Bücher mit dem Tag "sigmund freud"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "sigmund freud" gekennzeichnet haben.

24 Bücher

  1. Cover des Buches 1Q84 (Buch 1, 2) (ISBN: 9783442743629)
    Haruki Murakami

    1Q84 (Buch 1, 2)

    (767)
    Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooks

    Ich glaube, über kaum ein Buch habe ich während des Lesens so viel nachgedacht wie über 1Q84. Nicht, weil ich unbedingt Antworten finden wollte, sondern weil Murakami etwas schafft, das ich so bisher kaum erlebt habe. Man spürt die ganze Zeit, dass alles zusammenhängt, aber man weiß noch nicht wie. Genau das hat mich Seite für Seite weiterlesen lassen. Für mich hat sich dieses Buch wie ein riesiges Mosaik angefühlt. Mit jedem Kapitel kam ein weiterer Stein dazu. Manche haben sofort ihren Platz gefunden, andere erst viel später. Und einige liegen immer noch da und warten darauf, entdeckt zu werden. Genau das liebe ich daran.

    Murakami beantwortet Fragen, ohne sie wirklich zu beantworten. Statt alles zu erklären, gibt er einem als Leser die Möglichkeit, selbst Zusammenhänge zu erkennen. Es gibt keine Stelle, an der plötzlich alles aufgelöst wird. Stattdessen merkt man irgendwann ganz leise, dass sich etwas verändert hat. Dass man die Geschichte auf einmal anders liest als noch hundert Seiten zuvor. Ich liebe es, dass er seinen Lesern die Freiheit lässt, seine Geschichte auf ihre ganz eigene Weise zu verstehen.

    Was mich genauso begeistert hat, war die Mischung aus Realität und Surrealität. Ich lese unglaublich gerne Fantasy und dort darf alles passieren. Murakami geht einen anderen Weg. Er nimmt eine Welt, die sich ganz normal anfühlt, und verschiebt sie Stück für Stück. Irgendwann hinterfragt man einfach alles und nimmt Dinge an, die vorher unmöglich schienen. Genau dieses Gefühl hat mich komplett in seinen Bann gezogen.

    Besonders schön fand ich, dass es oft gar nicht die großen Ereignisse waren, die mich beschäftigt haben. Es waren die kleinen Dinge. Ein Musikstück. Die zwei Monde. Gespräche. Bücher. Katzen. Eine Treppe. Oder sogar eine Tasse Kakao. Bei Murakami hatte ich ständig das Gefühl, zwischen den Zeilen lesen zu wollen, weil selbst die unscheinbarsten Momente eine Bedeutung bekommen konnten.

    Sein Schreibstil hat etwas unglaublich Ruhiges. Eigentlich passiert gar nicht ständig etwas Spektakuläres und trotzdem wollte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist nie laut und trotzdem unglaublich spannend. Man gleitet durch die Seiten, hat einen Film im Kopf und beginnt, jedes Detail bewusst wahrzunehmen.

    Vor allem aber habe ich gemerkt, dass ich irgendwann aufgehört habe, das Buch lösen zu wollen. Ich habe angefangen, Murakami einfach zu vertrauen. Und genau ab diesem Moment hat sich das Lesen noch einmal verändert.

    Als ich die letzte Seite gelesen habe, hatte ich nicht das Gefühl, etwas abgeschlossen zu haben. Es war eher der erste Abschnitt einer großen Reise. Murakami beantwortet einige Fragen und lässt andere ganz bewusst offen. Vor allem eine davon hat mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen und ehrlich gesagt ziemlich wahnsinnig gemacht. Umso schöner war das Gefühl zu wissen, dass Buch 3 schon neben mir liegt.

    1Q84 ist für mich keine Geschichte, die man möglichst schnell verstehen sollte. Es ist eine Geschichte, die man erleben muss. Sie hat mich überrascht, verwirrt, berührt und immer wieder staunen lassen. Ich liebe es, zwischen den Zeilen zu lesen, und genau dafür gibt Murakami seinen Lesern den Raum. Für mich sind die ersten beiden Bücher ein absolutes Highlight und ich freue mich darauf, die Reise mit Buch 3 fortzusetzen.

  2. Cover des Buches Und Nietzsche weinte (ISBN: 9783641157371)
    Irvin D. Yalom

    Und Nietzsche weinte

    (418)
    Aktuelle Rezension von: irmakvakifli

    Es gibt Bücher, die man liest – und solche, die einen lesen. Und Nietzsche weinte gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Werk, das mir einst in einem kleinen Antiquariat empfohlen wurde, hat sich seither mühelos in mein Gedächtnis eingebrannt – und das seit Jahrzehnten.

    Irvin D. Yalom, selbst renommierter Psychiater, entwirft eine fiktive Begegnung zwischen Dr. Josef Breuer, einem der Väter der modernen Psychotherapie, und dem großen Philosophen Friedrich Nietzsche. Die Bühne: Wien, Ende des 19. Jahrhunderts – jener Zeitpunkt, an dem Psychiatrie noch geboren wird und Philosophie noch das Leben erklären will. Und genau dort treffen sich zwei Geister, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eine tiefe Verbindung eingehen.

    Yalom gelingt es meisterhaft, komplexe Ideen über Seele, Wille, Freiheit, Leid und Heilung in einen erzählerischen Fluss zu bringen, der sowohl anspruchsvoll als auch zugänglich bleibt. Die Dialoge sind scharf, dicht, aber nie prätentiös. Wer Freude an tiefgründigen Gesprächen, existenziellen Fragen und menschlicher Komplexität hat, wird in diesem Buch einen wahren Schatz finden.

