Bücher mit dem Tag "reise"
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- J. R. R. Tolkien
Der Herr der Ringe - Anhänge und Register
(7.806)Aktuelle Rezension von: KiraNearTitel: Der Herr der Ringe
Autor*in: J.R.R. Tolkien
Erschienen in Deutschland: 2016 (Diese Version)
Originaltitel: The Lord of the Rings
Erschienen in England: 1954, 1955, 1966
Übersetzer*in: Margaret Carroux, E.-M. von Freymann, Helmut W. Pesch
Weitere Informationen:
Genre: Fantasy, Abenteuer, Gen, Drama
Preis: € 88,00
Seiten: 1295
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-608-96035-8
Verlag: J.G. Cotta'sche Buchhandlung
Rezensionsexemplar: Nein
Inhalt:
Diese wunderschöne Ausgabe zum 125. Geburtstag Tolkiens am 3. Januar 2017 enthält fünfzig Illustrationen von Alan Lee, dem Künstler, dessen Vorstellungskraft in überwältigender Weise mit der Tolkiens übereinstimmt. Alan Lees Bilder haben ganz maßgeblich die Ästhetik der Herr-der-Ringe-Filme geprägt.
»Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.« Vor unvordenklichen Zeiten wurden die Ringe der Macht von den Elben geschaffen und Sauron, der Dunkle Herrscher, schmiedete heimlich den Einen Ring und füllte ihn mit seiner Macht, auf dass er über alle anderen gebieten konnte. Aber der Eine Ring wurde ihm genommen und so sehr er ihn auch in ganz Mittelerde suchte, er blieb dennoch für ihn verloren. Viele Zeitalter später fällt der Ring in die Hände des Hobbits Bilbo Beutlin … und so beginnt das größte und gefährlichste Abenteuer der Fantasyliteratur.Meinung (Achtung, möglicherweise Spoiler!):
Das Buch hier hat einen sehr interessanten Weg genommen, um zu mir zu finden. Irgendwann, 2016 oder 2017, aus Gründen, die ich bis heute nicht kenne, hat mein Freund von seiner Großmutter (Glaub, dass es sie war) das Angebot bekommen, zu Weihnachten "Der Herr der Ringe" geschenkt zu bekommen. Er aber selbst liest nichts und hatte dann mich gefragt, ob ich das Buch haben möchte. Ich hab dann gesagt: Ja, ok, warum nicht?
Danach lag es dann für Jahre auf meinem SuB, hier und da hatte ich dann mal versucht, es anzufangen, aber aus mehreren Gründen dann immer wieder abgebrochen oder abbrechen müssen. Tja, und dann kam 2025. Ich war dabei, meinen SuB abzubauen und dazu gehörten auch die beiden Ausgaben von "Der Herr der Ringe", die deutsche aus diesem Eintrag, als auch ein englisches Taschenbuch. Aber um das Taschenbuch soll es hier mal nicht gehen. Sondern um das Buch, das ich ihm Frühling 2025 gelesen habe. Ja, die Rezi kommt sehr sehr spät, aber hey, passt ja dazu, dass ich rund 8-9 Jahre zum Lesen gebraucht habe.
Was ich am Ende total bereut habe, sowohl bei der deutschen, als auch bei der englischen Version. Ich hatte richtig viel Spaß beim Lesen und da ich damals erst wenige Wochen zuvor die Filme gesehen habe (Extended Version, natürlich), hatte ich diese noch im Hinterkopf und konnte sie ein wenig miteinander vergleichen. Kurzum, sind beides Meisterwerke. Punkt.
Was mir auch an diesem Buch gefallen hat, sind nicht nur die richtig schönen Illustrationen, sondern auch die Tatsache, wie einfach es zu lesen war. Nicht von der Sprache her, nein. Sondern weil es schön auf mein Lesekissen gepasst hat. Bei dicken Büchern hatte ich besonders früher das Problem, dass ich beim Halten dieser mit meinen kleinen Händen immer mal wieder Krämpfe bekommen habe. Aber das war hier nicht der Fall. Auch waren die Seiten nicht hauchdünn wie in einem Buch aus der Kirche, sondern dick genug, dass ich beim Umblättern nie Angst haben musste.
Ok, kurz zur Story: Sie hat mich hellauf begeistert. Ich meine, ich mag die Filme ja schon sehr, aber das Buch ist nochmal auf einer ganz eigenen Ebene unterwegs. Die Freundschaft zwischen Gimli und Legolas, und auch die zwischen den Hobbits. Gandalf und Galadriel und Aragorn überzeugen natürlich auch total, wie Faramir und Boromir. Hab ich wen vergessen? Achja, Bill, das Pony. Die Anhänge, die bei dem Buch mit dabei waren, waren auch teilweise ziemlich interessant, aber ich gebe zu, in der englischen Ausgabe, die ich danach gelesen habe, habe ich sie nicht nochmal gelesen^^°
Fazit:
Was soll ich sagen? Mir hat das Buch einfach richtig gut gefallen und ich habe es richtig bedauert, dass ich nicht früher dazu gekommen bin, und mich auch nicht früher zum Lesen des Buches aufraffen konnte. Aber letztes Jahr hab ich mir gesagt: Ok, das mach ich, das schaff ich. Tja und dieses Buch wird mich nie wieder verlassen. Btw, ich wusste bis heute nicht mal, wie viel das Buch kostet, da es wie gesagt ein Geschenk war O_o
Von mir bekommt das Buch fünf Sterne und natürlich sowas von eine Lese-Empfehlung. Natürlich tun es auch andere Versionen^^°
Gilt auch stellvertretend für "The Lord of the Rings", aka die englische Version. Der Vollständigkeit halber.
- Jojo Moyes
Ein ganzes halbes Jahr
(11.882)Aktuelle Rezension von: Magische_BuchweltMeine Meinung:
"Ein ganzes halbes Jahr" ist für mich eine der bewegensten Liebesgeschichten überhaupt. Eine Geschichte über Liebe und Hoffnung.
Manchmal ändert ein Schicksalsschlag alles.
Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.
Lou und Will haben mein Herz erobert beide sind authentisch gezeichnet, so dass man sich gut identifizieren und ihre Gefühle nachvollziehen konnte. Während Lou eine Lebensfreude pur ist Will auf Grund eines Unfalls verständlicher weiße oft depressiv. Beide machen im Verlauf eine große Charakterliche Entwicklung. Lou gewinnt an Stärke und Selbstbewusstsein, und Will sieht dass Leben Überraschungen bereit hält, wenn man es am wenigsten erwartet.
Ich fande die Reise die die beiden gemeinsam erleben wunderschön.
Die Autorin hat hier eine gelungene Balance zwischen Dramatik und einem zarten Humor gefunden, der die Handlung immer wieder Leichtigkeit verlieh.Tortz Wendungen, gab es Zwischenzeitlich dennoch einige Längen. Ich habe bis zum mit den beiden mitgeliefert, gelacht und geweint.
Das Ende hat mich wirklich traurig gemacht. - Diana Gabaldon
Feuer und Stein (Outlander 1)
(2.686)Aktuelle Rezension von: Roxy31📖 Mein Eindruck zu
Outlander Feuer und Stein
Outlander Feuer und Stein ist eines dieser Bücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass einen mehr erwartet als nur eine schöne Geschichte. Diana Gabaldon verbindet hier Liebe, Abenteuer, Historie und ein kleines bisschen Magie zu einem Roman, der einen komplett in eine andere Welt zieht. Für mich ist dieses Buch nicht einfach nur Unterhaltung, sondern ein echtes Eintauchen in Gefühle, Landschaften und menschliche Schicksale.
Schon der Einstieg hat mich neugierig gemacht, weil er ruhig beginnt und dann Stück für Stück Tiefe entwickelt. Man merkt schnell, dass hier nicht gehetzt erzählt wird, sondern mit viel Raum für Atmosphäre und Charaktere.
🕰️ Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Claire Randall, eine ehemalige Krankenschwester, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann Frank durch Schottland reist. Bei einem Besuch der geheimnisvollen Steinkreise von Craigh na Dun geschieht das Unfassbare: Claire wird in das Jahr 1743 zurückversetzt.
