Bücher mit dem Tag "psychologisch"
62 Bücher
- Sebastian Fitzek
Das Paket
(2.841)Aktuelle Rezension von: NicoleK1975Emma ist Psychiaterin und hat sich in eine geschlossene Anstalt eingeschlichen, um Versuche an Patienten aufzudecken. Nachdem sie ihren Bericht auf einer Fachtagung präsentiert hatte, begab sie sich in ihr Hotelzimmer. Sie war glücklich mit Philipp verheiratet, der sie unterstützte und hatte vor kurzem erfahren, dass sie endlich schwanger ist. In der Nacht wurde sie geweckt, betäubt, rasiert und vergewaltigt…
Ein halbes Jahr später klingelt der Postbote und brachte Pakete…
Der Schreibstil ist sehr detailliert und ich konnte mir alles bildlich vorstellen. Mir fehlte allerdings nach den ersten paar Seiten ein bisschen die durchgehende Spannung. Irgendwie plätscherte es so vor sich hin, dadurch hat mein Lesefluss etwas gelitten. Das wurde erst kurz vor der Hälfte besser.
Emma war mir sympathisch. Sie litt manchmal immer noch unter den Dämonen ihrer Kindheit. Nach der Vergewaltigung verbarrikadierte sie sich im Haus. Ein halbes Jahr später brachte ihr der Briefträger, der einzige Mensch zu dem sie außer Philipp Kontakt hat, ihre Pakete und bat sie auch um die Annahme für einen Nachbarn. Den sie nicht kannte. Die Panik kam und die Paranoia wurde noch stärker.
Emma wurde nicht wirklich ernst genommen. Ihre Verletzungen waren da, aber es gab Unstimmigkeiten: ihr Hotelzimmer gab es nicht, sie wusste nicht wie sie zur Bushaltestelle kam wo sie gefunden wurde und der Mann, der als Friseur durch die Presse ging hat nach der Vergewaltigung und Rasur keine der Frauen am Leben gelassen. Seit dem Vorfall verbrachte sie die Tage zu Hause, sie igelte sich ein und wollte zu niemanden Kontakt haben. Ab da wurde das Buch ruhiger, mir fehlte die Spannung beim Lesen. Alles dümpelte vor sich hin.
Kurz vor der Hälfte bekamen die Vorkommnisse für mich eine erschreckend gefährliche Bedeutung. Ab da hat es mich etwas gefesselt - aber der Nervenkitzel hat gefehlt, für den der Autor so gefeiert wird. Ich hab schon Bücher gelesen, die mir den Schlaf geraubt haben - dieses hier gehört aber nicht dazu.
Ein interessantes Buch mit Höhen und Tiefen. Am Ende kam dann einiges ans Licht, aber manches blieb für mich auch unklar. Durch eine List wurde der Täter entlarvt. Ich gebe diesem Buch gute 3 Sterne.
- Cecelia Ahern
P.S. Ich liebe dich
(8.804)Aktuelle Rezension von: Christines_lesetagebuchDiese Frage muss sich Holly stellen, als bei ihrem Mann ein Hirntumor diagnostiziert wird und er Monate später stirbt. Holly fällt in ein Loch aus Trauer und Antriebslosigkeit. Sie weiß nicht mehr, wie sie ohne Gerry weiterleben soll. Ihr Alltag besteht nur noch aus Schlafen und Träume, in denen sie mit ihrem Mann zusammen ist.
Nach ca. 2 Monaten und einem ehrlichen Gespräch mit ihrer besten Freundin Sharon, beginnt Holly sich ihrem neuen Alltag zustellen. Als dann auch noch ein mysteriöser Umschlag bei ihren Eltern auftaucht und dieser 10 kleine Umschläge mit Gerry´s Handschrift enthält, beginnt Holly endlich nach vorne zusehen. Gerry hat ihr eine Liste erstellt, wie sie ohne ihn leben kann.
Was zu Beginn als kleine Hilfestellung mit Aufgaben, Herausforderungen und kleinen Liebesbotschaften gedacht ist, wird zwischendrin zum Lebenselixier für Holly. Gerade am Anfang lebt sie nur von Monat zu Monat. Doch es Hilft ihr auch, auf dem Weg raus aus dem dunklen Loch und hinein in ein neues Leben ohne Gerry. Aber mit Freunden an ihrer Seite, die immer zu ihr stehen.
Ich habe diese Geschichte das erste Mal vor über 15 Jahren schon einmal gelesen und damals schon sehr berührend und emotional gefunden. Heute mit ähnlichen Erfahrungen wie Holly, war die Geschichte nochmal emotionaler für mich und ich musste an einigen Stellen weinen, da ich Holly´s Gefühle so nachempfinden konnte.
Cecelia Ahern ist es gelungen, die Emotionen die bei einer Trauerbewältigung dazugehören gefühlvoll einzufangen und deutlich zu machen, das es Gute aber auch oft Schlechte Tage geben wird. Das man Weinen darf um dann wieder nach vorne schauen zu können.
- Erik Axl Sund
Krähenmädchen
(889)Aktuelle Rezension von: Darryl1208Das Buch beginnt als ein hochinteressanter Thriller, geht dann aber zunehmend in ein Beziehungsdrama über. - die Geschichte über die Beziehung von Jeanette und ihrem Mann ist vollkommen überflüssig. Dazu das Klischee, die Ermittlerin ist die einzige Frau im Team und der Chef natürlich ein Arsch.
Dazu kommt die Selbstüberschätzung und Überheblichkeit der Autoren direkt ihr allererstes Buch mit einem Cliffhanger zu beenden.
Allem die Krone auf, setzt das folgende Zitat.:
"Wir sehen uns dann in ein paar Wochen", sagt sie, ohne zu ahnen, das sie sich schon in weniger als zweiundsiebzig Stunden wieder sehen werden.
Zu diesem Zeitpunkt wird ihr Sohn seit fast vierundzwanzig Stunden verschwunden sein. " (s. 447)
Die letzten elf Seiten des Buches habe ich mir daraufhin geschenkt. Und 2 von 5 Sternen sind wirklich großzügig bewertet. - Paula Hawkins
The Girl on the Train (English Edition)
(736)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderRachel fährt jeden Tag mit dem Zug. Sie lebt in London und im Zug kann sie gut nach draußen sehen und fährt an schönen Häusern, tollen Gärten und glücklichen Paaren und Familien vorbei. Aber dann beobachtet sie etwas komisches. Ein Paar scheint Probleme zu haben und eine schöne Frau steht mit einem anderen Mann auf dem Balkon. Was geht hier vor sich? Was passiert in der vermeindlichen Idylle? Rachel ist alarmiert und fängt an Nachforschungen anzustellen und kommt doch etwas ganz furchtbarem auf die Spur, nämlich sich selbst und ihrer eigenen Geschichte. Das Buch packt einen von der ersten Seite an und jede weitere Angabe würde das Lesevergnügen und den Spannungsbogen vermiesen.
