Bücher mit dem Tag "religionskritik"

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46 Bücher

  1. Cover des Buches Origin (ISBN: 9783431039993)
    Dan Brown

    Origin

     (566)
    Aktuelle Rezension von: Cora_Jeffries

    Dan Brown hat es mal wieder geschafft, mich mit diesem Buch zu fesseln. Die ersten Seiten waren ein bisschen langatmig, aber dann geht alles Schlag auf Schlag.

    Der Harvard Professor wird mit einem Headset zu seinem Führer Winston durchs Museum begleitet, bis er wieder an seine körperlichen Grenzen, der Klaustrophobie, stößt. Abgelegen von den anderen Besuchern trifft er auf seinen ehemaligen Studenten Edmond Kirsch. Dies ist aber nicht das erste Treffen seither. Gelegentlich haben sie sich getroffen, über Kunst und so weiter gesprochen.

    Kirsch hat eine Entdeckung gemacht, die die komplette Menschheit auf den Kopf stellen wird. Nur zur Wahrheitsverkündung kam es nicht. Nun liegt es in Robert Langdons Hand, das Rätsel zu lösen. An seiner Seite sind Ambra, die zukünftige Königin Spaniens, und Winston. Sie werden verfolgt und so beginnt der Wettlauf der Zeit.

    Im Buch kommen wieder schöne Gebäude vor. Was mir hier ein bisschen gefehlt hat, waren bildliche Darstellungen. Ab und zu musste ich das Buch zur Seite legen, damit ich mir vorstellen kann, wo genau sich Robert und Co. befanden.

    Die Spannung wurde wie immer langsam aufgebaut und auf einem Niveau gehalten, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann!

  2. Cover des Buches Gott bewahre (ISBN: 9783453675971)
    John Niven

    Gott bewahre

     (351)
    Aktuelle Rezension von: Aus-Liebe-zum-Lesen

    Dieses Buch hätte ich mir selbst nie gekauft. Umso besser, dass ich es von meinem Schwager geschenkt bekommen habe, denn ich hätte definitiv was verpasst.

    Jesus soll seinen Vater, Gott, für eine kurze Zeit vertreten und richtet dabei völliges Chaos an und die Welt stürzt durch Kriege und schwindende Moral in den heutigen, desolaten Zustand. Gott ist entsetzt und schickt Jesus erneut auf die Erde, um den Schaden zu beheben und die Menschen wieder von christlichen Grundgedanken zu überzeugen.

    Doch diese Mission wird erwartungsgemäß nicht ganz einfach. Als kiffender Indie-Musiker nimmt Jesus an einer Casting Show teil und reist infolgedessen mehr oder minder erfolglos quer durch die USA und schart Freunde um sich, die eher nicht dem Durchschnittsbürger entsprechen.

    Die Geschichte ist skurril, aber nicht unschlüssig. Bei all dem Humor und Klamauk, steckt eine bissige Gesellschaftskritik in dem Text, die niemanden ausspart. Es geht nicht nur um die Kirche, die Gläubigkeit, Castingshows und die Medienlandschaft, nein die ganze moderne Gesellschaft wird schonungslos auf die Schippe genommen.

    Der Roman ist tiefgründig. In einem Moment muss man herzhaft lachen, im nächsten bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil die Kritik den Nagel so wunderbar auf den Kopf trifft. Eine kurzweilige Lektüre, die trotz aller Skurrilitäten für jeden Leser geeignet ist.

  3. Cover des Buches Seelenfänger (ISBN: 9783442469963)
    Jonathan L. Howard

    Seelenfänger

     (114)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Johannes Cabal ist auf dem Weg in die Hölle um dem Teufel seine Seele wieder abzunehmen. Er hat Glück, denn Satan wettet gerne und er hat noch ein Konzept für einen Jahrmarkt in der Schublade. Er gibt Johannes ein Jahr Zeit, einhundert Seelen vertraglich zum Überschreiben ihrer Seele an den Höllenfürsten zu bewegen und der Jahrmarkt soll dafür die Basis bilden. Johannes ist Nekromant, aber kein Jahrmarktbetreiber und von dem was Menschen Spaß macht, hat er leider auch keine Ahnung, also benötigt er Verstärkung, denn die Sanduhr rieselt weiter…