    Es ist ein Roman über das Ringen mit sich selbst – über die Angst vor Nähe, die Lust an der Kontrolle, die Notwendigkeit der Veränderung. Breuer und Nietzsche therapieren sich gegenseitig – manchmal wissend, manchmal unbewusst. Diese Spiegelung ist nicht nur psychologisch brillant, sondern auch literarisch hoch elegant umgesetzt.

    Die Atmosphäre des alten Wiens, die Schatten Freuds, die Entstehung eines neuen Verständnisses vom Menschen – all das verleiht dem Buch Tiefe und geschichtliche Verankerung, ohne dass es je trocken oder akademisch wird.

    Für mich persönlich: ein Fünf-Sterne-Buch. Nicht nur wegen der klugen Konstruktion, sondern vor allem, weil es etwas tut, was nur wenige Romane können – es verändert den Leser. Nicht laut, nicht belehrend – sondern leise, nachhaltig und auf eine zutiefst menschliche Weise.

  3. Cover des Buches 1913 (ISBN: 9783596520534)
    Florian Illies

    1913

    (306)
    Aktuelle Rezension von: Antonios

    Das Buch war eine Empfehlung meines  Deutschlehrers, weil er weiß, dass ich gerne lese und mich für Geschichte interessiere. Ich finde, dieses Buch ist schon was besonderes. Es steckt sehr viel Recherchearbeit drin, interessante Fakten, unglaubliche Verbindungen die man nie so jemals gedacht hätte, dass sie existieren könnten, da fragt man sich ob Zufall nicht wirklich nur eine Illusion ist. Ironie und Wortspiele gibt es genug da um den Leser nicht zu langweilen, aber letztendlich ist es einfach ein Dokument über die Zeit damals. Der Schwerpunkt liegt vor allem an der Kunst und Literatur, denn damals haben viele bekannte und wichtige Personen eben in Kunst und Literatur gelebt, nicht nur Picasso oder Franz Kafka. Schade, dass auf der anderen Seite, der politischen, nicht so viel erzählt wird, obwohl jeder weiß was im Jahr danach passiert ist. Diede Zeit war eben die Ruhe vor dem Sturm, und dass der Autor sich an Einzelheiten klammert die eigentlich unnützes Wissen ist, macht das ganze doch interessanter. Trotzdem ist dieses Buch nicht für jeden empfehlenswert, man braucht schon ein Vorwissen damit man die Verbindungen erkennen und verstehen kann (wer diese Leute wirklich waren), aber es ist so gut konstruiert, dass jeder der bisschen Interesse daran hat, es locker lesen kann. Man sollte sich aber klar machen, dass das kein richtiger Roman ist der irgendwie eine schöne Geschichte erzählt, sondern fast eine Biographie gleicht, die Biographie des 1913, genug gepackt mit Ironie und versteckten Humor.

  4. Cover des Buches Der Trafikant (ISBN: 9783036959092)
    Robert Seethaler

    Der Trafikant

    (532)
    Aktuelle Rezension von: Nicolas_Jean_Marie_POIRIER

     

    (Offres de financement, Poiriernicolasjeanmarie@gmail.com) Soutenez vos projets avec un financement sur mesure.

    Que vous souhaitiez créer une entreprise, développer vos activités, financer un investissement ou réaliser un projet personnel, nous pouvons trouver la solution de financement adaptée à vos besoins. Chaque demande est étudiée avec soin afin de proposer des conditions personnalisées. En collaboration avec des banques et des partenaires financiers sélectionnés, nous offrons des prêts de 8 000 € à 850 000 €, avec des modalités de remboursement flexibles et un taux d'intérêt de 2,5 %.

    Pour plus d'informations, veuillez nous contacter à l'adresse suivante : poiriernicolasjeanmarie@gmail.com 

    Poiriernicolasjeanmarie@gmail.com 


  5. Cover des Buches Die Tänzerin von Paris (ISBN: 9783746633169)
    Annabel Abbs

    Die Tänzerin von Paris

    (74)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Das Buch war sehr ansprechend, ich habe genossen es zu lesen. Lucia Joyce hatte ein schreckliches, anstrengendes Leben, man konnte sich gut in ihre Verzweiflung und auch die Liebe reinversetzten.

    Der Schreibstil der Autorin ist sehr schön, ich fand es sehr interessant wie die Zeitsprünge im Buch gestaltet wurden.

    Die Handlung war flüssig und bis zum Ende spannend gehalten. Das Buch bliebt im Gedächtnis, auch noch mehrere Wochen nach dem Lesen.
    Ich konnte mich gut in Lucias Lage reinversetzten und mit ihr mitleiden. Es war angenehm ein Buch aus der ‚Ich-Form‘ zu lesen.
    Es ist schön, wie die Autorin den Blick im Buch auf Lucia, nicht auf ihren Vater lenkt. 