- Han Kang
Die Vegetarierin
(648)Aktuelle Rezension von: Frau_Stern_liestZusammenfassung:
Aufgrund dunkler Träume beschließt Yong-Hye, keine tierischen Produkte mehr zu essen. Auf Verständnis stößt sie damit in ihrer Familie jedoch nicht. Dabei geht es in diesem Roman weniger um Veganismus. Es geht um den Ausbruch aus gesellschaftlichen Erwartungen.
Persönliche Meinung:
Bis 2008 gab es in Südkorea noch das streng patriarchalische Hoju-System, welches Frauen in ihren Rechten drastisch einschränkte. Wem die Übergriffigkeit der Männer in diesem Buch absurd und überzeichnet vorkommen, mag also irren.
Yong-Hye hat jahrelang funktioniert. Gehorsam und freundlich hat sie ihren Mann umsorgt. Dem gefällt das nicht, dass von einem Tag auf den anderen kein Fleisch mehr auf dem Tisch steht. Er wendet sich an seine Schwiegereltern. Bei einem Aufeinandertreffen eskaliert die Situation und es folgen Übergriffigkeiten, die kaum auszuhalten sind.
Das Buch ist in drei Abschnitte geteilt. Teil 1 aus der Perspektive des Ehemannes, Teil 2 aus Sicht des lüsternden Schwagers und Teil 3 aus Sicht der Schwester. Yong-Hyes Gedanken können wir nur aus ihren Träumen (die in Kursivschrift zu lesen sind) und der Beobachtung anderer erahnen.
Han Kang hat einen sozialkritischen Roman geschaffen, der sich stilistisch von anderen abhebt und verstört zurück lässt.
Es tat mir in der Seele weh, der zerbrechlichen Yong-Hye dabei zuzusehen, wie sich verschiedene Männer an ihr bedienen. Emotional, körperlich, sexuell.
Die Mischung aus Zartheit und Brutalität macht dieses Buch aber zu etwas ganz besonderem, welches allerdings nicht für jeden geeignet ist.
- Marieke Nijkamp
54 Minuten
(261)Aktuelle Rezension von: ScxrlettSpannend wars schon, hätte aber noch spannender werden können. Zum Beispiel habe ich mir gewünscht, dass man dem Täter mehr Tiefe verliehen hätte. Mir war die Aufklärung des Warums einfach zu flach. Aber als ein Quickread völlig ausreichend. Am Ende gabs auch kurz Tränen. Aber... es hätten noch weitaus mehr geben können, wenn man die Beziehungsdynamiken der einzelnen Protas zum Täter besser ausgearbeitet hätte. Deswegen reicht es nur für 2,5-2,75⭐.
- Emma Donoghue
Raum
(928)Aktuelle Rezension von: pinkyliciousbooksEine schreckliche Geschichte aus Kinderaugen erzählt, die noch lange nachhallt und zum nachdenken anregt.
Für mich waren die Kapitel teilweise zu langatmig. Auch den Schreibstil der Autorin muss man mögen.
Da das Buch aus der Sicht eines 5-Jährigen geschrieben ist, muss man sich an seine Sprache gewöhnen, aber diese Art und Weise macht das ganze auch liebenswert. - Chevy Stevens
Schuldig für immer - That Night
(280)Aktuelle Rezension von: HaarikaChevy Stevens schafft es, die Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit so echt zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, mitten drin zu sein.
Packend, traurig und voller Emotionen – That Night hat mich von Anfang an gefesselt. Ich habe so mitgefühlt, dass ich mir mehrmals die Tränen verkneifen musste. An ein, zwei Stellen etwas langatmig, aber insgesamt eine bewegende und spannende Geschichte, die nachhallt.
- Delphine de Vigan
Nach einer wahren Geschichte
(162)Aktuelle Rezension von: liceys_buecherwunderland[𝕦𝕟𝕓𝕖𝕫𝕒𝕙𝕝𝕥𝕖 𝕎𝕖𝕣𝕓𝕦𝕟𝕘]
𝔹𝕦𝕔𝕙𝕔𝕝𝕦𝕓𝕓𝕦𝕔𝕙 im #Buchclub_Buchgefluester
𝕋𝕚𝕥𝕖𝕝: Nach einer wahren Geschichte
𝔸𝕦𝕤 𝕕𝕖𝕣 𝔽𝕖𝕕𝕖𝕣 𝕧𝕠𝕟: Delphine de Vigan
𝕍𝕖𝕣𝕝𝕒𝕘: Dumont (TB) / Random House Audio (HB)
𝔾𝕖𝕤𝕡𝕣𝕠𝕔𝕙𝕖𝕟 𝕧𝕠𝕟: Martina Gedeck
𝔾𝕖𝕝𝕖𝕤𝕖𝕟/𝔾𝕖𝕙𝕠𝕖𝕣𝕥 𝕒𝕦𝕗: Deutsch
𝕌𝕖𝕓𝕖𝕣𝕤𝕖𝕥𝕫𝕥 𝕧𝕠𝕟: Doris Heinemann (aus dem Französischen)
𝔽𝕣𝕒𝕘𝕖: Mögt ihr lieber Fiktion oder Bücher nach einer wahren Begebenheit?
𝔻𝕣𝕖𝕚 𝕎𝕠𝕖𝕣𝕥𝕖𝕣 𝕫𝕦𝕞 𝔹𝕦𝕔𝕙:
Spannend - Verwirrend - Gut
𝕀𝕟𝕙𝕒𝕝𝕥:
Auf einer Party trifft Delphine auf L.
Aus gelegentlichen Treffen, wird nach und nach eine Freundschaft. Langsam nimmt L. immer mehr Raum in Delphines Leben ein. Doch was als Freundschaft beginnt nimmt bald einen Verlauf, den Delphine nicht vorausgeahnt hat.
𝕄𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕄𝕖𝕚𝕟𝕦𝕟𝕘:
Ich wusste nicht, was mich hier erwartet und wurde positiv überrascht.
Das Buch ist spannend, auch wenn es zwischendurch ein paar verwirrende oder überflüssige Stellen gibt. 👀
Vor allem beeindruckt hat mich die Darstellung von toxischen Charakteren und Freundschaften. 🤔
Es gibt richtig viel zu interpretieren und im Laufe der Geschichte es wird immer mehr dem Leser überlassen, die Ereignisse zu interpretieren.
Das Buch hat mich auf jeden Fall gut unterhalten und war eine schöne Abwechslung.
In das Hörbuch habe ich auch rein gehört. Die Sprecherin macht einen guten Job, auch wenn ich das Hörbuch auf jeden Fall schneller stellen musste. 🤭
𝕃𝕖𝕤𝕖𝕖𝕞𝕡𝕗𝕖𝕙𝕝𝕦𝕟𝕘?
Ja, hier kann ich eine Empfehlung aussprechen. Aber nicht für Leute, die am Ende keine offenen Fragen wollen. 😂
𝔼𝕦𝕣𝕖 𝕃𝕚𝕔𝕖𝕪 ☘️ - Uli Black
Amokalarm
(131)Aktuelle Rezension von: DimueEs gibt Bücher, da ist man überlegen, wie rezensiert man das Buch, den ich bin gefühlt zu alt für das Buch.