    Ein Fantasy-Roman vollgefüllt mit schwarzem Humor, Ideen und manchmal gibt es auch etwas zum Nachdenken. Die Brüder Johannes und Horst Cabal könnten unterschiedlicher nicht sein. Johannes ist eine Miesmuschel, Misanthrop und eigentlich nur an seinen Forschungen interessiert. Bruder Horst ist ein Vampir mit viel Charisma und einem guten Herzen, der den Jahrmarkt seines Bruders zum Laufen bringt. Das Herzstück des Jahrmarktes ist eine Dampflok mit dem der Jahrmarkt durch die Landen fährt und seine makabren Attraktionen zur Schau stellt. Das Buch ist an keiner Stelle langweilig, die Charaktere sehr interessant und die Geschichte wird brillant erzählt. Ob Satan, die Latexlady Layla oder Bones sie alle tragen dazu bei, dass dieses Buch ein rabenschwarzer Lesegenuss geworden ist. An jeder Station warten neue Geschichten und Schicksale auf den Leser. Wer hat es verdient seine Seele dem Teufel zu überschreiben und wer nicht? Wird es Johannes gelingen, die geforderten Seelen zur Unterschrift zu verführen, oder ist sein Leben verwirkt?

    Wer schwarzen Humor und Fantasy mag, dürfte an Johannes Cabal seine Freude haben. Ich werde der Serie treu bleiben und mich schon bald wieder mit dem miesepetrigen Johannes auf die Reise begeben.
  4. Cover des Buches Isenhart (ISBN: 9783462043327)
    Holger Karsten Schmidt

    Isenhart

     (94)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Grasl

    Isenhart ist einer der klassischten Mittelalterromane, welche man auf dem Buchmarkt nach wie vor findet. Anno Domini 1171 startet das Buch mit der Situation, dass der Säugling Isenhart tot zur Welt kommt. Während seine Mutter bei der Geburt ebenfalls stirbt taucht ein Fremder auf, der Isenhart seinen Atem einhaucht. Das Kind lebt, doch nicht für lange, denn Walther von Acisberg erscheint unmittelbar darauf und sieht sich gezwungen den Knaben zu töten. Warum erfährt man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber alles hängt miteinander zusammen. So auch der Umstand, dass Walther beschließt sich des Säuglings anzunehmen.

    Er bringt ihn zu Sigimund von Laurin, der Isenhart als den Sohn seines Schmieds ausgibt. Jahrelang ist diese Lüge ein BAustein auf welchem Isenharts Leben fußt und indessen er innerhalb der Burgmauern von Laurin aufwächst. Zusammen mit Konrad von Laurin, dem Stammhalter Sigimunds wird er unterrichtet und bekommt so die Bildung, welche ihm unter normalen Umständen verwehrt bleiben würde aufgrund seines Standes.

    In den folgenden Kapiteln verfolgt man mit wie Isenhart und Konrad sich entwickeln. Der eine, der Herr der Burg, der andere der Knecht, welcher über einen wachen Verstand verfügt und mit seinen Fragen die Leute zur Verzweiflung treibt. Allen voran Vater Hironymus, der als Burggeistlicher einer der Lehrer der beiden ist. An dieser Stelle würde man meinen, dass nicht mehr viel passiert, immerhin ist da bereits ein gutes Drittel des Buches um. Aber genau hier setzt die eigenliche Handlung aus dem Klappentext an, denn es wird eine Leiche gefunden und dieser fehlt das Herz. Natürlich kann es sich bei der Toten nicht um irgendeine zufällige Person handeln. Der Autor lässt uns hier einen Blick auf etwas werfen, was im Mittelalter zwar gewiss verbreitet war, aber nicht gern gesehen: Die Vermischung der gesellschaftlichen Stände.


    Isenhart wird also mit dem Ableben einer geliebten und geschätzten Person konfrontiert, während Konrad und Sigimund von Laurin schnell einen Verdächtigen ausfindig machen. Das hinter dem Mord jedoch mehr steckt, als zunächst vermutet, darauf kommt man auch als Leser nicht. Der Autor gestaltet in diesem Fall die Erzählsituation so, dass wir zwar alles erfahren was Isenhart denkt, fühlt und auch wie er handelt. Die Beweggründe seiner Mitstreiter und seines Umfelds bleiben dagegen zuweilen im Dunkeln. Während man also noch gedanklich bei der Toten ist, geht die Geschichte schon weiter und katapultiert uns von einer Schlacht in die nächste und somit auch in die kommenden Jahre. Hier werden die Veränderungen zwischen Konrad und Isenhart immer offensichtlicher. Erst recht als Hennig von der Braake auftaucht. Man kann ihn schwerlich einordnen von seinem Wesen.


