Bücher mit dem Tag "realismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "realismus" gekennzeichnet haben.

165 Bücher

  1. Cover des Buches Morgen kommt ein neuer Himmel (ISBN: 9783596521128)
    Lori Nelson Spielman

    Morgen kommt ein neuer Himmel

     (2.543)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Obwohl das Buch echt schön geschrieben war, fande ich es schwer zu lesen. Die Geschicht war einwenig nervig, dieses ganze hin und her hat mich schon sehr gestört. 

  2. Cover des Buches 1793 (ISBN: 9783492317931)
    Niklas Natt och Dag

    1793

     (408)
    Aktuelle Rezension von: Rilli33

    Wie der Titel schon sagt, schreiben wir das Jahr 1793. In Stockholm wird eine Leiche gefunden, die weder Arme noch Beine, noch eine Zunge oder Zähne hat. Die Gliedmaßen wurden dem Toten chirurgisch mit so viel Sorgfalt abgetrennt, dass er nach jeder Amputation wieder zu Kräften kommen konnte, bevor ihm das nächste Körperteil genommen wurde. Cecil Winge, ein Jurist mit Schwindsucht, der nicht mehr lange zu leben hat, und der Kriegsversehrte Jean Michael Cadell untersuchen den Fall, in dem sich menschliche Abgründe auftun.

    Gefallen hat mir definitiv der "Spaziergang" durch das historische Stockholm und dass es einige der Charaktere (z.B. den Aufseher des Arbeitshauses) wirklich gegeben hat. Auch der Einblick in die normalen Leben der Charaktere fand ich interessant, wenn auch aus heutiger Sicht sehr menschenverachtend.

    Mich hat aber auch Vieles an dieser Geschichte irritiert. Von der Struktur her hat es mich extremst gestört, dass das Buch zwar in verschiedene Unterkapitel zur Jahreszeit unterteilt ist, diese aber nicht in chronologischer Reihenfolge aufgeführt werden. Ich verstehe das Konzept dahinter, dass so Informationen zum Lösen des Falls Stück für Stück offenbart werden, aber das hätte man auch anders regeln können. Außerdem hat es mich sehr gestört, dass das Kapitel über den Sommer sich auf einmal mit der Handlung des Herbsts überschneidet.
    Auch die Geschichte an sich hat mir nicht sehr gefallen. Im Herbst und Winter folgt der Leser Winge und Cardell bei der Lösung des Fall, aber im Frühjahr und Herbst stehen zwei völlig andere Charaktere im Mittelpunkt, von denen einer nicht einmal etwas mit dem Toten zu tun hat. Auch sind die Schicksale dieser beiden Figuren richtig heftig und ungerecht und hätten mich am liebsten das Buch weglegen lassen.
    Da ich aber zum Ende hin unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht und es mich das letzte Kapitel über den Winter dann doch recht gefesselt hat, war es noch spannend genug, um dem Ganzen drei Sterne zu geben. Allerdings bin ich mir unsicher, ob ich die beiden Fortsetzungen noch lesen möchte.

  3. Cover des Buches Sterben (ISBN: 9783442749577)
    Karl Ove Knausgård

    Sterben

     (137)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Belka

    Wer in Knausgårds Literatur einen Handlungsstrang sucht, der sucht diesen vergebens. Wer aber in seiner Literatur das Leben sucht, der findet einen ganzen Kosmos!!!
    Allein der essayistische Einstieg über den Umgang des modernen Menschen mit dem Tod. Der Hammer!!!!
    Radikal subjektive Literatur! Ich steh' da voll drauf.
    Absolute Empfehlung!!!

  4. Cover des Buches 54 Minuten (ISBN: 9783596812981)
    Marieke Nijkamp

    54 Minuten

     (233)
    Aktuelle Rezension von: LoveLy_Ivii

    "Wie Großvater immer gesagt hat, während ein Junge wegrennt, wenn es problematisch wird, stellt sich ein Mann den Problemen."


    Der Alptraum an jeder Schule. Ein genau 54 minütiger Amoklauf der sich wie eine Ewigkeit anfühlt. Voller Schrecken, Angst und Hoffnung. Und all das geschieht in der großen Aula. Alle Türen sind abgeschlossen, keiner kommt raus und keiner rein. 

    Eingeteilt ist das Buch nicht in Kapiteln sondern eben in den 54 Minuten und aus verschiedenen Perspektiven der Schüler. Während die einen den Amoklauf hautnah miterleben, bekommen die anderen es durch die lauten Schüsse mit die durch die ganze Schule zu hören sind. So nehmen die Schüler außerhalb der Aula es selbst in die Hand Hilfe zu holen als auch den Schülern in der Aula irgendwie zu helfen.

    Die Autorin schafft es mit ihrem authentischen Schreibstil einen völlig mitfiebern zu lassen und sich nur eines wünscht: Das Buch soll enden.

    Und wie, ist egal. Hauptsache es endet.

    Die ganze Geschichte ist so glasklar beschrieben das es einem atemlos und mit Gänsehaut zurück lässt. 

    Allerdings fehlte hier die emotionale Bindung zu den Protagonisten so, dass das Buch zwar einen tief bewegt aber die Protagonisten einem nicht Nahe standen und somit denen leider keine Träne wert war. 

    Aber das Buch ist spannend, schockierend und bedrückend.

    Das so etwas tatsächlich passiert und der Kern der Geschichte nicht einfach weithergeholt ist verschärft das mitfühlen noch viel mehr.

