Bücher mit dem Tag "schweiz"
751 Bücher
- Thomas Mann
Der Zauberberg
(579)Aktuelle Rezension von: Buchfreundin55Der Zauberberg, erstmals 1924 veröffentlicht, gilt als eines der zentralen Werke der deutschen und europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Thomas Mann, der den Roman in einer Zeit zunehmender politischer und kultureller Umbrüche schrieb, entfaltet auf über siebenhundert Seiten ein dichten Netz aus Philosophie, Psychologie, Politik und Geschichte. Zentrales Moment des Romans ist der Aufenthalt des jungen Ingenieurs Hans Castorp in einem Sanatorium in Davos, der sich zunächst als Besuch zu einer kurzen Zeit erweist, doch durch eine Reihe von Begegnungen, Gesprächen und inneren Bewegungen sich zu einer langen Existenz innerhalb der kurativen Welt der Bergwelt verdichtet.
Die Nacherzählung der Ereignisse erfolgt mit einer Mischung aus nüchterner Detailtreue und dichterischer Verdichtung. Der Roman verwebt multiple Ebenen: die konkrete Handlung im Sanatorium, die intellektuelle Auseinandersetzung der Figuren untereinander, und eine meta-narrative Reflexion über Zeit, Krankheit und Sterblichkeit. Die Chronik des Berg- und Sanatoriumslebens wird durch eine Vielzahl von Dialogen getragen, in denen sich philosophische, politische und medizinische Diskurse begegnen.
Hans Castorp entwickelt sich im Spannungsfeld von Begehren, Zweifel und intellektueller Neugier. Sein Wandel ist eher graduell als dramatisch: Von einem oberflächlich neugierigen, nahezu unentschlossenen Jüngling wird er zu einem Individuum, das die existenzielle Frage nach Zeitlichkeit, Krankheit und Lebensstil ernsthaft sondiert. Die übrigen Figuren fungieren als Doppelgänger und Katalysatoren für Castorps Selbstdeutung. Ihre Stimmen und Ideen stehen in Gegensatz zueinander: Humanismus versus Rationalismus, Aufklärung gegen existentielle Erkenntnis, Lebenskunst gegen asketische Askese. Der Dialog wird so zum Motor des Romans: Er dient nicht nur der Charakterisierung, sondern dient als Feld, in dem sich Ideen gegenseitig testen, widerlegen oder bestätigen.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Krankheit als Metapher. Krankheit wird nicht bloß als medizinischer Zustand beschrieben, sondern als Zustand des Denkens und des Lebensstils. Als solcher fordert sie die Zeitgenossen heraus, die Grenzen von Gesundheit, Normalität und Freiheit neu zu definieren. Der Roman verhandelt die Frage, ob Krankheit eine Art Lehrmeister für das Bewusstsein sein kann oder vielmehr eine Bedrohung, die den Blick verengt. Manns Darstellung der Krankheiten – einschließlich der Tuberkulose, der als politische Metapher fungieren kann – bietet eine vielschichtige Perspektive auf Gesellschaft und individuelle Verantwortung. Der Zauberberg ist unauflöslich mit den politischen und philosophischen Umbrüchen seiner Epoche verbunden.
- Pascal Mercier
Nachtzug nach Lissabon
(1.390)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der introvertierte Altphilologe Raimund Gregorius dessen Alltag aus Ritualen, Büchern und seiner Tätigkeit als Lehrer besteht. Ein zufälliges Treffen mit einer geheimnisvollen Frau auf dem Weg zur Schule und ein portugiesisches Buch voller existenzieller Gedanken, die er zufällig in einer Buchhandlung entdeckt, reißen ihn aus dieser Ordnung heraus und er begibt sich auf die Spuren des Autors ebendieses Buches, was ihn nach Lissabon führt. Die Handlung liest sich wie eine Reise durch Lissabon mit seinen Stationen, die einzeln für sich eine weitere neue Facette sowohl des Autos Prado als auch Gregorius‘ freilegen. Hierbei wechseln sich Passagen mit Schilderungen Nahestehender Prados über ebendiesen, Passagen seines Buches und innerer Empfindungen und Gedanken Gregorius‘ ab. Die stille und langsame Handlung lebt vor allem von der Atmosphäre, den inneren Bewegungen und den Begegnungen.
Bei den Protagonisten stehen sowohl Gregorius als auch Prado klar im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung, die die beiden im Verlauf des Buches vollziehen. Aber auch relevante Nebenprotagonisten erleben eine nachvollziehbare und schöne Entwicklung, die der Geschichte eine zusätzliche Facette und Tiefe verleiht. Wer stille und tiefgründige Romane mit philosophischem Tiefgang und existenziellen Fragestellungen mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist philosophisch, klar und teils anspruchsvoll, was gut zur Handlung passt.
Minuspunkte: Das bereits erwähnte langsame Handlungstempo war an einigen Stellen sehr zäh und der philosophische Einschlag war mancherorts ein wenig zu anspruchsvoll.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Lucinda Riley
Die sieben Schwestern
(1.348)Aktuelle Rezension von: winter-chillLucinda Riley bedient mit ihren Familiengeheimnis-Romanen ein Genre, das ich total gerne lese und das Konzept der „Sieben Schwestern“-Reihe hat mich eigentlich von Anfang an angesprochen. Allerdings hatte ich vor etlichen Jahren einen Einzelband der Autorin gelesen („Der Lavendelgarten“), der mich leider überhaupt nicht abgeholt hat. Weil mich die Neugier auf die sieben Schwestern aber nicht losgelassen hat, wollte ich dem Ganzen aber jetzt doch mal eine Chance geben. Ich kann schon mal so viel sagen: bereut habe ich es auf gar keinen Fall.
Im Auftakt der Reihe nimmt zunächst die Rahmenhandlung der Geschichte einen großen Teil ein: Pa Salt, ein geheimnisvoller Geschäftsmann, hat über die Jahre hinweg 6 Mädchen adoptiert, die er nach dem Siebengestirn der Plejaden benannt hat. Wohl behütet sind die Schwestern in einem herrschaftlichen und abgelegenen Anwesen am Genfer See aufgewachsen. Keine der Mädchen kennt ihre Wurzeln und bisher hat auch keine nach ihrer Herkunft gefragt. Als Pa Salt überraschend stirbt, hinterlässt er jeder seiner Töchter einen Hinweis auf ihre Vergangenheit.