    Just zu dem Augenblick geschieht ein weiterer Mord unweit von Spira. Isenhart erkennt die Zusammenhänge sofort und beschließt den Mörder zur Strecke zu bringen. Wobei man einige Überraschungen erlebt. Denn nicht nur lüftet sich endlich das Geheimnis rund um Isenhart selbst, sondern auch um so manche andere Figur und deren Beweggründe.

    Fazit: Insgesamt kann man sagen, dass Isenhart mit eines der umfangreichsten Werke mit mittelalterlichen Bezug ist. Zeitgleich findet man viele Schlachten im Buch vor, welche zuweilen doch auch ermüden zu lesen. Hinzu kommt, dass der Autor auf große Umgebungsbeschreibungen verzichtet. Wo notwendig ist es vorhanden, vieles bleibt jedoch im Dunkeln, was die Gesamtheit allerdings ein wenig trübt, da hier die eine oder andere Erwähnung gerade von Spira oder der Burg Laurin durchaus interessant gewesen wäre. Dennoch handelt es sich hier nicht um ein Buch, welches man mal eben nebenbei runterliest. Auf die Geschichte muss man sich schon einstellen und das erste Drittel des Buches überstehen, um zur eigentlichen Handlung vorzustoßen.

  5. Cover des Buches Der Antichrist (ISBN: 9783842415041)
    Friedrich Nietzsche

    Der Antichrist

     (86)
    Aktuelle Rezension von: Raven
    Das Buch "Der Antichrist" von Friedrich Nietzsche hat einen Umfang von 96 Seiten und ist bei Anaconda erschienen.

    Wie alle Hardcoverbände von Anaconda, hat dieses Buch die gleiche gute Qualität, Bindung und Größe, wie die anderen Klassiker aus dem Buchprogramm. Also perfekt zum Sammeln.

    Nietzsches Werk ist Anklage und Urteil gegen das Christentum zugleich. Keine leichte Kost, da Nietzsche einen recht staubigen, zähen Schreibstil besitzt, dem eindeutig etwas Schwung fehlt. Dennoch merkt man die Leidenschaft und das Feuer, welches in seiner Brust brennt, die Empörung und die Wut, in jeder Zeile. Er schwingt seine Worte erbarmungslos wie ein Richterhammer.

    Zitat Antichrist: "Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt."

    Als ich seine Zeilen in mich aufnahm, dachte ich gleich an mein jugendliches Ich und wäre ich noch 16 Jahre alt, wäre Nietzsche zu einem Gott für mich aufgestiegen. Heute bin ich nicht mehr ganz so rebellisch und empfinde sein Werk teilweise als zu extremistisch. In seiner Zeit war diese Schrift sicherlich ein absoluter Skandal. Vermutlich ist sein Denken noch heute teilweise verpönt. Dennoch finde ich mich in seinen Gedanken und Worten wieder und kann nur zustimmen, was er dem Christentum zum Vorwurf macht.

    Zitat Antichrist: "Der christliche Entschluss, die Welt hässlich und schlecht zu finden, hat die Welt hässlich und schlecht gemacht."

    Fazit: Anklage und Urteil gegen das Christentum. Extreme Gedanken wie ein Richterhammer geschwungen. Nicht für jeden, aber dennoch für viele!
  6. Cover des Buches Die satanischen Verse (ISBN: 9783442746590)
    Salman Rushdie

    Die satanischen Verse

     (107)
    Aktuelle Rezension von: BluevanMeer

    Salman Rushdie spielt mit verschiedenen Mythen, religiösen Ideen, religiösen Überlieferungen, Überzeugungen, Mysterien und verwebt in seine Geschichte die unterschiedlichsten Sagen und Erzählungen aus verschiedenen Religionen. Das ergibt einen unterhaltsamen und ausschweifenden Roman, der es wirklich in sich hat. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber ganz ehrlich: richtig nacherzählen worum es geht und Knotenpunkte aus diesem wilden und wunderbaren Roman herauszudestillieren, ist mir verdammt schwer gefallen. Daher nun in groben Zügen eine Beschreibung dieses Feuerwerks der Literatur.

