Bücher mit dem Tag "restauration"

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22 Bücher

  1. Cover des Buches Die Bücherjägerin (ISBN: 9783755805069)
    Elisabeth Beer

    Die Bücherjägerin

    (165)
    Aktuelle Rezension von: Katharina_Kaatz

    Die Bücherjägerin ist ein Buch für alle, die Bücher nicht nur lesen, sondern lieben. Die Protagonistin ist eine Frau, die sich in der Welt der Bücher zu Hause fühlt und genau dort auch nach Antworten sucht nach sich selbst, nach Wahrheit und nach einem Sinn, der tiefer geht als der Alltag. Besonders fasziniert hat mich das geheimnisvolle Element der Geschichte. Es geht nicht nur um Bücher, sondern um ihre Geschichten, ihre Vergangenheit und das, was sie mit den Menschen machen. Das „Jagen“ nach Büchern wird dabei zu einer Reise voller Rätsel, leiser Spannung und emotionaler Tiefe. Der Schreibstil ist atmosphärisch und bildhaft. Orte, alte Buchläden und stille Momente werden so beschrieben, dass man sie vor sich sieht und fast den Geruch von Papier und Staub in der Nase hat. Es ist ein Buch, das man nicht verschlingt, sondern genießt. Ein Buch über die Macht von Worten, über Identität und darüber, dass manche Wege erst sichtbar werden, wenn man ihnen zwischen den Seiten eines Buches folgt.

  2. Cover des Buches Rot und Schwarz (ISBN: 9783730600467)
    Stendhal

    Rot und Schwarz

    (89)
    Aktuelle Rezension von: KarenAydin

    Worum geht es? 

    Es geht um das Leben und den sozialen Aufstieg des jungen, leidenschaftlichen und stolzen Julien Sorel, der bescheidener Herkunft ist, es aber vom einfachen Hauslehrer in einer kleinen Provinzstadt über das Priesterseminar in Besançon bis in den Palast eines einflussreichen Marquis in Paris schafft. Bestimmend in seinem Leben ist seine fatale Liebe zu der sozial über ihm stehenden, älteren und verheirateten Madame de Rênal.

     

    Kritik

    Wow! Ich habe etwas gezögert, ob ich wirklich einen 750-Seiten Roman lesen möchte. Nach spätestens zehn Seiten war ich mit in dem fiktiven Provinznest Verrières. Das lag für mich an dem wunderbaren auktorialen Erzähler und an dem ungewöhnlichen Protagonisten, dem leidenschaftlichen Julien Sorel, einem der faszinierendsten Charaktere der Literaturgeschichte. Gegen ihn wirken alle Jane Austen Helden wie brave und spröde Finanzbeamte und selbst Brontes Heathcliff kommt recht nüchtern und pragmatisch daher.

    Der Roman spielt zur Zeit der französischen Restauration (1815-1830). Rot und schwarz stehen für die militärische Karriere (die nach der Abdankung Napoleons nicht mehr möglich ist (rot) und die Laufbahn als Priester (schwarz), die eine Zeitlang als einzige Option für ein Fortkommen (räumlich wie sozial) erscheint. Interessant ist, dass Stendhal diesen Roman nach einer wahren Begebenheit geschrieben hat, er wurde inspiriert von einem Mordprozess. Der Roman soll zu Lebzeiten Stendhals keinen großen Erfolg gehabt haben, zählt aber heute zu den französischen Klassikern.

    Wir begegnen Julien, wie er mit der Nase in einem Buch steckt und von seinem brutalen und grobschlächtigen Vater gesucht wird, der möchte, dass er im väterlichen Sägewerk arbeitet. Für so grobe körperlichen Tätigkeiten ist er gar nicht geeignet. „Er verabscheute seine Heimat, alles, was er hier sah, lähmte seine Phantasie.“ (37).

    Er träumt von einer Karriere im Militär, verehrt Napoleon leidenschaftlich. Und leidenschaftlich ist er in allen Dingen. Er ist impulsiv, idealistisch, neigt zu Extremen, er liebt und hasst, und es scheint kaum etwas dazwischen zu geben, er ist ein Außenseiter, fühlt sich fremd unter den Menschen, gehört nicht zu denen, in deren Kreis er geboren wurde, wird von denen, in deren Kreise er gelangt nie ganz akzeptiert und wird zerrissen von dem Bewusstsein, dass er ihnen intellektuell und moralisch überlegen ist, aber von ihnen aufgrund seiner Herkunft immer als unterlegen betrachtet werden wird. Julien ist ehrlich, authentisch und möchte dem Leser nicht gefallen.

