Bücher mit dem Tag "roadmovie"
78 Bücher
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.961)Aktuelle Rezension von: annalogWahnsinnig witzige Idee, die Umsetzung hat mir sehr gut gefallen. Hier gibt es die Geschichte des 100-jährigen, der vor seiner Geburtstagsparty flüchtet und dabei so allerhand erlebt. Es gibt immer wieder Rückblicke auf sein Leben und auch da hat er Dinge erlebt, die mich kopfschüttelnd zurückgelassen haben.
Mir ist übel aufgestoßen, dass das N-Wort verwendet wurde. Ich hatte hoffentlich noch eine ältere Version und in den neueren ist das hoffentlich überarbeitet? - Wolfgang Herrndorf
Tschick
(2.988)Aktuelle Rezension von: Giulia7Ich musste das Buch für die Schule lesen und….
Nein.Einfach Nein.
Unsere Lehrer haben das Buch total gelobt,unter anderem für seinen besonderen Schreistil.
Nun ja,dieser hat mir überhaupt nicht gefallen.Er soll wahrscheinlich ansprechend für Teenager und andere junge Leute wirken,aber für mich war er eher abstoßend 😭Ich bin während dem Lesen fast eingeschlafen und musste mich wirklich zwingen es zu beenden.
In dem Buch geht es darum,dass Maik und Tschick zusammen mit einem geklauten Auto quer durch Deutschland fahren.Das jedoch ohne Ziel und einen richtigen Plan haben sie auch nicht…
Der Spannungsbogen ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gelungen.Die Protagonisten hatten überhaupt kein Ziel und es hat sich eher so angefühlt als ob sie eine seltsame Person nach der anderen treffen-und das total ohne Zusammenhang 🫡
Die Protagonisten an sich fand ich super unsympathisch.
Maik selbst hat meiner Meinung nach total sexistische und ekelhafte Gedanken.Klar,er kommt aus schlimmen Zuständen aber das entschuldigt gar nichts.
Frauen werden allgemein in dem Buch sehr schlecht dargestellt.Die wenigen,die wir etwas näher kennenlernen stehen in einem sehr schlechten Licht und es gibt viele Kommentare,die ich in einem Jugendbuch einfach nicht lesen will.
Zum einen gibt es Tatjana,Mikes „Schulcrush“.So wirklich einen Charakter hat sie nicht sie wird einfach nur als hübsch betitelt und über ihren Charakter erfahren wir rein.gar.nichts. 😃🤝Dann gibt es noch Mona,die Affäre seines Vaters.Über sie hat Maik sehr…interessante Gedanken 🤧🤧(„Der Pullover war so eng,dass man praktisch alle Details sehen konnte“ (S.70)).Und dann gibt es noch viele andere Frauen,die entweder komplett abgewertet und abgestempelt werden und welche,die einfach komplett asozial sind 🫡
Zitat aus Maik Klingenbergs Gedanken: „Ein Flusspferd brach vor uns durch die Büsche.Irgendwo in Deutschland,direkt an der Autobahn,in der völligen Einöde,brach ein Flusspferd durchs Gebüsch und rannte auf uns zu“ - Also nur zu Info:Das eben betitelte „Flusspferd“ ist eine Frau 🫥🫥(ach ja,Bodyshaming gibt es in dem Buch auch noch 😃👍)
Ich finde es wirklich schlimm,dass so etwas noch in der Schule gelesen wird 💀
Außerdem empfehle das Buch wirklich keinem,außer ihr wollt mal ein richtig schlechtes Buch lesen 🫠.
- Rachel Joyce
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
(1.387)Aktuelle Rezension von: HerzenswegeDie Handlung beginnt sanft und ohne besondere Spannung, schafft es aber einem rasch in ihren Bann zu ziehen. Harold läuft einfach los quer durch England, um ? Wegzulaufen - oder eine Kranke zu retten? Oder? Die Autorin führt den Leser, die Leserin wunderbar sensibel in die Innenwelten der Hauptpersonen Harold und Maureen und lässt uns miterleben wie Harold während seiner Reise seine eigene Geschichte und sein Leben reflektiert und sich entscheidende Fragen zum Leben stellt. Die täglichen Herausforderungen eines Lebens alleine auf der Straße, die Kontakte zu anderen Menschen und die Naturerlebnisse vermitteln eine ganz besondere Atmosphäre welche den Leser, die Leserin Harolds Gefühle, Tragik, Hilflosigkeit aber auch Mut, neue Hoffnung sowie Freude und Liebe miterleben lassen.
Mich hat das buch beeindruckt und berührt - 5 Sterne
- Sebastian Fitzek
Der erste letzte Tag
(631)Aktuelle Rezension von: Pilzi90Mit „Der erste letzte Tag“ zeigt Sebastian Fitzek eine ungewohnt humorvolle Seite. Besonders begeistert haben mich die witzigen Dialoge und die Figur Livius, die mich mehr als einmal laut lachen ließ.
Hinter der unterhaltsamen Geschichte steckt zugleich eine schöne, nachdenkliche Botschaft: Am Ende stellt sich die Frage, wer im Leben wirklich privilegiert ist. Das macht das Buch besonders wertvoll.
Auch wenn man sich ein klassisches Happy End wünscht, bleibt es – wie im echten Leben – nicht ganz so einfach. Genau das verleiht der Geschichte für mich eine große Nähe und Authentizität.
Ein humorvoller und zugleich berührender Roman, der lange im Kopf bleibt.
- Stephen King
Billy Summers
(233)Aktuelle Rezension von: Vivien_tsDer ehemalige Marine Billy arbeitet als Auftragskiller. auf ihn wartet sein letzter Auftrag, bevor er sich in den Ruhestand begeben will. Doch leider läuft nicht alles wie geplant.
Dieses Buch war mal wieder ein typischer King. Er ist wortwörtlich der König im Beschreiben von Welten und Charakteren, sodass diese zum Leben erwachen. Dies hat auch in diesem Buch sehr gut geklappt. Jedoch hat mir bei den ganzen Beschreibungen leider ein bisschen die Spannung gefehlt.
Die Bücher, die ich zuvor von Stephen King gelesen habe, waren eher alt, weswegen es schön war zu sehen, dass er auch über die heutige Welt schreiben kann. Dieses Moderne hat mir auch um einiges besser gefallen. Was jedoch im Gegenzug dann nicht so meins war, waren die sehr detaillierten Beschreibungen aus Billys Zeit bei der Marine. Für mich hat die Geschichte leider erst mit dem Auftauchen von Alice so richtig Fahrt aufgenommen und selbst dann war alles seeeehr langsam.Das Ende hat mir wiederum gut gefallen.
