Bücher mit dem Tag "scheitern"
86 Bücher
- Gustave Flaubert
Gustave Flaubert, Madame Bovary
(629)Aktuelle Rezension von: nymphe--Mit Madame Bovary von Gustave Flaubert konnte ich nun einen weiteren Klassiker von der Liste streichen. Wie bei allen Klassiker ist der Lesefluss ein anderer. Ich kann nachvollziehen, warum einige Menschen Klassiker als "langweilig" betiteln, denn auch auch ich brauche teilweise Konzentration und Geduld um solche Bücher zu lesen. Aber dann versuche ich mir vor Augen zu behalten, dass Menschen von über 150 Jahren ohne Fernseher und ohne Social Media einfach andere Aufmerksamkeitsspannen und generelles Spannungsempfinden hatten als wir. Auch waren viele Ort nur bestimmten Klassen vorbehalten, weswegen es häufig zu ausufernden Beschreibungen in Büchern kommt. Denn für einige Menschen war es vielleicht das erste Mal, dass Einblick in ein Herrenhaus beispielsweise bekamen.
So, das vorne weg und nun zur eigentlich Rezension.
Mir hat Madame Bovary im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Im Vergleich zu anderen ähnlichen Frauencharakter wie beispielsweise Anna Karenina oder Tess d'Urberville war Emma für mich der spannendste. Denn obwohl sie keineswegs der sympathischste Charakter war, hatte sie Leidenschaften, Passionen und wollte mehr im Leben. Mir ist nämlich aufgefallen, dass andere Frauencharakter häufig sehr passiv sind: Ihnen widerfahren schreckliche Dinge aufgrund der Gesellschaft, gelegentlich lassen sie sich auf eine Affäre ein. Doch Emma fand sich in der gleichen Passivität und Enge ihres Schicksals wieder und auch wenn es ihr nicht immer gelang, so versuchte sie doch selbst Auswege aus ihrem Leid zu suchen. Ich konnte Emmas Depressionen sehr gut nachvollziehen. Sie sehnte sich nach Leidenschaft, Abenteuer und Kultur und musste sich mit der Bescheidenheit und der Eintönigkeit eines Mittelklassenlebens in der Provinz zufrieden geben. In vielerlei Hinsicht werden Stadt und Land immer wieder gegenüber gestellt. Ich bin mir dennoch unsicher, ob ich Madame Bovary als Kritik am ländlichen Leben lesen soll. Vielmehr wurde für mich der Eindruck vermittelt, dass Flaubert es kritisierte, dass es zu wenig Möglichkeiten gäbe von der Provinz in der Stadt zu ziehen, besonders als Frau. Zudem fehle es an Zugängen zu Bildung und Kultur.
Diese Fragen beschäftigen uns auch heute noch. Weiterhin gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land und viele Vorurteile auf beiden Seiten. Es ist spannend sich vor Augen zu halten, welche Diskurse heute noch aktuell sind und wie lange sie schon geführt werden.
Ich kann Madame Bovary für alle empfehlen, die schon einige Klassiker gelesen und daran Interesse haben. Als Einstieg würde ich vielleicht davon abraten, da um sich der Eintönigkeit und Aussichtslosigkeit Emmas bewusst zu werden, diese auch viel ausgeschrieben wird, wodurch das Buch streckweise wirklich etwas langweilig zu lesen sein. Trotzdem lohnt es sich. Ich fand es immer sehr witzig, wenn Emma plötzlich neue Hobbys und Hyperfixations fand, ihre ganze Identität daran anpasste, nur um nach einer Woche wieder davon gelangweilt zu sein bzw. ernüchternd feststellte, dass es ihr doch nicht die erhoffte Rettung aus ihrer Lage und mentalen Situation brachte.
- Becca Fitzpatrick
Engel der Nacht
(1.112)Aktuelle Rezension von: CherryFairyInhalt
Band 1 der 4 bändigen Reihe
Meine MeinungEine gute gefallene Engels Geschichte mit Potential.
Der Schreibstil ist jugendlich frech. Emotional konnte es mich nicht ganz packen, aber mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt 😉
Ich bleib dran 👍🏻
Mein Fazit
Guter Reihenauftakt, lockerer Schreibstil, ich freue mich aufs weiterlesen 😃4*
- Jenifer Girke
Parallelwelten
(9)Aktuelle Rezension von: strickleserlJenifer wird von klein auf zu guten Leistungen angetrieben. Eine Zwei reicht nicht. Der Vater geht mit ihr jeden einzelnen Fehler durch, und gegessen wird erst, wenn alles stimmt. Sie definiert sich schon bald über ihre Leistung. Egal ob beim Abi, beim Studium, im Fitness-Studio oder als Journalistin: sie setzt sich stets mit voller Kraft ein und strebt immer weiter nach oben.
Es dauert viel zu lang, bis sie erkennt, dass sie selbst dabei auf der Strecke bleibt. In einem mühsamen Prozess, der mit einem stationären Klinikaufenthalt beginnt, findet sie den Weg zu sich selbst zurück. Sie erkennt, dass sie sich nicht über ihre Leistung definieren muss. Sie ist, wie alle, ganz einfach als Person wertvoll. Sie muss nicht mehr eine Rolle spielen, in einer Parallelwelt leben, um als Mensch zu zählen.
Auf diesem Weg zurück ins Leben spielen drei Hilfen für Jenifer eine große Rolle; Achtsamkeit, Yoga und der christliche Glaube. Achtsamkeit bedeutet für sie dankbar im Moment zu leben. Yoga bildet einen ruhigeren Gegenpol zu den früheren exzessiven Fitnessübungen. Und im Glauben erfährt Jenifer ihren Wert, denn sie kann in Beziehung zu einem liebenden Gott leben. Unerwartet entdeckt sie außerdem in der Bibel eine Unmenge an hilfreichen Lebensweisheiten.
Dieses Buch ist ein wichtiges Zeugnis in unserer Zeit. Durch Instagram und Co. lebt eine ganze Generation von den „likes“ der anderen. Bilder werden bearbeitet und optimiert, bevor sie in der Timeline erscheinen, und natürlich versucht der Einzelne sich persönlich zu optimieren, um die ersehnte Anerkennung zu bekommen. Jenifer zeigt wie gefährlich dieser Weg werden kann. Sie berichtet ehrlich von ihrer großen Sucht nach Kontrolle, die sich unter anderem in Magersucht zeigt.
