Bücher mit dem Tag "rollenbilder"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "rollenbilder" gekennzeichnet haben.

25 Bücher

  1. Cover des Buches Die Wut, die bleibt (ISBN: 9783499009129)
    Mareike Fallwickl

    Die Wut, die bleibt

    (313)
    Aktuelle Rezension von: C_S1

    Mit diesem Roman gelingt Mareike Fallwickl ein feministisches Werk, das nicht provoziert, um zu schockieren, sondern um sichtbar zu machen. Der Ausgangspunkt ist drastisch – und doch ist es nicht die Tat selbst, die im Zentrum steht, sondern das, was sie offenlegt: die Überforderung, die Unsichtbarkeit und die strukturelle Schieflage, in der viele Frauen leben.

    Besonders stark ist, dass der Roman Frauen nicht von oben herab belehrt. Er präsentiert keine vereinfachten Lösungen und predigt keine schnellen Auswege. Die Idee, Frauen müssten „einfach“ aufhören, Carearbeit zu leisten oder sich verweigern, um ein Zeichen zu setzen, wird hier als das entlarvt, was sie ist: zu kurz gedacht. Stattdessen zeigt die Geschichte, wie tief verwurzelt Rollenbilder sind – emotional, gesellschaftlich und ökonomisch. Die Probleme enden nicht mit einem symbolischen Akt des Widerstands.

    Sprachlich ist der Roman eindrucksvoll, direkt und zugleich literarisch feinfühlig. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet, besonders spannend ist der Blick auf zwei Frauengenerationen, die ähnliche Belastungen unterschiedlich wahrnehmen und jeweils eigene Wege suchen, damit umzugehen. Wut, Trauer und Ohnmacht stehen nebeneinander – aber auch die leise Frage nach Veränderung.

    Ein kluger, unbequemer und wichtiger Roman, der lange nachhallt.



  2. Cover des Buches Offene See (ISBN: 9783832165987)
    Benjamin Myers

    Offene See

    (439)
    Aktuelle Rezension von: Lina_Clee

    Was soll ich sagen? Das Buch hat mich einfach von Anfang bis Ende abgeholt. Eine tolle, bodenständige Geschichte die unfassbar nahbar ist. Dazu kommt noch das die Hauptprotagonisten so unfassbar toll zueinander passen und selbst einfach total spannend und erfrischend sind. Ich habe es sehr geliebt!!

  3. Cover des Buches Die Vegetarierin (ISBN: 9783351042608)
    Han Kang

    Die Vegetarierin

    (623)
    Aktuelle Rezension von: Helena_Kawaii

    Dieses Buch hat mich nach dem Lesen noch lange weiter beschäftigt.  

    Zuerst möchte ich den besonderen Schreibstil hervorheben. Er ist kühl, präzise aber gleichzeitig trieft er nur von Symbolik und poetischer Sprache. Dieser nüchterne Schreibstil und die fehlende Emotionalität machen die Ereignisse der Geschichte umso eindringlicher und verstörender. Die Entscheidung der Hauptperson „Yong-Hye“ zum Veganismus (der Titel passt eigentlich nicht, da sie auf alle tierischen Produkte verzichtet), darf hierbei nicht als einfache Ernährungsumstellung gesehen werden, sondern agiert vielmehr als radialer Akt der Selbstbestimmung in einem unglaublich starren Patriarchat. Das Buch bzw. viel mehr die Denkweise und das Verhalten der Außenstehenden bzw. vorrangig der Familie von Yong-Hye  haben mich verstört und sehr wütend gemacht. Das Buch verstört also, aber zwingt gleichzeitig dazu, seine eigenen Denkweisen zu hinterfragen. Hans Buch übt gnadenlose Gesellschaftskritik und behandelt dabei Themen wie Machtverhältnisse, Kontrolle, Patriarchat und in gewisser Weise auch Veganismus. Wobei letzteres eher symbolisch zu sehen ist. 

    Besonders beeindruckend finde ich, dass „Die Vegetarierin“ bereits 2007, also vor fast 20 Jahren erschienen ist, aber heute aktueller denn je wirkt. Auch heutzutage hat sich an Themen wie Rollen im Patriarchat, gesellschaftlichem Anpassungsdruck und Selbstentfaltung  in der Gesellschaft kaum was geändert, sodass das Buch sich fast schon wie ein Kommentar zur Gegenwart liest. 

    Hans Werk ist definitiv kein leichtes Werk, aber umso wichtiger. Es verstört, regt aber zum nachdenken an und beeindruckt mit symbolischer Gesellschaftskritik. 

    Bewertung: 5 von 5 Sternen 


  4. Cover des Buches Frühstück bei Tiffany (ISBN: 9783036950549)
    Truman Capote

    Frühstück bei Tiffany

    (661)
    Aktuelle Rezension von: Renate1964

    Im Mittelpunkt der kurzen Erzählung von aTruman Capote steht das Partygirl Holly Golightly. Sie lernen wir aus Sicht eines namenlosen Ich- Erzählers kennen. Trotz aller reichen Verehrer und länger Nächte ist sie auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer Heimat, wo sie keine Angst mehr hat. Auch der Erzähler liebt sie und beschreibt sie sensibel 

  5. Cover des Buches Das weibliche Prinzip (ISBN: 9783832165017)
    Meg Wolitzer

    Das weibliche Prinzip

    (143)
    Aktuelle Rezension von: eliswa

    In diesem knapp 500seitigen Roman wird die strebsame und eher zu Beginn eher ziellos ehrgeizige Greer zur gefeierten und berühmten Feministin.

    Das Thema Feminismus wird von unterschiedlichen Seiten umkreist: zum Einen findet Greers Leben durch die Idee des Feminismus ein Ziel und sie selbst auch den Mut ihre innere Stimme auch zu einer äußeren zu machen. Zum anderen verehrt sie Faith Frank, eine Feministin der zweiten Welle der Frauenbewegung auch als Person sehr und reagiert desillusioniert als sie Kratzer und Brüche in Faiths Haltung erlebt. Ihre Verehrung bringt sie dazu, einen Brief ihrer Freundin Zee, die auch bei der von Faith geführten Stiftung "Loci" arbeiten möchte, unterschlägt und nicht weitergibt, weil sie die Arbeit mit Faith Frank nicht teilen möchte. Ein Verrat, ja. Aber auch ein Verrat gegen das "Weilbliche Prinzip"?

    Das so benannte Manifest "Faith Franks aus den 70er Jahren postuliert einen Gegensatz zu konkurrenzorientierten, "männlichen" Welt, vermittelt den Wert ovn Stärke in Verbindung mti Anstand und ermutig Männer wiederum zur Sanftheit."Sanft" ist auch das ganze Buch geschrieben (manchmal an der Grenze zur säuselnden Langatmigkeit". In irgendeiner Weise agieren auch viele der Hauptfiguren sanft: Greer und ihre Highschool- Liebe Cory bleiben sich über Jahre ineiner Fernbeziehung innig verbunden. Cory erlebt durch den frühen Tod eines Familienmitglieds den Zusammenbruch seiner beruflichen Träume und seiner Familie. Seine Trauer bringt ihn dazu, jahrelang liebevoll seine Mutter zu pflegen,seine Karriere hintanzuzhalten und ohne Dünkel als Putzhilfe zu jobben statt als Risikomanager Prestige und Vermögen zu ernten.

    Das Buch wirft viele Fragen auf: Stell der Verrat, den die Frauen mit ihren großen feministischen Idealen anenander üben auch einen Verrat am Feminismus dar oder diskreditiert er ihn ganz? Bedeutet Feminismus für ein Ende der Gewalt gegen Frauen zu sein und für gleiche Chancen oder Müssen Frauen gleich die besseren Menschen sein und im "weiblichen Prinzip" gleich die Menschheit an sich verbessern? und gilt nur die als glaubwürdige Feministin, die moralisch makellos lebt?

