Bücher mit dem Tag "renthia"

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5 Bücher

  1. Cover des Buches Die Blutkönigin (ISBN: 9783764531881)
    Sarah Beth Durst

    Die Blutkönigin

     (123)
    Aktuelle Rezension von: ariadne

    An das Buch bin ich wegen des offensichtlichen Hypes eher vorsichtig herangegangen. Hab leider schon viele Enttäuschungen erleben müssen, wenn ich mit zu vielen Erwartungen ein Buch starte. 

    Naja, das war auch hier gut so, denn obwohl "Die Blutkönigin" eine sehr solide und ansprechende Story hat, muss ich sagen, dass mir das gewisse Etwas gefehlt hat, um mich komplett zu überzeugen und zu fesseln. Ich kann nicht einmal sagen, was es genau war, denn von Plot, Worldbuilding und Charakteren war an sich alles in Ordnung. 

    Es hat mich halt für eine Zeit sehr gut unterhalten, aber so richtig in Erinnerung bleiben wird es mir nicht. Zum Glück ist es eine abgeschlossene Story in sich, man muss sich also nicht die Folgebände ansehen. 

    In den anderen Bücher der Autorin werde ich aber sicher auch noch reinlesen. Ihr Stil gefällt mir.

    Endlich wieder ein Buch von meinem SuB, an das ich mich viel zu lange nicht rangetraut habe. :D

  2. Cover des Buches Die Todeskönigin (ISBN: 9783764532000)
    Sarah Beth Durst

    Die Todeskönigin

     (52)
    Aktuelle Rezension von: buchverliebt

    Das Krönungsmassaker ist überstanden und Daleine ist zur Königin gekörnt; und hier setzt die Geschichte knapp sechs Monate nach den Geschehnissen aus dem ersten Band ein.


    Die große Frage ist und bleibt für mich bis zum Schluss: Musste das denn sein? Der erste Band "Die Blutkönigin" war der Wahnsinn. Ein hervorragendes, düsteres, Fantasy-Lesererlebnis. Und genau da hätte Daleinas Geschichte dann auch zu Ende sein müssen. Dieses Buch erscheint mir wie ein künstliches in-die-Länge-ziehen einer bisher echt tollen Königinnen-Geschichte, welches nicht hätte sein müssen. Ich hatte gehofft hier die Geschichte einer anderen Königin, in anderer Konstellation, vielleicht in einem anderen Land Renthias zu lesen. Natürlich weist die Kurzbeschreibung darauf hin, worum es geht, jedoch ist dies nicht nur die Geschichte von Naelin, sondern in einem sehr großen Teil eben auch die Daleinas.


    Versteht mich nicht falsch, es ist eine gute Geschichte mit schlüssig durchdachten Handlungen, Konsequenzen und einem ziemlich grausamen Plan eines geheimnisvollen Gegners. Ich habe Naelin von Anfang an sehr gemocht, sie ist einfach der Typ Mama-Bär, nur eben mit viel Macht über die Geister. Ihre Kinder waren von Anfang an wirklich süß und nicht auf den Mund gefallen, wie das eben so ist bei Kindern. Sehr authentisch. Zu Anfang hatte ich zwar meine Bedenken, dass sie ggf. zu einem Hindernis für Naelins Geschichte, für ihr vorankommen und ihre Entwicklung, sein könnten, aber Sarah Beth Durst findet auch hierzu gute Wege, alles sehr glaubwürdig darzustellen.




    Der Großteil des Buches ist recht Wechselhaft mit Daleinas und Naelins Geschichten gefüllt. Während Daleine und Heiler Hamon sich annähern und krampfhaft versuchen der sterbenden Königin einen Ausweg zu schaffen und herauszufinden wer der Königin etwas böses will, ist Naelin mit ihren Kindern und Meister Ven unterwegs, wird ausgebildet und erhofft sich, niemals Thronanwärterin sein zu müssen. Es sind also weiterhin viele bekannte Charaktere mit dabei und auch der Wolf Bayn hat bei mir einen großen Stein im Brett und ich würde seine Geheimnisse nur zu gerne erfahren - doch er ist und bleibt ein Mysterium.



