Bücher mit dem Tag "rechtspopulismus"

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39 Bücher

  1. Cover des Buches QualityLand (QualityLand 1) (ISBN: 9783548291871)
    Marc-Uwe Kling

    QualityLand (QualityLand 1)

    (883)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Stanislaw Lem wird der Satz zugeschrieben: "Ein Zukunftsroman hat entweder absolut nichts mit den bestehenden Verhältnissen zu tun oder er kritisiert sie." Wilhelm Busch, der unverbesserliche Spaßmacher, schrieb einmal: "Was man ernst meint, sagt man am besten im Scherz." Diese beiden Sätze fielen mir immer wieder ein, während ich "Qualityland" las. Erster aus simplen, zweiter aus komplexeren Gründen, die weiter unten noch einmal aufgegriffen werden.

    Ich habe, nach der erheiternden und teilweise inspirierenden Lektüre von Marc-Uwe Klings neustem Wurf, noch lange über diesen Roman nachgedacht. Irgendwie war ich trotz aller Freude, die ich beim Lesen empfunden hatte (hervorgerufen durch Gags, geniale Einfälle, wunderbare Spitzen und die hier und da eingestreuten Zitate und Verweise auf Popkultur, Geschichte und Wissenschaft, oft mit skurrilem Einschlag), nicht ganz sicher, wie ich das Buch verorten sollte. Sprachlich eher einfach und straight (wenn auch immer wieder mit gekonnten Stilwechseln und einer generellen Sicherheit im Ton, in der Darstellung), die Figurenzeichnung wunderbar komisch, aber nicht gerade tiefgründig und vielschichtig. Es wäre wohl auch unsinnig, solche Maßstäbe an ein Buch anzulegen, das seinen Fokus auf Themen und nicht auf Figuren legt.

    "Peter muss sich nicht die Mühe machen, relevante Informationen zu finden. Die relevanten Informationen machen sich die Mühe, Peter zu finden."

    "Qualityland" ist eine Zukunftsvision, doch ich zögere, es einen Sci-Fi Roman zu nennen, weil die darin beschrieben technischen Errungenschaften mit algorhytmischen Tendenzen im Prinzip nur die ausgewachsenen, (noch) totalsierteren Versionen der Einrichtungen und Systeme von heute darstellen. Natürlich hat Marc-Uwe Kling auch einige schöne Erfindungen erdacht – aber im Prinzip basiert die von ihm erschaffene Welt auf dem Weiterdenken und Zuspitzen derzeitiger Erscheinungen und Entwicklungen; knapp an der Übertreibung vorbei, aber eigentlich sehr realistisch, geradezu gegenwärtig, zeitgeistig; deswegen mein Zögern, „Qualityland“ einen Sci-Fi-Roman zu nennen. Aber auch Bezeichnungen wie „Satire“ würden zu kurz greifen.

    Wie einst George Orwell oder Aldous Huxley, gibt Kling seiner Welt zunächst den Anstrich einer utopischen Ausrichtung (wenn das Buch auch in zwei Versionen erhältlich ist, von denen eine mit utopischen Intermezzos, die andere mit dystopisch-zynisch-satirischen Intermezzos versehen ist; am Ende des Buches befinden sich ein QR-Code und ein Link, mit dem man sich die Inhalte des jeweils anderen Buches ansehen kann, sodass ein doppelter Kauf nicht nötig ist). In dieser Utopie ist personalisierte Digitalisierung in ihre Vervollkommnung eingetreten: jede/r findet den/die richtige/n Partner*in, die richtigen Freund*innen, bekommt die richtigen Gebrauchsgegenstände geliefert, ihm/ihr wird die passende Werbung angezeigt und es gibt eigentlich nichts, was der Mensch noch selbst machen muss, außer sich seiner Prägung entsprechend zu verhalten oder hier und da eine Aufstiegschance zu nutzen oder den potentiellen Abstieg zu verhindern, der ihn zur Nutzlosigkeit verdammen würde.

    Für diese durch-personalisierte Welt, die trotzdem von monopolistischen und totalitären Firmen und Dienstleistern quasi kontrolliert wird und in der es endgültig zu einer klar hervortretenden Klassengesellschaft gekommen ist, hat der Autor viele schöne Beispiele arrangiert, angefangen bei den Nachnahmen der Menschen, die den Berufen ihrer Eltern entsprechen, über einen Date-/Liebesdienst, der die Profile seiner Kund*innen einfach zusammenbringt & die angesprochenen Intermezzi, die meist aus absurd anmutenden Produktwerbungen und Nachrichtenmeldungen bestehen, bis hin zu vielen personalisierten Produkten:

    "In der Schule, sagt Peter, hatte ich mal eine Freundin, in deren Version von Game of Thrones keine einzige Figur gestorben ist. Die haben immer nur eine Sinnkrise bekommen und sind ausgewandert, oder so."

    Diese ganze Charade wirkt immer wieder aberwitzig, ist aber bei genauer Betrachtung selten weit von der Wirklichkeit entfernt, sodass es einen schon ein bisschen gruseln könnte, würde man es nicht gerade so witzig finden, was dem Protagonisten von seiner Umwelt alles zugemutet wird. Allerdings sollte man sich dann auch mal fragen, was einem selbst so alles zugemutet wird – und noch zugemutet werden könnte. Denn Peter Arbeitsloser ist eben nicht nur die Fortsetzung des Kleinkünstlers mit anderen Mitteln – er ist auch der Nachfahre einer Gesellschaft, die sich vom System übervorteilen ließ.

    "-Ich hab es einfach satt, dass immer keiner verantwortlich ist. Immer ist das System schuld. Aber es gibt eben doch auch Leute, die dafür verantwortlich sind, dass das System ist, wie es ist!-"

    Die Herren der Welt, wie Noam Chomsky sie nannte. Bei Marc-Uwe Kling treten sie als Witzfiguren auf, als selbstzufriedene und blöde Fatzkes (wie schon im Känguru, an der Stelle hat sich nix verändert), die entweder nicht den Intellekt haben, die Situation zu durchschauen oder nicht die moralische Integrität, sie zu ändern (manchmal erstaunlicherweise auch beides). Dass es vor allem der Stumpfsinn ist, der in den Köpfen dieser Herr*innen der Welt regiert, der blinde und unreflektierte Systemglaube, ist gleichsam entlarvend, aber hier und da wirkt dieses brachial-plumpe Pochen auf dieser Dummheit auch etwas vereinfacht. Natürlich: wer sich umsieht, wird merken, dass wir in einer teilweise ziemlich pervertierten Welt leben und viele Schriftsteller*innen haben den Fehler gemacht, ihren Charakteren nicht das übliche Maß an Dummheit zuzumuten, das nun mal durchaus in der Welt draußen floriert. Trotzdem: manches, was haarsträubend genug ist, wird so allzu sehr zur Karikatur, hinter der die beunruhigenden Facetten der Machtpositionen nicht mehr ganz hervorlugen.

    Wirklich beeindruckend an „Qualityland“ ist, wie Kling darin immer wieder Dialoge entspinnt, in denen ganz klar die Problematik und nicht nur die Komik des derzeitigen Systems und seiner Entwicklung hervorgehoben wird. Und nicht nur das: es werden konkrete philosophische und soziologische Dilemmata aufgeworfen und diskutiert, mit einer Leichtigkeit und Unwillkürlichkeit, die etwas leicht Gestelltes, aber auch etwas Geniales, Treffliches haben – vor allem wenn das Gespräch zwischen einem selbstfahrenden Auto und Peter Arbeitsloser stattfindet:

    "-Weißt du, was der entscheidende Unterschied zwischen euch und uns ist?-
    -Was denn?-
    -Wenn ein selbstfahrendes Auto einen Fehler macht, lernen alle anderen Autos durch diesen Fehler und machen ihn nicht wieder. Unterschiedliche Menschen machen immer wieder den gleichen Fehler. Ihr lernt nicht voneinander.
    - Ich verrate dir mal was-, sagt Peter. -Oft macht sogar derselbe Mensch den gleichen Fehler noch mal.-

    Diese Zusammenführung von komischer und kritischer Perspektive, von Witz und Nachdenklichkeit, von Lachen und Entsetzen manchmal, ist der bewundernswerteste Zug dieses Buches. Und ebenso erstaunlich ist, dass ich mir immer wieder gewünscht habe, dass es an der einen Stelle mehr ins Kritische, an der anderen mehr ins Komische, Anspielungsreiche geht und am Ende doch sagen muss: die Mischung macht’s. Nicht nur im Hinblick auf die Unterhaltung, sondern auch im Hinblick auf das Kritische. Vielleicht hatte Wilhelm Busch Recht.

