Bücher mit dem Tag "raubkunst"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "raubkunst" gekennzeichnet haben.

22 Bücher

  1. Cover des Buches Ein Bild von dir (ISBN: 9783499269721)
    Jojo Moyes

    Ein Bild von dir

     (803)
    Aktuelle Rezension von: Cora_Jeffries

    Da ich bereits "Die Tage in Paris" gelesen habe, war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Es ist die Geschichte von Sophie und Edouard. Aber auch von Liv.

    Kaum hatte ich mit Lesen begonnen, war ich komplett in der Story abgetaucht. Habe Sophie auf Schritt und Tritt begleitet. Ich finde es immer interessant, wie die Menschen um 1912 gelebt haben und vor allem war dies kein schönes Jahr für sie. Überall waren Soldaten, verängstigten die Menschen in Frankreich. Jeder Schritt wurde überwacht und wenn dies schon nicht genug war, musste sie aufpassen, was die anderen über sie erzählt wird.

    Liv ist seit vier Jahren Witwe und weiß nicht so wirklich, was sie tun soll. Sie hat Schulden und lebt im Haus, dass ihr Mann David erbaut hat. Sie lernt Mo, eine Kellnerin, kennen. Kurzerhand zieht sie übergangsweise bei Liv ein. So recht schlau bin ich aus Mo nicht geworden. Sie ist sprunghaft und hat zwei Jobs.

    Paul ist ein verständnisvoller Mann und lernt Liv durch einen Zufall kennen. Was er aber nicht weiß, ist, dass sie das Bild hat, nachdem er schon lange sucht.

    Der Roman hat mich so in seinem Bann gezogen, dass ich komplett die Zeit vergessen habe. Der Schreibstil ist flüssig und herzergreifend.

  2. Cover des Buches Leas Spuren (ISBN: 9783453360464)
    Bettina Storks

    Leas Spuren

     (128)
    Aktuelle Rezension von: anne_fox

    Bei Leas Spuren hanelt es sich um einen gut recherchierten Roman der auf zwei Zeitebenen geschrieben ist. In der Gegenwart erbt Marie eine halbe Wohnung mitten in Paris. Die andere Hälfte erbt der Enkel des Verstorbenen. Die Auflage für das Erbe ist ein verschollenes Bild zu finden das während des zweiten Weltkrieges in Paris verschwand und es dem Besitzer oder der jüdischen Familie zurückzugeben. Die Beiden machen sich auf die Spur und stoßen dabei um die große Liebe des Verstorbenen zu Charlotte einer Deutschen. Beide so finden sie heraus haben im Widerstand gearbeitet. Leider kein Happy End für die Liebenden in diesen schlimmen Zeiten. Der Roman hat einen hohen Spannungsbogen und reißt mit.

  3. Cover des Buches Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (ISBN: 9783423282734)
    Alena Schröder

    Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

     (200)
    Aktuelle Rezension von: otegami

    Für unser aller Identität ist es sehr, sehr wichtig, dass wir unsere Familiengeschichte kennen! Nachdem Evelyn (94 Jahre und in einer Seniorenresidenz lebend) Probleme mit ihrer Mutter (Senta) hatte, versäumte sie es, die Familiengeschichte an ihre Tochter Silvia und ihre Enkeltochter Hannah weiterzugeben. Und so ist Hannah sehr überrascht, als sie durch einen Brief aus Israel an ihre Großmutter erfährt, dass auch ein Teil ihrer Familie von den Gräueltaten der Nazis betroffen war. 

    Es ist auch immer wieder erstaunlich, wie ‚Erziehungsfehler‘ von einer Generation an die nächste weitergegeben werden! Hochinteressant fand ich außerdem die Beschreibung, wie viel Aufwand bei einer Restitution von Raubkunst nötig ist. 

    Nebenbei erfahren wir auch durch Hannah vom Thema ‚Rolle der 2. Geige als Geliebte eines verheirateten Mannes‘ oder vom Aufwand, Plagiate in Doktorarbeiten, Habilitationsschriften usw. zu finden. 

    Durch den ungewohnt sperrigen Buchtitel (= die Bildbeschreibung) und das wunderschöne Cover war mein Interesse geweckt worden und die Lektüre hat sich gelohnt: In zwei verschiedenen Zeitebenen (mit Jahreszahlen der früheren Jahre) erzählt, las sich das Buch sehr ‚süffig‘ weg! Die herrlich treffenden Beschreibungen begeisterten mich zusätzlich! 

    Leider stürzte das Buch auf den ca. letzten 60 Seiten ab, wurde seichter und passte nicht mehr zur davorstehenden starken Geschichte. (Bedeutete es zu viel Aufwand, den passenden Schluss dafür zu finden?) Dies kostete diesem Roman bei mir den 5. Stern! Schade! 

  4. Cover des Buches Stille Havel (ISBN: 9783740806705)
    Tim Pieper

    Stille Havel

     (44)
    Aktuelle Rezension von: hapedah

    Toni Sanftleben wird zu einem Leichenfund in den Park Sanssouci gerufen, das Mordopfer war Kunstsachverständiger und seine Aufzeichnungen deuten auf ein auffälliges Interesse an dem Gemälde einer geheimnisvollen, verschleierten Frau hin. Außerdem findet Toni sehr viele Aufnahmen einer alten Havelvilla und eines Firmengeländes, beide Gebäude befinden sich im Besitz der selben Familie. Doch ist in diesen Nachforschungen tatsächlich das Motiv für den Mord zu finden?

    "Stille Havel" von Tim Pieper ist der vierte Fall um KHK Toni Sanftleben, ein Protagonist, der mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen ist. Jeder der Havel-Krimis beinhaltet einen abgeschlossenen Fall, so dass die Bücher auch einzeln, unabhängig voneinander gelesen werden können. Allerdings finde ich persönlich es schöner, auch das private Leben des Ermittlers immer mehr kennen zu lernen, so dass ich empfehle, die Reihe in chronologischer Ordnung zu lesen. Im Lauf der Bücher ist Tonis Entwicklung deutlich spürbar und es macht mir Freude, ihn bei seinen Fällen zu begleiten. Die Figuren in seinem Umfeld sind ebenfalls umfassend und realistisch beschrieben, sie alle empfinde ich als "echte" Personen, so dass ich emotional tief in die Handlung eingetaucht bin.

    Wie ich es inzwischen von Tim Pieper kenne, legt er eine Vielzahl von Spuren, was mich gedanklich zu den unterschiedlichsten Vermutungen geführt hat, dennoch bin ich von der Auflösung des Falles wieder überrascht worden. In jedem seiner Bücher arbeitet der Autor mit Rückblenden, die dem Leser einen kleinen Einblick in die Gedanken des Täters und auch einige Episoden aus dem Leben des Opfers zeigen. Dieses Mal gibt es sogar Abschnitte, die bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs zurück reichen und mir einige geschichtlich Informationen vermittelt haben. Dabei habe ich jeden einzelnen Handlungsstrang als sehr spannend empfunden, ich mochte den E-Reader kaum aus der Hand legen, bis am Ende sämtliche Fäden miteinander verknüpft waren. 

    Auch die Liebe zur Region ist in jedem Kapitel spürbar, immer wenn ich einen der Havel-Krimis lese, bekomme ich Lust, die Gegend einmal im Rahmen eines Urlaubs kennen zu lernen. Damit vereint der Roman mehr, was ich erwartet habe, eine äußerst spannende Handlung, Teilhabe an den persönlichen Entwicklungen des Ermittlers, regionales Flair und sogar einen faszinierenden Ausflug in die deutsche Geschichte. Dieses Leseerlebnis, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert hat, empfehle ich mit Freude weiter. 

    Fazit: Wieder einmal hat Tim Pieper einen wunderbaren Regionalkrimi geschaffen, der mich bis zum Ende blendend unterhalten hat, so dass ich für den Roman eine unbedingte Leseempfehlung ausspreche. 

