Dreams are forms of wish-fulfillment—attempts by the unconscious to resolve conflicts, whether recent or from the past (Beyond the Pleasure Principle discusses dreams which don't appear to be such). Because the information in the unconscious is in an unruly, often disturbing form, a preconscious censor won't allow it to pass unaltered to consciousness. While still attentive, the censor is more lax in sleep than in waking hours. Thus the unconscious must distort the meaning of its information to make it past the censor. As such, dream images often aren't what they appear to be & need analysis.

    Meine Meinung:
    Fand ich (wie alle Freud Bücher) wieder mal sehr interessant. Es zieht sich an einigen Stellen aber es ist so informativ :)
  8. Cover des Buches Der Mensch und seine Symbole (ISBN: 9783491421356)
    C. G. Jung

    Der Mensch und seine Symbole

    (18)
    Aktuelle Rezension von: Blintschik

    Das Buch hat mich zutiefst fasziniert, auch wenn ich zugeben muss, dass ich es schwer finde zu rezensieren. Jungs Theorien finde ich ziemlich interessant und seine Ansätze geben gute Einblicke wie die menschliche Psyche funktionieren könnte. Ich finde die Arbeit mit archetypischen Bildern eine interessante Idee um träume zu interpretieren und habe es selbst mit interessanten Ergebnissen ausprobiert. Daher finde ich es gut, dass hier erwähnt wird, dass nicht bei jeder Person gleich vorgegangen werden kann und alles lediglich ein Ansatz ist. Das fällt auch auf, weil das Buch schon etwas älter ist und das gesellschaftliche Bild sich von unserem heute unterscheidet. Dennoch gibt das Buch gute Einblicke. Ich muss aber auch zugeben, dass einige Autoren, die hier mutgewirkt haben, etwas fraunefeindlich wirken bzw. ein sehr altes Frauenbild haben. Dazu sind manche Interpretation sehr religiös angehaucht oder für mich persönlich einfach sehr weit hergeholt. Aber es wird ja erwähnt,dass die Dinge in dem Buch nicht wissenschaftlich entgültig sind. Daher finde ich das Buch wirklich interessant und aus psychologischer Sicht sehr wertvoll. Jungs Theorien sind einfach eine wundervolle Grundlage für die Arbeit mit der menschlichen Psyche, besonders auch wenn man an sich selbst arbeiten möchte.

  9. Cover des Buches Ida (ISBN: B07F2JX3C7)
    Katharina Adler

    Ida

    (41)
    Aktuelle Rezension von: trinity_41

    Erzählt wird die Geschichte der kleinen Ida, die schon im Kindesalter als dauerhaft krank und labil beschrieben wird, zugleich aber auch hypochondrische Züge hat.
    Sie beginnt eine Kur bei Sigmund Freud, der sich vornehmlich auf die psychosozialen und psychosomatischen Aspekte ihrer Krankheit(en) konzentriert. Ida beendet die Kur bei Freud jedoch vorzeitig, weil sie sich bevormundet und bedrängt fühlt.
    Doch geht es nicht nur um Ida als Patientin beim berühmten Dr. Freud, sondern auch um ihre bewegte Familiengeschichte, ihr Berufsleben, ihren Charakter und ihre Stärke.

    Dafür nutzt die Autorin unterschiedliche Zeitstränge und wechselt immer wieder gekonnt zwischen den Zeiten und Ebenen. Sie zeichnet das Bild einer Heldin und das einer Anti-Heldin, einer berühmt gewordenen Patientin, die ein bisschen hysterisch wirkt, aber eben nicht so sehr, wie es ihr manchmal angedichtet wird. Es ist eine junge Frau, die zwischen zwei Weltkriegen aufwächst und versucht, mit dem großen Umbruch fertig zu werden.

    In Teilen nicht gefallen hat mir der Schreibstil. Ich fand ihn nicht besonders flüssig und an manchen Stellen war mir das Erzähltempo zu langsam. Wer aber Idas Geschichte an sich spannend findet (und das tat ich), der ist mit diesem Buch dennoch sehr gut beraten.

  10. Cover des Buches Weiße Wolken (ISBN: 9783462004977)
    Yandé Seck

    Weiße Wolken

    (92)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Zazie ist wütend. Auf den Rassismus, der immer noch in dieser Welt herrscht. Auf die Privilegien weißer Männer. Darauf, dass diesen weißen Männern diese Privilegien nicht bewusst sind. Auf den Sexismus. Auf den Klassismus. Und auf allen anderen Ismen, die es noch so gibt. Ihr große Schwester Dieo ist hingegen zu erschöpft, um wütend zu sein: Die Care-Arbeit und Betreuung der drei Söhne bleibt hauptsächlich an ihr hängen, vor allem seitdem ihr Mann Simon in der Finance-Tech-World arbeitet und von morgens bis abends mit Anglizismen um sich schmeißt. Zwischen ihrer Familie und der Ausbildung als Psychoanalytikerin versucht Dieo zwar, die Wut ihrer Schwester aufzufangen, stachelt sie mit ihrer Verkörperung der gutbürgerlichen, angepassten Familie meist ungewollt weiter an. Als der Vater der beiden Schwestern, Papis, überraschend stirbt, reisen die beiden Schwester zusammen in seine Heimat, den Senegal. Hier wollen sie auf traditionelle Weise von ihm Abschied nehmen, Zazie will sich verstanden wissen und Dieo nach all den Jahren endlich ihre Wurzeln kennenlernen.