    Er ist allein, aber sehnt sich nach einer Freundin, nach Liebe, nach einer authentischen Bindung auf Augenhöhe und kann es nicht glauben, als er sie in der Ehefrau des Monsieurs de Rênal findet – eine Liebe (nach etwas zweifelhaften Anfängen, denn zu Beginn möchte Julien sich eigentlich nur hochschlafen), die eigentlich nicht sein kann, nicht darf, und der er sich immer wieder aufs Neue rückversichern muss. Wow! Was für eine Liebesgeschichte! Oh, was habe ich mit den beiden gelitten! „Die große seelische Krisis änderte von Grund auf die Art des Gefühls, das Julien mit seiner Geliebten verband. Seine Liebe war nicht mehr lediglich Bewunderung ihrer Schönheit und Stolz auf ihren Besitz. Ihr Glück war nunmehr von einer weit höheren Art; die Flamme, die sie verzehrte, schlug mehr und mehr über ihnen zusammen. Sie durchlebten Augenblicke unsinnigsten Taumels. Unbeteiligten hätten sie für glücklicher als je gegolten.“ (168)

    Aus moderner Sicht, in der es diese Schranken nicht mehr gibt, in der auch die Religion nicht mehr die bestimmende Rolle spielt (die Frau droht an ihrer Reue und ihrem Schuldempfinden zugrundezugehen), in der auch die Liebe einen anderen Stellenwert hat und auch anders gelebt wird (wer neigt heute noch zu tränenreichen Geständnissen und impulsiven dramatischen Aktionen), alles eher rational und pragmatisch ist, war es einfach für mich so schön, den beiden altmodischen und leidenschaftlich Liebenden zuzusehen. Denn eigentlich ist es ein Roman über die (transgressive) Liebe und die Leidenschaft, die ein Leben ausmachen und zugrunderichten kann. Zugleich über den Ehrgeiz, das Machtstreben und das Verkennen des Glücks, das man in Händen hält. So etwas kann natürlich nicht gut ausgehen – das ist klar. Es gibt keinen Sonnenuntergang, in den die beiden reiten werden. Der Verlauf ist tragisch. Genaueres werde ich dazu nicht verraten. Es bleibt mitreißend– auf allen 750 Seiten. „Ja, nun ist mein Roman eigentlich zu Ende“, dachte er, „und ich allein war meines Glückes Schmied.“ (627).

    Also, im ersten Teil hat mich die Liebe zwischen den beiden fasziniert, das Priesterseminar ist wichtig für den Fortgang der Handlung und durchaus interessant, der Klerus kommt nicht besonders gut weg, aber richtig spannend wird es dann in Paris. Nicht nur, weil dort eine zweite Frau ins Spiel kommt.  Julien betritt die Kreise, zu denen er immer gehören wollte, doch auch wenn er mitten unter ihnen ist, jedes Wort, das er sagt, wird auf die Goldwaage gelegt, er muss stets auf der Hut sein, er muss stets Acht geben, wer Freund und wer Feind ist, ihm steht es nicht wie den anderen frei, auszusprechen, was er denkt. Ich kann dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit sehr gut nachvollziehen.

    Insgesamt: man muss die Romantik mögen, man muss auch den Stil, der aus heutiger Sicht überbordend ist, die Charaktere, die in hohem Maße empfindsam sind, mögen. Moderne Romance wirkt dagegen nüchtern und etwas steril. Wer keinen Funken von Julien in sich trägt, mag den Roman schwülstig und langweilig finden. Bei mir wird er einen besonderen Platz im Regal erhalten.

  3. Cover des Buches Wer den Wind sät (ISBN: 9783406817984)
    Michael Lüders

    Wer den Wind sät

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Michael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen  Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.

  4. Cover des Buches Die Holunderschwestern (ISBN: 9783499016998)
    Teresa Simon

    Die Holunderschwestern

    (237)
    Aktuelle Rezension von: Streifi

    Katharina hat die Leidenschaft für’s Kochen von ihrer Urgroßmutter Fanny geerbt. Eines Tages taucht ein Engländer bei ihr auf und bringt ihr Fannys Tagebücher. Darin enthüllen sich einige Dinge der Familiengeschichte, die bisher nicht bekannt waren. Gleichzeitig treibt ihre Geschäftspartnerin eine alte Ladeneinrichtung auf, die sie gemeinsam restaurieren wollen. Und plötzlich zeigen sich auch hier Verbindungen zur Familie.

    Der Roman spielt auf wechselnden Zeitebenen. Einmal wird Katharinas Geschichte in der Gegenwart erzählt und dann noch Fannys Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen. Mir haben beide Zeitebenen gut gefallen, auch wenn ich mit Fannys Zwillingsschwester einfach nicht warm geworden bin. Dafür fand ich Fanny um so bewundernswerter.

    Man kann in beide Zeitebenen richtig schön eintauchen und sich die Gegebenheiten vorstellen. Mir hat die Mischung auch richtig gut gefallen, da die Zeitebene in der Gegenwart nicht nur einen eher belanglosen Rahmen bildet, sondern selbst auch eine wirklich interessante Geschichte ist.

    Ich kann dieses Buch von Teresa Simon wieder vorbehaltlos empfehlen. Es zeigt ein München im Wandel der Zeiten und erzählt eine große Familiengeschichte.

  5. Cover des Buches Ein Monat auf dem Land (ISBN: 9783832165185)
    J.L. Carr

    Ein Monat auf dem Land

    (109)
    Aktuelle Rezension von: WolfgangPhilipp

    Der 1980 erschienene Roman beschreibt den einmonatigen Auftenhalt eines jungen Restaurators in einem kleinen Dorf in Yorkshire im Jahre 1920.
    Körperlich unversehrt, aber geistig zerrüttet und mit einer posttraumatischen Zwangsstörung ist dieser von den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs zurückgekehrt.
    Seine Frau hat sich von ihm getrennt und er übernimmt die vom Erbe einer verstorbenen Großgrundbesitzerin finanzierte Freilegung eines übertünchten und mit Rus und Kerzentalg verschmutzten Wandgemäldes in der örtlichen Kirche.


