Bücher mit dem Tag "sekundärliteratur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "sekundärliteratur" gekennzeichnet haben.

75 Bücher

  1. Cover des Buches Westeros (ISBN: 9783764531362)
    George R. R. Martin

    Westeros

     (127)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Grasl

    Game of Thrones und Blut und Feuer wurden von mir ja schon gelesen. Da bietete sich natürlich ein Blick in die eigentliche Welt von Westeros an und womit Martin hier auffährt ist eine Enzyklopädie, welche sich durchaus sehen lassen kann.

    Alleine die Innengestaltung mit den Bildern und den Landkarten werten dieses Buch ungemein auf. Zudem bekommt der Leser mehrere Stammbäume präsentiert und eine umfangreiche Erklärung, wie es zur BEsiedelung von Westeros durch die Andalen kam. Ebenso wird ein Blick auf die Eroberung durch die Tagaryens geworfen und hier wird deutlich, dass Martin bereits lange vor diesem Band an Blut und Feuer gesessen haben muss, denn manche Passagen wurden aus diesem Werk ins andere übertragen.

    Neben Westeros führt uns der verfassende Maester jedoch noch viel Weiter. Über die Meerenge hinweg und hinein nach Essos. Wo die Inseln, Siedlungen und Städte aufgezeigt werden. Das alles geschieht zusammen mit den jeweiligen Eigenheiten der Bewohner und ihren ortsüblichen Sitten.
    Diese Herangehensweise lässt die Welt und ihre Menschen noch intensiver beleuchten und alleine am Ende des Buches, als Nachwort des Maesters, wird deutlich, dass hier nicht alles aufgezeichnet wurde.

    Und da sind wir auch schon irgendwie beim Knackpunkt, warum ich trotz allem keine vollen fünf Sterne vergeben würde. Mir persönlich fehlt nämlich ein ganz entscheidender Blickwinkel. Jener über die Mauer hinweg. Natürlich wird dieser Ort jenseits der Mauer angerissen, doch im Vergleich zu den übrigen Gebieten fällt es verhältnismäßig mager aus.
    Was ich auch interessant gefunden hätte wäre gewesen, wenn man die Stammbäume herausnehmbar gestaltet hätte. Alleine bei der Fülle an Namen mit denen Martin mal wieder um sich wirft wäre das schon hilfreich gewesen.

    Empfehlen würde ich das Buch auch nicht um bedingt als Einstieg in die Welt von Game of Thrones. Man sollte die Bücher vorher schon gelesen haben, denn sonst findet man sich schwerer zurecht.

    Fazit: Trotz der kleinen Kritikpunkte würde ich sagen, dass es bei diesem Band ähnlich ist wie bei Herr der Ringe und dem Simarillion. Will man tiefer Eintauchen in die betreffende Welt kommt man darum nicht herum und alleine die Aufmachung ist es alle mal wert.

  2. Cover des Buches Die Pest (ISBN: 9783499006166)
    Albert Camus

    Die Pest

     (500)
    Aktuelle Rezension von: meetmeattheplot

    Nachdem ich in der letzten Ausgabe des Börsenblatts einen Artikel gelesen hatte, dass auf Grund der Corona Pandemie der Roman von Albert Camus "Die Pest" in den Verkaufszahlen rasant gestiegen ist, musste ich mir bei meiner letzten ReBuy Bestellung den Roman direkt mitbestellen. 


    Albert Camus schafft es in dem Roman, der um 1940 spielt, eine unfassbar reale und zeitlose Geschichte zu schreiben, wie wir sie in den heutigen Zeiten erleben.


    Der Roman spielt in dem  kleinen Ort Oran an der algerischen Küste, der mit seinen klimatischen Verhältnissen von großer Hitze und kaum vorhandener Vegetation geprägt ist. 