    Weiße Wolken ist der Debütroman der Frankfurter Autorin Yandé Seck – ein Umstand der bei der Lektüre der knapp 330 Seiten mehr als einmal zu spüren ist. Denn ihre Geschichte über zwei Schwestern, BIPoCs aus Frankfurt, studiert, reflektiert und eindeutig privilegiert ist nicht immer ganz rund und schießt häufig mal übers Ziel hinaus. Dies liegt vor allem der Figurenzeichnung, die knapp an der Grenze zur Überzeichnung balanciert: Zazie ist die junge, schwarze, wütende Frau, die ihre Marxismus-Seminare fleißig besucht hat und die Sekundär-Literatur zu Rassismus und Feminismus auch in Gesprächen mit Freunden zitiert. Auch wenn sie unweigerlich eigene Erfahrungen mit Ausgrenzung und Stigmatisierung erlebt hat, schaut sie doch bisweilen aus dem Elfenbeinturm auf das Geschehen, ihre Wut wirkt angestrengt, da sie sich sehr aus der Theorie speist. Ähnliches gilt für Simon, Dieos Mann, der als typischer Start-Up-Mitarbeiter mit koksendem Chef gezeichnet wird, der eigentlich zu den Guten gehört und an „The future is female“ glaubt, den mental load aufgrund seines überfüllte E-Mail-Postfach doch Dieo überlässt. Diese ist tatsächlich als Figur am besten getroffen, auch wenn sie ebenfalls einen bestimmten Typ verkörpert: die sich zwischen Familie und Beruf aufreibende Frau, die dank des Geldes ihres Mannes jedoch immer weich fallen wird.

    Seck lässt diese drei Figuren abwechselnd zu Wort kommen und  zwar – um jetzt einmal die positiven Aspekte aufzuzählen – auf durchaus gelungene Weise. Ihre Protagonisten sprechen modern und authentisch, überall dort, wo die Charakterisierung zu stereotyp ist, wirkt Secks Sprache erfrischend echt und nah. Das liegt auch daran, dass sie die Leser:innen unmittelbar ins Geschehen wirft und ganz nach dem Motto „Show, don’t tell arbeitet“. Hintergrundwissen und einordnende Informationen sind in Weiße Wolken eine Rarität, das Verständnis entsteht aus dem Kontext – oder eben nicht. In manchen Szenen bleiben die Leser:innen außen vor, so wie es nun auch mal im echten Leben passiert: Nicht alles Begegnungen sind verständlich, nicht alle Äußerungen einordbar. Das macht die Lektüre zwar durchaus manchmal anstrengend, vor allem wird sie dadurch aber sehr lebendig und mitreißend.

    Es ist diese Nahbarkeit, die einem immer wieder zum Buch greifen lässt, während der Inhalt doch eher reduziert bleibt. Natürlich geht es aufgrund der Figuren und des zugrundeliegenden Plots Identität, Wurzeln, Heimat sowie um die Erfahrungen, die schwarze Frauen im Deutschland des 21. Jahrhunderts immer noch machen. Wirklich auslösende Momente, in denen diese Themen konkret greifbar werden, gibt es jedoch nicht. Der Tod des Vaters und die im Klappentext lebensverändernde Reise kommen nach 250 Seiten fast etwas zu spät, das Ende wartet mit einer Versöhnlichkeit auf, die so gar nicht zum Grundton des Romans passt. Hier zeigen sich weitere handwerkliche Schwächen der Autorin, die in einem zweiten Roman nicht mehr passieren dürfen.

    Trotz aller Kritik würde ich zu einem zweiten Roman von Seck greifen. Weiße Wolken erweist sich auch nach allen Abstrichen immer noch als vielversprechender Erstling, der vor allem mit der Nähe zu seinen Figuren punktet. Ihre Geschichte über zwei sehr ähnliche und doch unterschiedliche Schwestern überzeugt letztendlich doch und weiß, die Leserschaft mitzureißen. Wohlwollende und gerechtfertigte 4 Sterne.

  11. Cover des Buches Denn am Sabbat sollst du ruhen (ISBN: 9783442472000)
    Batya Gur

    Denn am Sabbat sollst du ruhen

    (58)
    Aktuelle Rezension von: Sarange

    Ich wusste noch, dass der Auftakt der Ochajon-Reihe nicht der Knaller ist (schließlich hatte ich mir damals nach dem ersten Lesen diesen Band bewusst nicht zugelegt), aber dass er so lahm ist... Die Kriminalhandlung wird nur sehr zögerlich entfaltet und kommt bis kurz vorm Ende nicht recht in die Gänge, die Figuren drehen sich seiten- und kapitellang im Kreis, ich wurde nicht warm mit ihnen und konnte auch nicht die immer mal wieder von der Autorin behauptete, aber nie wirklich gezeigte Aufregung rund um den Fall nachvollziehen.

    Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich wirklich die ganze Reihe rereaden möchte. Dabei hatte ich nach einem Reread der Lisi-Badichi-Reihe (von Shulamit Lapid) im letzten Jahr Lust, mich wieder krimitechnisch nach Israel zu begeben. Batya Gurs Ochajon-Start hat mich jetzt allerdings doch ziemlich ausgebremst... Vielleicht gebe ich der Reihe später im Sommer nochmal eine Chance, aber sicher bin ich mir da, wie gesagt, nicht.

    Zwei Sterne für die guten Grundideen rund um die Psychoanalyseszene, die aber (für meinen Geschmack) unfassbar öde und langatmig umgesetzt wurden. Lest zu dieser Thematik lieber Siri Hustvedt oder Lily Brett...

  12. Cover des Buches Der Psychologe (ISBN: 9783442744565)
    Gabriel Rolón

    Der Psychologe

    (21)
    Aktuelle Rezension von: gagiju

    Ich hatte vorher noch nie etwas von Gabriel Rolón gelesen. Zum ersten zog mich mein Faible für Argentinien zu diesem Buch, zum zweiten mein Interesse für Psychologie, das sich seit dem entsprechenden Studium meines Sohnes noch vergrößert hat.


    Dieser Krimi oder Thriller hat mich nicht enttäuscht. Der Protagonist, gleichermaßen Psychologe wie Ermittler, kommt sukzessive mit Hilfe seines etherapeutischen Wissens einem Verbrechen auf die Spur. 


    Dabei werden die Leser gekonnt und spannedn auf verschiedene falsche Fährten geschickt, bis es zur Auflösung kommt.


    Die Charaktere finde ich gut geschildert, die Sprache / Übersetzung ist flüssig, die Auflösung schlüssig.


    Leseempfehlung!

  13. Cover des Buches Grand Hotel Abgrund (ISBN: 9783608984217)
    Stuart Jeffries

    Grand Hotel Abgrund

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Cornelia_Ruoff

    Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries (Rezension)


    Inhalt

    • Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries (Rezension)
      • Von Walter Benjamin bis zu Jürgen Habermas
      • Der Titel „Grand Hotel Abgrund“
      • Inhalt „Grand Hotel Abgrund“
      • Der Aufbau „Grand Hotel Abgrund“
      • Die Entstehungsgeschichte „Grand Hotel Abgrund“
      • „Die Dialektik der Aufklärung„
      • Die Kritische Theorie „Grand Hotel Abgrund“
    • Kritik „Grand Hotel Abgrund“
      • Weitere Rezensionen
        • Bibliografie


    Von Walter Benjamin bis zu Jürgen Habermas

    „Ich habe ein theoretisches Denkmodell aufgestellt. Wie konnte ich ahnen, dass Leute es mit Molotow-Cocktails verwirklichen wollen?“ „Grand Hotel Abgrund.“ S. 9.

    Mit diesem Zitat von Theodor Wiesengrund Adorno lässt Stuart Jeffries sein Buch „Grand Hotel Abgrund. Die Frankfurter Schule und ihre Zeit“ beginnen.

    Der Titel „Grand Hotel Abgrund“

    Die führenden Köpfe des Frankfurter Instituts, Theodor Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Friedrich Pollock, Franz Neumann und Jürgen Habermas waren Theoretiker, die in erster Linie den Faschismus kritisierten, aber nicht der „elften These  über Feuerbach“ von Karl Marx folgten.

    „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“
    Ebenda, S. 9.

    Der Titel stammt ursprünglich von Georg Lukács, der den Mitgliedern der Frankfurter Schule vorwarf, dass diese in einem schönen Hotel, das „mit allem Komfort ausgestattet“ – am Rande des Abgrunds, des Nichts, der Absurdität, dem „Grand Hotel Abgrund“ residierten, dessen früherer Bewohner schon Arthur Schopenhauer war.

    1969 kamen die Anführer der Studentenbewegung Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit. Sie wollten die kritische Theorie in die Praxis überführen. Der daraus abgeleitete Aufruf überstieg bei weitem die Grenzen zivilen Ungehorsams. Es war ein gewaltsam-autoritärer Aufruf zum Handeln – befreiende Aktionen. Jürgen Habermas wählte dafür die Bezeichnung „linker Faschismus“. Später zog er den Ausdruck zurück.

    Lediglich Herbert Marcuse sympathisierte mit politisch militanten Aktionen und nahm in San Diego selbst an entsprechenden Aktivitäten teil.

    Stewart Jeffries wagt die Vermutung, dass Walter Benjamin, der als Impulsgeber der Frankfurter Schule gilt, wenn er sich nicht in Paris 1940 das Leben genommen, sondern die Studentenbewegung noch erlebt hätte, auf Seiten, der auf die Barrikaden steigenden Studenten gewesen wäre.

