Bücher mit dem Tag "römisches reich"
82 Bücher
- Irene Vallejo
Papyrus
(167)Aktuelle Rezension von: AlrikBeim Aufschlagen von Papyrus legt sich ein Sog über die Sinne: Werkstätten am Nil erscheinen vor dem inneren Auge, bleiche Rollen rascheln, und Hände falten Worte wie zarte Blätter. Die Lektüre fühlt sich an wie eine Entdeckungsreise durch eine Welt, in der Bücher nicht nur Gegenstände, sondern lebendige Brücken zwischen Zeiten sind. Vallejo schreibt mit einer Wärme, die Wissen tragbar macht; ihre Szenen sind anschaulich, voller kleiner Helden — Buchhändler, Schreiber, eine Nonne, die Schriften bewahrt — und jede von ihnen hinterlässt ein Bild, das nachklingt.
Die Verbindung von erzählerischem Schwung und fundierter Forschung beeindruckt: Fakten werden nicht trocken aufgereiht, sondern in Geschichten eingebettet, so dass das Lesen selbst zur Handlung wird. Manchmal verlangt die Fülle an Exkursen aktive Aufmerksamkeit; der rote Faden löst sich stellenweise auf, und gelegentliche Abschweifungen fordern Geduld. Genau hier liegt aber auch der Reiz: Wer bereit ist, sich treiben zu lassen, wird mit überraschenden Einsichten belohnt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Bücher mehr sind als Information — sie sind Überlieferung, Rettung und Widerstand gegen das Vergessen. Für alle, die Geschichte fühlen möchten und Lust auf ein leidenschaftlich erzähltes Sachbuch haben, ist Papyrus ein bereichernder Schatz. Wer eine streng lineare Darstellung sucht, könnte sich stellenweise geordnetere Strukturen wünschen. Insgesamt aber hat dieses Buch den Blick auf das geschriebene Wort vertieft und lange nachklingen lassen.
- Robert Harris
Pompeji
(360)Aktuelle Rezension von: LuliaAls das Aquädukt Aqua Augusta plötzlich kein Wasser mehr führt, wird der junge Wasserbauingenieur Marcus Attilius entsandt, um das Problem zu lösen und den verschwundenen Vorgänger zu finden. Seine Ermittlungen führen ihn direkt nach Pompeji und die Ereignisse nehmen seinen Lauf. Die stellenweise etwas zu ruhige Handlung weist eine gelungene Balance zwischen Unterhaltung und historischer Genauigkeit auf, die sehr authentisch wirkt. Letzteres wird vor allem durch einen kurzen und realen wissenschaftlichen Auszug aus der Vulkanologie am Anfang jeden Kapitels gekonnt herausgearbeitet.
Bei den Protagonisten steht Marcus in Mittelpunkt der Handlung, der intelligent und mutig dargestellt wird. Relevante Nebenprotagonisten, wie z.B. Plinius, Corelia oder Ampliatus, bereichern die Handlung und treiben diese gekonnt voran.
Wer ruhige und atmosphärische Geschichten mit wahren Begebenheiten mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist bildhaft und voller historischer Details und Feinheiten.
Einziger Minuspunkt: die z.T. sehr leisen Abschnitte in der Geschichte bremsen das Erzähltempo aus, was den Lesespaß mindert.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen - Robert Harris
Imperium
(252)Aktuelle Rezension von: TorstenPfohWas kann man von einem Roman über einen Politiker, der vor über 2000 Jahren lebte und wirkte schon erwarten? In diesem Fall so einiges! Denn in Imperium geht es nicht nur um einen einzigen Mann, sondern um die Machenschaften einer Elite in den letzten Jahren der römischen Republik, einer Phase des Übergangs, dem Zerfall der alten Ordnung befeuert von der Gier einer antiken Oligarchie.
- Marguerite Yourcenar
Ich zähmte die Wölfin
(19)Aktuelle Rezension von: JorokaAm Anfang benötigt man schon etwas Durchhaltevermögen, um sich einzulesen. Zunächst dachte ich: was ist das denn für ein zäher Monolog.
Doch hält man die ersten 50 – 70 Seiten durch, erschließt sich einem die römische Welt des 2. Jahrhunderts anhand der Lebensgeschichte des Kaisers Hadrian. Umso überraschender erscheint mir die quasi-biografische Aufzeichnung, da sie von einer Frau geschrieben wurde. Man hört in diesen Zeilen so durchdringend einen Mann sprechen, dass ich vor Frau Yourcenar ehrfurchtsvoll den Hut ziehe.
In Erwartung seines Todes schreibt der greise Kaiser an seinen jungen Freund Marc Aurel einen Brief, der sich zu einem umfassenden Rückblick auf sein Leben und seine Zeit ausweitet.
Hadrian war offiziell zwar verheiratet, doch seine große Liebe galt dem jungen Antinous, der mit knapp 20 Jahren jedoch den Freitod wählte. Diesen Verlust hat Hadrian nie überwunden. Unzählige Bildnisse des Antinous stehen heute in Museum rund um die Welt als Büste oder Relief und künden von dieser tiefen emotionalen Bindung.
Hadrian war dem Griechentum sehr zugetan und reiste so oft es ging nach Athen. Er veranlasste den Wiederaufbau Jerusalems als heidnische Metropole und war für die Niederschlagung der jüdischen Revolte im Jahr 135 n. Chr. verantwortlich.
Ansonsten widmete er sein Kaisertum auf vielen Reisen der Befestigung der Reichsgrenzen.
