Bücher mit dem Tag "sekte"
298 Bücher
- Kerstin Gier
Silber - Das dritte Buch der Träume
(3.083)Aktuelle Rezension von: sozicuIch muss sagen, dass „Silber“ für mich mit jedem Buch abgenommen hat. Teil 1 hat mich begeistert, Teil 2 war eher meh und Teil 3 hat mir noch weniger gefallen.
Das liegt aber nur teilweise am Buch. Ich bin einfach zu alt für Jugendbücher dieser Art und ich habe Vergissmeinnicht vor Silber gelesen (Silber definitiv zuerst lesen, wenn ihr beides wollt).
Die Story wird mir zu wirr erzählt. Livs Gedanken machen zu viele Sprünge in verschiedene Situationen.
Die Handlungen der Figuren sind für mich nicht immer ganz nachvollziehbar und mehr Tiefe haben sie auch nicht wirklich bekommen.
Es ist auch wieder echt unangenehm in Livs Kopf zu stecken. Bei Teil 2 dachte ich noch, dass mein jüngeres Ich das gemocht hätte. Hier bin ich mir sicher: Ich hätte mich auch damals schon super fremd geschämt, wenn ich das gelesen hätte.
Die Silber-Trilogie setzt eine richtig schöne Idee zu Träumen um. Im Jugendalter sicher keine verkehrte Lektüre. Als Erwachsene*r kann man es auslassen.
- Kerstin Gier
Silber - Das zweite Buch der Träume
(4.662)Aktuelle Rezension von: IgniswingNormalerweise erwarte ich mir nicht viel von einem zweiten Band. Besonders bei einer Triologie.
Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass mir der zweite Band eher selten gefällt.Hier trifft diese These überhaupt nicht zu.
Tatsächlich würde ich sogar sagen, ist der zweite Band mein Lieblingsbuch der Trilogie.Ich mag die Handlung und was inhaltlich passiert. Auch die Dynamik der Charaktere miteinander ist toll geschrieben.
Besonders Grayson mag ich in diesem Buch.
*SPOILER*
Das einzige was ich schade finde, ist dass Jasper nicht dabei ist.
Er hat der Gruppe irgendwie etwas gegeben, was mir fehlt.*SPOILER FÜR BAND 3*
Vor allem, da er im dritten Band zwar zurück kommt, aber trotzdem vergleichsweise wenig vorkommt. - Haruki Murakami
1Q84 (Buch 1, 2)
(767)Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooksIch glaube, über kaum ein Buch habe ich während des Lesens so viel nachgedacht wie über 1Q84. Nicht, weil ich unbedingt Antworten finden wollte, sondern weil Murakami etwas schafft, das ich so bisher kaum erlebt habe. Man spürt die ganze Zeit, dass alles zusammenhängt, aber man weiß noch nicht wie. Genau das hat mich Seite für Seite weiterlesen lassen. Für mich hat sich dieses Buch wie ein riesiges Mosaik angefühlt. Mit jedem Kapitel kam ein weiterer Stein dazu. Manche haben sofort ihren Platz gefunden, andere erst viel später. Und einige liegen immer noch da und warten darauf, entdeckt zu werden. Genau das liebe ich daran.
Murakami beantwortet Fragen, ohne sie wirklich zu beantworten. Statt alles zu erklären, gibt er einem als Leser die Möglichkeit, selbst Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt keine Stelle, an der plötzlich alles aufgelöst wird. Stattdessen merkt man irgendwann ganz leise, dass sich etwas verändert hat. Dass man die Geschichte auf einmal anders liest als noch hundert Seiten zuvor. Ich liebe es, dass er seinen Lesern die Freiheit lässt, seine Geschichte auf ihre ganz eigene Weise zu verstehen.
Was mich genauso begeistert hat, war die Mischung aus Realität und Surrealität. Ich lese unglaublich gerne Fantasy und dort darf alles passieren. Murakami geht einen anderen Weg. Er nimmt eine Welt, die sich ganz normal anfühlt, und verschiebt sie Stück für Stück. Irgendwann hinterfragt man einfach alles und nimmt Dinge an, die vorher unmöglich schienen. Genau dieses Gefühl hat mich komplett in seinen Bann gezogen.
Besonders schön fand ich, dass es oft gar nicht die großen Ereignisse waren, die mich beschäftigt haben. Es waren die kleinen Dinge. Ein Musikstück. Die zwei Monde. Gespräche. Bücher. Katzen. Eine Treppe. Oder sogar eine Tasse Kakao. Bei Murakami hatte ich ständig das Gefühl, zwischen den Zeilen lesen zu wollen, weil selbst die unscheinbarsten Momente eine Bedeutung bekommen konnten.
Sein Schreibstil hat etwas unglaublich Ruhiges. Eigentlich passiert gar nicht ständig etwas Spektakuläres und trotzdem wollte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist nie laut und trotzdem unglaublich spannend. Man gleitet durch die Seiten, hat einen Film im Kopf und beginnt, jedes Detail bewusst wahrzunehmen.
Vor allem aber habe ich gemerkt, dass ich irgendwann aufgehört habe, das Buch lösen zu wollen. Ich habe angefangen, Murakami einfach zu vertrauen. Und genau ab diesem Moment hat sich das Lesen noch einmal verändert.
Als ich die letzte Seite gelesen habe, hatte ich nicht das Gefühl, etwas abgeschlossen zu haben. Es war eher der erste Abschnitt einer großen Reise. Murakami beantwortet einige Fragen und lässt andere ganz bewusst offen. Vor allem eine davon hat mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen und ehrlich gesagt ziemlich wahnsinnig gemacht. Umso schöner war das Gefühl zu wissen, dass Buch 3 schon neben mir liegt.
1Q84 ist für mich keine Geschichte, die man möglichst schnell verstehen sollte. Es ist eine Geschichte, die man erleben muss. Sie hat mich überrascht, verwirrt, berührt und immer wieder staunen lassen. Ich liebe es, zwischen den Zeilen zu lesen, und genau dafür gibt Murakami seinen Lesern den Raum. Für mich sind die ersten beiden Bücher ein absolutes Highlight und ich freue mich darauf, die Reise mit Buch 3 fortzusetzen.
- Margaret Atwood
Der Report der Magd
(903)Aktuelle Rezension von: TigerkatziIn einer fiktiven Zukunft Nordamerikas, können immer weniger Frauen Kinder bekommen, ein Umsturz findet statt, ein neuer Staat wird gegründet, neue Gesetze treten in Kraft. Dies ist der Bericht einer, sogenannten Magd, einer Frau, die nur dafür benutzt wird, einem hochrangigem Paar ein Kind zu gebären.
