Bücher mit dem Tag "scham"
78 Bücher
- Laura Kneidl
Someone New: Special Edition
(1.682)Aktuelle Rezension von: Another-Ich mag Laura Kneidls Schreibstil sehr und finde ihre Bücher sehr positiv und authentisch. Auch Someone New hat in der Hinsicht dies wieder bestätigt und widergespiegelt.
Zu Anfang und irgendwie gespoilert bin ich trotz allem gut in die Story gestartet und hatte auch immer den Drang weiterzulesen, trotz der Infos die ich dachte schon zu haben. In der Mitte ca. flachte der Spannungsbogen für mich ab und ich habe dann erstmal lange Pause gemacht.
Schlussendlich entschloss ich mich dafür es zu beenden und es stellte sich heraus, dass ich doch keine Ahnung hatte in welche Richtung diese Story geht und mich hat Julians Geheimnis dann wirklich kalt erwischt. Mit einer gehörigen Portion Drama, die ich auch sehr genossen habe an dieser Stelle. Die Charaktere, das Setting und der Schreibstil sind wirklich klasse und gut ausgearbeitet. Die Geschichte ist bestimmt nicht für Jedermann im New Adult Bereich, aber man sollte einen Versuch wagen. Zumindest das Leseerlebnis war dadurch sehr aufregend und hat bei mir auch nachgehallt. Ich konnte Micah und Julian ins Herz schließen und hatte nicht wirklich Probleme mit ihren Entscheidungen und auch Julian konnte ich sehr gut verstehen. Einen Stern ziehe ich ab durch die entstandenen Längen und die Verbindung der Protas, die bei der Thematik hätte noch inniger sein können, da es manchmal etwas aufgesetzt wirkte. Alles in allem hätte die Story noch deeper sein können, gerade auch die Sidestory mit Adrian.
- Sebastian Fitzek
Abgeschnitten
(2.118)Aktuelle Rezension von: bookxn_bellyAuf "Abgeschnitten" war ich tatsächlich sehr gespannt, da ich die Arbeit von Michael Tsokos bereits über Social Media ein wenig verfolgt habe und dabei erfahren habe, dass er auch Bücher schreibt. Die Kombination mit Sebastian Fitzek klang für mich nach einer interessanten Mischung und so habe ich zu diesem Buch gegriffen.
Der Einstieg ins Buch ist mir unglaublich leicht gefallen. Ich war direkt gefesselt und konnte die Geschichte kaum aus der Hand legen. Der Schreibstil hat mir von Beginn gefallen. Er war flüssig, packend und bildhaft. Die Spannung wurde schnell aufgebaut und konsequent gehalten.
Allerdings sollte man wissen, dass dieser Thriller wirklich unglaublich brutal ist und somit definitiv nichts für schwache Nerven. Die detaillierten Beschreibungen sind teils schonungslos und haben mich mehr als einmal schlucken lassen. Wer hier empfindlich ist, sollte sich das gut überlegen.
Besonders beeindruckt haben mich am Ende des Buches zwei Zitate aus Zeitungen und Zeitschriften. Sie greifen nochmal ein Thema auf, welches auch meiner Meinung nach gewaltig schiefläuft und viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Diese Ergänzung hat dem Thriller am Ende noch einmal mehr Tiefe verliehen und mir sehr gut gefallen!
Trotz aller Spannung und großartiger Unterhaltung habe ich am Ende doch etwas anzumerken, denn für meinen Geschmack wurde die Handlung stellenweise etwas unrealistisch beziehungsweise unglaubwürdig. Mir persönlich ist Realismus gerade bei einem Thriller echt wichtig, daher hat mich das doch ein wenig gestört. Manchmal ist weniger eben doch mehr!
Nichtsdestotrotz hat mich das Buch grandios unterhalten und mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Ein brutaler, rasanter Thriller, der bei mir noch lange nachgewirkt hat, auch wenn ich mir zum Ende etwas mehr Bodenständigkeit gewünscht hätte.
- Theodor Fontane
Effi Briest
(1.834)Aktuelle Rezension von: MC_NeleDer Autor schildert das Leben von Effi Briest so eindrucksvoll, dass ich bereits als Jugendliche die Träume, Wünsche und Gefühle von Effi Briest mitempfinden konnte. Gesellschaftliche Zwänge stehen im krassen Gegensatz zu Entfaltung und selbstbestimmtem Leben.
Auch wenn sich Vieles gravierend verändert hat, ist es noch heute aktuell und ein lesenswerter Klassiker.
- Khaled Hosseini
Tausend strahlende Sonnen
(1.274)Aktuelle Rezension von: buch_leselustErgreifend ist hier wirklich das richtige Wort. Ich habe mit Mariam und Layla mitgelitten und mitgefiebert.
Es hat mich stark berührt, was ihnen alles passiert und gleichzeitig wütend gemacht, weil es wirklich nicht unrealistisch ist.
Die Rolle und Stellung der Frau in Afghanistan wird hier erschreckend real dargestellt und gibt einen guten Einblick in das Leben vor Ort. Leider weiß man ja, wie es sich über die letzten Jahre weiterentwickelt hat...
- Margarete Stokowski
Untenrum frei
(274)Aktuelle Rezension von: Trishen77„Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“
Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?
Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?
All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).
„Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“
Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.
Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.
Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.
„Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“
Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.
Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.
„Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“
Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.
„Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“
Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.
„Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“
Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.
Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.
Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.
„Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“
Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist
„hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“
Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu. - Fredrik Backman
Björnstadt
(212)Aktuelle Rezension von: AukjeFür die Einwohner der kleinen schwedischen Stadt Björnstadt, fernab einer Großstadt mitten im Wald, ist Eishockey das wichtigste in ihrem Leben. Da mittlerweile nach und nach die jüngeren Einwohner weggezogen sind, erhoffen sich die Björnstädter nun das sich das Schicksal ihres Dorfes wendet, wenn die erfolgreiche Jugendmannschaft des 'Björnstädter Eishockeyclub' ins Finale kommt und der Rest der Welt auf sie aufmerksam wird. Als die Mannschaft das Heimspiel gewinnt und somit den Einzug ins Finale, artet die private After-Party ein wenig aus und die 15jährige Maya, die auch die Tochter des Clubdirektors des Vereins ist, wird von dem 17jährigen Starspieler der Mannschaft Kevin vergewaltigt. Als sie sich endlich traut sich ihren Eltern anzuvertrauen und diese daraufhin Kevin anzeigen, beginnt sich die Stimmung im Dorf zu kippen. Viele der Einwohner können nicht glauben das ihr Star so etwas tun könnte oder sie trauen sich einfach nicht die Wahrheit zu sagen, da sie Angst haben nachher gemieden zu werden und geben daher Maya und dadurch auch ihrem Vater Peter die Schuld den Eishockeyclub zu schaden. Von nun an sind Maya, ihre Familie und die Menschen die ihr glauben einer Lynchjustiz ausgesetzt.
Ich muss zugeben das ich mich durch die ersten paar Seiten etwas durchquälen musste. Als ich jedoch in die Story reingefunden habe konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen, da ich unbedingt wissen musste wie es weiter geht. Mir persönlich gefiel der ruhige und nicht zu dramatische Schreibstil und das langsame und allmähliche aufbauen bis zum Finale. Man konnte sich in die Charaktere gut hineinversetzen und dadurch ihre Handlungen nachvollziehen, auch wenn nicht alle richtig waren.
- Han Kang
Die Vegetarierin
(625)Aktuelle Rezension von: Helena_KawaiiDieses Buch hat mich nach dem Lesen noch lange weiter beschäftigt.
Zuerst möchte ich den besonderen Schreibstil hervorheben. Er ist kühl, präzise aber gleichzeitig trieft er nur von Symbolik und poetischer Sprache. Dieser nüchterne Schreibstil und die fehlende Emotionalität machen die Ereignisse der Geschichte umso eindringlicher und verstörender. Die Entscheidung der Hauptperson „Yong-Hye“ zum Veganismus (der Titel passt eigentlich nicht, da sie auf alle tierischen Produkte verzichtet), darf hierbei nicht als einfache Ernährungsumstellung gesehen werden, sondern agiert vielmehr als radialer Akt der Selbstbestimmung in einem unglaublich starren Patriarchat. Das Buch bzw. viel mehr die Denkweise und das Verhalten der Außenstehenden bzw. vorrangig der Familie von Yong-Hye haben mich verstört und sehr wütend gemacht. Das Buch verstört also, aber zwingt gleichzeitig dazu, seine eigenen Denkweisen zu hinterfragen. Hans Buch übt gnadenlose Gesellschaftskritik und behandelt dabei Themen wie Machtverhältnisse, Kontrolle, Patriarchat und in gewisser Weise auch Veganismus. Wobei letzteres eher symbolisch zu sehen ist.
Besonders beeindruckend finde ich, dass „Die Vegetarierin“ bereits 2007, also vor fast 20 Jahren erschienen ist, aber heute aktueller denn je wirkt. Auch heutzutage hat sich an Themen wie Rollen im Patriarchat, gesellschaftlichem Anpassungsdruck und Selbstentfaltung in der Gesellschaft kaum was geändert, sodass das Buch sich fast schon wie ein Kommentar zur Gegenwart liest.
Hans Werk ist definitiv kein leichtes Werk, aber umso wichtiger. Es verstört, regt aber zum nachdenken an und beeindruckt mit symbolischer Gesellschaftskritik.
Bewertung: 5 von 5 Sternen
- Siegfried Lenz
Deutschstunde
(304)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterWer von euch hält sich für pflichtbewusst? Finger hoch!👆🏻
Uwe Jepsen ist ein Ausbund an Pflichtbewusstsein. So sehr, dass er sogar über die Gültigkeit der Pflicht hinaus es für seine Aufgabe hält, ihr nachzukommen.
Er ist Polizist im fiktiven Rugbüll unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, die gegen den Maler Max Ludwig Nansen (eine Reminiszenz an Nolde/Beckmann/Kirchner) ein Malverbot verhängt haben. Jepsen überbringt die Botschaft und beaufsichtigt gewissenhaft die Entsorgung der Kunstwerke und die Einhaltung des Verbots. Sein Sohn Siggi versteht die Hartherzigkeit des Vaters nicht. Er versteckt Bilder des Malers. Als die Schreckensherrschaft endet fühlt sich Uwe Jepsen nach seiner Entnazifizierung immer noch dafür verantwortlich, den Maler zu schikanieren und seine Bilder zu vernichten. Als er seinem Sohn auf die Schliche kommt, der gegen ihn arbeitet, nimmt er auch diesen in die Mangel. Siggi entwickelt daraufhin die Manie die Bilder des Malers entwenden und verstecken zu müssen. Er wird erwischt und landet in einer Erziehungsanstalt. Dort schreibt er einen Aufsatz über die „Freuden der Pflicht“ und das Ergebnis lesen wir in dem Roman.
Siegfried Lenz Meisterwerk wurde nach seinem Erscheinungsjahr 1968 eins der meistverkauften Bücher in der die Deutschstunde nicht nur einen Aufsatz darstellt, sondern auch deutsche Geschichte aufarbeitet. Schnell wurde es zur Schullektüre. Ich habe es allerdings jetzt zum ersten Mal gelesen.