Alles in allem war es ein okayes Buch. Nach den zuvor gelesenen Rezensionen, die das Buch alle als “besonders spannend” und einige Szenen als “gruselig” beschrieben haben, war ich etwas enttäuscht, doch die Charaktere aus diesem Buch werde ich ganz sicher nicht vergessen. - Benedict Wells
Becks letzter Sommer
(461)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannEs ist eine Binse und dennoch bestimmt diese unser Leben: Letztlich sind es die Zufälle und die daraus entstehenden Möglichkeiten, die unser weiteres Leben bestimmen. Man kann noch so ein begnadeter Künstler sein, wenn dieses Talent nicht entdeckt und gefördert wird, versandet es im Ungefähren. Diese Zusammenhänge werden in diesem Roman auf eine interessante und gleichwohl in Teilen traurig stimmende Weise dargestellt. Wie sich schlussendlich doch alles fügt, da Erfahrenes, Erlebtes eben nicht spurlos an einem vorüberzieht und immer wieder neue Chancen entstehen sind die tröstenden Gewissheiten, die durch dieses Buch gespeist werden – auch wenn es gilt Träume mit der Realität zu konfrontieren und Abschiede in ihrer Konsequenz oft brutal und schmerzhaft sind. Schlussendlich sind es die Erinnerungen, die darüber entscheiden, ob man sein Leben nicht verschwendet hat: „‘[…] Wenn ich alt bin, werde ich mir davon [Erinnerungen] leider nichts kaufen können. Jedenfalls nichts, was mich noch glücklich machen könnte, wenn ich – mal pathetisch gesagt – im Rollstuhl sitze oder im Bett liege. Das Einzige, was ich dann noch habe, sind meine Erinnerungen. Und, tut mir leid, aber wenn ich tatsächlich irgendwann mal meinen Enkeln von meinem Leben erzählen sollte, dann will ich nicht die Geschichte eines Mannes erzählen, der nur deshalb Lehrer gewesen ist, weil es halt so bequem und sicher für ihn war.‘“
Keine Bange, so getragen geht es in diesem Roman nicht nur zu. Es sind auch zahlreiche spaßige Elemente darunter, die in Verbindung mit den Fragen an das Leben dieses Buch zu einem besonderen Buch machen: es unterhält, ohne banal zu sein. Dafür sind die zentralen Punkte zu sehr am Leben orientiert: Es geht ums Altern, um den Sinn des Lebens, um Ziele und Träume, um Chancen und Entscheidungen – und darum, an diesen Fragen nicht zu scheitern. Dies alles wird in eine Geschichte gebettet, die zwei große Themen miteinander verbinden: Musik und Liebe. Und was in diesem Zusammenhang passieren kann, wird hier an menschlichen Beziehungen dargestellt, die es in sich haben: ein Lehrer, der lieber Musiker geworden wäre, ein Farbiger, der an seinen Gefühlen (ver)zweifelt, ein Heranwachsender, der die Musik im Blut hat, aber der Liebe hinterherläuft – und eine Fahrt durch den halben Kontinent, in der diese verschiedenen Charaktere mit ihren unterschiedlichen Befindlichkeiten enger zueinanderfinden und doch auch immer wieder auseinandergerissen werden.
Aus diesem Wechselspiel der Gefühle ergibt sich ein stimmiges Bild aus Lebensentwürfen, die an ihren jeweiligen Realitäten gemessen werden. Dies geschieht in stimmungsvollen Episoden und zahlreichen Repliken auf die Musikszene. Und wie hier Musik beschrieben und hörbar gemacht wird, ohne sie hören zu können, gehört mit zum Besten, was ich je gelesen habe. Und wie hier der Autor quasi eine Statistenrolle übernimmt und zum Gesprächspartner (in zeitlicher Distanz) wird, ist sowohl in ihrer Anlage als auch Ausführung brillant.
(21.3.2025)
- Benedict Wells
Fast genial
(468)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannNicht nur Roadtrip quer durch die USA bis nach Mexiko hinüber, sondern auch ein Trip durch das Seelenleben eines Heranwachsenden, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seinen leiblichen Vater kennenzulernen – verbunden mit der Chance, dass sich hierdurch sein Leben grundsätzlich ändern könnte. Denn dieses scheint bereits in jungen Jahren (kaum 18 Jahre alt) eine desaströse Richtung eingenommen zu haben. Die Mutter krank, der Schulabschluss gefährdet, die Zukunft mehr als ungewiss. Ein Ereignis bietet die notwendige Sprengkraft, um dem eigenen Leben eine bessere Zukunft zu geben. Es trifft sich gut, dass er dabei auf seinen besten Freund, ein wenig schräg, dafür hoch begabt und mit wohlhabenden Eltern gesegnet, sowie eine erst kürzlich kennengelernte junge Frau, mit einer ebenfalls nicht einfachen Geschichte, diese waghalsige Reise unternehmen kann.
Das klingt erst einmal nach einem gewöhnlichen Roman, in denen ein paar Dinge passieren, die so oder so ausgehen können, bei dem aber schlussendlich ein gutes Ende vorprogrammiert ist. Beim Lesen dieses Romans wünscht man sich sogar gelegentlich, dass diese Geschichte gut ausgehen möge, denn zu sehr wachsen einen die Romanfiguren „ans Herz“. Im besten oder schönsten Fall fühlt man sich an eigene Entwicklungen und Ereignisse erinnert, schaut zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch zig Möglichkeiten bereithielt, wenn man nur den Mut hatte (gehabt hätte), sich dieser Möglichkeiten zu bedienen. An Mut fehlt es den Dreien nicht. Aber da ihre (kurzen) Lebensgeschichten alle mit einem gewissen Handicap verbunden sind, oder gleich mit mehreren, wie bei der Hauptfigur des Romans.
