Bücher mit dem Tag "radikalisierung"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "radikalisierung" gekennzeichnet haben.

51 Bücher

  1. Cover des Buches American War (ISBN: 9783596299447)
    Omar El Akkad

    American War

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Wir schreiben das Jahr 2075. Die Welt hat sich verändert: der Klimawandel hat Florida untergehen lassen und die Grenzen verschoben. Eine Seuche hat das Gebiet von South Carolina unbewohnbar gemacht und Mexico hat südliche Teile der USA annektiert. Gleichzeitig kämpft mal wieder der Süden gegen den Norden: der Zweite Amerikanische Bürgerkrieg ist im vollem Gange. In diesem Szenario lernen wir die junge Sara Chestnut, auch Sarat genannt, und ihre Familie kennen. Schon früh verlieren sie ihren Vater und müssen in ein Flüchtlingscamp umziehen. Als dort bei einem Anschlag viele Flüchtlinge umkommen, beginnt Sarat sich zu radikalisieren und für die Sache des Südens zu kämpfen.

    Omar El Akkad Szenario hat einen interessanten und spannenden Hintergrund und klingt nach einem Epos sondergleichen. Zwar fiktiv, doch mit vielen aktuellen Themen, schien El Akkad ein Buch zu schreiben, das ich schon länger lesen wollte. Schließlich scheint er viele relevante Themen anzusprechen: Die Folgen eines sich verändernden Klimas, die Zerrissenheit vieler Länder, der arabische Frühling (der hier zu einem Zusammenschluss aller Länder Nordafrikas führt - ein durchaus spannender Aspekt), Pandemie-bedingte Sperrzonen und und und.

    Doch leider enttäuscht das Buch auf mehreren Ebenen. Die spannenden politischen Umwälzungen bleiben eine Randnotiz und man erhält außer der Sichtweise Sarats einfach keinen Einblick in das Geschehen.  Und damit greift das Buch nicht richtig. Es bleibt seltsam abstrakt und auf eine Mikroebene fixiert, die nur das Leben von Sarat und ihrer Familie ins Visier nimmt. Das kann man machen, wenn man einen guten Charakter strickt - man denke an Katniss Everdeen oder Atwoods "Snowman" - die ebenfalls als Hauptfiguren fungieren und wo das super funktioniert. Sarat bleibt abstrakt, man bekommt keinen Einblick in ihre Gedankenwelt, folgt ihr immer von außen, ohne das man ihre Motivation oder Denkweise besser greifen könnte. Gleichzeitig ist da ihre Familie: Bruder Simon, Schwester Dana und ihre Mutter - die als Randfiguren fungieren und noch abstrakter bleiben als Sarat. Und damit  kam ich einfach nicht in die Geschichte. Da halfen auch die eingebauten Zwischenpassagen nicht, die einzelne Aspekte des Konflikts beleuchteten. Zu dröge, zu oberflächlich - die interessanten Aspekte nicht ausgeführt und mit einer Hauptfigur, die das Buch nicht trägt.  El Akkads Buch hätte ein Epos werden können, aber nicht in dieser Art der Ausführung.

    Kurzum: Ein spannendes Szenario schlecht umgesetzt. Buch abgebrochen: 290 von 442 Seiten gelesen. 

  2. Cover des Buches Power (ISBN: 9783832183691)
    Verena Güntner

    Power

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Leselampe_

    Power ist verschwunden, der Hund der alten Hitschke. Niemanden scheint es wirklich zu kümmern im Dorf, außer dem äußerst ungewöhnlichem Mädchen mit dem sich selbst gegebenen Namen Kerze. Kerze ist überzeugt, Power zu seiner Besitzerin zurückzubringen, koste es was es wolle. Sie verspricht es, und Kerzes hält ihre Versprechen. Immer.
    Also überlegt sie sich einen Plan, beginnt akribrisch, Schritt für Schritt ihr neues Projekt in ihrem Schulblock festzuhalten. Und dann übt sie zu bellen, sich wie ein Hund fortzubewegen, lernt wie ein Hund zu denken - und beginnt schließlich, sich ihr eigenes Rudel aufzubauen. Schnell wird Kerze zum Alphatier eines Rudels aus Menschenkindern, eine radikale Anführerin, welche die Kinder des Dorfes in den Wald führt, denn dort wird Powers Verbleiben vermutet. Kerze ist zwar nicht gerade das, was man sympathisch nennen würde, doch in rasantem Tempo werden alle Dorfkinder durch ihr charismatisches Wesen angezogen und das Rudel wächst, wächst, wächst - bis bald alle minderjährigen Dorfbewohner im Wald verschwunden sind. Während die Eltern verzweifeln und sich doch niemand von ihnen in den Wald hinein traut, merkt die Hitschke, dass es vielleicht längst nicht mehr nur darum geht, den Hund zu finden. Und das zuerst scheinbar harmlose Rollenspiel unter Kindern artet langsam, aber besorgniserregend, aus den Fugen.

    Die Geschichte um die Suche nach Power ist ein Radikalisierungsprozess unter Kindern, der einerseits einen starken Sog auf mich hatte, stellenweise aber wirklich beinahe krank war. Kerze bricht die Kinder, die unter ihrer Aufsicht regelrecht verwildern und verwahrlosen, sich gegenseitig am Anus schnüffeln (wie die Hunde), und denen bei falschem Verhalten rigorose Strafen durch Kerze drohen (beliebt ist insbesondere das Essen von Tannenzapfen). Irgendwie hats mich total interessiert, sowas absurdes zu lesen - der Klappentext hat mich echt angesprochen und ich finde die Grundidee nach wie vor sehr spannend, aber ich kann leider nichts daraus mitnehmen. Ist es vielleicht eine Gesellschaftskritik, die mir nur etwas zu schwammig dahergeschrieben ist? Ich weiß es nicht, irgendwie bin ich mit dem Buch nicht richtig warm geworden, obwohl mich die Geschichte um Kerze und ihr Rudel phasenweise auch fasziniert hat. Ich bin etwas zwiegespalten, doch warum das Buch 2020 zum Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, kann ich leider nicht wirklich nachvollziehen.

  3. Cover des Buches Das Büro der einsamen Toten (ISBN: 9783453438385)
    Britta Bolt

    Das Büro der einsamen Toten

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    Britta Bolt nennt sich das Autorenduo, zusammengesetzt aus Britta Böhler und Rodney Bolt. Eine interessante Mischung, denn Britta Böhler ist als Anwältin tätig gewesen und zog 1991 in die Niederlande, wo sie mit strafrechtlichen Mandaten bekannt wurde. Auch befasst sie sich intensiv mit der Anti-Terror Gesetzgebung. Rodney Bolt lebt ebenfalls in den Niederlanden und ist Autor und Reisejournalist. In Amsterdam spielt dann auch dieser neuartige Kriminalfall.

    Neuartig ist auch die NASD, eine Art Behörde, die sich um Todesfälle kümmert, wo keine Angehörigen zu finden sind. Von ihnen wird Recherche betrieben, wie der Verstorbene lebte, wer ihn kannte oder sonst wie Umgang hatte. Schließlich sollte jeder Verstorbene würdig bestattet werden. Auch gibt es das Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen nicht. Aber damit haben die Autoren eine interessante und fiktive Handlung entworfen.