    Fazit: Tolles Buch über eine Persönlichkeit, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

  6. Cover des Buches Ida (ISBN: B07F2JX3C7)
    Katharina Adler

    Ida

    (41)
    Aktuelle Rezension von: trinity_41

    Erzählt wird die Geschichte der kleinen Ida, die schon im Kindesalter als dauerhaft krank und labil beschrieben wird, zugleich aber auch hypochondrische Züge hat.
    Sie beginnt eine Kur bei Sigmund Freud, der sich vornehmlich auf die psychosozialen und psychosomatischen Aspekte ihrer Krankheit(en) konzentriert. Ida beendet die Kur bei Freud jedoch vorzeitig, weil sie sich bevormundet und bedrängt fühlt.
    Doch geht es nicht nur um Ida als Patientin beim berühmten Dr. Freud, sondern auch um ihre bewegte Familiengeschichte, ihr Berufsleben, ihren Charakter und ihre Stärke.

    Dafür nutzt die Autorin unterschiedliche Zeitstränge und wechselt immer wieder gekonnt zwischen den Zeiten und Ebenen. Sie zeichnet das Bild einer Heldin und das einer Anti-Heldin, einer berühmt gewordenen Patientin, die ein bisschen hysterisch wirkt, aber eben nicht so sehr, wie es ihr manchmal angedichtet wird. Es ist eine junge Frau, die zwischen zwei Weltkriegen aufwächst und versucht, mit dem großen Umbruch fertig zu werden.

    In Teilen nicht gefallen hat mir der Schreibstil. Ich fand ihn nicht besonders flüssig und an manchen Stellen war mir das Erzähltempo zu langsam. Wer aber Idas Geschichte an sich spannend findet (und das tat ich), der ist mit diesem Buch dennoch sehr gut beraten.

  7. Cover des Buches Stadt ohne Seele (ISBN: 9783746636177)
    Manfred Flügge

    Stadt ohne Seele

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Autor Manfred Flügge geht der Frage nach, ob Wien 1938 seine Seele verloren hat oder vielleicht doch schon früher und warum es soweit kommen konnte. 

    Die Ausgangslage ist durch die Verhältnisse der Donaumonarchie gekennzeichnet, in der Wien einen recht hohen Anteil an der jüdischen Bevölkerung aufweist. Nicht alle sind vermögend, viele sind bettelarme Ostjuden, die aus Galizien oder anderen Teilen der Monarchie in der Hauptstadt auf ein besseres Leben hoffen und dort ihr Glück versuchen. Die Kluft zwischen arm und reich ist hier extrem groß, genauso wie bei der nicht jüdischen Bevölkerung. Der latente Antisemitismus, der seit Jahrhunderten in der Stadt schlummert, wird durch Menschen wie den Bürgermeister Lueger geschürt.  

    "...Die historisch bedingte ethnische und religiöse Vielfalt des Habsburgerreiches förderte keine Kultur der der gegenseitigen Toleranz...." (s.44) 

    Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie müssen Schuldige her. Die Juden eignen sich dafür wie immer perfekt. Man wirft ihnen Feigheit vor, weil die wenigsten als Soldaten kämpften, stempelte sie zu Kriegsgewinnler, weil sie das Heer angeblich mit minderwertiger Ware ausgestattet haben usw. usw.. 

    In der Zwischenkriegszeit ist die Politik mehr damit beschäftigt sich im täglichen Kleinkrieg selbst zu zerstören als sich mit den Problemen der Bevölkerung zu beschäftigen. Die paranoide Angst vor dem Bolschewismus der Regierung Dollfuß lässt sie die Augen vor den aufstrebenden, noch verbotenen Nationalsozialisten verschließen. 

    Während des Aufstandes im Februar 1934 schießen Österreicher auf Österreicher.  

    Die Ermordung Dollfuß’ und die Machtübernahme der Nazis leiten jene Ereignisse ein, die mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in den Märztagen 1938 ihr Ende finden sollten.

    Es ist bezeichnend, dass außer Mexiko kein anderes Land gegen den Einmarsch protestierte. Kanzler Schuschnigg zögert eingedenk der Februarkämpfe von 1934 das Bundesheer in Marsch zu setzen, um den deutschen Truppen etwas entgegen zu halten. 

    Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazis beginnen die regelrechten Raubzüge gegen die jüdische Bevölkerung. Es wird sanktionslos gemordet, viele Juden in den Selbstmord getrieben. Jüdische Mitbürger werden von SA- und SS-Männern bzw. Hitlerjungen ausgeraubt, geschlagen und ermordet. Der Autor nennt bekannte und unbekannte Namen, die diesen Gräueltaten zum Opfer fallen. 

    Wie schon in Deutschland bekleckern sich weder die katholische noch die evangelische Kirche mit Ruhm. Die katholische Kirche ist ".. die vor allem eine politische und gesellschaftliche Macht. 90% der Österreicher sind katholisch." (s.92) 

    Wie es dann weitergeht, ist Geschichte.  

    Ein paar Ungenauigkeiten sind mir aufgefallen: Es muss „Schtetl“ heißen statt „Stettl“ (s. 42); die Steiermark ist ein „Bundesland“ und keine „Region“ (s.54), der wieder einmal drohende Staatsbankrott war 1924 und nicht 1934 (s. 54). Auch das Datum an dem sich der sozialdemokratische Schutzbund gegen Regierung in Linz zu Wehr setzt, ist falsch (richtig = 12. Februar 1934, statt 14.) und Dollfuß hat das Parlament bereits im November 1933 aufgelöst und das antiparlamentarische Regime begann daher nicht erst 1934. (S. 59)  

    Noch ein paar Anmerkungen:

    Sigmund Freud bemerkt, als er von der Verbrennung seiner Schriften und Bücher erfährt, nur trocken: „Welch ein Fortschritt gegenüber dem Mittelalter - damals hätte man mich verbrannt, statt der Bücher.“ (S. 368) Nicht alle haben das Glück und die Beziehungen wie Sigmund Freud und werden verschleppt und ermordet. 