Allerdings gibt es Episoden oder Räume, in denen die Unterschiede aufgehoben scheinen. Sei es in einer Psychiatrie, in der die Mutter von Francis mit einer schizoaffektiven bipolaren Störung liegt, einer Parallelwelt in der die Unterschiede, welcher Art auch immer verschwinden; die Krankheit bestimmt das Leben. Oder sei es an einem Spieltisch in Las Vegas an dem die Kugel rollt und ein Ziel ansteuert, unbeeinflusst von Macht oder Ohnmacht, Reichtum oder Armut der einzelnen Mitspieler. Zum Schluss dieses Buches entscheidet sich die Zukunft von Francis tatsächlich an einem Spieltisch – und wird hier geradezu grandios wiedergegeben. Das ist Spannung pur – aber auch Leiden pur …
Denn wann setzt man alles auf eine Karte? Genau, wenn man verliebt ist. Und diese Liebe zeigt sich hier in den unterschiedlichsten Facetten. Es ist ein Buch, das tief berührt …
- Elena Fischer
Paradise Garden
(339)Aktuelle Rezension von: gosureviews„Paradise Garden" ist das diesjährige Buch der Aktion „Koblenz liest ein Buch", die vom 5. Mai bis zum 25. Juni stattfindet, und die Wahl hätte passender kaum ausfallen können.
Debütromane haben eine eigentümliche Unverfrorenheit. Sie wissen noch nicht, dass man bestimmte Dinge nicht tun darf: zu viel fühlen, zu direkt auf die großen Wunden zeigen, zu offen lieben. Elena Fischer hat dieses Unwissen produktiv gemacht. „Paradise Garden" ist ein Coming-of-Age-Roman, der sich um literarische Konventionen herzlich wenig schert und genau deshalb funktioniert.
Billie ist vierzehn, lebt mit ihrer Mutter Marika in einer Hochhaussiedlung, und die Welt dieser beiden ist klein, aber vollständig. Marika schleppt zwei Jobs, und trotzdem, oder gerade deshalb, hat diese Mini-Familie eine Lebendigkeit, die sich gegen jeden Mangel behauptet. Liegestühle auf dem Laubengang statt Sommerurlaub. Der „Paradise Garden", der größte Eisbecher im Café Venezia, als Luxus. Es ist diese Fähigkeit der Autorin, Armut nicht als Kulisse des Elends zu inszenieren, sondern als Raum echter menschlicher Wärme, die den Roman von Beginn an trägt. Dann stirbt die Mutter. Und Billie, allein und wütend, schnappt sich das Auto und fährt zur Nordsee, auf der Spur eines Vaters, den sie nie kannte.
Der Roadtrip, der daraus entsteht, erinnert unweigerlich an Herrndorfs „Tschick", und Fischer ist klug genug, diesem Vergleich nicht auszuweichen, sondern ihn mit eigenen Mitteln zu bestehen. Wo Herrndorf in die Abgründe stürzte, wählt Fischer das Streiflicht. Ihre Figuren bleiben nicht im Schmerz stecken; sie bewegen sich durch ihn hindurch. Das ist keine Schwäche, sondern eine Entscheidung, eine, die man diskutieren kann. Denn gelegentlich wünscht man sich, die Autorin würde die Dunkelheit, die sie so präzise aufmacht, auch wirklich betreten, statt ihr mit einem glitzernden Stern zu begegnen. Die psychologische Tiefe, die der Plot andeutet, wird nicht immer ausgeschöpft. Manche Fügungen sind zu glatt, manche Begegnungen auf Billies Weg zu gütig, um ganz glaubhaft zu sein.
Und doch: Was Fischer am besten kann, überwiegt. Ihre Charaktere sind unvergesslich. Nicht wegen dramatischer Überzeichnung, sondern wegen der kleinen, präzisen Details, mit denen sie sie zeichnet. Ein Anrufbeantworter. Ein zerrissenes Foto. Ein Kassenzettel als Wegweiser. Die Sprache ist kurz, temporeich, treffsicher und trägt bisweilen Sätze, die man nicht so schnell wieder loswird. „Mein Leben war in zwei Teile zerfallen. In ein Davor und in ein Danach. Davor war meine Mutter die Antwort, danach war sie die Frage." Das ist kein Zufallstreffer; das ist Haltung.
„Paradise Garden" ist kein makelloses Buch. Aber es ist eines, das man nicht kalt lässt, und das ist im Literaturbetrieb die seltenere Leistung. Elena Fischer hat mit ihrem Debüt eine Stimme etabliert, der man gerne zuhört, auch wenn man ihr gelegentlich zurufen möchte, sie möge sich ruhig mehr zutrauen. Der nächste Roman wird zeigen, ob sie das hört. Man darf gespannt sein.
- Bodo Kirchhoff
Widerfahrnis
(96)Aktuelle Rezension von: gstReither hat sich auf seinen Altersruhesitz im Weißbachtal zurückgezogen. Seinen Verlag hat er verkauft, weil er feststellte, „dass es allmählich mehr Schreibende als Lesende gab“ (Seite 10). Noch hat er sich alte Gewohnheiten erhalten: er liebt nach wie vor Bücher, überlegt bei jedem Satz, ob er druckreif ist und spricht dem Rotwein zu. Als er ein Büchlein aus der hauseigenen Bibliothek mitnimmt, wird er von Leonie Palm, der Leiterin des Lesekreises, beobachtet. Da sie es geschrieben hat, wüsste sie gerne sein Urteil. Deshalb besucht sie ihn abends, um für den nächsten Tag einen Termin zu vereinbaren. Doch es kommt anders als gedacht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Gespräch, das sie noch in der Nacht zu einem Ausflug an den Achensee aufbrechen lässt. Der erhoffte Sonnenaufgang ist noch weit und zum Warten darauf ist es zu kalt, also geht die Fahrt weiter. Die beiden kommen sich zögernd näher und das späte Glück scheint zum Greifen nah zu sein.
Ich habe die beiden gerne auf ihrer Reise über den Brenner und durch Italien begleitet. Ich spürte richtig, wie es nach und nach wärmer wurde und die kalten Tage im Gebirge in den Hintergrund rückten. Die im Alter der Protagonisten ungewohnte Spontanität lud mich zum Träumen ein. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches häuften sich die Überraschungen und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Fazit: Kirchhoff ist ein begnadeter Erzähler.
- Andreas Brandhorst
Das Erwachen
(68)Aktuelle Rezension von: eumel8DIeses Buch habe ich gelesen, nachdem ich "Die Eskalation" gelesen habe und feststellte, dass es die Fortsetzung von diesem Buch hier ist. Man sollte es sinnigerweise andersrum lesen, macht aber ansonsten nichts, weil beide Bände abgeschlossene Handlungen sind. Die Personen sind natürlich gleich.
Dann muss man noch sagen, dass dieses Buch 2017 erschienen ist. Also wurde es 2016 vielleicht geschrieben und das ist jetzt schon 9 Jahre her. Künstliche Intelligenz ist ins tägliche Leben eingezogen. Ob ChatGPT oder Rasenroboter, die Maschinen erleichtern uns die tägliche Arbeit.