    Die Geschichte verfolgt den Arzt Rieux der eines Tages bemerkt, dass in dem kleinen Küstenort sich vermehrt Ratten tummeln, die auf seltsame Art und Weise nach und nach dahin vegetieren. Die Zahl der Ratten steigt stetig und mit der Anzahl der steigenden Ratten nimmt die Geschichte ihren Lauf. Schon bald werden die ersten Vermutungen angestellt, dass es sich bei der Krankheit, die plötzlich in der Bevölkerung Orans auftritt, um die Pest handelt, oder eher eine pestähnliche Epidemie. 

    So nimmt der Roman seinen Lauf und beschreibt in einer unverblümten Art und Weise die unheilvolle Verbreitung der Pest, die damit verbundene Abschottung des Ortes, der sich darin befundenen Bewohner, sowie deren Leid und Sterben. 


    "Alles, was der Mensch beim Spiel der Pest und des Lebens gewinnen konnte, waren Erkenntnis und Erinnerung"


    Verglichen mit der aktuell herrschenden Situation ist es teilweise erschreckend, wie ähnlich die Situationen und die Ausnahmezustände beschrieben werden. Camus beschreibt die hermetische Abriegelung des Ortes, die Einsamkeit der Menschen und das teilweise stille Leiden der zurückgebliebenen so treffend, dass man zwischenzeitlich beim Lesen vergisst, dass der Roman 1940 spielt und nicht in der heutigen Zeit. Camus zeichnet eine glaubwürdige und beängstigende Lage, die nicht treffender auf den Coronavirus passen könnte. 

    Ich als Leser habe mich oft in den Umschreibungen der Gefühle der einzelnen Personen widergefunden.

    Neben denen, die versuchen mit der Situation zurecht zu kommen und sich dem was die Präfektur vorgibt abzufinden, gibt es auch bei "Die Pest" Bewohner des Ortes Oran die versuchen mit allen Mitteln sich gegen diese Anordnungen zu stellen, einen Ausweg zu finden, oder sogar das Vorhandensein der Pest abstreiten.


    Zusammenfassend ist "Die Pest" ein absolut zeitgemäßer Roman, der perfekt in die aktuelle Situation passt und nicht umsonst derzeit so gefragt ist. 

  3. Cover des Buches Das Parfum ( Parfüm) (ISBN: 9783804403925)
    Bernd Matzkowski

    Das Parfum ( Parfüm)

     (118)
    Aktuelle Rezension von: Lorenz1984

    Was für ein eindringlich, wunderschöner und grausiger Ausflug in die Welt dieses Wunderknabens.

    Die erste Seite des Buches beschreibt die Vollkommenheit und den unvergleichlichen Stil des Buches bereits sehr gut. 

    Ich bin froh den Film erst nach dem Buch gesehen zu haben. Finde aber den Film auch nicht schlecht, aber natürlich ist vieles im Vergleich zum Buch  "zensiert" und es fehlen Teile des Buches gänzlich, aber für eine Umsetzung eines Buches, welches so schwierig umsetzbar zu sein scheint (Die Darstellung von Gerüchen vorallem und die Umgebung dieser Zeit etc...) hat das Team rund um den Film tolle Arbeit geleistet. 

    Dieser Roman ist grandios und hat mich sehr gefesselt. Es ist wohl eines der absolut besten, die ich bisher lesen durfte. 


    Totale Empfehlung!