    Der gealterte Ich-Erzähler beschreibt in der Rückschau 50 Jahre später diese Zeit als ein eine Art therapeutischen Genesungsprozess:
    Die kleinteilige Arbeit an dem Gemälde, dass sich als meisterhafte Darstellung des jüngsten Gerichts eines unbekannten Künstlers herausstellt, dem er über die Jahrhunderte hinweg emotional näherzukommen scheint; die Bekanntschaft mit einem Archäologen, ebenfalls Kriegsveteran, der auf dem Friedhof der Kirche nach den Überresten eines in Ungnade gefallenen Verwandten der verstorbenen Mäzenin sucht; die zunehmende Einbindung in die Familie des methodistischen Bahnhofswärters Ellerbeck; die zarte, platonische Verliebtheit in die junge Frau des verbiesterten, anglikanischen Pfarrers; der traumhafte Sommer und die Teilnahme an der Ernte - all das hilft ihm mit seiner Vergangenheit ins Reine, körperlich und geistig zur Ruhe zu kommen und schließlich hoffnungsvoll in seine alte Welt zurückzukehren.

    Großes, kurz(weilig)es Lesevergnügen, unaufgeregt und doch packend, atmosphärisch dichte Naturbeschreibung - perfekte Sommerlektüre für den Garten. (4,5)

  6. Cover des Buches Das kleine Theater am Meer (ISBN: 9783404177639)
    Rosanna Ley

    Das kleine Theater am Meer

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Nilufar

    Klasse Geschichte im Flair Sardiniens, die sich zum Ende hin immer mehr verdichtet, romantisch, geheimnisvoll, spannend. Bezogen auf die Hauptstory würde ich glatt fünf Sterne vergeben. Aber die Nebenstory um die Eheprobleme der Eltern retardiert für meinen Geschmack viel zu stark, zumal Vater und Mutter als Perspektivfiguren zu viel Gewicht bekommen, ohne die Handlung entsprechend stark voranzutreiben. Ich war immer heilfroh, wenn beim nächsten Kapitel die "eigentliche" Story weiterging. Die hat mich wirklich gefesselt.

  7. Cover des Buches Das lange 19. Jahrhundert (ISBN: 9783801204686)
    Matthias von Hellfeld

    Das lange 19. Jahrhundert

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Viv29

    Auf etwa 250 Seiten gibt Matthias von Hellfeld einen ganz ausgezeichneten Überblick über die Jahre zwischen 1776 und 1914, die vorwiegend mit Blick auf das heutige Deutschland, aber auch mit Informationen über andere europäische Länder. Das Buch ist schon haptisch ein Vergnügen, hier wurde angenehmes hochwertiges Papier gewählt. Auch die Gestaltung ist übersicht und ansprechend: es finden sich qualitativ ausgezeichnete Abbildungen, farbig unterlegte Zitatfelder, sowie Karten, Tabellen und Übersichten. Auch der Text kann mit der Gestaltung mithalten. Hellfeld schreibt angenehm, gut verständlich, konzentriert sich meistens auf das Wesentliche. Er verweist auf umfangreiche Geschichtswerke namhafter Autoren wie Nipperdey oder Münkler, und gerade wer Nipperdey kennt, weiß, wie ausgezeichnet, aber auch detailliert seine dreibändige "Deutsche Geschichte" ist. Hellfeld zieht aus diesen Bücheren die wichtigen Themen komprimiert heraus und das gelingt gut.

    So sind auf diesen 250 Seiten erstaunlich viele Informationen vorhanden. Wer einen gelungenen Überblick über jenes "lange Jahrhundert" bekommen und Zusammenhänge verstehen möchte, ohne sich durch umfangreiche Geschichtswerke zu wühlen, für den ist dieses Buch genau das Richtige. Gerade die Zusammenhänge werden ganz ausgezeichnet erklärt, dies auch wesentlich klarer als in vielen anderen Bücheren. Hier sieht man, wie die Geschehnisse ineinandergreifen, welche zu jener Zeit kaum absehbare Konsequenzen manche Handlugnen und Entscheidungen Jahrzehnte später haben können. Gut erklärt wird auch, wie übertriebener Nationalismus entstehen konnte, was die Bismarck'sche Politik eigentlich bedeutete und wie schnell sie sich unter Wilhelm II umkehrte und in die Katastrophe führte. Selten habe ich geschichtliche Zusammenhänge so gut erklärt gefunden. Hier und da kommt es zu einigen kleineren Wiederholungen, ein wenig irritiert war ich, auf Seite 245 einen Satz zu lesen, der fast wortgleich schon auf Seite 226 steht. Das sind aber nur Kleinigkeiten.

    Während die Politik im Vordergrund steht, findet auch die Entwicklung von Kunst, Familienleben, Arbeitsbedingungen und anderen Alltagsthemen Platz, wenn auch vorwiegend zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

    Insgesamt bin ich beeindruckt, wie viel hier in einem recht dünnen Buch Platz gefunden hat, wie mit wenigen Worten so gründlich Zusammenhänge, Hintergründe und Entwicklungen dargelegt wurden. Absolut empfehlenswert.