    Zur Handlung:

    In der Prinsengracht mitten in Amsterdam wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Für die Polizei scheint es ein Unfall gewesen zu sein. Pieter Posthumus, der im Büro der einsamen Toten arbeitet sieht das allerdings etwas skeptischer. Er beginnt Nachforschungen anzustellen. Eine gute Hilfe hat er durch seine Nichte Merel gefunden, die als Journalistin arbeitet und gerade in der Emigrantenszene recherchiert. Der Ertrunkene war ein marokkanischer Emigrant. Der Staatsschutz beobachtet derzeit eine Gruppe militanter Muslime, die sie versuchen dingfest zu machen. Auch der Marokkaner hatte Zugang zu diesen Männern. Aber warum musste er sterben? Ein sehr rätselhafter Fall.

    Mir hat das Buch recht gut gefallen. Allerdings musste man es sehr konzentriert lesen. Die vielen holländischen Namen und Straßenbezeichnungen waren nicht immrer einfach zu merken. Dennoch ein guter und intelligenter Krimi.


  4. Cover des Buches Brennender Midi (ISBN: 9783832164119)
    Cay Rademacher

    Brennender Midi

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Wir haben also drei Zeugen, deren Aussagen nichts taugen. Wir haben einen Experten der BEA, der sich einen Scheißdreck um die Gendarmerie schert. Wir haben einen Luftwaffen-Offizier, der dir versichert, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Wir haben einen cholerischen Politiker, der diesen Unfall als Munition für seine Kampagne nutzen wird. Wir haben die Arschkarte gezogen.«

     

    Capitaine Roger Blanc, aus Paris versetzt in die Provence und sein Kollege Marius Tonon haben mal wieder eine harte Nuss zu knacken. Dabei sieht der Absturz des Propellerflugzeugs in einem Olivenhain, bei dem der Pilot starb, wie ein klarer Unfall aus. Zumindest für alle anderen. Blanc, Tonon und ihre großartige Kollegin Fabienne Souillard stoßen jedoch auf einige Ungereimtheiten und im Anschluss in das ein oder andere Wespennest…

     

    Der dritte Fall für Roger Blanc hat bei mir wieder enormes Fernweh ausgelöst. Die Beschreibungen von Landschaft, Speisen, Gebäuden, Klima und dem provenzalischen Lebensgefühl sind so intensiv, dass ich am liebsten gleich meinen Koffer packen würde. Was mir ebenfalls sehr gefällt, sind die drei Hauptcharaktere. Blanc zieht unbeirrt sein Ding durch und lässt sich von keinem noch so wichtigen Würdenträger beindrucken, Marius ist einfach ein toller Mensch, mit allerdings einer großen Schwäche und Fabienne könnte mit ihren Hacker-Fertigkeiten auf der anderen Seite des Gesetzes vermutlich sehr reich werden ;-)

     

    Der Fall hat mich diesmal allerdings nicht ganz so überzeugt wie die Vorgänger, er wirkte leicht überfrachtet und für mein Empfinden am Ende nicht ganz rund. Dabei waren die diversen Ermittlungsansätze hochspannend aber auch komplex und wären auf 100 Seiten mehr sicher besser aufgearbeitet worden. Ich werde die Reihe aber weiterverfolgen und hoffe, beim nächsten Mal wieder rundum zufrieden zu sein.

     

    Fazit: Tolle Charaktere und Fernweh-Atmosphäre, der Fall war für den Umfang des Buchs jedoch etwas zu komplex.

  5. Cover des Buches Nur wenn du allein kommst (ISBN: 9783406711671)
    Souad Mekhennet

    Nur wenn du allein kommst

     (18)
    Aktuelle Rezension von: PagesofPaddy

    Ich bin immer wieder dankbar für neue Impulse was Bücher angeht. Themen und Geschichten die man nicht kennt sind einfach interessanter als der xte Krimi in Folge. Sachbücher sind etwas was ich selten lese. Nicht weil es mich nicht interessiert. Ich finde einfach selten Bücher bei denen ich das Gefühl hab: Das MUSS ich jetzt lesen. In diesem Fall war das Buch, wie so oft, ein zufälliger Fund auf Instagram. Das mich dieses Buch aber so abgrundtief überzeugen würde hätte ich nicht gedacht. Was Autorin Souad Mekhennet hier erzählt ist zwar, an sich, nicht neu aber gibt ungeahnte, tiefe Blicke in eine Welt die wir als nicht-Journalisten nicht kennen. Es ist ein faszinierendes Buch über so viel mehr als nur „eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad“. Es ist die Geschichte einer Frau, einer Journalistin, einer Autorin, die es geschafft hat, mir viele Dinge näher zu bringen, die ich so nicht verstanden habe. Mekhennet zwängt hier aber keine Sichtweise auf sondern ermutigt sich kritisch mit Themen auseinander zu setzen. Sie erzählt von verschiedenen Stationen ihres Lebens. Vom aufwachsen in Frankfurt über ihre Zeit in Hamburg hin zu vielen Auslandseinsätzen als Journalistin. Wer sich mit den Themen auskennt, wird hier viele bekannte Momente der jüngeren Geschichte treffen. Faszinierend ist hier aber der Blick der Journalistin. So werden auch bekannte Geschichten aus einem neuen, teilweise dramatischen Blickwinkel wahrgenommen und gezeichnet. Oftmals liest sich das Buch eher wie ein Thriller und nicht wie ein Sachbuch. Zwar schreibt die Autorin recht nüchtern und listet Fakt an Fakt auf aber die Geschehnisse sind teilweise so bemerkenswerte, dass man sich am Ende eben doch in einem Thriller wähnt. Das Buch ist lehrreich, emotional und vor allem vermittelt es wunderbar die wichtige Message, dass die Welt eben nicht nur Schwarz oder Weiß ist.
    Themen wie Rassismus, Fanatismus, Wahn aber auch Heimatgefühl, Zugehörigkeit und Identität durchfließen viele Seiten dieses großartigen Buches. Gleichzeitig ist das ganze unverschämt informativ! Es ist definitiv keins dieser Bücher die man nebenbei locker ,leicht weg liest. Es informiert und zeigt Zusammenhänge auf. Das alles ist aber so gut und packend geschrieben, dass es sich nie wie eine dröge Vorlesung anfühlt. Ein fantastisches Buch, ein Highlight!

    FAZIT
    Informativ, packend, oftmals unbequem und überraschend emotional. Ein HIGHLIGHT was ganz, ganz viele Leser verdient. Einfach lesen

  6. Cover des Buches Solothurn spielt mit dem Feuer (ISBN: 9783740803056)
    Christof Gasser

    Solothurn spielt mit dem Feuer

     (23)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Dominik Dornach, Band 3: Ein Kinderskelett wird auf der Burgruine Balm gefunden – Einsatz für Hauptmann Dominik Dornach und sein Team. Die Ermittlungen laufen an, da explodiert im Büro des Oberrichters eine Briefbombe; kurz darauf ist sein kleiner Sohn verschwunden. Hängen diese Fälle irgendwie zusammen? Der Junge ist schnellstmöglich zu finden, da er als Diabetiker auf Insulin angewiesen ist. Die Zeit läuft und plötzlich gibt es Hinweise auf eine terroristische Bedrohung für Solothurn…

    Erster Eindruck: Das Cover mit der grossen Kirchenuhr und der gut gewählte Titel machen neugierig auf das Buch – sehr gut!

    Dies ist Band 3 einer Reihe; er kann jedoch gut ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden (wer diese jedoch auslässt, verpasst spannende Lektüre!).