    Die Hauptprotagonisten sind zwei muslimische Männer, Gibril Farishta und Saladin Chamcha, die 111 Tage lang (die 111 ist übrigens eine Zahl sein, die auf die Dreifaltigkeit verweist) in einem von islamistischen Terrorist*innen entführten Flugzeug verbringen, bis die Terrorist*innen das Flugzeug in die Luft sprengen und beide, aneinandergeklammert, durch die Luft fliegen und zum Glück überleben. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Während Gibril sich nach und nach in den Erzengel Gabriel verwandelt, wachsen Saladin bald ein Pferdefuß und Teufelshörner. Der Kampf gut gegen böse, Engel gegen Teufel, ist damit eingeläutet. Erzählt wird die Geschichte von einer gesichtslosen und doch scheinbar göttlichen Instanz, die sich selbst als Teil der "höheren Mächte" sieht. 

    "Was konnten sie auch erwarten? Einfach aus dem Himmel zu fallen: dachten sie, so etwas hätte keine Nebenwirkungen? Sie hatten das Interesse höherer Mächte erweckt, das hätten sie eigentlich merken müssen, und diese Mächte (ich spreche natürlich von mir selbst), haben eine boshafte, ja fast schon gemeine Art, mit Sturzflügen umzugehen. Und noch etwas, lassen Sie mich das klarstellen: ein großer Fall verändert den Menschen." (180)

    Farishta und Chamcha stehen sich also als Erzfeinde gegenüber, vom Himmel gefallen sind beide, aber nur Gibril verwandelt sich in einen Engel, der nicht nur Wunder vollbringen kann, sondern dessen Heiligenschein auch die dunkelste Nacht erleuchtet. Kein Wunder, erinnert sein Name Gibril doch an den Erzengel Gabriel.

    Zudem hatte Gibril schon früh Kontakt zur Göttlichkeit, in verschiedenen Bollywoodfilmen verkörperte er immer wieder unterschiedliche hinduistische Götter. Er verliebt sich in Alleluja, eine jüdische Bergsteigerin, die in den höchsten Höhenmetern, wenn sie ganz nah am Allmächtigen zu sein scheint, zu religiöser Ekstase fähig ist. 

    Saladin Chamchawalla verdient sein Geld als Stimmenimitator, im Moment für  den synchronisiert er Ketchupflaschen und Knabbergebäck, und ist ebenfalls Schauspieler. In England lebt er seit seiner Jugend, seine muslimische Herkunft lehnt er ab, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass er ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat.

    Während sich die beiden Abgestürzten zu einer alten Dame, Rosa Diamond, retten, entscheiden sich die Richtungen, in denen sich ihre Lebenswege entwickeln werden. Der Heilige in spe, Gibril,  nutzt seine Chancen und verrät den Mann mit Pferdefuß. Saladin wird deshalb von rassistischen Polizisten zusammengeschlagen und erlebt die ganze Palette an Polizeigewalt, die man sich vorstellen kann. Das ist so fies zu lesen, das man nur noch Mitleid mit dem Teufelshorn haben kann. Gibril hingegen, nutzt seine wundersamen Fähigkeiten und verhilft Rosa Diamond zu einer göttlichen erotischen Vision. Rosa Diamond hat es also noch gut getroffen, sie ist eine verschwiegene Figur, die verspricht, niemandem von Gibril zu erzählen. Übrigens sind in vielen Beichtstühlen Rosen eingraviert, denn "Sub Rosa" (unter der Rose) teilte man im Mittelalter den katholischen Priestern seine Beichte mit.

    Saladin erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Freund Jumpy Joshi hat (immerhin war er fast ein Jahr verschwunden) und ist am Boden zerstört. Immerhin hat er den Flugzeugabsturz, die Polizei und das Krankenhaus überlebt (wo sich übrigens noch andere verwandelte Menschen aufhalten) - nur um dann in einem Zimmerchen von Bekannten untergebracht zu werden. Weil er immer mal wieder aus dem Fenster sieht, bildet sich bald im Viertel eine Art Teufelskult um den Mann mit den Hörnern, der das Viertel in Chaos und Verwüstung stürzt. Zudem erfährt Saladin, dass seine Frau von ihrem Geliebten ein Kind erwartet. Saladin hat nur noch ein Ziel: er will sich an Gibril rächen, den er für sein Unglück verantwortlich macht. Aber Gibril geht es auch nicht gerade rosig: er wird zu einem riesigen Macho und stresst Alleluja. Zudem kann Gibril bald nicht mehr entscheiden, wer er ist: ein Erzengel oder ein Mensch?