  8. Cover des Buches Deutsche Geschichte im Bild (ISBN: B0000BQFO6)
  9. Cover des Buches Der Winter des Architekten (ISBN: 9783442454075)
    Jem Poster

    Der Winter des Architekten

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Angelsammy

    Vor längerer Zeit gelesen, im Gehirn eindrücklich unvergessen. 

    Dieses Buch von Jem Poster erschien 2002 unter dem Originaltitel "Courting Shadows" und 2003 auf Deutsch. 

    Es ist das Debüt des britischen Autoren, der als Archäologe arbeitete. Seit 1993 ist er Dozent für Literaturwissenschaft. 2001 erschien seine Lyriksammlung "Brought to light". 

    Aus der Ichperspektive Johns erzählt. 

    Anno domini, 1880. Mein Name ist John Stannard, wenn ich mich vorstellen darf. Ich bin ein junger, aufstrebender Architekt mit einem Mangel an Aufträgen. Sonst hätte ich nie diesen aus einem entlegenen englischen Dorf angenommen. 

    Ich bin aus London und entstamme einer wohlhabenden Familie. Ich soll eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert restaurieren. Aber ich stoße auf allerlei Hemmnisse und Hindernisse. 

    Zugegeben, mein urban - arrogantes, passiv - aggressives Verhalten sorgt nicht gerade für Begeisterung bei den Dorfbewohnern. Ich behandele sie von oben herab und halte sie ohnehin für ungebildete Hinterwäldler. 

    Ja, so erschafft man sich seine eigenen Antagonisten. 

    In der Kirche entdecke ich doch tatsächlich ein obszönes Fresko, das übermalt worden war und nun wieder freigelegt werden soll. 

    Die mysteriöse, bildschöne Ann Rosewell aus ebenjenem mir verhassten Dorf verdreht mir ordentlich gehörig den Kopf. Wir kommen uns näher - im eiskalten Regen. Allerdings enttäuscht mich ihre ordinäre Gewöhnlichkeit. 

    Ich erkranke und bin erst einmal mit hohem Fieber bettlägerig. Dann passiert etwas Ungehöriges. Ich würde es euch ja gerne verraten, aber das nennt ihr neumodisch Spoilern. Ich will nicht geteert und gefedert werden. Ja, das ist der Anfang einer potentiell tödlichen Abwärtsspirale ...

    Grau, düster, gedämpftes Licht, regnerische Kälte, eine triste Landschaft, die absolute Hoffnungslosigkeit und Desperation ausstrahlt. 

    Obwohl ich und jene Dörfler aus demselben Landesteil England kommen, dieselbe Sprache sprechen und, ich nehme mal an alle Menschen sind, ist es so, als ob ich Londoner ein Alien wäre. 

    Welten liegen zwischen ihnen und mir. Anstatt mich ein wenig zu adaptieren und reeles Interesse an der "Andersartigkeit" dieser Leute zu zeigen, vertiefe ich den Graben noch, laße den Wasserpegel steigen und setze Krokodile hinein. 

    Ich bin frostig höflich, obwohl ich diesen Auftrag bitter nötig habe. 

    Ich spiele mich überheblich auf, sagt man, als ob sie drittklassige Menschen seien. Logischerweise muß ihnen das sauer aufstoßen. 

    Dann verheddere ich mich zusätzlich in einem stählernen Netz, als ich Ann kennenlernte, von der ich verzaubert bin. 

    Nach näherem Kennenlernen hege ich aber die unverschämte Ansicht, daß ihr Inneres nicht mit ihrer blendenden Schönheit korrespondiert. Aber physisch fühle ich mich trotzdem angezogen, obwohl sie für mich nur ein besserer Bauerntrampel. Und dann sagt man mir, John, nach, daß ich arrogant sei. Pah! 

    Ich unterstelle ihr sogar, daß sie versucht, mich in eine Ehe zu locken, damit sie versorgt ist, vom Dorf wegkommt und in London Prestige erntet - auf meine Kosten. 

    Ich werde immer irrationaler, vor allem als ich erkranke. Aber mein Verhalten wird abstruser, bizarrer, nachdem ich wieder gesund bin, aber rekonvaleszent. 

    Nun meldet sich erneut die Rezensentin zu Wort. 

    O nein! John ist kein Sympathieträger, definitiv. Aber das muß ja in Büchern nicht dauernd der Fall sein. 

    Was das Buch exzeptionell macht und es dauerhaft in die neuronalen Netze der Reminiszenzen befördert, ist der Clash des Urbanen mit dem Ruralen. Es generiert ein interpersonelles Beziehungsgeflecht sonder Güte.

    Man wundert sich, daß die Dörfler John nicht umgehend zum Teufel jagen ob seiner Impertinenz. Eine wechselwirkende, vitale Dynamik treibt fiebernd die Handlung voran. 

    Die Kühle und Kälte des Winters ist nicht nur meteorologisch präsent, sondern wird ebenso von den Protagonisten aus - und abgestrahlt. 

    Selbst wenn das Buch im Hochsommer spielte, hätte John auch dann die Arktis in sich gehabt. 

    Zugegebenermaßen sind die Dörfler von Anbeginn von Johns Ankunft ebensowenig geneigt herzlich oder überbordend gastfreundlich zu sein. ( "Stimmt!" John ).