    Die langsame Erzählweise mit dem wechselnden Fokus auf unterschiedliche Figuren mit vielen Rückblenden lässt Zeit um über diese Fragen nachzudenken und die Figuren besser kennenzulernen. Das habe ich genossen.

    Ein wenig ärgerlich ist die Doppelung, dass Greer, ebenso wie Faith am Schluss des Buchs durch ein Manifest kometenhaft aufsteigt . Über den Inhalt des schmalen Buches wird wenig mehrl als die Aufforderung "Seid laut" gesagt und ich  finde die Wendung nicht glaubwürdig;ebensowenig konnte ich hier die Unterschiede zwischen dem "alten" und dem "neuen" Feminismus ausmachen.

  6. Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462007541)
    Cho Nam-Joo

    Kim Jiyoung, geboren 1982

    (489)
    Aktuelle Rezension von: Sunflower550

    Wenn ich kurz beschreiben müsste, worum es geht: Um Sexismus und.. nun ja, Sexismus eben. Obwohl misogyne Strukturen in Korea zweifellos von großer Relevanz sind, empfand ich die stetige thematische  Wiederholung und den sehr nüchternen Schreibstil irgendwann als ermüdend und sehr vorhersehbar. Die einzelnen Situationen, die der Protagonistin widerfahren sind, mögen interessant sein., doch wirklich viel Raum für Wendungen oder Spannung bleibt da nicht. Ja, das Buch hat definitiv Passagen, die tief unter die Haut gehen. Es zeigt, wie Frauen unter patriarchalen Strukturen leiden und ich bin mir sicher, dass sich viele Frauen in vielen Teilen der Erde auch heute noch in diesem Leid wiederfinden. Auch stelle ich mir auch vor, wie sich Männer der Lektüre annehmen und Einblicke in einen Alltag als Frau erhalten können und Empathie empfinden können. Leider wurde der Schreibstil durch seine Monotonie dann doch zunehmend anstrengend und der Umstand, dass es sich inhaltlich ständig wiederholt, macht es nicht besser. Trotz des überschaubaren Umfangs musste ich mich regelrecht durchbeißen. Wie hier viele geschrieben haben, ist es eher wie ein Sachbuch geschrieben. Ich hatte  angenommen, es würde nahbarer oder aus einer Innen- Perspektive geschrieben und mich daher abholen, doch stattdessen verursachte dieser Schreibstil  eine gewisse Distanz. Schade. Ich habe den Eindruck, das Buch weiß nicht so recht, ob es ein Roman oder ein Sachbuch sein möchte. War leider nicht so fesselnd, wie ich mir gewünscht hätte.

  7. Cover des Buches Weiblich, ledig, glücklich - sucht nicht (ISBN: 9783499634130)
    Gunda Windmüller

    Weiblich, ledig, glücklich - sucht nicht

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Da denkt man, wir leben in einer fortschrittlichen Zeit, und dann zeigt Gunda Windmüller mit ihrem Buch „Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht“ auf, wie rückständig unsere Gesellschaft noch in Bezug auf alleinstehende Frauen ist. Während Männer als begehrenswerte Bachelor gesehen werden, degradiert man weibliche selbstgewählte Singles zu alten Jungfern, die zusehen sollten, dass sie unter die Haube kommen, solange sie noch einen Funken Restschönheit haben, den ein Kerl will. Schlimmer wird es noch, wenn die sich selbst genügende Frau der Beteiligung am Fortbestand der Art entziehen und keine Kinder bekommen will. Althergebrachte Denkmuster und eigens danach ausgerichteter Kapitalismus wollen vermitteln, dass Frau nur in einer Beziehung aufgehen kann, dabei ist klar, dass keine Beziehung besser ist als eine schlechte und Statistiken zeigen, dass Singles nicht weniger glücklich sind als ihre weiblichen Mitmenschen in Beziehungen.

    Gunda Windmüllers Erläuterungen erweitert sie durch Querverweise anderer AutorInnen, Erfahrungen aus Freundes- und Bekanntenkreis sowie Filmen und Serien, die immer noch ein bestimmtes Bild zu erzeugen suchen. Gunda Windmüller hat eine lockere Art ihr Thema zu vermitteln. Ein interessantes Buch, das man gut weglesen kann, um über bestimmte Dinge einmal zu reflektieren, auch wenn man bereits zu den weiblichen und glücklichen Singles dieser Welt gehört. 

  8. Cover des Buches Schönwald (ISBN: 9783492321396)
    Philipp Oehmke

    Schönwald

    (100)
    Aktuelle Rezension von: otis27

    Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und war von Anfang an neugierig, was noch kommt. Der Autor hat es wirklich geschafft, die vielen Charaktere so vorzustellen und einzubauen, dass man immer auch bei anfänglich langweilig anmutenden Situationen abgeholt wird und sich voller Erwartung auf was noch kommt freut. Trotz des großen Umfang des Buches blieb es meines Erachtens kurzweilig und man konnte sich gerade durch diese Länge Gedanken über das Handeln der einzelnen Personen machen

  9. Cover des Buches Gnade der Schatten (ISBN: 9783748171775)
    Rosalind Parker

    Gnade der Schatten

    (18)
    Aktuelle Rezension von: seiten_der_welt

    Klappentext: 

    Rosanne ist die Erstgeborene des Königs. Doch sie passt nicht in die Rolle der Prinzessin, ist eigensinnig, wider-willig - und schläft mit den Soldaten.
    Der König ist unzufrieden mit ihr, seine anderen Töchter spielen die Rolle besser. Doch Rosanne ist die Thronfolgerin und dem König bleibt keine andere Wahl. Er plant, seine Tochter zu verheiraten, um ihr etwas Sanftmut zur Seite zu stellen, der ihre Schwächen ausgleichen soll.
    Aber ein Prinz nach dem anderen verschwindet in ihren Gemächern - und dann aus dem Schloss.
    Bis der König den sanftmütigen und gutherzigen Castiel findet, er wäre der ideale Schwiegersohn.
    Rosanne ist nicht gerade begeistert von der Wahl ihres Vaters, sie findet den jungen Prinzen langweilig. Er passt nicht zu ihrem Leben.
    Überraschend weist er ihre Annäherungen für eine gemeinsame Nacht jedoch zurück und kratzt damit an Rosannes Stolz. So schnell gibt die Prinzessin nicht auf.
    Und plötzlich erfährt sie sein Geheimnis und ihr wird klar, dass Castiel nicht der langweilige Prinz ist, für den sie ihn gehalten hat. Aber er verschwindet und lässt eine Prinzessin zurück, für die ein Mann zum ersten Mal mehr war als nur Sex.

    Die Geschichte einer Prinzessin, die keine Prinzessin sein will, und einer Liebe gegen die Vernunft.

     

    Eigene Meinung:

     

    Das Cover von dem Buch gefällt mir sehr gut,und macht auch neugierig. Ich finde das Buch mit noch nicht mal 150 Seiten sehr kurz. Direkt am Anfang fängt das Buch mit einer Sex-Szene an. Das gefällt mir für den Anfang überhaupt nicht. Ich mag es nicht,wenn der Sex direkt auf den ersten paar Seiten passiert. Ich mag es lieber,wen sich die Geschichte langsam aufbaut. Doch auch im weiteren Verlauf des Buches geht es sehr viel um Sex. Ich hatte das Gefühl,es ging nur darum.Am Rande wurde noch ein wenig Geschichte mit ein gebracht. Doch die Charaktere waren meiner Meinung nach,überhaupt nicht ausgearbeitet. Man konnte keine Charakterzüge,Makel oder Eigenschaften erkennen.Die Protagonistin möchte keine Prinzessin sein,nutzt es aber sehr stark aus. Und auch das sie ihren Körper später verkauft,gefällt mir nicht.Selbst mit dem Schreibstil hatte ich Probleme.Ich konnte gar keinen Draht zu den Figuren aufbauen. Ich hätte mir von dem Klappentet definitiv mehr erhofft,denn dieser klingt sehr spannnend und viel versprechend. Leider merkt man davon in dem Buch selber überhaupt nichts. Ich habe nichts dagegen,Sex Szenen,gerne auch ausführlicher beschrieben,zu lesen. Doch bei diesem Buch hatte ich das Gefühl,ich lese einen Porno. Ich würde das Buch definitiv nicht noch mal lesen und auch nicht weiterempfehlen. Dafür passiert mir auf jeden Fall zu wenig.