    Neben dem Hauptkonflikt der beiden Protagonist*innen, wird die Erzählung immer wieder durch Gibrils Träume unterbrochen, die ins Märchenhafte kippen. In seinen Träumen geht es um die Stadt Jahila, eine Stadt aus Sand, in der die Menschen 360 unterschiedliche Götter und Göttinnen verehren, bis der Prophet Mahound kommt, seines Zeichens ursprünglich Kaufmann, und den Menschen, wenn es um den richtigen Glauben geht, mal ein bisschen auf die Sprünge hilft. In Jahila lebt auch das Mädchen Aischa, das vom Erzengel Gabriel als Prophetin ausgewählt wurde. Als Symbol ihrer Göttlichkeit wird sie von einem Schwarm von Schmetterlingen begleitet. Ihr ganzes Dorf Titlipur folgt ihr (wie auf einer Pilgerreise) nach Mekka, denn Aischa hat den Menschen versprochen, dass sie das Meer für sie teilen wird. Die todkranke Mischa Sahil sucht Hoffnung und Heilung bei Aischa, ihr Mann glaubt nicht an Aischas Versprechungen und versucht die restlichen Pilger immer wieder zur Umkehr zu bewegen. Aischa hat noch einen extrem frauenfeindlichen und radikalen Gegenspieler, einen Imam, der um seinen eigenen Einfluss bei den Gläubigen fürchtet und natürlich den mächtigen Propheten Mahound, der passenderweise immer dann eine Vision bekommt, sobald seine Anhänger*innen ihn kritisieren. 

    "Tod der Kaiserin Aischa und ihrer Tyrannei, dem Kalender, den Vereinigten Staaten, der Zeit! Wir suchen die Ewigkeit, die Zeitlosigkeit Gottes. Seine stillen Wasser, nicht ihren strömenden Wein. Verbrennt die Bücher und vertraut dem BUCH, zerreißt die Papiere und hört das WORT, wie es der Engel Gibril dem Verkünder Mahound offenbart und wie es euer Deuter und Iman erläutert hat." (S.281)

    Es ist schon bezeichnend, dass Engelchen und Teufelchen in der Romankonstruktion eigentlich Schauspieler sind und Gibril wie ein Schlafwandler zwischen den Welten hin und hergeistert und in diesem ganzen Chaos irgendjemand - von ganz weit oben - die Puppen tanzen lässt. Die Menschen können nur reagieren. Das nennt man dann wohl Schicksal. Und wenn Gott einmal nicht nur als Erzählinstanz auftaucht, sondern als Figur im Text, dann sitzt er mit schütterem Haar auf Gibrils Bett und hat vor allen Dingen Schuppen. Solche Parodien muss man erst einmal in eine Romanform gießen. Hinzu kommt, dass alle Propheten und Ausgewählten in diesem Text an keiner Stelle halten, was sie versprechen. Während Mahound die Menschen offen betrügt, schickt Aischa ihre Anhänger letztlich ins Wasser, wo sie ertrinken. Denn natürlich gelingt es ihr nicht, das Meer zu teilen. Magischer Realismus mit einer gehörigen Portion Religionskritik, auch das steckt in diesem Buch. 

    Kurz nach Erscheinen des Romans, am 14. Februar 1989, rief Ajatollah Chomeini über Radio Teheran eine Fatwa gegen den Schriftsteller und all diejenigen aus, die den Text, der eine Beleidigung des Propheten darstelle, verbreiten und übersetzen. Rushdies japanische Übersetzer, Hitoshi Igarashi, wurde 1991 ermordet, sein italienischer Übersetzer Ettore Capriolo und sein norwegischer Verleger Wililam Nygaard wurden bei Anschlägen schwer verletzt. 

    Wie so oft, und das ist mir bei diesem Text besonders aufgefallen, fehlte mir das Wissen über die religiösen Anspielungen, die über das Christentum hinausgehen. Hinzu kommt, dass ich diesen Roman über einen Zeitraum von sechs Monaten gelesen habe. Ich konnte ihn nicht einfach weglesen - dafür war er zu komplex, zu kompliziert und gleichzeitig auch ein Stück Roman, das ich mir einfach aufsparen wollte. Weil ich gar nicht wollte, dass dieser Roman zu ende geht. Im Satanic Verses Pose Festum, einer Festschrift, die im Jahr 2000 erschienen ist, schreibt der syrische Philosoph Sadik Al-Azm, dass die Einzigartigkeit des Romans darin bestehe,  „den muslimischen Osten und den säkularen Westen zum allerersten Mal in eine religiöse, politische und literarische Kontroverse“ zu bringen und beide so auf einer höheren Ebene miteinander zu verbinden. Die satanischen Verse werden für ihn zum "transkulturellen, transnationalen und transkontinentalen Welt-Roman par excellence". Denn es geht nicht nur um Religionen. Ein Großteil der Handlung passt in jede typische Geschichte einer Großstadt, denn sie spielt in London, es geht um Migration, um Identitäten und natürlich auch um Liebe. Von den verschiedenen Liebesgeschichten, die erzählt werden, endet eine sogar glücklich.