Fazit: Wer mehr aus dem Leben des Hadrian erfahren möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
- Conn Iggulden
Imperator - Die Tore von Rom
(25)Aktuelle Rezension von: Angel10- Gaius Julius Caesar und Marcus Brutus verbringen ihre gemeinsame Jugend auf einem Landgut,
- werden von einem alten Gladiator ausgebildet, gehen nach Sklavenaufstand nach Rom
- Sulla wird Diktator
- insgesamt ein interessanter Roman, manchmal etwas zu ausführlich
- Michael Sommer
Dark Rome
(22)Aktuelle Rezension von: HistoMarkIch habe das Buch kurz nach Erscheinen gelesen und seitdem mehrmals verschenkt. Es konzentriert sich auf die Schattenseiten des römischen Alltags – Gewalt, Aberglaube, Sexualität, Verbrechen, Skandale – und ergänzt damit die übliche politische oder militärische Sichtweise. Dieser Perspektivwechsel ist bereichernd und macht das Werk lesenswert.
Die Darstellungen sind anschaulich, gut erzählt und eröffnen ein lebendiges Bild der römischen Gesellschaft jenseits von Kaiser und Senat. Besonders gelungen ist, dass auch weniger bekannte Aspekte aufgegriffen werden, die man in klassischen Überblicksdarstellungen kaum findet. Natürlich ist manches zugespitzt und nicht immer streng wissenschaftlich, doch als populärwissenschaftliches Werk erfüllt es seinen Zweck: Es vermittelt Geschichte spannend und zugleich informativ.
Insgesamt ein lebendiges und unterhaltsames Buch, das die dunklen Seiten Roms in den Vordergrund rückt und damit neue Einblicke ermöglicht – keine Fachliteratur, aber empfehlenswert für geschichtlich Interessierte.
- Henryk Sienkiewicz
Quo vadis?
(113)Aktuelle Rezension von: irmakvakifliQuo Vadis von Henryk Sienkiewicz ist ohne Zweifel ein Meisterwerk – sprachlich, thematisch und erzählerisch. Dieser Klassiker hat den Nobelpreis wahrlich verdient. Die Geschichte führt uns ins alte Rom zur Zeit der frühen Christenverfolgung und verbindet historische Fakten mit literarischer Finesse.
Was dieses Buch so besonders macht, ist seine Sprache: klar, elegant, aber voller Poesie und bildhafter Kraft. Die Beschreibungen sind plastisch, nie aufdringlich, und tragen eine stille Weisheit in sich, die aus der Antike zu uns spricht. Es ist ein Werk über die Suche nach sich selbst, über Werte, Wandel, Glaube – und das alles ohne Pathos oder moralischen Zeigefinger.
Die Länge des Romans ist nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig. Sienkiewicz nimmt sich die Zeit, Tiefe zu schaffen, ohne je langatmig zu wirken. Das Buch ist ein echter Pageturner, obwohl es große historische Themen behandelt. Die Erzählstruktur ist durchdacht, der Aufbau stimmig, die Figuren lebendig.
Auch im Kontext seiner Entstehungszeit beeindruckt das Werk durch Originalität und Authentizität. Quo Vadis ist nicht nur ein historischer Roman, sondern ein literarisches Dokument, das den Leser zum Nachdenken anregt – über Geschichte, Menschlichkeit und Orientierung.
Ein rundum gelungenes Werk, das zeigt, wie große Literatur über Zeit und Raum hinaus wirkt. Für mich: uneingeschränkt empfehlenswert.
- Robin Lane Fox
Die klassische Welt
(6)Aktuelle Rezension von: GospelsingerIch habe vor zwei Jahren angefangen, Latein zu lernen. Ich ahnte ja nicht, welche weitreichenden Auswirkungen das zur Folge hat! Es blieb nämlich nicht beim bloßen Spracherwerb, sondern plötzlich wurden mir auch Themen wichtig, die ich bisher eher vernachlässigt hatte. Zum Beispiel die griechische Mythologie, aber auch die griechische und römische Geschichte. Für letzteres ist es schwer, geeignete Darstellungen zu finden, die umfassend, aber nicht trocken geschrieben sind. Zum Glück ist gerade ein Buch erschienen, das diese Kriterien erfüllt und bei mir zu einigen Aha-Erlebnissen geführt hat. Robin Lane Fox hat ein umfangreiches Werk vorgelegt, das sehr gut meine vorhandenen Wissenslücken geschlossen hat und dabei glänzend geschrieben ist. Die griechische und die römische Zivilisation bilden die zwei Stränge dieses Buches, dessen Kapiteleinteilung so übersichtlich ist, dass man es nach dem Durchlesen auch als Nachschlagewerk nutzen kann. Fox stellt die klassische Welt nicht nur dar, er erzählt von ihr, ausgehend von Hadrian, der die klassische Welt ausgiebig bereist hat. Fox versetzt sich in Hadrian hinein und beschreibt, wie dieser die Geschehnisse der 900 Jahre vor seiner Machtergreifung beurteilt hätte. Deshalb liest sich das Buch – fast – wie ein Roman. Statt lediglich die Ereignisse chronologisch aufzuzählen, konzentriert Fox sich auf die wechselnden Machtbeziehungen und darauf, wie diese durch Ereignisse einschneidend verändert werden und wie sich damit auch Bedeutung und Zusammenhang der Themen und Fragestellungen ändern. Drei Themen und ihre durch die Zeiten unterschiedliche Bedeutungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch: Freiheit, Gerechtigkeit und Luxus. Alle drei Begriffe werden nicht nur in den griechischen und römischen Zivilisationen, sondern auch in modernen Zeiten immer wieder anders definiert. Aus den veränderten Konnotationen dieser Begriffe lässt sich viel über die Gesellschaftsstruktur der jeweiligen Zeit ablesen. In diese Erzählstränge eingestreut sind Informationen über die Entwicklung von Kunst, Militärstrategien, Geschlechterverhältnissen, Sklaverei, Homosexualität, Religion und Philosophie. Positiv anmerken möchte ich auch die (für mich immer sehr wichtige) Ausstattung des Buches: Gutes Papier, angenehmes Schriftbild, Lesebändchen, Fototafeln, Kartenmaterial und ein 90seitiger (!) Anhang, der es leicht macht, die Gesichtspunkte, die man besonders interessant findet, weiter zu vertiefen. Ich kann das Buch also allen, die sich mit den geschichtlichen Grundlagen unserer Kultur beschäftigen möchten, nur empfehlen. Für diejenigen, die Latein und/oder Altgriechisch lernen, ist dieses Buch ein besonderer Gewinn. - Maria W. Peter
Verrat in Colonia
(54)Aktuelle Rezension von: JosseleDer Roman erschien 2021 und ist der vierte Band der Reihe um die Sklavin Invita, die in den drei Vorgängerbänden Mitte des 3. Jahrhunderts in der Provinz Gallia Belgica (Trier, Metz) des römischen Reichs in Mordfälle verwickelt wurde und auf eigene Faust ermittelt hat. Im vorliegenden vierten Band geschieht der Mord in Köln in der Provinz Germania inferior, die zu dem Zeitpunkt durch häufige Überfälle germanischer Stämme geschwächt ist. Hinzu kommen Intrigen und Verrat innerhalb der lokalen, römischen Machthaber. Ein Konglomerat, das die Existenz der Provinz gefährdet.