  5. Cover des Buches Das Gemälde der Tänzerin (ISBN: 9783958183797)
    Christine Jaeggi

    Das Gemälde der Tänzerin

     (81)
    Aktuelle Rezension von: Aitutaki

    Helena, einst eine berühmte Ballerina, lebt mit ihren beiden Kinder am Existenzminimum. Auch mit der Liebe hatte sie kein Glück. Vom Schicksal nicht eben verwöhnt, ergattert sie einen Job als Zimmermädchen in einem Hotel. Das Blatt scheint sich zu wenden. Doch dann trifft sie eines Tages auf ihre eigene Vergangenheit und ihre damaligen Probleme. Was hat es auf sich mit dem Mord eines Zimmermädchens von 1942, dem verschwundenen Gemälde. Krimiautor Noah und Helena gehen der Geschichte auf den Grund und stossen auf ein lang gehütetes Geheimnis.

    Eine spannende Mischung zwischen Unterhaltung und Geschichte und einer Prise Krimi, die den Leser kaum mehr los lässt. Man möchte unbedingt wissen, was passiert ist, wie die Geschichte für Helena ausgeht und wie ihre eigene Vergangenheit darin mitspielt. Interessant auch, dass Christine Jaeggi das Thema «Beutekunst im 2. Weltkrieg» aufgegriffen und verarbeitet hat. Zu diesem Thema gäbe es wohl noch viele ähnliche Geschichte. Ein eindrucksvoller Roman von Christine Jaeggi und toll zu lesen!

  6. Cover des Buches Ein Bild von dir (ISBN: 9783839893524)
    Jojo Moyes

    Ein Bild von dir

     (65)
    Aktuelle Rezension von: LesenistLuxus
    Mitten im Ersten Weltkrieg versucht die junge Sophie gemeinsam mit ihrer Schwester und deren Kindern gegen die Deutschen, die ihr kleines französisches Heimatdorf besetzen, Widerstand zu leisten. Die Männer der beiden Schwestern sind irgendwo im Krieg, sie führen alleine den elterlichen Gasthof, wo sich bald deutsche Soldaten einquartieren. Der Kommandant der Truppe hat besonderen Gefallen an Sophie und einem Porträt von ihr gefunden, das ihr Mann Édouard gemalt hat. Was hat es mit diesem Bild auf sich?

    Anfang des 21. Jahrhunderts hängt eben dieses Bild bei Liv an der Wand. Es ist für sie eine kostbare Erinnerung an ihren verstorbenen Mann David. Nach dessen Tod 4 Jahre zuvor ist sie nicht wieder richtig auf die Beine gekommen. Und jetzt kommt die Familie des Künstlers und möchte das Bild wieder haben.

    Rezension Ein Bild von dir von Jojo Moyesn (Hörbuch)


    Sophie

    Ich mag Geschichten, die in den Weltkriegen spielen und bewundere, wie stark die Menschen damals sein mussten um all dieses Leid zu ertragen. Auch in dieser Geschichte ist die Französin Sophie stärker, als ich es jemals sein musste. Nicht nur, dass ihr Mann, Édouard, irgendwo in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschollen ist, vermutlich in einem Gefangenenlager, nein, sie muss sich auch noch um den Gasthof der Eltern, ihre Schwester, deren Kinder und bald auch um die junge Édith, deren Mutter von den Deutschen gefangen genommen wurde, kümmern. Als eines Tages ein deutscher Kommandant vor ihr steht und ihr eröffnet, dass er künftig jeden Tag mit seinen Soldaten in ihrem Gasthof die Mahlzeiten einnehmen möchte, ist es für sie der reine Horror, den verhassten Feind in ihrem Haus zu haben. Auch von den anderen Dorfbewohnern schlägt ihr eine Welle von Hass entgegen. Aber sie hat kaum eine andere Wahl.

    Von Anfang an bewundert der Kommandant ein Porträt Sophies, das an der Wand hängt. Ein Porträt aus besseren Zeiten, von einer stolzen und wilden Sophie, so wie ihr Mann Édouard sie erlebt und kennengelernt hat. Nach und nach bekundet der Kommandant aber auch immer mehr Interesse an Sophie selbst und als schließlich die Nachricht durchdringt, dass Édouard in einem Gefangenenlager ist und dort zu sterben droht, beschließt Sophie, einen verzweifelten Schritt zu gehen.

    Sophie lebt unter Bedingungen, die ich mir glücklicherweise nicht mal annäherungsweise vorstellen kann. Sie ist mir sehr sympathisch, auch wenn ich nicht weiß, ob ich mich so verhalten hätte wie sie. Die Stimmung in dem kleinen französischen Dorf wird gut eingefangen, die Feindseligkeit gegenüber den Deutschen und jedem, der mit ihnen in Verbindung gebracht wird, aber auch der Zusammenhalt unter den Dorfbewohnern.

    Liv

    Auf der anderen Seite ist da heute Liv, im gleichen Alter wie Sophie damals. Livs Mann David ist vier Jahre zuvor gestorben, woran und unter welchen Umständen erfährt man erst recht spät im Buch. Liv hat hohe Schulden, kaum Freunde und vor allem keinerlei Lebensfreude mehr. Sie lebt im ehemals gemeinsamen Haus voller Erinnerungen. Dann lernt Liv in einer Schwulenbar (wo sie hingeht um nicht angesprochen zu werden und trotzdem an Davids Todestag nicht alleine zu sein) Paul kennen. Er ist ihr Retter in der Not, als ihr die Handtasche geklaut wird. Nur weil sie denkt, er wäre schwul (naheliegend, wenn man sich in einer Schwulenbar kennen lernt), geht sie mit ihm mit und verbringt die Nacht bei ihm weil ja mit der Handtasche auch ihr Schlüssel weg ist. Schnell macht er ihr klar, dass er keineswegs schwul ist und eine zarte Romanze bahnt sich an.

    Die “Jeune femme”

    Doch dann kommt die Nachricht, dass die “Jeune femme”, das Gemälde in Livs Schlafzimmer, das ihr David während der Hochzeitsreise geschenkt hat und von dem er immer sagte, es erinnere ihn an sie, eventuell gestohlene Beutekunst aus dem Ersten Weltkrieg ist. Ausgerechnet Paul ist derjenige, der das Bild aufspüren sollte und der jetzt schwer mit sich hadert, wem er sich mehr verpflichtet fühlt, Liv oder seinem Job.

    Liv ist stinksauer auf Paul und kämpft wie eine Löwin für ihr Bild, entgegen jeglicher Vernunft, obwohl sich viele Menschen von ihr abwenden und obwohl der Fall komplett aussichtslos scheint.

    In der Geschichte schwingt unheimlich viel Traurigkeit mit. Jojo Moyes schafft es, so zu schreiben, dass man sich komplett in Liv hineinversetzen kann; traurig, hoffnungslos, verzweifelt, resigniert, ein Leben ohne jegliche Freude. Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie mit Paul zum ersten Mal wieder ein wenig Hoffnung verspürt und aus ihrem tristen Leben ausbricht. Und dann der Schock, auch für Paul, als er feststellt, dass das Gemälde, das er aufspüren soll, bei Liv an der Wand hängt. Liv reagiert unvernünftig, bockig, will dieses besondere Geschenk ihres Manns nicht hergeben. Ich selbst war hin- und hergerissen. Natürlich kann ich sie verstehen, aber Édouards Familie, die das Bild zurück haben möchte, natürlich auch. Es folgt eine Reihe von Recherchen und Gerichtsverhandlungen. Immer wieder gibt es Rückblenden zu Sophie oder zu wichtigen Zeitzeugen; und immer wieder gibt es Überraschungen.