Der Schreibstil ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Der Bericht erfolgt nicht linear, sondern springt zeitweise von einem Thema zum anderen. Die Lösungen, die Jenifer gefunden hat, sind vielleicht auch nicht für jeden nachvollziehbar. Von anderen Berichten der Autorin in den Medien bekommt man den Eindruck, dass der Glaube für sie eine große Rolle spielt. In diesem Buch stehen eher Achtsamkeit und Yoga im Mittelpunkt. Und nicht zuletzt stören sich ältere Leser vielleicht an den saloppen Ausdrücken, die sich an manchen Stellen finden.
Insgesamt ist dieses Buch aber sehr lesenswert. Es finden sich viele Anregungen und Tipps für ein gelasseneres Leben. Eine große Rolle spielt die Erkenntnis der Autorin, dass unsere Gedanken uns nicht bestimmen müssen. Wir können einen Gedanken, der uns kommt, betrachten, aber wir müssen ihm nicht folgen oder glauben.
Fazit: Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, und besonders für die jüngere Generation interessant ist; vor allem für Menschen, die sich von unserer Leistungsgesellschaft getrieben fühlen oder mit Süchten zu kämpfen haben. Besonders positiv fällt die Offenheit der Autorin auf, die Einblicke in ihre Gedankenwelt gibt, und so hilft die Denkprozesse von Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, zu verstehen.
- Mary Simses
Der Sommer der Sternschnuppen
(198)Aktuelle Rezension von: nasaDer Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses war mein erstes Buch der Autorin. Leider konnte es mich nicht überzeugen. Es hat mich einfach nicht abgeholt. Die Story verspricht einen leichten Roman mit ein paar Verwicklungen und das zurück in ein Leben finden. Bekommen habe ich einen langatmigen, vorhersehbaren und leider auch langweiligen Roman.
Grace kehrt übergangsweise nach Dorset zu ihren Eltern zurück. Sie hat ihren Job verloren, wurde von ihrem Freund sitzen gelassen und zu allem Überfluss stürzt ihre Wohnzimmerdecke ein. In Dorset will sie Ruhe finden und wieder in ihr Leben zurück. Doch schon bald merkt sie, dass sie nicht die Ruhe finden wird. Denn in Dorset wird ein Film gedreht und der Regisseur ist Peter, ihre erste große Liebe. Nun treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander und bringen einiges durcheinander.
Wie gesagt, die Story könnte ganz gut sein. Doch sie ist nicht besonders umgesetzt. Zum einen waren mir die Protagonisten unsympathisch und ich konnte mit Grace nichts anfangen. Zum anderen gefiel mir der Schreibstil auch nicht. Ich bin schlecht in das Buch reingekommen und habe ewig gebraucht es zu beenden. Schnell war mir klar das es eine Geschichte hinter der Geschichte gibt die aber auch nicht wirklich überzeugend war. Ich frage mich bei solchen Büchern oft, ob es wirklich so unreife, dreiste, nervige und lebensunfähige Menschen gibt. Tja leider versinnbildlicht all dies die Hauptprotagonistin. Das Buch ist durchsetzt mit belanglosen und langweiligen aneinander gereihten Sätzen. So habe ich das Buch leider empfunden. Ich habe noch ein Buch der Autorin auf meinem SuB, weiß aber nicht ob ich es wirklich lesen werde. Dieses hier kann ich leider nicht empfehlen.
- Anne Jacobs
Die Töchter der Tuchvilla
(271)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeMarie hat ihren Paul geheiratet und auch Pauls Schwestern Kitty und Elisabeth sind glückliche Ehefrauen. Aber dann bricht der 1. Weltkrieg aus und nicht nur, dass die Männer an die Front müssen, auch daheim wird das Leben immer schwieriger. Die Lebensmittel sind knapp, die Fabrik steht still, die Tuchvilla selbst wird zum Lazarett und jeden Tag wächst die Angst vor schlechten Nachrichten.
Im 2. Teil der Reihe begleitet der Leser unterschiedliche Charaktere mit den verschiedensten Lebensgeschichten. Er erlebt nicht nur das Leben in der Tuchvilla, sondern auch das der Familienmitglieder drumherum. Auch einige Angestellte rücken stärker in den Fokus. Dadurch bleibt es abwechslungsreich und man bekommt einen besseren Blick auf das gesamte Geschehen. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, es wird nie zäh oder langatmig. Nicht jede Storyline ist gleich spannend und manchmal möchte man gerne zu bestimmten Themen schneller zurückkehren, aber man möchte auch keinen Handlungsstrang missen. Marie selbst gerät als Protagonistin leider ein kleines bisschen mehr in den Hintergrund und hätte gerne etwas mehr Raum im Buch haben dürfen. Ihre Liebesgeschichte kann der Leser hauptsächlich in Briefform mitverfolgen, durch den regen Briefverkehr den sie mit ihrem Mann Paul während seiner Zeit an der Front unterhält. Eine gut gestaltete Abwechslung im Buch.
Mein Fazit: Mir hat der 2. Teil der Reihe fast besser als Teil 1 gefallen, da es nicht mehr ganz so realitätsfern zugeht und das Buch trotz seiner Länge sehr abwechslungsreich gestaltet ist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Erzählstränge macht das Buch um ein Vielfaches interessanter. Nun freue ich mich definitiv auf Teil 3.
- Michael Wildenhain
Die Erfindung der Null
(9)Aktuelle Rezension von: Vielhaber_JuergenSein besonderes Interesse für den deutschen Terrorismus bringt Wildenhain auch diesmal zum Ausdruck, ganz am Rand geht es um den Anschlag auf die Siegessäule, die im richtigen Leben einer Gruppe der RZ zugeschrieben wurde.
Doch Underground hat in Die Erfindung der Null erstaunlich viele Facetten, begegnet dem Leser in vielen Personen, zum Beispiel Juno, der junge Fixerin, deren Beschaffungsprostitution in drastischen Worten geschildert wird wie von Wildenhain gewohnt. Mir geht sein Faible für Körperausscheidungen auch diesmal zu weit, doch wäre das schon der einzige Minuspunkt.
Diesmal ist ein besonders gut durchdachter Plot gelungen, der bis zur letzten Seite aufs Beste unterhält und fesselt.