Margaret Arwood schildert in diesem Roman so beklemmend, wie es nur sein kann, von genau diesen Begebenheiten. Immer wieder gibt es auch kurze Rückblicke in die Vergangenheit und wie alles kam, immer wieder fürchtet man als Leser/in um das Leben der Erzählenden.
Der Stil ist eher knapp gehalten, nicht ausgeschmückt, aber sehr authentisch. Die Zuklunftsvision ist erschreckend, aber kaum überraschend.
Sehr empfehlenswert zu lesen. - Jussi Adler-Olsen
Erlösung
(1.270)Aktuelle Rezension von: ScriptumFelicisKlappentext / Zusammenfassung:
Ein rätselhafter Fund stellt Carl Mørck und sein Team vom Sonderdezernat Q vor eine erschütternde Aufgabe: In einer alten, verstaubten Flaschenpost, die vor über 15 Jahren angeschwemmt wurde, entdecken sie eine mit Blut geschriebene, kaum noch lesbare Botschaft – ein stummer Hilferuf zweier Jungen, die offenbar entführt wurden. Doch das mutmaßliche Verbrechen scheint nie angezeigt worden zu sein. Warum hat niemand diese Kinder vermisst?
Die Ermittlungen führen das Team in ein Milieu aus religiösem Fanatismus, abgeschotteten Gemeinschaften und einem Netz aus Angst und Schweigen. Mit zunehmender Intensität verfolgt das Sonderdezernat Spuren, durchleuchtet Familienstrukturen, ideologische Abgründe und sektenähnliche Organisationen – bis es zu einem dramatischen und beklemmenden Höhepunkt kommt.
Meinung:
Für mich ist Erlösung bisher der spannendste Band der Reihe. Jussi Adler-Olsen gelingt mit dem dritten Fall für das Sonderdezernat Q ein düsterer, atmosphärisch dichter Thriller, der sich tief in psychologische Abgründe und das Thema manipulativer Machtstrukturen vorwagt. Die Geschichte bewegt sich in einem komplexen Spannungsfeld aus persönlichem Trauma und religiösen Dogmen.
Die Handlung wird auf mehreren Zeitebenen erzählt. Die Ermittlungen in der Gegenwart werden ergänzt durch Einblicke in das Leben des Täters sowie Rückblenden in dessen Vergangenheit. Diese Erzählstruktur ist anspruchsvoll und erfordert Konzentration – verleiht dem Roman jedoch Tiefe und einen vielschichtigen Spannungsbogen.
Adler-Olsen setzt nicht auf schnelle Action, sondern auf eine stetig wachsende Spannung, die sich manchmal zwar nur schleichend, aber unaufhaltsam verdichtet. Kleine Hinweise, scheinbar nebensächliche Details und psychologisch präzise gesetzte Szenen entfalten nach und nach ein erschütterndes Gesamtbild. Zwar ist der Aufbau stellenweise recht langsam – besonders dann, wenn sich die Ermittlungen festfahren –, doch gerade das wirkt authentisch und realitätsnah. Man braucht zu Beginn etwas Geduld, wird aber später mit einer dichten und intensiv erzählten Geschichte belohnt.
Die Figuren sind – wie in den vorigen Bänden – vielschichtig und glaubwürdig. Carl Mørck bleibt ein ambivalenter Protagonist mit Ecken, Kanten und einem trockenen Humor, der ihn sympathisch macht, ohne ihn zu idealisieren. Assad ist nicht nur für sprachliche und kulturelle Reibungspunkte zuständig, sondern auch ein cleverer, aufmerksamer Beobachter, dessen Rolle im Team zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch seine Herkunft wirft immer mehr Fragen auf – wer ist er wirklich? Rose bringt mit ihrer kratzbürstigen, aber eigenständigen Art frischen Wind ins Team und offenbart neue Facetten ihrer Persönlichkeit.
Besonders eindrucksvoll gelingt Adler-Olsen die Darstellung des Täters. Er wirkt über weite Strecken beinahe übermächtig – hochintelligent, manipulativ, mit einem perfekt ausgearbeiteten Plan und erschreckender psychologischer Kontrolle. Trotz (oder gerade wegen) dieser Überhöhung bleibt seine Figur fesselnd, weil ihre Beweggründe glaubwürdig aus einer gewalttätigen Kindheit und einem ideologisch geprägten Umfeld erwachsen.
Der Schreibstil ist klar und hochgradig atmosphärisch. Adler-Olsen versteht es, Spannung aufzubauen, ohne in übertriebene Effekthascherei zu verfallen. Die Schauplätze sind greifbar, die Stimmung ist durchgehend beklemmend – und genau das verleiht dem Roman seine Wirkung.
Fazit:
Erlösung ist ein vielschichtiger, psychologisch intensiver Thriller, der durch seine durchdachte Konstruktion, seine beklemmende Atmosphäre und seine klug gezeichneten Figuren überzeugt. Jussi Adler-Olsen erzählt eine verstörende Geschichte über Schuld, Verdrängung und zerstörerische Machtverhältnisse – leise, aber nachhaltig. Wer Krimis mit Substanz, Tiefe und emotionaler Wucht schätzt, findet hier einen der stärksten Bände der Reihe.
- Stephen King
Doctor Sleep
(581)Aktuelle Rezension von: KeyofbooksIn diesem Roman erfährt man endlich, wie es dem kleinen Jungen nach der Katastrophe im Hotel Overlook ergangen ist. Und leider hat er den Schicksal seines Vaters wiederholt. Aber im Vergleich zu Jack, waren in Dan's Nähe Menschen, die ihm geholfen haben. Nun kommt er endlich mit seinem Shining klar und kann es sogar zur Gute nutzen. Ein toller Abschluss für die Geschichte von Overlook.