So fängt auch die Geschichte hier an. Es ähnelt so bisschen aus der Geschichte des Internets. Einst vom Militär geschaffen, ist es nun kommerzialisiert und für alle da. Auch die Steuerung der Infrastruktur geschieht über Internet und wird durch Computer überwacht. Aber wer überwacht die Computer bei zunehmender Automatisierung? Im Buch ist das die NSA, die weltweit alle Informationen sammelt und auswertet und auch ein Arsenal an Cyberwaffen entwickelt hat, die den nächsten Weltkrieg gewinnen sollen. Der unbedarfte Hacker Axel Krohn erlangt Zugang zu diesen Cyberwaffen und schon ist der Teufel los. Die KI übernimmt alle Computer der Welt, die NSA will Krohn abmurksen, um ihre Spielzeuge wieder zu bekommen. Aber es ist zu spät. Auch sein Vater kann ihn nicht mehr retten.
Eine atemlose Hetzjagd beginnt, um von Hamburg nach Rom zu kommen, wo die KI ihr Denkzentrum hat. Dort sitzen weitere Interessengruppen: Sonderbotschafter der UN, Think Tanks, aufstrebende ahnungslose Politiker. Das Ende ist zugleich der Neuanfang. Und das liest man im nächsten Buch weiter.
- Karin Slaughter
Ein Teil von ihr
(262)Aktuelle Rezension von: Ay73Karin Slaughter hat mit "Ein Teil von ihr" einen Thriller geschrieben, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Geschichte beginnt damit, dass Andrea Cooper in einem Diner einen brutalen Überfall erlebt und den Angreifer in Notwehr tötet. Soweit nichts Ungewöhnliches – doch dann verhält sich ihre Mutter Laura plötzlich äußerst merkwürdig. Andrea beginnt zu ahnen, dass ihre Familie Geheimnisse birgt, die tief in eine gewalttätige Vergangenheit reichen.
Slaughter verwebt geschickt zwei Zeitebenen: Andreas Gegenwart und Lauras Leben in den 1980er Jahren. Stück für Stück fügt sich ein Puzzle zusammen, das einem den Atem raubt. Die Enthüllungen sind perfekt getimed, jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der einen nachts wach hält.
Was das Buch besonders macht, sind die Frauenfiguren. Andrea ist keine typische Action-Heldin, sondern eine normale Frau, die plötzlich ihre ganze Identität hinterfragen muss. Noch beeindruckender ist Laura – eine Mutter mit einer Vergangenheit, die sie um jeden Preis verbergen will. Die komplizierte Beziehung zwischen den beiden, diese Mischung aus Liebe, Misstrauen und schmerzhafter Entfremdung, hat mich wirklich berührt.
Slaughter schreibt allerdings nicht zimperlich. Gewalt wird explizit dargestellt, und auch die psychische Belastung ist beim Lesen körperlich spürbar. Das ist definitiv nichts für zwischendurch. Die Autorin webt wichtige Themen wie häusliche Gewalt und die Frage ein, wie weit man für den Schutz seiner Kinder gehen würde – ohne dabei belehrend zu werden.
Es ist eine Geschichte über Identität, Mutterschaft und die Gewalt, die Generationen prägt. Für Fans psychologisch dichter, intensiver Thriller ein absolutes Muss. Wer leichte Unterhaltung sucht, sollte allerdings zu etwas anderem greifen.
- Daniel Speck
Yoga Town
(83)Aktuelle Rezension von: estherDaniel Speck nimmt uns mit in die Zeit Ende der 60er. Ein Hippie-Trail führt zwei Brüder und zwei Frauen in einen Ashram nach Indien, wo sich zeitgleich die Beatles bei ihrem Guru Maharishi aufhalten und die Songs des Weißen Albums kombinieren.
Die 4 Freunde haben eine unvergessene Zeit, aber nur zwei von ihnen kehren von dem Roadtrip zurück nach Deutschland...
Daniel Speck schafft es, historische Ereignisse spielerisch mit fiktiven Erzählungen zu verschmelzen und man hat den Eindruck, man ist mittendrin. Zumindest ging es mir so. Eine wunderbare Reise nach Indien, bei der es niemals langweilig wird und man zum weiterlesen getrieben wird, um dem dunklem Geheimnis der Freunde auf die Spur zu zu kommen.
- Ronja von Rönne
Ende in Sicht
(130)Aktuelle Rezension von: franzi__Franzi_Der Roman hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Schon nach kurzer Zeit gelingt es der Autorin, die Leserinnen und Leser in die Lebenswelt der beiden Hauptprotagonistinnen hineinzuziehen. Beide befinden sich an einem Punkt, an dem sie das Leben beenden möchten – eine Ausgangssituation, die zunächst düster wirkt, aber zugleich sehr fesselnd erzählt ist.
Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet, sodass man schnell eine klare Vorstellung von ihnen bekommt. Besonders eindrucksvoll ist die Gedankenwelt von Juli, einer 16-jährigen Jugendlichen, die unter Panikattacken und Depressionen leidet. Ihre Situation wird sehr nachvollziehbar dargestellt. Ihre Mutter hat sie und ihren Vater ohne erklärbaren Grund verlassen, als Juli noch ein Kleinkind war. Ihr Vater hingegen versucht alles, um seiner Tochter trotz allem ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. Als Leserin oder Leser beginnt man schnell, Juli als eine Art Schutzbefohlene zu sehen und hofft, dass sich am Ende alles zum Guten wendet.
Auch Nora, die keinen Sinn mehr im Leben sieht und nicht mehr weiterleben möchte, wird so dargestellt, dass ihre Gefühle zumindest teilweise nachvollziehbar werden. Gerade dieses Mitfühlen mit beiden Figuren macht das Buch besonders packend – man begleitet sie gedanklich auf ihrer Reise und erlebt ihre Emotionen sehr intensiv mit.
Der Schreibstil von Ronja von Rönne ist angenehm zu lesen, einfühlsam und zugleich fesselnd. Die Autorin schafft es, schwere Themen sensibel darzustellen, ohne dass der Text schwerfällig wirkt.
Für mich ist es ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Es zeigt, dass das Leben manchmal sehr schwer sein kann und man das Gefühl hat, keine Kraft mehr zu haben. Gleichzeitig macht es aber auch deutlich, dass es im Leben immer wieder einen Berg zu überwinden gibt.