- Nora Bossong
Schutzzone
(31)Aktuelle Rezension von: reneeEin Buch aus der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2019. Kann gut sein. Oder auch nicht. Am Anfang dachte ich nur: Was für eine wirre Schreibe! Immer wieder springt die Handlung recht zusammenhanglos zu verschiedenen Geschehnissen im Leben des Hauptcharakters Mira. Und dann diese Sprache. Ellenlange Schachtelsätze. Schwierig zu lesen. Und insgesamt zu sehr gewollt! Denn diese Gestaltung macht dieses Buch in meinen Augen nicht besser, eher viel schlechter! Dann klang es anfangs so, als würde die UNO in den Himmel gehoben werden. Will ich das hören? Nach den damaligen Geschehnissen in Ruanda! Den zähen Verhandlungen damals in der UNO, wo es einzig darum ging die Geschehnisse in Ruanda jetzt Völkermord zu nennen oder halt nicht !?!?!? Und in Ruanda starben Menschen, viele Menschen! Das macht mich heute noch wütend!!! Aber nach und nach ändert sich das Geschriebene. Das Buch wird zu einem Blick auf die Natur des Menschen und einem Blick auf die UNO und ihre Taten, ein nach dem Sinn fragender Blick. Einerseits steckt ja ein guter Gedanke hinter der UNO, andererseits ist es aber auch ein Aufspielen, man darf ja auch die wirtschaftliche Macht des Westens nicht vergessen. Und dann kommt der mit Fehlern behaftete Mensch dazu und seine fehlerhaften Erinnerungen. Hier noch die Verbindung zu Mira und ihren Gefühlen, ihren Gefühlsverirrungen und -wirrungen zu ziehen, ist ebenso ein kluger Gedanke. Insgesamt ist also das Buch thematisch nicht schlecht gemacht. Allerdings stößt man auf diesen Sinn im Buch erst recht spät, etwas zu spät in meinen Augen. Vorher quält man sich durch eher unwegsames und holpriges Terrain. Dennoch kommt eigentlich nichts wirklich Neues und dann die Longlist ??? Bei diesem wirren Aufbau und dann dieser sehr eigenen Sprache. Nun ja. Einigen gefällt dieses Buch ja, also auch der Aufbau. Denn den Inhalt fand ich nach und nach auch gut, er verdient eigentlich vier Sterne. Aber der Aufbau und die sprachliche Gestaltung minimiert leider diese Bewertung. Denn mehr als drei Sterne werden es bei mir hier leider nicht.
- Ernest Hemingway
The Old Man and the Sea
(94)Aktuelle Rezension von: Mira123Was haben die Amerikaner eigentlich mit ihren großen Fischen? Zuerst "Moby-Dick" und jetzt "The Old Man and the Sea". Weiß irgendwer, was es damit auf sich hat? Falls es überhaupt eine größere Bedeutung hat, natürlich. Allerdings hab ich in meinem Studium vor allem eines gelernt: Wenn mir irgendetwas Seltsames auffällt oder mich irgendwas irritiert, dann hat das immer eine Bedeutung. Und die kann man meistens irgendwie entschlüsseln. Also falls da irgendwer was weiß: Lasst es mich ganz dringend wissen!
Bei diesem Text handelt es sich wieder mal um eine Kurzgeschichte, wenn auch um eine etwas längere mit ungefähr hundert Seiten. Ich entschuldige mich also jetzt schon dafür, sollten in diesem Absatz irgendwelche Spoiler passieren. Es ist einfach sehr, sehr schwierig, die Handlung einer Kurzgeschichte zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Und auf diesen hundert Seiten begleiten wir nicht irgendeinen alten Mann auf seinem Fischerboot, sondern DEN alten Mann. Ich weiß gar nicht mehr, ob der einen Namen hatte. Ups! Ich glaub aber nicht, das wüsste ich sonst ziemlich sicher. Auf jeden Fall wird der alte Mann vom Unglück verfolgt: Schon seit Ewigkeiten hat er keinen Fisch mehr gefangen. Doch noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Und tatsächlich: Dieses eine Mal beißt einer an. Und was für einer! Der Fisch ist riesig, wahrscheinlich ein Wal. Und stark ist er auch. Es wäre unmöglich, den an Land zu ziehen. Also beschließt der alte Mann, ihn so lange das Schiff ziehen zu lassen, bis der Fisch müde wird. Immer weiter und weiter ins Meer hinaus...
Nun, eines muss man Hemingway lassen: Er hat es geschafft, dass ich hundert Seiten über einen alten Fischer lese. Und das ohne, dass mir dabei langweilig wurde. Respekt! Vor allem war die Lektüre deswegen spannend, weil ich einfach die ganze Zeit damit beschäftigt war, irgendeine Interpretation für die verschiedensten Details des Texts zu finden. Ich konnte es einfach nicht lassen - ich musste das tun. Und ich freu mich jetzt schon sehr darauf, die Notizen meiner Professorin zu diesem Text durchzulesen. Durch das Distant Learning hab ich ja jetzt mehr Kontrolle drüber, wann ich was lerne, vor allem auch, weil ich bei dieser Leselistenprüfung sowieso erst im Herbst antreten werde. Warum also Stress verbreiten und mir meinen ersten Eindruck mit den Notizen von jemand anderem verfälschen? Da interpretiere ich lieber zuerst alles mögliche in den Text hinein! Dadurch lern ich viel, viel mehr!
Stellenweise hatte ich mit diesem Text so meine Probleme. Vor allem, weil halt einfach nicht wirklich viel passierte. Und trotz des spannenden Schreibstils war es nicht immer so mitreißend, den alten Mann zu begleiten. Außerdem fand ich das Ende richtig deprimierend!
Mein Fazit? Kann man auf jeden Fall mal lesen und ist vom Schreibstil her auch ziemlich spannend. Zu hundert Prozent glücklich bin ich aber trotzdem nicht. - Christina Rammler
Das Schicksal ist ein Schläger
(6)Aktuelle Rezension von: LEXI"Was passiert, wenn ein Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen ins Wanken bringt und die heile Welt erschüttert?"
Die Autorin schrieb dieses Buch gemäß ihrer Aussage für jene Menschen, die so wie sie selber manchmal am Leben und der Unlogik menschlicher Erfahrungen verzweifeln, die keine Antworten auf alle Fragen haben, besonders auf die Frage nach dem „Warum?“
So erzählt sie von verschiedenen Schicksalen, indem sie einerseits über das Erlebte aus ihrer eigenen Sicht berichtet, andererseits die Betroffenen selber zu Wort kommen lässt.