Was ich die Autorin gerne fragen würde, ist, warum sie zwischen dem 3. und 4. Band elf Jahre vergehen ließ, obwohl die Handlung des 4. Bandes fast nahtlos an die des 3. Bandes anschließt.
Was mich ein bisschen genervt hat, ist die teilweise komische Schreibweise. Es gibt keinen „Praetorianerpraefecten“. Es gibt entweder auf Deutsch einen Prätorianerpräfekten oder auf Latein einen praefectus praetorio. Was mich ein bisschen mehr genervt hat, sind die dramatisierenden Übertreibungen bei der Darstellung von Gefühlen oder körperlichen Zuständen. Da fällt es Invita nicht schwer, weiterzugehen, sondern da erfasste „eine unbändige Lähmung ihre Beine“. Da war es nicht einfach vollkommen still, nein da umfing sie „eine tödliche Stille“ (Piper Tb, München 2021, S. 92). Und nach dem Besuch im Kerker, da ging es Invita nicht furchtbar schlecht oder sie fühlte sich wirklich elend, nein, sie „glaubte, sterben zu müssen“(ebd., S. 99).
Auch Logikschwächen sind mir aufgefallen. So sieht Invita eine vermummte Gestalt, die ein Amulett trägt, das sie in gleicher Form an der Haushälterin Afrania gesehen hat, hält abends auf ihrem Wachstäfelchen ausdrücklich fest, dass sie nur vermuten, aber nicht sicher sein kann, dass es sich um Afrania handelt (ebd., S. 154) und „weiß“ vier Seiten später –aus heiterem Himmel – plötzlich, dass es Afrania gewesen ist (ebd., S. 158).
Gut gelungen ist der Autorin hingegen die Einbettung ihrer fiktiven Geschichte in die historische Realität, oftmals unter Verwendung historisch belegter Personen. Da steckt sicher eine ordentliche Portion Recherche dahinter. Diese historische Genauigkeit ist sehr lobenswert und ein Highlight des Buchs.
Ganz nett finde ich auch, wie die Autorin Invita ihre Erkenntnisse ab und an auf einem Wachstäfelchen festhalten lässt und so dem Leser eine Zusammenfassung der bisherigen Ermittlungen an die Hand gibt. Das hat fast etwas Fürsorgliches. Leider konterkariert sie diese systematische Auflösung dann dadurch, dass Invita eigentlich immer etwas „wie Schuppen von den Augen fällt“, wobei nie eine für den Leser nachvollziehbare Deduktion stattfindet.
Die Geschichte selbst ist schön ausgedacht und in einer lebendigen, oft etwas übertrieben bildhaften Sprache, die leicht zu lesen ist, erzählt. Bedauerlicherweise fällt die Auflösung bzw. das Tatmotiv dann wieder etwas ab. Beides ist nicht so recht glaubwürdig. Drei Sterne.
- Marianne Fredriksson
Marcus und Eneides
(34)Aktuelle Rezension von: MissRose1989Das Cover ist wirklich schön gemacht, es zeigt eine Art griechischen oder römischen Tempel, der auf einer Anhöhe steht, es entsteht sofort das Gefühl einer grossen Geschichte, weil unser Geschichtsverständnis von solchen Bilder geprägt wurden. Zudem sieht man auf einem Weg im Vordergrund, eine Person weggehen. Ein sehr ruhiges, aber schönes Cover.
Marcus und Eneides ist die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern, aber es sind eigentlich nur Halbbrüder, weil die Geschichte vor der Geburt der Brüder schon ein Grund für Hass des Vaters ist.
Die Geschichte der beiden Brüder ist gleichzeitig auch die Geschichte von Marcus und seinem Schüler verbunden und gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte der Religion, die Marianne Fredriksson miteinander verbindet. Man erlebt den Weg eines Suchenden in einer sehr bewegende Zeit und das Buch lässt einen mal eine andere Welt, weit vor unsere Zeit erleben.
Marianne Fredriksson hat einen grossartigen Stil, sie schreibt so, dass man die Charaktere sehr gut verstehen kann, auch wenn es unter zeitlichen Aspekt etwas schwierig ist, aber die Verbindung zwischen der Familie zeigen sich gut auf und man fühlt sich als Leser teilweise schon als Teil der römischen Familie, was Marianne Fredriksson durch ihre besondere Art des Schreibens gelingt.
Marianne Fredriksson entführt den Leser in die Zeit um Jesus Geburt ins Römische Reich und schafft es, eine Geschichte zu schreiben, die der Leser einfach nicht wieder aus der Hand legen kann.