Im ersten Band ist es nun die älteste Tochter, Maia, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht. Ihre Reise führt sie zu einer alten Villa in Rio de Janeiro, wo sie auf die Spuren von Izabela Bonifacio stößt, einer jungen Frau aus den besten Kreisen der Stadt, die in den 1920er Jahren dort gelebt hat. Maia taucht ein in Izabelas faszinierende Lebensgeschichte, die vor allem von einer tiefen und zugleich tragischen Liebe geprägt war. Dabei beginnt Maia zu begreifen, wer sie wirklich ist und was das für ihr Leben bedeutet.
Die Reihe hat Potenzial und der Auftakt hat mir ganz gut gefallen. Die Geschichten um Maia und vor allem Izabela haben mich unterhalten und auch berührt. Gerade der Part, der in den 1920er Jahren spielt, hat mir sehr gut gefallen: so werden wir hier nicht nur Zeuge einer tragischen Liebesgeschichte, die an den Konventionen ihrer Zeit scheitert, sondern erfahren auch einiges über den Bau des Cristo Redentor, der berühmten Christusstatute auf dem Berg Corcovado in Rio. Izabela wächst einem sehr ans Herz und man leidet regelrecht mit ihr mit.
Und dann ist da natürlich die Rahmenhandlung der Reihe, die einen gewissen Spannungsbogen über die Gesamtgeschichte legt: War ist Pa Salt, warum hat er die Mädchen adoptiert und warum hat er sie nach den Plejaden benannt? Auf den ersten Blick wirkt die Reihe tatsächlich auch sehr durchdacht. Man hat nicht das Gefühl, es hier einfach nur mit 7 Büchern, in denen 7 Frauenschicksale abgehandelt werden, zu tun zu haben, sondern es scheint am Ende schon auf ein große Ganzes zusammenzulaufen. Mal schauen, ob der Eindruck bleibt.
Nicht ganz so abgeholt hat mich der Schreibstil. Lucinda Riley schreibt meiner Meinung nach etwas antiquiert und hochgestochen. Bei den Handlungssträngen, die in der Vergangenheit spielen, hat das zwar gepasst, aber bei den Szenen in der Gegenwart wirkten die Dialoge dadurch etwas steif, geschwollen und altbacken. Mich hat es beim Lesen oft tatsächlich etwas irritiert, solche Sätze aus dem Mund einer Anfang 30-Jährigen im Jahr 2007 zu hören, auch wenn sie vielleicht aus gutem Hause kommt.
Trotz allem aber ein schöner Roman mit der richtigen Mischung aus Spannung, Liebe, Geheimnissen und Historik. Ich werde die nächsten Bände auf jeden Fall lesen.
- Dan Brown
Illuminati
(5.149)Aktuelle Rezension von: Petra_Praxmarer📖 Illuminati – Dan Brown
⭐⭐⭐⭐⭐Ich muss sagen: Die Illuminati haben mich echt gepackt. 😄
Ich mag Geschichten mit historischen Hintergründen sowieso total gerne und hier bekommt man davon wirklich einiges: Rom, der Vatikan, alte Symbole, die Illuminaten, Wissenschaft, Religion und mittendrin eine riesige Verschwörung. Genau mein Ding!
Besonders cool fand ich die ganzen Rätsel und Hinweise. Ich hatte ständig das Bedürfnis, selbst mitzurätseln oder nebenbei nachzuschauen, weil ich wissen wollte: „Okay, gibt es das jetzt wirklich oder hat Dan Brown sich das ausgedacht?“ 😂
Robert Langdon mochte ich auch sehr. Er rennt zwar gefühlt ohne Pause durch halb Rom, aber gerade seine Art, Symbole und Hinweise zu entschlüsseln, hat mir gefallen. Ich mag solche Figuren einfach lieber als den typischen Actionhelden, der jedes Problem mit einer Waffe löst.
Natürlich ist die Geschichte stellenweise ziemlich übertrieben und man sollte wahrscheinlich nicht alles hinterfragen. 😅 Aber ganz ehrlich: Mir war das egal. Ich wollte wissen, was als Nächstes passiert, und genau das muss ein guter Thriller für mich schaffen.
Vor allem die Mischung aus echten Orten, Geschichte und Fiktion hat mir richtig gut gefallen. Danach bekommt man direkt Lust, nach Rom zu fahren und sich die ganzen Schauplätze selbst anzusehen. 😂
Für mich definitiv ein richtig gutes Buch – und wahrscheinlich nicht mein letztes Dan Brown!
⭐⭐⭐⭐⭐ 5/5
- Lucinda Riley
Die Sturmschwester
(909)Aktuelle Rezension von: SarahWants2ReadWorum geht es?: Ally d’Aplièse steht an einem Wendepunkt: Ihre Karriere als Seglerin strebt einem Höhepunkt entgegen, und sie hat den Mann gefunden, mit dem sich all ihre Wünsche erfüllen. Da erhält sie völlig unerwartet die Nachricht vom Tod ihres geliebten Vaters. Ally kehrt zurück zum Familiensitz am Genfer See, um den Schock gemeinsam mit ihren Schwestern zu bewältigen. Sie alle wurden als kleine Mädchen adoptiert und kennen den Ort ihrer Herkunft nicht. Aber nun erhält Ally einen mysteriösen Hinweis durch ein Buch in der Bibliothek ihres Vaters – die Biographie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Allys Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf die Reise in das raue Land im Norden. Dort wird sie ergriffen von der Welt der Musik, mit der sie tiefer verbundener ist, als sie es je hätte ahnen können. Und Ally begreift zum ersten Mal im Leben, wer sie wirklich ist ...
Das Cover: Das Cover von "Die Sturmschwester" ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Es fügt sich perfekt in die Gestaltung der anderen Bände der Reihe ein und vermittelt mit seinem etwas düsteren Ton genau die Stimmung, die zum oft tristen Wetter Norwegens passt. Die Atmosphäre, die das Cover ausstrahlt, harmoniert wunderbar mit der Geschichte, auch wenn es insgesamt etwas dunkler wirkt als erwartet.
