Bücher mit dem Tag "shoah"

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16 Bücher

  1. Cover des Buches weiter leben (ISBN: 9783835321830)
    Ruth Klüger

    weiter leben

    (89)
    Aktuelle Rezension von: Yolande

    Die Kindheits- und Jugenderinnerungen von Ruth Klüger treffen mit voller Wucht. 1931 in Wien geboren, ist sie schon als Kleinkind den Ausgrenzungen und Anfeindungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung ausgesetzt. Mit 11 Jahren wurde sie mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter in das KZ Theresienstadt deportiert. Ihr Vater floh bereits 1938 aus Österreich, zunächst nach Italien, später nach Frankreich, wo er den Nazis in die Hände fiel. Er wurde 1944 in Auschwitz vergast. Auch Ruth und ihre Mutter kamen nach Auschwitz, hatten aber das „Glück“ in das Arbeitslager Christianstadt, Groß-Rosen verlegt zu werden. Als die russische Front immer näher rückte, wurden die Lager aufgelöst und die Insassen zu mörderischen Märschen Richtung Westen gezwungen. Auf diesem Marsch gelang Ruth und ihrer Mutter die Flucht und sie schlugen sich mit gefälschten Pässen, die ihnen ein mitleidiger Pfarrer ausstellte, bis nach Bayern durch.

    Ruth Klüger beschreibt diese Zeit in eindringlicher Art und Weise und es ist immer wieder erschreckend zu lesen mit welcher Grausamkeit und Empathielosigkeit die Menschen behandelt wurden. Aber die Autorin belässt es nicht bei der Erinnerungserzählung. Immer wieder richtet sie das Wort direkt an die Leser. Sie will kein Mitleid und keine Betroffenheit, sie will vielmehr wachrütteln und die Menschen überzeugen, sich mit ihrer eigenen Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Das Buch erschien bereits 1992. Zu dieser Zeit lebten noch viele Menschen der sogenannten „Tätergeneration“ und gerade diese sollte sich angesprochen fühlen und obwohl ich schon zu den Nachgeborenen der zweiten Generation gehöre, musste ich meine eigene Einstellung gegenüber diesen schlimmen Ereignissen ebenfalls neu bewerten.

    1947 emigrierte Ruth Klüger mit ihrer Mutter in die USA und verlebte ihre Jugendjahre in New York. Auch von dieser Zeit wird erzählt, besonders von dem schwierigen Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Körperlich sind beide unversehrt, aber die seelischen Verwundungen sind stark und werden bei beiden bis zum Lebensende anhalten.

    Ruth Klüger hat ein kluges und zeitloses Buch geschrieben, das zum Nachdenken anregt. Große Lesempfehlung! 

  2. Cover des Buches Desintegriert euch! (ISBN: 9783442719143)
    Max Czollek

    Desintegriert euch!

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ein tiefschürfendes Buch über die deutsche Schande, wirklich allen ans Herz gelegt. Sehr inhaltsschwer, so daß man nur langsam und mit Bedacht lesen kann. An die Walser-Rede konnte ich mich noch erinnern, sein Buch "Tod eines Kritikers" hätte vielleicht auch Erwähnung in diesem Appell finden können.

  3. Cover des Buches Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (ISBN: 9783944442402)
    Robert Scheer

    Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

    (42)
    Aktuelle Rezension von: parden
    EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

    Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


    "Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


    Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

    Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

    Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

    Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


    "Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


    Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

    Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

    Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

    Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


    © Parden
  4. Cover des Buches Ein Hemd des 20. Jahrhunderts (ISBN: 9783596187249)
    Yann Martel

    Ein Hemd des 20. Jahrhunderts

    (20)
    Aktuelle Rezension von: rallus

    Es gibt viele Bücher über den Holocaust, doch keines was annähernd so heimtückisch daher kommt, wie das hier vorliegende Buch von Yann Martel. Heimtückisch ist es, weil es den Leser erst auf die falsche Fährte führt, ihn irreleitet und plötzlich brutal auf das Naheliegende stösst. Das Buch ist voller Symbolik und Andeutungen, so wie das Grauen auch voller Schatten und indirekten Bedrohungen ist. 

    Jeder mag sich an den Symbolen versuchen, ein Esel und ein Affe, die in einem Theaterstück vorkommen, aber auch in der Taxidermie Okapie ausgestelt sind, ein Autor der an dem Holocaust Thema scheitert, aber letztendlich doch findet, der Besitzer der Taxidermie, der wie der Auto heißt und noch vieles mehr. Erst die letzten 13 'Spiele' offenbaren das subtile Gräuel zu dem Menschen nicht nur im Holocaust imstande waren.