     

  5. Cover des Buches Lieben (ISBN: 9783442713219)
    Karl Ove Knausgård

    Lieben

     (85)
    Aktuelle Rezension von: reisendebuecher
    Ich bin dem Knausgård'schen Fieber erlegen. Keiner kann so schreiben, wie er, vor allem wenn es um banales und doch so essentielles geht. Auch der zweite Teil seines autobiographisches Projektes hat mir also wieder sehr gut gefallen. Gern hätte ich alle literarischen Referenzen verstanden, aber dazu fehlt mir einfach Hintergrundwissen. Der zweite Teil geht grundlegend auf die Beziehung zwischen ihm und Linda ein, sowie seine Kinder. Ich weiß nicht, ob ich das alles wirklich beurteilen darf, da es ja es nicht-fiktional ist, aber Linda empfand ich schon als etwas anstrengend. Aber insgesamt wieder richtig gut!
  6. Cover des Buches Spielen (ISBN: 9783442749324)
    Karl Ove Knausgård

    Spielen

     (53)
    Aktuelle Rezension von: Alira

    Nachdem ich dem Hype um den Schriftsteller Knausgard erlegen bin und „Spielen“, „Leben“ und „Träumen“ gelesen habe, habe ich in allen drei Büchern schöne Landschaftsbeschreibungen Norwegens gefunden, doch ist für mich „Spielen“ eindeutig das beste, und die vier Sterne vergebe ich, indem ich „Träumen“ und „Leben“ völlig ausblende.

    Bei „Spielen“ handelt es sich um die Kindheit des Autors: Karl Oves Familie besteht aus seinem älteren Bruder, einer schwachen Mutter und einem „allmächtigen“ Vater, einen bei der Dorfbevölkerung hochgeschätzten Lehrer, der seine Kinder in Abwesenheit deren Mutter misshandelt.

    Karl Ove empfindet sich als Außenseiter, ist bis ins Erwachsenenalter „nahe am Wasser gebaut“ und verbringt einen großen Teil seiner Kindheit mit „Heulen“.

    Knausgard sieht sich als Kreuzung von Bukowski und Hamsun. „Spielen“ ist - postiv vermerkt - von den späteren Lieblingsthemen des Autors (Alkohol und Sex) frei, aber Hamsun verfehlt er (auf alle drei Bücher bezogen) um ca. 1.500 Seiten.

  7. Cover des Buches Oliver Twist (ISBN: 9783764171186)
    Dirk Walbrecker

    Oliver Twist

     (688)
    Aktuelle Rezension von: dieNachteule

    Ich verzichte einmal darauf eine weitere Inhaltsangabe zu schreiben und möchte sogleich zu meinem Resümee gelangen. Zugegebenermaßen habe ich den Roman ,,Oliver Twist“ aus nur einem Grund gelesen, und zwar, dass es sich hierbei um einen Literaturklassiker handelt, der den Leser aufklärt über das alltägliche Leben bestimmter Gesellschaftsschichten im viktorianischen Zeitalter Großbritanniens. Gleichermaßen handelt es sich um das erste Werk, welches ich von Dickens gelesen habe. 

    Die altmodische Sprache stellt kein Stolperstein da, der Lesefluss wird dadurch nicht beeinträchtigt. Schachtelsätze, die Orte, Situationen oder Figuren detailreich schildern, sind vorherrschend. Dasselbe gilt für die Dialekte gewisser Figuren, die überwiegend vorzufinden sind. Diese beiden Aspekte haben dafür gesorgt, dass ich mich durch manche Kapitel regelrecht durchkämpfen musste. Möglicherweise hätte ich das nicht getan, wenn die Geschichte spannungslos gewesen wäre. Anlässlich der Haupt- und Nebencharaktere kann ich behaupten, dass Oliver Twist in seinem Leben eine enorme Menge an Menschen kennenlernt, welche ebenfalls weitere Bekanntschaften schließen. Infolgedessen geben prinzipiell die Nebencharaktere Aufschluss über das Leben des Waisenkindes, zugleich werden deren Schicksale mal mehr und mal weniger beleuchtet. Jedenfalls wurde ich mit vielen Eindrücken und Lebensgeschichten überhäuft, sodass diese Mehrsträngigkeit meine Konzentrationsfähigkeit herausgefordert hat – und das ist gut so.
    Die Darstellung dieses Zeitalters ist meisterlich, deshalb hat sie mich des Öfteren in schieren Schock versetzt. Die düstere Atmosphäre, die sich über mehr als die Hälfte des Romans erstreckt, hat mir gut und gerne zugesetzt. Das trifft auch auf die Verhältnisse, in denen Oliver seine ersten Lebensjahre verbringt, zu. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, wenn er an Personen geraten ist, die ihm ausnahmsweise nichts Böses wollen, doch stets mit einer Spur von Misstrauen. 

    Alles in allem bin ich ebenfalls der Meinung, dass das Buch mit Sicherheit empfehlenswert ist, um einen Einblick in die britische Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts zu bekommen. Nichtsdestotrotz reden wir hier von einem Roman, der zum Nachdenken anregt und keinen einfachen Lesegenuss für zwischendurch darstellt. 

  8. Cover des Buches Unter dem Herzen (ISBN: 9783499630019)
    Ildikó von Kürthy

    Unter dem Herzen

     (107)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Die Autorin erzählt über die abenteuerliche Zeit als Schwangere und als „neugeborene“ Mutter. Sie wünscht sich eine Bedienungsanleitung für das Kind, denn obwohl Mama und Baby schon viele Monate Schwangerschaft gemeinsam unterwegs waren, verstehen sie einander nicht: Warum weint das Baby? Warum weint es nun nicht? Warum schläft es so lange? Warum will es nicht einschlafen? Wer sagt einem, was normal ist? Ein Sachbuch der etwas anderen Art.