Das Buch wird aus Ich-Perspektive von H.C. geschrieben und alles in Jugendsprache.
Die Plotttwist im Buch waren für mich leider etwas too much und zu überspitzt beschrieben --> Sternabzug.
Ich bin ein verfechter von Content-Notes. Jeder darf gerne selbst entscheiden, ob er diese lesen will oder nicht, aber leider wurde nur im Nachwort auf das ernste Theme Mental Health, Machtmissbrauch und Coming of Age erklärt.
Sterne gibt es:
- ab der Hälfte wusste ich irgendwann nicht mehr handelt es sich "nur" um einen unzuverlässigen Erzähler oder ist mehr dran
-ich mochte es, einmal ein Buch eines männlichen Jugendlichen zu sehen und ich mochte auch H.C.
- das Nachwort, weil es das Buch in einer anderen Perspektive hinterlässt - Ayelet Gundar-Goshen
Löwen wecken
(173)Aktuelle Rezension von: Ines_BalkowDas Buch war für mich ein Experiment, weil ich normalerweise andere Genres lese. Ich finde, dass die Geschichte viel Potenzial hat, ich hätte allerdings einen ganz anderen Handlungsverlauf und somit mehr Spannung erwartet.
Die beiden Protagonisten Etan und Sirkit waren mir leider von Anfang an unsympathisch. Bei ihr wurde es zum Ende hin noch deutlicher, dass ich sie und ihren Charakter nicht mag. Die "Zweckbeziehung", die die beiden eingehen und die seinerseits damit verbundenen Hassgefühle waren für mich gut nachvollziehbar. Allerdings schwingt sehr schnell von beiden Seiten eine Erotik/Leidenschaft mit, die ich gar nicht verstanden habe. Das hat für mich auch ein wenig die Geschichte und die Dynamik zwischen Etan und Sirkit zerstört. Respekt und Ehrfurcht hätte ich gut nachvollziehen können, aber die erotisch-körperliche Anziehung hat für mich nicht gepasst.
Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, was an sich gut ist. Und einige Gedanken der Figuren sind sehr tiefsinnig und philosophisch - darauf muss man sich einlassen können und wollen. Zweitweise habe ich mich aber ein wenig durchgekämpft, dann wurde es auch zum Ende wieder spannender. Insgesamt bin ich aber froh, dass ich mit der Lektüre durch bin. Vom Klappentext her hatte ich mir etwas anderes erhofft.
Ich denke, dass es für viele eine gute und interessante Geschichte ist. Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen.
- Judith Merchant
SCHWEIG!
(399)Aktuelle Rezension von: AleshaneeDen Einstieg fand ich schon mal sehr originell und ausdrucksstark: Wir sind freie Menschen. Wir können denken, tun und handeln, wie wir wollen - natürlich mit den Konsequenzen, die das mit sich bringt.
Eine Familie kann man allerdings nicht einfach "wegdenken" oder "ignorieren". Doch, werdet ihr sagen, aber die Familie ist dennoch noch da. Ob weit weg, übergangen, vergessen oder verstorben - sie gehört immer zum Leben dazu, ob man will, oder nicht.
Es ist der 23. Dezember.
Esthers Kinder machen sich für den letzten Schultag fertig, ihr Mann fürs Büro und einen letzten kurzen Termin - um dann in die wohlverdienten Feiertage abzutrudeln. Doch Esther hat noch etwas zu erledigen. Einen kurzen Besuch bei ihrer Schwester, die frisch geschieden und alleine in einem Haus im Wald lebt. Weit ist es nicht und Esther möchte diese Sache einfach erledigen und nachmittags wieder zuhause sein, um alle Weihnachtsvorbereitungen fertig zu machen.
Das Haus mitten im Wald liegt sehr einsam. Sue ist nicht gerade erfreut, als ihre Schwester sie überraschend besucht, denn sie liebt es, die menschenleere Natur um sich zu haben und die Ruhe, um mit sich selbst allein zu sein.
Der Besuch wird schwierig und wird in wechselnder Perspektive von den Schwestern erzählt. Dabei gibt es auch Rückblicke auf das letzte Weihnachten und in ihre Kindheit und man merkt recht schnell, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen der beiden sind. Wie die Erinnerung ihre Erlebnisse verzerrt, wie jede aus ihrer Sicht bestimmte Situationen völlig anders eingeschätzt und erlebt haben und wie daraus diese höchst toxische Beziehung entstehen konnte.
Die Autorin versteht es sehr gut, dass man schwankt, wem man glauben soll. Für beide ist ja das wahr, was sie glauben und damit wird es schwer zu trennen, was tatsächlich passiert ist.
Fürsorge kann sich recht schnell in Kontrolle verwandeln - und manchmal sollte man den Wunsch respektieren, dass jemand keine Hilfe annehmen möchte.
Gleichzeitig aber auch, dass nichts ohne Grund passiert bzw. Menschen so sind, wie sie sind, weil sie gewisse Erfahrungen gemacht und Erlebnisse gehabt haben. Trauma können lange nachwirken, ein Leben lang und wie schon gesagt, die Muster stricken sich von selbst und sie wieder aufzutrennen ist eine unglaublich langwierige Prozedur. Vor allem wenn man nicht sieht, dass sich ein "Fehler" in dieses Muster geschlichen hat.
Ein trauriges und erschreckendes Zusammenspiel von Menschen, die sich in ihre Rollen hineingelebt haben und nicht wissen, wie sie entkommen können. Das Drama steigert sich immer weiter, während man dem Gespräch der beiden Schwestern lauscht, die zuerst versuchen, sich so schnell wie möglich wieder voneinander zu lösen, dann aber immer tiefer in ihre Gefühlswelten rutschen und es zu Aussprachen kommt, die besser ungesagt geblieben wären.
Es kommt noch ein dritter Charakter zu Wort - und alle drei hat Judith Merchant wirklich sehr virtuos in Szene gesetzt. Die ganzen tief liegenden Gefühle werden Stück für Stück frei gelegt und offenbaren ein dramatisches Ende, das ich sehr geschickt eingefädelt fand.
Auch wenn ich am Ende noch gehofft hatte, etwas bestimmtes zu erfahren - das war dann zwar nicht so; aber selbst und gerade mit diesem Abschluss hat sie das Tüpfelchen noch aufs i gemacht.
Mit allein zwei Figuren so ein psychologisches Duell hinzulegen ist nicht einfach: die Autorin hat das hier wirklich mit Bravour gemeistert! Super spannend! - John Katzenbach
Der Psychiater
(79)Aktuelle Rezension von: LadyBadWolfIch werde mich um eine spoilerfreie Rezension bemühen - kann es bei diesem Werk aber nicht versprechen...
