Bücher mit dem Tag "russische literatur"

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62 Bücher

  1. Cover des Buches Anna Karenina (ISBN: 9783730609828)
    Leo Tolstoi

    Anna Karenina

    (1.105)
    Aktuelle Rezension von: Malte_Hermann

    Wenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )

    Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.

    Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.

  2. Cover des Buches Krieg und Frieden (Leo Tolstoi) (ISBN: B0CH3HX6TW)
    Leo Tolstoi

    Krieg und Frieden (Leo Tolstoi)

    (516)
    Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_Happyendings

    Tolstois "Krieg und Frieden" ist ein zeitloses Meisterwerk, das die Schicksale russischer Adelsfamilien während der napoleonischen Kriege verfolgt, insbesondere die Entwicklungen von Pierre Besuchow, Andrej Bolkonski und Natascha Rostowa. Der Roman verbindet persönliche Geschichten mit historischen Ereignissen und zeigt die psychologische Tiefe der Charaktere. Besonders eindrucksvoll sind Pierres und Nataschas Wandlungen. Tolstois schonungslose Darstellung des Krieges, insbesondere der Schlacht von Borodino, entlarvt heroische Mythen und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges sowie die Rolle des Individuums in der Geschichte.

    Die Detailtreue des russischen Gesellschaftslebens im 19. Jahrhundert ist bemerkenswert, auch wenn die Vielzahl an russischen Namen und die Länge des Romans eine Herausforderung darstellen können.

    Empfohlen für:

    • Liebhaber komplexer Literatur
    • Geschichtsinteressierte
    • Leser philosophischer Themen
    • Fans tiefgehender Charakterentwicklung

    Weniger geeignet für:

    • Leser, die schnelle Unterhaltung suchen
    • Personen, die lange philosophische Passagen vermeiden
    • Leser, die Schwierigkeiten mit vielen Charakteren und Handlungssträngen haben

    Ein hilfreicher Tipp für das Lesen ist, eine Liste der Hauptcharaktere und deren Beziehungen zu erstellen.


  3. Cover des Buches Lolita (ISBN: 9783499225437)
    Iain Banks

    Lolita

    (520)
    Aktuelle Rezension von: FLX

    Angefangen wegen dem Hype, geblieben wegen der Sprache.

    Nabokov schreibt so präzise, dass man Humberts Argumenten fast folgt - und genau das ist das Unbehagliche daran.

    Was mich am meisten überrascht hat: Lolita selbst kommt kaum vor.

    Das ganze Buch ist Humberts Selbstinszenierung, und man merkt das, ohne dass es einem jemand sagt.

    Kein angenehmes Leseerlebnis. Aber man nimmt was mit - nämlich ein ziemlich gutes Gefühl dafür, wie Manipulation in Sprache funktioniert.

  4. Cover des Buches Schuld und Sühne (ISBN: 9783458646563)
    Fjodor Michailowitsch Dostojewski

    Schuld und Sühne

    (496)
    Aktuelle Rezension von: Das_Leseding

    Schreibstil:
    Der Schreibstil sowie die Übersetzung sind gelungen. So lässt sich dieses doch recht umfangreiche Werk schnell und flüssig lesen. Der Bildhafte Stil lässt den Leser in das St. Petersburg des 19. Jahrhunderts eintauchen und die düstere Stadt erfahren.

    Charaktere:
    Rodion ist ein sehr düsterer und teilweise verwirrter Charakter. So schmeißt er, als hochbegabter, sein Studium und versucht sich so durchzubringen. Auch den Mord scheint er, eine sehr lange Zeit, nicht zu bereuen. Er empfindet sich als Übermensch und rechtfertigt seinen Mord mit, wie er findet, guten Gründen.

    Die anderen Charaktere sind alle auf ihre Art einzigartig und doch gleich. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht und es herrscht wenig Mitgefühl.
    Das ganze Buch über musste ich mich fast auf jeder Seite fragen, wie ich die Charaktere einordnen kann. Sie sind liebenswürdig und doch teilweise sehr egoistisch.

    Kurz: Dostojewski schafft es einen sehr tiefen Einblick in die menschliche Psyche und die Gedanken zu zeichnen und die Charaktere interessant aufleben zu lassen.

    Fazit:
    Schuld und Sühne ist ein sehr lesenswerter Klassiker der tief in die menschlichen Abgründe blicken lässt. Ich gebe 4 Sterne für ein sehr interessantes Werk, welches teilweise durch lange Monologe einschläfernd wirkte. Trotzdem waren diese nötig um die Hintergründe und Personen verstehen zu können.

    Im Nachwort wird noch einiges zu Dostojewski selbst erwähnt. Diesen Teil fand ich besonders interessant, da hier auch ein kleiner Zusammenhang zwischen ihm und der Geschichte „Schuld und Sühne“ hergestellt werden kann.

  5. Cover des Buches Meister und Margarita (ISBN: 9783423143011)
    Michail Bulgakow

    Meister und Margarita

    (446)
    Aktuelle Rezension von: MEva

    Eigentlich sollte dies mein Lieblingsbuch sein; das Thema ist schaurig-schön, es beinhaltet einen sprechenden Kater und die zeitlose Geschichte des Gut und Böse.

    Ist es aber nicht. Grund ist die völlig unnötige umständliche Formulierung. Bei Kritikern als poetisch beschrieben bleibe ich einfach verdattert zurück - was darin gipfelt, dass ich nach jeden Kapitel den Inhalt googeln muss. Dieses Buch bedarf vieler Erklärungen - in der vorliegenden Ausgabe nehmen diese allein 100 Seiten ein - aber ein Personenregister hätte meiner Meinung nach auch hinzugefügt werden können. Am Ende heißt es wer sich durchbeißt wird belohnt: Diese Erfahrung blieb bei mir leider aus.