Ein tolles Buch, wenn man sich etwas für die Zeit interessiert und bereit ist, man einen anderen Blick auf eine sehr weit zurückliegende Zeit zu werfen.
Allerdings gibt es etwas Abzug, weil Marianne Fredriksson auch in recht heftigen Momenten wie einer Vergewaltigung zu sehr ins Detail geht, das hätte das Buch nicht wirklich gebraucht.
- Lindsey Davis
Letzter Akt in Palmyra: Ein Fall für Marcus Didius Falco (Marcus Didius Falco-Romane)
(3)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDieses Buch ist ein weiteres Abenteuer des römische Privatermittlers Marcus Didius Falco. Er soll im Jahre 72 n. Chr. nach Kleinasien reisen, um eine verschwundene Wasserorgelspielerin finden und wieder nach Rom bringen.
Zusätzlich erhält er einen weiteren Auftrag: Er soll die Stimmung im Land der Nabatäer erkunden, denn das reiche Land passt hervorragend in das Portfolio des Kaisers Vespasian.
Marcus Didius Falco tritt diese Reise ganz gerne an, ist er doch in Rom von einem Mitglied der kaiserlichen Familie desavouiert worden und kann deswegen seine Helena nicht heiraten. Helena stammt, im Gegensatz zu Marcus Didius Falco aus einer alten, reichen Familie.
Doch so einfach, wie ihm die beiden Aufträge erscheinen, ist die Sache dann doch nicht. Die Leser reisen mit Marcus Didius Falco und Helena nach Kleinasien und statten so illustren Städten wie Damaskus, Petra oder Palmyra einen Besuch ab. Auf ihrer Reise stoßen sie (natürlich) auf nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten und müssen sich einer Schauspielertruppe anschließen. Blöderweise wurde deren Stückeschreiber ermordet und so springt der Privatermittler ein.
Meine Meinung:
Es scheint, als wollte die Autorin eine Geschichte à la Shakespeare schreiben. Leider ist das nicht ganz geglückt – hier fehlt die Leichtigkeit des englischen Dramatikers. Gut gefallen haben mir die Zusammenfassungen vor jeden Abschnitt.
Aufgefallen ist mir, dass hier einige historische Ungenauigkeiten bezüglich der Römischen Antike passiert sind. So kennt u.a. der Römische Kalender keinen „Mittwoch“. Das liegt möglicherweise an der Übersetzung.
Ich kenne leider die vorherigen Geschichten nicht, daher fehlen mir ein paar Zusammenhänge. Daher wundere ich mich, dass eine Patriziertochter so mir nichts dir nichts mit einem unvermögenden Mann verreisen kann. Im Allgemeinen sind die „höheren“ Töchter mehr oder weniger im Elternhaus eingesperrt.
Der Schreibstil ist eher flapsig und passt irgendwie so gar nicht in die Römerzeit. Auffallend sind auch die die vielen, z.T. Sinn entstellenden Fehler (z.B. "Stock" statt "Stück" usw.).
Fazit:
Ein Krimi aus der Antike, der mich nicht ganz überzeugt hat. 3 Sterne. - James Hynes
Ich, Sperling
(89)Aktuelle Rezension von: ClaudiaGrothusWir befinden uns im Römischen Reich des 4. Jahrhunderts n.Chr. in Carthago Nova (heute Cartagena) an der spanischen Mittelmeerküste. Dort lebt ein kleiner Junge ohne Namen. Alle nennen ihn nur Pusus (Junge), weil Sklaven keine Namen haben. Sie sind Dinge.
Der Protagonist erzählt als alter Mann rückblickend von seiner Kindheit und Jugend in einem Bordell.
Ich hatte befürchtet, dass es sich um ein voyeuristisches Werk, also versteckte Pornografie handelt. Dem ist nicht so. Im Gegenteil: Es wird sehr deutlich, dass Sklaverei und Prostitution überhaupt gar nichts mit Erotik oder Romantik zu tun haben.
James Hynes taucht tief in den sehr akribisch recherchierten historischen Alltag ein, romantisiert nicht und weckt mit großer erzählerischer Kunstfertigkeit die beiläufige Erkenntnis, dass sich die Menschen heute, in ihrem Streben nach Macht, Bequemlichkeit, Reichtum und Bedürfniserfüllung gar nicht mal so sehr von denen im alten Rom unterscheiden.
Man stelle sich aber jetzt nicht so einen typischen Historienroman vor, der seine Spannungsmomente aus der schlimmen Ungerechtigkeit zieht und am Ende irgendeine Art von Genugtuung serviert.
Mitnichten!
Der erzählende Protagonist macht von Anfang an klar, dass dies keine Geschichte mit einem guten, oder überhaupt irgendeinem Ende ist. Auch in Handlungssträngen, die uns geübte Belletristik-LeserInnen glauben lassen, dass wir dieser entflohenen Sklavin oder jener verkauften Freundin später im Buch wiederbegegnen, nimmt er uns auf der Stelle die Illusion, das Leben hätte in irgendeiner Weise Ähnlichkeit mit Sandalenfilmen.Also ein Sumpf aus Grausamkeit und Frustration? Nein. Oder doch? Lange Zeit weiß man gar nicht, warum man eigentlich weiterliest. Die Geschichte bewegt sich langsam und gemächlich, wie ein Herbstblatt, das von einem lauen Lüftchen hierhin und dahin geweht wird. Scheinbar unspektakulär, aber man kann den Blick nicht abwenden.
Ich Sperling ist eine detailreich erzählte Geschichte aus der Wahrnehmung eines kleinen Jungen. Pusus entdeckt das Leben seiner Zeit, lernt, wie die Menschen ticken, knüpft innige Beziehungen zu den anderen „Wölfinnen“ des antiken Bordells und begreift nach und nach, was es bedeutet, zu leben.