Plötzlich findet sie sich in einer Zeit wieder, in der andere Gesetze, andere Rollenbilder und vor allem große Gefahren herrschen. Zwischen Jakobitenaufständen, Clanstrukturen und politischen Spannungen versucht Claire zu überleben und einen Weg zurück in ihre eigene Zeit zu finden. Dabei begegnet sie Jamie Fraser, der nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr Herz nachhaltig verändert.
Was die Geschichte so besonders macht, ist die Mischung aus historischer Genauigkeit, emotionaler Tiefe und einer Liebesgeschichte, die sich langsam und glaubwürdig entwickelt.
✍️ Schreibstil und Atmosphäre
Gabaldons Schreibstil ist sehr bildhaft, detailreich und gleichzeitig angenehm flüssig. Sie nimmt sich Zeit, Landschaften, Gerüche, Stimmungen und innere Gedanken auszumalen. Dadurch entsteht eine unglaubliche Nähe zu den Figuren und zur schottischen Umgebung.
Manchmal wirkt der Stil bewusst ruhig und ausführlich, aber genau das hat für mich den Reiz ausgemacht. Ich hatte nicht das Gefühl, schnell durch die Handlung zu hetzen, sondern wirklich Teil der Reise zu sein. Besonders die Beschreibungen von Natur, Burgen und dem Alltagsleben im 18. Jahrhundert fand ich faszinierend.
Die Autorin schafft es, Geschichte lebendig wirken zu lassen, ohne dass es trocken oder belehrend wird.
👥 Figuren und emotionale Tiefe
Claire ist eine starke, eigenständige Protagonistin. Sie passt sich nicht einfach an, sondern denkt, hinterfragt und handelt mutig. Gerade dieser innere Konflikt zwischen Pflicht, Vernunft und Gefühl macht sie sehr menschlich.
Jamie Fraser ist weit mehr als ein klassischer Liebesheld. Er ist verletzlich, loyal, humorvoll und trägt seine eigene Geschichte mit sich. Die Beziehung zwischen Claire und Jamie entwickelt sich langsam, nachvollziehbar und emotional intensiv.
Auch die Nebenfiguren wirken lebendig und nicht wie bloße Kulisse. Sie geben der Geschichte Tiefe und sorgen dafür, dass sich die Welt von Outlander echt und greifbar anfühlt.
Für mich liegt die große Stärke des Buches in der Art, wie Gefühle, Zweifel, Hoffnung und Angst erzählt werden, ohne kitschig zu wirken.
💫 Spannung, Romantik und Geschichte
Outlander Feuer und Stein ist kein reiner Liebesroman und kein klassischer Abenteuerroman, sondern eine gelungene Mischung aus beidem. Es gibt ruhige, gefühlvolle Momente, aber auch gefährliche, spannende Situationen, politische Intrigen und moralische Entscheidungen.
Besonders gefallen hat mir, dass die Zeitreise nicht als bloßer Effekt genutzt wird, sondern echte Konsequenzen für Claire hat. Sie steht ständig zwischen zwei Welten, zwei Zeiten und zwei Leben.
Das Tempo ist nicht permanent hoch, aber genau richtig, um Spannung aufzubauen und gleichzeitig Raum für Emotionen zu lassen.
📌 Stärken
- Sehr dichte, atmosphärische Erzählweise
- Starke, glaubwürdige Hauptfiguren
- Eine Liebesgeschichte mit Tiefe
- Historische Details, die lebendig wirken
- Gute Balance zwischen Spannung, Gefühl und Geschichte
⚠️ Kleine Schwächen
- Der Einstieg ist eher ruhig und könnte Geduld erfordern
- Manche Passagen sind sehr ausführlich
- Wer schnelle Action sucht, braucht etwas Durchhaltevermögen
🧠 Mein Gesamteindruck
Outlander Feuer und Stein ist für mich ein Roman, den man nicht einfach liest, sondern erlebt. Ich habe mit Claire gehofft, gezweifelt, geliebt und gelitten. Die Geschichte fühlt sich groß an, ohne überladen zu sein, und emotional, ohne kitschig zu wirken.
Gerade diese Mischung aus Zeitreise, Historie und Herz macht das Buch für mich so besonders. Es bleibt nicht an der Oberfläche, sondern nimmt sich Zeit für Menschen und ihre Entscheidungen.
⭐ Fazit und Bewertung
5 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐
Outlander Feuer und Stein von Diana Gabaldon ist ein atmosphärischer, gefühlvoller und spannender Roman, der Geschichte und Romantik auf wunderbare Weise verbindet. Mit starken Figuren, einer intensiven Liebesgeschichte und einer lebendigen Welt zieht das Buch einen vollkommen in seinen Bann. Für alle, die gern tief in Geschichten eintauchen und sich von Emotionen und Historie tragen lassen, ist dieser Auftakt der Outlander Reihe ein absolutes Lesehighlight
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.952)Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue"Richtig war nicht unbedingt das, was richtig war, sondern das, was von der maßgeblichen Person für richtig erklärt wurde."
Die Geschichte fängt genauso an, wie der Titel es vorhersage. Der Hunderjährige Allan hat keine Lust seinen 100ten Geburtstag zu feiern und stieg aus dem Fenster des Altenheim und verschwand. Was dann passiert ist sowohl skurill und an manchen Stellen humorvoll. Weil ich mir einfach nicht das vorstellen konnte und kopfschüttelnd lachen musste um mir das was gerade passiert sein soll, vorstellen zu können.
Insgesamt war es aber mehr eine Erzählung über Allan, wie er aus dem Fenster stieg und was dann passiert, sowie Rückblicke was alles in seinem Leben passiert ist. Fand durch die Erzählung der Schreibstil sehr monoton und dadurch viel es mir schwer manchmal dran zu bleiben, weil es auch schnell langatmig wurde.
Eine solide und skurille Geschichte, die bestimmt mal was anderes ist!
- J. R. R. Tolkien
Der kleine Hobbit
(4.743)Aktuelle Rezension von: YunaCIn der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien geht es darum, dass der Hobbit Bilbo Beutlin aus dem Auenland unerwartet Besuch bekommt. Nämlich von 13 Zwergen. Diese Zwerge wollen unter der Führung von Thorin Eichenschild, Sohn von Thrain, Sohn von Thror, ihre alte Heimat zurückerobern. Diese wurde vor vielen Jahren von einem besonders gierigen Drachen, Smaug genannt, beschlagnahmt, da die Fürsten von Dal sehr reich waren. Die Zwerge suchten nun für ihr Vorhaben einen Meisterdieb und ihr guter alter Freund und Berater, der Zauberer Gandalf, wählte Mister Beutlin, denn er sah etwas in ihm, was niemand sonst sah. So zogen sie gemeinsam los und mussten sich einer Menge Herausforderungen stellen. Doch wenn sie je am einsamen Berg ankommen würden, würde dort der Drache auf sie warten...
Der kleine Hobbit ist die Vorgeschichte zu dem riesigen Fantasy-Epos der Herr der Ringe. Aber nicht nur das. Es ist auch eine Geschichte die in sich selbst abgeschlossen ist, da es einzig und allein wegen des Ringes, den Bilbo findet, auf Herr der Ringe anspielt.
Das Buch ist in einem älteren Schreibstil geschrieben, dass heißt, es ist etwas anstrengender zu lesen, als heutzutagige Bücher. Man muss sich einmal reinfinden, aber dann kommt man eigentlich damit zurecht. Außerdem ist es gut, das Buch vor den HdR-Büchern zu lesen (wenn man das vorhat;-), da diese noch etwas schwieriger sind. Man merkt aber, wie viel dahinter steckt. Es ist nicht bloß eine einfache Geschichte, es hat einen Hintergrund mit ganz viel Liebe und Detail, was es zu einem literarisch sehr wertvollen Buch macht. Die Welt ist faszinierend und realistisch und jeder Ort, jeder Charakter hat eine eigene Bedeutung.
Für mich ist der kleine Hobbit ein sehr schönes Buch, was ich immer wieder sehr gerne lese.