    Jana Cranach arbeitet für Europol, befindet sich aber gerade in der Schweiz, in erster Linie für einen Vortrag in Montreux und danach ein paar Tage Urlaub, die sie gerne mit Dominik in Solothurn verbringen möchte. Dominik freut sich, Jana wiederzusehen – ganz im Gegensatz zu Angela Casagrande, der Staatsanwältin. Angela geht es aktuell nicht so gut…
    Dominiks Tochter Pia ist mit Rafik zusammen. Diese Beziehung wird von Rafiks Eltern toleriert, obwohl Pia keine Muslima ist – Rafik ist eben ein Mann. Seine Schwester Nadal arbeitet als Lehrerin und gehört auch zum Freundeskreis von Pia. Sie hat sich von ihrem Freund getrennt, da er immer radikalere Ansichten vertrat. Eine Beziehung zu einem Nicht-Moslem, also einem „Ungläubigen“, wäre für sie als Frau nicht möglich. Unverständlich. Wenn Pia der Meinung ist, dass Unrecht geschieht, ist sie nicht mehr zu halten (und bringt sich das eine oder andere Mal in Gefahr).
    Schon nach kürzester Zeit gibt es für das Team zig Fragen zu klären: Von wem ist das Kinderskelett? Warum wurde es auf die Burg gebracht? Die Inszenierung des Skeletts glich einer rituellen Handlung – warum? Von wem stammt die Briefbombe? Wieso wurde der Sohn des Oberrichters entführt? Und was ist mit der Moschee in Olten? Der Imam und seine Schweizer Ehefrau hetzen gegen die „Ungläubigen“.

    Islamismus, Radikalisierung, Terrorismus, Vorurteile, Kindsmord, Entführung – dies sind nur einige der behandelten Stichworte. Und: die Vergangenheit holt einen meistens ein, wenn nicht damit gerechnet wird… Einmal mit der Lektüre begonnen, konnte und wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin jede Woche in Solothurn und kenne daher etliche der beschriebenen Orte. Dem Autor ist es auch im dritten Fall mit Dominik Dornach gelungen, die Spannung bis zum Ende hochzuhalten – GROSSARTIG! Daher gibt es von mir – auch zum dritten Mal – 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.

  7. Cover des Buches Inside AFD (ISBN: 9783958902039)
    Franziska Schreiber

    Inside AFD

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Readers_love

    Dieses Buch offenbart spannendes und interessantes Wissen zu Partei und Personen innerhalb der AfD.

    Personen und Handelnde der Partei werden vorgestellt und der Weg der Partei von Gründung bis 2018 erläutert und das ist durchaus wissenswert.

    Ich bin mit einer gewissen Skepsis an das Buch heran gegangen. Und auch wenn ich nicht in Allem der Autorin zustimme ist es durchaus spannend und teils schockierend was berichtet wird. 

    Ich habe das Buch als Hörbuch gehört,  gelesen von der Autorin selbst und auch das ist durchaus hörenswert.

  8. Cover des Buches Schwarzer Jasmin (ISBN: 9783711720979)
    Manfred Rumpl

    Schwarzer Jasmin

     (37)
    Aktuelle Rezension von: xuscha01

    Der Klappentext des Buches hatte mich begeistert, da ich selbst als Sozialarbeiterin mit Flüchtlingen arbeite. Deshalb habe ich mir erhofft, mich an einigen Stellen wiederfinden zu können und etwas aus dieser Story für mein Berufsfeld mitnehmen zu kennen. 


    Ich habe das Buch bei der Hälfte leider abgebrochen, da ich mich mit der Story zurückgelassen gefühlt habe. Der Schreibstil ist gut, jedoch der Aufbau und der Zusammenhang der einzelnen Geschichten ist mir zu lange zu weit auseinander. Es ist eine Erzählung von vielen kleinen Schicksalen, die am Ende wahrscheinlich zusammenlaufen, wo mir die Schnittpunkte zwischendurch gefehlt haben. 


    Die verschiedenen Charaktere sind in der Idee gut, aber mMn nicht tief genug ausgearbeitet, sodass sie nur oberflächlich angerissen werden. Hier fehlte mir mehr Lebensgeschichte und -erfahrungen, die erzählt werden.


    Der von mir gelesene Teil beschreibt eine gute Idee, ist für mich jedoch nicht ausreichend ausgearbeitet, um das Buch zu Ende zu lesen. 

            

  9. Cover des Buches Der Baader-Meinhof-Komplex (ISBN: 9783442155972)
    Stefan Aust

    Der Baader-Meinhof-Komplex

     (307)
    Aktuelle Rezension von: hamburgerlesemaus

    Während meine Mutter beim Post-oder Bankschalter anstand (ATM gab es damals noch nicht), guckte ich mir das große Poster mit all den gesuchten RAF-Gesichtern an. In jeder Bank, Geschäft, Bahnhof oder öffentlichem Amt hing dieses Plakat! Wann immer wir mit unseren Eltern aus Hamburg nach Hause nach HH-Lemsahl fuhren, wurden wir von mindestens einer Polizeikontrolle gestoppt. Am Ende wohnte die RAF nur 5 Km von meinem Elternhaus in Poppenbüttel entfernt.

    #derbaadermeinhofkomplex war das erste Buch, das mir alle Zusammenhänge der RAF darstellte.
    Es ist schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber ich weiß noch, das es sich wie ein Krimi las. 878 Seiten Spannung pur. Allerdings erinnere ich mich auch, dass ich über Baaders seitenlangen, intellektuellen Ergüsse ohne Punkt und Komma im Gerichtssaal hinweggelesen habe.
    Danke #stefanaust

  10. Cover des Buches Schlaf der Vernunft (ISBN: 9783426305065)
    Tanja Kinkel

    Schlaf der Vernunft

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Eggi1972

    Diesmal hat es Frau Kinkel geschafft, sie hat mich total in Ihren Bann gezogen! Aber erstmal langsam, wobei langsam bei diesem Buch wohl irgendwie falsch ist. 

    Frau Kinkel hat es geschafft ein düsteres Kapitel über den Terrorismus in Deutschland mit Leben zu befüllen.  In dem Sie einen Fall konstruiert hat, wo ein Staatssekretär von der RAF umgebracht wurde anstatt ihn zu entführen. 

    Sie zeichnet in diesem Buch eindringlich die Probleme, welche die Familie einer Terroristin, welche 20 Jahre im Gefängnis war hat, wenn diese entlassen wird. Sie beschreibt welche Empfindungen die Tochter von Martina Müller hat, welche Ängste sie bei der ersten Begegnung mit Ihrer Mutter in Freiheit hat. 

    Aber auch welche Ängste gerade die Mutter hat, welche erkennt, dass sie eigentlich nichts bewirkt hat mit den Attentaten auf Menschen; dass die Gewalt doch eigentlich nichts gebracht hat - außer dass sie über 20 Jahre von ihrer Tochter getrennt war. 

    Frau Kinkel zeigt aber auch auf, welche Gedankengänge die Familien der Opfer haben, als sie erfahren, dass das „Mörder-Monster“ wieder entlassen wurde. Da ist der Journalist, dessen Vater erschossen wurde und dessen Mutter sich heimlich dem Alkohol hingibt und hofft, dass man es nicht merkt. 

    Auch schildert sie, wie sich der einzige überlebende Leibwächter fühlt, welche Gewissensbisse dieser tagtäglich durchstehen muss, zumal er immer wieder denkt, dass er evtl. den Überfall auf den Staatssekretär Werter ermöglicht hat, weil er teilweise keine Erinnerungen mehr hat, was vor dem Überfall passiert ist. Und er die Möglichkeit immer wieder vor Augen hat, dass er damals vielleicht wegen seiner sexuellen Neigung erpressbar war, da es damals noch verboten war sich als Schwuler zu zeigen oder sexuelle Handlungen zu zeigen (§175 StGB).