Dabei bedient sich der Autor virtuos einer sehr angenehmen Sprache und einer ruhigen Erzählweise, die sich reichlich Zeit lässt, ohne die Lesenden im Geringsten zu ermüden. Immer wieder wird das Buch zum Pageturner, auch wenn der kleine Pusus einfach nur Brot einkaufen geht.
Ich bewundere James Hynes sehr dafür, dass er in seinem Roman so viel Raum für Details und Atmosphäre schafft. Dass er sich traut und die enorme Geduld an den Tag legt, die Wege von Pusus wieder und wieder zu erzählen, und damit eine Eindringlichkeit zu schaffen, die in keiner Weise langweilt. Er bringt fast unmerklich die großen Themen der antiken Philosophen in seiner Geschichte unter und bleibt dabei in der vollkommenen Einfachheit des Denkens eines kleinen Jungen.
Aus jeder Zeile dringt die Melancholie des alten Sklaven und die Liebe zu seinem früheren Selbst.
Nicht nur aus schriftstellerischer Sicht ein unglaubliches Werk voller nachwirkender Kraft!
- Kirsten Winkelmann
Der Speersohn
(14)Aktuelle Rezension von: peanjoGarlef, der Sohn eines germanischen Stammeshäuptlings, wachst in den Zeiten nach der Varus-Schlacht in seinem Heimatdorf auf. Sein Name bedeutet "Speersohn", eigentlich soll er ein Kämpfer sein, aber er fühlt sich dazu nicht berufen. Einem anderen Menschen weh zu tun oder ihn gar zu töten, stößt ihn so ab, dass er lieber bereit ist, selbst Schmerzen, Schläge und Verachtung zu erleiden, als anderen weh zu tun. Der einzige, der ihn versteht, ist der römische Sklave, den sein Vater als Beute von der Varusschlacht mitgebracht hat. Gaius wird Garlefs wichtigster Mensch in seinem Leben, dem er alle Fragen stellen kann, der ihn in seinen Überzeugungen bestärkt und ihm die Sprache des Feindes - Latein - lehrt. Aber als die Römer Garlefs Heimatdorf überfallen und niederbrennen, gerät er wieder zwischen die Fronten und wird nach Rom verschleppt. Hier lernt er die unkonventionelle Mina kenne, eine Frau, die so gar nicht dem typischen Ideal einer römischen Frau entspricht. Sie ist gebildet und will ihr Leben selbstbestimmt leben. Aber auch sie erfährt auf brutale Weise, dass die gesellschaftlichen Regeln ohne Rücksicht durchgesetzt werden.
Dieser historische Roman beschreibt in eindringlicher Weise, welche brutalen und aus heutiger Sicht auch menschenverachtetende gesellschaftlichen Zwänge im alten Rom herrschten. Frauen hatten keinerlei Rechte und blieben zeitlebens unter der Herrschaft des Hausvorstehers. Sklaven und Frauen waren ein Besitz, und jeder Besitzer konnte sich dafür entscheiden, wie er sein Hab und Gut behandeln wollte. Die Autorin beschreibt sehr gut, in welcher Zerrissenheit und Bedrängnis alle lebten, die ihren Grundsätzen treu bleiben wollten. Ein beeindruckendes Einblick in das antike Rom. Absolute Leseempfehlung!
Die Geschichte von Garlef und Mina wird in "Die Frau des Bleityrannen" fortgesetzt.
- Iny Lorentz
Töchter der Sünde
(134)Aktuelle Rezension von: anne_foxEs handelt sich hier um die Fortsetzung der Wanderhuren-Reihe um Marie die jetzt schon über sechzig Jahre alt ist.Ihre Töchter und ihr Sohn Falko sind erwachsen,doch die Sorge um die Kinder hört nie auf. Falko ist Ritter und wird vom Lehnsherrn nach Rom geschickt um Elisabeth seine Tochter in ein dortiges Kloster zu bringen. Er bringt sich dabei und auch in Rom oft in Schwierigkeiten und frönt dabei der Liebe hemmungslos mit schweren Folgen.
Fazit:
Gute Fortsetzung, doch es zieht sich auch teilweise etwas in die Länge. Kommt leider nicht so an die Wanderhuren-Reihe heran, d enn dort ging es dramatischer zu.
- Gisbert Haefs
Caesar
(13)Aktuelle Rezension von: katzekatzekatzeEhrlich gesagt finde ich das Buch überhaupt nicht gut. Der Schreibstil mutet an Stellen, an denen es so gar nicht passt viel zu überkandidelt an.
Dann passiert ca. drei Viertel des Buches überhaupt nichts und es dauert gefühlt mehr als die Hälfte des Buches, bis Caesar überhaupt mal auftaucht.
Was übelst genervt hat, dass ständig Zwischenkapitel eingeschoben waren, die sich viel zu lang und zu ausführlich mit jeder damals ranghohen Person beschäftigt hat. (zB Cicero, Cato, Sulla etc.) Das nahm viel zu viel Raum ein und war irgendwann nur noch langweilig. Es las sich wie Wikipediaeinträge, die in einem Buch standen. Das Bisschen Handlung, das dazwischen noch vorkam war derart langweilig, dass ich irgendwann aufgehört habe zu lesen. Jedesmal wenn es spannend oder interessant wurde, hat der Autor zusammengefasst und ist zur nächsten Szene gesprungen.
Wenn ich ein Buch lese, das den klanghaften Titel "Caesar" trägt, dann will ich von blutigen Schlachten, politischen Intrigen, einem pulsierenden Rom und erotischen Affähren lesen und keine langweiligen Zusammenfassungen.
Das Buch lohnt sich echt nicht, sorry.
- John Williams
Augustus
(67)Aktuelle Rezension von: claudiaZIm Mittelpunkt der Handlung steht das Leben von Octavius, der als Großneffe von Julius Caesar geboren wird, später sein Adoptivsohn wird und schließlich seine Nachfolge als Kaiser Augustus antritt, die er von da an sowohl mit militärischen als auch mit politischen Mitteln verteidigen muss.