    Erster Eindruck: Ein Sachbuch in Tagebuchform mit vielen Illustrationen von Stefan Werthmüller und Auszügen aus Chats mit Freundinnen – aussergewöhnlich, gefällt mir.

    Das erste Mal musste ich gleich beim Lesen der inneren Klappen in Bezug auf einen möglichen Gast laut auflachen, denn da stand: „Babys Herzchen schlägt, und ich ringe mit mir, meinen Frauenarzt zu bitten, in unser Gästezimmer einzuziehen. Nur zur Sicherheit und bloss für die nächsten acht Monate.“ Ich fand das so eine herrliche Vorstellung, denn ich habe mir als junge Erwachsene immer gedacht, als Schwangere am liebsten spätestens im sechsten Monat in ein Geburtshaus einzuziehen und mich dann die letzten vier Wochen nicht mehr als fünfhundert Meter davon zu entfernen!

    Der Humor der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Es hat so viele amüsante Passagen, die mich zum Lachen gebracht haben. Hier ein paar meiner Highlights:
    - „Schwanger sehe ich nicht aus, sondern verfressen. Ich glaube, meine Taille hatte sich schon wenige Stunden nach der Zeugung von mir verabschiedet.“ (S. 41)
    - „Ich finde, wenn man schwanger ist, sollte man nicht nur Rohmilchkäse, rotes Fleisch, Drogen, Springreiten und das Wühlen in frischem Katzenkot vermeiden, sondern auch das Internet. Wehe, du hast eine winzige Beschwerde, ein leichtes Ziepen, ein minimales Wehwehchen.“ (S. 76)
    Ja, das mit dem Internet kann ich durchaus bestätigen. Aus einem einfachen Schnupfen kann da durch das Googlen und Surfen in Foren kurzum eine lebensbedrohende Krankheit entstehen. „Denn ich als neurotische Erst-Schwangere mit zu viel Internetwissen und überbordender Phantasie kann zurzeit nicht einordnen, was von dem, was da gerade Seltsames mit meinem Körper passiert, nur normal und was tatsächlich Grund zur Sorgen ist.“ (S. 103)
    - „Ich habe zwar davon gehört, dass bereits Frauen vor mir schwanger gewesen sein sollen, aber ich kann nicht anders, als all das für einzigartig zu halten.“ (S. 124)

    Mir hat Johanna, eine gute Freundin der Autorin, sehr gefallen. Sie selbst war zum Zeitpunkt der hier beschriebenen Schwangerschaft bereits zweifache Mutter und hat daher aus ihrem Erfahrungsschatz schöpfen können und Ildikó auch ungeschönte Wahrheiten präsentiert. Vom Humor und Unterhaltungswert hätte das Buch 5 Sterne verdient. Einen Stern Abzug mache ich jedoch für die aus meiner Sicht unnötigen (und uncharmanten) Verweise auf diverse Prominente.

  9. Cover des Buches Hunger (ISBN: 9783548291093)
    Knut Hamsun

    Hunger

     (131)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der handlungsarme Roman ist geprägt von assoziativen Beobachtungen und Gedanken des Ich-Erzählers. Ein anonymer, junger und gebildeter Mann. Er versucht dem Hungertod zu entkommen. Schafft es mehr schlecht, als recht, einzig durch gelegentlich veröffentlichte Artikel und Versetzen seiner gesamten Habseligkeiten. Der Hunger beherrscht bald sein gesamtes Denken. Im Hunger entwickelt er Wahnvorstellungen und eine gesteigerte Beobachtungsgabe. Die Not bringt ihn immer wieder in moralische Zwickmühlen. So versetzt er seine Weste um einem Mann zu helfen, den er selbst beinah nach Geld gefragt hätte. Er stürzt sich auf die Kuchen einer armen Kuchenfrau, der er vor mehreren Tagen Geld geschenkt hatte, da er die Schuld es ungerecht erhalten zu haben, nicht ertragen konnte. Er lehnt jede ihm angebotene Hilfe aus Stolz ab. Wäre die gesamte Situation nicht so tragisch, würde er in seiner unangemessenen Eitelkeit lächerlich wirken. 

    Es ist nicht immer angenehm oder leicht dieses Buch zu lesen, aber es ist ein wichtiges und aufschlussreiches Werk.

  10. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596521487)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

     (2.380)
    Aktuelle Rezension von: mj303

    Ich kannte das Buch noch aus Schulzeiten, leider konnte es mich dieses mal nicht so begeistern.

