Bücher mit dem Tag "realismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "realismus" gekennzeichnet haben.

33 Bücher

  1. Cover des Buches Anna Karenina (ISBN: 9783730609828)
    Leo Tolstoi

    Anna Karenina

    (1.105)
    Aktuelle Rezension von: Malte_Hermann

    Wenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )

    Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.

    Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.

  2. Cover des Buches Effi Briest (ISBN: 9783328110729)
    Theodor Fontane

    Effi Briest

    (1.835)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Im Zentrum der Geschichte steht die 17jährige Effi Briest, die mit der ehemaligen Liebe ihrer Mutter und dem deutlich älteren Baron Geert von Innstetten verheiratet wird. Als der Baron Jahre später eine längst beendete Affäre Effis entdeckt und Effi eigentlich noch liebt, fühlt er sich dem gesellschaftlichen Ehrenkodex verpflichtet, was in einer Tragödie endet. Die sehr atmosphärische und dialoglastige Handlung überzeugt durch die realistische und feine Zeichnung sowohl der Figuren als auch der damaligen Zeit, wodurch man sich als Leser sehr gut in diese hineinversetzen kann.
    Bei den Protagonisten stehen Effi und Geert im Mittelpunkt der Handlung und werden lebendig und glaubwürdig dargestellt. Nebenprotagonisten, wie z.B. Effis Eltern oder Effis Affäre Crampas, tragen gekonnt zur Entwicklung der Handlung bei.
    Wer psychologisch fein gearbeitete Dramen mit lebendigen Figuren mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist poetisch und detailreich-fein zugleich, der die Geschichte optimal in Szene setzt.
    Insgesamt kann ich das Buch sehr empfehlen.

  3. Cover des Buches Die Brüder Karamasow (ISBN: 9783746639000)
    Fjodor Dostojewskij

    Die Brüder Karamasow

    (257)
    Aktuelle Rezension von: Malte_Hermann

    Bevor das Blut fließt, höre ich Stimmen. Fjodor Pawlowitsch Karamasow lärmt, seine Söhne antworten ungleich: Dmitri brennt, Iwan argumentiert, Aljoscha lauscht. Ich betrete ihr Haus nicht als Zeuge vor Gericht, sondern als Zuhörer in einer Welt, die nach Sinn sucht und doch an ihren Leidenschaften scheitert. (Mehr zum Buch: https://love-books-review.com/de/die-brueder-karamasow-von-fjodor-dostojewski/ )

    Aljoscha steht im Licht des Starez Sossima. In seiner Nähe verstehe ich, wie Sanftmut nicht Schwäche bedeutet, sondern eine schwierige Form der Tapferkeit. Iwan eröffnet mir das Labor des Zweifels. Seine Fragen nach Leid, Freiheit und Gottes Recht werfen lange Schatten, besonders in der „Legende vom Großinquisitor“, die ich als eisige Parabel lese. Dmitri jagt hinter Ehre, Geld und Liebe her. In ihm spüre ich das rohe Drängen des Lebens, das dennoch nach Gerechtigkeit ruft. Über allem bewegt sich Smerdjakow, der schweigende Vierte, Sohn im Halbdunkel, Meister der Zweideutigkeit.

    Der Mord an Fjodor Pawlowitsch zerreißt die Familie und die Stadt. Indizien, Affekte und alte Beleidigungen verketten sich. Dmitri wird verhaftet, während Iwan in Gesprächen mit einem höhnischen Teufel sein Denken zerfallen sieht. Aljoscha versucht zu verbinden und scheitert doch an Grenzen, die größer sind als guter Wille. Im Prozess bündeln sich Gerüchte, Redekunst und Moral. Ich spüre Empörung, weil Wahrheit und Wahrscheinlichkeit auseinanderdriften, und Mitleid, weil niemand unberührt bleibt.

    Zwischentöne tragen weit. Die Kinder um den kranken Iljuscha zeigen mir, dass Mitgefühl mehr bewirkt als Polemik. Sossimas Leichnam, der nicht wundertätig riecht, lehrt mich, dass Heiligkeit nicht auf Beweise baut, sondern auf Haltung. Am Ende gibt es keine endgültige Lösung. Dmitri plant Flucht, Iwan taumelt, Aljoscha spricht von Verantwortung und Hoffnung. Ich schließe das Buch bewegt und nicht beruhigt. „Die Brüder Karamasow“ bleibt für mich ein Prüfstein: Freiheit ohne Liebe verödet, Liebe ohne Wahrheit verflacht, Wahrheit ohne Barmherzigkeit verletzt. Zwischen diesen Polen beginnt menschliche Würde.

  4. Cover des Buches 1793 (ISBN: 9783492317931)
    Niklas Natt och Dag

    1793

    (442)
    Aktuelle Rezension von: Pascal_Maess

    Nach dem Lesen von 1793 verstehe ich sehr gut, warum dieses Buch so viele begeisterte Leser gefunden hat. Für mich war es weniger ein klassischer Thriller als vielmehr ein historischer Roman mit starken Thriller-Elementen – und genau darin liegt seine größte Stärke.

    Was mich von Beginn an überzeugt hat, ist die Art, wie Niklas Natt och Dag seine Figuren einführt. Statt Charaktere über lange Beschreibungen oder Fakten vorzustellen, lernt man sie durch alltägliche Situationen, Erinnerungen und ihr Handeln kennen. Dadurch wirken sie schnell lebendig und glaubwürdig.

    Besonders beeindruckend fand ich den Aufbau des Romans. Verschiedene Menschen und ihre Schicksale werden zunächst scheinbar unabhängig voneinander erzählt. Während des Lesens fragt man sich immer wieder, warum man gerade dieser oder jener Figur folgt. Doch nach und nach fügen sich die einzelnen Handlungsstränge auf bemerkenswert geschmeidige Weise zusammen. Nichts wirkt erzwungen oder konstruiert, sondern entwickelt sich ganz natürlich.

    Auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er vermittelt die Atmosphäre des Jahres 1793 und passt hervorragend zur Zeit, ohne jemals sperrig, künstlich historisch oder unnötig kompliziert zu werden. Das sorgt für einen hervorragenden Lesefluss.

    Der eigentliche Star des Buches ist für mich jedoch Stockholm. Die Stadt, ihre Armut, ihre gesellschaftlichen Gegensätze und die unterschiedlichen Jahreszeiten schaffen eine Atmosphäre, die den gesamten Roman trägt. Selten hatte ich bei einem historischen Roman das Gefühl, so tief in eine bestimmte Zeit einzutauchen.