- Leo Tolstoi
Anna Karenina
(1.101)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannWenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )
Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.
Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.
- John Green
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
(12.809)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Eigentlich ist fast alles eine Nebenwirkung des Sterbens."
Ich bin bereits seit Eine wie Alaska ein großer Fan des amerikanischen Autors John Green und seiner Jugendromane, die oft die Feinheiten dieses Genres und einzigartigen Thematiken verknüpfen. Ich weiß nicht, was es genau ist, das seine Bücher so ehrlich und doch so gut erzählt erscheinen lässt, aber in seinen Büchern fühle ich wohl, wie es mir sonst nur bei Autoren wie John Irving, Jorge Luis Borges oder den Gedichten Rilkes passiert. Was ihn jetzt nicht mit einer dieser Autoren konkret in Verbindung setzten soll, aber es ist da eine unkomplizierte Präsens in seinen Geschichten, Personen, seiner ganzen Sprache, die der Erfahrung des Lesens ein wenig das Glasscheibenhafte, das Hindernis nimmt, was manchmal zwischen Leser und Lektüre steht.
Gleich vorweg: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist ein wirklich tolles Buch. Es ist vollkommen unprätentiös, es wirkt auf dem Leser, ist ein wunderbar unüberladenes Erlebnis. Es erreicht uns im Kleinen und es erreicht uns im Großen, ist eines dieser Bücher, an dem wir nicht vorübergehen können, sondern kurz innehalten, vielleicht nicht einmal genau wissen warum wir innehalten, aber eins ist klar: das Innehalten genügt als Grund, die Rührung genügt als Schleife auf dem Moment, das Buch, gelesen, in der Hand, genügt als vollendeter Ruf an das Leben in uns allen.
"-und sofort bekam ich Angst, dass die Leute über mich, wenn ich starb, auch nichts anderes zu sagen hätten, außer das ich tapfer gekämpft hätte, als wäre das einzige, was ich je getan hatte, Krebs zu haben."
Und um Leben geht es in diesem Buch, viel mehr, als in vielen anderen Büchern, in denen die Menschen tatsächlich die ganze Zeit einfach nur leben.
Hazel Grace ist 16 und kann nur noch durch zugeführten Sauerstoff aus einer Flasche überleben, die sie mit sich herumtragen muss; Krebs in der Schilddrüse, Metastasen in der Lunge - unheilbar, nur noch aufhaltbar. Gelegentlich geht sie einmal in der Woche zu einer Art Gruppentherapie in einer Kirche für krebskranke Kinder. Dort trifft sie eines Tages einen Jungen, der selber mal an Krebs erkrankt war, jetzt aber gesund ist. Und es scheint, dass er sich auffällig für Hazel interessiert...
Es ist natürlich letztlich unbeschreiblich, wie nah einem ein Buch nach der Lektüre steht. Also nicht nur, wie nah es einem geht, sondern wie sehr man darin, abseits vom Thema, Spuren einer lebendigen Wirklichkeit und Wesenhaftigkeit spürt - oder, altmodisch gesagt: Dass es ist, als wären die Romanfiguren Teilnehmer an einem Spiel, das auch wir spielen, wenn wir das Buch wieder geschlossen haben. Solche Bücher erreichen uns mit ihrem Thema stärker als andere, nicht weil sie Illusionen fabrizieren oder unterstützen, sondern weil sie offenbaren, was gültig ist in allem, egal ob Realität oder Fiktion. Eins davon ist sicherlich die Liebe und dieser Roman zeigt auch noch einige mehr.
"Jedenfalls sind die wahren Helden nicht die Leute, die Sachen tun; die wahren Helden sind die, die Dinge BEMERKEN, die AUFMERKSAM sind."
Im Grunde ist die Geschichte eine Liebesgeschichte – und dass sie viel, viel mehr ist, lässt diesen letzten Punkt trotzdem nicht in Vergessenheit geraten. Von den Szenen, durch die diese Buch sich bewegt, haben mich viele berührt, viele habe ich mit Spannung und Aufmerksamkeit verfolgt, viele sind mir als sehr gut geschilderte Gesten im Gedächtnis geblieben, die Kleinigkeiten eines Buches eben, die seine Lektüre zu einem riesengroßen Raum machen, den man nach der Lektüre nicht sofort verlassen kann, weil man ihn noch eine ganze Weile durchwandern muss. Übergreifend (Achtung SPOILER) hat mich aber letztendlich die Szene berührt, in der das Motto, die Essenz dieses Buches in aller Deutlichkeit hervortritt, wie sonst nur in einem Film , der einen sehr ähnlichen Namen und eine ähnliche Botschaft trägt. Die Szene in der Gus zu ihr sagt und man weiß, dass es das ganze Buch einfängt und letztendlich in diesem Satz der Punkt hinter die Aussage gesetzt wird, wodurch sie vollkommen ist:
"Das Leben ist schön, Hazel Grace."
Ein Moment zum Heulen. Aber auch ein Moment um John Green zu danken. Weil er ein großartiges Buch geschrieben hat. Denn damit ist natürlich nicht alles gesagt - aber das Wichtigste.
Nachtrag: Es grenzt vielleicht schon an Blasphemie, wenn ich mir erlaube hier zwei Bücher anzuhängen, die keineswegs genau wie dieses Buch sind, ja noch nicht mal mit derselben Grundthematik arbeiten, aber denjenigen gefallen könnten, die auch dieses Buch gut fanden, und vielleicht stelle ich sie auch nur hier noch hinten an, weil sie mir ebenfalls sehr am Herzen liegen:
Das also ist mein Leben
Die Nackten
Auch sehr zu empfehlen ist natürlich "Eine wie Alaska", Greens Debüt, ähnlich einzigartig wie dieser Roman. - Walter Moers
Die Stadt der Träumenden Bücher
(3.494)Aktuelle Rezension von: claudiaZDies war mein erster Ausflug in das Universum von Zamonien und ich kann dem Autor eine überwältigendes Ausmaß an Fantasie bescheinigen. Schön fand ich auch die Illustrationen, die in meiner Taschenbuchausgabe in schwarz-weiß enthalten sind. Zu Beginn hatte ich etwas gebraucht, um in die Geschichte hinein zu finden. Doch dann hatte es mich auch gepackt. Ich hätte nicht gedacht, was man mit Büchern alles anstellen kann. Neben dem Schreiben, Lesen, Sammeln, Verkaufen spielen auch seltenere Behandlungsformen eine Rolle, z.B. die Jagd nach Büchern oder sogar das Verspeisen von Büchern.
- Joanne K. Rowling
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter 7)
(9.842)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeHarry, Ron und Hermine sind auf der Suche nach den Horkruxen Voldemorts. Doch das ist nicht so einfach, denn die verbliebenen Horkruxe könnten überall sein. Es beginnt ein Roadtrip gegen die Zeit, der nicht nur darüber entscheidet, ob Harry am Ende Voldemort etwas entgegenzusetzen hat, sondern auch die Freundschaft und den Zusammenhalt des Trios, aber auch aller Gegner Voldemorts auf die härtest Probe überhaupt stellt.
Die düstere Atmosphäre, die Spannung und die emotionale Tiefe des Buches ist intensiver als in allen Vorgängerbänden. Die detaillierte Ausarbeitung der Handlung bleibt die größte Stärke der Autorin, selbst wenn sie die Geduld des Lesers teils auf eine echte Probe stellt. Die Verbindung aller Elemente zu einem großen Ganzen ist gut gelungen und plausibel. Kleinere Logikfehler stören wohl eher nur wenige Leser. Mit einem fulminanten Ende ist das letzte Drittel des Buches schier nicht mehr aus der Hand zu legen und erinnert einmal mehr daran, warum man einst mit der Reihe begonnen hat: Nicht die Magie des Zauberns ist entscheidend, sondern die Magie echten Mutes, der Freundschaft und des Zusammenhaltes.
Mein Fazit: Hier endet mein Re-Read und auch hier habe ich die Lesezeit wieder genossen. Es hat sich gelohnt noch mal, nach so vielen Jahren nach Hogwarts zurückzukehren und mit einem ganz anderen Blick die Abenteuer erneut mitzuerleben. Noch mal werde ich sicherlich nicht zu den Büchern greifen, dazu gibt es einfach zu viel Anderes zu lesen, aber es war auch dieses Mal einfach eine magische Lesezeit.