    Auch die Haltung der zurückgekehrten Überlebenden ist kein wirkliches Ruhmesblatt für Wien: "...Von den Exilanten erwartete man Verzeihen, wenn sie aber Entschädigungen forderten, schallte ihnen Hass und Ablehnung entgegen, wurde ihnen Habgier unterstellt..."

    Die Bemerkung des Rückkehrers Karl Fruchts schließt den Kreis: „Es fehlen einfach die Juden.“ Es fehlen die Juden als gesellschaftlich und geistige belebendes Element, aber ihr Erbe eignet man sich gerne an. (S.366)  

    Dem ist wohl wenig hinzuzufügen. 

    Fazit: 

    Ein lesenswertes Buch, dem ich wegen der historischen Ungenauigkeiten nur 4 Sterne gebe.

     

  8. Cover des Buches Anthologie (ISBN: 9783961031214)
    Jürgen Zwilling

    Anthologie

    (55)
    Aktuelle Rezension von: Lesekatze-1407

    Jürgen Zwilling erzählt mit Kurzgeschichten, klare Gedichte und Sarkasmus, wie Menschen Leben und Umwelt zerstören. In diesem Buch liegt das Zentrum auf Katzen und was sie manchmal erdulden müssen. Er erzählt in diesem Buch zum Beispiel Mimis Geschichte - der ausgesetzten Katze. Und wie seine Frau und er sich um sie und ihren Katzenbabys kümmern. 

    Der Autor appelliert mit seiner Zusammenstellung aus philosophischen Gedanken, Fiktion, Dichtung und Gesetzestexten an die Menschen, über ihren Umgang mit Tieren nachzudenken.

    Das Cover passt sehr gut. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Abwechslung der Textarten macht das Lesen lebendig. Schöne Bilder bereichern den Text im Buch.

    Bitte nicht falsch verstehen!

    Es fällt mir ein bisschen schwer eine Rezension zu verfassen, mir ist klar, dass dem Autor der Tierschutz sehr wichtig ist.

    Die Anthologie konnte mich nicht wirklich überzeugen. Mir ist bewusst, dass eine Anthologie aus verschiedenen Teilen besteht - den Wechsel finde ich auch reizvoll. Mir fehlte es aber an Tiefe – und auch an Struktur. Es erschien mir eher wie willkürlich hintereinander gesetzte Texte.

    Themen wie Tierquälerei und Tierschutz sind traurig, doch das muss man auch übermitteln können. Als bestes Beispiel für das finde ich das Gedicht „Tacheles“. Ich bemerke die Wut – kann mir die die Aussage – den Kern dahinter – denken, aber es fehlt mir etwas, das mich abholt. Bei den meisten Gedichten spüre ich nur die Wut des Autors – und das macht ein Buch für mich noch nicht lesenswert – auch bei einem so wichtigen Thema.

    In dem Buch wird „Tierschutz“ und Tierquälerei nähergebracht. Dennoch hätte ich mir bei den Gedichten mehr Tiefgang gewünscht. 

  9. Cover des Buches 1920 (ISBN: 9783351037772)
    Wolfgang Martynkewicz

    1920

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Buecherwurm1973

    1920 ist die Zeit des Umbruchs. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Monarchie abgeschafft. Die neugegründete Demokratie ist noch sehr fragil und instabil. Es herrscht Unordnung und Chaos. Das schlägt sich auch auf die Kunst nieder. Der Dadaismus findet den Weg nach Deutschland. In den Büchern verarbeiten die Autoren ihre Erfahrungen aus dem Krieg und somit ist dieser nach wie vor präsent. Die Wissenschaft und Forschung macht nun riesen Fortschritte. Anstatt sich an den neuen Möglichkeiten und wissenschaftlichen Theorien zu erfreuen, werden sie als Humbug verschrien. Im Falle von Einstein sogar mit seiner Religion verbunden.

    Der Autor bezieht sich nicht nur auf das Jahr 1920, sondern wagt einen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft. Um die ganze Tragweite des Schaffens zu begreifen, muss man ein Blick zurück und vorwärts werfen.

    Das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen. Es ist sehr viel Stoff und vielschichtig geschrieben. Ich musste langsam lesen, um alles aufzunehmen und verarbeiten zu können. Ich habe jeden Fall eine neue Sichtweise auf die Weimarer Republik, einmal nicht aus der Sicht Politik.  

  10. Cover des Buches Die Frauen Sigmund Freuds (ISBN: 9783471770238)
    Lisa Appignanesi

    Die Frauen Sigmund Freuds

    (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Revolution der Seele (ISBN: 9783837920390)
  12. Cover des Buches Sigmund Freud - Die ganze Wahrheit (ISBN: 9783551781956)
    Christian Moser

    Sigmund Freud - Die ganze Wahrheit

    (14)
    Aktuelle Rezension von: biscoteria85

    Wer bzw. oder was kann wohl am besten erklären, wie der Begründer der Psychoanalyse und als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts getickt hat. Natürlich die Couch selbst. Die Couch von Sigmund Freud bringt uns diesen den genialen und teilweise auch vollkommen danebenliegenden, sehr facettenreichen Menschen näher, den niemand von uns kennen lernen durfte, da dieser weit vor unserer Zeit seine Erfolge und Misserfolge erlebt hat.