    Besonders positiv überrascht hat mich außerdem die Struktur des Romans. Mehrfach verändert die Geschichte ihren Blickwinkel und ihre Erzählweise. Was zunächst ungewohnt wirkt, entwickelt schnell einen eigenen Reiz, weil jede Perspektive etwas Neues zur Welt und ihren Figuren beiträgt.

    Wenn ich überhaupt einen Kritikpunkt nennen müsste, dann die zeitlichen Abläufe innerhalb einzelner Abschnitte. Gelegentlich war es etwas schwierig einzuordnen, wann genau bestimmte Ereignisse stattfinden und wie sie sich zeitlich zueinander verhalten. Das hat meinen Lesegenuss zwar nicht wesentlich geschmälert, sorgte aber vereinzelt für Verwirrung.

    Fazit:
    1793 lebt nicht in erster Linie von seinem Kriminalfall, sondern von seinen Figuren, seiner Atmosphäre und seinem außergewöhnlich gelungenen Aufbau. Ein düsterer, hervorragend erzählter historischer Roman, der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Für die Höchstwertung hat mir persönlich der letzte emotionale Funke gefehlt, aber das ändert nichts daran, dass dies ein beeindruckendes und sehr lesenswertes Buch ist.


  5. Cover des Buches 54 Minuten (ISBN: 9783733507688)
    Marieke Nijkamp

    54 Minuten

    (260)
    Aktuelle Rezension von: Scxrlett

    Spannend wars schon, hätte aber noch spannender werden können. Zum Beispiel habe ich mir gewünscht, dass man dem Täter mehr Tiefe verliehen hätte. Mir war die Aufklärung des Warums einfach zu flach. Aber als ein Quickread völlig ausreichend. Am Ende gabs auch kurz Tränen. Aber... es hätten noch weitaus mehr geben können, wenn man die Beziehungsdynamiken der einzelnen Protas zum Täter besser ausgearbeitet hätte. Deswegen reicht es nur für 2,5-2,75⭐.

  6. Cover des Buches Weiße Nächte (ISBN: 9783150142370)
    Fjodor M. Dostojewski

    Weiße Nächte

    (211)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Weiße Nächte ist Dostojewskis kürzestes und vielleicht ehrlichstes Werk. Der namenlose Träumer lebt in einer inneren Welt, die reicher und vollständiger ist als die Wirklichkeit um ihn herum — bis die Wirklichkeit kurz hereindringt, in Form von Nastenka, und dann wieder verschwindet. Was bleibt, ist keine Tragödie, sondern etwas Subtileres: die stille Erkenntnis, dass das Bewusstsein sowohl das schönste als auch das einsamste Zuhause ist, das ein Mensch haben kann.

  7. Cover des Buches Rot und Schwarz (ISBN: 9783730600467)
    Stendhal

    Rot und Schwarz

    (89)
    Aktuelle Rezension von: KarenAydin

    Worum geht es? 

    Es geht um das Leben und den sozialen Aufstieg des jungen, leidenschaftlichen und stolzen Julien Sorel, der bescheidener Herkunft ist, es aber vom einfachen Hauslehrer in einer kleinen Provinzstadt über das Priesterseminar in Besançon bis in den Palast eines einflussreichen Marquis in Paris schafft. Bestimmend in seinem Leben ist seine fatale Liebe zu der sozial über ihm stehenden, älteren und verheirateten Madame de Rênal.

     

    Kritik

    Wow! Ich habe etwas gezögert, ob ich wirklich einen 750-Seiten Roman lesen möchte. Nach spätestens zehn Seiten war ich mit in dem fiktiven Provinznest Verrières. Das lag für mich an dem wunderbaren auktorialen Erzähler und an dem ungewöhnlichen Protagonisten, dem leidenschaftlichen Julien Sorel, einem der faszinierendsten Charaktere der Literaturgeschichte. Gegen ihn wirken alle Jane Austen Helden wie brave und spröde Finanzbeamte und selbst Brontes Heathcliff kommt recht nüchtern und pragmatisch daher.

    Der Roman spielt zur Zeit der französischen Restauration (1815-1830). Rot und schwarz stehen für die militärische Karriere (die nach der Abdankung Napoleons nicht mehr möglich ist (rot) und die Laufbahn als Priester (schwarz), die eine Zeitlang als einzige Option für ein Fortkommen (räumlich wie sozial) erscheint. Interessant ist, dass Stendhal diesen Roman nach einer wahren Begebenheit geschrieben hat, er wurde inspiriert von einem Mordprozess. Der Roman soll zu Lebzeiten Stendhals keinen großen Erfolg gehabt haben, zählt aber heute zu den französischen Klassikern.

    Wir begegnen Julien, wie er mit der Nase in einem Buch steckt und von seinem brutalen und grobschlächtigen Vater gesucht wird, der möchte, dass er im väterlichen Sägewerk arbeitet. Für so grobe körperlichen Tätigkeiten ist er gar nicht geeignet. „Er verabscheute seine Heimat, alles, was er hier sah, lähmte seine Phantasie.“ (37).

    Er träumt von einer Karriere im Militär, verehrt Napoleon leidenschaftlich. Und leidenschaftlich ist er in allen Dingen. Er ist impulsiv, idealistisch, neigt zu Extremen, er liebt und hasst, und es scheint kaum etwas dazwischen zu geben, er ist ein Außenseiter, fühlt sich fremd unter den Menschen, gehört nicht zu denen, in deren Kreis er geboren wurde, wird von denen, in deren Kreise er gelangt nie ganz akzeptiert und wird zerrissen von dem Bewusstsein, dass er ihnen intellektuell und moralisch überlegen ist, aber von ihnen aufgrund seiner Herkunft immer als unterlegen betrachtet werden wird. Julien ist ehrlich, authentisch und möchte dem Leser nicht gefallen.