    So gesehen ist die einzige echte Sympathieträgerin Ann. Die Unterstellung Johns, sie sei eine Goldgräberin, die sich auf ihn fixiert habe, glaube ich indes nicht. 

    Sie hat sich wirklich in John verliebt. Ich kann verstehen, daß sue, einsam wie sie ist, das eminente Bedürfnis hat, Zweisamkeit herzustellen und das Dorf hinter sich lassen zu wollen. 

    Im Laufe des liquide erzählten Plots verdichtet sich das unterschwellig Unheimliche immer mehr.

    Fast von der ersten Seite an schürt das Buch ein gewisses Unbehagen beim Leser und das ist klasse. So hat Jem Poster den Leser gleich in seinen gnadenlosen Krallen festgehakt und läßt bis zum Ende nicht mehr los. 

    Eine FLIMMERNDE, unscharfe Bedrohung, die im Laufe der Handlung kontinuierlich anwächst weckt beim Leser große Neugier sowie Anspannung, was wohl passieren möge. 

    Das Ende ist überraschend, zweideutig, aber nicht schwer interpretierbar. 

    Es gibt auch ein paar Wendungen, bei denen man ausruft: WTF?! Aber allesamt logisch und nicht überzogen. Es war noch das Viktorianische Zeitalter und nur noch acht Jahre von Jack the Ripper entfernt. 

    Der Autor legt großen Wert auf eine pointierte Handlung von größtmöglicher Authentizität und das ist hervorragend gelungen. 

  10. Cover des Buches Der Chevalier Des Touches (ISBN: 9783882216226)
    Jules Barbey d`Aurevilly

    Der Chevalier Des Touches

    (3)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    In einer Winternacht in den letzten Jahren der bourbonischen Restauration (1814-1830) begegnet dem Abbé de Percy auf dem Kapuzinerplatz des kleinen Städtchens Valognes ein verwirrter alter Mann. Sie tauschen ein paar Worte aus, ehe dieser Alte wieder in die Nacht verschwindet. Der Abbé ist überzeugt, dass dieser Mann der Chevalier des Touches war, ein seit Jahrzehnten unter mysteriösen Umständen verschwundener und wohl auch tot geglaubter Held der "Chouannerie" - Guerillakämpfer katholischer Royalisten gegen die Erste Französische Republik (1792 bis ca. 1804). Diese Vermutung trägt er beim Besuch des ältlichen landadeligen Geschwisterpaars Ursule und Sainte de Touffedelys vor, welche sich daraufhin an jene Zeit des Widerstands erinnern, als sie jung waren und ihr Haus geheimer Treffpunkt der "Chouans" war. 

    In ihrer Gesellschaft befindet sich auch die maskuline Barbe-Pétronille de Percy, die die Erinnerungen des Geschwisterpaares aufnimmt und von ihrem heldenhaften Einsatz 1799 als Eine "der Zwölf" zu erzählen beginnt. Das "Unternehmen der Zwölf" war die Befreiung des Jacques Destouches de la Fresnay, der wagemutig und halsbrecherisch bei jeder Witterung geheime Depeschen in einer kleinen Nußschale von Boot von Frankreich nach England brachte. Doch er war schlußendlich gefasst und inhaftiert worden. Interessiert lauschen die Geschwister und der Abbé der romantisch veranlagten Widerstandskämpferin, die leidenschaftlich vom Chevalier erzählt und weiß, dass ein weiterer Gast im Hause de Touffedelys, der am knisternden Feuer sitzt und stickt, taub ist und nichts von der Geschichte mitbekommt, in welcher dieser Gast eine zentrale und pikante Rolle spielte. Der Gast ist Aimée-Isabelle de Spens, die Verlobte des Helden...

    Von 1849 bis 1863 hat Jules Barbey d'Aurevilly (geboren 1808, gestorben 1889) an diesem Roman geschrieben, der nach Balzac und Hugo einen weiteren Versuch der historischen Schilderung der gescheiterten Revolte der "Chouans" (so genannt, weil der Verständigungsruf der Guerillakämpfer der eines Käuzchens (franz.: chouchette) war) darstellte. Die Fantasie und der Einfallsreichtum des Autors haben ihn aber immer wieder von der rein historischen Erzählung abkommen lassen und so präsentiert sich nach mehr als anderthalb Jahrhunderten erstmals in deutscher Sprache eine Mixtur aus historischem und fantastischem Roman - eine wilde und ungemein kunstvolle Mischung von Abenteuer- und Liebesgeschichte. 

    Die wunderschöne deutsche Ausgabe des Verlags "Matthes & Seitz" bietet neben der exzellenten Übersetzung durch Gernot Krämer und Caroline Vollmann noch ein Nachwort von Gernot Krämer sowie zwei Essays von Heinrich Mann und Michel Serres. Der funkelnde Text wird durch herrliche Illustrationen von Félix Buhot aufgelockert und versinnbildlicht das Geschehen. Hoher Lesegenuss!