- Nina George
Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
(135)Aktuelle Rezension von: PunktundKommaDer Roman ist die vielfach gefeierte Fortsetzung des Bestseller-Romans »Das Lavendelzimmer«, den ich bereits vor einiger Zeit auf meinem Buchblog besprochen habe. Das Bücherschiff und sein buchverliebter Kapitän mussten aus den dort genannten Gründen zunächst auf die nächste große Fahrt warten. Doch jetzt wurde der Anker gelichtet … ️
Worum es geht: Jean Perdu lebt nun einige Jahre zusammen mit der Bildhauerin Catherine in der Provence, umgeben von seinen lieben Freunden und Verwandten. Das Bücherschiff hat er seinem Freund Cuneo überlassen, der daraus ein schwimmendes Bistro gemacht hat.
So richtig angekommen scheint Perdu jedoch nicht zu sein, was spätestens dann offensichtlich wird, als ihn der Brief des Schriftstellers Saramago mit dessen letztem Willen erreicht. Wie in »Das Lavendelzimmer« sträubt sich Perdu, den Brief ohne Weiteres zu öffnen. Seine Freunde überreden ihn schließlich dazu, noch einmal die Reise mit dem Bücherschiff anzutreten, dieses Mal hinauf nach Norden, nach Paris, um endlich die Rastlosigkeit und Unruhe zu überwinden.
Was mir gefallen hat: das französische Flair, emotionale Momente und die literarischen Liebeserklärungen sowie weiterhin die Idee zum schwimmenden Buchladen auf Reisen.
Was mir gefehlt hat: echte Überraschungen. Die Handlung bleibt vorhersehbar, Figuren wirken oft zu glatt, Konflikte verlaufen allzu sanft. Wer Tiefgang sucht, könnte enttäuscht werden.
Fazit: Für alle, die dem Alltag entfliehen wollen und sich nach literarischer Leichtigkeit sehnen – mit ein paar Längen, aber viel Atmosphäre. Eben ein Roman für Fans von Wohlfühllektüre mit Romantik und einer Prise Lebensphilosophie.
Mehr zu meinem Leseempfinden und warum für mich das Buch eben kein literarisches Highlight ist, liest man hier: https://www.buchleserin.de/2025/09/26/das-buecherschiff-des-monsieur-perdu/ 📚
- Anne Buist
Zum Glück gibt es Umwege
(48)Aktuelle Rezension von: Sandra8811Warum habe ich mich für das Buch entschieden?
Ich habe das Buch jetzt seit 5 Jahren auf meinem SUB und nun möchte ich es endlich lesen.Cover:
Das Cover finde ich sehr schön. Man erkennt direkt, dass es sich um einen Jakobsweg-Roman handelt.Inhalt:
Als Zoe’s Leben sich verändert, flüchtet sie aus Kalifornien zu ihrer Freundin Camille nach Frankreich. Dort beschließt sie spontan, sich auf den Jakobsweg zu begeben um zu sich selbst zu finden. Auch Martin aus England begibt sich auf den Jakobsweg, allerdings um seinen entwickelten Wanderkarren für Wanderer mit Rückenproblemen einem Extremtest zu unterziehen. Beide begegnen sich immer wieder, begleitet von anderen schrägen Reisegefährten.Handlung und Thematik:
Eine wirklich schöne Geschichte über den Jakobsweg und zwei seiner Bezwinger. Da Graeme Simsion und seine Frau Anne Buist tatsächlich den Weg gegangen sind, fühlt es sich an wie eine wahre Geschichte. Von Selbstzweifel über Sinnessuche bis hin zum Zu-Sich-Selbst-Finden erleben wir alles mit. Einfache Fragen wie „Wo kann ich schlafen“ oder „Wo bekomme ich etwas zu Essen“ gehören dort zum Alltag und wurden gut integriert. Alles in allem eine runde Handlung, die sich realistisch anfühlt.Charaktere:
Erleben dürfen wir die Abenteuer auf dem Jakobsweg abwechselnd durch die Ich-Perspektive von Zoe und von Martin. Beide haben ihre eigenen Gründe, warum sie den Jakobsweg gehen. Schnell müssen sie feststellen, dass es auf dem Weg die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Beweggründen gibt. Alle gehen ihn unterschiedlich und jeder geht ihn in seinem eigenen Tempo. Geschlecht und Herkunft spielen keine Rolle. Alle Charaktere sind wirklich sehr liebevoll gestaltet worden und wirken authentisch.Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin konnte mich ab der ersten Seite mitreißen und lies mich nicht mehr los. Ursprünglich hatte ich befürchtet, dass es plätschert, aber dies hat sich nicht bewahrheitet. Es war einfach schön die Charaktere auf ihrer Reise zu begleiten und die ein oder andere Lebensweisheit mitzunehmen. Die bildlichen Beschreibungen führten dazu, dass man sich alles gut vorstellen konnte. Die Handlung war in sich rund und das Ende hat mir auch gefallen, wenn es auch anders war als erwartet.Persönliche Gesamtbewertung:
Ein wirklich wundervolles Buch über den Jakobsweg. Von mir gibt’s eine Leseempfehlung eigentlich für alle, auch Nicht-Wander-Fans. - Elyseo da Silva
Mosaik der verlorenen Zeit
(14)Aktuelle Rezension von: YannDas Mosaik der verlorenen Zeit ist schwierig kurz zusammen zu fassen, da es um völlig verschiedene - jedoch verwobene! - Handlungsstränge von Figuren geht. Insofern fühlte auch ich mich wie manch andere an "Cloud Atlas" erinnert und wenn es auch nicht ganz so allumfassend ein Portrait der Menschheit zeichnet wie jenes Buch, erzählt es doch eine mitreißende und tragische Geschichte bezüglich eines Landes, das ich literarisch vorher noch gar nicht erkundet hatte. Natürlich sind die anderen Handlungsstränge mit den europäischen Figuren auch lesenswert.
Insgesamt ist das Mosaik stilsicher geschrieben und angenehm zu lesen.
5/5 Sterne gibt es daher von mir!
- Edgar Rai
Nächsten Sommer
(190)Aktuelle Rezension von: riraraffi3 bis 6 Freunde – es ist eine flexible Konstellation, wie das Leben selbst – brechen zu einem Roadtrip auf, der von Anfang an mehr ist als nur ein Sommerabenteuer. Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Marc, Felix, Bernhard und Zoé – ein Gefüge voller Dynamik, Reibung und Zusammenhalt. Doch Felix spürt früh: So wie es ist, bleibt es nicht.