    Trotz allem ist "Die Todeskönigin" für mich ein sehr schwerfälliges Buch und ich hatte zwischenzeitlich wirklich das Gefühl nicht voran zu kommen, obwohl Seite um Seite immer wieder andere Perspektiven eingeflochten wurden. Einen kleinen Teil meiner Wahrnehmung schiebe ich auf die sehr langen Kapitel, wobei ich damit auch schon im ersten Band konfrontiert wurde. Und alles andere ist schwer zu beschreiben. Dadurch, dass der eigentliche Weltenaufbau ja bereits im ersten Band geschah, befinden wir uns also in einer bekannten Welt und das Hauptaugenmerk liegt einfach auf den Handlungen unserer Heldinnen und Helden.



    Für Mich ist "Die Todeskönigin" ein sehr interessanter, gut geschriebener zweiter Band, der jedoch nicht hätte sein müssen. Daleinas Geschichte wird, meiner Meinung nach, durchaus überstrapaziert und hätte mit dem ersten Band enden müssen. Ob ich den dritten Band lesen werde, steht noch in den Sternen, denn auch der zweite Band scheint zunächst ein Ende zu haben, welches nicht zwingend fortgeführt werden muss. Vielleicht wusste die Autorin das, denn sie wirft dem Leser ein paar mysteriöse Äußerungen zu meinem heißgeliebten Wolf Bayn vor die Füße, welche ich ja dann doch gerne näher ergründen würde

  3. Cover des Buches Die Geisterkönigin (ISBN: 9783764532116)
    Sarah Beth Durst

    Die Geisterkönigin

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Die Inspiration für die High Fantasy – Trilogie „The Queens of Renthia“ war ein Unfall. Buchstäblich. Vor einigen Jahren nahm die Autorin Sarah Beth Durst an einem Schreib-Retreat teil. Sie war gerade angekommen und auf dem Weg zu ihrer Unterkunft, einer kleinen Hütte im Wald. Verzaubert bestaunte sie die Natur, sah hoch in die Baumwipfel und achtete nicht auf ihre Füße. Sie stolperte, fiel hin und schlug sich die Lippe auf. Als sie später durch ihr Fenster den Wald betrachtete, den Geschmack ihres Blutes noch auf der Zunge, traf sie die Idee für ihr nächstes Buch wie ein Blitzschlag: Blutgierige Naturgeister! Im Finale „The Queen of Sorrow“ (bzw. „Die Geisterkönigin“) beendet Durst die Geschichte, die mit dieser schmerzhaften Erleuchtung begann.

    Daleina wusste, dass der Ehrgeiz ihrer alten Freundin Merecot grenzenlos ist. Dennoch traf es sie hart, dass Merecot bereit war, ihre jahrelange Freundschaft für ihre Ziele zu opfern. Allein das beherzte Eingreifen von Naelin rettete Aratay vor Merecots Ambitionen. Jetzt regieren Daleina und Naelin Seite an Seite. Gemeinsam gelang es ihnen, die Kontrolle über die Elementare zurückzugewinnen. Erstmals seit langer Zeit herrscht in Aratay wieder Frieden. Doch als Naelins Kinder von Elementaren aus Semo entführt werden, setzen ihr Zorn und ihre Verzweiflung alles aufs Spiel, was sie erreichten. Sie ist überzeugt, dass Merecot für die Entführung verantwortlich ist. Der Konflikt zwischen den Königinnen droht zu eskalieren. Ein Krieg scheint unausweichlich. Aber Daleina zweifelt. Dieser allzu offensichtliche Schachzug passt nicht zu Merecot. Schon bald erfährt Naelin, wie Recht Daleina hat. Merecot verfolgt Pläne, die größer sind als Semo und Aratay. Können Daleina und Naelin ihr trauen? Ist sie die Hoffnung, auf die ganz Renthia wartet – oder stürzt sie die Welt ins Verderben?