    Inhalt „Grand Hotel Abgrund“

    Stuart Jeffries erzählt die Gründungsgeschichte des Frankfurter „Instituts für Sozialforschung“, der Menschen dahinter und die Geschichte des Gebäudes. Die Protagonisten sind Walter Benjamin, Theodor Wiesengrund Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Erich Fromm, Jürgen Habermas. Gleichzeitig lässt er den Leser an deren Leben teilhaben. Walter Benjamin, seine Flucht nach Paris und sein Tod aus verzweifelnder Angst sind genauso Teil der Geschichte, wie das Leben und Wirken der Philosophen im Exil der USA. Habermas und Horkheimer kehrten Anfang der 1950er Jahre wieder nach Deutschland zurück, während Fromm und Marcuse in den USA blieben. 

    Der Aufbau „Grand Hotel Abgrund“

    Stuart Jeffries „Grand Hotel Abgrund“ hat sieben Teile, die zeitlich bis auf den ersten Teil 1900-1920, in Dekaden angeordnet sind.

    Der Autor benennt chronologisch die Ziele der Frankfurter Schule, die Grenzen des Positivismus, des Dialektischen Materialismus und der Phänomenologie, mithilfe der kritischen Philosophie Kants, Hegels Dialektik und Marxscher Schriften zu überwinden.

    Die Entstehungsgeschichte „Grand Hotel Abgrund“

    Der erste Forschungsschwerpunkt war die Untersuchung sozialer Phänomene. „Studien über Autorität und Familie“ und „Die autoritäre Persönlichkeit“.

    Der zweite Forschungsschwerpunkt war die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Marxismus selbst. Daraus folgte das Konzept der kritischen Theorie, die Jürgen Habermas in den 1960er Jahren auf eine neue Stufe stellte.

    Die Frankfurter Schule erstellt eine kritische Gesellschaftsanalyse, die den Zusammenhang zwischen subjektiver Vernunft und kapitalistischer Gesellschaftsordnung beleuchtet.

    Die wichtigste Frage überhaupt war wohl, warum das Denken der Aufklärung, in die Barbarei des Nationalsozialismus umschlagen konnte.

    Das Institut arbeitete interdisziplinär mit Psychoanalyse (Erich Fromm), Philosophie (Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno), Kulturtheorie (Walter Benjamin) und Soziologie (Leo Löwenthal) in Frankfurt und während der NS-Zeit im amerikanischen Exil an einer umfassenden Gesellschaftskritik.

    „Die Dialektik der Aufklärung„

    Das Hauptwerk „Die Dialektik der Aufklärung“ entstand in den 1940er-Jahren im Exil. Die Aufklärung endete in neuer Unterwerfung und Abhängigkeit, das wird auf die Vorherrschaft eines Vernunftideals zurückgeführt, dessen Ziel vollständige technische Naturbeherrschung, auch der menschlichen Natur (Bedürfnisse, Leidenschaften) war, das den Menschen überrollte. Adorno und Horkheimer zeigen ihre Theorien anhand Homers „Odyssee“.

    Die Kritische Theorie „Grand Hotel Abgrund“

    In der kritischen Theorie fließen die Denkrichtungen von Karl Marx – Kritik der politischen Ökonomie und der Psychoanalyse von Sigmund Freud zusammen, weshalb sie auch als Freudo-Marxismus bezeichnet wird. 

    Die religionsphilosophische These: Gott ist eine falsche Hypothese, Theologie ist sinnlos. Für Horkheimer und Habermas steht fest, dass Gott durch Geschichte, moderne Naturwissenschaften (Evolutionismus, Darwinismus und dogmatischen Marxismus widerlegt. Das Christentum sei eine Lüge.

    Die Epoche des metaphysischen Denkens ist vergangen. Gott ist in der kritischen Theorie nur ein Phantasieprodukt der Menschen. Die „Moderne“ als Epoche des Massen-Atheismus. „Gott ist tot.“ Die Wiederbelebung des Nietschezianischen Atheismus.

    Schon Jean Paul Sartre, Albert Camus und der christliche Schriftsteller Fjodor Dostojewski thematisieren die daraus folgenden Probleme, wie dass der absolute Bezugspunkt, die höchste Instanz fehlt, in ihren Schriften Gottes Tod. Warum sollen wir gut sein? Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt.

    Ideologie ist eine der Grundlagen sozialer Strukturen.

    Kritik „Grand Hotel Abgrund“

    „Doch sind die Texte aus dem Kreis der Frankfurter Schule nutzbringend auch für uns, die wir gegenwärtig  in einer anderen Art von Dunkel leben. Wir leben nicht in einer Hölle, die von den Denkern der Frankfurter Schule geschaffen wurde – vielmehr in einer Hölle, die sie uns helfen kann zu verstehen. Es ist also ein guter Zeitpunkt, ihre Flaschenpost zu öffnen.“
    Ebenda. S. 21.

    Mit diesen Worten endet das Vorwort und beginnt meine Kritik. Es könnte keinen besseren Zeitpunkt geben, die Flaschenpost zu öffnen. Unsere politische Lage ist schwierig und wir sollten uns wieder auf unsere Vernunft und unsere Werte besinnen und nicht vergessen, dass die Freiheit unser höchstes Gut ist.

    Stuart Jeffries „Grand Hotel Abgrund“ liest sich genauso spannend wie ein Roman. Er stellt die Fakten dar und lässt seine Protagonisten Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse und Erich Fromm zum Leben erwachen und ihre Thesen erläutern.

    Ich hatte mich mit Georg Wilhelm Friedrich Hegels Aufklärungsbegriff aus der „Phänomenologie des Geistes. Kampf der Aufklärung mit dem Aberglauben“ beschäftigt. Aber während Hegel das Problem dialektisch auflöst, erklärt Adorno in „Die Dialektik der Aufklärung“, dieselbe für gescheitert. 

    Kann man das Projekt „Aufklärung“ überhaupt jemals als beendet betrachten oder sollten wir den Weg zur „Aufklärung“ besser als einen Habitus ansehen, den wir jeden Tag einüben müssen? Gerade in unserer Zeit

    Dieser Artikel ist lediglich eine laienhafte Darstellung der Frankfurter Schule und ihrer Philosophie. Zugrunde gelegt war „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries. Nicht berücksichtigt wurde Jürgen Habermas Richtungswechsel zur Sprachphilosophie, die negative Kritik und „Die Befreiung der Sexualität“ und weitere. Auch diese Themen werden in vorliegendem Buch beleuchtet.

    „Grand Hotel Abgrund“ gefällt mir sehr. Das liegt mit daran, dass ich vor einigen Monaten „Zeit der Zauberer“ von Wolfram Eilenberger gelesen und rezensiert habe, das die Zeit der 1920er-Jahre und Walter Benjamin, Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein und Ernst Cassirer beleuchtet. Sozusagen war „Grand Hotel Abgrund“ nur ein Schritt weiter im philosophischen Weltgeschehen.

    Vielleicht konnte ich im Sinne der Aufklärung – engl. Enlightment, ein wenig Licht ins Thema bringen und zum kritischen Lesen und Denken ermuntern.

    „Sapere Aude! – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“
    Immanuel Kant.

    Dieses Buch ist ein kleines Mosaikstück auf dem Weg der Aufklärung, das ich wärmstens empfehle.

  14. Cover des Buches Wie man wird, was man ist (ISBN: 9783442719792)
    Irvin D. Yalom

    Wie man wird, was man ist

    (14)
    Aktuelle Rezension von: himbeerbel

    „Die Geschenkausgabe mit der abgerundeten Ecke: anspruchsvolle Haptik, hochwertiges Papier, mit Lesebändchen, kleines Format“ heißt es in der Beschreibung. Als ich das Buch dann zum ersten Mal in Händen halte, bin ich noch ein wenig skeptisch. Nicht aufgrund des Inhalts, denn von Irvin D. Yalom las ich bereits einiges und war von seinen philosophisch psychologischen Romanen ebenso begeistert, wie von den Büchern, in denen er über seine Arbeit als Psychotherapeut berichtet. Inhaltlich bewege ich mich hier auf sicherem Terrain, davon bin ich überzeugt.


    Aber dies ist nun das erste Buch, das ich in einer dieser kleinen Ausgaben besitze, die gerade einmal 10 x 14.6 cm bemisst und 640 Seiten zwischen 2,8 Zentimetern beherbergt. Niedlich finde ich das Buchformat, das sich so einfach für unterwegs in Handtasche oder Rucksack packen lässt und schließe es gleich in mein Herz. Aber ob sich dieses Buch auch komfortabel lesen lässt? Ich bezweifle dies ein wenig, bin aber dennoch bereit es einfach mal auszuprobieren: Und ich bin überrascht, ja sogar begeistert.


    Denn dieses Buchformat scheint wie für meine Hände gemacht, auch wenn ich diese nicht unbedingt als zierlich bezeichnen würde. Das Buch liegt angenehm darin und ist keineswegs zu klein. Auch die Schrift ist nicht in einem Maße verkleinert worden, dass es mir unangenehm auffallen würde. Eher sorgt dieses spezielle Format dafür, dass sich das Lesen dieses Buches von den üblichen Größen abhebt und zu einem besonderen Leseerlebnis werden lässt. Hinzu kommt natürlich auch, dass der Inhalt dieses Buches für mich ein besonderer ist, weil es sich um die Autobiografie eines von mir sehr geschätzten Autoren handelt.