  6. Cover des Buches Verbrechen und Strafe (ISBN: 9783596907304)
    Fjodor Dostojewskij

    Verbrechen und Strafe

    (170)
    Aktuelle Rezension von: Schlehenfee

    Rodion Romanowitsch Raskolnikow, ein ehemaliger Student, fristet ein ärmliches Dasein und muss immer wieder Geld bei einer alten Wucherin leihen. Da er sich zu Höherem berufen fühlt und die alte Frau für ihn nur eine Laus ist, will er sie umbringen. Nachdem Raskolnikow seinen Plan umgesetzt hat, plagt ihn jedoch sein Gewissen und die Polizei gerät auf seine Spur. Wird er mit seiner Tat davonkommen oder nicht? 


    „Verbrechen und Strafe“ ist mein erstes Werkt von Fjodor Dostojewski und ich wusste vorher nicht, dass Elemente eines Kriminalromans in dieses Buch eingeflossen sind. So wurde es unerwarteterweise phasenweise echt spannend. Vor allem Raskolnikows Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlern und der verbale „Showdown“ mit Porfirij Petrowitsch waren ganz großartig herausgearbeitet.

    Durch die Ermordung der Alten glaubt Raskolnikow der Menschheit etwas Gutes zu tun, da er „unwertes“ Leben beseitigt. Wenn ihr euch jetzt fragt, „Habe ich das nicht schon einmal irgendwo gehört?“ oder es euch beklemmend aktuell vorkommt, dann geht es euch wie mir. Gerade die Aktualität der zugrundeliegenden Motive des Protagonisten, gepaart mit dem Blick auf arme und reiche Menschen in Sankt Petersburg, auf die man im Roman trifft, haben mich begeistert! Dadurch wird „Verbrechen und Strafe“ zu einem zeitlosen Meisterwerk.


    Es gibt noch einige weitere Erzählstränge, die sich um Sonja und Raskolnikows Familie drehen. Dabei geht es wieder um Armut und um Wege, daraus zu entkommen. Außerdem wird ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft gezeichnet. Dies hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.


    Die Charaktere sind alle gut gezeichnet: Dunja gefiel mir extrem gut mit ihrer Charakterstärke, Dmitrij lockert die Handlung auf und bringt eine humorvolle Note mit ein, Sonja ist eine gute Seele und verantwortlich für die Läuterung Raskolnikows. Luschin ist ein Narzisst, Swidrigajlow ein widerlicher Pädophiler und Porfirij Petrowitsch ein gerissener Ermittler.


    Mit Swetlana Geiers Übersetzung bin ich sehr gut zurechtgekommen. Der Stil eines Romans aus dem 19. Jahrhundert wird als Rahmen beibehalten, doch lockern zeitgenössische Worte und ein modernerer Satzbau das Ganze auf lassen den Leser nicht ermüden. So macht das Lesen russischer Klassiker Spaß! Ich bin mir sicher, dass ich gerne noch zu weiteren Werken Dostojewskis greifen werde. 

  7. Cover des Buches Weiße Nächte (ISBN: 9783150142370)
    Fjodor Dostojewskij

    Weiße Nächte

    (216)
    Aktuelle Rezension von: Noemi_Sievert

    Wow – was für ein wundervolles Buch! Ich liebe es, wie ein Mann so träumerisch, sanft und tief empfindend schreiben kann. Dostojewski versteht es, Gefühle in Worte zu fassen, die man selbst manchmal kaum beschreiben könnte.

    Weiße Nächte fühlt sich für mich weniger wie eine gewöhnliche Erzählung und vielmehr wie ein Gedicht oder eine kleine Oper in Buchform an – voller Sehnsucht, Hoffnung, Einsamkeit und dieser bittersüßen Schönheit unerfüllter Liebe.

    Man spürt: Dieser Mann versteht, wovon er schreibt. Seine Worte haben eine Tiefe und Zartheit, die mich berührt haben.

    Ein kleines Buch, aber mit unglaublich viel Gefühl. Wundervoll!

  8. Cover des Buches Schuld und Sühne (ISBN: 9783730607978)
    Fjodor M. Dostojewski

    Schuld und Sühne

    (26)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Schuld und Sühne ist kein Kriminalroman. Es ist eine Untersuchung des Bewusstseins unter dem Druck der eigenen Tat. Raskolnikow ist sein eigener Richter, Staatsanwalt und Henker — lange bevor das System ihn erreicht. Dostojewski hat verstanden, dass die interessanteste Frage nicht ist, ob jemand bestraft wird, sondern was mit dem Bewusstsein eines Menschen passiert, der versucht, eine moralische Grenze mit intellektuellen Argumenten zu überschreiten. Die Antwort ist keine tröstliche.

  9. Cover des Buches Bei Regen in einem Teich schwimmen (ISBN: 9783442773725)
    George Saunders

    Bei Regen in einem Teich schwimmen

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Maseli

    George Saunders präsentiert in seinem Buch „Bei Regen in einem Teich schwimmen“ 7 Kurzgeschichten 4 russischer Meister, begleitet den Leser bei der Lektüre, um ihn in eine vielleicht bisher unbekannte Welt des Lesens zu entführen. Mit Charme und Witz, Ernst und literaturerzieherischem Feingefühl öffnet Saunders durch seine Analyse der 7 Kurzgeschichten Türen zu ungeahnten Höhen und Tiefen, und vermittelt notwendiges Basiswissen zum Handwerk des Schreibens. Somit ermöglicht er eine neue, achtsamere und aufmerksamere Art des Lesens, die sich unvermittelt und geradewegs in den Lesenden einnistet und stellt ein Basiswissen zur Verfügung, welches bei der Auswertung der Lektüre hilfreich zur Seite steht. 