    Fehlender Mut ist eine Eigenschaft, die mich bei Autor_innen immer wieder besonders frustriert. „The Queen of Sorrow“ ist die furchtsame kleine Schwester der Geschichte, die dieses Finale eigentlich hätte werden können und müssen. Es ist eine Kompromisslösung, mit der Sarah Beth Durst sowohl hinter ihrem Talent als auch hinter dem Potential ihrer Trilogie zurückblieb. Die Lektüre stimmte mich äußerst unzufrieden; ich war beinahe versucht, lediglich zwei Sterne zu vergeben. Seit Jahren beklage ich mich über Schriftsteller_innen, die sich nicht an das Gebot der Bescheidenheit halten, doch mindestens genauso zermürbend finde ich diejenigen, die falsche Bescheidenheit an den Tag legen. Sarah Beth Durst gehört zur zweiten Kategorie. Ich konnte die größere, epischere, signifikantere Geschichte, die im Schatten von „The Queen of Sorrow“ lauerte, sehen, riechen, fühlen und schmecken – aber Durst öffnete die Tür zu dieser Geschichte immer nur einen Spalt. Es war, als schrecke sie vor dem, was sie durch diesen Spalt entdeckte, zurück und sei dennoch davon fasziniert. Sie kokettiert mit der Idee dieser Geschichte, ohne den Mut aufzubringen, sich ihr zu stellen und sie in aller Konsequenz umzusetzen. Daher empfand ich viele Szenen in diesem Finale als irritierend, denn stets, wenn ich glaubte, jetzt würde sie die Tür endlich weit aufreißen, machte sie einen Rückzieher und traf Entscheidungen für den Handlungsverlauf, die ich nicht nachvollziehen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich davor fürchtete, Aratay zu verlassen. Oh, natürlich spielt ein Teil von „The Queen of Sorrow“ in Semo und wir erleben auch kurze Stippvisiten in die anderen Königreiche von Renthia sowie in das Ungezähmte Land, doch diese Besuche sind wenig mehr als isolierte Momentaufnahmen, die kaum etwas über die unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaften der Welt verraten. Ich fand das traurig, weil ich sicher bin, dass Renthia im Kopf der Autorin detailliert und voll ausschattiert existiert. Hätte sie den Schritt gewagt, Semo und die weiteren Reiche ausführlicher vorzustellen, hätte sie sie allerdings in ihre Geschichte integrieren müssen und ich denke, das hat sie sich einfach nicht getraut, was zu bedauerlichen Lücken führte. Ähnlich verhält es sich mit dem nebulösen Schöpfungsmythos von Renthia, der eng mit den Ereignissen des dritten Bandes verknüpft ist. Meiner Meinung nach hätte sich aus diesem eine sehr elegante Lösung für den grundlegenden Konflikt der Trilogie mit den Elementaren ergeben, dafür hätte Durst jedoch ebenfalls den Fokus öffnen und auf Renthia als Ganzes eingehen müssen. Das wollte sie ganz offensichtlich nicht, wodurch „The Queen of Sorrow“ nicht das monumentale Finale darstellt, das ich mir erhofft hatte. Diese Entwicklung erscheint mir unglaublich schade, weil ich mich am Anfang der Trilogie sehr im Einklang mit Durst wähnte, doch je weiter die Geschichte fortschritt, desto weniger befanden wir uns auf einer Wellenlänge.