- Leigh Bardugo
Das Lied der Krähen
(1.697)Aktuelle Rezension von: FriekeInhalt
In Ketterdam, der pulsierenden Handelsstadt mit Hafen, hat sich Kaz Brekker von einem niemand zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot mit Gewinn in Millionenhöhe erhält, weiß er zwei Dinge: Mit diesem Reichtum wird er endlich rächen, was ihm in der Vergangenheit angetan wurde und er ist unmöglich allein dazu in der Lage diesen Auftrag zu erfüllen.
Mit einer Gruppe, bestehend aus fünf weiteren Gefährten, macht sich Kaz auf den Weg in den Norden. Die sechs sind hochgefährlich und professionell, wie kein anderer, doch keiner spielt mit offenen Karten. So auch Kaz nicht...
Meinung
Leigh Bardugo schaffte mit "Das Lied der Krähen" eine herausragendes Werk, das die Grenzen des Dagewesenen überschreitet. Der Leser wird von der düsteren Atmosphäre gepackt und in die mystische Welt hineingezogen. Es ist kein Ort, an dem man gerne leben möchte, doch fühlt man sich dank des bildhaften, flüssigen Schreibstils der Autorin geradezu magisch angezogen.
Die Geschichte in "Das Lied der Krähen" beschäftig sich nicht, wie so viele Werke, mit einer geradezu epischen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Vielmehr betont es die Zwischentöne und die Intrigen, die für das Überleben in einer von Leid gezeichneten Welt vonnöten sind. Sie behandelt die ganz unterschiedlichen Motive, die Menschen zu den härtesten Dingen im Kampf um das Überleben und dem Wunsch nach Rache treiben.
Die Geschichte beginnt in Ketterdam, seines Zeichens Handelsstadt und geprägt von falscher Moral und Verrat. In der Stadt regiert das Geld und Moral kann nur dann berücksichtig werden, wenn es dem Zweck dient noch mehr Geld einzunehmen. Ketterdam ist dunkel, eng und schmutzig. Genau hier, in den dunkelsten Ecken treffen wir auf die Protagonisten, eine Gruppe junger Menschen, die neben dem Gesetz steht und von dem brillianten und gerissenen Kaz Brekker angeführt wird.
Leigh Bardugos präziser, packender Schreibstil lässt Ketterdam real werden und aufleben, die Verdorbenheit und Finsternis, die abschreckend sein sollte, zieht den Leser in ihren Bann. Es wirkt dunkel, gefährlich und doch faszinierend. Die Handlung ist rasant und und actionreich, die Dialoge humorvoll und unterschwellig sarkastisch und die Wendung halten den Leser bis zum Ende gefesselt.
Durch die verschiedenen Perspektiven gelingt es zu jedem der Figuren eine Bindung aufzubauen, man fiebert mit, ist enttäuscht, versteht auch möglicherweise fragwürdige Entscheidungen. Diese Einblicke machen die Gruppendynamik deutlich vielschichtiger, da ein jedes Mitglied eigene Motive hat, die sich nicht mit denen der anderen decken.
Der Kern des Romans ist ein scheinbar unmöglicher Raubzug, bei dem jedes Mitglied seine individuellen Stärken bis zuletzt ausspielen muss. Doch gleichzeitig ist der Raubzug nur ein kleiner Teil einer groß angelegten Verschwörung, deren Ausbrechen der Leser selbst verfolgen kann, da ein jedes Mitglied erst nach und nach seine Karten auf den Tisch legt.
Doch nicht nur diese intellektuelle Ebene macht den Roman so anziehend. Keine der Figuren entspricht einer typischen Heldenfigur. Sie sind zerrissene Menschen mit einer düsteren, gewaltvollen Vergangenheit, tiefgehenden Narben und gefährlichen Geheimnissen. Bardugo gelingt die meisterhafte Verknüpfung dieser vielschichtigen Figuren in einer Welt, in der Moral kein Richtwert ist und die Methoden für den Überlebenskampf schon lange nicht mehr ehrenhaft sind.
Das alles lässt die Figuren verletzlich und auf fast schmerzliche Art nahbar erscheinen. Die Vielseitigkeit wird noch durch die nicht sehr normativen Beziehungen der Figuren zueinander betont. Die traumatischen Erfahrungen und seelischen Narben führen zu komplizierten Beziehungsgeflechten, bei dem auf kurze Sicht kein Happy End möglich ist, wenn keine seelische Heilung stattfindet. Doch das so etwas nicht von jetzt auf gleich geschehen kann, zeigt das Buch und wird dadurch - einmal mehr - zu einer realitätsnahen Geschichte, die Themen wie Vertrauen und Vergebung untersucht und meisterhaft in den Handlungsstrang zu integrieren versteht.
Fazit
"Das Lied der Krähen" ist kein Roman, das den Kampf zwischen Gut und Böse stilisiert, sondern eine Geschichte über Macht, Verrat, Vertrauen und der Suche nach Vergebung. Das Setting ist eine gnadenlose Welt, die die Figuren auf die ein oder andere Art und Weise seelisch verstümmelt und hart gemacht hat. Die Charakterentwicklung ist tiefgründig, wie in selten einem Buch das ich gelesen habe. Die Geschichte saugt dich ein und lässt dich erst wieder los, wenn du sie komplett gelesen hast, und selbst dann verbleibt es in den Gedanken. Ein absolutes Muss für Fans des Fantasygenres.
- Suzanne Collins
Die Tribute von Panem 2. Gefährliche Liebe
(9.033)Aktuelle Rezension von: FineAndersDer zweite Teil "Der Tribute von Panem" war genauso erschreckend brutal wie der erste Teil. Diese Idee mit den Hungerspielen finde ich ziemlich gruselig und abnormal, aber ich mag Katniss und Peeta und ich wollte wissen, wie es weiter geht mit diesem dyspotischem System.
Aber wieder hätte ich mir eine andere Erzählweise gewünscht, vielleicht erdrückt es mich zu sehr das Ganze im Präsens aus der Ich-Perspektive mit zu erleben. Das Ende war natürlich fies. Jetzt muss ich auch noch den dritten Teil lesen.
- Walter Moers
Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär
(2.261)Aktuelle Rezension von: NefinaDieses Buch hat mich einfach weggeblasen – ehrlich, Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär ist das beste Buch, das ich je gelesen habe! 🤯✨ Walter Moers ist für mich ein Genie, einer meiner absoluten Lieblingsautoren, und Zamonien ist die Welt, in die ich mich immer wieder kopfüber verlieben könnte. 🐉💙
Käpt’n Blaubär nimmt uns mit auf seine ersten 13½ Leben – und jedes einzelne ist verrückt, wild, fantasievoll und voller Abenteuer. Von Zwergpiraten über sprechende Wellen bis hin zu denkendem Sand und finsteren Katakomben – man stolpert von einer unglaublichen Idee in die nächste. Gerade diese Episodenhaftigkeit macht das Buch so besonders: Jede Geschichte ist einzigartig, und doch hängt alles wie durch unsichtbare Fäden zusammen.
Blaubär selbst ist so ein charmanter Erzähler. Abenteuerlustig, witzig, manchmal naiv – und dabei absolut liebenswert. Man begleitet ihn beim Wachsen, Scheitern, Staunen und Kämpfen. Und genau das macht ihn menschlich (oder bärlich 😉) und so nahbar.
Ein Kapitel, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die Zeit mit den Stollentrollen. Diese merkwürdigen Wesen, mit ihrem ganz eigenen Humor, ihrer Wildheit und ihrer derben Art, waren für mich ein Paradebeispiel dafür, wie Moers Charaktere erschafft, die gleichzeitig grotesk, witzig und tiefgründig wirken. Sie waren laut, gefährlich, manchmal sogar etwas nervenaufreibend – aber absolut unvergesslich. Gerade diese Mischung aus Skurrilität und unterschwelliger Bedrohung ist typisch für Zamonien.