    Sie zeigt auch die Verstrickung der DDR in dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte auf, die wahrscheinlich auch ein großes Wort dabei mitzureden hatte. Aber Frau Kinkel zeigt auch auf wie falsche Informationen immer wieder auch der RAF in die Karten gespielt haben. 

    Mein Fazit für dieses Buch lautet: Man ist das gut! Obwohl ich mir wirklich sehr schwer tue. Ich habe mich in den letzten Wochen immer wieder mit der Roten Armee Fraktion auseinander gesetzt - ich denke, sogar das erste Mal in meinem Leben, da dieses Thema im Unterricht doch nie behandelt wurde und ich wohl auch noch immer nicht behandelt wird. Ich denke oft, dass es Totgeschwiegen wird, aber nicht Totgeschwiegen werden sollte. Es ist wichtig, dass wir uns auch mit dieser Thematik einfach einmal befassen. 

    Ich denke das unsere Deutsche Geschichte nicht nur aus der NS – Zeit oder dem Mauerfall besteht sondern noch viele andere kleinere oder größere   „Zwischenfälle“ hatte, die unser Land geprägt haben und uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Vielleicht ist so ein Roman, welchen Tanja Kinkel geschrieben hat, auch wichtig um sich mit diesem Thema unserer Geschichte einmal auseinander zu setzen. Für mich war es ein Buch, welches mich neugierig auf unsere Geschichte der 70er Jahre gemacht hat. Und mich hat es beängstigt, dass ich so wenig bis fast gar nichts über diese Zeit weiß, obwohl ich ja da schon geboren war. Dies alles macht Schlaf der Vernunft zu einem der für mich persönlich wichtigsten Bücher der letzten Monate. 

  11. Cover des Buches Patria (ISBN: 9783499273612)
    Fernando Aramburu

    Patria

     (56)
    Aktuelle Rezension von: Franzi1010

    Das Buch erzählt die Geschichte zweier Familie die in einem Dorf im Baskenland leben. Die Ehefrauen und die Töchter sind beste Freundinnen, die Väter spielen gemeinsam in der Bar Karten und fahren jeden Sonntag Rennrad. Es könnte alles so schön sein, gäbe es da nicht die nationalistische Organisation ETA, die Missgunst und Unglück in das Leben vieler bringt. Und auch die Schicksale beider Familien bestimmt... 

    Die vielschichtige Geschichte erzählt die Erlebnisse jedes einzelnen Familienmitglieds in unterschiedlichen Zeiten und Phasen ihres Lebens. Das macht das Buch spannend, erschwert aber auch ein bisschen das Reinkommen in die Erzählung. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass teilweise auch innerhalb der (kurzen) Kapitel sowohl die Zeiten als auch die Sicht der Personen wechseln. Als ich mich an den Schreibstil des Autors gewöhnt hatte, hat mich das Buch regelrecht gefesselt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Mit der Thematik ETA habe ich mich vor "Patria" nie auseinandergesetzt, was ich nach dieser Lektüre unbedingt ändern möchte. Ich empfehle das Buch lesefreudigen Menschen, die ein bisschen Zeit mitbringen (ca. 750 S.) und Lust auf ein Familiendrama haben. Kleiner Tipp zum Schluss: auf den letzten Seiten gibt es ein Wörterbuch für die Wörter in Euskrara. Wenn ich das früher gesehen hätte, dann wäre ich glaube ich auch etwas schneller ins Lesen gekommen. 

  12. Cover des Buches Gefährliche Saat (ISBN: 9783426518601)
    Jens Kubo

    Gefährliche Saat

     (18)
    Aktuelle Rezension von: wampy

    Buchmeinung zu Jens Kubo – Gefährliche Saat

    „Gefährliche Saat“ ist ein Thriller von Jens Kubo, der 2017 bei Knaur TB erschienen ist.

    Klappentext:
    Ein schwerer Anschlag auf die Zentrale eines Energie-Versorgungsunternehmens in Frankreich, bei dem mehrere Menschen sterben, erschüttert Europa. Die Angst vor Terroranschlägen und weiteren Attentaten ist groß, als sich herausstellt, dass es für die Tat einen islamistischen Hintergrund gibt.
    In Berlin verfolgt der zweiundzwanzigjährige Djamal mit wachsender Spannung die Geschehnisse rund um das Attentat, Diskussionen um Anti-Terroreinsätze, den IS, Salafisten und Flüchtlinge. Djamal ist Sohn irakischer Einwanderer in der dritten Generation und studiert Maschinenbau. In Deutschland geboren und aufgewachsen, besitzt Djamal die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlt sich auch als Bürger dieses Staates, doch im Alltag erfährt er ebenso wie seine Familienangehörigen, seit dem vermehrten Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland, immer häufiger Diskriminierung und Ausgrenzung. Als seine Mutter auf der Straße in seinem Beisein von deutschen Jugendlichen angerempelt wird, verliert er die Kontrolle. Er verprügelt einen der Jugendlichen und wird daraufhin von der Polizei abgeführt. Djamal erhält eine Jugendstrafe auf Bewährung wegen Körperverletzung. Die Diskriminierung und das provokative Verhalten der Jugendlichen spielt hingegen vor Gericht keine Rolle.
    Seiner Familie entgeht seine Veränderung anfangs. Nicht jedoch seiner deutschen Freundin, der Abiturientin Nina Mainhardt. Nina spürt, wie Djamal sich innerlich von ihr entfernt und sich immer öfter mit streng gläubigen jungen Männern trifft. Als sie ihrer Mutter ihre Befürchtungen beichtet, setzt die Anwältin alle Hebel in Bewegung und lässt ihre Beziehungen in Berlin spielen und wendet sich schließlich an BND-Abteilungsleiter Marc Bauer. Doch möglicherweise ist es bereits zu spät: Die Zelle plant einen Terroranschlag, bei dem Djamal eine Schlüsselrolle zukommt...


    Meine Meinung:
    Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Djamal ist ein junger Mann, der die Welt nach einem Besuch in der Heimat seiner Eltern mit anderen Augen sieht. Er merkt, dass ihn viele Deutsche nicht als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft betrachten und dafür hat er kein Verständnis. So gerät er in die Nähe radikaler Kräfte und sein Schicksal nimmt seinen unbarmherzigen Lauf.

    Das Thema Terrorismusbekämpfung wird aus vielen Perspektiven betrachtet und auch die Ermittler sind nicht die strahlenden Helden, die man vielleicht erwartet. Die Truppe um den BKA-Abteilungsleiter Marc Bauer ist nicht unbedingt sympathisch, doch kann man ihnen den guten Willen nicht absprechen. Sie bewegen sich in einem Bereich, in dem vieles von Vermutungen und Mutmaßungen abhängt. Wirklich sichere Tatbestände gibt es kaum. Marc Bauer hat bei seinen Methoden durchaus Skrupel, aber er wird von vielen Seiten massiv unter Druck gesetzt. Gerade Politiker erwarten vollen Erfolg und das auch noch, ohne Aufsehen zu erregen. Auf die politische Seite werfen die Überlegungen der Mutter von Djamals deutscher Freundin ein ungeschminkte Sicht. Frau Mainhardt ist bestens vernetzt und so werden politische Entscheidungen beleuchtet. Man wird sicherlich nicht immer mit diesen übereinstimmen, aber es gibt einen Eindruck von der Komplexität der Situation. Bei all diesen Punkten ist es umso erstaunlicher, welche Spannung von diesem Werk ausgeht. Keiner der Beteiligten spielt mit offenen Karten und man lernt eine Reihe von Figuren kennen, denen man nicht begegnen möchte. Besonders gelungen ist die Figur des Yusuf, der sich der potentiellen Attentäter annimmt und sie führt. Er widerspricht all meinen Vorstellungen eines Attentäters, weil er nicht fanatisch ist, sehr überlegt vorgeht und die Führung der eigentlichen Attentäter als professionelle Aufgabe sieht. Die Attentäter selber wirken wie Opfer, während der charismatische Yusuf Angst und Schrecken in meinem Kopf erzeugt.