Der Schreibstil: Lucinda Riley bleibt ihrem vertrauten Schreibstil treu. Das Buch wird zum einen aus der Gegenwartsperspektive von Ally erzählt, zum anderen begleitet man Jens Halvorson und später seine Frau Anna in der Vergangenheit. Besonders überraschend war für mich, dass die Geschichte von Jens und Anna noch weitergeführt wurde und plötzlich eine weitere Generation in den Fokus rückte – das hat mich kurz verwirrt, wurde aber letztlich sehr stimmig ineinander verwoben. Trotz der gelungenen Verknüpfung beider Erzählstränge hat mir in diesem Band die Leichtigkeit gefehlt, die ich aus anderen Büchern der Autorin kenne. Selbst die Liebesgeschichte bleibt eher kurz und ist von einer tragischen Note geprägt.
Die Hauptfiguren: Ally, die zweite Tochter der Familie d’Aplièse, steht im Mittelpunkt der Gegenwartshandlung. Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie eigentlich kein Interesse daran, ihre leibliche Familie zu suchen. Doch sie steckt in einer tiefen Krise, weiß nicht, wohin ihr Weg sie führen soll, und selbst in ihrem Beruf als Seglerin ist sie unsicher geworden. Ally hat bereits so viel durchgemacht, und nach Pa Salts Tod dachte ich, es könne kaum noch tragischer werden – doch Lucinda Riley setzt hier emotional noch einen drauf. Trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit und Schwere wächst Ally einem im Verlauf der Geschichte ans Herz, und man wünscht ihr nur das Beste.
Endfazit: "Die Sturmschwester" bleibt eine schöne Fortsetzung der Reihe, auch wenn sie für mich nicht ganz an den ersten Band heranreicht. Die fehlende Leichtigkeit und einige etwas langatmige Passagen haben meinen Lesefluss gelegentlich gebremst. Dennoch ist die Geschichte spannend erzählt, besonders das Ende, und Ally ist eine Figur, die man gern begleitet. Ich bin gespannt auf die weiteren Bände und darauf, wie sich die Geschichten der Schwestern weiterentwickeln.
Das Buch erhält von mir gute 3,5 von 5 Sternen.
- Erin Watt
Paper Princess
(2.289)Aktuelle Rezension von: BiblioLoniNach dem Tod ihrer Mutter steht Ella plötzlich ganz allein da. Alles, was sie über ihren Vater weiß, ist sein Name: Steve. Was sie jedoch nicht ahnt: Er war ein erfolgreicher Unternehmer. Als auch er stirbt, macht sich sein bester Freund Callum auf die Suche nach ihr. Doch was Ella nicht kommen sieht: Das Leben unter einem Dach mit seinen fünf Söhnen wirbelt alles durcheinander ... besonders ihre Gefühle für Reed werden zur echten Herausforderung.
Ehrlich gesagt: Das Cover hätte mich allein nicht zum Kauf bewegt, aber der Klappentext klang so spannend, dass ich dem Buch eine Chance geben musste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Schreibstil ist super flüssig, emotional und bildhaft. Ich konnte mich richtig gut in die Charaktere hineinfühlen.
Ella hat mich total beeindruckt. Sie ist wahnsinnig stark, musste viel zu früh Verantwortung übernehmen und hat alles getan, um sich und ihre kranke Mutter über Wasser zu halte ... sogar als Stripperin gearbeitet. Ich liebe, wie schlagfertig sie ist, besonders gegenüber Callums Jungs. Ihre Stärke, ihr Humor, ihre Haltung. Sie war mir sofort sympathisch. Und doch ist da auch diese weiche, verletzliche Seite, die sie bei Reed zeigt. Was zwischen den beiden entsteht, ist intensiv, aber auch kompliziert. Und dann diese Wendung... sie hat mir wirklich das Herz gebrochen.
Reed! Callums zweitältester Sohn, ist der klassische Bad Boy: attraktiv, kühl, unnahbar. Er sieht in Ella anfangs nur eine Störquelle, jemand, der seine Familie auseinanderbringen könnte. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr knistert es. Und das schon von der ersten Begegnung an. Ihre ständigen Reibereien, das gegenseitige Necken... ich hab’s geliebt. Und wenn sie sich dann doch mal näherkommen .. wow.
Auch die Freundschaft zu Valerie war für mich ein Highlight. Sie gibt Ella Rückhalt in dieser versnobten High-Society-Welt, und die beiden zusammen sind einfach unschlagbar. Schön zu sehen war auch, wie Easton gegen Ende zu einer wichtigen Bezugsperson für Ella wurde.
Und dann kam das Ende! Und ich saß mit offenem Mund da. So ein Cliffhanger! Ich hab das Buch in Rekordzeit verschlungen und Teil zwei liegt schon bereit. Ich hoffe so sehr, dass die Geschichte genauso fesselnd weitergeht! - Kerstin Gier
Wolkenschloss
(1.601)Aktuelle Rezension von: NiyaEigentlich bin ich eine leidenschaftliche Kerstin-Gier-Leserin, doch dieses Buch hat bei mir keine eindeutige Meinung hinterlassen. Einerseits empfand ich die Erzählung über weite Strecken als langatmig, fast so, als würde die Handlung nicht richtig in Gang kommen. Andererseits kommt am Ende doch Bewegung in die Geschichte, sodass man zumindest mit einem kleinen Spannungsbogen belohnt wird.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Wolkenschloss für jüngere Leser*innen deutlich interessanter ist als für mich: die Atmosphäre, die Figuren, das Setting - all das spricht vermutlich stärker ein jüngeres Publikum an, das sich leichter von der märchenhaften Hotelwelt mitreißen lässt.
Für mich persönlich bleibt es ein Buch mit Licht und Schatten: angenehm geschrieben, aber nicht so packend, wie ich es von Kerstin Gier gewohnt bin.
- Milan Kundera
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
(1.176)Aktuelle Rezension von: VeeziIch habe das Buch a) wegen dem Buchclub und b) wegen der "99 Bücher, die man gelesen haben muss" Challenge gelesen. Aber warum dieses Buch dazu zählt, habe ich keine Ahnung. Tomas und Theresa, Franz und Sabine sind alles Charaktere, die schwer zu ertragen sind. Tomas und Theresa sind in einer absolut toxischen Beziehung, Sabina treibt es gefühlt nur mit verheirateten Männern und Franz, als Professor, iwie total naiv. Kann ich gar nicht anders beschreiben. Knapp 300 Seiten und ich möchte einfach nicht mehr drüber nachdenken. Die wichtigen Themen, wie die Kommunistische Zeit von Russland über Polen und Tschechien kommt für meinen Geschmack viel zu Wenig zur Geltung. Stattdessen drehen wir uns um die Beziehungen der zwei Paare (die auch miteinander verknüpft sind) immerzu im Kreis.