    Irvin D. Yalom gibt in „Wie man wird, was man ist – Memoiren eines Psychotherapeuten“ Einblick in seinen beruflichen Werdegang, nimmt aber auch mit in seine Kindheit und in gibt Privates preis. Das alles macht er aus der Sicht eines Mitte achtzigjährigen Mannes, wobei das Wissen eines in Psychologie und Philiosphie bewanderten Menschen mit reichhaltiger Lebenserfahrung aus ihm spricht. Durch ihn erlebt man ein Stück Geschichte der Psychotherapie und wie sein Einsatz auch die Gruppentherapie im Laufe der Jahre etablieren konnte. Aber es ist keine Selbstlobhudelei, die aus ihm spricht, sondern man lernt einen sympathischen Mann kennen, der berichtet, der manchmal unkonventionell sein kann, aber auch zu seinen Fehlern steht und in schwierigen Lebenslagen selbst gelegentlich Hilfe bei anderen Psychotherapeuten gesucht hat. Außerdem lernt man den über Achtzigjährigen kennen, der mit den Einschränkungen des Älter Werdens und den damit verbundenen Sorgen zu tun hat. Hierbei von Ängsten zu sprechen, wäre unpassend, denn sein insgesamt doch eher lockerer Umgang mit dem Alter und seinen Gedanken über das Ende des Lebens, die sich wohl aus seiner langjährigen Arbeit mit todkranken Patienten entwickelt haben, finde ich beeindruckend.


    „Ich sage mir oft: die Realität des Todes mag uns zerstören, aber die Vorstellung vom Tod kann uns retten. Es bringt die Erkenntnis auf den Punkt, dass wir nur eine Chance zu leben haben und deshalb in Fülle leben und am Ende möglichst wenig bedauern sollten. Meine Arbeit mit den Todkranken brachte mich schrittweise dazu, gesunde Patienten mit ihrer Sterblichkeit zu konfrontieren, um ihnen dadurch zu helfen, ihre Lebensweise zu ändern. Oft bedeutet dies einfach, den Patienten zuzuhören und ihnen ihre begrenzte Lebenszeit bewusster zu machen.“ (S. 344)


    Trotz teilweise ernster Themen handelt es sich bei diesem Buch jedoch nicht um eines, das einen bedrückt zurück lässt, wenn man es beendet hat. Vielmehr fühlt man sich durch erhellende Gedanken angeregt, sie weiter zu denken. Ein kleines Buch mit großem Inhalt und für mich ein Highlight in diesem Jahr.

  15. Cover des Buches Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg? (ISBN: 9783451602665)
    Manfred Lütz

    Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?

    (5)
    Aktuelle Rezension von: alex_we

    Sehr gutes Buch aus dem man viel lernen kann. Es streift an allen wichtigen Themen und für jeden Laien verständlich und als Psychotherapeut umso wichtiger es gelesen zu haben. 

  16. Cover des Buches Speculum, Spiegel des anderen Geschlechts (ISBN: 9783518109465)
  17. Cover des Buches Matto regiert. Friedrich Glauser. Ein Studer-Krimi (ISBN: 9783965450165)
  18. Cover des Buches Was ist eigentlich Gestalttherapie? (ISBN: 9783897970625)
  19. Cover des Buches Amerika auf der Couch (ISBN: 9783832164973)
  20. Cover des Buches Psychoanalyse (ISBN: 9783935254366)
  21. Cover des Buches Ganzheitliche Gesundheit (ISBN: 9783499183089)
    Frauke Teegen

    Ganzheitliche Gesundheit

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Angst vorm Fliegen (ISBN: 9783548286754)
    Erica Jong

    Angst vorm Fliegen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Hamlets_Erbin

    "Warum ändert die Tatsache, dass ich etwas weiß, niemals etwas?" (S.379)

    Inhalt: Isadora Wing fliegt mit ihrem zweiten Mann Bennett zu einem Psychoanalytiker-Kongress nach Wien. Kaum dort angekommen, lernt sie den englischen Psychologen Adrian Goodlove kennen, der verspricht, ihr zu ihrem wahren Selbst zu verhelfen. Zwischen Goodlove und ihrem Mann hin und her gerissen, versucht Isadora, herauszufinden, was sie will. Letztlich entscheidet sie sich, mit Adrian durch halb Europa zu reisen. Währenddessen erinnert sie sich an ihre Vergangenheit - an ihre Familie und an die Männer, die ihr Leben prägten.

    Meinung: Was ist eine Frau? Was kann sie sein? Was soll sie sein? Wie kann sie sich gegenüber den Anforderungen, die durch Familie und Gesellschaft an sie gestellt werden, behaupten, und herausfinden, WER sie eigentlich sein will? All diese Fragen wirft Erica Jong in ihrem Roman auf und bringt so die ganze Ambivalenz des Frauseins auf den Punkt. Eindeutige Antworten gibt sie nicht. Aber eine Literatur, die die richtigen/wichtigen Fragen stellt, dazu noch mit Humor und Intelligenz arbeitet, statt mit Larmoyanz und Sentimentalitäten, hat ihre Aufgabe ja bereits erfüllt.