    Er ist allein, aber sehnt sich nach einer Freundin, nach Liebe, nach einer authentischen Bindung auf Augenhöhe und kann es nicht glauben, als er sie in der Ehefrau des Monsieurs de Rênal findet – eine Liebe (nach etwas zweifelhaften Anfängen, denn zu Beginn möchte Julien sich eigentlich nur hochschlafen), die eigentlich nicht sein kann, nicht darf, und der er sich immer wieder aufs Neue rückversichern muss. Wow! Was für eine Liebesgeschichte! Oh, was habe ich mit den beiden gelitten! „Die große seelische Krisis änderte von Grund auf die Art des Gefühls, das Julien mit seiner Geliebten verband. Seine Liebe war nicht mehr lediglich Bewunderung ihrer Schönheit und Stolz auf ihren Besitz. Ihr Glück war nunmehr von einer weit höheren Art; die Flamme, die sie verzehrte, schlug mehr und mehr über ihnen zusammen. Sie durchlebten Augenblicke unsinnigsten Taumels. Unbeteiligten hätten sie für glücklicher als je gegolten.“ (168)

    Aus moderner Sicht, in der es diese Schranken nicht mehr gibt, in der auch die Religion nicht mehr die bestimmende Rolle spielt (die Frau droht an ihrer Reue und ihrem Schuldempfinden zugrundezugehen), in der auch die Liebe einen anderen Stellenwert hat und auch anders gelebt wird (wer neigt heute noch zu tränenreichen Geständnissen und impulsiven dramatischen Aktionen), alles eher rational und pragmatisch ist, war es einfach für mich so schön, den beiden altmodischen und leidenschaftlich Liebenden zuzusehen. Denn eigentlich ist es ein Roman über die (transgressive) Liebe und die Leidenschaft, die ein Leben ausmachen und zugrunderichten kann. Zugleich über den Ehrgeiz, das Machtstreben und das Verkennen des Glücks, das man in Händen hält. So etwas kann natürlich nicht gut ausgehen – das ist klar. Es gibt keinen Sonnenuntergang, in den die beiden reiten werden. Der Verlauf ist tragisch. Genaueres werde ich dazu nicht verraten. Es bleibt mitreißend– auf allen 750 Seiten. „Ja, nun ist mein Roman eigentlich zu Ende“, dachte er, „und ich allein war meines Glückes Schmied.“ (627).

    Also, im ersten Teil hat mich die Liebe zwischen den beiden fasziniert, das Priesterseminar ist wichtig für den Fortgang der Handlung und durchaus interessant, der Klerus kommt nicht besonders gut weg, aber richtig spannend wird es dann in Paris. Nicht nur, weil dort eine zweite Frau ins Spiel kommt.  Julien betritt die Kreise, zu denen er immer gehören wollte, doch auch wenn er mitten unter ihnen ist, jedes Wort, das er sagt, wird auf die Goldwaage gelegt, er muss stets auf der Hut sein, er muss stets Acht geben, wer Freund und wer Feind ist, ihm steht es nicht wie den anderen frei, auszusprechen, was er denkt. Ich kann dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit sehr gut nachvollziehen.

    Insgesamt: man muss die Romantik mögen, man muss auch den Stil, der aus heutiger Sicht überbordend ist, die Charaktere, die in hohem Maße empfindsam sind, mögen. Moderne Romance wirkt dagegen nüchtern und etwas steril. Wer keinen Funken von Julien in sich trägt, mag den Roman schwülstig und langweilig finden. Bei mir wird er einen besonderen Platz im Regal erhalten.

  8. Cover des Buches Irrungen, Wirrungen (ISBN: 9783150196014)
    Theodor Fontane

    Irrungen, Wirrungen

    (381)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Im Zentrum der Geschichte stehen der junge Adlige Botho von Rienäcker und die bürgerliche Putzmacherin Lene Nimptsch, die heimlich eine Liebesbeziehung führen. Doch Botho steht unter finanziellem Druck seiner Familie und muss eine reiche Cousine heiraten, um den Stand aufrecht zu erhalten. Die Handlung mit dem zeitlosen Thema überzeugt durch die realistische und feine Zeichnung der Figuren und der damaligen Zeit, wodurch man sich als Leser sehr gut in diese hineinversetzen kann.
    Bei den Protagonisten stehen Botho und Lene im Mittelpunkt der Handlung und werden lebendig und glaubwürdig dargestellt. Nebenprotagonisten, wie z.B. Käthe oder Lenes Pflegemutter, tragen gekonnt zur Entwicklung der Handlung bei, bleiben aber eher im Hintergrund.
    Wer psychologisch fein gearbeitete Liebesgeschichten mit lebendigen Figuren mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist präzise, poetisch und detailreich-fein zugleich, der die Geschichte optimal in Szene setzt.
    Insgesamt kann ich das Buch sehr empfehlen.

  9. Cover des Buches Woyzeck. Leonce und Lena (ISBN: 9783872911476)
    Georg Büchner

    Woyzeck. Leonce und Lena

    (470)
    Aktuelle Rezension von: hausknechthilde
    Ein Klassiker der Weltliteratur, dessen Sprache ich immer noch sehr genieße. Schade, dass die Epoche vergangen ist.
  10. Cover des Buches Hunger (ISBN: 9783150207222)
    Knut Hamsun

    Hunger

    (161)
    Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooks

    Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Eigentlich bringt Hunger alles mit, was ich normalerweise liebe. Ein kaputter Protagonist, psychischer Zerfall, verschwimmende Grenzen zwischen Realität und Wahn und dieses Gefühl, nie genau zu wissen, was gerade wirklich passiert und was nur in seinem Kopf entsteht. Und trotzdem hat mich dieses Buch komplett verloren.

    Schon relativ früh hatte ich das Gefühl, dass Realität, Fantasie und Gedankengänge permanent ineinanderlaufen. Der namenlose Protagonist zieht hungrig und völlig rastlos durch Kristiania, schreibt, lügt, steigert sich in Dinge hinein und schwankt die ganze Zeit zwischen Größenwahn, Scham und Verzweiflung. Genau solche Figuren mag ich normalerweise sehr gerne. Aber hier war es mir irgendwann einfach zu viel.

    Der Schreibstil war dabei eigentlich wirklich gut. Sehr trocken, nüchtern und distanziert. Man braucht gerade am Anfang einen Moment, um reinzukommen, vor allem in dieser älteren Sprache. Aber trotzdem merkt man total, warum dieses Buch so bedeutend geworden ist. Manche Szenen von Hunger, Scham und menschlicher Demütigung waren wirklich heftig und dafür, wann dieses Buch erschienen ist, auch ziemlich krass geschrieben.