    Bewertung:


    2 von 5 Sternen


    Link zu meinem Blog:

    https://flammendearcolein.wixsite.com/seitenderwelt

  10. Cover des Buches Nacktschnecken (ISBN: 9783832163204)
    Rebecca Martin

    Nacktschnecken

    (18)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Nora und Paul sind ein Paar. Doch irgendwie scheint es nicht mehr ganz rund zu laufen. Neben Kosenamen und relativ oberflächlichen Gesprchen plätschert die Beziehung nur so dahin. Paul geht seinem Studium nach während Nora als Schauspielerin arbeitet. Aufkommendes Glück wird recht schnell wieder zunichte gemacht, sodass man als Leser oft gelangweilt die nächsten Seiten liest. Immer in der Hoffnung, etwas spannendes und außergewöhnliches möchte passieren. Nora wirkt auf mich als Charakter unreif und unruhig. Sehr gerne hätte ich sie öfter geschüttelt und aus ihrer Lethargie geholt. Leider ist auch der weitere Verlauf der Handlung ziemlich ersichtlich und vorhersehbar, sodass es am Ende ziemlich plump und unspektakulär zu einem "Happy-End" kommt.

    Schade eigentlich, denn Rebecca Martins Debütroman vor 8 Jahren "Frühling und so" machte Lust auf mehr. So kann ich für Nacktschnecken leider nur 2,5 Sterne geben.

  11. Cover des Buches Kurt, Einhorn wider Willen 1. Wer möchte schon ein Einhorn sein? (ISBN: 9783751206815)
    Chantal Schreiber

    Kurt, Einhorn wider Willen 1. Wer möchte schon ein Einhorn sein?

    (52)
    Aktuelle Rezension von: papa.hirsch.liest

    🦊 ab 5 

    📄 112 Seiten

    💶 15,00 Euro

    📖 Ellermann Verlag @verlagsgruppe_oetinger

    🖊️ Chantal Schreiber @ch.schreiber

    🎨 Stephan Pricken @stephanpricken1

    ⁉️ Buch über Vorurteile


    🦌Worum geht es?🦌


    In der Geschichte geht es um ein Einhorn, dass sehr unsanft von einem Vogel namens Trill geweckt wurde. Dieser Vogel hörte zum einen nicht auf Kurt, so heißt das Einhorn, mit Klischees über Einhörner zu nerven und zum anderen suchte es ein Einhorn für die Rettungsaktion einer Prinzessin. Besser gesagt als ein Tausch, aber das wusste Kurt noch nicht. Doch Kurt hat alles andere als Lust auf eine solche Rettungsaktion, wie aus einem Märchenbuch, bis…



    🦌Mein Eindruck:🦌


    Ich habe ja mit einem späteren Band von Kurt angefangen und war damit nicht sehr glücklich. auch die Kinder haben keinen so großen Gefallen an der damaligen Geschichte gefunden. Daher durfte ich nun die Anfänge von Kurt miterleben und ich muss wirklich sagen, dass ich überwältigt bin von dieser Geschichte, denn wenn Sarkasmus ein Buch wäre, wäre es dieses. Ich liebe nicht nur Sarkasmus, sondern auch Ironie und dieses Buch spiegelt mich eins zu eins wieder. Weiterhin ist die Geschichte voller Klischees und Vorurteilen gegenüber Einhörnern und Prinzessinnen. Doch das Klischees nicht immer erfüllt werden, belegt die Geschichte. Auch die Illustrationen, anders bin ich von Stephan nicht gewohnt, sind witzig und originell. 

    Fazit: Ein sarkastisches starkes Prinzessinnenbuch für richtige Ninja-Einhörner.



    Bewertung: 🦊🦊🦊🦊🦊



    Viel Freude beim Lesen, Vorlesen und Träumen. 🦊

  12. Cover des Buches Jesolo (ISBN: 9783453424142)
    Tanja Raich

    Jesolo

    (59)
    Aktuelle Rezension von: Eternal-Hope

    Andrea, genannt "Andi", ist Mitte 30, und orientierungslos in ihrem Leben. Von der eigenen Mutter wurde sie verlassen, als sie 10 Jahre alt war, und auch zum Vater hat sie kein gutes Verhältnis. Doch es gibt auch stabilisierende Faktoren in ihrem Leben: die langjährige Beziehung zu Georg, mit dem sie schon seit ihrer Teenagerzeit zusammen ist, auch wenn sie sich bisher nicht dazu entschließen hat können, weitere gemeinsame Schritte zu gehen, zusammen zu ziehen, zu heiraten oder sich für ein Kind zu entscheiden. Und sie arbeitet in einer Kreativagentur, eine Festanstellung, die ihr so mittelmäßig zu gefallen scheint.

    In sich drin träumt Andi von all den alternativen Lebensrealitäten, die möglich wären: man könnte doch ganz was anderes machen, mal in Madrid leben, am Meer oder in der Großstadt, durch die Welt reisen, mal so, mal so. Tatsächlich lebt sie nichts davon, denn sie hat sich für einen Partner entschieden, der konservativ ist und die Routine liebt, und lebt nun schon seit Jahrzehnten an seiner Seite. Georg liebt das Gewohnte und Traditionelle, auch im Urlaub, und er ist eindeutig der stärkere Part in dieser Beziehung. Und Andi unternimmt keinerlei Bemühungen, irgendwelche ihrer Träume zu verwirklichen.

    So beginnt das Buch schon mit dem jährlichen Urlaub, den das Paar im immer gleichen Hotel in Jesolo verbringt, wo Georg die immer gleichen Speisen zum Frühstück wählt und wenig Neues ausprobieren möchte. Für die Zukunft hat Georg auch eine klare Vorstellung: zusammenziehen, am besten im oberen Stock des Elternhauses, den man dann noch weiter ausbauen könnte, und gemeinsam eine Familie gründen. Das spricht Georg auch immer wieder an, nur Andi möchte das nicht, sie träumt von einem freieren, flexibleren Leben und möchte sich nicht festlegen, unternimmt aber auch keine konkreten Schritte in Richtung ihres Wunschlebens und hält Georg hin, trennt sich aber auch nicht von ihm, obwohl klar ist, wie er ist und was er sich vom Leben wünscht und dass das mit ihren Vorstellungen eigentlich überhaupt nicht zusammenpasst.

    Dabei werden die beiden immer älter - Andi ist mittlerweile 35 - und Georg immer unglücklicher damit, dass er seine Ziele mit ihr nicht verwirklichen kann und auch nicht weiß, ob und wann das noch möglich sein wird, sodass es sogar zu einer kurzfristigen Distanzierung zwischen den beiden kommt.