- Cody McFadyen
Die Stille vor dem Tod
(641)Aktuelle Rezension von: Kathrin_HermannDie meiste Zeit versucht der Autor in plastischen Beschreibungen von Gräueltaten zu eskalieren, was das Geschriebene meistens an einen Punkt bringt, bei dem man das Gefühl hat, er hätte sich verlaufen und suchte zwanghaft einen Weg zurück zur Story. Das Buch selbst ist in Präsens geschrieben und trieft vor Rückblenden und „Erinnerungen“ und „Albträumen“, die in seitenlange Ergüsse über noch mehr Folter und Mord enden. Allesamt wenig kreativ ausgeführt. Bedeutungsschwangere, aber im Endeffekt eher nur bedeutungslose Dialoge dominieren den Mittelteil. Die eigentliche Arbeit der Kriminalermittler beginnt erst gegen Ende. Leider hat den Autor da die Phantasie schon verlassen. In einem langen Aufrollen und gekünstelten Herstellen von Verbindungen von „normalen“ Verbrecher der letzten Dekaden (ein paar davon scheinen real gewesen zu sein) ist’s dann eine Randnotiz, die den Hinweis gibt. Also wieder 60 Seiten umsonst gelesen. Die Vergangenheiten und Lebensläufe der Teammitglieder wirken eher lieblos. Sie werden in diesem Band zum fünften Mal erklärt und scheinbar hat auch der Autor keine Lust mehr darauf. Die Interaktion, die er ihnen angedeihen lässt, hat nichts Amikales an sich, wie es unter Kollegen üblich ist, die sich lange kennen. Eher gleiten „seriöse“ Besprechungen in gelegentlichen Infantilismus ab. Selbstredend, dass alle Leute in diesem Buch – egal ob Ermittler oder Verbrecher – die klügsten sind, mit dem besten Gedächtnis, dem schärfsten und wachsten Verstand, die jeden wichtigen Menschen kennen, … und so weiter und so fort. Die Übersetzung ist OK, schätze ich. Was mir sauer Aufstößt sind diese unnötigen Anglizismen, die in der deutschsprachigen und von den USA geprägten Popkultur als „cool“ gelten sollen, aber alle eine vernünftige Entsprechung in der Zielsprache hätten. Und warum reden Eltern immer von sich als Mommy oder Daddy und das auch noch in der dritten Person? Zwischen den ersten vier Bänden und dem fünften lag für mich als Leser eine lange Zeit. Zu lange scheinbar. Die ehemalige Faszination für das Aufklären von Serienmorden konnte das Buch nicht halten. Im Gegenteil: Hätte ich die alten als so schlecht geschrieben in Erinnerung gehabt, hätte ich Band fünf nicht gekauft.
- Marah Woolf
BookLess 1. Wörter durchfluten die Zeit
(891)Aktuelle Rezension von: Dia87... die es zu retten gilt. Unglaublich großartige Idee, um Bücher zu würdigen. Da denkt man doch erstmal wirklich darüber nach, welche Bedeutung das geschriebene Wort für den Einen oder Anderen hat. Was wäre, wenn es unsere Lieblingsbücher nicht gäbe? Denn auch durch sie, werden wir zu denen, die wir sind.
- Ethan Cross
Ich bin die Angst
(601)Aktuelle Rezension von: JuliaspathwayEin «Anarchist», Ein «Prophet» & der berüchtigtste Serienkiller der Gegenwart. Eine Geschichte voller Grössenwahnsinn, psychischen Abgründen und Kindheitstraumata. Auch in diesem Fall wird von Marcus Williams und seinem Team der Shepherd Organization alles abverlangt.
🔸️🔸️🔸️
Ehrlicherweise weiss ich höchstwahrscheinlich nur noch etwa 5% vom Band 1 und vielleicht hatte ich deshalb meine liebe Mühe, in die Geschichte zu finden. Obwohl viel erklärt, beschrieben und ausgeführt wird – über Städte, die ich so oder so nicht kenne, über technische Gegebenheiten, die ich auch nach der Erklärung nicht verstehen werde – zieht die Story im letzten Drittel an, die Schwere verfliegt & wird durch Spannung ersetzt. Die Entwicklung der Geschichte und der Protagonisten fesselten mich dann doch so sehr, dass ich das Buch nur schwer aus den Händen legen konnte.
Der Protagonist Marcus Williams ist eine gebrochene Seele mit einem ausgeprägten Messias-Komplex. Eine Tatsache, die mich dann doch zwischendurch geärgert hat. 😬
In der gesamten Geschichte nimmt Francis nur eine Nebenrolle ein, nur um zum Schluss einen bombastischen Auftritt hinzulegen, welcher seinesgleichen sucht. Die Vorfreude auf den Band 3 «Ich bin der Schmerz» ist danach auf jedenfall gross. 😎
- Marie Graßhoff
Neon Birds
(480)Aktuelle Rezension von: Nick_ShadowheartDas Buch fängt sehr actiongeladen an. Man wird sofort reingeworfen, fiebert aber auch gleich mit. Die Überleitung von einem zum nächsten Charakter fand ich sehr gelungen. Wir haben im Prinzip 4 Hauptcharaktere, die sich in 2 Teams einteilen lassen.
Nach der Action kommt das Buch erstmal ein wenig zur Ruhe, sodass man die Welt ein wenig mehr kennenlernen kann. Auch die Militärakten geben Einblicke in bestimmte Sachverhalte. Jeder der Charaktere macht einiges durch, sodass ich verstehe, dass sie zum Teil sehr verschlossen sind, aber ich hätte mir da noch ein wenig mehr Austausch erhofft. Mehr über Andras Kultur, Flovers Hintergrund, Lukes Leben, Okijens Körper und Empfindungen. Vlt wird ja einiges in den nächsten Teilen noch aufgegriffen. Ich möchte auch irgendwie mehr Interaktionen zwischen den Charakteren. Ob es noch romantisch wird, mal sehen. Es kann muss aber nicht. Mal sehen was sich noch entwickelt. Trotzdem spürt man jetzt schon, dass sich manche von ihnen einfach viel bedeuten.
Das Buch endet dann auch nochmal mit spannungsgeladener Action und einem fiesen Cliffhänger.
- T. C. Boyle
Die Terranauten
(351)Aktuelle Rezension von: wortknaeuelEine kleine Gruppe junger Wissenschaftler wetteifert Mitte der 90er Jahre um einen von acht begehrten Plätzen in einem ökologischen Experiment. Für zwei Jahre sollen sie unter einer riesigen Glaskuppel leben und sich völlig autark in den verschiedenen künstlich geschaffenen Biotopen – vom kleinen Regenwald bis zum Mini-Ozean – selbst versorgen. Nichts geht rein, nichts darf raus! Die Geschichte beginnt mit der Bekanntgabe der Auserwählten, vier Männer und vier Frauen, die sich jeweils auf einem Spezialgebiet gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt haben und nun in die "Ecosphere 2" einziehen dürfen. Zurück bleiben die Verlierer mit der Hoffnung, in zwei Jahren zum Nachfolger-Team aufrücken zu können. Draußen bleiben natürlich auch Freunde, Liebhaber und die Planer, Manager und Sponsoren des Experiments. In den zwei Jahren erleben wir aus Sicht von Dawn und Ramsay innerhalb, sowie Linda außerhalb der Kuppel, wie sich aus dem ökologischen Experiment ein Beziehungskuddelmuddel entwickelt.