  11. Cover des Buches Die zerbrochene Feder (ISBN: 9783426525425)
    Sabine Ebert

    Die zerbrochene Feder

    (25)
    Aktuelle Rezension von: Thommy28

    Einen ersten Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:

    Das Buch schliesst an das Geschehen aus den Bänden 1813 - Kriegsfeuer und 1815 - Blutfrieden an  Mann trifft hier die Protagonisten aus diesen Büchern - insbesondere auf die aus 1815 - Blutfrieden - wieder und nimmt an deren Schicksal im weiteren Verlauf der Geschichte teil. Zwar ist der Krieg mit all seinen Schrecken vorüber, aber die erhofften Freiheiten sind nicht erreicht worden. Stattdessen leidet die Bevölkerung unter drastischen Repressalien und Denunziation.

    In diesem Umfeld beschreibt die Autorin eindrucksvoll das Leben der kleinen Leute. Die Figuren - den Lesern  der vorherigen Bücher ja bereits bekannt - werden sehr eindrucksvoll und liebevoll gezeichnet. Der Schreibstil ist toll und vermittelt einen guten Eindruck vom seinerzeitigen Leben. 

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Gerne werde ich mehr Bücher der Autorin lesen...!

  12. Cover des Buches Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849 (ISBN: 9783486497656)
  13. Cover des Buches Phantome des Terrors (ISBN: 9783423349581)
  14. Cover des Buches Das mangelnde Licht (ISBN: 9783548066707)
    Nino Haratischwili

    Das mangelnde Licht

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Lotti3005

    Dies könnte tatsächliche die kürzeste Rezension aller Zeiten werden : Ein Meisterwerk - unglaublich schmerzhaft, tiefgründig und wortgewaltig. Haratischwili schreibt wie eine Sturmflut der man sich nicht entreißen kann, ihr Stil ist gewältig und episch, aber auch subtil und ungemein berührend. 

    Wir erhalten eine Einführung in die Georgischen Kriege in Hoffnung auf die lang ersehnte Unabhängkeit, deren Ausmaß und das schreckliche Chaos eines jungen georgischen Staates.. Zwischen den feuchten Wänden der Tbilisser Altstadt  Ende der 1980er-Jahre verfolgen wir das  Leben von vier Mädchen zusammen und erleben die erste große Liebe, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, Stromausfälle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg. Die historischen Information und Geschehnisse "erleben" wir als Leser durch die Protagonistinnen, wir tauchen ein in die Tbilisser Welt der Achzigerjahre ohne reine Fakten mit erhobenem Zeigefinger präsentiert zu bekommen. Dies ist für mich ein historischer Roman erster Klasse !

    Unglaublich berührend ist das damalige Geschehen in Georgien im Hinblick auf die Situation der Ukraine heute. Geschichte wiederholt sich tatsächlich immer und immer wieder. 

    Großartig gezeichnete Charaktere, berührende Schicksale und tiefe Momente der Freundschaft machen diesen Epos für mich zu einem Meisterwerk und großen Jahreshighlight.

  15. Cover des Buches So weit die Wellen uns tragen (ISBN: 9783404173990)
    Shelley Noble

    So weit die Wellen uns tragen

    (4)
    Aktuelle Rezension von: KerstinnI
    Meri hat alles, was sich eine junge Frau wünscht, eine tolle Familie, einen quasi Verlobten, einen Job den sie mag. Alles scheint gut zu laufen. Bis ihre Großmutter ihr einen Brief und das Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter gibt, und Meri Ihrem Familiengeheimnis auf die Spur kommt. Dabei kann sie sich wie immer auf Alden stützen, der schon ihr ganzes Leben sicher an ihrer Seite steht. Aber eigentlich braucht er diesmal selbst Meris Hilfe. Mir persönlich ist dieses Buch zu vorhersehbar, zu kitschig und Meri selbst mir zu theatralisch. Viele ihrer Gefühle werden immer und immer wiederholt, und waren mir zu übertrieben. Ebenso ging es mir mit der eigentlich sehr herzlichen Gran, und auch mit Alden. Und auf den 477 Seiten gab es schon viel Spielraum für Wiederholungen. Dennoch ist die Geschichte unterhaltsam. Der Schreibstil ist gut. Wer etwas heile Welt und Kitsch braucht, der ist an der richtigen Adresse.
  16. Cover des Buches Love Me Like It's Yesterday (ISBN: 9783757700911)
    Juliane Käppler

    Love Me Like It's Yesterday

    (74)
    Aktuelle Rezension von: Chris-aus-LA

    Juliane Käppler ist für mich eine genial begabte Autorin. Ihre Geschichten berühren nicht nur das Herz, sondern bleiben nachhaltig im Kopf. Mit einer besonderen Mischung aus emotionaler Tiefe, realistischen Charakteren und einem Schreibstil, der einen sofort in den Bann zieht, hebt sie sich von der Masse ab. Juliane gelingt es, Themen mit Tiefe und Relevanz zu verarbeiten. Und ihr Blick für Details – sowohl sprachlich als auch inhaltlich – ist einfach bemerkenswert.


    Ich freue mich auf jedes neue Buch von ihr, weil ich weiß, dass es mich mitreißen, zum Lachen bringen und tief berühren wird.


    In: Love Me Like It’s Yesterday gelingt Juliane Käppler ein bemerkenswerter Spagat: Sie erzählt eine romantische Geschichte mit Herz und Witz – und verwebt gleichzeitig ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema, das viele von uns täglich betrifft – den Einfluss digitaler Medien auf unser Leben.