Lenz hat hier gleich dreimal Menschen in die Pflicht genommen. Uwe Jepsen, der aus blindem Gehorsam Macht ausübt und sie in Pflichtbewusstsein verkleidet, den Maler Nansen, der es unermüdlich als seine Pflicht ansieht sich dem Druck des Polizisten nicht zu beugen und letztendlich Siggi, der sie umkehrt und eine pathologische Pflicht entwickelt, die Bilder zu retten.
Uwe Jepsen ist ein kalter, von sich selbst und den Menschen enttäuschter Mann, der sogar seine Söhne opfern würde, um nach außen hin als fleißiger und gewissenhafter Staatsdiener dazustehen. Er ist blind für Veränderung und die Gefühle seiner Familie.
Der Plot ist in Norddeutschland angesetzt, und der Menschenschlag ist auch durch die Sprache gut wiedergegeben. Mir war’s allerdings das ein ums andere Mal zu ausschweifend und 200 Seiten weniger hätten dem Roman ganz gut getan.
Durch die Fülle an direkten und indirekten Dialogen, in denen sich Sätze wiederholten und Gespräche stattfanden, die nichts zur Handlung beitrugen, wich die Handlung immer wieder ab, was dem Spannungsbogen schadet. Lenz bediente sich da beides stilistischen mittels wörtliche Rede nicht durch Anführungszeichen zu kennzeichnen, also damals gab’s das auch schon.
Die Geschichte wird in zwei Perspektiven erzählt, jeweils von Siggi‘s Ich ausgehend: im Rückblick und in der damaligen Gegenwart der Besserungsanstalt.
Zum Schluss hätte ich mir den Plot etwas runder gewünscht, wobei ich mit dem offenen Ende gut leben kann.
Inhaltlich ist dies aber ein wichtiges Buch und die Frage danach, wann Verantwortungsbewusstsein endet und Machtmissbrauch beginnt, ist auch heute wieder aktueller geworden.
Die Parallelen zu realen Malern sind mir sofort ins Auge gefallen. Allerdings scheint Lenz, als er den Roman geschrieben hat, die nationalsozialistische Vergangenheiten Noldes noch nicht klar gewesen zu sein.
Ein wichtiger, moderner Klassiker, der manchmal etwas ausufert, trotzdem aber lesenswert deutsche Geschichte aufarbeitet.
- Virginie Despentes
Das Leben des Vernon Subutex 1
(108)Aktuelle Rezension von: sabatayn76‚Im Angesicht der Katastrophe hält sich Vernon an einen Grundsatz: so tun, als ob nichts wäre.‘ (Seite 7)
Vernon Subutex ist Ende 40 und hat 25 Jahre lang als Plattenverkäufer im ‚Revolver‘ in Paris gearbeitet. 2006 musste er seinen Plattenladen schließen, und nun ist ihm das Geld ausgegangen. Er hat keinen Kaffee mehr im Haus, kaum Tabak, kein Essen, und das Wohngeld kommt schon seit Monaten nicht mehr.
In seinem Umfeld sind zudem viele Leute gestorben, und nun muss er auch noch seine Wohnung räumen.
Als er die Wohnung verlässt, nimmt er drei Tapes mit, die Aufnahmen des verstorbenen Alexandre Bleach enthalten. Und er überlegt, bei wem er sich nun einquartieren kann. Zuerst kommt er bei Emilie unter, die darüber alles andere als begeistert ist, und zieht dann von einem (früheren) Freund zum nächsten.
Ich bin schon seit vielen Jahren um ‚Das Leben von Vernon Subutex‘ geschlichen, aber irgendwie hat es sich nie stimmig angefühlt, das Buch zu lesen oder das Hörbuch zu hören. Nach meiner Approbationsprüfung habe ich mich nun endlich dazu entschlossen, die Roman-Trilogie von Virginie Despentes zu lesen.
Bei der Lektüre kommt von Anfang an eine richtige Paris-Stimmung auf. Paris ist bei Despentes etwas schmuddelig und heruntergerockt, aber ganz unverwechselbar Paris - ein Paris jenseits der Touristenpfade.
Nach einem starken Anfang flachte die Handlung meiner Meinung nach im Verlauf eher ab und hat mich stellenweise nicht mehr richtig fesseln können. Zum Glück bin ich aber bei der Stange geblieben, denn dieser Roman, der sich um Sex, Gewalt, Drogen, Armut, Rassismus, Politik etc. dreht, hat dann wieder ordentlich Fahrt aufgenommen, hat mich begeistert, fasziniert, bewegt, schockiert.
Und am Ende habe ich richtige Lust, auch den zweiten und dritten Band zu lesen. - Lucy Fricke
Das Fest
(78)Aktuelle Rezension von: Leseratte_09Im Rahmen der Buchmesse 2024 habe ich ein Interview mit Lucy Fricke zum Erscheinen von „Das Fest“ gehört und das Buch auf meine „Will Lesen Liste“ gesetzt, weil es eine interessante Perspektive versprach auf Lebensrückblicke, Verluste, Freundschaften und das Überdenken eigener Ansichten.
Doch leider habe ich genau diese Aspekte im Roman nicht gefunden. Mich hat der Text nicht ergriffen oder zum Nachdenken gebracht. Die Protagonisten fand ich wenig inspirierend und hätte die Lektüre sicher abgebrochen, wenn die ein oder andere Formulierung nicht ansprechend gewesen wäre oder ein paar nette Lebensweisheiten in den Text eingeflochten worden wären.
Für mich war die Lektüre kein Fest, vielleicht war ich einfach zu einem falschen Zeitpunkt am Fest dabei,.