T.C. Boyle kann gut erzählen, da ist dieser Roman keine Ausnahme. Er beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit, denn so ein Experiment hat es ungefähr zu jender Zeit tatsächlich gegeben. Allerdings habe ich mich von Klappentext und Buchcover täuschen lassen. Zu dem Zeitpunkt, als ich mir das Ebook kaufte, hatte ich noch nie etwas von Boyle gelesen und einen spannenden dystopischen (oder utopischen) SciFi-Romans erwartet. Stattdessen dreht sich alles um Neid, Eitelkeit und Eifersüchteleien zwischen den Wissenschaftlern, um Wer-mit-wem sowie am Rande auch um den Einfluss von Geld und Medien. Wenn man Boyle kennt, hätte man sich denken können, dass es vorwiegend um die sozialen, zwischenmenschlichen Aspekte in diesem Szenario gehen wird.
Die Handlung ist zwar durchaus unterhaltsam und auf satirische Weise komisch, aber insgesamt wenig spannend. Auch die Charaktere empfand ich als flach und uninteressant. Eher ein schwacher Boyle.
- Karin Slaughter
Gottlos
(1.092)Aktuelle Rezension von: LorixxIch habe diese Reihe vor Jahre schon einmal verschlungen und jetzt wieder hervorgeholt, um sie noch einmal zu lesen.
Die Bücher der "Grant Conty"-Serie nehmen einen mit in diese Kleinstadt, in der Dr. Sara Linton als Kinderärztin und Gerichtsmedizinerin arbeitet. Ihr (Ex-)Mann Jeffrey Tolliver ist der hiesige Polizeichef. Ihnen zur Seite stehen neben Lena Adams, einer Polizistin, noch andere wiederkehrende Charaktere zur Seite. Sie wirken alle sehr authentisch und jeder von ihnen hat seine Eigenarten. Ich bin ein großer Fan von Tolliver und Linton!
In diesem Teil haben sie es mit dem Mord an einem Mädchens zu tun, welches offensichtlich lebendig begraben worden war.. Als ihre Schwester plötzlich verschwindet, nehmen die Ermittlungen an Fahrt auf.
Es wird sehr spannend und die Autorin nimmt auch hier wieder kein Blatt vor den Mund. Das macht es auch so authentisch, fesselnd und reißt einen richtig mit.
Neben dem spannenden Fall gibt es natürlich hier wieder viel aus dem Privatleben der beiden Hauptcharaktere, was diese Reihe so besonders macht. Das ist immer win bisschen, wie wieder nach Hause zurückzukehren. Deshalb sollte man alle Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen, um in den ganzen Genuß zu kommen.
Die Cover der Bücher sind alle neu aufgelegt worden und passen jetzt optisch zu all den anderen Bücherreihen der Autorin. - Jussi Adler-Olsen
Verheißung Der Grenzenlose
(525)Aktuelle Rezension von: Ulrike_OzdemirDer sechste Fall von Carl Morck und seinem Team versprach zunächst wieder eine gute Kombination aus Spannung, Humor und Charakterstudie. Leider ziehen sich die beiden Hauptstränge, in denen einerseits die Polizeiarbeit, andererseits eine gescheiterte Frau, die einer vor 17 Jahren gegründeten Sekte vorsteht, so in die Länge, dass man irgendwann nur noch hofft, dass Carl, Assad und Rose endlich kapieren, was man selbst schon vor gefühlt tausend Seiten verstanden hat.
Die Umsetzung der Idee hätte wirklich gut sein können, aber leider hat sich der Autor in seinen eigenen Netzen verfangen.
- Samuel Bjørk
Engelskalt
(403)Aktuelle Rezension von: Magdalena1107In diesem Teil begleiten wir erneut Mia und Munch bei einem spannenden Fall. Ein kleines Mädchen wird an einem Springseil erhängt an einem Baum gefunden, ein Schild um den Hals "Ich reise allein". Und sie soll nicht die einzige bleiben...
Auch in diesen Teil konnte ich mich aufgrund der schnell startenden spannenden Ereignisse schnell einfinden. Die persönlichen Handlungsstränge von besonders Mia, aber auch Munch, passen gut in die Story hinein und werden immer so eingebettet, dass es nicht langweilig oder überflüssig wirkt. Zwischendurch kommen dann Parts über neue Personen, von denen man zunächst denkt "wie soll das denn in die Story passen?". Da dies nicht meine erstes Buch der Reihe ist, wusste ich schon, dass jeder Part später eine Rolle spielen wird. Und genau das gefällt mir jedes mal wieder an Bjørks Bücher. So viele zunächst Lose Handlungsstränge, die vermeintlich ins Leere führen, bis dann am Ende doch alles zusammenpasst.
Mit der Auflösung habe ich wieder mal absolut nicht gerechnet, war daher vom Ende umso faszinierter.
Der Schreibstil ist irgendwie gewöhnungsbedürftig, gefällt mir persönlich aber gut. Man kommt schnell durch die Seiten und die Dialoge sind realistisch gestaltet, mit allen ähms und ehs ausgeschrieben, was alles nochmal sympathischer macht.
Anschließend kann ich sagen, eine rundum schlüssige Story ohne vorhersehbaren Ende, es war mir wieder mal ein Vergnügen. - Nina MacKay
Plötzlich Banshee
(530)Aktuelle Rezension von: RabeaDas Thema hat mich sofort angesprochen, da Fantasy eins meiner absoluten Lieblingsgenre ist – und ein Buch rund um das Thema Banshee hatte ich zuvor noch nie gelesen. Gerade diese frische Idee und Herangehensweise im Fantasy-Genre fand ich besonders spannend und gelungen umgesetzt.
Die Geschichte ist total kurzweilig, fesselnd und sehr unterhaltsam geschrieben. Ich hatte einige richtig tolle Lesestunden damit. Besonders gut gefallen hat mir, dass im Verlauf der Handlung noch weitere Wesen aus der keltischen Mythologie auftauchen. Deren Gaben und Hintergründe werden angenehm flüssig in die Geschichte eingebunden und erklärt, sodass man der Erzählung jederzeit problemlos folgen kann – auch wenn man sich mit dieser Mythologie bisher nicht auskennt.