    Ich war nach der Lektüre sehr enttäuscht von „The Queen of Sorrow“. Viel enttäuschter, als es die Qualität des Buches eigentlich rechtfertigen würde. Darauf möchte ich abschließend noch einmal hinweisen: Ja, ich habe in dieser Rezension viel gejammert, doch das liegt nicht daran, dass ich gar keinen Spaß mit dem Finale der „The Queens of Renthia“-Trilogie hatte, sondern daran, dass es mich wirklich fuchst, dass eine so talentierte und mit einer reichen Vorstellungskraft gesegnete Autorin wie Sarah Beth Durst ihren eigenen Fähigkeiten nicht vertraute. Es ärgert mich, weil ich felsenfest überzeugt bin, dass sie es besser kann. Ich weiß einfach, dass sie es besser kann. Und weil ich weiß, dass sie es besser kann, werde ich trotz meiner Enttäuschung den Einzelband „The Deepest Blue“ lesen. Dieser spielt ebenfalls in Renthia, ist inhaltlich jedoch nicht mit „The Queens of Renthia“ verbunden. Ich denke, Durst hat eine Menge über Renthia zu sagen, das sie nicht in die Trilogie aufnahm, weil sie fürchtete, die Kontrolle über ihre Geschichte zu verlieren. Vielleicht konnte sie diese Angst im Rahmen eines Einzelbandes ablegen. Ich wünsche es ihr von Herzen.

  4. Cover des Buches The Queen of Blood (ISBN: 9780062413345)
    Sarah Beth Durst

    The Queen of Blood

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Die Autorin Sarah Beth Durst kenne ich schon sehr lange. Es mag locker um die 15 Jahre her sein, dass ich ihren Jugendroman „Ivy: Steinerne Wächter“ gelesen habe. Diese Geschichte, die in der ehrwürdigen Princeton University spielt, die Durst selbst besuchte, bezauberte mich damals. Trotzdem habe ich mich nie veranlasst gesehen, zu überprüfen, was sie sonst noch geschrieben hat. Sie geriet in meinem Kopf in Vergessenheit. Erst im Juli 2017 rief sie mir der Zufall wieder in Erinnerung: Ich stolperte über ihren High Fantasy – Trilogieauftakt „The Queen of Blood“. Neugierig, ob sie meinem Lieblingsgenre gewachsen ist, beschloss ich, dem ersten Band der Trilogie „The Queens of Renthia“ eine Chance zu geben.

    Seit ihrer Kindheit bewegt Daleina nur ein Wunsch: Sie möchte ihrem Volk helfen, es schützen und bewahren. Die Menschen ihrer Heimat Aratay respektieren die Gesetze des Waldes, der bis an die Grenzen des Reiches reicht. Doch überall – in den Baumkronen, am Boden, in der Luft – teilen sie ihr Leben mit boshaften, blutrünstigen Elementargeistern, die die Menschheit aus tiefstem Herzen hassen. Als junges Mädchen wurde Daleina Zeugin eines furchtbaren Massakers, das allein ihre Familie überlebte. Sie schwor, nicht zuzulassen, dass sich ihre Tragödie andernorts wiederholt. Obwohl ihre Fähigkeiten zur Kontrolle der Elementare vergleichsweise schwach sind, erkämpfte sie sich mit harter Arbeit einen Platz unter den Anwärterinnen auf den Thron. Aratays Königin ist das Schild ihres Volkes. Ihr Wille legt den Elementaren Ketten an. Ihre Macht ist absolut. Aber Macht hat ihren Preis. Daleina entdeckt, dass die amtierende Königin ein schreckliches Geheimnis hütet. Sie muss sich entscheiden: Ist sie bereit, Blut zu vergießen, um ihren Schwur einzuhalten?