Moers’ Worldbuilding ist einfach next level. Zamonien sprüht nur so vor Ideen, Kreaturen, Schauplätzen und verrückten Details. Manchmal musste ich einfach lachen über seine Wortschöpfungen, manchmal stockte mir der Atem, und dann wieder war ich einfach sprachlos vor Staunen. Kein Autor jongliert so mit Sprache, Humor und Fantasie wie er.
Und dann dieses Cover! 😍 Schon von außen schreit das Buch nach Abenteuer – und im Inneren warten unzählige Illustrationen, die die skurrilen Wesen und Landschaften zum Leben erwecken. Sie sind ein echtes Highlight und machen die Lektüre noch besonderer.
700 Seiten pure Lesefreude – und jede einzelne war es wert. Seitdem habe ich viele Bücher gelesen, aber keins hat mir je wieder dieses Gefühl gegeben, so vollkommen in einer Geschichte aufzugehen. Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär ist für mich nicht nur ein Buch, sondern ein Erlebnis. Absolute Leseempfehlung – und ein Stück Literatur, das ich für immer vergöttern werde.
- Ken Follett
Sturz der Titanen
(1.302)Aktuelle Rezension von: _seitenreise_Ich weiß nicht, ob Sturz der Titanen das ideale Weihnachtsbuch ist – schließlich taucht man tief in den Ersten Weltkrieg ein. Aber wann hat man sonst schon einmal so viel Zeit, um sich ganz in Ruhe auf einen 1000-Seiten-Schmöker einzulassen?
Ken Follett hat diese besondere Gabe, einen schon nach wenigen Seiten mitten ins Geschehen zu ziehen. Ja, zu Beginn gibt es viele Schauplätze und zahlreiche Figuren, die man erst einmal einordnen muss. Doch erstaunlich schnell fiebert man mit allen mit, lernt sie zu lieben oder zu hassen und begleitet sie auf einer intensiven Reise durch einen dunklen Abschnitt der Weltgeschichte.
Das Buch ist stellenweise harte Kost. Der Erste Weltkrieg wird eindringlich und schonungslos geschildert, und die Schrecken, die die Menschen erleiden mussten, gehen nahe. Gleichzeitig war dieses Buch für mich besser als jede Geschichtsstunde. Die Recherche ist unfassbar gut – jede historische Begebenheit, jede reale Persönlichkeit und jeder Schauplatz sind sorgfältig eingebettet. Man merkt auf jeder Seite, wie fundiert und durchdacht dieses Buch ist.
Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Perspektiven: England, Russland, die USA – dadurch versteht man politische Zusammenhänge, Entscheidungen und Entwicklungen viel besser, auch wenn man bei den vielen politischen Manövern aufmerksam lesen muss.
Großartig ist zudem, wie Ken Follett die Lebenswege seiner Figuren miteinander verwebt. Ihre Geschichten kreuzen sich nach und nach, ohne konstruiert zu wirken. Alles hängt zusammen, alles greift ineinander, sodass man nie das Gefühl hat, mehrere getrennte Handlungsstränge zu lesen.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Für meinen Geschmack hätten einige Passagen – vor allem die sehr detaillierten Beschreibungen von Waffen, Strategien und Gefechten – etwas kürzer ausfallen können. Auch wenn ich Folletts Detailverliebtheit schätze, war mir das stellenweise etwas zu viel.
Fazit: Sturz der Titanen ist ein eindrucksvoller, spannender und lehrreicher Auftakt der Jahrhundert-Saga, die ihren Namen mehr als verdient. Habt keine Angst vor den 1000 Seiten – sie lohnen sich wirklich. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band, auch wenn ich jetzt erst einmal wieder etwas leichtere Kost brauche.
- Mary E. Pearson
Der Kuss der Lüge
(1.558)Aktuelle Rezension von: Eva_RuppEin wirklich guter erster Band, der mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt hat, vor allen Dingen bei diesem Cliffhanger am Ende.
Es ist wirklich spannend, mit anzusehen, wie quasi gleich zwei Männer das Herz seiner Frau erobern können. Aber ist doch im Herzen der Frau immer nur ein Mann gibt, der wirklich heraussticht.
Die Welt und das World Building dazu waren wirklich sehr sehr schön. Sie waren nicht so ausführlich, aber dennoch, so dass man es sich gut vorstellen konnte. Zudem finde ich es diese gesamte Welt auch sehr hübsch anzusehen.
Den Schreibstil finde ich mehr als angenehm. Nicht nur dass wir die Perspektive haben, sondern auch dass wir gleich mehrere Perspektiven haben und dann somit in wirklich jedem hineinversetzen kann. Besonders spannend fand ich, dass man nicht wusste, werde ich ja der beiden Männer wirklich der Attentäter ist und man somit auch noch ein wenig mit rätseln musste. Oft hab ich gedacht, ich bin auf der sicheren Seite und habe mich dann doch getäuscht.
Lia ist eine wirklich sehr, sehr starke Protagonistin. Natürlich könnte man sagen, sie ist vielleicht anfänglich ein wenig naiv, da sie ihre eigenen Bedürfnisse über die Ihres Volkes stellt ohne darüber nachzudenken, dass sie natürlich verfolgt werden . Andererseits muss ich sagen, dass ich voll auf ihr Seite bin, niemand solche zu gezwungen sei, jemanden zu heiraten, den er nicht liebt. Ihr sind die Bedürfnisse der anderen wichtiger als ihre eigene. Sie denkt zuerst an alle anderen, bevor sie an sich selbst denkt und sie hat ein großes Herz das ist nicht verdient hat gebrochen zu werden.
Ich würde sagen, dass auch der Attentäter langsam Gefühle für sie entwickelt und man schon merkt, dass er seinen Job eigentlich nicht ausführen möchte und alles versucht um sich noch ein wenig Zeit zu schaufeln was ja auch zeigt, dass er ein gutes Herz hat und wahrscheinlich eine sehr schwierige Vergangenheit.
Auch der Prinz ist mir eigentlich sehr sympathisch. Trotzdem Bedürfnis, sie eigentlich von sich zu stoßen, merkt er, dass sie eigentlich einfach nur das getan hat, wozu er sich nicht getraut hat. Ich denke er kommt hier auch gerade charakterlich sehr weit vor da merkt was er für Fehler in der Vergangenheit gemacht hat und merkt, dass man vielleicht nicht immer das tun kann, was man auch tun möchte und andersherum. Dass er sich so in sie verkuckt hat und ihre Nähe sucht zeigt ja eigentlich auch noch mal mehr was für ein großes Herz Lia eigentlich haben muss.
Die kleinen zwischen Kapitel sage ich jetzt mal, in denen man so ein bisschen in den Einblick der Geschichte bekommt. Finde ich auch wirklich spannend vor allen Dingen, wenn es um die Entschlüsselung des Buches geht welches Lia entwendet hat.
Ich muss sagen, ich bin sehr froh, dass das Cover mittlerweile geändert wurde und nicht mehr eine Frau das Cover ziert, sondern jetzt sehr viele verknackte Symbole auf dem Cover sind. Das macht das wesentlich schöner und viel ansprechender.
- Sebastian Fitzek
Passagier 23
(3.125)Aktuelle Rezension von: Bookworm26Passagier 23 ist für mich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe – ein absoluter Favorit! Schon von der ersten Seite an wird man komplett in die Geschichte hineingezogen. Die Charaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet; man bekommt das Gefühl, jeden einzelnen Passagier wirklich zu kennen.
Besonders gefallen hat mir, wie alle Handlungsstränge und Figuren harmonisch zusammengeführt werden. Man fiebert mit, versucht selbst zu rätseln und fühlt die emotionale Tiefe der Geschichte. Für alle, die psychologisch spannende Thriller mit einer dichten Atmosphäre, cleveren Wendungen und unvergesslichen Charakteren lieben, ist Passagier 23 ein absolutes Muss.