    Die falschen Fährten werden früh gelegt. Henry ist ein frustrierter Autor dessen Buch über den Holocaust von den Verlegern abgelehnt wird. Er zieht mit seiner Frau in eine neue Stadt und lebt ganz gut von den Tantiemen des letzten erfolgreichen Buches. Er fängt an Musikunterricht zu nehmen und Theater zu spielen. Immer noch erreichen ihn Leserbriefe zu seinem letzten Roman. Einer ist dabei der seine Aufmerksamkeit fesselt und ihn zu der besagten Taxidermie (Tierpräparation von Wirbeltieren) führt. Als er den Urheber in seinem Geschäft besucht, liest dieser ihm, immer wieder auf seinen darauffolgenden Besuchen, ein Theaterstück vor, welches stark an 'Warten auf Godot' erinnert.

    Das Hemd des 20.Jahrhunderts ist ein sehr stark symbolbehaftetes Buch, welches ich mir gut und gerne im Deutschunterricht vorstellen kann. Auf die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten möchte ich gar nicht näher eingehen, derer sind zu viele.

    Ein teils verstörendes, dann wieder irritierendes Buch welches in einem nachhallt, zumal die eindeutigen Elemente, die 13 Spiele ganz am Ende den Leser komplett einschüchtern und die menschlichen Variationen der Grausamkeit darstellen.

    Ein Buch welches mich anfangs auf den falschen Weg gebracht und mich letztendlich kalt erwischt hat. Ein subtiles Buch über das alltägliche Grauen, nicht nur auf den Holocaust beschränkend.

     

  5. Cover des Buches Bald sind wir wieder zu Hause (ISBN: 9783966581783)
    Jessica Bab Bonde

    Bald sind wir wieder zu Hause

    (32)
    Aktuelle Rezension von: Toxicas

    In diesem Buch geht es um Geschichten, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen. Die so wichtig sind wie unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

    Sechs verschiedene Menschen erzählen uns ihre Erlebnisse zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Sie waren noch Kinder, als man sie von ihren Familien trennte. Ihnen ihre Anziehsachen und das Spielzeug wegnahm. Sie lernen mussten, was Angst, Hunger und Verzweiflung bedeuten. Und dass Juden weniger wert waren als Nutzvieh.

    Obwohl jede Erzählstimme nur ein paar Seiten zur Verfügung hat und mit wenig Text auskommt, durchlebt man das Grauen des Naziterrors und des Holocaust auf eine Weise mit, die einen nur erahnen lässt, wie schlimm es für diese Kinder damals gewesen sein muss. Das Buch bringt auf den Punkt, was geschehen ist. Mir ging das unglaublich nahe! Bilder tauchten vor meinem inneren Auge auf: von Vernichtungslagern, von Opfern des Massenmordes und von jenen, die all das Schreckliche überlebt haben.

    Die Illustrationen greifen die bedrückende Stimmung auf, zeigen die Zustände der damaligen Fabriken, spiegeln u.a. die Gefühle der Zwangsarbeiter wider und vermitteln dem Leser einen guten Eindruck von der Brutalität und Ungerechtigkeit, die in der Hungerhölle vorherrschten.

    Jede Geschichte endet damit, dass man darüber informiert wird, was aus den Kindern geworden ist, welche Verluste sie hinnehmen mussten, wie es ihnen seitdem ergangen ist und wo sie heute leben.

    Ein Zeitzeugnis mit eindrucksvollen Grafiken und informativen Zeittafeln, das hoffentlich weiter aufrüttelt und zudem etwas Trost spenden kann. Eine stille Botschaft an jeden von uns, dass wir niemals vergessen dürfen, was geschehen ist.

  6. Cover des Buches Die verlorene Tochter der Sternbergs (ISBN: 9783847900849)
    Armando Lucas Correa

    Die verlorene Tochter der Sternbergs

    (40)
    Aktuelle Rezension von: Pixibuch

    Ein Buch, das dem Leser sehr zu Herzen geht, voller Tragödien ist und sich  unsere Generation wirklich mehr als glücklich schätzen muß, fast 80 Jahre im Frieden zu leben. Teilweise mußte ich das Buch zur Seite legen, so unmenschliche, so menschenverachtende Geschehnisse werden hier beschrieben. Die Eheleute Sternberg (BüchereibesitzerIn und Kardiologe) leben  mit ihren beiden kleinen Töchtern in Berlin. Doch dann werden die Juden immer mehr verfolgt, Julius Sternberg kommt in ein Arbeitslager und stirbt dort. Da entschließt sich Amanda Sternberg ihre Töchter nach Kuba zu einem Verwandten zu schicken. Aber als sie dann am Hafen in Hamburg ist, bringt sie es nicht übers Herz, ihre kleine Tochter Lina wegzugeben. Sie vertraut die ältere Tochter Viera einem Ehepaar an. Viera hat das Glück, in Kuba von Bord gehen zu dürfen, die meisten anderen Menschen wurden wieder nach Deutschland zurückgeschickt. Amanda geht mit Lina zu einer Bekannten nach Frankreich und von dort schreibt sie sehnsuchtsvolle Briefe an ihre große Tochter. Doch auch dann werden Amanda und Lina interniert, aber der Mutter gelingt es dann, ihre Tochter aus dem Lager zu schmuggeln, wo sie ein Pater in Empfang nimmt. Doch auch hier verliert sie immer wieder ihre Bezugspersonen und soll schließlich nach Amerika geschickt werden. Der Autor schildert hier sehr genau und detailliert die damalige Zeit. Sein Buch liest sich wie ein Zeitzeugenbericht. Das Grauen, der Hunger, der Schmutz und doch immer wieder haben die Menschen den Mut, nicht aufzugeben. Sehr eindrucksvoll wird hier auf das Seelenleben des Kindes Bezug genommen, ihre Ängste, ihre Albträume, fast ein Jahr mußte sie sich in einem dunklen Dachboden versteckt halten. Und immer wieder verliert sie durch den Krieg gute Freunde, zu denen sie Vertrauen gefaßt hat. Dieses Buch könnte ohne weiteres als Lektüre im Geschichtsunterricht verwendet werden. Leider endet das Buch kurz vor der  Reise nach Amerika und wir lesen dann erst wieder von Lina, die während des Krieges in  Elise umgenannt wurde, als sehr alte Frau kurz vor ihrem Tod. Mir wird diese Familiengeschichte noch lang zum Denken geben.