    Wer in letzter Zeit wie ich Bücher wie „Was auf dem Spiel steht“ von Philipp Blom oder Noam Chomskys „Requiem auf den amerikanischen Traum“ gelesen hat, wird zweifellos ähnlich zweischneidig auf dieses Buch blicken, wo andere die entlarvende Komik einfach als eigenständige Erscheinung feiern werden – was ja auch wunderbar und vollkommen okay ist. Ich selbst komme, wie schon angedeutet, nicht umhin, eher die inspirierenden, kritischen Ansätze zu bemerken und mich zu fragen: wie ernst werden die Leute nehmen, was Kling hier präsentiert? Werden sie in der Komik das Entlarvende sehen oder doch eher das Überzeichnete? Werden sie in Passagen wie der folgenden (in denen der hyperintelligente Androide und Präsidentschaftskandidat John gerade von einer Wahlkampfveranstaltung fliehen musste) die Pointe genießen oder erkennen, dass sie die darin formulierte Problematik direkt und unausweichlich betrifft?

    "-Ich muss zugeben, es ist schwieriger als ich berechnet hatte-, sagt John.
    -Was genau?-, fragt Aisha.
    -Eine Antwort auf Betrand Russells Frage zu finden.-
    -Wer?-, fragt Tony.
    -Ein toter englischer Philosoph-, sagt Aisha. -Er hat gesagt: Die Frage heute ist, wie man die Menschheit überreden kann, in ihr eigenes Überleben einzuwilligen-"

  2. Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783550201677)
    Samira El Ouassil

    Erzählende Affen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Wir Menschen lieben Geschichten. Wir erzählen sie über uns selbst und andere, sie begegnen uns - natürlich - im Kino, im Fernsehen und in Büchern, aber auch in dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält und spaltet. Die beiden Geisteswissenschaftler*innen Samira El Ouassil und Friedemann Karig widmen sich in ihrem Sachbuch "Erzählende Affen" der komplexen Frage, wie Geschichten unser Leben und unsere Gesellschaft prägen. Dabei geben sie in der ersten Hälfte des Buches viel Grundwissen zu modernen Literaturtheorien an die Hand und spezialisieren sich insbesondere auf die Heldenreise, die - wie ich lernen durfte - auf fast alle unsere Geschichten anwendbar ist. Beispiele für die Heldenreise geben sie zuhauf, von antiken Epen wie "Illias" und die "Odyssee" bis hin zu den modernen Sagen wie "Harry Potter" oder "Der Held der Ringe" ist alles dabei, leider spoilern die beiden auch gerne einmal die Enden der Geschichten. In der zweiten Hälfte von "Erzählende Affen" geht es um aktuelle Narrative der Politik, Klimakrise und Gesellschaft - und wie sie anders erzählt werden könnten, um Veränderungen anzustoßen. Ich fand Karigs und El Ouassils Thesen durchaus spannend und habe auch viel aus ihrem Sachbuch mitnehmen können, allerdings leidet das Buch für mich unter seiner Ausführlichkeit. Die zahlreichen Fußnoten und Exkurse haben meinen Lesefluss sehr gehemmt, auch sprachlich habe ich "Erzählende Affen" als viel zu akademisch und schwer zugänglich empfunden. Zudem hatte ich am Ende des Buchs das Gefühl, dass trotz der Seitenstärke und Themenfülle die nötige Tiefe verloren gegangen ist. Von mir gibt es daher nur eine Empfehlung, wenn ihr euch besonders für das Thema Macht von Geschichten interessiert.

  3. Cover des Buches VIEWS (ISBN: 9783548073699)
    Marc-Uwe Kling

    VIEWS

    (502)
    Aktuelle Rezension von: KarinGorsatt

    Views war mein erstes Buch von dem Autor Marc Uwe-Kling. Das Buch schaffte es, mich ab den ersten gelesenen Seiten zu packen. Ich konnte es gar nicht mehr weglegen. Es enthält sehr sensible Inhalte, ist gesellschaftskritisch aber zu jedem Zeitpunkt niveauvoll geschrieben. Ist sicherlich nicht mein letztes Buch von Marc.

  4. Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)
    Carolin Emcke

    Gegen den Hass

    (53)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Wer sich auch nur ein wenig im Internet bewegt, weiß es schon lange: die Menschenfeinde versuchen lautstark, organisiert und hemmungslos ihren Hass als die wahre Meinung des Volkes, die aufrichtige Mehrheitsmeinung zu verkaufen. Dass es diesen rechten bis rechtsextremen Rand in jeder Gesellschaft gibt, ist nichts Neues. Dass diese fanatische Minderheit bis zu 20 Prozent der deutschen Gesellschaft ausmacht, könnte man auch seit Jahren wissen, wenn man die entsprechenden Studien verfolgt hätte. Hier haben die bürgerliche Mitte und die Verteidiger der offenen Gesellschaft schlichtweg zu lange weggeguckt. Die autoritären Charaktere mit ihrer Radfahrermentalität (Erich Fromm), nach oben buckeln und nach unten treten, die preußischen Untertanen, versuchen den Diskurs zu okkupieren und ihre Meinung als mehrheitsfähig in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.

    „Die Sorge erlebt zur Zeit eine erstaunliche Aufwertung. In der Sorge, so die rhetorische Suggestion, artikuliere sich ein berechtigtes Unbehagen, ein Affekt, der politisch ernst genommen und keinesfalls kritisiert werden sollte. Als seien ungefilterte Gefühle per se berechtigt. Als käme unreflektierten Gefühlen eine ganz eigene Legitimität zu.“

    Obsessiver Hass

    Erst mit dem Erstarken von Pegida und AfD wacht die im Konsum erstarrte offene Gesellschaft langsam auf. Erst mit dem Rückfall zahlreicher Deutscher in den völkischen Hass-Habitus schrecken Intellektuelle wie Carolin Emcke oder Harald Welzer auf. Es ist dringend an der Zeit die offene Gesellschaft zu verteidigen und sich klar und deutlich als Mehrheitsgesellschaft gegen den Hass zu positionieren. Emckes Plädoyer trifft den Kern der Debatte, was die Reaktionen der besorgten Bürger (u.a. in Amazon Rezensionen und Kommentaren) eindringlich bestätigen. Der Hass ist obsessiv geworden. Und seit geraumer Zeit werden aus den Worten auch Taten. Was Sarrazin, Pirinçci, Don Alphonso (Rainer Meyer), Höcke und sonstige Protagonisten der Neurechten sprachlich und gedanklich vorbereiten, führen die Hohlköpfe der neuen SA, die Hooligans, Kameradschaften, Freundeskreise und wie sich die rechtsextremen Gewaltaffinen auch nennen mögen, auf den Straßen aus.

    „Den Hass und die Angst schüren nicht zuletzt die, die sich von ihm Gewinn versprechen. Ob die Profiteure der Angst in der Währung der Einschaltquoten denken oder in Wählerstimmen, ob sie mit einschlägigen Titeln Bestseller produzieren oder sich mit griffigen Schlagzeilen Aufmerksamkeit verschaffen – sie alle mögen sich distanzieren von dem sogenannten »Mob« auf der Straße, aber sie wissen ihn ökonomisch für sich zu nutzen.“

    Mehr noch, muss man hinzufügen, sie sind sich in der Sache einig, lediglich die Methoden halten sie für falsch. Es ist diese Allianz der Hetzer mit dem Mob, die das gesellschaftliche Gefüge gefährden und der Menschenfeindlichkeit den Nährboden bieten. Carolin Emcke beginnt „Gegen den Hass“ mit genau solch einer Melange aus Worten und Taten. Clausnitz, wiedermal ein deutscher Ort, nach den überwunden geglaubten 90er Jahren, der zu einem Symbol des Hasses geworden ist.