    Ist es paradox, ein Buch, das über keinerlei Bilder verfügt, als visuell ansprechend zu beurteilen? Für mich besteht da kein Widerspruch, denn Bücher und Geschichten sollen ja unsere Fantasie anregen und uns mental sehen lassen, was der_die Autor_in sich vorstellte. Sarah Beth Durst ist äußerst talentiert darin, ihre Vorstellungskraft zu transportieren. „The Queen of Blood“ verwöhnt Leser_innen mit einem farbenfrohen, üppigen und ästhetischen Setting, das ich als ausgesprochen feminin wahrnahm. Das heißt nicht, dass Aratay eine Welt des verspielten Kitsches wäre, sondern dass eine entscheidende Facette des Worldbuildings Wachstum ist. Aratay ist ein fruchtbares Waldland voller Leben, in dem sich der Kreislauf der Natur deutlich sichtbar ununterbrochen wiederholt. Alles sprießt, gedeiht, blüht und vermittelt einen Eindruck von inspirierender Dynamik, die wohl manche_n Dichter_in zu lyrischer Verzückung verleiten könnte. Die Bevölkerung Aratays hat sich den speziellen Bedingungen ihrer Heimat selbstverständlich angepasst: Kaum jemand hält sich am Boden auf, ganze Städte existieren in den Baumkronen und Nachhaltigkeit ist Gesetz, weil die Menschen sonst nicht überleben könnten. Der Grund dafür sind natürlich die Elementare, der zentrale Aspekt des Worldbuildings in „The Queen of Blood“. Die vielfältigen, an Dryaden und ähnliche Fabelwesen erinnernden Kreaturen zwingen das Volk, im Einklang mit der Natur zu agieren, da sie sowohl den Schlüssel zur Fruchtbarkeit des Landes als auch dessen Geißel verkörpern. Ohne sie wächst in Aratay kein einziger Same, aber ihr Zerstörungstrieb stellt eine existenzielle Gefahr dar. Ich war von dieser Ambiguität fasziniert und interpretiere sie als wundervolle Metapher für das komplexe Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt. Die Einzige, die die Elementare davon abhält, jeden Mann, jede Frau und jedes Kind grausam abzuschlachten, ist Aratays Königin. Einige Mädchen werden mit der seltenen Fähigkeit geboren, die Elementare zu kontrollieren. Werden ihre Kräfte entdeckt, durchlaufen sie einen mehrstufigen, komplizierten und sehr fordernden Ausbildungsprozess, der sie darauf vorbereiten soll, eines Tages den Thron zu besteigen. In diesem Kontext begleiten wir die Protagonistin Daleina. Daleina zeichnet aus, dass ihr Status als Heldin der Geschichte ausschließlich über ihre Integrität und ihren unfehlbaren Charakter zustande kommt, nicht über Äußerlichkeiten oder Macht. Sarah Beth Durst sagt über sie, dass sie keine Auserwählte ist und dem kann ich vorbehaltlos zustimmen. Daleina muss sich alles hart erarbeiten, ihr wird nichts geschenkt und eigentlich verfügt sie nicht über die Voraussetzungen, jemals Königin von Aratay zu werden. Lediglich ihre Entschlossenheit, ihr unbezwingbarer Wille, ihrem Volk zu helfen, kennzeichnet sie als junge Frau, die sich für die immense Verantwortung der Königin eignet. Ich fand sie anfangs ein wenig blass und langweilig, im Verlauf von „The Queen of Blood“ entwickelt sie jedoch ordentlich Biss, was mir sehr imponierte. Sie mag erst wie das normale Mädchen von nebenan wirken, aber glaubt mir, sie hat Stahl in den Venen.

    Ich war in vielerlei Hinsicht beeindruckt von „The Queen of Blood“. Sarah Beth Durst präsentiert in diesem Trilogieauftakt ein komplexes, konsequent konstruiertes Universum, das eine potente Lebendigkeit artikuliert, die meiner Meinung nach in der High Fantasy zu selten auftaucht. Die Geschichte der jungen Daleina ist spannend und voller interessanter Details, über die es sich lohnt, zu reflektieren, auch in Bezug zu unserer Realität. Ich habe nach der Lektüre Unmengen an Notizen produziert, weil mich das Buch intellektuell außerordentlich stimulierte. Emotional war ich mit der Taktung der Autorin nicht immer zufrieden – einige Passagen erschienen mir zu gestreckt, andere zu übereilt – aber mitgerissen hat sie mich zweifellos, auch dadurch, dass sie nicht vor Gewalt zurückschreckte und die Brutalität ihrer Welt glaubhaft abbildete. Ich freue mich, dass sie bewies, dass sie dem Genre gewachsen ist und ich meine Beziehung zu ihr mit „The Queens of Renthia“ wieder aufflammen lassen kann.