    "Mit einer stummen Frau ist es nicht schwer, ein Intellektueller zu sein." (S.461)

  23. Cover des Buches Der Mythos vom Zivilisationsprozeß (ISBN: 9783518395363)
    Hans Peter Duerr

    Der Mythos vom Zivilisationsprozeß

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Admiral
    "Arschloch", "unzivilisiert", "Brüste entblößen", "völlig unzutreffend", "primitive Horden", "noch absurder", "man müsste sich sehr wundern, daß unsere Spezies zu jener Zeit nicht ausgestorben ist". Huihuihui. Hier wird echt kein Blatt vor den Mund genommen. Die Seitenangaben zu den Zitaten sind in entsprechender Reigenfolge: 11, 11, 17, 17, 22, 23, 23. Zugegeben, das sind sehr selektive und willkürliche Zitate, doch geben sie evtl. wider, warum ich große Augen machen musste, als ich die Einleitung unter dem ebenfalls sehr bezeichnenden Titel "Paradigm Lost" las. Bis zum Ende konnte ich das Buch echt nicht einschätzen. Denn die Einleitung vermittelt etwas das Bild eines modernen Sallust, der hier empört über die Dekadenz der Moderne herzieht und bewusst den Begriff "Moderne" in Anführungszeichen setzt.
    Denn mit diesem Buch "Der erotische Leib. Der Mythos vom Zivilisationsprozess" (1997) will der Autor Hans Peter Duerr eine der großen soziologischen Thesen zerschmettern. Der deutsche Soziologe Norbert Elias hat nämlich in seinem Werk "Über den Prozeß der Zivilisation" auf der Affekttheorie von Sigmund Freud aufbauend eine Theorie aufgebaut, nach der wir heute "modern" und "zivilisiert" seien, weil wir es als Kultur (?) schafften, unsere triebe zu unterdrücken (= Zivilisation). In der früheren Zeit und in "primitiven" Kulturen gebe es noch keine Triebunterdrückung. Die letzten Angaben ohne Gewähr. In diesem Thema und in dieser Diskussion bin ich erst ganz rezent reingeraten. Falls hier also jemand mehr Ahnung hat und ich Fehler eingebaut haben sollte (was durchaus passieren kann), bitte ich gerne um Korrekturen.
    JEDENFALLS will Duerr nun mit diesem Buch (eigentlich eine 5teilige ReiHe von mehr als 3500 S., wenn man Wikipedia glauben darf !) dieses Theoriefundament von Norbert Elias (früher trieborientiert/unzivilisiert, heute triebunterdrückt/zivilisiert) zerschmettern, indem er aufzeigt, dass heutige "moderne" Gesellschaften durchaus in einiger Hinsicht schamlos sind und es bereits in früheren Gesellschaften Scham gab. das versucht er zu beweisen, indem er sich auf ein Thema spezialisiert und dazu zahllose Beispiele zusammenträgt: Brüste. Ja, werte Leser, ihr lest richtig. Nein, das ist kein Tippfehler und keine Autokorrektur à la T9. Es geht tatsächlich um Brüste (von Frauen). Denn Duerr zeigt, dass es schon überall sexuelle Scham bzgl. der weiblichen Brüste gab. Ergo: das Fundament der Elias' Theorie ist fort. Und diese Beweisführung vollzieht Duerr streng empirisch, denn er sammelt auf den Seiten 27-353 zahllose Beispiele dafür. Wir folgen ihm dabei, wie er von Ereignis zu Ereignis springt, wie er zwischen der Neuzeit und der Antike hin und der wechselt und wie er von Kalkutta efließend nach Japan übergeht. "folgen" ist hier etwas zu einfach ausgedrückt, denn Duerrs Materialsammlung grenzt an eine zusammenhangslose Aneinanderreihung. Diese 300 Seiten sind ein Sammelsurium an interessanten Kuriositäten, die jedoch eines gemeinsam haben: sie widerlegen tatsächlich Elias Zivilisationsthese in höchster Finesse. Das unterstützt auch noch der Fussnoten-Anhang auf den Seiten 391-582 (!) und die lange Bibliographie (S. 585-652). Beides zeigt, wie viel Arbeit und Präzisionsarbeit im Text steckt (für die, die es nicht schom beim Lesen des Textes selbst oder Fussnotenabschnitte merkten).