    Gleichzeitig war genau dieser distanzierte Stil aber auch mein größtes Problem. Ich konnte den Protagonisten beobachten, aber nie wirklich fühlen. Und irgendwann war es mir ehrlich gesagt fast egal, was mit ihm passiert. Das klingt hart, aber genau dadurch wurde das Buch für mich irgendwann eher anstrengend als emotional intensiv.

    Die letzten hundert Seiten waren deshalb teilweise wirklich ein Kampf. Nicht mal unbedingt, weil das Buch schlecht ist, sondern weil mich dieses fiebrige, wirre und rastlose Erzählen irgendwann einfach nur noch erschöpft hat. Ich habe ganz oft gedacht: Hoffentlich ist es bald vorbei.

    Trotzdem verstehe ich total, warum viele dieses Buch lieben. Gerade dieses Widersprüchliche und dieses permanente Schwanken zwischen Stolz, Selbsthass, Größenfantasien und völliger Erniedrigung fühlt sich teilweise erschreckend modern an.

    Am meisten überrascht hat mich tatsächlich das Nachwort von Daniel Kehlmann. Das mochte ich fast am liebsten am ganzen Buch. Viele Gedanken, die ich während des Lesens hatte, wurden dort nochmal aufgegriffen und irgendwie verständlicher gemacht.

    Am Ende bleibt für mich ein literarisch wichtiges Buch mit wirklich starken Momenten, das mich persönlich aber leider nie ganz erreicht hat.

  11. Cover des Buches Der Stechlin (ISBN: 9783730607886)
    Theodor Fontane

    Der Stechlin

    (95)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Stechlin, Brandenburg, 1890er Jahre: Der verwitwete Landadelsmann Dubslav von Stechlin wartet auf seinen Sohn Woldemar, welcher seinen und den Besuch zweier Kammeraden aus seinem Regiment durch Telegrafie ankündigte. In der Folge gibt es viele Unterhaltungen, Menschen lernen sich kennen, tauschen sich aus, vertreten ihre Meinungen. „Zum Schluss stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich, - das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.“ Mit diesen Worten beschreibt Fontane selbst die Handlung seines Werks.

    „>>Aber der Stechlin! Was ist der Stecklin?<<
    >>Das ist ein See.<<
    >>Ein See. Das besagt nicht viel. (…) Aber was hat der Stechlin?<<
    >>Er hat Weltbeziehungen, vornehme, geheimnisvolle Beziehungen, und nur alles Gewöhnliche (…) hat er nicht. (…) Und wenn es in Java oder auf Island rumort oder der Geiser mal in Doppelhöhe dampft und springt, dann springt auch in unserm Stechlin ein Wasserstrahl auf, und einige (wenn es auch noch niemand gesehen hat) , einige behaupten sogar, in ganz schweren Fällen erscheine zwischen den Sprudeln ein roter Hahn und krähe hell und weckend in die Ruppiner Grafschaft hinein.“ (S.145)

    Diese Sage vom Hahn im Stechlinsee ist ein brandenburgischer Mythos. Wen es heute an den Stechlinsee zieht, kann sich neben einem großen roten Hahn aus Holz fotografieren und die ohrenbetäubende Ruhe der Mecklenburgischen Seenplatte in sich aufnehmen. So ruhig wie der mit 70 Metern tiefste See Brandenburgs mit seinem beeindruckend klarem Wasser ist auch der von der Rezeptionsgeschichte als Fontanes erzählerisches Hauptwerk bezeichnete Gesellschaftsroman.

    Die, in den Unterhaltungen, welche dem Roman seinen Grund und Boden geben, diskutierten Themen Konservativismus vs. Sozialdemokratie und preußischer traditionalistischer Landadel vs. Großstadtökonomie lassen sich auf den Grundkonflikt Alter vs. Jugend hinunterbrechen. Der alte Stechlin vertritt die traditionellen Werte, während sein Sohn als Vertreter der neuen Generation den Fortschritt und den Aufbruch in ein modernes, technologisiertes Jahrhundert repräsentiert. Der Roman versäumt es eine befriedigende Lösung für diesen Konflikt aufzuzeigen. Einerseits fasst Fontane den Entschluss: „Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es geht, und mit dem neuen nur, soweit es muss.“( S.372), andererseits lässt er die Verkörperung der alten Generation zum Schluss sterben und das junge Glück triumphiert. Eine neue Generation der Stechline ist gesichert und „es lebe der Stechlin.“ (S.416)

    Die Gediegenheit des Romans entschleunigt den Rezipienten und unterhält, aber meiner Meinung nach, muss man den Stechlin nicht gelesen haben. Einen Aktualitätsbezug kann man dem Roman schlecht abgewinnen. Er beeindruckt im Hinblick auf seine kulturhistorische Einordnung in die literarische Strömung des Realismus und seiner Kraft im gesellschaftlichen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Doch, wer weder Literaturwissenschaftler noch Historiker oder Stechliner ist, kann dem Roman keinen Erkenntnisgewinn entlocken.

    So wie sein Protagonist Dubslav erlebte auch Fontane nicht den Übergang in ein neues Jahrhundert. Er starb wenige Monate bevor sein letzter Roman in Buchform erschien. In Anbetracht der historischen Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts vielleicht kein schlechtes Schicksal. Wer weiß, was Fontane dann geschrieben hätte.

    DER STECHLIN| Theodor Fontane| Fischer Taschenbuch| Fischer Klassik| 2008| 429 Seiten| 8,50€

  12. Cover des Buches Die Leute von Seldwyla (ISBN: 9783034864961)
    Gottfried Keller

    Die Leute von Seldwyla

    (31)
    Aktuelle Rezension von: hartel
    als 18jähriger gelesen
  13. Cover des Buches Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen findt (ISBN: 9783746636443)
    Theodor Fontane

    Frau Jenny Treibel oder Wo sich Herz zum Herzen findt

    (186)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    „Es ist ja nicht nötig, dass sich Schwiegermutter und Schwiegertochter furchtbar lieben, sie heiraten sich ja nicht.“ (Kapitel 12; S. 155) Was wie ein Zitat aus >Das Schwiegermonster< klingt, entstammt dem 1892 erschienenen Roman FRAU JENNY TREIBEL von Theodor Fontane. Ähnlich humorvoll wie in der Fernsehkomödie geht es auch im Romanklassiker zu – zumindest im zeitgenössischen Vergleich.