    Die Geschichte ist faszinierend aufgebaut, die Figuren sind durchweg tief und glaubwürdig gezeichnet, die Spannung bleibt jederzeit auf hohem Niveau und der Erzählstil ist fesselnd. Auch das Ende passt einfach bei diesem Werk. Dazu hat mich das Buch zum intensiven Nachdenken über den Themenkomplex angeregt. Positiv ist auch noch der Verzicht auf blutrünstige Darstellungen.

    Fazit:
    An diesem Buch hatte ich überhaupt nichts zu bemängeln. Es beleuchtet ein komplexes Thema aus vielen Blickwinkeln, ohne dabei die Spannung zu vernachlässigen. Dieser Politthriller ist ein Meisterwerk und erhält von mir die Höchstbewertung von fünf Sternen bzw. 100 Punkten. Wer politische Thriller mag ist hier goldrichtig.

  13. Cover des Buches Djihad Paradise (ISBN: 9783407746580)
    Anna Kuschnarowa

    Djihad Paradise

     (39)
    Aktuelle Rezension von: L_Ryan

    Anna K. ist eine meiner absoluten Lieblingsautoren wenn es um Jugendbücher geht. Djihad Paradise hat mich mal wieder überzeugt und gehört nun definitiv zu meinen Lieblingsbüchern. 

  14. Cover des Buches Mit der Faust in die Welt schlagen (ISBN: 9783548061030)
    Lukas Rietzschel

    Mit der Faust in die Welt schlagen

     (131)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Großvater erzählte über das Werk und seine Fahrten mit der Bahn durch den angrenzenden Wald. In der Kantine gab es Bier, wenn man danach fragte. Er berichtete über Männer, die über Generationen dort arbeiteten. Söhne. Väter. Großväter...“


    Die Welt des Großvaters ist eine vergangene Welt in Neschwitz, einem kleinen Ort im Osten Sachsens. Elf Jahre nach der Wende baut Familie Zschornack ein Haus. Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater Elektriker nach einer Umschulung. Philipp, der ältere Sohn, empfindet das als Aufstieg. Nun kann er auf manchen seiner Freunde herabsehen. Doch die Euphorie verschwindet schnell.

    Der Autor hat einen sehr authentischen Gegenwartsroman geschrieben.

    Fünfzehn Jahre darf ich die Entwicklung der Familie und insbesondere der Söhne Philipp und Tobias begleiten. Dabei tauche ich ein in eine Welt der Trostlosigkeit.

    Durch den knappen, fast abgehackten Schriftstil wird dieser Zustand besonders betont.


    „...Uwe öffnete die Haustür und drehte sich noch einmal um. Die Schuhe in der Hand. Das Licht über dem Eingang. Der Carport blieb dunkel…“


    Auch Uwes Schicksal, der von Gelegenheitsarbeiten lebt, wird erzählt. Die Frau ging gen Westen, weil sie dort besser verdiente. Er verlor den Job, fand Trost im Alkohol, hatte keine Kraft, sich aus der Lethargie zu befreien. Gerüchte gehen um, er sie bei der Stasi gewesen.

    Zerbrochene Familien, ehemalige Fabriken, die zu Ruinen verkommen sind und als Abenteuerspielplätze dienen, Hoffnungslosigkeit und Frust sind Punkte, die immer wieder eine Rolle spielen. Von Urlaub ist keine Rede. Alles geschieht in ihrer kleinen Welt. Und dazu kommt der Neid auf die Sorben. Warum und wieso bleibt im Dunkeln.

    Nach und nach schlägt Frust bei dem einen in Gewalt und Ausländerfeindlichkeit um, bei dem anderen in Resignation. Das Gefühl des Ausgegrenztseins wird mit zunehmenden Alter deutlicher. Und eines deutet sich in wenigen kurzen Sätzen an. Es sind die jungen Männer, die in Perspektivlosigkeit versinken.


    „...Mich nervt die ganze Scheiße hier. Immer das Gleiche und alles geht vor die Hunde. Immer schon, als wäre das nie anders gewesen...“


    Mädchen gehen aufs Gymnasium und ziehen weg. Mit den aussterbenden Dörfern bricht die Infrastruktur zusammen.


    „...Die Schulen, die sie schlossen, die Sparkassen und die Arztpraxen. Die Kreise, die sie zusammenlegten, die Gemeinde und Städte. Die Wege wurden länger, die Entfernungen größer...“


    Familien zerbrechen. Es ist kein Miteinander, nur ein Nebeneinander. Von der Politik fühlt man sich in Stich gelassen.

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es beschreibt fast sachlich und emotionslos eine Entwicklung, die zur Zeit der Flüchtlingskrise eskalierte. Im Buch ist nicht eine Spur von Aufbruch zu spüren, im Gegenteil. Es liest sich wie eine Abwärtsspirale.



  15. Cover des Buches Das Gebot (ISBN: 9783894257743)
    Sunil Mann

    Das Gebot

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Streiflicht

    Bei diesem Buch bin ich hin- und hergerissen. Ich fand es wirklich gut zu lesen und es war auch megaspannend, zugleich aber sehr beklemmend. Das Thema Attentäter und Islamisten hat mich sehr bedrückt und daher war ich irgendwie auch froh, als das Buch fertig gelesen war. Andererseits spricht es ja auch für den Autor, wenn er es schafft, so eine Atmosphäre zu erzeugen und den Leser so mitfühlen zu lassen. Das Buch hat mich tief beeindruckt zurückgelassen und ich habe noch lange darüber gegrübelt.

    Ich kannte bisher kein Buch des Autors, war aber schnell drin im Geschehen. Ich nehme an, es wäre noch schöner gewesen, wenn man die Geschichte der beiden Ermittler, der Hauptfiguren Marisa Greco und Bashir Berisha, besser gekannt hätte, weil man das Vorgängerbuch „Der Schwur“ auch gelesen hat. Aber auch als Quereinsteiger kommt man gut zurecht und hat Freude am Lesen.

    Der Fall ist hochspannend und verzwickt, man kann richtig mitfiebern. Es ist auch blutig und brutal und man hat den Eindruck, man erlebt mit, was die Figuren denken und fühlen, tun und planen. Das mochte ich sehr, denn alles wirkte so authentisch. Wer es spannend und realitätsnah mag, ist hier genau richtig.

  16. Cover des Buches Dschihad Calling (ISBN: 9783423717236)
    Christian Linker

    Dschihad Calling

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Literatur-Universum
    Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie ein Lied hören und es Sie nicht mehr loslässt? Wenn es Sie so sehr mitzieht, dass Sie Probleme und Sorgen vollkommen ausblenden können? In diesem Buch geht es um kein Lied. Jedoch arbeitet es mit ähnlichen Instrumenten. Es manifestiert wie sich durch neue, fremde Klänge von außen eine grundveränderte Melodie des Lebens ergeben kann. Filigran zeigt es die Stufen der Veränderung eines Menschen.