Das Mädchen Eliza beschreibt beispielsweise, wie sehr die Trauer und der seelische Verlust nach dem Tod eines nahen Angehörigen einen Menschen verändern können, seinen Glauben auf eine harte Probe stellen oder gar zerstören.
David berichtet von einer Ehe, die von Beginn an unter keinem guten Stern stand und der nachfolgenden Trennung, die ihn beinahe völlig zerstörte.
Jonathan wurde bereits in jungen Jahren mehrfach mit dem Tod konfrontiert, seine Welt geriet aus den Fugen.
Der Krebs raubte Gabriel seinen neu entdeckten Glauben, seinen Kontakt zu den Töchtern und seinen Lebenswillen.
Elianas Kindheit war weder einfach, noch glücklich, und sexueller Missbrauch drohte die junge Frau vollständig zu zerbrechen.
Doch in all diesen Lebensgeschichten berichtet Christina Rammler von der Erkenntnis, dass der Glaube an Gott oder eine besondere Gotteserfahrung den Menschen wieder neue Kraft zu geben vermag. „Manchmal greift Gott ein, um den Lauf der Welt für immer zu verändern – und das immer zum Besten!“
Die Erkenntnisse jener Menschen, die in diesem Buch ihrem Schmerz und ihrer Leiderfahrung Ausdruck verleihen, sind teilweise besonders berührend. Für den krebskranken Gabriel ist beispielsweise eines klar: „ Gott hat einen Plan, er hat alles im Griff, hat zu jeder Zeit die Kontrolle.“ Genauso klar ist für ihn aber auch, „dass Gott für das Leid in der Welt nicht verantwortlich ist, schließlich gibt es in der Gott-Leid-Gleichung einen unberechenbaren Faktor: den freien Willen des Menschen.“ Seine Perspektive auf das, was im Leben wirklich zählt, hat sich in den letzten Jahren sehr verändert: es geht ihm nicht mehr darum, ein möglichst einfaches, für ihn angenehmes Leben zu führen, das Schmerz vermeidet. Es geht ihm nicht mehr darum, dem Geld hinterherzujagen und Erfolg zu haben, wie man ihn landläufig definiert. Was für Gabriel zählt, ist, dass er selbst liebesfähiger wird, dass er selbst dazu beitragen kann, dass andere Menschen Gottes Liebe erleben können – und zwar durch ihn.“ Gabriels Schicksal und seine innere Einstellung dazu, seine Art, mit den Schlägen, die das Leben verteilt, umzugehen, haben mich am meisten angesprochen und beeindruckt.
Die Autorin liefert in diesem Buch keine einfachen Antworten oder Lösungen, hebt aber sowohl in ihren eigenen Schilderungen wie auch durch jene der Betroffenen ganz klar und deutlich hervor, dass es jemanden gibt, der da ist, der alles weiß, der uns versteht und uns durch schwere Zeiten trägt.
Da ich das in düsterem Schwarz gehaltene Buchcover mit der pinkfarbenen Kick-Boxerin eher als abschreckend empfand, trat ich mit einer geringen Erwartungshaltung an dieses Buch heran. Ich war positiv überrascht von der einfühlsamen Art und Weise der Autorin, die verschiedenen Lebensberichte wiederzugeben.
Leider muss ich mich jedoch einem Vorrezensenten anschließend, der die „exzessiven Wortwiederholungen“ in diesem Buch als störend empfand. Auch ich war sehr befremdet, als ich ganze Abschnitte oder gar ganze Seiten über stets dasselbe Wort (bzw. zwei oder drei Wörter) in endloser Aneinanderreihung vorgefunden habe. Da es sich hierbei keineswegs um einen Einzelfall handelt, hat es auch bei mir den Lesefluss beeinträchtigt.
Zudem war auch der großzügige Umgang der Gossensprache im Buch ein Störfaktor für mich – auch, wenn es vermutlich einer authentischen Wiedergabe von Lebensberichten geschuldet war, erwarte ich mir von einem christlichen Verlag, dass solche Ausdrücke in ihren Büchern vermieden werden. Schade. - Jonathan Safran Foer
Hier bin ich
(64)Aktuelle Rezension von: JorokaJulia und Jacob haben drei gemeinsame Kinder und sich irgendwie auseinander gelebt. Der Prozess begann wohl schleichend und erscheint zu einem bestimmten Punkt nicht mehr umkehrbar. Im Rückblick wird auf den Anfang ihrer Beziehung geschaut, auf ihr inniges Verliebtsein und die Nähe, die auf der Strecke verloren ging.
Als Hauptperson des Romans ist eindeutig Jacob auszumachen. Dabei lässt sich nur mutmaßen, wie viel autobiografische Elemente vom Autor selbst verarbeitet sind, wenn man sich mit seiner Biografie etwas näher auseinandersetzt. Ein zentraler Punkt spielt dabei sein Jüdisch-sein, doch nicht in tief traditionellem Sinn, sondern vielmehr in der Assimilation der meisten amerikanischen Juden.
So ist zwar auch die Bar Mizwa des ältesten Sohnes gegen seinen Willen in Planung, aber mehr wie ein Familienevent. Dazu reisen auch Freude aus Israel an. Wie man sieht, gibt es bei solch einem umfassenden Werk viele Seiten- und Nebenlinien. So lebt auch noch der Großvater von Jacob, ein Überlebender der Shoah. Doch er ist des Lebens müde. Erwähnte ich schon den Familienhund Argus?
Diese persönlichen und familiären Begebenheiten Jakobs werden mit einem fiktionalem Katastrophenszenario in Israel kombiniert. Dadurch ergibt sich eine potentielle Fluchtmöglichkeit für Jakob aus seinem ganzen Schlamassel.
Wahrlich ein Epos. Als Leser bekommt man den Eindruck, eine nach der anderen Gefühlsschleife mit Jacob Bloch zu drehen. Dabei wurde es mir zumindest kaum langweilig. Das Werk erscheint in sich schlüssig. Foer experimentiert mit unterschiedlichen Stilen,was sich zum Schluss hin nochmals radikalisiert. Dieses Werk ist so ganz anders, als die beiden anderen Bücher, die ich bisher vom Autor gelesen habe.
Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob jeder an diesem Roman Gefallen finden kann. Hat man keinerlei Bezug zum Judentum, würde ich nicht zur Lektüre raten. Da ich eine Zeit lang selbst in Israel gelebt habe und mir die jüdischen Traditionen vertraut sind, fand ich das Werk für mich lesenswert (wenn auch mit gewissem 'Sitzfleisch').
- Yvy Kazi
The Dream Of Us
(155)Aktuelle Rezension von: autumn_girlDas Buch klang erstmal vielversprechend: Football, Cheerleading und Collage. Ein typisches NA-Buch. Eine nette Abwechslung, hatte ich gedacht.
Der Start in das Buch war schon sehr klischeehaft und war wenig einfallsreich.
July war eine Prota, mit der ich nicht warm geworden bin, zu der ich keine Verbindung aufbauen konnte. Sie war unsympathisch und nervig. Ihre ständige negative Sicht auf alles, die gleich darauf in etwas zwanghaft positives Veränderungen wurde, als müsste sie sich selbst davon überzeugen. Dazu ihre komplizierte Art und ihr hin und her. Darüber hinaus waren ihre Handlungen fragwürdig (z.B. mag sie Kyle nicht, und schläft trotzdem mit ihm).
Drew dagegen fand ich erfrischend. Ein Charakter, der interessant gewesen ist oder besser gesagt gewesen wäre. Am Ende weiß ich kaum etwas über ihn und auf die Sachen, die ich weiß, wurde nicht weiter eingegangen. Schade, er hätte mehr Raum verdient! Außerdem ist seine Taubheit ein Thema, was viel zu selten in Büchern und im öffentlichen Raum Platz findet, was aufgegriffen wird. Zu kritisieren ist, dass es nicht weiter darauf eingegangen wird.
Die Beziehung zwischen den beiden, wenn man es als solche überhaupt bezeichnen kann, war... verwirrend. Die Chemie war überhaupt nicht vorhanden, beide Charaktere haben überhaupt nicht harmoniert. Das Verhalten, was July gegenüber Drew gezeigt hat, ihre Handlungen waren absolut unverzeihlich. Wie kann Drew eine Beziehung mit ihr wieder aufnehmen?!
Auch die Nebencharaktere waren nicht sehr überzeugend. An sich hätten sie Potenzial, wurden aber nicht als lesenswert dargestellt.
Der ,,große" Plot-Twist in der Mitte war sehr vorhersehbar! Er musste kommen, sonst wäre die Story an der Stelle schon beendet gewesen. Das war ein Teil der Geschichte und insgesamt wirkte das Buch sehr additiv. Übergänge wurden nicht fließend gestaltet.
Gegen Ende wollte man wohl noch Spannung mit einbauen. Ziemlich fehlgeschlagen und sehr unpassend! Fast, als wäre man als Leser in eine Mafia-Romance gestolpert, nur ohne Romance.
Das Ende des Buches kam überraschend abrupt. Das ganze Buch ist nicht besonders dünn und hat sich wirklich gezogen, aber eine Balance zwischen den Anteilen bekommt man nicht hin. Schon fragwürdig!
Der Schreibstil war okay.
Bewertung: 🧁/🧁🧁🧁🧁🧁
- Deniz Ohde
Streulicht
(81)Aktuelle Rezension von: RadagastDieser Roman hatte mich von Anfang an voll abgeholt. Abgesehen von den Protagonisten, der Handlung und dem Schreibstil ging mir dieses Buch an mein Herz. Liegt daran das es Themen aufgreift die wenig spektakulär sind. Momente beschrieben werden die zwar auf den ersten Blick nicht relevant für die Handlung sind, aber im Gesamten alles abrundet.
Ein Vater der in seiner Blase gefangen ist. Sicherheit darin findet diese Blase nicht zu zerstören. Seine Verzweiflung trinkt er sich weg und auch um sozialen Abstand zu wahren. Die Mutter mit einer schwierigen Vergangenheit versucht mit ihren Möglichkeiten ein annehmbares Leben zu leben. Die Tochter selbst introvertiert und durchaus schlau sucht in ihrer Jugendzeit den Weg ins Leben zu finden.
Dieser Weg ist für die Tochter steinig. Lehrer, Nachbarn und Freunde werten sie teilweise ab. Vor allem ihren Schuljahre sind harte Jahre. Sie verlässt die Schule und kommt wieder zurück zur Abendschule. Von der Abendschule ins Gymnasium um das Abitur zu machen. Damit sie endlich etwas wert ist.
Der soziale Spießrutenlauf zeigt auf wie es ist anders zu sein. Anders zu sein dass man normal wirkt und doch nicht dazu gehört, weil man für andere gefühlt nichts tut. Dieses unsichtbar sein und doch mit schwimmen wollen auf eigene Art, lässt sie durch das gesellschaftliche Raster fallen.
Dieses Buch ist mein Highlight 2025. Dieser Roman hat mich berührt und an Stellen meiner Seele wo ich dachte: "Das hast du im Griff". - J. D. Vance
Hillbilly-Elegie
(52)Aktuelle Rezension von: Johann_BaierDie Lebensgeschichte des Running Mate von Trump ist interessant, aber sie trägt wenig dazu bei, den Wahlsieg Trumps oder Vances Entscheidung, Trump zu unterstützen, zu erklären. Das Buch beschreibt den Weg von J.D. Vance aus einer armen Arbeiterfamilie Ohios mit Wurzeln in der Hillbilly-Kultur Kentuckys an die Elite-Uni Yale, ergänzt um einige Kommentare eines gemäßigten Republikaners. Die Botschaft, die er seinen Lesern nahebringen will, ist: die Armen sollen nicht auf den Sozialstaat bauen, sondern auf die eigene Kraft, auf die Familie und auf die Kirche. Die Ursache für ihre Armut sind seiner Meinung nach nicht die bösen Politiker, nicht die bösen Konzerne, sondern ihre Faulheit und geringe Wertschätzung der Bildung.
Er kann sich nicht erklären, warum ein Drittel aller armen Weißen glaubt, dass Obama ein Moslem ist, der Amerika zerstören will, und warum noch mehr Weiße glauben, dass Obama kein Amerikaner ist und deshalb kein Recht hat, Amerika zu regieren. Er kritisiert diese Verschwörungstheorien, nicht nur weil sie falsch sind, sondern weil sie eine Rechtfertigung für die eigene Armut, und vor allem für die eigene Passivität liefern: warum soll ich mich bemühen, voran zu kommen, wenn das Land von Verbrechern regiert wird? Die sind an allem schuld, es geht bergab mit Amerika, ich kann nichts machen außer fluchen und trinken.