- Matt Haig
Die Mitternachtsbibliothek
(1.613)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraDas Motto der Lesechallenge im Januar 2026 lautet: Lies ein Buch, das dir jemand empfohlen hat. Für mich die perfekte Gelegenheit einen Roman zu lesen, der mir nicht nur empfohlen, sondern auch ausgeliehen wurde. „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig aus dem Jahr 2021 habe ich von meiner Tante bekommen und der Klappentext hat mich direkt gefesselt. Es erzählt die Geschichte einer Frau, die nach mehreren Schicksalsschlägen und verpassten Chancen keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht und dieses beenden möchte. Aus diesem Grund würde ich hier auch eine Triggerwarnung für Suizid aussprechen, auch wenn das Thema wirklich sensibel behandelt wird. Der Roman war extrem erfolgreich: Er wurde in Großbritannien mehr als eine Millionen Mal verkauft, war auf der New York Times Bestseller List auf Platz 1, in Deutschland insgesamt 21 Wochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste und erlebte auch auf TikTok einen großen Hype. Und auch ich würde sagen, dass dieser Roman wirklich lesenswert ist.
Die 35-jährige Nora Seed sieht sich als gescheiterte Existenz: Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Philosophie arbeitet sie weiterhin in einem Musikgeschäft als Verkäuferin, jobbt als Klavierlehrerin und hat viele Chancen im Leben verpasst. So hat sie bspw. das Schwimmen als Teenagerin aufgegeben, obwohl sie sehr talentiert war oder hat ihren Verlobten Dan zwei Tage vor der Hochzeit sitzen lassen. Als eines Tages ihr Kater Voltaire stirbt, sie ihren Job verliert und dann noch in ein Streitgespräch über ihren Bruder kommt, verlässt sie der Lebensmut vollkommen. Sie beschließt, sich mit einer Mischung aus Alkohol und Tabletten umzubringen. Doch anstatt zu sterben, findet sie sich in der Mitternachtsbibliothek wieder, die von ihrer ehemaligen Schulbibliothekarin geleitet wird. Dort hat sie die Möglichkeit, all jene Leben zu leben, die sie durch das Treffen anderer Entscheidungen verpasst hat. Und sollte sie das perfekte Leben für sich finden, darf sie darin für immer bleiben.
„Neunzehn Jahre bevor sie beschloss zu sterben, saß Nora Seed in der warmen kleinen Bibliothek der Hazeldene School in Bedford.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels mit dem Titel „Ein Gespräch über Regen“. Zu diesem Zeitpunkt ist Nora 16 Jahre alt und spielt eine Partie Schach gegen die Bibliothekarin Mrs. Elm. Die englische Großstadt Bedford liegt übrigens etwa 80 Kilometer nördlich von London. Ihre Einwohner haben zu 10% italienische Vorfahren, was an der Gastarbeiter-Anwerbung durch die London Brick Company liegt. Auch Nora erwähnt, dass ihre Großeltern aus Italien stammen. Mit dem Kapitel beginnt ein Countdown, denn jeder Satz der ersten Kapitel beginnt mit „X Zeiteinheiten bevor sie beschloss zu sterben…“. Der Roman ist aus der personalen Perspektive von Nora im Präteritum geschrieben.
Damit ist Nora auch die Protagonistin. Nach dem ersten Kapitel ist sie 35 Jahre alt, hat einen Bachelor-Abschluss in Existenzphilosophie, was im Kern studierte Arbeitslosigkeit ist, und ist hauptberuflich Verkäuferin in einem Musikgeschäft. Außerdem ist sie seit einigen Wochen von ihrem Verlobten Dan getrennt. Sie hat schwarze, mittellange Haare und mich von ihrer äußeren Beschreibung sehr an die Schauspielerin Krysten Ritter erinnert. Nora ist eine introvertierte, sensible und reflektierte Person, die stark von Selbstzweifeln und Reue geprägt ist. Sie nimmt sich selbst vor allem über ihre vermeintlichen Defizite wahr: verpasste Chancen, gescheiterte Beziehungen und nicht erfüllte Erwartungen. Zugleich ist Nora intelligent und vielseitig begabt. Sie spielt Klavier, interessiert sich für Philosophie sowie Naturwissenschaften und ist allgemein wissbegierig. Damit liegt auf der Hand, dass Noras Persönlichkeitswandel primär darin besteht, nicht so hart zu sich selbst zu sein oder sich für vermeintliche Fehler zu geißeln. Nora ist definitiv eine sympathische Protagonistin, deren Handlungen ich in den meisten Fällen gut nachvollziehen konnte.
Haig nutzt einen klaren, zugänglichen und überwiegend schlichten Schreibstil. Die Sprache ist einfach, dialogarm und eher introspektiv auf das Innenleben von Nora gerichtet. Das Tempo ist hier perfekt ausbalanciert. Nicht umsonst wird „Die Mitternachtsbibliothek“ als optimale Bettlektüre empfohlen. Dabei ist die Atmosphäre anfangs melancholisch und bedrückend. Noras Leben ist von Depression, Einsamkeit und Isolation geprägt, wodurch ihr schwindender Lebenswille greifbar wird. Obwohl es kaum handlungsgetriebene Spannung gibt, ist dieser Roman ein absoluter Pageturner, sodass es mir manchmal trotz Müdigkeit schwer gefallen ist, ihn wegzulegen. Darin besteht auch dessen größte Stärke: Noras stetiger Wechsel in jene Leben, die sie hätte leben können, lässt viel Abwechslung aufkommen. Ich habe aufgrund seiner unterhaltsamen Art wirklich gerne zu diesem Buch gegriffen.
Der Roman thematisiert viele verschiedene philosophische Denkansätze wie Existenzialismus oder kontrafaktisches Denken. Insbesondere die Was-wäre-wenn-Szenarien über Noras Entscheidungen im Leben stellen infrage, ob es das beste Leben überhaupt gibt, oder ob sie nicht alle Licht- und Schattenseiten haben. Dabei werden immer wieder Thesen unterschiedlicher Philosophen wie Voltaire, Henry David Thoreau oder Jean-Paul Sartre eingestreut. Dies wirkt an manchen Stellen aber zu gewollt intellektuell, gerade weil gleichzeitig Fachfehler auftauchen. So bezeichnet Nora z.B. einen „Pfeifton aus der Nase“ (S. 19) als „düsteres b-Moll“ (S. 19). Allerdings kann man aus einem einzelnen Ton keine Tonart ableiten, sondern nur aus einem Akkord, also mehreren Tönen, die gleichzeitig gespielt werden. Das sollte Nora als Pianistin und Mitarbeiterin eines Musikgeschäfts eigentlich wissen. Etwas später ist im Rahmen eines Quiz die Rede von einem „Polygon mit zwanzig Flächen“ (S. 62). Darüber bin ich direkt gestolpert, denn ein Polygon ist eine zweidimensionale Figur, besitzt also nur eine Fläche, aber 20 Kanten. Es müsste also entweder heißen: ein Polygon mit 20 Kanten ODER ein Polyeder mit 20 Flächen. Später wird dieser Fehler sogar noch einmal wiederholt: „Ein zwanzigflächiges Polygon nennt man Ikosagon.“ (S. 73). Das ist falsch, denn ein zwanzigflächiges Polyeder nennt man Ikosaeder. Es ist im Grunde genommen halb so wild, aber doch erstaunlich, dass diese recht offensichtlichen Fehler trotz Welterfolg durchs Korrektorat gerutscht sind.
Etwas kritisch ist auch, dass Nora viele Leben besucht, in denen sie außerordentlichen Erfolg hat. Welche Talente sie auch hat, in irgendeinem Leben ist sie immer besser als die Konkurrenz. Sie ist Olympiasiegerin im Schwimmen, Schachgroßmeisterin, Cambridge-Professorin in Philosophie oder gefeierter Popstar. Doch wenn selbst das vermeintlich falsche Leben in überdurchschnittlichen Leistungen mündet, verliert Scheitern als reale Möglichkeit an Gewicht. Wie viele Menschen haben sich zwar für die Olympiade qualifiziert, sind aber nie auf dem Treppchen gelandet? Wie viele Menschen träumen von einer Karriere als erfolgreicher Musiker, werden trotz Talent aber niemals berühmt? Ich verstehe, dass die Aussage des Romans ist, dass Erfolg kein Garant für Zufriedenheit ist. Aber dass für manche Menschen trotz massiver Bemühungen ihr Lebenstraum niemals in Erfüllung geht, hätte zumindest in einem Leben erzählt werden dürfen. Das Ende ist zwar vorhersehbar, aber auch versöhnlich und schlüssig.