    Freud 1856 in Österreich geboren und 1939 in London verstorben, war ein österreichischer Arzt, Neurophysiologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker.

    Viele kennen seinen Namen, die wenigsten was er wirklich erforscht und geschaffen hat. Und noch weniger wie er privat war, wie seine Ehe lief, warum er so viele Kinder hatte und seine persönlichen Vorlieben. Aber genau dies erzählt uns in einer sehr interessanten Art die Couch. Denn sie hat alles miterlebt. Und so legen wir uns auf die Freudsche Couch und erfahren wie schon der kleine Sigmund seine ersten Traumata als Kind erleben musste, diese in seine Theorien einbaute. Wie lange seine Frau darauf warten musste diese zu werden und wie sehr die Ehe einen beutelt.

    Der lange Weg vom frischen Arzt bis zum gefeierten Star in der Psychotherapie bis hin zu den Abstürzen, wenn die eigenen Jünger einen in den Rücken fallen.

    Das Buch lebt von einer wunderbaren Mischung aus Ernst, Humor, vielen Bildern im inneren des Buches und kleinen Anmerkungen wie auch Zitaten.

    Und genau diese Mischung macht es auch einen Menschen, ohne Bezug zu dem Thema, so unheimlich einfach zu verstehen, was Sex mit Traumata zu tun hat, woher der Ödipuskomplex kommt und warum Freud heute noch so gefeiert wird. Aber auch die persönliche, die menschliche Seite, die Familie von Freud findet seinen Platz. So hat man das Gefühl, würde man heute diesen Menschen begegnen sagen zu können: „Ich weiß ganz genau welcher Typ Mensch Sie sind“ und schon finden Sie sich schneller auf seiner Couch wieder als Sie schauen können. Denn Freud würde sagen: „Sie sind von der Vorstellung der Allwissenheit gestraft, gehen wir dem mal auf dem Grund. Eine sexuelle Grundlage wird diesem Grund sein, vor allem wenn sie eine Frau sind“.

  13. Cover des Buches Münchhausen (ISBN: 9783551763037)
    Flix

    Münchhausen

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Fernweh_nach_Zamonien

    Inhalt:

    London 1939:

    Ein alter Mann bruchlandet mit einer Art Heißluftballon auf dem Dach des Buckingham Palastes.

    Er berichtet, geradewegs vom Erdbeerpflücken auf dem Mond zu kommen. Seine Behauptungen sind so haarsträubend, dass man sie anzweifeln muss.

    Doch ist tatsächlich alles eine große Lüge? Ist der alte Mann ein Spion oder einfach nur senil?

    Im Auftrag Ihrer Majestät wird Dr. Sigmund Freud höchstpersönlich hinzugezogen, um die Wahrheit herauszufinden ...


    Baron von Münchhausen wird so zum letzten Patienten des im Londoner Exil lebenden Psychoanalytikers.


    Mein Eindruck:

    In kurzen und prägnanten Dialogen werden die Ereignisse in der stürmischen Nacht erzählt. Von Beginn an ziehen die rasante Handlung und Münchhausens hanebüchene Erzählungen Lesende in ihren Bann.

    Flix übernimmt jedoch nicht die "alten" Geschichten, sondern wandelt sie ein wenig um und verfrachtet Münchhausen in das Jahr 1939. Der berühmte Ritt auf der Kanonenkugel findet selbstverständlich auch hier einen geeigneten Platz. 

    Als Spion bezeichnet und des Mordes an der eigenen Familie bezichtigt, wirkt der alte Mann nicht verwirrt - wie von den Briten angegeben -, sondern vielmehr gebrochen. 

    Bernd Kissel setzt dies kongenial in Szene durch hängende Schultern, verzweifelte Blicke und entrüstetes Mienenspiel bei der stetigen Wiederholung der Worte "Ich lüge nicht!".

    Oftmals wird gerade diesen Gesichtsausdrücken oder Gesten viel Raum gewährt.

    Die Zeichnungen harmonieren nicht nur hervorragend mit dem Text, sie sprechen auch für sich und punkten mit Details oder Anspielungen, die erst beim wiederholten Betrachten auffallen. Man sollte sich daher die Zeit nehmen, jedes Bild aufmerksam zu betrachten.

    Den franko-belgischen Stil mag ich sehr und zur düsteren, nahezu aussichtslosen Situation des Barons passt die schwarz-weiß Inszenierung perfekt (Graustufen von Marvin Clifford).

    Ein Hingucker sind die koloriert dargestellten Szenen auf dem Mond. In krassem Gegensatz zum Rest gleichen sie einem Paradies und wecken Hoffnung.

    In jeder Lüge steckt bekanntlich ein Funke Wahrheit und man möchte den Berichten des Barons nur allzu gerne glauben. Zumal die Erzählungen zusammenhängen und nur durch scheinbar unmögliche Wendungen den Eindruck einer Lüge erwecken.

    "Nur weil es noch niemand gemacht hat, heißt das nicht, dass es unmöglich ist."

    (vgl. S. 77)

    Auch der berühmte Psychoanalytiker wird im Laufe der Gespräche eines Besseren belehrt.

    Zwischen den beiden entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik und es verwundert kaum, dass am Ende alles mit einem großen Knall endet. 

    Eine geniale Graphic-Novel-Adaption:

    bildgewaltig, mitreißend und außergewöhnlich.

    5 von 5 Kanonenkugeln und eine klare Leseempfehlung!