Das Buch wurde während der Amtszeit Obamas geschrieben, als die Tea-Party-Bewegung mit diesen Lügen und Hassklischees gegen Obama mobilisierte. Die Wählerschaft Trumps gab es offenbar schon vor Trump. Warum Vance heute Trump unterstützt, der in seiner ersten Amtszeit die Armut der weißen Arbeiterschicht nicht verringert hat, ist aus dem Buch nicht zu erklären. Insbesondere wo seiner Meinung nach der Staat sowieso nicht die Lösung ist, sondern das Individuum, die Familie und die Kirche. In seinem Buch vermeidet Vance es, den Sozialstaat komplett zu verdammen, weil er nur mit dessen Hilfe aus der Armut nach Yale gekommen ist. Nun ist er Teil einer Regierung, die den Sozialstaat verdammt.
Interessant an dem Buch ist, dass das Negativklischee, das die armen Weißen von Schwarzen, Einwanderern und Flüchtlingen haben – faul, kriminell, gewalttätig, unfähig, mit Geld umzugehen, Neigung zu Drogen und Alkohol, frühe Schwangerschaften, verantwortungslose Väter, instabile Familien, Ausnutzung des Sozialstaats (welfare queen) – auch auf sie selbst zutrifft. Sie regen sich darüber auf, dass der Sozialstaat den Schwarzen und Einwanderern hilft, nehmen den Sozialstaat aber trotzdem selbst in Anspruch und wählen eine Partei, die ihn abschaffen will, obwohl es ihnen dann noch schlechter gehen wird. Diese Irrationalität ist eine Erklärung des Phänomen Trump.
Das Buch bestätigt eine Beobachtung, die auch in anderen Studien und Erfahrungsberichten gemacht wird: Lernen in der Schule gilt in der ‚Unterschicht‘ als unmännlich, nur etwas für Frauen, Weicheier und Schwuchteln. Die männlichen Schulabbrecher sorgen für Gewalt, Kriminalität und ungewollte Schwangerschaften, um die sie sich dann nicht kümmern und die das Leben der eigentlich qualifizierten Mütter ruinieren. Diese Männer wählen auch gerne Parteien, die Machos wie sie an der Spitze haben und starke Frauen hassen. Der Rechtspopulismus bringt das Widerlichste der Männerwelt ans Tageslicht.
- Cassandra Clare
Magisterium - Der Schlüssel aus Bronze
(347)Aktuelle Rezension von: Mit_Plan_durchs_BuecherregalFeuer will brennen,
Wasser will fließen,
Luft will schweben,
Erde will verbinden,
Chaos will verschlingen
und Call will leben.
Nach seinen Abenteuern im Kupferjahr, dem zweiten Schuljahr am Magisterium, soll Callum Hunt gemeinsam mit seinen Freunden geehrt werden. Alle glauben, dass der Krieg mit dem Feind des Todes, Constantin Madden, endlich vorbei ist – schließlich hat Callum ihn getötet. Doch was niemand weiß: Die Seele von Constantin lebt weiter – in Call selbst.
Und irgendjemand scheint sein dunkles Geheimnis zu kennen. Jemand, der nicht zu seinen Freunden gehört – und der entschlossen ist, Call zu töten. Sogar Elementarier werden auf ihn gehetzt. Zusammen mit seinen Freunden begibt sich Call auf die Suche nach dem Spion, der ihm nach dem Leben trachtet.
Ich liebe diese Buchreihe einfach! Das Konzept ist erfrischend anders: Die Hauptfigur entdeckt, dass sie selbst der eigentlich Böse in der Geschichte ist. Das verleiht der Handlung eine ganz neue Tiefe und macht die Story unglaublich spannend. Vor allem der Plottwist am Ende hat mich vollkommen überrascht – ich war sprachlos. Und zugleich hat er mich richtig traurig gemacht. Er war nicht nur unerwartet, sondern auch emotional intensiv.
Auch die Charaktere sind überzeugend und lebendig. Besonders gut gefällt mir die Beziehung zwischen Master Rufus und seinen Lehrlingen – Tamara, Aaron und Call –, aber auch die dynamische Verbindung zu Jasper bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.
Am Ende der Geschichte fand ich es besonders gelungen, wie logisch und nachvollziehbar die Figuren gehandelt haben – im Gegensatz zu manchen Filmfiguren, deren Reaktionen oft fragwürdig wirken. Call hat genau die richtigen Fragen gestellt.
Und überhaupt: Ich mag Callum als Hauptfigur total. Sein düsterer Humor trifft genau meinen Geschmack und verleiht der Geschichte noch einmal eine besondere Note.
Ich kann die gesamte Buchreihe jedem nur wärmstens ans Herz legen. Auch wenn ich zugeben muss: Die alten Cover haben mir persönlich besser gefallen (Das auf dem Bild oben, also das mit dem vielen Grün. Wenn ihr wissen wollt was ich meine mit das oben ist besser, googelt mal das neue Cover). ;) - Heinz Strunk
Der goldene Handschuh
(308)Aktuelle Rezension von: AtschiBIch habe vor längerer Zeit den Film gesehen und er geht mir nicht aus dem Kopf. Eher angewidert von der Perversion des Frauenmörders in Hamburg, wollte ich nun doch das Buch lesen. Heinz Strunk beschreibt in bisweilen sehr derber Sprache das Leben und die Gedanken des Frauenmörders Fritz Honkas sowie das seines sozialen Umfeldes und gibt Einblicke das Leben der Familie von Dohren. Das perverse Innenleben des Protagonisten wird teilweise in äußerst vulgärer Sprache dargestellt. Das ich im Film schon abartig und ist im Buch nicht anders. Ich hatte bisweilen Probleme zwischen den verschiedenen Handlungslinien unterscheiden obwohl ich den Film kenne. Der Autor nimmt den Leser mit nach St. Pauli der 70er Jahre, in die Kneipe ‚Zum goldenen Handschuh‘, wo sich Alkoholiker, Zuhälter und Prostituierte treffen. Es ist eine beeindruckende und verstörende Darstellung eines Milieus der völligen Verwahrlosung, in dem keinerlei Hemmungen und Anstand mehr existieren. Honkas Wohnung, wo es vergammelt riecht und unsagbar dreckig ist, in eine Welt, die einem buchstäblich den Atem nimmt und einen mit Schrecken erfüllt. Die gesamte Atmosphäre im Buch erdrückend, düster, verstörend und bisweilen einfach nicht auszuhalten.