  7. Cover des Buches Rückkehr nach Birkenau (ISBN: 9783351034634)
    Ginette Kolinka

    Rückkehr nach Birkenau

    (59)
    Aktuelle Rezension von: Schmuck_Guggerin

    Ginette Kolinka wurde 1925 geboren. Sie hat die schwärzeste Zeit der Geschichte als junge Frau erlebt. Schonungslos schildert sie ihre Erinnerungen an die Deportation im Jahr 1944 nach Auschwitz-Birkenau.

    Lange Jahre hat sie zu diesem Teil ihrer Vergangenheit geschwiegen und das Erlebte dennoch in sich getragen. Erst als sie zusammen mit Schülerinnen und Schülern das Lager wieder besucht, hat sie das Lager von damals wieder vor Augen. Sie weiß, dass die heutigen Besucherinnen und Besucher das damalige Lager nicht wie sie sehen können, und dennoch sind diese Besuche für sie wichtig.

    Ihre Mahnung an die jungen Leute beinhaltet das ständige Nachfragen, falls Hass das Handeln zu regieren droht.

    Ginette Kolinka hat ein Buch geschrieben, das uns nicht helfen kann, ihr Schicksal und das erlittene Unrecht zu verstehen, aber es kann uns zeigen, was immer wieder passieren kann, wenn wir nicht wachsam sind.

  8. Cover des Buches Das Medaillon (ISBN: 9783775161541)
    Cathy Gohlke

    Das Medaillon

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Märchens_Bücherwelt

    Die Frage auf der Rückseite des Buches hat mich sehr nachdenklich gemacht: Wie weit würdest du gehen, um die zu schützen, die du liebst? Da mich interessiert hat, was es mit diesem Medaillon und der Entscheidung auf sich hat, wollte ich das Buch unbedingt lesen und ich habe es nicht bereut.

    Es ist ein Buch, dass extrem unter die Haut geht, das einen innerlich zerreißt und das auch gleich mehrmals.


    Ich habe schon einige Bücher über diese dunkle Zeit deutscher Geschichte gelesen, und doch habe ich das Gefühl gehabt, dass die Autorin mich mit ihrem flüssigen, angenehmen und doch ungeschönten Schreibstil direkt in die Zeit mitnimmt.

    Zu erfahren, wie Anfang 1939 das Warschauer Ghetto erbaut wurde, wie all die Gräuel an Juden begangen wurden auf die schlimmste, grausamste und entwürdigendste Art hat mich schockiert, sprachlos gemacht und gleichzeitig frustriert. Immer und immer wieder kam die Frage auf: Warum sind Menschen so grausam?


    Dieses Buch erzählt auf berührende Art die Geschichte des sehr sympathischen, tapferen Ehepaars Rosa und Itzhak Dunovich, die so glücklich über die Geburt ihrer Tochter Ania sind und alles daransetzen, ihre Familie zu schützen. Immer wieder spürt man diese Zerrissenheit – Pflicht oder Herz, ohne zu wissen, ob es überhaupt gut ausgeht, egal für was man sich entscheidet.

    Parallel dazu erlebt man die Geschichte von Sophie Kumiega, einer Engländerin, die aufgrund ihrer Heirat mit einem Polen auch in Warschau gelandet ist und heimlich für den Untergrund arbeitet, bis irgendwann beide Geschichten ineinanderfließen.


    Anfangs habe ich noch überlegt, wie beides zueinander passt, aber nach und nach ergibt sich ein Gesamtbild und das hat mich wirklich mitgerissen. Was beide Seiten erleben müssen, all die Kompromisse, die sie eingehen müssen, die ständige Angst verraten zu werden, von Menschen, denen man eigentlich vertraut, hat mich zutiefst berührt, aber auch der Ideenreichtum, aus der größten Not dennoch etwas für andere zu tun, obwohl es den eigenen Tod bedeutet.