    „Clausnitz ist nur ein Beispiel für den Hass und die Raster der Wahrnehmung, die ihn vorbereiten und formen, die Menschen unsichtbar und monströs zugleich machen. In Clausnitz traf es einen Bus mit Geflüchteten. In anderen Städten, in anderen Regionen trifft es Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Sexualität, einem anderen Glauben, einem uneindeutigen Körper, es trifft junge oder alte Frauen, Menschen mit einer Kippa oder einem Kopftuch, Menschen ohne Obdach oder ohne Pass, was immer gerade als Objekt des Hasses zugerichtet wird. Sie werden eingeschüchtert, wie in diesem Fall, oder kriminalisiert, sie werden pathologisiert oder ausgewiesen, angegriffen oder verletzt.“

    Als zweites Beispiel für „Hass und Missachtung“ führt Emcke den institutionellen Rassismus in den USA an. Es ist ein Beispiel, exemplarisch und nicht der Fingerzeig auf andere. Der institutionelle Rassismus ist kein Problem der USA, dort hat er lediglich eine spezifische Geschichte mit einer spezifischen und nicht einfach übertragbaren Ausprägung. Aber die Strukturen des Rassismus, die Missachtung des Lebens, die Menschenfeindlichkeit sind sehr wohl auch bei uns auszumachen.

    Der Mord an Eric Garner und sein Ausruf „This stops today“ ist Warnung, Mahnung und Aufforderung an alle Demokraten sich den Hass entgegenzustellen. Wie Harald Welzer es in „Wir sind die Mehrheit“ schrieb: Die Weimarer Republik scheiterte nicht, weil sie zu viele Feinde hatte, sie scheiterte, weil sie zu wenig Freunde hatte. Ebenso wie Welzer ruft Emcke dem Leser zu: Werdet Freunde der offenen Gesellschaft! Stellt euch gegen den Hass! Wir sind die Mehrheit!

    Der zweite Teil des Buches ist der Versuch den Kern der völkischen Ideologie, wie sie im Rassismus, bei Pegida, AfD und Neurechten gepflegt wird, aufzudecken: Homogen, Natürlich, Rein. Die Dreifaltigkeit der Einfältigkeit. Die Nähe von Neurechten, besorgten Bürgern und Islamisten wird hier besonders deutlich. Die Fundamentalisten sind immer gegen das vermeintlich Unnatürliche, das Unreine, die Biologisierung der eigenen Ideologie, der eigenen Ressentiments. Menschenfeinde sind Menschenfeinde – auch wenn sie es, geblendet von ihrem Hass, nicht erkennen werden.

    Emcke schließt das Buch mit dem dritten Teil, einem Plädoyer für den Pluralismus, die offene Gesellschaft. Hinter allem steht die Mahnung Eric Garners: Es muss heute aufhören! Der Hass muss aufhören.

    Während der erste Teil des Buches im journalistischen Stil geschrieben ist, dominiert im zweiten und dritten Teil ein philosophisch-akademischer Ton. Hierdurch wird meines Erachtens Potenzial verschenkt. Solche Bücher bedürfen einer großen Reichweite. Dass die besorgten Bürger das Buch nicht lesen werden, versteht sich von selbst. Aber die Mehrheitsgesellschaft besteht nicht nur aus Akademikern und Intellektuellen. Das ändert aber natürlich nichts an der Wichtigkeit des Buches und der trefflichen Analyse und Argumentation.

  5. Cover des Buches Echokammer (ISBN: 9783426562680)
    Ingar Johnsrud

    Echokammer

    (161)
    Aktuelle Rezension von: Normal-ist-langweilig

    „Der beste norwegische Thriller der letzten zehn Jahre!“ – WOW, was für eine Bewertung! Als ich die vielen Lobreden über dieses Buch gelesen habe, war ich Feuer und Flamme und wollte unbedingt diese Geschichte kennenlernen. Außerdem wollte ich unbedingt herausfinden, was die Terroristen vorhaben und ob mich das Buch so würde mitreißen können wie es – vom Klappentext – den Anschein erweckt. 

    Leider wurden das Buch und ich keine guten Freunde. Ich hatte schon direkt Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Ich habe die ersten Seiten (eigentlich die ersten drei Kapitel) tatsächlich zweimal hintereinander gelesen, da ich nicht richtig verstanden habe, was hier alles passiert und ich das Gelesene nicht vereinen konnte. Es fiel mir enorm schwer, in die Geschichte einzutauchen. Das trübte den Lesegenuss schon sehr. 

    Zwar war „Echokammer“ vom Thema her wirklich aktuell und auch sehr erschreckend, mir fehlten aber die sympathischen Ermittler und dieser gewisse Sog, den ich bei Büchern, die mich wirklich abholen und zum Pageturner werden, spüre. Die Intrigen und Manipulationen und auch die unterschwellige permanente Gefahr einer Katastrophe waren allgegenwärtig und diese sorgten dafür, dass ich trotz der anderen Probleme wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht und vor allem auch – wie die Geschichte endet und was hinter alldem steckt.  

    Für mich war das Buch keinesfalls leicht zu lesen, es hat mich doch einige Anstrengung gekostet, bis zum Ende dranzubleiben. Der Schreibstil war einfach nicht meiner. Vom Thema her absolut erschreckend, da realistisch und aktuell. Man überlegt die ganze Zeit, wie wahrscheinlich ein solches Szenario wirklich wäre. Keine leichte Unterhaltung, eher etwas zum Nachdenken.

    3 Sterne von mir.

    5 Sterne bekommt das Buch z.B. von Starlight of Books – 4 Sterne vergibt Krimi Wahnsinn und 3 Sterne findet man bei Wirkommu. 

  6. Cover des Buches Die Getriebenen (ISBN: 9783328114499)
    Robin Alexander

    Die Getriebenen

    (15)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Die Durchtriebenen, die Umtriebigen, die Herumtreibenden, die Angetriebenen: Hinter Merkels Flüchtlingspolitik mit dem Catch phrase "Wir schaffen das" herrschte erstaunlich viel Planlosigkeit, Belauern des politischen Gegners auf ganz hohem Niveau und erstaunlich viel Improvisation. Unglaublich, wie viele Zugeständnisse man dem Autokraten Recep Tayyip Erdogan für den EU-Türkei-Deal machen wollte, daß dieser sich zunächst prowestlich verhalten wollte und sogar den Ausgleich mit Israel anstrebte, spielt insofern keine Rolle. Getrieben und häufig rachsüchtig agiert hier fast jeder, ständig versucht einer, den anderen über den Tisch zu ziehen, und mit der Einführung des Sebastian Kurz macht bereits hier ein "Fähnlein im Wind" auf sich aufmerksam. Oder sind mit den "Getriebenen" vielleicht die flüchtenden Menschen gemeint, auf deren Rücken sich hier alles abspielt?

  7. Cover des Buches Desintegriert euch! (ISBN: 9783442719143)
    Max Czollek

    Desintegriert euch!

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ein tiefschürfendes Buch über die deutsche Schande, wirklich allen ans Herz gelegt. Sehr inhaltsschwer, so daß man nur langsam und mit Bedacht lesen kann. An die Walser-Rede konnte ich mich noch erinnern, sein Buch "Tod eines Kritikers" hätte vielleicht auch Erwähnung in diesem Appell finden können.