Es gab einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte, die aber trotzdem absolut nachvollziehbar waren. Das hat die Spannung zusätzlich erhöht. Lediglich das Ende ist für meinen Geschmack etwas kurz und abrupt geraten – da hätten 50 Seiten mehr wirklich nicht geschadet.
Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Werk mit hohem Unterhaltungswert. Auch wenn an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig Luft nach oben gewesen wäre, hat mir der Fantasyroman wirklich gut gefallen. Besonders geeignet ist er für Jugendliche oder für Leserinnen und Leser, die zwischendurch gerne eine leichtere, humorvolle Fantasygeschichte genießen möchten.
- Arthur Conan Doyle
Sherlock Holmes - Eine Studie in Scharlachrot
(449)Aktuelle Rezension von: KayuriIn diesem Roman lesen wir Holmes und Watsons ersten gemeinsamen Fall. Dabei bliebt die Geschichte spannend. Was ich jedoch schade finde ist, das die Lösung von Holmes ein Detail berücksichtigt welches dem Leser nicht mitgeteilt wurde. Man weiß nicht das Holmes diese Information hat.
Die Charaktere waren gut ausgearbeitet. Die Geschichte des Täters fand ich interessant.
- Emma Cline
The Girls
(298)Aktuelle Rezension von: Pascal_MaessThe Girls ist für mich eines dieser Bücher, dessen Stärke nicht in seiner Handlung, sondern in der Art liegt, wie sie erzählt wird.
Relativ früh wird deutlich, von welchen historischen Ereignissen sich Emma Cline inspirieren ließ. Genau hier liegt für mich auch der größte Kritikpunkt des Romans. Die Parallelen waren so offensichtlich, dass sie für mich keinen wirklichen erzählerischen Mehrwert geschaffen haben. Da die eigentliche Stärke des Buches ohnehin in seiner Figurenzeichnung, seiner Sprache und seiner Atmosphäre liegt, hätte dieselbe Geschichte für mich auch mit einer vollständig fiktiven Sekte hervorragend funktioniert – vielleicht sogar eigenständiger.
Denn Cline gelingt etwas, das ich nur selten so intensiv erlebt habe: Sie lässt einen vollständig in Evies Innenleben eintauchen. Man erlebt ihre Unsicherheit, ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit, ihre Verwirrung und ihre Faszination für eine Welt, die gleichzeitig anziehend und bedrohlich wirkt. Man schwitzt mit ihr, fühlt ihre Unsicherheit, ihre Anziehung und ihre Orientierungslosigkeit und merkt gemeinsam mit ihr, dass alles unausweichlich auf eine Katastrophe zusteuert.
Besonders gelungen fand ich die Gegenüberstellung der jungen und der erwachsenen Evie. Ihre Entwicklung wird nie erklärt oder kommentiert, sondern ausschließlich über Situationen, Beobachtungen und Atmosphäre vermittelt. Während die Vergangenheit von Hitze, Staub, Schweiß und einer beinahe greifbaren Sinnlichkeit geprägt ist, wirkt die Gegenwart kühl, geordnet und fast schon klinisch. Gerade diese leisen Kontraste erzählen oft mehr über Evies Entwicklung als jede direkte Erklärung es könnte.
Auch sprachlich hat mich Emma Cline überzeugt. Immer wieder findet sie ungewöhnliche, einprägsame Bilder und Vergleiche, die lange nachwirken, ohne jemals gekünstelt zu wirken. Ihr Stil ist literarisch, bleibt dabei aber angenehm flüssig und zugänglich.
Fazit:
The Girls überzeugt nicht durch eine außergewöhnlich neue Geschichte, sondern durch die außergewöhnliche Art, sie zu erzählen. Emma Clines Stärke liegt in ihrer Figurenzeichnung, ihrer Atmosphäre und ihrer Sprache. Genau deshalb hätte der Roman für mich auch ohne die sehr deutliche historische Vorlage funktioniert. Trotzdem bleibt ein intensiver, atmosphärischer und psychologisch kluger Roman, der vor allem wegen seiner Hauptfigur lange im Gedächtnis bleibt.
- Cassandra Clare
Die Roten Schriftrollen
(157)Aktuelle Rezension von: ShameDie roten Schriftrollen von Cassandra Clare ist ein ansprechendes Buch wenn man sich das schöne Cover ansieht mit dem schönen Spruch als Klapptext.
Das Buch handelt vom Hexenmesiter Magnus Bane und dem Schattenjäger Alec Lightwood, die den Leser auf ein spannendes Abenteuer mitnehmen.
Es war angenehm dieses Buch zu lesen weil es sehr gut geschrieben wurde von Cassandra Clare.
Die Geschichte war interessant aber mir haben die ganzen anderen Schattenjäger wie z.b. Jace, Clary und Isabell irgendwie gefehlt.
Dieses Buch handelt sich mehr um Magnus und Alecs Geschichte, die aber gut erzählt wird.
Ich bin schon auf die Fortsetzung vom zweiten Band "Das verlorene Buch" gespannt, das ich auch noch lesen werde.
Diesem Buch gebe ich 4 von 5 Sternen weil es sehr gut geschrieben wurde und es angenehm war es zu lesen und natürlich für sein schönes Cover...
Für Fans der Chroniken der Unterwelt und Schattenjäger empfehlenswert.
- Chevy Stevens
Blick in die Angst
(256)Aktuelle Rezension von: HaarikaEigentlich mag ich den Schreibstil von Chevy Stevens, aber dieses Buch hat mich jetzt leider nicht vom Hocker gerissen.
Leider finde ich "Blick in die Angst" wie das zweite Buch "Endlose Angst" nicht so gelungen wie das erste Buch von Chevy Stevens. Es ist schon spannend, man will wissen, wie es weitergeht, aber nicht so packend; stellenweise viel zu langatmig. - Karen Köhler
Miroloi
(195)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraDas zweite Buch, das ich für mein Literaturseminar in diesem Semester gelesen habe, ist „Miroloi“ von Karen Köhler. Der 2019 veröffentlichte feministische Roman sagte mir bisher gar nichts, obwohl er definitiv nicht erfolglos war. Schaut man sich die Rezensionen aus gängigen Feuilletons von Köhlers Debütroman genauer an, fällt auf: „Miroloi“ ist teilweise heftigst zerrissen worden, insbesondere von Männern. Egal ob Deutschlandfunk, Die Zeit oder die Welt; in vielen Kritiken wird kaum ein gutes Haar an dem Werk gelassen. Weibliche Rezensentinnen lobten den Roman hingegen meist für seine kraftvolle Sprache und sein Female Empowerment. Bei solch ambivalenten Kritiken war ich natürlich gespannt, wie gut oder schlecht „Miroloi“ in Wahrheit ist.