    Es war teilweise sehr schwer es konzentriert zu lesen - 3 Sterne

  11. Cover des Buches Dr. Jekyll und Mr. Hyde (ISBN: 9783257610420)
    Robert Louis Stevenson

    Dr. Jekyll und Mr. Hyde

     (576)
    Aktuelle Rezension von: Ana80

    Die Geschichte ist alt und bekannt. Dr. Henry Jekyll ist sich bewusst und sicher, dass in jedem Menschen zwei Persönlichkeiten stecken. Eine Gute und eine Böse. Er möchte herausfinde, ob es möglich ist, diese Persönlichkeiten bewusst voneinander zu trennen und beginnt in diesem Bereich zu experimentieren…

    Ich war tatsächlich total überrascht von dem Buch. Ich kannte die Geschichte bisher nur aus Filmen und Erzählungen und der Aufbau der Geschichte im Buch war doch tatsächlich ziemlich anders. Obwohl der Schreibstil natürlich ein wenig „altbacken“ ist, hat mich das Buch gefesselt und ich konnte es flüssig weg lesen. Ich habe im Buch viel Neues entdeckt und fand viele Elemente richtig spannend. Die Erzählweise war anders als erwartet und für mich wirklich überraschend. Hatte große Freude daran mal einen Klassiker zu lesen und kann das in diesem Fall auch wirklich empfehlen, weil es kein kompliziertes Buch ist. 

  12. Cover des Buches Der Stechlin (ISBN: 9783730607886)
    Theodor Fontane

    Der Stechlin

     (92)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Stechlin, Brandenburg, 1890er Jahre: Der verwitwete Landadelsmann Dubslav von Stechlin wartet auf seinen Sohn Woldemar, welcher seinen und den Besuch zweier Kammeraden aus seinem Regiment durch Telegrafie ankündigte. In der Folge gibt es viele Unterhaltungen, Menschen lernen sich kennen, tauschen sich aus, vertreten ihre Meinungen. „Zum Schluss stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich, - das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.“ Mit diesen Worten beschreibt Fontane selbst die Handlung seines Werks.

    „>>Aber der Stechlin! Was ist der Stecklin?<<
    >>Das ist ein See.<<
    >>Ein See. Das besagt nicht viel. (…) Aber was hat der Stechlin?<<
    >>Er hat Weltbeziehungen, vornehme, geheimnisvolle Beziehungen, und nur alles Gewöhnliche (…) hat er nicht. (…) Und wenn es in Java oder auf Island rumort oder der Geiser mal in Doppelhöhe dampft und springt, dann springt auch in unserm Stechlin ein Wasserstrahl auf, und einige (wenn es auch noch niemand gesehen hat) , einige behaupten sogar, in ganz schweren Fällen erscheine zwischen den Sprudeln ein roter Hahn und krähe hell und weckend in die Ruppiner Grafschaft hinein.“ (S.145)

    Diese Sage vom Hahn im Stechlinsee ist ein brandenburgischer Mythos. Wen es heute an den Stechlinsee zieht, kann sich neben einem großen roten Hahn aus Holz fotografieren und die ohrenbetäubende Ruhe der Mecklenburgischen Seenplatte in sich aufnehmen. So ruhig wie der mit 70 Metern tiefste See Brandenburgs mit seinem beeindruckend klarem Wasser ist auch der von der Rezeptionsgeschichte als Fontanes erzählerisches Hauptwerk bezeichnete Gesellschaftsroman.

    Die, in den Unterhaltungen, welche dem Roman seinen Grund und Boden geben, diskutierten Themen Konservativismus vs. Sozialdemokratie und preußischer traditionalistischer Landadel vs. Großstadtökonomie lassen sich auf den Grundkonflikt Alter vs. Jugend hinunterbrechen. Der alte Stechlin vertritt die traditionellen Werte, während sein Sohn als Vertreter der neuen Generation den Fortschritt und den Aufbruch in ein modernes, technologisiertes Jahrhundert repräsentiert. Der Roman versäumt es eine befriedigende Lösung für diesen Konflikt aufzuzeigen. Einerseits fasst Fontane den Entschluss: „Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es geht, und mit dem neuen nur, soweit es muss.“( S.372), andererseits lässt er die Verkörperung der alten Generation zum Schluss sterben und das junge Glück triumphiert. Eine neue Generation der Stechline ist gesichert und „es lebe der Stechlin.“ (S.416)

    Die Gediegenheit des Romans entschleunigt den Rezipienten und unterhält, aber meiner Meinung nach, muss man den Stechlin nicht gelesen haben. Einen Aktualitätsbezug kann man dem Roman schlecht abgewinnen. Er beeindruckt im Hinblick auf seine kulturhistorische Einordnung in die literarische Strömung des Realismus und seiner Kraft im gesellschaftlichen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Doch, wer weder Literaturwissenschaftler noch Historiker oder Stechliner ist, kann dem Roman keinen Erkenntnisgewinn entlocken.

    So wie sein Protagonist Dubslav erlebte auch Fontane nicht den Übergang in ein neues Jahrhundert. Er starb wenige Monate bevor sein letzter Roman in Buchform erschien. In Anbetracht der historischen Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts vielleicht kein schlechtes Schicksal. Wer weiß, was Fontane dann geschrieben hätte.

    DER STECHLIN| Theodor Fontane| Fischer Taschenbuch| Fischer Klassik| 2008| 429 Seiten| 8,50€

  13. Cover des Buches Schande (ISBN: 9783596509515)
    J.M. Coetzee

    Schande

     (217)
    Aktuelle Rezension von: Daphne1962

    J.M. Coetzee ist ein Autor aus Südafrika und war mir bisher nicht so bekannt. Obwohl er schon den Nobelpreis für Literatur bekommen hat und 2 x den Booker Preis. Er lebt seit 2002 in Australien und ist bereits im hohen Alter von 80 Jahren.

    In seinem Roman "Schande" hat er einen Literaturprofessor angesiedelt, der nach 2 gescheiterten Ehen immer noch stark dem weiblichen Geschlecht zugewandt ist. David Lurie beginnt eine Affäre mit einer Studentin, die vom Alter her seine Tochter sein könnte. Nachdem die Geschichte ans Licht kommt fällt er in Ungnade bei seiner Universität. Er flieht zu seiner Tochter, die auf einer einsamen Farm lebt.