Allgemein
Der Titel Der Psychiater ist echt gut gewählt - denn bei den ganzen Rechtschreib-, Grammatik- und Formatierungsfehlern wird der Leser einfach nur wahnsinnig!
Der Stil ist anfänglich etwas schachtelig, besser sich aber nach ein paar Seiten. Grundsätzlich gefällt mit der Schreibstil (ganz gleich, dass die Spannung meist einfach nicht erzeugt wird...), aber... die Fehler... Mikropfon ist nur einer von vielen. Daneben gibt es mitten in den Wörtern fett oder kursiv gedruckte Buchstaben. Absätze, die nicht kursiv sein dürften, sind kursiv und umgekehrt. Ein Satz beginnt in normalen Lettern, wird nach dem Komma zum Gedanken-Kursiv und der Leser stellt fest, dass der gesamte Satz kursiv hätte sein müssen. Ein weiteres Fehler-Highlight war "vom einem Gangster". Mit Verlaub: Normal bewerte ich gerade Stile normal und verzeihe kleine Tippfehler, wie Mikropfon es war. Aber bei der Masse an Fehlern hätte ich mir eindeutig einen Lektor gewünscht - ganz besonders bei einem Buch von Droemer-Knaur!
Zusammengefasst: Ein Stern Abzug allein wegen der Fehler...
Story
Wie schon erwähnt, mangelt es mir einfach an Spannung. Am Anfang hat man (wie bei so vielen Thrillern) einen netten Mord, etwas Hintergrund - leider so trocken verpackt, dass man höchstens beim Leichenfund etwas Spannung spürt. Darauf folgen über 200 Seiten, die nicht nur langgezogen und dadurch unspannend sind, sondern auch... naja.
Achtung, Spoiler! Ohne geht es nicht und vielleicht hilft einem dieser ansätzliche Spoiler ja, das Buch besser zu finden.
Der Hauptcharakter und seine Freundin, die sich ebenfalls als Hauptcharakter einordnen lässt, sind Studenten. Er promovierend in Geschichte, sie abgebrochenes Studium in Literatur. Ganz gleich, ob das Drama um sie notwendig ist oder nicht. Es spricht später tatsächlich in manche Logik rein und daher sage ich, die Dramatik ist legitim.
Was mich aber wirklich genervt hat: Die beiden wollen einen Mordfall ermitteln. Haben noch nie mit Kriminalistik zu tun gehabt. Klar, Moths Onkel ist Psychiater - aber alter Falter! Die Ermittler-Gedanken der beiden passen perfekt in die amerikanischen Crime-Serien, wo der Ermittler ein klitzekleines Minibeweisstück inmitten von Chaos entdeckt - mit nur einem Blick. Nur dass die Beiden in ihren Gesprächen derartige Sprünge schaffen, dass man sie höchsten wirklich erfahrenen Ermittlern zutraut und nicht Studenten.Diese Mary-Sue- und Gary-Stue-Eigenart verläuft glücklicherweise mit Voranschreiten der Seiten etwas im Sande. Dann kommt etwas Spannung und sie werden normaler. Wohl bemerkt nach über 200 Seiten.
Die erzeugte Spannung bröckelt leider wieder. Nachdem man mehr über die Hintergründe erfahren hat, flacht es wieder ins langatmige ab. Erst die letzten knapp 90 Seiten bauen wieder Spannung auf, sodass man in den letzten Kapiteln durchaus sagen kann "Ja, jetzt ist es spannend!" Dennoch ist auch in der Spannung immer wieder ein Moment gewesen, wo ich mir dachte, dass es irgendwie... nicht unlogisch, aber auch nicht logisch und natürlich wirkt. Davon abgesehen, waren die letzten Seiten wirklich ganz nett und haben die Story-Bewertung von 1-2 auf moderate 3 Sterne angehoben. Aber auch nur weil das Ende ganz okay war und die Ideen allesamt nett und zum Großteil auch von Anfang bis Ende eine gewisse Notwendigkeit hatten und Entwicklung auslösten.
Gesamtfazit:
Ein wirklich langatmiges Buch, was ich gerne beendet habe.
2 von 5 möglichen Sternen nach Abzug des Fehlerteufel-Sterns. - Tana French
Der dunkle Garten
(115)Aktuelle Rezension von: LisamaxiDer dunkle Garten ist eine spannende Familiengeschichte,teils Krimi,teils mit spannenden Elementen.Toby Hennessy wird in seiner Wohnung überfallen,und zieht sich schwer traumatisiert in das alte Haus seiner Eltern zurück.,welches ein düsteres Geheimnis birgt.Tana French baut Spannung auf,und konnte mich „ packen“!
- Toni Morrison
Beloved: A Novel (Vintage Classics)
(42)Aktuelle Rezension von: Linda-OddGerade bei einem Klassiker wie Beloved finde ich es schwer eine Rezension zu verfassen. Besonders als weiße Person.
Ich habe es über einen Zeitraum von 3 Monaten gelesen, was hauptsächlich an den unterschiedlichen Stilen innerhalb des Buches lag. Manche Stile haben mich so sehr aus dem Lesefluss gerissen, dass ich am Ende kaum noch die Charaktere zuordnen konnte.
Die Beschreibung "magical realism" trifft hier ganz gut zu. Allerdings fand ich das Ende nicht eindeutig genug.
- Mats Strandberg
Monster auf der Couch
(94)Aktuelle Rezension von: MottelchenDieses Buch ist ein absoluter Hingucker.👀
Die Gestaltung mit Aktennotizen, Skizzen, Fotos und Therapieprotokollen ist großartig. Es ist mal was ganz anderes und zieht einen total in die Geschichte ein. Die Idee, dass bekannte "Monster" in der heutigen Zeit in Therapie sind, ist nicht nur originell, sondern auch unglaublich spannend.
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Die unterschiedlichen Standpunkte der Figuren aus dem 18. und dem 21. Jahrhundert zu Themen wie Sexualität, Geschlecht, Beziehungen Formen und gesellschaftliche Hierarchien kommen sehr gut zur Geltung.
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Jeder einzelne Charakter, der dort auf der Couch Platz genommen hat, wirkte so detailreich und wunderbar ausgearbeitet, dass man sie einfach nur ins Herz schließen konnte (naja, Dorian Gray ...).
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Die beiden Autoren schaffen es gekonnt, Humor mit Tiefgang zu verbinden und wer Fantasy und Psychologie mag, sollte sich das Buch unbedingt zur Hand nehmen. ✨ - Kotaro Isaka
Bullet Train
(119)Aktuelle Rezension von: FelixVStell dir einen Hochgeschwindigkeitszug vor, der nicht nur das Ziel im Blick hat, sondern fünf Killer, die alle unterschiedliche Missionen verfolgen. In Bullet Train von Kōtarō Isaka beginnt eine mörderische Fahrt, bei der ein entführter Junge, ein verlorener Koffer, ein unglückseliger Hitman im Pech und ein manipulativer Schoolboy den Puls höherjagen. Die Protagonisten sind lebendig, vom belesenen Tangerine bis zum Thomas‑&‑Freunde‑besessenen Lemon, und gerade weil sie so unvereinbar erscheinen, wird man unwillkürlich zum Fahrer in ihrem rasant eskalierenden Konflikt.