Ein geerbtes Haus in Südfrankreich, ein verstorbener Onkel, der ihm mehr Vater war als sein eigener – das alles wird zum Katalysator. Die Reise beginnt mit einer holprigen Busfahrt und führt zu neuen Begegnungen, zu Erkenntnissen über das Leben, die Liebe und das, was Freundschaft wirklich bedeutet.
Erzählt wird die Geschichte aus Felix’ Perspektive – als Ich-Erzähler mit überraschend viel Einblick in die Innenwelten der anderen. Fast auktorial, erlaubt der Blick auch Zugang zu Marcs Freiheitsdrang , Zoes Sicherheitsbedürfnis und Bernhards heimlichen Ängsten. So entfaltet sich ein vielstimmiges Bild.
Ein Sommer wie ein Aufbruch. Laut, leicht, intensiv. Und das Gefühl: Das Leben lässt sich nicht auf den nächsten Sommer verschieben.
- David Whitehouse
Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek
(152)Aktuelle Rezension von: DoraLupin..."Es gibt nicht nur den Teil den du liest. Sie fangen schon vorher an. Und sie gehen danach weiter [...]Du nimmst nur für ein paar Seiten daran Teil, für die Dauer eines winzigen, aus der Zeit geschnittenen Fensters "
(aus dem Buch S.138)
Ein herzerwärmendes Buch aber ganz anders als ich es mir dachte. Als ich das Cover sah und den Klappentext gelesen habe dachte ich, dies ist ein nettes Buch mit viel britischem Humor, das man eben im Urlaub weg lesen kann. Dieses Buch ist aber viel tiefgründiger.
Es geht um Bobby dessen Freund eines Tages umzieht und er keine anderen Freunde hat. Da begegnet ihm das Mächen Rosa und ihre Mutter Val. Gemeinsam machen Sie sich auf die Reise mit einem Bücherbus.
Was sich so locker anhört ist aber eigentlich bedrückend. Bobbys Vater misshandelt Bobby und kümmert sich sonst nicht, Rosa ist geistig eingeschränkt (es wird nie erzählt was genau aber vermutlich Trisomie 21) und alle haben im Buch ihre ganz eigenen Probleme. Später kommt noch der Outlaw Joe hinzu der selbst einiges aus der Vergangenheit mit sich herum trägt.
Sehr liebenswerte Charaktere die zeigen wie viel die Kraft und Liebe einer Familie und Freunden vermag.
Einiges ist etwas überspitzt erzählt aber nie vorbei an der Realität.
Ein tolles Buch dem ich 4.5 Sterne gebe, da der mittelteil kurzfristig etwas zäh war. - Sven Regener
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
(89)Aktuelle Rezension von: FortiDas Buch über Karl Schmidt, die tragische Nebenfigur in Sven Regeners "Herr Lehmann", die wohl am stärksten in Erinnerung blieb. Es sind fünf Jahre nach "Herr Lehmann", nach dem Mauerfall, nach Karls psychischem Zusammenbruch vergangen. Karl lebt jetzt in Hamburg und hat sich mit seinem Leben zwischen Drogen-WG und Hilfshausmeister- und Hilfstierpflegerjob in einem Kinderheim arrangiert. Aus dieser ruhigen Welt, in der es schon rebellisch ist heimlich einen Eisbecher zu essen und in der ihm niemand allzu viel zutraut, wird er von seinem alten Freunden aus Berliner Zeiten Ferdi und Raimund gerissen, die ihn als Fahrer für eine Tour durch Techno-Clubs engagieren. Karl wird (wieder) zu Charlie und zum Tourmanager. Ohne viel Aufhebens übernimmt die neue Rolle und managet souverän den Kindergarten bestehend aus neun DJs unter Drogeneinfluss und zwei Meerschweinchen, mit dem er quer durch Deutschland unterwegs ist. Statt dass jemand auf ihn, den Verrückten, den Ex-Multitoxer, aufpasst, passt er nun auf andere auf. Erinnerungen an alte Zeiten werden wach und im Hintergrund lauert immer die Angst vor einem Rückfall.
Die Handlung ist überschaubar und ohne große Überraschungen, stattdessen viele absurde Gespräche und Einblicke in Karl Schmidts Gedanken. Das könnte öde sein, ist bei Sven Regener sehr kurzweilig und oft sehr witzig. Dabei trifft er genau das richtige Maß und den richtigen Ton zwischen dem (Wahn-)Witz dieser Tour und den persönlichen, nicht ganz einfachen Befindlichkeiten von Karl Schmidt. - S. Sagenroth
A. S. Tory
(40)Aktuelle Rezension von: Jeanette_LubeDieses Buch erschien 2020 und beinhaltet 266 Seiten.
„Eine Reise ins Ungewisse, eine Vinylsingle aus den siebziger Jahren und eine tragische Familiengeschichte.“
Sid ist fünfzehn und öffnet zu Beginn seiner Herbstferien eine E-Mail mit unbekanntem Absender. Er ahnt nicht, was auf ihn zukommt, lässt sich aber auf die Einladung des geheimnisvollen Mr. Tory ein. Es führt ihn von London quer durch Europa bis nach Marokko. Mit dem Mädchen Chiara begibt er sich gemeinsam auf die Suche nach einer vergriffenen Schallplatte und drei Brüdern. Zunächst beginnt alles mit Neugier und Abenteuerlust, dann nimmt es jedoch nach und nach eine gefährliche Wendung. Hier handelt es sich um einen spannenden Roadtrip, nicht nur für Jugendliche.
Ich kenne bereits fast alle Bücher der Autorin S. Sagenroth und nun wollte ich auch unbedingt den ersten Teil des Roadtrips von Sid lesen, denn Teil 3 und 4 kenne ich bereits und diese haben mir bereits super gefallen. Wie toll ist das denn, wenn man fünfzehn ist und solch eine Einladung bekommt? Ich hätte diese auch auf jeden Fall angenommen. Sid erlebt ein Abenteuer der besonderen Art. Warum hat Mr. Tory ausgerechnet Sid ausgesucht und warum soll er eine vergriffene Schallplatte suchen? Chiara ist dabei eine tolle Begleiterin und gemeinsam mit ihr macht es doppelt Spaß, denn schon vom äußeren Erscheinungsbild ist sie angenehm und ihre Art fasziniert Sid und auch mich. Es handelt sich hier um eine spannende, fesselnde, aufregende und packende Geschichte und ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Sid ist ganz schön mutig und schreckt gemeinsam mit Chiara vor fast nichts zurück. Die beiden sehen sich einer Gefahr gegenüber, mit der keiner rechnen konnte. Ich hatte das Gefühl, selbst an diesem Abenteuer teilzunehmen aufgrund des tollen Schreibstils der Autorin. Sid hätte sicher am Anfang des Roadtrips nicht damit gerechnet, was hier alles passieren wird. Lest selbst! Dies ist super für Jugendliche, aber auch Erwachsenen kann dieses Buch ein tolles Leseerlebnis bieten. Mich konnte die Autorin S. Sagenroth auf jeden Fall mit dieser Geschichte begeistern, faszinieren und komplett überzeugen, einfach klasse!!! Auf jeden Fall ein Lesehighlight!
