Bücher mit dem Tag "romanbiographie"

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67 Bücher

  1. Cover des Buches Die Tochter des Malers (ISBN: 9783746631820)
    Gloria Goldreich

    Die Tochter des Malers

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Diiana

    Der Roman aus der Bücherserie "Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe" handelt von dem Leben der Familie Chagall. Der berühmte Maler Marc Chagall, seine Frau Bella und seine Tochter Ida leben, nach der Flucht aus Russland, in einem sehr ansehnlichen Haus in Paris. Sehr behütet wächst Ida in diesem Haus auf. Als sie den Studenten Michel kennenlernt, verschlechtert sich die einst innige Beziehung zu ihrem Vater. Dann wird Frankreich von den Deutschen besetzt und der Familie droht Gefahr. Sie fliehen in die Vereinigten Staaten und bauen sich dort ein neues Leben auf, das jedoch viel Veränderung und viele Probleme mit sich zieht. 

    Ich habe schon ein paar Bücher aus dieser Reihe gelesen und war ziemlich begeistert. Deshalb war ich sehr interessiert an diesem Buch, vorallem weil ich mit Marc Chagall zunächst nicht viel anfangen konnte. Das Buch hat ganz gut angefangen, als in der Familie noch alles ziemlich friedlich war. Doch mit der Zeit wurde es teilweise sehr langweilig und langatmig. Sätze waren zu detailliert, denn viele Informationen waren unwichtig. Vieles hat sich wiederholt, weshalb wenig spannendes hinzukam. Die Person Marc Chagall war teilweise sehr nervig, aber auch Ida und andere Figuren waren oft unsympathisch. 

    Deshalb hat mich dieser Roman leider nicht überzeugt.

  2. Cover des Buches Madame Piaf und das Lied der Liebe (ISBN: 9783746634814)
    Michelle Marly

    Madame Piaf und das Lied der Liebe

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Engelchen07

    Nachdem ich von dieser Autorin das Buch "Die Diva" regelrecht verschlungen habe wollte ich unbedingt noch dieses Buch welches sich mit Edith Piaf beschäftigt lesen. 

    Die Geschichte ist ebenfalls eine Mischung aus Realität und ein bisschen Erfindung um die berühmte Sängerin Edith Piaf. 

    Leider konnte mich diese Geschichte hier überhaupt nicht überzeugen. Ich fand die Geschichte etwas langatmig und nicht besonders spannend. Schade, nachdem ich "Die Diva" gelesen habe, hatte ich mir hier viel mehr erhofft. 

  3. Cover des Buches Das Genie (ISBN: 9783257069983)
    Klaus Cäsar Zehrer

    Das Genie

     (77)
    Aktuelle Rezension von: Simone_081

    Ich kann durchaus verstehen, dass es einige Leute gibt, denen "Das Genie" gut gefällt, denn zum einen schreibt Zehrer wirklich großartig, zum anderen ist die Lebensgeschichte William Sidris' durchaus unterhaltsam und besonders, mich konnte der Roman trotzdem nicht begeistern. Am meisten haben mich wahrscheinlich die unendlichen Längen gestört; das Buch ist gelinde gesagt sehr langatmig und in die Länge gezogen. Einige Stellen, besonders gegen Ende, hätte man deutlich raffen (oder auslassen?) können.
    Ein weiterer wichtiger Punkt, der mich davon abgebracht hat, den Roman zu mögen, sind die durchweg unsympathischen Figuren. Keine einzige Person ist "normal" und zumindest  sympathisch genug, um mit ihr mitzuempfinden. Für mich ist das leider ein sehr wichtiger Faktor, wenn ich Bücher lese.

    "Das Genie" ist auf keinen Fall ein schlechter Roman, aber einer, auf den man sich einlassen muss und einer, der dem Leser viel Verständnis für die Personen und viel Geduld abverlangt.


  4. Cover des Buches Die Vermessung der Welt (ISBN: 9783499332708)
    Daniel Kehlmann

    Die Vermessung der Welt

     (3.393)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald


    Daddy sorgt dafür, dass Kathi guten Lesestoff bekommt. So mögen wir das, bester Papa. 

    .

    Daniel Kehlmann erzählt in diesem biographischen Roman die Lebensgeschichte zweier bedeutender Wissenschaftler: Alexander von Humboldt, dessen Name wahrscheinlich vielen bekannt ist: wissbegieriger und empirischer Naturforscher deluxe, der für seine Expeditionen quer über den Planeten gereist ist. Carl Friedrich Gauß, theoretischer Mathematiker, Astronom, blitzgescheit und Stubenhocker vom feinsten. 

    Der Schreibstil des Buches ist ansprechend, aber gewöhnungsbedürftig. Hier wird nichts beschönigt: mit trockenem Humor und einer guten Portion Zynismus beschreibt Daniel Kehlmann die beiden Persönlichkeiten und ihren Werdegang, was für viele Schmunzler zwischendurch sorgt. Jeder bekommt sein Fett weg. Im Gegensatz zu den positiven Eigenschaften der Herren Forscher werden deren negativen übertrieben dargestellt - was für einen gewissen Unterhaltungsfaktor sorgt. So ist Gauß ein engstirniger sturer Kauz und Humboldt ein prüder Naivling. Beschrieben wird ihr Weg zur Forschung, Ausbildung, wissenschaftlichen Errungenschaften sowie die distanzierte, aber doch freundschaftliche Beziehung der beiden. 

    Die Bedeutung des Titels hat sich mir erst gegen Ende hin erschlossen - Kathi mit Brett vor dem Kopf: da hätte ich auch früher draufkommen können. Die Welt wird natürlich nicht wortwörtlich vermessen, viel eher zeigt der Autor durch die Darstellung der Lebensgeschichten die beiden unterschiedlichen Herangehensweise um die Vorgänge der Natur zu verstehen. Der eine erkundet, erforscht, misst, notiert - der andere berechnet, kalkuliert, denkt. Beide kommen so jedoch zu ihrer Wahrheit. 

    Eine tolle Geschichte - doch trotz des positiv ungewöhnlichen Schreibstils und dem biographischen Ansatz konnte mich das Buch leider nicht gänzlich abholen.


  5. Cover des Buches Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit (ISBN: 9783961610693)
    Charlotte Roth

    Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit

     (52)
    Aktuelle Rezension von: meisterlampe

    Inhaltsangabe:

    Michael Ende – Roman eines Lebens.
    Geschrieben von Spiegel-Bestsellerautorin Charlotte Roth.
    Inhaltlich kuratiert von Roman Hocke, langjährigem Freund und Nachbarn Endes.
    »Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.« Michael Ende (Momo)
    Michael Ende war eine faszinierende Persönlichkeit, die Welt kaum vorstellbar ohne seine Fantasie. Einzutauchen in diese Vorstellungswelt des Menschen Michael Ende ist das Ziel dieses Romans, der bewusst keine faktenorientierte Biografie sein will, sondern der Versuch, sich den Geheimnissen, die Michael Ende nicht preisgab, ebenso respektvoll wie poetisch zu nähern. Sein Leben, das ein knappes Jahrhundert umfasste, wird mit seinem ganz speziellen Blick auf die Welt beleuchtet, der hinter dem Sichtbaren das Unsichtbare zu erspüren suchte. Geschrieben von Charlotte Roth und inhaltlich kuratiert von Michael-Ende-Kenner Roman Hocke wird dem Innenleben des beliebten Autors auf besondere Weise nachgespürt – in einer Fülle von Bildern, Schauplätzen und Begegnungen, aus der sich das Mosaik seiner ganz eigenen Geschichte zusammenfügt.
    »Es ist ein großes Vergnügen, Charlotte Roth in das vor Kreativität überschießende Reich Michael Endes zu folgen: fantastisch!« Stern

    Meine Meinung:

    Ich hatte dieses Buch schon über zwei Jahre hier liegen, bis ich endlich mit dem Lesen der Roman-Biographie begann. Die Geschichte Michael Endes und seiner Familie (Eltern, Freunde, Frauen) war mir unbekannt; natürlich habe ich als Kind "Momo", "Die unendliche Geschichte" und die Bücher von "Jim Knopf" gelesen, Filme geschaut und später mit meinen Kindern gelesen, geschehen und gehört. Beim Lesen erwischte ich mich immer wieder, wie ich praktisch auf Figuren der mir bekannten Bücher wartete, wie es zu diesen Geschichten kam, wie sie ihre Namen und Charaktere bekamen - angefangen mit Kassiopeia, Atreus, den Grauen Herren. Wie ärmlich und karg Endes Kindheit war, sodass er später nicht über Geld nachdenken wollte - hätte er es bloß mal getan! Ich war geschockt von seinem "Finanzverwalter" und dessen Handeln. Charlotte Roth beschreibt als gut lesbare, aber teilweise auch langatmige, Erzählung Michael Endes Leben und Lebenswerke, noch vor seiner Geburt, über alle Bücher, Verfilmungen, Wohn- und Lebensorte. Man fühlt sich mitgenommen in sein Leben, als wäre man direkt dabei.

    Ich habe mir nun, als Ergänzung zu den bereits in den Regalen stehenden Büchern, die Hörbücher zugelegt und werde diese in nächster Zeit hören. Es wird erwähnt, dass sowohl der sepiafarbene Druck von "Momo" etwas ganz Neues im Verlagswesen war und auch die zweifarbige Textgestaltung (nämlich rot und grün) der "Unendlichen Geschichte" so noch nicht dagewesen ist. Interessante Details, die einem, wenn man nur das jeweilige Buch kauft und liest, nicht bekannt sind und hier richtig bewusst werden (ich habe natürlich gleich kontrolliert, ob meine eigenen Exemplare tatsächlich so aussehen).

    Michael Ende, ein Mann, der mit Nichts startete, plötzlich reich war, durch Fremdverschulden alles verlor, und trotz Allem und Krankheit seinen Glauben und seine Liebe nicht verlor. Eine ziemlich interessante Geschichte, die teils spannend, teils etwas überladen von Details ist, dabei aber nicht langweilig wird, aber manchmal langatmig. Wer seine Bücher kennt und mag, sollte auch "seine Geschichte" lesen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren (auch wenn Ende meiner Meinung nach immer als "der Gute" dargestellt wird). Ich vergebe für "Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit" 3,5 Sterne (das Titelbild selbst hat mich nicht umgehauen, aber die Schildkröte ist toll!).


  6. Cover des Buches Fräulein Mozart und der Klang der Liebe (ISBN: 9783548063904)
    Beate Maly

    Fräulein Mozart und der Klang der Liebe

     (106)
    Aktuelle Rezension von: Lesehase24

    Fräulein Mozart und der Klang der Liebe
    Das Buch „Fräulein Mozart und der Klang der Liebe“von Beate Maly hat mir sehr gut gefallen.
    Das Buch ist wunderschön,spannend und mitreißend geschrieben. Ich fande es total spannend mehr über Mozarts Schwester Nannerl zu erfahren.
    Das Cover ist wunderschön gestaltet und hat mich sofort neugierig gemacht.
    Als ich das Buch dann angefangen habe,konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen,weil es einfach so schön geschrieben war. Mir haben in dem Buch besonders die vielen verschiedenen Figuren gefallen und,dass das Buch sehr detailreich ist.
    Das Buch beschreibt das Leben von Mozarts Schwester Nannerl in vielen verschiedenen Lebensphasen. Ich konnte mich sehr gut in die Zeit,in welcher das Buch spielt hineinversetzen.
    Dieses Buch war das beste Buch,was ich seit langem gelesen habe.
    Leider kann ich dem Buch nur fünf Sterne geben,obwohl es viel mehr Sterne verdient hätte,weil es ein wunderschönes,spannendes Buch ist an welchem meiner Meinung nach jeder Gefallen findet.

  7. Cover des Buches Madame Hemingway (ISBN: 9783746628912)
    Paula McLain

    Madame Hemingway

     (97)
    Aktuelle Rezension von: Vespasia

    Nachdem ich „Hemingway und ich“ gelesen habe, wo Hemingways dritte Frau, Martha Gellhorn, im Vordergrund steht, musste ich mir einfach auch dieses Buch zulegen. Zum Glück bin ich endlich dazu gekommen, es auch zu lesen. Hemingways erste Frau, Hadley, ist ein ganz anderer Typ Frau als Martha. Auch Hemingway scheint sich in den Jahren etwas verändert zu haben, weshalb es sicher auch interessant wäre, die Bücher direkt hintereinander zu lesen.

    Paula McLain schreibt in der ich-Form und haucht Hadley damit direkt Leben und Persönlichkeit ein. Auch, wenn man natürlich immer bedenken muss, dass es sich um einen Roman handelt und nicht alles zu einhundert Prozent authentisch sein kann, finde ich diese Perspektive hier doch gut gewählt. Man kommt Hadley als Person gleich zu Anfang schon sehr nahe, kann ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen und lernt mit ihr zusammen schließlich Ernest Hemingway kennen. Hemingway ist ein wirklich interessanter Charakter; als er Hadley kennenlernt, ist er noch sehr jung und doch schon sehr exzentrisch, eigentlich schon unsympathisch. Diese erste Ehe wird von McLain mit viel Liebe zum Detail dargestellt und lässt sowohl Hadley als auch Ernest zum Vorschein kommen und für den Leser greifbar werden. Auch die Zeit wird eindrucksvoll beschrieben: das Paris der 20er Jahre, das Leben der Künstler, auf die Hadley trifft… all das wird von der Autorin zu einer angenehm lesbaren und unterhaltsamen Geschichte verwoben. Natürlich sollte man schon Interesse an Hemingway als Person haben, um dieses Buch in vollen Zügen genießen zu können, aber auch ohne großartiges Vorwissen kann man das Buch lesen. Für den Einstieg habe ich ein wenig gebraucht, sobald dieser hinter mir lag, habe ich die Lektüre aber sehr genossen.

    Interessant war auch, dass einige Passagen aus Ernests Sicht geschrieben waren (wenn auch nicht in der ich-Form). So wurden die Lücken gefüllt, die Hadley nicht füllen konnte. Diese Abschnitte fand ich durchaus gelungen, da sie Einblicke in Ernests Gedankenwelt brachten. Gerade weil seine Perspektive wesentlich schwerer nachzuvollziehen war und er auch eine sehr schwierige Person gewesen zu sein scheint, fand ich den Perspektivwechsel sinnvoll. Auch zu seinen Werken finden sich einige interessante Stellen im Buch, wenngleich Hadley doch die Hauptperson ist und sein Schaffen eher hintenansteht. Jedenfalls hat das Buch mir spontan Lust gemacht, „Paris – Ein Fest fürs Leben“ und „Fiesta“ zu lesen.

    Am Ende gibt es für den interessierten Leser auch noch ein Kapitel zu den Quellen sowie ein Interview mit der Autorin, die das Buch noch abrunden. Wer also Interesse hat, nach der Lektüre noch ein wenig weiterzuforschen (und das halte ich für nicht unwahrscheinlich), bekommt die Gelegenheit dazu. Hier wird auch noch einmal klar, dass sich durchaus einige Fakten im Buch versteckt haben und sich die Autorin viel Mühe mit der Recherche gegeben hat.

     Fazit: Gut geschriebener Roman über Hadley Richardson und Ernest Hemingway – zwei interessante Persönlichkeiten, die in einer interessanten Zeit gelebt haben.

  8. Cover des Buches Just Kids (ISBN: 9783596188857)
    Patti Smith

    Just Kids

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Chris_Lieh

    Ein Buch das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Ehrlich, poetisch und unglaublich echt. 

  9. Cover des Buches Charlotte (ISBN: 9783328100225)
    David Foenkinos

    Charlotte

     (82)
    Aktuelle Rezension von: petraellen
    1. Autor

    David Foenkinos geboren 1974, lebt in Paris. Er ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Sein Roman Charlotte erschien 2014. 


    „Rein zufällig“ gerät der Schriftsteller 2004 in eine Gemäldeausstellung mit dem Titel »Leben? Oder Thea­ter?«. 


    Eine Bekannte macht ihn auf eine Sonderausstellung aufmerksam als er gerade an ein „literarische Projekt“ über den Kunsthistoriker Aby Warburg (1866 – 1929) arbeitete. 


    Ich sah in Leben? Oder Theater? alles, was ich an Kunst mag. 

    All das, was mich seit Jahren beschäftigte.

    Warburg und die Malerei. 

    Deutsche Literatur. 

    Musik und Fantasie. 

    Verzweiflung und Wahnsinn. 

    Alles war da. 

    Und leuchtete in schillernden Farben. (S.72)


    Sofort ist er von den Bildern eingefangen und die Künstlerin Charlotte Salomon lässt ihn nicht mehr los. 


    „Ich hatte dem merkwürdigen Eindruck, schon einmal hier gewesen zu sein.

    Das war meine erste Begegnung mit Charlottes Bildern.“ (S. 72)


    David Foenkinos fängt an, den Lebensweg von Charlotte zu rekonstruieren. Er braucht Jahre  dafür, denn nicht immer werden seine Recherchen wohl gesonnen aufgenommen. 


    In Villefranche-sur-Mer trifft er auf Kika Moridis-Frouté, der 1941 geborenen Tochter des Arztes Dr. Georges Moridis, der Charlotte Salomon und deren Großeltern behandelt hatte.

    Er trifft auf eine alte Frau, die weiß, wer Ottilie Moore war. Sie macht einen gereizten, verängstigen und verbitterten Eindruck. Sie ist nicht bereit, Auskunft zu geben, als er seine Fragen stellt. Er erfährt von anderen, dass es immer noch Leute gibt, die wissen, wer Charlotte Salomon 1943 denunzierte.

    Als wichtigste Quelle nennt David Foenkinos den autobiografischen Zyklus „Leben? Oder Theater?“ 

    David Foenkinos Roman „Charlotte“ mischt Fiktion und Fakten und bleibt, aber doch authentisch.


    1. Charlotte

    Als Charlotte Salomon am 16. April 1917 in Berlin geboren wird, ist ihr Vater Dr. Albert Salomon noch als Chirurg im Krieg. Ihre Mutter Franziska ist viel allein und leidet an Depressionen. Als Charlotte acht Jahre alt ist, nimmt sich die Mutter das Leben. 


    „Die Unberechenbarkeit der Mutter macht aus Charlotte ein braves Mädchen.

    Sie hält ihre eigene Melancholie im Zaum.

    Wird man so zu einer Künstlerin?

    Indem man sich an den Wahnsinn der anderen gewöhnt?“ (S.21)


    Ja, Charlotte wird es. Aber anders als sie es sich vorgestellt hat.


    Sie wächst einsam auf, aber findet Unterstützung bei ihrem Kindermädchen und Paula Lindberg, einer berühmten Mezzosopranistin, der zweiten Frau ihres Vaters.


    1. Das Schicksal der Familie Salomon


    • Erblast als Bürde


    „An einem Grab­stein lernt Charlotte ihren Namen lesen.“ (S.11)


    Der erste Satz zieht sich wie ein roter Faden durch Charlottes Leben. Eine Folge schwers­ter De­pres­sio­nen erschüttert die Familie über Generationen hinweg. Char­lottes Tante ging acht­zehn­jäh­rig ins Was­ser, Char­lot­tes Mutter Fran­ziska stürzte sich aus dem Fenster, ebenso wie Char­lottes Groß­mutter und deren Mutter und Bru­der, und auch die Groß­tante und deren Sohn haben ihrem uner­trägli­chen Leben mit der Krank­heit selbst ein Ende ge­setzt. 

    Die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter erfährt Charlotte erst spät, aus Angst, dass auch Charlotte die Veran­lagung geerbt habe, ver­schweigt man das fa­mi­liäre Drama, so­lange es geht. Sie glaubt, ihre Mutter wohne als Engel im Himmel und schreibe ihr bald einen Brief. 


    • Nationalsozialistischen Machtergreifung


    „Charlotte glaubt nicht, dass der Hass nur eine vorübergehende Erscheinung ist.“


    Der Nationalsozialismus breitet sich immer weiter aus. Der Druck auf die Lebensumstände Juden spitzt sich immer mehr zu.

    Charlottes Vater wird von der Gestapo abgeholt und ins Arbeitslager gebracht. Paula schafft es,  ihn herauszuholen, doch er war nicht mehr derselbe. 

    Zu viel hatte er im Arbeitslager gesehen, weshalb er nun darauf bestand, dass Charlotte Deutschland so schnell wie möglich verlassen soll. 

    Charlotte flieht nach Frankreich zu ihren Großeltern und lebt dort im Exil. 


    • Charlotte und die Malerei


    Ihre Großeltern sind kunstbegeistert und nehmen Charlotte auf eine große Bildungsfahrt nach Italien mit. 


    „Diese Reise wird zu einem einschneidenden Ergebnis“ (S. 60) 


    Charlotte entdeckt die Malerei, während die Nationalsozialisten in den Alltag des Volkes eingreifen, menschliches Leben verabscheuen, jüdisches, individuelles und künstlerisches insbesondere.

    An der „Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst“ in Berlin nimmt sie ihr Studium auf. 

    doch schon zwei Jahre später verließ sie die Schule wieder, weil sie als Jüdin den ersten Platz eines Wettbewerbs, den sie gewonnen hatte, nicht annehmen durfte.


    Charlotte geht ins Exil nach Villefranche bei Nizza zu ihren Großeltern, die bei einer Amerikanerin, Ottilie Moore, untergekommen sind .Ottilie Moore lebt auf einem großzügigen, naturnahen Grundstück. Charlotte arbeitet dort wie eine Besessene. Rückschläge lassen sie nicht davon abhalten weiterzumachen.

    Die Erinnerungen an ihr Leben, ihre Familie, Liebesglück, Erlebnisse mit der Kunst, Erfahrungen mit Leben und Tod malt sie wie einen Roman. Es entsteht ein Werk aus Bildern und Text, ihr Leben. 

    Das letzte Bild zeigt Charlotte von hinten am Meer sitzend „Der Titel Leben. Oder Theater?“.

    Ihr fertiges Projekt vermacht sie Ottilie Moore, die durch sich zuspitzende politische Lage nach Amerika zurückgekehrt ist. Daher über­gibt Charlotte den Koffer treu­hän­de­risch an ihren Arzt Dr. Moridis mit den Worten: „C’est toute ma vie“ (»Das ist mein ganzes Leben«).


    1. Sprache und Stil

    Die Form des Romans erscheint als Lyrik. Der Satzaufbau ist linksbündig ausgerichtet. Jeder Satz beginnt mit einer neuen Zeile, und kein Satz ist länger als eine Zeile, was einem Epos gleichkommt. Nach zwei bis vier Sei­ten beginnt ein neuer num­me­rier­ter Abschnitt, nach fünf bis zwölf Seiten fängt ein neues Kapi­tel an, ins­ge­samt acht und ein Epi­log.

    Die Sprache eines Epos beruht auf ein Gleichmaß in der Reihung von Hauptsätzen (Parataxen) und in Wiederholungen. David Foenkinos schreibt in lockerer Versform nicht mit der Gleichmäßigkeit in den Versen. 

    Er gestaltet eine biografische Erzählung wie ein modernes Epos, als ob Charlottes Leben eine Odyssee wäre. Manche Zeilen ent­hal­ten nur syn­tak­ti­sche Frag­mente. 

    Die Epi­so­den aus Char­lotte Salo­mons Leben wechseln mit Be­rich­ten des Au­tors über seine Re­cher­chen, Ein­drücke und Re­fle­xio­nen.

    David Foenkinos gelingt mit dieser Form die Ver­zweif­lung und den Wahn­sinn der Zeit, das Leben und Schick­sal einer solch un­ge­wöhn­li­chen Frau, der es nicht ver­gönnt war, ihre kreati­ven Ta­lente in Frieden voll zu ent­falten, in Worte zu fas­sen.


    1. Fazit

    David Foenkinos erzählt eine Lebensgeschichte voller Intensität. Er schreibt Charlottes Lebensgeschichte tiefgründig, erschütternd. Seine Sprache bringt die Tragik mit aller Deutlichkeit hervor. 

    Ein würdiges Denkmal für eine bemerkenswerte Frau.


    Absolut empfehlenswert. Unbedingt lesen!


  10. Cover des Buches Die Zarentochter (ISBN: 9783548282787)
    Petra Durst-Benning

    Die Zarentochter

     (108)
    Aktuelle Rezension von: Bibi1999

    Die junge Großfürstin Olga, die zweite Tochter des Zaren, muss den Erwartungen ihres Vaters gerecht werden und einen Mann von guter Partie heiraten. Ihr Herz möchte etwas anderes und führt sie schlussendlich an den württembergischen Hof von König Wilhelm I.

    Das Buch umfasst 432 Seiten und erschien am 08.09.2010 bei Ullstein Taschenbuch Verlag.

    Es handelt sich um den ersten Teil der Reihe. Der Zar möchte seine Töchter politisch klug verheiraten, um die Macht Russlands in Europa zu stärken. Olga merkt jedoch relativ schnell, dass ihr der goldene Käfig nicht genug ist und sie nicht der Spielball ihres Vaters sein möchte. 

    Das Buch basiert auf wahren Ereignissen, die mit Fiktion gemischt sind. Die Hauptperson im Buch ist Olga. 

    Die Geschichte startet, als Olga und ihre Geschwister noch sehr jung sind. Man merkt relativ schnell, dass sehr viel Wert auf die Bildung der Zarenkinder gelegt wird und was von ihnen erwartet wird. Olgas älterer Bruder wird als zukünftiger Zar von Russland ausgebildet. Die Mädchen sollen die Macht Russland durch ihre Heirat sichern. Als Olgas ältere Schwester weit unter ihrem Rang heiratet, ruht die Hoffnung der Eltern auf Olga. Doch sie möchte aus Liebe heiraten und nicht aus politischen Zwecken.

    Schade finde ich, dass Olga erst ganz zum Schluss an den Hof vom König von Württemberg gelangt. Ich hatte mir anhand des Klappentextes gedacht, dass man viel mehr von Olgas Zeit am Hof von Württemberg erfährt. Leider gelangt Olga erst auf den letzten Seiten nach Württemberg und man erfährt so gar nichts mehr von ihrer Zeit dort. Dies wird man dann wohl im nächsten Band erfahren. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich diesen lesen werde.

    Auch kommt mir das Historische doch etwas zu kurz. Es dreht sich sehr viel um die Zarenfamilie, deren Leben sowie der Prunk und die Schönheit der Mädchen. Obwohl der Fokus hier sehr auf die Zarenfamilie gelegt ist, lernt man den Zar und Olgas jüngere Geschwister (bis auf Alexandra) kaum kennen. Die allgemeinen Umstände im Land kommen dabei zu kurz. Da bin ich leider etwas enttäuscht worden.

    Deshalb erhält das Buch von mir 3 Sterne.

     

  11. Cover des Buches Die Tochter meines Vaters (ISBN: 9783492062541)
    Romy Seidel

    Die Tochter meines Vaters

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Forila

    Sehr interessante Romanbiographie über das Leben von Sigmund Freud und seiner Tochter, die den Leser mitreißt, sodass man sich das Szenario sehr gut bildlich vorstellen kann. Die Autorin begeistert mit dem klaren Schreibstil und der Ereignisdarstellung. Eine klare Empfehlung für alle, die historische Romane und Romanbiographien lieben.

  12. Cover des Buches Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (ISBN: 9783518467268)
    Amos Oz

    Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

     (107)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Eigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.

    Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.

    Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.

    Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.

    Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.

    Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.

    Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren.
  13. Cover des Buches Der Weltensammler (ISBN: 9783423135818)
    Ilija Trojanow

    Der Weltensammler

     (163)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    INHALT: Als Inspiration für diesen Roman diente das Leben und Schaffen des Weltreisenden Richard Francis Burton, der Mitte des 19. Jahrhunderts für die britische Krone Indien, Arabien und Afrika erforscht hatte. Dafür erlernte er dutzende Sprachen und begab sich nicht selten in Lebensgefahr. Sei es durch die wochenlangen Gewaltmärsche durch die ostafrikanische Steppe auf der Suche nach den Quellen des Nils, im Kampf mit Fieber und Seuchen, oder durch die Pilgerfahrt nach Mekka, verkleidet als Moslem, worauf für Nichtmuslime die Todesstrafe steht. Burtons grenzenloser Ehrgeiz und der unerbittliche Konkurrenzkampf mit anderen Forschern treiben ihn immer weiter ins Unbekannte…

    FAZIT: Vorab – Trojanow ist ein großartiger Stilist. Die verschiedenen Charaktere, Perspektiven, Stimmen, Atmosphären, alles toll geschrieben. Dennoch, ich weiß nicht woran es lag, ließ mich die Geschichte irgendwo auf der Hälfte fallen. Ich kam dann auch nicht mehr richtig rein, hab das Buch noch brav ausgelesen, blieb aber seltsam unberührt. Burtons Lebensgeschichte ist beeindruckend und ich lese solche biographischen Romane eigentlich auch sehr gern, aber hier blieb der Ofen aus… Zwei Sterne? Drei Sterne? Irgendwo da…

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

  14. Cover des Buches Nora Joyce und die Liebe zu den Büchern (ISBN: 9783458681427)
    Nuala O'Connor

    Nora Joyce und die Liebe zu den Büchern

     (65)
    Aktuelle Rezension von: jsydo143

    Das Buch "Nora Joyce und die Liebe zu den Büchern" erzählt die starke Geschichte von Nora und ihrem Leben - mit diversen Schwierigkeiten und einem nicht ganz einfachem (Ehe-)Mann.

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir etwas anderes von dem Buch erwartet habe. Die Schreibweise ist gar nicht mein Fall und die Zeitsprünge sind teilweise so kurz, dass man sich fragt, wieso Zeitsprünge gemacht wurden. Außerdem ist es an manchen Stellen sehr obszön und leider nicht in geschmackvollem Sinne, sondern eher etwas nur billig.

    Die Geschichte an sich ist sehr spannend und fesselnd, obwohl die Naivität von Nora mich zwischendurch auch einige Nerven gekostet hat. Trotzallem schlägt sie sich durchs Leben und bleibt sich treu.

    Ich würde es nur empfehlen, wenn man die Autorin bzw. diese Art von Geschichten mag - eher nicht um etwas Neues kennenzulernen.

  15. Cover des Buches Orlando (ISBN: 9783458175384)
    Virginia Woolf

    Orlando

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Ich habe keine Angst vor Virginia Woolf. Aber mit ihrem Namen verbinden sich ein paar kraftvolle Assoziationen. Wahrscheinlich lag es an meinen mangelnden Vorkenntnissen, meinen seltsamen Vorurteilen, dass mich „Orlando“ enttäuscht hat.

    Woolf erzählt die Geschichte des Landadligen Orlando im elisabethanischen England, der schwer in sich und die Natur verliebt ist, sich für die Frauen - vor allem die stürmische Sasha - interessiert und für die Literatur, ja sogar selbst poetische Ergüsse fabriziert; derer schämt er sich später, als ein bösartiger Kritiker sie zu Gesicht bekommt, weshalb Orlando alle vernichtet bis auf den ‚Eichenbaum‘. Erst von der Welt enttäuscht, dann wider ihr zugewandt sogar Gesandter am Hof in Istanbul wird. Die blutige Revolte in der Stadt verschläft Orlando in einem rätselhaften siebentägigen Schlaf, aus dem er als Frau erwacht. Orlando reist wieder heimwärts und erlebt einige Abenteuer - bei den Zigeunern und auf See -, in denen  die Ambivalenz schon aufscheint, dass Orlando nun in einem Frauenkörper steckt, aber ein Vorleben als Mann besitzt. Daheim angekommen, muss sie um vor Gericht ihr Erbe kämpfen, da sie für tot erklärt war und für einen Mann gehalten worden ist, es gelingt ihr aber, den Sitz ihrer Ahnen wieder zurückzuerhalten. Orlando sucht die Nähe von Literaten ihrer Zeit, spricht viel über Literatur und was sie bedeutet. Und immer wieder erprobt sie sich als Frau in einer Männerwelt oder als Frau gegenüber Frauen. Besonders intensiv erlebt sie die Beziehung mit ihrem späteren gatten, dem Kapitän Marmaduke Bonthrop Shelmerdine, in dem sie dessen weiblichen Seiten erkennt. Am Ende des Romans ist Orlando eine weitestgehend ungebundene, selbstbewusste Frau, die sie immer gewesen ist, die mit ihrem gereiften ‚Eichenbaum‘ immerhin zu den ernsthaften Literaturschaffenden gezählt wird und die - mit der Zeit gehend - die Fahrt mit ihrem Automobil schätzt.

    Und überhaupt: die Zeit. Der Roman spannt sich vom elisabethanischen England bis in das Jahr 1928, in dem „Orlando“ erschienen ist, ohne im wesentlichen das Älterwerden Orlandos zu thematisieren, Auch andere Figuren - etwa der Kritiker Greene - leben die Jahrhunderte, was weder erklärt noch hinterfragt wird. Die Jahre ist aufgehoben, es gilt nur ein Vorher und Nachher, denn Woolf benötigt die Jahrhunderte, um Orlando in ihnen die beiden großen Anliegen spiegeln zu lassen, um die es geht: um die Stellung der Frau (in der Gesellschaft und zu sich) und die Literatur.

    Wie Orlando als Frau denkt, sich vom Mannsein in das Frausein bewegt (und wieder zurück, zumindest gedanklich); wie sie Unterschiede entdeckt, Grenzen berührt und überschreitet, Geschlechterspezifisches erkennt, benennt und übersteigt - das sind die starken Momente dieses ansonsten leider arg in die Jahre gekommenen Romans. Hier verbirgt sich der zeitlose Wert „Orlando“ hinter einer Sprache, die altertümlich wirkt (meine deutsche Ausgabe ist von 1964) und heutige Leser wohl nicht mehr erreicht. Die Gedanken über die Literatur hingegen haben mit ihren Namen Staub angesetzt, auch wenn bis heute gilt, was am Schreiben das Schwierigste ist: „Das Leben? Die Literatur? Eins ins andere zu verwandeln?“ (S. 253)

    Auf mich wirkte „Orlando“ nicht mehr wie in Literatur verwandeltes Leben, weshalb ich, der ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet war, in folgendem Satz auf der letzten Seite die Figur Orlando selbst widererkannte: „Alles war erleuchtet, wie für die Ankunft einer toten Königin.“ (S. 292)


  16. Cover des Buches Wassermusik (ISBN: 9783423146814)
    T. C. Boyle

    Wassermusik

     (371)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Ein Highlight! Definitiv! Ich hatte dieses Buch von Boyle schon einmal angefangen und hatte dann zugunsten von einer Leserunde wieder aufgehört mit der Lektüre. Warum ich dann nicht wieder damit angefangen hatte, ich habe keine Ahnung. Denn gefallen hatte es mir damals. Wahrscheinlich aus den Augen, aus dem Sinn oder andere Bücher waren wichtiger. Ich kann dies nur nicht mehr verstehen, jetzt, nach der Lektüre dieses Buches. Denn dieses Buch ist kolossal!

    "Wassermusik" ist ein Buch über den Entdecker Mungo Park, ein schottischer Forscher des 18. Jahrhunderts in Afrika. Und gleichzeitig ist dieses Buch noch so viel mehr. Was für ein perfekter Abenteuerroman und gleichzeitig auch eine Anklage an dem europäischen Kolonialismus und eine Kritik an dem verklärenden europäischen Entdeckertum! Eine Kritik an dieser europäischen Überheblichkeit, die mir immer wieder in den Geschichtsbüchern begegnete und die mich zum Überlegen brachte. Wieso haben es die Europäer nur geschafft, sich die ganze Welt zu erobern? Ebenso ist die "Wassermusik" auch ein Blick auf eine unerfreuliche Ehe, ein unschönes und Leiden schaffendes Miteinander von Mann und Frau. Nachdenklich machend. Und das alles ist gekleidet in Boyles perfekten und etwas bösartigen Humor, der der Situation vollkommen angepasst ist und mir den Autor nahebringt! Das ist eine extrem bereichernde Leseerfahrung!

    Und ebenso ist dieses Buch auch ein Blick ins westliche Afrika hinein, eine Beschreibung einer vollkommen anderen Welt! Interessant, bunt, schillernd, aber auch gefährlich und bevölkert mit ähnlich schrägen Menschen, die auch in Boyles Europa zu finden sind.

    Denn über den Nebenstrang von Ned Rise wird ein Blick auf die unteren Klassen von England geworfen und auch dieser Blick ist voller Kritik an einem ausbeutenden und unterdrückenden System. Bevor dann schlussendlich beide Stränge zueinander finden und die Geschichte auf ihr fulminantes Ende zusteuert.

    Ein wunderbares und absolut spannendes Buch! Bitte unbedingt lesen!



  17. Cover des Buches Wie ein Stein im Geröll (ISBN: 9783453352469)
    Maria Barbal

    Wie ein Stein im Geröll

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Manuela_Waldmeier

    Dieses Buch erzählt die Geschichte von Conxa, welche früh ihr Elternhaus verlassen musste um bei Onkel und Tante zu leben, welche keine eigenen Kinder haben. Das Buch bleibt sich von Anfang bis Ende treu , es gibt wenige höhen und tiefen was den Schreibstil angeht und lässt sich flüssig lesen. Es erzählt die Geschichte eines langen Lebens , der Abnabelung von zu Hause, eigenen Kindern und Enkeln so wie dem unausweichlichen Tod welcher Conxa in ihrem Leben nicht fern bleibt.  Wie ein einzelner Stein im Geröll ist jeder in irgendeiner Weise , so auch Conxa. Fazit: Eine Lebensgeschichte die erzählt wurde weil sie erzählt werden musste und die den Leser an ein oder anderer Stelle durchaus zum Nachdenken anregt . 

  18. Cover des Buches Frau von Goethe (ISBN: 9783746636658)
    Beate Rygiert

    Frau von Goethe

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Buecherwurm1973

    Christiane Vulpius wird von ihrem Bruder Christian beauftragt, Freiherr von Goethe anzufragen, ob er Arbeit von ihn habe. Diese Begegnung ist zukunftsweisend für beide. Sie sind sofort voneinander angetan und führen eine heimliche Beziehung. Allerdings nicht ohne Folgen, Christiane wird schwanger und schenkt Julius August Walther von Goethe das Leben. Der glückliche Vater nimmt seine Geliebte zu sich und führt mit ihr von nun an eine wilde Ehe. Für Christiane war dieser Beziehungsstatus nicht einfach Zu jener Zeit war es verpönt unverheiratet zusammenzuleben und die Frau wurde beschimpft, von der Gesellschaft ausgeschlossen.

    Beate Rygiert schildert Christianes Leben an Goethes Seite. Es war für sie nicht einfach. Ihr Geliebter häufig abwesend. Von der Gesellschaft war sie ausgeschlossen, sie hatte nur wenige Freundinnen.

    Ich habe das Buch genauso gerne gelesen, wie die Vorgänger der Reihe „Aussergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe“.

  19. Cover des Buches Westlich des Sunset (ISBN: 9783499269370)
    Stewart O′Nan

    Westlich des Sunset

     (31)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Stewart O'Nan schildert mit diesem Roman die letzten Lebensjahre des amerikanischen Schriftstellers Francis Scott Key Fitzgerald (1896-1940), der als 23jähriger den Roman "This Side Of Paradise" ("Diesseits vom Paradies") veröffentlichte und damit binnen kurzer Zeit zu großer Berühmtheit gelangte.

    Von der Zeit des Kennenlernens Zelda Sayre's und den turbulenten Ehejahren mit ihr von 1918 bis 1934 erfährt der Leser nur fragmentarisch in Rückblenden. O'Nan konzentriert sich auf die Zeit, als die Schulden- und Alkoholflaschenberge des Schriftstellers zu gefährlichen Dimensionen anwachsen und seine Beziehung zu der britisch-stämmigen Klatschkolumnistin Sheilah Graham (1904-1988) den einzigen sicheren Hafen in den stürmischen Gewässern einer sich in einer Nervenklinik befindlichen Ehefrau und der gemeinsamen entfremdeten Tochter Frances, genannt "Scottie", darstellt. O'Nan erzählt von den mühsamen Versuchen Fitzgerald's, sich vom Misserfolg seines Romanes "Tender Is The Night" ("Zärtlich ist die Nacht", 1934) zu erholen und endlich einen Roman zu schaffen, der seinem Wunsch, ein so bedeutender Autor zu werden wie Ernest Hemingway oder William Faulkner, gerecht wird. Doch die immensen Schulden zwingen ihn immer wieder zu Kurzgeschichten und zu Lohnarbeiten in  den Hollywood-Studios... Erst 1939 beginnt er mit "The Last Tycoon"... kann diesen Roman aber nicht mehr vollenden. Er stirbt 44jährig nach zwei Herzinfarkten im Dezember 1940.

    Stewart O'Nan hat eine intensive Recherche betrieben und schildert (im Gegensatz zum Protagonisten) nüchtern und ereignislos den zähen und schwierigen Kampf um die Geldbeschaffung zur Begleichung der Klinik- und Internatskosten sowie des eigenen Lebensunterhalts und des Bestrebens, endlich einen von Kritik und Leserschaft anerkannten und bedeutenden Roman zu verfassen. O'Nan setzt eine gewisse Vorkenntnis über Fitzgerald's Leben voraus, denn in dem Roman verweist er oft nur mit Vornamen auf wichtige Bezugspersonen im Leben dieses Schriftstellers. So muss man selbst nach den Beziehungen zu Dorothy Parker, zu Ernest Hemingway oder zu seinem Literaturagenten Harold Ober oder dem Lektor Perkins forschen, um zu erfahren, dass die letzten beiden Herren sehr oft mit Vorschüssen und Darlehen zu Hilfe eilen mussten.

    "Der große Gatsby" war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein moderater Erfolg... Zu einem weltweiten Megaseller wurde dieser 1925 erschienene Roman erst in den 1970ern aufgrund der Verfilmung mit Robert Redford und Mia Farrow. Eine perfekte Ergänzung zu "Westlich des Sunset" sind die Amazon-TV-Serien "The Last Tycoon" sowie "Z: The Beginning Of Everything".

  20. Cover des Buches Das Heiligenspiel (ISBN: 9783426636176)
    Ursula Niehaus

    Das Heiligenspiel

     (31)
    Aktuelle Rezension von: Buecherbaronin

    Mit Anna begleiten die Leser ein sympathisches, junges Mädchen auf seinem Weg zum Erwachsenwerden und darüber hinaus. Häufig wird Anna leichtsinnig, naiv und unsicher beschrieben, man traut ihr nur wenig zu. Zwar widerlegt sie diese Vorurteile immer wieder und stellt auch ihre Klugheit unter Beweis, aber es ergibt sich kein ganz stimmiges Bild ihres Charakters.

    Abgesehen davon erwartet den Leser ein lebendiges Bild der damaligen Zeit, vor allem im Hinblick auf die Stellung der Frau in diesem Kapitel der Geschichte. Aber auch das alltägliche Leben, verwoben mit historischen Fakten, wird plastisch beschrieben. Das ist eine gute Grundlage für einen soliden, genretypischen Roman.

    Und auch wenn sich hier und da stilistische Schwächen einschleichen und die Sprache nicht immer perfekt passt, ist die Geschichte rund um Anna durchweg interessant und lädt zum Weiterlesen ein. Man will wissen, wie es mit der jungen Frau weitergeht und wie sie die Herausforderungen ihres Lebens meistert.

  21. Cover des Buches Ich, die Königin (ISBN: 9783404156719)
    Susan Hastings

    Ich, die Königin

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Sanylein
    Inhalt:
    Wir begleiten in diesem Buch das Leben von Isabella von Kastilien.

    Cover/Gestaltung:
    das Cover vom Buch ist leider etwas langweilig gestaltet. Allerdings gibt es ein extrem schönes Cover beim Hörbuch.

    Meine Meinung zum Buch:
    Ich fand es ein bisschen schwer das Buch zu lesen obwohl ich historische Bücher gewohnt bin. Nachdem ich dann nach der Hälfte zum Hörbuch wechselte viel es mir leichter. Irgendwie konnte mir diese Frau durch das Buch, nicht sympathisch gemacht werden und dadurch nicht interessant genug. Die Erzählungen über den „Zwerg“ empfand ich leider auch etwas als nervig.

    Fazit:
    Das Buch ist Meiner Meinung nach eher für Leute, die Isabella auch sympathisch finden.
  22. Cover des Buches Katharina von Medici (ISBN: 9783958247635)
    Cornelia Wusowski

    Katharina von Medici

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Die Autorin entführt die Leser in ihrem, knapp 1.300 Seiten starken, Werk in die Renaissance.
    Opulent und detailreich wird das Leben der Katherina von Medici beschrieben.
    Die Kindheit wird vielleicht ein wenig zu rührend und zu detailliert dargestellt.
    Dann die Hochzeit mit Heinrich, dem Dauphin von Frankreich.
    Dass Intrigen, Giftmord, Gewalt und Mätressen der jungen Italienerin das Leben schwer machten, ist historisch verbürgt.
    Ausländische Prinzessinnen hatten es in Frankreich nie besonders leicht – siehe auch Marie Antoinette.

    Die historisch belegten Details sind geschickt mit fiktiven Figuren verwoben.
    Auch der historische gut dokumentierte, erbitterte Machtkampf mit Heinrichs Mätresse Diane de Poitiers nimmt einen großen Raum in diesem Buch ein. Die Farbenspiele des Königs „schwarz“ gegen „weiß“ sind legendär und auch in anderen Biographien nachzulesen.

    Ein wenig irritiert hat mich, dass die späten Jahre der Katharina – im Vergleich mit der geschilderten Kindheit – ein wenig ins Hintertreffen geraten sind.
    Die vielen Jahre ihrer Regierung kommen mir persönlich zu stark gestrafft vor.
    Die vielen „Heinriche“ stiften manchmal ein wenig Verwirrung Das darf allerdings nicht der Autorin angelastet werden. Die Namensgebung der französischen Königsfamilie für ihre Söhne war leider nicht einfallsreicher.

    Fazit:
    Ein wirklich opulentes Werk, das einen gediegenen Eindruck der Zeit und des Reiches vermittelt.
    Für Leser, die gerne dicke historische Schmöker lesen, eine Empfehlung.
  23. Cover des Buches Die Gottessucherin (ISBN: 9783426636091)
    Peter Prange

    Die Gottessucherin

     (27)
    Aktuelle Rezension von: MarySophie

    Handlung:

    In Lissabon im Jahre 1510 kommt Gracia Nasi auf die Welt. Um der christlichen Inquisition zu entgehen wird sie zwar getauft, im Geheimen jedoch bleibt sie ihrer Religion treu und führt alle Riten heimlich aus. Noch dazu muss die junge Frau einen Mann heiraten, welcher seinem ursprünglichen Glauben, dem Judentum, scheinbar komplett abgeschworen hat und welcher in Gracias
    Augen somit nicht nur die Religion, sondern auch seine Glaubensbrüder im Stich gelassen hat. Jedoch muss sie schon bald erkennen, dass sie sich im ihrem Mann vollkommen getäuscht hat und er wird schließlich zur großen Liebe ihres Lebens.

    Doch in ganz Europa müssen jüdische Bürger Angst vor der Inquisition haben, welche sich immer weiter
    ausbreitet. Eine lange Reise beginnt für Gracia, um ihrem
    angeborenen Glauben weiterhin nachgehen zu können und um Frieden zu finden.


    Meinung:

    Dies war das erste Buch, welches ich von Peter Prange gelesen hatte. Nachdem ich schon viele positive
    Meinungen gehört habe, war ich sehr gespannt auf das Buch und wurde anfangs auch nicht enttäuscht. Die Geschichte begann sehr spannend und dies hielt auch einige Zeit an, hat irgendwann in der Mitte des Buches jedoch vollkommen nachgelassen. Irgendwann musste ich mich fast dazu anspornen, weiterzulesen. Nicht nur, dass sich die Geschichte ewig gezogen hat, auch Gracia und ihre Familie fand ich immer nerviger. Besonders störend fand ich hierbei, dass Gracia immer fanatischer wurde und sich dabei stets als Führerin ihres Volkes gesehen hat, welche auch gerne Enttäuschungen vonseiten ihrer Vertrauten in Kauf genommen hat, um zum Ziel zu gelangen.