    Die hochaktuelle Geschichte: Als der erfolgreiche Influencer Taro in Juno’s Leben tritt, prallen zwei Welten aufeinander: Die medienfreie Komfortzone Junos trifft auf die permanente Öffentlichkeit Taros, in der Follower, Likes und Reichweite das Maß der Dinge sind. 


    Juliane Käppler nutzt diese Konstellation nicht nur als romantisches Stilmittel, sondern stellt kluge Fragen: Was macht ständige digitale Sichtbarkeit mit unserer Identität? Wo verläuft die Grenze zwischen Selbstdarstellung und Selbstverlust?


    Ein Spiegel der Gegenwart: Die Autorin greift zentrale Aspekte der heutigen Medienkultur auf – Digital Detox, Influencer-Kultur, Cancel Culture und Cybermobbing – ohne belehrend zu wirken. Stattdessen lädt sie die Leser*innen dazu ein, selbst Position zu beziehen. Besonders eindrucksvoll ist, wie Käppler die Widersprüche der digitalen Welt sichtbar macht: Die Ambivalenz zwischen Nähe und Entfremdung, zwischen Freiheit und Abhängigkeit, zwischen Selbstbestimmung und öffentlichem Druck.


    Ein Plädoyer für Selbstreflexion: Obwohl Love Me Like It’s Yesterday sich im Genre der Romance bewegt, ist das Buch deutlich mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Plädoyer für Selbstreflexion, ein Blick hinter die Kulissen des digitalen Glanzes – und eine Ermutigung, sich selbst treu zu bleiben in einer Welt, die ständig nach Sichtbarkeit verlangt.


    Meine Empfehlung: Juliane Käppler gelingt mit Love Me Like It’s Yesterday ein feinfühliges, kluges und gleichzeitig fesselndes Werk, das den Zeitgeist unserer digitalen Gegenwart genau trifft. Wer sowohl eine romantische Geschichte, als auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit Social Media, Identität und digitaler Selbstbestimmung sucht, wird dieses Buch so wie ich lieben.


  17. Cover des Buches Le Chevalier DES Touches (Le Livre de Poche - Classiques) (ISBN: 9782253052661)
    Jules Barbey d'Aurevilly

    Le Chevalier DES Touches (Le Livre de Poche - Classiques)

    (1)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle
    In einem alten Haus trifft sich ein kleine Gruppe verarmter Adliger, inzwischen sind sie alt und klapprig und sie haben die Abenteuer ihrer Jugend selbst fast vergessen. Doch während der großen Revolution haben sie als heldenhafte Chouans gegen die Soldaten der Republik gekämpft und die schier unglaublichsten Taten vollbracht.

    Barbay d'Aureyville zeigt das Spiel zwischen Handeln und Bedenken, Erinnern und Vergessen, Bedenken und Ignorieren und zeigt, dass die Vergangenheit natürlich viel besser war aber dass es noch immer Spuren von ihr zu entdecken gibt.

    ...und welches Glück man hat, wenn einer bleibt, um die Sache zu erzählen.
  18. Cover des Buches Landhäuser (ISBN: 9783421040763)
    Melanie Breuer

    Landhäuser

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
    Entweder werden sie abgerissen oder verschandelt. Ein altes Haus ist eine Herausforderung und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Oft wird ein Umbau als gelungen bezeichnet, doch letztlich hat man dem altehrwürdigen Gebäude die Seele herausgerissen. Dass es auch andere Wege und Möglichkeiten gibt, zeigt "Landhäuser" auf beeindruckende Weise.

    Wer, wie der Rezensent, vor Entscheidungen steht, wie ein altes Gemäuer umzubauen wäre, kommt rasch auf Ideen, die sich ohne die Lektüre und die kongenialen Fotografien wahrscheinlich so nicht ergeben hätten. Es kann beispielsweise überlegt werden, den alten Kuh- und Saustall doch nicht abzureißen und wie Heustadl, alte Werkstatt oder Hühnerställe irgendwie integriert werden können.

    Ein Paradebeispiel mag hier ein restaurierter Bauernhof in Baden Württemberg sein. Das "Stallbad" zeigt auf sehr unkonventionelle Weise, wie ein ehemaliger Kuh- und Ziegenstall in ein Bad mit zwei Waschtischen und einer freistehenden Wanne verwandelt werden kann. Ein Teil des alten Bodens und sogar die originale Futterkrippe für die Heueingabe wurden belassen und in den Umbau integriert. Dieser Kontrast sucht seinesgleichen!

    Schon das Titelbild zeigt, um was es in diesem Buch geht. Moderne Technik: Ja. Altes bewahren: Ebenfalls ja. Weshalb deshalb nicht ein ehemaliges Stalltor belassen, um es als Abtrennung für ein Esszimmer zu nutzen. Auch eine verputzte Stallmauer kann man stehenlassen. Der Traum von einem "modernen Reiterhof in alten Gemäuern" wurde wahr. 

    Traumhaft auch ein "Schweizer Stallhaus", ein modernes Wohnhaus, welches in einen ehemaligen Kuhstall integriert wurde. Das über zweihundert Jahre alte Gebäude präsentiert sich heute äußerlich fast unverändert. Innen jedoch treffen wiederum alte auf neue Materialien. Alte Steinmauern, Holz und Beton harmonieren hier in einer fast selbstverständlichen Harmonie.