Kotaro Isaka mischt abgedrehten Humor mit knallharter Spannung. Die Erzählung ist absurd und clever zugleich, dunkel und witzig – ein Genre-Mix, der so authentisch ist, dass man mitfiebert, obwohl man sich bewusst ist, wie verrückt das alles ist. Der Text ist temporeich, spritzig, fast als würde man den Zug spüren – aber gelegentlich war die Verwirrung so perfekt inszeniert, dass ich einmal kurz innehalten musste, um alles zusammenzubringen.
Fazit:
Ein rasanter, stilistisch eigenwilliger Thriller, der mit flirrendem Humor und cleverem Chaos beeindruckt. 4,5 von 5 Sternen - Megan Hunter
Die Harpyie
(156)Aktuelle Rezension von: LidenBUCH
review
Autor
Megan Hunter
Genre des Buches :
Dramatischer Roman
-
Was ist das Hauptthema oder die Message des Buches?
Betrug - Mutterschaft - Veränderung - Wahnvorstellung
Würde ich es weiterempfehlen?
Bedingt
Datum
08.02.2026 (13)
Bewertung
Titel
Die Harpyie
Zusammenfassung des Buches in meinen eigenen Worten:
Lucy lebt ein von außen gesehen glückliches, bürgerliches Leben : Ehe, 2 Kinder, Haus in guter Lage, Job zuhause.
Dann erfährt sie, das ihr Mann Jake eine Affäre mit einer Kollegin hat, die sehr konträr aussieht und lebt. Lucy und Jake bleiben zusammen mit der Prämisse, da sie sich 3x an ihm rächen darf. Und bei Lucy hat sich viel Wut aufgestaut.
Mein Fazit zu diesem Buch:
Das Thema war genial und der Schreibstil artifiziell und doch passend Wir begleiten Lucy, die ein stereotypisches Leben führt und sie sich mehr und mehr verliert. Besonders hingezogen fühlt sie sich zu Harpyien..
Das mystische Thema rund um die Harpyien war mir too much und wirkte nicht rund. Wunderschönes Cover, ein Buch mit einem Einblick hinter die Fassade.
- Lisa Gardner
Schmerz
(90)Aktuelle Rezension von: miahInhalt:
Als Detective D.D. Warren nachts einen Tatort inspiziert, nimmt sie plötzlich Geräusche wahr. Sie ist nicht allein. Sie zückt ihre Waffe, aber noch bevor sie die andere Person richtig wahrnehmen kann, stürzt sie die Treppe runter und verletzt sich schwer. Auch Wochen später ist sie noch krankgeschrieben und kann sie kaum bewegen. Sie beginnt eine Schmerztherapie bei einer Psychiaterin, die selbst keine Schmerzen empfinden kann.
Als der Killer erneut zuschlägt, will D.D. trotzdem an dem Fall ermitteln. Die Morde, die D.D. untersucht, weisen große Ähnlichkeiten mit den Taten eines bekannten Serienmörders auf. Sein Name ist Harry Day und er ist der leibliche Vater von D.D.‘s Therapeutin. Der Vater starb aber vor 40 Jahren. Die Schwester sitzt im Gefängnis, seit sie als junges Mädchen einen Nachbarsjungen ermordet hat. Wer ist der Mörder?
Meine Meinung:
Das war mein erster Roman von Lisa Gardner. Mir war vorher nicht klar, dass dieses Buch der siebte Band einer Reihe um D.D. Warren ist, aber das war kein Problem. Auch ohne Vorkenntnisse aus den anderen Büchern war für mich alles verständlich.
Der Anfang hat mir unglaublich gut gefallen. Man ist sofort mittendrin. Zu Beginn lernt man abwechselnd D.D. und Adeline kennen. Es gibt immer wieder Überraschungen und Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Die Autorin lenkt die Aufmerksamkeit geschickt auf bestimmte Personen, die man dann für den Täter halten könnte. Bis zum Schluss war mir nicht klar, wer es wirklich war. Die Auflösung der Morde ist schlüssig und im Nachhinein ergibt alles einen Sinn.
Zwischendrin stockt die Handlung etwas. Es wird zu viel darüber philosophiert, wer der Täter sein könnte und die Ermittlungen kommen nicht voran, sie drehen sich eher im Kreis. Als dann die Handlung aber wieder Fahrt aufnimmt, konnte ich das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen, weil es so spannend war.
Der Täter manipuliert geschickt und ich habe mich häufiger frustriert gefragt, wer es sein könnte und wie er oder sie das anstellt. Das finde ich großartig. Das Gefühl der Machtlosigkeit und Ohnmacht angesichts des Täters kam auch bei mir als Leser an.
Adelines Handeln konnte ich nicht immer nachvollziehen. Wieso will sie ihre unberechenbare, manipulierende Schwester aus dem Gefängnis holen anstatt der Polizei zu vertrauen? Wieso verheimlicht sie einiges? Ihr Verhalten verstehe ich zwar nicht, aber es macht die Geschichte umso spannender.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich kam gut voran, was vor allem auch an dem lockeren, flüssigen Schreibstil lag.
Ich ziehe einen Stern ab, weil die Handlung zwischendrin ins Stocken geriet und so die Spannung verloren ging, aber Anfang und Ende fand ich wirklich gut.
- Camilla Grebe
Wenn das Eis bricht
(120)Aktuelle Rezension von: belli4charlotteIch bin mit ziemlich hohen Erwartungen in dieses Buch gestartet: eine grausam zugerichtete Leiche, ein verschwundener Geschäftsmann und ein alter, ungelöster Fall – das klang nach genau der Art Psychothriller, der mich normalerweise sofort packt. Und tatsächlich hat die Geschichte anfangs etwas Versprechendes, eine leise, fast schleichende Spannung, die vor allem durch den Schreibstil entsteht.
Doch je weiter ich gelesen habe, desto deutlicher wurde: Der Fokus liegt weniger auf dem Fall und viel mehr auf den drei Hauptfiguren. Hanne, Peter und Emma werden so ausführlich gezeichnet, dass man fast das Gefühl hat, ihnen beim Denken zuzusehen. Das ist einerseits interessant, weil man wirklich tief in ihre Leben eintaucht – andererseits nimmt es dem Thriller viel Tempo. Manche Passagen fühlten sich für mich eher wie Umwege an, die den eigentlichen Plot ausbremsen.
Die Auflösung konnte mich dann auch nicht mehr richtig überraschen, weil ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wohin das Ganze führt. Erst gegen Ende kommt noch einmal etwas Schwung auf, aber da war für mich schon viel Spannung verpufft.
Was ich der Autorin lassen muss: Die Figuren wirken glaubwürdig, manchmal schmerzhaft echt. Nur sympathisch wurde mir leider keiner so richtig – vielleicht, weil ihre privaten Probleme so viel Raum einnehmen, dass der Fall dahinter fast verblasst.