    Hallelujah!

  7. Cover des Buches Ansichten eines Clowns (ISBN: 9783423191166)
    Heinrich Böll

    Ansichten eines Clowns

     (454)
    Aktuelle Rezension von: Dolores999

    Allein sprachlich und vom Figurenentwurf, von der Tiefe und Komplexität der Figur, her ist das Buch eine Wucht.
    Fasziniert hat mich auch die Kontroverse Katholizismus- Evang.- Atheismus/ Nichtkirchlich. Die Thematik spielt heute ja nur noch in sehr kleinen Kreisen eine Rolle, weil sie durch andere ersetzt wurde und ersetzt wird. In ein paar Jahren werden wir das Buch wohl als Parabel auf aktuelle quasi-religiöse und nicht minder unvereinbare Konflikte lesen.

  8. Cover des Buches Die Brüder Karamasow (ISBN: 9783746639000)
    Fjodor M. Dostojewski

    Die Brüder Karamasow

     (35)
    Aktuelle Rezension von: EliasWittekind

    Leseempfehlung: Unbedingt lesen, wer tiefe Gedanken, Psychologie, Glaubensfragen, Spannung und undurchsichtige Charaktere schätzt und gerne interpretiert.

    Inhalt: Drei Brüder schlagen wegen ihres chaotischen Familienhintergrundes früh verschiedene Lebenswege ein. Der Mord an ihrem Vater, dessen einer von ihnen verdächtig ist, führt sie wieder zusammen und erschüttert ihre Lebenseinstellungen und Überzeugungen.

    Charaktere: Die Protagonisten sind Brüder und dennoch sehr unterschiedlich. Die Wesenzüge variieren von klug und berechnend, vertrauensvoll und empathisch zu impulsiv und hedonistisch. Dostojewskij vermochte es, mich zwischen Ablehnung und Symapthie, Empörung und Mitgefühl schwanken zu lassen. Seine Charaktere sind realistisch, komplex und nachvollziehbar. Sie erlauben es einem nicht, sich ein abschließendes Urteil zu bilden - dessen man sich meiner Meinung nach auch im Leben enthalten sollte.

    Schreibstil: Auch nach 150 Jahren lebendig und ergreifend. Besonders hervorheben möchte ich die langen Dialoge und Monologe als Erzählmittel. Jeder Charakter hat eine eigene Sprache, die ihn abbildet.

    Meine Meinung: Dieses Buch hat mich fast dazu gebracht, mittendrin abzubrechen, so düster und deprimierend ist das Schicksal der Protagonisten und Nebencharaktere teilweise. Ich habe es nicht bereut, zuende gelesen zu haben, denn in den Kämpfen der Figuren mit sich selbst und ihrem Leben kommt das umfassende Denken des Autors zum Ausdruck. Dieses Werk zeichnet meines Erachtens besonders Dostojewskijs unvergleichlich tiefe Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit des Leides mit Gott in der Welt aus und der Schwierigkeit, das Richtige zu tun in einer Welt, in der, zeitgenössischen Denkern zufolge, alles erlaubt ist.


    Manchmal fühlte ich mich in ein Evangelium versetzt, wenn ich die Geschichten las vom zurückgekehrten Erlöser, von den drei Fagen des Teufels in der Wüste, über das Selbstbelügen, über die Unbegreiflichkeit des Leides (der Kinder) und Gottes Welt, über die Mickrigkeit der Sünde angesichts der unermesslichen Liebe Gottes, über die werktätige Liebe, von der Schuld eines jeden allen und allem gegenüber, von der Unentbehrlichkeit Gottes, von der einzigen guten Tat, dem verschenkten Zwiebelchen, und von dem Quadrillionen Kilometer langen Weg.

    Ich denke, diese Geschichte wäre auch nach 1.000 weiteren Seiten nicht fertig erzählt.

    Nicht das Buch der Bücher aber vielleicht der Roman der Romane. Fünf von fünf Sternen.