    Lucy lebt ein so ganz anderes Leben als das, was sein Vater kennt. Sie versucht auf einem entlegenen Stück Land eine kleine Farm aufzubauen. Dort kümmert sie sich um Hunde. Anfangs scheint es, als könne Lucys Leben ihrem Vater einen neuen und natürliche Rhythmus und Halt geben. Dann aber geschieht etwas, womit Vater und Tochter nicht gerechnet haben. Sie werden überfallen. Die Folgen werden die Beiden erst einmal aus der Bahn werfen. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten kommen immer mehr zu Tage. Dabei greift der Autor auch das Thema Apartheit auf.

    Er schreibt schon sehr intellektuell, das hat er auch in der Rolle des Professors ausgelebt. Sehr düster beschreibt er die Atmosphäre auf dieser Farm. Da gruselt es einem schon ein wenig beim Lesen. Immer wieder möchte man auch Lucy durchschütteln und ihr sagen, was musst Du hier alleine leben?

    Der Autor Coetzee hat Südafrika den Rücken gekehrt vor vielen Jahren. Man hat hier nicht den Eindruck er rechne mit den "Schwarzen" ab, sondern er beschreibt hier eher das Versagen der "Weißen" in diesem Land. Um einen Einblick in das Leben in Südafrika zu bekommen, dem kann ich nur sagen, er sollte das nicht so umfangreiche Buch unbedingt lesen.

  14. Cover des Buches Anna Karenina (ISBN: 9783730609828)
    Leo Tolstoi

    Anna Karenina

     (1.071)
    Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregal

    Weder der Schreibstil noch die Handlung konnte mich überzeugen. Ich habe die Kritik an der Gesellschaft verstanden, aber manche Dinge konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Kinderbücher werden umgeschrieben, aber im Klassiker bleiben rassistische und verwerflich Begriffe stehen, was für mich unfassbar ist. Ich war des Öfteren davor abzubrechen. Die Entwicklung der Protagonisten konnte mich nicht überzeugen. Für mich hat es aufgesetzt gewirkt. Das Drama war in meinen Augen gekünstelt und nicht echt. 


    Ich gebe dem Buch 2 von 5 Sterne. 

  15. Cover des Buches Madame Bovary (ISBN: 9783150206454)
    Gustave Flaubert

    Madame Bovary

     (585)
    Aktuelle Rezension von: Lenja_Seeker

    Hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Obwohl das Buch so alt ist, mutet der Schreibstil stellenweise fast modern an. Viele der Sprachbilder und Beschreibungen fand ich überaus gelungen. Natürlich muss man die Protagonisten und ihre Ansichten in ihrem zeitlichen Kontext betrachten. Insbesondere die Sicht auf Frauen ist mit heutigen Vorstellungen selbstverständlich kaum noch zu vereinbaren. Die Protagonistin wollte ich abwechselnd tröstend in den Arm nehmen und dann wieder für ihr selbstsüchtiges Verhalten zurechtweisen. Besonders spannend fand ich den authentischen Einblick in das Alltagsleben und die Denkweisen der damaligen Zeit. Insgesamt muss man in der richtigen Stimmung für so ein Buch sein, aber dann lohnt es sich allemal.

  16. Cover des Buches Das Schicksal ist ein mieser Verräter (ISBN: 9783423086417)
    John Green

    Das Schicksal ist ein mieser Verräter

     (12.769)
    Aktuelle Rezension von: Elisa_Unique

    Inhalt 

    Hazel ist 16 Jahre alt und leidet an Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in ihrer Lunge. Sie ist wortwörtlich dabei zu ertrinken. Depressionen sind Nebenwirkungen ihrer Krankheit, weswegen sie in eine Selbsthilfegruppe gehen muss. Dort trifft sie Augustus, der ebenfalls Krebs hatte, ein Osteosarkom. Nach eine Beinamputation ist er frei von Symptomen. Hazel verliebt sich unwiderruflich in Augustus und beide lernen sich zu lieben. Gemeinsam mit Hazels Mutter fliegen sie nach Amsterdam, um den Autor ihres Lieblingsautors zu treffen. Bevor sie stirbt möchte sie wissen, was mit den Charakteren passiert nachdem die Protagonisten stirbt und das Buch mitten im Satz einfach endet. Das treffen lief anders als erwartet und Gus eröffnet ihr, dass er bei einem Scan geleuchtet hat wie ein Weihnachtsbaum. Sein Krebs ist wieder zurück und soll das Schicksal der beiden auf eine harte Probe stellen. 

    Cover 

    Das Cover ist schlicht gehalten. Es ist nicht besonders aufregend und nicht besonders bunt, aber manchmal ist auffallend unauffällig eben passender, als ein zu aufwendig und zu kitschig. Ich finde es wirklich sehr passend, da es den Fokus an die richtige Stelle legt - den Titel des Buches. 