    Tja, und dann stellt sich heraus, Andi ist im alljährlichen Jesolo-Urlaub offenbar schwanger geworden. Auch hier verhält sie sich so, wie sie sich immer verhält in ihrem Leben: sie trifft erst mal lange überhaupt keine Entscheidung und redet mit niemandem darüber, nicht einmal mit Georg. Die Schwangerschaft ist schon recht weit fortgeschritten, als sie ihm davon erzählt, und an ihrem Arbeitsplatz schweigt sie das Thema sowieso so lange tot, bis der Babybauch so sichtbar ist, dass sie schon darauf angesprochen wird. In Bezug auf das Ungeborene scheint sie nicht viele mütterliche Gefühle zu entwickeln und verhält sich ausgesprochen verantwortungslos, etwa, indem sie wiederholt größere Mengen an Alkohol trinkt.

    Gleichzeitig lässt sie sich aber schlussendlich in ein Leben treiben, das sie so nicht wollte. Sie willigt ein, mit Georg ins Haus seiner Eltern zu ziehen, dort das obere Geschoss aufwendig renovieren zu lassen, aufzustocken und dafür einen Kredit im mittleren 6-stelligen Bereich aufzunehmen. Georg und seine Eltern übernehmen eine dominante Rolle bei der Renovierung und Wohnungseinrichtung, und abgesehen von vereinzelten kleinen Akten der Rebellion - Andi setzt sich bei der Wahl des Sofas durch - lässt sie auch das mit sich geschehen. 

    Wir begleiten Andi, Georg und deren Umfeld durch die Schwangerschaft und es ist schon hier ersichtlich, wie das Ganze weitergehen wird: Andi wird sich in ihrem selbsterwählten Unglück und ihrer Opferrolle suhlen, wahrscheinlich eine ähnlich wenig ambitionierte Mutter sein wie ihre eigene und die Schuld an all dem "der Gesellschaft" und "deren Erwartungen an Mutterschaft" zuschieben. Dabei - man liest es sicher heraus - hat ihr Unglück in meinen Augen viel mehr mit ihrer eigenen passiven Haltung und Verweigerung des Erwachsen-Werdens und der Verantwortungsübernahme für das eigene Leben zu tun, als mit der Gesellschaft. Schließlich hat niemand sie gezwungen, genau diesen Partner zu wählen und so lange an seiner Seite zu bleiben, und dann sich noch mehr ins von ihr abgelehnte konservative Leben hineinfallen zu lassen, aus Passivität und Feigheit. 

    Andi ist also keine sympathische Person, aber das muss sie auch nicht sein. Das Buch an sich finde ich hervorragend geschrieben, denn es ist eine ausgezeichnete Charakter- und Milieustudie und als solche spannend und authentisch zu lesen: Frauen mit einer Haltung ähnlich wie Andi gibt es viele, und damit ist es auch eine sehr gute Darstellung der Konsequenzen des Sich-Treiben-Lassens und Nicht-Erwachsen-Werden-Wollens, das in gewissen Kreisen meiner eigenen Millenial-Generation so verbreitet ist  - Leseempfehlung!

  13. Cover des Buches Mädelsabend (ISBN: 9783462002201)
    Anne Gesthuysen

    Mädelsabend

    (94)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Ruth und Walter sind seit knapp 65 Jahren verheiratet und wohnen seit Kurzem in einem Seniorenstift bei Xanten. Während Ruth nach einem Unfall zu Hause dort regelrecht aufblüht und ihre neu gewonnen Freiheit sowie die sozialen Kontakte genießt, möchte Walter wieder zurück in seine gewohnte Umgebung und Ruth wie schon seit jeher bevormunden. 

    Sara, die ein enges Verhältnis zu ihren Großeltern hat, sieht sie dort gut aufgehoben. Sie selbst ist Ärztin, derzeit in Elternzeit und glücklich mit Sohn Paul und ihrem Lebensgefährten Lars. Als sie ein Angebot für ein Stipendium in Cambridge erhält, muss sie sich entscheiden, ob sie für ihr berufliches Vorankommen ihre kleine Familie gefährdet. 

    Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden weiblichen Hauptfiguren Ruth und Sara geschildert. Neben der gegenwärtigen Handlung gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, die Aufschluss über das Eheleben von Ruth uns Walter geben, die 1953 geheiratet haben. 

    Die Geschichte spielt am Niederrhein und sprüht vor Lokalkolorit und Liebe für die Figuren. Gerade die älteren Charaktere haben ihren ganz eigenen Charme und gestalten die Geschichte lebendig. 

    Wie die Autorin in ihrer Danksagung erwähnt, ist die Geschichte aus dem Leben gegriffen und wirkt trotz manch skurriler Einfälle lebensecht und authentisch. 

    Neben dem Älterwerden geht es insbesondere um Beziehungen und Partnerschaft, Rollenbilder sowie Selbstverwirklichung, Emanzipation und dem Wunsch nach Freiheit. Dabei wird der Wandel der Gesellschaft und die Stärkung der Frauenrechte plastisch durch die Ehe von Ruth und Walter sowie die Beziehung von Sara und Lars dargestellt. Die unterschiedlichen Generationen stehen auch für die unterschiedlichen Vorstellungen von Ehe. Obschon patriarchale Strukturen oder gar Gewalt in Beziehungen gegenwärtig keinen Platz mehr haben, ist es dennoch für Frauen schwer, für ihre Wünsche einzustehen und Familie und Beruf zu vereinbaren. 

    Die Charaktere sind nahbar und ihre inneren Konflikte sehr gut nachzuempfinden. Sara kämpft mit einem schlechten Gewissen, während Ruth gegen ihren Mann aufbegehrt. Trotz aller Fortschritte in Sachen Emanzipation ist es für beide schwer, Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen. 

    Die Geschichte beschreibt ernste Themen auf humorvolle Weise. Sie ist ein ehrliches und warmherziges Porträt über den Wandel der Ehe im Verlauf der letzten Jahrzehnte, über die Fortschritte, die errungen wurden, aber auch die Notwendigkeit eines alltäglichen Kampfes zum Erhalt dafür. 

  14. Cover des Buches Lieben muss man unfrisiert (ISBN: 9783218010665)
    Nadine Kegele

    Lieben muss man unfrisiert

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Ivonne_Gerhard
    ...... Ich erzähl dir meine Sichtweisen und meine Erlebnisse im Laufe meines Lebens ;-) Ein Buch welches wirklich viele schöne interessante und unterschiedliche Geschichten besitzt und jede Geschichte ist so einzigartig und man lernt die Frauen ungeschönht und real kennen :-) die Erzählungen sind lebhaft, standhaft, real und direkt,... Wie erging es Ihnen , wie fühlten sie sich, was haben sie gelernt,... Ein Buch welches zum nachdenken anregt und auch den Werdegang der Frau in der Gesellschaft aufzeigt,... Ein wirklich toll geschriebenes und umgesetztes Buch ;-) jeder hat seine eigene Geschichte , die er erlebt und durchlebt,.....
  15. Cover des Buches Die Macht der Träne (ISBN: B07YJ6DFWF)
    Cornelia Harz

    Die Macht der Träne

    (15)
    Aktuelle Rezension von: halofulbright

    "Die Macht der Träne" hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich war sofort total begeistert von der Idee und habe das Buch in nur zwei Stunden gelesen. 

    Ich konnte mich leider nicht wirklich mit den handelnden Charakteren identifizieren und mich auch kaum in sie einfühlen - gerade die beiden Frauen, die nicht im Fokus standen, waren für mich ein wenig unrealistisch und überzogen. Die Protagonistin wirkte eher etwas unscheinbar auf mich.

    Gepackt hat mich aber die Idee - und die Art und Weise, wie gerade die Frauen von dem "Therapeuten" manipuliert wurden. Das war mit am spannendsten.

    Einige Szenen waren für mich nicht unbedingt ausführlich genug geschrieben und ich hätte gerne doppelt so viele Seiten gehabt, um wirklich Spannung aufkommen zu lassen. So ging mir einiges zu schnell, um mich um die Charaktere zu Sorgen. Es wurde mir auch zu schnell "aufgelöst" - die Gefahr war einfach schnell wieder verschwunden.


    Dennoch ein tolles Buch, dass ich jedem Thriller-Fan empfehlen kann!

  16. Cover des Buches Geht's noch! (ISBN: 9783222150302)
    Lisz Hirn

    Geht's noch!

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Helmut_Hofbauer

    Die Autorin gibt vor, für die Frauenemanzipation einzutreten. Wenn man das Buch liest, stellt man fest, dass sich die Frauenemanzipation nach den Vorstellungen der Autorin zu verwirklichen hat.

    Diese Vorstellungen, die sie selbst als links, liberal, fortschrittlich oder aufgeklärt einordnet, entsprechen nicht den Vorstellungen aller Menschen, die sich für die Frauenemanzipation einsetzen, und auch nicht den Vorstellungen aller Menschen, die sich selbst für links, liberal, fortschrittlich und aufgeklärt halten.

    Aus diesem Grund verwendet die Autorin die Bezeichnung "Biedermänner" und "Biederfrauen" für alle Menschen, die nicht nach ihrer Fasson glücklich werden wollen. Dieser Vorwurf trifft nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Und er trifft nicht nur Menschen mit konservativem politischem Weltbild, sondern auch solche, die sich selbst für links und fortschrittlich halten, aber nicht in allen Punkten mit den Überzeugungen der Autorin übereinstimmen.

    Da sich das Buch nicht bei den konkreten Phänomenen aufhält, um sie genauer zu analysieren, sondern eilig über sie hinweghastet, lernt man daraus nichts Neues, was über das hinausgeht, was man auch schon in den Medien gehört und gelesen hat.

    Da das Buch überdies für eine sehr spezifische politische Situation in Österreich geschrieben ist - die schwarz-blaue Koalition, die bereits vorübergegangen ist - hat es auch seine unmittelbare Aktualität verloren.

  17. Cover des Buches Sorry not sorry (ISBN: 9783499012730)
    Anika Landsteiner

    Sorry not sorry

    (83)
    Aktuelle Rezension von: LeseHexe87

    In ihrem Essay-Band "Sorry not sorry: Über weibliche Scham" nimmt Anika Landsteiner kein Blatt vor den Mund und beleuchtet in eindringlicher Sprache sowie anhand zahlreicher, sehr persönlicher Beispiele vom Leben mit ihrer Scham, die sinnbildlich für so viele weibliche Leben und Erfahrungen marginalisierter Gruppen stehen dürfte.

    Das Buch taucht tief ab und streift historische Themenfelder, die bis heute Relevanz für unsere Gesellschaft und unser "Selbstverständnis" haben. Von griechischer Mythologie jahrtausendelang geprägten, beschämenden Begriffen, welche ich inhaltlich nie hinterfragt, sondern schlicht benutzt habe, hinüber zum Hier und Jetzt und der kritischen Frage, wo wir denn eigentlich stehen. Sind Frauen, Männer und andere Gruppen wirklich gleichberechtigt? Begegnen wir uns tatsächlich auf Augenhöhe oder liegt der Teufel doch mehr als nur einmal im Detail, wenn ich nur ganz genau hinschaue und es mir (und anderen) unbequem mache?

    Das Buch hat mich tief bewegt, erschüttert, wütend gemacht und manchmal auch fassungslos, deprimiert und beschämt zurückgelassen, weil ich mich ertappt fühl(t)e. Es ist so leicht, verbal gegen Ungerechtigkeit (vermeintlich) ins Feld zu ziehen, aber eine ganz andere, den Rücken gerade zu halten und konsequent zu leben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es sagt sich nur so einfach, sich nicht mehr zu schämen oder nicht mehr schämen zu wollen, wenn das Gefühl so tief in mir wohnt, dass selbst eine Räumungsklage kaum Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

    Gerade deshalb ist dieses Buch so wertvoll und hilfreich: Weil es das Augenmerk auf Missstände, tradierte Verhaltensweisen und Zuschreibungen richtet und der Leserin / dem Leser so die Chance gibt, zu reflektieren. Zugegeben, es wird gewiss nicht Jedem und nicht Jeder gefallen, was Anika Landsteiner hier schreibt. Und umso mehr ist es essenziell, dass sie es schreibt.

    Danke, Anika Landsteiner, in mir hat ein wichtiger, schmerzhafter und trotzdem nötiger Prozess seinen Anfang genommen!

  18. Cover des Buches Neue Väter: Zur Vereinbarkeit von Sorge- und Erwerbsarbeit (Schlaglichter, Band 2) (ISBN: 9783963171208)
    Svenja Maria Dilger

    Neue Väter: Zur Vereinbarkeit von Sorge- und Erwerbsarbeit (Schlaglichter, Band 2)

    (3)
    Aktuelle Rezension von: milchkaffee
    Dieses Buch war anders als ich es erwartet habe. Warum? Es war sehr theoretisch , mit fehlten praktische Beispiele. Auch fand ich die Schrift sehr klein. Die Aussagen fand icn dennoch gut, aber ich denke es ist für mich eher eine wissenschaftliche Arbeit im Studium, als ein Buch das interessierte Eltern lesen werden... Schade.
  19. Cover des Buches Wunder gibt es immer wieder (ISBN: 9783453426658)
    Beate Sauer

    Wunder gibt es immer wieder

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Leseraupe

    Wohlig plätschernd stimmten mich die ersten Kapitel auf das Leben der siebzehnjährigen Eva ein. Die Suche nach der eigenen Identität - was will ich, wann kann ich, was darf ich - sprengt den Rahmen der folgsamen Tochter, die ihre Volljährigkeit (damals erst mit 21 Jahren) herbeisehnt. Die Schilderung der vorherrschenden Bevormundung durch Väter und Ehemänner, auch generell älteren, "obrigen" Personen empfand ich als unangenehm, Übergriffigkeit im körperlichen Sinne als beklemmend. 

    Für mein Verständnis ist der Roman glaubhaft in den damaligen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Wahrhaftigkeit ist ein Schlagwort, das fällt. Ja, das ist eine wahrhaftige und wahrhaftig gut erzählte Geschichte!

    Vielen Dank an Beate Sauer dafür!

  20. Cover des Buches Birk (ISBN: 9783734850899)
    Liv K. Schlett

    Birk

    (30)
    Aktuelle Rezension von: EmmyL

    Mit BIRK legt Liv K. Schlett ein bemerkenswert zeitgenössisches Jugendbuch vor, das sich konsequent der Innenwelt eines 16-jährigen Protagonisten verschreibt und dabei ein sensibles gesellschaftliches Tabuthema verhandelt, ohne es vorab zu benennen oder didaktisch auszuschlachten. Die bewusste Zurückhaltung im Klappentext erweist sich als erzählerische Stärke, da sie Leserinnen und Leser in eine ähnliche Ungewissheit versetzt wie den Protagonisten selbst.

    Die Handlung entfaltet sich nahezu vollständig über Birks anonym geführten Blog. Diese Form erzeugt eine hohe Unmittelbarkeit und Authentizität: Gedanken, Ängste und Selbstzweifel erscheinen ungefiltert, fragmentarisch und emotional nachvollziehbar. Der Blog fungiert zugleich als Schutzraum und als riskantes Medium der Selbstoffenbarung. Damit greift der Roman zentrale Fragen jugendlicher Identitätsbildung im digitalen Zeitalter auf, insbesondere das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit, Kontrolle und Verletzlichkeit.

    Birk wird als ambivalente, glaubwürdige Figur gezeichnet. Einerseits zeigt er bemerkenswerte Reflexionsfähigkeit und Empathie, andererseits trifft er Entscheidungen, die aus erwachsener Perspektive schwer nachvollziehbar erscheinen. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht die Figur literarisch überzeugend und altersgerecht. Schlett verzichtet bewusst auf moralische Vereinfachungen und lässt auch Konflikte mit Eltern und Umwelt ungelöst stehen. Das unterstreicht die Realität jugendlicher Überforderung in Krisensituationen.

    Thematisch verhandelt der Roman Aspekte von Mental Health, Scham, Angst vor Stigmatisierung und den Wunsch nach Zugehörigkeit. Besonders wirkungsvoll ist, dass das zentrale Problem nicht sensationalisiert wird, sondern über emotionale Konsequenzen erfahrbar wird. Der Fokus liegt nicht auf der Diagnose, sondern auf dem Erleben. Nebenfiguren treten bewusst in den Hintergrund, wodurch Birks subjektive Perspektive dominant bleibt. Dies verstärkt die innere Enge der Erzählung, geht jedoch zulasten einer breiteren sozialen Kontextualisierung.

    Sprachlich ist BIRK klar, direkt und an jugendlicher Alltagssprache orientiert, ohne anbiedernd zu wirken. Die Integration von Blogkommentaren erweitert den Text um eine soziale Resonanzebene und verdeutlicht, wie schnell digitale Kommunikation zwischen Solidarität und Eskalation kippen kann.

    Insgesamt ist BIRK ein eindringliches, aufklärendes Jugendbuch, das Mut zur Auseinandersetzung mit schwierigen Themen macht und junge Leserinnen und Leser ernst nimmt. Es eignet sich nicht nur für die individuelle Lektüre, sondern auch für den schulischen Kontext, da es Gesprächsräume über psychische Gesundheit, Toleranz und Selbstakzeptanz eröffnet.

  21. Cover des Buches Das Girlfriend-Experiment (ISBN: 9783351037543)
    Catherine Lacey

    Das Girlfriend-Experiment

    (33)
    Aktuelle Rezension von: Floh

    Auf der Suche nach einem richtig guten und unvergesslichen nicht alltäglichem Leseerlebnis bin ich bei meiner Stöbertour über eine mir bisher unbekannte Autorin, Catherine Lacey, gestoßen, die mit ihrem zweiten Werk „Das Girlfried-Experiment“ in den Literaturkreisen für Aufsehen sorgt. Dieses experimentelle und mutige Buch spaltet die Leserschaft und zeigt höchst interessante Kritiken. Genau aus diesem Grund wollte, nein musste, ich dieses Buch lesen! Und ich kann sagen: es lohnt sich!!!!

    Erschienen im Aufbau Verlag.

    Inhalt / Beschreibung (Text von der Verlagshomepage übernommen):
    "In hypnotischen Sätzen zieht uns Catherine Laceys Roman hinein in das Girlfriend-Experiment, ins Leben gerufen von Kurt Sky, einem so berühmten wie exzentrischen Schauspieler. Die Geschichte um Kurt und die als »emotionale Freundin« angestellte Mary Parson zeigt uns eine artifizielle, doch allzu reale Welt und hinterfragt spielerisch die Konventionen, die unsere intimsten Momente bestimmen. Laceys Antworten auf diese Fragen sind höchst beunruhigend."

    Schreibstil:
    Hoppla, hier traut sich die Autorin etwas! Nicht nur thematisch ist dieses Buch mutig und experimentell, sondern auch vom gesamten Schreibstil und Erzählstil ist dieses Buch anders, als viele andere Romane. Mit dem kontrovers diskutierten Buch und der talentierten Autorin Catherine Lacey erlebt man schriftstellerisches Geschick und grandiose Einzigartigkeit von der ersten Seite an! Ihr offener, direkter und teils beklemmender Stil besitzt eine ganz einzigartige Note, an die man sich zunächst gewöhnen muss. Catherine Lacey spricht durch ihre Protagonistin und Protagonisten offen das an, was viele noch nicht einmal zu Denken wagen. Sie würzt ihre sehr aufregende, mutige, interessante, beklemmende und spannende Handlung mit einem ganz eigenartigen und unverkennbaren Humor, diversen Metaphern und ordentlichen Stoff über das gelesene nachzusinnen und Dinge wahrlich zu hinterfragen. Teils sehr klischeebeladen bringt sie dem Leser zunächst die Lebenssituation Mary Parson nahe und streut immer wieder Situationen aus Kurt Skys Leben und Filmstarkarriere ein. Beider Leben wird zu einem besonderen Projekt. Catherine Lacey stellt uns nach und nach Mary und Kurt in ihrem Denken und Handeln und ihren Visionen vor. Die Autorin zeigt uns die Regeln und das Prestigeleben. Alles könnte so schön sein. Wären da nicht die Schattenseiten des Ruhms und die Schattenseiten vergangener Beziehungen und das Scheitern im normalen Alltag. Trotz allem Dasein und der Genialität des Experiments hinter GX und der manchmal wirklich witzigen Dialoge und Fauxpas ist die Handlung unheimlich beklemmend und regt zum Nachdenken an. Manchmal sogar tabulos, psychologisch verwoben, moralisch verwerflich und emotional tragisch. Wie reich ist man als Reich? Wie allein ist man im Leben der Öffentlichkeit? Lassen sich Beziehungen planen? Und wie lang kann man nach Drehbuch leben?... Eine beklemmende und höchst spannende Emotionsgewalt, die die Haut und Sinnesorgane benetzt. Lesen mit jeder Faser, wenn man das Geschehen auf sich wirken lässt. Catherine Lacey eckt an, provoziert und setzt ein Signal. Sie hat eine Art, die sicherlich nicht jedem direkt zugänglich ist, aber man sollte es als neugieriger Leser ruhig versuchen und wird vielleicht mit einem unvergesslich polarisierenden Roman belohnt. Die Ausnahme-Autorin Catherine Lacey schreibt sehr lebendig, facettenreich und bildhaft. Die Schriftstellerin hat Talent und Wiedererkennungswert, zwar nicht für die große Leserschaft, aber für ein gewisses Publikum sicherlich! Ihr Buch ist so filmreif verfasst, dass sich innerlich lebendige Bilder ergeben, und das Lesen zu einem Erlebnis mit allen erdenklichen Sinnen wird!

    Charaktere:
     Bei dieser Thematik und bei diesem beklemmenden Plot sind es ganz klar die Charaktere, die dieses Buch zur Sensation werden lassen. WOW!!! Dank der Charaktere fühlte ich mich mitten drin und wäre am liebsten selbst ins Experiment eingestiegen (kleiner Scherz*). Was für ein Preis für ein Vorzeigeleben. Was zeigt man nach außen? Und wie sieht es hinter den schönen Fassaden aus? OMG!!! Es ist wirklich fesselnd und nagend zu beobachten, wie schnell diese ach so heile Prominentenwelt auseinander bricht. Pikante Schicksale, Vergangenheiten und Psychogramme und plötzlich ist jeder damit befasst nur noch sein eigenes Ansehen zu retten. Mary erfüllt beinahe so jedes Klischee einer traumatisierten oder depressiven Seele. Aber auch der Schauspieler Kurt Sky polarisiert durch sein Lebenswerk. Und all die anderen Charaktere und Nebenrollen sind der wahre Wahnsinn an Charakterstudie und Persönlichkeitsmerkmale. … So speziell ausgearbeitete und besondere Persönlichkeiten sind mir selten in einem Roman begegnet. Hier lernen wir nicht nur die Teilnehmer des GX Experiments kennen, nein hier lernen wir zudem ganz besondere Rollen und Nebenrollen aus allen Ebenen und Schichten der Gesellschaft eines durch Arm und Reich geteilten Lebens kennen.  Tiefe Abgründe, packender Egoismus, vernebelte Ansichten und düstere Schatten… Die Autorin hat ihre Charaktere mit unglaublichen Psychogrammen nagender Charakterstudien versehen und schafft ein unglaubliches Bild an Protagonisten für ihren neuen Roman. Hut ab!


    Schauplätze:
    Die einzelnen Schauplätze sind auf wenige Kulissen beschränkt. Im Fokus steht hier das beinahe traurige und gescheiterte Leben von Mary, das Leben eines Stars im Fokus der Öffentlichkeit und natürlich die überwachten Räumlichkeiten von Kurt Skys Appartement im Rahmen des Experiments, dem Girlfried Experiment. Ein Leben der Gegensätze und der Lebensmodelle unterschiedlicher Menschen und Charaktere mit ihrem Denken und Handeln. (Gedanken- und Wunsch-) Schauplätze, die dem Roman neue Bilder schenken und ein facettenreiches Wechselbad an Kulisse, Gedanken, Orte und Abgründe bieten. Auch der Leser begibt sich, dank der detaillierten und sehr nah differenzierten Formulierungen der Autorin Catherine Lacey, zusammen in das von Ruhm, Arbeit, Geld, Druck und Erwartung gebeutelte Leben eines Filmstars, sowie der Suche nach dem Sinn des Lebens und einem Lebenswerk. Von psychologisch-interessant über humorig, sarkastisch, ironisch, faszinierend, bis traurig, melancholisch, poetisch und gefühlvoll zu dramatisch, befangen und befreit. Erschreckend, erotisch, düster und überraschend. Kultautorin Catherine Lacey hat ein Händchen für bildhafte Darstellung. Vor allem hier bei seiner Thematik. Grandiose Umsetzung!

    Meinung:
     ...reicht von absolut fasziniert, völlig begeistert, total angetan bis zu überrascht, überfragt, erschrocken, schockiert und verblüfft. Die Autorin hat einen tollen und einzigartigen Stil, keine Frage. Dennoch ist dieses Buch ein schwieriges Werk, was mich erst sehr spät begeistern konnte. Man wird es entweder Lieben, oder sich verarscht fühlen. Ich hatte großen Gefallen an dieser offenen und ungefilterten Art. Vor allem bei diesem Plot!!! Ich wollte das Buch so gerne mögen, da ich hohe Erwartungen an der Schriftstellerin mit den umfangreichen Kritiken und der Handlung hatte. Zwar hat es bei mir etwas länger gedauert und ich wollte zwischendurch schon vorzeitig beenden, aber das Weiterlesen hat sich mehr als gelohnt. Dieses Buch bleibt lange im Gedächtnis, polarisiert, fesselt und eckt an, da es so vieles beim Lesen bewirkt und man wirklich beginnt, die Dinge im anderen Licht zu sehen. Würde ein GX im wirklichen Leben funktionieren? Ich möchte loben, dass ich hier endlich wieder eine Autorin gefunden habe, die mit einer Novität glänzt und mich mit einer sehr eigenen und einzigartigen Note sehr überrascht hat. Zudem ist die Buchgestaltung und das Cover eine absolut hochwertige Rundung. Sagenhafte Charaktere, faszinierend erschütternde Welten und wertvolle Botschaften, viel Spannung, Wendung und unvorhersehbare Ereignisse.


    Cover / Buch:
     Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist angenehm, die Kapitel nicht allzu lang, der Perspektivenwechsel angenehm und das Gewicht des Buches als Hardcover schön leicht und gemütlich.


    Die Autorin (Text von der Verlagshomepage übernommen):
    "Catherine Lacey wurde in Mississippi geboren und lebt in Chicago. Für ihren ersten Roman »Niemand verschwindet einfach so« wurde sie mit dem Whiting Award 2016 ausgezeichnet. Ihr zweiter Roman »Das Girlfriend-Experiment« wurde ebenfalls begeistert von der Kritik aufgenommen."

    Fazit:
     Dieses Buch verdient alle 5 Sterne, auch wenn ich erst spät den Kern des Buches für mich erkannt habe. Ein besonderes Leseerlebnis, was im Gedächtnis bleibt.

  22. Cover des Buches Schwarz und Silber (ISBN: 9783899649253)
    Paolo Giordano

    Schwarz und Silber

    (4)
    Aktuelle Rezension von: parden
    MELANCHOLIE...

    Signora A., genannt Babette, ist das eigentliche Zentrum einer Kleinfamilie. Als Haushälterin sorgt sie für den reibungslosen Ablauf des Haushalts, kümmert sich um den kleinen Sohn und hat auch für die Befindlichkeiten der Eheleute - ein Physiker und eine Architektin - immer ein offenes Ohr. Schon lange verwitwet, scheint Signora A. noch fest in althergebrachten Rollenmustern verankert und von unerschütterlichen Prinzipien durchdrungen zu sein, was für das schwankende moderne Ehepaar eine enorme Entlastung bedeutet und das prekäre emotionale Gleichgewicht zwischen den Familienmitgliedern austariert. Mit ihrer zupackenden Art und ihrer Fürsorglichkeit garantiert sie den stets bedrohten Zusammenhalt der jungen Turiner Familie. Doch plötzlich kündigt Signora A. von einem Tag auf den anderen - und wie sich herausstellt, ist sie schwer krank.

    Die Novelle beginnt mit der Nachricht von dem Tod der Signora A., genau am 35. Geburtstag des Ich-Erzählers, und endet am Grab der ehemaligen Haushaltshilfe der kleinen Familie, wo mit dem letzten Wort der wahre Name Babettes verraten wird: Anna.


    "An meinem 35. Geburtstag hat Signora A. mit einem Mal die Beharrlichkeit, die sie in meinen Augen vor allem anderen auszeichnete, aufgegeben, und hat in einem Bett, das inzwischen für ihren Körper übermäßig groß erschien, schließlich die uns bekannte Welt verlassen. An jenem Morgen war ich zum Flughafen gefahren und hatte Nora abgeholt, die von einer kurzen Geschäftsreise zurück kam. Obwohl es schon Mitte Dezember war, ließ der Winter auf sich warten, und die eintönigen Flächen zu beiden Seiten der Autobahn waren von einem dünnen Streifen blassen Nebels überzogen, wie um den Schnee nachzuahmen, der nicht fallen wollte."


    Dazwischen wird in oft abrupten zeitlichen Sprüngen nicht nur von einer neun Jahre dauernden Symbiose zwischen der Familie und Signora A. erzählt. Beschrieben werden auch das filigrane Gleichgewicht zwischen den Eltern und ihrem Sohn sowie die Lebensumstände der Haushälterin und ihre eigene Geschichte, ihre kurze, glückliche Ehe mit einem ambitionierten, kunstinteressierten Trödler. Doch die Krankheit von Signora A. gewinnt hier zunehmend an Gewicht - und mit ihr die sich zuspitzende Bedrohung des Zusammenhalts der kleinen Familie.


    "Auf die Dauer braucht jede Liebe jemanden, der sie sieht und anerkennt, sie beglaubigt, sonst läuft sie Gefahr, für ein Missverständnis gehalten zu werden."



    Paolo Giordano hat hier eine leise Novelle geschrieben, die eindeutig autobiografisch geprägt ist, wie man eingangs erfährt: 'Dies ist das Fragment einer wahren und leidvollen Geschichte in literarischer Verarbeitung.' Geschickt arrangiert der Autor in diesem wie ein Kammerspiel anmutenden Roman die Handlungsstränge, arbeitet mit Rückblenden und verwebt kunstvoll die Einblicke in die verschiedenen Leben, splittert die Krankengeschichte der Haushälterin in markante Episoden auf. Einige Szenen sind besonders einprägsam, beispielsweise wie der Erzähler Signora A. in einen Perückenladen begleitet, ihr bei der Prozedur der Anpassung beisteht, anschließend tagelang mit dem Perücken-Holzkopf im Auto durch die Gegend fährt und manchmal sogar das Wort an ihn richtet.