- Monika Bittl
Man muss auch mal loslassen können
(95)Aktuelle Rezension von: FeFuIch hatte bei dem Buch auf etwas locker-amüsantes gehofft.
Leider wurde ich enttäuscht. 😔
Das Aufeinandertreffen der drei Damen ist noch recht amüsant.
Jedes Kapitel ist immer aus der Sicht einer anderen Person geschrieben.
Leider tendiert doch sehr bald alles in die Richtung "Politisch", "System", "Kapitalismus", "Linken", "Rechten", etc.
Auch ist der Schreibstil teils etwas unangenehm. So abgehackt. Zu großer Deutsch-Englisch-Mix. Bei der Jessy passt es ja, also vom Charakterbild und ihrer Vergangenheit her. Aber es zieht sich leider durch alle Charaktere. Schöner wäre es, wenn jede/r so seine Eigenarten hätte.
Das ganze Politik-Gefasel hat mir das Buch ziemlich vermiest. Ich hatte mir doch eher etwas zum Schmunzeln und mit dem ein und anderen Lacher erhofft. - Emma Peony
Schlamassel mit Herz
(10)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerEigentlich eine recht schöne Geschichte über das Leben, Freundschaften und das es eigentlich immer einen Zweiten Weg im Leben gibt. Manchmal über Umwege.
Was mir nicht gefallen hat das zu oft vorkam: Die Hände noch oben geworfen oder auch manche Wörter einfach zu oft 3x wiederholt wurden. Auch war es sehr ungewohnt dass mitten im Kapitel wenn ein neuer Abschnitt begann es einfach neu los ging. Ich hätte es schöner gefunden wenn statt des Absatzes ein neues Kapitel angefangen hätte.
- Sophia Como
Dreams so golden
(52)Aktuelle Rezension von: Daniela_FranzelinIch fand diese Geschichte richtig nett. Also sicherlich nicht überragend und weltbewegend, aber einfach nett.
Anfamgs war ich wegen der Thematik "Influencer" und Instagram etwas skeptisch. Ich habe befürchtet, die Story kömnte zu oberflächlich sein. Dann wurde ich aber eines besseren belehrt.
Ich mochte die Thematik Bienen und all die kleinen Weisheiten und Tipps, die man im Laufe der Geschichte dazu liest. Auch die Protagonisten waren mir sehr sympathisch. Und insgesamt hatte ich beim Lesen ein wohliges Glücksgefühl verspürt.
Ich kann das Buch also nur empfehlen.
- Olga Grjasnowa
Juli, August, September
(97)Aktuelle Rezension von: reneeEine Familie. Eine jüdische Familie. Ein Blick auf das Gestern und das Heute. Ein Blick auf die Herkunft. Ein Blick auf dieses „Was sind wir?“. Gerade wenn man sein Leben nicht auf jüdischem Brauchtum und jüdischem Selbstverständnis aufbaut und dennoch jüdisch ist. Was bedeutet das im Jetzt? Ein Blick auf eine Ehe. Ein Blick auf das Gute und das Schlechte, das in dieser Verbindung liegt. Und ein Blick auf Familienkonstellationen, auf innerfamiliäre Zerwürfnisse. Ein Blick auf die Ehrlichkeit und auf die Lügen, die es nun einmal gibt im zwischenmenschlichen Agieren. Denn wer hat immer den Mut zur Ehrlichkeit, eine Ehrlichkeit, die halt manchmal auch weh tut?!?! Man sollte ehrlich sein. Ich weiß. Aber manchmal ist schon ein "Guten Tag." einfach mal nicht so gemeint. Sondern nur eine Höflichkeit, eine Floskel und manchmal auch eine Lüge.
Also eine immens interessante Gemengelage. Und von dieser Grundkonstruktion heraus könnte man meinen, dass mir das Buch gefallen müsste. Die thematische Auswahl hat mir auch gefallen. Aber nicht die Art der Darstellung. Und irgendwie hat mir auch die erzählende Stimme, die erzählende Protagonistin, Lou, nicht zugesagt. Irgendetwas an ihrer Betrachtung, an ihrer Person ist mir sauer aufgestoßen. Sehr sauer. Was irgendwie schade ist!
Wie der Titel schon sagt, begleiten die Lesenden Lou über drei Monate. Der Juli ist in Berlin angesiedelt und zeigt Lous Familie, Lous Ist in ihrer Welt. Und ebenso auch Lous Unzufriedenheit. Vielleicht schon der erste Punkt für mein innerliches Sträuben. Der Blick auf die Tochter und ihren Blick auf die Vergangenheit, ihre Frage nach der Vergangenheit, hat mir wieder sehr gefallen. Dann geht es nach Gran Canaria im August und die familiären Zerwürfnisse stehen zentral. Auch interessant gemacht. Im September geht es für Lou nach Israel, um Nachforschungen zu betreiben, um ihre Sicht auf die Familie zu festigen, neu zu ordnen und auch um sich selbst zu sortieren. Auch hier lässt mich Lou wieder etwas Grummeln. Aber diese Suche im September ist nicht schlecht zu benennen. Dennoch entbrenne ich nicht für das Buch. Warum? Eine Frage, die ich nicht richtig beantworten kann. Das Nicht Auserzählte stört mich etwas, aber nicht so massiv, dass ich es als Grund anbringen könnte. Die Hauptperson, die Erzählstimme Lou ist definitiv kein Wohlfühlcharakter für mich, aber eben auch nicht der Hauptgrund für mein Empfinden. Die Gliederung des Romans in diese drei Monate mit den verschiedenen Plätzen der Handlung zerreißt für mich irgendwie den Erzählfluss, aber auch das kann ich nicht als den Grund schlechthin für das Nicht Genießen können des Buches benennen. Ich weiß es schlussendlich nicht genau. Vielleicht ist es eine Mischung aus allem. Ist irgendwie anzunehmen.