    Gelesen 2019



  4. Cover des Buches Das Leben des Friedrich Schiller (ISBN: 9783458351092)
    Sigrid Damm

    Das Leben des Friedrich Schiller

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    In "Das Leben des Friedrich Schiller" entwirft Sigrid Damm ein sehr gründliches Bild Schillers, unterstützt durch zahlreiche, gelungen in den Text eingefügte Zeitzeugenzitate. Es gelingt nicht immer so gut, solche Zitate derart angenehm in den Text einzubauen, und obwohl dies die dritte oder vierte Schillerbiographie ist, die ich las, erfuhr ich doch noch neue Informationen. Hauptsächlich sind es die Worte von Schiller selbst, die wir hier lesen können, gut in den Kontext gesetzt, aber auch viele Weggefährten kommen zu Wort. Auf viele Aspekte, die in anderen Biographien nur am Rande (wenn überhaupt) vorkommen, geht Sigrid Damm angenehmer Ausführlichkeit ein. Die Beziehung Schillers zu seinen Eltern ist zum Beispiel in diesem Buch gut beleuchtet worden, auch über die Eltern selbst gibt es Hintergrundinformationen. Das, was mir in Safranskis Biographie oft gefehlt hat: der Mensch Schiller, findet sich hier auf sehr erfreuliche Weise. Die Persönlichkeit, das Wesen Schillers, sein Umgang mit seiner Vaterrolle, seine sehr direkte Art, die Mischung aus Empfindlichkeit und fehlender Diplomatie, all dies wird hier gut dargestellt, hilft, auch den Menschen hinter dem Werk kennenzulernen. Lediglich die Ehe kommt ein wenig zu kurz.

    Schillers Werk selbst wird ebenfalls gut dargestellt, wenn auch manchmal ein wenig mehr Ausführlichkeit hier willkommen gewesen wäre. Interessant die spannungsreiche Beziehung zwischen Schiller und Herzog Carl August, die auch durch einige Zitate aus Briefen Carl Augusts gut illustriert wird. Normalerweise kommt der Herzog selbst in derlei Biographien kaum zu Wort, so wurde auch er hier für den Leser etwas anschaulicher.

    Sigrid Damm schafft es sehr gut, dem Relevanten genug Raum zu geben und sich nicht zu sehr in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Dadurch liest das Buch sich flüssig. Etwas störend fand ich, daß sie sich selbst immer wieder ins Spiel brachte. Am Anfang des Buches steht ein ausführlicher Bericht, wie sie früher zu Schiller stand, wie sich dem Werk und dem Menschen näherte. Auch später kommen immer wieder Einschübe über ihre Besuche an manchen Orten, ihre Gedanken bei diesem und jenem - ich finde es immer eher unangenehm, wenn ein Autor sich derart in den Vordergrund schiebt. Wenn ich eine Biographie über Schiller lese, dann, weil ich etwas über Schiller erfahren möchte. Wann und warum der Autor der Biographie Schiller für sich entdeckt hat, oder welche Gedanken beim Anblick des Grabes der Mutter aufkommen, ist für mich nicht relevant.
    Der andere Kritikpunkt ist die - mir schon aus anderen Büchern bekannte - Vorliebe Sigrid Damms für unvollständige Sätze bei der Einleitung oder Zusammenfassung eines Themas (zB "Die Nachricht vom Tod der Schwester. Die Trauer der Eltern um den Verlust der Tochter. Elisabetha Dorotheas Angst um den Ehemann." oder "Schillers Vorliebe für Geschichte. Sein Interesse am Wallenstein-Stoff, den er bereits als Historiker bekundet hat."). Gerade inmitten des ansonsten so angenehm lesbaren Stils fallen sie auf und sind zumeist ohnehin überflüssig.
    Manche Absätze bestehen lediglich aus einer Aneinanderreihung von Fragen ohne Antworten. Auch dies finde ich überflüssig. An manchen Stellen können wir nur mutmaßen, das ist normal. Die Mutmaßungen müssen dem Leser aber nicht vorgekaut werden.

    Erfreulich ist es, daß Sigrid Damm meistens die Zeitzeugen sprechen läßt und ihre Interpretationen den Leser nicht aufdiktiert (was die Autorinnen von "Schillers Doppelliebe" leider nur zu gerne taten). Sie schildert zum Beispiel zwar ihre Eindrücke des Goethe-Schiller-Denkmals (welche sich von meinen grundlegend unterscheiden), maßt sich aber nicht an, die Freundschaft der beiden Dichterfürsten zu beurteilen oder kleinzureden. Sie läßt die beiden Freunde und andere Zeitzeugen zu Wort kommen. Das geschieht auch bei anderen Punkten und gefiel mir sehr gut (leider wurde diese Neutralität aber nicht durchgängig beibehalten).