    Inhalt (Spoilerfreier Teil)

    Berlin, 1880er: Die titelgebende Hauptperson Kommerzienrätin Jenny Treibel möchte ihren zweiten Sohn (Leopold) endlich unter die gut betuchte Haube bringen. Sie wünscht sich eine noch bessere Partie als bei ihrem ersten Sohn (Otto), der sich mit einer Hamburger Fabrikantentochter (Helene Munk) verheiratet hat. Zum großen Unwillen von Frau Jenny verguckt sich Leopold bei einem Abendessen, das für Ottos englischen Geschäftspartner (Mr. Nelson) veranstaltet wird, in die extra zu diesem Anlass (aufgrund ihrer sehr guten Englischkenntnisse) eingeladene Professorentochter Corinna Schmidt. Diese wittert in einer Verbindung mit Leopold Treibel den sozialen Aufstieg. Wird es ihr gelingen, sich den begehrten Junggesellen zu angeln oder schafft es die ebenfalls durch eine Heirat sozial aufgestiegene Jenny (geb. Bürstenbinder; eine Krämerstochter) die Leine zu kappen, um eine Blamage zu verhindern?

    Unerfüllte Erwartungen (ab hier: Spoiler)

    Ich habe diesen Roman nach meiner Lektüre von Effi Briest gelesen. Wäre es andersherum, würde mein Urteil wahrscheinlich milder ausfallen. So allerdings muss ich kritisieren, dass mir die Gesellschaftskritik am Ende nicht weit genug geht. Es hat mich emotional weniger berührt, ich habe ein fulminantes Finish erwartet, auf den Skandal gehofft. Es geht doch hier im Grunde um die klassische Shakespeare-Story: Die Bourgeoisie-Familie (Treibel/Munk) gegen das gebildete Bürgertum (Schmidt). Romeo und Julia im Berlin der 1880er Jahre quasi - nur, dass bei Fontane keiner stirbt und sich alle mit ihrem Los arrangieren. Kein Knall am Ende, keine Durchmischung der Verhältnisse. Es kann nicht einmal davon gesprochen werden, dass mit dem erwartbaren Ausgang jemand tief unglücklich wäre. So zeigt uns Fontane zwar Kritikpunkte an den sozialen Verhältnissen, aber keine Lösungsvorschläge.

    Fontane formuliert es am Ende folgendermaßen: „In eine Herzogsfamilie kann man allenfalls hineinkommen, in eine Bourgeoisfamilie nicht. Und wenn er, der Bourgeois, es auch wirklich übers Herz brächte – seine Bourgeoise gewiss nicht, am wenigsten wenn sie Jenny Treibel, née Bürstenbinder heißt.“

    Das Ende kann nicht überzeugen, es bleibt alles, wie es war. Stopp, Stagnation, Stillstand. Ganz klar: Der Weg muss hier das Ziel sein. Und so ist es auch. Fontane schafft einen wirklich unterhaltsamen Weg mit vielen humorvollen, gescheiten Momenten.

    Fontane arbeitet in >Frau Jenny Treibel< viel mit Dialogen. Auf kreative, witzige und intelligente Weise persifliert er „das Hohle, Phrasenhafte, Lügnerische des Bourgeoisstandpunktes […], der von Schiller spricht und Gerson meint“ (Fontane in einem Brief an seinen Sohn Theo über seine Intention zu >Frau Jenny Treibel<). Zur Erklärung: Mit  >Gerson< meint er wahrscheinlich einen gewissen Berliner Unternehmer (Herrmann Gerson 1813-1861), ein Aushängeschild des Besitzbürgertums.

    Fontane bringt seine Anti-Bourgeois-Haltung einerseits durch den gelehrten Professor Willibald Schmidt zum Ausdruck, andererseits durch die Charakterzeichnung der Roman-„Anti“-Heldin Jenny. Diese beteuert vehement ihren großen Idealismus („Aber mir gilt die poetische Welt, und vor allem gelten mir auch die Formen, in denen das Poetische herkömmlich seinen Ausdruck findet. Ihm allein verlohnt es sich zu leben. Alles ist nichtig; am nichtigsten aber ist das, wonach alle Welt begehrlich drängt: äußerlicher Besitz, Vermögen, Gold. […] Ich für meine Person verbleibe dem Ideal und werde nie darauf verzichten.“ [3. Kapitel; S. 30f.]), sie singt mit Herzenslust das alte romantische Lied (Wo sich Herz zu Herzen find‘t) ihres einstigen Verehrers Professor Schmidt bei jedem sich bietenden Anlass. Und während sie Wasser predigt, trinkt sie ihren Wein in großen Schlucken.  Jenny bedrängt ihren Sohn, die mit Prestigeverlusten einhergehende Verlobung zu canceln, organisiert eine aussichtsreichere Partie mit der Schwester ihrer Schwiegertochter, die sie bereits vor der Verlobung aus dem Anwärterinnen-Pool aussortiert hatte. "Eigentlich liegt es doch so: Alles möchte reich sein, und ich verdenke es keinem.“ (1. Kapitel; S. 13) Alles, bloß keinen Skandal! "Die Dinge bleiben doch schließlich, was und wie sie sind." (5. Kapitel; S. 52)

    Fischer Klassik Ausgabe

    Das Cover finde ich ästhetisch wunderschön. Auch inhaltlich glänzt die Ausgabe mit einer Kurzbiografie Fontanes und dem (dieses Mal recht dürftig ausfallenden) Kindler-Beitrag.

    Fazit

    Knapp heruntergebrochen ist FRAU JENNY TREIBEL von Theodor Fontane ein Roman, wo sich Herz zu Herzen findet (mehrfach); welches voller Sozialkritik der Wilhelminischen Ära trieft, für die es allerdings keine Lösungsansätze gibt und sich daher am Ende alles in Wohlgefallen (jeder bleibt für sich) auflöst. Realismus pur – keine Frage! Aber die Moral? Hast du eine Schwiegermutter, die dich nicht leiden kann und einen Verlobten, der für seine Liebe zu dir nicht einstehen kann, tust du gut daran in der Hinterhand noch einen verliebten Narren zu haben, der dir verzeiht, dass du ihn nicht liebst.