Den überwiegend positiven Bewertungen zu diesem Buch schließe ich mich uneingeschränkt an. Für mich war es ein wunderbares Lesevergnügen, gerade durch die besondere Erzählform, die der Autor gewählt hat. Die Handlung wird ausschließlich durch fiktive Briefe, schriftliche Erinnerungen und Protokolle verschiedener Verfasser fortentwickelt, wodurch die Erzählperspektive variiert und ein überraschend lebhaftes Bild vom Leben im antiken Rom entsteht. Zu diesen Verfassern gehören zum Beispiel Gelehrte, Freunde, Familienmitglieder, Bedienstete, aber auch berühmte Namen wie Ovid, Vergil, Kleopatra ...
- Tanja Kinkel
Die Söhne der Wölfin
(93)Aktuelle Rezension von: JBreathDies war mein erster Kinkel Roman und er hat mir sehr gut gefallen. Ich habe das Buch in den letzten Jahren immer wieder gelesen weil Idee, Story und Tempo einfach passt und immer wieder spannend ist.
Man erfährt Fakten, Gebräuche und Gesetze über gleich 4 verschiedene Kulturen, was ich persönlich äußerst interessant fand. Ilian ist ist eine Figur wie man sie so noch nicht kennt - ein bisschen unnahbar, intelligent und unvorhersehbar. Im Gegensatz zu anderen Lesern fand ich die Geschichte fesselnd und genau im richtigen Tempo. Ich hasse es nämlich wenn sich Geschichten zu langatmig geben und Kinkel hat hier treffend erzählt was wichtig ist, ohne zu kurz oder zu lang zu werden.
Obwohl Ilian die Hauptfigur ist, wird die Geschichte abwechseld aus der Sicht der anderen Charakter beschrieben - so geschickt verpackt, dass es kaum auffällt. Wer an der Geschichte des alten Ägyptens, Italiens und Griechenlands interessiert ist, wird an diesen historischen Roman seine Freude haben!
- Jennifer A. Nielsen
Nicolas Calva. Das magische Amulett
(10)Aktuelle Rezension von: Nora4Das Buch ist klar für jüngere gedacht und doch wollte ich dem Buch auch gerne einmal eine Chance geben. Man sollte solche Bücher sowieso niemals unterschätzen. Zudem mag ich Geschichten über die Antike (mit der Extraprise Fantasy) natürlich auch immer gerne.
Ich kannte die Reihe bisher noch nicht und hatte auch keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich erwartete so etwas Ähnliches wie “Octavia – Tochter Roms“, was ich dann auch bekommen habe.
Ich muss zugeben, ich habe hier schon auch klar gemerkt, dass ich schon nicht mehr zu der Altersgruppe gehöre, für die es gedacht ist und konnte deshalb auch nicht mehr ganz hineintauchen, auch weil hier wohl auch der Faktor der Nostalgie hier gefehlt hat, der mich sonst noch gerne in solche Bücher hineinzieht. Es war so gesehen, einfach nicht mehr ganz meins, weshalb es wohl ganz persönlich nur vier Sterne wären, aber ich betrachte das Buch hier objektiv und ich muss sagen, in dieser Hinsicht ist es eine wirklich geniale Geschichte, an der ich keine Fehler finden konnte (und ohne Fehler sehe ich auch keinen Grund den Stern auch abzuziehen).
Ich liebte es zum Beispiel, wie das Buch nicht auf einen jüngeren Leser herabblickt und denkt, dass alles noch immer ausführlich erklärt werden muss. Klar werden gewisse Dinge erklärt, auch zur Orientierung, aber es ist nicht so, dass der Leser dabei für dumm verkauft wird. Eine Satz, um zu erklären, was eine Bulla ist, reicht, um alles verständlich zu machen und das muss auch nicht mehrfach wiederholt werden. So lernt ein Kind einiges über römische Bräuche, ohne sich dabei zu fühlen, als würde es gerade ein Sachbuch lesen müssen.
So mochte ich es auch, dass die Orte schön regelmässig wechseln und ansprechend für die Jüngeren, auch zu typischen bekannten römischen Orten führt (das Kolosseum, eine Therme, die Cloaca Maxima, etc.). Das wurde schlau aufgebaut und sorgt dafür, dass Abwechslung ins Buch kommt.
Ich mochte es auch, dass es in der Story auch einige Wendungen gab, die überraschen können, ohne dabei zu komplex zu werden und jüngere Leser zu verwirren. Man kann dem Geschehen immer gut folgen. Auch die Charaktere bekamen einen guten Aufbau.
Das Buch ist dementsprechend sicherlich empfehlenswert. Ich erkenne, dass ich nicht mehr ganz zur Altersgruppe dazugehöre, womit ich persönlich nicht mehr richtig eintauchen konnte, aber ich erkenne darin immer noch das grosse Potential und fand die Geschichte nicht schlecht. Für die gedachte Altersgruppe ist sie definitiv perfekt, denn ich sehe keine Probleme und mag es sehr, wie niemand für dumm verkauft wird. Von mir gibt es deshalb fünf Sterne.
- Robin Lane Fox
Augustinus
(3)Aktuelle Rezension von: Cornelia_Ruoff„AUGUSTINUS“ VON ROBIN LANE FOX
2. ZUM INHALT
Die „Confessiones“ sind wohl das meistgelesene Werk des Kirchenvater Augustinus (354-430) sind ca. 400 n. C. erschienen. Das Werk setzt sich aus 13 Büchern zusammen. Die ersten 9 Bücher stellen somit die erste Autobiographie in der Geschichte der Literatur dar und beschäftigen sich mit der Vergangenheit. Buch 10 betrifft die memoria und die Suche nach Gott. Es ist von Augustinus aus gegenwärtigem Zeitpunkt geschrieben, denn es ist ein gerade ablaufendes Zwiegespräch mit Gott. Das 11. Buch beschäftigt sich mit der Zeit und der Zeitlichkeit. Die Bücher 12 und 13 klären Fragen der Schrift.