Insgesamt ist „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig ein charmanter, kluger und faszinierender Roman darüber, wie jede kleine Entscheidung das Leben verändern kann. Besonders Schreibstil, Atmosphäre und eine glaubwürdige Protagonistin machen diese Geschichte so lesenswert. Haig gelingt es, schwere Themen wie Depressionen, Einsamkeit, Selbstzweifel und Suizid in eine unterhaltsame, fast schon tröstliche Erzählform zu überführen, durch die das Buch kaum wegzulegen ist. Gleichzeitig gibt es auch Schwächen: philosophische Verweise wirken teils aufgesetzt, Fachfehler lassen an sauberer Recherche zweifeln und die Möglichkeit des Scheiterns wird zu stark relativiert. Dennoch überwiegen hier die Stärken. Der Roman aus dem Jahr 2021 zeigt die Sinnlosigkeit auf, frühere Entscheidungen zu bereuen, denn Nora erkennt, dass manch scheinbar gute Entscheidungen auch zu unvorhersehbaren Unglücken führen können. Deswegen erhält „Die Mitternachtsbibliothek“ vier von fünf Federn.
- Daniel Kehlmann
Die Vermessung der Welt
(3.454)Aktuelle Rezension von: JosseleDer sehr erfolgreiche Roman von Daniel Kehlmann über die Lebensgeschichten des Mathematikers Carl Friedrich Gaus und des Naturforschers Alexander von Humboldt erschien 2005. Es handelt sich offensichtlich um eine Mischung zwischen historisch realer und fiktiver Handlung. Im ersten Kapitel erhält Gauß eine Einladung von Humboldt nach Berlin und macht sich auf die Reise. In den folgenden Kapiteln wird die teils fiktive Lebensgeschichte der beiden Wissenschaftler abwechselnd und episodenweise erzählt. Manches bleibt dabei ungeklärt, z.B. wie Humboldt und sein Begleiter sich von der Insel im Orinoko retten können, nachdem ihr Boot abgetrieben ist. Das wirkt unvollständig und ein wenig beliebig.
Die Erzählweise ist durchweg ironisch und teilweise schwarzhumorig, die beiden Wissenschaftler erscheinen geradezu kindlich bzw. kindisch in ihrem Streben nach Erkenntnis. Das ist zwar ganz lustig, mehr aber auch nicht. Es wird den beiden Hochkarätern in jedem Fall aus meiner Sicht nicht wirklich gerecht.
Dem Buch fehlt aus meiner Sicht auch ein roter Faden respektive ein innerer Zusammenhang. Zwar sind die Kapitel teilweise chronologisch erzählt, aber dazwischen befinden sich mitunter große Zeitsprünge, so dass die Kapitel einzeln für sich allein stehen, mit nur marginalem Bezug zueinander. Aus meiner Sicht wirkt das eher wie ein Manuskript oder ein Entwurf, der noch an einigen Stellen der Ergänzung bedarf, denn wie ein fertiges Buch.
Insgesamt bin ich von dem Buch daher eher enttäuscht als angetan, was vielleicht auch an den übergroßen Erwartungen liegen kann, die ich nach all den zahlreichen Lobpreisungen der Literaturwelt daran hatte. Zwei Sterne.
- Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
(1.389)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der introvertierte Altphilologe Raimund Gregorius dessen Alltag aus Ritualen, Büchern und seiner Tätigkeit als Lehrer besteht. Ein zufälliges Treffen mit einer geheimnisvollen Frau auf dem Weg zur Schule und ein portugiesisches Buch voller existenzieller Gedanken, die er zufällig in einer Buchhandlung entdeckt, reißen ihn aus dieser Ordnung heraus und er begibt sich auf die Spuren des Autors ebendieses Buches, was ihn nach Lissabon führt. Die Handlung liest sich wie eine Reise durch Lissabon mit seinen Stationen, die einzeln für sich eine weitere neue Facette sowohl des Autos Prado als auch Gregorius‘ freilegen. Hierbei wechseln sich Passagen mit Schilderungen Nahestehender Prados über ebendiesen, Passagen seines Buches und innerer Empfindungen und Gedanken Gregorius‘ ab. Die stille und langsame Handlung lebt vor allem von der Atmosphäre, den inneren Bewegungen und den Begegnungen.
Bei den Protagonisten stehen sowohl Gregorius als auch Prado klar im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung, die die beiden im Verlauf des Buches vollziehen. Aber auch relevante Nebenprotagonisten erleben eine nachvollziehbare und schöne Entwicklung, die der Geschichte eine zusätzliche Facette und Tiefe verleiht. Wer stille und tiefgründige Romane mit philosophischem Tiefgang und existenziellen Fragestellungen mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist philosophisch, klar und teils anspruchsvoll, was gut zur Handlung passt.
Minuspunkte: Das bereits erwähnte langsame Handlungstempo war an einigen Stellen sehr zäh und der philosophische Einschlag war mancherorts ein wenig zu anspruchsvoll.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Patrick Süskind
Das Parfum
(10.258)Aktuelle Rezension von: AukjeUm 1738 kommt Jean-Baptiste Grenouille zur Welt und besitzt keinen Eigengeruch. Er wächst als Einzelgänger in verschiedenen Familien in Frankreich auf. Eines Tages stößt er auf den Parfümeur Baldini und beginnt bei ihm eine Ausbildung als Parfümeur. Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass er einen äußerst ausgeprägten Geruchsinn hat und wird in seinem Beruf ziemlich erfolgreich. Doch insgeheim beschließt er 'den perfekten Duft' zu kreieren. Also beginnt der Einzelgänger Frauen die gut riechen nachzustellen und zu ermorden um ihren Duft einzufangen. Irgendwann kommt man ihm auf die Fährte und er soll verurteilt werden. Doch während seiner öffentlichen Verurteilung öffnet er ein Fläschchen seines selbst kreierten Duftes und alle Anwesenden geraten in Ekstase und beginnen sich gegenseitig zu ermorden vor verlangen.
Ich habe das Buch nach mehreren Jahren noch einmal gelesen und und hatte fast schon vergessen wie gut er ist. Ich liebe es wie detailliert die einzelnen Gerüche beschrieben werden, so dass man sie während des Lesens das Gefühl bekommt sie wirklich zu riechen. Auch der psychologische Hintergrund und daher die Tat von Grenouille ist unheimlich interessant beschrieben.
- Audrey Niffenegger
Die Frau des Zeitreisenden
(4.385)Aktuelle Rezension von: eastClare ist acht, als sie ihren zukünftigen Ehemann zum ersten Mal trifft. Der Haken: er kommt aus der Zukunft, er ist ein Zeitreisender. In den Jahren danach treffen sie sich immer wieder, bis sie sich endlich in ihrer eigenen Zeit finden. Doch damit fangen die Probleme erst an
Es muss ein unfassbar beruhigendes Gefühl sein, zu wissen, dass man seinen Seelenverwandten treffen wird, weil man seine zukünftige Version schon kennt. Aber es ist auch etwas verstörend, sich vorzustellen, dass ein Mann mittleren Alters seine Ehefrau als Kind kennenlernt. Kurzum: Die Geschichte von Clare und Henry ist ein bisschen abgedreht.
Wir begleiten die beiden durch die Verwirrung aller möglichen Zeitsprünge, die das Storytelling etwas undurchschaubar machen. Allerdings sind sie auch so ziemlich das einzige Spannungselement, denn wirklich überraschend kommt nicht viel. Wie auch, immerhin wird die Geschichte eines Zeitreisenden erzählt.
Nicht alles an diesem Buch, das ja nun schon ein paar Jahre alt ist, ist gut gealtert, einige Male findet sich unterschwelliger Sexismus in dieser Geschichte, obwohl sie von einer Frau geschrieben wurde. Die Liebesgeschichte selbst ist sehr berührend in ihrer Einzigartigkeit, aber den Funken selbst habe ich nie so richtig gesehen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass mir schleierhaft ist, wie eine Zwölfjährige in einen Mann Anfang Vierzig verlieben kann.