     

    FRAU JENNY TREIBEL | Theodor Fontane | Fischer Taschenbuch Verlag| Fischer Klassik| 2008 | 208 Seiten | 5,00€

  14. Cover des Buches Mosaik der verlorenen Zeit (ISBN: 9781530267866)
    Elyseo da Silva

    Mosaik der verlorenen Zeit

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Yann

    Das Mosaik der verlorenen Zeit ist schwierig kurz zusammen zu fassen, da es um völlig verschiedene - jedoch verwobene! - Handlungsstränge von Figuren geht. Insofern fühlte auch ich mich wie manch andere an "Cloud Atlas" erinnert und wenn es auch nicht ganz so allumfassend ein Portrait der Menschheit zeichnet wie jenes Buch, erzählt es doch eine mitreißende und tragische Geschichte bezüglich eines Landes, das ich literarisch vorher noch gar nicht erkundet hatte. Natürlich sind die anderen Handlungsstränge mit den europäischen Figuren auch lesenswert. 

    Insgesamt ist das Mosaik stilsicher geschrieben und angenehm zu lesen.

    5/5 Sterne gibt es daher von mir!

  15. Cover des Buches Vater Goriot (ISBN: 9783849533045)
    Honoré de Balzac

    Vater Goriot

    (68)
    Aktuelle Rezension von: LucianVicovan

    Wie gut kann man jemandem gegenüber sein, ohne auch nur die kleinste Freude oder Anerkennung im Gegenzug zu erwarten? Da muss man wohl am besten die Eltern unter uns Fragen!

    Auch im Falle des alten Nudelfabrikanten und seinen Töchter werden schnell Unstimmigkeiten und Grausames offenbart! 😳


    ich mag Honoré de Balzac, seine Themenauswahl und Schreibweise sehr! 🤓

  16. Cover des Buches Cat Person (ISBN: 9783746637297)
    Kristen Roupenian

    Cat Person

    (94)
    Aktuelle Rezension von: Lutz_ek

    Ein durchaus zwiespältiges Buch. Ein paar der Geschichten gefallen mir richtig gut, andere Short Storys so gar nicht. Manchmal sind sie ekelhaft und kaum auszuhalten, dann wieder faszinieren. Die Cat Person Story fand ich auch wirklich ganz gut und erschreckend zu sehen, wie manche Männer einfach ticken.

    Bin auf weitere Bücher gespannt.

  17. Cover des Buches RICARDA HUCH: AUS DER TRIUMPHGASSE (ISBN: B003RY2H2K)
    RICARDA HUCH

    RICARDA HUCH: AUS DER TRIUMPHGASSE

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Geschichte der deutschen Literatur (ISBN: 9783407755254)
    Manfred Mai

    Geschichte der deutschen Literatur

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Manfred Mai widmet sich der Deutschen Literatur. Das Buch ist so vielfältig, wie die Literaturgeschichte von Deutschland. Ein Ritt durch die Jahrhunderte und Jahrzehnte und auch immer ein Portrait von einzelnen wichtigen und großen Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Sehr gute Texte, die viel Information bieten ohne ausufernd zu werden. Die Bilder dazu sind ganz toll gemacht. Das Buch ist auch topp als Geschenk für SchülerInnen und ein gutes Material für die Hausaufgaben und auch als Grundlage für Referate. Ich finde Manfred Mai einfach ganz toll!

  19. Cover des Buches Edward Hopper (ISBN: 9783775746564)
    Ulf Küster

    Edward Hopper

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Hopper A-Z ist vom Autor Ulf Küster als Inspiration für den kunstinteressierten Laien gedacht. Das lexikalisch strukturierte Buch mit zahlreichen Abbildungen stellt auch eine Reise in die innere Gedankenwelt des berühmtesten Vetreters des amerikanischen Realismus dar. Kurzweilige Einträge sind mit biografischen Details und Querverbindungen zu anderen Künstlern versehen. Anhand von mehreren Bildbeschreibungen erfahren wir allerlei Wissenswertes zum Verständnis der Malweise Hoppers. Die Weite der amerikanischen Landschaft, die Darstellung von Licht und Schatten und melancholische Stimmungen sind prägende Motive Edward Hoppers. Dieses Buch erweckt beim Lesenden Neugier sich eingehender mit dem Werk Hoppers zu beschäftigen und sich die noch laufende Austtellung der Fondation Beyeler in Riehen, Schweiz, anzusehen.

  20. Cover des Buches Quantenwelt (ISBN: 9783570554562)
    Lee Smolin

    Quantenwelt

    (3)
    Aktuelle Rezension von: miss_amanogawa

    Wenn ich das Buch in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es FASZINIEREND.

    Smolin führt uns in die Welt einer Wissenschaft, die mehr einer Philosophie gleicht. Denn die Quantentheorie versucht, Unvorhersehbares zu erforschen, zu begründen und zu definieren.

    Des Öfteren habe ich mich beim Lesen dabei erwischt, zu denken: "Mensch, das ist doch vollkommen logisch. Warum muss man das noch wissenschaftlich erklären? Das Leben läuft nun einmal ungeplant." Und ja, das Leben bedeutet Chaos. Nichts lässt sich vorhersagen. Kein Weg ist vorherbestimmt. Aber die Art und Weise, wie Physiker diesem Phänomen auf den Grund gehen und wie sehr ihr kultureller oder sozialer Hintergrund ihre Karriere und Ergebnisse  beeinflusst haben, das ist schon spannend.

    Ich muss nur gestehen, dass trotz Smolins anfänglicher Beteuerung, die Materie auch für Laien greifbar zu gestalten, ich, als Laie schlechthin, Probleme im Verständnis der Details hatte. Ich musste mich doch sehr auf die Fachsprache konzentrieren. War eine Definition erst einmal vergessen, hatte ich das Gefühl, den Anschluss verpasst zu haben.

    Als sehr grobe Einführung in die Quantentheorie kann man sich das Buch schon einmal schnappen, weil viel auf den historischen Kontext eingegangen wird. Aber um ein gehaltvolleres Grundwissen zu erlangen, ist für mich wohl doch etwas mehr Fachlektüre erforderlich.

  21. Cover des Buches Landpartie - Gesammelte Erzählungen (ISBN: 9783717524762)
    Eduard von von Keyserling

    Landpartie - Gesammelte Erzählungen

    (5)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Eduard von Keyserling, der vor fast genau 100 Jahren starb, gilt als einer der wenigen bedeutenden spätnaturalistischen (oder impressionistischen) Schriftsteller. Seine bedeutendsten erzählerischen Werke diktierte er in den Jahren 1903-1918, erblindet und an verschiedenen Gebrechen leidend, seinen Schwestern in der Abgeschiedenheit seines Hauses. Wer mehr über sein Leben vor dieser Zeit wissen oder zumindest einen Eindruck bekommen will, dem empfehle ich die fiktive Biographie von Klaus Modick („Keyserlings Geheimnis“).