  5. Cover des Buches The Reluctant Queen: Book Two of The Queens of Renthia (ISBN: 9780062413352)
    Sarah Beth Durst

    The Reluctant Queen: Book Two of The Queens of Renthia

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Als Sarah Beth Durst begann, „The Queens of Renthia“ zu schreiben, verfasste sie zuerst 90 Seiten einer Geschichte, in der eine Königin in Gefahr ist und auf die Hilfe einer mächtigen Waldfrau hofft, die sich allerdings weigert, ihre Kräfte einzusetzen. Solltet ihr euch wundern, dass dieser Plot nicht der Handlung des ersten Bandes „The Queen of Blood“ entspricht, habt ihr Recht. Es ist die Handlung des zweiten Bandes „The Reluctant Queen“. Durst schickte ihre 90 Seiten an ihre Agentin, die das Manuskript an ihren Herausgeber David Pomerico weiterleitete. Er schlug ihr vor, daraus den zweiten Band zu machen. Durst war von seinem Vorschlag begeistert. Deshalb ist „The Reluctant Queen“ die Fortsetzung, obwohl die Trilogie mit der Idee für diesen Band geboren wurde.

    Der Preis, den Daleina für die Krone zahlte, war zu hoch. Die schreckliche Tragödie ihrer Krönung wird sie für immer verfolgen und belastet ihre Regentschaft von Aratay. Das Volk nennt sie hinter ihrem Rücken die Blutkönigin. Schwerer als Trauer und Schuld wiegt für Daleina jedoch das Wissen, dass ihr Reich den Elementaren schutzlos ausgeliefert ist, sollte ihr etwas zustoßen. Sie braucht eine Nachfolgerin. Dringender, als öffentlich bekannt ist. Denn Daleina hütet ein furchtbares Geheimnis: Sie stirbt. Schon bald. Verzweifelt entsendet sie ihren Champion und Mentor Ven in die entlegensten Gebiete ihres Reiches, um unentdeckte und übersehene Talente ausfindig zu machen. Dort, in einem kleinen Dorf tief im Wald, begegnet er Naelin. Naelins Kräfte übersteigen alles, was Ven je in einer Kandidatin erlebt hat. Die junge Mutter könnte Aratays Rettung sein. Dem steht nur eines im Wege: Naelin würde lieber sterben, als Königin zu werden.