- Christoph Kramer
Das Leben fing im Sommer an
(272)Aktuelle Rezension von: Claudia_ReinländerKlappentext / Inhalt:
Weltmeister, TV-Liebling und jetzt auch SPIEGEL-Bestsellerautor
Fußballweltmeister Christoph Kramer schreibt über einen Sommer, der alles verändert. Sein erstes Buch ist ein nostalgischer, vibrierender Coming-of-Age-Roman über Freundschaft, das Gefühl von Freiheit – und darüber, wie man zum ersten Mal spürt: Das hier ist mein Leben.
Es ist der Sommer 2006, ein Hitzerekord jagt den nächsten, die WM verändert das Land, Deutschland ist im Fußballfieber. Der 15-jährige Chris verbringt die Abende mit seinen Freunden auf dem Dach der alten Scheune und verschläft die heißen Tage im Freibad. Er will Fußballprofi werden, aber vor allem will er eins: endlich cool sein. Chris ist ein Teenager wie jeder andere auch, auf der Suche nach sich selbst.
Dann passiert das Unfassbare. Debbie, das schönste Mädchen der Schule, interessiert sich ausgerechnet für ihn. Es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der Chris alles wagt und doch nie vergisst, was eigentlich wichtig ist: Freundschaft und die Gewissheit, wirklich zu leben.Cover:
Das Cover finde ich von der Farbgebung und Umsetzung sehr interessant gestaltet und hat so auch meine Interne und Aufmerksamkeit erweckt. Man erkennt eine Silhouette auf einem Sprungturm und der Titel bzw. das Ganzen ist einen großen Glanz, was vermutlich die Sonne oder den Mond darstellen soll, gehüllt. Einerseits ist es recht einfach gehalten und andererseits macht es zugleich auch neugierig und die Umsetzung weckt auf jeden Fall die Neugier. Man kann so einiges hinein interpretieren und auf jeden Fall finde ich das Cover interessant und auch farblich recht gut abgestimmt.
Meinung:
Leicht und locker, zuweil kurzweilig lesbar und einfach gut für Zwischendurch. Christoph Kramer war mir nur wenig ein Begriff, da ich es mit Fußballer Namen nicht so habe, aber bei der Recherche konnte ich dann so einiges verbinden und so erklärte sich dann hier so einiges. Man bekommt Einblicke in die Zeit und das Leben von Chris 2006. Fußball, Liebe und damals schien alles möglich. Mit einer Leichtigkeit erzählt Chris davon und man bekommt so einige Einblicke. Was genau sich so zugetragen hat und was fantasievoll hinzugefügt wurde ist nicht ganz klar, denn es handelt sich hier keineswegs um eine Biografie, sondern den ersten Debütroman von Christoph Kramer und so liegt es im Auge des Betrachters, das Ganze einzuordnen.
Inhaltlich möchte ich hier nicht allzu viel verraten und halte mich mit genaueren Details und Informationen dazu zurück.
Der Schreibstil ist gut und flüssig und schnell findet man sich hinein. Die Ich-Perspektive macht es nah und spürbar. Manche,al fehlt mir jedoch ein wenig die Tiefe und die Emotionen. Die Beschreibungen sind detailreich und bildlich und auch die verschiedenen Szenen werden gut beschrieben. Ein Blick in einen besonderen Sommer für Chris.
Leicht und locker lesbar und man erhält sehr schöne Vibes. Es lässt sich kurzweilig lesen und ist gut für Zwischendurch, einfach zum Abschalten.
Die einzelnen Abschnitte sind zum Teil etwas länger. Die Anfänge aber gut erkennbar und auch von sich recht gut strukturiert. Gliederung und Gestaltung sind gut. Alles in allem ein schönes und einfaches Buch für Zwischendurch. Mir hat es gut gefallen.
Fazit:
Leicht und locker, zuweil kurzweilig lesbar und einfach gut für Zwischendurch.
- Laini Taylor
Muse of Nightmares - Das Geheimnis des Träumers
(149)Aktuelle Rezension von: TiraLiHinweis: Um die Handlung zu verstehen ist es hilfreich die Vorgängerbände („Strange the Dreamer“ 1 & 2) zu kennen.
Nach Lazlos Wandlung und Sarais traurigem Schicksal sieht es nicht gut aus für die Stadt Weep. Denn Minyas größter Wunsch ist es Rache zu üben. Geprägt durch ihre grausame Kindheit und geleitet durch ihren Hass sieht sie nur einen Weg sich zu schützen. Sie will alle Menschen in Weep vernichten.
Meine Meinung:
Es ist schade, dass man das Buch - das im Original als ein Band erschienen ist - in Deutschland in zwei Bände aufgeteilt hat. Man liest hier nur den Anfang des eigentlichen Buches, dadurch kommt erst zum Schluss etwas Spannung auf, die dann abrupt endet.
Für Lazlo und Sarai sieht es ziemlich düster aus. Es gibt wenig Hoffnung, dass Minya zur Vernunft gebracht werden kann. Schon in den Vorgängerbänden hat man erfahren wie grausam ihre Vergangenheit war. Darauf wird hier noch näher eingegangen und es kommen wichtige Details dazu die mich sehr überrascht und zum Nachdenken angeregt haben.
Die eigentliche Handlung kommt nicht weit voran. An vielen Stellen wird die Geschichte arg in die Länge gezogen. Vieles was im ersten und zweiten Band von „Strange the Dreamer“ nur angedeutet werden musste, wird nun ausführlich beschrieben. Dies wäre absolut nicht nötig gewesen. Es füllt nur mehr Seiten. Man konnte auch vorher die Gefühle und Handlungen verstehen. Vor allem die seitenlangen Liebesszenen verschiedener Paare fand ich unnötig und teilweise auch unpassend. Die Liebesstory nimmt über die Hälfte des Buches ein. Dabei gibt es eine wirklich spannende und faszinierende Geschichte über die ich gerne so viel mehr erfahren hätte. Interessante und relevante Szenen wurden dauernd von unnötigem Liebesgeplänkel unterbrochen und verloren dadurch ihre Wirkung.