  8. Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783518473139)
    Didier Eribon

    Rückkehr nach Reims

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Meazostro

    Eribon legt hiermit einen autobiographischen und nonfiktionalen Roman vor, der in vielen Teilen zumindest andeutungsweise in eine soziologische Analyse abgleitet. Dies thematisiert er dabei ebenso wie die Entstehung des Romans selbst im Inhalt: Eribon kehrt nach dem Tod seines Vater, inzwischen selbst im späten mittleren Alter und als Professor für Soziologie in seine Heimat Reims zu seiner Mutter zurück. Dabei erinnert er sich an seine Kindheit in ärmlichen proletarischen Verhältnissen, zeichnet verschiedene familiäre Schicksale als Paradebeispiele dieser Klassenherkunft sowie die örtliche Historie nach und beschreibt seinen eigenen Lebensweg, seine Entfremdung von Familie und Arbeitermilieu, schließlich seine von Intellektualismus und Homosexualität geprägte Identitätsbildung als Flucht und seine Karriere. Die zentralen Themen sind das unterschiedliche soziale Kapital der durch die Klassenherkunft bedingten Individuen, die Scham vor der eigenen ärmlichen Herkunft, Homosexualität als Identitäts- und Ausgrenzungsmerkmal und schließlich die paradoxe Beziehung zwischen linker Theorie und der konkreten Arbeiterschaft. Gerade für Letzteres lehnt sich Eribon explizit an Bourdieus reflexive Sozialwissenschaft an (vgl. dazu P. Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch), was die Position des Buches zwischen autobiographischer Literatur und Soziologie erklärt. Dass somit theoretische Analysen einem größeren Publikum zugemutet werden, finde ich prinzipiell ebenso begrüßenswert, wie den Versuch das Medium als bereits in sich reflektiert zu präsentieren. Leider scheint Eribon sich mit diesem methodischen Ausgangspunkt  bereits zu begnügen, weshalb es den Analysen paradoxerweise an Reflexion mangelt. 

    Eribon weißt etwa zurecht auf die paradox anmutende Entwicklung einer sich selbst als links-sozialistisch verstehenden Arbeiterschaft und ihrer Vereinnahmung durch rechtspopulistische Kräfte hin, wobei nicht die politischen Inhalte, als vielmehr die Auflehnung gegen eine soziale Umwälzung des gesellschaftlichen Bewusstseins entscheidend wären – sich also letztlich die Frage stellt, ob unter heutigen Maßstäben die Arbeiterschaft je links gewesen oder dies nicht selbst bereits Teil einer verklärenden linken Theorie gewesen sei. Eribon sucht die Antwort jedoch im Versagen der linken Strömungen, dass er in der Anerkennung von individualistisch geprägten neoliberalen Paradigmen sieht, weshalb er für die Rückkehr des Klassenbewusstseins in kollektiven Forderungen plädiert – also gerade das fordert, dass er in seinem eigenen Leben tunlichst vermeiden wollte. Zwar findet Eribon den klugen Gedanken, dass die Demokratisierung ihr Versprechen an Klassendurchlässigkeit nicht halten kann, da mit ihr immer die institutionelle Verschiebung der machterhaltenden Strukturen einhergeht, jedoch stellt sich damit für mich umso mehr die Frage, wer denn jetzt die Arbeiterschaft sei, von der sich Eribon entfremdet und die er letztlich beschwört.
    Insgesamt tun sich für mich einige Ungereimtheiten auf: Die soziale Scham etwa wird, nach Eribons eigenen Beschreibungen, nicht von seinem Umfeld aus anderen sozialen Schichten befördert, sondern stets von ihm allein. Dies mag verständlich sein (angesichts des hier nicht in Zusammenhang gebrachten neoliberalen Paradigmas formeller Gleichheit und individueller Leistungsbemessung), aber der Schluss von der individual-psychologischen auf die soziologische Ebene ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Stattdessen wirft Eribon ihn teils mit dem Mangel an sozialem Kapital zusammen, der wesentlich einfacher nachzuvollziehen ist, aber analytisch davon zu trennen wäre – etwa die notwendige Finanzierung des Zeitraumes für eine Dissertation.  

    Neben durchaus treffenden Feststellungen verfällt Eribon dem selbst bemitleidenden Narrativ, dass alle Schwierigkeiten seines Lebens letztlich auf seine Klassenherkunft zurückzuführen sind. Gleichzeitig schafft er es nicht eine glückliche Lebensentwicklung zu diagnostizieren, alle Errungenschaften scheinen ihm stets hart erarbeitet, verdient und immer noch unter Wert verkauft. Sein Stipendium ist auf seinen Status als "bester Student jemals" (er paraphrasiert seine Professoren und lässt es mal unkommentiert so stehen) zurückzuführen, seine schlechten Noten aber auf die verstockten Dozenten und sein Scheitern bei der Dissertation auf das mangelnde soziale Kapital. Seine Arbeit als Journalist sei als verachtungswürdige Arbeit bei minderwertigen Zeitungen aus materialistischer Notwendigkeit erfolgt, sein späterer Erfolg im ursprünglich gewählten Bereich der Philosophie und Soziologie eine Unausweichlichkeit gewesen, im Vergleich mit Menschen aus anderen Klassen aber viel zu spät eingetreten. Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass er sich ein Feindbild in der Bourgeoisie imaginiert, auf den er auch seinen ganzen Selbsthass projiziert und gleichzeitig selbst der neoliberalen Idee einer individuellen Leistungsgesellschaft unterliegt. Dass die materielle Sicherung der Lebensverhältnisse unabhängig von der Klassenherkunft durch ein geisteswissenschaftliches Studium und Arbeit in dessen spezifischem Feld keineswegs garantiert ist, dass ein Leben in der Hauptstadt nicht allen möglich ist, dass man als Professor selbst zu den Spitzenverdienern gehört und dies nur einer Hand voll gleichermaßen qualifizierten Menschen durch glückliche Umstände zu Teil wird, das alles scheint Eribon nicht zu sehen. 

    Wie allein an dieser Rezension deutlich zu sehen sein dürfte, hat mich das Buch viel zum Nachdenken angeregt. Gerade weil viele kluge Gedankengänge und Beobachtungen präsentiert werden, scheint es mir so notwendig den Finger auf die blinden Flecke zu legen und die teils zu vereinfachende Darstellung anzuprangern, die sich unter dem Deckmantel der individuellen Erfahrung als unangreifbar wähnt. Für kritische Leserinnen eine absolute Empfehlung. 

  9. Cover des Buches Lügenpresse: Ein Bleidorn- und Svensson-Krimi (Bleidorn & Svensson 3) (ISBN: B07CSMRMQT)
    Marcus Schneider

    Lügenpresse: Ein Bleidorn- und Svensson-Krimi (Bleidorn & Svensson 3)

    (20)
    Aktuelle Rezension von: theophilia
    Inhalt: Klappentext von Amazon
    „Eugen Korzynietz, ein profilierter konservativer Politiker, wird tot in einem Juwelierladen aufgefunden. Gewöhnlicher Raubüberfall oder Mord? Wer hat ein Interesse an seinem Tod?
    Gibt es eine Verbindung zu der erfolgreichen Internet-Unternehmerin Muriel Oberschelp?
    Die Ermittlungen führen die Journalisten Karl Bleidorn und Linn Svensson in die rechte Szene. Zum ersten Mal sind sie sich bei der Auslegung der Indizien nicht einig, sondern arbeiten gegeneinander. Je tiefer sie in die Welt von Big Data, Social Media und Wählermanipulation eindringen, um so gefährlicher wird es für die beiden.“

    Meine Meinung:
    Wie kam das Buch zu mir?
    Von Marcus Schneider habe ich schon mehrere Bücher gelesen z.B. den Vorgängerband der Bleidorn und Svensson Krimireihe „Unser Täglich Brot vergib uns heute“ https://theophilia69.blogspot.com/2017/09/unser-taglich-brot-vergib-uns-heute-von.html oder das Kinderbuch KRZSCHRK https://theophilia69.blogspot.com/2017/02/titel-krzschrk-autor-marcus-schneider.html.

    Wie mir der Cover gefällt?
    Eine Marionette wird von einer geheimnisvollen Hand geführt. Soll die Hand die Presse darstellen? oder ist die Hand Muriel Oberschelp, die Jo Schmalenhorst als Politiker installiert hat?

    Wie das Buch aufgebaut ist:
    Das Buch ist wie ein üblicher Roman ein reines Textbuch. Es ist hilfreich, wenn man den Vorband gelesen hat; aber es nicht zwingend notwendig um den Inhalt des Buches zu verstehen.

    Zu den Hauptdarstellern
    Beschreibung der Charakter des Buches:
    Ich finde den Hauptdarsteller Karl Bleidorn gar nicht als so ein typischer Detektiv dargestellt. Er achtet sehr auf gesunde Ernährung in allen möglichen Richtungen und ist sehr sportlich, wirkt aber in manchen Bereichen wie Karriere und Frauenverführung etwas hilflos.