    Besonders schön fand ich dabei, wie sie auf ihre ganz eigene Art das Gespräch mit Gott gesucht haben, ihn immer wieder um Hilfe, um Beistand, um gute Entscheidungen gebeten haben und dabei biblische Beispiele wie z.B. die Israeliten am roten Meer, ohne sichtbaren Ausweg und doch im vollen Vertrauen auf Gott, als Motivation und Stärkung genutzt haben.


    Diese großartige Kombination zwischen historischen Ereignissen und einer fiktiven Erzählung, die genauso hätte passiert sein können und absolut authentisch klar hat mich sehr begeistert. Auch die Bezugnahme auf Dr.Janusz Korczak, einem polnischen Kinderarzt und Kinderbuchautor, fand ich sehr berührend und hat mich dazu bewogen, die beiden Kinderbücher „König Hänschen“, auf die auch in der Geschichte Bezug genommen wird, zu kaufen. Was für eine Leistung und perfekt in die Handlung integriert.


    Gegen Ende hatte ich etwas Schwierigkeiten mit Sophies Reaktionen. Ich konnte es ein stückweit nachvollziehen, allerdings habe ich mich doch etwas über ihr Verhalten gewundert, das so völlig untypisch für sie war. Auch der Schluss ist anders als erwartet, aber genau das macht besondere Geschichten aus, weil nichts vorhersehbar ist, so viele Wendungen und Entwicklungen eingebaut sind, dass man gar nicht anders kann, als die Geschichte zu verschlingen und noch lange wirken zu lassen.

    Einen ganz besonderen Satz gab es, den ich mir fest eingeprägt habe. „Die Angst ist ein unschöner Feind. Lass sie einen Fuß in die Tür kriegen, und sie wird dein Leben kontrollieren.“


    Fazit: Ein emotionsgeladenes Buch, fesselnd, ereignisreich, es begegnet einen mit voller Wucht, als wenn die Erde bebt und zurück nur Asche und Erinnerungen bleiben. Es nimmt einen direkt mit ins Geschehen und lässt einen jede einzelne Sekunde miterleben, leiden, hoffen, trauern, kämpfen und weinen. Und gleichzeitig ist es noch so viel mehr, weil es Vergangenes wieder aufleben lässt, um zu warnen, zu lernen und nie zu vergessen, einfach weil wir es all den Opfern schuldig sind.

  9. Cover des Buches Monster (ISBN: 9783036961071)
    Yishai Sarid

    Monster

    (32)
    Aktuelle Rezension von: KataRaf

    »Sehr geehrter Herr Direktor von Yad Vashem, dies hier ist der Bericht über das, was dort vorgefallen ist. Mir wurde mitgeteilt, dass sie einen solchen erwarten, und ich möchte ihn auch erstatten.« |5

    Um Aufrichtigkeit bemüht erzählt ein israelischer Holocaustforscher und Lagertourguide auf eine Eskalation zu. Er holt weit aus, rekapituliert seinen Werdegang mit Aufstieg und Fall. Es führt ihn zu Fragen der Moral, der Erinnerung und des Gedenkens, zu Identifikationen und Zuschreibungen, zu Opfer- und Täterrollen, zu ihrer Wirkung bis in die Gegenwart hinein. Wut, Ohnmacht und Brutalität brechen seinen emotional-distanziert wissenschaftlichen Selbstschutz. Die Zusammenarbeit mit einem deutschen Regisseur führt zu einer radikalen Wendung, die seinen Bericht an den Direktor von Yad Vashem erforderlich macht.

    In wenigen Seiten gelingt es Sarid, eine kammerspielartige Intensität aufzubauen. Die moralischen Konflikte seiner Figur spitzt er so zu, dass es kaum möglich ist, sich den aufgeworfenen Fragen und ausgearbeiteten Widersprüchen zu entziehen. Wie geht aufrichtiges Erinnern? Welche Botschaften sind möglich und wie kommen sie bei den Nachkommen an? Wie ist es mit Universalität, mit Universalismus? Was macht Nähe und Distanz zur Shoah mit der jüdisch-israelischen Figur? Wie wirkt eine Identifikation mit den Opfern oder eine Abwehr von Opferrollen, eine Identifikation, Bewunderung oder Abscheu von Tätern, eine Zuwendung zum Militärischen? Wie die eigenen Kinder erziehen? Wie leben mit detailliertem Wissen um die Gewalt der Vergangenheit, die die Figur für ihren Sohn als Monster der Erinnerung benennt?