    Völlig neue Ansichten ergeben sich auch zum Thema "Schwimmteich und Naturpool" oder "Grasdach und Vertikalgarten". Einen Überblick über historische Baustoffe kann man sich ebenso verschaffen, wie sich über die Verwendung traditioneller Holzschindeln zu informieren. Auch was mit Lehm als Baustoff möglich ist, ist absolut sehenswert.

    Wo sich jedoch der tiefere Sinn verbirgt, Treppen ohne Geländer zu konstruieren, bleibt ein Rätsel. Optischen Erwägungen sollte doch stets der Sicherheitsgedanke vorangehen, und was nutzt das ästhetischste Design, wenn die Stiege, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, zu einer Todesfalle werden könnte. Doch auch hier bietet das Buch Alternativen, die den Treppen "ohne" im optischen Bereich in nichts nachstehen.

    Insgesamt ist "Landhäuser" mehr als eine kreative Fundgrube, denn die einzelnen Bauergebnisse reizen nicht nur zum Nachbauen oder zumindest zum Nachempfinden an, sondern regen die eigene Phantasie an, sensibilisieren den Blick auf das Besondere, das nicht verlorengehen darf, und erweitert die Wahrnehmung. Wie gesagt, man wäre vielleicht gar nicht darauf gekommen, hätte man in diesem Buch nicht die eine oder andere aufregende Entdeckung gemacht.
  19. Cover des Buches Vom Ancien Régime zum Wiener Kongreß (Oldenbourg Grundriß der Geschichte Band 12) (ISBN: 9783486497519)
  20. Cover des Buches Eugenie Grandet (ISBN: 9781145295322)
    Honore De Balzac

    Eugenie Grandet

    (14)
    Aktuelle Rezension von: bineira


    Der Roman erschien 1839 und ist das erste Werk Balzacs, das ich gelesen habe.

    Die Geschichte handelt von Eugénie, der Tochter des Böttchers Grandet. Dieser ist mit Schlitzohrigkeit reich geworden, doch sein Geiz ist unermesslich. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in einem baufälligen Haus in der Kleinstadt Saumur. Die beiden Frauen und die Hausangestellte Nanon hält er wie Leibeigene, teilt Ihnen täglich ihre kargen Essensrationen zu und bestimmt, wann geheizt werden und wer zu Besuch kommen darf. Madame Grandet leidet sehr unter diesem unwürdigen Leben und sehnt ihren Tod herbei, um davon erlöst zu werden. 


    Eugénie, ein naives, frommes Mädchen von 22 Jahren, ist sich des Reichtums ihres Vaters nicht bewusst und hat als einzige Vertraute ihre Mutter. 


    Als ihr wohlhabender Pariser Onkel Grandet sich verspekuliert und Bankrott geht, schickt dieser seinen Sohn Charles zu seinem Bruder nach Saumur und erschießt sich. Eugénie verliebt sich auf der Stelle in ihren Cousin, und auch er scheint von ihr angetan, doch nimmt er aufgrund des ärmlichen Haushalts an, dass sie kein Vermögen zu erwarten hat. 


    Auf Druck des alten Grandet schifft sich sein Neffe nach Ostindien ein, wo er zu Geld kommen und seinem Namen wieder Ehre machen soll.  


    Die beiden jungen Menschen schwören sich Treue, und 

     Eugénie wartet über sieben Jahre auf Charles. Obwohl sie kein Lebenszeichen von ihm erhält, widersteht sie dem Werben angesehener Männer. Als ihre Eltern sterben, wird sie zur Millionärin. Dann kommt Charles als wohlhabender Mann zurück nach Paris...


    Balzac beschreibt die Landschaft ebenso wie die Bekleidung oder die Einrichtung mit Worten, die wie satte Pinselstriche wirken. Die Sprache ist einfach nur schön, was sicher auch an der guten Übersetzung liegt. Obwohl es eine tragische Geschichte ist, blitzt immer wieder Humor durch. Gestört hat mich ein wenig das etwas  überstürzte Ende des Romans. Der Galopp auf den letzten 30 Seiten passt so gar nicht zu dem gemächlichen Tempo der 200 vorhergehenden.


    Das Buch hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Ich werde sicher noch mehr von Balzac lesen.

  21. Cover des Buches Es knarrt im Gebälk (ISBN: 9783929948189)
  22. Cover des Buches Herzklopfen in Hidden Falls (Hudson Sisters-Trilogie 2) (ISBN: B089W8DJVJ)
    Mariah Stewart

    Herzklopfen in Hidden Falls (Hudson Sisters-Trilogie 2)

    (42)
    Aktuelle Rezension von: Nesalia

    das Buch knüpft an den Ersten Band an, doch ich habe diesen erst danach gelesen, sodass man auch ohne Vorwissen den Roman genießen kann. 

    In dem zweiten band geht es um Liebe und die Chance über sich und seine Meinung hinauszuwachsen, sodass man eine sehr schöne Entwicklung der Protagonistin sehen kann. Durch den sehr flüssigen und leichten Schreibstil der Autorin liest man sich sehr schnell ein und kann gar nicht mehr aufhören zu lesen. 

    Das Cover gefällt mir gut, obwohl ich Menschen auf Covern eigentlich nicht mag, doch hier passt es zum Flair des Buches. 

    Sehr empfehlenswert!

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