    Meine Meinung

    Ich habe von Jojo Moyes schon Einiges gelesen und in letzter Zeit auch als Hörbuch gehört. Manchmal hat mich dabei die nicht ganz so emotionale Stimme von Luise Helm gestört, zu dieser Geschichte allerdings, mit der ganzen Traurigkeit, hat sie perfekt gepasst.

    “Ein Bild von dir” war für mich vor allem interessant, weil ein Teil der Geschichte im Ersten Weltkrieg spielt. Meistens geht es in Romanen eher um den 2. Weltkrieg und zu lesen, wie die Leute im Heute das durcheinander werfen, war spannend. Als Liv ihr Bild nicht hergeben will, wird sie immer wieder angefeindet, ein “Nazi” zu sein, obwohl es die ja unter dem Namen im Ersten Weltkrieg noch gar nicht gab. Man sieht aber auch wieder, was für ein empfindliches Thema das ist.

    In vielen Geschichten, in denen es um Beutekunst geht, hört man die Geschichte derjenigen, denen die Kunst gestohlen wurde. Hier ist es andersrum und ich fand es gut, mal diese Seite zu hören. Natürlich möchte ich den Raub von Kunst während eines Krieges nicht verherrlichen, aber es gibt eben manchmal nicht nur die eine Wahrheit… wie in diesem Fall.

    Alles in allem eine schöne Geschichte für’s Herz, die mich für einige Stunden gefesselt und berührt hat!

  7. Cover des Buches Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (ISBN: 9783957132000)
    Alena Schröder

    Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Tini2006

    in Alena Schröders Buch geht es um einen Brief aus Israel, heißt es im Klappentext, der Hannah ein großes Erbe in Aussicht stellt. Sie soll die rechtmäßige Erbin von Kunstwerken sein, die in der Nazi-Zeit einem gewissen Izak Goldmann geraubt worden sind. Der Name sagt Hannah nichts und die Großmutter, 93 Jahre alt, will mit der alten Geschichte nichts mehr zu tun haben. Genau das erweckt Hannahs Neugier.

    Eigentlich ist die Geschichte mit den Kunstwerken nur der Rahmen für eine interessante 3-Generationen-Geschichte. Obgleich mir keine der drei Frauen, um die es primär geht, wirklich sympathisch war, fand ich sie durchaus interessant und kann das Buch daher wirklich empfehlen. Für mich enthält es viele nachvollziehbare menschliche Aspekte.

    Selma: mit ihr beginnt die Geschichte. Sie ist 18 Jahre alt, schwanger und genau deshalb verheiratet mit einem jungen Kriegshelden (1. WK), der sehr strikt und wenig gefühlsbetont ist. Selma träumt eigentlich von einer Karriere als Journalistin in Berlin und wollte vor ihrer Schwangerschaft weg aus Rostock. Das Kind torpediert ihre Pläne, weshalb die Beziehung zu Tochter Evelyn von Anfang an nicht auf solidem Boden steht. Die Ehe zum Kriegshelden scheitert. Selma ist gezwungen, ihr Kind zurückzulassen und ohne Evelyn nach Berlin zu gehen.  Sie heiratet ein paar Jahre später den jüdischen Redakteur Julius, wird selbst Journalistin und betreibt mit ihm einen kleinen Verlag, ehe die Nazis dem ein Ende setzen und das Paar gezwungen ist, im Ausland Zuflucht zu suchen.

    Evelyn: sie wächst bei ihrer Tante Traude auf, einer morphiumsüchtigen Krankenschwester, die allein stehend und frustriert ist. Zu ihrer Mutter, die sie verlassen hat, hat sie ein gespaltenes Verhältnis. Evelyn studiert nach dem 2. WK Medizin und heiratet Karl, mit dem sie eine Tochter namens Sylvia hat. Mit dieser kann sie jedoch genauso wenig anfangen wie damals ihre Mutter mit ihr selbst. Später lebt Evelyn in einem Luxus-Altenheim und wird 1 x die Woche von Enkelin Hannah besucht. 

    Hannah: ist 27 und weiß nicht, was sie will. Sie ist ein ziemlich passiver Mensch, der sich vom Leben treiben lässt und keine wirklichen Ziele verfolgt. Privat hat sie eine Affäre mit ihrem Doktorvater und lässt sich von ihm - zumindest anfangs - auch schlecht behandeln. Die Besuche bei der Großmutter absolviert sie wie eine Pflichtübung. So wirklich freut sie das Zusammensein mit der unzugänglichen Evelyn nicht. Aber was freut Hannah denn seit dem Selbstmord ihrer Mutter wirklich noch?

    Wie schon oben gesagt, war mir keine der Frauen sympathisch, wenngleich ich ihre Charaktere auch spannend und gut ausgearbeitet fand und ihre Verhaltensweisen - in ihrer Persönlichkeit - nachvollziehbar fand. Selma war eine teilweise sehr unnahbare Frau ohne jegliche Mütterlichkeit, ein nüchterner Mensch, in emotionalen Dingen unbeholfen. Evelyn ist das Ergebnis dieser emotionalen Zurückweisung. Obgleich sie die Kälte und Distanz ihrer Mutter immer indirekt kritisierte, verfährt sie mit ihrer eigenen Tochter nicht anders. Auch die Ehe mit Karl kam mir sehr distanziert vor. Evelyn ist sehr hart, geformt sicher auch durch die entbehrungsreichen Jahre des Krieges. Ich empfand sie nicht als Sympathieträgerin und konnte sie nicht immer verstehen. Ob Hannah es künftig mal schaffen wird, eine emotionalere Beziehung zu jemanden zu führen, wird sich herausstellen müssen...doch das Buch endet mit Hannah als Single, der immerhin erstmals Freundschaften zu knüpfen scheint.

    Alena Schröder ist eine gute Autorin, die eine interessante Geschichte erzählen kann, und dies in einem flüssigen, mitreißenden Stil. Grundsätzlich würde ich daher wieder zu einem Buch von ihr greifen.





  8. Cover des Buches Monuments Men (ISBN: 9783701733040)
    Robert M. Edsel

    Monuments Men

     (33)
    Aktuelle Rezension von: LiMa1405
    Bereits die Leseprobe zu diesem Buch hat mich total gefesselt und so war für mich schnell klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss!

    "Monuments Men" ist die beeindruckende Geschichte, von Männern und Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges unglaubliche Risiken auf sich nahmen, um europäische Kulturgüter vor der Zerstörung zu retten. In einem bemerkenswerten Experiment führt die amerikanische Armee einerseits einen erbitterten Krieg und ist andererseits bemüht die Schäden an Kulturgütern möglichst gering zu halten. Sicherlich ein erwähnenswertes Unterfangen, dass eine bisher wenig beachtete Facette des Zweiten Weltkrieges beleuchtet. Robert M. Edsel erzählt diesen Wettlauf gegen die Zeit als eine wirklich sehr gelungene Mischung aus Sachbuch und Roman. Einen sehr realitätsnahen Bezug des Buches zu dieser atemberaubenden Schatzsuche quer durch Europa stellt er mittels persönlichen Briefen und Tagebucheinträgen der Protagonisten her.
    Obwohl es sich mit Sicherheit nicht um "leichte Kost für Zwischendurch" handelt, hat Edsel es mühelos geschafft mich durch seinen Schreibstil sofort zu fesseln. Eine tolle Kombination aus geschichtlichen Fakten und erzählerischer Leichtigkeit machen es leicht, dem Geschehen zu folgen und sich in die Akteure hineinzuversetzen. Vor dem geistigen Auge entsteht bereits nach wenigen Seiten das Bild von beeindruckenden Menschen, vor deren unerschrockenem Einsatz zur Rettung zahlreicher Kulturgüter man nur den Hut ziehen kann.