- Renée Karthee
Fliegen lernen
(26)Aktuelle Rezension von: ValabeManchmal wartet das Glück vor der Tür. Man muss es nur hereinlassen. Mit diesen Worten auf der Buchrückseite beginnt die Geschichte von Gerit und Sonja aus der Feder von Renée Karthee.
Gerit ist Mitte 40, eine angesehene Familienrichterin, Vegetarierin, sportlich und allein. Aber nicht einsam, so ihr Glaube. Sonja hingegen ist Mitte 30, lebt auf der Straße und sammelt Plastikflaschen um ein Paar Euro am Tag zu verdienen. Nun mag man denken, so unterschiedliche Frauen haben nichts gemeinsam… Doch es ist nicht etwa eine Charaktereigenschaft, die beide verbindet, sondern ein Frauenheld namens Simon Pinter, seines Zeichens ein erfolgreicher Filmemacher. Natürlich wissen beide nichts voneinander, zumal ihre jeweilige Beziehung zu besagtem Frauenheld mittlerweile schon in die Brüche gegangen ist. So treffen beide das erste Mal auf einander, als Gerit über den Schlafsack von Sonja fällt, die sich im warmen Flur von Gerits Haus zusammengerollt hat um der Kälte des Winters zu trotzen. Dass dieses Treffen kein Zufall ist, erfährt Gerit erst später. Ebenso, dass Sonja eine der Geliebten von Simon und sie auch schon früher ein Teil ihres Lebens war, wenn auch unter einem anderen Namen. Die beiden ungleichen Frauen beschließen nach Frankreich zu fahren. Jede aber unter einem anderen Vorsatz, was natürlich wieder zu Konflikten zwischen beiden führt. Und am Ende treffen sie sogar Simon wieder, wenn auch anders als erwartet.
Eine kleine aber nicht unwesentliche Rolle spielen in dem Buch auch Gerits Freundin Katja König und der Fotograf André Anson, den Gerit mehr oder minder von Katja auf den Hals gehetzt bekommt. Das André mal eine größere Rolle in ihrem Leben spielen wird, wagt Gerit nicht mal zu glauben, so sehr missfällt ihr dieser Typ.
Mit „Fliegen lernen“ erzählt Renée Karthee eine nette und einfühlsame Geschichte über zwei Frauen, die im Leben einige harte Lektionen lernen mussten, wenngleich sie davon auch unterschiedlich aus der Bahn geworfen wurden. Der Leser liest sich in eine Geschichte rein, in der einem Bewusst wird, wie schnell und oft man sich in sich selber verschließt, wenn man einmal eine unangenehme Situation erlebt hat, und wie schwer es sein kann da wieder heraus zu kommen. Die Geschichte ist nicht wahnsinnig aufbrausend oder spannend erzählt. Nein sie ist eher eine langsame und auf Zehenspitzen vorschreitende Erkenntnis, dass es sich lohnt sich für die Liebe zu öffnen, und dass jeder Mensch mindestens eine verrückte Freundin braucht, auf die er sich verlassen kann. Das Ende fand ich persönlich etwas zu schnell kommend und zu hastig. Da hätte man noch mehr herausholen können. Aber das ist natürlich auch Geschmackssache. Alles in allem ein netter Roman für den Lesesommer (und natürlich auch Winter), in dem man auch ein bisschen in sich selber hineinschauen lernt.
- Grégoire Hervier
Vintage
(96)Aktuelle Rezension von: ArsAstrologicaDas dritte Buch des noch recht jungen Autors Grégoire Hervier, geboren in der beschaulichen Kleinstadt Villeneuve-Saint-Georges am Rande von Paris, ist für mich die Schriftsteller-Entdeckung des Jahres. Rund um die legendäre Gibson-Gitarre »Moderne«, vor der niemand wirklich weiß, ob Ende der 50er-Jahre wirklich ein Prototyp gebaut wurde, entwickelte er einen famosen Thriller über 400 Seiten, die einen fesseln, von der ersten bis zur letzten Gitarren-Saite.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gibson_Moderne
Worin besteht das Geheimnis dieses Schriftstellers? Er schreibt in der Ich-Form, sein Held ist Musikjournalist und arbeitet zur Aushilfe in einem Pariser Musikgeschäft mit angeschlossener Werkstatt. Anstatt mit Fachwissen zu erschlagen, führt Grégoire Hervier uns Leser ganz unprätentiös in die Welt der Gitarrenliebhaber ein, lässt die Saiten erklingen. Buchseite und Buchseite ein exzellenter Pageturner, der am Ende jedes überschaubaren Kapitels mit dezentem Pageturner zum Weiterlesen verlockt.
Sicherlich, es gibt grässliche Schocker und Morde in diesem Buch, schließlich ist es ein Thriller. Und der Autor spart auch nicht mit Gesellschaftskritik. Satire wird bei ihm großgeschrieben. Darüber hinaus ist »Vintage« streckenweise eine akademisch-historische Abhandlung über die Geschichte des Blues vom Memphis bis zum Mississippi-Delta. Und es zeigt, wie man elektrische Gitarren herstellt, wie man die stimmt, ihrem Klang mit elektrischen Verstärkern und einer Vielzahl zusätzlicher Tools moduliert, verfeinert und verzerrt – bis einem buchstäblich die Ohren rausfliegen beim Lesen dieses von Diogenes wie gehabt in hoher Qualität und zugleich handlichem Format veröffentlichten Werks.
Die Kunst des Autors? Ein Geheimnis, genau wie die von ihm erfundene Geschichte rund um den legendären Prototyp der Gibson-Moderne. Vielleicht spielt eine Rolle, dass der Witz des Erzählers niemals gestelzt wirkt, dass selbst die abartigsten Figuren der Erzählung derart liebevoll geschildert werden, dass es eine Freude ist. Und ganz sicherlich gehört es zu den Geheimnissen des Autors, stets den Leser im Blick zu haben.