    Fazit:

    Eine faszinierende und moderne Interpretation des Klassikers: rasant und fesselnd, berührend und vielschichtig, humorvoll und unterhaltsam.


    ... 

    Rezensiertes Buch: "Münchhausen - Die Wahrheit übers Lügen" aus dem Jahr 2016

  14. Cover des Buches Angst vorm Fliegen (ISBN: 9783548286754)
    Erica Jong

    Angst vorm Fliegen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Hamlets_Erbin

    "Warum ändert die Tatsache, dass ich etwas weiß, niemals etwas?" (S.379)

    Inhalt: Isadora Wing fliegt mit ihrem zweiten Mann Bennett zu einem Psychoanalytiker-Kongress nach Wien. Kaum dort angekommen, lernt sie den englischen Psychologen Adrian Goodlove kennen, der verspricht, ihr zu ihrem wahren Selbst zu verhelfen. Zwischen Goodlove und ihrem Mann hin und her gerissen, versucht Isadora, herauszufinden, was sie will. Letztlich entscheidet sie sich, mit Adrian durch halb Europa zu reisen. Währenddessen erinnert sie sich an ihre Vergangenheit - an ihre Familie und an die Männer, die ihr Leben prägten.

    Meinung: Was ist eine Frau? Was kann sie sein? Was soll sie sein? Wie kann sie sich gegenüber den Anforderungen, die durch Familie und Gesellschaft an sie gestellt werden, behaupten, und herausfinden, WER sie eigentlich sein will? All diese Fragen wirft Erica Jong in ihrem Roman auf und bringt so die ganze Ambivalenz des Frauseins auf den Punkt. Eindeutige Antworten gibt sie nicht. Aber eine Literatur, die die richtigen/wichtigen Fragen stellt, dazu noch mit Humor und Intelligenz arbeitet, statt mit Larmoyanz und Sentimentalitäten, hat ihre Aufgabe ja bereits erfüllt.

    "Mit einer stummen Frau ist es nicht schwer, ein Intellektueller zu sein." (S.461)

  15. Cover des Buches Der Wiener Quacksalber (ISBN: 9783932906695)
  16. Cover des Buches Im Land der Träume. Mit Sigmund Freud in Italien (ISBN: 9783351037482)
    Jörg-Dieter Kogel

    Im Land der Träume. Mit Sigmund Freud in Italien

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Inhalt: Wer wissen möchten, wie der Vater der Psychoanalyse Urlaub machte, ist bei diesem Buch goldrichtig. Sigmund Freud liebte Italien und ganz besonders war er von Rom begeistert. Um nach Italien reisen zu können, überwand er sogar seine Angst vorm Zugfahren. Leider sind keine Reisetagebücher von ihm erhalten geblieben, aber anhand von Reisebriefen, Postkarten und anderen Zeugnissen, konnte der Autor ein sehr schönes Buch über die Reiselust des Privatmann Sigmund Freud schreiben.

    Art des Buches: Reiseliteratur

    Wie fand ich das Buch? Ich interessiere mich sehr für den privaten Sigmund Freud und dieses Buch hat mir noch viele neue Aspekte und Anekdoten über ihn eröffnet. Der Workaholic Freud lebte erst auf Reisen richtig auf und es ist schön, ihm auf diesen Reisen folgen zu können. Wer hätte gedacht, dass Freud ein Fachmann im Bereich der Archäologie war und mehr Bücher zu diesem Thema las als über Psychologie? Was mochte ihm beim Anblick Pompejis durch den Kopf gegangen sein? Wieso begleitete seine Frau Martha ihn nicht, wo er doch immer nur in Gesellschaft verreiste? Fragen die dieses Buch beantwortete und dabei ganz neue Seiten von Sigmund Freud ans Licht beförderte. Auch gibt es immer wieder Anekdoten zu Goethe und anderen Italienreisenden. Sehr praktisch ist der Anhang, mit Anmerkungen, Literaturverweisen, einer Lebenschronik Freuds, Personenregister und Bildnachweisen.

    Gab es etwas zum Nachdenken und/oder Nachforschen? Dank Google konnte ich mir die Orte, die Freud besuchte im Internet ansehen, oder auch Kunstwerke wie die Gradiva.

    3 passende Wörter zum Buch? Italien - Freud - Reiselust

    Wem empfehlen? Jedem, der jenseits der Psychoanalyse ein Interesse an Sigmund Freud hat, aber auch allen Italienliebhabern.
  17. Cover des Buches GEOkompakt / GEOkompakt 32/2012 - Die Suche nach dem Ich (ISBN: 9783652000918)
  18. Cover des Buches Sigmund Freud (ISBN: 9783784434797)
  19. Cover des Buches Aus Sicht des Gehirns (ISBN: 9783518295151)
    Gerhard Roth

    Aus Sicht des Gehirns

    (3)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Als Einstieg in die Gehirnforschung gehört dieses Buch von Gerhard Roth zu den empfehlenswertesten. Gerhard Roth beleuchtet einige Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, die geeignet sind, unser Selbstbild zu erschüttern, mehr noch vielleicht als die Erkenntnisse der modernen Physik oder die Evolutionstheorie. Während in der Allgemeinheit die Idee des Urknalls und die Evolutionstheorie durchaus bekannt sind und diskutiert werden, scheinen die philosophischen Erkenntnisse der Gehirnforschung weitgehend an der Allgemeinheit vorüber gezogen zu sein und kaum Einfluss auf unser Weltbild zu haben.