Fazit
Ein Buch, das viel Atmosphäre und starke Charaktere bietet, aber sich in Details verliert und dadurch an Spannung einbüßt. Kein schlechtes Leseerlebnis, aber eben auch keines, das lange nachhallt. Für mich ein „okay“, aber kein „wow“.
- Jessica Lind
Kleine Monster
(235)Aktuelle Rezension von: jenvo82"Ich denke, vielleicht stimmt beides. Vielleicht ist nicht alles schwarz oder weiß. Es ist Zeit, in den Schattierungen zu leben."
Inhalt
Ein Vorfall in der Grundschule, ist Anlass für Pia, ihre Beziehung zu ihrem Sohn, von Anbeginn an zu hinterfragen. Luca wird von einer Mitschülerin bezichtigt, dass er sie bedrängt hat und ihr seinen Penis gezeigt hat. Der Junge streitet alles ab, aber seine Mutter verfängt sich in einer bösen Gedankenschleife, die ihre Ursprünge in ihrer eigenen Kindheit hat. Damals hat sie bei ihrer Schwester auch den Hang dazu gespürt, andere vorzuführen, sie in gefährliche Situationen zu bringen und sich anschließend an deren Strafen zu erfreuen. Eigentlich ging es den 3 Schwester gut, geborgen in einem liebevollen Elternhaus, immer zusammen und einander so nah. Bis zu dem Tag, an dem die jüngste Schwester mit nur 4 Jahren bei einem dramtischen Unfall ums Leben kam - an ihrer Seite nur die andere Schwester, zu der das Vertrauensverhältnis fortan verschwunden war. Und nun bemerkt Pia an ihrem Sohn ein ähnliches Verhalten - er verschwigt ihr etwas, rückt ins Zentrum von Negativnachrichten, die man ihm nicht nachweisen kann und strahlt eine latente Bedrohlichkeit aus. Pia muss verhindern, dass ihr Kind so wird, wie ihre Stiefschwester damals schon war, dass er eine Gefahr für andere darstellt und deren Leben nachhaltig verdirbt.
Meinung
Dieser Roman stand jetzt gut 2 Jahre ungelesen im Regal, obwohl ich ihn schon vergangenes Jahr unbedingt lesen wollte. Die Geschichte an sich verspricht eine subtile Story über Schuldzuweisung, Fallstricke in Beziehungen, unausgesprochene Verdächtigungen und psychologische Feinheiten. All das hat mich sehr gereizt und die positiven Leserstimmen haben mir zusätzlich Lust auf die Lektüre gemacht.
Der Roman hält all diese feinen Versprechungen und entwickelt sich von Anfang an in eine bestimmte Richtung: Wem kann man vertrauen? Wer lügt und warum? Wann werden nahe Beziehungen gefährlich? Und wie werden Kinder schon böse oder gut in jungen Jahren? Den inneren Kampf der Hauptprotagonistin gegen ihre Vermutungen, gegen die unausgesprochenen Sorgen und Ängste, spürt man hautnah. Man erkennt nach und nach ihre inneren Beweggründe, resultierend aus dem Vergangenheitsgeschehen und verfolgt exklusiv mit, wie ihre Gefühle gegenüber dem eigenen Kind immer mehr kippen. Stets im Zentrum des Geschehens steht das Schweigen, ein mangelndes Urvertrauen, die Angst allein zu sein und die Furcht vor bösartigen Entwicklungen. Problematisch wird der Sachverhalt vor allem dadurch, dass Pia ihren eigenen Gefühlen nicht mehr traut, dass sie in ihrem Sohn plötzlich ein kleines Monster sieht, eines, welches sie selbst in ihrer Kindheit erfolgreich loswerden konnte. Doch diesmal muss es ihr gelingen, das Fehlverhalten aufzudecken und im Keim zu ersticken, denn sie ahnt, wenn ihr das nicht gelingt, zerbricht ihre bisher heile Familienwelt.
Fazit
Dieser psychologische Roman ist für mich ein Lesehighlight und ich vergebe 5 Sterne für die berührend, düstere, emotionale Story über Schuld, Vertrauen und Missmut gegenüber engen Bezugspersonen. Besonders positiv bewerte ich die gewählte Erzählperspektive, die eine starke Nähe zu den Gedanken der Protagonistin zulässt. Auch die wechselnden Ebenen zwischen der Gegenwartshandlung und der Vergangenheit bringen viel Mehrwert - die Handlung selbst wir dichter und klarer und ballt sich zu einem elementaren Höhepunkt zusammen. Der Lesesog nimmt deutlich zu und die Beklemmung und Erschütterung des Lesers ebenfalls. Dennoch findet man sich in einer scheinbar "normalen" Familie, ohne gestörte Charaktere, ziemlich nah dran am eigenen Leben und doch so vollkommen anders. Die ruhige Erzählweise, klar und stringent fördert hier das Unbehagen zusätzlich, denn die scheinbare Normalität weicht der zerstörerischen Kraft des Ungesagten und die Vorwürfe wiegen schwer auf Herz und Seele, sie verderben die Zuneigung und den Glauben an das Gute. Intensiv, sensibel und schockierend - ein Herzensbuch für Liebhaber psychologischer Spannungsromane.
- Delphine de Vigan
Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin
(66)Aktuelle Rezension von: BuchstabenliebhaberinAber hier geht es um Mathilde und Thibauld. Ich habe so mitgefiebert mit den beiden! Mathilde, die viele Jahre bestens mit ihrem Chef zusammen arbeitete, wird nach einer Lappalie plötzlich mit seinem Hass konfrontiert. Einem nicht mehr endendem Hass, einem ausschließenden, vernichtenden Hass. Und Delphine de Vigan beschreibt das so gut, wie Mathilde versucht, alles wieder hinzubiegen, wie sie alles probiert, und immer weiter absteigt in der Unternehmenshierarchie, der Willkür eines psychopathischen Chefs ausgesetzt. Mathilde hat das nicht verdient! In ihrer Not konsultiert sie sogar eine Wahrsagerin. Wer hat nicht schon aus Verzweiflung sein Horoskop befragt, in der Hoffnung auf baldige Besserung ...
Und dann Thibauld, der Rettungsarzt, was für ein harter, zermürbender Job, in einer Großstadt, Paris, wo es nur so wimmelt vor einsamen Seelen und knallharten Geschäftsleuten, die sich die Ärzte ins Büro rufen, um Zeit zu sparen. Der bindungsunfähige Mann, der sich in eine noch bindungsunfähigere Frau verliebt. Die ihm so konstant die kalte Schulter zeigt, bis er sich trennt. Und leidet. Und wieder einsam ist.
Delphine de Vigan erzählt wie die beiden den 20. Mai erleben, jeder auf seine Art und Weise, mit vielen Rückblicken. Eine sehr melancholische Betrachtung, sehr sensibel, verletzlich, zwei Leben voller Wunden und Narben. Sie erzählt auf eine besondere Weise, die ich sehr, sehr mag. Vielleicht reduziert und zurückgenommen, und dennoch mit viel Tiefe. Ich hätte noch ewig von den beiden weiterlesen können.
- Julia Corbin
Die Bestimmung des Bösen
(145)Aktuelle Rezension von: Buchsucht_deKurzer Hinweis vorweg: „Die Bestimmung des Bösen“ enthält intensive Themen wie brutale Frauenmorde, sexualisierte Gewalt (angedeutet), Kindheitstrauma, Verlust beider Eltern in der Kindheit, detaillierte Beschreibungen verwesender Leichen, Insektenbefall an Toten und Albträume. Die forensischen Details sind teils sehr explizit. Wer mit diesen Themen empfindlich umgeht oder selbst Trauma-Erfahrungen gemacht hat, sollte die Lektüre achtsam abwägen. Auch wer mit Insekten oder Verwesungs-Schilderungen Schwierigkeiten hat, sollte vorgewarnt sein.
„Schließ die Augen und zähl bis hundert.“ Dies sind die letzten Worte, die die kleine Alexis von ihrem Vater hört. Sie ist acht Jahre alt, sie tut, was ihr Vater verlangt, und als sie die Augen wieder öffnet, sind ihre Eltern tot. Brutal ermordet. Alexis bleibt als Waise zurück, verfolgt von traumatischen Erinnerungen und einem dunklen Detail, das sich für immer in ihr Gedächtnis brennt: den Anemonen, die der Mörder am Tatort hinterließ. Dreiundzwanzig Jahre später ist Alexis Hall Kommissarin bei der Mannheimer Kriminalpolizei. Niemand ihrer Kolleg:innen weiß von ihrer Vergangenheit, kennt die wahren Gründe, warum sie zur Polizei gegangen ist. Doch dann werden in einem Waldstück mehrere brutal entstellte Frauenleichen entdeckt. Die Spuren sind so abartig, dass die Identifizierung schwierig wird. Die Kriminalbiologin Karen Hellstern wird hinzugezogen, ausgerechnet Alexis‘ beste Freundin. Und dann sieht Alexis es: An den Leichen liegen Anemonen. Dieselben Blumen, die sie aus ihrer eigenen schrecklichen Kindheit kennt. Plötzlich ist die Kommissarin nicht mehr nur Ermittlerin, sie ist auch Zielperson, Erinnerungs-Trägerin und vielleicht das nächste Opfer einer Mordserie, die nie wirklich aufgehört hat.
Das ist für mich das Herzstück dieses Krimis und der Grund, warum er über ein gut gemachtes Forensik-Buch hinausgeht: Alexis‘ Trauma als emotionale Klammer. Alexis Hall ist nicht nur die ermittelnde Kommissarin, sie ist die emotionale Mitte. Eine Frau, die als Kind das Schrecklichste erlebt hat, das einem Kind passieren kann, und die ihr Leben darum herum gebaut hat. Sie ist Polizistin geworden, um den Mörder ihrer Eltern zu finden – ein Detail, das niemand weiß, das sie aber täglich antreibt. Julia Corbin zeichnet diese Figur mit großer Sensibilität. Alexis ist kein klischeehaftes Trauma-Opfer und auch keine emotionslose Karrierefrau, sondern ein komplexer, gebrochener Mensch. Sie funktioniert nach außen – stark, professionell, kompetent. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Die Albträume kommen wieder. Erinnerungsfetzen. Die Anemonen am Tatort sind der erste Stein, der eine ganze Lawine ins Rollen bringt. Diese psychologische Schicht macht das Buch zu mehr als reiner Krimi-Unterhaltung.
Was Corbin besonders raffiniert konstruiert: Das Mysterium um die Ermordung der Eltern wird Stück für Stück enthüllt. Wer waren Alexis‘ Eltern wirklich? Warum hatten sie Feinde? Welche Rolle spielen die Anemonen? Und warum mordet jemand heute wieder, mit denselben Symbolen? Diese Doppelstruktur, aktueller Mordfall und alte Familiengeschichte, baut konstanten Sog auf. Du willst beide Rätsel gleichzeitig lösen. Ohne zu spoilern: Die Auflösung des Familiengeheimnisses ist wirklich überraschend. Ich hatte mehrere Theorien, lag mit allen daneben. Corbin schafft es, eine Wendung zu setzen, die mich verblüfft hat, und gleichzeitig im Nachhinein erklärt, warum die Spuren so verlegt waren, wie sie es waren. Das ist Krimi-Handwerk auf gutem Niveau. Genau diese Kombination aus emotionalem Trauma-Plot und cleverer Mystery-Auflösung macht das Buch so packend.
Was diesen Krimi vom Standard-Krimi-Brei unterscheidet: Julia Corbin ist studierte Biologin, und ihr Fachwissen fließt akribisch in den Roman ein. Die Kriminalbiologin Karen Hellstern (Alexis‘ beste Freundin) erklärt, wie man anhand des Mageninhalts einer Mücke Mörder identifizieren kann, wie Maden helfen, Todeszeitpunkte zu bestimmen, wie aasfressende Käfer im Forensik-Labor angelockt werden. Das ist faszinierend, lehrreich und manchmal richtig ekelig. Wer Kathy Reichs liebt (und die Bestseller-Vergleiche von BUNTE und Co. sind hier durchaus berechtigt), bekommt hier einen deutschen Krimi mit ähnlichem Wissenschafts-Anspruch. Mich haben die forensischen Details fasziniert, und gleichzeitig habe ich mich beim Lesen mehrfach gekratzt, weil die Insekten so plastisch beschrieben sind, dass man sie förmlich auf der Haut zu spüren glaubt. Wer ekel-empfindlich ist, sollte sich darauf einstellen.
Das Ermittler-Duo Hall & Hellstern hat richtig Potenzial. Auf der einen Seite Alexis Hall, die taffe Kommissarin mit verborgenem Trauma. Auf der anderen Seite Karen Hellstern, die brillante Kriminalbiologin mit Faible für Krabbeltiere und einer fast schon liebevollen Faszination für Verwesungsprozesse. Beide Frauen sind miteinander befreundet, was den Roman emotional aufwertet – ihre Gespräche, ihre Vertrautheit, ihre fachliche Zusammenarbeit haben echtes Charme. Hellstern ist die heimliche Showstealerin. Wenn sie über aasfressende Käfer doziert oder über die Bedeutung von Insektenpopulationen für die Tatzeitbestimmung schwärmt, vergisst man fast, dass man einen Thriller liest. Sie wirkt durch ihre fachliche Begeisterung lebendig und glaubwürdig. Genau diese Mischung aus harter Polizeiarbeit und wissenschaftlicher Faszination macht das Buch besonders.
Julia Corbin schreibt flüssig, präzise und mit hoher sprachlicher Präsenz. Ihre Beschreibungen sind detailreich und bildgewaltig, die malträtierten Leichen schweben einem regelrecht vor dem inneren Auge. Das ist nichts für zarte Gemüter. „Die Bestimmung des Bösen“ ist knallhart, schonungslos und stellenweise wirklich abartig ekelig. Wer das mag, und Krimi-Fans, die Kathy Reichs oder Patricia Cornwell schätzen, mögen genau das, wird hier voll bedient. Wer keine Lust auf detaillierte Verwesungs-Schilderungen hat, sollte vielleicht woanders suchen. Corbins Stil ist nicht reißerisch, sondern wissenschaftlich-präzise, aber genau das macht es so erschreckend nah. Sie weiß, wovon sie schreibt, und das spürt man.
Ohne zu spoilern, aber als kleiner Teaser: Im Buch taucht das Konzept eines „kill:gen“ auf, einer Idee, die noch lange nachhallt. In wem lauert das Böse? Ist es genetisch verankert? Kann man es vorhersagen? Wer kann Mörder werden, wer nicht? Diese Frage zieht sich als philosophische Schicht durch den Roman und gibt ihm intellektuelle Tiefe. Genau dieser Aspekt hat mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt. Corbin nutzt ihre Biologie-Expertise nicht nur für forensische Spielereien, sondern stellt grundsätzliche Fragen über die Natur des Bösen. Sind manche Menschen biologisch dazu disponiert, zu morden? Wie viel davon ist Veranlagung, wie viel Umwelt? Das ist ungewöhnlich tief für einen Genre-Krimi.
Ein Stern Abzug, und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Die Nebenhandlung um Alexis‘ Beziehung mit dem Journalisten Erik wirkt teilweise konstruiert. Erik taucht ungebeten an abgesperrten Tatorten auf, wird von Kollegen abgelehnt, sorgt für Spannungen, aber wirklich überzeugen kann er nicht als Figur. Diese Beziehungs-Ebene hätte das Buch nicht unbedingt gebraucht, oder sie hätte besser ausgearbeitet sein müssen. Zweitens: Das Cover ist wirklich nichtssagend. Bei einem Buch, das so spezifische Symbolik hat (Anemonen, Eisennägel, Blut) wäre eine prägnantere Gestaltung viel passender gewesen. Das ist Marketing-Kritik, betrifft aber leider die Sichtbarkeit des Buches im Buchhandel. Wer dieses Cover sieht, ahnt nicht, was für ein dichter, packender Krimi sich dahinter verbirgt.
Mein Fazit: „Die Bestimmung des Bösen“ ist ein wirklich starkes Krimi-Debüt von Julia Corbin. Das emotionale Trauma-Plot um Alexis Hall, die akribische Kriminalbiologie und die intellektuelle Tiefe rund um die kill:gen-Idee heben den Roman aus dem üblichen Krimi-Mittelmaß heraus. Wer deutsche Krimis mit forensischer Tiefe und emotionalem Gewicht liebt, sollte unbedingt zugreifen. Eine echte Empfehlung für Kathy-Reichs-Fans, die nach einer deutschen Stimme suchen. Trotz der etwas konstruierten Nebenhandlung mit dem Journalisten und dem wirklich misslungenen Cover bin ich gespannt auf die nächsten Bände der Hall-&-Hellstern-Reihe.
Empfehlenswert für Fans forensisch fundierter Krimis und Psychothriller wie Kathy Reichs, Patricia Cornwell, Tess Gerritsen oder Karin Slaughter. Für alle, die deutsche Stimmen mit internationalem Niveau entdecken wollen und Wert auf wissenschaftliche Tiefe und emotionale Schichten legen. Auch für Leser:innen, die ein starkes Ermittlerinnen-Duo schätzen und sich für die philosophische Frage nach der Natur des Bösen interessieren. Eher nichts für Leser:innen, die mit den genannten Trigger-Themen rund um Kindheitstrauma, brutale Frauenmorde und Gewalt gegen Eltern nicht konfrontiert werden möchten. Auch nichts für dich, wenn du mit detaillierten Verwesungs- und Insekten-Schilderungen Schwierigkeiten hast oder einen sanften Wohlfühl-Krimi suchst. „Die Bestimmung des Bösen“ ist knallhart und für zarte Gemüter ungeeignet.
- Mandy Ahrenhold
GESTRANDET
(28)Aktuelle Rezension von: jtk_0701Ich hatte die Gelegenheit, an einer Leserunde zu diesem Buch mitzumachen. Mich hat die Beschreibung neugierig gemacht: „Ein immersiver Roman, der Gesellschaftskritik, poetische Erzählung und Selbstreflexion verbindet.“ Vollständig eintauchen, mit „Du“ angesprochen, das Gefühl, ich selbst spiele die wichtigste Rolle in diesem Roman. Klingt interessant.
Bei mir hat das auch wirklich gut funktioniert. Ich mache schon seit Jahren Fantasiereisen und dieses Buch fühlte sich an wie eine endlos lange Fantasiereise. „Du“ strandest auf der Insel, triffst einige Personen und verbringst deine Zeit auf der Insel. Ein Dorf, das gewisse Normen hat, Fragen, die in dir aufkommen, Begegnungen, die dich irritieren. Charaktereigenschaften und Gedanken der Personen, die dir entweder vertraut erscheinen oder die in dir noch ruhen, obwohl du meintest, sie verbannt zu haben.
Manchmal irritierten mich die zahlreichen Adjektive. Das ist aber mein persönlicher Geschmack. Es kam mir dadurch etwas "wiederholend" vor. Insgesamt fand ich das Buch gut, aber ich kann mir vorstellen, dass es nicht für jeden funktioniert. Man muss sich schon darauf einlassen können. Es ist für mich weniger ein Roman, sondern vielmehr eine Begegnung mit sich selbst. Stellenweise waren mir die Figuren zu sehr Stellvertreter*innen für bestimmte Eigenschaften und Lebenskonzepte und dadurch etwas unnahbar. Wenn man eine Reise zu sich machen möchte, ist dieses Buch eine gute Unterstützung.
S.25 „“Was, wenn Träume der wahre Kompass sind?“ „Träume…“, du zögerst kurz. Das Wort liegt dir schwer auf der Zunge. „Weißt du, ich glaube einfach nicht mehr daran. Ein Traum, wenn überhaupt, das muss schon etwas Konkretes sein. Etwas, das man planen, erreichen, umsetzen kann. Alles andere ist doch Spinnerei.“
S.49 „“Vielleicht…“, sinnierst du weiter, „…ist es genau das, was uns festhält. Der Wunsch nach Gewissheit. Die Angst vor Enttäuschung. So sehr, dass wir vorziehen zu verharren, als einen Schritt zu wagen, der nicht perfekt ist. Vielleicht ist die Frage nicht…was wir wollen, sondern ob wir uns erlauben, es überhaupt herauszufinden?“
S.187 „“Ist nicht das ganze Leben eine fortwährende Ablenkung? Eine, die nicht mal zur Besinnung darüber kommen lässt, wovon sie eigentlich ablenkt?““