    Das Buch ist äußerst interessant aufgebaut. Die Erzählzeit erstreckt sich von Ende Oktober bis Juli und liefert in dieser äußerst kurzen Zeitspanne, eine große Fülle an Ereignissen. Es wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive des 19-jährigen Jakob und in Tagebuchform aus der Sicht des 19-jährigen Adil erzählt. Anfangs scheinen ihre Geschichten weit auseinander zu liegen, doch fügen sie sich Kapitel für Kapitel ineinander und bilden letztendlich zusammen eine großartige Erzählung.

    Doch worum geht es eigentlich? Veränderung wurde bereits angesprochen. Diese ist auch das Kernstück dieses Buches. Jakob ist 19 und führt eine Beziehung mit Liz. Er studiert VWL und lebt in einer WG in Bonn. Außerdem arbeitet er nebenbei in einer Marketingfirma. Er stellt dem Leben keine Fragen und ist mit seiner Situation absolut zufrieden.

    Eines Tages trifft er in einem Tunnel eines Bahndammes auf ein Rudel von Pöblern, die ein junges Mädchen mit Kopftuch attackieren. Mutig lenkt er die Aggressoren ab, damit sie flüchten kann. Seit diesem Moment geht ihm dieses Mädchen, welches Samira heißt, nicht mehr aus dem Kopf. Er will und muss sie unbedingt wiederfinden. Als er sie in einem Zeitungsartikel bei einer Salafistenversammlung wiederentdeckt, beginnt sein Interesse sich weiter zu steigern. Schleichend langsam und gefühlvoll beginnt eine Romanze sich zu entwickeln. Auf der anderen Seite beginnt eine Mauer, zwischen seinem alten Leben und seinen neuen Gefühlen, heranzuwachsen. Er fragt sich, ob er tatsächlich zufrieden mit seinem Leben ist. Ob das denn alles schon gewesen ist und es entsteht in ihm eine Blockade für das Gegenwärtige.

    Rasant beginnt er sich von alten Dingen zu trennen, weil sie ihm plötzlich als störend und falsch vorkommen. Ohne Reue und Sehnsucht beginnt seine Formatierung des Verstandes. Er interessiert sich nur mehr für den Islam. Trägt auch auffällige Kleidung, damit man ihn als Moslem auf den Straßen erkennt. Erst als alles zu spät ist, fragt er sich, was er eigentlich gemacht hat. Was sind das für Dinge, mit denen sein neuer Freund Adil ihn konfrontiert? Will er tatsächlich zu dieser Art Organisation dazugehören? Seine Gefühle zu Samira sind so exorbitant, dass er jedoch denkt, dass dies der einzige Weg ist, sich einen Weg zu ihrem Herzen verschaffen zu können.


    Christian Linker, dem Autor dieses Buches, ist ein außergewöhnlicher Roman gelungen. Es ist eine Anekdote, die dem Zeitgeist auf dem Zahn fühlt. Linker ist ein preisgekrönter Schriftsteller und Theologe. Sehr schnell merkt man, dass er sich mit der Materie der Religion sehr gut auskennt und sich lange damit beschäftigt hat. Besser könnte man die Prozesse, die in vielen jungen Menschen in unserer heutigen Welt vorgehen, kaum beschreiben.


    Mit einer sehr prägnanten Erzählweise manifestiert uns der Autor die Trümmergeschichten unserer Zeit. Er taucht tief in die innere Welt von Jugendlichen ein und zeigt uns auf eine präzise Art und Weiße, wie sich diese verändern kann. Religion wird wieder aktueller. Leider aus Gründen der Zerstörung. Die tiefe Auseinandersetzung mit jener kann weitreichende Folgen haben. Für viele auch zu Glück und Zufriedenheit führen. Wie schmal jener Grad jedoch ist, zeigen die Aktualitäten unserer Welt. Dieses Buch liefert einen Grundriss dessen, wie Jugendliche abdriften können und was wahrer Islam im Gegensatz zu jenem des IS ist. Außerdem zeigt es auf, wie wenig die Menschen tatsächlich darüber Bescheid wissen. Es wäre eine Überlegung wert, es in den Schulen als Lektüre einzuführen. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik sollte insbesondere für Jugendliche ein essentieller Bestandteil ihres Wissensvorrates werden. Aber auch für Erwachsene stellt es einen Inhalt dar, mit dem man sich unbedingt auseinandersetzen sollte, um sich mit den Dingen unserer heutigen Zeit menschlicher und ethischer auseinandersetzen zu können.
  17. Cover des Buches Der Bruder (ISBN: 9783499268908)
    Joakim Zander

    Der Bruder

     (33)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    Der Bruder ist der 2. Band des schwedischen Schriftstellers Joakim Zander. Den 1. Band "Der Schwimmer " hatte ich nicht gelesen. Ist aber nicht so dramatisch, da es hier um eine komplett neue Geschichte geht und zum Ende eine kleine Zusammenfassung einiger Ereignisse daraus erwähnt werden.

    Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, das Thema könnte mir doch nicht so gefallen, weil es sich um das Verschwinden von Fadi dreht, der wohl als bekehrter Dschihadist nach Syrien eingeschleust wird. Aber das wurde schnell zerstreut, denn der Leser merkt schnell, es geht hier gar nicht so hauptsächlich um verschwundene Jugendliche.

    Zum Inhalt:

    Yasmine Ajam ist ein sogenanntes Ghettokind, die Eltern flohen von Afghanistan nach Schweden, weil sie eine sichere Zukunft für sich und ihre Kinder wollten. Sie und ihr Bruder Fadi waren viel auf sich allein gestellt. In einem lieblosen Elternhaus aufgewachsen, sind die anderen Kinder in der Trabantenstadt Bergort ihre Brüder und Schwestern. Yasmine entflieht dieser kalten Welt nach New York und hat eigentlich abgeschlossen mit der Vergangenheit. Als sie erfährt, ihr Bruder Fadi wird vermisst und soll angeblich tot sein, da will sie der Wahrheit auf die Spur kommen.

    Klara Walldeen forscht unterdessen in London für eine Menschenrechtsorganisation. Als ihr vor einer Sicherheitskonferenz der Computer gestohlen wird und ein Kollege zu Tode kommt, merkt sie, das etwas nicht mehr so harmlos erscheint, wie es dargestellt wird. Auch sie reist nach Schweden. Hier laufen dann die Fäden zu Yasmines Suche nach Fadi und Klaras Wahrheit zusammen. Beide befinden sich in großer Gefahr.

    Dieser Politthriller ist äußerst spannend erzählt und das Thema brandaktuell. Es wird dem Leser schon ein wenig mulmig, wenn man bedenkt, es kommt der Realität sehr nahe. Der Autor hat mich gut unterhalten und ich werde mir auch weitere Bücher von ihm nicht entgehen lassen. 

  18. Cover des Buches Ich bin voller Hass - und das liebe ich (ISBN: 9783442473885)
    Joachim Gaertner

    Ich bin voller Hass - und das liebe ich

     (26)
    Aktuelle Rezension von: LeseBlick
    Inhaltsangabe
    Joachim Gaertner erzählt die innere Geschichte des Attentats an der Columbine Highschool anhand von Originaldokumenten, Tagebüchern, Interneteinträgen, Verhörprotokollen und Aussagen von Beteiligten. Die Dramaturgie seiner literarischen Montage öffnet den Blick für das Ungeheuerliche einer Tat, die von den Tätern bis ins kleinste Detail in der Fantasie, in literarischen Szenen, Tagebüchern, auf Internetseiten und in Videos ausgebildet wurde, bis sie schließlich katastrophale Realität wurde.

    Meine Meinung
    „Das letzte Schuljahr kommt auf die Klasse von 1999 zu. Wie die meisten meiner Mitschüler bin ich mir unsicher, was ich davon erwarten soll. Aber ich nehme an, dass ich mehr Spaß haben werde als in allen Schuljahren bisher.
    Auf jeden Fall mehr Freiheit.“
    (Dylan Klebold, 18.08.1998, Zitat S. 7)


    Mit diesen Worten startet dieser Tatsachenbericht.
    Selten rolle ich eine Rezension von hinten auf, hier soll dies aber der Fall sein.
    Im Nachwort stellt der Autor einen Vergleich der USA mit Deutschland an.
    Vergleichspunkt ist der Umgang mit Informationen nach solch einem Vorfall, wie zum Beispiel dem hier beschriebenen Amoklauf.
    In den USA ist es der Bevölkerung durch den Freedom of Information Act möglich, unheimlich viele Informationen zum Vorfall zu erhalten. Die Öffentlichkeit steht nicht im Dunkeln, wie es zum Beispiel in Deutschland der Fall ist.
    Solch ein Buch würde nach einem Vorfall in Deutschland meines Erachtens nicht zu Stande kommen.
    Diesen Punkt befürworte ich nicht aufgrund von Neugierde und Nervenkitzel, sondern es sollte ein Schutz darstellen. Vergleicht könnten angestellt werden und Schicksalsschläge eventuell vermieden werden.

    1999 war ich noch keine 10 Jahre alt und habe an den 20.04.1999 keine nennenswerten Erinnerungen. Für die Stadt Littleton im Bundesstaat Colorado bedeutet dieses Datum ein Schreckensszenario.
    Zwei Schüler der Columbine High School stürmen die Schule und töten Menschen.

    In dem dokumentarischen Roman „Ich bin voller Hass – und das liebe ich“ versucht der Autor uns das Innenleben der zwei Jungs, deren Umfeld und Situation genauer zu erklären. Kann man diese Tat nachvollziehen?
    Nein, dass denke ich nicht, aber dennoch fand ich die Tagebucheinträge und andere verwendete Tatsachenberichte sehr interessant, spannend und gleichzeitig verstörend.
    „Für die meisten Leute mag das irgendein Computerspiel sein, aber für mich ist es ein Ventil für meine Gedanken und Träume.“
    (Eric Harris über das Ego-Shoot-Spiel Doom, S. 24)


    Eric Harris, damals 18 Jahre alt und Dylan Klebold, damals 17 Jahre alt, bezeichneten sich als „Natural Born Killer – NBK“.
    Beim Lesen war ich förmlich entsetzt, in wie weit sich ihre spätere Tat schon angedeutet hat. Schularbeiten und auch Interneteinträge waren meiner Meinung nach angsteinflößend und hätten Lehrer und Mitleser der Internetseiten hellhörig werden lassen. Hier hoffe ich, dass dieser Vorfall ein Mahnmal war.

    Beide Jungen würde ich als Ausgegrenzte bezeichnen.
    Weder Eric, noch Dylan hatten eine Unzahl an Freunde. Sobald es jemanden gab, spielte beiden Jungs das Schicksal mies mit.

    „Es dauert nicht lange, einen Freund zu finden, aber es braucht nur drei Wörter, einen zu verlieren: >>Wir ziehen um.<<“
    (Eric Harris, S. 94)


    Jedoch fanden sie durch Computerspiele, durch Interesse an Filmen und Musik zu einander. Eine feste, innige Freundschaft konnte ich in diesem Roman nicht herauslesen, aber beide hatten die gleichen Wünsche, Ängste und Ziele.

    „Ich kann gar nicht warten, bis ich euch alle töten kann.“
    (Eric Harris auf seiner Website)

    „Behaltet das im Kopf, ich will die Welt verbrennen, ich will jeden töten bis auf ungefähr 5 Leute.“
    (Eric Harris, S. 129)


    Auch wenn dieses Buch viele Eindrücke liefert, fragt man sich beim Lesen immer wieder WARUM?
    Für mich verlaufen sich die Ursachen im Sand.
    Den Jungs aufgrund ihres natürlichen Wesens die Schuld zu geben, wäre zu einfach.
    Es ist dieses große Ganze.
    Aber jegliche fördernde Faktoren, welche zu dieser Tat führten, zu erläutern, würde diese Meinung zum Buch sprengen.

    Mein Fazit
    Ich bin froh, dieses Buch nun endlich gelesen zu haben.
    Einige Passagen werden mir in Erinnerung bleiben und ich bin interessiert weitere Literatur zu diesem Vorfall zu lesen.
    Jedem Jugendlichen auf dieser Welt, der von ähnlichen bösen Geistern begleitet wird, wünsche ich einen anderen, gewaltfreien Umgang mit Ängsten und Sehnsüchten zu finden.
    Für Interessierte ganz klare Leseempfehlung.
  19. Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)
    William Golding

    Herr der Fliegen

     (838)
    Aktuelle Rezension von: Kayuri

    Die Geschichte handelt von einer Gruppe gestrandeter Jungs die versuchen zu überleben.

    Die Geschichte kam nur schwer in Gang. Es gab sehr viele Längen die durch den gewöhnungsbedürftigen Schreibstil nicht besser wurden. Die Themen die besprochen wurden sind ernste tiefgängige Themen. An Brutalität mangelte es dem Buch nicht. Die Geschichte konnte mich erst am Ende noch überzeugen.

    Die Charaktere sind nicht wirklich greifbar. Sie handeln wie wilde. Probleme und wie diese gelöst werden wirken auf den Leser. Jedoch waren viele Charaktere irgendwie austauschbar. Die Gruppendynamik gefiel mir persönlich nicht.

    Ein Klassiker ist das Buch. Ich denke auch das es durch die Themen eine Berechtigung hat als Klassiker gelautet zu sein. Ich hab es freiwillig gelesen und denke das Liebhaber von klassischer Literatur hier auf ihre Kosten kommen können.

  20. Cover des Buches Macht und Rebel (ISBN: 9783641122126)
    Matias Faldbakken

    Macht und Rebel

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Macht und Rebel sind zwei Männer, die eines gemeinsam haben, sie begehren junge Mädchen, oder auch pre-teens. Durch Zufall führt sie das Problem-Kind-Schwesternpaar Thong und Thong Jr. zusammen. Aus Rebels Hass auf seinen Arbeitgeber und Markenpirat Fatty wird schnell der Plan diesen sozial zu zerstören, nebenbei will Macht auch noch den Ruf der Firma T.S.I.V.A.G. aufpolieren, die als judenfeindlich verschrien ist.

    Ist dieses Buch nun genial oder geschmacklos?! Ich bin da hin und her gerissen. Denn eines ist klar, wenn ein Roman zu meiner “Lesen ist hardcore!” Aktion passt, wie die Faust aufs Auge, dann ist es genau dieser hier. Ich scheine kein so glückliches Händchen gehabt zu haben, bei der Buchauswahl bisher. Zwei mal hintereinander habe ich nun aus Versehen zu einem Buch gegriffen, das sexuelle Perversion zelebriert und bei dem mir gegen Ende hin nur noch übel wurde.

    Wer darüber nachdenkt Faldbakken zu lesen, sollte erst einmal zu YouTube rüber schlendern und sich ein paar Interviews mit dem Herrn bildender Künstler goes Schriftsteller anschauen. So kriegt man vor dem Lesen nämlich die, meiner Meinung nach höchst wichtige Info, dass seine Romane alle mit einem Augenzwinkern verfasst sind – auch wenn das oft nicht auffällt. Matias Faldbakken will provozieren und das tut er in diesem Roman zu genüge.