    Fazit:
    Von meiner Seite aus gibt es für dieses Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung! Selten habe ich ein Buch so ungern aus der Hand gelegt. Es regt sehr zum Nachdenken an und hat mich auch lange nach Beendigung der Lektüre noch häufig zum Nachdenken gebracht. Schön, dass sich Robert M. Edsel an diesen Stoff herangewagt hat! Ich bin gespannt, was George Clooney in seiner Verfilmung aus dieser literarischen Vorlage macht...

    Chapeau - und herzlichen Dank an die Monuments Men und an Robert M. Edsel, der deren Geschichte für alle zugänglich gemacht hat!!!
  9. Cover des Buches Marias Geheimnis: Roman (ISBN: 9783962152673)
    Ilona Schmidt

    Marias Geheimnis: Roman

     (21)
    Aktuelle Rezension von: SelmaSaana

    Marias Geheimnis ist ein historischer Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt: Während des 2. Weltkrieges und in der Gegenwart. Beider Stränge greifen ineinander. Wie der Titel bereits ankündigt steht ein Geheimnis im Mittelpunkt der Erzählung. Die Protagonistin Daniela macht sich auf die Suche nach der Wahrheit um die wertvollen Gemälden auf dem Dachboden. 

    Der Schreibstil ist sehr angenehm und so lässt sich auch das eher düstere Thema gut lesen. Der Part in der Vergangenheit hat mir dabei deutlich besser gefallen, da er aus der Ich-Perspektive erzähl und einen so mehr in die Geschichte zieht. Hin und wieder gibt es Unschlüssigkeiten im Erzählstrang beziehungsweise bleiben Fragen offen. 

  10. Cover des Buches Die im Dunkeln sieht man nicht (ISBN: 9783596705245)
    Andreas Götz

    Die im Dunkeln sieht man nicht

     (52)
    Aktuelle Rezension von: evaczyk

    Ewiggestrige und Vorwärtsblickende, Menschen, die die Vergangenheit verdrängen und solche, die von ihrer Last weiter geprägt sind - mit "die im Dunkeln sieht man nicht" hat Andreas Götz einen historischen Kriminalroman geschrieben, der im München des Jahres 1950 spielt und damit in einer Zeit voller Schnittpunkte: Die Bundesrepublik ist noch ganz jung, die Nachkriegszeit neigt sich dem Ende entgegen und werden nicht nur vom absehbaren Wirtschaftswunder, sondern auch vom kalten Krieg abgelöst. Noch gibt es den Schwarzmarkt, doch außer den Trümmern gibt es Neubauten, Moderne, Aufbruch, 

    Die einen wollen alles vergessen, die anderen können es nicht - so wie Karl Wieners, der im Krieg Frau und Kinder verloren hat und aus Berlin in seine Heimatstadt München zurückkehrt. Ein alter Schulfreund will ihn für eine neue Zeitschrift rekrutieren und hat auch gleich einen Reportageauftrag: Karl soll einen Kunstdiebstahl aus den letzten Tagen recherchieren, damals verschwand aus dem Münchner Führerbunker jede Menge zuvor von den Nationalsozialisten gestohlene Raubkunst.

    In München leben nicht nur Karls Mutter und jüngerer Bruder, zu denen er ein eher entfremdetes Verhältnis hat, sondern auch Nichte Magda, die Tochter seines ältesten Bruders, die ihn als Kind regelrecht angeschwärmt hat. Mittlerweile ist sie eine attraktive und selbstbewusste junge Frau, die mehr als nur das Interesse der kleinen Nichte an ihm zeigt und ihm auf eine Art gefällt, die Karl selbst erschreckt. Magda ist die vielleicht interessanteste Figur des Romans, eine Frau, die sich geradezu aggressiv nimmt, was sie will, die gelernt hat, mit Schwarzmarktgeschäften zu überleben, die so gar nicht dem Frauenbild der 50-er Jahre entspricht,  knallhart sein kann und ihren Sex-Appeal überall einsetzt, wo sie darin einen Vorteil sieht.

    Um gestohlene Kunst geht es auch Karls Schulfreund Ludwig, der bei der Münchner Kriminalpolizei ist und einen Mordfall untersucht. Ein Beamter aus dem Raubdezernat soll die Ermittlungen unterstützen. Da dieser Ermittler im Wirtshaus von Karls Familie lebt, könnte auch er eine Informationsquelle für die Recherchen sein, zeigt aber vor allem Interesse an Magda.

    Persönliches und Dienstliches vermischen sich bei Recherchen und Ermittlungen und angesichts des Personenkarussels dieses Romans muss der Leser erst einmal sortieren - wer ist wichtig, wer ist eine Randfigur, wer dient nur dazu, den Plot voranzubringen? Das erotische Knistern ausgerechnet zwischen Onkel und Nichte ist nicht nur für Karl eher verstörend. Die Atmosphäre der Zeit ist allemal interessant und der Wendepunkt zwischen reinem Überleben und Aufbruch in eine bessere Zeit gut gezeichnet, etwa in der Figur des Großschiebers Blohm, der von der Schwarzmarkgröße zum Wirtschaftskapitän umsatteln will. 

    Spätestens seit dem Fall Gurlitt dürfte das Thema Raubkunst auch bei historisch weniger beschlagenen Lesern angekommen sein. Die Gier nach dem schnellen Geld, vergangenes Unrecht, aber auch Verdrängung und Rache spielen in "Die im Dunkeln sieht man nicht" eine Rolle. Spannendes Setting - und da im Nachwort eine Fortsetzung in Aussicht gestellt wird, kann man gespannt sein, wie die weitere Entwicklung aussieht.

  11. Cover des Buches Letzter Stollen (ISBN: 9783709979105)
    Herbert Dutzler

    Letzter Stollen

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
    Letzter Stollen
    Ein Altaussee-Krimi


    von Herbert Dutzler


    400 Seiten
    © Haymon Taschenbuch, Innsbruck-Wien 2019
    www.haymonverlag.at  
    ISBN 978-3-7099-7910-5

    Sich bereits vor sechs Uhr in der Früh mühsam aus dem Bett zu wuchten ist für Gasperlmaier eher ungewohnt. Der Postenkommandant schwitzt, auch wenn das geöffnete Fenster die, selbst in Juninächten, immer noch kalte Altausseer Luft in die Stube lässt. Auch der unangekündigte Regen vermasselt ihm seine sowieso schon angeschlagene Stimmung.

    Unten in der Küche scheint es schon zu rumoren, und das nach dieser unruhigen Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, denn der aktuelle Fall lässt ihm auch nachts, besonders wenn seine Phantasie Purzelbäume schlägt, keine Ruhe. Auch seine allwissende Mutter hatte ihren Teil dazu beigetragen, indem sie ihm am Vorabend, im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den "Mord unter Tage", einen Namen nannte. 

    Nur einen Namen, mehr nicht. Mehr wolle sie nicht sagen. Ausgerechnet der "Hierlinger", der ein "regelmäßiger Kunde" ist. Doch ist dieser schon länger nicht mehr negativ in Erscheinung getreten. Die Zeiten, als er durch stark alkoholisiertes Fahren mit Auto und Moped aufgefallen ist, und "vor lauter Rausch nicht mehr gewusst hat, wo links und wo rechts war", sind vorbei ...

    "Letzter Stollen", der siebte Band der Reihe um den Altausseer Polizisten Franz Gasperlmaier und seiner Vorgesetzten Frau Dr. Kohlross kommt erstaunlich aufgeräumt daher. Im Vergleich zum ersten Band " Letzter Kirtag " wirkt der "kauzige Ermittler" ein wenig entschärft und scheint seinem Klischee als "liebenswerter Tolpatsch" nicht mehr ganz entsprechen zu wollen. Die Zeiten, in welchen ihn der Rezensent noch als wahren "Katastrophenmagneten" bezeichnete, scheinen beendet zu sein. Die Handlung um den Mord an einem Kunstsammler, der sich auf die Suche nach einem Bild des holländischen Malers Jan Vermeer gemacht hat, plätschert dann doch eine Spur zu unspektakulär dahin. 