- Fjodor M. Dostojewski
Der Idiot
(290)Aktuelle Rezension von: KarandiWas ich an den Romanen von Dostojewski am meisten schätze, ist, dass sie kein happy end im herkömmlichen Sinne haben. So auch im Buch der Idiot, wo man eigentlich gar nicht davon reden kann, dass ein happy end zu Stande gekommen ist. Die Hauptfigur ist mitfühlend und wie man so schön sagt, treu doof und zu gut für diese Welt. Trotzdem ist dieses Buch schön zu lesen, denn es ist ein auf und ab der Gefühle und spiegelt sehr schön wieder, was Liebe, Zorn, Mitgefühl, Ehrlichkeit und noch weitere andere Attribute für eine Wirkung haben kann.
- Lucinda Riley
Atlas - Die Geschichte von Pa Salt
(279)Aktuelle Rezension von: julestodoIch habe die ganze Serie gelesen, aber dieses Buch löst so manche Frage, die beim Lesen der anderen Bücher aufgetaucht sind.
Ich finde, es ist nicht zu merken, dass Harry Whittaker weitergeschrieben hat.... alles ist so herzlich geschrieben und beschrieben, dass es eine wahre Freude war, dieses Buch zu lesen.
Die Auflösung der Frage, was mit der Familie und vor allem mit Pa Salt und auch mit Kreeg Eszu in der Kindheit und im weiteren Leben passiert ist, war sehr interessant zu lesen und hat manche Gedankengänge, die bei mir im Laufe der Lektüre der Bücher immer wieder aufgetaucht sind, geklärt.
Dieses ist kein Buch, das man einzeln lesen kann, dafür sollte man schon die ganze Reihe lesen und die Entwicklung der Geschichte mit erleben!
- Lucinda Riley
Die Mondschwester
(475)Aktuelle Rezension von: BuechervorhersageTiggy war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie ist freundlich, sehr empathisch und hat einen sechsten Sinn. Ihre Wahlheimat in Schottland bei den Wildtieren passt zu ihr und es wirkt anfangs sehr idyllisch. Doch dann zieht Tiggy auf einmal menschliche Dramen an und beschließt spontan zu verschwinden und stattdessen ihre Herkunft in Spanien zu erforschen. Dort muss sie auch nicht lange nach ihrer Verwandtschaft suchen. Die Geschichte in der Vergangenheit gibt einen guten Einblick in das Leben der Romastämme, doch ich muss sagen, dass mir ihre Großmutter und ihr Urgroßvater sehr unsympathisch waren. Nicht umsonst gibt es den Spruch Erfolg verdirbt den Charakter. Das Ende hat noch eine süße flauschige Überraschung bereitgehalten, die ich ganz schön fand. Insgesamt hat mir die Geschichte und das Setting besser gefallen als im vorherigen Band, aber einige Charaktere haben mich gestört und unnötig viel Drama eingestreut.
- Max Frisch
Homo faber
(3.297)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der Ingenieur und überzeugter Rationalist Walter Faber, der auf einer Reise eine Kette von unwahrscheinlichen Zufällen durchlebt, die ihn in eine persönliche Katastrophe stürzen, seine gesamte Weltsicht zum Einsturz bringen und ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren. Die stille Handlung ist geprägt von einer vielschichtigen Erzählstruktur voller Rückblenden, Reflexionen, Perspektivwechsel und teilweise überbordender Symbolik und Subtext, was an einigen Stellen ein wenig zäh wirkt.
Walter/Homo Faber steht im Mittelpunkt der Handlung, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird und wird eher sachlich, kühl und distanziert dargestellt. Relevante Nebenfiguren wie Sabeth oder Hanna bilden einen gekonnt maximalen Kontrast zu Walter, was stark zur Symbolik des Buches beiträgt.
Wer psychologische Figurenstudien und innere Konflikte im Mittelpunkt einer Geschichte mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist nüchtern, analytisch und die kurzen Sätze sind ein großes Merkmal der Geschichte.
Einziger Minuspunkt: Der teilweise überbordende Subtext wirkt an einigen Stellen sehr zäh und mindert den Lesespaß ein wenig.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Ayla Dade
Blackwell Palace. Risking it all
(322)Aktuelle Rezension von: FeelblackEs tut mir so leid für alle Fans von Ayla Dade. Aber das war sowas von langwierig und echt ermüdend. Man hätte locker 200 Seiten weglassen können. Ich bin ziemlich schnell aufs Hörbuch umgestiegen und hab die Zahl mal deutlich nach oben gedreht. Ich wollte wirklich fertig werden. Das Ende hat mich dann das erste Mal so richtig mitgenommen und das hätte ich mir so für das ganze Buch gewünscht. Jetzt habe ich sie komplette Reihe hier stehen also werde ich die anderen 2 auch noch durchziehen. Ich hoffe es nimmt Fahrt auf.
- Lucinda Riley
Die Schattenschwester
(721)Aktuelle Rezension von: Buechervorhersage4,5 Sterne
Auf die Geschichte der ruhigen Star, die bisher immer nur im Schatten ihrer Schwester aufgetaucht ist, war ich sehr gespannt. Es war schön zu lesen, wie sie über sich hinauswächst und mutiger wird. Sie trifft auf sehr interessante Charaktere, denen sie ans Herz wächst, und findet einen Ort, der besser zu ihr passt als die Großstadt. In dieser Geschichte fühlte sich der Gegenwartsstrang etwas präsenter an als in den vorherigen Bänden, was mir gut gefallen hat. Der Vergangenheitsstrang war jedoch sehr verwirrend und am Ende war es schwer nachzuvollziehen, mit dem sie auf welche Art und Weise verwandt ist. Trotzdem hat mir das Ende gut gefallen.
- Mary Shelley
Mary Shelley, Frankenstein. Ein Schauerroman
(642)Aktuelle Rezension von: Susi180Mary Wollstonecraft Shelley (1797–1851) wurde im englischen Somers Town geboren. 1814 folgte sie dem Dichter Percy Bysshe Shelley auf den Kontinent und lebte dort mit ihm zusammen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete sie ihn 1816. Gemeinsam mit Lord Byron unternahmen beide eine Schweizreise, während der der Roman »Frankenstein« entstand. Percy Shelley starb bereits 1822; daraufhin kehrte Mary Shelley nach England zurück und widmete sich ganz der Herausgabe der Werke ihres Mannes.