Robin Lane Fox macht uns darauf aufmerksam, dass Augustinus nicht einmal, sondern mehrfach bekehrt wurde. Er war ein sinnlicher Mann und scheiterte oft am „Feuer seiner Lust“.
Robin Lane Fox zeigt uns in ihren Gedanken zur memoria, eine „Phänomenologie des Gedächtnisses“, Gedächtnis und Gedächtnisinhalt müssen sich dem weiten Sinn von Bewusstsein- bzw. Bewusstseinsinhalt annähern. Die Transzendenz der memoria – was liegt über der memoria – wird aber dennoch in der memoria erfahren? – Gott und beatitudo. Die memoria gilt bei Augustinus als Prinzip der Einheit des Menschen: Gefühlsbewegungen, Geistestätigkeiten, seiner Erfahrungen im Ganzen.
Feinfühlig interpretiert Lane Fox, das Zwiegespräch von Augustinus zu Gott. Er ist selbst Protagonist. Die Ich-Erzählung bestimmt einige Kapitel. Das Ich steht für den einzelnen Menschen.
Der Autor erweckt den Menschen Augustinus anhand der Confessiones zum Leben und zeigt uns, dass die Gedanken von Augustinus über das Leben, die Manichäer, seine Bekehrung und vor allem über die memoria und die Zeit sind auch aus der heutigen Sicht heraus, noch als beachtlich anzusehen, wenn man sie als Beschreibung des menschlichen Bewusstseins sieht. Die Gedanken sind nicht nur rhetorisch eine hohe Leistung, sondern auch so anschaulich geschildert, dass selbst ein philosophischer Leie einen guten Einblick erhält.
4/5 Punkten
3. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
„Augustinus“ von Robin Lane Fox hat 746 Seiten, einen festen Einband und ist am 14.10.2017 unter der ISBN 9783608981155 bei Klett-Cotta, im Genre Sachbücher erschienen und kostet 39 €.
4/5 Punkten
4. FAZIT
Der Autor zeichnet eine Charakteristik Augustinus und schildert die Confessiones so anschaulich und einfach nachzuvollziehen. Sein Weg über die Manichäer zu Gott war kein einfacher Weg. Er war dem Leben sehr zugetan und auf Sex zu verzichten, war nur eines seiner menschlichen Probleme dabei.
Es gefällt mir, dass es hier nicht um den Kirchenvater, sondern um einen Menschen geht, der viel reflektiert, gelesen, gelernt und recherchiert hat, um seine Bekenntnisse nieder zu schreiben und das Dilemma seines Lebens, hin hergerissen zwischen dem Leben und seiner Liebe zu Gott in ein Gleichgewicht zu bringen, um ein gottesfürchtiges Leben zu erfüllen.
Es ist vermessen zu sagen, dass der Mensch in der Antike nichts mehr mit uns zu tun hat. Gerade in den Confessiones finden wir heute noch viel, was auf den heutigen Menschen zutrifft. Augustinus hat keinesfalls an Aktualität verloren.
Über Augustinus gibt es viel Literatur, vor allem gibt es viel Sekundärliteratur über die Confessiones. Ich gebe nicht die volle Punktzahl, weil ich gerne die memoria oder auch die Gedanken zur Zeit, also Buch 10 und 11 intensiver beleuchtet hätte.
@Klett-Cotta: Ich bedanke mich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.
- Maria W. Peter
Fortunas Rache
(59)Aktuelle Rezension von: Julia_Kathrin_MatosDies ist ein Historienkrimi, der einige Wochen im 3. Jahrhundert des Römischen Reiches in Trier abbildet.
Der Roman endet abgeschlossen. Es gibt Folgebände um die Ich-Erzählerin, die gebildete Sklavin Invita, und ihre Bekanntschaften.
Einen großen Pluspunkt sehe ich in der flüssigen Lesbarkeit. Ich suche regelmäßig Lesestoff für Gelegenheiten, bei denen ich nicht so konzentriert lesen kann oder vielen Unterbrechungen ausgesetzt bin, z. B. im ÖPNV. Da möchte ich sofort wieder in der Handlung drin sein, genau das gelingt hier super. Die Anzahl der Figuren und Verwicklungen ist angenehm. Es lässt sich ohne Herumblättern ein guter Überblick wahren, gleichzeitig sind es so viele, dass es realistisch und schwer vorhersehbar ist, dass man zu Zusammenhängen und Motiven spekulieren und richtigen und falschen Fährten folgen kann. Das fordert und macht richtig Spaß.
Ich fühlte mich auf angenehme Weise in die Epoche zurückversetzt, die ich auf dem Weg zum Großen Latinum kennenlernte. Mir gefallen die Bezüge zu Gelehrten, deren Schriften im Schulunterricht zu übersetzen und deuten waren, z. B. Ovid. Hier dienen diese nicht nur als Beiwerk, sondern sind coolerweise für die Handlung relevant.
Die Recherche um die Orte, Kultur, Hierarchien, Lebens- und Arbeitsverhältnisse wirkt fundiert. Römische Ausdrücke sind enthalten, deren Bedeutung sich meistens aus dem Zusammenhang herleiten lassen, ergänzend im Glossar nachgeschlagen werden können. Ich freue mich über den Kenntniszuwachs.
Angenehme Prisen von Humor und Erotik sind enthalten. Trotz Darstellungen zum harten Dasein als Sklavin zieht der Roman beim Lesen nicht emotional runter.
Für meinen Geschmack hätte das Erzähltempo etwas gestrafft werden können. Der sprachliche Ausdruck war manchmal nicht meins, z. B. setzt bei Invita gefühlt zu oft ein Herzschlag aus, wenn sie sich erschreckt oder eine wichtige Erkenntnis gewinnt.
Das Ende klärt alle aufgeworfenen Fragen, enthält Wow-Effekte, stellt mich inklusive des informativen Nachworts voll zufrieden.
Die Charaktere und das antike Trier (Belgisch Gallien) bergen viel Potenzial für zusätzliche aufregende Entwicklungen. Ich habe mir zwei Folgebände gekauft, um Invita, Flavus, Marcella und andere interessante Figuren weiter zu begleiten. - Karen Aydin
Tote beißen nicht
(7)Aktuelle Rezension von: SmilingKatinkaIch mag Geschichte, fand es aber immer schwierig, den richtigen Zugang zu finden. Hat man erst einen Anhaltspunkt, dann flutscht es. Ich mag auch Vampirromane. Ist vielleicht ein Vampirroman in einem historischen Setting genau das, was ich brauche? Nach der Lektüre von Karen Aydins „Tote beißen nicht“ bin ich mir sicher: genau dieses Buch habe ich gebraucht.
Wer sich Büsten von Julius Caesar anschaut, der kann verstehen, dass Karen Aydin ihn zu einem Vampir machen musste. Wirkt er doch meist sehr perfekt. Karen Aydin kennt sich aus in dem, was sie schreibt und das merkt man auch immer wieder. Mit viel Wortwitz und Wissen nimmt sie den Leser an die Hand und präsentiert unglaublich lebendig beschriebene Namen, die man aus dem Geschichtsunterricht (und vielleicht auch aus Asterix) kennt: Cato, Caesar, Kleopatra sind nur ein paar davon. Gerade zu Beginn des Buches fühlte ich mich wie die Neue in einer großen Firma: lauter Namen, die wohl irgendwie wichtig sind, die man aber sofort vergisst. Mir hat es da aber unglaublich geholfen, das Buch als das zu sehen, was es ist: Ein Fantasybuch. Da wird man ja auch mit fremden Begriffen und Namen zugeworfen und kann das Chaos im Kopf erst nach und nach entwirren.
Was mir auch Tage nach Beenden der Lektüre noch nachschwingt ist die Liebe und Begeisterung der Autorin zu ihren Figuren. Obwohl es, wie gesagt, an Figuren nicht mangelt, ist doch jeder einzelne sehr liebevoll und vielschichtig beschrieben, sodass man ein genaues Bild vor Augen hat. Es gibt beispielsweise eine Szene mit Caesar, die ich mir wirklich bildlich vorstellen konnte. Überhaupt ist Caesar in diesem Buch grandios dargestellt.
Wer sich ein wenig mit Geschichte auskennt, dem werden die ein oder andere Bemerkung ins Auge fallen, die mir mehr als einmal ein Schmunzeln ins Gesicht zauberten.
Ein wirklich wundervolles Buch, dem man das herzblut anmerkt, dass hineingesteckt wurde. Wortwitz, Vampire, Liebe, Sex, Schlachten und Intrigen- was will man mehr. Ich empfehle dieses Buch wärmstens weiter und möchte unbedingt mehr davon lesen.
- Franziska Franke
Der Tod des Jucundus
(4)Aktuelle Rezension von: FuexchenNach einer durchzechten Nacht wacht der Tunichtgut Lucius am Rheinufer neben dem toten Viehhirten Jucundus auf. Lucius ist blutverschmiert und hält einen Dolch in der Hand, kann sich aber leider an gar nichts erinnern.
Lucius älterer Bruder Marcus, ein Weinhändler, ist von seiner Unschuld überzeugt und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Mörder des Jucundus. Als erstes jedoch muss er sich mit seinem eigenen Geschäftspartner Respectus auseinandersetzen, denn der lagert geheimnisvolle Kisten auf dem Dachboden des gemeinsamen Weinkontors. Und welche Rolle spielt der Patron Marcus Terentius, der dem toten Jucundus einen auffällig teuren Grabstein stiftet?Auf Anhieb sprach mich der Klappentext an und so wollte ich das Buch von Franziska Franke lesen.
Ausgelegt als Kriminalroman hatte ich Erwartungen, die dann leider doch nicht erfüllt wurden. Spannungsroman trifft es für meinen Geschmack auch nicht richtig, ich würde das Buch eher als Roman einordnen. Denn auch wenn es um den Tod des Jucundus geht, empfand ich den Spannungsbogen nicht als konstant hoch und war dadurch nicht durchgehend gefesselt.
Der Schreibstil ist unkompliziert. Die Handlung spielt in Mainz im 1. Jahrhundert n. Chr. Damals noch Mogontiacum genannt, hatte ich mir noch mehr Informationen erhofft. Die Gegend wurde stellenweise recht bildhaft beschrieben, dennoch gelang es mir nicht, mir ein Bild der Stadt zu machen.
Auch blieben die Charaktere recht blass. Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Perspektive des Weinhändlers Marcus erzählt und eigentlich mag ich diesen Stil sehr gerne. Hier kam aber nichts bei mir an. Die Figuren schafften es nicht, mich an ihren Gefühlen und Gedanken teilhaben zu lassen. Sie wurden mir zwar beschrieben, aber es kam leider nichts an, zumal ich nicht immer die Gedanken und Gefühle von Marcus nachvollziehen geschweige denn verstehen konnte.
Dies ist mein persönliches Empfinden und daher gibt es bestimmt genügend andere Leser, die meine Punkte in keiner Weise nachvollziehen können und das ist auch gut so.
Die Story ist gut durchdacht und war für mich nicht vorhersehbar, dennoch werden das Buch und ich keine Freunde. Eine solide Basis reicht mir leider nicht, um mir eine gute Lesezeit zu bereiten. Daher vergebe ich zwei Sterne.