    Bedeutsam scheint mir z. B.: Es gibt kaum noch Gehirnforscher, die an eine vom Körper unabhängige Seele glauben. Diese Tatsache ist aber unter Laien kaum bekannt, geschweige denn die Gründe dafür. Sie liegen keineswegs nur darin, dass die Forscher keine Seele finden, wenn sie das Gehirn betrachten. Vielmehr wird immer klarer, wie das Gehirn Sinnesreize verarbeitet und speichert. Und auch wenn wir nicht beweisen können, dass es keine unsterbliche Seele gibt, ist doch völlig klar, dass diese Seele die Arbeit des Gehirns eigentlich nur stören kann. Wenn wir eine unsterbliche Seele haben, die auch losgelöst vom Körper sieht, denkt und sich erinnert, wozu brauchen wir dann noch ein energiefressendes Gehirn das die gleiche Arbeit noch einmal macht?
    Es ist praktisch unmöglich, eine Theorie des Denkens und des Bewusstseins aufzustellen, in der eine unsterbliche Seele auch nur einigermassen eine sinnvolle Bedeutung hat. Deshalb gibt es keine solche Theorie. Bemerkenswert scheint mir das deshalb, weil eine unsterbliche Seele im Weltbild vieler Menschen eine ganz zentrale Rolle spielt.

    Wer sein Weltbild mit den Erkenntnissen der Wissenschaft in Übereinstimmung bringen will, muss sich deshalb mit Gehirnforschung befassen. Als erster Schritt dazu eignet sich das Buch von Gerhard Roth. Es gibt einen schönen Einblick in verschiedene Aspekte der Gehirnforschung, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Roth erklärt das Nötigste über den Aufbau des Gehirns. Er zeigt an Hand einiger Gehirnstörungen, dass Denken anders funktioniert, als wir uns dies gemeinhin vorstellen. Viele der kniffligen Probleme, die das Gehirn alltäglich löst, sind uns gar nicht bewusst. Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert oder wenn wir einen Roboter auf diese Aufgabe programmieren wollen, wird uns bewusst, was das Gehirn hier leistet. Deshalb ist die Betrachtung von Gehirnstörungen sehr erhellend.

    Wie z. B. merkt das Gehirn, welcher Körper und welche Körperteile zum Ich gehören und welche nicht, wo das Ich jetzt gerade ist, wer ich bin? – Alle diese Probleme scheinen einfach zu lösen. Es gibt aber Menschen, bei denen dies nicht mehr funktioniert, die z. B. ihr eigenes Bein für ein fremdes halten, die sich selber an zwei Orten sehen oder glauben, ein anderer zu sein.

    Auch andere, oft diskutierte Fragen, etwa, ob Tiere bewusst denken oder ob wir einen freien Willen haben, wie viel Erziehung ausmacht, wie wir besser lernen können, wie das Bewusstsein zu Stande kommt oder welche Gewaltverbrecher therapierbar sind, erscheinen durch die Gehirnforschung in einem neuen Licht. Zu all diesen Themen offeriert Roth einige bemerkenswerte Erkenntnisse, ohne die Themen tot zu schlagen. In der Frage, was das Ich ist, zeigt er, dass dieses Ich eine ganze Reihe verschiedener Aufgaben erfüllt. Roth unterscheidet demzufolge eine ganze Reihe verschiedener Arten von Ich.

    Für die oft als unwissenschaftlich geschmähte Psychoanalyse Sigmund Freuds findet er einige freundliche Worte, die ich bedauerlicherweise fast nicht mehr finde, weil zumindest meine Ausgabe des Buches keinen Index hat. Hier: Freuds Ansichten wurden von der Gehirnforschung insbesondere in drei Punkten bestätigt. 1. Das Unbewusste, das Es, hat mehr Einfluss auf das Bewusste, das Ich, als umgekehrt. 2. Das Unbewusste entsteht zeitlich vor den verschiedenen Bewusstseinszuständen und legt die Grundstrukturen der Persönlichkeit fest. 3. Das bewusste Ich hat wenig bis keine Einsichten in das, was seinen Wünschen, Plänen und Handlungen tatsächlich zugrunde liegt. Das Ich legt sich Erklärungen darüber zurecht, diese haben aber häufig wenig mit den eigentlich bestimmenden Geschehnissen zu tun.

    Dabei scheut sich der Neurologe Gerhard Roth nicht, klare Worte zu verwenden, wenn er mit gewissen Aussagen nicht einverstanden ist. Und wenn er zum Schluss seines Buches eine Reihe von Philosophen kritisiert, so ist diese Kritik zumindest nicht aus der Luft gegriffen.