    Ich mochte Keyserling schon immer, weil er eine sehr angenehme, aber durchaus hintergründige Art zu Erzählen hatte – ein bisschen erinnert er dann und wann an Tschechow. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch Keyserlings Werk besteht vor allem aus längeren Erzählungen und Novellen. Diese neue Ausgabe kann sich rühmen, wirklich alle bedeutenden Erzählungen zu versammeln – sie kann allerdings nicht vollends konkurrieren mit einer Ausgabe, die 1998 bei Heyne erschien („Harmonie. Romane und Erzählungen“) und die neben vielen wichtigen Erzählungen auch die längere Novelle „Wellen“ enthält, sowie die Romane „Dumala“ und „Feiertagskinder“.

    Trotzdem lohnt es sich, diese neuere Ausgabe anzuschaffen, vor allem, weil sie nicht ganz so wuchtig ist wie Ausgabe von Heyne. Wer auf der Suche nach einer malerischen und dennoch feinsinnigen Lektüre ist, der kann mit Keyserling nichts verkehrt machen. Seine Geschichten über den alten Adel, die Leichtigkeit und Schwere der kleinen Missverständnisse und großen Gefühle, die er mit vollendeter Schlichtheit skizziert, sind von bleibender Eleganz und auch heute noch, als Seelenerkundungen, sehr stimmig.

    Liste der enthaltenen Texte:

    Nur zwei Tränen
    Mit vierzehn Tagen Kündigung
    Das Sterben. Ein Sommerbild
    Grüß Gott, Sonne!
    Grüne Chartreuse
    Die Soldaten-Kersta
    Der Beruf
    Schwüle Tage
    Harmonie
    Sentimentale Wandlungen
    Im Rahmen. Skizze
    Seine Liebeserfahrung
    Gebärden
    Die sentimentale Forderung
    Osterwetter
    Die Verlobung
    Geschlossene Weihnachtstüren
    Frühlingsnacht
    Landpartie
    Bunte Herzen
    Föhn
    Winterwege
    Prinzessin Gundas Erfahrungen
    Am Südhang
    Nachbarn
    Die Kluft. Zwei Dialoge
    Das Landhaus
    Vollmond
    Schützengrabenträume
    Nicky
    Verwundet
    Der Erbwein
    Pfingstrausch im Krieg
    Das Kindermädchen
    Das Vergessen
    Die Feuertaufe
    Im stillen Winkel

  22. Cover des Buches Effi Briest (ISBN: 9783742409546)
    Theodor Fontane

    Effi Briest

    (37)
    Aktuelle Rezension von: NiWa

    Die siebzehnjährige Effi heiratet den doppelt so alten Baron von Innstetten, wodurch sie in ihr Unglück rennt. Innstetten ist besessen von der Karriere, behandelt die Angetraute wie ein Kind, und bemerkt nicht, dass seine Frau außerhalb der Ehe der Einsamkeit entflieht. 

    „Effi Briest“ ist ein Klassiker von Theodor Fontane. Das Werk ist erstmals in den Jahren 1894 und 1895 erschienen, und hat damals angeblich für viel Furore gesorgt. 

    An meiner Schule war dieses Werk keine Pflichtlektüre. Allgemein bin ich an Klassikern interessiert und wollte daher unbedingt diese Bildungslücke schließen. Im Endeffekt war hier schon fast schade um die Zeit, weil einem in Gesellschaft der lieben Effi das Gesicht einschläft. 

    Zunächst beginnt es richtig interessant. Der Leser lernt Effi als junges, unverheiratetes Mädchen kennen. Sie ist wild, verspielt und zu jeder Zeit vergnügt unterwegs. In Gesellschaft ihrer Freundinnen fühlt sie sich wohl und zu den Eltern hat sie ein herzliches Verhältnis. 

    Dann hält Baron von Innstetten um ihre Hand an, und sie nimmt den Antrag an. Die Eltern sind zufrieden, die Siebzehnjährige blickt einem angenehmen Leben entgegen, und könnte im Prinzip glücklich sein. 

    Nach der Hochzeit nimmt das Ende schon seinen Gang: Innstetten kümmert sich viel zu wenig um die junge Frau, welche zusehends vereinsamt und sich vermutlich deshalb um andere Gesellschaft bemüht.

    Auf diese Weise nimmt die Handlung ihren Lauf und insgesamt hört es sich sogar faszinierend an. Doch ab der Vermählung schleicht sich nicht nur Langeweile in Effis Alltag ein, sondern auch der Leser wird entsprechend gequält. Es geschieht nichts. Fontane berichtet von ellenlangen Spaziergängen, wie der Hund herumtollt, oder wer das Haus der Innstettens besucht. 

    Einzig spannender Part wäre ein übernatürlicher Aspekt um einen Chinesen gewesen, der Effi um den Schlaf bringt. Sie fürchtet sich vor der Spukgestalt, und die Geschichte um den mysteriösen Chinesen ist auffallend präsent. Jedoch verläuft es sich im Sand, und ist im weiteren Verlauf kaum der Rede wert. 

    Ab der Hälfte wollte ich das Hörbuch abbrechen, ich habe es dann aber doch durchgezogen. Immerhin war ich schon so weit gekommen, deshalb hörte ich es bis zum bitteren Ende. Effis außerehelicher Fauxpas wird der damaligen Zeit entsprechend dezent in den Raum gestellt. Es gibt keine bildhaften Szenen, sondern lediglich Andeutungen, die sie als Geächtete an den Rand der Gesellschaft führen.

    Ich verstehe durchaus, dass dieser Roman bei Erscheinen für Aufregung sorgte. Fontane setzt sich mit der Motivation hinter dem Ehebruch auseinander, veranschaulicht, dass es nur bedingt an Charakterschwäche liegt, und führt an, dass immer zwei Menschen in einer Ehe sind. 

    Allerdings ist es - meiner Meinung nach - für den Leser der Gegenwart schon mühselige Kost. Besonders während der vielen Spaziergänge sind meine Mundwinkel mit steigender Schrittzahl nach unten gesackt. Es war weder ein Vergnügen noch interessant, dennoch bin ich froh, dass ich jetzt weiß, was mit Effi Briest geschehen ist. 