    Sarah Beth Durst verfolgte mit der Etablierung einer zweiten Hauptfigur in „The Reluctant Queen“ ein ganz spezifisches Ziel: Sie wollte das Motiv der widerwilligen Heldin untersuchen. Deshalb entschied sie, Naelin mit gewaltigen Kräften auszustatten, ihr jedoch einen legitimen Grund zu geben, diese Kräfte zu verleugnen und abzulehnen. Sie wollte herausfinden, wie sich ihre Weigerung auf die Geschichte auswirkte. Ich kann euch verraten, wie sich dieser Aufbau ihrer Figur auf mich auswirkte: Ich hatte enorme Schwierigkeiten, mich mit Naelin zu identifizieren und Sympathie für sie zu entwickeln. Sie ging mir nachhaltig auf die Nerven, weil ich ihre Argumentation, ihre Macht nicht für das Wohl ihrer bezaubernden Heimat Aratay einzusetzen, nur ansatzweise nachvollziehen konnte. Ich möchte nicht offenbaren, warum Naelin sich so sehr dagegen sträubt, Königin zu sein, aber meiner Meinung nach nimmt sie in „The Reluctant Queen“ eine viel zu enge Perspektive ein. Sie denkt nicht an das große Ganze, sondern nur an ihre private Situation und tut sich wahnsinnig schwer damit, zu begreifen, dass der Schutz ihres Landes eine Lösung für all ihre Sorgen impliziert. „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ – diese Weisheit trifft nicht ausschließlich auf Spiderman Peter Parker zu, sondern auch auf Naelin und es irritierte mich, dass sie sich ihrer Verantwortung zu entziehen versucht. Deshalb hatte ich mit dem zweiten Band von „The Queens of Renthia“ längst nicht so viel Spaß wie mit dem ersten „The Queen of Blood“, obwohl ich Sarah Beth Dursts Umsetzung des grundlegenden Motivs respektiere. Leider fielen mir während der Lektüre der Fortsetzung allerdings auch Kritikpunkte auf, die nicht mit meinen persönlichen, emotionalen Problemen mit Naelin zu erklären sind. Die gesamte Besetzung der Geschichte ist ermüdend einseitig gestaltet. Die überwältigende Mehrheit der Figuren wird von ehrenwerten Motivationen angetrieben; sie treffen Entscheidungen, weil sie glauben, das Beste zu tun. Selbst Verhaltensweisen, die man als verwerflich betrachten könnte, erhalten früher oder später einen honorablen Beweggrund, was mich einfach langweilte. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist die zwielichtige Kräuterhexe Garnah, deren erfrischendes Auftauchen mir bewusst machte, wie berechenbar anständig alle um sie herum sind, wodurch sogar die Handlungslinie einer Verschwörung reizlos und zahm geriet. Dass „The Reluctant Queen“ trotz dieses Überschusses an Gutmenschen funktioniert, liegt natürlich an den Elementaren, die durch ihre menschenfeindliche Gesinnung die Rolle der antagonistischen Partei ausfüllen. Ich war sehr enttäuscht, dass ich so gut wie nichts Neues über die Naturgeister erfuhr und Aratay weiterhin als geografischer Fokus dient. Ein Teil von mir hatte sogar gehofft, dass „The Reluctant Queen“ gar nicht in Aratay spielt. Ich hätte gern mehr von Renthia gesehen und mir gewünscht, dass Durst ihr Worldbuilding mit den Elementaren als zentralem Aspekt konsequent ausbaut. Vielleicht war es nicht förderlich, dass „The Reluctant Queen“ im Kern vor „The Queen of Blood“ entstand.

    Ich bin begeistert davon, dass „The Queens of Renthia“ eine äußerst feminine High Fantasy – Trilogie ist und Sarah Beth Durst viele essenzielle Themen aus einer entschieden weiblichen Perspektive behandelt. Als Feministin weiß ich es zu schätzen, dass sie zur Sichtbarkeit von Frauen im Genre beiträgt, ohne sich zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Als Leserin reicht mir ihre gelungene Repräsentation dennoch nicht ganz aus. „The Reluctant Queen“ ist ein gutes Buch, aber es wäre ein besseres Buch geworden, wenn Durst variabler mit den Motivationen ihrer Figuren gespielt und das Worldbuilding zielstrebiger vorangetrieben hätte. Die Tatsache, dass ich mit Naelin nicht zurechtkam, werfe ich ihr hingegen nicht vor, weil ich denke, dass die Wirkung ihrer Protagonistin wesentlich von den Glaubenssätzen der Leser_innen abhängt und ich außerdem nicht leugnen kann, dass sie in mir eine starke emotionale Reaktion auslöste. Vielleicht wollte Durst genau das erreichen, indem sie Naelins Position so streitbar gestaltete – lieber ein bisschen Ärger als völlige Gleichgültigkeit.

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