    Leserinnen und Leser dürfen sich zunächst auf eine mehr oder weniger langwierige Beschreibung von Gasperlmaiers momentanem Privatleben einstellen. Schließlich ist er gerade fünfzig geworden und selbstverständlich sind auch die Kinder zu Besuch. Herbert Dutzler legt, wie immer, Wert auf die familiäre Situation und das ganze Drumherum überhaupt.

    Sein Metier sind aber einmal mehr die feinen Untertöne. Gasperlmaier scheint nun in ein Alter zu kommen, in welchem ihn die Reize anderer Damen mehr und mehr und fast unvermeidlich zwanghaft beschäftigen. Eine ehrliche Haut, wie er nun mal ist, käme er niemals (absichtlich) auf die Idee irgendwelcher anzüglichen Umsetzungen seine Phantasien. Verunsichern tun sie ihn aber mit zunehmender Tendenz.

    Herrlich, wie der Autor diese Problematik, so scheinbar nebenbei, in den beschaulichen Alltag des einfachen, braven Polizisten einfließen lässt. Beim Anblick der Tochter des ermordeten Kunstsammlers Bernhard Abelein beispielsweise breitet sich in seiner Mitte "so ein warmes, schmelzendes Gefühl aus". Und wenn sie "anmutig" in ein Lachsbrötchen beißt, jagt es ihm "kalte Schauer über den Rücken".

    Trotz dem stellenweise behäbig wirkenden Beginn der Geschichte hat Herbert Dutzler seine ganz spezielle Art des Spannungsaufbaus nicht vergessen. Er versteckt sie am Anfang einfach. Dann steigert er sie, selbstverständlich mit Bedacht und in erlesen-feinfühliger Dosierung. Und während sich die Ereignisse in der Region dramatisieren, wobei eine wilde Schießerei nur ein Aspekt ist, gerät auch der Gasperlmaier immer weiter in den Strudel seiner ebenso hausbackenen wie kauzigen Weltanschauungen. Sein "Schöpfer" hat für seinen weiteren Lebensweg eine ganze Reihe weiterer Hürden aufgestellt.

    Der Gasperlmaier versteht ganz allgemein die Welt nicht mehr. Im Speziellen ist es dieses Mal die Kunst und das ganze Theater, das um ein Gemälde veranstaltet wird. Was soll das eigentlich alles? Schließlich hängen "in den ganzen Museen eh genug Bilder herum".
  12. Cover des Buches Verlorene Bilder, verlorene Leben (ISBN: 9783938045305)
    Melissa Müller

    Verlorene Bilder, verlorene Leben

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Armillee
    Ich habe schon viel über diese unsägliche Kriegszeit gelesen, über Unrecht, Herrschaft, Kriegskinder.- und Enkel etc.
    In diesem Buch hat sich mir eine ganz neue Welt eröffnet. Von dieser Seite hatte ich - bis jetzt - noch keinen Gedanken verschwendet. Wie kann es sein, dass nachweislich Eigentum nicht zurück gegeben wird, obwohl jede Menge Beweise vorliegen..? Schämen sich diese Leute nicht...?
    Ein Buch, das wirklich bis ins kleinste Detail recherchiert wurde. Wer sich für dieses Thema interessiert, für den ist dieses Werk ein "Muss"
  13. Cover des Buches Hitze (ISBN: 9783927734951)
    Garry Disher

    Hitze

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Gulan

    Wyatt bräuchte mal wieder etwas Geld. Doch die Not ist nicht so groß, als dass er sich mit einem Haufen unprofessioneller Hitzköpfe zu einem Überfall auf einen Geldtransporter hinreißen ließe. Der Coup findet ohne ihn statt und hat in der Folge unangenehme Nachwirkungen – auch auf ihn. Stattdessen wendet sich Wyatt einem interessanteren Job an der sonnigen Gold Coast im Nordosten Australiens zu.

    Ein Vermittler bringt ihn mit der Klientin Hannah Sten zusammen, die ihn engagiert, ein Gemälde aus dem Haus eines Investmentbankers zu stehlen. Angeblich Raubkunst aus der Zeit der Nationalsozialisten, damals im Besitz ihrer Familie. Die Eigentumslage ist aber nicht so eindeutig, so dass der aktuelle Eigentümer die Sache einfach aussitzt. Einiges ist bereits ausgekundschaftet, unter anderem, dass das Haus zum Zeitpunkt des Diebstahls definitiv leer wäre. Wyatt nimmt den Job an und sein Vermittler Minto empfiehlt ihm die Zusammenarbeit mit seiner Nichte Leah Quarrell. Diese ist Immobilienmaklerin und kann das Haus mit dem Gemälde einfacher auskundschaften. Wyatt lässt sich eher widerwillig darauf ein, nicht wissend, dass Leah eigene Pläne schmiedet.

    Wyatt neigte nicht zur Selbstreflexion. In ihm regierte nur ein schlichter Antrieb: ein Objekt von Wert auszumachen und es stehlen. (Seite 106)

    Dieser Wyatt erinnert natürlich sofort an einen weiteren großen Gangster der Kriminalliteratur: Parker aus der Feder Richard Starks alias Donald E. Westlake. Und das ist auch so gewollt, denn Garry Disher verleugnet gar nicht das große Vorbild. Und tatsächlich ist Wyatt so etwas wie ein australischer Verwandter von Parker. Ein vornamenloser Gangster, der sein eigenes Ding durchzieht und sich, wenn es darauf ankommt, nur auf sich selbst verlässt. Genau wie sein Vorbild strahlt er eine große Abgeklärtheit und Professionalität aus. Gewalt wird nur im Notfall angewendet und ist eigentlich zu vermeiden. Die größte Gefahr für Wyatt geht dann auch in diesem Fall weniger von der Polizei als von der eigenen Zunft aus, für die Loyalität ein Fremdwort geworden ist und die mehr auf Aggression als auf Finesse baut. Und dennoch ist Wyatt nicht einfach ein Abziehbild von Parker. Bei aller Coolness wirkt er eine Spur empathischer und besonders in diesem Roman auch melancholischer.

    Collingwood war sein Geburtsort, wo er gekämpft hatte, gelernt hatte, abzuwarten und nachzudenken, bevor er tätig wurde. Wo man ihm nichts gegeben und er es sich deshalb genommen hatte. Aber das war nur eine frühe Phase seines Daseins gewesen, kein Kapitel in einer Geschichte. Er hatte keine Geschichte, es sei denn, man könnte eine hervorzaubern auf Grundlage der Tatsache, dass er jetzt existierte und zuvor nicht existiert hatte. Und eines Tages nicht mehr existieren würde. (Seite 161)

    Hitze ist inzwischen der achte Wyatt-Roman (der neunte ist im Original bereits erschienen) und die Reihe hat nun fast dreißig Jahre auf dem Buckel. Dabei hat sich Disher aber einen lakonischen und schnörkellosen Stil erhalten. Die Handlung ist präzise, verzichtet fast völlig auf Nebenstränge und bietet einen intensiven Blick auf Schauplatz und Figuren. Wer auf geradlinige Gangsterromane steht, der kommt an diesem Wyatt definitiv nicht vorbei.