    »"Was arbeitest du denn Papa?", fragte er. "Er erzählt ihnen, was passiert ist", half Ruth mir aus. "Was ist passiert?" Ido sah mich besorgt von unten an. "Es gab mal ein Monster, das Menschen getötet hat" , antwortete ich. "Und du bekämpft es?“, fragte Ido begeistert." Es ist schon tot", versuchte ich ihm zu erklären, "es ist ein Monster der Erinnerung".« |77

    Die ganze Lektüre hindurch fragte ich mich, was es verändert, »Monster« in der deutschen Übersetzung durch eine deutsche Perspektive zu lesen und ob es überhaupt passend ist. Ich habe keine Antwort darauf und hätte gern Sarids Gedanken dazu erfahren.

  10. Cover des Buches Das zweite Leben (ISBN: 9783848211234)
    Nina Pilckmann

    Das zweite Leben

    (21)
    Aktuelle Rezension von: DianaS

    Nina Pilckmanun beschäftigt sich in dem Buch “Das zweite Leben“ mit der grausamsten Zeit und dem Schlimmsten, was unsere Geschichte der Menschheit zu bieten hat und liefert so viele Hintergrundinformationen anhand der Geschichte einer KZ-Überlebenden, dass einem das Herz stehen bleiben möchte, wenn man über die Gräueltaten liest. Einfühlsam und mit viel Hintergrund werden diese Informationen nur Häppchenweise von der Überlebenden Rachel erzählt und so dem Leser auch nur in kleinen dosierten Schritten zugemutet. Man kann als Leser sehr gut verstehen, wie es Ava, die diese Gräueltaten aufschreiben will, um sie auch anderen zugänglich zu machen, hart auf die Probe gestellt wird und wie es ihr selbst „nur“ durch das Zuhören immer mehr und mehr zusetzt.

    Auch die Beziehung zwischen Toma und Ava, die einander in Venedig kennenlernen und auf wundersame Weise eine „Beziehung“, ganz besonderer Art, über viele, viele Jahrzehnte aufrechterhalten, wird dem Leser in vielen Facetten und Details samt den Beschreibungen von Venedig näher gebracht. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mich ein wenig schwer mit dieser Beziehung getan habe, auch wenn ich dem gegenüber aufgeschlossen war, so habe ich schwer verstanden, was bzw. warum da so etwas und nicht mehr vor sich gegangen ist. Doch um hier noch tiefer eintauchen zu können, müsste ich zuviel vom Inhalt Preis geben. Aber es ist schon gewöhnungsbedürftig, was da vor sich geht.

    Mir hat der Roman sehr gut gefallen, auch wenn er mir an manchen Stellen zu detailliert war und ich streckenweise über Seiten gedacht habe, das könnte man kürzen. Dennoch ein sehr zu empfehlendes Buch, wenn man sich mit den Folgen des 2. Weltkriegs und den Geschehnissen einzelner Schicksale, wenn auch nur fiktiv auseinander setzen möchte.

    Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen, wenn man genügend Zeit und Muße mitbringt.

    Weitere Rezensionen finden sich auf Thalia.at, Bücher.de und hugendubel.de von mir.

  11. Cover des Buches Nochmal von vorne (ISBN: 9783462009231)
    Dana von Suffrin

    Nochmal von vorne

    (33)
    Aktuelle Rezension von: Buch_puttel

    INHALT
    Eine junge Frau in der Hauptrolle, ihr Vater stirbt und sie fängt an ihr Leben zu reflektieren. Die Zeit der Kindheit und Jugend in einer deutsch - jüdischen Familie. Ein hochstrittiges Elternpaar, unzufriedene Mutter und Vater und unzufriedenes Elternpaar. Grundidee klingt gut, oder?

    EINDRUCK UND FAZIT
    Direkt nach dem Buch habe ich noch gedacht, ob das war nett. Mit ein wenig Abstand gebe ich ein Herz weniger. Grundidee fand ich super, hochstrittige Eltern sind immer ein guter Cliffhänger. Ich fand die Umsetzung allerdings sehr gewöhnungsbedürftig, lange verschachtelte, harte Sätze. Ich hatte Probleme am Ball zu bleiben und mich während des Lesens nicht ablenken zu lassen. Neben all der schweren Themen, findet die Autorin aber auch hoffnungsvolle Worte und schafft es die Stimmung zu vermitteln. Ein nicht ganz so leichtes Buch, aber mit unglaublich gutem Cover - oder?

  12. Cover des Buches Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden (ISBN: 9783832184810)
    Hédi Fried

    Fragen, die mir zum Holocaust gestellt werden

    (27)
    Aktuelle Rezension von: Kat_Von_I

    Hédi Fried hat den Holocaust überlebt. 

    1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ist eine der wenigen Überlebenden Augenzeugen, die ihre Geschichte und das erlebte noch erzählen können. 

    Und das hat sie sich zur Lebensaufgabe gemacht! Hédi Fried hält an Schulen und Universitäten Vorträge über ihre Erlebnisse.

    Sie versucht auf jede gestellte Frage eine Antwort zu geben. Auch auf die, auf die es eigentlich keine Antworten gibt....