  9. Cover des Buches Ein Araber und ein Deutscher müssen reden (ISBN: 9783499631986)
    Hans Rath

    Ein Araber und ein Deutscher müssen reden

     (13)
    Aktuelle Rezension von: dominona
    Die ist ein Mail-Austausch zwischen einem Araber, der in Deutschland lebt und einem Deutschen. Es sind sehr weise Zeilen, die sich eine Menge Leute zu Herzen nehmen sollten. Wir können und dürfen nicht länger alles vor uns herschieben, sondern nutzen, was jetzt ist und dafür ist Umdenken angesagt - auch aus deutscher Sicht, sonst schaffen wir uns nämlich selbst, wovor viele hier Angst haben, eine self-fulfilling prophecy, sozusagen. Also, nicht verunsichern lassen, egal, ob durch Terroristen, Religion oder politische Lager, die versuchen Ängste auszunutzen.
  10. Cover des Buches Der Gotteswahn (ISBN: 9783548376431)
    Richard Dawkins

    Der Gotteswahn

     (216)
    Aktuelle Rezension von: eva_maria_hofer

    Ich habe die Ausgabe aus dem Jahr 2008 gelesen, kann mich also nur auf diese beziehen. Somit sind selbstverständlich auch manche Ausführungen des Autors auf damals aktuelle Ereignisse bezogen, was aber wenig stört, wenn man es in den richtigen Kontext setzt.

    Richard Dawkins versucht, die Entstehung von Religion und Glauben wissenschaftlich (inkl. der Anführung von Quellen) nachzuvollziehen und spart nicht an - aus meiner Sicht angemessener - Kritik an problematischen Auswirkungen dieser Phänomene. Manchmal ist er härter im Ton, als es meiner diplomatischen Ader entspricht. Allerdings setzt der Autor scharfe Worte meistens in einen nachvollziehbaren Kontext.

    Ich kann dieses Buch für alle Menschen, die an Literatur über Religion interessierst sind, empfehlen - egal, ob es dabei gläubige Menschen oder Menschen ohne religiösen Glauben sind.

  11. Cover des Buches Glauben ist menschlich (ISBN: 9783766837196)
    Peter Kliemann

    Glauben ist menschlich

     (11)
    Aktuelle Rezension von: maronkusakabe
    Für alle, die in Religion Abitur machen wollen, kann ich das Buch nur empfehlen. Denn auch mein Religionslehrer bot mir das Buch an und es hat wirklich geholfen so einges besser zu verstehen. Denn im Gk kann man ja nicht alle Themen bearbeiten, aber in dem Buch kann man diese schnell durch lesen.
  12. Cover des Buches Feuchtgebiete (ISBN: 9783832164225)
    Charlotte Roche

    Feuchtgebiete

     (2.315)
    Aktuelle Rezension von: Jans_Buchblog

    Ich weiß, das Buch "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche ist umstritten, aber ich war neugierig und habe es gelesen. Und ja, ich fand es teilweise auch eklig, aber  ich habe auch viel gelacht und fand es witzig.
    Die Autorin schreibt unverblümt, was sie denkt. Leichter Stoff, ich fand es unterhaltsam, aber ist definitiv Geschmackssache.
    Ich kann nachvollziehen, wenn es viele abscheulich finden.

  13. Cover des Buches Oneyun: eine dystopische Geschichte (ISBN: 9783944544939)
    Allan J. Stark

    Oneyun: eine dystopische Geschichte

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Flaventus

    Wäre das Ende nicht so, wie es ist, so würde ich diese kleine Kurzgeschichte eher ins Reich des Fantasy einordnen. Aber das Ende bestimmt das Wesen dieser Kurzgeschichte vehement.

    Dafür kommt es, wie es bei einer Kurzgeschichte auch sein soll, schnell und überraschend. Bis dahin werden für eine Kurzgeschichte vergleichsweise viele Parteien und Charaktere in die Erzählung geworfen, die bei mir persönlich eher dafür sorgten, dass sich vor meinem inneren Auge eher eine Fantasy-Welt geformt hat, was allerdings an meiner Lesevorliebe zu diesem Genre geschuldet sein mag.

    Stark lässt nämlich dem Leser viel Freiraum hinsichtlich seiner Interpretation und konzentriert sich weniger auf Umgebungsbeschreibungen, sondern baut die Spannung auf, die sich im letzten Satz der Geschichte entladen kann.

    Fazit

    Eine durchaus gelungene Kurzgeschichte, die genau so aufgebaut ist, wie es sein soll. Es wird ein Spannungsbogen gespannt, der Leser bei Laune gehalten und zum Finale gibt es die überraschende Pointe. Für einen kurzen und schnellen Lesegenuss zu empfehlen.