    Vom Schreibstil war ich sehr begeistert, der Roman ließ sich flüssig und angenehm lesen. Viele Dinge waren sehr gut beschrieben, sodass ich mir, trotz wenigen mir unbekannten Worten, direkt ein gutes Bild davon machen konnte, was gerade beschrieben wurde. Ansonsten empfand ich die Sprache als recht
    einfach gewählt, wodurch sie einem breiten Publikum gut verständlich ist.


    Der Handlungszeitraum des Buches erstreckt sich über viele Jahre. Anfangs ist Gracia noch eine junge Frau, die gerade heiratet, am Ende ist sie viel reifer und auch älter geworden. In all diesen Jahren, die erzählt werden, bereist Gracia gezwungenermaßen viele Orte, weshalb ich es als sehr schön empfunden hätte, wenn es eine Karte gegeben hätte, damit man sich die Entfernung zwischen den Reisezielen besser vor Augen halten kann.

    Außerdem hat mir auch ein Personenverzeichnis gefehlt, bei dem Schmöker von über 750 Seiten
    kommen einige Protagonisten vor, dabei kann man auch etwas den
    Überblick verlieren.


    Gracia steht während des ganzen Romans durchweg im Vordergrund, ihre Geschichte wird erzählt und somit ist
    sie ständig präsent. Auch jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe,
    kann ich mir kein Bild der Frau machen. Dabei meine ich keine
    äußerliche Beschreibung, sondern auch der Charakter ist für mich
    wie ein Buch mit sieben Siegeln. Am Anfang fand ich sie noch recht
    sympathisch, jedoch hat sich mit dem Verlauf des Buches nicht nur die Handlungsorte verändert, sondern auch Gracia selber. Sie wurde
    stärker und unabhängiger, jedoch auch immer fanatischer mit ihrem
    Gotteswahn und skrupelloser.


    Auch bei den anderen Protagonisten war eine deutliche Weiterentwicklung sichtbar. Diese wurde sehr gut beschrieben und hierbei hat es mir besonders gefallen, dass sie nicht
    immer positiv ausgefallen ist, sondern sich auch einige Charaktere
    zum negativen entwickelt haben.


    Fazit:

    Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, wurde aber leider enttäuscht. Nicht nur, dass es Längen gab, sondern auch die Entwicklung von Gracia waren mir immer mehr ein Dorn
    im Auge. Es war jedoch interessant, etwas über die Dame zu erfahren, welche viele gute Dinge für ihre Glaubensbrüder getan hat, für die ich sie bewundere.

  24. Cover des Buches Frieda (ISBN: 9783839224731)
    Dagmar Fohl

    Frieda

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Juditha

    Dagmar Fohl schreibt diesen Roman in der Ich-Form, damit erreicht sie einen noch größeren Effekt der emotionalen Betroffenheit beim Leser. Frieda Wächtler wird in Dresden geboren und wächst in einer kleinbürgerlichen Atmosphäre auf, die ihrem wilden Geist diametral entgegensteht. Der Vater züchtigt sie und die Mutter verschwindet hinter einer Wand aus Misstrauen und Entsetzen gegenüber der Tochter. 

    Frieda macht sich mit 16 los von diesem Zuhause und gelangt in die Künstlerszene. Sie möchte malen lernen und versucht alles, um mit ihrem künstlerischen Talent auch Geld zu verdienen. Recht schnell lernt sie "Lohse" kennen, in der Künstlerszene sind sie bald ein Paar, aber die verhängnisvolle Beziehung verläuft bei Weitem nicht so, wie Frieda sich das vorgestellt hat. Trotzdem wird sie ihren Lohse heiraten und versuchen, das Beste aus dieser Ehe zu machen.  Auch er züchtigt sie, sie streiten, schlagen und vertragen sich immer wieder, bis es zum Bruch kommt. Die räumliche Trennung endet damit, dass Frieda zu ihm nach Hamburg geht und ihn nach schwerster Krankheit gesund pflegt. Lohse aber nimmt eine andere (aus) und bekommt mit ihr drei Kinder. Frieda rutscht ab bis ins Obdachlosenmillieu und eines Tages findet sie sich auf einer psychiatrischen Station wieder. Sie hat Alpträume und Wahnvorstellungen, Angst- und Panikattacken lösen einander ab. 

    Ihr einziger Halt in all den Jahren, seit sie das Zuhause in Dresden verließ, ist ihr jüngerer Bruder Hubert. Noch als er Kind war, hat Frieda immer wieder versucht, ihm ihre Freiheitsliebe und ihren Willen aufzudrücken. Er erweist sich als robuster als er aussieht und entwickelt sich trotz des bedrückenden Elternhauses gut. Immer wieder wird er Frieda besuchen und ihr auch Halt bieten.

    Als sie aus Hamburg flieht und bei den Eltern Unterschlupf sucht, verschließen diese sich - zu meinem großen Erstaunen - nicht. Sie nehmen sie auf und die Mutter päppelt Frieda wieder auf. Aber die psychotischen Zustände und Wahnvorstellungen kommen immer wieder, Frieda hat dem nichts entgegenzusetzen. Sie wird - auf Betreiben ihres Vaters - in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, das Leben in der Anstalt ist für sie die Hölle. Alle Bittbriefe an die Eltern helfen nichts, sie bleibt jahrelang eingesperrt in dieser Anstalt. Ihr Wunsch zu malen, immerzu zu malen, geht nur manchmal in Erfüllung. Die ärztliche Behandlung ist als solche nicht zu bezeichnen, wenn sie nicht spurt, wird sie ruhig gestellt, ansonsten hilft man ihr dort nicht.

    Sehr authentisch sind die Berichte aus dem Krankenhaus, genauso wurden diese verfasst, stereotype Sätze wie "Patientin ist sehr zerstreut" oder "Stimmungslabil, weinerlich." sind typisch für diese Verwahranstalten.

    Unterdessen ist Hitler an der Macht, psychisch Kranke sind den neuen Machthabern ein Dorn im Auge, die "Erbgesundheit des deutschen Volkes" ist gefährdet, heißt es. Menschen wie Frieda müssen hinter hohen Mauern bleiben, für sie ist kein Platz zwischen den "Erbgesunden" und "Ariern". 1935 erfolgt gegen Friedas Willen die Zwangssterilisation, die sie fast nicht überlebt. Von Lohse wird sie in diesem Jahr geschieden.

    Friedas Ende ist für uns, die wir die Geschichte kennen, vorhersehbar, für sie ist es das nicht. Sie hofft und hofft, dass sie die Freiheit wiedererlangt, aber im tiefsten Innersten wird sie gewusst haben, dass sie sterben muss. Am 31. Juli 1940 wird sie in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein vergast. 

    Dieses Ende ist unendlich traurig. Einziger Lichtblick, einige der Ärzte und Pfleger wurden in einem Prozess in Dresden 1947 zum Tode bzw. zu langer Haft verurteilt. Hubert Wächtler trat beim Prozess als Zeuge auf.

    Für mich ist dieses Buch eine echte Entdeckung, wenn ich könnte, würde ich mich bei der Autorin persönlich bedanken. Ich kenne sie leider nicht, deshalb mache ich es auf diesem Wege. Danke für die Wahrheit!


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