    Hédi's Erzählungen im Buch sind berührend, ehrlich, schockierend, schmerzhaft, klug aber auch sehr  lehrreich und weise. 

    Als Leser bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, was der Holocaust für die betroffenen tatsächlich bedeutete.....

    Hédi erzählt von dem Tag an dem sich ihr Leben radikal änderte, dem Tag als sie ihre Eltern das letzte Mal sah, von der Zeit in Gefangenschaft  und ihrem Leben nach der Befreiung. 

    Meiner Meinung nach ist dieses Buch absolute Pflichtlektüre für jedermann!!!⠀

    Denn es hält  vor Augen, dass solche Geschehnisse  leider wieder passieren könnten.....

    Das Buch soll das Geschehene in Erinnerung halten damit niemand vergisst, dass solche furchtbaren und grauenhaften Taten nie wieder passieren dürfen!!!

    Zum Abschluss noch 2 wichtige Zitate aus dem Buch:

    "𝔻𝕒𝕤, 𝕨𝕒𝕤 𝕕𝕒𝕞𝕒𝕝𝕤 𝕘𝕖𝕤𝕔𝕙𝕖𝕙𝕖𝕟 𝕚𝕤𝕥, 𝕜𝕒𝕟𝕟 𝕝𝕖𝕚𝕕𝕖𝕣 𝕨𝕚𝕖𝕕𝕖𝕣 𝕘𝕖𝕤𝕔𝕙𝕖𝕙𝕖𝕟, 𝕨𝕖𝕟𝕟 𝕒𝕦𝕔𝕙 𝕧𝕚𝕖𝕝𝕝𝕖𝕚𝕔𝕙𝕥 𝕟𝕚𝕔𝕙𝕥 𝕒𝕦𝕗 𝕕𝕚𝕖𝕤𝕖𝕝𝕓𝕖 𝕎𝕖𝕚𝕤𝕖. 𝕌𝕞 𝕫𝕦 𝕧𝕖𝕣𝕙𝕚𝕟𝕕𝕖𝕣𝕟, 𝕕𝕒𝕤𝕤 𝕕𝕖𝕣 ℍ𝕠𝕝𝕠𝕔𝕒𝕦𝕤𝕥 𝕤𝕚𝕔𝕙 𝕨𝕚𝕖𝕕𝕖𝕣𝕙𝕠𝕝𝕥, 𝕚𝕤𝕥 𝕖𝕤 𝕨𝕚𝕔𝕙𝕥𝕚𝕘, 𝕤𝕚𝕔𝕙 𝕫𝕦 𝕖𝕣𝕚𝕟𝕟𝕖𝕣𝕟; 𝕕𝕒𝕤 𝕍𝕖𝕣𝕘𝕒𝕟𝕘𝕖𝕟𝕖 𝕡𝕣ä𝕘𝕥 𝕕𝕚𝕖 𝔾𝕖𝕘𝕖𝕟𝕨𝕒𝕣𝕥 𝕦𝕟𝕕 𝕨𝕚𝕣𝕗𝕥 𝕤𝕖𝕚𝕟𝕖𝕟 𝕊𝕔𝕙𝕒𝕥𝕥𝕖𝕟 𝕒𝕦𝕗 𝕕𝕚𝕖 ℤ𝕦𝕜𝕦𝕟𝕗𝕥." 