    Die in diesem Buch ausgewählten unten aufgelisteten Erzählungen stammen aus einer unglaublichen, 70 Jahre andauernden, künstlerischen Renaissance in Russland und sind, jede auf ihre Weise, Meisterstücke der Literatur, einzigartig in Komposition & Handlung und perfekt in der Ausarbeitung.

    Anton Tschechow – Auf dem Wagen

    Iwan Turgenjew – Die Sänger

    Anton Tschechow – Herzchen

    Leo Tolstoi – Herr und Knecht

    Nikolai Gogol – Die Nase

    Anton Tschechow – Die Stachelbeeren

    Leo Tolstoi – Aljoscha der Topf

    Meine persönlichen Leseeindrücke 

    „Bei Regen in einem Teich schwimmen“ ist ein äußerst gelungenes Buch über das Lesen und Schreiben, das mir anhand von 7 Kurzgeschichten erklärt, wie das Schreiben funktioniert und wie ich – die Leserin - , bewusst oder unbewusst, auf das Gelesene reagiere. Die Faszination liegt dabei darin, dass George Saunders in erstaunlich geistreicher, intelligenter und z. T. zutiefst bewegender Analyse jede einzelne Geschichte so auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, dass ich nicht nur viel achtsamer und aufmerksamer lese, sondern mir auch endlich jenes Grundwissen aneignen konnte, um auszudrücken, wenn mir etwas nicht gefallen hat. Weil, wenn es mir gefällt, es für mich so unendlich einfach ist meine Begeisterung zu vermitteln, jedoch bei Kritik mir oft die Argumente fehlten, um meiner wenigen Begeisterung die richtigen Worte zu geben. Oft spürte ich, dass etwas nicht stimmte, konnte das Gefühl aber nicht fassen. Dafür, dass er mir etwas von der Kunst des Lesens gezeigt hat und ich beginnen kann zu verstehen, im Guten wie im Schlechten, bin ich George Saunders unendlich dankbar

    Ich habe alle sieben Kurzgeschichten gemocht und von allen gelernt, nicht nur das Lesen, sondern was Literatur leistet: sie sorgt dafür, das sich mein Geist zunehmend verändert.

    Da „Bei Regen in einem Teich schwimmen“ in vielen Aspekten ein ganz außergewöhnliches Buch darstellt, habe ich mich entschlossen, meine Buchbesprechung an dieses Außergewöhnliche anzupassen und nachstehend einige Aussagen aufgelistet, die ich auf mein Literaturleiterwägelchen WMUA – Was mir unweigerlich auffiel gepackt habe.

    • Stellen wir uns Struktur als eine Art Zuruf- und- Antwort zu. 
    • Wenn Sie wissen, wo die Erzählung hingeht, brüten Sie nicht darauf herum, schicken Sie die Erzählung dorthin, sofort.
    • Wenn eine Figur ständig dasselbe tut oder sagt oder dieselbe Handlung einnimmt, empfinden wir das als statisch, als Wiederholung eines Spielzuges – also als eine verpasste Chance der Weiterentwicklung.
    • Beim Lesen fallen auf: der Plot (an der Oberfläche), sprachliche Aspekte (subtiler), Strukturelles, Farbmuster, Rückblenden oder Vorausblenden, Perspektivwechsel.
    • Zu ausführliches und nacheinander Erzählendes bzw. Beschreiben hat seinen Preis: unsere Leseenergie sinkt.
    • Von der Kunst wollen wir diesen Augenblick: wenn wir etwas „wissen“ (es fühlen), es aber nicht formulieren können, weil es zu komplex und vielschichtig ist.
    • Die Aufgabe des Autors ist es, Tankstellen so auf dem Parcours zu platzieren, dass die Leser weiterlesen und es bis zum Ende der Erzählung schaffen. (z. B. ein Witz, Ausbruch von Ehrlichkeit, starke Sprache, Humor, eine saftige Beschreibung eines kleinen Stückchens Welt, eine Dialogpassage, etc.)
    • Eine Erzählung braucht nicht viel außer ein eine Reihe von Dingen, die aufeinanderfolgend geschehen, in denen wir ein Muster der Kausalität erkennen können. 
    • Jede Erzählung, die moralische Schwächen aufweist (die also sexistisch, rassistisch, homophob, pedantisch, aneignen, etc.) wird sich, wenn wir ausreichend analytisch herumschnüffeln, als handwerklich fehlerhaft herausstellen, und wenn diese Fehler behoben werden, wird sie auch (immer) eine bessere Erzählung.
    • Der Unterschied zwischen einem großen und einem guten Schriftsteller (oder einem guten und einem schlechten) liegt in der Qualität der Momententscheidungen, die er beim Arbeiten trifft.
    • Darauf lässt sich das Schreiben wirklich herunterbrechen. Wir lesen eine Zeile, reagieren auf sie, vertrauen dieser Reaktion (akzeptieren sie) und antworten sofort und intuitiv darauf.
    • „Wenn man die Leute langweilen will“, sagte Tschechow, „liegt das Geheimnis darin, ihnen alles zu erzählen.“
    • Schriftsteller und Leser sollen eine Verbindung eingehen. Das ist die Essenz dieser beiden Tätigkeiten: zu überprüfen, ob es eine Verbindung gib und wo und warum.
    • Wir sollten weder überschätzen, noch über Gebühr glorifizieren, was Literatur leistet. Insbesondere sollten wir uns ganz besonders davor hüten, ganz bestimmte Dinge von ihr zu verlangen.

    Fazit

    In „Bei Regen in einem Teich schwimmen“ präsentiert George Saunders anhand sieben Kurzgeschichten wie man von den russischen Meistern lesen, schreiben und leben lernen kann. Das tiefgründige Verständnis für Literatur, das George Saunders in seinem Buch vermittelt, ist von großem Wert für alle, die, wie ich, Literatur lieben.

    Wir haben den Zustand unseres Geistes vor der Lektüre mit dem nach der Lektüre verglichen. Und hier genau liegt, was Literatur leistet: Sie sorgt dafür, das sich ein Geist zunehmend verändert.

  10. Cover des Buches Doktor Shiwago (ISBN: 9783100022455)
    Boris Pasternak

    Doktor Shiwago

    (91)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Nach dem Tod seiner Mutter kommt der zehnjährige Juri Schiwago zu seinem Onkel Nikolai Wedenjapin und reift bei ihm zum Mann heran. Er absolviert ein Medizinstudium und heiratet seine Jugendliebe Tonja. Parallel dazu lernen wir die hübsche Larissa Antipowa, genannt Lara, kennen und erfahren, wie sie als Erzieherin in einem Privataushalt anfängt und sich später zu einem Studium an der Universität entschließt. Bei einem tragischen Unfall lernen Juri und Lara sich kennen, verlieren sich aber wieder aus den Augen. Erst viele Jahre später, im großen vaterländischen Krieg, treffen sie einander wieder. Juri ist inzwischen ein angesehener Arzt, der von einer Gewehrkugel verletzt wurde. Lara hat sich als Krankenschwester freiwillig an die Front gemeldet und pflegt ihn im Lazarett gesund. Viel Zeit zum Durchatmen bekommen niemand, denn danach breitet sich die Februarrevolution von Moskau stetig weiter aus. Das ganze Land befindet sich im Umbruch und Dr. Schiwago wird von seiner Familie getrennt und zur Zwangsarbeit verurteilt. Als er nach vielen Jahren freikommt, trifft er Lara wieder und verliebt sich in sie. Anstatt zu seiner Familie zurückzukehren, bleibt er bei Lara, obwohl sie beide wissen, dass ihr Glück nicht von langer Dauer ist. Schließlich zwingen die Umstände sie zur erneuten Trennung und Juri versucht sein Leben allein unter Kontrolle zu bekommen. Doch nicht einmal seine Arbeit als Arzt sagt ihm mehr zu.
    Boris Pasternaks berühmter Roman erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Doktor Schiwago, festgemacht an vielen wichtigen Punkten der russischen Geschichte. Neben Hauptpersonen Juri und Lara tauchen mehrere hundert Personen auf – manche nur kurz, andere länger. Dadurch zeigt sich sowohl sein epochaler Umfang als auch seine größte Schwäche. Die Geschichte ist viel zu weitläufig erzählt. Vor allem ab dem Beginn der Februarrevolution ufert die Handlung immer weiter aus. Zig Kapitel haben nichts mit Juri oder Lara zu tun und man merkt deutlich, dass der Autor hier etwas den Fokus verloren hatte. Statt fortlaufender Handlung überwiegen ellenlange Dialoge und Monologe, damit scheinbar jede Person ihre Weltansicht detailliert erläutern kann. Leider setzt sich das bis zum Ende fort. Selbst nach Doktor Schiwagos unspektakulärem Tod ist die Geschichte nicht vorüber, sondern noch mehr Gespräche und Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden. Hätte man da einiges gekürzt, es hätte dem Roman vermutlich nicht geschadet. Zumal die Geschichte durch (viel zu) vielen Ansichten eher sachlich erscheint und dadurch Gefühle und Leidenschaft meist ins Hintertreffen geraten. Man leidet daher auch nicht mit den Figuren, sondern weiß vorwiegend über die äußeren Umstände Bescheid.

  11. Cover des Buches Gruppenbild mit Dame (ISBN: 9783942656245)
    Heinrich Böll

    Gruppenbild mit Dame

    (60)
    Aktuelle Rezension von: Marla_Humi

    Zwar drehen sich die Recherchen des "Verfassers" vorrangig um Leni Gruyten/ Pfeiffer, aber die zu Wort kommenden Freundinnen und Bekannten Lenis erzählen selbst auch ihre eigenen Geschichten und berichten von ihrem Über-Leben während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit in Köln. 

    Böll präsentiert eine Fülle von Episoden und Eindrücken. Indem er die Figuren in ihrer eigenen Sprache reden lässt, werden die unterschiedlichsten Charaktere und Milieus lebendig. Alle vereint die schrecklichen und traumatischen Erfahrungen des Krieges, sei es als sowjetischer Kriegsgefangener oder als versteckte Jüdin, als Zivilisten, die irgendwie die Bombenangriffe auf die Stadt Köln überstehen, als Väter, Mütter, Frauen, die ihre Liebsten betrauern. Geschickt wird dokumentarisches Material eingeflochten.

    Aber bei aller Tragik und Trauer werden auch lustige Episoden eingebaut, z.B. der "Tote-Seelen-Skandal", der dazu führt, dass Lenis Vater sein gesamtes Vermögen verliert und nur mit Mühe der Todesstrafe durch die Nazis entgeht. 

    Der "Verfasser" geizt nicht mit ironischen und unterhaltsamen Kommentaren zu seinen Gesprächspartnern und ihren Marotten, wobei er sich selbst nicht ausnimmt. Allein die stellenweise Neigung zu unnötigen Abkürzungen und Ausuferungen schmälert den Lesegenuss.

    Schade, dass Böll vielen nicht mehr bekannt ist.

  12. Cover des Buches Die Dame mit dem Hündchen (ISBN: 9783458177340)
    Anton Cechov

    Die Dame mit dem Hündchen

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Estel90

    Inhalt:

    "Die Dame mit dem Hündchen" ist Anna Sergejewna, die aus der Provinz kommt und am Strand von Jalta dem Bankangestellten Dmitri Gurov auffällt, der daraufhin den Hund, einen Spitz, im Restaurant zu sich lockt. Auf diese Weise kommt er mit Anna ins Gespräch. Eigentlich soll sie nur eine weitere seiner zahlreichen Affären werden, aber Anna wird mehr. Obwohl beide verheiratet sind - die jeweiligen Ehepartner sind in der Heimat geblieben - verlieben sie sich ineinander.

    Gurov merkt jedoch erst, als Anna abgereist ist und er selbst sich wieder daheim befindet, was sie ihm eigentlich bedeutet. Und auch Anna scheint ihr anfängliches schlechtes Gewissen - weil sie nie eine Frau sein wollte, die ihren Mann betrügt - durch die Intensität ihrer Gefühle zu überwinden: Als Gurov sie in ihrer Heimat aufsucht, finden sie erneut zueinander.

    Mein Eindruck:

    "Die Dame mit dem Hündchen" gehört zu den populärsten Werken der russischen Literatur und ich verstehe vollkommen, warum das so ist. Die Geschichte an sich ist zwar sehr kurz, aber dafür wunderschön und das leicht offene aber optimistische Ende lässt hoffen, dass die zwei Liebenden trotz aller Hindernisse ein gemeinsames Leben führen können.

    Die wirklich zauberhaften Illustrationen lassen die Geschichte noch lebendiger wirken und das Essay von Bernhard Schlink zu diesem Klassiker gibt einen tieferen Einblick in die Handlung - vor allem in die Symbolik von beispielsweise dem Hündchen.

    Fazit:

    Wer sich für  russische Werke, insbesondere russische Klassiker, interessiert, ist mir diesem Büchlein wirklich gut beraten. Die Gestaltung des Buches rundet das alles perfekt ab und so eignet es sich auch perfekt als Geschenk.

    5 von 5 Sternen.

  13. Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257246131)
    Sasha Filipenko

    Rote Kreuze

    (185)
    Aktuelle Rezension von: petraellen

    Autor

    Sasha Filipenko

     

    Inhalt

    Der junge Alexander ist gerade nach Minsk gezogen. Vor kurzem hat er seine Frau verloren und muss sein Leben mit seiner kleinen Tochter neu ordnen. 

    Auf dem Stockwerk seiner Wohnung lebt noch eine neunzig Jahre alte Frau, alleinstehend und an Alzheimer erkrankt. Nach einer kleinen Stadterkundung kommt er zu seiner Wohnung zurück und stellt mit Erstaunen fest, dass jemand ein rotes Kreuz auf seine Wohnungstür gemalt hat. Es stellt sich heraus, dass seine Nachbarin Tatjana Alexejewna es war. Alexander hält es zunächst für einen Scherz, doch Tatjana Alexejewna erklärt ihm, dass sie das Rote Kreuz braucht, um den Weg nach Hause zu finden. Sie erklärt Alexander, dass bei ihr kürzlich Alzheimer diagnostiziert wurde. Sie weiß, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Krankheit ihr Gedächtnis zerstört und ihre Erinnerungen ausgelöscht hat. Tatjana bittet Alexander in ihre Wohnung und will ihm ihre Geschichte erzählen. Eigentlich möchte er nicht auf einen Plausch zu ihr kommen, doch dann fesselt ihn die Lebensgeschichte. 

     

    „»… Ich würde Ihnen gern eine unglaubliche Geschichte erzählen. Eigentlich keine Geschichte, sondern eine Biographie der Angst. Ich möchte Ihnen erzählen, wie das Grauen den Menschen unvermittelt packt und sein ganzes Leben verändert.«“  (S. 15)

     

    Sie erzählt von ihrer Vergangenheit, an die sie sich noch gut erinnern kann. Sie erzählt von dem Zweiten Weltkrieg, ihrer Arbeit im Außenministerium. Ihr Mann Ljoscha wurde vermisst und ihre Tochter Assja entriss man ihr, als sie wegen Volksverrat ins Lager kam.

    Sie erzählt ein schockierendes Kapitel der russischen Geschichte, wie die Sowjetunion die russischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Stich ließ, wie ihre Familien als Verräter verfolgt wurden.

     

    Sprache und Stil

    Tatjana Alexejewna wird in London geboren. Anfang 1920 zieht sie mit ihrer Familie nach Moskau. Ihr Vater Alexej Alexejewitsch Bely sieht in dem Regierungswechsel „eine Revolution des Geistes! Petersburg und Moskau sind jetzt Städte des kleinen Mannes!“ (S. 23) 

    Tatjana begeistert sich für den Kommunismus. Sie dient ihrem Land und wird doch verhaftet.

    Sie arbeitet als Fremdsprachensekretärin im Außenministerium, als sie einen Brief bekommt, den sie übersetzen soll. Es ist eine Liste mit Namen russischer Kriegsgefangener in Rumänien, auf der sie den Namen ihres Mannes entdeckt. Sie weiß, dass Kriegsgefangene und ihre Familien als Verräter verfolgt und in den Gulag geschickt werden. Sie nimmt den Namen aus der Liste und setzt einen anderen Namen, der bereits schon auf der Liste steht, dazu.

    Die gefährliche Einmischung zum Schutz ihres Mannes hat nicht die Wirkung, die sie sich vorstellt. Sie wird als Verräterin bestraft und verbringt fast zehn Jahre voller psychischer und körperlicher Misshandlungen in einem weit entfernten, entsetzlichen Lager, ohne zu wissen, was mit ihrem Mann und Kind geieht. Erst nach der Haftentlassung erfährt sie, dass beide nicht mehr leben. Zudem plagt sie das schlechte Gewissen, einen Betrug vorgenommen zu haben, von dem sie sich eine Rettung erhoffte. 

     

    Sie ist am Ende ihres Lebens angekommen. Sechzig Jahre später erzählt sie ihre Lebensgeschichte ihrem jungen Nachbarn. Ihre Geschichte beginnt in Moskau 1941, als Russland schon im Krieg gegen das Nazideutschland steht. Sie erzählt von dem Wahnsinn der wütenden, stalinistischen Säuberungen.

     

    Trotz alledem hat sie ihren Kampfgeist bewahrt und kämpft dafür, dass nichts vergessen wird. 

     

    Das Band zwischen Tatjana und Alexander

    Tatjana hat Mann und Tochter verloren.

    Alexander musste eine schwierige Entscheidung treffen. Er konnte wenigstens seine Tochter retten. 

    Beide sind verlassenen und beide werden mit dem Vergessen, Erinnern konfrontiert. Alexander hat kein Alzheimer und muss trotzdem gegen das Vergessen kämpfen.

    Die Metapher „Alzheimer“ ist im Roman „Rote Kreuze“ allgegenwärtig.

     

    Die Alzheimer-Krankheit als Schlüsselrolle 

    Tatjana hat Alzheimerkrankheit. Alzheimer beginnt mit leichten Gedächtnisstörungen und dem Betroffenen fällt es zunehmend schwer, sich in fremder Umgebung zu orientieren.

    Es folgen deutliche Ausfälle bis zum Kontrollverlust. Das weiß Tatjana und kokettiert damit. „Ihr fällt der Vatername nicht mehr ein“ (S. 12).

    Der Autor setzt die Alzheimerkrankheit als Metapher ein. Als Mahnung der Erinnerung und gegen das Vergessen. Es ist ein Aufschrei gegen das Vergessen. Hier insbesondere gegen das kollektive gesellschaftliche Vergessen, der Repressionen in den sowjetischen Republiken.

    Die „Roten Kreuze“ stehen ebenfalls für „Alzheimer.“ Sie zeigen den Weg, dieses Vergessen zu verhindern. Die zahlreichen Dokumente geben Aufschluss darüber, was geschehen ist. Menschen, die davon betroffen waren, bekommen Namen, sie werden namentlich genannt. Die Schicksale werden sichtbar.

    Denn nicht nur die Alzheimerkrankheit lässt vergessen, sondern auch eine Generation, die dies miterlebt hat, wird eines Tages nicht mehr da sein und darüber reden können. Und daher ist es wichtig, dass nichts in Vergessenheit gerät. 

     

    „Aber jetzt, wo in meinem Leben alles vorbei ist…jetzt denkt sich Gott, dieser von mir erdachte Gott, für mich Alzheimer aus, weil er Angst hat! Er hat Angst, mir in die Augen zu schauen! Er will, dass ich alles vergesse.“ (S. 197)

     

    Historische Fakten, die überprüfbar sind  

    Sasha Flilipenko verwendet in seinem Roman „Rote Kreuze“ Dokumente, die er in Genf recherchiert hat, denn in Moskau werden diese Dokumente unter Verschluss gehalten. Das alleine ist schon sehr wertvoll, die Dokumente zu lesen. Sie bilden letztendlich auch die historische Grundlage für seinen Roman. Oftmals kann man aus den Dokumenten entnehmen, dass auf Briefe oder Telegramme keine Antwort kam „unbeantwortet geblieben“.

    Jedes Dokument und jedes Telegramm stellt einen „Stolperstein" dar. Die Aussagen sind gewaltig. Wie wenig war man an Menschen interessiert, diese zurückzuholen. „Wir sind immer davon ausgegangen, dass sich in jeder Regierung und in jeder Organisation ein Mensch finden lässt, der sich zurückmeldet. Neun werden nicht antworten, aber der Zehnte wird das lesen und was unternehmen." (S. 266) 

    Jedes Dokument hat eine eigene Aussagekraft, ein anderes Schicksal. Es geht um Reden des Volkskommissars, Erklärungen des deutschen Botschafters von Schulenburg, Amnestie-Erlass aus der Prada, Einlieferungsschein in die Krankenstation des Gulag, vieles mehr. Eindrucksvoller kann man diese Zeit 1941/42 in diesem Zusammenhang nicht wiedergeben.

     

    Erzählstrategie

    Sasha Filipenko baut seinen Roman auf zwei Erzählsträngen auf. Einmal erzählt Tatjana und dann wieder Alexander. Bei beiden wechselt er zwischendurch die Perspektive mit dem Effekt, dass der Leser direkt das Geschehen verfolgen kann. Diese Strategie erzeugt einen Sog in das Geschehen, dem man sich nicht entziehen kann. 

    Der Text wird zudem durch Gedichte und Liedtexte aufgelockert.

     

    Fazit 

    Sasha Filipenko ist ein außerordentlicher Roman gegen das Vergessen der geschichtlichen Verbrechen gelungen. 

    Tatjanas Schicksal wird in einem erschütternden, mitreißenden Lebensverlauf erzählt.

    Dieser Lebenslauf steht stellvertretend für Millionen anderer Menschen, ist aber nicht fiktiv, sondern real. Genau das macht diesen Roman aus.

  14. Cover des Buches Auferstehung (ISBN: 9783423146555)
    Leo N. Tolstoi

    Auferstehung

    (19)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    Die Geschichte des Fürsten  Nechliudow der als Geschworener in einem Prozess die Angeklagte Prostituierte Maslowa als seine Jugendliebe Katjuscha wiedererkennt. Katjuscha wird fälschlicherweise schuldig des Giftmordes an einem Ihrer Kunden gesprochen. Nechliudow fühlt sich mitschuldig an Ihrem Niedergang und reist Ihr nach bis nach Sibirien, fortwärend gegen die Justiz ankämpfend.


    Tolstoi schildert in diesem Roman eindrücklich die Auswüchse der Justiz und dessen willkürlichen Aparat. Er plädiert an die Menschenliebe, an den Glauben zu Gott.

    Empfehlenswerte Lektüre

  15. Cover des Buches Das Phantom des Alexander Wolf (ISBN: 9783446288980)
    Gaito Gasdanow

    Das Phantom des Alexander Wolf

    (68)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Danke, Herr Filipenko! Wenn Sie in Ihrem neuesten Buch der Hauptperson Nesterenko nicht die unsäglichen Worte über Gaito Gasdanow in den Mund gelegt hätten, dass er keine Wörter zu Sätzen fügen könne, hätte ich ihn so bald nicht gelesen, obwohl er schon länger auf meiner Liste steht. Also mal schnell ausgeliehen, damit ich mir selber ein Bild machen kann. Und das Buch 'Das Phantom des Alexander Wolf' hat mir gefallen, wobei mir allerdings klar ist: ich muss es irgendwann noch einmal lesen. Es ist so tiefgründig und vielschichtig, aber beim ersten Mal will man wissen, wie es weiter und zu Ende geht. Bei einem zweiten Lesen könnte ich dann den Gedanken über Liebe und Tod und über den Krieg und seine seelischen Folgen mehr Aufmerksamkeit schenken.

    Beim Lesen ist mir allerdings etwas Merkwürdiges passiert. Interessiert mich Boxen? Nicht im Geringsten; ich würde nie etwas darüber lesen wollen. Und doch habe ich in diesem Buch mit wachsender Faszination gestaunt, wie Gasdanow mich eingefangen hat: Der Ich-Erzähler muss für einen Kollegen einspringen und für seine Zeitung einen Bericht über einen Boxkampf schreiben. Er bereitet sich akribisch vor und beschreibt auch den eigentlichen Kampf packend und spannend.

    Worum geht es überhaupt in diesem 1947/1948 in New York erschienenen Roman, der 1936 in Paris spielt, wo es von Exilrussen nur so wimmelt? Ein blutjunger Mann erschießt irgendwo in Südrussland während des Krieges in Notwehr einen Mann, blickt ihm noch einmal in die Augen und kann dieses Ereignis nie mehr vergessen. Es verfolgt ihn sein Leben lang und wird hier zu einer Geschichte gesponnen, in der man das Konstruierte, die Zufälle kritisieren könnte. Aber dazu ist es einfach zu gut geschrieben. Denn als der junge Mann in Paris ein Buch liest, findet er darin seine Geschichte von damals mit Einzelheiten, die nur der vermeintlich Erschossene wissen kann. Er versucht, ihn zu finden... Ob es ihm gelingt, sei nicht verraten, denn trotz aller Tiefsinnigkeit ist das Buch auch spannend. Was der Ich-Erzähler auf jeden Fall findet, ist die Liebe.

    Der Schriftsteller

    Falls es jemanden interessiert: Wer ist Gaito Gasdanow, eigentlich Georgi Iwanowitsch Gasdanow? Er wurde 1903 als Sohn ossetischer Eltern (Kaukasus) in St. Petersburg geboren, wuchs teilweise in Sibirien und Charkow (Charkiw) auf und ging als Sechzehnjähriger zum Militär. Er erlebte die Schrecken des Bürgerkriegs und das Chaos der damaligen Zeit: mal Rote, mal Weiße, mal Deutsche, mit Wrangels Armee von der Krim evakuiert, in Gallipoli interniert, nach Konstantinopel geflohen, Bulgarien und endlich in Paris angekommen, einem Zentrum der russischen Emigranten in den späten Dreißigern.

    Was für ein Leben dort! Gelegenheitsarbeiten, obdachlos, bitterarm, später nachts Taxichauffeur, tagsüber Vorlesungen an der Sorbonne, Schreiben, Teilnahme an literarischen Kreisen, den Russki Montparnasse. Dort fand sein 1929 erschienener erster Roman 'Abend bei Claire' viel Anklang. - Später lebte er in München als Redakteur bei Radio Liberty. Er starb dort 1971 an Lungenkrebs, wurde aber in Paris begraben.

    Wie schade, dass er so lange Zeit relativ unbeachtet blieb! Dabei wurde ihm nachgesagt, er schreibe besser als Nabokow, er sei der russische Camus. Neun Romane hat er geschrieben und viele Erzählungen.

    Er schreibt handlungsarm, spürt der menschlichen Psyche nach, macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens, vermischt das aber mit der Schilderung von Situationen und Ereignissen, so dass es nicht langweilig wird. Mir hat das oben erwähnte Buch so gut gefallen, dass ich bald mehr von ihm lesen möchte.

  16. Cover des Buches Kukolka (ISBN: 9783746635392)
    Lana Lux

    Kukolka

    (181)
    Aktuelle Rezension von: izzy_books

    „Kukolka“ fesselt von der ersten Seite an. Die Geschichte der jungen Samira, geprägt von Armut, Ausbeutung und dem Kampf ums Überleben, wird schonungslos erzählt. Intensiv, unbequem und emotional aufwühlend, vermittelt der Roman die Härten des Lebens auf eindrucksvolle Weise. Ein kraftvolles, unbedingt lesenswertes Werk.


  17. Cover des Buches Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch (ISBN: 9783776682472)
    Alexander Solschenizyn

    Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

    (98)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Wir schreiben das Jahr 1951.  Iwan Denissowitsch Schuchow, ca. 40 Jahre alt, eine fiktive Person, zeigt uns exemplarisch an einem Tag das Leben in einem Straflager mit all' seinen Schwierigkeiten: Hunger, Zwangsarbeit, sibirische Kälte, Gewalt und Betrug von oben und untereinander, Verlust der Familie, Krankheit und Tod, Gewalt und Verzweiflung,  Korruption und Bestechung.

    Was hatte dieser Mann Schlimmes getan? Um es deutlich zu sagen: NICHTS! Er war  in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und nach der Rückkehr wurde er – wie so viele - unter dem Vorwurf verhaftet, in landesverräterischer Absicht zum Feind übergelaufen zu sein. Für Stalin und seine Schergen genügte schon der bloße Verdacht, um den berüchtigten Artikel 58 anzuwenden: antisowjetisches Verbrechen. Schuchow unterschrieb unter Zwang. 'Unterschrieb er das nicht, war er ein toter Mann', dann lieber Haft.

    Anfangs waren das zehn Jahre, ab 1949 wurde man ohne Unterschied zu 25 Jahren 'verknackt'. Für Kleinigkeiten gab es Verlängerungen. Willkür, Gesetzlosigkeit. Und selbst nach der Freilassung war nicht klar, ob er je wieder in sein Heimatdorf zu seiner Familie zurück durfte, dann man hatte ihm die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt.

    Man kann kaum glauben, dass Menschen so ein Leben aushalten können. Solschenizyn schildert das Lagerleben eines einzelnen Tages aus der Sicht Schuchows, seinen Lebenswillen, seine Tricks und Überlegungen, an mehr Essen zu kommen, nicht aufzufallen und in dem ganzen Desaster seine Selbstachtung zu bewahren und Mitmenschlichkeit zu zeigen.

    Und genau das ist das Versöhnliche an diesem eigentlich schrecklichen Buch: Schuchow bringt es fertig, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern mit der ein oder anderen Geste seinen Mitgefangenen zu helfen oder Trost zu spenden und am Ende des Tages rekapituliert er sogar, für was er alles dankbar sein kann.

    Ein sehr lesenswertes Buch, das für mich allerdings immer rätselhafter werden lässt, was mit diesem Land los ist, das so große Dichter und Musiker hervorgebracht hat. Von Dostojewski wissen wir, dass es schon zur Zarenzeit solche Lager gab und auch heute gibt es sie noch, s. meine Rezension zu Oleg Senzows Buch 'Haft':

    https://www.lovelybooks.de/autor/Oleg-Senzow/Haft-2929677314-w/rezension/5102995699/

  18. Cover des Buches Briefe. (ISBN: B0024HY4JK)
    Iwan TURGENJEW

    Briefe.

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Es handelt sich lediglich um eine Auswahl seiner Briefe. Die Auswahl erscheint gut gelungen. Ich kannte seine Biographie beim Lesen noch nicht und doch vermittelten die Briefe ein recht scharfes Bild seiner Person (wie ich nun nach dem Lesen seiner Biographie feststellen kann). Sein Witz, seine Selbstironie und sein sehr feiner Sprachsinn sind mir positiv aufgefallen. - umfassendste Quellenhinweise und weiterführende Anmerkungen (170 Seiten) - Namensregister - Werksregister
  19. Cover des Buches Eine Straße in Moskau (ISBN: 9783847720126)
  20. Cover des Buches Der Tod des Iwan Iljitsch (ISBN: 9783641322595)
    Leo Tolstoi

    Der Tod des Iwan Iljitsch

    (67)
    Aktuelle Rezension von: bookswithjacki

    Dieser tolle Klassiker macht Lust auf mehr Werke von Tolstoi. Auf nur 100 Seiten zeigt er uns den Untergang eines erkrankten Menschen, der zwar von außen betrachtet ein angesehener Mann ist, jedoch seiner eigenen Familie völlig fremd ist. Die Beziehung zu seiner Frau und seinen Kindern ist erschreckend - vor allem, weil sie sich trotz seines anstehenden Todes weiter voneinander entfernen. Manche Passagen sind so eindringlich, dass man das Gefühl hat, Iwans Leid nachempfinden zu können, auch wenn er durch seine Vergangenheit eine eher unsympathische Figur ist. Sein baldiger Tod zwingt ihn jedoch, seine Existenz zu hinterfragen.. Eins meiner Jahreshighlights 2024 :)

  21. Cover des Buches Frühlingsfluten. Erzählungen (Iwan Turgenjew - Gesammelte Werke in Einzelbänden) (ISBN: B004DAWTW0)
  22. Cover des Buches Aufzeichnungen eines Jägers (ISBN: 9783865391704)
    Ivan Turgenev

    Aufzeichnungen eines Jägers

    (16)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ich kann durchaus erkennen, dass Turgenjew ein sezierender Beobachter und poetischer Dokumentarist ist. Für mich gibt es lediglich ein Problem: es ist gähnend langweilig. So habe ich mich auch nicht aus „Pflicht„ bis zum Ende durchgekämpft und werde, es wohl auch nie wieder in die Hand nehmen.
  23. Cover des Buches Meistererzählungen (ISBN: 9783717517535)
    Michail Prischwin

    Meistererzählungen

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Volkserzählungen (ISBN: 9783842419346)

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