Erst der Schluss ist wieder richtig gut und durchgehend spannend geschrieben, sodass ich gar nicht aufhören wollte zu lesen. Es werden viele Fragen geklärt und düstere Geheimnisse aus der Vergangenheit aufgedeckt. Allerdings heißt es hier mitten im Geschehen: Fortsetzung folgt.
Das Buch hinterlässt viele gemischte Gefühle bei mir.
Fest steht auf jeden Fall, dass die Aufteilung dem Buch nicht gut getan hat. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil und hoffe die Geschichte findet ein gutes Ende.
Achtung: Die Buchreihe ist nur für unempfindliche Erwachsene geeignet. Es enthält Themen wie seelischer Missbrauch, Vergewaltigung, Krieg, grausame Tode, Gewalt gegenüber Kindern, Traumata usw.
- Elif Shafak
Schau mich an
(26)Aktuelle Rezension von: RiesenradFahrenDas Buch erzählt von einer dicken Frau, die überall die Blicke auf sich zieht. Ihre Gedanken drehen sich darum, wie sie immer auffällt und zugleich nicht auffallen möchte. Zusätzlich ist ihr Partner, genannt BC, ebenfalls ein Blickmagnet. Er ist kleinwüchsig, anders als sie, stören ihn die Blicke nicht. Er geht damit selbstbewußt um, arbeitet sogar als Akt und lässt sich zeichnen.
Diese Zusammenfassung sagt aber nichts über das Buch aus! Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass es keine deutsche Geschichte ist. Hier herrschen nicht die deutschen Romanregeln. Stattdessen geht es viel um Sprache. BC schreibt an einem "Lexikon der Blicke ", seine Einträge tauchen immer wieder als Einschub im Text auf. Auch lesen wir keine stringente Geschichte, die sich an zeitlichen Abläufen orientiert. Stattdessen wird die Rahmengeschichte von bizarren Märchenelementen unterbrochen (z. B wie eine Figur halb Mensch halb Tier entstand).
Das ist alles gut, die Sprache und die Übersetzung sind beeindruckend. Aber es war nicht das, was ich erwartet habe. Mich konnte das Buch nicht überzeugen, zugleich will ich aber noch einen Roman von Elif Shafak lesen -jetzt wo ich weiß, was auf mich zukommt.
- Katie Marsh
Die Liebe ist ein schlechter Verlierer
(137)Aktuelle Rezension von: belli4charlotteDie junge Frau Hannah will ihren Ehemann Tom verlassen und sich scheiden lassen. Sie ist einfach nicht mehr glücklich und will sich endlich den Mut fassen und es ihm sagen.
Dann kann sie auch endlich ihren lang ersehnten Traum von Afrika erfüllen, den er immer belächelt hat. Sie will dort eine Schule aufbauen und dafür brennt ihr Herz. Doch Tom interessiert dies in keinster Weise.
Doch als Hannah es Tom sagen will, erleidet dieser einen Schlaganfall und braucht ihre Hilfe. Jetzt ist Hannah gefangen zwischen der Sehnsucht nach Afrika und der Verwirklichung ihrer Träume und den Respekt davor sich verpflichtet zu fühlen ihren kranken Mann zu versorgen und zu pflegen.
Jetzt ist dann doch keine Zeit für einen Neuanfang....oder doch??
Katie Marsh hat einen doch recht realistischen Roman geschrieben, dessen Geschichte eben so auch im Alltag vorkommen könnte. Allerdings muss man dazu sagen, dass es hier und da schon an Tiefe fehlt, so dass manche Dialoge recht karg und konstruiert wirken. Auch kann man sich nur schwer eine Vorstellung zu den handelnden Personen machen, da die Beschreibung dich zu flach ist und schon fast unpersönlich. Die Story an sich ist aber durchaus sehr gut und hat das Zeug zu etwas Großen, allerdings nicht nun dieser mit nur wenigen emotionalen Stellen bestickten Geschichte.
Locker zu lesen, plätschert teils so dahin, aber guter Zeitvertreib.
- Sarina Bowen
The Ivy Years - Bis wir uns finden
(169)Aktuelle Rezension von: Angela2011Nun bin ich bei dem letzten Band der "Ivy-Years"-Reihe angekommen, und bin ein wenig traurig, dass Harkness College mit all den lieben Charakteren verlassen zu müssen.
In dem letzten Band der Reihe geht es um die Schauspielerin Lianne, und dem DJ der Eishockey-Mannschafft Daniel.
Lianne hat es schwer am College; von der geliebten Schauspielerin, wird sie zur stillen Außenseiterin.
Nur durch Bella, ihre Zimmernachbarin,
ist sie nach und nach ein klein wenig aufgetaut, aber erst Daniel schafft es, sie aufblühen zu lassen.
Auch Daniel hat ein schweres Päckchen zu tragen, dass ihm seine Zukunft ruinieren könnte.
Obwohl die beiden ihre eigenen Päckchen zu tragen haben, die Chemie von Anfang an zwischen den beiden stimmte, lässt es sie nur noch mehr, noch enger zusammenschweißen.
Sarina Bowen hat es auch wieder toll umgesetzt, spezielle, schwierige Themen einzuarbeiten. Auch die Gefühlswelt ihrer Charaktere hat sie wunderbar rübergebracht.
Alles in allem hat mir die gesamte Buchreihe sehr gefallen. - Robert Scheer
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
(42)Aktuelle Rezension von: pardenEIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...
Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.
"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)
Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.
Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.
Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.
Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.
"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)
Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.
Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.
Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.
Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.
© Parden - Inès Bayard
Scham
(42)Aktuelle Rezension von: NaddieAchtung Triggerwarnung !!
Ganz ehrlich, ich wollte dieses Buch mehrere Male gegen die Wand schmeißen 🥺.
Ich bin immer noch sehr emotional aufgewühlt und dieses Buch wird mir auch noch Tage danach im Kopf rum spuken 🫣.
Um was geht es eigentlich VERGEWALTIGUNG und DEMÜTIGUNG.
Es geht um Marie eine Frau die mitten im Leben steht, sie hat einen guten Job, einen Mann und das einzige was fehlt ist ein Kind.
Sie wird von ihrem Chef Vergewaltigt und ihr Leben ist eigentlich vorbei...... Marie ist schwanger und die eigentliche Tortour beginnt. Marie ist in diesem Buch nicht nur das Opfer, zudem auch eine Täterin.
Scham zeigt den Zerfall einer Frau, die sich in Selbstzweifel und Verachtung begibt, selbst dem Kind gegenüber kann sie keine Liebe zeigen, sondern nur Hass 🥺. Dieses Buch ist zutiefst verstörend und sehr emotional zugleich 😥.
Es sind kurze Kapitel und der Schreibstil ist eigentlich perfekt auf diesen Titel, meiner Meinung nach abgestimmt, bedrückend und erniedrigend.
Ich finde dieses Buch hervorragend beschrieben, es gibt Eindrücke, wie Menschen denen so etwas schreckliches zustößt, mit dem Erlebten fertig werden können oder auch nicht 😢.
Von mir eine absolute Leseempfehlung
🌟🌟🌟🌟🌟.
- Jurica Pavicic
Die Zeugen
(12)Aktuelle Rezension von: _jamii_Kroatien im Krieg 1992: In einem Vorort von Split wird ein serbischer Unternehmer ermordet. Womit die Täter nicht gerechnet haben: Die Tochter des Mannes wird Zeugin des Verbrechens. Die Männer entführen sie. Zunächst wird das Verbrechen erfolgreich vertuscht, denn die Täter verfügen über gute Beziehungen zu einflussreichen Personen. Doch immer mehr Leute werden in den Fall hineingezogen.
Krešo will das Mädchen retten. Seine Kriegskameraden wollen sie umbringen. Krešos Schwester Lidija will den Fall an die Öffentlichkeit bringen. Der Arzt Matić will einem Verwandten helfen und der Journalist Galjer nur eine bessere medizinische Behandlung für seine Frau. Und das Mädchen kann nur darauf warten, umgebracht oder gerettet zu werden.
Die Geschichte hat mich leider gar nicht überzeugt. Es ist sehr eintönig geschrieben, sehr viel beschrieben, es gibt nicht sehr oft Dialoge. Die Geschichte kommt auch nur sehr langsam in Fahrt, erst gegen Ende kommt ein bisschen Spannung auf. Zudem gibt es für meinen Geschmack zu viele eher wenige wichtige Nebenhandlungen, welche teilweise die Geschichte ebenfalls bremsen.
In die Geschichte sind sehr viele Personen mehr oder weniger involviert. Dies sorgte das eine oder andere Mal für Verwirrung bei mir, da ich die Figuren und ihre Nebengeschichten und Bekanntschaften nicht immer auseinanderhalten konnte.
Alles in allem leider nicht mein Fall. - Mark Billingham
Die Schande der Lebenden
(44)Aktuelle Rezension von: SA-M-TFünf Menschen sitzen in einem Raum. Sie alle sind auf eine andere Art süchtig: Alkohol, Spielsucht, Drogen. In ihren jeden Montag stattfindenden Therapiesitzungen wollen sie einander davon erzählen und sich gegenseitig helfen. Robin, Caroline, Diana, Heather und Chris sind wie eine Familie, bis eines Tages bei einer Sitzung etwas offenbart wird, das das Gleichgewicht durcheinander bringt - eine der fünf Personen wird ermordet. Nun liegt es an Detective Tanner herauszufinden, was genau passierte.
Mark Billingham zeichnet auch in seinem neuen Werk ein Psychogramm aller Beteiligten und lässt des Leser mehr und mehr hinter die Kulissen blicken, wo naturgemäß nichts so ist, wie es anfangs scheint. Selbst jene Personen, die zunächst nur periphär in Erscheinung treten, leisten plötzlich einen Beitrag, der das Misstrauen in der Gruppe nur verstärkt. Das Karussell dreht sich schneller und schneller. - Wiebke Lorenz
Allerliebste Schwester
(163)Aktuelle Rezension von: Anipani20Was würdet ihr tun, wenn ihr eines Tages eure Schwester verlieren würdet?
Vor allem wenn es eure zwillingsschwester wäre;
diejenige mit der ihr dasselbe Gesicht teilt?
Nunja, Eva, die Protagonistin dieses Buches, entschied sich dafür das Leben ihre Schwester Marlene zu übernehmen. Sie heiratete den Mann ihrer Schwester, hört mit ihrer musikalischen Karriere auf und beginnt in der selben Buchhandlung zu arbeiten, wo einst auch Marlene gearbeitet hatte. Allerdings erfüllte sie das nicht. sie war eine leere Hülle, eine Marionette, die ihre Rolle spielte, ohne Ziel und ohne Träume. Doch eines Tages taucht in der Buchhandlung jemand auf, der so viele Gefühle in ihr auslöste, sodass sie sich wieder lebendig fühlte. Doch welche Konsequenzen birgt diese Bekanntschaft?
〰️〰️〰️〰️〰️〰️〰️〰️
naja...wo soll ich nur anfangen?🙈
Eins meiner Probleme mit diesem Buch ist, dass die Figuren sehr oft "out of character" sind. Es gibt immer wieder Szenen wo sie einfach so handeln, dass es keinen Sinn ergibt, da es für ihren Charakter keine sinnvolle oder logische Reaktion wäre. Auch wenn die Figuren psychische Störungen haben, sind die Handlungen nicht realistisch.
Als nächstes finde ich es auch verstörend, dass die Zwillingsschwester (Eva) mit dem Ehemann ihrer Schwester (Marlene) geschlafen hatte, als diese noch am Leben war.🤦🏻♀️
Allgemein war die Geschichte einfach nur eigenartig, komisch und verwirrend. Sa finde ich sogar den englischen Begriff "cringe" sehr passend.
Man sollte allerdings auch erwähnen, dass es das erste Werk dieser Autorin war und dadurch auch viele error in der Handlung und den Charakteren existieren.
Von mir erhält dieses Buch 2 Sterne, da es trotzdem hin und wieder echt gute Szenen gab, aber das Buch im großen und ganzen trotzdem enttäuschend gewesen ist. Es ist wirklich kein Buch, das man gelesen haben muss.
- Ulrich Woelk
Der Sommer meiner Mutter
(66)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannGäbe es diesen ersten Satz nicht, das Buch bliebe bis zum Schluss: hoffnungsvoll. So aber schwebt dieser erste Satz unheilvoll über der sich entwickelnden Geschichte: „Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“
Eine Geschichte von erkaltender Liebe, von erwachender Liebe und einer Liebe, die „anders“ ist. Und man tut „es“ (bzw. wünscht „es“ zu tun oder nicht zu tun), was man sowohl im Freud‘schen Sinne (Lustprinzip) verstehen kann als auch in der hier gemeinten Form, als gehemmte Umschreibungsform der körperliche Liebe (!) auf der einen, auf der erwachsenen Seite und als geheimnisvoller Vorgang, den man zunächst noch nicht zur Gänze versteht auf der anderen Seite. Denn immerhin ist der Erzähler dieser Seite gerade erst elf Jahre alt geworden („Alle sollten sich gegenseitig mögen – so stellte ich mir das vor.“). Ihm zur Seite steht die neue Nachbarin, ein knapp zwei Jahre älteres Mädchen. Aber diese zwei Jahre haben es in sich.
Wer in jener Zeit groß geworden ist, wird dort große Teile seiner Entwicklung widergespiegelt finden. Für die jüngeren unter uns ist es eine faszinierende Möglichkeit, sich zumindest gedanklich mit der Welt (und den Kämpfen) ihrer Eltern auseinanderzusetzen (es gab ja nicht nur die Mondlandung, sondern auch den Vietnam-Krieg – und die ersten Wellen weiblicher Emanzipation, eingebettet in die 68er-Bewegung), in der es galt „Richtig und Falsch“ (so etwas tut man nicht …) sowie „Gut und Böse“ (hier der freie Westen, dort der undurchsichtige kommunistische Machtblock) nach Kriterien zu unterscheiden, die aus heutigem Blickwinkel etwas antiquiert erscheinen.
Aber dies sind nur die Rahmenbedingungen, in denen sich die Geschichte entfaltet. Auch wenn die Protagonisten noch sehr jung sind und sich manche Dialoge diesem Alter entziehen („Ich begriff, dass es einen Unterschied zwischen der Wirklichkeit und Fernsehbildern gab, und ich war mir nicht sicher, ob mir das gefiel.“), so ist doch die von einer gewissen Grundmelancholie getragenen Geschichte äußerst schlüssig erzählt. Und den durch sie vermittelten Emotionen kann man sich kaum entziehen.
Gäbe es diesen ersten Satz nicht, würde man diesen Roman vielleicht in einem Rutsch lesen. Denn es gibt zunächst keine spektakulären Katastrophen und die Auseinandersetzung verlaufen eher freundlich gestimmt – auch wenn schon bald Ahnungen Entwicklungen denkbar machen, die ungut enden könnten: „Nach einer kurzen Pause sagte meine Mutter [zum Vater]: ‚Denkst du, mit der neuen Nachbarin wäre es einfacher?‘“ Es sind diese ahnungsvollen Sätze sowie kleine Gesten die zerrüttend wirken, kleine Brüche verursachend, die möglicherweise nicht mehr zu kitten sind. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite findet man erste tastende von Unsicherheit unterlegte Gefühle von Zuneigung und Begehren, die letztlich in der Lage sind, alle Ketten zu sprengen.
Kurz: Dieses Buch ist eine herausragende Möglichkeit, sich sowohl dem Zauber der Liebe als auch dem der menschlichen Fehlbarkeiten hinzugeben.
(1.4.2019)
- James Baldwin
Giovannis Zimmer
(125)Aktuelle Rezension von: JorokaEs waren ganz andere Zeiten, es würde noch eine Weile bis zur schwulen Emanzipationsbewegung dauern. Ein Amerikaner trifft auf einen jungen Italiener in Paris und verliebt sich in ihn. Heute würde man sagen: in der Szene. Auch damals gab es schon eine Subkultur. Doch David, so heißt der Amerikaner, hat auch eine Verlobte. Trotzdem zieht er zu Giovanni, da Hella gerade in Spanien weilt. Als sie von ihrer Selbstfindung zurückkehrt, werden die Karten neu gemischt …
Der Roman ist seiner Zeit verhaftet. Er ist in seinem Schreibstil immer noch gut zu lesen. Manches erscheint jedoch befremdlich. Klar, es ist ein Zeitsprung von über 70 Jahren zurück. Davids sexuelle Veranlagung wird nicht offengelegt. Doch darum geht es letztendlich auch gar nicht, aus meiner Sicht. Es ist die Vor-Coming-out-Zeit. Modelle für gelingende Mann-Mann-Beziehungen sind nicht vorhanden. Man(n) ist allgemein den Traditionen und Konventionen verhaftet.