    "𝔻𝕖𝕣 𝕊𝕚𝕟𝕟 𝕕𝕚𝕖𝕤𝕖𝕤 𝔹𝕦𝕔𝕙𝕖𝕤 𝕚𝕤𝕥, 𝕦𝕟𝕤 𝕫𝕦 𝕝𝕖𝕙𝕣𝕖𝕟, 𝕕𝕚𝕖 𝔽𝕖𝕙𝕝𝕖𝕣 𝕕𝕖𝕣 𝔾𝕖𝕤𝕔𝕙𝕚𝕔𝕙𝕥𝕖 𝕫𝕦 𝕧𝕖𝕣𝕞𝕖𝕚𝕕𝕖𝕟. 𝕀𝕔𝕙 𝕙𝕠𝕗𝕗𝕖, 𝕖𝕤 𝕙𝕒𝕥 𝕕𝕒𝕤 ℙ𝕠𝕥𝕖𝕟𝕥𝕚𝕒𝕝, 𝕛𝕖𝕕𝕖𝕟 𝕃𝕖𝕤𝕖𝕣 𝕖𝕣𝕜𝕖𝕟𝕟𝕖𝕟 𝕫𝕦 𝕝𝕒𝕤𝕤𝕖𝕟, 𝕕𝕒𝕤𝕤 𝕨𝕖𝕕𝕖𝕣 𝕕𝕚𝕖 ℝ𝕠𝕝𝕝𝕖 𝕕𝕖𝕤 𝕋ä𝕥𝕖𝕣𝕤 𝕟𝕠𝕔𝕙 𝕕𝕚𝕖 𝕕𝕖𝕤 𝕡𝕒𝕤𝕤𝕚𝕧𝕖𝕟 ℤ𝕦𝕤𝕔𝕙𝕒𝕦𝕖𝕣𝕤 𝕦𝕟𝕤 𝕧𝕠𝕣𝕙𝕖𝕣𝕓𝕖𝕤𝕥𝕚𝕞𝕞𝕥 𝕚𝕤𝕥. 𝕎𝕚𝕣 𝕒𝕝𝕤 𝕀𝕟𝕕𝕚𝕧𝕚𝕕𝕦𝕦𝕞 𝕙𝕒𝕓𝕖𝕟 𝕖𝕚𝕟𝕖𝕟 𝕖𝕚𝕘𝕖𝕟𝕖𝕟 𝕎𝕚𝕝𝕝𝕖𝕟 𝕦𝕟𝕕 𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕍𝕖𝕣𝕒𝕟𝕥𝕨𝕠𝕣𝕥𝕦𝕟𝕘 𝕦𝕟𝕕 𝕟𝕦𝕣 𝕚𝕟𝕕𝕖𝕞 𝕨𝕚𝕣 𝕕𝕚𝕖𝕤𝕖 𝕍𝕖𝕣𝕒𝕟𝕥𝕨𝕠𝕣𝕥𝕦𝕟𝕘 ü𝕓𝕖𝕣𝕟𝕖𝕙𝕞𝕖𝕟, 𝕜ö𝕟𝕟𝕖𝕟 𝕨𝕚𝕣 𝕧𝕖𝕣𝕞𝕖𝕚𝕕𝕖𝕟, 𝕕𝕒𝕤𝕤 𝕕𝕚𝕖 𝔾𝕖𝕤𝕔𝕙𝕚𝕔𝕙𝕥𝕖 𝕤𝕚𝕔𝕙 𝕨𝕚𝕖𝕕𝕖𝕣𝕙𝕠𝕝𝕥."

  13. Cover des Buches Schotter (ISBN: 9783990272299)
    Florjan Lipuš

    Schotter

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Ein Gedächtnismarsch, Erinnerungsschleifen an die Zeit in einem Konzentrationslager, dörfliche Scheinidylle und wenig Zuversicht, dass sich der Mensch grundsätzlich zum Besseren ändert.

    Der Inhalt dieses Romans lässt einen nicht gerade in Jauchzen und Jubeln einstimmen. Eine düstere Grundstimmung bleibt bis zum Ende bestehen, die aber auch dem ‚Anlass‘ nicht unangemessen erscheint. Zählt man das Werk zur Erinnerungskultur? Gut möglich, dass es bald an Österreichischen Schulen als Deutsch-Lektüre angeboten wird.

    Der Stil ist fantastisch, vor allem im ersten Drittel, zum Dahinsinken. Trotzdem hatte ich als erfahrener Leser ein wenig Mühe, bis zum Schluss gut durchzuhalten.

    Fazit: Lesegenuss weniger durch die Handlung als durch den Schreibstil. Sicherlich keine lockere Strandlektüre für breite Bevölkerungsgruppen.

  14. Cover des Buches Das zweite Leben des Adolf Eichmann (ISBN: 9783462000917)
    Ariel Magnus

    Das zweite Leben des Adolf Eichmann

    (18)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Adolf Eichmann ist der Leiter des "Eichmannreferats" und DER SS-Mann, der bei der logistischen Planung der auf der Wannseekonferenz beschlossenen Vernichtung des europäischen Judentums federführend war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt ihm mit Hilfe der katholischen Kirche über deren "Rattenlinie" die Flucht aus Europa nach Argentinien. Dort nimmt er den Decknamen "Ricardo Klement" an und führt jahrelang ein unauffälliges Leben. Er verdingt sich anfangs als Staudammbauer im unwirtlichen Nordargentinien, eher er kühner wird und in die Hauptstadt wechselt und dort im Wäschereiwesen tätig wird. Er trifft sich mit anderen Ex-Nazis, die allesamt dank der schützenden Hand des Präsidenten Juan Perón ein angenehmes Leben führen, zum regelmäßigen Mittagessen im Restaurant "Die Eiche", wo sie ungeniert ihren Fantasien und Hoffnungen nach der "arischen Rasse" nachhängen. Mit seinen bescheidenen Mitteln baut er sich ein Häuschen und es gelingt ihm, seine Frau mit den drei Kindern nachzuholen. Bei der Ankunft seiner Familie zeigt sich ein weiteres Mal, dass ihm das Glück nicht hold ist: Er will seiner Frau Rosen zum Empfang überreichen... doch es gibt in der ganzen Stadt wegen des Todes von Evita Perón keine Blumen. Vom seinerzeitigen SS-Glanz seiner Person ist nicht viel geblieben... mühsam gelingt ihm der berufliche Wechsel zur argentinischen Zweigniederlassung von Daimler-Benz. Er setzt sich mit dem ebenfalls aus den Niederlanden geflohenen SS-Mann Willem Sassen zusammen und verkündet stolz vor dessen Tonbandgerät seine "Wahrheit" über den Holocaust. 1960 holt ihn die Vergangenheit ein und er, der sich selbst in seinem argentinischen Dasein wegen seiner Fehlschläge als "Pechvogel" bezeichnete, wird vom israelischen Geheimdienst aufgespürt und nach Israel entführt, wo er zwei Jahre später gehängt wird.