    Die andere Hauptdarstellerin Linn Svensson finde ich lebendiger und selbstbewusster dargestellt. Sie ist das Gegenstück zu Karl. Sie kommt als extrovertierte junge Frau dem Leser herüber.

    Das Buch wird aus der Perspektive von Linn Svensonn, Karl Bleidorn und Andreas Raabe auf der einen Seite geschrieben. Karl und Andreas sind Partner bei Rehblatt.com. Auf der anderen Seite ist Muriel Oberschelp, Sierra, Jo Schmalenhorst von der Partei Deutsche Front als Bürgermeisterkanditat, Herr Engels mit Ehefrau vom Juvelierladen, und Herr Korzynietz als Vorsitzender der Fördervereins der Stadt.

    Alle Beteiligten des Buches werden sehr detailliert beschrieben. Die Personen kann man sich sehr gut vorstellen. Wenn man das Ende des Buches kennt, kann man die kleinen Zeichen lesen, die bereits zu Beginn des Buches auf das Ende gegeben werden.

    Kursiv geschrieben ist der Text, den Jo Schmalenhorst spricht. Der Titel des Buches wird im Buch selber aufgelöst.
    Das Buch ist sehr kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Auf jeder neuen Seite gibt es neue Details. Aber es gibt lange keinen Verdächtigen und kein klares Bild. Karl Bleidorn ist ein richtiger Kriminalist. Was er alles herausfindet, sehr bewundernswert. Das Buch endet, wie ich es mir nicht gedacht hätte. Sehr spannend!!

    Was ich aus diesem Buch lernen konnte:
    Das Buch ist extrem aktuell. Es lehnt sich an Facebook und die Frage, ob dieses Soziale Media die amerikanische Präsidentenwahl beeinflusst hat an.

    Besorgniserregend ist für mich die Aktion Big Data. So könnte die Zukunft aussehen. Aber das finde ich gespenstisch und doch realistisch geschrieben.

    Wie ich das Buch bewerte:
    Die Firmennamen z.B. trooth.com oder App superpuzzle finde ich sehr abstrakt, ebenso die Modelle der Persönlichkeitsunterteilungen. Aus dem Grund gebe ich einen Punkt Abzug und bewerte das Buch mit 4 Sternen.

    Mein Fazit
    Der Krimi war spannend geschrieben. Das Ende des Buches war in keinster Weise vorherzusehen. Das Buch möchte in einem Zug gelesen werden. Ich gebe eine Leseempfehlung für dieses Buch.
    Bin schon auf den nächsten Krimi Band 4 gespannt und den Einsatz von Lin, Karl und Andreas bei Rehblatt. com
  10. Cover des Buches Zara und Zoë - Rache in Marseille (ISBN: 9783426307168)
    Alexander Oetker

    Zara und Zoë - Rache in Marseille

    (145)
    Aktuelle Rezension von: redcouchreads

    Alexander Oetkers Thriller in und um Marseille und der Provence startet rasant und der Autor schafft es das Tempo beizubehalten. Wer eine leicht zu lesende und schnelllebige Story sucht ist hier genau richtig. Zara und Zoë sind Zwillingsschwestern, die eine Ermittlerin bei der Europol die andere eine Legende in Mafia Kreisen. Die Vergangenheit und die Gegenwart stehen zwischen ihnen und doch muss Zara ihre Schwester um Hilfe bitten, um der Lösung ihres aktuellen Falls näher zu kommen. Was darauf folgt ist eine wilde Jagd durch den Süden Frankreichs, bei der die beiden Schwestern sich auf ein gewagtes Spiel einlassen. Den Schreibstil und die Perspektivenwechsel fand ich sehr zugänglich allerdings lag hierin auch die Schwäche des Buchs. Der Charakteraufbau kam für meinen Geschmack sehr kurz, gerade bei Zara und ihrem Partner, habe ich mir mehr erhofft. Beide bleiben für mich eher schablonenhaft umrissen, was es schwer macht einen Bezug insgesamt herzustellen. Aus diesem Grund bin ich auch bisher nicht sicher, ob der zweite und dritte Fall auf meiner Leseliste laden wird.

  11. Cover des Buches Stille Machtergreifung (ISBN: 9783218010849)
    Hans-Henning Scharsach

    Stille Machtergreifung

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Waschbaerin
    Ein Sachbuch zu rezensieren gehört nicht zu den einfachen Aufgaben eines Lesers. Insbesondere, wenn es um eine Thematik geht, bei der man Laie ist.

    Als ich anfing das Buch "Stille Machgergreifung - Hofer, Strache und die Burschenschaften" von Hans-Henning Scharsch zu lesen, konnte ich mir nicht vorstellen, dass nach allem was wir im letzten Jahrhundert erlebten, sich diese rechten Einstellungen wieder breit machen würden. Haben wir nichts dazu gelernt? Ein sehr umfangreiche Quellenverzeichnis am Ende des Buches belegt die einzelnen Zitate die von FPÖ Politikern und Burschenschaftlern verwendet wurden oder auch immer noch werden. Bei einem solch brisanten Thema darf sich der  Autor keine Fehler erlauben.

    Und trotzdem nagten noch Zweifel in mir, ob der Autor nicht übertreibt.  "So schlimm kann es doch nicht sein", ist so ein Satz mit dem man sich selbst ruhig stellt. Jedoch, meine letzten Zweifel wurden zerstreut, als wir genau zu der Zeit einen Urlaub in Österreich verbrachten, als die Gespräche zur Regierungsbildung mit der FPÖ liefen. Jeden Morgen las ich im Hotel voller Interesse die regionale Zeitung. Ich muss gestehen, mir fielen bald die Augen aus dem Kopf als ich darin die gleichen Zusammenhänge zwischen Burschenschaften, Hofer und Strache aufgeführt fand, wie es der Autor in dem vorliegenden Buch beschreibt. Meinem Empfinden nach nehmen die Menschen die Entwicklung  in Österreich (viel zu) gelassen hin.

    Was mir bisher unbekannt war, ist das Symbol der Kornblume. Während der Lektüre machte ich mir zig Notizen, die ich alle in der Rezi verarbeiten wollte. Doch es sind zu viele, als dass ich auf alle eingehen könnte.

    Ich wäre z. B. nie auf die Idee gekommen, (S. 59) "Österreich als ein Teil Deutschlands" zu sehen. Oder Seite 64, Ausführungen über die Möglichkeit der Notverordnung. Ich frage mich, sind die Bürger in Österreich  darüber nicht besorgt? Besonders nachdenklich mache mich die Aussage auf Seite 75, "Wer die Frage formuliert, bestimmt das Ergebnis". Die große Masse der Bevölkerung hinterfragt nur wenig - das dürfte auf der ganzen Welt ähnlich sein. Die meisten Menschen wollen einfache und plausible Lösungen, die sie auch am Stammtisch verstehen. Damit, komplizierte Zusammenhänge zu erkennen, sind viele Menschen überfordert. Auf Grund solcher Überlegungen sollte/muss man auch die Ergebnisse der letzten Wahlen in Österreich sehen.

    In diesem Buch zeigt der Autor die Verflechtungen der einzelnen Burschenschaften mit den Herren Hofer, Strache & Co auf. Eine bestimmte geistige Elite macht sich dies zu Nutze. Man kann nicht leugnen, die Herren treten mit großem Charme auf, verbreiten mit einem Lächeln auf den Lippen ihre Botschaften.  Den Ausführungen des Autors nach überzieht eine Vernetzung Gleichgesinnter das Land und warten darauf, an die Macht zu gelangen.

    Wer nach dieser Lektüre immer noch der Meinung ist, es wird schon nicht so schlimm sein/werden, ist ein ganz gewaltiger Optimist. Ich selbst kann mich nicht mehr beruhigt zurücklehnen. Dank moderner  Medien ist es jedem Interessierten möglich, auch dem Nachbarn jenseits der Grenzen über die Schultern zu schauen. Die Aussage unserer Eltern/Großeltern "wir haben nichts gewusst" ist damit hinfällig. Jeder ist heute in der Verantwortung hinzuschauen. Dieses Buch nimmt den Leser an die Hand, zwingt ihn regelrecht dazu hinzuschauen und zu hinterfragen, was ausgebreitet vor unseren Augen geschieht. 

    Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Leseempfehlung.




  12. Cover des Buches Der Klon (ISBN: 9783453320130)
    Jens Lubbadeh

    Der Klon

    (28)
    Aktuelle Rezension von: ineed_morebookshelves

    Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen. Die Geschichte ist erschütternd und extrem, aber sehr gut gemacht. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, durch ihn konnte man der Geschichte gut folgen, trotz dass die Geschehnisse sehr komplex waren. Wenn man sich vorstellt, dass die Geschichte wirklich so passieren würde, ist das sehr beängstigend.

  13. Cover des Buches Gestehe (ISBN: 9783423263801)
    Henri Faber

    Gestehe

    (179)
    Aktuelle Rezension von: Phillippe_Kaufmann

    Für mich war „Gestehe“ die erste Begegnung mit einem Buch von Henri Faber und sie hat mich absolut begeistert! Anfangs musste ich mich etwas an den Schreibstil gewöhnen, doch schon nach wenigen Seiten war ich völlig gefesselt.

    Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen und seine Leser*innen immer wieder auf falsche Fährten zu führen. Die Idee, dass ein Ermittler an einen Tatort kommt, der direkt aus seinem eigenen unveröffentlichten Roman zu stammen scheint, ist originell und sorgt für Gänsehaut.

    Die Handlung ist rasant, vielschichtig und clever konstruiert. Besonders gefallen hat mir, dass man nie genau weiss, wem man trauen kann und die Wendungen bis zum Schluss überraschen.

    Ein Thriller, der unter die Haut geht und Lust auf mehr von Henri Faber macht.
     5 von 5 Sternen

  14. Cover des Buches Links oder rechts? (ISBN: 9783328100751)
    Jakob Augstein

    Links oder rechts?

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Antonia_Salomon
    Das ist schon lange kein Schlagabtausch mehr, sondern das schlaffe Wiederholen von längst Gesagtem, wobei Augstein als rechthaberischer Ideologe zunehmend langweilt.
  15. Cover des Buches Deutschland rechts außen (ISBN: 9783492317788)
  16. Cover des Buches Alternativen (ISBN: 9783957711625)
    Leif Tewes

    Alternativen

    (25)
    Aktuelle Rezension von: abendsternchen

    Mir fällt es schwer die Rezension zu Alternativen zu schreiben. Ihr fragt euch warum? Weil das Thema des Buches der Realität entspricht. Einfach erschreckend.

    Ich wusste nicht so genau worauf ich mich bei diesem Buch einlassen würde, denn das Cover ist sehr schlicht gehalten und sagt halt nicht viel über den Inhalt des Buches aus. Dennoch ist dieses Cover genau passend zum Buch, einfach gehalten, denn es geht hier um den Inhalt und der Story zu Alternativen.

    Das Thema ist Rechtsradikalismus und es gibt sicher viele Bücher über das Thema. Daher war es umso erschreckender für mich wie nah das Thema doch geht. Sind es nicht auch solche Themen die immer wieder in den Nachrichten zu hören sind.

    Ich möchte eigentlich nicht auf den Inhalt eingehen, denn ich würde euch sagen lest es selbst und macht euch ein Bild davon.

    Der Autor hat es geschafft dieses Thema Rechtsradikalismus gut umzusetzen. Er zeigt auf wie einfach ein, hier im Buch, ein Mann in die falsche Szene geraten kann.

    In diesem Fall hatte Thomas, der Protagonist des Buches, Glück eine Freundin an seiner Seite zu haben die ihn versucht hat klar zu machen das die Menschen Hilfe brauchen. In dem Fall waren es, wie aktuell in unserem Land, Flüchtlinge.

    Thomas rückte ins Augenlicht der Polizei, denn es gab einen tödlichen Autounfall. Hier kommt der Kommissar Berg ins Bild, der die Ermittlungen übernommen hat. Wie ich mitbekommen habe, gibt es um den Kommissaren auch noch weitere Bücher. Die Story um Alternativen ist abgeschlossen und kann daher einfach gelesen werden.

    Der Schreibstil von Leif Tewes hatte mir gefallen. Das Buch ließ sich sehr gut lesen, berührte einen und ließ einen auch nachdenken. Aber auch schockte es einem etwas und stimmte auch ein wenig traurig. Alternativen schaffte es verschiedene Emotionen hervorzurufen. Auf jeden Fall regte es auch zum nachdenken an.

    Ich kann euch sagen lest dieses Buch. Es wird den Alltag nicht schaffen zu verbessern, aber vielleicht schafft es auch dich zum Nachdenken zu bringen.

  17. Cover des Buches Heimatsterben (ISBN: 9783423219709)
    Sarah Höflich

    Heimatsterben

    (76)
    Aktuelle Rezension von: marita95

    Ich war schon vor dem Lesen sehr gespannt auf diesen Roman und wurde nicht enttäuscht. Das Cover, so schlicht es ist, regte schon zur Neugier an. Auch wenn die Geschichte rein fiktiv ist so ist sie doch immer gegenwärtig und zeigt uns wie die Gesellschaft manipuliert werden kann ohne es wirklich zu bemerken. Die Hauptfigur ist authentisch und man fühlt sich mit allen Fehlern die sie gemacht hat sofort mit ihr verbunden, leidet und hofft still mit ihr mit. Vor allem der Bezug zur Vergangenheit die die Zukunft immer zum großen Teil mitträgt ist hier sehr schön zu erkennen und zeigt aber auch deutlich auf das Wesentliche nicht zu vernachlässigen. Manchen Handelns wird man sich nicht immer gleich bewusst hat aber die Möglichkeit es im Laufe der Zeit zu optimieren was der Titelfigur sehr gut gelingt. Die Geschichte ist sehr gut erzählt und lässt einen mit fiebern so das man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ich freue mich darauf mehr von der Autorin Sarah Höflich zu lesen.

  18. Cover des Buches Das Deutschland Protokoll: Neuauflage (ISBN: 9783941956469)
  19. Cover des Buches Hass im Fadenkreuz (ISBN: 9783958131408)
    Tatjana Flade

    Hass im Fadenkreuz

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Momina

    Zum Inhalt:

    Die junge Studentin Esther lernt in ihrer Lieblingskneipe den gutaussehenden aber sehr zurückhaltenden Lysander kennen. Die beiden verlieben sich. Doch schon bald fällt Esther auf, dass Lys sich immer wieder merkwürdig benimmt, vor allem dann, wenn sein bester Freund und Mitbewohner Jörg ihn anruft. Dann kann es sein, dass Lys seine neue Freundin einfach sitzen lässt und nach Hause fährt oder plötzlich spontan verreisen muss. Das alles kommt Esther äußerst merkwürdig vor und auch wenn es deswegen mit Lys immer zum Streit führt, kommt sie dennoch nicht von ihm los. Nach einem Bombenanschlag auf eine rechtsextreme Veranstaltung, bei der auch Unschuldige ihr Leben lassen, macht Esther zwischen Lysanders Sportsachen eine verstörende Entdeckung und in ihr keimt ein schrecklicher Verdacht auf…