    Allgemein verstehe ich nicht, warum dieses Werk an vielen Schulen Pflichtlektüre ist. Zwar kann ich nachvollziehen, dass man sich mit dem Inhalt und der Wichtigkeit des Romans im schulischen Rahmen auseinandersetzt, doch als zwingende Lektüre fallen mir etliche andere, spannendere Klassiker ein, bei denen die Lust auf altehrwürdige Literatur eher bestehen bleibt. 

    Lobend ist unbedingt die Sprecherin dieser Hörbuchversion - Brigitte Trübenbach - zu erwähnen. Sie verdient sich meine Bewunderung, weil sie dem Geschehen trotz der langweiligen Grundlagen Leben verliehen hat. Sie klingt vergnügt, schwungvoll und hat angenehm erzählt, was zumindest ein Trost in Anbetracht des einschläfernden Inhalts ist.

    Im Endeffekt zählt „Effi Briest“ daher zu den Klassikern, die man meiner Ansicht nach nicht gelesen haben muss.

  23. Cover des Buches Die Unruhe der Bücher. Vom Lesen und was es mit uns macht (ISBN: 9783150196694)
    Sascha Michel

    Die Unruhe der Bücher. Vom Lesen und was es mit uns macht

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Ein gebildeter Mensch, dieser Sascha Michel, das erkenne ich auf den ersten Seiten, denn ich hab keine Ahnung, was "Kontoguitätsrelation" oder "Metonymie" bedeuten (und bei dem raschen Aufeinanderfolgen dieser Fachbegriffe habe ich ehrlicherweise keine Lust nachzuschauen). Ich kann allerdings Sätze wie diesen hier voll und ganz nachvollziehen und unterschreiben:

    Das Lesen gedruckter Bücher mag gesellschaftlich und medienhistorisch immer mehr zum Nischenphänomen werden. Das Leben selbst ist aber alles andere als ein Nischenphänomen. [...] Auch die Frage, ob digital oder analog gelesen werden sollte, ist weniger wichtig, als oft behauptet wird. Wichtiger ist [...] zunächst einmal schlicht die Lesesozialisation: Vorlese-Erfahrungen in der Kindheit, das Lernen von Konzentration, ob am Bildschirm oder mit Papier, und ein lebendiger Deutschunterricht.
    Und weiter:
    "dafür brauchen wir die Bücher: damit uns immer wieder schockartig bewusst wird, wie viel größer das Universum ist, als wir zu denken gewohnt sind."

    Die Quintessenzen, die ich aus Sascha Michels Abhandlung über die Unruhe der Bücher mitnehme, ist dass Bücher ganz schön retro sind, wenn man sie nicht auf einem Screen liest, sie uns aus unserer Komfortzone herauszuholen vermögen, das empathische Empfinden fördern können, und dass das Gelesene mehr als eine Bedeutung haben kann.
    Ich fühle mich in meiner Berufswahl zur nahezu vollständigen Buchhändlerin bestärkt! Wer sich mit dem, was das Lesen in einem selbst macht, auseinandersetzen will, dem sei dieses kleine Büchlein ans Herz gelegt!

  24. Cover des Buches Herr und Knecht (ISBN: 9783866477162)
    Leo Tolstoi

    Herr und Knecht

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Sandrica89

    Meine erstes Buch von Tolstoi. Ich wollte unbedingt den Schriftsteller kennenlernen, hab jedoch etwas Bammel, da seine Werke doch anspruchsvoll sein sollen. Deswegen bin ich auf diesen Klassiker gestossen und war gespannt, ob der Autor mich abholen konnte.

    Der reiche Kaufmann Wassili Andrejitsch Brechunow möchte ein weiteres gutes Geschäft abschliessen und macht sich zusammen mit seinem Knecht Nikita und dessen Schlitten und Pferd auf dem Weg. Allerdings droht bald ein schlimmer Schneesturm, aber er ignoriert es, da noch andere Interessenten das Waldstück abkaufen wollen. Schon bald verirren sie sich und landen in ein Dorf, von wo aus sie nicht mehr weit haben bis zum Zielort. Brechunow lehnt jedoch die Einladungen ab, im Dorf zu übernachten und fährt trotz den Warnungen wieder weiter. Sie verirren sich wieder, doch diesmal scheint keine Rettung zu kommen. Sie sind nun auf sich alleine gestellt und müssen sich selber retten.

    Beide Charaktere können unterschiedlicher nicht sein, dennoch achteten sie auf einander, irgendwie. Zu Beginn spürte man, dass der Kaufmann vom höheren Stande kommt als sein Knecht, der eigentlich ein Bauer ist. Die Schwächen der beiden wird zuerst aufgeführt: der Kaufmann denkt nur an den Profit und das Geschäft, während Nikita noch seine Dämonen bekämpft. Brechunow ist leicht egoistisch und arrogant, während Nikita ein sehr freundlicher und zuvorkommener Mensch ist. Als sie sich im Schnee verirrten fühlte man deren Verzweiflung und der Kaufmann tat zuerst etwas selbstloses. Jedoch kamen sie wieder zueinander und diesmal, da es anscheinend keinen Ausweg mehr gibt, existierte der unterschiedliche Stand nicht mehr und Brechunow scheint verstanden zu haben, was im Leben eigentlich am wichtigsten ist. 

    Auch wenn es eine Kurgeschichte ist, so hatte es dennoch eine Tiefe und ich fühlte mit den Charakteren mit. Tolstoi hat in diesen 80 Seiten gezeigt, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Egal, von welchem Stand man kommt. Seinen Schreibstiel empfand ich nicht als leicht, aber auch nicht als schwer oder schleppend. Für mich hat es ganz gut gepasst und ich hatte die Geschichte innert kurzer Zeit weggelesen. Deswegen ist dieses Buch perfekt, um den Autor Tolstoi kennenzulernen. Ein Klassiker, den man sicherlich mal gelesen haben muss.

    Eine kleine Anmerkung noch: ich habe vor ein paar Monaten "Der Schneesturm" von Vladimir Sorokin gelesen. Es hat viele Ähnlichkeiten mit "Herr und Knecht". Wer dieses Buch gelesen hat, dürfte ganz gut mit diesem hier klar kommen. Nur, dass diese Geschichte von Tolstoi Gänsehaut bereitet, während das andere eher obskur ist.

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