    Rezension

    Es ist eines der wenigen Bücher, dem ich 5 von 5 Sterne geben kann. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, obwohl ich es sehr wollte. Meine Taschentücherbox war nach dem Ende des Buches aufgebraucht. Der Autor hat ein leichten und authentischen Schreibstil, sodass sich die Seiten sehr schnell lesen. Gleichzeitig schafft es der Autor das Buch als kein typisches Krebsbuch stehen zu lassen. Es wird oft über die Krankheit gescherzt und selbstironische Witze gemacht. Es nimmt nicht die Schrecklichkeit dieser Krankheit und nimmt sie nicht auf die leichte Schulter, aber die Protagonisten wollen trotz der tödlichen Diagnosen Leben und das Lachen nicht verlieren. John Green schafft es den Leser/ die Leserin auf eine Reise mitzunehmen, die in allem emotionalen Ebenen halt macht und es kann kein Taschentuch trocken bleiben, auch wenn man es sich wünscht. Es wird die Jugendliebe, aber auch gleichzeitig die wahre Liebe in allen Facetten gezeigt. Die Verletzlichkeit, der Selbstschutz, aber auch die intimen Momente, die es nicht zu einer Kindheitsliebe werden lassen, sondern zu einer echten Liebe. 

    Fazit: Ich wünschte ich hätte das Buch eher gelesen, vor allem eher als ich den Film gesehen habe (der Film war aber trotzdem großartig). Und ich würde mir wünschen, es nochmal zum ersten Mal lesen zu können. 

    Empfehlung 

    Es ist ein Klassiker. Es ist ein emotionales Buch, welches eine Krankheit zeigt, die man keinem Menschen dieser Welt wünscht. Ich bin glücklich dieses Buch gelesen zu haben und kann es nur jedem Empfehlen. 

    Lieblingzitat

    "Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, alter Mann, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl."

  17. Cover des Buches Die Liebe in den Zeiten der Cholera (ISBN: 9783596907083)
    Gabriel García Márquez

    Die Liebe in den Zeiten der Cholera

     (486)
    Aktuelle Rezension von: Ferdinand-Uth

    Die Liebe in den Zeiten der Cholera erzählt die Lebensgeschichten dreier Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts in der Karibik. Da gibt es Florentino Ariza, der sehnsüchtigst in die elegante junge Frau Famina Daza verliebt ist, aber dann seine Unschuld auf einem Flussdampfer an eine Unbekannte verliert. Den ehrwürdigen Doktor Urbino, der aus Europa zurückgekehrt ist und mit rationalen Mitteln Famina Daza überzeugt, ihn zu heiraten. Und natürlich sie selbst, die zwischen aller Liebe den Zwängen der Gesellschaft und denen des Vaters ausgeliefert ist. Auf über fünfhundert Seiten kann man fast ein ganzes Jahrhundert der Liebe und des darüber Alt-werdens miterleben.
    Was kann ich zu diesem Klassiker sagen? Am Anfang bin ich kaum mit ihm warm geworden, die ersten 200 Seiten zogen sich für mich irgendwie hin, auch fühlte die Erzählweise sich ungewohnt an, da sich nicht gleich eine klare Linie ergibt. Die letzten 200 Seiten habe ich hingegen in anderthalb Tagen gelesen, gefesselt, wie es denn alles ausgehen könnte. Das Buch ist am Ende genau das, was es verspricht zu sein: Ein Buch über die Liebe (zu den Zeiten der Cholera), in allen Formen und Farben. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Klassiker, der diesen Titel wirklich verdient.

  18. Cover des Buches Mein Lied geht weiter (ISBN: 9783423135634)
    Mascha Kaléko

    Mein Lied geht weiter

     (63)
    Aktuelle Rezension von: maedchenausberlinliest


    »Ich werde still sein; doch mein Lied geht weiter«, so schreibt Mascha Kaléko in ihrem Gedicht »Letztes Lied«. Ihren hundertsten Geburtstag nehmen wir zum Anlass, die beliebte Lyrikerin mit einem Geschenkbuch zu feiern, um ihr Lied wieder neu erklingen zu lassen.
    Herausgegeben wird der Band mit hundert Gedichten von ihrer Erbin und Vertrauten Gisela Zoch-Westphal, die bereits das Mascha Kaléko-Lesebuch ›Die paar leuchtenden Jahre‹ sowie ›In meinen Träumen läutet es Sturm‹ zusammengestellt hat.

    Ich muss leider gestehen, dass ich nicht der Typ bin der Gedichte liest und mag. Daher war das Buch eher nichts für mich.

    Das Gedicht "Ansprache eines Bücherwurms" fand ich aber ganz cool, hier mal eine Stelle daraus:

    "Das Bücherfressen macht gescheit.
    So denken sich's die Schlauen.
    Doch wer zu viel frißt, hat nich Zeit,
    Es richtig zu verdauen.

    Drum lest mit Maß, doch lest genug,
    Dann wird's euch wohl ergehen.
    Bloß Bücher fressen macht nicht klug.
    Man muß sie auch verstehen."

  19. Cover des Buches Der Spieler (ISBN: 9783746638768)
    Fjodor M. Dostojewski

    Der Spieler

     (281)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    Der Roman spielt in einem fiktiven deutschen Ort mit Namen Roulettenburg.

    Alexej Iwanowitsch - ist Hauslehrer einer russischen Generalsfamilie, die sich in einem vornehmen Hotel einquartiert hat. Obwohl man kein Geld hat, lebt man auf großem Fuß, in täglicher Erwartung einer üppigen Erbschaft. Immer wieder werden Telegramme nach Moskau gesandt mit der Frage nach dem Gesundheitszustand einer reichen Erbtante..


    Bis plötzlich und unerwartet die reiche Erbtante auf der Bildfläche erscheint, keineswegs dem Tode nah, sondern quicklebendig, und verspielt (nach anfänglich unglaublichem Spielglück)fast ihr ganzes beträchtliches Vermögen. So nimmt die Katastrophe ihren Lauf, besonders für jene, die auf die Erbschaft ihre Hoffnung gesetzt hatten..