    So ist dieses Buch recht lebendig und erfreulich zu lesen, für mich eine hervorragende Ergänzung zu Safranskis Schillerbiographie, weil der Mensch und sein Umfeld hinter dem Werk hervortritt. Die oben genannten Eigenheiten der Autorin haben für mich an manchen Stellen das Lesevergnügen ein wenig beeinträchtigt, im Ganzen kann ich das Buch aber sehr empfehlen.
  5. Cover des Buches Niegeschichte (ISBN: 9783957577856)
    Dietmar Dath

    Niegeschichte

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Simon_liest

    Inhaltitis betreiben wir mal wieder nicht. Die Zuflucht zu Kripke im letzten Kapitel rettet viel, trotzdem: Ich gehe hier mal hart ins Gericht mit dem Text, da der aufgespannte Erwartungshorizont weit ist.
    Trotzdem muss ich voranstellen, dass es Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen. Woran man sich reiben kann, daran wächst man. Ein neues Standardwerk? Mit Ansage?
    Fragt sich, warum folgenreichste SF/Fantasy wie z.B. die sektengründung-hervorrufende »Shikasta«-Trilogie der Doris Lessing unerwähnt bleibt …
    Insbesondere sind die abschließenden Theoriekapitel als gelungen zu bewerten, aber …

    Strategie des Buches:
    Die herkömmliche Literaturkritik (was immer man darunter verstehen mag, im Text allgemein als Feuilleton etc. abqualifiziert) hat sich immer noch nicht in besonderer Weise der SF angenommen, sondern ignoriert diese hartnäckig, insbesondere sie als ernsthafte Literatur anzuerkennen (mi-mi-mi).
    Also postuliere man, die Vorgehensweisen der Literaturkritik (da dem Empirismus Untertan) sind auf SF nicht anzuwenden und kreiere neue Kriterien (Neginduktion, Aufhebungsfunktor). Argumentationskette ist ein Analogieschluss, da Kunst, insbesondere Literatur, und Mathematik ja beide nicht der direkten Sinneswahrnehmung (Empirie?) unterworfen sind, und daher die Anwendung naturwissenschaftlicher Verfahren auf geisteswissenschaftliche Zusammenhänge ja sowieso im statistik-dominierten Empirismus sinnvoll erscheint (Haben wir ja immer schon so gemacht“). Wer hierin einen Widerspruch sieht... wird durch epistemologische Belege anhand von Zitaten mit Information überschwemmt.
    Leider hilft die Anwendung der Mathematik nicht zu Aufhebung des Unglaubens, denn diesen gibt es in jeder Geschichte!, nicht nur SF.

    Gelten im Gerne andere Gesetze?
    Die kunstvolle Verschleierung oder Verzerrung von Fakten, um eine erhöhte Glaubwürdigkeit zu erzeugen, ist in der SF sehr hoch entwickelt, entrückt sie aber nicht dem Faktum, Literatur zu sein.
    Die neu geschaffenen Formalien dienen sicher gut zur Abgrenzung, was SF ist, und was nicht. Aber sie entrücken die SF nicht den Urteilen, was ein guter und ein schlechter Text ist, eben im Zusammenhang der jeweiligen Kriterien der angewendeten philosophischen Grundlagen jedweder Literaturkritik. Die ästhetische Gestaltung der Neginduktion, des Aufhebungsfunktors, unterliegt nach wie vor diesem Prozess, wobei bekanntlich Schönheit im Auge des Betrachters liegt: Literatur entsteht beim Lesen!
    Der rote Faden, welcher oft verloren geht (s.u.) führt nicht aus dem Labyrinth einfach im Vorbeigehen eine neue Literaturtheorie, speziell für die SF zu generieren. Die Abgrenzung der SF ist dagegen sehrwohl gelungen, wenn auch der Anspruch des Buches wohl etwas überfrachtet wirkt.
    Positiv hervorzuheben der Abschnitt über Neologismen: Unlogische (?!) Verbindung von Wörtern jubelt im Genre eine (meist) unbegründbare Tatsache unter, wie i.A. bekanntes Wissen (zweckentfremdet, d.h. mit versteckter Unlogik) auf ein unbekanntes Terrain durch (eben die vorgetäuschte) Analogie übertragen wird. Die Prüfbarkeit die Ähnlichkeit wird in der SF als unmöglich gesetzt. Damit wird in der SF ein Erwartungshorizont vorgegeben, der sich realer Überprüfung entzieht, d.h. ›das Ding aus einer anderen Welt‹ wird als Beiläufigkeit ›getarnt‹.
    Ansonsten ist der aktuelle literarische Gelehrtenstil meines Erachtens eher dem letzten Jahrtausend zuzurechnen. Aber an deutsche Gründlichkeit den Appell der Wissensvermittlung zu stellen, wie im amerikanischen Englisch realisiert, bedeutet einen steten Tropfen für den Stein zu mimen.

    Im Einzelnen:
    Des Autors Anspruch ist weit (etwas zu weit?) gefasst und daher sind viele Gedankengänge überzogen. Er weiß viel, ohne Frage, will das auch zeigen, und das erhebt ihn auch über den Durchschnitt, sonst hätte ich es nicht gelesen. Auch bemüht er sich um Klarheit. Letztere leidet aber unter seinem Mitteilungsdrang, hier eine Stilprobe (d.h. ich imitiere das jetzt mal, inhaltlich beim Gedankengang bleibend):

    Die mathematische Idee in Symbolen und Zeichenfolgen (Wittgenstein usw) ist ja seit dem Strukturalismus, insbesondere bei Chomsky, ja nicht neu, nur etwas weniger Gedankengänge (in Klammern) und kürzere Nebensätze, insbesondere Fremdwörter (man muss ja nicht immer epistemologisch statt erkenntnistheoretisch schreiben) würden zum besseren Verständnis beitragen.

    Auch zitiert der Autor ja gerne, um etwas zu belegen, was aber logisch natürlich nichts miteinander zu tun hat. Ein Zitat ist kein Beweis, weder ein Beleg (mit Derrida, Bartes u.ä. geht er schließlich auch entsprechend ins Gericht, wenn auch teils polemisch überinterpretierend, um zur gewünschten Falsch-Überinterpretation zu gelangen). Insbesondere seine Dialektik hält er hoch (nichts gegen Marx, aber es wirkt manchmal an den Haaren herbeigezogen, anstatt einfach zu setzen, der dialektische Materialismus bedeute sowieso das Ende der (bürgerlichen) Kunst). Ich bin auf Dath's politischer Seite, nebenbei bemerkt.
    Nach den Argumentationsketten im Text hätte ich mit folgenden Nietsche-Zitat (den D. Dath ja zu mögen scheint) in Analogie "bewiesen", das meine Einwände gerechtfertigt sind.
    "Wenn der Autor nicht verstanden werden will, wirft das ein entsprechendes Bild auf ihn."
    Habe ich natürlich mitnichten, und das fuhr mich bei der Lektüre manchmal echt sauer: Wie Luhmann u.a. zu Vergleichen herangezogen werden, die wie falsche angewendete Metaphern fachübergreifend (ohne Beweis, ob eine solche Entfremdung überhaupt zulässig ist und sich entlehnte Bewertungsmechanismen übertragen lassen, denn eine beliebige Analogie ist ja wie gesagt kein Argument), um Urteile innerhalb der SF wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Nun gut, aber dann zu behaupten, durch fachübergreifende (natürlich interdisziplinär genannt) Methodenanwendung tiefer in die Materie einzudringen, scheint dann doch gewagt. Diese Unsicherheit ist dem Text auch anzumerken:

    Ab der Abrechnung mit Star Wars geschieht beinahe ein Wunder: Die Gedanken sind klar formuliert, man versteht (ich + Partizip) die Neginduktion und vieles mehr: Warum nicht gleich so?
    Aber auch hier eine kleine Anekdote von (2.te Ausgabe) S. 585 bis 587, mit der ich hoffe zu verdeutlichen, warum ich vieles für zu weit ausgegriffen halte: Der Autor zitiert einen Vergleich bei Raymond Chandler: … 'jemand sei so leblos wie die Manteltaschen einer Vogelscheuche ...“. Weiter kenne er eine belesene Person, die neuere chinesische Autoren als trocken empfände, weil sie die (genretypischen aber nichtsdestotrotz hochliterarischen) Vergleiche (z.B. eines Parallelprozessors bzgl. Virtualität, Parallelwelt etc.) nicht erkenne. Nun kann man aber die Manteltaschen einer Vogelscheuche auch als im Wind flattern empfinden … und mitnichten leblos, bleibt die alte Schreibregel:„Vergleiche sind schlimmer als Klischees“, zumindest aber missverständlich: Literatur entsteht eben beim Lesen.
    Auch die Entkräftung des Vorwurfs „bei SF wird zu viel erklärt“ durch Verkennen dieser Notwendigkeit als Folge von Genregesetzen muss ich entgegenhalten, dass Recherche immer beiläufig scheinen muss (Show! Don't explain!). Ein Text muss auch ohne Anspielungen, Intertextualität und Reminiszenzen funktionieren. Gerade in „Niegeschichte“ schimmert immer wieder der Eifer des Autors durch, (auch teils deplatziert) gelesene Lektüre ins Spiel zu bringen, nicht um eines Beleges wegen, sondern um anekdotisch (meist auf Abwege geratend) zu plaudern, meist um den Marxismus kreisend.
    Marxisten, der historische Materialismus und die Freudianer, Jungianer, die Psychoanalyse eben, sind notwendigerweise Gegner, da sie sich gegenseitig in der Falle der selektiven Wahrnehmung spiegeln. Ich lese, um Figuren, eben Menschen, kennenzulernen, und wenn möglich besser als mich selbst. Denn die Hybris-Illusion, die Welt allumfassend erkunden und ganzheitlich verstehen zu können, erzeugt erst unsere vorhandenen Probleme, zu deren Lösung mit Sicherheit keine Literatur der Welt beiträgt.

    Fazit:
    Je höher die Anzahl der verwendeten Fremdwörter, desto gewundener der Gedankengang, desto zerbrechlicher das Eis, desto wilder das Schlingern in unsicherem Terrain: Man muss dies allerdings entschuldigen, da der Autor den Mut hat, sich ins Neue, ins Unbekannte aufzumachen. Etwas weniger wäre mehr gewesen, nichtsdestotrotz eine unterhaltsame Geschichte der SF, wohl zukünftig im deutschsprachigen Raum ein Standardwerk. Vielleicht kann eine Neuauflage das Mitteilungsbedürfnis des Autors zielgerichteter kanalisieren, um die scheinbar willkürliche Lektüreauswahl im Gedankengang belegfähig zu gestalten (s.o.: Ein Zitat ist kein Beleg).

    Bleibt dem Autor zu Danken für die ernsthafte Bemühung das Genre des SF abzugrenzen, auch wenn es mich traurig macht, wenn der Autor versucht, Literatur auf Mathematik zu reduzieren.

  6. Cover des Buches Nachschrift zum "Namen der Rose" (ISBN: 9783423105521)
    Umberto Eco

    Nachschrift zum "Namen der Rose"

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Shannon

    "Der Name der Rose" ist ein Klassiker, der die Lesewege von ernsthaften Lesern früher oder später wohl kreuzt. Doch - wie ist er entstanden?

    Mich hat der Weg zu diesem Büchlein durch die Frage nach dem Buchtitel geführt. Nach der Lektüre des Romans wollte ich mich im Internet über die Deutung des Titels schlau machen und so kam ich auf diesen kleinen, aber sehr feinen, Band in dem uns Eco etwas hinter die Kulissen - und auch in seine vielfältige Gedankenwelt blicken lässt - ein echter Gewinn!