    Persönlicher Eindruck:
    Bei „Hass im Fadenkreuz“ von Tatjana Flade war ich anfangs wirklich skeptisch ob das Buch meinen Erwartungen entspricht. Ich bin wahrlich kein Freund von Liebesgeschichten, dennoch war meine Sorge, dass die Lovestory zu sehr im Vordergrund steht, völlig unbegründet. Tatjana Flade greift in ihrem Buch auch in Deutschland derzeit sehr aktuelle Themen auf: Terror, Gewalt, Angst, Rechtsextremismus. Auch wenn der Leser von Anfang an um das Geheimnis von Lys weiß, kommt so gut wie nie Langeweile auf. Die Autorin hat einen flüssigen und sehr gut zu lesenden Schreibstil und
    nach den ersten Seiten war ich so gefangen von der Story, dass ich unbedingt wissen wollte, wie sie ausgeht. Wie wird Esther reagieren, wenn sie von Lysanders anderer Seite erfährt? Wird es ein Happy End für die beiden geben? Nicht so einfach eine Rezension zu schreiben, wenn man nicht zu viel von der Story verraten möchte, deswegen lest einfach selbst! Die Protagonisten, die sich schnell auf wenige Personen reduzieren sind Flade gut gelungen. Die Zerrissenheit, die Lys in sich trägt ist deutlich spürbar und er war mir trotz seiner fragwürdigen Handlungen immer sympathisch. Auch Esthers Charakter wirkt klar und realistisch, eine verliebte junge Frau eben, die dennoch sehr selbstbewusst auf mich wirkte. Tatjana Flade behandelt in ihrem Buch ein gesellschaftspolitisches Thema, welches uns alle angeht und vielleicht auch irgendwann mal direkt betreffen könnte. Rasant und flüssig geschrieben bereitete mir „Hass im Fadenkreuz“ spannende Leseunterhaltung. Das ist ein Buch, welches man erst aus der Hand legt, wenn man es ausgelesen hat. So ist es zumindest mir ergangen.
  20. Cover des Buches Elitewahn (ISBN: 9783839223093)
    Biggi Rist

    Elitewahn

    (29)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Die sind hier, wie soll ich sagen, irgendwie altbacken, altmodisch. Nein, das trifft es nicht ganz. Ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll. Fast komm ich mir vor, wie in einer alten preußischen Kadettenanstalt.«

     

    Manchmal sollte man besser auf sein Bauchgefühl hören. Malte Jensen wurde erst kürzlich als neuer Lehrer für Biologie und Sport beim Eliteinternat Schloss Waldesruh angestellt. Freute sich der junge Pädagoge zunächst über die vermeintlich reizvolle Aufgabe bei guter Bezahlung, kommen ihm doch schon bald verschiedene Vorgänge im Schloss höchst eigenartig vor. Er macht der Gärtnerin Malie gegenüber Andeutungen – und wird kurz danach tot aufgefunden. Angeblich war es ein natürlicher Tod. Malie glaubt das nicht und macht sich gemeinsam mit ihrer Freundin Lioba an Nachforschungen. Ein Professor, der sich für die Geschichte des Schlosses interessiert, könnte eine gute Informationsquelle sein. Doch auch er wird plötzlich tot aufgefunden. Den Freundinnen wird klar, dass mit dem renommierten Internat so einiges nicht in Ordnung sein kann…

     

    Schon das Cover des Buchs hatte mich sehr neugierig gemacht. Wer Napola (Nationalpolitische Erziehungsanstalt) googelt, findet es sofort. Und jeder Leser merkt sofort, um was es hier geht, was für eine Elite in diesem Internat herangezüchtet werden soll. Gruselig.

     

    In mehreren parallel verlaufenden Handlungssträngen, teils auch mit Rückblenden, verfolgt man Ereignisse im Internat, die Ermittlungen der Freundinnen und den Bericht eines Zeitzeugen, eines mittlerweile sehr alten Herrn, der als Junge die Napola Reichenau besuchte und einem Reporter dazu ein ausführliches Interview gibt.  

     

    Grundsätzlich finde ich Bücher mit einer solchen Thematik extrem wichtig. Nie darf die Vergangenheit vergessen werden und ebenfalls darf man nie die leider auch zur Gegenwart gehörenden rechten Strömungen verharmlosen, die sich gerne auch mit harmlos klingenden, alternativen Namen tarnen. Wie sehr sich das Gedankengut gleicht, wird im Buch schön dargestellt.

     

    Als Krimi hatte das Buch allerdings keine großen Überraschungen oder Spannungsmomente für mich. Gut und Böse waren von Anfang an glasklar ersichtlich, die Frage, ob Verbrechen vorliegen und weitere geplant sind, stellte sich folglich ebenfalls nicht und die Art und Weise, in der einige „normale“ Bürger damals die Notlage der Juden ausnutzten, war mir bekannt und lag hier auf der Hand. Es ging also nur noch darum, wie Malie und Lioba für Aufklärung sorgen. Das war ordentlich und schlüssig beschrieben, wurde aber mit sehr viel reiner Romanhandlung aufgefüllt. Da wurde jede einzelne Blume beschrieben, die Malie pflanzte und über die Ernährungsgewohnheiten der Freundinnen bin ich jetzt ebenfalls im Bilde. Weniger von diesen Dingen wäre für die Krimihandlung besser gewesen.

     

    Fazit: Wichtige Thematik, gut lesbar und berührend dargestellt. Der Krimihandlung hätte etwas weniger Drumherum gutgetan.

  21. Cover des Buches NAZI-ALLERGIE (ISBN: 9783945664025)
    Marianne Kaindl

    NAZI-ALLERGIE

    (2)
    Aktuelle Rezension von: NiliBine70

    Inhalt:

    Gerade noch hat Stefan, der menschliche Lebensgefährte an Frauchens Seite, mit Davide zusammengesessen und kurz darauf liegt dieser sterbend auf der Straße. Angeblich ein tragischer Unfall. Doch wieso lächelt die Frau, die den Unfall verursacht hat, auf einmal so komisch böse, als keiner hinschaut? Coco riecht förmlich, dass hier nicht alles mit richtigen Dingen zugeht! Und was sind das überhaupt für merkwürdige, hasserfüllte Strömungen, die sie da wahrnimmt?

    Für die kleine, schlaue Ermittler-Katze ist schnell klar, hier liegt ein Mord vor, das war kein Unfall! Und auch klar: das Team der Ermittlerkatzen muss da eingreifen!!

    Auch im dritten Fall der Coco-Katzenkrimis sind die Stars die Katzen. Doch dieses Mal wartet eine viel größere, weitreichendere Gefahr auf sie, die sich nicht einfach wegschnurren lässt...

    Meine Meinung:

    Es geht uns alle an!

    Ich glaube, der Titel des Buches "Nazi-Allergie" weist einem schon den Weg, welche Thematik im dritten Coco-Katzenkrimi angepackt wird. Und das gefiel mir von Anfang an. Hier wird nichts weichgespült, eher sehr deutlich an- und ausgesprochen! Das können Katzen. Sie sind direkt, scheuen nicht die Konfrontation. Deswegen muss man sich hier schon gefasst machen, es wird kein Heitutei-haha-wie-lustig-Büchlein. Es geht um ein Thema, was uns gerade in den letzten Tagen wieder sehr beschäftigt und den Kopf schütteln lässt.

    Doch fangen wir mal beim Cover an. Es ist auch hier ein etwas anderer Weg beschritten worden. Das Rot, die Katzen auf den Ästen...ich habe mich sofort darin verliebt! Und auch wie in den anderen Teilen finden sich hier zum Abschluss eines jeden Kapitels immer kleine, wirklich ganz zauberhafte Katzenzeichnungen, die einem -auch bei diesem brisanten Thema- das Herz als Katzenmensch aufgehen lassen.

    Der Einstieg geschieht dann wieder ganz leicht, man liest liebgewonnene Figuren wieder, öffnet sein Herz. Und dann geschieht das Verbrechen und es kommen eigentlich noch etliche dazu, wenn man genau hinliest! Der braune Sumpf macht vor Katzen-Krimis nicht halt. Logisch! Das ist unsere Welt, vor der können wir uns nicht verschließen... Doch es macht einen irgendwie noch mal betroffener, wenn man hier, in dieser kätzischen Welt, auf einmal den völlig idiotischen und völlig widersinnigen Parolen begegnet, Personen, die man schon beim ersten Ansehen auch in der Realität nicht ein Körnchen Sympathie entgegenbringen kann.

    So ging es mir und ich habe teilweise mit Zornesfalten auf der Stirn gelesen (sagt mein Mann!), weil ich am liebsten eingegriffen hätte, die Katzen unterstützt hätte, wenn ich nur könnte, auch mal jemandem eine eine Signatur auf der Wange mit den Krallen hinterlassen wollte, der so einen Blödsinn von sich gibt...