    Diese Rezension findet sich auch auf meinem Bücherblog.

  14. Cover des Buches Wo bitte geht’s zu Gott, fragte das kleine Ferkel (ISBN: 9783865690302)
    Michael Schmidt-Salomon

    Wo bitte geht’s zu Gott, fragte das kleine Ferkel

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Das Ferkelbuch ist vor allem ein Kinderbuch für all diejenigen Eltern und Kinder, die mit keinem Gott, egal welcher Religion er entstammt, etwas am Hut haben, bzw. haben wollen. Leicht verständlich und ohne Religion oder Glauben im Allgemeinen abzuwerten, erklärt das Buch Kindern, wie Religionen funktionieren und dass man auch ohne Götter leben kann.
  15. Cover des Buches Warum ich kein Muslim bin (ISBN: 9783882218381)
    Ibn Warraq

    Warum ich kein Muslim bin

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  16. Cover des Buches Gott und die Götter (ISBN: 9783937872469)
    Walter Beltz

    Gott und die Götter

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Manifest des evolutionären Humanismus (ISBN: 9783865697110)
    Michael Schmidt-Salomon

    Manifest des evolutionären Humanismus

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Lotta
    Die Aufklärung ist noch lange nicht so weit fortgeschritten wie die Wissenschaft. Daraus ergeben sich Gefahren für die Menschen, die ihnen größtenteils nicht bewusst sind. Schmidt-Salomon beschreibt, warum aufgeklärter Humanismus ein Weg aus den Problemen bietet, die durch religiösen Fundamentalismus entstehen. Er stellt den Zehn Geboten der Bibel zehn Angebote des Humanismus gegenüber und erläutert, warum Ethik und Grundrechte auf Wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht auf religiösen. Der Schreibstil mit den vielen Ausrufungszeichen ist nicht so mein Ding, aber der gute Inhalt lässt über die Form hinwegsehen.
  18. Cover des Buches In die wilde Welt der Weltreligionen: Ein Expeditionsbericht (ISBN: 9783947002870)
  19. Cover des Buches Glaubenskrieg (ISBN: 9783849572211)
    Collin Coel

    Glaubenskrieg

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Der heilige Schein (ISBN: 9783548376813)
    David Berger

    Der heilige Schein

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Interessant mal hinter den Kulissen der Katholischen Kirche zu blicken
  21. Cover des Buches Dalai Lama (ISBN: 9783865690210)
    Colin Goldner

    Dalai Lama

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Mister_Elvis
    Ich empfinde dieses Buch als eine schwere Zumutung. Der Autor scheint überhaupt nicht um Objektivität bemüht zu sein. Er lässt kein gutes Haar am Dalai Lama. Jede seiner Aussagen wird so gebogen, dass man kritisch darüber herfallen kann. Was können wohl die Motive für eine solche Sichtweise sein, die nur das Negative wahrnimmt? 
  22. Cover des Buches Die Freisprechung (ISBN: 9783742704429)
    C.D. Gerion

    Die Freisprechung

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Antityp (ISBN: 9783499254857)
    Ralf König

    Antityp

     (7)
    Aktuelle Rezension von: thursdaynext

    Ich schätze und verehre Ralf König wegen seiner Storys, seiner Kunst, seinem Engagement; unter anderem auch für die Giordano Bruno Stiftung. Ich liebe die Knollennasen und sein Gespür und Können bei der Vermittlung des Subtextes in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Vorgänger des hier vorliegenden letzten Teils seiner Bibeltrilogie waren herzerwärmend komisch. Mit dem Antityp hingegen wurde ich nicht warm.

    Bereits im Vorwort weist der Zeichen- und Lyrikgott auf seine Paulus - Aversion hin. Die merkt man dem Buch an. König eifert. Auf sprachlich und intellektuell  hohem Niveau und erweist sich als beeindruckend bibelfest für einen derart überzeugten Atheisten. Mich hat das ein wenig gelangweilt. Zu eifrig wurde Aufklärung betrieben zu ernst das Anliegen. Zu verbissen die Aversion. Vielleicht hab ich es allerdings auch einfach nicht verstanden. Zu blöde um den  Witz zu kapieren. Egal wie, ein für mich überflüssiger Band. Soll vorkommen. Schön bunt ist er immerhin. Religionswissenschaftler und Theologen könnten ihre Freude daran haben. 😁

  24. Cover des Buches Die Kirche im Kopf (ISBN: 9783865690241)
    Carsten Frerk

    Die Kirche im Kopf

     (1)
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