Die namenlose weibliche Hauptfigur ist 16 Jahre alt und lebt auf einer kleinen Insel in Griechenland, die alle nur die schöne Insel nennen. Obwohl die junge Frau mindestens in den 1980ern auf der Insel lebt, ist diese doch massiv archaisch. Es gibt keinen Strom, keine Autos und kein fließend Wasser. Die Gesetze, die vom Ältestenrat gemacht werden, sind stark religiös geprägt. Die junge Frau ist auf der Insel eine Außenseiterin, denn sie war ein Findelkind, das ursprünglich nicht von der Insel kommt. Weil ihre Eltern unbekannt sind, bekommt sie nach den Inselgesetzen keinen Namen. Sie wird von den meisten im Dorf wie eine Aussätzige behandelt. Als ihr Fluchtversuch vor einigen Jahren scheiterte, band man sie zur Strafe an einen Pfahl auf dem Dorfplatz und brach ihr anschließend das Bein. Da es keinen Arzt auf der Insel gibt, ist das Bein nicht sauber zusammengewachsen, weshalb sie seitdem das Bein leicht nachzieht. Ihren Alltag verbringt sie damit, die Haushälterin des Bethaus-Vaters zu sein und den Glockenturm zu läuten. Doch dann begegnet sie Yael, einem Betschüler aus der Siedelei auf der anderen Seite der Insel. Sie verliebt sich auf den ersten Blick, doch sie gilt als Missgeburt und wird niemals einen Mann heiraten dürfen. Schon gar nicht einen, den sie selbst gewählt hat.
„Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle.“, sind die ersten drei Sätze des ersten Kapitels. Hier gewinnt man schon den ersten Eindruck von den stakkatohaften Sätzen und der Tatsache, dass vor Vulgärsprache nicht zurückgeschreckt wird. Diese Schimpfworte hört die namenlose Protagonistin fast täglich. Es wird ihr von Kindern und anderen Dorfbewohnern hinterher gerufen. Denn sie wurde nicht auf der schönen Insel geboren. Sie kommt aus einer unbekannten Welt, die man auf der Insel nur als „Drüben“ bezeichnet. Weil man ihre Eltern nicht kennt, trägt sie als einzige im Dorf keinen Namen. Auf über 450 Seiten und 128 Kapiteln, die hier als Strophen bezeichnet werden, verfolgt man ihren Kampf um Selbstermächtigung und Auflehnung gegen patriarchale Systeme. Dass die Kapitel hier Strophen sind, ist kein Wunder. Denn der nichtssagende Titel „Miroloi“ ist ein Klage- oder Totenlied aus dem griechisch-orthodoxen Glauben. Da die Namenlose nicht zur Gemeinschaft gehört, keinen Besitz haben darf und sie als Unglücksbringerin gilt, wird sie nach ihrem Tod jedoch niemand besingen: „Mein Miroloi muss ich mir selber singen, damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nie gegeben haben“ (S. 10).
Die namenlose Ich-Erzählerin arbeitet als Haushälterin für den Bethaus-Vater, der sie gefunden und aufgezogen hat. Er ist die höchste religiöse Figur des Dorfes und damit eine Respektsperson. Er hält seine schützende Hand über sie. In seiner Nähe traut sich niemand, sie zu beleidigen oder anzuspucken. Insgesamt ist er für sie wie ein Vater. Und auch, wenn es kleinere Konflikte zwischen ihnen gibt, ist das Verhältnis dennoch gut. Außerdem ist sie die Glöcknerin des Dorfes, was ironisch ist, weil sie ein Bein nachzieht. Anfangs ist die Protagonistin naiv, dümmlich und ungebildet, denn Frauen in ihrem Dorf ist es nicht gestattet, lesen und schreiben zu lernen. Jedoch bringt der Bethaus-Vater es ihr heimlich bei. Es ist etwas, das sie teilen und miteinander verbindet. Damit offenbaren sich ihr Geheimnisse, die ihr sonst verborgen geblieben wären. Und schrittweise beginnt sie zu begreifen, in was für einem unterdrückerischen und ungerechtem System sie lebt. Ich fand sie nicht immer sympathisch und auch nicht immer nachvollziehbar, z.B. als sie aus reiner Wut heraus ihre Katze treten wollte. Aber ich bewundere doch ihren Mut, sich gegen die zahllosen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen.
Köhlers Schreibstil ist stark an die Ich-Perspektive angepasst und anfangs schlicht und wiederholend. Die Namenlose hat zu Beginn eine sehr kindliche Perspektive auf die Welt und mit ihrem limitierten Vokabular sowie den schrägen Neologismen wird ihre eingeschränkte Wahrnehmung gut unterstrichen. Später lernt sie aber bspw. den Konjunktiv zu nutzen und sich sprachlich zu entfalten. Hinzu kommen viele Begriffe, die von der fiktiven Religion der Insel geprägt sind, wie Pujachatt (Gottesdienst), Kanah oder Satvastan. Auch die Atmosphäre der kleinen griechischen Insel mit ihrer Natur, Architektur und Esskultur wird wunderbar eingefangen. Wenn von Schafskäse mit Oliven und summenden Bienen im sonnigen Gemüsegarten geschrieben wird, entsteht das Bild eines trügerischen Paradieses, das für Frauen aber zur Hölle auf Erden wird. Das Tempo ist überwiegend langsam, denn die alltäglichen Rituale werden ausführlich geschildert. Trotzdem ist es nicht langweilig und ab der zweiten Hälfte spitzen sich die Konflikte deutlich zu. Köhlers experimenteller Stil funktioniert aber leider nicht immer gut. Als die zwölfte Strophe bspw. aus einer Auflistung aus Substantiven besteht, die die Namenlose kennt, und sie sich stellenweise wiederholt, habe ich mich unironisch gefragt: Was ist das für ein Scheiß? Ein anderes Kapitel besteht nur aus der Wiederholung des Namens ihres Angebeteten mit alternierenden Satzzeichen. Kostprobe gefällig? „Yael Yael Yael Yael Yael Yael. Yael Yael Yael Yael, Yael Yael Yael Yael Yael Yael Yael Yael.“ (S. 213) Und das Veröffentlichen leerer Seiten als Kapitel, um die innere Leere der Protagonistin wiederzugeben, das gab’s schon bei Stephenie Meyers „Bis(s) zur Mittagsstunde“. Und das ist gewiss auch kein literarischer Geniestreich. Nicht zu vergessen: Die Dialoge sind wie Stichpunkte aufgelistet, sodass stellenweise nicht klar ist, wer gerade redet. Anführungszeichen gibt es im gesamten Buch nicht. Stilistisch finde ich den Roman also gleichermaßen außergewöhnlich wie abgedreht.
Religiosität spielt auf der schönen Insel eine besonders große Rolle. Der Glaube ist zwar fiktiv, hat aber starke Parallelen zur griechisch-orthodoxen Kirche. Das Glaubensbuch, die Khorabel, ist ein Wortspiel mit Koran, Thora und Bibel. Allerdings ist der Glaube auf der Insel nicht monotheistisch, sondern polytheistisch. Sie glauben an drei männliche Götter: den Schöpfer, den Bewahrer und den Zerstörer. Der Ältestenrat, der aus 13 Männern besteht, bestimmt die Gesetze auf der Insel, die von der Außenwelt völlig abgeschnitten ist. Sobald Mädchen menstruieren, werden sie verheiratet, wobei der Rat jedes Jahr die Bräutigame auswählt. Die Mädchen haben kein Mitspracherecht. Fluchtversuche von der Insel stehen unter Strafe, sie ist also ein Gefängnis für die Bewohner. Mit dem Glaubensbuch wird die Unterdrückung von Frauen legitimiert. Die Religion ist hier also ein missbräuchliches Mittel zum Zweck. Grundsätzlich ist dieser Roman inhaltlich harter Tobak. Es geht um häusliche und sexuelle Gewalt inklusive Vergewaltigung, Folter, Tierquälerei, Mobbing und Hinrichtungen. Solltet ihr für einen dieser Trigger anfällig sein, seid bei der Lektüre bitte vorsichtig! „Miroloi“ ist also nicht nur feministisch, sondern auch religionskritisch.
Der Plot ist stellenweise wirklich harter Tobak, umso weniger verwunderlich ist es, dass auch das Finale brutal und grausam ist. Das Ende bleibt leider enttäuschend offen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, bspw. wer die Eltern der Protagonistin sind. Und auch ein weiterer Aspekt hat mich gestört: Die Namenlose verliebt sich in den Betschüler Yael. Eigentlich nur, weil er ein hübsches Gesicht und Locken hat. Dann trifft sie ihn in einem unbeobachteten Moment wieder, und sie fallen übereinander her wie Tiere. Es gibt keinen starken Dialog, keine Chemie zwischen den beiden. Beim zweiten Treffen schlafen sie sofort miteinander, dabei ist Yael rücksichtslos, tut ihr weh und scheint nur auf seine eigene Befriedigung zu achten. Und trotzdem himmelt sie ihn weiter an? Ich erwarte keine starke Romantik von diesem Roman, aber ein bisschen mehr Tiefe hätte ich von der Beziehung zwischen den beiden doch erwartet. Das ist für mich der größte Schwachpunkt an „Miroloi“.
Es fällt mir schwer, ein faires Urteil über „Miroloi“ zu fällen, wo meine Eindrücke doch so ambivalent sind.
Einerseits bewundere ich Karen Köhlers Mut, formal und sprachlich neue Wege zu gehen, und schätze die eindringliche Auseinandersetzung mit patriarchaler Unterdrückung, religiösem Machtmissbrauch und weiblicher Selbstermächtigung. Andererseits schießt der experimentelle Stil immer wieder übers Ziel hinaus, einige formale Spielereien wirken eher prätentiös als gewinnbringend, und vor allem die Liebesgeschichte konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Auch das offene Ende hinterlässt mehr Frust als Nachhall. Dennoch hat Karen Köhlers Debütroman diese literaturkritische Zerfleischung absolut nicht verdient. Der Rezensent von Deutschlandfunk geht so weit zu behaupten, der Roman sei in Wahrheit ein Jugendbuch und er würde nur deshalb wohlwollend kritisiert werden, weil er Feminismus behandle. Es ist spannend, wie substanzlos die Verrisse männlicher Rezensenten sind. Vielleicht, weil die Welt eines ungebildeten, religiös indoktrinierten und hinterwäldlerisch lebenden Mädchens zu weit weg von ihrer eigenen Biografie ist. „Miroloi“ aus dem Jahr 2019 ist zweifellos ein außergewöhnlicher und diskussionswürdiger Roman, der viel wagt und ebenso viel polarisiert. Mich hat er nicht restlos überzeugt, aber ich kann ihn vor allem jenen empfehlen, die offen für experimentelle Literatur mit feministischen und religionskritischen Themen sind. Deswegen erhält diese ungewöhnliche Lektüre von mir gute drei von fünf Federn. - Lisa Jackson
Angels
(131)Aktuelle Rezension von: Blackfairy71Als Kristi an ihr College in New Orleans zurückkehrt, ist ihr Vater, Detective Rick Bentz, beunruhigt. Vier Studentinnen sind dort spurlos verschwunden. Kristi, die unbedingt Kriminalschriftstellerin werden will, entdeckt eine Sekte, die sich einem mysteriösen Vampir-Kult verschrieben hat. Sie ermittelt auf eigene Faust. Doch bevor sie sich einen Eindruck von dieser dubiosen Gruppe verschaffen kann, ist sie auch schon in den tödlichen Fängen des Killers ...
Ich habe das Buch letztes Jahr auf einem Büchermarkt entdeckt und fand den Klappentext direkt interessant. Was ich allerdings nicht wusste: Es handelt sich um den fünften Teil einer Reihe rund um die Polizisten Rick Bentz und seinen Kollegen Montoya. Ob das der Grund war, warum ich mit den Charakteren nicht richtig warm geworden bin, kann ich nicht genau sagen – die Fälle an sich sind zwar abgeschlossen, dennoch fehlte mir irgendwie der Bezug.
Es wird regelmäßig auf Ereignisse aus dem Vorgängerband angespielt, die Kristi Bentz betreffen. Diese werden hier jedoch nur angerissen – vermutlich, um nicht zu spoilern. Für mich bewirkte das allerdings eher das Gefühl, dass mir wichtiges Hintergrundwissen fehlt.
Insgesamt war das Buch zwar unterhaltsam, zog sich aber stellenweise in die Länge. Zudem empfand ich vieles als unschlüssig. Ohne zu viel zu verraten: Kristis „Gabe“, die wohl einen Hauch Mystery einbringen sollte, wirkte deplatziert, und auch das Studienfach „Vampirismus“ an einer Universität fand ich sehr merkwürdig. Auch die Handlungsweisen der Figuren waren für mich oft nicht nachvollziehbar, besonders bei Kristi: Warum riskiert sie, nachdem sie gerade erst knapp dem Tod entronnen ist, erneut so viel, nur um ein True-Crime-Buch zu schreiben? Auch die Auflösung und die Motive des Täters am Ende konnten mich nicht ganz überzeugen.