Meine Meinung:
Endlich habe ich dieses Buch gelesen. Was war das für ein Projekt. Ich hatte es so oft angefangen, und dann immer wieder zu Seite gelegt. Es hat einfach nie gepasst von der Stimmung. Jetzt aber, habe ich es beendet.
Am Anfang kam ich überhaupt nicht rein. Ich kam mit der Sprache nicht so gut zurecht. Was keinesfalls heißt, das diese schwierig zu lesen ist. Aber es was einfach nicht meins. Und dann kam der Moment, wo ich richtig Lust hatte das Buch zu lesen. Ich muss allerdings dazu sagen, ich hatte vorher den Film geschaut.
Wenn man die Geschichte erst mal auf sich wirken lässt, die Figuren ins Herz geschlossen hat, erwartet einen hier was sehr emotionales. Und das hätte ich ja gar nicht erwartet. Es ist eben nicht das Böse, sondern eigentlich das was uns Menschen ausmacht und wonach wir uns sehnen. Liebe und Zuwendung.
Das Buch hat mich am Ende wirklich begeistert. Und wenn man mal überlegt, wie alt diese Geschichte schon ist. Wahnsinn, wie aktuell doch die Thematik. Das Buch hat eine klare Botschaft die mich wirklich mitgerissen hat. Ein Klassiker der nichts an seiner Stärke verloren hat. Ich kann nur sagen, haltet auf den ersten Seiten durch, es lohnt sich. Und am Ende lies es sich super flüssig lesen.
- Martin Suter
Elefant
(317)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeIm Mittelpunkt der Geschichte steht ein sehr kleiner rosa Elefant, der im Dunkeln leuchtet, 40cm lang und 30cm hoch. Er ist eine Genmanipulation des Forschers Dr. Roux, der mit der Züchtung leuchtender Haustiere als Luxusspielzeug den großen Reibach machen möchte. Mit diesem kleinen Elefant geht es für ihn um Alles. Aber das kleine Tierchen gerät über Umwege in den Unterschlupf des Obdachlosen Schoch. Zusammen mit der Tierärztin Valerie Sommer versuchen sie, den kleinen Elefanten zu retten. Doch nicht nur Dr. Roux und sein chinesischer Kompagnon suchen nach dem Elefanten, sondern auch der burmesische Elefantenführer Kaung, der die kleine Elefantenkuh nach deren Geburt versteckt hat und in ihr ein heiliges Wesen sieht.
Der Schreibstil des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Viele kurze Sätze, fast schon im Nachrichtenstil. Auf den ersten Blick ungewohnt zu lesen, aber interessanterweise eloquent und flüssig. Von Beginn an zieht der Autor den Spannungsbogen hoch und bis auf wenige kurze Längen gelingt es ihm, diesen zu halten. Schade ist aber, dass Gut und Böse von vornherein klar erkennbar und vorhersehbar sind. Etwas zu einseitig werden die Charaktere dargestellt und etwas zu sehr getrimmt, auf das, was sie gesellschaftlich widerspiegeln solle. Dazu kommt etwas burmesische Exotik und auch die Liebe darf nicht fehlen und schon ergibt es ein völlig unerwartetes Buch.
Mein Fazit: Auch wenn ich die Story durchaus etwas zu seicht, etwas zu schwarz und weiß empfand, habe ich das Buch in kürzester Zeit durchgelesen und mich in den kleinen Elefanten verliebt. Das Buch war definitiv mal etwas Anderes und nicht meine letzte Lektüre des Autors.
- Friedrich Dürrenmatt
Der Besuch der alten Dame
(1.902)Aktuelle Rezension von: nina17sDürrenmatt hat mit dem Drama zu "Der Besuch der alten Dame" wirklich etwas großartiges geschaffen.
Durch das merkt man erst wie sehr man sich von Geld und auch von dem Gruppenzwang zu furchtbaren Taten hinreißen lassen kann und die Schuld selbst nicht bei sich zu sehen.
Die Anspielungen zwischen drinnen waren wirklich sehr gut durchdacht und haben genau die Stimmung vermittelt die, die Szene haben sollte.
- Vera Buck
Runas Schweigen
(234)Aktuelle Rezension von: katiandbooksParis, 1884. Der Schweizer Medizinstudent Jori hat es an die Salpêtrière geschafft, die bekannteste psychiatrische Anstalt Europas. Um seiner großen Liebe zu helfen, will er unter dem angesehenen Neurologen Charcot endlich seinen Doktortitel machen. Als das Findelkind Runa in die Klinik eingeliefert wird, sieht er seine Chance, mit einer völlig neuartigen Operation zu promovieren: er will die Hysterie, eine vor allem unter Frauen grassierende psychiatrische Krankheit, aus dem Hirn des Mädchens herausschneiden. Doch dieser Plan birgt enorme Risiken für alle Beteiligten, und Jori ahnt nicht, dass Runa bereits Botschaften in ganz Paris hinterlassen hat, die einen Skandal zur Folge haben könnten.
„Runa“ – mittlerweile „Runas Schweigen“ – wurde vor 10 Jahren veröffentlicht und lief zu der Zeit auf Booktube einmal hoch und runter, und wahrscheinlich liegt es auch ungefähr seitdem ungelesen bei mir herum, weil es über 600 Seiten hat, die ordentlich vollgeschrieben sind und wir in Zeiten von Hypes, Tropes und Spicelevels doch alle keine Zeit mehr haben.
Ihr solltet euch aber bitte die Zeit dafür nehmen, wenn ihr es noch nicht kennt.
Vera Buck setzt ihren Protagonisten Jori unter historische Persönlichkeiten wie den Neurologen Charcot, den Psychiater Paul Eugen Bleuler und dessen Schwester Pauline in die real existierende Klinik Salpêtrière, wo sie die Leser*innen direkt zu Beginn ins kalte Wasser wirft: eine Vorlesung von Charcot, die mehr ein Vorführen von unter „Hysterie“ leidenden Frauen ist, die, wenn sie nicht für’s Publikum agieren, wie er möchte, so lange mit Stöcken körperlich misshandelt werden, bis sie zu genau der Zirkusnummer werden, die er vorgesehen hat.
Mit der Einweisung des etwa 10jährigen Mädchens, das Runa genannt wird, beginnt eine Art Kriminalhandlung, die hin und wieder sogar leichte Mysteryelemente beinhaltet und unaufhaltsam in eine Katastrophe führt – wenn man in dieser Klinik nicht schon längst mittendrin ist.