»Vintage«, ein Roman über die Welt der Blues-Musik, den man gelesen haben muss, der sich wunderbar als Geburtstags-, Urlaubs- oder Weihnachtsgeschichte eignet. Empfehlenswert!
- Vea Kaiser
Rückwärtswalzer
(179)Aktuelle Rezension von: KlausEffingRückwärtswalzer“ von Vea Kaiser
Manchmal sind es genau die Romane, die sich Zeit lassen, die am Ende am meisten geben. Rückwärtswalzer ist so einer.
Auf gut 400 Seiten entfaltet Vea Kaiser das Porträt einer österreichischen Familie, deren Zentrum drei Schwestern bilden – jede für sich eigenwillig, widersprüchlich, lebendig. Die Figuren sind nicht nur sorgfältig gezeichnet, sondern bewusst überzeichnet, fast schon mit einem Augenzwinkern – und gerade dadurch so eindrücklich.
Was zunächst wie eine klassische Familiengeschichte beginnt, gewinnt im Verlauf spürbar an Dynamik und Tiefe. Besonders im zweiten Teil entwickelt der Roman eine überraschende Wucht: Ein ebenso skurriles wie berührendes Roadmovie führt fünf Figuren gemeinsam nach Montenegro – eine Reise, die nicht nur geografisch, sondern auch emotional einiges in Bewegung setzt.
Und dann ist da noch dieses Geheimnis, das über allem schwebt. Lange nur angedeutet, wird es erst ganz zum Schluss aufgelöst – und verleiht der gesamten Geschichte rückblickend eine neue Dimension.
Unser Buchclub war sich beim heutigen Treffen einig: ein klug komponierter, sprachlich überzeugender Roman, der mit jeder Seite gewinnt. Kein lautes Buch – aber eines, das nachhallt.
Für alle, die Familiengeschichten mit Tiefe, Humor und erzählerischem Atem schätzen.
- Antonia Michaelis
Tankstellenchips
(36)Aktuelle Rezension von: miahInhalt:
Als Shayan abends am Strand seine Schlüssel sucht, beobachtet er zufällig einen Einbruch. Die Täter werden allerdings vom Hausbesitzer erwischt. Sie schießen auf ihn und flüchten. Shayan will helfen. Doch dann taucht ein kleiner Junge auf, der ihn zur Flucht überredet. Es beginnt eine wilde Reise quer durch Deutschland.Meine Meinung:
Dieses Buch war ein Überraschungsbuch. Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich zunächst nicht, dass dieses Buch etwas für mich ist. Es landete auf meinem SuB. Beim Aufräumen fiel es mir wieder in die Hände und ich begann zu lesen.Der Anfang ist recht vielversprechend. Shayan, der sich hier Sean nennt, ist ein sympathischer junger Mann aus dem Iran. Er kam als Flüchtling nach Deutschland und wohnt jetzt in einem Flüchtlingsheim. Vermutlich wartet dort in seinem Spindschrank sein Abschiedebescheid, weil er im Interview gelogen hat. Seine wahre Geschichte kommt im Laufe der Handlung ans Licht. Es zeigt sich, dass nicht immer alles ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Sean wird von Davy begleitet. Davy ist etwa 8 oder 9 Jahre alt und wohnt in einem Kinderheim. Von dort ist er abgehauen, weil er von den anderen Kindern schikaniert wird.
Die beiden ungleichen Charaktere flüchten aus dem Ferienhaus, in dem eingebrochen worden war. Beide hatte den Einbruch gesehen. Sean wollte dem angeschossenen Mann helfen und rief einen Krankenwagen. Doch Davy erschreckt ihn, sodass Sean nach der Waffe greift, die die Täter liegengelassen hatten. Aus Angst selbst für den Täter gehalten zu werden, hauen die beiden ab.
Sean hofft auf Hilfe von einer Internetbekanntschaft aus Köln. Deshalb machen sie sich auf den Weg dorthin. Auf ihrer Reise erleben die beiden so einige Abenteuer. Immer, wenn es brenzlig wird, flüchten sie weiter. Schnell merken sie, dass sie von den wirklichen Tätern verfolgt werden. Schon bald sucht auch die Polizei nach Sean.
Das Buch beinhaltet jede Menge Klischees. Das nervte manchmal schon fast, weil wirklich keine Gelegenheit ausgelassen wurde, um ein Klischee zu bedienen. Dadurch wurde vieles sehr vorhersehbar. Für mich war es offensichtlich, warum die Täter Sean und Davy immer wieder finden konnten. Natürlich endet ihre Reise irgendwann. Auch das war vorhersehbar. Das Ende hat mich letztlich ebenfalls wenig überrascht.
Sprachlich könnte es für einige Leser schwierig werden. Sean spricht zwar Deutsch, aber natürlich noch nicht so gut. Er macht einige Fehler (auch hier bedient er wieder sämtliche Klischees, die die deutsche Sprache an Wortwitzen und Missverständnissen bietet). Hin und wieder rutschen ihm ein paar sehr perfekte deutsche Sätze raus. Manchmal steht dann dazu, dass er das eben auf Farsi gesagt hat, aber zwischendurch fehlt diese Information. Das wirkt dann merkwürdig.
Auch Davy hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Er macht ebenfalls viele Fehler, verschlimmbessert Seans Sprachkenntnisse teilweise sogar. Es könnte für manche Leser etwas anstrengend sein, die Dialoge der beiden zu lesen. Ich fand es aber nicht schlimm. Man gewöhnt sich schnell daran.
Für mich waren eher die Passagen schwierig, in denen Sean sich mit Bayern unterhält. Der Dialekt wird komplett abgebildet. Ich komme nicht aus Bayern und brauchte daher manchmal etwas länger, um diese Sätze zu verstehen.
Immer wieder gibt es ganz lustige Momente und Passagen. Seans Ansichten über Deutschland sind zwar häufig von Vorurteilen begleitet, aber dennoch amüsant zu lesen. Auch die Beschreibungen ihrer Umgebung fand ich sehr schön. Es war nett, die beiden an Orten zu begleiten, die ich selbst kenne.
Insgesamt flaute meine anfängliche Begeisterung ab. Die vielen Klischees waren irgendwann nervig. Auch die Tatsache, dass die beiden immer abhauten, wenn etwas vorfiel. Sean vertraut lieber einen Internetbekanntschaft als den Menschen, die er auf seinem Weg kennen lernt. Das fand ich ein bisschen schade.