    Ich habe mir nicht allzu viel erwartet - der Preis ist - weil nur mehr antiquarisch erhältlich - auch nicht allzu hoch. Doch ich habe mich von Anfang an köstlich amüsiert. Eco ist ein Freund von Interpretationen - nicht nur beim Titel. 

    "Der Autor müßte das Zeitliche segnen, nachdem er geschrieben hat. Damit er die Eigenbewegung des Textes nicht stört."

    Es sind Aussagen wie diese, die das Büchlein so lesenswert machen. Dies und die Abbildung vieler im Roman beschriebener Portale, Bilder, etc. Für den Leser von "Der Name der Rose" eine empfehlenswerte, erhellende Zusatzlektüre und ein amüsanter Zeitvertreib noch dazu.




  7. Cover des Buches Jean-Jacques Rousseau (ISBN: 9783406419492)
    Dieter Sturma

    Jean-Jacques Rousseau

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  8. Cover des Buches Moderne Lyrik (ISBN: 9783525208625)
    Dieter Lamping

    Moderne Lyrik

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Hermann Hesse kennen lernen: Leben und Werk (ISBN: 9783940257260)
  10. Cover des Buches Das Science Fiction Jahr 2005 (ISBN: 9783453520684)
    Arndt Drechsler

    Das Science Fiction Jahr 2005

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Thomas Manns Dr. Faustus und die Wirkung (Sammlung Profile) (ISBN: 9783416017244)
  12. Cover des Buches Georg Büchner "Woyzeck" (ISBN: 9783129281017)
    Georg Patzer

    Georg Büchner "Woyzeck"

     (14)
    Aktuelle Rezension von: schmiddey
    Woyzeck ist ein nicht beendeter Roman der aus Notizen von Büchner zusammengestellt wurde, deswegen gibt es auch mehrere Fassungen. Im Gr´ßen und Ganzen geht es um den Soldaten Woyzack, der zur Unterschicht gehört und alles tut, um Geld für seine Marie zu besorgen. Dabei wird er von der Oberschicht nur ausgenutzt. Als dann auch noch der Tambourmajor mit seiner Marie anbändelt, geschieht was passieren musste. Meiner Meinung nach ist Woyzeck ein Roman, den man wirklich schnell und flüssig lesen kann, was sicherlich auch an der Kürze dieses Romans liegt. Er macht die Probleme zu Büchners Zeit deutlich genauso wie auch Büchners Einstellung zur Politik.
  13. Cover des Buches Gefühlserkenntnisse und Denkerschütterungen: Robert Musils Nachlass zu Lebzeiten (ISBN: 9783895282058)
  14. Cover des Buches Bourdieu lesen (ISBN: 9783899421026)
    Christian Papilloud

    Bourdieu lesen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Ilse Aichinger - Misstrauen als Engagement (ISBN: 9783826037375)
  16. Cover des Buches "Was wir einsetzen können, ist Nüchternheit": Zum Werk Ilse Aichingers (ISBN: 9783826020919)
  17. Cover des Buches Jugendliteratur (ISBN: 9783781507500)
    Karl E Maier

    Jugendliteratur

     (1)
    Aktuelle Rezension von: GeschichtenAgentin
    Immer wieder erstaunlich, zu welcher Lektüre mich meine Neugier treibt: Welches Buch für welches Alter - und warum? Staubtrocken, aber interessant.
  18. Cover des Buches Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte (ISBN: 9783833300370)
    Michael Maar

    Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Alexander_Bally
    Michael Maar hat mit diesem Büchlein ein kleines Bändchen kluger und dennoch leichtverständlicher Sekundärliteratur zu den Harry-Potterbüchern vorgelegt. Zwar ist das Buch etwas älter und berücksichtigt nicht die letzten Bände, dennoch lohnt es sich, denn man findet darin zu den ersten vier Bänden reichlich Stoff zum nachdenken und -prüfen. Kühn rückt Maar zu Beginn die Jugendromane von Rawling in die Nähe eines unbestrittenen Meisters: Er stellt fest, dass Nabokov Harry Potter gemocht haben würde. Um diese These zu stützen, führt dann uns der Autor ein unterhaltsames Büchlein lang vor, wie raffiniert und durchdacht Rawling ihre so einfach wirkenden Geschichten gewebt hat. Er weist ihr beim Plotten wiederholt einen literarischen Wronsky-Bluff nach, ein aus den Romanen augenzwinkernd entlehnter Begriff, den er auf das Plotten bezieht. Hierbei wird immer wieder eine Lesererwartung unterstützt, und gefüttert, um im letzten Moment – wie auf dem Quiddichfeld – doch noch die Kurve zu kratzen und eine ganz andere Lösung zu präsentieren, eine Lösung, die der Leser die ganze Zeit vor Augen hatte, die er aber nie als Lösung wahrnahm, weil die Spannung der Geschichte und ihn mit sich riss. Auch die Namen werden ausführlich analysiert und entpuppen sich oft als meist wohldurchdachte, beziehungsreiche Omen. Bemerkenswert ist die Analyse der Dementoren, die Maar sehr schlüssig als das personifizierte, zum toten Fleisch gewordene klinische Erscheinungsbild der Depression erkennt. Interessant ist am Ende das Orakel, wenn Maar mit dem Informationsstand von Band IV versucht, auf die Ereignisse der letzten drei Bände zu schließen. Es ist ein schlaues und leicht zu genießendes Buch. Ein Buch, das Potterfans Freude macht, aber auch allen, die wissen wollen, warum diese Bücher die Welt bewegten und eine ganze Generation prägte.
  19. Cover des Buches Das Science Fiction Jahr 1, 1986 (ISBN: 9783453312333)
  20. Cover des Buches Thomas Mann. Erzählungen und Novellen (ISBN: 9783416017282)
  21. Cover des Buches Auf den Spuren von Alice im Wunderland (ISBN: 9783570121115)
    Christina Björk

    Auf den Spuren von Alice im Wunderland

     (5)
    Aktuelle Rezension von: GeschichtenAgentin
    Kein Kinderbuch, aber ein entzückender Band für Alice-Fans und England-Süchtige.
  22. Cover des Buches Spurensuche im All (ISBN: 9783936068887)

    Spurensuche im All

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Lem über Lem (ISBN: 9783518381960)
    Stanisław Bereś

    Lem über Lem

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Staniswaw Lem, der Held meiner fast noch Kindheit. Alles habe ich verschlungen. Voller Begeisterung. Witz, Schärfe, Durchblick. Also kaufe ich VIEL später knapp 400 Seiten Buch. Gespräche mit Lem über ihn. Ein voller Schlag in die . . . Warum. Ein selbstverliebter Schnösel der sowieso schon immer alles vorausgesagt hatte, verlacht wurde, wo er doch so dermaßen Bescheid wusste. Andererseits abfällige Bemerkungen zu seinen frühen Büchern, die ja in ihrer Profanität mehr als fragwürdig gewesen seien. Das finde ich nicht fair. Sicherlich sieht man Vergangenes anders, aber in einem Buch müsste man sich nicht postum über seine Leser lustig machen. Er legt aber noch einen drauf. Unangenehmen Themen weicht er aus. Der Gesprächspartner gibt sich Mühe um kompromissreife Fragestellungen zu finden. Beharrt der Gesprächspartner auf eine Thematik flüchtet sich Lem in einen Mix aus Philosophie, Literaturwissenschaft und logistischen Mathematikmetaphern. Das ist eine Selbstbeweihräucherung, die ich so rücksichtslos nachhaltig und umgreifend noch nicht gelesen habe. Das ist nicht "Lem über Lem". Das ist mehr: Das ist "Lem über Lem für Lem." Zu den Reunions von alten Bands sollte man nicht gehen, um sich seine Illusion nicht zu zerstören. Jetzt weiß ich auch, dass das für Bücher bzw. Autoren zutreffen kann.
  24. Cover des Buches Lektüreschlüssel zu Aldous Huxley: Brave New World (ISBN: 9783150153666)

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