  14. Cover des Buches Der Fall Gurlitt (ISBN: 9783894798635)
    Stefan Koldehoff

    Der Fall Gurlitt

     (1)
    Aktuelle Rezension von: angi_stumpf

    Dieses Buch ist quasi die Aufzeichnung einer Diskussionsrunde im Januar 2014 über den “Fall Gurlitt”. Die Mitwirkenden:

    Stefan Koldehoff hat Kunstgeschichte, Germanistik und Politikwissenschaft studiert. Er arbeitete freiberuflich als Journalist für die FAZ, taz und den WDR. Ab 1998 war er drei Jahre lang Redakteur, dabei zuletzt stellvertretender Chefredakteur, des Kunstmagazins „Art“ in Hamburg. 2001 wechselte er auf eine Redakteursstelle beim Deutschlandfunk. In den folgenden Jahren veröffentlichte er als Autor zahlreiche Sachbücher zum Themenfeld Kunstmarkt, Kunstfälschung und Kunstgeschichte.

    Ralf Oehmke studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Rechtswissenschaften an der Universität Köln und promovierte 1990 bei Prof. Ulrich Hübner mit einer Arbeit über Entschädigungsfonds. Er war mehrere Jahre in verschiedenen Funktionen im Wirtschafts- und Immobilienrecht tätig. Als Rechtsanwalt war er unter anderem mit der Durchsetzung von Restitutionsansprüchen aus Enteignungsmaßnahmen auf dem Gebiet der früheren Deutschen Demokratischen Republik befasst. Er berät verschiedene Institutionen und Privatpersonen in kunst- und wettbewerbsrechtlichen Fragen.

    Raimund Stecker studierte nach einer Buchbinderlehre in Bochum, Hamburg und Florenz Kunstgeschichte, Philosophie, Neue Geschichte und Publizistik. Er schrieb als freier Mitarbeiter für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und verschiedene internationale Kunstzeitschriften. Nach seiner Promotion über Barnett Newmans „The Stations of the Cross“ an der Ruhr-Universität Bochum leitete er 1993 bis 2000 als Direktor den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf. Von 2000 bis 2005 war er Gründungsdirektor des Arp-Museums Bahnhof Rolandseck. Anschließend entwickelte er sowohl künstlerisch wie architektonisch und bauhistorisch Museumsprojekte in Deutschland und im Ausland. Von 2009 bis 2013 war er künstlerischer Direktor des Lehmbruck Museums in Duisburg. Zurzeit arbeitet er unter anderem eine Privatsammlung zur Russischen Avantgarde auf, betreibt Wissenschaftsmanagement für verschiedene Privatsammlungen und ist verlegerisch sowie publizistisch tätig. Seit 1986 lehrt Stecker als Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der Kunstakademie in Münster.

    Tragisch daran finde ich die Tatsache, dass dieses Buch nur wenige Tage vor dem Tod der Hauptperson im “Fall Gurlitt” erschienen ist: am 06. Mai 2014 starb Cornelius Gurlitt.

    “Bei Herrn Gurlitt dürfte noch eines hinzukommen – nämlich die Frage einer Rechtsnachfolge in fünf, zehn oder zwanzig Jahren; je nachdem, wie es das Schicksal mit ihm meint…” Zitat Seite 129

    Inzwischen ist sicher, dass es das Schicksal nicht so gut mit Cornelius Gurlitt meinte. Und wenn man die Diskussion in diesem Buch so verfolgt, dann könnte man auch mutmaßen, dass die Behandlung, die ihm seit Februar 2012 durch unsere rechtsstaatlichen Organe zuteil wurde, einen nicht unerheblichen Anteil daran hat.
    Man möchte fast von einem Justizskandal sprechen, wenn man bedenkt, wie mit diesem Mann umgegangen wurde. Es wurde nicht einmal davor zurückgeschreckt, Herrn Gurlitt “unter Betreuung zu stellen”, was früher allgemein als “Entmündigung” bezeichnet wurde.
    Ohne wirkliche rechtliche Grundlagen wurden Persönlichkeitsrechte verletzt und schließlich ein Medienaufriss enormen Ausmaßes gestartet, bei dem der echte Wahrheitsgehalt der Meldungen auch sehr in Frage zu stellen ist. Da war plötzlich von unglaublichen Werten die Rede und alles wurde mit dem Negativ-Stempel des Nationalsozialismus versehen, völlig ohne differenzierte Betrachtung der Kunstwerke. Dabei war der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt selbst ein Mann mit jüdischen Wurzeln und er hatte somit unheimliches Glück, die schlimmen Verfolgungen im 2. Weltkrieg so schadlos überstanden zu haben.
    Sein Sohn Cornelius war damals noch ein Kind und niemand vermag zu sagen, was er überhaupt über die Herkunft der vielen Kunstwerke in seinem Besitz wusste. Überhaupt wissen wir viel zu wenig über diesen Mann, der plötzlich in die Öffentlichkeit gezerrt wurde und durch den die Diskussion über “Raubkunst” entfacht wurde. Es scheint, als hätte sich niemand die Mühe gemacht, mit ihm zu reden. Es wurde beschlagnahmt, veröffentlicht und verurteilt: verurteilt aber nie im wirklichen rechtlichen Sinn, denn bis zu seinem Tod war Gurlitt unschuldig und das Verfahren gegen ihn nicht abgeschlossen.

    Die Diskussion ist durchaus anspruchsvoll und ich musste stellenweise schon konzentriert lesen, um das “Anwaltsdeutsch” zu verstehen.
    Es ist interessant und ich habe viel über “Raubkunst”, “Beutekunst” und “entartete Kunst” erfahren, diese Begriffe konnte ich vorher nicht wirklich voneinander trennen, da ich mich noch nie näher mit der Thematik beschäftigt hatte. Die rechtlichen Grundlagen werden angesprochen und die aktuelle Situation, mit der alle Beteiligten (Museen, Kunstsammler, frühere Eigentümer, etc.) zu kämpfen haben, wird beleuchtet. Es werden auch Lösungsansätze diskutiert, aber es ist fraglich, ob es jemals dazu kommen wird, dass zum Beispiel ein Fonds eingerichtet wird, um solche Fälle auch in Zukunft gerecht abwickeln zu können.
    Was bei der ganzen Diskussion um große Werte oft vergessen wird, das ist die eigentliche Geschichte der Opfer: die Tragödien, die hinter so manchem Kunstwerk stecken. Viele Erben von früher Enteigneten wollen ja einfach nur erreichen, dass neben einem Bild in einem Museum ein Schild angebracht wird, das auf die Herkunft verweist.
    Die Befürchtung, dass viele Werke allerdings zurück in Privatbesitz gelangen könnten – und damit der Öffentlichkeit entzogen würden – wird aber wohl dafür sorgen, dass auch in Zukunft nicht groß darauf gedrängt werden wird, die Besitzverhältnisse zu klären. Vielen dürfte es ganz recht sein, dass der “Fall Gurlitt” aus den Medien mehr oder weniger wieder verschwunden ist…

    Fazit: Anspruchsvoll zu lesen und stellenweise durch die aktuellen Ereignisse leider schon etwas überholt, aber durchaus interessant und informativ.

     

    3,5 von 5 Sternen

  15. Cover des Buches Schattenspieler (ISBN: 9783570402450)
    Michael Römling

    Schattenspieler

     (105)
    Aktuelle Rezension von: MsChili

    Ein Buch, in dessen Cover ich mich gleich verliebt habe, das ich dennoch recht lange im Regal stehen hatte. Was ein wenig schade ist, da es mir doch recht gut gefallen hat. 


    Das Ende des Krieges steht bevor und die ungleichen Jungen Leo und Friedrich treffen aufeinander. Gerade weil sie so verschieden sind, freunden sie sich nach kurzen Startschwierigkeiten an und machen sich auf die Suche nach einem großen Geheimnis. 

    Das Buch ist allgemein recht düster, was natürlich auch an dem ernsten Thema liegt. Das Ende des Krieges, die grauenvolle Nazizeit mit der Judenverfolgung und die grausamen Morde. Man begleitet die beiden Jungen Leo und Friedrich im Wechsel auf ihrer Suche quer durch das zerbombte Berlin. Ich hatte hier noch auf mehr Informationen zur Kriegszeit und deren Ende gehofft, aber das Buch dreht sich hauptsächlich um die Suche der Kinder nach den geheimnisvollen Paketen. Man erfährt recht wenig über ihre Erlebnisse in dieser schweren Zeit und für mich blieb es so ein wenig oberflächlich, da ich keinen rechten Zugang zu den Charakteren gefunden habe. Aber die Geschichte selbst ist spannend geschrieben und ich habe sie gerne gelesen.

     

    Zwei Jungen, die ein großes Abenteuer erleben in der doch gefährlichen (Nach-)Kriegszeit. Schön zu lesen, obwohl mir die Charaktere etwas fremd geblieben sind.

  16. Cover des Buches Schatten der Provence (ISBN: 9783596704019)
    Pierre Lagrange

    Schatten der Provence

     (66)
    Aktuelle Rezension von: kindergartensylvi

    Schatten der Provence von Pierre Lagrange

    Ein neuer Fall für den ehemaligen Inspektor Albin Leclere

    zur Geschichte:

    Commissaire Albin Leclerc kommt nicht zu seinem wohlverdienten Ruhestand. Denn der Überfall auf einen Kunsttransport mit wertvollen Gemälden findet ausgerechnet kurz vor Carpentras statt. Der Coup geht schief, die Polizei entdeckt im Versteck der Räuber einen unbekannten Cézanne und einen Van Gogh. Alles weist darauf hin, dass sie aus einem geheimen Depot mit Nazi-Raubkunst stammen. Zum Ärger der beiden Polizisten Theroux und Castel mischt sich Albin mit seinem Mops Tyson in ihre Ermittlungen ein. Dabei ist er ihnen immer einen Schritt voraus. Als es Tote gibt, gerät Albin ins Visier der Täter. Plötzlich geht es für ihn um Leben und Tod…

    mein Fazit:

    Den Leser erwartet ein packender, spannender und fesselnder Kriminalroman. Dieser ist leicht und flüssig geschrieben. Den Rahmen der Geschichte bildet ein Überfall auf einen Kunsttransport mit wertvollen Gemälden.

    Der ehemalige Commissaire Albin Leclere erfährt im Ort von dem missglückten Überfall. Plötzlich fällt ihm dazu etwas ein. Mit gefälschten Gemälden hatte er vor Jahren einmal zu tun. Und plötzlich ist er wieder mitten in dem Fall, denn seine ehemaligen Kollegen Castel und Theroux brauchen Unterstützung und ihm ist langweilig. Spannend und feinfühlig beschrieben, fand ich die kleinen alltäglichen Begebenheiten zwischen Albin Leclere und seiner Familie. Liebevoll kümmert er sich um seine Enkeltochter und holt sie täglich vom Kindergarten ab. 

    Aufmerksam hab ich alle Schritte bei der Ermittlung verfolgt. Das Ende war für mich überraschend und extrem spannend.

    Ich freu mich schon auf weitere Fälle von Albin Leclere und seinen Hund Tyson.

  17. Cover des Buches Alfred Flechtheim – George Grosz (ISBN: 9783938803066)
    Ralph Jentsch

    Alfred Flechtheim – George Grosz

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Moros
    Spannend wie ein Krimi liest sich Jentschs Dokumentation seiner Suche nach den Bildern von George Grosz. Absprachen vor Auktionen, Galerien, die in Nazibesitz "wechseln", Bilder, die irgendwann in renommierten Museen auftauchen... Manchmal wiederholt sich Jentsch, was am (nicht ganz geglückten) Aufbau des Buches liegt. Trotzdem spannend und sehr lesenswert. Und außerdem: ein wunderschön gemachtes Buch. Cover, Satz, Bindung... Alles mit viel Liebe gemacht.
  18. Cover des Buches Der Königsberg-Plan (ISBN: 9783958241619)
    Alexander Weiss

    Der Königsberg-Plan

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Havelbande (ISBN: 9783954751044)
    Jean Wiersch

    Havelbande

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Engel1974

    „Havelbande“ ist inzwischen der fünfte Regionalkrimi aus der Feder des Autoren Jean Wiersch.

     

    • „Havelwasser“ Band 1
    • „Havelsymphonie“ Band 2
    • “Haveljagd” Band 3
    • “Havelgeister” Band 4

     

    jeder Teil ist in sich abgeschlossen und kann so auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

     

    Inhalt:

    Dieses Mal ermittelt Kommissar Jo Barrus in einem Doppelmord. Ein alter Bauer und seine Frau wurden erstochen. Es hat sich zwar ein Mann der Polizei gestellt und will ein Geständnis ablegen, überlegt es sich dann aber doch anders.

     

    Eine heiße Spur führt den Kommissar in die Vergangenheit zu einem Massaker in Norditalien im Jahr 1944. Dabei stellt sich ihm ein weiteres Hindernis in Form seine Nicht Berrit in den Weg. Gerade aus dem Gefängnis entlassen und bei ihm eingezogen verschwindet sie plötzlich spurlos.

     

    Meinung:

    Der Autor hat sehr spannend fiktive Elemente mit historisch realen gemischt. Diese geschichtlichen Hintergründung sind zu dem sehr interessant.

     

    Die Spannung wird von Anfang an aufgebaut und steigert sich kontinuierlich. Geschickt wurden immer wieder neue Fährten gelegt, so das es nicht möglich war den wahren Täter zu erraten. Dieser wurde auch erst zum Ende verraten.

     

    Mit den einzelnen Charakteren hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Der als Gelegenheitstrinker und kurz vor der Rente stehende Kommissar und seine „Nach dem Sinn des Lebens“ suchende Frau kamen mir nicht immer realistisch rüber.

     

    Schreibstil:

    Einfache, klare und gut verständliche Wortwahl machen ein flüssiges Lesen möglich

     

    Charaktere:

    Wirken nicht immer realistisch

     

    Inhalt:

    Schnell fesselnd, gekonnt wurden falsche Fährten gelegt und ließen bis zum Ende nicht den wahren Täter erraten

     

    Fazit:

    Spannender schnell fesselnder Regionalkrimi mit historischem Hintergrund
  20. Cover des Buches Das Meisterstück (ISBN: 9783293403789)
    Hannelore Cayre

    Das Meisterstück

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches The Rembrandt Affair (ISBN: 9780241954270)
    Daniel Silva

    The Rembrandt Affair

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Elwe
    Das neue Abenteuer um den Mossad-Killer und Gemälde-Restaurator Gabriel Allon ist ein solider, gut erzählter Politthriller - aber es läßt die Leidenschaft vermissen, die frühere Bände der Serie auszeichnet. . Inhalt: Zwei Familien, ein entsetzliches Geheimnis und ein Gemälde, für das sich zu sterben lohnt... Gabriel Allon hat alle Brücken zu seinem Arbeitgeber, dem Mossad, abgeschlagen und sich mit seiner wunderschönen, venezianischen Frau Chiara an die windumtosten Klippen von Cornwall zurückgezogen. Doch erneut wird seine Abgeschiedenheit durchbrochen von einem Besucher aus seiner bewegten Vergangenheit: dem exzentrischen Londoner Kunsthänder Julian Isherwood. Wie üblich, hat Isherwood ein Problem. Eins, das nur Gabriel lösen kann. In der historischen Englischen Stadt Glastonbory wurde ein Kunstrestaurator brutal ermordet und ein lang verschollenes Rembrandt Porträt wurde gestohlen. Obwohl er es besser wissen sollte, nimmt Gabriel schließlich die Aufgabe an, das Bild zu finden und die Verantwortlichen für den Mord zur Verantwortung zu ziehen. Doch als er mühsam den Spuren folgt, die von Amsterdam nach Buenos Aires führen und zuletzt zu einer Villa an den eleganten Stränden des Genfer Sees, entdeckt Gabriel, dass tödliche Geheimnisse an dem Bild hängen. Und böse Männer hinter ihm her sind. Wieder wird Gabriel in eine Welt gezogen, die er längst hinter sich gelassen glaubte, und begegnet dabei einer Reihe bemerkenswerter Personen: einer berühmten Londoner Journalistin, die den schlimmsten Fehler ihrer Karriere ungeschehen machen will, einem eleganten Meisterkunstdieb, der sein Gewissen um ein schlimmes Geheimnis erleichtern möchte, und einem mächtigen Schweizer Milliardär, der für seine guten Tagen bekannt ist, aber hinter einer der größten Bedrohungen der Welt stecken könnte. . . Meine Einschätzung: Ich bin ein großer Fan von Daniel Silvas Serie um den Mossad-Killer und Gemälderestaurator Gabriel Allon und habe wirklich jeden Band der inzwischen recht umfangreichen Serie gelesen. Allerdings stelle ich schon seit zwei oder drei Büchern fest, dass sie mich nicht mehr so zu fesseln vermögen wie zu Beginn. Ich glaube, es liegt daran, dass Silva seinen Helden selbst etwas in die Ecke geschrieben hat - Gabriel kommt bei seiner nunmehr zehnten oder zwölften Mission langsam in die Jahre, rückt in den Hintergrund, ist selbst kaum noch operativ beteiligt, sondern zieht eigentlich nur noch die Fäden. Sein eigenes Schicksal ist nur noch am Rande mit den Ereignissen verknüpft und er gerät fast zu einer Nebenfigur, sobald die Geschichte Schwung aufnimmt. Auch scheint Silvas Schreibstil über die Jahre schwerfälliger zu werden, er verliert sich immer wieder in Details und Hintergründen und läßt die Handlung seitenlang liegen. "The Rembrandt Affair" ist ein dicker Wälzer und kommt ohne Zweifel mit einer gut konstruierten Story daher, aber ich glaube, man hätte die auch auf der Hälfte des Umfangs erzählen können. Zudem kommen hier zunehmend die Tugenden abhanden, die die früheren Bücher um den charismatischen Gabriel Allon ausgezeichnet haben. Dieses hier ist ein reinrassiger Politthriller, aber er leidet auch unter den Schwächen des Genres: der Fokus bleibt nie lange genug auf den Hauptfiguren, um wirklich mit ihnen zu fiebern, sondern wandert immer wieder ab auf unzählige Nebenschauplätze und Nebencharaktere und politische und geschichtliche Details. Im Showdown beispielsweise, der einzigen Passage, die mich wirklich an die Seiten gefesselt hat, beschränkt sich Gabriels Rolle darauf, an einem Mikrofon zuzuhören und ab und an seine Vorgesetzten in London anzurufen... solche Momente sind enttäuschend. . Alles in allem kein schlechtes Buch, das bestimmt in Kürze auch auf Deutsch erscheinen wird. Aber nicht zu vergleichen mit der Faszination, die frühere Teile der Serie verströmen. Ich fürchte fast, der hier wird der letzte sein, sollte Daniel Silva sich nicht entscheiden, mal einen neuen Helden aus der Taufe zu heben.
  22. Cover des Buches Die Flucht der blauen Pferde (ISBN: 9783954517244)
    Sabine Schulze Gronover

    Die Flucht der blauen Pferde

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Wenig befeuert die Fantasie von Krimiautoren mehr, als Kunstraub und Raubkunst. Auch in diesem Buch ist ein Bild, nämlich Franz Marcs „Der Turm der blauen Pferde“ zentrales Thema. Das Werk, das lange in Hermann Görings Besitz war und damals als „entartete Kunst“ galt, ist seit Kriegsende verschollen. Deshalb ranken sich immer wieder Krimis rund um dieses Bild. 

    Konstantin Neumann, ein Ex-Häftling auf Bewährung, stolpert kurz nach dem er in seine neue Wohnung einzogen ist, über eine weibliche Leiche. Aufgrund seiner Vorgeschichte (er wurde wegen Totschlags verurteilt) ist er natürlich sofort im Fokus der ermittelnden Beamtin, KHK Finke.  

    Seine Neugierde und auch sein Bestreben seine Unschuld zu beweisen, lassen ihn zum Ermittler wider Willen werden. Er entdeckt eigenartig anmutenden Abhängigkeiten und Zusammenhänge zwischen den Hausbewohnern. Wieso ist sein Vorgänger als Mieter verschwunden? Was haben die Fotos von Raubkunst zu bedeuten? Was spielt Antonius Adler, einer der Hauseigentümer für eine Rolle?  

    Unversehens ist er mitten in einem komplexen Kriminalfall, der ihn zu einer zweiten Tote und völlig falschen Annahmen führt.   

    Meine Meinung: 

    Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen. Zu Beginn wird der Leser gemeinsam mit Konstantin Neumann in eine eigenartige Hausgemeinschaft gestoßen. Die Stimmung ist seltsam. Die Bewohner scheinen alle über genügen Geld zu verfügen, aber so richtig zur Arbeit geht keiner. Die Damen machen ihm, ob alleinstehend oder nicht, mehr oder weniger verstohlen Avancen. Der alte, an den Rollstuhl angewiesene Antonius Adler, in dessen Wohnung zahlreiche Bilder hängen, weckt Neumanns Neugier, obwohl er schroff und unnahbar wirkt.   

    „Sie geraten als neuer Bewohner dieses Hauses ja in ganz schön turbulente Situationen. Sie haben zwei Leichen gefunden, wurden von einer Kugel gestreift und spüren vermeintliche Einbrecher auf.“ Soweit das Resümee das alten Herren (S. 209).  

    Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Leser auf falsche Fährten zu locken. Besonders die Erwähnung, dass Adler sich eine Tätowierung hat entfernen lassen, lässt bei Neumann nur einen Schluss zu: Der Greis muss ein Altnazi sein. 

    Die Auflösung des komplexen Kriminalfalles hält einige Überraschungen bereit. Dabei wird alles schlüssig erklärt. Das einzige was nach wie vor offen bleibt, ist der Verbleib des Bildes. 

    Der Schreibstil ist fesselnd und die Charaktere sind gut angelegt. Sie haben alle möglichen Ecken und Kanten. Er bei näherer Betrachtung ist zu sehen, dass es nicht nur schwarz und weiß, sondern auch jede Menge Zwischentöne gibt. 

    Geschickt ist auch der Einblick in die Geschichte der Raubkunst eingeflochten. Neumann, der anfangs wenig darüber weiß, erfährt von einem ehemaligen Mitgefangenen, dem Kunsthändler Brenner, der vorzeitig entlassen worden ist, einiges über Kunst, Raubkunst und Fälschungen. Diese Informationen werden dem Leser nebenbei und sehr subtil dargeboten. Wer sich bis jetzt mit diesem Thema noch nicht beschäftigt hat, wird einiges darüber erfahren.  

    Die Autorin verbindet Fakten gekonnt mit Fiktion. So stimmt die Geschichte rund um Franz Marcs Bild „Der Turm der blauen Pferde“, das seit 1945 als verschollen gilt. Es soll das letzte Mal im "Haus Waldsee" gesehen worden und von dort verschwunden sein. Auch die Geschichte des Fälschers Wolfgang Beltracchi ist ebenso wahr wie die des als „Schwabinger Kunstfund“ bekannte Sammlung von Cornelius Gurlitt.   

    Fazit: 

    Kunstraub durch Nazis, ein verschollenes Gemälde und ein Ex-Häftling auf Bewährung, der über Leichen stolpert und eine ungezügelte Neugier auf seine Nachbarn hat, sind die Zutaten für einen raffinierten, überzeugenden und spannenden Kriminalroman.

     

     

     

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