    Das an sich empfinde ich nun jedoch nicht als das WIRKLICH Bemerkenswerte und Beeindruckende an dem Buch, sondern eher die Wut und der Frust, der da drin steckt. Die Zitate in der Einleitung meines Kommentars sidn zwar teilweise selbst Zitate innerhalb des Buches, sollen aber verdeutlichen, mit welcher Härte und Unerbittlichkeit Duerr hier schreibt. In diesem Sinne will ich auch noch kurz etwas zum Anhang (S. 354-388) sagen, in dem Duerr auf Kritik (an den ersten 3 Bänden der Reihe, nehme ich an) eingeht. Duerr setzt dem Nachwort ein Zitat von Nietzsche voran: "Und Niemand lügt soviel als der Entrüstete." Und so gehts auch weiter. Duerr unterstellt anderen, gelogen zu haben und sich einfach nur sinnlos aufzuregen. Also, da ist bestimmt was dran, aber Duerr regt sich selbst auch sehr gut auf. WIRKLICH. ICH DACHTE, ICH BIN IM FALSCHEN FILM. Er sprach sogar davon, dass er Morddrohungen erhalten habe (S. 355). WTF. Wo sind wir hier ? Duerrs Argumentationsgang hatte ich eigentlich schon nach der Einleitung verstanden und akzeptiert. Immerhin gehöre ich schon von vorneherein zu denjenigen, die der festen Überzeugung sind, dass wir heute nicht so modern sind, wie wir denken oder hoffen, und dass primitive Kulturen nicht so primitiv sind/waren, wie wir meinen oder vermuten. Ich war noch ein Anhänger einer moralischen Hierarchisierung von Kulturen, Gesellschaften oder Länder, besonders wenn es (zwangsläufig) daruf abzielt, dass "wir" "moderner"/"besser"/"fortschrittlicher" sind als "andere". Der gesamte Hauptteil ist dann eben eine akkurate Beweisführung. Das finde ich auch unsagbar wichtig, weil wir so mit empirischen Argumenten ausgestattet werden. Das wäre soweit auch OK. und das empfäne ich auch als angemessenes Ende. Doch ich bin viel faszinierter von der besagten Wut des Autors hier und von dem ganzen polemischen Kontext des Themas. So ist die Kritik eines Rezensenten sinnlos: "Oberflächlich affinen  Signifikanten werden, über alle Kultur- und Zeitgrenzen hinweg, gleiche Signifikante zugeordnet, und schon aus den erzählten Verhaltensweisen ersichtliche differences make no differences. [...] So what, Mr. Duerr?" (von Duerr selbst zitiert, S. 356, mit der bezeichnenden Kommentierung: "Oder wie es ein anderer Kritiker, der etwas dagegen zu haben scheint, daß man ihn versteht, formuliert"). Duerr selbst hält seine Wut auch hier nicht gerade zurück, bezichtigt andere (berechtigt oder nicht) der Lüge und tut deren Kritik als sinnlose Empörung ab. Dabei finde ich schon, dass er auf die Kritik seiner Argumentationsanordnung, näher eingehen dürfte. Sehr deftig reagiert er auch in einer Fussnote auf die Publizistin  (?) Katharina Rutschky. Diese habe in der Zeit gemeint, da sie wegen des Fehlens eines Penis nicht dazu in der Lage sei "phallisch zu drohen". Duerr bitet ihr da eine Alternativdrohgeste aus der Tierwelt an: "Zu diesem Zwecke bräuchte Frau Rutschky freilich gar keinen Penis. Weibliche Totenkopfaffen beispielsweise demonstrieren ihre Überlegenheit, indem sie die Schenkel spreizen und ihre erigierte Klitoris zur Schau stellen." (S. 355 mit Fn. 5 auf S. 552).
    Duerr muss man seine Schlagfertigkeit wirklich lassen, doch evtl. ist der indirekte Vorschlag zur Zurschaustellung der Klitoris zu viel.



    Methodisch und fachlich ist das Thema der Zivilisationstheorie und seiner Widerlegung echt interessant. Trotzdem ist dieses Buch für mich ein etwas schockierender Einblick in die mögliche Unerbittlichkeit einer "wissenschaftlichen" Diskussion. Die Anführungszeichen habe ich deswegen gesetzt, weil die Diskussion beidseitig wirklich nicht gerade für die Diskutanten spricht. Auch wenn ich ehrlich gesagt denke, dass es beiden Seiten zu mehr Bekanntheit reichte.
    Interessanter als das Buch an sich finde ich also eher den gesamten thematischen und personellen Kontext. Sehr überrascht war ich auch über einen älteren Spiegel-Artikel, in dem ersichtlich wird, dass Norbert Elias (ihr erinnert euch ? Der Urheber der Zivilisationstheorie) nach außen hin gegenüber Duerr freundlich und lobend war, aber sich hinterrücks beim Verlag Suhrkamp beschwerte, dass der Duerrs Bücher publiziere. Der Spiegel-Artikel schließt dann auch mMn sehr richtig mit "Fest steht: Im zivilisierten Verhalten, auf das sich die Menschheit laut Elias zubewegt, müssen sich die Groß-Denker noch üben."




    Was ich an Sekundärquellen im Fließtext erwähnt habe und mehrere andere Kommentare aus dem Internet, die mir halfen, das Buch als ganzes und den Kontext der Debatte und der Personen zu verstehen (zumindest hoffe ich, einiges verstanden zu haben), liste ich hier mal auf:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25327104.html
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-die-nackten-und-die-roten-11311343.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
    http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=6243
    http://www.berliner-zeitung.de/was-bisher-fehlte--ist-nun-kenntnisreich-da--hans-peter-duerr-legt-seine-dokumentation-ueber-die-weibliche-brust-vor-apfel--pfirsich-oder-melone-16437258
    http://www.ultimo-muenster.de/kr-buch/b-duer.htm
  24. Cover des Buches Was am Ende zählt (ISBN: 9783785725504)

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