    "Zur Anprobe gehe ich mit ihr, was mich ziemlich befremdet, ungefähr so, als müsste ich sie zum Frauenarzt begleiten."


    Paolo Giordano lässt seinen Ich-Erzähler auf die antike Vier-Säfte-Lehre des Gelehrten Galenos von Pergamon zurückgreifen, um das Ungleichgewicht in der Beziehung der Eheleute zu verdeutlichen. Der Erzähler selbst zählt sich zu Schwarz aufgrund seiner schwermütigen und verschlossenen Art, aber seine Frau Nora sieht er im Bereich der Farbe Silber, der Überschwänglichkeit und Leichtigkeit. Seine anfängliche Hoffnung zu Beginn seiner Ehe war, dass sich ihrer beiden Säfte wie verschiedenfarbige Lacke vermischen würden, so dass auch er letztlich von einem Glanz überzogen würde, doch es mehrt sich die Erkenntnis, dass sie doch wie Öl und Wasser getrennt bleiben. Ein unglaubliches Bild von der Einsamkeit in der eigentlichen Gemeinsamkeit.


    "Auch ein junges Paar kann erkranken, an Unsicherheit, Wiederholung, Einsamkeit. Die Metastasen breiten sich unsichtbar aus, und unsere hatten bald das Bett erreicht. (...) In einem Sicherheitsabstand voneinander liegend, glichen unsere Körper uneinnehmbaren Marmorblöcken."



    Einfache, klare Sätze prägen diese Novelle. Kein Wort erscheint hier zu viel, vieles schwebt zwischen den Zeilen mit, die Szenen erscheinen in einer unaufdringlichen Präsenz vor den Augen des Lesers / Hörers. Der Ich-Erzähler beschreibt das Geschehen und die inneren Prozesse beinahe nüchtern und distanziert, und doch ist die Melancholie mit jeder einzelnen Zeile der Erzählung verwoben. Eine unspektakuläre Geschichte, die wohl komponiert dennoch in den Bann zu ziehen vermag.

    Heikko Deutschmann liest die ungekürzte Ausgabe (3 Stunden, 32 Minuten) passend in einem ruhigen, getragenen Vortrag. Wenn man sich auf so viel Melancholie einlassen mag, ist dieses Hörbuch eine literarische Empfehlung!


    © Parden
  23. Cover des Buches Es ist hell und draußen dreht sich die Welt (ISBN: 9783458646129)
    Dita Zipfel

    Es ist hell und draußen dreht sich die Welt

    (64)
    Aktuelle Rezension von: SusanD

    Felix, erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst und mit einer jungen, schönen und fruchtbaren Frau namens Eva liiert sowie zwei Kindern, lädt seinen besten Freund Matze, wenig erfolgreich und finanziell sehr viel weniger gut gestellt und dessen Frau Linn, älter, nicht so schön und vor allem ungewollt kinderlos, in einen Luxusurlaub nach Südfrankreich ein. Während sich die Männer – klischeehaft männlich – alle Unterschiede ignorierend mit Crémant betrinken und angeln gehen, beobachten die Frauen sich und ihre Haltungen distanziert. Derweil Eva scheinbar in ihrer Mutterrolle aufgeht, ist Linn zerrissen zwischen dem Wunsch, mit einer weiteren künstlichen Befruchtung endlich Mutter zu werden und der Frage, ob sie überhaupt eine „gute“ Mutter sein kann…..

    Die Autorin Dita Zipfel hat neben Romanen auch Drehbücher und Theaterstücke geschrieben, und „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ wirkt wie ein Kammerspiel mit seinen vier (oder genauer gesagt fünf) Darsteller*Innen in einer französischen Luxusvilla, ohne Statisterie und ohne Dekorationsaufwand; ausgenommen der gelbe Kanarienvogel, der die Titelseite ziert und auch als Symbol im Roman wirkt.

    Die Kapitel sind kurz, genau wie die knappen Sätze und die manchmal fast sperrig wirkende Sprache. Dazu kommen viele Perspektivwechsel, die nicht gekennzeichnet sind und teilweise sehr abrupt wirken. Dennoch zeichnet Dita Zipfel ein klares Bild von ihren Figuren, ihren Gedanken und Wünschen; vieles entwickelt sich zwischen den Zeilen und lässt Raum für Interpretationen, dazu kommt eine starke Symbolik, mit der sich weiter befasst werden kann.
     Obgleich die Themen um Kinderwunsch und die Frage einer „guten“ Mutter nicht (mehr) mein Thema sind, konnte mich dieser Roman absolut in seinen Bann ziehen mit seiner Intensität.

    Während die Männer in ihren vertrauten Mustern bleiben und ihre zugewiesenen Rollen annehmen, stehen die Frauen im Mittelpunkt: sie beobachten, hadern mit sich und anderen, setzen sich mit dem Erfahrenen auseinander und planen schließlich ihre Zukunft. Aus Neid und Missgunst entwickeln sich im Laufe der Zeit Verständnis, Respekt und Solidarität bei Eva und Linn; schließlich werden sie sogar zu Verbündeten. Insbesondere die Frauen bestechen durch die einfühlsam beschriebenen Gedanken und Handlungen, ihre authentische Mehrdimensionalität und ihre Zerrissenheit sowie ihre mehr oder weniger offen gezeigte Wut. Und auch, wenn mir Linn vornehmlich unsympathisch blieb mit ihrer offen gelebten Female Rage und irritierenden Handlungen, war ihre Rolle durchaus nachvollziehbar und regte zum Nachdenken an.

    Es ist beachtlich, wie viele Themen Dita Zipfel auf gerade einmal gut 200 Seiten abhandelt: Rollenbilder, patriarchale Strukturen, Weibliche Selbstbestimmung, Muttersein und ungewollte Schwangerschaften, die Belastungen künstlicher Befruchtungen, psychische Erkrankungen, weibliche Wut und gesellschaftliche Regeln. Gut beobachtet von der Autorin und mit feinen Zwischentönen kraftvoll erzählt. Für mich passte auch das einigermaßen überraschende Ende und viele offene Fragen absolut zu diesem Roman, der dahin reicht, wo es wehtut.

    Ein Buch, das mich bewegt hat und noch lange nachhallt, aber das sicherlich polarisiert.

  24. Cover des Buches Das ist doch nur für Mädchen! (ISBN: 9783551521323)
    Madlen Ottenschläger

    Das ist doch nur für Mädchen!

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Athene

    Einhörner, Schwerter, Kronen, Fussbälle, Teetässchen, Raketen, Schleifen, Autos in der Falz des Bilderbuches finden sich allerhand kleine Symbole… doch was davon ist für Mädchen oder Jungs?


    Mit farbenfrohen Bildern von Jennifer Coulmann macht sich Madlen Ottenschläger in einem Bilderbuch ab ca. 3 Jahren auf, um zu schauen, welches Schubladendenken bereits die Kleinen angenommen haben.

    Es finden sich diverse Situationen beim Kleidungskauf, Spielen im Kinderzimmer, im Kindergarten und in der Natur wider.


    Die freundlichen Farben und die sanften Zeichnungen empfand ich als sehr gelungen und unterteilen sich anfänglich thematisch geschlechterspezifisch (Rosa = Mädchen, blau = Junge). 


    Erst als sich die „Schubladen“ vermischen, wird es bunter und ist damit für Kids visuell besser nachzuvollziehen: Manni ein kleiner Junge trifft auf viele Situationen, in denen ein Junge etwas macht, was nur für Mädchen ist oder ein Mädchen etwas macht, was nur für Jungen ist. 


    Doch er merkt schnell, alles macht Spaß und man würde viel verpassen, wenn man nicht mitmacht. Genau genommen wäre es „stinkeoberlangweilig“ und das müssen manche halt noch lernen. Ich vergebe volle Punktzahl.


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