    Doch keine Angst! Cocos Scharfsinn, Goldies Planungsfähigkeiten und all die anderen, talentierten Katzen haben auch natürlich ihre Auftritte und zeigen uns, was sie können. Aber sie können so viel mehr! Und das kommt hier auch ganz besonders zum Tragen! Die Vielfalt machts, egal, woher Du kommst, was Du machst, ob Streuner oder Rasse, Du wirst für Dein Dir eigenes Wesen geliebt und akzeptiert. Eine wundervolle Kernaussage, die wir uns alle auf die Fahnen schreiben sollten! Also wieder mal: Die Katzen machen uns vor, wie es geht :)

    Es geht gewohnt kätzisch bei aller Dramatik zu, es wird gefeiert (jaaa, auch Pauli, die Blogkatze von "Lesende Samtpfote war mit dabei!!!) geliebt, geeifersüchtelt... und in gewohnter Manier durch den Fall und alles Schlimme geleitet. Von daher ein toller 3. Teil, mit einer besonderen Botschaft und von daher besonders lesenswert und wertvoll! Auf dass noch mehr Fälle folgen mögen!

    Fazit:

    Ein besonderer, zum Nachdenken (hoffentlich!) anregender 3. Coco-Katzenkrimi, den ich allen Katzenmenschen und Krimifreunden ans Herz legen möchte!

    Bewertung:

    5 von 5 Nilpferden


  22. Cover des Buches Der Block (ISBN: 9783960540373)
    Jérôme Leroy

    Der Block

    (5)
    Aktuelle Rezension von: RichardZietz

    Wie redet, denkt und handelt man »fascho«? Jérôme Leroy wagt mit »Der Block« einen Innenblick in die Mentalitäten des Front National und seiner diversen Helfershelfer – und lässt die Szenerie folgerichtig crashen. Die (politische) Macht mag zwar alles sein, doch auf dem Weg dahin haben sich Mentalitäten angesammelt. Mentalitäten, die zu Eigenmächtigkeiten führen.

    Das Bild, dass Jérome Leroy zeichnet, ist verstörend. Ich gebe zu, dass einige aus meinem Bekanntenkreis das Buch »krass«, fanden, bedenklich und ähnliches. Andere teilen meine Begeisterung. Im Grunde beschreibt Jérôme Leroy eine Versuchsanordnung: das, was passieren könnte, wenn Faschisten die Macht in einem westlichen Staat übernehmen. Sicher ließe sich dieses Bild auch »politisch korrekter« zeichnen, weniger explizit und vor allem weniger durch die Blickwarte eines Faschisten. Das Problem nur: eine »korrekte« Zeichnung wäre zwar »korrekt« – würde allerdings der (brutalen) Mentalität, der diese Leute (oder jedenfalls ihr Fußvolk) leitet, nicht so gerecht.

    Fazit: ein aufklärerischer Thriller in bester Tradition

  23. Cover des Buches Klare, lichte Zukunft (ISBN: 9783518428603)
  24. Cover des Buches Faschist werden (ISBN: 9783803136862)
    Michela Murgia

    Faschist werden

    (6)
    Aktuelle Rezension von: parden

    ACHTUNG: SATIRE!

    Die Demokratie ist mühsam, fehlerhaft und instabil. Entscheidungsprozesse sind langwierig, kompliziert und teuer, politische Parteien kaum zu unterscheiden. Zu viele Beteiligte müssen gefragt, möglichst alle Minderheiten einbezogen werden. Wäre da eine volksnahe Führung mit mehr Entscheidungsfreiheit nicht wirkungsvoller? Ist der Faschismus nicht effizienter in der Durchsetzung zentraler Ziele für das gesellschaftliche Zusammenleben? Oder warum sonst wurden in jüngster Zeit so viele populistische Regierungen gewählt? »Faschist werden« beschreibt, wie man sich innerhalb der Demokratie in Position bringen kann, wie man über die sozialen Medien das demokratische Chaos vorführt und welche argumentativen Muster zu beachten sind. Michela Murgia hat eine provozierende Polemik über die italienische und europäische Gegenwart verfasst – und auch im deutschsprachigen Raum sollen politische Gegner, wenigstens rhetorisch, »gejagt« oder »entsorgt« werden. Geschichtsrevisionistische Vorstöße häufigen sich, sozial Schwache werden gegen Geflüchtete ausgespielt. Und der Grat zwischen solidarischem und reaktionärem Denken ist oft schmaler als gedacht – auch in uns selbst. Mit Faschistometer zum Selbsttest. (Verlagsbeschreibung)

    Den Titel meiner Rezension habe ich so gewählt, um hier keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen. Dies ist eben keine Anleitung zur Kehrtwende (auch wenn die Anwendung der von Michela Murgia penibel analysierten und aufgezeigten Mechanismen genau dorthin führen), sondern eine unbequeme und über weite Strecken nur schwer erkennbare Satire, die einen nicht gemütlich im Sessel sitzen und auf die Faschisten herabsehen lässt, sondern jeder / jedem Einzelnen auch den Spiegel vorhält. Hand aufs Herz: wie faschistisch ist man selbst?

    Auch wenn sich Murgia hier ganz offensichtlich mit der italienischen Politik auseinandersetzt, lassen sich viele ihrer Beschreibungen mühelos auch auf die deutsche (und erst recht auf die amerikanische) übertragen - beispielsweise, wenn es um die Sprache der Faschisten, extremen Rechten und Populisten geht, die politische Gegner oder andere unliebsame Gestalten gerne mit Unrat gleichsetzt, so wie es auch hierzulande geschieht ("...in Anatolien entsorgen"). 

    Kapitel für Kapitel legt die Autorin die Mechanismen offen, die zu einer Stärkung des Faschismus führen: die Sprache (Macht der Wörter, keine Political Correctness oder "intellektuelle Tricksereien", sondern die Dinge beim - alten und nicht beschönigten - Namen nennen), Chef statt Führer, Nutzen der Sozialen Medien (Slogans, Schlagwörter, Hashtags, banale Nachrichten), die Demokratie mit eigenen Mitteln schlagen (Meinungsfreiheit, Toleranz gegenüber Andersdenkenden ausnutzen), Feind statt Gegner (Diffamierung, Hass, Schuldzuweisung an ganze Gruppen, Ängste schüren, das Volk als bedrohtes Opfer), klare Rollenzuweisungen (keine Gleichberechtigung der Geschlechter: "Wenn es (...) gelingt, ihnen das Gefühl zu vermitteln, sie seien etwas Besonderes, wird keine Frau jemals das Bedürfnis haben, gleichgestellt zu sein" S. 65), einschüchternde Gewalt, falsche Versprechungen, kleine Wohltaten (Wirtschaftspopulismus), Schüren und Ausnutzen von Frust und Wut des Volkes, Beeinflussen des historischen Gedächtnisses und damit die Veränderung von Erinnerungen und "Wahrheiten" u.a.m.

    Diese Zusammenstellung in Schlagwörtern soll nur einen Überblick geben über die im Text angesprochenen Details, verschafft aber womöglich schon einen ersten Einblick in die Komplexität der Thematik. Einfach? Nein. Provokant? Durchaus! Unbequem? Unbedingt. Vor allem das Faschistometer im Anhang sorgte bei mir vor der Durchführung doch für etwas Nervosiät. Hinterher allerdings auch für Erleichterung, obschon ich nicht die "0 Punkte" erreicht habe. Es sorgt in jedem Fall dafür, auch sich selbst kritisch zu hinterfragen - und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

    Das Büchlein blieb für Michela Murgia nicht ohne Folgen. Im Nachwort ist zu lesen: "Nach der Veröffentlichung von Faschist werden in Italien ließ sich der damalige Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega in den Sozialen Medien über sie aus. Neben viel Anerkennung erhielt Murgia auch zahlreiche Drohungen." (S. 110)

    Ich möchte mit einem weiteren Zitat enden, in dem die Autorin warnt: "Das Problem besteht darin, herauszufinden, wer nicht wenigstens teilweise an der Legitimation der faschistischen Methode beteiligt ist, anders gesagt, wie viel Faschismus in denjenigen steckt, die sich für antifaschistisch halten. (...) Nicht alles ist Faschismus, aber der Faschismus hat, wenn wir nicht ständig wachsam sind, die fabelhafte Fähigkeit, alles zu durchseuchen. (S. 108)

    In diesem Sinne: Nie wieder ist jetzt!


    © Parden

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