Abgesehen von der Liebesgeschichte bleiben die Charaktere allerdings ziemlich blass. Henry hat seine Bücher, seine Musik und natürlich die Zeitreisen, aber Clare bleibt ein unbeschriebenes Blatt. Es wird mal hier und da erwähnt, dass sie Künstlerin ist, aber sonst hat sie keinerlei Substanz. Schade eigentlich.
Die Art, in der die Geschichte der beiden erzählt wird, übt trotzdem eine gewisse Faszination aus, die zum Weiterlesen einlädt. Aber ich hatte doch irgendwie mehr erwartet, als eine Frau, die sich über ihren Mann definiert und immer nur auf ihn wartet, wenn er weg ist.
- J. R. R. Tolkien
Der Herr der Ringe. Bd. 1 - Die Gefährten: Neuüberarbeitung und Aktualisierung der Übersetzung von Wolfgang Krege (Der Herr der Ringe. Ausgabe in neuer Übersetzung und Rechtschreibung)
(1.294)Aktuelle Rezension von: Xamaror„Du hast sein Buch gelesen!“ rief Frodo. „Du meine Güte, ist denn nichts vor euch sicher?“
Inhalt & Handlung: "Der Herr der Ringe: Die Gefährten" ist der erste Band von J.R.R. Tolkiens epischem Fantasywerk und schildert die Reise einer Gruppe von Gefährten, die sich zusammenfinden, um den mächtigen Ring des Dunklen Lords Sauron zu zerstören. Die Handlung beginnt im idyllischen Auenland, wo Frodo Beutlin, ein Hobbit, den Ring von seinem Onkel Bilbo erbt. Bald wird ihm klar, dass dieser Ring eine immense Gefahr für die gesamte Welt von Mittelerde darstellt.
Die Gefährten setzen sich aus verschiedenen Völkern zusammen: Hobbits, Menschen, Elben und Zwerge. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den unterschiedlichsten Schauplätzen wider, die Tolkien meisterhaft beschreibt. Von den sanften Hügeln des Auenlandes, über die majestätischen Wälder von Lothlórien bis hin zu den schroffen Bergen der Misty Mountains – jeder Ort ist detailliert ausgearbeitet und trägt zur epischen Atmosphäre der Geschichte bei.
Charaktere: Die Charaktere in "Die Gefährten" sind vielschichtig und facettenreich. Sie bringen unterschiedliche Perspektiven und Eigenschaften in die Gruppe ein, was zu interessanten Interaktionen und Konflikten führt. Besonders hervorzuheben ist Samweis Gamdschie, Frodo's treuer Freund und Gärtner. Sam ist nicht nur loyal, sondern auch mutig und entschlossen. Seine Fähigkeit, Frodo in schwierigen Zeiten zu unterstützen, macht ihn zu einem der emotionalen Anker der Geschichte.
Weitere bemerkenswerte Figuren sind Aragorn, der mutige Erbe des Isildur, Legolas, der geschickte Elb, und Gimli, der zähe Zwerg. Jeder Charakter hat seine eigenen Stärken und Schwächen, die im Verlauf der Handlung weiterentwickelt werden, was für den Leser eine tiefere Verbindung zu ihnen schafft.
Schreibstil: Tolkien hat einen bemerkenswert detailreichen und flüssigen Schreibstil, der den Leser sofort in die Welt von Mittelerde eintauchen lässt. Seine Beschreibungen sind lebendig und schaffen Bilder im Kopf, die die verschiedenen Landschaften und Kulturen von Mittelerde zum Leben erwecken. Die Dialoge sind ebenso gut geschrieben, sie vermitteln Emotionen und Charakterzüge auf eine natürliche Weise.
Ein Beispiel für seinen Schreibstil ist die einfühlsame Beschreibung der Landschaften, die oft mit der Stimmung der Charaktere verbunden ist. Wenn Frodo und Sam in den düsteren Schatten des Düsterwalds wandern, spiegelt die Sprache die Bedrohung wider, die sie empfinden.
Fazit: Insgesamt ist "Der Herr der Ringe: Die Gefährten" ein Meisterwerk der Fantasy-Literatur, das den Leser in eine reichhaltige und faszinierende Welt entführt. Die gut ausgearbeiteten Schauplätze, die tiefgründigen Charaktere und der detailreiche Schreibstil machen das Buch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Besonders die Figur des Sam hat mich beeindruckt; seine Loyalität und Freundschaft sind inspirierend. Ich freue mich bereits auf den zweiten Band und darauf, weitere Abenteuer in Mittelerde zu erleben.
- Michael Ende
Die unendliche Geschichte
(7.063)Aktuelle Rezension von: BiillchenHinter der fantasievollen Erzählung verbirgt sich eine kraftvolle Reise zu sich selbst. Besonders beeindruckend ist, wie die Geschichte zeigt, was verloren geht, wenn man sich selbst aufgibt, um Erwartungen zu erfüllen oder jemand anderes zu sein. Sie erinnert daran, wie wichtig Mut, Identität und innere Wahrheit sind. Ein zeitloses Buch, das weit über ein Märchen hinausgeht und lange nachwirkt.
- Sarah J. Maas
Das Reich der sieben Höfe – Silbernes Feuer
(719)Aktuelle Rezension von: jenfischNachdem Nesta vom König von Hybern in den Kessel geworfen wurde, ist sie wütend auf alles und jeden. Nach dem Sieg gegen Hybern stößt sie all ihre Mitmenschen noch stärker von sich als ohnehin schon, betrinkt sich jeden Tag und nimmt fremde Männer zu sich ins Bett. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Feyre, Cassian & Co. können nicht mehr mit ansehen, wie Nesta sich so gehen lässt.
Von Anfang an wird Nesta uns im Acotar-Universum als undankbare und unfreundliche älteste Schwester der Archerons dargestellt.
Mit diesem Buch wird nun mit den Vorsätzen aufgeräumt und wir begleiten Nesta in ihrer Charakterentwicklung.Die Beleuchtung der Charaktere von Seiten Nestas und Cassians hat mir sehr gut gefallen. Man bekommt auf alle Charaktere noch mal einen anderen Blick und sie wirken nach und nach menschlicher und weniger romantisiert.
Der Handlungsverlauf hat sich zwischenzeitlich etwas langatmig angefühlt, hat mir aber sehr gut gefallen, auch dass Nesta nach und nach aus sich herauskommt und aus eigenem Antrieb Freundschaften schließen will.Die neuen Nebencharaktere haben mir ebenfalls gut gefallen. Sie besaßen Tiefe und weckten mein Mitgefühl.
Nesta wurde zum Ende hin von der kalten unnahbaren Frau zu einer ehrgeizigen, und was ihre Familie angeht warmherzigen, Kriegerin.
- Andrzej Sapkowski
Der letzte Wunsch
(848)Aktuelle Rezension von: R_D1Viele geschlossene Fantasy-Zyklen haben das Problem eines langweiligen, langsam erzählten ersten Bandes.
Das ist hier anders!
Das Buch erzählt vom in sich gekehrten Hexer Geralt und seinem heiteren Gefährten, dem Barden Rittersporn, die wir durch ihre mittelalterliche Welt begleiten. Bereits in diesem ersten Band begegnen wir vielen verschiedenen Figuren und Spezies: Yennefer, Pavetta, Igel, Nenneke, Zauberinnen, Priesterinnen, Monster, Götter, Elfen, ... und werden über die Verquickung so mancher Schicksäle aufgeklärt. Diverse Anspielungen auf Märchen lassen uns in Geralts Welt schnell Orientierung finden.
Der Erzählstil ist dialogreich und folgt einem zügigen Tempo. Auf keiner einzigen Seite langweilte ich mich!
Über die Figurenrede werden Rückblenden, Binnenerzählungen und trockener Humor eingebaut. Glückseligkeiten, die den Figuren widerfahren, durchbrechen die düsteren Momente - und umgekehrt.