Und es ist auch der Umgang eines privilegierten Amerikaners mit einem einfachen Mann vom Lande. Dass ausgerechnet Giovanni sich eine gemeinsame Zukunft zumindest vorstellen kann, ist aufgrund seiner Herkunft schon bemerkenswert. Vielleicht sind es aber auch einfach nur Luftschlösser eines geblendeten Verliebten.
Der Spannungsbogen ist ganz gut aufgebaut, obwohl im Verlauf nichts Weltbewegendes passiert, außer der Einblick in eine Parallelwelt. Nebenfiguren werden teilweise recht klischeehaft beschrieben und der Schluss muss ja fast zwingend sehr dramatisch enden. Wie gesagt, positive Modelle gab es wohl noch nicht.
Das ausführliche Nachwort von Sasha Marianna Salzmann war sehr informativ und hilfreich zur Einordnung des Werkes.
Fazit: Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben, aber mehr aus historischen Erwägungen und seiner Bedeutung zur Erscheinungszeit.
- Elisabeth Pape
Halbe Portion
(13)Aktuelle Rezension von: simone_richter„Halbe Portion“ ist Elisabeth Papes Debütroman. Darin geht es um Armut und Essstörungen, vieles davon soll die Autorin selbst erlebt haben.
In Gedanken zählt sie ständig Kalorien und Euros. Deshalb isst sie fast immer das Gleiche: trockene Discounter-Brezeln und Porridge aus Haferflocken von Aldi, bloß nicht die Guten, die sind zu teuer. Wenn sie sich etwas anderes erlaubt, dann nur geplant und hat danach ein schlechtes Gewissen. Außerdem laufen die Haltbarkeitsdaten ab, weil sie sie dann so lange aufspart, als etwas Besonderes. Manchmal isst sie auch gleich die ganze Packung auf einmal, damit sich das Kotzen danach auch lohnt.Das Buch geht unter die Haut und ist ungeschönt. Dabei springt man von Jetzt zu Früher, was aufgeht und weil die Kapitel aufeinander abgestimmt sind. Es werden auch Themen, wie Migration, Überforderung der Mutter mit psychischer Gewalt und Scham angesprochen. Hier wird aufgezeigt, wie schwer man aus Zwängen herauskommt, Strukturen zu brechen und einen gesunden Umgang mit Geld und Essen zu finden. Man liest, was jahrelange Gewohnheiten aus Armut und Kalorienzählen aus einem machen. Das geht unter die Haut und ist fast in Tagebuchform geschrieben.
- Christina Kunellis
Pullikalb
(32)Aktuelle Rezension von: Rose75Dieses Buch ist eine Neuauflage, des 2012 im Gerth-Verlag erschienen Titels "Tränenperle". Interessanterweise hätte ich beim Buch "Tränenperle" mit Sicherheit nicht zugegriffen, da mich da weder Cover noch Titel angesprochen hätten. Ganz anders hier. Beim Cover von "Pullikalb" sieht man sofort, dass zwei hilflose einsame Wesen, fast in sowas wie einer "kalten Zelle" sitzen.
Die Geschichte beginnt mit einem trostlosen Weihnachtsfest in einer Großstadt in Norddeutschland und die 17-jährige Merle kurz davor ist, sich umzubringen. Durch eine Fügung, wird sie aber abgelenkt und eine Art "Schutzengel" nimmt sie mit auf eine Fahrt nach Süddeutschland auf einen Bauernhof. Dort wird sie aufgenommen und sie entdeckt, dass sie eine große Liebe und auch ein besonders Talent zur Landwirtschaft hat. Die Arbeiten auf dem Hof werden sehr ausführlich beschrieben und man erfährt nebenbei, welche Tätigkeiten und Herausforderungen es in der Landwirtschaft gibt.
Merle kennt kein harmonisches Familienleben und ihre verletzte Seele macht sich durch Alkoholexzesse und Selbstverletzungen bemerkbar. Als sich zwischen ihr und dem Sohn des Nachbarhofes zarte Gefühle entwickeln, wird sie panisch und fährt alle Abwehrstrategien hoch, die sie kennt. Für Merle ist es undenkbar, dass es jemanden gibt, der sie ehrlich liebt und es gut mir ihr meint.
Die Autorin beschreibt eine so tief verletzte Seele, dass es stellenweise wirklich bedrückend war zu lesen, wie schlecht es einem gehen kann und welches Schicksal mache Menschen bewältigen müssen.
Einen kleinen, aber sehr bedeutenden Anteil macht der Zugang zum christlichen Glauben aus. Merle öffnet sich für Gott und findet mit der Zeit auch Zugang zum Gebet.
Das Buch selber ist zwar gut geschrieben, aber nicht leicht zu lesen. Es ist sehr emotional und stellenweise will man Merle einfach nur schütteln und/oder in den Arm nehmen.
Ursprünglich ist es wohl als Jugendbuch erschienen, aber da bin ich mir nicht sicher, ob Jugendliche damit angemessen umgehen können. Es enthält sexuelle Gewalt, Beschreibungen der Selbstverletzungen ( geritzte Unterarme) und eine schwer depressive Hauptfigur.























