Bücher mit dem Tag "russland"
939 Bücher
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.952)Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue"Richtig war nicht unbedingt das, was richtig war, sondern das, was von der maßgeblichen Person für richtig erklärt wurde."
Die Geschichte fängt genauso an, wie der Titel es vorhersage. Der Hunderjährige Allan hat keine Lust seinen 100ten Geburtstag zu feiern und stieg aus dem Fenster des Altenheim und verschwand. Was dann passiert ist sowohl skurill und an manchen Stellen humorvoll. Weil ich mir einfach nicht das vorstellen konnte und kopfschüttelnd lachen musste um mir das was gerade passiert sein soll, vorstellen zu können.
Insgesamt war es aber mehr eine Erzählung über Allan, wie er aus dem Fenster stieg und was dann passiert, sowie Rückblicke was alles in seinem Leben passiert ist. Fand durch die Erzählung der Schreibstil sehr monoton und dadurch viel es mir schwer manchmal dran zu bleiben, weil es auch schnell langatmig wurde.
Eine solide und skurille Geschichte, die bestimmt mal was anderes ist!
- Leo Tolstoi
Anna Karenina
(1.101)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannWenn ich Leo Tolstois „Anna Karenina“ lese, spüre ich von der ersten Bahnhofsszene an ein leises Grollen unter den Füßen: metallisches Zischen, neugierige Blicke, ein Vorzeichen von Unheil. Anna tritt für mich wie ein warmer Lichtkegel in eine kalte Gesellschaft; ihr Blick auf Wronskij entzündet eine Liebe, die zugleich Befreiung und Sturz bedeutet. Ich folge ihr durch Salons, Waggons und Gerüchte, durch die starre Höflichkeit von Petersburg und die klatschenden Kreise Moskaus. Ihr Ehemann Karenin wirkt korrekt wie ein Protokoll: Er schützt die Form und übersieht den Menschen. Ich schäme mich stellenweise über eine Welt, die Skandal wittert, aber Mitgefühl spart. (Mehr zu Anna Karenina: https://love-books-review.com/de/anna-karenina-von-leo-tolstoi/ )
Parallel gehe ich mit Lewin über Felder. In Gesprächen mit Bauern, in Mühen und Zweifeln sucht er Sinn, Gott und Arbeit zu verbinden. Zwischen abgewiesenem Antrag, Rückzug und Rückkehr wächst in mir Ruhe: In Kittys Blick und der Geburt des Kindes erkennt Lewin eine demütige, leise Wahrheit. Diese zweite Geschichte erdet die erste; sie zeigt mir, dass Glück nicht flackert wie Feuerwerk, sondern glüht wie eine kleine Flamme, die man gegen Wind schützt.
Je weiter ich lese, desto enger wird Annas Raum. Eifersucht, Schlaflosigkeit, Morphium und die Unmöglichkeit einer ehrlichen Zugehörigkeit lassen ihre Sprache spröde werden. Am Ende schneiden die Zugräder durch meine Gedanken: ein Entschluss, grausam klar. Ich bleibe erschüttert und zugleich dankbar, weil Tolstoi mir beides schenkt – das Porträt einer Gesellschaft, die Menschen zu Rollen verengt, und die Ahnung, dass Sinn im einfachen Guten liegt. Anna bleibt ein brennender Schatten; Lewin, ein stilles Versprechen von Alltag und Gnade.
- Ken Follett
Sturz der Titanen
(1.302)Aktuelle Rezension von: _seitenreise_Ich weiß nicht, ob Sturz der Titanen das ideale Weihnachtsbuch ist – schließlich taucht man tief in den Ersten Weltkrieg ein. Aber wann hat man sonst schon einmal so viel Zeit, um sich ganz in Ruhe auf einen 1000-Seiten-Schmöker einzulassen?
Ken Follett hat diese besondere Gabe, einen schon nach wenigen Seiten mitten ins Geschehen zu ziehen. Ja, zu Beginn gibt es viele Schauplätze und zahlreiche Figuren, die man erst einmal einordnen muss. Doch erstaunlich schnell fiebert man mit allen mit, lernt sie zu lieben oder zu hassen und begleitet sie auf einer intensiven Reise durch einen dunklen Abschnitt der Weltgeschichte.
Das Buch ist stellenweise harte Kost. Der Erste Weltkrieg wird eindringlich und schonungslos geschildert, und die Schrecken, die die Menschen erleiden mussten, gehen nahe. Gleichzeitig war dieses Buch für mich besser als jede Geschichtsstunde. Die Recherche ist unfassbar gut – jede historische Begebenheit, jede reale Persönlichkeit und jeder Schauplatz sind sorgfältig eingebettet. Man merkt auf jeder Seite, wie fundiert und durchdacht dieses Buch ist.
Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Perspektiven: England, Russland, die USA – dadurch versteht man politische Zusammenhänge, Entscheidungen und Entwicklungen viel besser, auch wenn man bei den vielen politischen Manövern aufmerksam lesen muss.
Großartig ist zudem, wie Ken Follett die Lebenswege seiner Figuren miteinander verwebt. Ihre Geschichten kreuzen sich nach und nach, ohne konstruiert zu wirken. Alles hängt zusammen, alles greift ineinander, sodass man nie das Gefühl hat, mehrere getrennte Handlungsstränge zu lesen.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Für meinen Geschmack hätten einige Passagen – vor allem die sehr detaillierten Beschreibungen von Waffen, Strategien und Gefechten – etwas kürzer ausfallen können. Auch wenn ich Folletts Detailverliebtheit schätze, war mir das stellenweise etwas zu viel.
Fazit: Sturz der Titanen ist ein eindrucksvoller, spannender und lehrreicher Auftakt der Jahrhundert-Saga, die ihren Namen mehr als verdient. Habt keine Angst vor den 1000 Seiten – sie lohnen sich wirklich. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band, auch wenn ich jetzt erst einmal wieder etwas leichtere Kost brauche.
- Leo Tolstoi
Krieg und Frieden (Leo Tolstoi)
(511)Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_HappyendingsTolstois "Krieg und Frieden" ist ein zeitloses Meisterwerk, das die Schicksale russischer Adelsfamilien während der napoleonischen Kriege verfolgt, insbesondere die Entwicklungen von Pierre Besuchow, Andrej Bolkonski und Natascha Rostowa. Der Roman verbindet persönliche Geschichten mit historischen Ereignissen und zeigt die psychologische Tiefe der Charaktere. Besonders eindrucksvoll sind Pierres und Nataschas Wandlungen. Tolstois schonungslose Darstellung des Krieges, insbesondere der Schlacht von Borodino, entlarvt heroische Mythen und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges sowie die Rolle des Individuums in der Geschichte.
Die Detailtreue des russischen Gesellschaftslebens im 19. Jahrhundert ist bemerkenswert, auch wenn die Vielzahl an russischen Namen und die Länge des Romans eine Herausforderung darstellen können.
Empfohlen für:
- Liebhaber komplexer Literatur
- Geschichtsinteressierte
- Leser philosophischer Themen
- Fans tiefgehender Charakterentwicklung
Weniger geeignet für:
- Leser, die schnelle Unterhaltung suchen
- Personen, die lange philosophische Passagen vermeiden
- Leser, die Schwierigkeiten mit vielen Charakteren und Handlungssträngen haben
Ein hilfreicher Tipp für das Lesen ist, eine Liste der Hauptcharaktere und deren Beziehungen zu erstellen.
- Ken Follett
Kinder der Freiheit
(488)Aktuelle Rezension von: Yvihh85Ken Follett schafft es auch in diesem Teil der Jahrhunder Saga mich zu faszinierend und mit zu nehmen auf eine Reise durch Geschehnisse der Geschichte.
Auch wenn man denk kalter Krieg, Mauer und Vietnam, sind gut aufbereitet worden durch Dokus/Geschichtsunterricht in der Schule ich wurde eines besseren Belehrt.
Bis zur letzten Seite konnte ich das Buch nicht weglegen und war überrascht welcher Charakter noch sein Glück findet und wem das Schicksal noch eins ausrichten.
Einfach ein unfassbar gutes Buch
- Ken Follett
Winter der Welt
(823)Aktuelle Rezension von: TagtraumtaenzerinIn "Winter der Welt" von Ken Follett wird der Zweite Weltkrieg behandelt. Wir begleiten wieder Familie Williams, Dewar, von Ulrich, Fitzherbert und Peschkow. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht immer für alle glimpflich ausgehen. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselt die Geschichte! Der Umfang kann erst abschreckend wirken, aber man merkt irgendwann nicht mehr wie viel man schon gelesen hat. Ken Follett beschreibt alles so gründlich, sodass man mit den Charakteren nur mitfühlen kann. Trauer und Freude sind ausgewogen, sodass man, trotz dieser ernsten Thematik, immer wieder die Kraft findet weiterzulesen. Gerade wirkt die Thematik auch wieder sehr aktuell, vermutlich bekam ich deswegen die ein oder andere Gänsehaut.
Ich freue mich auf den Folgeband! - Leigh Bardugo
Goldene Flammen
(1.482)Aktuelle Rezension von: LesenMachtSpassGrischa – Goldene Flammen beginnt in Ravka, einem zerrissenen Land voller Magie und Geheimnisse. Alina lebt als Kartografin in der Ersten Armee, an der Seite ihres Freundes Mal. Alles ändert sich, als sie zur Überquerung der Schattenflur mitreisen und das Unvorstellbare geschieht: Alina offenbart eine Macht, von der sie nie wusste, dass sie sie besitzt. Sie wird zur Sonnenkriegerin, zur Hoffnung vieler und zum Spielball mächtiger Intrigen.
Alina ist keine perfekte Heldin. Sie ringt mit Angst, Selbstzweifel und der Last, plötzlich Erwartungen erfüllen zu müssen. Ihre Entwicklung ist spürbar, ihre Unsicherheiten bringen sie menschlich herüber. Mal ist stalEigenschaften, loyal und ehrgeizig zugleich. Zwischen beiden läuft ein emotionales Band, das getragen wird von Vertrauen und Konflikten.
Der Stil Bardugos ist atmosphärisch, bildstark und ebenso schnell wie eindringlich. Man spürt die Kälte und Dunkelheit der Schattenflur, die politische Spannung, das Streben nach Macht. Manche Erklärungen und Weltbeschreibungen fallen ausführlich aus, doch gerade das Worldbuilding hat mich fasziniert. Wendungen waren nicht immer überraschend, aber oft emotional wirkungsvoll.
- Nino Haratischwili
Das achte Leben (Für Brilka)
(270)Aktuelle Rezension von: izzy_booksEin überwältigender Generationenroman, welcher Liebe, Verlust und die Narben der Geschichte in einer georgischen Großfamilie vereint. Nino Haratischwilli erzählt mit solch einer großen emotionalen Kraft und lässt hierbei ihre Figuren noch sehr lange nachhallen. Ein Buch, welches einen nicht nur berührt, sondern sehr tief trifft – und für mich schon jetzt für immer einer meiner größten Herzensbrecher bleibt.
- Leigh Bardugo
Eisige Wellen
(1.077)Aktuelle Rezension von: OndinaLeider sehr enttäuschend nach dem ersten Teil. Ich hatte einen besseren Spannungsbogen erwartet, der aber nicht kam. Es ist im Prinzip nichts passiert. Die Spannungen in der Romanze haben mich auch nicht überzeugt. Ich finde die Reihe leider zu langweilig und überschätzt. Werde den dritten Teil nur überfliegen, weil ich das Ende kennen möchte.
- Dmitry Glukhovsky
Metro 2033
(666)Aktuelle Rezension von: Sam_FoxtrottDmitry Glukhovskys Metro 2033 ist ein Roman, der die Leser in eine der düstersten und zugleich faszinierendsten postapokalyptischen Welten entführt, die man sich vorstellen kann. Nach einem verheerenden Atomkrieg haben die Überlebenden Moskaus in die Tiefen der Metrostationen Zuflucht gesucht, während die Erdoberfläche von Strahlung, Mutanten und unvorstellbaren Gefahren beherrscht wird. Der junge Protagonist Artjom wächst in diese beklemmende Unterwelt auf und begibt sich auf eine gefährliche Reise, die ihn nicht nur durch die verzweifelt um ihr Überleben kämpfenden Fraktionen der Metro führt, sondern ihn auch immer wieder mit den dunkelsten Seiten der Menschheit konfrontiert.
Besonders beeindruckend fand ich die Fähigkeit des Autors, menschliche Grausamkeit, Verzweiflung und den allgegenwärtigen Kampf ums Überleben so bildlich darzustellen. Diese Detailtiefe ist gleichzeitig Fluch und Segen: Einerseits bedrückend und manchmal schwer zu ertragen, andererseits so intensiv, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die Handlung ist sowohl spannend als auch berührend – bedrückend in ihrer Atmosphäre, aber getragen von Artjoms unerschütterlicher Resilienz und seinem ständigen „Wiederaufstehen“. Gerade im Vergleich zu der trostlosen, oft hoffnungslosen Welt war sein Durchhaltevermögen unglaublich ermutigend und mitreißend.
Artjom selbst war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, doch im Laufe der Geschichte hebt er sich deutlich von den anderen Bewohnern der Metro ab. Viele Nebenfiguren wirken rau, abweisend oder gar kalt, was allerdings stimmig zur postapokalyptischen Umgebung passt – und vielleicht auch ein Stück weit die klassische „russische Härte“ widerspiegelt. Trotz ihrer Ruppigkeit konnte ich die Beweggründe und Handlungen vieler Figuren nachvollziehen, da Glukhovsky ihre Motive realistisch aus den Umständen heraus entwickelt.
Für mich war der Roman nicht nur eine Abenteuergeschichte, sondern auch eine Mahnung. Glukhovsky erinnert seine Leser an die Zerbrechlichkeit der menschlichen Zivilisation und mahnt indirekt Politik und Menschheit, über den Preis von Krieg, Machtstreben und Verantwortungslosigkeit nachzudenken.
Da ich selbst über das gleichnamige Videospiel zu diesem Buch gekommen bin, war ich besonders gespannt auf den Vergleich. Am Ende hat mich der Roman deutlich mehr überzeugt: Die inneren Konflikte Artjoms, seine Zerrissenheit und die Detailfülle der Metro-Welt kommen im Buch ungleich stärker zum Tragen. So gut und atmosphärisch das Spiel auch ist – an die Tiefe und Vielschichtigkeit der literarischen Vorlage reicht es nicht heran.
Empfehlenswert für alle Fans von Horror-Survival-Geschichten, für Leser mit Vorliebe für tiefgründige Dystopien – und für jeden, der das Videospiel kennt und die Ursprünge dieser Welt in all ihrer bedrückenden Tiefe erleben möchte.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
»Das drucken Sie aber nicht!«
(494)Aktuelle Rezension von: Trishen77Ich zitiere eigentlich gern in Rezensionen, hab es aber in diese Rezension sein lassen, weil: es gäbe einfach zu viele potenzielle Kandidaten.
Soll ich Fritz J. Raddatz über die hostiendünne Breite einer verbliebenen Freundschaften resümieren lassen, was gleichsam traurig und lustig wäre, oder doch lieber was Schönes von André Heller oder was sattsam Dunkles von Wolf Biermann nehmen? Soll ich ein schlüpfriges Zitat nehmen, um die voyeuristischen Leser*innen anzulocken oder lieber ein hochphilosophisches, um dem Esprit des Titels und der Aufmachung die nötige Tiefe an die Seite zu stellen?
Ich muss es wohl dabei belassen, zu sagen: von allem ist hier was dabei. Das ist keine Übertreibung, keine Überhöhung, es ist wirklich (was auch mich ein klein wenig überraschte) ein ungemein reichhaltiges Buch und nicht nur eine belanglose Plauderstundenaufzeichnung, mit Exhibitionismus-Einlagen, reißerischen Tendenzen und Fremdschäm-Freuden (so manches Buch mit Gesprächen ist halt nur das).
Es gibt viele zutiefst menschliche, existenzielle Aussagen, oft behutsam aufgegriffen und weiterverfolgt. Der Interviewer ist natürlich indiskret, aber meist auf eine unverrohte und nahbare Art und Weise. Für die besten Interviewmomente bei Michaelsen gilt daher dasselbe wie für die schönsten Gespräche von André Müller: nur Schweigen wäre schöner. - Michail Bulgakow
Meister und Margarita
(441)Aktuelle Rezension von: MEvaEigentlich sollte dies mein Lieblingsbuch sein; das Thema ist schaurig-schön, es beinhaltet einen sprechenden Kater und die zeitlose Geschichte des Gut und Böse.
Ist es aber nicht. Grund ist die völlig unnötige umständliche Formulierung. Bei Kritikern als poetisch beschrieben bleibe ich einfach verdattert zurück - was darin gipfelt, dass ich nach jeden Kapitel den Inhalt googeln muss. Dieses Buch bedarf vieler Erklärungen - in der vorliegenden Ausgabe nehmen diese allein 100 Seiten ein - aber ein Personenregister hätte meiner Meinung nach auch hinzugefügt werden können. Am Ende heißt es wer sich durchbeißt wird belohnt: Diese Erfahrung blieb bei mir leider aus.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Die Brüder Karamasow
(255)Aktuelle Rezension von: Malte_HermannBevor das Blut fließt, höre ich Stimmen. Fjodor Pawlowitsch Karamasow lärmt, seine Söhne antworten ungleich: Dmitri brennt, Iwan argumentiert, Aljoscha lauscht. Ich betrete ihr Haus nicht als Zeuge vor Gericht, sondern als Zuhörer in einer Welt, die nach Sinn sucht und doch an ihren Leidenschaften scheitert. (Mehr zum Buch: https://love-books-review.com/de/die-brueder-karamasow-von-fjodor-dostojewski/ )
Aljoscha steht im Licht des Starez Sossima. In seiner Nähe verstehe ich, wie Sanftmut nicht Schwäche bedeutet, sondern eine schwierige Form der Tapferkeit. Iwan eröffnet mir das Labor des Zweifels. Seine Fragen nach Leid, Freiheit und Gottes Recht werfen lange Schatten, besonders in der „Legende vom Großinquisitor“, die ich als eisige Parabel lese. Dmitri jagt hinter Ehre, Geld und Liebe her. In ihm spüre ich das rohe Drängen des Lebens, das dennoch nach Gerechtigkeit ruft. Über allem bewegt sich Smerdjakow, der schweigende Vierte, Sohn im Halbdunkel, Meister der Zweideutigkeit.
Der Mord an Fjodor Pawlowitsch zerreißt die Familie und die Stadt. Indizien, Affekte und alte Beleidigungen verketten sich. Dmitri wird verhaftet, während Iwan in Gesprächen mit einem höhnischen Teufel sein Denken zerfallen sieht. Aljoscha versucht zu verbinden und scheitert doch an Grenzen, die größer sind als guter Wille. Im Prozess bündeln sich Gerüchte, Redekunst und Moral. Ich spüre Empörung, weil Wahrheit und Wahrscheinlichkeit auseinanderdriften, und Mitleid, weil niemand unberührt bleibt.
Zwischentöne tragen weit. Die Kinder um den kranken Iljuscha zeigen mir, dass Mitgefühl mehr bewirkt als Polemik. Sossimas Leichnam, der nicht wundertätig riecht, lehrt mich, dass Heiligkeit nicht auf Beweise baut, sondern auf Haltung. Am Ende gibt es keine endgültige Lösung. Dmitri plant Flucht, Iwan taumelt, Aljoscha spricht von Verantwortung und Hoffnung. Ich schließe das Buch bewegt und nicht beruhigt. „Die Brüder Karamasow“ bleibt für mich ein Prüfstein: Freiheit ohne Liebe verödet, Liebe ohne Wahrheit verflacht, Wahrheit ohne Barmherzigkeit verletzt. Zwischen diesen Polen beginnt menschliche Würde.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Der Idiot
(286)Aktuelle Rezension von: HenrikeSchwennIn den 1860ern kehrt der junge Fürst Myschkin nach Sankt Petersburg zurück, nachdem er aufgrund seiner Epilepsie lange in einer Schweizer Klinik gelebt hat. Er bemüht sich, Kontakte zu knüpfen und sich eine Existenz aufzubauen, doch sein Mitgefühl für die umschwärmte und verachtete Nastssja Filipowna wird ihm schließlich zum Verhängnis.
Dieses Buch war in mehrerer Hinsicht schwere Kost. Ich fand es größtenteils sehr schwer und langatmig zu lesen, da für die fast 900 Seiten kaum etwas passiert. Myschkin ist ein eher passiver Protagonist, der die Dinge meist einfach geschehen lässt. Genau diese Tatenlosigkeit vermittelt aber sehr gut das allgegenwärtige Gefühl von Ohnmacht. Myschkin glaubt an das Gute im Menschen und will ihnen helfen, doch weder hat er die Fähigkeit dazu, noch wollen die Betroffenen überhaupt Hilfe annehmen. So fängt das Buch perfekt das Gefühl ein, hilflos der Selbstzerstörung eines Menschen zusehen zu müssen, der einem am Herzen liegt. Dabei ist nur schade, dass fast alle wichtigen Momente zwischen Myschkin, Nastassja, und ihrem Verehrer Rogoschin im Hintergrund stattfinden und ich keine richtige Beziehungen zu ihnen aufbauen konnte.
Was mich bei der Stange gehalten hat und mir am stärksten im Gedächtnis geblieben ist, ist die dichte, beunruhigende Stimmung. Die russische Oberschicht verbirgt unter ihrem trägen Luxusleben eine hässliche Fratze: Alles läuft über Beziehungen und jeder will sich mit den richtigen Leuten gutstellen, um seine Position zu sichern. Wer Pech hat oder in Ungnade fällt, kann jederzeit abstürzen, was buchstäblich zum Tod führen kann. Menschen, die nicht hineinpassen, werden wie die Pest gemieden, weil der Umgang mit ihnen wie ein Makel abfärbt. Das bekommt auch Myschkin aufgrund seiner geistigen Behinderung zu spüren, wenn es ihm auch nicht bewusst wird. Am schlimmsten wird aber Nastassja Filipowna mitgespielt. Ihr reicher Ziehvater hat ihre Notlage als Waise ausgenutzt, um sie zu manipulieren und zu missbrauchen, was sie schwer traumatisiert hat. Während er ungestraft bleibt, wird die von der Gesellschaft verachtet, weil sie keine Jungfrau mehr ist.
Die besondere Verbindung zwischen Myschkin und ihr entsteht dadurch, dass er sie als einziger als das Opfer in dieser Geschichte erkennt, das Hilfe braucht. Anstatt andere zu verurteilen, hat er Mitgefühl mit allen. Sein Vertrauen in das Gute macht ihn unvorsichtig. In der Oberschicht hat er keine Chance.
Vor diesem Hintergrund hat mich beeindruckt, wie mitfühlend Dostojewski über seine Hauptfiguren schreibt, die unter der Unwissenheit und Verachtung ihrer Umgebung leiden. Myschkin erkennt zwar, dass Nastassja unter einer psychischen Krankheit leidet, kann aber natürlich nicht wissen, welche das ist und was man dagegen tun könnte.
Insgesamt eine traurige Geschichte von Figuren, die von Anfang an keine Chance hatten. Sie hätte mir wahrscheinlich besser gefallen, wenn sie die wichtigen Handlungspunkte in den Vordergrund gerückt hätte. Außerdem vermisse ich die pure Bosheit und Düsternis, die ich an Dostojewskis anderen Büchern so geliebt habe. Seine charakteristische Stimmung, die jede Szene jederzeit eskalieren lassen könnte, gibt es aber auch hier.
- Cornelia Funke
Reckless 3. Das goldene Garn
(436)Aktuelle Rezension von: Pegasus1989Auch dieser Teil ist leider nicht mein Geschmack. Er ist zu kitschig geraten, zu märchenklischeehaft und mit zu viel Übercharakteristik Jacob betreffend gestaltet. Hinzu kommt, dass einige Szenen sehr langatmig und zäh sowie auch trocken rüber kommen, wodurch ich schnell das Interesse an diesem Teil verloren habe.
- Sergej Lukianenko
Wächter der Nacht
(957)Aktuelle Rezension von: ArmilleeBand 1 der 4-teiligen Serie habe ich im Tauschregal gefunden. Als Vampir-Fan war ich gespannt.
Vampire, Gestaltwandler, Hexen, Magier und andere Wesen...das kommt alles hier vor.
Zwei Organisationen haben vor langer Zeit Waffenstillstand geschlossen. Die Wächter der Nacht (die Guten) und die Wächter des Tages (ohOh)
Es geht um das Gleichgewicht zwischen Gut + Böse. Verstöße werden von der Inquisition geahndet.
Für mich ist die Hauptfigur (in allen 4 Bänden) Anton Gorodetzki, ein Mitarbeiter der Nacht mit wenig Magie. An seinen Gedanken lässt der Autor mich teilhaben. Er handelt manchmal aus unerfindlichen Gründen nur nach seiner Intuition und damit kommt er meistens ans Ziel. Er ist cool !
Und er lernt seine Frau kennen, weiß es nur noch nicht. Eine nicht initiierte große Magiererin -> Sweta
Der Chef der Nachtwache ist Geser und der Boss der Tagwache ist Sebulon (der eine ganz fiese echte Gestalt hat)
Das hört sich nun erstmal sehr nach Märchen und Fantasie an, aber es ist durchaus real geschrieben und spielt um die Jahrtausendwende. Und das macht es für mich so spannend zu lesen.
Ein Lesevergnügen ohne langweile Kapitel.
- Tim Marshall
Die Macht der Geografie
(66)Aktuelle Rezension von: FederfeeMit ein wenig Zähneknirschen vergebe ich 4 Sterne, denn es gibt für mich zwei nicht unerhebliche Kritikpunkte, halte es aber dennoch für ein wichtiges, Einsichten verschaffendes Buch.
Der Untertitel: ‘Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt’ trifft genauso ins Schwarze wie der Originaltitel ‘Prisoners of Geography’. Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuausgabe (2025) und ist somit hochaktuell. Auch wenn sich sicher in nächster Zeit einiges verändern wird, bleiben die geografischen Rahmenbedingungen bestehen.
Das Vorwort, das auf wenigen Seiten eine gut verständliche, zusammenfassende Darstellung der Weltlage mit ihren Tendenzen gibt, hat mir gefallen: Zusammenschluss autoritärer Staaten, Lockerung der Bindungen von einst, hin zu einer multipolaren Welt, Falscheinschätzungen der Europäer, neue Technologien, etc.
Der Autor stellt zehn Räume mit ihren geografischen Gegebenheiten vor, wozu aber auch Faktoren wie Demografie, Klima etc. gehören, also nicht nur Berge, Flüsse. Seen, Meere. Es sind Russland, China, USA, Westeuropa, Afrika, Der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Korea und Japan, Lateinamerika, Die Arktis.
Inhaltlich leicht lesbar und einsichtig dargestellt, ist aber mein erster Kritikpunkt: es hätte strukturierter sein müssen. Wenn man z.B. ein Kapitel über Westeuropa schreibt, wäre es ein Leichtes, über einen Abschnitt den Namen des Landes zu schreiben, um das es gerade geht. Das wäre besonders wichtig, weil sich der Autor nach einleuchtenden gut dargestellten geografischen Gegebenheiten etwas zu sehr in Details verliert.
Zu jedem Kapitel gibt es eine große Karte und im Text noch einmal eine oder zwei kleinere. Aber: ohne Atlas daneben geht es nicht. Wie kann man wichtige Orte erwähnen, die dann doch nicht auf der Karte eingetragen sind?! Das ist leider ein großes Manko dieses Buches und hat mich streckenweise sogar geärgert.
Aber - um sachlich zu bleiben - außer den erwähnten Mängeln (in meinen Augen) bleibt es immer noch ein Buch, das grundlegende wichtige Einsichten verschafft und zu mehr Verständnis im Sinne von ‘Erklärung’ einiger Phänomene der Weltlage verhilft. Trotz meiner Kritik kann ich es empfehlen, wenn man politisch interessiert ist.
- Fjodor M. Dostojewski
Verbrechen und Strafe
(170)Aktuelle Rezension von: SchlehenfeeRodion Romanowitsch Raskolnikow, ein ehemaliger Student, fristet ein ärmliches Dasein und muss immer wieder Geld bei einer alten Wucherin leihen. Da er sich zu Höherem berufen fühlt und die alte Frau für ihn nur eine Laus ist, will er sie umbringen. Nachdem Raskolnikow seinen Plan umgesetzt hat, plagt ihn jedoch sein Gewissen und die Polizei gerät auf seine Spur. Wird er mit seiner Tat davonkommen oder nicht?
„Verbrechen und Strafe“ ist mein erstes Werkt von Fjodor Dostojewski und ich wusste vorher nicht, dass Elemente eines Kriminalromans in dieses Buch eingeflossen sind. So wurde es unerwarteterweise phasenweise echt spannend. Vor allem Raskolnikows Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlern und der verbale „Showdown“ mit Porfirij Petrowitsch waren ganz großartig herausgearbeitet.
Durch die Ermordung der Alten glaubt Raskolnikow der Menschheit etwas Gutes zu tun, da er „unwertes“ Leben beseitigt. Wenn ihr euch jetzt fragt, „Habe ich das nicht schon einmal irgendwo gehört?“ oder es euch beklemmend aktuell vorkommt, dann geht es euch wie mir. Gerade die Aktualität der zugrundeliegenden Motive des Protagonisten, gepaart mit dem Blick auf arme und reiche Menschen in Sankt Petersburg, auf die man im Roman trifft, haben mich begeistert! Dadurch wird „Verbrechen und Strafe“ zu einem zeitlosen Meisterwerk.
Es gibt noch einige weitere Erzählstränge, die sich um Sonja und Raskolnikows Familie drehen. Dabei geht es wieder um Armut und um Wege, daraus zu entkommen. Außerdem wird ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft gezeichnet. Dies hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Die Charaktere sind alle gut gezeichnet: Dunja gefiel mir extrem gut mit ihrer Charakterstärke, Dmitrij lockert die Handlung auf und bringt eine humorvolle Note mit ein, Sonja ist eine gute Seele und verantwortlich für die Läuterung Raskolnikows. Luschin ist ein Narzisst, Swidrigajlow ein widerlicher Pädophiler und Porfirij Petrowitsch ein gerissener Ermittler.
Mit Swetlana Geiers Übersetzung bin ich sehr gut zurechtgekommen. Der Stil eines Romans aus dem 19. Jahrhundert wird als Rahmen beibehalten, doch lockern zeitgenössische Worte und ein modernerer Satzbau das Ganze auf lassen den Leser nicht ermüden. So macht das Lesen russischer Klassiker Spaß! Ich bin mir sicher, dass ich gerne noch zu weiteren Werken Dostojewskis greifen werde.
- Stefan Zweig
Sternstunden der Menschheit
(210)Aktuelle Rezension von: Timo_JancaManch ausgewähltes Ereignis mag bekannt sein, jedoch versteht es Stefan Zweig die Geschichten emotional und mit tiefer Anteilnahme zu begleiten. Ihn interessieren die persönlichen Beweggründe und was die Betroffenen in der Stunde des Schicksals empfunden haben. Detailverliebte Beschreibungen und dramatische Sprache lassen u.a. die Entdeckung zweier Ozeane oder eine Episode aus Goethes Leben vor dem geistigen Auge lebendig entstehen.
- Tom Rob Smith
Kind 44
(776)Aktuelle Rezension von: LidenBUCH
review
Tom Rob Smith
Autor
Genre des Buches :
Polit - & Ermittlungsthriller
Was ist das Hauptthema oder die Message des Buches?
Mordvertuschung - Angst totalitäres Regime
Würde ich es weiterempfehlen?
Nein
Datum
05.12.2025
Bewertung
Titel
Kind 44
Zusammenfassung des Buches in meinen eigenen Worten:
Leo arbeitet bei dem Geheimdienst des Staates und legte eine erfolgreiche Karriere hin - gesehen, autoritär, gedrillt. Ein grausamer Mord an einem Kind wird unter den Tisch gekehrt und Leo ermittelt heimlich und gerät dadurch selbst ins Visier. Vom Staatsheld zum Staatsfeind. Wir erfahren über die Gepflogenheiten des Staates zu Zeiten Stalins.
Mein Fazit zu diesem Buch :
Trotz der spannenden Thematik und der Verdeutlichung des Lebens in der Sowjetunion zu Zeiten Stalins konnte mich das Buch nicht packen. Es war sehr ausschweifend beschrieben. Leo seine Verwandlung war nachvollziehbar. Die Problematik rund um Stalin war für mich allerdings nichts "Neues" und mir bewusst, vllt fehlte mir dadurch der Wow Effekt.
- Iny Lorentz
Das Vermächtnis der Wanderhure
(723)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMaries Zeit als Wanderhure scheint vorbei und mit ihrem Michel hat sie eine kleine Tochter. Sie erwartet bereits ihr zweites Kind und das passt ihrer Erzfeindin Hulda überhaupt nicht. Diese hat schon sechs Töchter und muss nun einen Jungen zur Welt bringen. Marie wird entführt und die Kinder vertauscht und so bleibt Michel zurück und glaubt, dass Marie tot ist. Diese wiederum irrt umher und wird nach Russland verschleppt. Sie trifft auf Feinde und Freunde. Iny Lorentz Reihe über die Wanderhure ist überall beliebt und jeder Band kommt auf die Bestsellerlisten. Ich fand es langweilig, sehr einfach geschrieben und sehr leichte Kost. Wer über die Historie etwas erfahren will sollte Sabine Weigand, Brigitte Riebe, Rebecca Gablé oder Ulrike Schweikert wählen. Wer einen leichten Roman mit leichtem erotischen Touch sucht, soll ruhig die Wanderhure wählen.
- Leigh Bardugo
Lodernde Schwingen
(857)Aktuelle Rezension von: Julie.and.the.booksDa es sich bei diesem Band um den dritten Teil einer Reihe handelt, kann es sein, dass die Rezension Spoiler enthält. Wer also nicht gespoilert werden will, sollte hier nicht weiterlesen.
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Das Buch beginnt fast genau an derselben Stelle an der wir Mal und Alina zurücklassen mussten, allerdings mit einem kleinen Zeitsprung.
Der Prolog ordnet aber alles gut für den Leser ein und man kann in die Handlung ohne große Lücken starten (es sei denn man vergisst, wie wir Namen aus dem Vorband.🤡).
Im Verlauf der Story hat man dann die perfekte Mischung aus Action, ruhigen Szenen, Plottwists und tollen Dialogen. Dabei hat man so schön den Charakter der einzelnen Personen gesehen, alle hatten so ihre Besonderheiten, ihren eigenen Humor und Schlagfertigkeit und im Laufe der Bücher haben sich auch alle irgendwie immer weiterentwickelt! Also auch die Randfiguren!🤩Die Beziehungen die sich zwischen Alina und Mal, dem Dunklen und Nicolai ergaben,fand ich besonders spannend, weil es immer eine andere Art der Beziehung war. Aber auch die kleine Gruppe, die wir dann begleitet haben, war richtig wunderbar. Man hat gemerkt, wie sehr sie immer mehr zusammengewachsen sind, wie sich die Dynamiken verändert haben und manche Dialoge waren ja zum Niederknien witzig.😁
Für mich war das Buch eine runde Sache. Das Ende hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es bittersüß war. Aber meiner Meinung nach, war es die beste Lösung für alle.
- Herta Müller
Atemschaukel
(286)Aktuelle Rezension von: Ava_lonInhalt
Rumänien, Januar 1945. »Es war 3 Uhr in der Nacht, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15° C.« So beginnt der erschütternde Bericht eines jungen Mannes, der in ein russisches Straflager verschleppt wird – so wie 60000 andere Rumäniendeutsche, von deren Schicksal Herta Müller in diesem ungeheuren Buch erzählt. In Gesprächen mit dem verstorbenen Dichter Oskar Pastior und anderen Überlebenden der Lager hat sie den Stoff gesammelt – und zu überwältigender Literatur geformt.
Cover
Das Cover gefällt mir überhaupt nicht, ich mag nicht so gerne Fotografien von Menschen und ich mag keine Bilder mit Zigaretten. Auch wenn es den Zeitgeist spiegelt, so sind diese Fotos nicht mein Geschmack.
Ein Wort vorneweg
Meine Rezensionen können sowohl Spoiler enthalten als auch Analysen und Bewertungen, wobei der Schwerpunkt auf meinen persönlichen Eindrücken liegt.
Mein Eindruck
Ich bin völlig frei von irgendwelchen Vorabinformationen an dieses Buch herangegangen und habe es im Rahmen ein selbst organisierten Leserunde gelesen. Nur den Klappentext kannte ich und konnte mir so ungefähr vorstellen, dass es inhaltlich betrachtet kein leichtes Thema ist. Es ist auch schon sehr lange her, dass ich mich mit den Schattenseiten des zweiten Weltkrieges auseinandergesetzt habe. Und jetzt war dieser Zeitpunkt gekommen und schon die ersten 50 Seiten trugen sehr viel Tiefe in sich. Jeder Abschnitt steht als Synonym für Aspekte des Lebens, zum Beispiel den Deckel für den Topf, um etwas zu verschließen, Gefühle in sich verbergen und einschließen, um nicht emotional zu zerbrechen. Der Zement der an einem klebt oder sich verflüchtigt spiegelt auch sehr gut die Hoffnung und so gab es eine Reihe von Sätzen, die mich von Beginn an nachdenklich zurückgelassen haben.
Auch die vielen Wort Kreationen wie zum Beispiel Schneeverrat und Hungerengel
verbinden die Schönheit und das Grauen miteinander. Schnee ist schön, weiß und sanft, kühl und still - allerdings auch ein Verräter, denn er zeigt die Spuren im Schnee, die jemand hinterlassen hat und die dann direkt zum Versteck führen, um der Deportation zu entgehen.
Hunger ist grausam und ein Horror, wenn der Magen und der Darm grollen und wahrlich kein Engel, der Frieden verspricht.
Viele Sätze erweisen sich als eine philosophische Wort Spielerei, wie zum Beispiel das schlichte Kofferpacken, wenn jemand noch nie einen Koffer gepackt hat. Was nehme ich mit? Wenn das Falsche zum Notwendigen wird und das Notwendige dann das Richtige ist, zeigt in diesem Zusammenhang immer wieder deutlich wie schnell etwas Ungewöhnliches zu etwas Normalem wird. Und all diese Feinheiten begleiten auf einer Reise, einer Reise die noch ohne Inhalt ist, sich entwickelt und letztlich vielleicht auch wieder zur Rückkehr führen wird.
Als LeserIn lernen wir die Geschichten von den Lagerinsassen kennen und die grausamen Erfahrungen jedes Einzelnen nehmen kein Ende.
Es gibt zahlreiche Sätze und Worte, die mich zutiefst berührt haben und den Taumel zwischen Leben wollen / müssen und Sterben können / sollen aufzeigen.
Auch das Wort Herzschaufel - eins werden mit seinem Arbeitsgerät, miteinander verschmelzen. Perfektion, Optimierung: die Arbeit ist ein gemeinsamer Tanz - ist eine grausame Vorstellung und zeitgleich steckt darin so viel Poesie. Hungrig und Hoffnungslos gilt es trotzdem den Lebenskampf aufrecht zu erhalten und die Arbeit mit einem geschwächten Körper zu bewältigen.
Jedes Thema prägt den Lageralltag auf seine besondere Art und daran halten sich alle Lagerinsassen fest. Eine Haltestange aus Erinnerungen, Erzählungen und Beobachtungen.
Es ist mehr als beeindruckend mit welcher Sprache die Autorin die Gewalt aus den Beschreibungen herausgelöst hat und ein Gefühl von Verstehen auf den Weg gibt. Sie beschönigt nicht und sie verurteilt nicht.
Auch wenn die Autorin ihre Worte gut wählt, so wird die bedrückende Situation im Lager mit jedem Abschnitt deutlicher und betrifft auch mich als LeserIn - eine Grenze des zumutbaren wird erreicht. Und trotzdem lesen sich die Zeilen gut, sie treffen den Kern in unserem Inneren und ein langsames Verstehen breitet sich aus. Ich fühle mich verbunden mit den Menschen im Lager.
Fazit
Ein tolles Buch, welches ich trotz der Thematik gerne gelesen habe. Es wiegt im Herzen leicht und schwer. Es vermittelt mir ein Bild über die damaligen Geschehnisse und über die Sprachlosigkeit der Rückkehrer. Auch mein Großvater, der im ersten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern von Verdun war, hat anschließend geschwiegen. Er hat seine Erlebnisse tief in sich vergraben, um uns Kinder / Enkelkinder vor grausamen Gedanken zu schützen, damit wir die Leichtigkeit des Lebens beibehalten können..
230422
- Markus Heitz
Blutportale
(344)Aktuelle Rezension von: Magnus_BaneDas Buch ist wirklich großartig. Es gibt Magie, Action und jede Menge Gemetzel, aber nicht völlig zusammenhanglos. Spätestens am Ende versteht man wie alles zusammenhängt. Da kam dann auch noch eine Wendung, die ich niemals erwartet hätte.
Der Schreibstil ist flüssig, und lässt sich gut weglesen. Markus Heitz ist zurecht einer der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands.