Denn die Thematik des Buches ist eigentlich ein Burner für mich. Nur leider konnte ich hier nicht brennen. Was ich schade finde! Denn das Buch „Der verlorene Sohn“ war richtig gut und ich hatte gehofft eine ebenso inspirierende Lesereise vorzufinden.
Wie so oft bei den Künsten. Dieser Eindruck hier, mein Eindruck eben, ist nur mein Blick. Anderen Lesern hat dieses Buch hier sehr gefallen. Mir nicht. Ich vermute, dass dieses Buch, oder die Erzählstimme in mir etwas triggert und so meine Wahrnehmung beeinflusst. Anders kann ich es mir nicht erklären. Denn rein thematisch gesehen müsste ich brennen. Einfach schade!
- John Niven
Old School
(78)Aktuelle Rezension von: AnneMayaJannika
Als Susans Mann plötzlich verstirbt, bricht eine Welt für sie zusammen. Nicht, weil sie ihren Mann so vermisst, sondern weil er ihr einen Haufen Schulden hinterlassen und auf sehr peinliche Weise abgetreten ist.
Zusammen mit ihrer Freundin Julie, die in einem Altenheim geputzt hat, beschließt sie, die Bank in ihrem Ort auszurauben, denn die Bank und ihre Mitarbeiter waren nicht hilfreich und verständnisvoll bei Susans Misere. Nach dem Raub wollen sie sich nach Südamerika absetzten und einen schönen Lebensabend haben.
Irgendwo auf dem Klapptext steht "als wenn Tarantino Thelma & Louise gedreht hätte". Vielleicht nicht ganz, aber Autor John Niven hat sich zweifellos ausgetobt. Alle Protagonisten schwanken permanent zwischen normal und abgedreht, aber nie gleichzeitig, sodass man das ganze Buch über unter Strom steht. Denke dir ein schlimmes (aber witziges) Szenario aus und es passiert hier. Ein Heiden Spaß beim Lesen, man kann das Buch gar nicht aus der Hand legen.
Fazit: Nicht mein letzter Roman von John Niven! - Sibylle Berg
Vielen Dank für das Leben
(88)Aktuelle Rezension von: StrokelineDas Leben hat es mit Toto nicht gut gemeint und so darf der Lesende mit ihm/ihr auf biographische Reise gehen und seine Etappen Schritt für Schritt miterleben. Diverse (schreckliche) Persönlichkeiten kreuzen Totos Leben und jedes Mal hofft man inständig, ein jeder würde es gut mit dem Protagonisten meinen. Robert, Kasimir und wie sie alle heißen. Verdient hat es Toto auf alle Fälle - selbst wenn man von seiner engelsgleichen Stimme einmal absieht. Hätte er den Durchbruch damit erzielt, wäre es wohl kein Buch von Sibylle Berg. Das weiß man als Lesende vorher. Es ist vielmehr die stilistisch so treffende Beschreibung unserer Gesellschaft. Einfach toll, wie Frau Berg uns allen immer wieder den Spiegel vorhält und uns der Lächerlichkeit (unseres Lebens?!?) preisgibt. Gerade deshalb wird Toto nicht schnell in Vergessenheit geraten - denn auch wenn das Buch Anfangs für mich am Bedrückendsten war, lohnt sich die Lektüre der knapp 400 Seiten auf alle Fälle!
- Penelope Fitzgerald
Die Buchhandlung
(95)Aktuelle Rezension von: AlineCharlyNach dem Tod ihres Mannes beschließt Florence Green einen eigenen Buchladen aufzumachen. Obwohl das Haus renovierungsbedürftig ist und von einem Geist heimgesucht wird, lässt sie sich nicht von ihrem Vorhaben abringen. Zunächst bleibe die Dorfbewohner skeptisch, doch Stück für Stück schaffte es erste Stammkunden zu gewinnen und Umsatz zu generieren. Doch dann beschließt sie den neuen Roman des bisher unbekannten Autors Vladimir Nabokov auszustellen und sorgt so für einen Skandal in dem kleinen beschaulichen Örtchen.
Der Schreibstil der Autorin war angenehm und leicht und so bin ich ganz gut in die Geschichte gestartet. Leider ist das auch schon eines der wenigen Dinge, die ich positiv über dieses Buch berichten kann. Florence ist kein wirklich sympathischer Charakter. Auf mich wirkt sie furchtbar naiv (wer eröffnet einen Buchladen ohne Ahnung von Büchern oder wie man mit Geld umgeht?) und zwischendurch auch eher arrogant. Außerdem hat sich mir bis zum Ende nicht wirklich erschlossen um was es in diesem Buch überhaupt gehen soll. Sie kämpft gegen verschiedene Hindernisse, trifft schlechte Entscheidungen um am Ende eben doch zu verlieren. Wirklich Spannung kam dabei bei mir nicht auf und ich konnte auch bei Florence keine Leidenschaft für ihr Projekt erkennen. Ich habe die ganze Zeit auf den Plot Twist gewartet, der einfach nicht gekommen ist.
Das Buch war zwar leicht und angenehm zu lesen, aber es kam überhaupt keine Spannung auf und so würde ich es ehrlich gesagt auch nicht weiterempfehlen und nur 1,5 Sterne vergeben. - Mirko Bonné
Der eiskalte Himmel
(13)Aktuelle Rezension von: Heinrich_Stefan_NoelkeIch kenne Shackletons Geschichte in mehreren Versionen, doch dies ist mit Abstand die beste, spannendste und ergreifendste von allen. Auch die glaubhafteste. All das könnten die Maenner so erlebt haben. Man ist ganz dicht bei ihnen. Der fiktive Zugang ist absolut gelungen. Mirko Bonné muss unendlich viel recherchiert haben. Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. - Artur Dziuk
Das Ting
(72)Aktuelle Rezension von: Ralf-M-RuthardtZum Buch: Junge Visionäre gründen ein Start-Up. Natürlich in Berlin, wie chic. Sie entwickeln zusammen die App "Ting", welche körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen gibt. Irgendwie ein sehr passendes Thema, im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.
Die App hat großen Erfolg - und jetzt beginnt ein Erzählungsstrang der "nett" und unterhaltsam ist, aber irgendwie auch erwartbar bzw. vorhersehbar. Es ist ein Buch, dass man lesen kann, aber nicht gelesen haben muss.