    Während Palahniuk den Leser schokiert indem er sich seitenlang über Masturbationsverletzungen auslässt, geht Faldbakken gleich zu Beginn seines Romans in die vollen. Auf der ersten Seite nämlich kauft Hauptfigur Rebel eine Salatgurke, und Du ahnst es schon, diese Gurke wird nie zu Salat verarbeitet werden. An dieser Stelle werden wohl die meisten das Buch weg legen und das sicher zu recht. Denn auf den folgenden Seiten und in den folgenden Kapiteln vergrault der Autor den Leser mit angewandter Pädophilie und Nazismus in Form von Hitler-Reden und Nazi-Symbolen.

    Starker Tobak erstmal, und ich weiß genau Faldbakken meint das nicht ernst. Ich weiß genau, dass es symbolisch gemeint ist und der Autor in Wirklichkeit eine bitterböse Satire auf die Skandinavische Unternehmenspolitik verfasst hat. Ich weiß das alles, aber Spaß das Buch zu lesen macht es trotzdem keinen. Denn es gibt Dinge, über die kann ich einfach nicht lachen. Ein ganz minimaler Kritikpunkt im Angesicht der kontroversen Buchthemen wäre da die etwas öde Handlung. Faldbakken provoziert zwar viel, aber es geht größtenteils doch um Markenpiraterie und Unternehmenspolitik und das langweilte mich oft so sehr, dass ich lieber was anderes gelesen habe.

    Nachdem ich Dir dieses Buch nun über viele Absätze madig gemacht habe muss ich noch kurz eine Lanze brechen für den dritten Roman der Skandinavische Misanthropie Trilogie Unfun. Das ist ein Buch in dem deutlich wird, dass Faldbakken scherzt, ein Buch das einen linearen Plot hat und für die extremere Leserin ein wahres Vergnügen sein kann. “Macht und Rebel” gibt das nicht her, ich werde es nie wieder lesen wollen und Du solltest es Dir auch ersparen – extreme Literatur mit Schockeffekt in allen Ehren, aber dieses Buch geht für mich einen Schritt zu weit.

    Bei Buchthemen wie Pädophilie und Nazismus, und das keinesfalls kritisch betrachtend, würde ich niemandem empfehlen diesen Roman zu lesen. ‘Tongue-in-cheek’ hat seine Grenzen, in “Macht und Rebel” sind diese erreicht.

  21. Cover des Buches Q (ISBN: 9783862414505)
    Luther Blissett

    Q

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy
    Ein Thriller zwischen Reformation und Inquisition!
    Es ist ein Roman erschienen, von einem Autor, der sich Luther Blissett nennt. Aber wer versteckt sich hinter dem Pseudonym? Wer hat diesen historischen Thriller geschrieben, in dem ein Mann ohne Namen einen Mann mit vielen Identitäten jagt? Als in Italien dieser gewaltige Roman über die Zeit der Reformation erschien, löste er einen Sturm der Begeisterung aus. Denn neben grandioser Unterhaltung gibt er dem Leser ein Rätsel auf: Wer ist Luther Blissett? Die Überraschung war groß, als die Wahrheit ans Licht kam: Vier junge Autoren aus Bologna waren die Urheber dieses mysteriösen Romans. Ihr Ziel: die traditionelle Autorenschaft zu sprengen. Raffiniert umspannt dieser historische Thriller vierzig Jahre im 16. Jahrhundert - vierzig Jahre, die die Welt veränderten. Deutschland ist im Umbruch: Luther und die Wiedertäufer, päpstliche Spione und aufständische Bauern kämpfen um Macht und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund stehen sich zwei erbitterte Feinde gegenüber: Ein junger Theologiestudent, Anführer der Häretiker, und sein unsichtbarer Feind - Q, der Mann ohne Gesicht, der Statthalter des Papstes, der Verräter ohne Namen. Seine Mission: den Geist der Revolte auszulöschen. Doch die Rebellen kämpfen mit einer unschla gbaren Waffe: der Macht des Wortes.
  22. Cover des Buches Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (ISBN: 9783944442402)
    Robert Scheer

    Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

     (42)
    Aktuelle Rezension von: parden
    EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

    Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


    "Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


    Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

    Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

    Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

    Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


    "Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


    Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

    Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

    Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

    Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


    © Parden
  23. Cover des Buches Jerusalem, Jerusalem (ISBN: 9782919800889)
    Werner Sonne

    Jerusalem, Jerusalem

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Julia_Kathrin_Matos

    Wem gehört Jerusalem? Was ist eine gerechte Lösung im Nahost-Konflikt? Eine Frage, die seit mehr als 70 Jahren die Gemüter erhitzt, den Alltag von Millionen Menschen prägt. Dem Autor Werner Sonne gelingt es mit seinem historischen Drama „Jerusalem, Jerusalem“ meisterhaft, das menschliche Antlitz des Konfliktes zu zeigen. Beleuchtet wird der Zeitraum Februar 1947 bis Juni 1948.
    Werner Sonne macht glaubhaft, sich mit Land und Leuten auszukennen und intensiv recherchiert zu haben.
    Es gibt nicht die ultimative jüdische, arabische und britische Seite, sondern Grauschattierungen, personenbezogene und politische Interessen inklusive wandelnder Ansichten. Die realistischen Darstellungen von Gewalt und Ungerechtigkeit machen traurig und fassungslos. Momente der religionsübergreifenden Freundschaft, Hilfe und Solidarität sowie Oasen der Freude wirken wohltuend. Düstere, bedrohliche Stimmung überwiegt. In die packenden inneren Konflikte konnte ich mich gut hineinversetzen. Beispielsweise wird die Frage aufgeworfen, ob man die Heimat verlässt, um seine Familie zu schützen, zulasten des jüdischen Ziels vom eigenen Staat oder zulasten der Patienten, die in einer umkämpften Gegend umso mehr eine medizinische Versorgung benötigen. Das hat mich nachdenken lassen, was Heimat und Zusammenhalt ausmacht …
    Als besonders bereichernde (fiktive) Figuren habe ich wahrgenommen: Ex-SS-Soldat Fritz, jüdischer Arzt David, arabische Lernschwester Hana, britischer Oberleutnant Josef. Letztendlich möchte ich keine Figur missen, weil das Zusammenspiel das Buch bunt und abwechslungsreich macht.
    Es ist Konzentration gefragt, um alle familiären und freundschaftlichen Bande, Verstrickungen und
    Verschwörungen zu verfolgen und sich die Fakten zu merken. Vom Umfeld erhielt ich lebhafte Eindrücke.
    Ich habe mir mehrere Wochen Zeit genommen, um den eher kurzen Roman zu lesen. Es ist psychologisch hart und belastend, sodass ich zum Ausgleich parallel andere Bücher las. Oft hielt ich nach wenigen Seiten bewusst inne, um zu sinnieren oder sacken zu lassen. Herzlichen Dank für die kurz gehaltenen und leicht verständlichen Sinnabschnitte, die das ermöglicht haben.
    Eine Dokumentation oder Politsendung hätte es nicht schaffen können, mich vergleichbar aufzurütteln und anzurühren und diesen erweiterten Horizont und satten Kenntniszuwachs zu bescheren. Mein erster Roman vom Autor wird nicht der letzte gewesen sein. (Kennengelernt über Prime Reading.)

  24. Cover des Buches Der Dschihadist (ISBN: 9783641155339)
    Irfan Peci

    Der Dschihadist

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden

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