    Und so gehts zu und her wenn die reiche Tante dann am Roulettisch sitzt: "Rien e va plus!" ruft der Groupier [..] "Mein Gott! zu spät! Die wollen loskurbeln!Setz!Setz! erregt sich Grosmutter. Dös mir ja nicht ein, los mach schon!"gerät sie ausser sich und treibt mich kräftig an. "Auf was soll ich denn setzen, Grossmutter?" "Auf Zero! Auf Zero! Nochmal auf Zero! Setz soviel du kannst! [..]"Setz immer 20 auf einmal!" "Um Gottes Willen Grosmutter! Manchmal müssen erst 200 Spiele vergehen ehe sie wieder einmal fällt! Sie verlieren noch ihr gesamtes Vermögen!" "Unsinn! Alles Unsinn! Setz nur! Red kein dummes Zeug! Ich weiss was ich tue" und sie zittert vor Wut am ganzen Leibe.. 

    F.Dostojewskij


    Ich habe mich köstlich amüsiert ab dieser literarischen Perle!

  20. Cover des Buches Der alte Mann und das Meer (ISBN: 9783499269356)
    Ernest Hemingway

    Der alte Mann und das Meer

     (1.004)
    Aktuelle Rezension von: Cadness

    Der alte Mann und das Meer ist eine Geschichte über Freude und Leid, Glück und Verlust. Es geht um längst vergangene Tage, die Suche nach dem großen Fang und die Abhängigkeit des Menschen von der Natur. In kurzen Sätzen, ohne große Emotionen, wird die Reise Santiagos und die ewigen Weiten des Meeres beschrieben. 

    Der alte Mann und das Meer hat mich nicht komplett für sich eingenommen, der Zauber des Buches mich nicht gänzlich erreicht. Die Handlung dümpelte stellenweise vor sich hin und die Selbstgespräche Santiagos waren von Wiederholungen geprägt, die mir den Lesefluss erschwert haben. Da es mein erster Hemingway gewesen ist, bin ich neugierig auf weitere seiner Werke und lasse mich überraschen!

  21. Cover des Buches Die Verwandlung der Welt (ISBN: 9783406614811)
    Jürgen Osterhammel

    Die Verwandlung der Welt

     (10)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Das Buch ist vorzüglich, das überlegene Wissen des Autors über jeden Zweifel erhaben, allerdings bleibt der Zweck des Ganzen etwas unklar. Wollte Osterhammel beweisen, dass es möglich ist, eine Globalgeschichte zu schreiben? So ganz ist das nicht gelungen.

    Ich werde nur einige unsystematische und völlig subjektive Kommentare geben.

    Das Buch ist eine reine Strukturgeschichte, es beleuchtet die Hintergründe, vor denen die menschlichen Handlungen sich abspielen, Die sind dann aber nicht mehr das Thema. 

    Ich war schon fast fertig, als ich merkte, dass das Buch eher ein Nachschlagewerk ist und nicht dazu gedacht, am Stück gelesen zu werden. Wer also schnell eine Info zu Statistik, Eisenbahn, Hygiene oder fast jedem anderen Thema sucht, wird dank der guten Gliederung sicher schnell fündig und wird dank der globalen Ausrichtung neues erfahren.

    Osterhammel verwirft über weite Strecken den Gegensatz zwischen Kolonien und Metropolen, Ausbeutern und Ausgebeuteten,  weil die Verhältnisse eben komplizierter sind. Die Organisation einer Stadt konnte zum Beispiel gut oder schlecht sein, dass lag nicht daran, wo sich diese Stadt befand. So fördert er den Gedanken, dass die Menschen eng verbunden sind, mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert und eine ganze Bandbreite von Lösungen gefunden haben, die nicht unbedingt abhängig von Staaten und Kulturen sind. Im Kapitel über Handel und Goldstandard kommt das Thema Ausbeutung dann aber doch.

    Um die Stoffmenge zu bewältigen, musste Osterhammel abstrakte Oberbegriffe finden, merkt aber, dass dies den komplizierten Verhältnissen nicht gerecht wird. So muss er ständig relativieren und die wenigen Ausnahmen nennen. So kommt es, dass quasi andauernd von Meji-Japan die Rede ist, von dem man aber (siehe oben, keine Ereignisse) wenig erfährt.

    Das Kapitel über Migration fand ich am interessantesten. Hier wurde für mich die Verflechtung der Welt am deutlichsten, wenn sich in Amerika asiatische und europäische Migranten treffen und ganz unterschiedliche Beiträge beim Aufbau der neuen Welt leisten.

    Ein Fazit kann ich eigentlich nicht ziehen, weil ich nicht verstanden habe, worauf Osterhammel hinaus wollte. Vielleicht so: Das Buch ist beeindruckend, aber nicht lesenswert.

    P.S. (11 Tage später) Jetzt habe ich irgendwo den entschiedenen Halbsatz gelesen. Osterhammel will zeigen, wie die Welt im 19. Jhd. zusammenwuchs. 





  22. Cover des Buches Warum es die Welt nicht gibt (ISBN: 9783548375687)
    Markus Gabriel

    Warum es die Welt nicht gibt

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Diese Frage kommt wohl immer mal wieder auf und im vorliegenden Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ von Markus Gabriel geht dieser dem Ganzen auf den Grund. Mit Charme und Humor nimmt er große Philosophen und Theorien unter die Lupe und stellt unter anderem auch die Physik in Frage, die sich gerne immer wieder aufschwingt, das Nonplusultra zu sein.