Ein Kritikpunkt ist zudem der deutsche Titel. „Angels – Meine Rache währt ewig“ passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zum Inhalt. Wer sind die „Angels“ und wessen Rache ist gemeint? Der Originaltitel „Lost Souls“ wäre deutlich passender gewesen.
Positiv gefallen hat mir jedoch der Schreibstil. Die Autorin schreibt sehr spannend und anschaulich; man hat das Gefühl, gemeinsam mit Kristi über den Campus zu laufen.
- Ali Hazelwood
Mate – Die unzumutbare Unmöglichkeit von Liebe
(200)Aktuelle Rezension von: zwischenkapitelnundkaffeeIn dem Buch dreht sich alles um Gefährtenbindung, die Existenz von Werwolf-Mensch-Hybriden, Serenas Herkunft und die Rolle von Koen als Alpha.
Serena und Koen sind beide sehr sympathisch, die Dynamik ist ausgelegt auf humorvolle, sarkastische Wortwechsel und man erkennt, wie sehr sie sich eigentlich mögen. Allerdings waren mir die Wortgefechte stellenweise zu überzogen, etwas weniger hätte es auch getan. Auch die sehr vielen expliziten Szenen waren mir deutlich too much, nicht in Summe, aber es war alles auf wenige Seiten gebündelt. Da hätte es mir etwas weiter aufgefächert besser gefallen.
Zu kurz kam mir leider die Tiefe der Charaktere, besonders von Koen weiß ich auch am Ende vom Buch gefühlt nichts.
Positiv zu erwähnen sind aber auf jeden Fall die Nebenfiguren, sowohl Koens Leute als auch Misery, die man aus dem ersten Band kennt.
Insgesamt eine unterhaltsame Fortsetzung!
P.S.: Falls jemand den ersten Teil gelesen hat und den Knoten genauso lustig fand wie ich, freut euch auf Mate. Mehr Knoten-Content! 🥳🤣 - Arno Strobel
Das Dorf
(424)Aktuelle Rezension von: Lillith54wNormalerweise nehme ich mir viel Zeit für eine Rezension, doch hier lohnt es sich meiner Meinung nach nicht. Der Autor ist bekannt und beliebt, also hatte ich auf spannende Unterhaltung gehofft. Den eher schlichten Schreibstil hätte ich ihm sogar verziehen. Der Anfang des Buches war durchaus packend, und die Beschreibung der Szenerie im titelgebenden Dorf wirkte recht spooky.
Insgesamt also durchaus gelungen.Eine ganze Weile spielt der Autor mit den Nerven seines Protagonisten und der Leser, was durchaus spannend ist. Irgendwann fragt man sich jedoch: Wohin will er eigentlich? Wie will er das auflösen? Bei Fitzek hatte ich ähnliche Erlebnisse, und auch dort war ich am Ende nicht zufrieden.
Es werden noch ein paar überflüssig grausame Szenen eingebaut, nur um den Leser richtig zu schocken.
Und dann?
Die Auflösung wirkte flach und völlig unverständlich – selbst wenn die Ereignisse im Dorf ausführlich erklärt werden.
Das Buch hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich glaube, ich bin zwar ein Fan von Thrillern, aber nicht von sogenannten „Psychothrillern“, bei denen es nur darum geht, den Leser zu schocken, ohne auf Plausibilität zu achten. Spannung kann auch subtil aufgebaut werden, hier jedoch wurde mit der Brechstange gearbeitet.
2*, weil man nur wissen wollte, wie es endet, und deshalb nicht abbrechen mochte. Keine Leseempfehlung von mir!
Strobel ist definitiv nicht mein Autor – dies war mein drittes Buch von ihm, und ich werde nicht mit ihm warm.
- T. M. Frazier
Wild Hearts
(269)Aktuelle Rezension von: Biblio.manin"Wild Hearts" von T.M. Frazier, ist eine fesselnde Dilogie die im Lyx Verlag erschienen ist und nimmt uns über 303 Seiten mit auf eine außergewöhnliche Reise. Dieses Buch hebt sich wohltuend von anderen ab, da es ein Thema behandelt, das in der Welt der Romane nicht alltäglich ist – die Flucht aus einer Sekte. Diese ungewöhnliche Thematik sorgt für eine erfrischende Abwechslung und macht das Buch zu einem packenden Leseerlebnis.
Der Schreibstil von T.M. Frazier ist nicht nur packend, sondern auch authentisch. Von der 1. Seite an vermag er den Leser in die Geschichte hineinzuziehen und seine Neugierde zu wecken. Das Buch strotzt vor Geheimnissen, die nach und nach enthüllt werden. Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut und lässt den Leser das Buch kaum aus der Hand legen.
Besonders beeindruckend ist das unerwartete Ende. Es kommt wie ein Paukenschlag und hinterlässt den Leser mit offenen Mund vor Überraschung. Dieser unvorhergesehene Plottwist trägt zur Faszination des Buches bei und hinterlässt den Wunsch, sofort mit dem nächsten Band weiterzulesen.
Die Handlung ist reich an Geschehnissen. Die Geschichte bewegt sich ständig vorwärts, und dennoch kommt die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten sowie deren emotionalen Entwicklungen nicht zu kurz. Der ständige Fluss von Ereignissen trägt zur Spannung bei und verhindert jegliches Abflachen des Interesses.
Auch die Nebencharaktere Miler und Josh sind äußerst spannend und wecken die Neugierde des Lesers. Man möchte nicht nur die Hauptgeschichte weiterverfolgen, sondern auch herausfinden, wie es mit diesen Charakteren weitergeht.
Insgesamt ist "Wild Hearts" von T.M. Frazier ein beeindruckendes Buch. Mit einem packenden Schreibstil, einer spannenden Handlung und überraschenden Wendungen. Es gelingt, die Balance zwischen aufregenden Ereignissen, emotionaler Tiefe und einer fesselnden Liebesgeschichte zu finden. Wer nach einer neuen Perspektive im New Adult Genre sucht und Lust auf eine mitreißende Handlung hat, wird von diesem Buch definitiv nicht enttäuscht sein.