Dabei erzählt Buck – bis auf kurze Passagen eines Ich-Erzählers – die ganze Zeit über aus der Sicht eines auktorialen Erzählers, der aber immer wertend ist, was die Be- bzw. Misshandlung der Patientinnen aber auch von Tieren, die zu dieser Zeit für Versuche oder die aufkommende Moderne (z.B. als Arbeitseinsatz in einer Großbäckerei) benutzt werden, angeht, während vor allem die Hauptfigur Jori über lange Zeit hinweg sehr naiv bleibt, sehr fasziniert von den Methoden seiner Mentoren und diese auf dem neuesten Stand der Wissenschaft wähnt – natürlich, denn das war sie damals schließlich. Aus heutiger Sicht ist das jedoch teilweise unerträglich zu lesen, nicht nur wie die Frauen und Tiere behandelt werden, sondern auch über dieses Wolkenkuckucksland, in dem der Protagonist schwebt.
Lange Zeit laufen verschiedene Handlungsstränge parallel, die, sobald die Autorin beginnt, sie miteinander zu verweben, immer wieder für Überraschungen sorgen, die man eigentlich hätte kommen sehen müssen. Auch der Ich-Erzähler, der hier und da auftaucht, erstmal seine ganz eigene, zu absolut nichts passende Geschichte hat und von dem man sich fragt, was der da eigentlich überhaupt zu suchen hat, fügt sich wunderbar passend in das Puzzle, das sich nach und nach zusammensetzt.
Fazit: Keine Kapitel, vollgeschriebene 600 Seiten, dann auch noch historisch: ein No Go auf Book Social Media? Sollte es jedenfalls nicht sein. Und es wird auch nicht mein letztes Buch von Vera Buck bleiben. Von mir bekommt „Runa“/“Runas Schweigen“ 4,5****.
(übrigens … wer kommt denn bitte auf die Idee, ein Buch umzubenennen? Das nervt doch wie Hulle) - Judith Kerr
Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Band 1-3 (Ein berührendes Jugendbuch über die Zeit des Zweiten Weltkrieges) (Rosa Kaninchen-Trilogie, 1-3)
(454)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Berlin, 1933: Von einem Tag auf den anderen verändert sich das Leben der 9-jährigen Anna für immer. Ihre jüdische Familie sieht sich gezwungen mit ihr außer Landes zu fliehen als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen. Anna verliert ihr Zuhause und muss unter anderem ihr geliebtes Kuscheltier – ein rosarotes Kaninchen – zurücklassen. Die Familie lässt sich schließlich in der Schweiz nieder und versucht sich dort ein neues Leben aufzubauen, aber die Schwierigkeiten hören nicht auf. Bald schon ist ein erneuter Umzug erforderlich und es geht für Anna nach Frankreich…
„Ich meine nur, wir sollten zusammenbleiben“, sagte sie, „es ist mir gleich, wo oder wie. Es ist mir gleich, wenn die Umstände schwierig sind, wenn man zum Beispiel kein Geld hat […] – wenn wir nur alle vier zusammenbleiben.“ (S. 165)
Meine Meinung:
Es hat mich überrascht wie sehr mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen hat. Natürlich wusste ich schon vorher, dass dieses Buch allgemein sehr bekannt und auch beliebt ist, aber ich hatte dennoch nicht erwartet, dass es mir so sehr gefallen würde. Obwohl die Geschichte kindgerecht erzählt wird vermocht sie es auch mich als erwachsene Leserin mitzureißen.
Anna ist eine sehr sympathische und liebenswerte Hauptperson und man kann sich sehr gut in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es ist bemerkenswert mit wieviel positivem Denken, Engagement und auch Tapferkeit sie neuen Situationen begegnet. Anna gibt nie auf auch wenn es durchaus Momente gibt in denen sie verständlicherweise sehr traurig ist und zu verzagen droht. In diesen Momenten leidet man sehr mit ihr. Es ist interessant, dass man die Geschehnisse aus Annas kindlicher Sicht erlebt. Aufgrund ihres Alters kann sie zunächst die Tragweite der politischen Entwicklungen noch nicht vollumfänglich erfassen und sie versteht nicht alles, was sie aus den Gesprächen der Erwachsenen aufschnappt. Ihre kindliche Sichtweise macht Vieles umso dramatischer und persönlicher. Was abstrakt als „Konfiszierung jüdischen Eigentums“ bezeichnet wird bedeutet für sie persönlich, dass sie ihr Kinderzimmer, die meisten ihrer Spielsachen und insbesondere ihr geliebtes rosarotes Kaninchenstofftier verliert. Für Anna bedeutet die Machtergreifung der Nationalsozialisten, dass sie ihr Zuhause und all ihre Freunde hinter sich lassen muss und sich in einem fremden Land zurechtfinden muss.
Da ich ohne Vorwissen an die Geschichte herangegangen bin wurde ich davon überrascht, dass der Haupthandlungsschauplatz der Geschichte gar nicht Deutschland ist. Da Anna mit ihrer Familie gleich zu Beginn des Buches außer Landes flieht, spielen sich die nachfolgenden Geschehnisse ausschließlich in der Schweiz und in Frankreich ab. Über die politischen Entwicklungen und die Lage in Deutschland erfahren die Hauptpersonen somit nur durch Zeitungsartikeln, Radioreportagen und durch Briefe von in Deutschland gebliebenen Bekannten. Trotzdem ist die Bedrohungslage für Anna und ihre Familie spürbar und man kann gut verstehen, dass sie sich Sorgen machen, dass sie möglichweise auch in den Nachbarländern nicht mehr lange sicher sein werden.
Während viele Geschichten mit einer geglückten Flucht aus dem Einflussbereich der Nationalsozialisten enden, wird hier gezeigt, dass damit dennoch nicht alle Probleme beseitigt sind. Natürlich hat Annas Familie mehr Glück und ist privilegierter als all die jüdischen Familien, die es sich nicht leisten konnten Deutschland zu verlassen. Einfach ist ihre Lage aber dennoch nicht, denn Annas Vater hat es schwer eine anständig bezahlte Arbeit zu finden, die Ersparnisse schwinden unaufhaltsam und schließlich gerät die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Der gewohnte, vergleichsweise hohe Lebensstand von einst kann nicht länger aufrechterhalten werden und das belastet auch die Ehe von Annas Eltern. Darüber hinaus müssen die Familienmitglieder verkraften, dass sie ihr Zuhause verloren haben und sie sich entwurzelt fühlen. Gleichzeitig gilt es aber auch alles zu tun um sich in der neuen Umgebung einzuleben. Als Fremde ist es aber gar nicht so einfach sich in einem neuen Land zurechtfinden und Kontakte zu knüpfen. Selbst in der Schweiz, die Deutschland eigentlich kulturell sehr ähnlich ist, stellt Anna fest, dass das Schulsystem dort völlig anders ist und es eine Menge Bräuche und Sitten gibt, die ihr nicht vertraut sind und die dafür sorgen, dass sie bei den anderen Kindern aneckt. Als die Familie dann nach Frankreich umziehen muss kommen sprachliche Barrieren hinzu. Es verlangt Anna und Max viel ab den auf Französisch stattfindenden Schulunterricht zu bewältigen.
Der Autorin hat ein Talent dafür mit vergleichsweise wenigen und einfachen Worten und durch kleine, relativ unaufgeregte Szenen viel zu vermitteln. So hat mich beispielsweise das Drama rund um Onkel Julius besonders bewegt obwohl man ihn nur anhand seiner Briefe kennenlernt und durch die Erzählungen seines Nachbarn. Auch Annas Gefühlausbruch als ihre Eltern zunächst ohne sie und Max nach Großbritannien reisen wollen, ging mir sehr nahe:
„Aber Anna“, sagte Mama, „viele Kinder trennen sich für eine Zeit von ihren Eltern […].“– „Ich weiß“, sagte Anna, „aber es ist etwas anderes. Wir haben keine Heimat. Wenn man kein Zuhause hat, dann muss man bei seinen Leuten bleiben. […] Ich weiß, dass wir keine Wahl haben, und dass ich alles nur noch schwerer mache. Aber bis jetzt hat es mir nie etwas ausgemacht, ein Flüchtling zu sein. Es hat mir sogar gefallen. […] Aber wenn ihr uns jetzt wegschickte, habe ich solche Angst… ich habe so schreckliche Angst…“ – „Wovor denn?“ fragte Papa. – „Dass ich mir wirklich wie ein Flüchtling vorkomme“, sagte Anna und brach in Tränen aus. (S. 165)
Obwohl es viele traurige Momente gibt, ist es kein Buch, das einem ohne Hoffnung zurücklässt. Die Geschichte vermittelt trotz allem eine schöne und zu Herzen gehende Botschaft: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist. Der familiäre Zusammenhalt ist eine unglaublich große Hilfe, wenn es gilt sich mit Schwierigkeiten zu arrangieren und Hindernisse zu überwinden. Außerdem wird vermittelt wie wichtig es ist die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. So stellt Anna z. B. fest, dass nicht allein ein Berg von Geschenken den Zauber von Weihnachten ausmacht. Auch kleine Geschenke genügen so lange man eine schöne Zeit mit den Menschen verbringt, die einem am Wichtigsten sind.
Außerdem gibt es auch Szenen, die die Geschichte auflockern und dafür sorgen, dass es nicht zu bedrückend wird. So ist es beispielsweise sehr lustig zu verfolgen wie Anna und ihr Bruder Max mit ihren mangelnden Französischkenntnissen im Schreibwarenladen Bleistifte kaufen, denn es kommt natürlich zu so einigen Missverständnissen. Auch ist es sehr unterhaltsam wie kreativ Max sich beim Schreiben seines Französischaufsatzes eine Menge Arbeit spart: Er schreibt über ein Festessen und zählt dann einfach mithilfe des Wörterbuches endlos viele Speisen auf, die den Leuten aufgetischt werden.
Fazit:
Dieses Buch erzählt auf feinfühlige und vergleichsweise ruhige Weise eine sehr berührende und ergreifende Geschichte. Neben traurigen Momenten gibt es auch die eine oder andere lustige Begebenheit und das Buch lässt einem nicht ohne Hoffnung zurück. Es wird eine schöne Botschaft vermittelt: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist und man kann sich mehr als nur einem einzigen Ort zugehörig fühlen:
„Glaubst du, dass wir jemals irgendwo richtig hingehören werden?“ – „Ich glaube nicht“, sagte Papa, „nicht so, wie die Menschen irgendwo hingehören, die ihr Leben lang an einem Ort gewohnt haben. Aber wir werden zu vielen Orten ein wenig gehören, und ich glaube, das kann ebenso gut sein.“ (S. 170/171)
- Andreas Gruber
Todesmärchen
(606)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen: Nachdem ich nun den dritten Teil der Todes-Reihe gelesen habe, erkenne ich langsam ein Muster bei Andreas Gruber. Ich weiß natürlich nicht, wie es sich in den anderen fünf Bänden verhält, aber hier bin ich der Sache relativ schnell auf die Schliche gekommen.
Natürlich tauchen wir wieder tief in die Psychologie des Menschen ein. Wie schon im vorherigen Werk ist der eigentliche Kopf hinter den Morden nicht derjenige, der sich selbst die Hände schmutzig macht, sondern jemand, der seine Lakaien und Anhänger für sich arbeiten lässt. Andreas Gruber zeigt dabei unglaublich gut, wie leicht Menschen zum Bösen verführt werden können. Das Erschreckende an solchen Ideen ist für mich immer, wie nah sie an der Realität sind.
Was die Geschichte selbst angeht, ist sie durchaus originell aufgebaut. Die Morde werden so inszeniert, dass sie auf der Vergangenheit von Maarten S. Sneijder aufbauen, der in diesem Buch gewissermaßen den Stoff für die Verbrechen liefert. Er und der eigentliche Täter haben eine gemeinsame Vorgeschichte, die den Fall maßgeblich prägt.
Auch hier lesen wir wieder zwei parallele Handlungsstränge, die am Ende zu einem Ganzen verschmelzen. Dieses Muster konnte ich bereits in Todesurteil erkennen, weshalb ich gespannt bin, ob es sich auch in den übrigen Büchern der Reihe fortsetzt. Gerade aufgrund dieser Erzählstruktur bin ich dem Kern der Geschichte allerdings recht früh auf die Spur gekommen.
Man muss allerdings sagen, dass es bei Andreas Gruber – zumindest meinem Empfinden nach – nicht immer diese klassische Auflösung gibt, bei der am Ende der Mörder gefasst wird und alles wieder in Ordnung ist. Stattdessen beschäftigt er sich mit deutlich tiefergehenden Aspekten, und genau das schätze ich an ihm als Thrillerautor. Hier geht es nicht einfach nur darum, dass jemand Menschen ermordet und anschließend verhaftet wird. Vielmehr geht es um die menschlichen Abgründe, um die Frage, was Menschen antreibt, welche Einflüsse sie prägen und wie ihr Umfeld sie beeinflusst.
Auch die Figur Hannah spielt dabei eine interessante Rolle. Obwohl mich Gruber in Bezug auf sie zeitweise etwas auf Glatteis geführt hat, erscheint vieles im Nachhinein doch recht offensichtlich.
Das ist allerdings wirklich nur als konstruktive Kritik gemeint – nicht, dass mir jetzt noch eingefleischte Andreas-Gruber-Fans aufs Dach steigen.
Alles in allem ist Todesmärchen für mich ein gelungenes Buch. Immer wieder hört man, wie wichtig es sei, die Reihe in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, da spätere Bände Ereignisse aus den vorherigen aufgreifen und man sich sonst ungewollt spoilern könnte.
Das fand ich besonders amüsant, weil ich mir tatsächlich das letzte Buch der Reihe bereits selbst gekauft hatte. Als ich davon einem Kollegen erzählte, hat er mich regelrecht ermahnt, die Reihe von Anfang an zu lesen – und tatsächlich so tief in die Tasche gegriffen, dass er mir die sieben vorherigen Bände geschenkt hat. An dieser Stelle also noch einmal vielen Dank, auch wenn er auf dieser Plattform leider nicht vertreten ist.
Daher empfehle ich das Buch durchaus weiter. Allerdings sollte man meiner Meinung nach den vollen Lesegenuss mitnehmen und wirklich beim ersten Band beginnen.
Von mir gibt es vier Sterne. Für Fans dieses Genres entspricht das vermutlich eher einer Bewertung von fünf Sternen, da Thriller normalerweise nicht zu meinen bevorzugten Genres gehören.
- T. C. Boyle
Das Licht
(113)Aktuelle Rezension von: berlinerkatzeWer hier nach einem spannenden Plot sucht, sucht vergeblich. Die Geschichte ist recht vorhersehbar und beschränkt sich inhaltlich auf klassische Themen der 60er Hippie-Bewegung: Sex und LSD. Dafür sind diese ausführlich und gut beschrieben, sodass ich das Buch flüssig lesen konnte und es an Personen weiterempfehlen würde, die sich für diese Themen interessieren
- Julia Hausburg
Dark Elite – Revenge
(178)Aktuelle Rezension von: thewonderlandofbooksIch muss sagen, der Einstieg hat mich echt überrascht. Ich hatte mit einer etwas anderen Geschichte gerechnet, aber gerade der Anfang war direkt spannend und hat mich neugierig gemacht.
Leider hat sich das ziemlich schnell verloren. Mit Elora und Gabriel bin ich einfach nicht warm geworden. Beide fühlen sich sofort stark zueinander hingezogen, aber ich habe die ganze Zeit nicht verstanden, woher diese Verbindung kommt. Sie war plötzlich da, ohne dass ich sie wirklich fühlen konnte. Gleichzeitig sind die beiden ständig kalt und abweisend miteinander, was für mich nicht richtig zusammengepasst hat.
Elora mochte ich zwar immer mehr. Ich mochte ihre liebevolle Art und dass sie sich nicht alles gefallen lässt. Trotzdem hat mir der Zugang zu ihr gefehlt, um wirklich mit ihr mitzufühlen.
Bei Gabriel war es leider anders. Seine Situation konnte ich teilweise verstehen, aber seine Art hat mich immer wieder gestört. Er war oft kalt zu Elora, ohne dass ich seine Reaktionen nachvollziehen konnte.
Auch die Nebencharaktere konnten mich nicht überzeugen. Gerade bei den Freundinnen hatte ich oft das Gefühl, niemandem so richtig vertrauen zu können und immer darauf zu warten, dass noch etwas dahintersteckt.
Dabei fand ich die Grundidee mit der Akademie, der Studentenverbindung und Gabriels Suche nach Antworten richtig spannend. Daraus hätte eine richtig gute Geschichte werden können. Leider hat mich die Umsetzung nicht abgeholt. Ich habe die ganze Zeit auf den Moment gewartet, in dem ich komplett versinke und wissen will, wie es weitergeht. Aber der kam nie.
Was mich außerdem gestört hat, war der Klappentext. Beim Lesen habe ich immer wieder auf Dinge gewartet, die dort so groß angekündigt wurden. Irgendwann habe ich mich sogar gefragt, ob ich etwas überlesen habe. Umso enttäuschter war ich, als ich gemerkt habe, dass wichtige Plot Twists und große Teile der Storyline schon dort gespoilert wurden.
Fazit:
Die Idee fand ich spannend, aber die Umsetzung konnte mich leider gar nicht abholen.
- Max Frisch
Stiller
(377)Aktuelle Rezension von: NympheInhalt:
Auf einer Zugfahrt durch die Schweiz wird ein amerikanischer Staatsbürger festgenommen. Ein Mitfahrender behauptet in Mr. White den gesuchten Schweizer Anatol Stiller erkannt zu haben. Doch Mr. White beharrt auch noch im Gefängnis darauf, dass er nicht Stiller ist. Kann die Frau von Stiller helfen? Und welches Geheimnis hat der Staatsanwalt?
Bewertung:
Dieses Buch ist wirklich anspruchsvoll zu lesen. Es werden große Fragen gestellt: Was macht meine Identität aus? Was ist Liebe? Freundschaft? In langen Sätzen werden diese Fragen Stück für Stück auseinandergenommen. Das Buch ist nicht umsonst ein Klassiker, aber es ist definitiv nichts, was man mal eben nebenher liest.
- Martin Suter
Der Koch
(500)Aktuelle Rezension von: rkuehneEin wirklich solides Buch um einen tamilischen Koch der eine Kreation entwickelt, die unerwartet aphrodisierend wirkt und daraus ein Geschäftsmodell macht. Angenehm geschrieben, hat ein gutes Tempo und liest sich gut weg. Die Rezeptdetailliertheit war mir an manchen Stellen zu viel und die Parallelgeschichte um das Drama der Tamilen in Sri Lanka hat für mich nie die Distanz zur Hauptgeschichte überwinden können. Aber gute Unterhaltung.