    Gabriel vermeidet in seinem Buch zu extreme Auffassungen der Welt, nämlich einen naturwissenschaftlichen Fundamentalismus ebenso wie einen radikalen Perspektivismus . Er führt hingegen eine neuartige Art und Weise ein: Sinnfelder.

    Die Welt besteht aus verschiedenen Sinnfeldern, die alle unterschiedlich erfasst werden können und deshalb existieren. Anders die Welt an sich.

    Ein kluges, auf hohem Niveau erläuterndes Buch, das vielleicht keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse aufs Tapet bringt, aber gut unterhält und auch an Einhörnern auf der Rückseite des Mondes nicht zurückschreckt.

    Durchaus interessant auch der Einbezug von Religion, Kunst und dem Fernsehen. Ob es allerdings so vorteilhaft ist andere Philosophen teilweise regelrecht nieder zu machen, bleibt fraglich.

  23. Cover des Buches Kleider machen Leute (ISBN: 9783458200345)
    Gottfried Keller

    Kleider machen Leute

     (500)
    Aktuelle Rezension von: BM2TE22a

    Dieses Buch erzählt die Geschichte eines armen Schneiders. Seine Armut ist ihm aber nicht anzusehen, da er sich gut kleidet. Dadurch wurde er mit einem polnischen Grafen verwechselt, was anschliessend eine Kettenreaktion von Ereignissen mit sich bringt. Ihm wurde gutes Essen serviert und er schloss einige neue Bekanntschaften mit Goldacher aus der oberen Gesellschaftsschicht. Die Geschichte spitz sich daraufhin zu, als er sich in eine der Töchter seiner neuen Bekannten verliebt.

    Mir persönlich hat die Geschichte ganz gut gefallen, da es abgesehen von den alten Begriffen, gut und verständlich erzählt wird. Am besten gefiel mir aber die Fragen, welche das Buch aufwirft bezüglich der verschiedenen Gesellschaftsschichten. Nicht jeder wird gleichbehandelt, das ist sehr gut anhand von dem «falschen Grafen» zu erkennen.

    R.U. 

  24. Cover des Buches Herr und Knecht (ISBN: 9783866477162)
    Leo Tolstoi

    Herr und Knecht

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Sandrica89

    Meine erstes Buch von Tolstoi. Ich wollte unbedingt den Schriftsteller kennenlernen, hab jedoch etwas Bammel, da seine Werke doch anspruchsvoll sein sollen. Deswegen bin ich auf diesen Klassiker gestossen und war gespannt, ob der Autor mich abholen konnte.

    Der reiche Kaufmann Wassili Andrejitsch Brechunow möchte ein weiteres gutes Geschäft abschliessen und macht sich zusammen mit seinem Knecht Nikita und dessen Schlitten und Pferd auf dem Weg. Allerdings droht bald ein schlimmer Schneesturm, aber er ignoriert es, da noch andere Interessenten das Waldstück abkaufen wollen. Schon bald verirren sie sich und landen in ein Dorf, von wo aus sie nicht mehr weit haben bis zum Zielort. Brechunow lehnt jedoch die Einladungen ab, im Dorf zu übernachten und fährt trotz den Warnungen wieder weiter. Sie verirren sich wieder, doch diesmal scheint keine Rettung zu kommen. Sie sind nun auf sich alleine gestellt und müssen sich selber retten.

    Beide Charaktere können unterschiedlicher nicht sein, dennoch achteten sie auf einander, irgendwie. Zu Beginn spürte man, dass der Kaufmann vom höheren Stande kommt als sein Knecht, der eigentlich ein Bauer ist. Die Schwächen der beiden wird zuerst aufgeführt: der Kaufmann denkt nur an den Profit und das Geschäft, während Nikita noch seine Dämonen bekämpft. Brechunow ist leicht egoistisch und arrogant, während Nikita ein sehr freundlicher und zuvorkommener Mensch ist. Als sie sich im Schnee verirrten fühlte man deren Verzweiflung und der Kaufmann tat zuerst etwas selbstloses. Jedoch kamen sie wieder zueinander und diesmal, da es anscheinend keinen Ausweg mehr gibt, existierte der unterschiedliche Stand nicht mehr und Brechunow scheint verstanden zu haben, was im Leben eigentlich am wichtigsten ist. 

    Auch wenn es eine Kurgeschichte ist, so hatte es dennoch eine Tiefe und ich fühlte mit den Charakteren mit. Tolstoi hat in diesen 80 Seiten gezeigt, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Egal, von welchem Stand man kommt. Seinen Schreibstiel empfand ich nicht als leicht, aber auch nicht als schwer oder schleppend. Für mich hat es ganz gut gepasst und ich hatte die Geschichte innert kurzer Zeit weggelesen. Deswegen ist dieses Buch perfekt, um den Autor Tolstoi kennenzulernen. Ein Klassiker, den man sicherlich mal gelesen haben muss.

    Eine kleine Anmerkung noch: ich habe vor ein paar Monaten "Der Schneesturm" von Vladimir Sorokin gelesen. Es hat viele Ähnlichkeiten mit "Herr und Knecht". Wer dieses Buch gelesen hat, dürfte ganz gut mit diesem hier klar kommen. Nur, dass diese Geschichte von Tolstoi Gänsehaut bereitet, während das andere eher obskur ist.

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