    Der israelische 1975 geborene Schriftsteller Ariel Magnus mit deutschen Vorfahren legt hier kein Sachbuch vor, sondern einen sarkastisch durchdrungenen Roman über Eichmann's Leben in Argentinien. Der Autor versucht in den Kopf des Strippenziehers der Shoah vorzudringen und erzählt prägnant, tabulos und distanziert aus der Sicht des "arbeitslosen Deportologen". Magnus verwendet spöttische Formulierungen und seine Erzählung lässt den Massenmörder zu einer schaurig-komischen Allerweltsgestalt verkommen. Genauso wie der Schriftsteller literarisch die Figur Eichmann nicht ernst nimmt, so verhält es sich mit Eichmanns Verhältnis zu seinen Taten. Im Original heißt der Roman „El desafortunado“, was man als „Der Pechvogel“ oder „Unglücksrabe“ übersetzen könnte... Die Übersetzerin Silke Kleemann schafft es, die Doppelbödigkeit des Textes nuancenreich, feinsinnig und worterfinderisch ins Deutsche zu übertragen.

    Dieser Roman hat für mich nicht die Wucht und die Eindringlichkeit wie Olivier Guez's auch hier rezensierten Romans "Das Verschwinden des Josef Mengele". Das von Magnus mit humorig-leicht dahin perlenden Formulierungen beschriebene Grauen hat manchmal Längen... dennoch ist das Buch zweifelsohne ein interessantes Leseerlebnis über einen schrecklichen Mann, in dem Hannah Arendt die "Banalität des Bösen" sah.

  15. Cover des Buches Gegen Judenhass (ISBN: 9783462052718)
    Oliver Polak

    Gegen Judenhass

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Polaks flammender Appell gegen Antisemitismus und Xenophobie jeder Art. Neben eigenen Erfahrungen, die er als jüdischer Deutscher an Ablehnung durchleben mußte (bei denen man nur sprachlos zurückbleibt), beschreibt er auch negative Erlebnisse mit Fernsehmoderatoren und sonstigen Veranstaltern (bei denen man wünschte, er würde Roß und Reiter benennen), und legt dar, wie Vorurteile und Stereotype entstehen und wie sie zu bekämpfen sind. Bei mir rannte er mir dem Buch offene Türen ein, daß einige der schlimmen Ereignisse bei uns im Emsland stattfanden, beschämte mich zutiefst.
  16. Cover des Buches Kajzer (ISBN: 9783552073395)
    Menachem Kaiser

    Kajzer

    (72)
    Aktuelle Rezension von: Bibliokate

    Es ist wichtig zu erkennen, dass unsere Geschichtskonzepte in einem gewissen Maß von Mythen gespeist werden, besonders wenn es um etwas geht, das die Phantasie so sehr fordert wir die Nazis. Das ist eine Erklärungshilfe dafür, warum die Entdecker, die behaupteten, sie hätten den Goldzug gefunden, so ernst genommen wurden. Oder die bodenlose Obsession von verschiedenen Nazi Geheimnissen. " S.143


    Menachem Kaiser erzählt in diesem Buch von eimer Art Reise in die Vergangenheit. Einst besaß seine Familie im ehemals schlesischen Industriegebiet. Allerdings wurde es von den Nazis enteignet. Versuche es zurückzubekommen scheiterten. 


    So macht sich Menachem Kaiser auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Immer wieder stößt er dabei aus Widersprüche, todgeschwiegenes und Schmerz der über Generationen weitergegeben wurde. Wie geht man damit um wenn an plötzlich erfährt wie viele Verwandte im zweiten Weltkrieg umkamen oder für immer verschwanden? Wie betrifft das die nächsten Generationen und gibt es eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung des so tiefsitzenden Schmerzes? 


    Das sind die zentralen Themen in diesem Stilistisch so großartigen wie thematisch berührenden Buch das einen nachdem es zugepackt hat so schnell nicht mehr loslässt. Ein wirklich gelungenes Buch über Erinnerungskultur, Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht, intellektuell sowie emotional sehr gefordert und ist in meinen Augen unglaublich lesenswert und wichtig. 


    Von mir gibt's daher eine absolute Empfehlung und ich bin froh das Buch endlich von meinem Sub befreit zu haben auf dem es unverdienterweise viel zu lange warten musste. 


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