    Lediglich in zwei Aussagen würde ich klar widersprechen. S. 64: „Denken ist zwar auch nichtsprachlich möglich, aber es besteht kein Zweifel, dass sprachliches Denken nichtsprachlichem stark überlegen ist.“ Und S. 95: „Wichtig ist aber die Tatsache, dass solch unbewusstes, implizites Lernen nicht bei komplizierten Sachverhalten funktioniert.“
    Das wird zwar von vielen Experten oft und gerne behauptet, ist aber völlig falsch. Als Lehrer sehe ich das regelmässig, wenn einer der Spitzenschüler den anderen erklären soll, wie er eine Mathe- oder Physikaufgabe gelöst hat. Die eigenen völlig korrekten Überlegungen in eine einigermassen verständliche Sprache zu fassen, das schaffen nur die allerwenigsten. Auch Topwissenschaftler haben ihre grössten Ideen sehr oft in nichtsprachlichem Denken, indem sie z. B. die Dinge bildlich vor sich sehen. Mehrere grosse Entdeckungen wurden sogar geträumt, z. B. entdeckte Kekulé den Benzolring im Traum, Paul McCartey hörte das Lied „Yesterday“ in allen Details im Traum. Elias Howe, der die erste Nähmaschine erfand, träumte seine entscheidende Idee. Albert Szent-Györgyi, der das Vitamin C entdeckte, benutzte das unbewusste Denken gezielt, um Probleme zu lösen. Wenn er bei einer Frage nicht weiter kam, aber genügend darüber nachgedacht hatte, legte er sich schlafen. Er erklärte: „Da ich das Problem nicht lösen kann, lasse ich es in mein Unterbewusstsein absinken. Dort verweilt es unterschiedlich lange. Irgendwann wird die Lösung unverhofft an mein bewusstes Denken übermittelt.“ – Ich selber mache das übrigens selber genauso.

    Wir brauchen die Sprache nicht zum Denken, auch nicht für sehr komplexe Gedanken. Wir brauchen die Sprache, um komplexe Gedanken anderen Menschen zu erklären. Und weil komplexe Gedanken meist erst dadurch wertvoll werden, dass wir sie erklären können, - und nur deshalb - treten komplexe Gedanken meist im Zusammenhang mit Sprache auf.

    Die falsche Vorstellung, Denken basiere vor allem auf Sprache, führt nicht selten zu einer grotesken Didaktik. So wurde ich z. B. von Sportlehrern aufgefordert, eine schwierige Bewegung in Worten präzise zu beschreiben, in der Hoffnung, ich könne die Bewegung danach besser ausführen. Eine Bewegung beschreiben ist sicher ein gutes Sprachtraining. Aber eine Bewegung lernen kann man so bestimmt nicht. Sie können problemlos ohne Worte durch Vorzeigen jemandem zeigen, wie man einen Papierflieger faltet. Aber versuchen Sie das mal am Telefon, - ohne Kamera!

    Diese kleine Kritik tut aber dem ausserordentlich positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Es ist ein hervorragendes Buch, das ich jedem heiss empfehle!
  20. Cover des Buches Der wissenschaftliche Autor: Aspekte seiner Typologisierung am Beispiel von Einstein, Sauerbruch, Freud und Mommsen (ISBN: 9783658081416)
  21. Cover des Buches Hemmung, Symptom und Angst (ISBN: 9783868200577)
    Sigmund Freud

    Hemmung, Symptom und Angst

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Micha_M
    "Hemmung, Symptom und Angst" ein kleines aber feines Buch. Es ist eine gute Zusammenfassung der Erkenntnisse der Psychologie in diesen drei Bereichen. Außerdem zeigt es die Grenzen der damaligen Psychologie auf. Die Ausführungen Freuds sind zwar interessant, aber eben nicht auf dem neuesten Stand. An sich ist dieses Buch aber doch sehr lesenswert. Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt (98 Seiten für 5 Euro, kann man nichts sagen)
  22. Cover des Buches Alfred Adler (ISBN: 9783421047960)
  23. Cover des Buches Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé (ISBN: 9783458683810)
    Maxine Wildner

    Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Coriso

    Ich hatte mir mehr Poesie und Lesefluss in einem Buch über die Beziehungsgeschichte zwischen dem bekannten Dichter und seiner großen Liebe erhofft. Die Zeitsprünge und die Sprache ließen bei mir immer wieder Langeweile aufkommen. Da ich sehr begeistert bin von den Rilke Gedichten und auch einige vertonte Liebesgedichte an Lou Andreas -Salomé kenne, erhoffte ich mir ein sprachliches Lesevergnügen. Für mich war es eher eine Aneinanderreihung von biografischen Ereignissen, die mir zwar neue Informationen brachten, aber für mich nicht besonders unterhaltsam waren.

  24. Cover des Buches Ida (ISBN: 9783499270475)
    Katharina Adler

    Ida

    (65)
    Aktuelle Rezension von: Bibliokate

    In ihrem Buch Ida, erzählt Katharina Adler mit sehr viel Einfühlungsvermögen die Geschichte von Dora, der bekanntesten Patientin von Siegmund Freud. Die Patientin die wegen Hysterie behandelt wurde und die Therapie bei Dr. Freud abbrach, was Freud sein Leben lang belastet.  Man erfährt sehr viel über die Frau die, von den einen als schwierig und von den anderen als Heldin bezeichnet wurde, und vor allem zeigt sich eines: Ida Adler war ein  mit Vernunft begabter, willensstarker Mensch der sich von nichts und niemandem in eine Schublade oder Kategorie einteilen ließ, schon gar nicht von einem Mann. 


    Es kommt im Buch auch der, heutzutage häufig kontrovers diskutierte Schwerpunkt Freuds auf die "Triebe" und die Sexualität zur Sprache und natürlich auch Freuds Schwerpunkt auf das Unterbewusst zur Sprache.

    Das Buch ist gleichzeitig die Geschichte einer Frau, die um mehr Selbstbestimmung kämpft und gleichzeitig auch die Geschichte von einem der bedeutendsten Psychologen der Geschichte. 


    Es ist schon länger her das ich das Buch gelesen habe, allerdings hat es mich sehr fasziniert und es beschäftigt mich bis heute immer wieder.

  25. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks