Bücher mit dem Tag "russlanddeutsche"
14 Bücher
- Nele Neuhaus
Im Wald (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 8)
(638)Aktuelle Rezension von: KeksTrommelEin Fuchs und ein Junge verschwinden. Jahre später wird eine totkranke Frau ermordet. Wollte sie ihr Gewissen erleichtern und drohte die Wahrheit ans Licht zu kommen? Oder hat beides nichts miteinander zu tun? Es bleibt nicht der einzige Mord.
Das Cover finde ich ganz passend gestaltet, wenn man mehr von den Geschehnissen Kenntnis erhält.
Es war mein erstes Buch von Nele Neuhaus. Das war aber nicht weiter schlimm, da es ein unabhängiger in sich geschlossener Fall war.
Das Buch wurde aus verschiedenen Sichtweisen erzählt.
Der Fall an und für sich war spannend erzählt, das Ende war schlüssig.
Ganz Ruppertheim war hier im Fokus, weil die ehemaligen Kinder zusammenhielten und über die Geschehnisse der Vergangenheit schweigen. Auch Bodenstein ist tief in den Fall verwickelt.
Mir gefallen die Charaktere. Pia ist noch etwas unsicher, als sie die Leitung übernimmt. Das merkt man ihr an und das ist für mich als Leser nachvollziehbar. Das Bodenstein dennoch ermittelt, weil der damals verschwundene Junge sein Freund und der verschwundene Fuchs sein Haustier war, ist für mich ebenso nachvollziehbar.
Das Buch hat mir viele spannende Lesestunden geboten, auch wenn es am Ende etwas in die Länge gezogen wurde, weshalb ich es weiter empfehlen kann.
- Alina Bronsky
Der Zopf meiner Großmutter
(189)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaEs ist lustig, es ist tragisch, es ist gemein und es ist lieb. So würde ich das Buch beschreiben.
Ich habe mich köstlich amüsiert, obwohl vieles unbeantwortet blieb und das Ende mich aus dem Nichts überrascht hat. Ganz ehrlich: Das Ende ist richtig Kacke! Da hat es sich die Autorin einfach gemacht und das liegt vermutlich daran, dass das Buch wahrscheinlich sonst nie geendet hätte.
Die Oma ist dabei die zentrale Figur, die völlig verrückt ist und ich immer noch nicht begreifen kann, wie ein Mensch so sein könnte. Fast schon wie meine eigene Oma. Aus irgendeinem Grund zieht der Enkel bei seinen Großeltern ein und die Oma erklärt ihn gleich für unheilbar krank, um ihn auf eine Diät zu setzen mit der Begründung, alles ändere könnte ihn töten.
Natürlich glaubt das der Enkel und der Großvater ist zu feige, um ihn aufzuklären. Dabei hat der Opa andere Probleme: Er verliebt sich in seine Nachbarin und der Enkel kriegt es mit. Als es zu einem Seitensprung kommt, deckt ihn der Enkel mit aller Macht, wobei die Tochter des Seitensprungs fies zu dem Enkel ist. Das war echt gelungen.
Mit viel Witz erzählt die Autorin die ganze Geschichte und ich habe gemerkt, wie ich beim Lesen mich kaum zurückhalten konnte. Auch wenn mir vor Müdigkeit die Augen zufielen, wollte ich nicht aufhören, und das sagt was aus.
Trotz des schlechten Endes habe ich das Buch gern gelesen. Ich bin den Figuren gerne gefolgt, ich habe mitgefiebert, ich habe gehofft, gelitten, war traurig und glücklich! Das schaffen nicht viele Bücher.
- Alina Bronsky
Scherbenpark
(304)Aktuelle Rezension von: frischelandluftIch lese sehr gerne Bronskys Romane. Sie handeln meistens von Menschen, die übersehen werden, und das zu Unrecht. Ihre Charaktere sind vielschichtig, sensibel gezeichnet und sehr verletzlich unter einer meist schroffen, abweisenden Hülle. So auch hier. Die Protagonistin Sascha, mit ihrer Familie aus Russland eingewandert, hochbegabt, erlebt als Teenager, wie ihre Mutter und deren Freund von ihrem Stiefvater brutal erschossen werden. Seitdem ist es ihr Ziel, den Mörder ihrer Mutter umzubringen. Sascha wohnt mit ihren kleinen Geschwistern, für die sie die Mutterrolle übernimmt, und einer Verwandten, die sich um die drei kümmert, weiter in der Wohnung, in der die Tat verübt wurde, in einem ghettoähnlichen Hochhaus. Der Roman wird als Ich-Erzählung aus der Perspektive der 16jährigen erzählt, die Tat liegt zwei Jahre zurück, das heißt, wir als Leserinnen leben mit ihr in ihrer familiären, traumatisierten Situation in einem prekären Umfeld, durch das sie sich und ihre Geschwister smart manövriert und in dem sie versucht, ihren Platz zu finden. Es ist kein düsterer Roman trotz der schrecklichen Umstände, sondern die Geschichte einer starken jungen Frau, die sich durchboxt, mal elegant, mal am Rande der Kriminalität, sehr sympathisch, mit viel Liebe, Wut im Bauch und einem Lebenswillen, der inspiriert und optimistisch stimmt. Wie andere Romane von Bronsky kann man ihn nicht aus der Hand legen – ich habe ihn nach der Lektüre meiner 17jährigen Tochter gegeben, es hat zu interessanten Gesprächen geführt, Leseempfehlung von uns beiden!
- Martina Sahler
Weiße Nächte, weites Land
(90)Aktuelle Rezension von: Lealein1906Ich habe schon einige Auswandererromane gelesen, aber ich glaube noch keinen nach Russland. Die Geschichte war auf jeden Fall schön erzählt und gut recherchiert. Dafür gebe ich gerne sehr gute vier Sterne.
Die Geschichte startet im Deutschland im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit sind viele dem Aufruf von Katharina der Großen gefolgt, in Russland ein neues Leben zu beginnen. Darunter sind auch Christina, Eleonora und Klara, drei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Und hinzu kommen viele anderen Charaktere unter den Auswanderern, die für viel Abwechslung sorgen. Mit ihnen allen verfolgen wir den langen weg von Deutschland nach Russland, wo nicht alles so schön ist, wie vorher versprochen. Doch wer kommt mit den Gegebenheiten zu recht?
Martina Sahler versteht es sehr gut, die verschiedensten Begebenheiten mit in den Roman einfließen zu lassen, sodass es nie langweilig wird. Die Beschreibungen der damaligen Zeit sind in meinen Augen sehr gelungen und authentisch. Der Schreibstil ist gut zu lesen und die Perspektivwechsel zwischen den verschiedenen Figuren ist gut gewählt.Ich war mit dem Besuch sehr zufrieden und werde vielleicht auch noch die Folgeromane lesen.
- Wladimir Kaminer
Russendisko
(534)Aktuelle Rezension von: StolliRussendisko von Wladimir Kaminer, die Musik kann ich nicht ertragen, da bin ich mal gespannt auf das Buch, nun es ist sehr unterhaltsam, selten ein Buch so schnell “verputzt“.
Der übliche lockere Schreibstil von H. Kamine, viele Episoden allerdings sicher sehr übertrieben dargestellt aber im Grunde wundert man sich über nichts.
- Ella Zeiss
Wie Gräser im Wind
(66)Aktuelle Rezension von: SchimmerEs mag vieles an Fiktion in diesem Roman stecken, was die Handlung, die konkrete Situation und die Charaktere der Protagonisten betrifft, aber es bleibt die geschichtliche Tatsache, wie deutschstämmige Familien in Russland nach der Oktoberrevolution schikaniert und der Willkür der Machthaber ausgesetzt waren. Erschreckend und schockierend!
Mit persönlich beschäftigt die Frage: wie würden die Menschen heute in dieser Situation reagieren? Gäbe es den Anstand und die Solidarität der Betroffenen untereinander, die Hilfsbereitschaft, der Respekt der Kinder ihren Eltern gegenüber?
- Katja Gloger
Fremde Freunde
(1)Aktuelle Rezension von: M.Lehmann-Pape
Zu kaum einer anderen Nation, einem anderen Land (außer vielleicht zum direkten Nachbarn Frankreich), hat Deutschland eine solch wechselhafte Geschichte erlebt wie mit dem russischen Reich, der Sowjetunion und in der Gegenwart Russland.
In beiden Weltkriegen erbitterte Gegner, in Zeiten zuvor in Teilen enge Verbündete (soweit das ob der Entfernung und der völlig anderen gesellschaftlichen Prägung möglich war), aber auch im Rahmend es „Eisernen Vorhangs“ direkt benachbarte „Feinde“. Viel wechselhafte Geschichte spätestens seit Peter dem Großen und seiner strikten Ausrichtung „nach Westen“, was damals zunächst Deutschland hieß bis hin zu den Verfolgungen und der Drangsal deutschstämmiger und deutschsprechender Bevölkerungsgruppen nach dem zweiten Weltkrieg, die im Rahmen der sogenannten „Russlanddeutschen“ in großer Zahl seit den 1980er Jahren von Russland nach Deutschland umsiedelten und zuvor das Verhältnis beider Nationen von seiner schlechtesten Seite her (zumindest, was die russische Seite betrifft) erlebt haben.
Geschichtliche Momente bis hin zu der nicht eindeutigen und verscheiden bewerteten Lage in der Gegenwart, die Gloger in ruhigem Stil und sachlich orientiert aufnimmt und anhand derer sie dieses besondere Verhältnis detailliert beschreibt.
„In keinem anderen westlichen Land wird so leidenschaftlich um Russland und seine Zukunft gerungen, wie in Deutschland“. Und auf der anderen Seite ist es gar nicht so wundersam, dass Putin fließend deutsch spricht. Es ist ein besonderes Verhältnis zwischen diesen beiden Nationen, ohne Frage.
„Zwei Länder, zwei Völker, die seit tausenden von Jahren nicht voneinander lassen können“.
Vorurteile, Furcht, Hass bis aufs Blut, Bewunderung, Neid durchaus, Freundschaft und Kooperation andererseits, Ein Verhältnis der starken Polarisierungen, auch dies kann man zunächst festhalten, wie es Gloger vollzieht.
Eine kluge Entscheidung der Autorin ist es daher, mit jenem Ereignis und jener Person zu beginnen, die für den konstruktiven Teil der beiderseitigen Geschichte steht, vielleicht genau darum aber am Ende im eigenen Land scheitern musste. Gorbatschow und sein Versuch, die Welt friedlich zu ändern. Und auch das kann ein Ergebnis der Lektüre dieses wechselhaften Verhältnisses sein, wie oft die konstruktiven Möglichkeiten wenig genutzt wurden. Als würden die Menschen, die „Staatenlenker“ zu allen Zeiten eine friedliche Kooperation eher unschön finden.
Wobei der tiefe Blick in die Geschichte und die sorgsame Beschreibung der Ereignisse und, vor allem, der Folgen dieser Ereignisse für die innere Haltung einander gegenüber im Buch natürlich nicht zu kurz kommen.
Bis hin zur überzeugend argumentierten Sicht auf die Gegenwart, in der die Staatsleitung Russlands dieses als „postwestliche Avantgarde“ betrachtet und damit, mit vielfachen Spannungen und Gefahren verbunden, der Weg beider Nationen aktuell mehr und mehr auseinanderzudriften scheint.
Wobei der Grundton des Buches erkennbar dahin geht, sich gegen ein solches „Trennen“ vehement zu stellen und, gegen allen Augenschein zur Zeit, das Verbindende und Gemeinsame unbedingt suchen zu sollen. Denn an jenen Orten, an denen die Verbindung konstruktiv und eng wurde und war, folgten immer positive Momente. Nicht nur für die beiden Länder, sondern auch darüber hinaus. So steht die „Wende“ 1989 eben auch für ein stärker zusammenwachsendes Europa. Was gerne in den Wogen der darauffolgenden Haltungen und Ereignisse fast vergessen zu werden droht.
Und doch und dennoch gilt:
„Deutschland bleib sein (Putins) natürlicher Anknüpfungspunkt, sein…..“Tor in die Welt“. Wie es schon für Peter den Großen galt. Einerseits. Während andererseits er sich (und vielleicht die ganze „russische Seele“) am Anblick Merkels vor dem Hund weidete.
Eine interessante und fundiert recherchierte Lektüre, die in sehr verständlichem Ton die Eigenarten und die Geschichte eines besonderen „Staatenverhältnisses“ aufzeigt. - Fredy Gareis
100 Gramm Wodka
(13)Aktuelle Rezension von: lizzie123Ein Reisebericht spannend und unterhaltsam wie ein Roman, gleichzeitig informativ und interessant wie ein Sachbuch.
“100 Gramm Wodka” ist nicht nur mein erstes Buch von Fredy Gareis, sondern gleichzeitig auch das erste Buch, das ich über Russland gelesen habe. Zugegebenermaßen war früher mein Interesse sowie - abgesehen von manche politischen Dingen - mein Wissen über Russland auch eher begrenzt. Nach der Lektüre von “100 Gramm Wodka” ist dies nun anders: Fredy Gareis’ Beschreibungen der russischen Lebensart und der Menschen haben mich begeistert und neugierig gemacht. Es gab auch interessante Informationen über die Ess- und Trinkkultur und man konnte sogar ein paar Wörter lernen. Es hat mir besonders gut gefallen, dass viel geschichtlicher Hintergrund erläutert wurde, sodass man alles nachvollziehen konnte. Dadurch ist mir auch bewusst geworden, wie eng Deutschland und Russland einmal verbunden waren.
Schreibstil:
Fredy Gareis schildert seine Reise in einem sehr lebhaften Schreibstil, beschreibt Städte und Landschaften so detailreich, dass man fast das Gefühl hat, man wäre selbst in Russland. Zudem gelingt es ihm Sachinformationen einzubringen und den Leser mit in seine Gefühlswelt zu nehmen. Seine Sicht scheint völlig frei von Vorurteilen, offen für Neues, unvoreingenommen.
Bereits der Einstieg war spannend und hat Lust auf die weiteren 250 Seiten des Buches gemacht und es gelingt dem Autor über das ganze Buch hinweg, den Leser zu fesseln und zu begeistern. Es gibt humoristische sowie informative Episoden, absolut realistische Beschreibungen von Orten und Personen und der Autor mit seinem persönlichen Schreibstil wurde mir schnell sehr sympathisch.
Äußere Gestaltung:
Das Cover des Buches wirkt ansprechend und auch der Titel passt hervorragend zur Geschichte, denn dass Russen viel Wodka trinken ist tatsächlich kein Vorteil. Es gibt einige amüsante Episoden im Buch, bei denen Wodkakonsum eine große Rolle spielt. Das Layout des Buches ist absolut spitzenmäßig: die Kapitel sind nach den Aufenthaltsorten aufgeteilt und es gibt eine Russlandkarte im Buch, auf der die Reiseroute eingezeichnet ist, inklusive der einzelnen Aufenthaltsorte. Zudem gibt es 72 Bilder, die die verschiedenen im Buch besuchten orte und geschilderten Ereignisse während der Reise illustrieren. Einige Bilder sind so wunderschön und faszinierend, dass Russland jetzt auf meiner Liste mit Reisezielen steht.
- Eleonora Hummel
Die Wandelbaren
(3)Aktuelle Rezension von: Mari-PMeine Zusammenfassung
Arnold, Emilia, Balzer, Violetta und Oswald sind junge Menschen, die eins gemeinsam haben - sie wohnen in der Pampa irgendwo Sowjetunion und stammen alle von einstigen deutschen Aussiedlern ab. Der Staat bestimmt alles, man lebt in einer vom Kommunismus geprägten Umgebung. Die jungen Menschen versuchen sich so gut wie möglich ins System einzufügen und dabei ihre deutsche Vergangenheit zu verheimlichen.
Doch dann plant die Regierung ein "deutschsprachiges Theater" zu eröffnen und dafür werden junge deutschsprachige Schauspieler zum "Ausbilden" gesucht. Doch Arnold, Emilia, Balzer, Violetta und Oswald beherrschen eher schlecht als recht Deutsch. Trotzdem fällt die Wahl auf sie und so bekommen sie ein Stipendium vom Staat und und finden sie sich alle an der Schauspielschule in Moskau wieder. Von ihrem zukünftigen Leben erwarten sie großartiges - ein spektakuläres Theater, viel Publikum und außerordentlichen Ruhm. Doch wie immer im Leben kommt es anders wie man denkt.
Meine Bewertung
Eleonora ist eine Schriftstellerin von der alten Schule. Ihr Schreibstil ist sehr klassisch und das nur im besten Sinne. Mir hat es gefallen mal wieder was in dieser Form zu lesen. Dabei hat sie die Geschichte um die jungen Menschen sehr ausführlich und sehr bildlich beschrieben. Mir hat es total viel Spaß gemacht dem Leben der Hauptprotagonisten zu folgen und auch einiges aus einer anderen Zeit mitzunehmen. Eleonora hat sich sehr viel Mühe gemacht alles realistisch wirken zu lassen und dabei scheint es als wäre sie bei ihren Hauptprotagonisten immer dabei gewesen und hätte ihre Geschichte persönlich miterlebt. Ich habe mir noch nie viele Gedanken zu all den "Russlanddeutschen" die damals nach Deutschland zurückgekommen sind gemacht. Sie waren einfach da. Durch dieses Buch wird ihre Geschichte wieder aktuell und das Buch regt zum Nachdenken über all die Menschen an.
Wer jetzt aber auf einen spannenden Roman mit viel Action hofft, der liegt falsch. Sagen wir es so, der Roman ist auf seine Art und Weise interessant, das liegt aber an den vielen verschiedenen Menschentypen, die der Leser dort auf ihrem Werdegang verfolgt. Es es ist eine Art Biographie dieser Menschen und daher gibt es natürlich ein auf und ab an Gefühlen, richtig Action aber nicht. Nichtsdestotrotz zieht das Buch und deren Protagonisten einen in den Bann. Ich konnte es stellenweise nicht weglegen, weil ich unbedingt wissen wollte ob z.B. Arnold seine Nelli jetzt heiratet oder nicht. Auch wie es mit dem Theater endet war immer ein offenes Thema.
Der Leser verfolgt die Protagonisten von ihrer Jugendzeit bis zu ihren fünfziger Jahren. Da ist viel Zeit dazwischen und manche Stellen haben mich ehrlich gesagt doch ein wenig gelangweilt. Vielleicht war es etwas zu langatmig.
Mit dem Ende komme ich nicht so ganz klar. Irgendwie war es zu abgehackt, als wollte man noch was schreiben, hat es aber gelassen, weil die Seitenanzahl eh schon so hoch war. Irgendetwas hat mir da noch gefehlt (wie das Salz in der Suppe). Stellenweise wurden die Kapitel und deren Inhalt zum Ende auch etwas zu unübersichtlich - von den Zeitsprüngen her.
Aber das ist Gemecker auf hohem Niveau, das Buch ist toll und wirklich interessant. Verpackt ist die ganze Geschichte in einem tollen Hardcovereinband, der richtig was hermacht.
Lasst euch nicht vom Preis des Buches abschrecken, manchmal lohnt es sich einen kleinen Bücherschatz wie diesen mit nach Hause zu nehmen. Soweit ich aber weiß plant Eleonora auch ein E-Book davon herauszubringen. - Hera Lind
Um jeden Preis
(145)Aktuelle Rezension von: Engelchen07Was für ein Buch!
Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und berührt. Ich habe selten ein Buch gelesen, welches mich so in den Bann gezogen hat und mich mit der Hauptfigur hat mit leiden lassen. Dabei immer im Hintergedanken: Es ist eine wahre Geschichte und die wird hier sehr detailliert und unverblümt dargestellt. Es ist eine wirklich sehr ergreifende und berührende Geschichte aus dem Leben einer jungen Frau welche in der (Nach-) kriegszeit ihre Geschichte erzählt.
Ich habe selten eine so willensstarke, mutige und herzliche Frau erlebt bzw. gelesen.
Lydia und ihre 4 Geschwister und Ihre Mutter werden 1944 nach Sibirien verschleppt, der Vater wurde zuvor in die Armee eingezogen. Lydia und ihre Familie kämpfen sich bei -50 Grad und unter sehr unmenschlichen Bedingungen durchs Leben. Doch es ist und bleibt nicht die einzige Vertreibung. Die Familie lebt nach dem Motto Ihres Vaters: Zusammen bleiben, um jeden Preis!
Man begleitet Lydia durch ihr sehr hartes und unmenschliches Leben. Es ist unglaublich was diese Familie mitgemacht, durchlebt haben muss und was sie für einen Lebenswillen hat.
Mich hat dieses Buch so sehr berührt, ich konnte es nicht aus den Händen legen.
Das Buch gehört als Pflichtlektüre an jede Schule, besonders in der heutigen Zeit.
- Sven Pfizenmaier
Draußen feiern die Leute
(27)Aktuelle Rezension von: AischaWer in Sven Pfizenmaiers Debütroman eine bodenständige, realistische Dorfgeschichte erwartet, sollte sich lieber anderweitig umsehen. Zwar verspricht der Klappentext "ein ganz normales Dorf in Deutschland: in der Mitte ein Kreisel, daneben die Volksbank und im September das alljährliche Zwiebelfest". Doch was folgt, ist alles andere als gewöhnlich.
Pfizenmaier entwirft ein Panoptikum schräger Gestalten, die eher aus einem surrealistischen Traum stammen als aus der niedersächsischen Provinz. Da ist zum Beispiel Timo, dessen körperliche Verfassung mehr an ein Gewächs erinnert als an einen Menschen – grünliche Haut, fragile, an Äste mahnende Extremitäten. Oder Richard, eine Art lebendig gewordene Schlaftablette, dessen Anwesenheit jede Stimmung zum Erliegen bringt und allen um ihn herum jeglichen Antrieb aussaugt
Der Roman gleicht weniger einer klassischen Erzählung als einem filmischen Trip – irgendwo zwischen Stanley Kubrick und David Lynch. Kein Wunder, denn der Autor ist erklärter Cineast und hat ein Faible für das Abseitige. Trotz aller Dystopie gelingt ihm das Kunststück, Humor in die Abgründe der Gesellschaft zu bringen. Skurrilität trifft auf Satire, ohne je ins Lächerliche zu kippen.
Pfizenmaiers Stil ist frisch, eigenwillig und überraschend unterhaltsam. „Draußen feiern die Leute“ ist ein literarisches Debüt voller Fantasie, Witz und Kritik – und für mich gerade deshalb absolut lesenswert. Fazit: surreal, klug und ausgesprochen komisch.
- Martina Sahler
Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht
(8)Aktuelle Rezension von: Monika58097Die drei Schwestern, einst dem Ruf Katharina der Großen, gefolgt, sind angekommen, jedoch auf sehr unterschiedliche Weise. Eleonora, die mit ihrer Familie in Saratow lebt, sehnt sich nach ihrer Tochter Sophia, die in St. Petersburg ihrem großen Traum nachgeht und Kunst studiert. Christina lebt mit ihrem ungeliebten Mann zusammen, hat sich jedoch ein florierendes Modegeschäft aufgebaut. Ihre uneheliche Tochter Alexandra, von ihr aus Nichte ausgegeben, macht ihr das Leben schwer. Nur Klara ist in Waidbach geblieben, der Siedlung der Wolga-Deutschen. Hier lebt sie mit ihrem Mann Sebastian und den Kindern ein beschauliches Leben. Als neue Siedler aus der ehemaligen Heimat eintreffen, wird Klara an ein furchtbares Ereignis in ihrer Kindheit erinnert und nicht nur ihr Leben ändert sich schlagartig. "Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht" - ist die Fortsetzung des wunderbaren Romans "Weiße Nächte, weites Land". Es ist jedoch nicht dringend notwendig, die Vorgänger-Geschichte zu lesen. Ich rate jedoch dazu, weil es sich einfach lohnt, weil beide Bücher einfach wunderbar sind! Es ist die Geschichte mehrerer Familien, die einst dem Ruf der Zarin gefolgt sind, um sich an der Wolga niederzulassen. Nach vielen entbehrungsreichen und schweren Jahren haben sie es geschafft, die drei Schwestern, jede auf andere Art und Weise. Martina Sahler schreibt spannend und sehr authentisch. Mit ihrer erzählerischen Kraft schafft sie es, dass der Leser sich die unendliche Weite des Landes vorzustellen vermag. Die Entbehrungen der Menschen, ihr Willen, ihre Kraft, ihre Wünsche und Hoffnungen. Mit Martina Sahler und ihren Figuren konnte ich eintauchen in eine vergangene Zeit. "Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht" - eine wunderbare Mischung aus Liebe, Verzweiflung, Tragik. Absolut guter Lesestoff, den man sich nicht entgehen lassen sollte! - Sabrina Janesch
Sibir
(102)Aktuelle Rezension von: schillerbuchAuf dieses Buch wäre ich ohne meine Mutter nie gekommen: Sie kann nicht mehr lesen und hört stattdessen sehr viele Hörbücher. Dieses wurde ihr von der Blindenhörbücherei zugeschickt. Es gefiel ihr besonders gut und sie empfahl es mir zur Lektüre, auch weil sie sich gerne mit mir darüber unterhalten und manches klären wollte. Ich bin ihr sehr dankbar für diesen Lektüretipp!
Zunächst zum Inhalt – der Verlag beschreibt ihn so:
Sibirien. Für den zehnjährigen Josef Ambacher ein furchterregendes Wort, das die Erwachsenen für den fernen, fremden Osten verwenden. Dorthin werden 1945 Hunderttausende deutscher Zivilisten von der Sowjetarmee verschleppt. Als dieses Schicksal auch Josef trifft, findet er sich im fernen Kasachstan in einer harten, aber auch wundersamen, mythenvollen Welt wieder. Und er lernt, sich gegen die Steppe und ihre Vorspiegelungen zu behaupten.
45 Jahre später lebt Josef im niedersächsischen Mühlheide und ist Vater einer Tochter. Doch auch hier wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Woge von Aussiedlern die niedersächsische Kleinstadt erreicht. Nun steht seine Tochter Leila zwischen den Welten und muss vermitteln – zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst erst beginnt, den Spuk der Geschichte zu begreifen. (© Rowohlt Verlag)Dieser Roman hat mich wirklich gefesselt und ich habe außerdem viel gelernt. Sabrina Janesch erzählt aus der Perspektive der Tocher Leila, die zu Beginn des Romans von der Mutter um Hilfe gebeten wird, denn ihr Vater Josef leidet an einer rasch fortschreitenden Demenz. Leila will aufschreiben, was der Vater erzählt, das, was die Stimmen, die er hört, ihm erzählen, die Wörter, die er aufschreibt, oft in 3 Sprachen: Deutsch, russisch und kasachisch. Und sie erinnert sich zurück an das, was der Vater ihr schon seit ihrer Kindheit in Geschichten verpackt erzählt hat. So entfaltet sich das Schicksal eines Jungen, der mit 10 Jahren die Vertreibung seiner Familie nach Sibirien erlebt, dabei Mutter und Bruder verliert, aber auch Freunde gewinnt. Der Mitte der 50er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland ausreisen durfte und eine neue Heimat in einer Kleinstadt in Niedersachsen findet, sich dort jedoch nie wirklich zu Hause fühlt.
Leila wächst auf mit diesem Trauma des Vaters, stets fürchtet sie die schwarze Stunde, den Moment, in dem die vertraute Welt zusammenbrechen wird. Für Josef war das ser Moment, in dem die Soldaten der Roten Armee die Familie nach Sibirien verschleppte, für Leila und ihren Freund Arnold ist es der Moment des Mauerfalls, der die gewohnte Ordnung ins Wanken bringt.
Wie Sabrina Janesch das erzählt, hat mir unglaublich gut gefallen. Sie changiert zwischen den beiden Zeitebenen, was ein genaues Lesen erfordert – trotzdem liest sich das Buch leicht. Dabei nimmt sie fast durchgehend die jeweilige Perspektive der Kinder (und auch deren Logik) ein. Dadurch erzeugt sie eine ganz besondere Stimmung und Spannung, die mich sehr angesprochen hat: Das Trauma des Vaters, die Außenseiterstellung der Russlanddeutschen in der Kleinstadt, der Umbruch, als in den 90er Jahren plötzlich die Spätaussiedler kommen – das alles erleben wir aus dieser kindlich-jugendlichen Sicht. So bekommt die schwere, komplizierte Thematik eine gewisse Leichtigkeit und wird nachvollziehbar. Mit nur 350 Seiten ist dieser Roman übrigens im Verhältnis des vielfältigen historischen Panaoramas, das er aufblättert, ziemlich dünn. Und wenn Sie sich fragen, was es mit der Forelle auf dem Cover auf sich hat – das wird sich Ihnen im Verlauf der Lektüre erschließen!
Fazit: Ein vielschichtiger, spannender Roman, dem es gelang, mir ein Stück deutsche Geschichte, nahe zu bringen das bis in unsere Zeit hineinreicht und über das ich bis auf ein paar Schlagwörter wie Russlanddeutsche, Spätaussiedler, Wolgadeutsche und andere kaum etwas wusste. Absolute Leseempfehlung!
- 8
- 12
- 24













